Champing oder Bed and Breakfast in ehemaligen Kirchen

All Saints in Aldwincle (Northamptonshire)
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Immer mehr Kirchen werden in England aufgegeben und anderen Nutzungszwecken zugeführt; Restaurants, Bars, Kletterhallen und was auch immer erfindungsreichen Menschen sonst noch einfällt, werden in den Ex-Gotteshäusern installiert. Andere Organisationen wiederum wie der Churches Conservation Trust oder die Friends of Friendless Churches kümmern sich liebevoll um den Erhalt der alten Bauwerke, die viel zu schade sind, um sie abzureißen. Das kostet natürlich viel Geld und da muss man Ideen haben, um die Kassen etwas aufzufüllen. Eine dieser Ideen des Churches Conservation Trust ist, einige Kirchen einfach als Bed & Breakfast zu vermieten. Einen Begriff für das Übernachten in Kirchen hat man schnell gefunden: Champing (Church + Camping), angelehnt an das Glamping (Glamourous Camping), also das Übernachten in ungewöhnlichen Objekten; ich berichtete in meinem Blog darüber.

£49 pro Erwachsenem kostet eine Übernachtung in der Woche (am Wochende £59) inklusive Frühstück in einer der zwölf Kirchen, die für das Champing bisher zur Verfügung stehen. All Saints in Aldwincle in Northamptonshire war die erste Kirche, in der der Churches Conservation Trust  seine neue Übernachtungsidee testete. Geschlafen wird auf Luftmatratzen, darüberhinaus stehen Tische, Klappstühle, eine mobile Toilette und eine Waschgelegenheit zur Verfügung. In einem benachbarten Bauernhof in Aldwincle wird das Abendessen eingenommen, das Frühstück am nächsten Morgen in der Kirche. Die Idee zündete und weitere Kirchen wurden in das Champing-Programm aufgenommen. Die Vorstellung, einmal eine Nacht in jahrhundertealtem Gemäuer zu nächtigen, war verlockend (und für einige sicher auch etwas beängstigend). Jede der Kirchen ist anders, in einigen gibt es elektrisches Licht, manche haben richtige Toiletten; beheizbar ist aber keine Kirche, deshalb wird Champing auch nur von März bis September angeboten.

Hier sind einige der Champing-Kirchen:

St Mary the Virgin in Fordwich (Kent), vor den Toren der Kathedralenstadt Canterbury, wo bis zu zwölf Übernachtungsgäste untergebracht werden können (hier ist ein Film darüber).

All Saints in Billesley (Warwickshire) bei Stratford-upon-Avon, die mit William Shakespeare in Verbindung gebracht wird. Hier können nur zwei Gäste die Nacht verbringen (very romantic!!).
Saint Katherine in Chiselhampton (Oxfordshire), nur wenge Kilometer von der Universitätsstadt entfernt. Geeignet fpr maximal sechs Gäste.
St Thomas in Friarmere (Greater Manchester). Eine alte Kirche am Rand des Saddleworth Moors (für bis zu acht Gäste). Hier wurden im vorigen Jahr einige Teile des Films „A Monster Calls“ (dt. „Sieben Minuten nach Mitternacht“) u.a. mit Sigourney Weaver gedreht (hier ist der Trailer).
Old St Stephen’s in Fylingdales (North Yorkshire) im North York Moors National Park, nicht weit von Whitby entfernt. Hier finden bis zu vier Übernachtungsgäste Platz.
Übrigens darf man auch Hunde mitbringen und Alkohol ist kein Thema (wir sind ja in England), aus einer kleinen Weinliste kann man sich den passenden Wein für eine romantische Nacht aussuchen oder selbst mitbringen.
Wer Champing einmal ausprobieren möchte wende sich an den
The Churches Conservation Trust
Society Building,
8 All Saints Street
London, N1 9RL
champing@thecct.org.uk
Dieser Film zeigt weitere Informationen über Champing.

St Mary the Virgin in Fordwich (Kent).
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All Saints in Billesley (Warwickshire).
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St Katherine in Chiselhampton (Oxfordshire).
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St Thomas in Friarmere (Greater Manchester).
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Old St Stephen’s in Fylingdales (North Yorkshire).
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Distinctly Different – Urlaub einmal anders

Bradford Old Windmill in Bradford-on-Avon (Wiltshire).
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Wer keine Lust hat, seinen Urlaub in England in einem Hotel, einem B&B oder einem Guest House zu verbringen, dem bieten sich eine Fülle von anderen Übernachtungsmöglichkeiten an. Wie wäre es mit einer Burg, einem ehemaligen Gefängnis, einer Windmühle oder einer Friedhofskapelle?

Die Firma „Distinctly Different“ mit Sitz in Bradford-on-Avon in Wiltshire ist Spezialist für außergewöhnliche und manchmal auch skurrile Häuser, in denen man seine Nächte verbringen kann.
Die angebotenen Häuser dienten vorher alle einem anderen Zweck, wurden aufgegeben und dann entsprechend umgebaut, um sie als Urlaubsdomizile anzubieten. Keine schlechte Idee.

Hier einige Beispiele aus dem umfangreichen Angebot von „Distinctly Different“:
– Ein Gypsy Wagon steht in dem Dörfchen Ewell Minnis, nordwestlich von Dover, für  £90 pro Nacht zur Verfügung.
– In Wirksworth, Derbyshire, steht „The Lock-Up at North End“ zur Verfügung, ein ehemaliges Gefängnis, das später auch die örtliche Polizeidienststelle beherbergte. Das Gebäude kann man ganzjährig mieten für ca £40-50 pro Nacht und Person.
– Ein Miniaturschloss, „The Citadel„, kann man in Weston-under-Redcastle in Shropshire mieten, mit in Rundtürmen gelegenen Schlafzimmern.
– Ein letztes Beispiel: Urlaub in der Windmühle ist möglich in der „Bradford Old Windmill“ in Bradford-on-Avon in Wiltshire (dort, wo auch „Distinctly Different“ beheimatet ist). Die Zimmer heißen hier Fantail, Great Spur und Damsel heißen und verfügen über ungewöhnliche Betten.

„Distinctly Different“ beschreibt seine Mietobjekte auf sehr witzige Weise und ein Blick auf deren Webseiten lohnt sich.

In meinem Blogeintrag vom 20.11.2010 stellte ich die Firma Landmark Trust vor, die ein ähnliches Angebot hat.

Murder Weekends – Ein besonderes Vergnügen für Hobbydetektive

Hier im Prince of Wales Hotel in Southport (Merseyside) wurde das erste Murder Weekend veranstaltet.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Prince of Wales Hotel in Southport (Merseyside) wurde das erste Murder Weekend veranstaltet.
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Im Prince of Wales Hotel in Southport (Merseyside), einem Küstenort im Nordwesten Englands, schlug  am 31. Oktober 1981 die Geburtsstunde der sogenannten Murder Weekends, die sich bis heute, nicht nur in England, besonderer Beliebtheit erfreuen. Joy Swift war die Urheberin dieses Vergnügens und eigentlich wollte sie es bei diesem einmaligen Ereignis in Southport belassen, doch durch Berichte darüber in der örtlichen Presse wurden auch nationale und sogar amerikanische Medien darauf aufmerksam und kontaktierten Joy Swift. Sie wollten wissen, wann denn das nächste „Mörder-Wochenende“ stattfinden würde. Überrascht von der unerwarteten Aufmerksamkeit arrangierte sie weitere Veranstaltungen, zu denen Kamerateams aus den USA anreisten.

1983 formte Joy Swift die Murder Weekends Limited und das war der Beginn einer Erfolgsserie. Vor allem in den USA war man ganz verrückt nach den Murder Weekends und bald gab es dort unzählige Nachahmer. Mrs Swift wollte sich aber lieber auf den britischen Markt konzentrieren, wo ihr kleines Unternehmen ebenfalls florierte. Bis heute hat sie sich rund 130 Mordfälle ausgedacht, die von den anwesenden Gästen gelöst werden müssen. In der Regel finden die Veranstaltungen in Hotels statt, aber auch auf Kreuzfahrtschiffen und in Zügen war Murder Weekends Limited schon vertreten.

Das Wochenende läuft meist so ab: Anreise ist der Freitagabend, an dem ein Drei-Gänge-Menü serviert wird. Während des Abends geschieht ein Mord, die Polizei macht sich an die Untersuchung des Falles und die Gäste, unter die sich die Schauspieler von  Murder Weekends Limited gemischt haben, ebenfalls. Nach dem Frühstück am Samstagmorgen wird von der Polizei eine Einsatzzentrale errichtet, in der alle Beweise und Zeugenaussagen zusammengetragen werden. Den ganzen Tag über hat man die Gelegenheit, Zeugen zu befragen und sich mit den anderen Hobbydetektiven auszutauschen. Samstagabend wird eine Party veranstaltet…und man weiß nie, wann der Mörder wieder zuschlagen wird. Erst am Sonntagmorgen nach dem Frühstück werden alle Gäste von der Polizei zusammengerufen und die Lösung des Falles bekanntgegeben. Gegen Mittag ist dann das Murder Weekend beendet.

Bis heute konnte Murder Weekends Limited schon mehr als 200 000 Teilnehmer zählen. Joy Swift wurde 2001 sogar mit dem Member of the Order of the British Empire ausgezeichnet.

Ein Murder Weekend kostet in der Regel um die £300. Veranstaltungsorte sind Hotels der De Vere-Gruppe, zum Beispiel das De Vere Beaumont Estate in Old Windsor (Berkshire), das De Vere Wotton House in Dorking (Surrey) und das De Vere Horwood Estate in Little Horwood (Buckinghamshire).

Dieser Film zeigt wie es bei einem Murder Weekend zugeht.

 

 

Published in: on 11. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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London Loo Tours – Spaziergänge durch London auf der Suche nach Toiletten

The Attendant Café in Fitzrovia.   © Copyright Chris Holifield and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Attendant Café in Fitzrovia.
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Das Thema „loo„, also Toilette, habe ich in meinem Blog schon mehrfach aufgegriffen, zum Beispiel:

The Loo of the Year Awards
Public Toilets – Der Niedergang der britischen Toilette
Theatre of Small Convenience in Great Malvern (Worcestershire)
The Evesham Hotel uns seine unübertroffenen Toiletten

Wer von diesem Thema gar nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich die „London Loo Tours„. Für £12 ist man dabei und wird von jungen Damen in die Londoner Toiletten-Welt eingeführt. Gegründet wurden die Loo Tours von der Amerikanerin Rachel Erickson, dann kamen Amber und Katie dazu, alles absolute Spezialistinnen, wenn es um Londoner Toiletten geht. Mit einer Saugglocke in der Hand (die man zur Verstopfungsbehebung von Toiletten benötigt) beginnt die Führerin den 90minütigen Spaziergang, der, wie könnte es anders sein, am Waterloo-Bahnhof beginnt. Es gibt noch eine weitere Tour, die den Stadtteil Bloomsbury umfasst. Auf beiden Touren erfahren die Teilnehmer jede Menge über Public Toilets, zum Beispiel, dass etwa 40% von ihnen in den letzten Jahren geschlossen wurden, dass einige von ihnen umgewandelt und neuen Verwendungszwecken zugeführt wurden wie The Attendant Café in der Foley Street in Fitzrovia, das einmal eine viktorianische Toilette war (die Urinale sind in die Einrichtung integriert worden). Aus einer früheren Bedürfnisanstalt entstand die Bar mit dem witzigen Namen „WC Wine & Charcuterie“ im Stadtteil Clapham. Die unterirdische Cellar Door Bar, in der man sich heute Cocktails servieren lassen kann, war auch einmal eine öffentliche Toilette.

Etwa 2000 Gäste buchen jedes Jahr die London Loo Tours. Der Klassiker, die Waterloo Tour, findet jeden Samstag um 15 Uhr und jeden Sonntag um 15.30 Uhr statt. Die Bloomsbury Tour kann man nur einmal im Monat buchen und zwar jeden vierten Sonntag. Gruppenführungen sind nach Absprache möglich, je nach Gruppenstärke heißen diese dann „Privacy Please!“, „Extra Loo Roll“ und „Royal Flush“.

Dieser Film zeigt Ausschnitte aus einem der Londoner Toiletten-Spaziergänge.

Toiletten im Londoner Green Park, für die wohl gerade kein großer Bedarf besteht.    © Copyright Scriniary and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toiletten im Londoner Green Park, für die wohl gerade kein großer Bedarf besteht.
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Ungewöhnliche Urlaubsdomizile Teil 2: The House in the Clouds in Thorpeness (Suffolk)

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Ganz so hoch wie der Name es vermuten lässt, „The House in the Clouds„, liegt dieses Gebäude in Thorpeness in Suffolk nicht. 1923 erbaute man an dieser Stelle einen Wasserturm, und da diese Gebäude in der Regel nicht sehr attraktiv aussehen, „verkleidete“ man ihn als Wohnhaus. In dem Wassertank, der das Dorf mit Trinkwasser versorgte, hatte man seinerzeit 230 000 Liter speichern können, das von der nahegelegenen Thorpeness Windmill hineingepumpt wurde. Diese hübsche weiße Windmühle befindet sich heute in Privatbesitz und ist nur an wenigen Tagen im Jahr zugänglich.

1977 bekam Thorpeness eine richtige Wasserversorgung, wodurch der Turm eigentlich überflüssig wurde. Aber anstatt ihn abzureißen, entfernte man den Tank und baute das ganze Gebäude als Wohnhaus um, das heute über 5 Schlafzimmer, 3 Badezimmer, ein Wohnzimmer und ein Esszimmer verfügt. Das „Highlight“ des Turmhauses aber ist der von einer Galerie umsäumte Raum ganz oben, von dem man einen grandiosen Blick hat. Jedermanns Geschmack ist die Einrichtung vielleicht nicht; die Räumlichkeiten und Treppenhäuser wimmeln von Figuren, Masken, Geweihen, Bildern und ausgestopften Tieren. Dieser Film zeigt die einzelnen Stockwerke. Der Name „The House in the Clouds“ stammt von einer Kinderbuchautorin, Mrs Malcolm Mason, die hier mit ihrem Mann einmal wohnte und ein Gedicht mit diesem Titel schrieb.

Wer das Haus mieten möchte, sollte vielleicht nicht gehbehindert oder gebrechlich sein, denn es gibt hier fünf Stockwerke, die erst einmal bezwungen werden müssen. Die günstigsten Wochenmietpreise liegen bei £2200 im Januar/Februar und steigen bis auf £3275 über Weihnachten bzw. Silvester/Neujahr. Nähere Infos gibt es hier.

Thorpeness liegt auf halbem Wege zwischen der Benjamin-Britten-Stadt Aldeburgh und dem Kernkraftwerk Sizewell.

 

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Die Windmühle neben dem "Wolkenhaus".   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Windmühle neben dem „Wolkenhaus“.
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Auch auf dem Dorfschild von Thorpeness finden sich das House in the Clouds und die Windmühle wieder.   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch auf dem Dorfschild von Thorpeness finden sich das House in the Clouds und die Windmühle wieder.
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Ungewöhnliche Urlaubsdomizile Teil 1: The House in the Sea in Newquay (Cornwall)

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Newquay – One of the nation’s favourite seaside holidays“ heißt es auf der Homepage der Stadt an der Nordküste Cornwalls. Newquay ist das Zentrum des Surfsports von Großbritannien, hat viele schöne Strände und gilt als besonders familienfreundlich. Entsprechend viele Hotels und Pensionen gibt es hier, für jeden Geldbeutel etwas. Für den ganz großen Geldbeutel und für den, der in einem besonders ungewöhnlichen Domizil seine Urlaubstage in Newquay verbringen möchte, ist das House in the Sea am Towan Beach zu empfehlen. Wo in ganz England gibt es ein „Ferienhaus“, das ganz allein auf einem Felsen im Meer liegt und nur über eine eigene Hängebrücke vom Festland aus zu erreichen zu erreichen ist?
Auf Towan Island wurden im 19. Jahrhundert Kartoffeln angepflanzt und Hühner gehalten und es war nicht ganz leicht, den Felsen zu erklimmen; das ging nur auf in den Stein geschlagenen gewundenen Wegen. 1902 erbaute man die Hängebrücke und acht Jahre später das Haus, in das ein reicher, exzentrischer Mann einzog, der gern nachts auf seiner Orgel spielte.
Der nächste Bewohner des felsigen Eilands war Alexander Lodge, der als Erfinder der Zündkerze gilt. Er wurde mehrere Male von einem anderen „Erfinder“ besucht, dem des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, von Sir Arthur Conan Doyle. Dann wechselte der bewohnte Felsen weitere Male den Besitzer, wurde in ein Teehaus umfunktioniert und im Jahr 2001 von Richard Long, 4th Viscount Long, einem Mitglied des Oberhauses übernommen, der hier zwölf Jahre zusammen mit seiner Frau lebte, bis es den beiden zu mühsam wurde, ihr Domizil zu erreichen; außerdem hatten sie die Nase voll von den vielen lauten Strandparties, die sich unterhalb ihres Anwesens abspielten.

Das House in the Sea wurde verkauft und in ein Ferienhaus umgewandelt, das in der Hauptsaison von der Firma Boutique Retreats für rund £4590 pro Woche zu mieten ist, im Winterhalbjahr ist das Haus für £1989 zu haben. Sechs Erwachsene finden hier Platz, es gibt drei Schlafzimmer, darunter den Master Bedroom, der mit einem Himmelbett ausgestattet ist.

Wer möchte, kann auf dem House in the Sea eine Fahne hissen, um zu signalisieren, dass der Felsen/die Insel besetzt ist, und der Eingang zur Hängebrücke lässt sich auf der Landseite absperren, um sicher zu stellen, dass keine ungebetenen Gäste die Urlaubsruhe stören.

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Pontins Holiday Parks – Eine aussterbende Spezies?

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1936 gründete der Unternehmer Billy Butlin in Skegness (Lincolnshire) einen Ferienpark, der es Familien mit einem nicht allzu großen Einkommen ermöglichen sollte, dort eine Zeit lang Urlaub zu machen. Es folgten weitere Anlagen, von denen heute noch die in Skegness und die in Minehead (Somerset) und Bognor Regis (West Sussex) übriggeblieben sind. Viele mussten geschlossen werden, da sich das britische Urlaubsverhalten geändert hatte und der Reiz, lieber mit einer Billig-Fluglinie nach Südeuropa zu reisen und dort bei garantiert schönem Wetter seine Ferien zu verbringen, deutlich stärker geworden war.

Zehn Jahre nach der Gründung der Butlin Holiday Camps eröffnete Fred Pontin (1906-2000) eine nach ähnlichem Prinzip aufgebaute Anlage in Brean Sands bei Weston-super-Mare in der Grafschaft Somerset; weitere 29 sollten folgen. Die Familien amüsierten sich in den Pontins Camps, es gab bunte Unterhaltungsprogramme, das Meer lag immer gleich nebenan.

Doch wie die Butlins-Ferienanlagen hatten auch die von Pontins mit der geänderten Urlaubskultur der Inselbewohner zu kämpfen, die Belegungszahlen gingen zurück und so wurde die Firma immer wieder an andere Gesellschafter verkauft. Die Großbrauereien Bass und Scottish & Newcastle versuchten sich daran, stießen Pontins aber bald wieder ab. Viele der Anlagen mussten geschlossen werden, übriggeblieben sind heute noch ganze sechs, die in Brean Sands gibt es noch und dann jeweils eine in Camber Sands (East Sussex), Pakefield (Suffolk), Prestatyn Sands (Nord-Wales), Sand Bay (Somerset) und Southport (Merseyside).

Geschlossen wurden die Pontins Holiday Parks u.a. in Blackpool, Hemsby (Norfolk), St Mary’s Bay bei Brixham (Devon) und Middleton in Lancashire. Zurück blieben langsam vor sich hin rottende Gebäude, die dann irgendwann einmal abgerissen wurden; ein trauriger Anblick wie die Fotos unten zeigen.

Wie es in einem Pontins heute zugeht, zeigt dieser Film am Beispiel der Ferienanlage in Pakefield.

Das Buch zum Artikel:
Peter Willsher: Fred Pontin – The Man & His Business. The Authorised Biography of Sir Fred Pontin. St David’s Press 2002. 350 Seiten. ISBN 978-1902719221.

Die Pontins in Camber Sands.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pontins Holiday Park in Camber Sands (East Sussex).
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So sah die aufgegebene Anlage in Blackpoll aus, bevor sie abgerissen wurde.   © Copyright Terry Robinson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

So sah die aufgegebene Anlage in Blackpool aus, bevor sie abgerissen wurde.
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Die traurigen Ruinen des Feriencamps in Middleton (Lancashire).   © Copyright Ian Taylor and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die traurigen Ruinen des Feriencamps in Middleton (Lancashire).
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...und so sah die Ferienanlage in St Mary's Bay in Devon einige Zeit nach der Schließung aus.   © Copyright David Williams and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und so sah die Ferienanlage in St Mary’s Bay in Devon einige Zeit nach der Schließung aus.
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Published in: on 3. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Silvesterfeier in einem Londoner Dinosaurier im Jahr 1853

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.
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„Der Iguanodon („Leguanzahn“) ist eine zur Gruppe der Ornithopoda gehörende Gattung der Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit und der größte und bekannteste Vertreter der Iguanodontidae“. So steht es in der Wikipedia zu lesen und in genau so einem Tier, d.h. natürlich nicht in einem lebenden, sondern in einem Modell, fand am 31. Dezember 1853 eine spektakuläre Silvesterfeier statt, an der 22 hochrangige Akademiker, Investoren und Zeitungsleute teilnahmen. Eingeladen zu der Feier hatte Benjamin Waterhouse Hawkins (1807-1894), ein Bildhauer und Naturwissenschaftler, der u.a. auch dadurch berühmt geworden war, dass er im Park des Crystal Palace in Sydenham, einem Stadtteil Londons, große Plastiken von Dinosauriern aufgestellt hatte. Zusammen mit dem Zoologen Richard Owen, der auch zu der Party eingeladen war, hatte Hawkins 33 dieser Urzeittiere gebaut und in dem Park zur Schau gestellt. Um dieses Ereignis zu feiern, kam man hier am Silvesterabend des Jahres 1853 in dem Inneren eines Iguanodon-Modells zu einem mehrgängigen Diner zusammen und ließ es sich gut gehen. Hawkins hielt eine kurze Rede und stellte darin sein Projekt mit den Saurierplastiken vor. Je später der Abend wurde, umso lauter und feucht-fröhlicher soll es da im Iguanodon zugegangen sein.

Werfen wir einen Blick auf die Speisenfolge, die ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:

  • Als Suppe stand unter anderem Mock Turtle Soup auf der Karte
  • Beim Fischgang konnte man zwischen Steinbutt und Weißfisch wählen
  • Als Nächstes folgte eine Auswahl an Truthahn, Hühnchen, Taube und Schinken
  • Dann wurden die Hauptgänge serviert: Hammel, Rebhuhn, Seezunge, Fasan, Schnepfe
  • Zum Dessert gab es zum Beispiel Kalte Charlotte, Buisson de Meringue aux Confiteur, Nougat à la Chantilly sowie Obst aller Art wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Haselnüsse, Mandeln und Rosinen.
  • Als Getränke wurden Sherry, Madeira, Weißwein von der Mosel und Rotwein aus Bordeaux gereicht.

Die Herren müssen nach diesem gewaltigen Abendmahl wohl mehr oder weniger schwankend mit vollen Mägen aus dem Saurier gestiegen und nach Hause gewankt sein.

Diesen Iguanodon und seine vielen Geschwister kann man noch heute im Crystal Palace Park im Südosten von London bestaunen; dieser Film zeigt einige der beeindruckenden Skulpturen.

Das Buch zum Artikel:
Barbara Kerley: The Dinosaurs of Waterhouse Hawkins. Scholastic Press 2002. 48 Seiten. ISBN 978-0439114943.

 

Grimsby (Lincolnshire) – Die Stadt der glücklichen Lottogewinner

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Zu den attraktivsten Städten Englands gehört Grimsby an der Küste von Lincolnshire sicher nicht. Die Band KLF zählte sie in ihrem Song „It’s Grim Up North“ mit auf und die Online-Platform „I Live Here UK“ bezeichnete Grimsby in diesem Jahr als „The Worst Place To Live„. Noch immer ist der Hafen der Stadt am River Humber der größte in Großbritannien, obwohl die Fischereiindustrie stark zurückgegangen ist. Zahlreiche Unternehmen der nahrungsmittelverarbeitenden Industrie haben sich hier jetzt niedergelassen, so dass man schon von „Europe’s Food Town“ spricht. Also: Wohnen möchte man hier nicht unbedingt…

ABER: Die Bewohner von Grimsby und Nordost-Lincolnshire haben eine 25x größere Chance in der National Lottery zu gewinnen als alle anderen Briten. Es gingen seit 1994 so viele hohe Gewinne in die Region, dass die Stadt vom Grimsby Evening Telegraph als Winsby bezeichnet wurde. Aber nicht nur Gewinne der Staatlichen Lottogesellschaft gingen in die Hafenstadt, es gibt auch zahlreiche andere Lotterien, deren Gewinner hier wohnen.
So hatte eine Ehepaar aus Grimsby einmal aus Kostengründen eine Woche nicht Lotto gespielt und prompt wurden ihre Zahlen gezogen; £8.5 Millionen gingen ihnen durch die Lappen. Doch unverzagt spielten sie weiter…und gewannen sechs Jahre später tatsächlich fast £5 Millionen. Die Chancen, dass die sechs Zahlen eines Lottopielers zweimal gezogen werden, liegen im Unendlichen.

Es sprach sich bald herum, dass in den Lottoannahmestellen in Grimsby die Tippscheine besonders erfolgreich zu sein scheinen, und so kamen die Leute auch aus den umliegenden Dörfern und Städten hierher, um ihr Glück zu versuchen und bei einigen klappte es tatsächlich. Nach Louth, einige Kilometer südlich von Grimsby an der A16 gelegen, gingen im Jahre 2005 gleich zwei hohe Gewinne: £14 Millionen und £3 Millionen.

Eine Zeit lang stand an der Zufahrt zu Grimsby von der Autobahn M180 aus ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to Winsby“. Bis zum heutigen Tag hält das Lotterieglück hier tatsächlich an. Erst vor ein paar Wochen gingen drei Gewinne der People’s Postcode Lottery in die Stadt, jeweils £1,000, nicht allzuviel, aber immerhin.

Published in: on 28. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mangold Hurling – Ein Herbstvergnügen in Somerset und Wiltshire

Zuerst einmal: Mangold Hurling, eine Art Boulespiel mit Mangold, kann gefährlich sein, so steht es jedenfalls auf den Webseiten der Mangold Hurling Association. Bekommt man eine fehlgeleitete Mangold an den Kopf, so kann das zu schweren Verletzungen führen. Von einem Todesfall bei diesem alljährlich im Oktober stattfindenden Spiel ist allerdings glücklicherweise nichts bekannt.

Die zur Gattung der Rüben zählende Pflanze wird für das Spiel eingesetzt, das besonders in Somerset und Wiltshire sehr beliebt ist.
Und so geht es: Die Teilnehmer werfen von einer festgelegten Entfernung aus ihre Mangolds in Richtung der „Zielrübe“, die „Norman“ genannt wird. Wer am nächsten dran ist, hat gewonnen; also ganz einfach.

Manchmal werden Schafe als Wachpersonal für die zum Wettbewerb vorgesehenen Mangolds eingesetzt, die aufpassen sollen, dass die Rüben nicht manipuliert werden. Wenn sich jemand Unbefugtes nähert, geben die Wächterschafe ein sehr laues „Mäh“ von sich; dafür sind sie extra trainiert worden. Der Nachteil: Manchmal fressen die hungrigen Vierbeiner die Blätter der Rüben weg, wodurch die Wurfgeschosse unbrauchbar sind, denn das Grün der Rüben dient auch als eine Art Fallschirm beim Wettbewerb.

Dieser Film zeigt wie es beim Mangoldwerfen zugeht.

Christmas in England 2016: Weihnachten in Buckinghamshire

Das weihnachtliche Waddesdon Manor.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das weihnachtliche Waddesdon Manor.
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Welche vorweihnachtlichen Aktivitäten gibt es in meiner Lieblings-Grafschaft Buckinghamshire? Hier ist ein kleiner Überblick:

Wie in jedem Jahr ist auch dieses Mal wieder das Waddesdon Manor nördlich von Aylesbury einer der schönsten dekorierten Orte im County. Bei Einbruch der Dunkelheit wird das an ein französisches Schloss erinnernde Gebäude illuminiert. „Sparkling Christmas“ ist vom 9. November bis zum 2. Januar zu sehen. Der Künstler Bruce Munro hat auch im Jahr 2016 mit seinem „Field of Light“ für die Lichtinstallationen im Garten gesorgt und vom 16. November bis zum 11. Dezember findet im und außerhalb des Manors ein Weihnachtsmarkt statt.

Sehr märchenhaft geht es auch im Hughenden Manor zu, dem einstigen Wohnsitz von Benjamin Disraeli, wo die Räumlichkeiten nach Motiven der Grimmschen Märchen dekoriert sind. „A Fairy Tale Christmas“ öffnet am 1. Dezember seine Pforten und kann bis zum 20. Dezember besichtigt werden. Am 6., 15. und 20 Dezember gibt es hier einen Vortrag zu hören, der den Titel „Dark History of Fairy Tales“ trägt und sich an Erwachsene wendet. Alle anderen Aktivitäten im Haus sind aber sehr gut für Kinder geeignet.

Am 14. Dezember ist die Innenstadt der New Town von Beaconsfield von 18 Uhr bis 20.30 Uhr für den Verkehr gesperrt, weil dann dort das Festival of Lights inszeniert wird, bei dem man sich mit Weihnachtsgeschenken eindecken kann. Begleitet wird das Late Night Shopping von einem Laternenumzug, Dudelsackmusik und einer Lasershow.

Am 24. November wird in Marlow an der Themse die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet und niemand Geringeres als Mary Berry wird das in diesem Jahr tun, die außerordentlich populäre Jurorin der TV-Serie „The Great British Bake Off“. Um 17.30 Uhr geht es los und für die Zeremonie wird die High Street komplett gesperrt.

Bereits am 17. November fand das „Switch On“ der Weihnachtsbeleuchtung auf dem Marktplatz von Aylesbury statt, vorgenommen von Michelle Collins, die zurzeit im Waterside Theatre der Stadt in der Panto „Aladdin“ mitspielt.

Ein wichtiger Tag in der Vorweihnachtszeit in Buckingham ist der 10. Dezember, denn dann findet hier die Christmas Parade statt, bei der dekorierte Umzugswagen und Blaskapellen zu sehen und zu hören sind. Hier sind einige Bilder von der Parade des Vorjahres.

Auf der Manor Farm in Haddenham (wo mehrere Episoden der TV-Serie „Inspector Barnaby gedreht wurden, ich berichtete in meinem Blog darüber) ist schon seit dem 3. November in der Tythe Barn, einer alten Scheune aus dem 15. Jahrhundert, ein Weihnachtsmarkt untergebracht, der jeweils donnerstags bis sonntags bis zum 18. Dezember geöffnet hat und wo es Geschenke und weihnachtliche Dekorationen zu kaufen gibt.

Christmas at The Railway“ ist für alle gedacht, die ein Herz für alte Eisenbahnen haben. Das Buckinghamshire Railway Centre in Quainton führt vom 26. November bis zum 18. Dezember an den Wochenenden Dampflokfahrten durch, bei denen Father Christmas zugegen ist und Thomas the Tank Engine die Waggons schleppt.

Die High Street von Marlow mit Weihnachtsgirlanden.   © Copyright Scriniary and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Marlow mit Weihnachtsgirlanden.
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Published in: on 23. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Ziferblat Lokale – Hier ist alles kostenlos, nur die Zeit nicht

In Liverpool gibt es zwei, in London und Manchester je eines; die Rede ist von den Ziferblat-Lokalen, die eine ganz besondere Art des Bezahlens haben. Hier kostet nur die Zeit etwas, die man in den Lokalen verbringt und zwar zwischen fünf und acht Pence die Minute, alles andere ist kostenlos, der Kaffee, der Kuchen, die Kekse, die Cerealien, das W-LAN. Man trifft sich in den Ziferblat-Lokalen zum Klönen, zum Chillen, zum Musikhören, zum Spielen, zum Leute treffen, man arbeitet an Laptops und und und. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, man spült seine benutzten Teller und Tassen und fühlt sich einfach entspannt und wohl. Jeder bekommt beim Betreten eines Ziferblat-Lokals eine Uhr, die er/sie vor dem Verlassen wieder abgibt und bezahlt dann für die Zeit, die er/sie hier verbracht hat oder man bezahlt im voraus für die Zeit, die man hier verbringen möchte. Keine schlechte Idee, die der Russe Ivan Meetin da im Jahr 2011 in Moskau entwickelt hat. Inzwischen gibt es 14 Ziferblat-Lokale, außer in Russland auch in der Ukraine, in Slowenien und eben in England.

In Liverpool stehen die beiden Etablissements am St Paul’s Square und am Albert Dock, in Manchester in der Edge Street und in London in der Old Street in Shoreditch. Diese beiden Filme zeigen wie es im Londoner Ziferblat und im Manchester Ziferblat zugeht.

 

Published in: on 20. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Christmas in England 2016: Käthe Wohlfahrts Weihnachtsladen in York

Yorks Christmas Shop.   © Copyright Paul Harrop and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es ist zwar noch einige Wochen hin bis zu den Weihnachtstagen, aber in England bereiten sich schon viele auf das Fest vor. Weihnachtsmarktbesuche werden geplant, Festessen in Pubs und Hotels gebucht und über Geschenke nachgedacht. Bis zum 24. Dezember werde ich in loser Reihenfolge über die Weihnachtsaktivitäten auf der Insel berichten.

Seit Mitte des Jahres gibt es in York einen Weihnachtsladen von Käthe Wohlfahrt, dem ersten in Großbritannien. Überall dort, wo viele Touristen zusammenkommen, vor allem die aus den USA und dem Fernen Osten, findet man die ganzjährig geöffneten Läden wie in Rothenburg ob der Tauber, in Oberammergau, Heidelberg, Rüdesheim, Berlin, Brügge in Belgien und Riquewihr im Elsass, um nur einige zu nennen. Auch in den Sommermonaten, wenn es eigentlich niemandem weihnachtlich zumute ist, werden bei Käthe Wohlfahrt Christbaumkugeln, Nussknacker und Räuchermännchen verkauft und das bei „Stille Nacht“ und brennenden Weihnachtsbäumen.

In York wurde der Laden in der Straße Stonegate Nummer 17, also mitten im Zentrum der historischen Altstadt, eröffnet und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Umgebung passt sehr gut, in der schmalen Straße befinden sich einige hübsche Gebäude, in denen zum Beispiel der Punchbowl Pub, der Ye Olde Starre Inne, Betty’s Café Tea Rooms untergebracht sind. Das meiner Ansicht schönste Haus ist aber das, in dem seit August diesen Jahres Käthe Wohlfahrts Christmas Shop Unterschlupf gefunden hat und das Mulberry Hall heißt. 1434 wurde es errichtet, so steht es auf einem kleinen Schild über der Eingangstür.
Bis Anfang des Jahres konnte man in dem Haus Porzellan kaufen, leider musste der Inhaber sein Geschäft schließen, es war eine Institution in York und das seit fast sechzig Jahren. Man befürchtete, dass ein weiteres Restaurant, eine Bar oder irgendein Kettenladen in die Mulberry Hall einziehen würde, doch dann wurde der Eigentümer der Käthe Wohlfahrt-Läden, Harald Wohlfahrt, auf den Leerstand aufmerksam und entschloss sich, seine erste britische Filiale hier zu eröffnen.

Jetzt in der Vorweihnachtszeit dürfte die Kasse in der Stonegate 17 besonders laut klingeln.

Mulberry Hall, das schöne Fachwerkhaus in Yorks Stonegate.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mulberry Hall, das schöne Fachwerkhaus in Yorks Stonegate.
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Published in: on 18. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Scream Parks und Zombiejagden – Das etwas andere Freizeitvergnügen in England

Hier in den ehemaligen Werkshallen der Firma Stanley Tools in Sheffield finden jetzt die Zombiejagden statt.   © Copyright Terry Robinson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in den ehemaligen Werkshallen der Firma Stanley Tools in Sheffield finden jetzt die Zombiejagden statt.
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Eigentlich gibt es ja genügend Spukorte in England,  an denen man sich so richtig schön gruseln kann. Eine ganze Reihe von Beispielen habe ich in meiner entsprechenden Blogkategorie im Laufe der Jahre aufgeführt. Aber das scheint einigen noch immer nicht zu reichen, denn sonst hätte man nicht so viele zusätzliche künstliche Gruselstätten im Lande errichtet. Ich denke da zum Beispiel an die Dungeons in London und York; aber diese Etablissements werden alle überboten von Zombieabschuss-Installationen und sogenannten Scream Parks, in denen es so richtig zur Sache geht. Sicher nicht jedermanns Geschmack. Hier sind einige Beispiele:

Zombie Experiences nennen sich 15 über England verteilte Orte, in denen es darum geht, Zombies, die die Herrschaft übernommen haben, zu vernichten. Da ist The Factory in Sheffield, eine Ansammlung von Gebäuden, in denen einmal eine Werkzeugfabrik untergebracht war. In diesen Werkshallen muss man die dort versteckten Zombies aufspüren und töten. Ähnliches erwartet den Zombiejäger im Asylum in Liverpool und im Boot Camp in Droitwich Spa (Worcestershire).

Das gleiche System findet man bei Zombie Uprising in den Barracks in Stockport bei Manchester und im District 26 in Chesterfield (Derbyshire). Auch dort gilt es, möglichst viele Zombies zu erlegen. Wie dieser „Spaß“ aussieht, zeigt dieser Film. Falls jemand noch ein passendes Weihnachtsgeschenk sucht: Ein Gutschein für das zweifelhafte Vergnügen kostet £50.

In den sogenannten Scream Parks geht es nicht weniger zimperlich zu. Auch im Scream Park UK in Manchester spielen die unvermeidlichen Zombies wieder eine besondere Rolle. In dem in der Event City untergebrachten Gruselpark findet man Geisterbahnen und andere „thrill rides“. Hier ist eine kleine Kostprobe.

Auf Mrs Dowsons Farm an der Longsight Road, der A59, nördlich von Blackburn (Lancashire) ist der Scare Kingdom Scream Park untergebracht. Dort wird man zum Beispiel mit gruseligen Häusern wie 666 Brimstone Place, Manormortis und The House of Gaunt konfrontiert. Hier ist ein Vorgeschmack (Vorsicht! Nichts für Zartbesaitete!).

Bei Melton Mowbray in Leicestershire im Twinlakes Park liegt der Xtreme Scream Park, der sechs Spukhäuser und gruselige Irrgärten zu seinen Attraktionen zählt. Extrem unappetitlich ist The Pie Factory (Melton Mowbray ist die Stadt der Pies).

Ich bin selbst absolut kein Freund dieser Art von Freizeitvergnügen, aber alles, was mit Gruseligem und Geisterhaftem zu tun hat, ist nun mal in England äußerst populär. Mir reichte einmal ein Besuch in einem Wachsfigurenkabinett in York, in dem man in einem stockdunklen Raum mit einem schwammigen unebenen Fußboden mit allen möglichen schauerlichen Dingen konfrontiert wurde…und das inmitten einer kreischenden Teenager-Mädchenklasse.

Published in: on 17. November 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Illuminationen Teil 2: Die Blackpool Illuminations und das Switch On

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Blackpool an der englischen Nordwestküste ist ein Mekka für Vergnügungssüchtige, die sich auf die „englische Art“ amüsieren möchten, also in Spielhallen, auf Achterbahnen und so weiter. Es ist ein Lieblingsziel für Hen- und Stag Parties, es gibt unzählige kleine Pensionen, B&Bs und Hotels…und es gibt die Blackpool Illuminations, die jedes Jahr im Herbst Menschenmassen anziehen. Auf einer Strecke von zehn Kilometern sind diese Lichtanlagen an der Strandpromenade installiert, die man sich zu Fuß ansehen kann (was wohl die wenigsten tun), vom Auto, vom Bus oder von einer der Straßenbahnen aus, die die Promenade entlangfahren.

Es ist schon ein gewaltiges Spektakel, das mittlerweile fast £2 Millionen kostet, aber die Menschen, die extra deswegen herkommen, geben eben auch viel Geld in der Stadt aus. In diesem Jahr werden die Lichter heute am 6. November abgeschaltet, dann wird es wieder etwas dunkler in Blackpool.

Ein großes Ereignis ist jedes Jahr das sogenannte Switch On, wenn ein Prominenter die Illuminations startet. 1934 ereignete sich das zum ersten Mal und der Auserwählte war damals Edward George Villiers Stanley, 17th Earl of Derby, Kriegsminister in der Zeit von Georg V.

Es folgte eine bunte Kette von V.I.P.s, von denen ich hier einige erwähnen möchte:

1951 startete die Fußballlegende Sir Stanley Matthews das Switch On.
1959 war es die berühmte amerikanische Film-Blondine Jayne Mansfield.
1969 flog ein Bomber des Typs English Electric Canberra tief über dem Strand und der Promenade und eröffnete die Illuminationen.
1977 war es das berühmte Pferd Redrum, das den Grand National dreimal gewann.
1979 kam Kermit der Frosch mit seinen Muppets-Kollegen nach Blackpool und hatte die Ehre des Switch Ons.
1984 war es Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Johannes Rau, der den Hebel umlegte, um die Lichterschau zu starten. Er kam damals als Vertreter von Blackpools Partnerstadt Bottrop.

In den 1990er Jahren waren es hauptsächlich Musiker wie Lisa Stansfield (1992), Status Quo (1993), Shirley Bassey (1994), die Bee Gees (1995), die Girl Group Eternal (1996), Michael Ball (1997), Chris de Burgh (1998) und Gary Barlow (1999).

Im Jahr 2008 holte man für den Akt die Top Gear-Moderatoren Jeremy Clarkson und Richard Hammond und The Stig, der natürlich nicht fehlen durfte.

In diesem Jahr engagierte man die Schauspielerin Barbara Windsor, um die Illuminationen eröffnen, die man aus vielen Carry-On-Filmen der 1960er und 1970er Jahren kennt und als Peggy Mitchell aus der Seifenoper EastEnders. Hier ist ein Film über die „Hebel-Umlegung“.

Dieser Film zeigt eine Fahrt durch die diesjährigen Illuminationen.

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The ArcelorMittal Orbit Slide – Die höchste und längste Rutsche der Welt im Londoner Queen Elizabeth Olympic Park

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Jetzt hat London eine weitere Attraktion, die allerdings nur für wagemutige Leute von Interesse ist: The ArcelorMittal Orbit Slide. Den eigenartig gestalteten Turm mit dem Namen ArcelorMittal Orbit, der seit den Olympischen Spielen 2012 im Londoner Queen Elizabeth Olympic Park steht, ist sicher weitgehend bekannt. Londons damaliger Bürgermeister Boris Johnson legte Wert darauf, neben dem Olympiastadion eine ins Auge fallende Attraktion zu errichten, und das wurde dieser Turm, den der indische Unternehmer und Milliardär Lakshmi Mittal weitestgehend finanzierte und der dafür nach seinem Stahlkonzern ArcelorMittal benannt wurde. Sir Anish Kapoor war für den Entwurf des Kunstwerks verantwortlich, von dessen Aussichtsplattformen man einen wunderbaren Blick auf London hat.

Um dieses Gebäude attraktiver zu machen (die Eintrittskosten brachten nicht das erhoffte Geld ein und der Turm entwickelte sich zu einem Zuschussgeschäft), wurde der belgische Installationskünstler Carsten Höller damit beauftragt, eine Rutsche rund um den Turm zu bauen. Die Auftraggeber entschieden sich für diesen Künstler, da Höller im Jahr 2006 in der ehemaligen Turbinenhalle der Londoner Tate Gallery etwas Ähnliches geschaffen hatte: The Test Site.

Seit dem 24. Juni ist The ArcelorMittal Orbit Slide für die Öffentlichkeit freigegeben und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Es ist mit 178 Metern die längste und höchste Rutsche der Welt, die sich zwölfmal um den Turm herumwindet. Es dauert 40 Sekunden bis man wieder festen Boden unter den Füßen hat und es erfordert schon etwas Mut, sich ganz oben in den Einstieg der Rutsche zu begeben und sich von dort der Schwerkraft zu überlassen. Obligatorisch für alle Rutschenbenutzer sind Helm und Ellenbogenpolster; man liegt in einer Art Wanne, atmet einmal tief durch…und dann kann die Fahrt losgehen. Dieser Film zeigt die Fernsehmoderatorin Ferne McCann, die die Rutsche einmal getestet hat.

Wer die Orbit Slide ausprobieren möchte, der muss dafür £15 bezahlen (Eintritt zum Tower und Rutsche);  Studenten und Senioren zahlen £12, Kinder zwischen 8 und 16 Jahren £10. Die Turmbesichtigung ohne Rutsche kostet £10/£7/£5. Die Öffnungszeiten: Wochentags von 11 Uhr bis 17 Uhr, am Wochenende 10 Uhr bis 19 Uhr, wobei die Rutsche erst 30 Minuten nach Turmöffnung in Betrieb genommen wird.

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Pipedown oder Der Kampf gegen die musikalische Umweltverschmutzung

Hier herrscht seit kurzem wohltuende Ruhe: In allen Marks&Spencer-Filialen verzichtet man jetzt auf Hintergrundmusik.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier herrscht seit kurzem wohltuende Ruhe: In allen Marks&Spencer-Filialen verzichtet man jetzt auf Hintergrundmusik.
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Als ich gestern in einem Restaurant frühstückte, lief im Hintergrund die Musik eines Rundfunksenders. Beim anschließenden Einkauf in einem Supermarkt war es das gleiche, auch hier wurde man mit Musik berieselt bzw. belästigt. Angeblich sollen sich ja Kunden in Geschäften mit Hintergrundmusik wohler fühlen und mehr einkaufen, doch ist das wirklich so?

The Pipedown Campaign for Freedom from Piped Music“ kämpft schon seit 1992 gegen diese Form der musikalischen Umweltverschmutzung, mit Erfolg. Umfragen und Untersuchungen der BBC, der Sunday Times und der Universität von Cardiff haben ergeben, dass die meisten Menschen beim Einkauf keine Musikberieselung haben möchten. Dass Kunden in Läden mit Hintergrundmusik mehr einkaufen, scheint auch nicht zu stimmen, denn Supermarktketten wie ALDI, LIDL und Waitrose verzichten darauf und haben keine Umsatzprobleme.

Der erste Erfolg von Pipedown geht auf das Jahr 1994 zurück, als der Flughafen von Gatwick eine Umfrage unter den Reisenden durchführte, die mehrheitlich dafür stimmten, die Hintergrundmusik in den Abfertigungshallen einzustellen, was die Flughafenverwaltung dann auch tat. Weiterhin konnte Pipedown Sainsbury und Tesco davon überzeugen, keine Musik in ihren Läden abzuspielen. Auch die Buchhandelskette Waterstones verzichtet in den meisten Filialen darauf und lässt ihre Kunden in Ruhe ihre Bücher aussuchen. Der jüngste Erfolg der Pipedown-Mitglieder: Ab Mitte diesen Jahres ließen sich die Verantwortlichen von Marks&Spencer schließlich davon überzeugen, dass die sogenannte „piped music“ in ihren Filialen nicht erwünscht ist.

Pipedown hat eine ganze Reihe prominenter Unterstützer, von denen einige aus dem Musikgeschäft kommen wie zum Beispiel der Dirigent und Cellist Julian Lloyd Webber, der Pianist Alfred Brendel und der Dirigent Simon Rattle. Auch die Schauspieler Stephen Fry und Joanna Lumley unterstützen öffentlich die Pipedown-Kampagne, die auf eine Initiative des Umweltaktivisten Nigel Rodgers zurückgeht.

In Deutschland gibt es eine vergleichbare Kampagne, die sich „Lautsprecheraus e.V. – Pipedown Deutschland“ nennt und die auch von Prominenten unterstützt wird wie Ranga Yogeshwar, Dieter Hallervorden und Justus Frantz.

Mit dem Thema Lärm in unserer Gesellschaft und die Bedeutung der Stille beschäftigt sich der Dokumentarfilm „In Pursuit of Silence“ des Regisseurs Patrick Shen, der in diesem Monat in die Kinos Großbritanniens kam. Hier ist der Trailer.

John Cage setzte einmal die musikalische Stille in einem seiner Werke ein, das „4’33““ heißt und in dem nur 4 Minuten und 33 Sekunden Stille zu hören sind.

 

Published in: on 29. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Der Jubilee Pool in Penzance (Cornwall) – Ein nasses Vergnügen seit 1935

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Im Süden Londons gibt es den Tooting Bec Lido und den Brockwell Lido, Cheltenham freut sich über seinen Sandford Parks Lido und Plymouth über den Tinside Pool. Alle diese großen Freibäder, die in England Lido genannt werden, haben eines gemeinsam: Sie standen alle schon einmal vor dem Aus, wurden aber durch die Initiative einiger tatkräftiger Menschen gerettet und erfreuen sich noch heute bzw. heute wieder im Sommer großer Beliebtheit.

Auch der Jubilee Pool in Penzance in Cornwall durchlebte einige Phasen dieser Existenzunsicherheit. Im Mai 1935 an der Battery Road direkt am Meer eröffnet, zeichnet sich dieser im Art Déco-Stil erbaute Lido durch seine ungewöhnliche dreieckige Formgebung aus. Er ist der größte Salzwasser-Pool in ganz Großbritannien mit einer Ausdehnung von 100×73 Meter an den jeweiligen Achsen. Über fünfzig Jahre war der Jubilee Pool in Betrieb, dann zeigten sich bauliche Probleme und die Zukunft sah gar nicht mehr so gut aus. Glücklicherweise nahm sich ein ehemaliger Architekt des Schwimmbades an, gründete die Jubilee Pool Association, ereichte es, dass der Lido unter Denkmalschutz gestellt wurde und trieb so viel Geld auf, dass er wiederhergestellt werden konnte. 1994 nahm das Freibad seinen Betrieb wieder auf.

Im Februar 2014 geriet der Jubilee Pool erneut in Schwierigkeiten. Schwere Stürme fegten in diesem Monat über den Südwesten Englands hinweg und zerstörten große Teile der Anlage, die daraufhin geschlossen werden musste. Wieder begann man in Penzance für die Reparaturarbeiten Geld heranzuschaffen und der Coastal Communities Fund, der Penzance Town Council, The Friends of Jubilee Pool und andere Organisationen brachten die erforderlichen Mittel auf. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte der Jubilee Pool am 28. Mai in diesem Jahr erneut eröffnet werden wie dieser Film zeigt.

Am 11. September wurde die Saison 2016 beendet. Hoffen wir, dass die Herbst- und Winterstürme in diesem Jahr gnädig mit dem Jubilee Pool umgehen.

Der Jubilee Pool nach der Wiedereröffnung 2016.   © Copyright Roy Hughes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Jubilee Pool nach der Wiedereröffnung 2016.
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Die kleinste Konzerthalle der Welt in Snape (Suffolk)

Die rote Telefonzelle vor dem Besucherzentrum.   © Copyright Roger Cornfoot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die rote Telefonzelle vor dem Besucherzentrum.
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Über die Verwendung ausgedienter Telefonzellen zu anderen Zwecken habe ich in meinem Blog gelegentlich geschrieben. Da gibt es eine Mini-Bibliothek, eine Mini-Kneipe oder eine Defibrillator-Station, die in ehemaligen roten Telefonzellen untergebracht worden sind. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

In Snape in Suffolk, dort wo der berühmte Kunstkomplex Snape Maltings steht, gibt es eine in die kleinste Konzerthalle der Welt umfunktionierte Telefonzelle. Snape Maltings ist dafür bekannt, dass der Komponist Benjamin Britten sein 1948 ins Leben gerufenes Aldeburgh Festival seit 1968 hier in den Gebäuden einer ehemaligen Mälzerei abhält. Die Konzerthalle wurde im Jahr davor von der Queen höchstpersönlich eröffnet. Seitdem treten regelmäßig namhafte Künstler aus der ganzen Welt am Ufer des River Alde auf.

Die vor dem Eingang des Besucherzentrums stehende Telefonzelle diente ursprünglich dazu, von hier aus Eintrittskarten in dem einige Kilometer entfernten Ticketbüro zu bestellen, doch im Zeitalter des Mobiltelefons benötigte man sie nicht mehr. So kam man im vorigen Jahr auf die Idee, dort einen Mini-Konzertsaal zu installieren, der aus einem Headset besteht, über das man eine Aufführung des Orchesterwerks „The Sea“ hören kann, das der englische Komponist Frank Bridge 1910 geschrieben hat. Doch man kann das Werk, das vom BBC Symphony Orchestra gespielt wird, nicht nur hören, sondern über das Headset auch sehen und sogar über Kopfbewegungen die Perspektive verändern, und das in einem Winkel von 360°. Wer will, kann so dem Dirigenten Martyn Brabbins genau auf die Finger schauen oder einen Blick in den Zuschauerraum werfen; jeder ist sein eigener Kameramann. Zweck dieser Einrichtung, ist, dass auf diese Weise das Interesse an den musikalischen Aufführungen geweckt wird, also Werbung in eigener Sache.

Hier ist Frank Bridges „The Sea“ so zu hören und zu sehen wie in der Telefonzelle und steuern kann man die Kamera auch.

Die "richtige" Konzerthalle von Snape Maltings.   © Copyright Chris Allen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „richtige“ Konzerthalle von Snape Maltings.
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Published in: on 13. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Totnes (Devon), Sir Francis Drake und das jährlich stattfindende Orangen-Rennen

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Die spinnen, die Engländer, würde Asterix sagen: Die einen rennen hinter Käselaibern her wie in Gloucestershire am Cooper’s Hill, die anderen hinter Orangen wie in Totnes in Devon. Über Totnes als Großbritanniens erste Transition Town habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Jedes Jahr im August organisiert hier die Totnes Elizabethan Society die Orange Races, bei denen es darauf ankommt, eine Orange so schnell wie möglich ins Ziel zu bringen, ohne dass man sie in die Hand nimmt und trägt. Die Schauplätze für die Rennen sind die High Street und die Fore Street. Sieger ist derjenige, der seine noch halbwegs intakte Apfelsine über die Ziellinie bringt, wobei man nie sicher sein kann, ob es sich dabei noch um dieselbe Frucht handelt, mit der man gestartet ist.

450 Meter lang ist der Parcours vom Market Place bis zum Royal Seven Stars Hotel, den die Erwachsenen zurücklegen müssen, die Kinder haben eine kürzere, nicht so steile Strecke zu bewältigen. Nachdem alle Teilnehmer ihre Orangen ins Ziel gebracht haben, gibt es anschließend noch ein Auktion, deren Erlös wohltätigen Zwecke zugute kommt, und darauf folgt die Siegerehrung in den einzelnen Altersklassen.

Wo kommt dieser Brauch denn eigentlich her? Die Legende sagt, dass in den 1580er Jahren der berühmte Seefahrer Sir Francis Drake bei einem Besuch in Totnes mit einem Jungen zusammenstieß, der gerade Orangen auslieferte. Da zu dieser Zeit Orangen sehr teuer und begehrt waren, rannten der verzweifelte Auslieferungsjunge und die Kinder, die das kleine Unglück mitbekamen, die steile High Street hinunter, um die Zitrusfrüchte wieder einzusammeln. Sir Francis als Verursacher des Dramas soll sich dabei nicht beteiligt haben.

Die Totnes Elizabethan Society hatte in den 1970er Jahren die Idee, dieses Rennen als Touristenattraktion wieder aufzunehmen. In diesem Film kann man sich den gesamten Ablauf der Veranstaltung ansehen.

Diese steile Straßen hinunter, High Street und dann Fore Street, müssen die Orangen befördert werden.   © Copyright Chris Denny and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese steilen Straßen hinunter, High Street und dann Fore Street, müssen die Orangen befördert werden.
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Hier am Royal Seven Stars Hotel ist das Ziel des Apfelsinenrennens.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Royal Seven Stars Hotel ist das Ziel des Apfelsinenrennens.
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Die Hastings Pier in East Sussex – Im April 2016 wieder zum Leben erweckt

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Was wäre ein richtiges englisches Seebad ohne seine Pier? Man kann darauf spazierengehen, sich amüsieren, Tee trinken oder einfach nur die schöne Aussicht auf das Meer genießen. Doch Piers sind sehr sensible und empfindliche Gebilde. Viele sind schon Raub von Flammen geworden, sind Herbststürmen zum Opfer gefallen oder von Schiffen gerammt worden. Dazu kommt, dass die „Füße“ der Piers ständig dem Salzwasser ausgesetzt sind und darunter im Laufe der Jahrzehnte leiden. Wenn dann noch zündelnde Teenager ihr Unwesen treiben, haben Piers keine Chance.

All diese Unbillen der Natur und der Menschen (ausgenommen die zerstörerischen Schiffe) haben auch der Pier von Hastings in East Sussex zu schaffen gemacht. Am 5. August 1872 feierte das Seebad am Ärmelkanal die feierliche Eröffnung seiner ersten Pier, die von Eugenius Birch (1818-1884) kreiert wurde, seinerzeit einer der renommiertesten Architekten für diese Spezialbauwerke. Birch baute u.a. auch Piers in Eastbourne, Brighton, Blackpool und Weston-super-Mare.

Das Highlight des Piers in Hastings war der große Pavillion, in dem 2000 Menschen Platz fanden, und der bereits 1917 abbrannte. Fünf Jahre später wurde er durch einen neuen Pavillion ersetzt, in dem später in den 1960er Jahren namhafte Künstler der Rock- und Popszene auftraten wie die Rolling Stones, Pink Floyd und Jimi Hendrix.
1990 erlitt die Pier erhebliche Schäden, die durch einen Sturm verursacht worden waren und es stellte sich heraus, dass der Unterboden instabil geworden war. Das bedeutete hohe Investitionen, die keiner bereit war vorzunehmen. 1999 wurde das Bauwerk geschlossen; es folgten neue Besitzer, Rechtsstreitigkeiten mit der Stadt Hastings, eine kurzzeitige Neueröffnung, aber 2008 war dann endgültig Schluss. Im Oktober 2010 brannte die Pier fast vollständig ab, was vermutlich auf Brandstiftung zurückzuführen war, aber die Behörden konnten das nie genau nachweisen. Dieser Film zeigt Bilder von dem Brand.

Im August 2013 kaufte die Hastings Pier Charity die Trümmer für den symbolischen Preis von £1 und entwarf einen Plan wie man die Pier doch wieder ins Leben zurückrufen konnte. Der Heritage Lottery Fund war bereit, £11.4 Millionen in das Projekt zu stecken, dazu kamen Gelder aus dem sogenannten Community Share Scheme plus Spenden und das bedeutete, die Pier konnte wieder aufgebaut und in diesem Jahr am 27. April der Öffentlichkeit übergeben werden. Mögen von nun an, die Stürme einen weiten Bogen um Hastings machen und alle Zündler und Vandalen sich anderswo austoben!

Allerdings kam die neue Hastings Pier nicht bei allen gut an. Kritik wurde laut, dass sie viel zu öde und leer wäre; einige betitelten sie als „The Plank„. Es gibt auf jeden Fall hier sehr viel Platz. Aber vielleicht kommt ja im Laufe der Zeit noch einiges an Attraktionen hinzu, die die neue Pier interessanter machen.

Hier ist ein Film über die neue Hastings Pier.

Die neue Pier am Eröffnungstag.   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die neue Pier am Eröffnungstag.
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Die bisherigen Amüsierbetrieb auf der Pier.   © Copyright Chris Whippet and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die bisherigen Amüsierbetriebe auf der Pier.
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Ein Blick auf die Stadt Hastings von der Pier.   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Blick auf die Stadt Hastings, von der Pier aus gesehen.
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The Clay Pipe Research Society – Die Gesellschaft für Freunde der Tonpfeifen

Die Broseley Pipe Works in Shropshire.   © Copyright Sarah Charlesworth and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Broseley Pipe Works in Shropshire.
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1983 wurde sie in England gegründet, die Clay Pipe Research Society, in der sich Menschen aus der ganzen Welt zusammengefunden haben, die sich für Tonpfeifen interessieren. Die Gesellschaft dient als Basis für alle diejenigen, die über Tonpfeifen forschen, die sie sammeln oder die sich einfach nur dafür interessieren.

Die Pfeifen existieren in England seit dem 16. Jahrhundert und wurden meist in kleinen Werkstätten hergestellt; oftmals waren sie reich verziert und bieten sich so als Sammlerobjekte an. Broseley bei Ironbridge in Shropshire war früher einmal das Zentrum der Tonpfeifenherstellung in England und die in den 1950er Jahren aufgegebenen Produktionsstätten, die Broseley Pipeworks, sind heute Teil der Ironbridge Gorge Museen und stehen für Besichtigungen zur Verfügung.

Zweimal im Jahr veröffentlicht die Clay Pipe Research Society einen Newsletter, der Nachrichten aus der Welt der Tonpfeifen beinhaltet, und in unregelmäßigen Abständen erscheint das „Journal„, in dem längere Beiträge zu einzelnen Themen zu finden sind.

Jedes Jahr treffen sich die Mitglieder der Gesellschaft zu einer Tagung, im letzten Jahr in Carlisle in Cumbria, in diesem Jahr am 24. und 25. September im Wrest Park in Bedfordshire (Thema meines gestrigen Blogeintrags).

Eine wichtige Adresse für alle Tonpfeifensammler und -forscher ist das im Department of Archaeology der Universität Liverpool untergebrachte National Pipe Archive.

Wie Tonpfeifen in den 1950er Jahren in Broseley hergestellt wurden, zeigt dieser Film.

Das Tonpfeifenmuseum in den Broseley Pipeworks.   © Copyright Chris Allen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Tonpfeifenmuseum in den Broseley Pipeworks.
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Scudamore’s – Cambridges ältester Puntingbetrieb

Scudamore's Punting Company am Mill Lane in Cambridge.   © Copyright Kate Jewell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Scudamore’s Punting Company am Mill Lane in Cambridge.
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Woran denkt man, wenn man den Namen Cambridge hört? An die alten Universitätsgebäude, an die Backs, den River Cam und natürlich an Punting. Punts sind jene Flachboote, mit denen Passagiere über den Fluss Cam gestakt werden, von Männern und Frauen, die auf einer Art Plattform auf dem Boot stehen und diese mit einer langen Stange fortbewegen und steuern. Wie das genau funktioniert zeigt dieser Film.

Maurice „Jack“ Scudamore war der erste, der diese Boote in Cambridge einführte. 1903 gründete er Scudamore’s Boatyard in der Mill Lane und noch heute kann man an derselben Stelle Scudamore’s Punts mieten und das an 364 Tagen im Jahr (nur am ersten Weihnachtstag bleibt die Mietstation geschlossen). Die Firma hat sich im Laufe der Zeit einiges einfallen lassen, um die Punting Touren noch attraktiver zu gestalten. Da gibt es zum Beispiel Strawberry and Cream Tours (£28.50), Champagne Punt Tours (£35) und Pimm’s & Lemonade Tours (£28.50). Wer möchte, kann eine Proposal Tour buchen (£175), um seiner Geliebten die wichtigste Frage seines Lebens zu stellen und später, sollte die Antwort positiv ausfallen, eine romantische Hochzeitstour (£165) mit ihr zu unternehmen.

Eine ganz normale private 45 Minuten lange Punting Tour auf dem River Cam kostet £150 (£120 bei Vorbestellung) pro Boot. Schließt man sich einer Gruppe an, werden £19 fällig. Diese Preise beinhalten alle einen Punter, der jede Menge Informationen über die Colleges parat hat, an denen man vorbeifährt. Diejenigen, die es sich zutrauen, selbst eines dieser Flachboote zu steuern, können das Punt für £27.50 pro Stunde mieten oder für £110 den ganzen Tag.
In diesem Film kann man an einer kleinen Punting Tour durch Cambridge teilnehmen.

Scudamore’s hat aber nicht das Monopol für Punting Tours auf dem River Cam. Da gibt es u.a. noch die Magdalene Bridge Punting Company, die vom Jesus Green aus operiert und die Cambridge Chauffeur Punts, die interessanterweise ein zweigängiges Thai-Menu auf dem Wasser im Programm haben und deren 27 Boote an der Silver Street vor Anker liegen.

In der Hauptsaison kann es auf dem Fluss ziemlich voll werden und dann ensteht schon einmal ein kleines Verkehrschaos wie dieser Film zeigt.

Hochbetrieb auf dem River Cam.    © Copyright Chris Allen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hochbetrieb auf dem River Cam.
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Auch bei schlechtem Wetter finden die Touren statt.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch bei schlechtem Wetter finden die Touren statt.
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Published in: on 8. August 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Norwich und Nottingham – Zwei UNESCO Cities of Literature

The Forum, in dem die Norwich Millennium Library untergebracht ist.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Forum, in dem die Norfolk and Norwich Millennium Library untergebracht ist.
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Seit dem Jahr 2004 ernennt die UNESCO jährlich sogenannte Cities of Literature; dreimal ist Städten im Vereinigten Königreich diese Ehre zuteil geworden: Edinburgh (2004) in Schottland und Norwich (2012) und Nottingham (2015) in England. Um zur UNESCO Stadt der Literatur ernannt zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden, darunter:

  • Es müssen Bibliotheken, Buchhandlungen und private/öffentliche Kulturinstitutionen vor Ort sein, die sich intensiv mit inländischer/ausländischer Literatur beschäftigen
  • Literatur, Theater und Dichtkunst müssen in der Stadt eine herausgehobene Rolle spielen.
  • Literaturfestivals und vergleichbare kulturelle Aktivitäten sollten angeboten werden.
  • Das Verlagswesen muss in der Stadt eine überdurchschnittliche Rolle spielen.

Norwich in der Grafschaft Norfolk erfüllte diese und weitere Kriterien spielend. Beispiele dafür sind u.a.:
Die Norfolk and Norwich Millennium Library gehört zu den beliebtesten öffentlichen Bibliotheken des Landes.
Die Buchhandlungen Waterstones und The Book Hive führen das ganze Jahr über literarische Veranstaltungen durch.
Auch der 1943 gegründete Norwich Writers Circle ist literarisch sehr aktiv und präsentiert monatlich Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen.
Das Writers‘ Centre Norwich fördert das kreative Schreiben lokaler Autoren und führt u.a. Schreibwerkstätten und Lesungen durch und organisiert das internationale Worlds Literature Festival.
Dieser Film zeigt einige Stellungnahmen Einheimischer zu der Auszeichnung der UNESCO.

Wie sieht es nun in Nottingham aus, der zweiten englischen UNESCO City of Literature?
Nottingham war die Heimat einiger literarischer Größen wie D. H. Lawrence, Lord Byron und Alan Sillitoe; aber auch eine Vielzahl weniger bekannter Autoren waren/sind hier zuhause.
Die Stadt unterhält viele Gruppierungen, die sich mit kreativem Schreiben befassen.
Nottingham hat sich aktiv für die Verbesserung der Bildung in der Bevölkerung eingesetzt.
Das 1948 gegründete Nottingham Playhouse hat sich einen sehr guten Ruf erworben.

Auch dieser Film zeigt Stellungnahmen einiger Nottinghamer aus der literarischen Szene der Stadt.

In diesem Sommer gab jede der UNESCO Cities of Literature eine Leseempfehlung ab; die von den beiden englischen Städten sind:
Sarah Perry: The Essex Serpent (Norwich). Sarah wurde 1979 in Essex geboren, lebt aber in Norwich. Sie war UNESCO World City of Literature Writer in Residence in Prag.
Kim Slater: Smart (Nottingham). Das Buch wurde unter dem Titel „Smart oder Die Welt mit anderen Augen“ ins Deutsche übersetzt. Kim wurde in Nottingham geboren und lebt dort auch.

P.S. Die bisher einzige deutsche Stadt, die zur UNESCO City of Literature ernannt wurde, ist Heidelberg (2014).

Das Nottingham Playhouse Theatre.    © Copyright Stephen Richards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 31. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Tiggywinkles in Haddenham (Buckinghamshire) – Europas größte Klinik für wildlebende Tiere

   © Copyright Tim S Addison and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Gerade hörte ich vom Tod Les Stockers, der sich um das Wohl der wildlebenden Tiere Englands verdient gemacht hat. Hätte es ihn nicht gegeben, wären unzählige Vögel, Igel, Dachse, Füchse usw. usw. qualvoll an ihren Verletzungen verendet. Les Stocker verstarb am 16. Juli im Alter von 73 Jahren und seine Tierklinik St Tiggywinkles in Haddenham (Buckinghamshire), die er gründete und prägte, wird ihn sehr vermissen. Über Haddenham schrieb ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit den Dreharbeiten zur Inspector Barnaby-Serie.

Es begann in den 1970er Jahren als Les Stocker einen verletzten Igel fand, den er zu einem Tierarzt brachte, der das Tier aber nicht behandeln wollte. Also nahm Stocker das Stacheltier mit zu sich nach Hause und pflegte es selbst gesund. Das war der Startschuss für ein kleines Tierkrankenhaus, das Les und seine Frau Sue in ihrem Garten in Aylesbury (Buckinghamshire) eröffneten. Es sprach sich in der Region herum, dass es da ein Ehepaar gab, das verletzte Wildtiere aufnahm. Mr Stocker gab seinen eigentlichen Beruf auf, kümmerte sich nur noch um das ursprüngliche Hobby und gründete 1983 den Wildlife Hospital Trust. Da besonders viele Igel abgegeben wurden, machten die Stockers eine eigene Igelstation auf, die sie St Tiggywinkles nannten, nach dem Kinderbuch „The Tale of Mrs Tiggy-Winkle“ von Beatrix Potter, in dem ein Igel die Hauptrolle spielt.

Der Garten in Aylesbury wurde schnell zu klein, und so siedelten sich Les und Sue Stocker 1991 in dem nur wenige Kilometer entfernten Haddenham an der Aston Road an, wo sich seitdem Europas größte Tierklinik für wildlebende Tiere befindet. Mehr als 10 000 Tiere werden hier jedes Jahr behandelt; einige bedürfen nur kurzzeitiger Pflege, andere müssen operiert werden. Das Ziel der Klinik ist, alle Tiere wieder in ihr natürliches Umfeld zurückzuführen.
Als der Bee Gees-Sänger Robin Gibb noch lebte, kam er hin und wieder in St Tiggywinkles vorbei und brachte kranke oder verletzte Tiere in die Klinik, die er auf seinem Anwesen oder in der näheren Umgebung gefunden hatte; das waren zum Beispiel Hasen, Igel, Füchse oder Krähen. Robin Gibb lebte im Nachbarort Thame.

Wer sich St Tiggywinkles einmal ansehen möchte, der kann das gern tun. Es gibt ein täglich geöffnetes Besucherzentrum, wo u.a. Hedgehog Talks, Fox Talks und Deer Talks angeboten werden. Es gibt ein Igelmuseum und durch eine Scheibe kann man einen Blick auf die Aufzuchtstation werfen, in der Tierbabies großgezogen werden. Ein Souvenirladen und ein Coffee Shop runden das Angebot der Tierklinik ab. Der Eintritt kostet £5.10 für Erwachsene, £3.20 für Kinder, Senioren haben freien Eintritt.

Wenn man die Aston Road weiter in Richtung Dorfmitte fährt, kommt man direkt am Village Green vorbei, auf dem die Inspector Barnaby-Episode 12 „Judgement Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) gedreht wurde.

Dieser Film zeigt St Tiggywinkles und seinen Gründer Les Stocker, der auch mehrere Bücher veröffentlicht hat wie „Practical Wildlife Care“ (Wiley-Blackwell 2005) oder Kinderbücher wie „Wilf the Smallest Badger in the World and Oher Stories“ (HarperCollins Children’s Books 1998).

Tiggywinkles Wildlife Hospital
Aston Road
Haddenham
Buckinghamshire
HP17 8AF

Hinweisschilder am Village Green von Haddenham, u.a. auch nach Tiggywinkles.    © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinweisschilder am Village Green von Haddenham, u.a. auch nach Tiggywinkles.
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„Bare Britain“ – Großbritannien für Hüllenlose

"Warnhinweis" auf den Nudistenstrand von Studland Beach in Dorset.   © Copyright peter lloyd and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Warnhinweis“ auf den Nudistenstrand von Studland Beach in Dorset.
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Am 3. Mai berichtete ich in meinem Blog über Großbritanniens ältestes Nudistendorf, Spielplatz, in Hertfordshire. Wie in anderen Ländern auch, findet man in Großbritannien ebenfalls Menschen, die sich gern nackt in der freien Natur aufhalten und sich in Organisationen wie zum Beispiel British Naturism zusammengeschlossen haben. Diese Vereinigung der Freunde der Freikörperkultur  bietet das ganze Jahr über Veranstaltungen für ihre Mitglieder an wie in der letzten Woche das Nudefest 2016 auf dem Thorney Lakes Camping and Caravan Park in Langport (Somerset). Dort konnte man sich eine Woche lang verlustieren und an „War time singalongs“, Yogakursen oder Petanque-Spielen teilnehmen.
Am 17. Juli und am 5. August kann man die Abbey House Gardens in Malmesbury in Wiltshire (ich schrieb in meinem Blog darüber) besuchen, die an diesem Tag wieder für Nackte und Bekleidete geöffnet sind.
Party in the Stark“ nennt sich das Wochenende vom 29. bis zum 31. Juli, organisiert von der Naturist Foundation und British Naturism, in Orpington (Kent), an dem Live Bands auftreten.

Am 19. August findet „Bare All for Polar Bears 2016“ im Yorkshire Wildlife Park in der Nähe von Doncaster in South Yorkshire statt, wo Geld für ein Projekt gesammelt wird, das sich um den Schutz von Eisbären kümmert.

The Great British Skinny Dip 2016“ wird vom 2. bis zum 4. September im ganzen Land ausgetragen, eine Art Werbeveranstaltung für textilfreies Schwimmen. Hier ist ein kleiner filmischer Appetitmacher.

Es gibt zahlreiche „naturist venues“ in Großbritannien mit den Schwerpunkten an der englischen Südküste. Da sind Strände oder Strandabschnitte, die „skinny dipper“ besonders gern mögen wie der Blackgang Beach im Süden der Isle of Wight, Gunwalloe Cove in Cornwall oder der populäre Studland Beach in Dorset. Weiterführende Informationen findet man in dem Buch „Bare Britain“ (Lifestyle Press) von Mike Charles und Nick Mayhew-Smith. Über ihr Leben als Nudistinnen in und außerhalb Großbritanniens schreiben Belinda Mosse in „Diary of a Nudist: One Woman’s Intimate Account of Her Journey From Clothed Conformity to Naked Freedom“ (lulu.com) und Sally Dali in „Being Naked: My Enjoyable Experiences as a Naturist“ (CreateSpace Independent Publishing Platform). Die Webseite www.nudist.com gibt darüberhinaus noch viele Informationen für alle, die Großbritannien einmal hüllenlos erleben wollen.

Die Abbey House Gardens in Malmesbury, die man zeitweis auch nackt besuchen kann.   © Copyright Sarah Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Abbey House Gardens in Malmesbury, die man zeitweise auch nackt besuchen kann.
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Published in: on 14. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ballettabende im Hatch House bei Tisbury in Wiltshire

Die Eingangstore zum Hatch House.   © Copyright Maigheach-gheal and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Eingangstore zum Hatch House.
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Am 15. Juli ist es wieder soweit, dann finden im Hatch House in Wiltshire zum siebten Mal die Ballettabende mit der Covent Garden Dance Company statt. An drei Abenden hintereinander geben sich Balletttänzerinnen und – tänzer vor der historischen Kulisse des Herrenhauses aus dem 17. Jahrhundert ein Stelldichein. Unter einem neuen Dach, das den Dutch Garden überspannt, werden die Auftritte der Dance Company von den Besuchern beobachtet, die jeweils während der Pausen der Aufführungen ein dreigängiges Menu zu sich nehmen. £150 kostet ein Platz in der ersten Reihe, inklusive des Menus und der Getränke, £115 in der fünften Reihe.

An diesen drei Abenden hat Matt Brady, der Chef der Covent Garden Dance Company, wieder ein brillantes Programm mit Weltstars zusammengestellt, an dem neben den Londoner Tänzern als Gäste u.a. Mara Galeazzi vom Royal Ballett, Jon Axel Fransson und Silvia Selvini vom Royal Danish Ballett, Vitali Safronkine, Iker Murillo und Marsha Rodriguez von Béjart Ballett in Lausanne auftreten werden. Zur Aufführung kommen sowohl klassische als auch moderne Ballette.

Das Hatch House liegt westlich von Tisbury in Wiltshire, ganz in der Nähe des Old Wardour Castles. Es ist im Besitz von Sir Henry und Lady Frances Rumbold, die hier seit 1977 wohnen. Den beiden schwebte schon immer vor, ihren schönen Dutch Garden in irgendeiner Weise für Theateraufführungen zu nutzen, und als eines Tages Matt Brady vorbeikam, war auch er so von dem Garten angetan, dass er spontan fragte, ob er an diesem Ort Ballettabende aufführen könnte. So entstand das „Ballett under the stars“, das seit 2010 immer erfolgreicher und attraktiver geworden ist.

Hier sind Ausschnitte der Aufführung von 2011 zu sehen.

Mein Buchtipp – Gilly Pickup: What the British Invented

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Gilly Pickup ist eine Reiseschriftstellerin, deren Artikel schon in über 100 Zeitschriften und Zeitungen erschienen sind. Auch sechs Bücher hat sie bereits veröffentlicht, von denen zwei in meinem Bücherschrank stehen: „The A-Z of Curious London – Strange Stories  of Mysteries, Crimes and Eccentrics“ (The History Press 2013), sehr empfehlenswert, und “ What the British Invented: From the Great to the Downright Bonkers„, erschienen im vorigen Jahr bei Amberley Publishing.

Wie Gilly Pickup in ihren einführenden Worten sagt, handelt es sich bei den hier vorgestellten Erfindern fast ausschließlich um Männer. Wie kommt es, dass Frauen offensichtlich weniger erfinderisch sind? Diese Antwort bleibt uns die Autorin allerdings schuldig.

Das Buch beginnt mit der Erfindung des WCs, das auf die Kappe von Sir John Harrington geht, einem Dichter, der von 1561 bis 1612 lebte. Er installierte u.a. ein Exemplar im Richmond Palace, das Königin Elizabeth I. benutzte.

Es geht im Buch weiter mit William Addis, dem Erfinder der Zahnbürste, John Wheeley Lea und William Henry Perrins, die die Worcestershire Sauce erstmals anrührten, und Ben Bullock, verantwortlich für den Liebling aller britischen Zahnärzte, den Seaside Rock, eine Süßigkeit, die in allen Seebädern des Landes zu finden ist.

Gilly Pickups sehr interessantes Buch endet mit dem Erfinder Tom Pellereau, dessen Produkte die Regale der Drogeriekette Boots und anderer Kaufhäuser füllen, als da sind eine geschwungene  Nagelfeile, den Nipper Clipper, ein Nagelknipser für Babies, und eine Vorrichtung, um Makeup-Puderquasten schnell und einfach zu reinigen; Stylfile heißt seine Produktpalette. Tom Pellereau besitzt eine grenzenlose Fantasie und Erfindungsgabe, dem beinahe täglich neue Dinge einfallen.

Gilly Pickup:  What the British Invented: From the Great to the Downright Bonkers. Amberley Publishing 2015. 252 Seiten. ISBN 978-1-4456-5027-2

Published in: on 24. Juni 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Green Flag Awards – Auszeichnung für besonders gepflegte Parks und Grünflächen

   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Seit 1997 sieht man in England auf manchen Grünflächen und Naherholungsgebieten eine grüne Flagge wehen, auf der ein stilisierter Baum und darunter zwei Menschen zu sehen sind. Diesen sogenannten Green Flag Award bekommt man, wenn er beantragt wird und bestimmte Kriterien erfüllt werden. In den Monaten April und Mai werden die entsprechenden Anlagen beurteilt und im Juli die Ergebnisse bekanntgegeben. Wesentliche Kriterien für den Erhalt der Auszeichnung sind u.a. die Umweltfreundlichkeit, die Sauberkeit, die Sicherheit, das Management und die Einbindung der Kommune in den Unterhalt und die Pflege der Fläche. Wenn hinter all diese Punkte ein Haken gesetzt werden kann, wird dann auch bald die grüne Flagge auf einem Fahnenmast wehen und hoffentlich noch mehr Besucher anlocken.

Initiiert wurde das Projekt vom Department for Communities and Local Government und zurzeit (Stand 2015) sind 1627 Parks und Grünflächen mit dem Green Flag Award ausgezeichnet worden. Auf seinen Lorbeeren ausruhen kann man sich nicht, denn jedes Jahr muss man sich neu bewerben.

Wie eine ursprünglich brach liegendes und verkommenes Gelände in ein Erholungsgebiet umgewandelt werden konnte, zeigt dieser Film am Beispiel des Manor Fields Park in Sheffield.

Ich greife einmal willkürlich einige Beispiele für besonders schöne Grünanlagen heraus, über denen die grüne Flagge weht:

Die Wallingford Castle Meadows in Oxfordshire: Hier, wo einmal die Burg von Wallingford stand, von der nur noch wenige Mauerreste übriggeblieben sind, hat man ein parkähnliches Gelände angelegt, an dem der Thames Path National Trail entlangläuft. Im Sommer grast Vieh auf den Weiden und Spazierwege führen durch die Castle Meadows. Um den Unterhalt und die Pflege des Areals kümmert sich der Earth Trust.

Der Elvaston Castle Country Park in Derbyshire. Der rund um das Elvaston Castle angelegte Park beherbergt u.a. einen See, Formschnitthecken (topiaries) und einen „Showground“, auf dem Veranstaltungen stattfinden. Der Park ist ganzjährig geöffnet.

Die Queen Mary Gardens in Falmouth (Cornwall). Hier wachsen auf Grund der klimatischen Verhältnisse tropische Pflanzen, die es sonst nirgendwo in Großbritannien gibt. Der Cornwall Council ist verantwortlich für die Pflege der sehenswerten Gartenanlagen.

Wallingford Castle Meadows.   © Copyright Rose and Trev Clough and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wallingford Castle Meadows.
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Elvaston Castle Country Park.    © Copyright Garth Newton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Elvaston Castle Country Park.
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Queen Mary Gardens in Falmouth.   © Copyright Derek Voller and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 16. Juni 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Barbara Woodhouse (1910-1988) – Die Hundeflüsterin

„Hundeerziehung leicht gemacht“ und „Wie erziehe ich meinen Hund?“ waren die Titel zweier Bücher, die 1993 respektive 1980 in deutscher Übersetzung erschienen. Autorin war die „Hundeflüsterin“ Barbara Woodhouse (1910-1988), die in England und auch in den USA eine Zeitlang als die Expertin für Hundeerziehung galt.
Geboren wurde Barba Woodhouse 1910 in Irland. Im Alter von neun Jahren zog sie mit ihrer Mutter nach Headington, einem Teil der Stadt Oxford (bekannt durch den Headington Shark, ich berichtete in meinem Blog darüber), ein Ort, zu dem sie später in ihrem Leben immer wieder zurückkehrte. Zuerst lag Woodhouses Interesse eher bei Pferden, bis sie sich schließlich ganz auf das Thema Hunde konzentrierte.

Sie gab Erziehungskurse für Hunde und deren Besitzer, in denen sie manchmal recht harsch mit beiden umsprang. Die Los Angeles Times verglich sie in ihrem Nachruf mit einem Mittelding aus einem Feldwebel und Dr. Doolittle. Ihre Erziehungsmethoden waren denn auch nicht unumstritten. Ihr Markenzeichen war das Wort „Sitz!„, mit dem alle ihre Kurse begannen. Es gibt keine schlechten Hunde, es gibt nur schlechte Hundebesitzer war ihr Credo. Andere Hundeexperten waren später der Meinung, dass Woodhouses Methoden des „negative reinforcements“, also beispielsweise das abrupte Ziehen am Halsband, um eine bestimmte Reaktion des Hundes zu erreichen, die Psyche des Vierbeiners auf Dauer beschädigen würde; ein „positive reinforcement“, d.h. Erziehung durch Belohnen, sahen diese Experten als die bessere Trainingsmethode an.

Wie auch immer, Barbara Woodhouse war  über mehrere Jahrzehnte sehr beliebt im Königreich (ich vermag nicht zu sagen, ob das die Hunde auch so sahen) und ihre BBC-Fernsehsendungen wie „Training Dogs the Woodhouse Way“ aus dem Jahr 1980 hatten sowohl in Großbritannien als auch in den USA hohe Einschaltquoten. Gedreht wurden die zehn Episoden in Croxley Green in Hertfordshire, wo die Hundetrainerin wohnte. Wie Mrs Woodhouse ihre Kurse durchführte, zeigt dieser Film.

 

Published in: on 7. Juni 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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