Großbritanniens älteste Strandhütte in Bournemouth

Strandhütten sind eine ganz praktische Sache; man kann in ihnen alles unterbringen, was man am Strand so braucht wie Sonnenschirme und Liegen, man kann sich darin einen Tee zubereiten usw. usw. So wundert es nicht, dass diese „beach huts“ außerordentlich begehrt sind und lange Wartelisten existieren für Leute, die sich ebenfalls eine zulegen möchten. Es soll an die 20 000 Hütten in ganz Großbritannien geben, von denen allein 10% am Strand von Bournemouth (Dorset) aufgereiht sind. Hier stehen traditionelle, ältere Modelle, aber auch „super huts“, die von Wayne und Geraldine Hemingway, den berühmten Designern aus Chichester (West Sussex) , entworfen worden sind.

Eine „beach hut“, die mit der Nummer 2359, ist eine ganz besondere, sie ist die älteste im ganzen Königreich und wurde im Jahr 1909 von Frederick Percy Dolamore entworfen und gebaut. Dolamore war der Chief Assistant Borough Engineer and Surveyor und lebte von 1869 bis 1951, zu lesen auf einer blauen Plakette, die 2011 an der Strandhütte angebracht wurde. Es sind zwar einige Veränderungen an der Hütte vorgenommen worden, aber das Fundament ist noch dasselbe wie zur Zeit der Entstehung. Im Vergleich zu ihren direkten Nachbarn sieht man Nummer 2359 ihr Alter nicht an. Sie gehörte der Stadtverwaltung von Bournemouth (auch das war damals ein Novum) und wurde vermietet.

In der Nähe des West Cliff Lifts gab es eine Zeit lang auch eine Strandhüttenkapelle in der Hochzeitszeremonien durchgeführt wurden; sie existiert aber nicht mehr in dieser Form.

Eine Notiz am Rande: Vor drei Jahren wurde Großbritanniens teuerste Strandhütte für £295 000 verkauft. Sie steht an der Küste von Christchurch in Dorset, am Mudeford Spit. Sie hat weder einen Stromanschluss, noch eine Toilette oder fließendes Wasser.

Wer sich für das Thema interessiert, findet weitere Informationen in meinem Blog, zum Beispiel über die Strandhütten von Southwold oder über die Expertin für Strandhütten, Kathryn Ferry.

Published in: on 28. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Crop Circlemakers – Kornkreise als Kunstform

Hier am Cheesefoot Head in Hampshire begannen Doug Bower und Dave Chorley mit ihren Kornkreisen. Die Spuren auf dem Foto stammen in diesem Fall von Traktoren.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Die Grafschaft Wiltshire gilt als das Mekka der Kornkreis-Fans, aber auch in den benachbarten Counties tauchen diese bizarren Gebilde in den Getreide- und Rapsfeldern immer wieder auf. Da aus Wiltshire ebenfalls viele UFO-Sichtungen gemeldet werden, fragen sich manche, ob es da wohl einen Zusammenhang gibt. Sind Besucher aus fremden Welten des Nachts unterwegs und fertigen die Kornkreise an und wenn ja, warum?

Im vorigen Oktober besuchte ich The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire), der als als Hauptquartier der sogenannten Croppies gilt. Ich fand dort niemanden von der Fangemeinde vor, meine Frau und ich waren mittags die einzigen Gäste.

Ob es nachts nun in Wiltshire und anderen Grafschaften mit übernatürlichen Dingen zugeht, mit Aliens, die sich aus lauter Langeweile irgendwelche Muster ausdenken und diese auf die Getreidefelder projizieren, für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Kornkreisen sind ganz einfach…Menschen verantwortlich. Doug Bower und Dave Chorley hatten Ende der 1970er Jahre nach einigen Pints in einem Pub die Idee, Kornkreise anzulegen, und sie begannen damit in der Nähe von Winchester (Hampshire) am Cheesefoot Head. Mehr als zwölf Jahre gingen die beiden ihrer nächtlichen Tätigkeit nach, deren Ergebnis in der ganzen Welt diskutiert wurde und zu wilden Erklärungsversuchen führte.

Der englische Künstler und Filmemacher John Lundberg und einige seiner Freunde setzten das Werk von Bower und Chorley in den 1990er Jahre fort, und er gründete Circlemakers, eine Art Künstlerkollektiv, deren Kornkreise immer kunstvoller wurden. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis es herauskam, dass nicht Aliens, sondern Menschen für viele Kornkreise verantwortlich waren, was eingefleischten Hardcore-Cropcircle-Fans nicht gefiel, die lieber eine andere Erklärung für das nächtliche Geschehen auf den Feldern Südenglands gehabt hätten.

Die Circlemakers bekamen sogar internationale Aufträge, bestimmte Formen in Getreidefelder zu zaubern, beispielsweise für Extinction Rebellion beim vorjährigen Glastonbury Festival oder für das amerikanische Streetwear Label Supreme in Kalifornien. Eine weitere Auftragsarbeit für die Circlemakers fand ebenfalls in Kalifornien statt, wo sie bei Bakersfield für die US-Band Korn kunstvolle Kreise und das Logo der Band in ein Getreidefeld fabrizierten. Hier ist das Musikvideo „Let the guilt go“ von Korn zu sehen.

Wie man sich als Besucher von Kornkreisen verhalten sollte, ist im sogenannten „Pink Book“ festgehalten, über das ich in meinem Blog einmal schrieb.

In diesem Film sind besonders schöne Exemplare von Kornkreisen zu sehen.

Kornkreise in Wiltshire.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire)
Eigenes Foto.

The World Conker Championships – Die Weltmeisterschaften im „Kastanien-kaputt-schmeißen“ in Southwick (Northamptonshire)

The Shuckburgh Arms in Southwick.
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr am zweiten Sonntag des Monats Oktober ist Southwick in Northamptonshire der Austragungsort einer kuriosen „Sportart“; hier finden die World Conker Championships statt. Conkers sind Kastanien, und das Ziel des Wettkampfes ist, die Kastanie des Gegners zu zerstören. Jeweils zwei Teilnehmer stehen sich gegenüber, jeder verfügt über eine an einer Schnur aufgehängten Kastanie. Der „striker“ versucht nun die Kastanie des „receivers“ zu knacken, wobei die Rollen innerhalb eines Matches wechseln. Wer es schafft, die gegnerische Kastanie zu zerstören, ist eine Runde weiter und trifft auf den nächsten Gegner… bis schließlich der nächste Weltmeister bzw. Weltmeisterin ermittelt wird. Es gibt auch Teams, die gegeneinander antreten, die sich witzige Namen gegeben haben wie die Peterborough Nutters, die Celtic Conkerors, No Strings Attached oder Royal Oak Resistance.

Die Teilnehmer kommen tatsächlich aus der ganzen Welt nach Southwick angereist, um hier im ländlichen Northamptonshire Kastanien „kaputtzuschmeißen“. In den meisten Fällen stellen die Briten die Weltmeister, aber es gab auch schon Jahre, in denen Ausländer gewonnen haben, so 1998, als ein Deutscher und ein deutsches Team auf dem Siegertreppchen standen. Am besten man sieht sich die World Conker Championships einmal im Film an, hier sind Szenen aus dem vorigen Jahr.

1965 wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen, damals noch auf dem Dorfanger von Ashton in Northamptonshire, der praktischerweise von Kastanienbäumen umstanden war. Jetzt ist der Pub The Shuckburgh Arms in Southwick der Austragungsort (nicht zu verwechseln mit dem Southwick in West Sussex, über das ich in meinem Blog einmal schrieb).

Die nächsten Weltmeisterschaften sind für den 11. Oktober geplant. Hoffen wir, dass sie stattfinden können!

Wo alles begann: Der Dorfanger von Ashton in Northamptonshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

The Maldon Mud Race – Eine Schlammschlacht in Essex

Vielen Dank auch, Coronavirus!! Jetzt hast Du auch noch das diesjährige Maldon Mud Race auf dem Gewissen, das im Mai ausgetragen werden sollte. Jetzt müssen sich alle bis zum 23. Mai 2021 gedulden, dann wird es (hoffentlich) wieder stattfinden. Im vorigen Jahr kamen fast 20 000 Besucher hier zum Blackwater River bei Maldon in Essex, um sich diese kuriose Schlammschlacht anzusehen (was natürlich unter den diesjährigen Umständen nicht vertretbar ist).

In den 1970er Jahren wurde das Rennen erstmals ausgetragen, und da mussten die Teilnehmer durch den Schlamm des Blackwater Rivers auf die gegenüberliegende Seite waten, dort ein Pint Bier trinken und wieder zurückkommen. Heute wird kein Bier mehr getrunken; viele, die an dem Rennen teilnehmen, tragen irgendwelche Fantasiekostüme oder bewegen sich mehr oder weniger nackt durch die etwa 400 Meter lange Matschstrecke. Das Mud Race kann nur ausgetragen werden, wenn der Fluss bei Ebbe einen bestimmten Niedrigstand erreicht hat. Im vorigen waren 300 Männer und Frauen dabei, die kein Problem damit hatten, sich komplett „einzusauen“. 3 Minuten und 38 Sekunden benötigte Christopher Lee im Jahr 2019 für die Strecke und war damit erster; die schnellste Frau, Shannon Roswell,  schaffte es in 6 Minuten und 5 Sekunden und belegte damit Platz 17.

Dieser Film
zeigt wie es im vorigen Jahr bei dem verrückten Wettbewerb zuging, und da möchte man am liebsten gleich selbst mitmachen.
Die Einnahmen aus der Veranstaltung kommen immer wohltätigen Zwecke zugute und das waren im Jahr 2019 stolze £35,000.

Schauplatz des Maldon Mud Race ist der Promenade Park am Blackwater River, ein großes Freizeitareal mit Splash Park, Adventure Golf und anderen Verlustierungen.

Über Maldon in Essex schrieb ich in meinem Blog schon einmal, aber über ein ganz anderes Thema.

Da möchte man sich doch gern hineinstürzen. Schauplatz des Maldon Mud Races.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

The Pirate Castle – Eine Burg mitten im Londoner Stadtteil Camden

An der Oval Road, direkt am Regent’s Canal im Londoner Stadtteil Camden stoßen wir auf eine mittelalterliche Burg, die aber nicht die umliegenden Häuser dominiert, sondern von denen dominiert wird, eine kleine Burg also. Pirate Castle heißt das Gebäude, das 1977 erbaut worden ist und damit seit einigen Jahrhundert wieder die erste Befestigungsanlage dieser Art ist. Wäre doch eigentlich ideal als Wohnsitz für Boris I., aber der hat ja bereits etwas Ähnliches mit Chequers.

Das renommierte Architektenbüro von Richard Seifert (1910-2001), das unter anderem den 33-stöckigen Centre Point Tower in Londons New Oxford Street errichtet hat, zeichnet für das Design des Pirate Castles verantwortlich. Zweimal wurde an die Burg noch Hand angelegt, um sie zu erweitern bzw. zu verbessern: Im Jahr 2008 mit Hilfe von öffentlichen Geldern und dem Lottery Fund und noch einmal 2017. Das Pirate Castle ist eine „boating and outdoor activities charity“ und dient als Begegnungsstätte für den Stadtteil Camden Town. Kanu-,  Kayak- und Kanalbootfahren stehen im Zentrum der Aktivitäten, die hier angeboten werden, begünstigt durch die direkte Lage am Regent’s Canal. Die hier angebotenen Projekte wenden sich vorrangig an Kinder und Jugendliche, die aus benachteiligten Familien stammen, körperlich oder anderweitig behindert sind und besondere Aufmerksamkeit benötigen, und die wird ihnen im Pirate Castle gegeben. Das Betreuerteam setzt sich aus professionellen Trainern und Freiwilligen zusammen, die Teilnahme an den Aktivitäten ist kostenlos. Die Burg selbst steht für Veranstaltungen, Tagungen, Konzerte und vieles andere mehr zur Verfügung. Die daraus resultierenden Einnahmen fließen in die Finanzierung der sportlichen Aktivitäten auf dem Kanal, die dieser Film noch einmal zeigt.

The Pirate Castle
Oval Road
London NW1 7EA

Published in: on 22. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Narrowboats und ihre mehr oder weniger fantasievollen Namen

So weit ich mich erinnere, trug das Narrowboat, das ich vor Jahren in Evesham (Worcestershire) gemietet hatte, den Namen „Ethos“, warum auch immer. Es gibt eine Hitliste der 200 beliebtesten Namen für diese langen, schmalen Boote, die auf englischen Kanälen und Flüssen anzutreffen sind und da führt mit großem Abstand der Name „Kingfisher“ (Eisvogel), gefolgt von „Dragonfly“ (Libelle) und „Merlin“ (Zwergfalke bzw. Zauberer in der keltischen Mythologie). Booten mit diesen Namen wird man also häufiger begegnen. Hier ist jeweils ein Beispielfoto:

Auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Ebenfalls auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Und ein „Merlin“ auf dem Trent and Mersey Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Doch es gibt auch eine ganze Menge fantasievollerer Namen, von denen ich hier eine kleine Auswahl zeigen möchte:

Dieser Name eines in den Gloucester Docks geparkten Bootes gefällt mir besonders gut.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Piston Broke, sprich „Pissed and Broke“. Auf dem Shropshire Union Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Calamity J’Aime, in Anlehnung an die amerikanische Wild-West-Heldin Calamity Jane. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Dieses Boot ist nicht über die Ozeane nach England gekommen, sondern nach dem Vogel Tui benannt, der in Neuseeland heimisch ist. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Und zu guter Letzt…ein Boot namens „Corona“; entgegenkommende Narrowboats werden da wahrscheinlich sehr großen Abstand halten. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 18. April 2020 at 02:00  Comments (6)  
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The British Toilet Association – Im Kampf für mehr und bessere öffentliche Toiletten

Very nice!! Bei Arundel in West Sussex.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Wer kennt die Situation nicht: Nach einem Pubbesuch dauert es nicht lange bis das getrunkene Pint das Bedürfnis hat, den Körper schnellstmöglich wieder zu verlassen. Doch wo? Die öffentlichen Toiletten in England sind einer Schrumpfkur unterzogen worden. Innerhalb von zehn Jahren haben die Stadtverwaltungen mehr als 1700 öffentliche Toiletten geschlossen, da sie einfach nicht mehr über die Mittel verfügten, diese Anstalten zu unterhalten. So wurden viele der Toiletten abgerissen oder anderen Zwecken zugeführt. Ich habe mich des Themas vor sechs Jahren in meinem Blog schon einmal angenommen.

Die 1999 gegründete British Toilet Association (BTA) hat sich auf ihre Fahnen geschrieben, diesem Trend entgegenzuwirken und fordert “ decent, clean toilets“ und das Recht auf Zugang zu Toiletten im öffentlichen Raum. Sie hat eine App entwickelt, auf der um die 800 öffentliche Toiletten mit ihren jeweiligen Öffnungszeiten nachgewiesen sind. Sinnigerweise wurde diese App am World Toilet Day, dem 19. November 2015, gestartet. Sie soll dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr in den High Streets urinieren, die sowieso schon in vielen Orten auf dem absteigenden Ast sind und um den Erhalt einer gewissen Attraktivität kämpfen. Die Loo of the Year Awards, die jährlich in mehreren Kategorien vergeben werden, sollen auch Anreize schaffen, für angenehme und hygienische Toiletten zu sorgen. In der Kategorie Public Toilet Entries wurde im letzten Dezember die Firma Danfo UK Limited ausgezeichnet, die Toilettenanlagen baut.

Die BTA hat auch das Start-up Unternehmen Standard Toilet unterstützt, das eine neue Toilette entwickelt hat, die eine Schräge von bis zu 13% aufweist und daher äußerst unbequem ist, so dass die Benutzer sie schnell wieder verlassen. Hochinteressant für Arbeitgeber, deren Firmentoiletten dann nicht mehr so lange in Beschlag genommen werden, denn pro Jahr soll ein gesamtwirtschaftlicher Schaden in Großbritannien durch ausgedehnte Toilettenbesuche in Höhe von £4 Milliarden entstehen (so steht es auf der Homepage der Entwicklerfirma zu lesen).

Die BTA hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die den Titel National Community Toilet Scheme trägt. Mit dem Slogan “USE OUR LOO’S” sollen Ladeninhaber ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

No!!!! Bei Normanton in Nottinghamshire.
Photo © Trevor Rickard (cc-by-sa/2.0)

Eine der vielen geschlossenen Toiletten im Land; hier in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 17. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Zwei Minigolf-Enthusiasten aus Cheadle Holme (Greater Manchester), die jeden Platz in Großbritannien bespielen wollen

Crazy Golf in Skegness (Lincolnshire). Hier ist eine 18-Loch-Anlage.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Wie viele Minigolfplätze (Crazy Golf im Englischen) mag es wohl in Großbritannien geben? Es sind weit über 1000, über das ganze Land verteilt, mit Schwerpunkten dort, wo viele Touristen hinkommen, also in den Seebädern zum Beispiel.
Richard und Emily Gottfried aus Cheadle Hulme, einer Kleinstadt bei Manchester, haben sich als Ziel gesetzt, jeden Crazy Golf-Platz des Königreichs aufzusuchen und dort eine Runde zu spielen. Seit 14 Jahren sind die beiden unterwegs und haben es bisher auf ca 950 Plätze gebracht. Mit etwa 250 weiteren Stationen rechnen sie noch, und dann werden die beiden End-Dreißiger die ersten sein, die diese Mammutaufgabe geschafft haben.

In Southsea an der Küste von Hampshire entdeckten Richard und Emily ihre Liebe für das Spiel, das sie Tausende von Kilometern durch Großbritannien führte, auch in Gegenden, in die sie wahrscheinlich sonst nie gekommen wären. Zu ihren Lieblingsorten gehört Skegness, ein Seebad in Lincolnshire, wo es zehn Minigolfplätze gibt, und hier wurde auch im Jahr 1926 der erste Platz in England eröffnet.
Die World Crazy Golf Championships werden jährlich auf dem Adventure Golf Complex in Hastings an der Südküste ausgetragen, organisiert von der British Minigolf Association; vom 5. bis zum 7. Juni 2020 finden die nächsten Weltmeisterschaften statt. Der 18-Loch-Platz bietet eine Menge von Hindernissen (Windmühle, Leuchtturm, Wasserfälle usw.), die bezwungen werden müssen.

Drücken wir Richard und Emily Gottfried die Daumen, dass sie auch noch die verbliebenen Minigolfplätze aufsuchen können, um dann sicher in das Guinness Buch der Rekorde aufgenommen zu werden. Hier ist ein Film über sie.

Hastings Adventure Golf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Eine Crazy Golf-Anlage in den Riverside Meadows bei Stourport-on-Severn (Worcestershire).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. März 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Das Verhalten britischer Touristen auf der kanarischen Insel Lanzarote – Einige (sehr) persönliche Anmerkungen

Die Avenida de las Playas in Puerto del Carmen.
Author: Luis Miguel Bugallo Sanchez.
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Seit 18 Jahren sind meine Frau und ich wieder einmal auf der kanarischen Insel Lanzarote gewesen, die wir sehr mögen und die wir gern erneut besuchen wollten. Wir verbrachten 14 Tage im Hotel Fariones Playa in Puerto del Carmen, einem Ort, der sich kilometerlang am Meer entlang zieht. Das Flanieren auf der Avenida de las Playas bei Temperaturen um die 22° empfinde ich als sehr angenehm. In Puerto del Carmen hat sich im baulichen Bereich einiges verändert und der britische und irische Einfluss hat extrem zugenommen. Verschwunden sind die Lokale, in denen man früher Bundesligaspiele ansehen konnte (ich vermisse das nicht), dafür sind viele britische und irische Lokale dazugekommen, die beinahe täglich Fußballspiele und andere sportliche Ereignisse auf Großbildschirmen zeigen. Wenn man abends die Avenida entlang spaziert, sieht man in jedem dritten Lokal große grüne Flächen: Fernsehbildschirme, auf denen grüner Rasen mit sich darauf bewegenden Spielern zu sehen sind. Natürlich werden dabei so einige Pints vernichtet, denn das Bier ist auf Lanzarote spottbillig, im Vergleich zu den Preisen in den heimischen Pubs. Rund 2 Euro kostet ein großes Bier nur.

Die britischen Lokale mit Namen wie The Purple Turtle, Mucky Duck, The Good Old Days Bar, Lineker’s usw. sind schon morgens gut gefüllt, denn dann wird hier das English/Scottish/Irish Breakfast zu sich genommen, so wie man es von zuhause kennt. Auch mittags sind die entsprechenden Lokale sehr gut besucht, denn viele Briten möchten ungern auf ihre heimischen Speisen verzichten. The Mucky Duck bietet Steak and Kidney Pie an, die Hatton Garden Bar Fish and Chips und hier bekommt man sonntags auch sein Sunday Roast (3 meats and pudding für €10.95), den auch The Purple Turtle samt Yorkshire Pudding und Gravy im Programm hat. Wem die Zeit zwischen Mittag- und Abendessen zu lang ist, kann im Devon Restaurant & Bar Scones and Clotted Cream essen. Es ist schon erstaunlich, dass es Touristen gibt, die, kaum aus dem Flugzeug aus London, Bristol oder Glasgow gestiegen, sich gleich auf den Weg zum nächsten Lokal machen, wo sie das gleiche bestellen, was sie am Tag zuvor vielleicht auch gegessen haben. Hier ist ein Beispiel: The Highlander.

Übrigens: Das frühmorgendliche Belegen von Liegestühlen mit Handtüchern, eigentlich eine Domäne deutscher Touristen, haben sich mittlerweile auch einige Urlauber aus Großbritannien zu eigen gemacht wie ich es an unserem Hotelpool erlebte.

Was mir persönlich nicht gefällt (aber vielleicht stehe ich da allein da), ist die Art der Kleidung vieler Briten in den Lokalen auf der Avenida; ich spreche da allerdings überwiegend von den Herren. Nicht wenige von ihnen sitzen dort mit nacktem Oberkörper (Waschbrettbäuche sind eher die Ausnahme) und Shorts und zeigen viel von der Sonne gerötete Haut.

Neben den britischen Lokalen und Bars haben sich auch die irischen stark vermehrt wie dieser kurze Film als Beispiel zeigt.

Dass Lanzarote von den Briten heiß geliebt wird, zeigen die Anzeigetafeln im Flughafen César Manrique bei Arrecife, auf denen Flüge nicht nur in die bzw. von den Metropolen gelistet sind, sondern die Insel wird auch von Provinzflughäfen wie Exeter, Bournemouth und Southend angeflogen.

Published in: on 5. März 2020 at 02:00  Comments (3)  

The Lord’s Day Observance Society und ihr Kampf für die Einhaltung der Sonntagsruhe

Ein brechend voller Morrisons-Parkplatz bei Southampton an einem Sonntagvormittag, so wie es die LDOS und ihre Nachfolge-Gesellschaft nicht mögen.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Als wir vor einigen Jahren an einem Samstagnachmittag in unserem Hotel, dem Ashdown Park Hotel eintrafen, stellten wir fest, dass wir alle  Schuhe meiner Frau zuhause stehen gelassen hatten. Was tun? Der nächste Tag war ein Sonntag. In England kein Problem, denn auch am Sonntag haben nicht nur die Supermärkte, sondern auch viele High Street-Läden geöffnet. Also fuhren wir am Sonntagvormittag nach Tunbridge Wells (Kent) und kauften neue Schuhe.

Früher galten die Sonntage in Großbritannien als extrem langweilig. Alles war geschlossen, nichts durfte man, außer Trübsal blasen. Bereits 1625 wurde der erste Sunday Observance Act beschlossen, der „bearbaiting, bullbaiting, Interludes, common Plays, and other unlawful exercises and pastimes“ (so die Wikipedia) am Sonntag verbot. Es folgten weitere Sunday Observance Acts und Regulierungen, die sich mit den Themen Kinoaufführungen, Tanzen usw. befassten. Noch Mitte der 1930er Jahre war es untersagt, sonntags Golf und Tennis zu spielen. Die BBC sendete langweilige Musik, die die meisten nicht hören wollten.

1831 wurde eine Gesellschaft gegründet, die Lord’s Day Observance Society (LDOS), die sich die Einhaltung der Sonntagsruhe auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Noch heute firmiert diese Gesellschaft unter dem Namen Day One Christian Ministries. Die LDOS setzte sich vehement dafür ein, dass sonntags keine Zeitungen erscheinen sollten, keine Post ausgeliefert wurde und keine Zugfahrten unternommen werden sollten. Der Sonntag war für sie ein „day of rest and worship for the glory of God and the benefit of man„.

Seit geraumer Zeit hat sich das alles geändert. Pubs haben den ganzen Tag geöffnet, Supermärkte verzeichnen sonntags mit die größten Umsätze, die Radiosender des Landes spielen den ganzen Tag Popmusik und natürlich sind die Golf- und Tennisplätze an diesem Tag sehr begehrt. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die den Sonntag als Tag der Ruhe betrachten, immer mehr zu einer Minderheit, die Gottesdienste in den Kirchen werden immer weniger besucht. Ein grundsätzlicher Wandel hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Gesellschaft vollzogen, ob man ihn nun mag oder nicht. Die Lord’s Day Observance Society bzw. jetzt die Day One Christian Ministries kämpfen heute gegen Windmühlenflügel.

Statt Sonntagsshopping lieber Sonntagsgottesdienst (wie hier in der St Katherine’s Church in Little Bardfield in Essex); so mag es die LDOS.
Photo © Chris Morrell (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Ascot Fascinators – Kunstvoll gestaltete Damenhüte beim Pferderennen

Wie jedes Jahr im Juni werden auch 2020 wieder die berühmten Pferderennen in Ascot ausgetragen, ein Highlight im gesellschaftlichen Leben Englands. Die Pferde und die Jockeys sollen zwar im Mittelpunkt stehen, doch das Treiben außerhalb der Bahnen ist für die meisten Besucher viel wichtiger. Man zeigt sich, die Luxuslimousinen stehen aufgereiht auf den Parkplätzen, die meisten Herren tragen Frack und Zylinder und die Damen tragen… fascinators; das sind jene merkwürdigen Hüte, bei deren Gestaltung der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Vogelnester sind da auf den Köpfen der Damen zu erspähen oder Erdbeertörtchen oder jede Menge Federbüsche. Alljährlich wird auch in Ascot der beste Kopfschmuck der Damenwelt prämiert.

Der Dresscode bei Royal Ascot für Damen wurde vor einiger Zeit stark reglementiert. Miniröcke und nabelfreie Tops sind verboten, tiefe Dekolletés ebenso wie Kleider mit Spaghettiträgern. Hüte hingegen sind Pflicht.

Manche basteln sich ihre fascinators selbst, aber natürlich gibt es in London auch spezielle Geschäfte, in denen man diese Hüte kaufen bzw. anfertigen lassen kann.

Der dritte Renntag ist der Ladies‘ Day, an dem die Besucherinnen noch einmal versuchen, das schrillste und sensationellste auf ihre Hüte zu zaubern.

Der Champagner fließt an den Renntagen in Strömen. 150 000 Flaschen sollen es sein, dazu mehrere Tonnen Lachs und Erdbeeren.

In diesem Film werden einige typische Beispiele für Fascinators in Ascot gezeigt.

Der Bullingdon Club – Eine exklusive Studentenvereinigung in Oxford

The Jolly Woodman bei Burnham; diente im Film „The Riot Club“ als der Pub, der von den Studenten verwüstet wurde.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0).

Gestern sah ich mir den englischen Spielfilm „The Riot Club“ (dt. „The Riot Club“) aus dem Jahr 2014 an. Darin geht es um eine elitäre Studentenvereinigung in Oxford, für deren Mitglieder Geld keine Rolle spielt und die sich regelmäßig treffen, um sich sinnlos zu betrinken und Drogen zu nehmen. Die Hälfte des Films besteht aus Szenen in einem Pub namens The Bulls Head (gedreht wurde im The Jolly Woodman in Burnham in Buckinghamshire), in dem sich die jungen Herren treffen und den sie am Ende ihres Gelages komplett auseinandernehmen und den Wirt krankenhaus reif schlagen. Klingt irgendwie abgedreht und wirklichkeitsfremd, ist es aber nicht, denn der Riot Club im Film basiert auf dem tatsächlich existierenden Bullingdon Club, den es schon seit 1780 in Oxford gibt. Die Mitglieder stammen aus reichen Elternhäusern und es nicht leicht, in den Club aufgenommen zu werden. Zum Aufnahmeritual gehört zum Beispiel, dass die Unterkunft des neuen Mitglieds von den anderen komplett zerstört wird. Wie im Film trifft man sich regelmäßig in Pubs oder Restaurants, wo dann der Alkohol in Strömen fließt und häufig endet der Abend in einem Exzess an Gewalt, bei dem die Einrichtung des Etablissements großen Schaden nimmt. Es gehört auch traditionell zum Bullingdon Club, dass der Schaden vor Ort sofort bar reguliert wird, denn Geld spielt keine Rolle.

Zu den prominentesten Clubmitgliedern der letzten Jahrzehnte gehören drei Politiker, die nur ungern darauf angesprochen werden: Boris Johnson, David Cameron und George Osborne. „Der Bullingdon und andere Dinnerklubs sind Keimzellen der Macht im Königreich“ schrieb Der SPIEGEL einmal in einem Artikel vom 10.10.2015. Zu den anderen Dinnerklubs zählt beispielsweise auch die Piers Gaveston Society, die es noch toller treiben soll.

Vor einigen Jahren trafen sich die Studenten vom Bullingdon Club im The Manor Country House Hotel in der Nähe von Bicester in Oxfordshire und reservierten für sich den Tudor Room. Da muss es ähnlich wie im Film „The Riot Club“ zugegangen sein, Dutzende Flaschen Wein und Champagner wurden geleert, Gläser und Geschirr zerschlagen und nach dem Gelage soll es schrecklich in dem schönen Raum ausgesehen haben. Ich habe vor einem Jahr im The Manor gewohnt; über meine (leider negativen) Erfahrungen dort habe ich in meinem Blog geschrieben.
Ein anderes Mal war The White Hart in Fyfield (Oxfordshire) das Ziel eines Orgienabends, bei dem ebenfalls einiges zu Bruch ging und die Polizei gerufen werden musste, die einige der Studenten in Gewahrsam nahm.

Im Film „The Riot Club“ fährt einer der Studenten mit einem Aston Martin Cabrio durch Oxford, 1977 starben vier Menschen als ein betrunkenes Mitglied des Bullingdon-Clubs mit seinem Maserati einen Verkehrsunfall verursachte (zu den Opfern gehörte der Profi-Fußballer vom FC Chelsea Peter Houseman und seine Frau). Auf wundersame Weise kam er mit einer milden Strafe davon. Es ist in Oxford offensichtlich sehr hilfreich, einflussreiche Verwandte im Hintergrund zu haben.

The Manor Country House Hotel bei Bicester in Oxfordshire; auch hier kam es zu einem ausschweifenden Abend für die Mitglieder des Bullingdon Clubs.
Eigenes Foto.

 

Die Ellesborough Silver Band – Eine Blaskapelle aus Buckinghamshire

Ellesborough in Buckinghamshire: Hier ist die Brass Band beheimatet.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Blaskapellen verbinde ich eigentlich in der Regel mit Nordengland, dort, wo früher die Bergarbeiter Kohle abbauten und zu ihrer  Entspannung Blasmusik spielten oder einfach nur zuhörten. Einige dieser noch existierenden Kapellen habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie die Burbage Brass Band aus Derbyshire, die Muker Silver Band aus North Yorkshire oder die Grimethorpe Colliery Band aus South Yorkshire.

Doch auch im Süden gibt es Brass Bands wie die Ellesborough Silver Band, die in Ellesborough in Buckinghamshire beheimatet ist und das schon seit 1896. Die Auftritte der Kapelle finden überwiegend in der näheren Umgebung statt, so war die Silver Band unter anderem bei Dorffesten in Stoke Mandeville und Monks Risborough zu hören, bei der The Lee Flower Show und beim Cherry Pie Festival in Plough. Die Höhepunkte in der Geschichte der Band waren sicherlich ein Auftritt in Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist. Als Neville Chamberlain das Amt inne hatte, wurde die Band zur Weihnachtszeit eingeladen, dort Weihnachtslieder zu spielen. Einmal durften die Bandmitglieder vor Prince Charles  und Princess Margaret spielen, als diese das Guttmann Centre in Aylesbury besuchten. Weitere Höhepunkte im Leben der Band waren Auftritte  in der Royal Albert Hall bei den National Brass Band Championships.

Damit die Brass Band in Übung bleibt, treffen sich die Mitglieder jeden Freitagabend in der Ellesborough Parish Hall. Die Kapelle umfasst dreißig Personen, gemischt aus Männern und Frauen und wie es auf den Webseiten der Band heißt, im Alter von acht bis achtzig Jahren.

Hier ist ein Auftritt der Band in Aylesbury zu sehen und zu hören.

Quantock Heritage Bus Service – Oldtimer-Busse in Somerset

Ein Leyland Titan PD2.
Author: Geoff Sheppard.
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Schon von Kindesbeinen an liebte Steve Morris Busse. Ab 1974 begann er sie zu sammeln, so wie andere Briefmarken sammeln. Irgendwann hatte er einmal 30 Oldtimer-Busse. Er gründete die Firma Quantock Heritage, die es noch heute gibt und die in Langley Marsh bei Wiveliscombe in Somerset ihren Sitz hat. Die sorgfältig gepflegten alten Busse (darunter auch doppelstöckige) kann jedermann für besondere Anlässe mieten, egal ob für Hochzeitsfeiern, Geburtstage oder auch für Beerdigungsfeiern.

Da gibt es zum Beispiel einen Leyland Tiger PD2 aus dem Jahr 1953, in dem 56 Personen auf 2 „Stockwerken“ Platz nehmen können. Der AEC Regent ist noch älter; er wurde 1934 gebaut und ist ein Open Top Doubledecker.

Neben der Vermietung dieser Fahrzeuge bietet Quantock Heritage im Sommer auch noch einen Liniendienst an, in diesem Jahr vom 15. Juli bis zum 6. September. Von Montag bis Freitag bedient die Linie 300 die Strecke Minehead (Somerset) – Lynmouth (Devon), was etwas über eine Stunde dauert. Haltepunkte unterwegs sind u.a. Porlock und Selworthy. Dies ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke, die nicht den berüchtigten, steilen Porlock Hill (A39) nimmt, sondern die Porlock Toll Road (New Road), die viele Haarnadelkurven zu bieten hat. Bei schönem Wetter hat man auf dieser Straße einen tollen Blick auf das Meer. Die Rückfahrt von Lynmouth nach Minehead führt dann über den steilen Porlock Hill (20% Gefälle mit mehreren Escape Lanes). Ich bin die Strecke einige Male gefahren und finde sie immer wieder faszinierend. Auch hier gibt es einen wunderschönen Blick auf Küste und Meer.

Dieser Film zeigt eine Fahrt auf der Linie 300.

Hier muss man sich entscheiden: Nehme ich die Porlock Toll Road oder die A39 über den Porlock Hill.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Dezember 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Der Victorian Christmas Market 2019 in Hamburg

Das Hotel Baseler Hof in Hamburg.
Urheber: Pauli-Pirat.
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Wer im Norden Deutschlands wohnt und gern einmal in der Vorweihnachtszeit britische Weihnachtsatmosphäre schnuppern möchte, der kann das am 30. November und am 1. Dezember in diesem Jahr in der Hamburger Innenstadt tun. Der Victorian Christmas Market findet zum wiederholten Mal im Hotel Baseler Hof in der Esplanade 15 statt. Die Straße führt vom Stephansplatz zur Lombardsbrücke, liegt also sehr zentral.

Jeweils von 12 Uhr bis 18 Uhr werden in den Räumen des Hotels Geschenke und britische Lebensmittel zum Kauf angeboten, also nicht nur Weihnachtliches, deren Erlös dem Hamburger Kinderhospiz Familienhafen zugute kommt. Zu den Ausstellern gehören beispielsweise die Firma British Shopping in Geesthacht (über meinen Besuch dort berichtete ich in meinem Blog), British Stuff aus Bodenwerder, Whisky Experience aus Hamburg und Cavendish & Harvey aus Kaltenkirchen, die Süßigkeiten aller Art anbieten.

Für die der Stimmung des Victorian Christmas Markets angemessene Musik sorgen an beiden Tagen die Hamburg Players und die Victorian Minstrels. Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hat der britische Honorarkonsul Nick Teller.

Wie es bei dem viktorianischen Weihnachtsmarkt 2018 zuging, zeigt dieser Film.

Hayling Island – Eine Insel vor der Küste von Hampshire und das Funland

Die Langstone Bridge, die auf die Insel führt.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Über Hayling Island in Hampshire, eine Insel, die durch die Langstone Bridge mit dem Festland verbunden ist, schrieb ich in meinem Blog bisher erst einmal und zwar in Zusammenhang mit der russischen Prinzessin Catherine Alexandrovna Yurievskaya, deren Grab auf dem Kirchhof von St Peter’s in North Hayling zu finden ist.

Am 31. Oktober bog ich von der A27 bei Havant nach Süden auf die A3023 ab, die auf die Insel bis hinunter nach South Hayling führt. Wenn man sich die Insel auf der Karte ansieht, denkt man, dass es dort wahrscheinlich sehr ruhig zugehen wird, mit wenig Autoverkehr. Von wegen, das Gegenteil war der Fall: Eine Autokolonne zog sich von der Brücke bis nach South Hayling. Ich fragte mich, wo diese vielen Menschen in ihren Autos wohl hinfahren mögen. Die Insel ist allerdings auch dicht bebaut, ein Lidl gibt es schon, nur eine Frage der Zeit, wann auch Aldi sich dort niederlässt (in Havant gibt es schon eines).

Am Ende von Hayling Island liegt eine der „Attraktionen“ der Insel: Funland, „The South Coast’s Family Amusement Park“. An diesem Donnerstagvormittag war hier nicht viel los. Das eine oder andere Karussell drehte sich müde und lustlos, weil kaum ein Kind an Bord war. So richtig Aufregendes gibt es hier eigentlich nicht; eine kleine Achterbahn namens Runaway Mine Train wird eingefleischte Roller Coaster-Fans nicht vom Hocker reißen. Im „Extreme“ wird eine Gruppe von 18 Besuchern vor einer grellbunten Wand gleichzeitig durchgeschüttelt („white knuckle, head spinning, stomach churning“) und der „Cyclone Ride“ klingt aufregender als er (wahrscheinlich) ist. Aber ich bin sicher, dass Kinder am „Frog Hopper“, auf der „Snake Slide“ und am „Samba Balloon“ ihre Freude haben werden. In der Hauptsaison im Sommer dürfte es im Funland brechend voll sein.

Mich konnte in dem Vergnügungspark überhaupt nichts reizen, und so genoss ich lieber vom Parkplatz aus den Blick auf das Meer.

Mein Fazit von Hayling Island: Für eingefleischte Vergnügungspark-Fans und Lidl-Einkäufer okay, alle anderen können auf der A27 vorbeifahren, ohne dass sie etwas verpasst haben (vielleicht tue ich der Insel ja auch Unrecht, es herrschte an diesem Halloween-Tag sehr trübes Wetter…).

So spannend geht es hier am Strand von South Hayling zu.
Photo © scillystuff (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. November 2019 at 02:00  Comments (2)  
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National Walk Your Dog Week UK 2019

Auch dieser Staffordshire Bullterrier, Großbritanniens beliebteste Hunderasse laut einer Umfage des Fernsehsenders ITV, würde sich über einen ausgiebigen Spaziergang freuen.
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In diesen Tagen stehen in ganz Großbritannien, von Penzance in Cornwall bis John O’Groats an der Nordspitze Schottlands, Hunde an den Haustüren und sehen ihre Herrchen bzw. Frauchen mit fordernden Augen an, in denen man lesen kann „Remember, it’s the National Walk Your Dog Week!!“ Also, rein in die Gummistiefel, einen „poop bag“ in die Tasche gesteckt, und wenn es auch noch so regnet, Alfie, Charlie, Poppy und Bella (die beliebtesten Hundenamen im Königreich) haben ein Recht darauf, zumindest in der National Walk Your Dog Week, die in diesem Jahr vom 1. bis zum 7. Oktober dauert, richtig schön lange ausgeführt zu werden.

Zu verdanken haben die Hunde Großbritanniens diese spezielle Woche Colleen Page, einer Expertin für Haustiere, die auch den National Cat Day ausgerufen hat. Colleen hatte die National Walk Your Dog Week vor neun Jahren in den USA ins Leben gerufen und dabei in erster Linie im Auge gehabt, übergewichtigen Hunden (und deren ebenso fülligen Besitzern) mehr Bewegung zu verschaffen, und da das Thema Übergewichtigkeit auch in Großbritannien eine immer größere Rolle spielt, ist diese „Hunde-Ausführ-Woche“ durchaus auch auf der Insel für alle Beteiligten sinnvoll.
Nach Expertenmeinung sollte ein Hund mindestens zweimal am Tag für jeweils 30 Minuten ausgeführt werden. Vielleicht fällt es Herrchen leichter, einen Spaziergang mit Hund zu unternehmen, wenn dieser in einem „dog-friendly pub“ endet, in dem der Vierbeiner zwar kein Pint, aber dafür ein anderes Leckerli serviert bekommt. Hier ist eine Checkliste für den perfekten Spaziergang.

Published in: on 5. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The North East Skinny Dip 2019 – Massennacktbaden in der Nordsee an der Küste von Northumberland

Schauplatz des Skinny Dips: Die Druridge Bay in Northumberland.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

Der North East Skinny Dip fand am 22. September diesen Jahres bereits zum siebten Mal statt (skinny dipping heißt auf Deutsch Nacktbaden). Nach Angaben der Organisatoren nahmen in diesem Jahr 737 Männer und Frauen daran teil, ein Rekord. Schauplatz war wieder die Druridge Bay in Northumberland, ein kilometerlanger Küstenabschnitt südlich von Alnwick. Die teilnehmenden Nacktbader haben bei dem Event immer viel Spaß und das trotz niedriger Wassertemperaturen, dieses Mal waren es etwa 11°; dieser Film aus dem Jahr 2017 dokumentiert das.

Die Teilnehmer am North East Skinny Dip kommen aus dem ganzen Land angereist, um dem kalten Vergnügen nachzugehen, viele schon am Vorabend zum „pre-dip camp“. Sie tun das aber auch um etwas Gutes zu tun., denn der Erlös der Aktion (jeder muss eine Teilnehmergebühr in Höhe von £12 bezahlen) geht an die 1946 gegründete Wohltätigkeitsorganisation MIND, die sich um psychisch kranke Menschen kümmert. In diesem Jahr gehen die Einnahmen an Tyneside and Northumberland MIND, werden also regional verwendet. Seit dem ersten Skinny Dip sind auf diese Weise bereits £40,000 zusammengekommen.

Ein MIND Charity Shop: Hier in Dursley (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. September 2019 at 02:40  Kommentar verfassen  
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Thomas Cook (1808-1892) und die erste Pauschalreise in der Geschichte des Tourismus

Die Thomas Cook-Statue am Bahnhof von Leicester. This work is released into the public domain.

Die Thomas Cook-Statue am Bahnhof von Leicester.
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Anlässlich des Untergangs des Thomas Cook-Konzerns in diesen Tagen, wiederhole ich hier noch einmal einen Blogeintrag, den ich am 1. Juni 2014 veröffentlichte, und der sich mit den Anfängen des Reiseunternehmens beschäftigt.

Die Thomas Cook Group ist eines der weltweit größten Touristikunternehmen mit einem Umsatz von über 10 Milliarden Euro. Es führt noch immer den Namen seines Gründers Thomas Cook, der, als er am 18. Juli 1892 starb, sich diesen Erfolg niemals hätte vorstellen können.

Thomas Cook wurde 1808 in Melbourne, einer kleinen Marktstadt in Derbyshire, geboren. Schon früh wandte er sich dem baptistischen Glauben zu und war ein fanatischer Abstinenzler. Wenn er damals geahnt hätte, dass später einmal unter seinem Namen All Inclusive-Reisen verkauft werden, bei denen alkoholische Getränke inbegriffen sind…

Die Idee, den Menschen damals preisgünstige Reisen anzubieten, entsprang dann auch aus dem Wunsch Thomas Cooks, genau diese Menschen vom Alkohol abzubringen. Da zu dieser Zeit gerade ein Schienennetz in England gebaut wurde und Eisenbahnen in Mode kamen, organisierte Cook am 5. Juli 1841 die allererste Pauschalreise in der Geschichte des Tourismus. Er mietete einen Zug, der die 570 Passagiere von der Stadt Leicester in das 17 km nördlich gelegene Loughborough brachte. Für einen Shilling pro Kopf bekamen die Reisenden nicht nur ihre Hin- und Rückfahrkarte, sondern auch noch ein Picknick mit Tee und belegten Brötchen, wozu eine Blaskapelle spielte, und einen kleinen Reiseführer für die Route, den Cook selbst geschrieben und gedruckt hatte. Nach dem Picknick konnte man sich im Park von Loughborough mit Spielen die Zeit vertreiben, bis es dann zum Höhepunkt der Reise kam (jedenfalls aus der Sicht von Thomas Cook), einer Massendemonstration gegen die Gefahren des Alkoholkonsums (der Thomas Cook Temperance Dance in Loughborough ist hier zu sehen). Glücklich und zufrieden kam die Reisegesellschaft um 22.30 Uhr wieder auf der Campbell Street Station in Leicester an.

Diese Reise war dermaßen erfolgreich, dass Thomas Cook weitere organisierte und da das Schienenetz immer größer wurde, lagen die Ziele auch immer weiter entfernt. In den 1850er Jahren gab es schon Reiseangebote außerhalb Englands und im Jahr 1866 arrangierte Thomas Cook die erste Reise in die USA. Der Grundstein für den späteren Massentourismus war gelegt.

Leicester, die Stadt in der Thomas Cook starb, war für ihn immer besonders wichtig gewesen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man den berühmten Mann hier in Ehren hält. Es gibt das Thomas Cook Building in der heutigen Einkaufs- und Fußgängerzone Gallowtree Gate, das 1894 gebaut wurde, ein Denkmal vor dem Bahnhof, das ihn in Lebensgröße zeigt und mehrere Plaketten an Häuserwänden, die auf ihn aufmerksam machen. Begraben wurde er auf dem Welford Road Cemetery.

Auch in Cooks Geburtsort Melbourne in Derbyshire hat man ihn nicht vergessen; an seinem Geburtshaus an der Ecke Quick Close und George Street hat man eine Plakette angebracht. An der High Street finden sich die Thomas Cook Memorial Cottages, die der Sohn der Stadt 1890/91 hat bauen lassen, um Bedürftigen, die dem baptistischen Glauben huldigten, eine angemessene Unterkunft zu bieten.

Das Buch zum Artikel:
Piers Brendon: Thomas Cook – 150 Years of Popular Tourism. Secker & Warburg 1991. 372 Seiten. ISBN 978-0436199936.

Ziel der ersten Pauschalreise von Thomas Cook, der Bahnhof von Loughborough.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ziel der ersten Pauschalreise von Thomas Cook, der Bahnhof von Loughborough.
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Thomas Cooks Grab auf dem Welford Road Cemetery in Leicester.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Thomas Cooks Grab auf dem Welford Road Cemetery in Leicester.
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Hinweistafel an Cooks Geburtshaus in Melbourne (Derbyshire).   © Copyright Jerry Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinweistafel an Cooks Geburtshaus in Melbourne (Derbyshire).
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Die Thomas Cook Memorial Cottages in Melbourne (Derbyshire).   © Copyright Trevor Rickard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Thomas Cook Memorial Cottages in Melbourne (Derbyshire).
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Ab sofort geschlossen: Das Reisebüro von Thomas Cook in Redhill (Surrey).
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 25. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Soapbox Science – Wissenschaftliche Themen für jedermann, von der Seifenkiste aus erklärt

Soapbox Science in Swansea in Wales.
Author: Nejaby
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Im Londoner Hyde Park gibt es ja bekannterweise die Speaker’s Corner, wo jedermann Reden über (fast) alles halten kann, ob nun jemand zuhört oder auch nicht. Die Redner standen dabei üblicherweise auf Kisten, in denen früher Seife transportiert wurde, daher der Begriff des „Soapboxing“ für improvisierte Reden unter freiem Himmel.

In London wurde im Jahr 2011 eine Bewegung ins Leben gerufen, die sich Soapbox Science nennt; dabei versuchen namhafte Wissenschaftlerinnen dem „Normalbürger“ Themen aus ihrem jeweiligen Fachgebiet näher zu bringen. Sie stehen auf öffentlichen Plätzen und schnell sammelt sich eine Traube von Menschen um sie, die zuhören, Fragen stellen oder auch interaktiv tätig sein können. Seit Beginn von Soapbox Science haben schon über 1000 Wissenschaftlerinnen teilgenommen und mittlerweile ist diese Bewegung nicht nur auf Großbritannien beschränkt. In vielen Ländern der Welt gibt es sie, auch in Deutschland (Berlin, München). In diesem Jahr finden 42 Veranstaltungen weltweit statt. Hier sind einige Themen, die behandelt werden, am Beispiel von Exeter (Devon) vom 29. Juni diesen Jahres:

Die Vulkanolgin Dr Aleksandra (Ola) Zawalna-Geer von der University of Exeter sprach über das Thema “How predictable can volcanoes be?”.
Judith Piegsa von der Medical School der Universität von Exeter hatte sich das Thema “A peephole into the brain: Leaky blood vessels and Alzheimer’s disease” ausgesucht, und Dr Kirsten J. Lees, ebenfalls University of Exeter, wählte das Thema “Over the Moorlands – protecting our peat using satellites”. Also alles sehr unterschiedliche Themen, über die sich die Bürger von Exeter am Princesshay Square informieren konnten. Hier ist ein Film über eine frühere Soapbox-Veranstaltung in Exeter.

Published in: on 12. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Die freundlichsten und unfreundlichsten Orte und Regionen in Großbritannien

Die Kathedrale der Stadt Worcester, „the most polite town“.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wer häufiger durch Großbritannien gefahren ist, hat vielleicht schon einmal seine persönliche Hitliste aufgestellt, wo er die freundlichsten Menschen getroffen hat. Im Norden? Im Süden?
Es gibt einige Untersuchungen und Umfragen in den letzten Jahren, die herauszufinden versuchen, welche Städte und Regionen am freundlichsten und welche am unfreundlichsten sind. Wen wundert es, dass dabei London immer am schlechtesten abgeschlossen hat?

Die Universität von Cambridge hat nach einer umfangreichen Studie festgestellt, dass der Norden freundlicher als der Süden ist, wobei die Schotten besonders gut wegkommen. In den südlichen Landesteilen sticht Devon besonders positiv hervor. Die Schlusslichter bilden der Großraum London und Teile der Midlands.

Wie sieht es mit den Städten des Landes aus? Nach einer Umfrage der Firma Showerstoyou.co.uk nach den „most and least polite towns„, wobei die Aspekte „friendly, welcoming, and safe“ im Mittelpunkt stehen, nimmt den Spitzenplatz die Stadt Worcester ein. Hier lebt es sich offensichtlich mit am besten im Königreich. Auf den nächsten Plätzen liegen Swansea in Wales, York in North Yorkshire, Wrexham in Wales und Newcastle (Tyne and Wear). Am anderen Ende, also die „least polite towns“, sind Birmingham, Gloucester, Belfast, Bristol und London.

Die Nahrungsmittelfirma Bisto hat eine Umfrage zum selben Thema erstellt, mit dem Ergebnis, dass York den besten „community spirit“ hat, gefolgt von Hull,  Belfast, Derby und Plymouth. Am Ende der Skala rangieren Wolverhampton, Portsmouth, Preston, Milton Keynes und Nottingham.

York (hier die Shambles) ist die Stadt mit dem besten „community spirit“.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. September 2019 at 02:00  Comments (5)  

Snapdragon – Ein nicht ganz ungefährliches Spiel, bei dem man sich schnell Brandverletzungen zuziehen kann

Besonders zur Zeit Queen Victorias spielte man zur Weihnachtszeit in England gern ein Spiel namens Snapdragon. Auch heute noch, zum Beispiel zu Halloween, kommt der eine oder andere auf die Idee, das könnte man ja wieder einmal spielen. Es ist ganz einfach: In eine Schale werden zwei Dutzend Rosinen gefüllt, wenn die gerade nicht zur Hand sind, kann man auch Mandeln, Pflaumen etc nehmen. Dann wird die Schale mit einer Flasche Brandy aufgefüllt, so dass die Ingredienzien an der Oberfläche schwimmen. Anschließend hält man ein Streichholz daran und veranstaltet so ein kleines Feuer. Die Zimmerbeleuchtung wird gedimmt, eine behagliche Atmosphäre entsteht und Snapdragon kann beginnen. Das Ziel ist, soviel Rosinen aus der brennenden Schale zu holen und zu essen wie möglich (ohne sich dabei den Gaumen zu verbrennen). Dass es bei dem weihnachtlichen Spiel zu Kollateralschäden kommt, liegt auf der (verbrannten) Hand.

Zu Weihnachten 1893 kam es im Royal Surrey County Hospital in Guildford zu einem Unglück, als beim Snapdragonspielen jemand Methylalkohol auf die langsam verlöschenden Flammen goss und es zu einer Explosion kam, wobei mehrere der Teilnehmer, auch Kinder, sich schwere Verbrennungen zuzogen und eines der Kinder sogar starb (gelesen in Nicola Slys „A Horrid History of Christmas„, das ich demnächst vorstellen werde). In diesem Film ist zu sehen wie Snapdragon gespielt wird.

Freunde der Agatha Christie-Kriminalromane erinnern sich vielleicht an das Buch „Hallowe’en Party„, 1969 erschienen, das in deutscher Übersetzung „Die Schneewittchen-Party“ bzw in der Neuübersetzung von 2018 ebenfalls „Die Hallowen Party“ heißt. In dem Buch wird zum Ende des zweiten Kapitels mit großer Begeisterung Snapdragon gespielt: „Everybody shrieked, rushing forward, snatching the blazing raisins, with cries of „Ow, I’m burned! Isn’t it lovely?„“ In der Verfilmung des Romans aus der Poirot-Serie (Episode 65) mit David Suchet ist die entsprechende Szene zu sehen, hier ab Minute 6.

Das ehemalige Royal Surrey County Hospital (jetzt Farnham Road Hospital) in Guildford, wo sich zu Weihnachten 1893 das Snapdragon-Unglück ereignete.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 5. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Deborah Almas weltweit erste und einzige Poetry Pharmacy in Bishop’s Castle (Shropshire)

Die High Street von Bishop’s Castle. Die Poet’s Pharmacy ist der blau gestrichene Laden weiter unten mit den hübschen Verzierungen.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Vor einigen Tagen hörte ich in den Nachrichten, dass sich die niedersächsischen Hausärzte darüber beklagen, dass immer mehr Menschen mit den kleinsten Weh-Wehchen die Wartezimmer ihrer Praxen verstopfen, statt sich an Hausmittel zu erinnern, die oft auch helfen können.

Die Bewohner der Kleinstadt Bishop’s Castle in Shropshire haben seit diesem Jahr eine Alternative, die manchem den Gang zum Hausarzt vielleicht ersparen kann: Die Poetry Pharmacy in der High Street Nummer 36. Dort, wo früher einmal der Eisenwarenladen von E.C. Davies & Son untergebracht war, findet man jetzt die „Gedicht-Apotheke“, die einzige weltweit, die die Dichterin Deborah Alma gegründet hat. Bisher kannte man die Dame vorwiegend als „Emergency Poet„, die mit einem ausgemusterten Krankenwagen aus den 1970er Jahren durch die Lande fuhr („the world’s  first and only mobile poetic first aid service„) und ihre Patienten mit Hilfe von Gedichten wieder in die Spur brachte. Statt Paracetamol verabreichte Deborah Alma „poemcetamol“ und viele, die sie in ihrem Krankenwagen aufsuchten, waren damit zufrieden.

Nun hat die Poetin/Therapeutin einen festen Platz, an dem sie ihre Künste ausüben kann. Bishop’s Castle bot sich dafür an (Glastonbury’s High Street wäre auch ein guter Ort gewesen), denn die kleine Markstadt „has become known for its alternative community including artists, musicians, writers and craftspeople“ wie es in der Wikipedia steht, also ideal für die Poet’s Pharmacy.

Deborah Alma „heilt“ ihre Besucher nicht nur mit eigenen Gedichten (sie veröffentlichte bereits mehrere Anthologien wie „The Emergency Poet: An Anti-Stress Anthology„), auch Poeme anderer Dichter werden zur Therapie bzw Kur ihrer maladen Besucher eingesetzt.

Natürlich kann und will die Dichterin keinen Arzt ersetzen und richtige Krankheiten heilen, aber wenn die Seele verletzt ist, kann sie doch etwas erreichen. „Areas of emotional need“ sind ihre Spezialität.
Deborah Alma hat noch viel vor, was sie in ihrem Laden in der High Street von Bishop’s Castle ihren Besuchern anbieten will, und, wer weiß, vielleicht gibt es bald irgendwo in der Welt noch jemanden, der nach diesem Vorbild eine weitere Poet’s Pharmacy eröffnet.

Die 19 Riesenfrösche von Stockport (Greater Manchester)

Mrs Mersey The Happy Shopper. Gesponsert vom Merseyway Shopping Centre.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

In einer kinderfreundlichen Version des Märchens „Der Froschkönig“ der Gebrüder Grimm verlangt der Frosch, ein Prinz, der von einer Hexe verwandelt worden ist, einen Kuss von einer Prinzessin, um von seinem Fluch erlöst zu werden. In Stockport in der Grafschaft Greater Manchester warten zur Zeit 19 Frösche auf Prinzessinnen und ihre Erlösungsküsse, aber leider gibt es von den royalen jungen Damen viel zu wenige, und so stehen die armen Amphibien immer noch über das ganze Stadtgebiet verteilt einsam vor sich hin.

Eine wirklich nette Idee, diesen „Art Trail“ in Stockport nahe Manchester anzulegen, mit 19 Riesenfröschen, gesponsert von örtlichen Firmen. Jeder einzelne Frosch wurde individuell bemalt und gestaltet, und sie alle machen das Stadtbild bunter und heiterer.

Hier sind einige Exemplare zu sehen:

Das ist KermIT, gesponsert von der IT-Firma Amshire.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Dieser Frosch hört auf den Namen BUSter und wurde von dem Bus-Transportunternehmen Stagecoach gesponsert.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

This Little Froggie Went To Market ist der Name dieses Frosches, den der Stockport Metropolitan Council gestiftet hat.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 2. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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„Eau-de-Burton“ und „Eau-de-Southport“ – Zwei Parfüms der besonderen Art

Die Coors Brauerei in Burton-on-Trent, mitverantwortlich für den Geruch, der über der Stadt hängt.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Was verbindet man mit der Stadt Burton-on-Trent in der Grafschaft Staffordshire? Auf jeden Fall Bier, aber auch Marmite (eine aus Hefeextrakt gewonnene Würzpaste,  „Love it or hate it“) und Branston Pickle (ein vegetarischer Relish, den man häufig zum Ploughman’s Lunch serviert bekommt), die letzten beiden wurden in der Bierstadt Burton-on-Trent entwickelt.

Vor einigen Jahren kam Victoria Brookes auf die Idee, ein Parfüm zu kreieren, dass die „Essenzen“ der Stadt beinhaltet, die Gerüche, mit denen man in Burton-on-Trent konfrontiert wird. Das Parfüm beinhaltet Gourmand (Schlemmerduft), das Marmite und Branston Pickle repräsentiert, eine Ledernote, stellvertretend für den örtlichen Fußballverein Burton Albion FC (Fußballstiefel und Lederball) und Ambra für das Bier, das in der Stadt gebraut wird (amber nectar = Gerstensaft). Eine schon recht merkwürdige Zusammenstellung, über die die Pariser Parfumeure sicher die Nase rümpfen würden. Aber gut, „Eau-de-Burton“ kam für £36.50 in den Handel und gefiel zumindest den Bewohnern der Stadt am River Trent.

Angeregt durch das, was da in Burton-on-Trent kreiert worden war, schuf Barbara Pratt in Southport, einer Küstenstadt in Merseyside, nördlich von Liverpool, etwas Ähnliches, das ebenfalls den Charakter ihrer Stadt widerspiegeln sollte: „Eau-de-Southport„. Was ist, olfaktorisch gesehen, das Besondere an einer Stadt am Meer? Natürlich einmal der Meeresgeruch selbst, dann der Geruch frisch gemähten Rasens von den umliegenden Golfplätzen und die Blumengerüche von der jährlich stattfindenden Southport Flower Show. Für £25 wurde „Southport Eau de Parfum“ angeboten und gut verkauft. Hier ist ein Film darüber.
Ein Jahr später entwickelte Barbara Pratt noch eine spezielle Duftnote für den örtlichen Fußballverein Southport FC (hergestellt in Deutschland). Als die Spieler das Parfum erstmalig benutzten, gewannen sie gleich 5:0 gegen Stockport County. Wer weiß, was die Parfumeurin da noch an geheimnisvollen Zutaten dazu gemixt hat?

Die Seeluft des Strandes von Southport war ein Bestandteil des Parfüms.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Großbritanniens ungesündeste High Streets – Mit dem Spitzenreiter Grimsby in Lincolnshire

Die Freeman Street in Grimsby.
Author: ReptOn1x
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Zuletzt schrieb ich in meinem Blog am 3. Juni diesen Jahres über das Thema „High Street“, ein Dauerthema mit dem der Besucher des Königreichs immer wieder konfrontiert wird.

Die Royal Society for Public Health (RSPH) hat eine Untersuchung angestellt, bei der die Auswirkungen des „high street retail environment“ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen genauer unter die Lupe genommen wurde. Die Studie ermittelte, dass das Leben von Menschen, die ständig mit Leerständen, Wettbüros, Schnapsläden, Imbissbuden und dergleichen auf ihrer High Street konfrontiert werden, bis zu zweieinhalb Jahre kürzer sein kann als das Leben von denjenigen, die in der glücklichen Lage sind, eine „gesunde“ High Street zu haben, mit Bibliotheken, Museen, Apotheken, netten Bars, Pubs und Restaurants.

Die RSPH hat eine Top Ten Liste der ungesündesten, aber auch der gesündesten High Streets aufgestellt (Stand Ende 2018).

Hier sind die Negativ-Spitzenreiter:
1. Grimsby
2. Walsall
2. Blackpool
4. Stoke-On-Trent
5. Sunderland
6. Northampton
7. Bolton
8. Wolverhampton
9. Huddersfield
10. Bradford

Hier fällt auf, dass es sich ausnahmslos um Städte aus Englands Norden handelt. Das Nord-Süd-Gefälle macht sich hier deutlich bemerkbar. Grimsby in Lincolnshire, ist von Platz 6 bei der Untersuchung im Jahr 2015 komplett abgeschmiert und hat nun Großbritanniens ungesündeste High Street. Die Freeman Street, die sich durch die Küstenstadt zieht, war einmal eine florierende Einkaufsstraße als die Fischfangindustrie noch den Ort dominierte, aber die ist kaum noch existent und dadurch hat Grimsby eine extrem wichtige Einnahmequelle verloren. Es gibt allerdings Bestrebungen durch Abrisse von leerstehenden Gebäuden in der Freeman Street und Neuansiedlung von Geschäften der Straße wieder ein freundlicheres Gesicht zu verleihen. Vielleicht gelingt das ja und Grimsby kann in der nächsten RSPH-Untersuchung den Schwarzen Peter wieder abgeben.

Der Spitzenreiter der vorigen „Health on the High Street“-Untersuchung, Coventry, ist jetzt aus den Top Ten herausgefallen.

Die gesündesten High Streets Großbritanniens sind aktuell:
1. Edinburgh
2. Canterbury
3. Taunton
4. Shrewsbury
5. Cheltenham
6. York
7. Brighton & Hove
8. Eastbourne
9. Exeter
10. Cambridge

Hier dominiert, abgesehen von der schottischen Metropole Edinburgh und den nordenglischen Städten Shrewsbury und York, ganz klar der Süden des Landes.

Hier ist ein Film der RSPH.

Edinburgh High Street, die gesündeste im Königreich.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. August 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Big Dipper Teil 2 : Eine ehemalige Achterbahn im Londoner Battersea Park und ein schweres Unglück im Jahr 1972

Einer der Eingänge zum Battersea Park.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Auch London besaß einmal eine hölzerne Achterbahn, die den Namen The Big Dipper trug und im Battersea Park stand, der für das Festival of Britain 1951 als Vergnügungspark eingerichtet worden war. Die Achterbahn war damals eine Attraktion, vergleichbar heute mit dem London Eye.
The Big Dipper London hatte bereits im Mai 1951 ein kleines Problem, als ein leerer Wagen auf der Bahn entgleiste, wobei niemand zu Schaden kam. Bei einem Unfall 1968 brach sich einer der Insassen einen Arm. Zwei Jahre später zerstörte ein Feuer einen Teil der Achterbahn.

Eine richtige Katastrophe ereignete sich dann am 30. Mai 1972. Am späten Nachmittag wurde gerade ein mit 32 Menschen besetzter Wagen die steile Rampe des Big Dippers hochgezogen, als sich in 15 Metern Höhe das Schleppseil löste und der Achterbahnwagen rückwärts mit hoher Geschwindigkeit wieder zurückrollte; in einer Kurve entgleiste er. An diesem Mainachmittag starben bei dem schrecklichen Unglück fünf Kinder und Jugendliche. Zwei Jungen im Teenageralter und ein acht Jahre altes Mädchen waren auf der Stelle tot, zwei weitere Kinder erlagen später ihren Verletzungen, 13 der Insassen wurden verletzt.

Es stellte sich natürlich sofort die Frage, wer für den Unfall verantwortlich war. Gab es grobe technische Mängel, die bei den Sicherheitsprüfungen übersehen worden waren? Die Untersuchungsbehörden stellten erhebliche Fehler fest und Anklage wurde erhoben gegen den Parkmanager und den technischen Leiter der Achterbahn, doch beide wurden ein Jahr später freigesprochen.

Das Unglück markierte auch das Ende des Big Dippers und letztlich auch das Ende des ganzen Vergnügungsparks. Die Achterbahn wurde abgerissen und die Tore der Funfair 1974 geschlossen. Im Battersea Park konnte sich seitdem nie wieder ein permanenter Freizeitpark etablieren.

Hier ist ein Film über das Unglück und in diesem Film aus dem Jahr 1953 werden die Vergnügungen des Battersea Parks gezeigt.

Published in: on 5. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Big Dipper Teil 1: Die Achterbahn in Blackpool (Lancashire)

Der Pleasure Beach im englischen Seebad Blackpool ist ein Dorado für alle, die sich einmal so richtig amüsieren wollen (d.h. auf englische Art). Im Mittelpunkt der Amüsiermeile steht seit 1923 die Holzachterbahn The Big Dipper. 1936 wurde sie noch einmal erweitert und versieht bis zum heutigen Tage ihren Dienst.
Die Achterbahn ist 1000 m lang, 18m hoch und man erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von ca 65 km/h.  Hier wurde auch der Weltrekord im Achterbahnfahren aufgestellt. Richard Rodriguez fuhr im Jahr 2000 sage und schreibe 2000 Stunden lang mit der Bahn und überbot damit seinen eigenen Rekord, der bis dahin 1013 Stunden betrug. Pro Stunde durfte er nur 5 Minuten pausieren, um gewisse Örtlichkeiten aufzusuchen; Essen, Trinken und Schlafen erfolgte alles in einem der Wagen. Leider veränderte Guinness World Records im Jahr 2007 die Regeln, so dass die Rekorde auf diese Weise ungültig wurden. Rodriguez ließ aber nicht locker und holte sich seinen Rekord wieder zurück, indem er „nur“ 405 und 40 Minuten auf dem Big Dipper und dem Pepsi Maxi Big One fuhr. Diese Achterbahn, gleich neben dem Big Dipper gelegen, ist eine der gewaltigsten in ganz Europa mit einer Höhe von 65 Metern und 120 km/h schnell.

Am 11. August 2000 ereignete sich ein schwerer Unfall auf dem Big Dipper als zwei Wagen zusammenstießen und 16 Fahrgäste verletzt wurden.

 

Published in: on 4. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die World Pea Shooting Championships in Witcham (Cambridgeshire)

Nur wenige Autominuten von der Kathedralenstadt Ely entfernt, liegt der kleine Ort Witcham in der Grafschaft Cambridgeshire. Einmal im Jahr, am zweiten Samstag des Monats Juli, fallen Männer und Frauen aus nah und fern in das Dorf ein, die eine besondere Fähigkeit haben: Sie können Erbsen sehr gezielt pusten. Auf dem Village Green von Witcham präsentieren sie ihre Künste im Rahmen der World Pea Shooting Championships.

Seit 1971 wird der Wettbewerb hier ausgetragen, der auf den Schulleiter der örtlichen Schule John Tyson zurückgeht. Der hatte nämlich immer die Erbsen und Blasrohre der Schüler „konfisziert“, die sich unerlaubterweise auf dem Schulgelände gegenseitig mit Erbsen beschossen.

Die Regeln für die „Erbsenpusten-Weltmeisterschaften“ sind einfach. Jeder der Teilnehmer bekommt die Erbsen zugeteilt, das Blasrohr darf er/sie selbst mitbringen. Aus einer Entfernung von etwa vier Metern müssen die Teilnehmer mit Hilfe ihres Blasrohrs die Erbsen auf eine 30cm große Scheibe abschießen, die in drei Ringe unterteilt ist. Wer die Mitte der Scheibe trifft, erhält 5 Punkte, der zweite Ring liefert 3 Punkte und der äußere Ring bringt einen Punkt. Die fünf besten „Schüsse“ werden addiert, fertig.

Bei den 49. Weltmeisterschaften am 13. Juli 2019 wurde Ian Ashmeade wieder einmal Champion wie schon im Jahr zuvor, bei den Damen konnte Sally Redman-Davies am besten pusten und wurde zweimal nacheinander Weltmeisterin. Ian Ashmeade wurde im vorigen Jahr eine besondere Ehre zuteil: Witchams Pub The White Horse bekam ein neues Wirtshausschild, auf dem der Kopf des Erbsenpusters samt dem für ihn typischen Helm abgebildet ist, natürlich fehlt das namensgebende weiße Pferd auch nicht.

Noch ein Wort zu den Pusteröhrchen. Manche benutzen ein ganz normales Rohr, es gibt aber auch welche, die ein „State-of-the-Art High-Tech-Rohr“ einsetzen, mit integrierter Lasertechnik.

Im nächsten Jahr kommt es zu einem Jubiläum, dann werden die 50. World Pea Shooting Championships ausgetragen.

Hier sind Bilder von den diesjährigen Weltmeisterschaften.

Das Village Green von Witcham während der Championships.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)

Das neue Wirtshausschild vom White Horse mit dem Pea Shooting Weltmeister Ian Ashmeade darunter, neben ihm steht Landlady Linda Elbourne .
Author: Yiipeeia
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Die Londoner Cremorne Gardens an der Themse in Chelsea

Im Londoner Stadtteil Chelsea liegt direkt an der Themse, eingerahmt von Wohnblocks, ein kleiner Park namens Cremorne Gardens. Ein sehr schönes schmiedeeisernes Tor führt in den Park, der auch über eine eigene Schiffsanlegestelle verfügt. Es handelt sich hier um ein winziges Überbleibsel eines einst riesigen Geländes, das auf eine bewegte Vergangenheit zurückschauen kann. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Sportstätte eingerichtet, in der geboxt, gefechtet und geschwommen wurde (und nach einem Viscount Cremorne benannt ist), entwickelte sich das Gelände weiter zu einem großen Vergnügungspark. Das Publikum wurde durch alle möglichen Amüsements unterhalten wie Feuerwerke, Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen usw. usw.

Eine Madame Geneviève begeisterte 1861 die Parkbesucher durch eine waghalsige Überquerung der Themse auf einem Seil, ganz im Stil eines Charles Blondin. Sehr beliebt war das Zuschauen bei Ballonaufstiegen, die immer wieder in den Cremorne Gardens stattfanden. Der berühmte Ballonfahrer Charles Green sorgte einmal für Aufsehen, indem er, begleitet von einer Dame und einem Leoparden, vom Park aus abhob. 1864 startete ein weiterer berühmter Aeronautiker gleich zweimal von hier aus: Der Franzose Eugène Godard, der einmal in Greenwich und das zweite Mal in Walthamstow landete.

Einige Zeit später ging es mit den Cremorne Garden bergab. Eine ganz andere Klientel, die einen schlechten Ruf hatte, traf sich im Park („a nursery of every kind of vice“ wie es in einem Pamphlet hieß), und so wurde er 1877 geschlossen. Das Gelände bebaute man nach und nach, bis nur noch der kleine Park übrig blieb, der 1982 neu eröffnet wurde.

Das wunderschöne Eingangstor stand viele Jahre lang auf dem Gelände der Bowden’s Brewery in der Kings Road, wurde 1981 restauriert und 1997 wieder an alter Stelle aufgebaut.

Hier ist ein kleiner Spaziergang durch die Anlage im Film.

Das schöne Original-Eingangstor.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Die Schiffsanlegestelle.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)