Fahrbibliotheken in England in Wort und Bild

Einer der Bücherbusse, die in Lincolnshire unterwegs sind.
Photo © Bob Harvey (cc-by-sa/2.0)

Man nennt sie bookmobiles oder book vans, manchmal auch travelling libraries, in Deutschland heißen sie Fahrbibliotheken, also Fahrzeuge mit einem Buchangebot, die vorwiegend in ländliche Regionen beziehungsweise in Orte fahren, in denen sich eine feste Bibliothek nicht lohnt. Gern werden sie von Kindern und älteren Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind, genutzt. In der Regel fahren diese Bücherbusse, wie Linienbusse, nach einem festgelegten Fahrplan ihre Routen ab. Die Buchauswahl ist natürlich wegen der Platzverhältnisse überschaubar.

Es gibt Karosseriebaufirmen, die sich auf die Herstellung von bookmobiles spezialisiert haben, und so sieht jeder Bücherbus, vor allem durch die Bemalung und Beschriftung anders aus.

In der TV-Krimiserie „Midsomer Murders“ beziehungsweise „Inspektor Barnaby“ ist Tom Barnabys Tochter Cully einige Male als Fahrerin eines bookvans zu sehen wie zum Beispiel in „Death and Dreams“ (dt. „Trau, schau, wem!“). Dabei handelt es sich um ein nicht ganz so großes Fahrzeug.

Es wurden auch schon Romane geschrieben, in denen ein „bookmobile“ im Mittelpunkt steht wie beispielsweise „The Case of the Missing Book“ aus der Reihe „A Bookmobile Mystery“ von Jack Lombard oder „An Amish Surprise“ aus der „Berlin Bookmobile Series“ von Shelley Shephard Gray, in der die Bibliothekarin Sarah Anne Miller und ihr Bücherbus im Mittelpunkt stehen.

Im Folgenden stelle ich einmal einige englische Bücherbusse im Bild vor.

Ein ziemlich großes Exemplar in Exeter (Devon).
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Auf der Isle of Wight.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Haltestelle am Village Green von Wall in Northumberland.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Ein Bücherbus mitten in der Einsamkeit von Shropshire. Wer mag hier wohl hinkommen?
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)
Es geht auch eine Nummer kleiner wie hier in Wakefield (West Yorkshire).
Photo © Chris Neale (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Mai 2022 at 02:00  Comments (4)  

Buxton in Derbyshire Teil 1: Das Buxton Opera House – Ein architektonisch ansprechendes Gebäude am Rand des Peak Districts

Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Anfang des 20. Jahrhunderts machte sich der Architekt Frank Matcham (1854-1920) von London aus auf den Weg in die Provinz, wo er in der Kurstadt Buxton am Rand des Peak Districts in der Grafschaft Derbyshire den Auftrag erhalten hatte, dort ein Opernhaus zu erbauen. Matcham hatte sich auf Theaterbauten spezialisiert und sich bereits mit dem Richmond Theatre in Richmond-upon-Thames, dem London Hippodrome und dem Londoner Hackney Empire einen Namen gemacht. Etwas später sollten noch die beiden berühmten Londoner Vergnügungsstätten Palladium und Coliseum folgen.

Buxton war als Alternative zu Bath in Somerset als Kurort in Mode gekommen, und man ging hier hin „to take the waters“, also um sich an den Heilquellen gütlich zu tun. Also musste die Stadt ihren Kurgästen etwas bieten und darum wurde das Opera House errichtet. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens wurde das Theater gut angenommen, und es zeigte erfolgreiche Produktionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit den Live-Veranstaltungen vorbei, stattdessen wurde das Gebäude als Kino benutzt. Aber auch das Interesse an Filmvorführungen ließ allmählich nach, so dass das an und für sich stolze und schöne Gebäude verfiel und Mitte der 1970er Jahre geschlossen wurde. Glücklicherweise sah man von einem Abriss ab, sondern steckte im Gegenteil eine Menge Geld in das Opera House, um es zu renovieren. Nach dem Abschluss der jahrelangen Renovierungsarbeiten steht den Bürgern der Stadt und den Kurgästen jetzt wieder ein schönes Theater zur Verfügung, in dem 900 Menschen Platz finden.

Während des jährlichen Buxton Festivals werden im Opera House auch wieder Opern aufgeführt, leichtere Kost wird beim Buxton Festival Fringe aufgetischt (Comedy, Tanz, Filme etc.), das in diesem Jahr vom 6. bis zum 24. Juli stattfinden wird.

Zusammen mit dem Pavilion Arts Centre, das in den Komplex mit einbezogen ist, verfügt Buxton also über ein gutes kulturelles Angebot, und das mitten in der Provinz. Leider wird das Niveau aber auch zeitweise wieder gesenkt durch Auftritte beispielsweise der Dream Boys. Wo Oper draufsteht, ist also nicht immer Oper drin.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Opernhaus.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Shoreham Houseboats – „“Britain’s wackiest street” 

Ein Minensuchboot.
Photo: Nicholls of the Yard.
Creative Commons 2.0

Wir bleiben heute noch einmal in Shoreham-by-Sea in West Sussex. An der Riverbank am Fluss Adur gibt es eine Ansammlung von mehr als vierzig absonderlichen Hausbooten, die sich über einige hundert Meter am Ufer dahinzieht. „Britain’s wackiest street“ hat der Daily Mirror diese houseboat community einmal genannt. Niedergelassen haben sich hier Handwerker, Künstler und Menschen, die gern einen alternativen Lebensstil bevorzugen.

Bereits in den 1970er Jahren versammelten sich hier die ersten Hausbootbesitzer und es wurden immer mehr. Das Besondere an der Community ist, dass wir es mit Hausbooten zu tun haben, die in dieser Form einmalig sein dürften.
Da liegt zum Beispiel ein fünfzig Meter langes ehemaliges Minensuchboot, das in ein geräumiges Wohnhaus umgebaut worden ist. Dann finden wir hier die ziemlich abgewrackte Fähre Verda, die früher einmal in Portsmouth im Dienst war, auf die ein ehemaliger Linienbus aus den 1970er Jahren montiert worden ist. Daneben steckt eine Rakete im Schlamm mit der Aufschrift „Peace One Day“.

Ein witziges Boot liegt am River Adur vor Anker, in das ein dreirädriger Reliant Robin eingearbeitet wurde. Eine weitere, ehemalige Fähre, die „Shieldsman“ ist kaum noch als eine solche zu erkennen.

Diese ganze Community wirkt allerdings weitgehend ziemlich ungepflegt und erinnert an eine große Müllhalde. Man kann sich die Shoreham Houseboats von der rückwärtigen Seite ansehen, wo ein ehemaliger gepflasterter Treidelpfad vorbeiführt. Das eine oder andere Boot steht auch zum Vermieten zur Verfügung wie dieser Film zeigt.

Hier ist ein Film, in dem uns The Bald Explorer (Näheres über ihn demnächst an dieser Stelle) die Anlage zeigt.

Hausboot „Verda“.
Photo: Rob_sg.
Creative Commons 2.0
Das Reliant Robin-Boot.
Photo: In Memoriam: me’nthedogs.
Creative Commons 2.0
Die Ex-Fähre „Shieldsman“.
Photo: Les Chatfield.
Creative Commons 2.0

The Pathfinder March – Eine 74 Kilometer lange Laufstrecke durch Teile von Cambridgeshire

Beginn und Ende des Pathfinder March.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Vergesst den Marathonlauf mit seinen läppischen 42,195 Metern, das ist was für Weicheier. Der Pathfinder March in Cambridgeshire ist „the real thing“, der ist nämlich 74 Kilometer lang, und der kann entweder im Gehen oder im Laufen zurückgelegt werden. Mit Pfadfindern hat er nichts zu tun, sondern mit der Pathfinder Force, einer speziellen Abteilung der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, die für die Zielmarkierung der ihr folgenden Bomberverbände zuständig war. Stationiert war die Pathfinder Force auf dem Luftwaffenstützpunkt RAF Wyton in Cambridgeshire, und hier beginnt und endet der Pathfinder March auch, bei dem jedes Jahr bis zu dreihundert Teilnehmer gezählt werden. Ausgetragen wird der Lauf immer an einem Samstag, der der Sommersonnenwende am nächsten liegt.

Wer da mitmachen möchte, muss früh aufstehen, denn der Startschuss für die „Walker“ fällt schon um 4 Uhr; die „Runner“ können etwas länger schlafen, sie gehen um 8 Uhr auf die Piste. Noch später starten die Staffelläufer, die sich die Strecke also aufteilen; für sie beginnt der March um 9.30 Uhr. Die erste Hälfte der Strecke führt von RAF Wyton nach Longstanton, dem Half Way Point, wo The Black Bull verführerisch am Wegesrand steht, doch der ist für die Teilnehmer tabu (oder?). Von hier aus geht es auf dem Rundweg weiter, zurück nach Wyton. Acht Kontrollposten müssen auf der gesamten Strecke passiert werden, auf denen jeweils die Teilnehmerkarten gelocht werden müssen, als Nachweis, dass man auch wirklich dort gewesen ist (und nicht geschummelt und ein Taxi genommen hat).

Auf dem Weg kommt man an einem Ort vorbei, der Warboys heißt; auch hier gab es einen Militärflugplatz, dessen Name, RAF Warboys, allerdings nicht mit den hier stationierten „warboys“ zu tun hatte, denn den Ortsnamen gibt es schon seit rund tausend Jahren.

Der Zeitrahmen für den Pathfinder March beträgt zwanzig Stunden; wer es in dieser Zeit nicht geschafft hat, sollte ernsthaft überlegen, ob er/sie im nächsten Jahr erneut teilnimmt.

Wer den Weg, oder eine Teilstrecke davon, ohne Zeitdruck zurücklegen möchte, kann das das ganze Jahr über tun, die Strecke ist sehr gut ausgeschildert.

Hier führt der Pathfinder March entlang.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Steht verführerisch am Wegesrand: The Black Bull in Longstanton.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)
Photo: michellebflickr.
Creative Commons 2.0
Published in: on 5. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Horror at Hinchingbrooke House“ – Eine Gruselveranstaltung in Huntingdon (Cambridgeshire)

Photo © Duncan Grey (cc-by-sa/2.0)

Bis 1956 war das Hinchingbrooke House in Huntingdon in der Grafschaft Cambridgeshire Sitz der Familie Sandwich (zu denen der vierte Earl gehörte, der Erfinder des Sandwichs). Anschließend wurde es bis heute als Schule verwendet, aber es steht auch für Tagungen und Hochzeiten zur Verfügung und…für die Gruselveranstaltung „Horror at Hinchingbrooke House„, die immer in der Zeit um Halloween herum stattfindet. Das Haus steht im Ruf „haunted“ zu sein (es gibt mehrere Berichte von Geistererscheinungen wie zum Beispiel von einer Nonne, die wegen einer Liebesbeziehung zu einem Mönch hingerichtet wurde), also beste Voraussetzung für eine „interactive and realistic horror experience„.

Was erwartet nun die Besucher im Hinchingbrooke House? Sie treffen auf viele Horrorgestalten wie den Mann mit der Kettensäge, auf Freddie Krueger aus der „Nightmare“-Filmreihe, auf einen Horror-Clown, auf Figuren aus den Gruselfilmen „The Purge – Die Säuberung“, „Silent Hill“ und „Psycho“.

Wie läuft das Ganze ab? Gruppen von 8 bis 12 Personen werden durch das Hinchingbrooke House und das Gelände um das Haus herum geschleust, die ganz auf sich allein gestellt sind. Auf der rund einstündigen Tour begegnen sie diesen Horrorgestalten, die von leibhaftigen Menschen dargestellt werden. Wem es zu gruselig wird, der hat keine Chance, die Tour vorzeitig zu beenden. Dann heißt es, Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch. Kinder unter zwölf Jahren, Herzkranke und Schwangere sind nicht zugelassen, denn hier handelt sich es um „one of the scariest events in the UK„.

Ticket holders may experience intense audio and lighting, extreme low visibility, strobe lights, fog, damp or wet conditions, high and low temperatures and a physically demanding environment„. Na, klingt das nicht verlockend? Die Ticket kosten zwischen £19.95 und £29.95. In diesem Jahr finden die Touren vom 22. bis zum 29. Oktober statt.

Dieser Film bietet schon einmal einen Vorgeschmack.

Hastings in East Sussex Teil 2: Source Park – Die größte unterirdische Skater- und BMX-Anlage der Welt

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Nur einige Schritte von der Pier und der gestern vorgestellten Bottle Alley entfernt, liegt eine weitere Attraktion der Stadt Hastings in East Sussex, zumindest was die Skater- und BMX-Gemeinde betrifft: Source Park, die größte unterirdische Anlage der Welt für die Freunde dieser Sportarten. Und um noch eins draufzusetzen: Hier befindet sich auch noch der weltgrößte BMX-Laden; kein Wunder, dass der Source Park junge Männer und Frauen aus dem ganzen Land anlockt. Wer nicht aktiv sein will, der kann sich das Geschehen auf der Anlage auch von der Tribüne aus ansehen.

Diese unterirdischen Räumlichkeiten wurden in der Vergangenheit für unterschiedliche Zwecke benutzt, so zum Beispiel als Badeanstalt. Die White Rock Baths wurden 1876 eröffnet, getrennt als The Ladies Bath und The Gentlemen’s Bath, und und später von dem Bauingenieur Sidney Little, der auch die Bottle Alley geschaffen hat, neu gestaltet.

Die beiden Brüder Richard und Marc Moore kamen auf die Idee, aus den ehemaligen White Rock Baths eine riesige Anlage für Skater und BMX-Fahrer zu machen, sie selbst sind begeisterte Skater, und eröffneten die Anlage im Jahr 2016. Sie ist täglich von 10 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, das gilt auch für den Laden.

Hier ist ein Film über Source Park.

Source Park
White Rock

Hastings TN34 1JL

Published in: on 25. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Alwinton Border Shepherds‘ Show in Northumberland – Von Schafen, schlauen Hunden und Ringkämpfern

Dudelsackspieler aus Northumberland bei der Show in Alwinton.
Photo © David Clark (cc-by-sa/2.0)

Viel Abwechslung und Amüsement gibt es mitten in Northumberland nicht, da kommt es den wenigen Bewohnern dieses Gebietes (die Grafschaft ist die am dünnsten besiedelste Englands) gerade recht, wenn einmal im Jahr eine richtig schöne Landwirtschaftsshow abgehalten wird, die Alwinton Border Shepherds‘ Show, und zwar in dem kleinen Dorf Alwinton. Am jeweils 2. Samstag im Oktober findet diese „Country Fair“ statt, in diesem Jahr am 8. Oktober und das, wenn ich das richtig sehe, zum 154mal.

Im Mittelpunkt der Show stehen die Schafe, von denen es hier im Border Country an der Grenze zu Schottland jede Menge gibt. Die schönsten Tiere werden ausgezeichnet, einige müssen aber auch (ob sie wollen oder nicht) bei den Sheep Dog Trials mitmachen; das sind die Wettbewerbe, bei denen Border Collies verschiedene Aufgabe bekommen, mit dem Ziel eine kleine Herde von Schafen in ein „pen“, einen Pferch, zu treiben. Wenn alle Schafe darinnen versammelt sind und das Gatter geschlossen ist, ist die Aufgabe von Hund und „Handler“ erfüllt. Den Border Collies scheint das Spaß zu machen, den Schafen eher nicht. Wie das Ganze abläuft, kann man in diesem Film sehen.

Auf der Show in Alwinton gibt es natürlich noch sehr viel mehr Attraktionen: Hunderennen, Fell Races (Querfeldeinrennen jeweils für Erwachsene und für Kinder), Ringkämpfe im Cumberland & Westmorland-Stil und jede Menge Verkaufsbuden und Erfrischungsstände, sowie Autoscooter und die unvermeidliche Hüpfburg.

Wenn nach diesem ereignisreichen Samstag alles abgebaut ist, kehrt wieder Ruhe in Alwinton ein und das kleine Dörfchen versinkt bis zum nächsten Oktober erneut in einen Dornröschenschlaf.

Ob ich wohl zum schönsten Schaf der Landwirtschaftsshow gekürt werde?
Photo © David Clark (cc-by-sa/2.0)
Ein weiterer Wettbewerb: Terrier racing.
Photo: johndal.
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Great Kinder Beer Barrel Challenge – Eine schweißtreibende Veranstaltung im Peak District

The Old Nags Head in Edale (Derbyshire).
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Warum finden Engländer so viel Spaß daran, schwere Gegenstände in Form von Rennen bergauf zu schleppen? Schon mehrere Male habe ich über derartige Veranstaltungen geschrieben, noch nicht über die Great Kinder Beer Barrel Challenge, die einmal jährlich in Derbyshires Peak District stattfindet.

Wie allgemein üblich werden diese mehr oder minder verrückten Ideen in Pubs ausgeheckt, so auch dieses Bierfass-Bergaufschleppen. Es war an einem Januarabend im Jahr 1998 als im Old Nags Head in Edale gerade die Biersorte ausging, die einer der Pubgäste am liebsten trank. Der Wirt machte aus Spaß das Angebot, wenn der Gast ein Fass davon vom nächstgelegenen Pub, dem Snake Pass Inn (der leider im Oktober 2019 geschlossen worden ist), holen würde, dann könnte er den Inhalt umsonst haben. Zum Erstaunen des Wirts machte sich der Gast tatsächlich auf den Weg, trommelte noch zwölf weitere durstige Kehlen zusammen, und alle holten ein Bierfass von dem fünf Kilometer entfernten Snake Pass Inn in ihr Stammlokal. Dabei kamen die Männer ganz schön ins Schwitzen, denn es ging auf dem Weg sehr steil bergauf und bergab.

Warum sollte man aus diesem einmaligen „Event“ nicht eine Dauereinrichtung in Form eines Rennens machen, fragte man sich in Edale und es entstand die Great Kinder Beer Barrel Challenge, benannt nach der bergigen Region, dem Kinder Scout, wo am 24. April 1932 der denkwürdige Mass Trespass stattfand (siehe dazu meinen entsprechenden Blogeintrag).

Bei der Challenge müssen bis zu elf Teams, die jeweils aus acht Männern und/oder Frauen bestehen, ein etwa 75 Kilo schweres Fass, in dem sich allerdings kein Bier sondern Wasser befindet, mit Hilfe einer selbstgebauten Tragevorrichtung vom Snake Pass Inn zum Old Nags Head Inn schleppen. Das Team, das die Strecke am schnellsten zurücklegt, erhält als Preis… natürlich ein Fass Bier. Alle Einnahmen aus der Veranstaltung werden wohltätigen Zwecken gespendet.

Nachdem die Challenge in den letzten beiden Jahren wegen Corona ausfallen musste, hoffen alle, dass sie in diesem Jahr im September wieder ausgetragen werden kann.

Hier ist ein Film über die Challenge.

The Snake Pass Inn.
Photo © steven ruffles (cc-by-sa/2.0)
Der Kinder Scout und das Edale Moor.
Photo © Andy Stephenson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Love Light Norwich 2022 – Ein Lichterspektakel vom Feinsten

Vom 17. bis zum 19. Februar wird Norwich, die Grafschaftshauptstadt von Norfolk, wieder in hellem Glanz erstrahlen, denn dann findet zum zweiten Mal Love Light Norwich statt, ein Lichterspektakel, das Besucher von nah und fern anlocken wird und auf das sich die Bewohner der Stadt freuen, wenn die Sehenswürdigkeiten farbenfroh angestrahlt werden.
Amor, der Gott der Liebe, wird auf die Burg projiziert werden, die Kathedrale wird in ein Meer aus psychedelischen Farben verwandelt, die Künstlerin Nicola Dicke ist mit ihrem „mobile light drawing studio“ präsent, um die Fassade der St Andrew’s Hall farblich neu zu gestalten.

Auch in den Straßen von Norwich gibt es bei Anbruch der Dämmerung viel zu sehen und zu erleben wie die Bicycle Ballet Company, die mit ihren Fahrrädern allerhand Kunststücke aufführt. Im National Centre for Writing in der Dragon Hall kann jeder, der möchte bei True Stories Live Geschichten aus seinem Leben erzählen. Der River of Love ist eine karnevalsartige Prozession durch die Straßen von Norwich mit illuminierten Booten und Meerestieren.

Vor zwei Jahren war Love Light Norwich ein großer Erfolg mit etwa 15 000 Besuchern, hoffen wir, dass es in diesem Februar genauso wird.

Published in: on 30. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

RAF Burtonwood bei Warrington (Cheshire) und die Burtonwood GI Brides 

Flugzeughangare, kurz vor dem Abriss.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)
…und nach dem Abriss.
Photo © David Long (cc-by-sa/2.0)

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen war, sahen sich die Männer der Stadt Warrington in der Grafschaft Cheshire einem unerwarteten Problem ausgesetzt. Die Damenwelt der Stadt war erheblich geschrumpft, weil sich so manche der Ladies einen amerikanischen Soldaten zum Partner gewählt hatten und zu ihm in die USA gezogen waren. Wie war es dazu gekommen?

Der riesige Militärflugplatz RAF Burtonwood, nördlich von Warrington gelegen, entstand im Zweiten Weltkrieg und wurde den Amerikanern übergeben. Es war der größte US-Stützpunkt in Europa mit den längsten Start- und Landebahnen, den meisten Flugzeugen und dem meisten amerikanischen Personal. Rund 18 000 GIs waren hier stationiert, und dass diese jungen Soldaten in ihrer Freizeit die Lokale und Bars von Warrington aufsuchten, lag auf der Hand, und dort trafen sie, wie sicher erhofft, auf die jungen Damen der Stadt. Daraus entwickelten sich Freundschaften und eben auch zahlreiche Eheschließungen.

Burtonwood blieb noch viele Jahre in amerikanischer Hand, allerdings war die Zahl der dort stationierten Soldaten deutlich geringer. Insgesamt sollen sich zwischen 6 500 und 7 500 Frauen auf den Weg in die USA gemacht haben, um dort zu ihren Ehemännern zu ziehen. Enttäuschungen waren vorprogrammiert, denn die sogenannten Burtonwood GI Brides kannten ihre Männer meist nur flüchtig, und was diese ihnen über ihre Lebensumstände in de USA erzählt hatten, stimmte auch nicht immer. In größeren Gruppen fuhren die GI Brides mit Dampfern über den Atlantik, wo sie dann in New York abgeholt wurden. Später erhielten sie Eisenbahnfahrkarten, um selbst zu den Wohnorten ihrer Männer im ganzen Land zu reisen. Viele werden sich, zumindest in der ersten Zeit, einsam gefühlt haben, denn die GI Brides waren noch nie in den USA gewesen, kannten die Familien ihrer Männer nicht und waren unendlich weit von ihren eigenen Familien in England entfernt.

Das Ende des Militärflughafens Burtonwood wurde 1994 eingeläutet; es bestand kein Bedarf mehr und alle Gebäude wurden abgerissen (der Kontrollturm übrigens von Steeplejack Fred Dibnah). Heute durchquert die Autobahn M65 das Gelände, der Themenpark Gulliver’s World wurde darauf errichtet und es entstand ein Gewerbegebiet. Das RAF Burtonwood Heritage Centre, ein Museum, das Erinnerungsstücke zeigt, findet man auf dem Geländes des Themenparks.
In diesem Film sind einige historische Aufnahmen von RAF Burtonwood zu sehen.

Im RAF Burtonwood Heritage Centre.
Photo: Szzuk.
Dieses Werk wurde eingestuft unter Public Domain
Published in: on 22. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Cracker the Boat Horse – Eines der letzten Treidelpferde Englands und der Montgomery Canal in Shropshire

Der Montgomery Canal in der Maesbury Marsh.
Photo: Dave Dunford.
This work has been released into the public domain.

Der Montgomery Canal zieht sich von Wales nach Shropshire und ist 53 Kilometer lang. 27 Schleusen gibt es auf der Strecke. Der Kanal ist die Heimat eines der letzten Treidelpferde Englands, Cracker the Boat Horse. Das hübsche, kräftige Shirehorse zieht für touristische Zwecke ein Narrowboat namens „Countess„, das zwölf Meter lang ist und bis zu zwölf Personen befördern kann. Die Firma Bywater Cruises bietet diese Touren an, die in der Maesbury Marsh, etwa fünf Kilometer südöstlich der Stadt Oswestry, beheimatet ist.

Ob es Cracker gefällt, das tonnenschwere Boot den Treidelpfad entlang zu ziehen, weiß ich nicht, er tut das aber geduldig, wann immer das von ihm gefordert wird (er hat sogar eine eigene Facebookseite).

Die einstündige „river cruise“ kostet £7.50 pro Person, man kann das Boot aber auch für £80 pro Stunde chartern. Wer nun Cracker ins Herz geschlossen hat, kann Mitglied im Cracker Club werden und dafür sorgen, dass das Pferd zum Beispiel immer genügend Möhren und Stroh zur Verfügung hat, und dass es alle sechs Wochen neue Schuhe bekommt. Als Gegenleistung erhalten die Clubmitglieder kostenlose Cruises auf der „Countess“ mit einem frischbesohlten und mit Möhren gestärktem Pferd.

Hier sind Impressionen im Bild von einer dieser nervenberuhigenden „Flusskreuzfahrten“ zu sehen.

Bywater Cruises,
Canal Central,
Coed y Rae,
Maesbury Marsh,
Oswestry,
Shropshire
SY10 8JE

Published in: on 15. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Thursfords Christmas Spectacular – Eine Bühnenshow und ein vorweihnachtliches Wunderland

Photo: sparkleworld.
Creative Commons 2.0

The biggest Christmas show of it’s kind in Europe“ kann man auf den Webseiten des Dorfes Thursford in der Grafschaft Norfolk lesen. Was ist da in dem 200-Seelen-Dorf los?

Vom 9. November bis zum 23. Dezember wird täglich zweimal, um 14 Uhr und um 19 Uhr, eine Show zelebriert, an der 130 Teilnehmer auf der Bühne stehen und die man eher nach Paris ins Moulin Rouge als nach Norfolk verorten würde. Während der dreistündigen Show („an extravaganza of non-stop singing, dancing, music, humour and variety„) ist ein Mix aus Charthits und Weihnachtsliedern zu hören, langbeinige hübsche Frauen bieten etwas fürs Auge und im Hintergrund stehen Weihnachtsbäume mit tausenden von blinkenden Lämpchen. Hier ist ein kleiner Vorgeschmack.

Doch die Bühnenshow Thursford Christmas Spectacular ist nur ein Teil dessen, was das Dorf insgesamt zu bieten hat. Drumherum ist eine riesige Weihnachtslandschaft aufgebaut, die genauso gut in den USA stehen könnte: Beleuchtete Elche, Weihnachtsmänner in allen möglichen Stellagen, bewegliche Zwerge und Tiere, eine Kakophonie von blechernen Weihnachtsliedern, Dschungelgeräuschen, trompetenden Elefanten, und das alles Disneyland-ähnlich aufbereitet.

Bis zu fünfzig Reisebusse aus dem ganzen Land stehen täglich auf den Parkplätzen, deren Passagiere sich vorweihnachtlich einstimmen lassen wollen. Kinder werden das Spektakel genießen.
Dieser Film gibt einen Eindruck davon, was Thursford in der Vorweihnachtszeit zu bieten hat.

Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)
Photo: sparkleworld.
Creative Commons 2.0

Published in: on 6. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

The Shepton Mallet Prison in Shepton Mallet (Somerset)

Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Als Her Majesty’s Prison Shepton Mallet im Jahr 2013 für immer geschlossen wurde, weinten die Gefangenen ihrem ehemaligen Gefängnis wohl keine Träne nach. Es war das älteste Gefängnis im Land (um 1625 herum wurde es in Betrieb genommen) und es sah auch sehr abweisend und düster aus. Es „beherbergte“ nur Männer, die zur Kategorie C zählten („Those who cannot be trusted in open conditions but who are unlikely to try to escape“) und Lebenslängliche.

Was macht man nun mit so einem finsteren, unheimlichen Gebäude? In England öffnet man so etwas gern für die Allgemeinheit und macht ein Spektakel daraus. Es gibt immer genug Menschen, die sich gern gruseln, und da das Gefängnis auch noch von Geistern heimgesucht sein soll, passte alles perfekt zusammen. Die Betreiber ließen das „Her Majesty’s“ weg und benannten es Shepton Mallet Prison.

Im Angebot sind:
The Cell Escape Room Experience, wobei die Teilnehmer in einer früheren Gefängniszelle eingeschlossen werden und die Aufgabe haben, daraus zu fliehen.
Touren durch das Gefängnis und die Zellen auf eigene Faust, mit der Möglichkeit „Cellfies“ zu machen (so steht es auf den Webseiten des Shepton Mallet Prisons); es gibt auch geführte Touren.
Geisterjagden.
Night behind bars. Für £54 hat man das Vergnügen, eine ganze Nacht in einer Zelle zu verbringen, vielleicht in der, in der die berühmt-berüchtigten Kray Twins in den 1950er Jahren einmal eingeschlossen wurden, weil sie vom Militär desertiert waren.

Wem der Sinn danach steht, der kann in dem Ex-Gefängnis auch heiraten: „Our dedicated team are waiting to help turn your wedding dreams into reality„. Ist schon verwunderlich, dass es Heiratswillige gibt, deren Herzenswunsch es ist, sich das Ja-Wort in einem düsteren Gefängnisgebäude zu geben…

Die Betreiber der Anlage sind schon recht erfinderisch, das Shepton Mallet Prison zu vermarkten; Weihnachtsparties stehen jetzt auch auf dem Programm („Christmas behind bars“).

„The World’s first ever prison marathon“ wurde hier auch schon ausgetragen; dieser Film legt davon Zeugnis ab.

Im vorigen Jahr wurden hier Szenen für die TV-Miniserie „Des“ gedreht, in der es um den Serienmörder Dennis Nilsen geht.

Shepton Mallet Prison
Frithfield Lane
Shepton Mallet
Somerset
BA4 5LU

Photo © Nigel Freeman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Gawsworth Hall Open Air Theatre

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Dunstkreis der Stadt Macclesfield liegt das Dorf Gawsworth in der Grafschaft Cheshire. Das Highlight des Dorfes ist die Gawsworth Hall, ein beeindruckendes Country House, das in Privatbesitz ist und das zu bestimmten Zeiten zur Besichtigung freigegeben ist. Seit 1969 finden hier im Sommer im Open Air Theatre kulturelle Veranstaltungen statt, die vor der Kulisse des Tudorhauses für die Besucher besonders stimmungsvoll sind. Wie in England üblich, sind die Gäste eingeladen, vor den Aufführungen ihr mitgebrachtes Picknick einzunehmen, das bei schönem warmem Wetter am See auf dem Gelände besonders gut schmeckt.

Die Theatersaison in Gawsworth Hall ist ein bunter Mix aus Schauspiel, Comedy und Konzerten. In diesem Jahr gab es vom 26. Juni bis zum 1. August beispielsweise eine Aufführung von William Shakespeares „Komödie der Irrungen“ und eine Reihe von Tributkonzerten (Queen, Tina Turner, Fleetwodd Mac). Die von mir erst kürzlich an dieser Stelle vorgestellte Foden’s Band trat auf und der Comedian Jimmy Carr ließ sich von den Besuchern feiern.

In diesem Jahr konnten die Gäste der Veranstaltungen nicht wie gewohnt unter einem großen Zeltdach sitzen, Zugeständnisse, die man wegen Corona machen musste.

Das über 500 Jahre alte Haus (hier einige Bilder) soll einmal der Wohnsitz von William Shakespeares mysteriöser Dark Lady gewesen sein, die in seinen Sonetten auftaucht. Möglicherweise war es Mary Fitton (1578-1647), Hofdame Königin Elizabeths I.

Photo © Neil Kennedy (cc-by-sa/2.0)

Blists Hill Victorian Town in Telford (Shropshire)

Der Chemist Shop.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Im Sommer des Jahres 2020 strahlte die BBC eine vierteilige Dokumentation namens „Victorian Pharmacy“ aus, die sich mit dem Thema beschäftigte, welche Rolle Medikamente in der viktorianischen Ära spielten und welche mehr oder weniger fragwürdigen pharmazeutischen Produkte damals angewendet wurden (hier ist die erste Folge zu sehen). Gedreht hat man die Doku im Chemist Shop der Blists Hill Victorian Town in Telford in der Grafschaft Shropshire. Blists Hill ist eine Art Freilichtmuseum auf einem ehemaligen Industriegelände, in dem die Besucher das Leben im 19. Jahrhundert in dieser Region nachvollziehen können. Die Museumsdichte hier in der Geburtsstätte der Industriellen Revolution ist sehr hoch, der Ironbridge Gorge Museum Trust unterhält zehn davon, auch die Victorian Town gehört dazu.

Es handelt sich hierbei um eine Familienattraktion, bei der auch Kinder auf ihre Kosten kommen; so gibt es auf dem weitläufigen Gelände einen Victorian Fairground, einen Süßigkeitenladen und eine Bergwerksbahn. Das New Inn Public House sorgt für die erforderlichen Erfrischungen zwischendurch, bevor man sich dann vielleicht die Candle Factory oder die Druckerei ansieht. Wer möchte kann in der Bank gleich am Anfang des Rundgangs sein Geld in alte Münzen aus der viktorianischen Zeit umtauschen und damit auf dem Gelände auch bezahlen.

Die Gebäude der Victorian Town sind zum Teil von auswärts hierher gebracht und neu errichtet worden, manche wiederum sind Replikas von anderen Gebäuden. Schon seit 1973 existiert das Open Air Museum, das ständig erweitert und verbessert worden ist.

Dieser Film zeigt einen Rundgang über das Gelände von Blists Hill.

Blists Hill Victorian Town
Legges Way
Telford TF7 5UD

Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)
Der Fairground.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Author: Andrew-M-Whitman.
Creative Commons 2.0
Relikte einer ehemaligen Ziegelbrennerei.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Chislehurst Caves in Kent – Ein Höhlenlabyrinth südöstlich von London

Author: Banalities.
Creative Commons 2.0

Im äußersten Südosten von London, schon in der Grafschaft Kent gelegen, befinden sich die Chislehurst Caves, ein Labyrinth von Tunneln, die sich über 35 Kilometer erstrecken. Wann diese von Menschenhand gemachten Tunnel entstanden sind, ist nicht mehr genau feststellbar; Mitte des 13. Jahrhunderts wurden sie erstmals erwähnt, man baute hier Kreide und Feuerstein ab.

Nachdem der Bergbau in Chislehurst etwa Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, nutzte man das Stollen-/Höhlen-/Tunnellabyrinth für die unterschiedlichsten Zwecke. Im Ersten Weltkrieg wurde hier Munition gelagert, dann züchtete man Champignons und im 2. Weltkrieg dienten die unterirdischen Gänge als Luftschutzbunker, in denen bis zu 15 000 Menschen Zuflucht finden konnten.

In den 1960er Jahren wurden hier Rockkonzerte veranstaltet, bei denen so illustre Gäste wie die Rolling Stones und Pink Floyd auftraten. Auch einige Fernseh- und Spielfilme wurden in den Chislehurst Caves gedreht, beispielsweise 1981 der Horrorfilm „Inseminoid“ (dt. „Samen des Bösen“) oder Szenen der BBC-Serie „Merlin“ (dt. „Merlin – Die neuen Abenteuer“).

Die Heavy Metal-Band Cradle of Filth aus Suffolk nahm hier 2008 ihr Musikvideo „Honey and Sulphur“ auf.
Das Team der Geisterjäger von „Most Haunted“ hat sich die Tunnel in Kent auch schon vorgenommen; hier ihr Bericht.

Man kann die Chislehurst Caves auf geführten Touren kennenlernen, die mittwochs bis sonntags durchgeführt werden, 45 Minuten dauern und £7 kosten. Dieser Film gibt einen Eindruck von den unterirdischen Touren.

Chislehurst Caves
Caveside Close
Old Hill
Chislehurst
Kent
BR7 5NL

Das Buch zum Artikel:
James Wilkinson: The Ghosts of Chislehurst Caves. Greenlight Publishing 2011. 112 Seiten. ISBN 978-1897738436.

Author: mmmmngai@rogers.com.
Creative Commons 2.0
Author: Loz Flowers.
Creative Commons 2.0
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 19. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Thames Mudlarks – Schatzsuche im Schlamm der Londoner Themse

Niedrigwasser der Themse bei Chiswick.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Mitten in London beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut mehrere Meter, d.h. dass bei Wasserniedrigstand für einige Stunden Teile der Themse zum Vorschein kommen, die sonst vom Wasser überspült sind. Das ist die Zeit, zu der man die Mudlarks bei ihrer Arbeit beobachten kann. „Mudlark“ heißt soviel wie „Schmutzfink“ und eine schmutzige Arbeit ist das schon, was diese Leute hier tun. Mit Hilfe von Metalldetektoren suchen sie den Uferschlamm ab auf der Suche nach „Schätzen“, wobei das Wort „Schatz“ im weitesten Sinne gebraucht wird.

Die Mudlarks gab es auch schon im 18. Jahrhundert; das waren damals Menschen, die von der Suche nach Wertsachen im Themseschlamm ihren Lebensunterhalt bestritten. Gegenüber damals ist das heutige Suchen sicher angenehmer, denn die Themse gilt jetzt als einer der saubersten Flüsse Europas.

Die 1980 gegründete Society of Thames Mudlarks besitzt die „Lizenz zum Suchen“, die ihr von der Port of  London Authority ausgestellt worden ist. Alles, was die Mitglieder der Gesellschaft im Schlamm der Themse an historischen Artefakten finden, müssen sie dem Museum of London melden, das mittlerweile über eine umfangreiche Sammlung an Themsefunden besitzt.

Was findet man denn nun in dem Schlamm? Neben Dingen des alltäglichen Lebens, die in die Themse geworfen werden, entdecken die Mudlarks auch manchmal jahrhundertealte Gegenstände. So hat eines der Mitglieder der Gesellschaft über 2500 Knöpfe gefunden, von denen die ältesten aus dem 14. Jahrhundert stammen. Diese umfangreiche Knopfsammlung ist auch im Museum of London zu besichtigen. Ferner fand man in dem Schlamm des Flusses Münzen, Halsketten aus der Eisenzeit, Schmuckstücke der Angelsachsen und jede Menge Gegenstände aus der Römerzeit.

Neben der oben erwähnten Society of Thames Mudlarks gibt es noch andere Gruppierungen, die mit Metalldetektoren am Ufer der Themse tätig sind wie beispielsweise die Thames and Field Metal Detecting Society.

Dieser sehr informative Film zeigt die Arbeit der Mudlarks in London.

Gefunden in der Themse.
Author: Articulate Matter.
Creative Commons 2.0
Und auch das…
Author: neil cummings.
Creative Commons 2.0
Published in: on 14. Oktober 2021 at 02:00  Comments (4)  

Die Unique Devon Tours und The Hound of the Baskervilles

Das ehemalige Duchy Hotel in Princetown.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
 

The Hound of the Baskervilles“ (dt. „Der Hund von Baskerville“) ist vielleicht die bekannteste Detektivgeschichte aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930), die 1901/02 als Fortsetzungsroman im Strand Magazine in London erschien. Um sich ein wenig in die entsprechende Stimmung zu versetzen, die dann in sein Buch übernommen wurde, reiste Sir Arthur in das Dartmoor, wo er im Duchy Hotel (heute das National Park Visitor Centre) in Princetown Teile seiner Geschichte um den Geisterhund zu Papier brachte.

Dieser Hund von Baskerville machte das Dartmoor auch außerhalb der Grenzen Englands bekannt und sorgte dafür, dass viele Besucher diese zeitweise recht düstere Region aufsuchen. Wer das Dartmoor auf den Spuren des Hundes beziehungsweise auf den Spuren Sir Arthurs nicht auf eigene Faust erkunden möchte, dem bietet Unique Devon Tours eine Alternative.

Alex Graeme (in diesem Film stellt Alex seine Firma vor) und Mark Lakeman führen themenbasierte Fahrten durch Devon und Umgebung durch, unter anderem auch eine eintägige The Hound of the Baskervilles Tour. Alex Graeme ist Experte für die Grafschaft Devon; sein Urgroßvater war Robert Duins Cooke, von 1897 bis 1939 Reverend der St Andrew’s Church in Ipplepen, sechs Kilometer südwestlich von Newton Abbot, der damals Sir Arthur einige Tipps für seine Dartmoor-Recherchen gab.

Also: Alex Graeme kennt sich hier bestens aus. Die Hound of the Baskervilles Tour beginnt folglich in Ipplepen, führt dann nach Ashburton und Buckfastleigh zur Holy Trinity Church, wo das düstere, unheimliche Grabmal Squire Richard Cabells zu sehen ist. Richard Cabell soll als Vorbild für Sir Hugo Baskerville gedient haben (mehr über ihn und sein Grabmal ist in meinem entsprechenden Blogartikel zu lesen). Das Mittagessen auf der Tour wird im Rugglestone Inn in Widecombe-in-the-Moor eingenommen, einem richtig schönen, urigen Pub. Die zweite Hälfte der Rundfahrt führt zu Orten, die damals Sir Arthur aufgesucht hatte, unter anderem zu den Fox Tor Mires, die ihn zu dem Grimpen Mire im Roman inspirierten.

Für ein bis zwei Personen kostet die Tour £380, für drei bis sechs Personen £480.

Wer sich tiefer mit der Geschichte des unheimlichen Hundes und Sir Arthurs Buch beschäftigen möchte, dem empfehle ich diese Rezension aus dem Crimealley-Blog.

St Andrew’s in Ipplepen.
Photo © Paul Hutchinson (cc-by-sa/2.0)
Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity in Buckfastleigh.
Photo © Adrian Platt (cc-by-sa/2.0)
Der Rugglestone Inn in Widecombe in the Moor.
Author: Major Clanger.
Creative Commons 2.0
Blick auf die Fox Tor Mires im Dartmoor.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Das Problem der „second homes“ in der englischen Provinz

St Ives in Cornwall, außerordentlich beliebt bei „second home buyers“.
Photo © Marika Reinholds (cc-by-sa/2.0)

Der Traum vieler Londoner, oder anderer Großstädter, ist es, einen Zweitwohnsitz auf dem Land, vorzugsweise am Meer, zu besitzen. Es gibt genug wohlhabende Menschen, die sich diesen Traum erfüllen können, leider auf Kosten anderer, nämlich derjenigen, die dort bereits wohnen und die darunter zu leiden haben. In der Regel werden Zweitwohnsitze in Dörfern oder Kleinstädten gekauft, wenn dort etwas frei wird; die Einheimischen, die auch an einem Kauf interessiert wären, haben keine Chance, weil die Großstädter finanzkräftiger sind. Da die neuen Besitzer aber nicht ständig dort wohnen, spricht man bereits von „ghost villages„, überwiegend leer stehenden Häusern, und die „Ureinwohner“ fühlen sich in ihren Dörfern nicht mehr wohl, ein soziales Problem ist entstanden. In der Corona-Pandemie hat sich dieser Trend noch verstärkt; der Drang aus der Stadt hinaus in die Provinz hat zugenommen, viele wollen, das Homeoffice macht es möglich, ganz aus den Metropolen wegziehen.

In England gibt es einen akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum, und Zweitwohnungsbesitzer nehmen Wohnungssuchenden diesen Wohnraum weg. „The pandemic property boom is pricing locals out of the British countryside“ titelte The Guardian kürzlich. Devon, Dorset und Cornwall sind beliebte Regionen, in denen sich Leute mit Geld gern einen zweiten Wohnsitz zulegen.

Es gibt bereits einige Orte im Südwesten, die den Kauf von Zweitwohnungen unterbinden wollen wie in Salcombe in Devon. In St Ives in Cornwall, ein Hotspot für extrem teuere Häuser und Wohnungen, hat man das schon getan, allerdings mit negativen Folgen. Dort wurde es verboten, dass neugebaute Häuser als Zweitwohnungen verkauft werden konnten. Die Folge: Zum einen litten die örtlichen Baufirmen darunter, weil jetzt eben keine neuen Häuser mehr gebaut wurden, zum anderen stürzten sich nun die wohlhabenden Großstädter auf die verbliebenen Häuser in St Ives, was die Preise noch mehr in die Höhe treibt.

Das Problem dieser „second homes“ und die gesellschaftlichen Auswirkungen dürfte das Land wohl noch lange beschäftigen.

Published in: on 7. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Die Murmelbahnen im House of Marbles in Bovey Tracey (Devon)

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Sollte das Wetter bei einem Besuch des Dartmoors mal wieder zu unwirtlich sein, und man einfach keine Lust haben, durch die nebelverhangenen Moore zu fahren, dann bietet sich als Alternative ein Abstecher ins House of Marbles in Bovey Tracey (Devon) an, einer Kleinstadt am Ostrand des Dartmoors. An der Pottery Road liegen große Backsteingebäude, in denen alle möglichen Spielwaren („From the ridiculous to the sublime“) und Geschenke produziert und angeboten werden. Puzzles und Spiele, Kerzen und Seifen, Porzellan und Beautyprodukte, hier geht wohl kein Besucher mit leeren Händen hinaus.

Eine Besonderheit möchte ich aber herausheben: Die Glasmurmeln. Neben dem Spielemuseum und dem Keramikmuseum gibt es hier auch ein Glas- und Murmelmuseum. Teign Valley Glass produziert in den Gebäuden edle Glaswaren und eben auch Murmeln in den unterschiedlichsten Formen. Im Laden kann man dafür Murmelbahnen („marble runs“) kaufen und die größten Murmelbahnen, die es überhaupt weltweit gibt, kann man im House of Marbles bestaunen. Vier Exemplare gibt es davon, die Alex Schmid entworfen hat. Die größte Bahn heißt Snooki 2000, und sie ist faszinierend anzuschauen. Hier ist sie im Film zu sehen und hier ist ein Rundgang durch das House of Marbles.

Diese Besucherattraktion ist täglich geöffnet, montags bis samstags von 9 Uhr bis 17 Uhr, sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr.

Noch eine Ergänzung für Besucher des Dartmoors: Das Dartmoor Magazine informiert über diese einzigartige Landschaft und gibt Tipps in Hülle und Fülle. Siehe hierzu meinen Blogeintrag.

The House of Marbles
The Old Pottery
Pottery Road
Bovey Tracy
Devon
TQ19 3DS

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Author: ant.photos.
Creative Commons 2.0
Published in: on 25. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

GAGB – Geocaching Association of Great Britain

Ein GPS-Empfänger.
Author: Johan Larsson.
Creative Commons 2.0

Für das relativ neue Freizeitvergnügen namens Geocaching benötigt man nur einen GPS-Empfänger und schon kann es los gehen. Was man früher als Schnitzeljagd bezeichnete, hat sich auf eine andere technisierte Ebene entwickelt. Die geografischen Koordinaten der zu suchenden Verstecke findet man im Internet. „Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Der Besucher kann sich in ein Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren„, so die Wikipedia.

Auch in Großbritannien erfreut sich das Geocaching immer größerer Beliebtheit und so gibt es seit 2003 die Geocaching Association of Great Britain (GAGB), die sich um die Belange ihrer Mitglieder kümmert. Wichtig ist ihr der Kontakt zu den Grundbesitzern auf deren Boden der Geocache versteckt wird, denn das sollte nur mit deren ausdrücklicher Genehmigung geschehen.

Die GAGB gibt ein Magazin heraus, das den Titel „Seeker“ trägt und viermal jährlich erscheint. In der aktuellen Ausgabe finden sich beispielsweise Artikel über das Thema „Geoart“ („a series of caches where the shape of the series forms an image“), die weltweit erste „Art Geo Tour“ an den Küsten von Essex, Kent und Sussex und über Geocaching in Sri Lanka.

Die GAGB informiert auf ihren Webseiten über Mega Events, die in Großbritannien stattfinden wie in diesem Jahr Piratemania in Lincolnshire und London Calling 2021.

Für den Außenstehenden dürfte vieles von dem, was in der Geocacher-Szene so abläuft, schwer verständlich sein. Die Geocacher haben auch einen eigenen Jargon entwickelt, den die Muggels (Nicht-Geocacher) wohl kaum verstehen können. Dieser deutschsprachige Film erklärt das wichtigste über dieses Freizeitvergnügen.

Ein Geocache.
Author: cachemania.
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Published in: on 13. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Weymouth in Dorset Teil 2 – „Fantasies and Fairytales“ in der Sandworld

Author: andreboeni.
Creative Commons 2.0

Und noch einmal komme ich auf die Stadt Weymouth an der Küste von Dorset zu sprechen. Nachdem ich gestern über den inzwischen wieder abgebauten Jurassic Tower geschrieben habe, möchte ich heute die Sandworld vorstellen, eine weitere Besucherattraktion. Hier sind wahre Künstler am Werke, die aus Sand und Wasser großartige Skulpturen herstellen, deren „Lebenszeit“ allerdings, wie schon die des Turmes, begrenzt sind.

Mark Anderson, World Class Sand Sculptor Master, und David Hicks sind die Gründer von Sandworld, die es jedes Jahr wieder schaffen, mit ihren Kreationen die Besucher in Staunen zu versetzen. Das Motto der diesjährigen Ausstellung lautet „Fantasies and Fairytales„, geöffnet vom 22. Mai bis zum 31. Oktober, täglich von 10.30 Uhr bis 16 Uhr, am Wochenende bis 16.30 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £7.50. Sehr schön finde ich die Formulierung, dass „well behaved and emptied dogs“ willkommen sind. Sandworld liegt auf dem Gelände des Lodmoor Country Parks.

Für die Skulpturen werden 2000 Tonnen Sand benötigt und für die Anfertigung der Kunstwerke brauchen die Künstler je nach Größe zwischen fünf Tagen und drei Wochen.
In diesem Film kann man den Sandbildhauern bei der Arbeit zusehen.

Zum Thema siehe auch diesen früheren Blogeintrag von mir.

Author: neonbubble.
Creative Commons 2.0
Author: neonbubble.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Donkey rides – Eselreiten in englischen Seebädern

Am Strand von Skegness in Lincolnshire.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Das Leben in englischen Seebädern verläuft doch etwas anders als in Deutschland. Der Amüsierfaktor steht mehr im Vordergrund, „seaside amusement arcades“ sind sehr beliebt und Kinder lieben die „donkey rides„, das Reiten auf Eseln am Strand.
In Weston-super-Mare, dem Badeort in Somerset, wurde 1886 die Idee mit dem Eselreiten geboren, einige Jahre später folgte Bridlington an der Küste von Yorkshire und dann zogen viele andere Seebäder nach.

Bis heute tragen die Esel ihre Namen, Daisy ist besonders beliebt, auf den Nasenriemen, so dass die Kinder ihre Tiere auch anreden können. Gut, Kinder lieben dieses Mini-Abenteuer auf dem Rücken eines dieser geduldigen Tiere, aber mögen das die Esel auch? Tierschützer bezweifeln das vehement und setzen sich dafür ein, das Eselreiten abzuschaffen. Tagein, tagaus, auch bei hohen Temperaturen, mit Kindern oder sogar Jugendlichen auf dem Rücken durch den Sand zu laufen, keine Pause und keinen Schatten zu haben, das dürfte schon ein ziemlicher Stress für die Tiere sein. Die Betreiber der donkey rides sehen das natürlich anders.

Bei einer Online-Petition sprachen sich über 100 000 Teilnehmer für die Abschaffung dieses Strandvergnügens aus, wobei der geringste Teil davon aus dem Königreich selbst kam. Ist man in England doch mehr am Festhalten von Traditionen als am Tierwohl interessiert?

Das Coast Magazine hat eine Top 5-Liste der besten donkey rides in Großbritannien aufgestellt, wobei John Nuttalls Esel an den Stränden von Cleethorpes, Skegness und Ingoldmells in Lincolnshire als beste eingestuft wurden.

In diesem Film sind die „seaside donkeys“ am Strand von Blackpool zu sehen.

In Great Yarmouth (Norfolk).
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Teddy und Champion am Strand von Skegness in Lincolnshire.
Author: Pondspider.
Creative Commons 2.0
Published in: on 2. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Haytor Hoppa – Ein Linienbus, der das östliche Dartmoor bedient

Autofahrten durch das Dartmoor in Devon verlangen vom Fahrer hohe Aufmerksamkeit, denn viele Straßen sind sehr eng und werden von hohen Hecken gesäumt, so dass man nie weiß, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet. Wenn dann auch noch dicker Nebel dazu kommt, kann es schon etwas „tricky“ werden.
Wem das alles zuviel ist und wer lieber seine Nerven schonen möchte, für den gibt es eine Alternative, um das landschaftlich schöne Dartmoor zu betrachten: Der Haytor Hoppa der Buslinie 271, der in diesem Jahr wieder in der Zeit vom 29. Mai bis 30. Oktober eingesetzt wird und zwar immer am Samstag (vom 26. Juli bis zum 3. September auch montags bis freitags). Sechsmal am Tag startet der kleine Hop on/Hop off-Linienbus seine Reise von Newton Abbot aus ins Dartmoor.

Die erste Teilstrecke führt von Newton Abbot bis nach Widecombe, wofür der Bus 45 Minuten benötigt; unterwegs kann man noch an mehreren Haltepunkten zusteigen. Nach einer kurzen Pause in dem hübschen Dartmoor-Dorf (das leider in der Saison häufig überlaufen ist) geht es weiter, unter anderem über Manaton, Becky Falls und Bovey Tracey zurück zum Ausgangspunkt. Da der Bus Haytor Hopper heißt, führt sein Weg auch an der beeindruckenden Felsformation Haytor Rocks vorbei.

Knappe zwei Stunden dauert die Fahrt, die man jederzeit unterbrechen und dann mit dem nächsten Haytor Hoppa fortsetzen kann. Morgens um Uhr 9.20 startet der erste Bus, der letzte verlässt Newton Abbot um Uhr 15.20.

Die Haytor Rocks.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Petrifying Well in Knaresborough (North Yorkshire) – Englands älteste Touristenattraktion

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Sir Charles Slingsby kaufte 1630 König Charles I einen Teil des Royal Forests ab, der neben der Stadt Knaresborough direkt am Fluss Nidd in North Yorkshire lag, und der eine damals schon bekannte Quelle, die Dropping Well, enthielt.
Viele Leute wollten diese Quelle sehen, und so erhob Sir Charles damals schon eine Eintrittsgebühr und erschuf damit Englands älteste Touristenattraktion.

Was war nun das Besondere an der Quelle, die man später The Petrifying Well nannte? Das Wasser hat einen extrem hohen Anteil an mineralischen Stoffen und alles, was sich diesem Wasser „in den Weg stellt“ wird versteinert. Kalzium, Magnesium und Natrium sind die Hauptbestandteile dieser einzigartigen Quelle. Das Wasser ergießt sich über einen Felsen und die Mineralien lagerten sich über Jahrhunderte daran ab, so dass es zweimal zu einem Felsabbruch kam.

Wenn man die Petrifying Well besucht, findet man am unteren Rand des Felsens einige Objekte die direkt im Wasser hängen und im Lauf der Zeit versteinert werden. Beliebt sind Teddybären, die in etwa drei bis fünf Monaten aus Plüsch- zu Steinbären werden. Andere Objekte brauchen auch schon einmal achtzehn Monate bis sie versteinert sind.
In einem kleinen angeschlossenen Museum kann man einige  „fertige“ Versteinerungen sehen, so zum Beispiel eine Handtasche von Agatha Christie, einen Hut von John Wayne oder einen Schuh von Queen Mary, die die Quelle 1923 besuchte.
Neben dem Petrifying Well gibt es noch die Höhle zu sehen, in der die berühmte Seherin des Mittelalters Mother Shipton geboren sein soll, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Der Eintrittspreis für Höhle, Brunnen und Park beträgt £10 für einen Erwachsenen. Geöffnet ist die ganze Anlage in diesem Jahr bis zum 31. Oktober.

Knaresborough, das nicht weit von Harrogate entfernt ist, lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Hier ist ein Film über Knaresboroughs Touristenattraktion.

Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Photo © David Ward (cc-by-sa/2.0)

The Spanish City in Northumberlands Whitley Bay

Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

Das Wahrzeichen des Küstenortes Whitley Bay in Northumberland ist ein auffälliges Kuppelgebäude direkt am Strand, das zur Spanish City gehört. 1910 wurde das Gebäude errichtet; die Erbauer wollten wohl so etwas wie eine abgespeckte Version von Blackpools Pleasure Beach den Besuchern zur Verfügung stellen. Der Name Spanish City geht auf eine Einrichtung zurück. die zuvor an dieser Stelle stand, in der Konzerte veranstaltet wurden und die wie ein spanisches Dorf gestaltet war.

Links und rechts von der imposanten Kuppel stehen zwei Türmchen, auf denen jeweils eine weibliche Figur zu sehen ist, die sich beide musikalisch betätigen. Die eine hält ein Becken in den Händen, die andere spielt ein Tamburin. Die Spanish City besteht aus mehreren Restaurants, Bars und Veranstaltungssälen, in denen gern Tribute Nights stattfinden; geplant für die nächste Zeit sind Freddie Mercury, George Michael und Lady Gaga Tributes. Die Räumlichkeiten der Spanish City können für Hochzeitsfeiern oder Babyshower Parties gebucht werden.

Da das Gebäude mittlerweile schon sehr in die Jahre gekommen und vom Einsturz bedroht war, fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, die vor drei Jahren abgeschlossen werden konnten. Im Juli 2018 erstrahlte die Spanish City wieder in neuem Glanz.

Mark Knopfler von der Band Dire Straits, der nicht weit entfernt, in Blyth, aufgewachsen war und Whitley Bay häufig besucht hatte, schrieb 1980 den Song „Tunnel of Love„, der zu einer Art Hymne der Spanish City geworden war und jeden Morgen bei der Öffnung gespielt wurde. In dem Song geht es um einen Besuch in einem Vergnügungspark, und die Spanish City wird darin explizit erwähnt.

Im November 1998 wurde der Song „Pray“ der Sängerin Tina Cousins veröffentlicht; das dazu gehörende Video entstand zum Teil in der Spanish City und der näheren Umgebung.

Hier ist ein Film über die Geschichte der Spanish City.

Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)
Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

The Pipe Club of London – Ein Refugium für Pfeifenraucher

Einer der berühmtesten Pfeifenraucher: Sherlock Holmes.
Photo © Oxfordian Kissuth (cc-by-sa/2.0)


Raucher haben es schwer – nirgendwo in öffentlichen Räumen dürfen sie ihrem Laster frönen. Pfeifenraucher werden, meiner Ansicht nach,  noch eher akzeptiert als Zigaretten- oder Zigarrenraucher, verströmt doch der Pfeifentabak häufig einen angenehmen Geruch und außerdem gelten Pfeifenraucher als gemütliche, ruhige Menschen.

Der Pipe Club of London bietet seit 1970 seinen Mitgliedern ein Forum, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, und auch ein Refugium, wo man den Anfeindungen der tabakfeindlichen Welt nicht ausgesetzt ist.
Der Club hat zurzeit über 400 Mitglieder, die nicht alle aus London kommen, sondern aus 26 Ländern weltweit. Wer aber im Großraum London wohnt, kann an den monatlichen Treffen teilnehmen, die einmal in London selbst, bei James J. Fox („The Great British Cigar Merchant“) in der St James’s Street Nummer 19 und einmal vor den Toren der Stadt in The Overdraught bei St Albans (Hertfordshire) stattfinden.
An Aktivitäten bietet der Pipe Club of London Tabak Tastings, Besuche in tabakherstellenden Firmen und Wettbewerbe, bei denen das Pfeiferauchen im Mittelpunkt steht wie zum Beispiel einen Slow Smoking Competition.
Zweimal im Jahr erhalten die Mitglieder das „Pipe Club of London Journal„, das aus der Welt der Pfeifenraucher berichtet.

Dieser Film zeigt den Pipe Club in Wort und Bild.


Das Buch zum Artikel:
Richard Carleton Hacker: Pipesmoking – A 21st Century Guide. Autumngold Publications 2000. 165 Seiten. ISBN 978-0931253133.

Einer der Treffpunkte des Clubs: J.J. Fox in der Londoner St James’s Street.
Author: Philafrenzy.
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The Overdraught bei St Albans (Hertfordshire).
Photo © Jack Hill (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Giffords Circus – Ein traditioneller Zirkus aus den Cotswolds

Author: allispossible.co.uk
Creative Commons 2.0

Betritt man das Zelt des Giffords Circus, so sollte man keine durch brennende Reifen springende Tiger oder Männchen machende Elefanten erwarten. Das Wildeste, das hier zu sehen ist, sind Pferde und Hunde. Giffords Circus gastiert gern auf Village Greens, in Kleinstädten und Dörfern, aber auch Abstecher nach London kommen hin und wieder vor. Am häufigsten sind die Shows im Großraum der Cotswolds zu bewundern.

Benannt wurde der Zirkus nach seiner Gründerin Nell Gifford (1973-2019), die ihn im Jahr 2000 aus der Taufe hob. Bis zu ihrem frühen Tod vor zwei Jahren (sie starb an Brustkrebs) hatte sie ihr ganzes Leben dem Zirkus gewidmet. Sie arbeitete unter anderem beim Chinesischen Staatszirkus und dem Circus Roncalli in Deutschland, aber ihr Ziel war es immer gewesen, selbst einen Zirkus zu leiten.

Was wird dem Besucher bei Giffords alles geboten? Da sorgen Tweedy the Clown und die Sängerin und Schauspielerin Nancy Trotter Landry für Lacher im Publikum, Rebecca Musselwhite zeigt Pferdekunststücke und das Duo Imagine begeistert mit seiner Artistik. Feen, Trolle, Zwerge und andere mystische Wesen treten auf und sorgen für eine magische Atmosphäre.

Eine Besonderheit bietet Giffords Circus: Wenn die Show beendet ist, öffnet das Circus Sauce Restaurant seine Pforten, indem ein dreigängiges Abendessen angeboten wird. Das Restaurant steht unter der Leitung von Ols Halas, der über seine Zeit bei Giffords ein Buch geschrieben hat „Giffords Circus Cookbook: Recipes and stories from a magical circus restaurant“ (Quadrille Publishing).

Nachdem in England der Lockdown gelockert worden ist, begibt sich der Zirkus erneut auf Wanderschaft. Die erste Station war über Pfingsten Stroud in Gloucestershire, es folgen das Sudeley Castle, der Blenheim Palace und viele weitere Standorte in den Cotswolds und darüber hinaus.

Hier sind einige Ausschnitte aus einer Show im Film zu sehen.

Author: Scott Billings
Creative Commons 2.0
Author: Keith Bloomfield
Creative Commons 2.0
Published in: on 29. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Odyssey – Eine Furcht einflößende Achterbahn in Ingoldmells (Lincolnshire)

Author: Calzz
Creative Commons 3.0

An der Küste von Lincolnshire liegen die größten Wohnwagenparks in Europa, besonders bei Ingoldsmell, nördlich von Skegness, reihen sich Tausende von Wohnwagen aneinander. Hier wurde im Jahr 1936 auch das erste Feriencamp von Butlin’s errichtet. In der Sommersaison geht es in Ingoldsby so richtig zur Sache, wenn die Massen den Freizeitpark Fantasy Island stürmen. Ich persönlich hätte ihn eher Horror Island genannt, angesichts der furchteinflößenden Attraktionen, die hier warten. Da gibt es zum Beispiel den Starflyer, eine Art Kettenkarussell, das sich bis auf siebzig Meter hochschraubt und die Achterbahnen Spinning Racer, Millennium und Odyssey, eine schrecklicher aussehender als die andere.

Die Odyssey hieß vorher Jubilee Odyssey, weil sie zum Goldenen Thronjubiläum der Queen im Jahr 2002 eröffnet wurde. Die Königin kam allerdings nicht nach Ingoldsmell, aber immerhin eröffnete ihr Cousin Prince Edward, Duke of Kent die Achterbahn und fuhr auch mit. Ob ihm die Fahrt gefallen hat, kann ich leider nicht sagen.

Der „roller coaster“ wurde für £28 Millionen von der niederländischen Firma Vekoma erbaut. Sie ist 51 Meter hoch (die ursprünglichen Planungen sahen eine Höhe von 81 Metern vor) und rund 900 Meter lang, dabei werden Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreicht. Es handelt sich bei der Achterbahn um einen Inverter, das heißt, die Wagen sind unterhalb der Schienen angebracht. Die einzelnen Teile der Strecke nennen sich Cobra Roll, Horseshoe, Sidewinder, Helix und In-line Twist. Die Bahn ist nichts für Menschen mit empfindlichen Mägen! Sie dauert knapp drei Minuten; Minuten, die sehr lang werden können. Dieser Film gibt einen Vorgeschmack auf das, was einem auf der Odyssey erwartet.

Da wir hier direkt an der Küste von Lincolnshire sind, weht oft ein kräftiger Wind, der dazu führen kann, dass Odyssee ihren Betrieb einstellen muss, Ab Windgeschwindigkeiten zwischen 40 und 50 km/h ist es zu gefährlich, die Achterbahn weiterhin fahren zu lassen.

Die Cobra Roll
Author: Calzz
Creative Commons 3.0
Einer der Wohnwagenparks direkt an Fantasy Island.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Mai 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Cotswolds Water Park in Gloucestershire und Wiltshire

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand im Grenzgebiet der beiden Grafschaften Gloucestershire und Wiltshire eine der größten Seenlandschaften des Landes und damit ein riesiges Erholungs-, Sport- und Naturschutzgebiet: Der Cotswolds Water Park. Ursprünglich wurde an dieser Stelle Sand und Kies abgebaut, der unter anderem für den Gleisbau und für den Bau der Autobahn M4, die nicht weit entfernt verläuft, verwendet.

Etwa 100 Quadratkilometer groß ist der Cotswold Water Park, der 180 Seen umfasst, von denen die meisten nummeriert sind, damit man sich überhaupt zurecht findet. Beim Erstbesuch sollte man das Gateway Information Centre aufsuchen, in dem man alle benötigten Infos erhält.

Der Wasserpark ist ein Eldorado für Naturfreunde, so kommen „birdwatcher“ hier voll auf ihre Kosten, denn es hat sich in der Vogelwelt herumgesprochen, dass es sich in diesem Park gut leben lässt. In mehr als siebzig Seen ist das Angeln erlaubt, in der Nähe des Gateway Centres befindet sich ein Golfplatz, es gibt gut ausgebaute Radwege, Wasserskifahrer und Wakeboarder können ihren Hobbies frönen und es stehen eine Menge Ruderboote, Kayaks und Kanus zur Miete bereit. Wer sich einfach nur an einen Strand legen möchte, dem steht im Cotswolds Country Park and Beach Großbritanniens längster Binnenlandstrand zur Verfügung.

Für Übernachtungsgäste bieten sich beispielsweise das De Vere Cotswolds Water Park Hotel an, das direkt an Lake 6 steht, aber auch zahlreiche Hütten und Cottages für Selbstverpfleger.

Hier ist ein Film über den Park.

Cotswolds Country Park and Beach.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)
Das De Vere Hotel.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)