Snooks – Die Statue eines kleinen Hundes in Aldeburgh (Suffolk)

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Dr Robin Acheson praktizierte viele Jahre lang, von 1931 bis 1959, als Hausarzt in der Küstenstadt Aldeburgh in Suffolk. Nach seinem Tod übernahm seine Frau Dr Nora Acheson die Praxis. Jeder in der Stadt kannte den Arzt, wenn er seine Runden machte und Patienten zuhause aufsuchte. Dabei wurde er häufig von seinem Hund Snooks begleitet, der seinen Namen von der Fischart Snook erhielt, den die Achesons während des Zweiten Weltkriegs aßen, der in Dosen importiert wurde. Jeder in Aldeburgh mochte den kleinen Hund, der eine Eigenheit hatte, die ihm nicht gut bekam, er fraß liebend gern die Kieselsteine, die es am Strand in Mengen gab, und so musste er einige Male unter das Messer des örtlichen Tierarztes, damit diese wieder ans Tageslicht befördert werden konnten.

Zwei Jahre nach dem Tod von Dr Robin Acheson, im Jahr 1961, errichtete man ihm zu Ehren eine Statue in der Nähe des Museums und des Schiffsmodellteichs, auf der ein Abbild seines geliebten Hundes sitzt, sie trägt die Inschrift:

THIS MEMORIAL WAS ERECTED BY THE PEOPLE OF THE BOROUGH TO Dr ROBIN P M ACHESON WHO CARED FOR THEM FROM 1931 TO 1959 AND TO Dr NORA HIS WIFE WHO DIED 1981 WHILST STILL CARING.

42 Jahre lang saß Snooks dort auf der Plinthe, bis er im Februar 2003 gestohlen wurde. Ganz Aldeburgh war empört, alle hatten die kleine Statue lieb gewonnen, und als sie nicht mehr auftauchte, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um eine neue herstellen zu lassen.
Fast zehn Jahre später tauchte der Original-Snooks wieder auf; ein Antiquitätenhändler fand ihn auf einem Markt in Lincoln, stellte einige Recherchen über die Herkunft der Statue an, fand heraus, dass sie gestohlen worden war und gab sie den Bürgern von Aldeburgh wieder zurück. Jetzt sitzt Snooks im Garten des Aldeburgh Hospitals, während sein Replika-Zwilling nach wie vor an dem ursprünglichen Standort zu finden ist.

An einem kalten Wintertag in Aldeburgh.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Museum of Witchcraft and Magic in Boscastle (Cornwall)

Photo © Darren Haddock (cc-by-sa/2.0)

Am 16. August 2004 ging eine Meldung auch in Deutschland durch die Medien, in der der Ortsname Boscastle genannt wurde: An diesem Tag wurde das schläfrige Küstenstädtchen an der Nordküste Cornwalls nach einem heftigen Unwetter von einer vier Meter hohen Flutwelle überspült, die glücklicherweise keine Todesopfer verursachte, aber einen immensen Sachschaden von ca 60 Millionen Euro zur Folge hatte. Hier ein Film über die Katastrophe.

Auch das „Museum of Witchcraft and Magic„, die Touristenattraktion von Boscastle, wurde von der Flutwelle schwer betroffen. Das Erdgeschoss wurde ganz vernichtet und etwa 10% der Ausstellungsstücke gingen verloren. Tagelang waren die Räume des Museums mit dem, was die Wassermassen zurückgelassen hatten, bedeckt; doch dann krempelten die Museumsmitarbeiter und Freiwillige aus dem Ort die Ärmel hoch und räumten auf, so dass am 25. März 2005 das Museum wieder geöffnet werden konnte.

Seit 1960 gibt es das Museum in Boscastle, und hier ist so alles zusammengetragen worden, was in irgendeiner Form mit Hexerei und Magie zu tun hat. Eltern, die ihre Kinder mitnehmen, werden gewarnt: „People with children of a sensitive disposition are warned that some of the exhibits are controversial„.

Die „Friends of the Museum of Witchcraft & Magic“ unterstützen das Museum nach besten Kräften.
Der Eintritt beträgt £7 für Erwachsene, £5 für Kinder, aber (wie ich einmal las): £10 für „Naughty Children and little monsters“. Man sollte sich also schon genau überlegen, wenn man Kinder in das Museum mitnimmt, ob sie in die Kategorie „well behaved“ oder in die Kategorie „naughty“ fallen.

Hier ist ein Film über das Museum.

The Museum of Witchcraft and Magic
The Harbour
Boscastle
Cornwall
PL35 0HD

Photo: Ennor.
Creative Commons 2.0


Photo: Midnightblueowl.
Creative Commons 3.0
Published in: on 30. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

WOOF&BREW – Köstliche Getränke für Hunde… aus St Ives in Cambridgeshire

Ob es hier wohl Bottom Sniffer Bier gibt?
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Felder kehren Herrchen und Hund in einen Pub ein, und sollte dieser hundefreundlich sein, so bekommt der Vierbeiner vielleicht eine Schüssel mit Wasser hingestellt, damit er seinen Durst löschen kann, während der Zweibeiner genüsslich sein Pint Real Ale schlürft. Da wird sich so mancher Hund im Stillen sagen, so etwas hätte ich jetzt auch gern, anstelle des labberigen Wassers. Wenn der Pub nun besonders dog-friendly ist, könnte der Hundewunsch in Erfüllung gehen, in Form einer Flasche Bottom Sniffer Biers, (leider?) ohne Alkohol und Kohlensäure, aber mit vielen leckeren Kräutern. Hundeladies, die kein Bier mögen, ziehen sicher einen Wein vor wie Posh Pooch Tailwagger Creek Dog Wine oder Posh Pooch Barker Bay Dog Wine, ebenfalls alkoholfrei. Sollte ein Hund weder Bier noch Wein mögen, kann er zu einer Tasse Hundetee greifen, der in den Geschmacksrichtungen Lapdog Souchong, Barkjeeling und Earl Greyhound auf dem Markt ist.

Alle diese genannten Leckerlis für Hunde kommen aus dem Haus WOOF&BREW, The Pet Drinks Company, beheimatet in St Ives in Cambridgeshire. Seit November 2012 gibt es diese Firma schon, die sich auf all das spezialisiert hat, was Hunde gern in flüssiger Form zu sich nehmen (und am nächsten Baum wieder von sich geben). In Zusammenarbeit mit Tierärzten und Experten für Hundeernährung sind diese Produkte entwickelt worden, die schon so manchen Hund glücklich gemacht haben.

Dieser Film zeigt den Abfüllvorgang des Bottom Sniffer Biers, und hier ist ein TV-Werbespot der Firma.

Published in: on 29. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„English Country Garden“ – Eine Hymne auf die Vielfalt der Blumen in einem englischen Garten

Die Snowshill Manor Gardens in Gloucestershire.
Photo © Stuart Wilding (cc-by-sa/2.0)

Nachdem ich gestern über die Lambrook Manor Gardens in Somerset geschrieben habe, bleibe ich heute noch einmal beim Thema „Country Garden“.

Der US-amerikanische Sänger Jimmie Rodgers (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Countrysänger) hatte im Juni 1962 einen großen Hit in England mit seinem Song „English Country Garden„, der es bis auf Platz 5 der Charts schaffte. Darin besingt er mit einer sehr eingängigen Melodie die Blumen, die man in einem typischen englischen Garten findet. Die 1. Strophe lautet so:

How many kinds of sweet flowers grow
In an English country garden?
We’ll tell you now of some that we know
Those we miss you’ll surely pardon
Daffodils, heart’s ease and flox
Meadowsweet and lady smocks
Gentian, lupine and tall hollihocks
Roses, foxgloves, snowdrops,
Blue forget-me-nots
In an English country garden.

Woher stammt nun dieser hübsche Song? Zu finden ist die Melodie in der 1728 uraufgeführten „The Quaker’s Opera„, ein Werk in drei Akten, in dem es um das Leben des berühmten Räubers Jack Sheppard geht und das auf der Londoner Bartholomew Fair gespielt wurde. Das Lied „The Vicar of Bray“ verwendet ebenfalls diese Melodie.

Ein gewisser Percy Grainger beschäftigte sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit englischer Volksmusik, fand die Melodie wieder, arrangierte sie neu und widmete sie seinem Freund Edvard Grieg.
Das Lied wurde seitdem in verschiedenen Interpretationen mit leicht veränderten Titeln wie „Country Gardens“ oder „In an English Country Garden“ aufgenommen und veröffentlicht.
Hier ist die Version von Jimmie Rodgers zu hören und hier die Version mit Rolf Harris.

Published in: on 28. August 2022 at 02:00  Comments (5)  

Margery Fish und die East Lambrook Manor Gardens in Somerset

Das Manor House.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich hatte die Journalistin Margery Fish (1888?-1969) mit Gärten gar nichts am Hute; auch ihr Ehemann Walter, Nachrichtenredakteur bei der Daily Mail als sie ihn kennenlernte, war alles andere als ein Gartenfachmann; und doch sollten die Fishs, besonders Margery, in die Geschichte des englischen Gartenbaus eingehen.

1938 verließ das Journalistenehepaar am Vorabend des 2. Weltkriegs die  Großstadt London und zog in das ländliche Somerset, wo sie das heruntergekommene East Lambrook Manor kauften, ein nicht allzu großes Herrenhaus aus der Tudor-Zeit. Margery und Walter krempelten die Ärmel hoch, um aus ihrem neuen Anwesen wieder etwas Neues zu erschaffen; auch der total verwilderte Garten wurde neu gestaltet, was Margery so gut gelang, dass East Lambrook Manor heute als „Home of English Cottage Gardening“ gilt.

So begeistert war Margery Fish von der Arbeit in ihrem Garten, dass sie mehrere Bücher darüber schrieb, von denen auch einige ins Deutsche übersetzt wurden. In „We Made a Garden„, das 1956 erschien, schildert sie wie sie und ihr Mann aus der Wildnis einen blühenden Garten erschufen. Es folgten Bücher mit den Titeln „Cottage Garden Flowers“, „Gardening in the Shade“ oder „Carefree Gardening“.

Nach Margery Fishs Tod im Jahr 1969 wechselte East Lambrook Manor mehrfach die Besitzer, aber alle legten Wert darauf, den so liebevoll gestalteten Garten so gut wie möglich zu erhalten.

Heute sind die East Lambrook Manor Gardens ein beliebtes Ausflugsziel. In diesem Jahr sind die Gärten von Februar bis Ende Oktober geöffnet; die Schneeglöckchen „läuteten“ wie immer die neue Saison ein. . Der Eintrittspreis beträgt in diesem Jahr £6.50.

In diesem Film sind Bilder von den Manor Gardens zu sehen.

East Lambrook Manor Gardens
South Petherton
Somerset, TA13 5HH

Das Buch zum Artikel:
Timothy Clark: Margery Fish’s Country Gardening. Garden Art Press 1999. 192 Seiten. ISBN 978-1870673310

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)
Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)
Photo: steeljam.
Creative Commons 2.0
Published in: on 27. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Ruth Rendell’s Suffolk.

Foto meines Exemplares.

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass zwar schon 1989 erschienen ist, aber antiquarisch problemlos zu bekommen ist: „Ruth Rendell’s Suffolk„, eine Liebeserklärung der berühmten Krimischriftstellerin Ruth Rendell (1930-2015) an die Grafschaft Suffolk, in der sie lange Jahre wohnte. Baroness Rendell of Babergh, wie sie sich auch nennen durfte, gehört zusammen mit Agatha Christie, Dorothy Sayers und P.D. James zu den ganz großen Autorinnen von Kriminalromanen in England. Auch Sayers und James hatten eine enge Beziehung zu East Anglia, was sich in einigen ihrer Romane manifestierte wie „The Nine Taylors“ (dt. „Der Glocken Schlag“) respektive „Unnatural Causes“ (dt. „Ein unverhofftes Geständnis“).

In „Ruth Rendell’s Suffolk“ porträtiert die Autorin die Grafschaft aus ganz persönlicher Sicht, so schreibt sie beispielsweise über ihren Wohnort Polstead und ihr altes ehemaliges Farmhaus Nussteads. Sowohl Polstead als auch das benachbarte Nayland tauchen in ihrem Krimi „A Fatal Inversion“ (dt. „Es scheint die Sonne noch so schön“) auf, für den sie den Golden Dagger erhielt und den sie unter dem Pseudonym Barbara Vine schrieb.

Ruth Rendell stellt in ihrem Buch eine ihrer Lieblingskirchen in Suffolk vor: St Andrew’s in Covehithe, immer wieder hören wir von einem ihrer favorisierten Schriftsteller, Montague Rhodes James, Verfasser von Geistergeschichten, der ebenfalls eine ausgeprägte Vorliebe für Suffolk und Norfolk hatte. Sie besucht Aldeburgh an der Küste und die Snape Maltings am River Alde, bekannt geworden als Konzerthalle, wo das Aldeburgh Music Festival stattfindet, und die eine besondere Beziehung zu dem Komponisten Benjamin Britten hat.

Besonders hervorheben möchte ich die wunderschönen, stimmungsvollen Fotos des Londoner Fotografen Paul Bowden, der die Besonderheiten der Grafschaft Suffolk hervorragend in Bildern eingefangen hat, die das Buch perfekt ergänzen.

Ruth Rendell’s Suffolk. Frederick Muller 1989. 144 Seiten. ISBN 978-0091736699.

St Andrew’s in Covehithe.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Aldeburgh.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Snape Maltings.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das merkwürdige Lych Gate der Kirche St Peter and St Paul in Long Compton (Warwickshire)

Photo © Jennifer Luther Thomas (cc-by-sa/2.0)

Über die überdachten Eingangstore zu Kirchhöfen, Lych Gates genannt, habe ich mich in meinem Blog früher schon einmal ausgelassen.
Ein ganz besonders ungewöhnliches Exemplar eines Lych Gates möchte ich heute vorstellen, das in Long Compton in der Grafschaft Warwickshire zu finden ist. Das Dorf liegt ganz in der Nähe des durch seine Brauerei bekannten Ortes Hook Norton und der Rollright Stones in den Cotswolds. Dort steht die Gemeindekirche St Peter and St Paul, die sich dieser Einmaligkeit rühmen kann. Das Lych Gate wird nämlich von einem uralten Cottage „gekrönt“, das etwa aus dem Jahr 1600 stammen soll. Es war damals Teil einer ganzen Reihe von Cottages, die aber in den 1920er Jahren abgerissen worden waren, nur dieses eine hat man stehen gelassen. Zuerst hatte sich darin ein Schuster niedergelassen, später wurde daraus ein Antiquitätengeschäft. Nachdem ein weiterer Bewohner das Cottage hat restaurieren lassen und ihm ein neues Reetdach spendiert hat, wurde es schließlich der Kirche St Paul and St Peter geschenkt. Heute treffen sich dort die Mitglieder der Compton District History Society.

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

Helen Browning’s Royal Oak in Bishopstone (Wiltshire) – Inn of the Year 2022 des Good Hotel Guides

Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Helen Browning betreibt seit 1986 eine Farm in Bishopstone (Wiltshire), ein paar Kilometer östlich von Swindon gelegen. Auf der Eastbrook Farm wird alles organisch angebaut. Helen plante schon als Kind den Bauernhof ihres Vaters zu übernehmen, und sie hat ihn zu einem erfolgreichen Unternehmen ausgebaut. Sie war Chief Executive der Soil Association, einer Organisation, die sich gegen Intensivlandwirtschaft wendet und sich für die Zertifizierung von Bio-Lebensmitteln einsetzt. Dieser Film zeigt eine Tour durch die Farm.

Am Cues Lane in Bishopstone betreibt Helen Browning auch einen Pub, The Royal Oak, einen Dining Pub, der ebenfalls zwölf Zimmer zur Übernachtung anbietet. Die Tester vom The Good Hotel Guide waren von The Royal Oak dermaßen begeistert, dass sie ihn in diesem Jahr zum Inn of the Year kürten. Im Mittelpunkt des Speiseangebots stehen selbstverständlich Produkte von der Eastbrook Farm, also Schweine- und Rindfleisch, Eier, beziehungsweise von Farmen aus der näheren Umgebung. Das im Pub servierte Eis stammt von den Milchkühen der Farm, zusätzlich wird auch veganes Eis angeboten.
Die Biere, die im Pub ausgeschenkt werden, kommen von der Arkell’s Brewery im benachbarten Swindon.

Helen Browning’s Royal Oak
Cues Lane, Bishopstone
Nr Swindon
SN6 8PP

Hier geht’s lang zur Royal Oak.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Die Geevor Tin Mine – Ein Touristenziel bei Pendeen in Cornwall

Photo © Jonathan Wilkins (cc-by-sa/2.0)

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts deckte Cornwall mehr als die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn. Der Bergbau war ein wichtiger Wirtschaftszweig im äußersten Südwesten Englands, doch am Ende des 20. Jahrhunderts waren die Minen weitgehend erschöpft. 1998 wurde die letzte Zinnmine geschlossen. Die Bergbaulandschaft von Cornwall nahm man 2006 in die Liste des UNESCO-Welterbes auf und in vielen Teilen des Landes sind die Ruinen und Überreste der einst florierenden Bergwerke noch zu sehen.

Die Geevor Tin Mine, nördlich von St Just bei Pendeen gelegen, wurde 1990 geschlossen und, nachdem die Pumpen abgestellt waren, wurden die Stollen geflutet. Heute erfreut sich die alte Zinnmine vieler Besucher, denn man hat sie als Touristenattraktion umgebaut, die allen Interessierten einen Einblick in die Arbeitsweise des früheren Bergwerks gibt. Neben dem Minenmuseum ist sicher der Höhepunkt eines Besuches eine geführte Tour durch den noch übriggebliebenen, zugänglichen Stollen Wheal Mexico.

Die Geevor Tin Mine ist ganzjährig von Sonntag bis Freitag von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet und kostet £17.70 Eintritt für einen Erwachsenen.

Hier ist ein Film über die Geevor Tin Mine zu sehen.

Geevor Tin Mine
Pendeen
Penzance
Cornwall
TR19 7EW

Das Buch zum Artikel:
Denys Bradford Barton: A History of Tin Mining and Smelting in Cornwall . D.B.Barton 1967. 302 Seiten. ISBN 978-0851530369 (nur noch antiquarisch erhältlich).

Photo: CharNewcomb.
Creative Commons 2.0
Photo: Ian A Gratton.
Creative Commons 2.0
Published in: on 23. August 2022 at 02:00  Comments (4)  

Polstead in Suffolk und der Mord in der roten Scheune

Polsteads Village Sign.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Das Village Sign des Dorfes Polstead zeigt die Pfarrkirche St Mary’s, umrankt von zwei Kirschbäumen an denen Kirschen hängen, ein Hinweis, dass wir es hier mit einem Anbaugebiet dieser Frucht zu tun haben. Eine Sorte ist sogar nach dem Dorf benannt worden, die Polstead Black Cherry.

Ein Ereignis, das sich im Jahr 1827 in Polstead abgespielt hat, und das das ganze Land erschütterte, ist natürlich nicht auf dem Dorfschild verewigt worden: The Red Barn Murder, ein Fall, der in die Kriminalgeschichte eingegangen ist. Die 26-jährige Maria Marten wurde am 18. Mai 1827 von ihrem Liebhaber William Corder, der auch aus dem Ort stammte, erschossen. Beide hatten sich in der roten Scheune getroffen, weil sie dem Dorf entfliehen und nach Ipswich ziehen wollten. Corder begrub Maria in der Scheune und behauptete im Dorf, sie sei in Ipswich und wolle nicht zurückkommen. Marias Stiefmutter hatte mehrere Träume, in denen sie ihre Stieftochter tot in der roten Scheune sah. Sie insistierte, dass dort gegraben werden sollte, was dann auch geschah und Marias Leiche entdeckt wurde. Schnell fiel der Verdacht auf William Corder, der auch bald darauf in Brentford, in West-London verhaftet wurde. Im Gerichtsverfahren gegen ihn in Bury St Edmunds sprach man ihn schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Am 11. August 1828 wurde der Mann aus Polstead in Bury aufgehängt.

Das ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung des Falls, der ganz Großbritannien in Aufregung versetzte und Nachwirkungen hatte, indem Lieder darüber komponiert, Theaterstücke geschrieben und Filme gedreht wurden. Tom Waits zum Beispiel sang den Song „Murder in the Red Barn„. Hier ist der gleichnamige Film aus dem Jahr 1935 mit Tod Slaughter in der Hauptrolle als William Corder.

Die rote Scheune in Polstead steht schon lange nicht mehr. Menschen aus ganz Großbritannien kamen hierher und nahmen sich „Andenken“ mit, indem sie Holzstücke aus der Scheune herausbrachen. Auch aus Marias Grabstein auf dem Kirchhof von St Mary’s wurden Steinstückchen herausgeschlagen, so dass man auf eine Erneuerung verzichtete und stattdessen eine hölzerne Gedenktafel an einen Schuppen neben der Kirche anbrachte.

Hier ist eine ausführliche Darstellung des Falles im Film.

Polstead war auch für viele Jahre Wohnort der Krimiautorin Ruth Rendell, die in einem alten Haus mit dem Namen Nussteads lebte. Sie starb im Jahr 2015 und wurde auf dem Kirchhof von St Bartholomew’s in Groton, nur ein paar Kilometer von Polstead entfernt, beigesetzt.

Das Buch zum Artikel:
Peter Maggs: Murder in the Red Barn: The Tragic Story of Maria Martin and William Corder. Mirli Books 2015. 240 Seiten. 978-0956287021
.

In diesem Haus in der Straße Polstead Hill wohnte die Familie Corder.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Marias Gedenktafel auf dem Kirchhof von St Mary’s.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
St Mary’s.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Edington Music Festival in Edington (Wiltshire)

Die Priory Church of St Katherine and All Saints.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Das kleine Edington in der Grafschaft Wiltshire ist ab heute, dem 21. August 2022, wieder eine Woche lang Schauplatz des alljährlichen Music Festivals, „A Festival of Music Within the Liturgy“, und das schon zum 65. Mal. Die Priory Church of St Katherine and All Saints ist die passende Umgebung für dieses Festival, in dem Kirchenmusik im Mittelpunkt steht. Chorsänger aus ganz Großbritannien finden sich hier zusammen, um viermal am Tag eine Andacht abzuhalten, die in diesem Jahr unter dem Motto „Creation and Recreation“ stehen.

1956 war der Beginn des Festivals, damals noch sehr klein und wenigen Menschen bekannt. Daraus hat sich mittlerweile eine Veranstaltungsreihe entwickelt, zu der Besucher aus aller Welt kommen, um den Chorgesängen in der Kirche, deren Anfänge in das 14. Jahrhundert zurückreichen, zu lauschen.

Auf dem Programm stehen sowohl bekannte Choräle als auch selten zu hörende Kirchenmusik vom 16. Jahrhundert bis heute. In diesem Jahr sind unter anderem Ralph Vaughan Williams’ „Mass in G Minor„, Aaron Coplands „In the beginning“ und Michael Haydns „Requiem Mass“ zu hören.

Hier ist ein Beispiel einer Andacht aus dem Festival des vorigen Jahres.

Edington liegt an der B3098, sechs Kilometer nordöstlich von Westbury, dort wo das berühmte White Horse zu finden ist.

Photo © Philip Pankhurst (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sudbury in Suffolk und der Maler Thomas Gainsborough (1727-1788)

Gainsboroughs Geburtshaus, das heute ein Museum beherbergt.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Er wurde in der Stadt Sudbury in der Grafschaft Suffolk geboren, und auch heute noch hat er seine Spuren hier hinterlassen, der weltberühmte Porträt- und Landschaftsmaler Thomas Gainsborough (1727-1788). In seinem Geburtshaus, in der nach ihm benannten Gainsborough Street Nummer 46, ist ein Museum untergebracht, das Gainsborough House, in dem zahlreiche Werke des Malers ausgestellt sind, sowie Briefe, Manuskripte und Dinge aus seinem persönlichen Besitz.

Natürlich wurde für den großen Sohn der Stadt auch ein Denkmal errichtet, am Market Hill, schräg gegenüber vom Black Boy Inn, den es zu seiner Zeit schon gab, und der heute in The Lady Elizabeth umbenannt worden ist. Die Bronzestatue zeigt Thomas Gainsborough mit einer Palette und einem Pinsel in der Hand, als wolle er den Gasthof gerade malen.

Selbstverständlich gibt es in Sudbury auch einen Pub, der nach dem Meister benannt ist, The Gainsborough in der King Street Nummer 7.

Weiterhin finden wir außerhalb von Sudbury auf dem Gelände der Houghton Hall in der Cavendish Road The Gainsborough Health Club & Day Spa. In der Gainsborough Street in Sudbury ist in der Nummer 12 etwas Ähnliches untergebracht, die Gainsborough Thai Massage & Bodywork, und auch ein Bauunternehmen hat sich nach dem Maler benannt, Gainsborough Building Contracts Ltd.

In dem kleinen Dorf Great Cornard, das zu Sudbury gehört, gibt es die Thomas Gainsborough School, die 1973 gegründet wurde. An der Northern Road steht eine Tankstelle mit dem Namen Esso MFG Gainsborough.

Eigentlich müsste das Grab des Males ja auch in Sudbury sein, doch Fehlanzeige, das findet man in London auf dem St Anne Churchyard in Kew, dort, wo die Royal Botanic Gardens jedes Jahr Besucher in Scharen anlocken.

Übrigens: Über Thomas Gainsboroughs exzentrischen Bruder John habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet.

Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Die Statue des Meisters.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Vormals The Black Boy, heute The Lady Elizabeth.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Thomas Gainsboroughs Grab auf dem St Anne Churchyard in Kew.
Photo: Granpic.
Creative Commons 2.0

Whitbys Dracula Trail – Ein Stadtrundgang für Vampirfreunde an der Küste Yorkshires

Hier in Whitby kam Dracula mit seinem Schiff an. – Eigenes Foto

Die hübsche Hafenstadt Whitby in North Yorkshire war schon mehrmals Gegenstand meiner Blogeinträge, heute möchte ich auf eine literarische und gruselige Attraktion Whitbys aufmerksam machen, den Dracula Trail. „Dracula“ war einer der ersten Vampirromane und wurde von dem Iren Bram Stoker geschrieben, der 1890 – 1896 hier an der Küste Yorkshires weilte und sich von der Stadt zu dem Buch inspirieren ließ. Den Namen „Dracula“ soll er in der Öffentlichen Bibliothek Whitbys gefunden haben. Natürlich spielt die Stadt in dem Roman auch eine Rolle; so landet zum Beispiel Graf Dracula auf seiner Reise nach England mit dem Schiff in Whitby.

Was liegt also näher, als den Besuchern der Stadt etwas anzubieten, was mit dem Roman und seinem Verfasser zu tun hat? Man kreierte den „Dracula Trail“, auf dem man den Spuren des Vampirs folgen kann.

Startpunkt des Rundgangs ist der Bram Stoker Memorial Seat. Von hier aus hatte der Schriftsteller einen sehr schönen Blick über den Hafen auf die Ruinen der Abtei, die oberhalb der Stadt liegen. An der Bank findet sich die Inschrift:
The view from this spot inspired Bram Stoker (1847-1912) to use Whitby as the setting of part of his world-famous novel DRACULA. This seat was erected by Scarborough Borough Council and the Dracula Society to mark the 68th Anniversary of Stoker’s death – April 20th 1980„.

Der Weg führt unter anderem auch an dem Haus vorbei, in dem Stoker damals wohnte,  6 Royal Crescent, das durch eine Plakette kenntlich gemacht ist.

Die Dracula Society bietet auf ihren Webseiten viele weitere Informationen über den Mann aus Transsylvanien an.

Sieh auch diesen Blogeintrag zum Thema.

In diesem Haus am Royal Crescent in Whitby wohnte Bram Stoker von 1890 bis 1896.
Photo © Margaret Clough (cc-by-sa/2.0)
Kürzlich feierte English Heritage das 125-jährige Erscheinen des Dracula-Romans mit dieser Installation auf dem Gelände der Whitby Abbey. Dabei wurde auch ein Weltrekord aufgestellt und in das Guinness Buch der Rekorde übernommen: „The largest gathering of people dressed in vampire costumes“. 1369 „Vampire“ fanden sich ein.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Thomas Gilbart-Smith Memorial an der A3052 bei Branscombe in Devon

Photo © Guy Wareham (cc-by-sa/2.0)

An der A3052, nördlich von Branscombe in Devon, steht eine kleine Gedenkstätte in Form einer Bank, an der die meisten Autofahrer wohl vorbeifahren, ohne sie wahrzunehmen. Das steinerne Memorial erinnert an Dr Thomas Gilbart-Smith (1848-1904), heute sicher kaum noch jemandem bekannt, der am London Hospital und am Royal Hospital for Diseases of the Chest in London gearbeitet hatte, und einen Ruf als sehr guter Arzt besaß.
Wie kam es nun zu der Gedenkstätte für einen Londoner an der A3052?
Dr Gilbart-Smith war am 3. August 1904 mit seinem Sohn auf einer Fahrradtour durch Devon als er an dieser Stelle einen Herzinfarkt erlitt und starb. Seine Familie und seine Freunde ließen noch im selben Jahr das Memorial errichten, an dem drei Inschriften angebracht sind. Auf der einen sind Tag und Uhrzeit (9.30 Uhr) seines Ablebens festgehalten, sowie der Hinweis, dass direkt nach seinem Tod ein Gewitter herniederging. Auf der zweiten Tafel steht zu lesen:
„This plaque
replaces one depicting
Dr. Gilbert-Smith in profile.
The replacement of all the plaques
was necessary in 1981 due to
the theft of the
originals.“

Hier wurde der Nachname des Arztes falsch geschrieben: Gilbert statt Gilbart.

Die dritte Inschrift weist auf Dr Gilbart-Smiths ständiges Bestreben hin, seinen Mitmenschen medizinisch zu helfen, und auf sein Lebensmotto „Dare and do„, an dem er bis zu seinem Lebensende festgehalten hatte.

Published in: on 18. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Barrington in Cambridgeshire – Das Dorf mit dem längsten Village Green Großbritanniens

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Barrington ist ein Dorf in der Grafschaft Cambridgeshire, rund elf Kilometer südwestlich von Cambridge gelegen. Die etwas über 800 Einwohner sind stolz darauf, dass sie das längste Village Green des Landes ihr eigen nennen können; manche meinen auch, dass es das längste Europas sei. Fährt man durch Barrington scheint das Village Green kein Ende nehmen zu wollen; es beginnt an der High Street und zieht sich die ganze Straße West Green entlang. 89 000 Quadratmeter umfasst die gesamte Fläche. Die Häuser am Green sehen sehr hübsch aus, manche sind reetgedeckt.

Was gibt es über Barrington noch zu sagen? Die Dorfschule an der Haslingfield Road, nicht am Village Green gelegen, ist eine der letzten Schulen Englands, die über ein Reetdach verfügt; sie besteht schon seit 1838.
Und dann ist da noch der wunderschöne Dorfpub, The Royal Oak, natürlich auch reetgedeckt. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert; vom Biergarten blickt man direkt auf das endlose Village Green und kann es sich zum Beispiel mit einem Pint Adnams Ghostship gemütlich machen.

Die Dorfkirche heißt All Saints und befindet sich direkt neben der Schule; die ältesten Teile gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Gegenüber von der Kirche ist der Eingang zur Barrington Hall, ein viktorianisches Manor House, dass für Veranstaltungen und Hochzeiten zur Verfügung steht.

Dass es hier in der prähistorischen Zeit ein reiches Tierleben gab, davon zeugen die vielen Knochen von Nashörnern, Elefanten, Löwen und Bären, die gefunden wurden.

Barrington war im Zweiten Weltkrieg der Ort, in dem das sogenannte National Loaf erfunden wurde, eine Art Vollkornbrot. Die Nahrungsmittelchemikerin Elsie Widdowson (1906-2000) hatte das Rezept entwickelt und es wurde erstmals in Barrington gebacken. Im vorigen Jahr hat man sie im Dorf mit einer blauen Plakette geehrt, die an dem Nachbarhaus des heutigen Dorfladens angebracht ist, das früher die Bäckerei beherbergte, die das erste National Loaf gebacken hatte. Elsie Widdowson lebte von 1938 bis zu ihrem Tod in Barrington.

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
The Royal Oak.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Die Dorfkirche All Saints.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Barrington Hall.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

Der GWR Medical Fund – Vorbild für Großbritanniens National Health Service

Daniel Gooch (1816-1889)
This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Meine erste und einzige Erfahrung mit dem National Health Service (NHS) liegt schon eine Weile zurück, als meine Frau mit einem gesundheitlichen Problem die Accident & Emergency- Abteilung des York Hospitals in North Yorkshire aufsuchen musste. Sie wurde dort sehr freundlich empfangen und kompetent behandelt, eine Rechnung bekam sie nie zu Gesicht, denn nicht nur die Briten haben das Recht auf kostenlose Behandlung, auch die Besucher aus anderen Ländern.

Der NHS ist einer der größten Arbeitgeber der Welt; rund 1,7 Millionen Menschen greifen täglich auf das britische Gesundheitssystem zurück. Gegründet wurde der NHS 1948 von dem damaligen Gesundheitsminister Aneurin Bevan (1897-1960) in der Regierung Clement Attlee, der eigentlich nichts anderes zu tun brauchte als auf ein bereits bestehendes Gesundheitssystem zurückzugreifen, das es schon seit hundert Jahren gab, den Medical Fund der Great Western Railway (GWR), einer Eisenbahngesellschaft in Swindon (Wiltshire). Daniel Gooch (1816-1889), erst Chefingenieur, später Vorsitzender der GWR, rief den Medical Fund für die Arbeiter des Unternehmens ins Leben. Es war das erste Mal weltweit, dass es eine komplett kostenlose Gesundheitsversorgung gab, die ein breites Spektrum abdeckte, von der Schwangerschaftsvorsorge bis zu physiotherapeutischen Maßnahmen. „There it was. A complete health service in Swindon. All we had to do was expand it to the whole country„, sagte Aneurin Bevan und gründete den NHS, was auch das Ende des Medical Funds bedeutete.

Aneurin Bevan (1897-1960).
© National Portrait Gallery, London
Creative Commons 3.0
The York Hospital in der Wigginton Road in York (North Yorkshire).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hardraw Force – Englands höchster Wasserfall im Wensleydale von North Yorkshire

Photo © Paul Buckingham (cc-by-sa/2.0)

Gibt es in England noch einen weiteren Pub außer dem Green Dragon Inn in Hardraw (North Yorkshire), der einen eigenen Wasserfall besitzt? Meines Wissens nicht. Hardraw ist ein kleines Dorf in der Nähe von Hawes in den Yorkshire Dales, dessen Hauptanziehungspunkt der Wasserfall namens Hardraw Force ist, der höchste „single drop“ Wasserfall Englands mit einer Höhe von rund 30 Metern. Der Zugang zu dem Naturschauspiel erfolgt über einen Weg seitlich vom Pub, der zu einem Parkplatz führt. Wenn man seinen Eintrittspreis in Höhe von vier Pfund bezahlt hat, kann man sich Hardraw Force ansehen. Der kleine Fluss, der da über eine Klippe in die Tiefe springt, ist der Hardraw Beck, der am 12. Juli 1889 um ein Haar das ganze Dorf ausgelöscht hätte. Ein gewaltiger Wolkenbruch hatte sich über dem Wensleydale entladen, und die Wassermassen stürzten sich auf den kleinen Ort, die einige Gebäude zerstörten und beschädigten; auch der Green Dragon Inn wurde durch einen umstürzenden Baum in Mitleidenschaft gezogen. Wer weiß, ob sich solch eine Tragödie nicht eines Tages wiederholt, angesichts der zur Zeit stattfindenden Klimaveränderungen und Wetterkapriolen.

Vor dem Hintergrund des Wasserfalls findet jährlich im September der Hardraw Brass Band Contest statt, bei dem Blasmusikkapellen gegeneinander antreten. Hier ist ein Film von einer früheren Veranstaltung.

The Green Dragon Inn (wie auch The Kings Arms in Askrigg) diente als Drehort für Episoden der beliebten TV-Serie „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“); in den Filmen war er The Drovers Arms.
In dem Film „Robin Hood – Prince of Thieves“ (dt. „Robin Hood – König der Diebe“) aus dem Jahr 1991 ist der Wasserfall in der berühmten Badeszene mit Kevin Costner zu sehen.

The Green Dragon Inn
Bellow Hill
Hardraw DL8 3LZ

Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)
The Green Dragon Inn.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. August 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Donkey Sanctuary – Ein Paradies für Esel bei Sidmouth in Devon

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Es begann 1969 mit einem Esel namens Naughty Face, den die in Yorkshire geborene Elisabeth Doreen Svendsen (1930-2011) zu sich nahm, die Mitte der 1960er Jahre, gemeinsam mit ihrem Mann, ein Hotel in Devon führte. Naughty Face sollte ihr Leben total verändern, denn Mrs Svendsen entdeckte ihre Liebe zu Eseln, die darin mündete, dass sie ein Asyl für kranke, heimatlose und ungeliebte Esel ins Leben rief, das Donkey Sanctuary bei Sidmouth in Devon. Aus dem einen Esel wurden bald mehr als 200, die sie vor dem sicheren Tod rettete. Hier in Devon finden die Tiere paradiesische Zustände, sie werden wieder geliebt, sowohl von dem Personal, das sich um sie kümmert, als auch von den vielen Besuchern, die jährlich das Sanctuary aufsuchen.

The Donkey Sanctuary kümmert sich aber nicht nur um britische Esel, längst hat es seine Fühler weltweit ausgestreckt und hilft unter anderem mit Geldspenden in anderen Ländern, dass es auch dort den Eseln gut geht. Bereits im Jahr 2008 wurde der 10 000. Esel aufgenommen.

Wer möchte, kann einen der Esel wie Bonnie, Rubin oder Timothy für £3 im Monat adoptieren; Näheres darüber ist hier zu erfahren. Längst sind auch in anderen Gegenden von England weitere „Auffangstellen“ für Esel aufgemacht worden wie zum Beispiel in Birminghams, Leeds und Manchester.

Das Sanctuary bei Sidmouth ist an sieben Tagen der Woche von 9 Uhr bis 17 Uhr für Besucher geöffnet; der Eintritt ist kostenlos, über eine Spende freut man sich aber immer. Hier ist ein Blick in das Tierheim für Esel via Webcam und hier ein Film darüber.

The Donkey Sanctuary
Sidmouth
Devon EX10 0NU.

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die King Harry Ferry in Cornwall, die den River Fal überquert

Photo: Gary Danvers.
Creative Commons 2.0

Die King Harry Ferry in Cornwall, die die B3289 über den River Fal im Süden der Grafschaft hinüberführt, erspart den Autofahrern eine Wegstrecke von rund 40 Kilometern und verbindet die Trelissick Gardens des National Trusts mit der Roseland Peninsula.

Die King Harry Steam Ferry Company wurde am 18. April 1888 ins Leben gerufen, und die Fähre wahrscheinlich nach King Henry IV (manchmal ist auch von Henry VI zu lesen) benannt, beziehungsweise einer Kapelle ganz in der Nähe, die King Henry Chapel hieß. Damals wurde sie noch von einer Dampfmaschine angetrieben, heute handelt es sich bei ihr um eine Kettenfähre, eine der letzten fünf verbliebenen in England. Es ist bereits die siebte Fähre seit Beginn der Betriebsaufnahme, sie wurde 2006 gebaut und hat die Kapazität, 34 PKWs mitzunehmen, zusätzlich jede Menge Fußgänger und Fahrradfahrer. Alle 20 Minuten legt sie von einer Seite des Flusses ab und das an sieben Tagen der Woche. Die King Harry Ferry schont die Umwelt indem sie pro Jahr rund acht Millionen Kilometer einspart, die die Autos sonst fahren müssten, das entspricht 1,7 Millionen Kilogramm CO2 und 750 000 Liter Kraftstoff. Die derzeitige Fähre besitzt sehr verbrauchsarme Dieselmotoren, die gegenüber der Vorgängerin 75% weniger Treibstoff verbraucht und auch erheblich leiser ist. Zehn Minuten benötigt sie für die Überfahrt. Der Preis für einen PKW kostet £7 für die einfache Fahrt und £10 für die Hin- und Rückfahrt.

Dieser Film zeigt eine Überfahrt mit der Fähre.

Ein Fahrgast, der ständig hin und her fährt.
Photo: currybet.
Creative Commons 2.0
Published in: on 13. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

St Thomas à Becket in Fairfield (Kent) – Eine einsame Kirche in der Romney Marsh

Photo © Stephen Nunney (cc-by-sa/2.0)

Die Romney Marsh an der englischen Südküste in der Grafschaft Kent gehört für mich zu den faszinierendsten Regionen des ganzen Landes. es ist hier vollkommen eben, man kann weit sehen, die Marsch ist durchzogen mit kleinen Flussläufen, Schafe grasen friedlich, es ist still und weit hinten sieht man (leider) das Atomkraftwerk von Dungeness.

Der englische Maler John Piper (1903-1992) sagte einmal in seinem 1950 erschienenen Buch „Romney Marsh“ über die Landschaft sehr treffend: „What I really love about it is that it is all – ninety-seven percent – atmosphere„. Mitten in dieser Einsamkeit steht eine Kirche namens St Thomas à Becket, umgeben von grasenden Schafen, erreichbar über eine kleine Brücke. Sie diente einmal den Bewohnern des Dorfes Fairfield als Andachtsstätte, doch das Dorf gibt es schon lange nicht mehr, nur einige wenige Bauernhöfe sind dort noch anzutreffen. Bis ins 12. Jahrhundert reichen die Anfänge der Kirche zurück, 1913 wurde sie von dem Architekten William Douglas Caröe liebevoll restauriert. Im Inneren findet man weiße „box pews“, das sind Kirchenbänke mit Holzwänden, eine dreistöckige Kanzel und sehr viel verbautes Holz. Dieser Film des „Bald Explorers“ vermittelt einen sehr guten Eindruck von der Kirche.

An und in St Thomas à Becket wurden einige Filme gedreht, unter anderem auch Szenen in Pier Paolo Pasolinis „Pasolinis tolldreiste Geschichten“ (1972).

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Die „box pews“.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Trafalgar Way und der 1805 Club

Eine Replika der HMS Pickle, mit der Lapenotière in Falmouth landete.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Captain John Richards Lapenotière (1770–1834), ein Marineoffizier aus Ilfracombe in Devon, fiel die Aufgabe zu, nach der Seeschlacht von Trafalgar am 21 Oktober 1805, die Nachrichten vom Sieg der britischen Flotte und vom Tod Admiral Horatio Nelsons so schnell wie möglich an die Admiralität in London zu übermitteln. Nachdem Lapenotière mit seinem Schiff HMS Pickle in Falmouth in Cornwall gelandet war, machte er sich auf die rund 400 Kilometer lange Reise, die er in 37 Stunden bewältigte, wobei 21mal die Pferde gewechselt werden mussten. Am 6. November kam er erschöpft in London an und konnte seine Botschaften mit den Worten „Sir, we have gained a great victory. But we have lost Lord Nelson“ überbringen.

Zweihundert Jahre nach der Schlacht von Trafalgar und der schnellen Reise Lapotières von Falmouth nach London wurde der Trafalgar Way eingeweiht, in dem Her Royal Highness the Princess Royal in Falmouth eine Erinnerungstafel enthüllte, eine von vielen, die den Weg Lapotières nachvollziehen. Überall dort, wo die Pferdewechsel stattfanden, sind diese Tafeln angebracht, zum Beispiel am White Hart Hotel in Launceston (Cornwall), am The Bull Hotel in Bridport (Dorset), an der Guildhall in Andover (Hampshire), am Loch Fyne Restaurant in Egham (Surrey) und schließlich an der Londoner Admiralty in 26 Whitehall.
Hier ist ein Film über den Trafalgar Way.

Um den Trafalgar Way und seine Tafeln kümmert sich der 1990 gegründete 1805 Club, der sich auch um die Erhaltung der Denkmäler Horatio Nelsons und anderer Seefahrer der georgianischen Zeit (1714-1837) bemüht. Am 200. Todestag des Admirals führte der 1805 Club am Grab Nelsons einen Gedenkgottesdienst durch, bei dem auch eine direkte Nachkommin anwesend war und einen Kranz niederlegte. Weiterhin führt der Club Forschungen zur Seefahrtsgeschichte durch und veröffentlicht Bücher zu dem Thema.

An der Guildhall von Andover (Hampshire).
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)
Tafel am Loch Fyne Restaurant in der High Street von Egham (Surrey).
Photo © Sean Davis (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Dojima Sake Brewery auf dem Gelände der Fordham Abbey in Cambridgeshire – Großbritanniens erste Sake-Brauerei

Sake ist ein aus poliertem Reis gebrautes alkoholisches Getränk aus Japan„, so die kurze Erklärung des Begriffs in der Wikipedia. Viele in Deutschland kennen das Wort wohl vor allem aus Kreuzworträtseln, haben das Getränk aber eher noch nie probiert. Ich habe es bis vor kurzem auch als billigen Reiswein abgetan, der nach nicht viel schmeckt.

Seit dem Jahr 2018 gibt es Großbritanniens erste Sake-Brauerei, die Dojima Sake Brewery, die auf dem Gelände der Fordham Abbey in Cambridgeshire errichtet worden ist, und das Gebäude hat auch gleich einen Architekturpreis gewonnen. Die beiden hier produzierten Marken heißen „Cambridge“ und „Dojima„. Etwa 8000 Flaschen pro Jahr sollen davon abgesetzt werden, das ist recht wenig, aber wenn man bedenkt, dass eine Flasche £1000 kostet, dann sieht das schon anders aus. Wer ist der Abnehmerkreis dieses Super-Premium-Getränks? Das sind natürlich sehr wohlhabende Menschen, für die der Preis keine Rolle spielt, und das können 3*-Michelin-Restaurants in der ganzen Welt sein, die ihrer zahlungskräftigen Klientel etwas Besonderes anbieten möchten. Es sei dahingestellt, ob der Geschmack dieses Sake so einen exorbitant hohen Preis gerechtfertigt.

Der Reis des in Cambridgeshire hergestellten Sakes kommt aus Japan, das Wasser wird unter eiszeitlichen Erdschichten auf dem Gelände der Fordham Abbey ans Tageslicht gebracht und soll besonders rein sein.

Wer jetzt durch meinen Blogartikel Appetit auf eine der beiden Sakesorten bekommen hat, kann diese direkt beim Produzenten online bestellen.

Dojima Sake Brewery
Fordham Abbey
39 Newmarket Road
Fordham
Ely
Cambridgeshire
CB7 5LL

Published in: on 10. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

Der Honiton Hot Pennies Day in Devon – Pfennigwerfen ohne Ende

Einer der Pubs in der High Street von Honiton, aus dessen oberen Fenstern Pennies geworfen werden wie im Film zu sehen ist.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns noch einmal nach Honiton in Devon, wo kürzlich die Tories eine so schmerzliche Wahlniederlage erlitten haben (ich berichtete in meinem Blog darüber). Dort fand am 26. Juli wieder der Hot Pennies Day statt, eine Zeremonie, die bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht und noch immer von der Bevölkerung mit Enthusiasmus gefeiert wird. Was spielt sich da ab, in der Kleinstadt am Rand der Blackdown Hills, was die Leute in Scharen auf die Straße treibt?

Alles beginnt mit der Proclamation of the Fair am Old Pannier Market für die der Stadtausrufer verantwortlich ist, der seine Aufgabe in voller Uniform an der Seite des Bürgermeisters mit Würde wahrnimmt. Eine mit Blumen verzierte Stange wird aufgerichtet, an dessen Spitze ein großer Handschuh angebracht ist. „No man may be arrested so long as the glove is up“ ruft der Town Crier in die Menge, die daraufhin erleichtert zur Kenntnis nimmt, dass, so lange der Handschuh auf der Stange ist, niemand wegen Schulden verhaftet werden darf. Das geht auf frühere Zeiten zurück, als manche diese Veranstaltung mieden, weil sie befürchteten, aus genau diesem Grund eingesperrt zu werden. In diesem Film kann man die Zeremonie sehen.

Und dann beginnt das, worauf vor allem die Kinder gewartet haben, das Penny Throwing. Die Menschenmenge bewegt sich die High Street auf und ab, und vom ersten Stock der beteiligten Pubs werden Pennies heruntergeworfen, die in vergangenen Zeiten richtig heiß gemacht worden waren, so dass sich die Geldaufsammler daran die Finger verbrannt haben, zum Amusement der wohlhabenderen Schichten, die es nicht nötig hatten, sich nach den Münzen zu bücken. Heute werden die Pennies nur etwas erwärmt, so dass der Tag eigentlich in Warm Pennies Day umbenannt werden müsste. Wenn der ganze Spaß dann wieder vorbei ist, alle Münzen aufgesammelt sind und der Handschuh von der Stange abgenommen worden ist, müssen sich die verschuldeten Menschen in Honiton wieder in Acht nehmen, dass sie nicht verhaftet werden…

Hier ist noch ein weiterer Film, der das Penny Throwing zeigt.

Published in: on 9. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

Silvanus Trevail (1851-1903) – Ein Architekt aus Cornwall

Trevails Meisterwerk: Das Headland Hotel in Newquay.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Der Name Silvanus Trevail, obwohl sehr markant und ungewöhnlich, ist heute selbst in seiner Heimat Cornwall kaum noch bekannt, obwohl er ein Architekt im 19. Jahrhundert war, der zahllose Bauwerke in der Grafschaft geschaffen hat. Er wurde 1851 in dem Dorf Trethurgy in Cornwall geboren und starb 1903 auf tragische Weise, in dem er sich in der Toilette eines Zuges erschoss, mitten im Brownqueen Tunnel auf der Strecke von Truro nach Bodmin. Trevail litt an Depressionen. Sein Grab liegt auf dem Kirchhof von
in Luxulyan, ganz in der Nähe seines Geburtsortes.

Silvanus Trevails Spezialitäten als Architekt waren Schulen und Hotels. Etwa 50 Schulen hatte er in Cornwall konzipiert und viele weitere Gebäude, die vorwiegend in den Orten St Austell und Truro zu finden sind. In letzterer Stadt war er auch eine Zeit lang Bürgermeister.

1890 gründete er die Cornish Hotels Company, mit dem Ziel, eine Reihe von Luxushotels zu erbauen. Doch finanzielle Probleme hinderten ihn daran, den Plan in großem Stil umzusetzen. Schon in den 1870er Jahren hatte Trevail die Pläne für das Great Western Hotel in Newquay an der kornischen Nordküste erstellt, das 1879 eröffnet wurde. 1892 folgte ein weiteres Hotel in Newquay nach Trevails Plänen, das Atlantic Hotel (in dem die Beatles 1967 für die Dreharbeiten an dem Film „Magical Mystery Tour“ wohnten). Das Highlight von Trevails Hotelbauten war aber das Headland Hotel, ebenfalls in Newquay, das im Juni des Jahres 1900 fertig gestellt und eröffnet wurde. Die Bewohner Newquays wussten das nicht zu schätzen und es kam zu gewalttätigen Protesten, denn das Hotel stand ihrer Meinung nach auf Gemeindeland, das bis dato für andere Zwecke genutzt wurde. Trotz allem, das Headland Hotel prosperierte und sogar Royals quartierten sich dort ein. Szenen des Films „The Witches“ (dt. „Hexen hexen“) aus dem Jahr 1990, nach dem gleichnamigen Buch von Roald Dahl, wurden hier im Hotel gedreht.

Die meisten Gebäude des kornischen Architekten stehen noch heute, und er hätte es verdient, auch noch nach weit über hundert Jahren, bekannter zu sein.

Das Buch zum Artikel:
Ronald Perry and Hazel Harradence: Silvanus Trevail – Cornish Architect and Entrepreneur. Francis Boutle Publishers 2008. 245 Seiten. ISBN 978-1903427439.

The Great Western Hotel in Newquay.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
The Atlantic Hotel in Newquay.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Die Einfahrt zum Brownqueen Tunnel, in dem sich Silvanus Trevail das Leben nahm.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)
St Cyriacus and St Julitta in Luxulyan, die letzte Ruhestätte des Architekten.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

The Flask im Londoner Bezirk Highgate – Ein Pub, in dem es nicht immer mit rechten Dingen zugeht und in dem ein kurioser Brauch ausgeübt wird

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

77 Highgate West Hill, so lautet die Adresse des Londoner Pubs The Flask, nur ein paar Schritte vom Highgate Cemetery entfernt. Ein idealer Ort, wie sich erwies, als die im 19. Jahrhundert aktiven Grabräuber, gerade erst verstorbene und beerdigte Menschen wieder ausbuddelten, und die Leichen experimentierfreudigen Ärzten anboten, damit diese dort ihre Sezierarbeiten durchführen konnten. In dem dafür verwendeten Raum ist heute das Restaurant, The Committee Room, untergebracht.

The Flask beherbergt auch einige Geister, die hier umgehen sollen. Da ist einmal ein spanisches Barmädchen, das sich unsterblich in den Besitzer des Pubs verliebt hatte, und die sich, als die Liebe nicht erwidert wurde, im Keller aufhängte. Ein weiterer „ghostly guest“ ist ein Cavalier, wie die Unterstützer Charles I. im Civil War genannt wurden, der hin und wieder durch den Hauptgastraum stolziert und in einer Säule verschwindet.

Berühmte Literaten gingen im The Flask aus und ein, als da wären Lord Byron, Percy B. Shelley, John Keats und Samuel Taylor Coleridge; auch der Maler William Hogarth war hier häufig anzutreffen.

Das Gasthaus in Highgate ist schon sehr alt; bis ins 17. Jahrhundert reichen einige Gebäudeteile zurück. Sehr alt ist auch ein Brauch, der in einigen Highgate Pubs, auch im The Flask, noch immer ausgeübt wird: The Swearing on the Horns. Dabei schwören die dazu bereiten Gäste, dass sie, wenn immer möglich weißes statt braunes Brot essen werden, dass sie auf alkoholarmes Bier verzichten und dafür starkes Bier trinken, dass sie nicht das Barmädchen küssen dürfen, wenn sie stattdessen auch die Hausherrin küssen könnten, es sei denn, ihnen gefällt das Barmädchen besser (oder man küsst beide). Wenn man den Schwur geleistet hat, wird man zum Freeman of Highgate und genießt einige Privilegien, dazu gehört unter anderem, dass man sofort das hübscheste Mädchen im Pub küssen darf.
Der Eid wird im The Flask vor einem 200 Jahre alten Widderhorn geleistet; bei anderen Pubs in Highgate variiert die Zeremonie etwas. Da ich keinen Film über The Swearing on the Horns im The Flask gefunden habe, ist hier stattdessen die Zeremonie im The Wrestlers Pub zu sehen.

The Flask
77 Highgate West Hill
London N6 6BU

Photo: cohodas280c.
Creative Commons 2.0
Photo: Images George Rex.
Creative Commons 2.0

The Bakewell Pudding Race in Derbyshire

Hier, im Bakewell Recreation Ground, fällt der Startschuss für den jährlichen Pudding Race.
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Bakewell – Die Stadt der Puddings und der Tarts“ benannte ich vor circa neun Jahren einmal einen Blogeintrag, in dem ich auf die Süßigkeiten näher einging, durch die die Stadt Bakewell im Peak District Derbyshires berühmt wurde. Was ich darin nicht erwähnte, war, dass es hier auch ein Bakewell Pudding Race gibt, das alljährlich stattfindet, in diesem Jahr war es am 26. Juni.

Wenn man die Engländer kennt, vermutet man, dass hier ein Pudding über eine festgelegte Strecke getragen werden muss wie beispielsweise beim Londoner Christmas Pudding Race. Doch bei diesem Rennen wird jeder enttäuscht, der etwas Kurioses und Außergewöhnliches erwartet, denn Puddings spielen bei dem Rennen nur eine untergeordnete Rolle.

Das Bakewell Pudding Race ist ein sogenanntes Fell Race, das ist ein Berg- und Geländelauf durch unwegsames stark hügeliges Gebiet im Norden Englands, und im Peak District gibt es davon eine ganze Menge. Das Querfeldeinrennen ist etwas über zehn Kilometer lang mit einem Höhenunterschied von 200 Metern. Es gibt auch noch eine abgespeckte Version, den Fun Run, der nur 4,2 Kilometer lang ist und relativ eben verläuft. Der Preis für die ersten 250 Läuferinnen und Läufer ist ein Bakewell Pudding, gesponsert vom The Old Original Bakewell Pudding Shop.

Wer sich für diese Art von Geländelauf interessiert: Es gibt eine Fell Runners Association, die Meisterschaften im Fell Running organisiert wie die English und die British Championships, aber auch regionale Rennen durchführt wie im Dartmoor und in den North Yorkshire Moors.

Das Geschäft des Sponsors, der die Puddings als Preise zur Verfügung stellt.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Rousham Gardens in Rousham (Oxfordshire) – Ein Meisterwerk von William Kent

Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

An der A4260, ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Oxford und Banbury, liegen die Rousham Gardens, ein gartenhistorisch bedeutsamer Park, der im 18. Jahrhundert von William Kent für den damaligen Besitzer General James Dorner angelegt wurde und der noch fast unverändert geblieben ist.

In dem weitläufigen Parkgelände finden sich immer wieder Statuen wie zum Beispiel der „Sterbende Gladiator“ des niederländischen Bildhauers Peter Scheemakers und am River Cherwell, an den das Gelände angrenzt, hat William Kent 1740 den Temple of Echo errichtet, neben dem eine Libanonzeder steht, ein Baum der häufig in englischen Landschaftsgärten anzutreffen ist.

Rousham verfügt auch über einen sehenswerten Kräutergarten aus dem 17. Jahrhundert mit Taubenhaus und Spalierobstbäumen.

Rousham House wurde 1635 von Sir Robert Dormer erbaut und befindet sich noch immer im Besitz der gleichen Familie. Es ist nicht für Besucher zugänglich; lediglich Gruppen können nach vorheriger Anmeldung das Haus besichtigen.

Es gibt hier kein Café und keinen Shop, aber man wird ermutigt,  sein Picknick mitzubringen und es sich damit im Park gemütlich zu machen.

Wie die Webseite von Rousham House and Gardens verrät, wurde hier eine Epsode der ITV-Krimiserie „Lewis“ gedreht, „The Dead of Winter“, der in Deutschland unter dem Titel „Auf falscher Fährte“ vom ZDF gezeigt wurde.

Dieser Film zeigt das Haus und die Gärten.

The Dying Gladiator.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Temple of Echo.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Petworth Cottage Museum in Petworth (West Sussex)

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die meisten Besucher der Kleinstadt Petworth an der A272 in West Sussex kommen hierher, um das großartige Petworth House des National Trusts zu besichtigen, dabei ist der Ort selbst auch recht interessant (siehe dazu meinen Blogeintrag).
In der High Street Nummer 346 steht zum Beispiel das Petworth Cottage Museum, das die Wohn- und Lebensverhältnisse einfacher Leute im Jahr 1910 veranschaulicht. In diesem Haus wohnte von 1901 bis 1930 eine Mrs Mary Cummings, die als Näherin für das Petworth House arbeitete. Im Erdgeschoss betreten wir das Wohnzimmer und sehen nebenan die Küche, im ersten Stock war Marys Nähzimmer und ihr Schlafzimmer und ganz oben diente der kleine Boden als Kinderschlafzimmer. Einen Mr Cummings hat es auch einmal gegeben, einen ehemaligen Feldwebel, den die Dame des Hauses wohl aber eines Tages vor die Tür gesetzt hat, weil die beiden nicht mehr miteinander klar kamen, und er sich als unzuverlässiger Arbeiter im Petworth House erwiesen hatte.

Den Anstoß, das Haus in der High Street in ein Museum umzuwandeln, kam von Lord und Lady Egremont, den früheren Eigentümern des Petworth House, die dort noch immer das Wohnrecht haben. Im Mai 1996 eröffneten sie selbst das kleine Museum und übergaben es der Öffentlichkeit.

Seit dem 19. Juli diesen Jahres hat es nach mehr als zweijähriger Corona-Schließungszeit wieder geöffnet, und zwar dienstags bis samstags jeweils von 14 Uhr bis 16.30 Uhr und das bis Ende Oktober.

Wer nach der Besichtigung des Museums Mrs Mary Cummings noch einen Besuch abstatten möchte, der muss sich auf der A285 ein paar Kilometer südlich von Petworth nach Duncton begeben, wo das Grab der Näherin auf dem Kirchhof von St Anthony and St George zu finden ist.

Petworth Cottage Museum
346 High Street
Petworth
West Sussex GU28 0AU

St Anthony and St George in Duncton.
Photo © Dave Spicer (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. August 2022 at 02:00  Comments (1)  

Cecil Henry Legard (1843-1918) – Pfarrer der All Saints Church in Cottesbrooke (Northamptonshire)

© National Portrait Gallery, London.
Creative Commons 3.0

Ein Gemälde von Cecil Henry Legard (1843-1918) hängt in der Londoner National Portrait Gallery, abgebildet zusammen mit einem Jagdhund, und das weist auf ein ganz wichtiges Element in seinem Leben hin: Die Jagd.
Legard stammte aus Yorkshire, wo er 1843 geboren wurde. Schon als junger Mann zog es ihn zum Pferdesport hin, er machte bei Hindernisrennen mit, liebte Hunde, und eigentlich hätte er einen Beruf ergreifen müssen, der in irgendeiner Form damit zu tun hat, doch er wurde stattdessen Pfarrer. Zehn Jahre verbrachte Reverend Legard in Brocklesby in Lincolnshire, wo er sich mit der Fuchsjagd anfreundete und damit viel Zeit verbrachte; seine Gemeindemitglieder und die Arbeit mit ihnen standen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste des Mannes.

Die nächste Station für Rev. Legard war die All Saints Church in Cottesbrooke, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Northamptonshire. Auch in dieser Region wurden Jagden abgehalten, die berühmteste und bis heute bestehende war und ist die Pytchley Hunt. Natürlich war unser Reverend nach wie vor glühender Anhänger der Fuchsjagd, und so kam es eines Tages zu einer denkwürdigen Begebenheit in Cottesbrooke:

Ein Gemeindemitglied war gestorben und viele seiner Angehörigen und Freunde hatten sich nach der Gedenkfeier in All Saints am offenen Grabe eingefunden, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Reverend hatte die Trauerfeier durchgeführt und stand nun neben dem Sarg, um noch einige letzte Worte zu sagen, da erklangen aus der Ferne die typischen Anzeichen einer Fuchsjagd, das Jagdhorn wurde geblasen, eine Meute Hunde hechelte vor den heranstürmenden, berittenen Jägern her, und da konnte Reverend Cecil Henry Legard nicht anders, als alles stehen und liegen zu lassen (auch den Toten neben dem Grab), sich auf sein Pferd zu schwingen, das neben der Kirche angeleint war, und sich in vollem Galopp der Fuchsjagd anzuschließen. Was die Trauergemeinde dazu sagte, ist nicht überliefert worden, aber man kann es sich in etwa denken.

All Saints Church in Cottesbrooke.
Photo © Ian Rob (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ein Stück Kanada in Devon – The Wolford Chapel

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

In Runnymede an der Themse in der Grafschaft Surrey gibt es ein kleines Stückchen Land, das nicht Großbritannien gehört, sondern den USA: Das John F. Kennedy Memorial (ich berichtete in meinem Blog darüber). Etwas Ähnliches findet man in Devon und zwar in den Blackdown Hills, rund drei Kilometer westlich von Luppitt am Limers Lane. Dort weist ein kleines Schild, auf dem die kanadische Flagge abgebildet ist und die Aufschrift „Wolford Chapel“ trägt, auf einen schmalen Zufahrtsweg hin, der zu der Kapelle führt. Dort angekommen, sieht man ein steinernes Gebäude vor dem die kanadische Fahne weht, und ja, tatsächlich, dieser Grund und Boden gehört dem kanadischen Staat, genauer gesagt der Provinz Ontario. Hier liegt auch das Grab des ersten Gouverneurs von Ontario, John Graves Simcoe (1752-1806), ein britischer General, der dieses Amt von 1791 bis 1796 fernab der Heimat ausübte.

Simcoe ließ die Kapelle 1802 auf seinem Land erbauen, das er erworben hatte und das bis zum Jahr 1923 in Familienbesitz blieb; auch seine Frau und sechs seiner Kinder sind hier begraben.

Der Verleger Sir Geoffrey Harmsworth, dem mehrere Zeitungen im Westen Englands und die Harmsworth Press gehörten, kaufte das Landstück samt Wolford Chapel, wusste aber nicht so richtig, was er damit anstellen sollte, und so kam er schließlich auf die Idee, die Kapelle der John Graves Simcoe Memorial Foundation zu überlassen. 1982 übernahm sie der Ontario Heritage Trust, der sie auch restaurieren ließ.

Nach dem damaligen Gouverneur der Provinz Ontario sind in Kanada mehrere Orte benannt worden wie die Stadt Simcoe, die Insel Simcoe, Straßen in Städten der Provinz Ontario usw. In der Kathedrale von Exeter in Devon befindet sich ein großes Denkmal für John Graves Simcoe. Er starb in der Stadt am 26. Oktober 1806.

Hier ist ein Film über die Wolford Chapel.

Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)
Die Zufahrt zur Kapelle.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Simcoes Memorial in der Exeter Cathedral.
Photo © Chris‘ Buet (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen