Großbritanniens ungesündeste High Streets – Mit dem Spitzenreiter Grimsby in Lincolnshire

Die Freeman Street in Grimsby.
Author: ReptOn1x
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Zuletzt schrieb ich in meinem Blog am 3. Juni diesen Jahres über das Thema „High Street“, ein Dauerthema mit dem der Besucher des Königreichs immer wieder konfrontiert wird.

Die Royal Society for Public Health (RSPH) hat eine Untersuchung angestellt, bei der die Auswirkungen des „high street retail environment“ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen genauer unter die Lupe genommen wurde. Die Studie ermittelte, dass das Leben von Menschen, die ständig mit Leerständen, Wettbüros, Schnapsläden, Imbissbuden und dergleichen auf ihrer High Street konfrontiert werden, bis zu zweieinhalb Jahre kürzer sein kann als das Leben von denjenigen, die in der glücklichen Lage sind, eine „gesunde“ High Street zu haben, mit Bibliotheken, Museen, Apotheken, netten Bars, Pubs und Restaurants.

Die RSPH hat eine Top Ten Liste der ungesündesten, aber auch der gesündesten High Streets aufgestellt (Stand Ende 2018).

Hier sind die Negativ-Spitzenreiter:
1. Grimsby
2. Walsall
2. Blackpool
4. Stoke-On-Trent
5. Sunderland
6. Northampton
7. Bolton
8. Wolverhampton
9. Huddersfield
10. Bradford

Hier fällt auf, dass es sich ausnahmslos um Städte aus Englands Norden handelt. Das Nord-Süd-Gefälle macht sich hier deutlich bemerkbar. Grimsby in Lincolnshire, ist von Platz 6 bei der Untersuchung im Jahr 2015 komplett abgeschmiert und hat nun Großbritanniens ungesündeste High Street. Die Freeman Street, die sich durch die Küstenstadt zieht, war einmal eine florierende Einkaufsstraße als die Fischfangindustrie noch den Ort dominierte, aber die ist kaum noch existent und dadurch hat Grimsby eine extrem wichtige Einnahmequelle verloren. Es gibt allerdings Bestrebungen durch Abrisse von leerstehenden Gebäuden in der Freeman Street und Neuansiedlung von Geschäften der Straße wieder ein freundlicheres Gesicht zu verleihen. Vielleicht gelingt das ja und Grimsby kann in der nächsten RSPH-Untersuchung den Schwarzen Peter wieder abgeben.

Der Spitzenreiter der vorigen „Health on the High Street“-Untersuchung, Coventry, ist jetzt aus den Top Ten herausgefallen.

Die gesündesten High Streets Großbritanniens sind aktuell:
1. Edinburgh
2. Canterbury
3. Taunton
4. Shrewsbury
5. Cheltenham
6. York
7. Brighton & Hove
8. Eastbourne
9. Exeter
10. Cambridge

Hier dominiert, abgesehen von der schottischen Metropole Edinburgh und den nordenglischen Städten Shrewsbury und York, ganz klar der Süden des Landes.

Hier ist ein Film der RSPH.

Edinburgh High Street, die gesündeste im Königreich.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. August 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Big Dipper Teil 2 : Eine ehemalige Achterbahn im Londoner Battersea Park und ein schweres Unglück im Jahr 1972

Einer der Eingänge zum Battersea Park.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Auch London besaß einmal eine hölzerne Achterbahn, die den Namen The Big Dipper trug und im Battersea Park stand, der für das Festival of Britain 1951 als Vergnügungspark eingerichtet worden war. Die Achterbahn war damals eine Attraktion, vergleichbar heute mit dem London Eye.
The Big Dipper London hatte bereits im Mai 1951 ein kleines Problem, als ein leerer Wagen auf der Bahn entgleiste, wobei niemand zu Schaden kam. Bei einem Unfall 1968 brach sich einer der Insassen einen Arm. Zwei Jahre später zerstörte ein Feuer einen Teil der Achterbahn.

Eine richtige Katastrophe ereignete sich dann am 30. Mai 1972. Am späten Nachmittag wurde gerade ein mit 32 Menschen besetzter Wagen die steile Rampe des Big Dippers hochgezogen, als sich in 15 Metern Höhe das Schleppseil löste und der Achterbahnwagen rückwärts mit hoher Geschwindigkeit wieder zurückrollte; in einer Kurve entgleiste er. An diesem Mainachmittag starben bei dem schrecklichen Unglück fünf Kinder und Jugendliche. Zwei Jungen im Teenageralter und ein acht Jahre altes Mädchen waren auf der Stelle tot, zwei weitere Kinder erlagen später ihren Verletzungen, 13 der Insassen wurden verletzt.

Es stellte sich natürlich sofort die Frage, wer für den Unfall verantwortlich war. Gab es grobe technische Mängel, die bei den Sicherheitsprüfungen übersehen worden waren? Die Untersuchungsbehörden stellten erhebliche Fehler fest und Anklage wurde erhoben gegen den Parkmanager und den technischen Leiter der Achterbahn, doch beide wurden ein Jahr später freigesprochen.

Das Unglück markierte auch das Ende des Big Dippers und letztlich auch das Ende des ganzen Vergnügungsparks. Die Achterbahn wurde abgerissen und die Tore der Funfair 1974 geschlossen. Im Battersea Park konnte sich seitdem nie wieder ein permanenter Freizeitpark etablieren.

Hier ist ein Film über das Unglück und in diesem Film aus dem Jahr 1953 werden die Vergnügungen des Battersea Parks gezeigt.

Published in: on 5. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Big Dipper Teil 1: Die Achterbahn in Blackpool (Lancashire)

Der Pleasure Beach im englischen Seebad Blackpool ist ein Dorado für alle, die sich einmal so richtig amüsieren wollen (d.h. auf englische Art). Im Mittelpunkt der Amüsiermeile steht seit 1923 die Holzachterbahn The Big Dipper. 1936 wurde sie noch einmal erweitert und versieht bis zum heutigen Tage ihren Dienst.
Die Achterbahn ist 1000 m lang, 18m hoch und man erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von ca 65 km/h.  Hier wurde auch der Weltrekord im Achterbahnfahren aufgestellt. Richard Rodriguez fuhr im Jahr 2000 sage und schreibe 2000 Stunden lang mit der Bahn und überbot damit seinen eigenen Rekord, der bis dahin 1013 Stunden betrug. Pro Stunde durfte er nur 5 Minuten pausieren, um gewisse Örtlichkeiten aufzusuchen; Essen, Trinken und Schlafen erfolgte alles in einem der Wagen. Leider veränderte Guinness World Records im Jahr 2007 die Regeln, so dass die Rekorde auf diese Weise ungültig wurden. Rodriguez ließ aber nicht locker und holte sich seinen Rekord wieder zurück, indem er „nur“ 405 und 40 Minuten auf dem Big Dipper und dem Pepsi Maxi Big One fuhr. Diese Achterbahn, gleich neben dem Big Dipper gelegen, ist eine der gewaltigsten in ganz Europa mit einer Höhe von 65 Metern und 120 km/h schnell.

Am 11. August 2000 ereignete sich ein schwerer Unfall auf dem Big Dipper als zwei Wagen zusammenstießen und 16 Fahrgäste verletzt wurden.

 

Die World Pea Shooting Championships in Witcham (Cambridgeshire)

Nur wenige Autominuten von der Kathedralenstadt Ely entfernt, liegt der kleine Ort Witcham in der Grafschaft Cambridgeshire. Einmal im Jahr, am zweiten Samstag des Monats Juli, fallen Männer und Frauen aus nah und fern in das Dorf ein, die eine besondere Fähigkeit haben: Sie können Erbsen sehr gezielt pusten. Auf dem Village Green von Witcham präsentieren sie ihre Künste im Rahmen der World Pea Shooting Championships.

Seit 1971 wird der Wettbewerb hier ausgetragen, der auf den Schulleiter der örtlichen Schule John Tyson zurückgeht. Der hatte nämlich immer die Erbsen und Blasrohre der Schüler „konfisziert“, die sich unerlaubterweise auf dem Schulgelände gegenseitig mit Erbsen beschossen.

Die Regeln für die „Erbsenpusten-Weltmeisterschaften“ sind einfach. Jeder der Teilnehmer bekommt die Erbsen zugeteilt, das Blasrohr darf er/sie selbst mitbringen. Aus einer Entfernung von etwa vier Metern müssen die Teilnehmer mit Hilfe ihres Blasrohrs die Erbsen auf eine 30cm große Scheibe abschießen, die in drei Ringe unterteilt ist. Wer die Mitte der Scheibe trifft, erhält 5 Punkte, der zweite Ring liefert 3 Punkte und der äußere Ring bringt einen Punkt. Die fünf besten „Schüsse“ werden addiert, fertig.

Bei den 49. Weltmeisterschaften am 13. Juli 2019 wurde Ian Ashmeade wieder einmal Champion wie schon im Jahr zuvor, bei den Damen konnte Sally Redman-Davies am besten pusten und wurde zweimal nacheinander Weltmeisterin. Ian Ashmeade wurde im vorigen Jahr eine besondere Ehre zuteil: Witchams Pub The White Horse bekam ein neues Wirtshausschild, auf dem der Kopf des Erbsenpusters samt dem für ihn typischen Helm abgebildet ist, natürlich fehlt das namensgebende weiße Pferd auch nicht.

Noch ein Wort zu den Pusteröhrchen. Manche benutzen ein ganz normales Rohr, es gibt aber auch welche, die ein „State-of-the-Art High-Tech-Rohr“ einsetzen, mit integrierter Lasertechnik.

Im nächsten Jahr kommt es zu einem Jubiläum, dann werden die 50. World Pea Shooting Championships ausgetragen.

Hier sind Bilder von den diesjährigen Weltmeisterschaften.

Das Village Green von Witcham während der Championships.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)

Das neue Wirtshausschild vom White Horse mit dem Pea Shooting Weltmeister Ian Ashmeade darunter, neben ihm steht Landlady Linda Elbourne .
Author: Yiipeeia
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Die Londoner Cremorne Gardens an der Themse in Chelsea

Im Londoner Stadtteil Chelsea liegt direkt an der Themse, eingerahmt von Wohnblocks, ein kleiner Park namens Cremorne Gardens. Ein sehr schönes schmiedeeisernes Tor führt in den Park, der auch über eine eigene Schiffsanlegestelle verfügt. Es handelt sich hier um ein winziges Überbleibsel eines einst riesigen Geländes, das auf eine bewegte Vergangenheit zurückschauen kann. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Sportstätte eingerichtet, in der geboxt, gefechtet und geschwommen wurde (und nach einem Viscount Cremorne benannt ist), entwickelte sich das Gelände weiter zu einem großen Vergnügungspark. Das Publikum wurde durch alle möglichen Amüsements unterhalten wie Feuerwerke, Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen usw. usw.

Eine Madame Geneviève begeisterte 1861 die Parkbesucher durch eine waghalsige Überquerung der Themse auf einem Seil, ganz im Stil eines Charles Blondin. Sehr beliebt war das Zuschauen bei Ballonaufstiegen, die immer wieder in den Cremorne Gardens stattfanden. Der berühmte Ballonfahrer Charles Green sorgte einmal für Aufsehen, indem er, begleitet von einer Dame und einem Leoparden, vom Park aus abhob. 1864 startete ein weiterer berühmter Aeronautiker gleich zweimal von hier aus: Der Franzose Eugène Godard, der einmal in Greenwich und das zweite Mal in Walthamstow landete.

Einige Zeit später ging es mit den Cremorne Garden bergab. Eine ganz andere Klientel, die einen schlechten Ruf hatte, traf sich im Park („a nursery of every kind of vice“ wie es in einem Pamphlet hieß), und so wurde er 1877 geschlossen. Das Gelände bebaute man nach und nach, bis nur noch der kleine Park übrig blieb, der 1982 neu eröffnet wurde.

Das wunderschöne Eingangstor stand viele Jahre lang auf dem Gelände der Bowden’s Brewery in der Kings Road, wurde 1981 restauriert und 1997 wieder an alter Stelle aufgebaut.

Hier ist ein kleiner Spaziergang durch die Anlage im Film.

Das schöne Original-Eingangstor.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Die Schiffsanlegestelle.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Meine Brighton-Trilogie Teil 3: Der analoge und der digitale Walk of Fame

Der Brighton Walk of Fame à la Hollywood.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Was Hollywood kann, das können wir in Brighton auch; gesagt, getan, und so gibt es seit 2002 in der Stadt am Meer ebenfalls einen Walk of Fame, der, wie das große Vorbild in Kalifornien, aus in das Pflaster eingelassenen Steinen besteht. Auf die Idee kam David Courtney, ein in Brighton geborener Komponist und Produzent, der eine Zeit lang in Los Angeles lebte und den Brighton Walk of Fame initiierte, der am Yachthafen der Stadt zu finden ist. Zur Zeit sind es über 100 Tafeln, die auf Prominente aufmerksam machen, die in irgendeiner Form mit dem Küstenort in Verbindung stehen/standen. Da haben wir beispielsweise Georg IV, der als Prince of Wales den Royal Pavilion erbauen ließ, die Schauspielerin Julie Christie, die Kunst am Technical College studierte, den Schriftsteller Graham Greene, der durch seinen Roman „Brighton Rock“ bekannt ist, die Sängerin Dusty Springfield, die einmal in der Wilbury Road im benachbarten Hove wohnte und den Boxer Chris Eubank, der seinen Wohnsitz in der Stadt am Meer hat.

Das ist sozusagen der „analoge“ Walk of Fame von Brighton, es gibt aber auch noch eine „digitale“ Variante, den Brighton Music Walk of Fame, der auf der Palace Pier angesiedelt ist und am 27. Juni 2018 eröffnet wurde. So etwas hat selbst Hollywood noch nicht (soviel ich weiß). Damit wurde die Attraktivität der Seebrücke noch gesteigert. Dieser ebenfalls von David Courtney initiierte Walk of Fame besteht aus interaktiven Tafeln, die jeweils einem Gesangsstar bzw. einer Musikgruppe gewidmet sind, die mit Brighton in Verbindung gestanden haben. Wenn man mit seinem Smartphone einen auf der Tafel angebrachten Code scannt, erhält man Informationen über den Künstler bzw. die Künstlerin und kann sich Songs von ihnen anhören (das funktioniert über die Shazam mobile App). Eine wirklich gelungene und interessante Idee. Auf den an der Pier angebrachten Tafeln finden wir u.a. The Who, Jeff Beck, Rod Stewart, Leo Sayer, David Gilmour, Jimmy Page, den Rag and Bone Man und viele andere.

Den Brighton Music Walk of Fame kann man sich an jedem Tag des Jahres ansehen bzw. anhören, denn die Pier ist täglich geöffnet.

Hier ist ein Film über den MWOF.

Brighton Palace Pier: Home of the Music Walk of Fame.
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Meine Brighton-Trilogie Teil 1: Max „The Cheeky Chappie“ Miller (1894-1963) – Ein Comedian aus der guten alten Zeit

Max Millers Statue in den Pavilion Gardens.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Max Miller, dessen richtiger Name Thomas Henry Sargent  lautet, wurde 1894 im südenglischen Brighton geboren, wo er auch 67 Jahre später starb. Er war ein fester Bestandteil der englischen Varieté- und Unterhaltungsszene von den 1920er bis in die 1950er Jahre. Er tourte viel durch die Lande, trat auch in Übersee auf, doch Brighton war sein zuhause, und sofern es seine Engagements zuließen, hielt er sich bevorzugt in seiner Geburtsstadt auf. Bekannt war er durch seine schrillen Anzüge und durch seine manchmal etwas gewagten, mehr oder weniger doppeldeutigen „saucy jokes„, die ihn hin und wieder mit der Zensurbehörde in Konflikt brachten. Sein Publikum liebte aber gerade diese Art von Unterhaltung wie zum Beispiel diesem Spruch:

„Have you heard about the girl of eighteen who swallowed a pin, but didn’t feel the prick until she was twenty-one?“

Nun, man muss diese Art von Humor mögen.

Die Stadt Brighton liebt ihren Comedian wie er Brighton liebte. Am 1. Mai 2005 errichtete man zu seinem Gedenken ein Denkmal in den Pavilion Gardens an der New Road.  An der Burlington Street Nummer 25, dem Haus, in dem Max Miller starb, ist eine blaue Plakette angebracht, ebenso an der Marine Parade Nummer 160, dort, wo er viele Jahre lang lebte. Am Walk of Fame an der Marina, wo man ähnlich wie in Hollywood, den Personen einen Gedenkstein ins Pflaster gesetzt hat, die in irgendeiner Form mit Brighton verbunden waren, ist auch einer, der dem Comedian gewidmet ist. Eine Straße trägt den Namen des Varietékünstlers, der Max Miller Walk am Strand von Brighton.

Einer der Linienbusse der Brighton and Hove Bus Company (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist nach Max Miller benannt.

Die Max Miller Appreciation Society, die über 1000 Mitglieder zählt,  sorgt dafür, dass der Name des Comedians nicht in Vergessenheit gerät. Sie hat in Bardsley’s Fish and Chips Restaurant in der 22-23a Baker Street eine Dauerausstellung mit Erinnerungsstücken von Max Miller eingerichtet; dazu gehört auch einer seiner schrillen Anzüge.

Hier ist ein Film über den Cheeky Chappie.

Das Buch zum Artikel:
John M. East: Max Miller: The Cheeky Chappie. Robson Books 1998. 224 Seiten. ISBN 978-0860518556.

160 Marine Parade, wo Max Miller wohnte, mit blauer Plakette links neben der Haustür.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Der Max Miller Walk am Strand von Brighton.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Kathryn Ferry – Eine Expertin für englische Seebäder und Strandhütten

Strandhütten in Broadstairs (Kent).
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Mein heutiger Blogeintrag schließt hautnah an meinen gestrigen an, es geht um das Thema Seebäder. Eine Spezialistin dafür ist Dr. Kathryn Ferry, deren Publikationen ich hier vorstellen möchte.

Kathryn Ferry gilt als Großbritanniens erste Expertin für „Beach huts„, jene bunten Miniaturhäuschen, die man überall an den Stränden von Seebädern finden kann. Zwei Bücher hat sie bereits darüber geschrieben: „Sheds on the Seashore: A Tour Through Beach Hut History“ (2009) und „Beach Huts and Bathing Machines“ (2009). Im erstgenannten Buch berichtet sie über ihre zweimonatige Tour durch Großbritannien, oder, besser gesagt, entlang den Küsten Großbritanniens, immer auf der Suche nach Informationen über die kleinen Hütten, die oft von Generation zu Genration vererbt werden und die schon einmal einen sechsstelligen Betrag beim Verkauf bringen können.

In ihrem zweiten Buch beschäftigt sich Kathryn Ferry mit den Vorgängern der Beach Huts, den Bathing Machines, das waren Badekarren, die ins Meer geschoben wurden, von wo aus dann die Badenden so diskret wie möglich ins Wasser steigen konnten. Im 18. Jahrhundert kamen diese Bademaschinen auf, die sich dann allmählich zu Strandhütten weiter entwickelten.

Ein Name, der mit Strandferien sehr eng verbunden ist, ist die Firma Butlin’s, die seit 1936 große Ferienanlagen für Familien zur Verfügung stellt und von denen nur noch drei in Betrieb sind, in Skegness, in Bognor Regis und in Minehead. Kathryn Ferris schreibt in ihrem 2016 erschienen Buch „The Nation’s Host: Butlin’s and the Story of the British Seaside“ über diese Art ,Ferien zu machen. Butlin’s kam durch das Aufkommen von Flugpauschalreisen nach Südeuropa in große Schwierigkeiten und musste viele ihrer Anlagen schließen.

In ihrem Buch „Holiday Camps“ (2010) geht es noch einmal um das Thema Ferienanlagen und die damit verbundenen Namen Butlin’s,  Pontin’s und Warner’s, in denen All-inclusive-Ferien für Familien angeboten wurden und werden (Warner’s hat sich auf Adults-Only Hotels umgestellt).

Kathryn Ferry hat ihren Doktortitel an der Universität von Cambridge erworben. Sie ist Jurorin bei der jährlich stattfindenden Towergate Beach Hut of the Year Competition, bei der die schönsten Strandhütten Großbritanniens prämiert werden.

Butlin’s in Minehead (Somerset).
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Sexual Freedom Awards – Preise, die an Menschen vergeben werden, die sich auf den Themenfeldern Erotik und Sexualität hervorgetan haben

Author: Timeless 181
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Wer würde sich nicht darüber freuen, einen künstlerisch gestalteten Penis mit Flügeln zuhause auf seinen Kaminsims stellen zu können? Das kann man haben, dazu muss man aber einen der jährlich vergebenen Sexual Freedom Awards gewinnen. Ausgedacht hat sich diesen Preis 1994 Rosalind Mary Owens, besser bekannt als Tuppy Owens, eine Schriftstellerin und Sexualtherapeutin, die sich hauptsächlich mit dem Thema „Sex und Behinderte“ auseinandergesetzt hat. So fließen auch bei der Preisverleihung in London, dem „Sex Maniacs Ball„, Einnahmen an eine Wohltätigkeitsorganisation, The Outsiders Club, die sich darum bemüht, dass Menschen mit Behinderungen einen Partner/eine Partnerin finden.

In mehreren Kategorien werden die Auszeichnungen verliehen, und ich möchte einmal einige der Sieger und Nominierten des Jahres 2018 vorstellen (die Preise für 2019 werden Ende des Jahres verliehen).

In der Kategorie „Publicist of the Year“ gab es 2018 zwei Siegerinnen. Da war einmal die US-Amerikanerin Erica Moen, eine Comicbuch-Autorin, die mit ihre Comicserie „Oh Joy Sex Toy“ bekannt geworden ist, und Juno Roche, die sich mit dem Thema Transgender beschäftigt und das Buch „Queer sex: A trans and non-binary guide to intimacy, pleasure and relationships“ geschrieben hat.

In der Kategorie „Stripper of the Year“ wurde Bunni Morretto mit dem Sexual Freedom Award ausgezeichnet; die Begründung: „By introducing her Jamaican heritage to the mainstream burlesque scene with pride. Her burlesque acts diversely range from brilliant satire to contrasting traditional strip tease.“

Nominiert in der Kategorie „Pioneer of the Year“ (aber nicht der Sieger) war Eve Elliots Website, auf der sie unter dem Namen Eve’s Garden nicht das visuelle Element in der Erotik in den Mittelpunkt stellt, sondern das auditive.

Weitere Kategorien sind u.a. Activist of the Year, Event of the Year und Performer of the Year. Jeder kann bei der Jury Vorschläge einreichen, die dann geprüft werden. Ins Finale kommen drei Nominierte in jeder Kategorie, aus denen dann jeweils der Sieger bzw. die Siegerin ermittelt wird.

 

Hampstead Heath (London) und seine drei Badeseen

Der Badesee für alle Geschlechter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Hampstead Heath im Norden Londons ist ein großes Erholungsgebiet, in dem man Spazierengehen, Joggen, Nordic Walken und viele andere Sportarten ausüben kann. Auch für Schwimmer hat Hampstead Heath einiges zu bieten. Wer die gechlorten Schwimmbecken der Stadt nicht mag, der kann einen der drei Badeseen aufsuchen und dort in freier Natur seine Bahnen ziehen.

Die Hampstead Ponds werden von dem River Fleet gespeist, der sich etwas später in den Untergrund absetzt und sich schließlich in die Themse ergießt. Das Besondere an den drei Badeseen ist, dass zwei von ihnen geschlechtergetrennt sind und einer sowohl für weibliche als auch für männliche Badegäste freigegeben ist. Kinder unter 8 Jahren sind hier „off limits“, 8- bis 15-jährige müssen in Begleitung eines Erwachsenen sein. Die City of London Corporation, in deren Zuständigkeitsbereich die Badeseen fallen, wollte sie Mitte der 1980er Jahre schließen, weil sie ihrer Meinung nach ein Gesundheitsrisiko für die Schwimmer darstellten, wogegen diese aber energisch protestierten und gerichtlich gegen diese Entscheidung vorgingen. Sie erhielten Recht und konnten weiterhin die kleinen Seen benutzen.

Noch einmal gab es Ärger mit der City of London Corporation und zwar mit einigen Damen des „female ponds“. Die Behörde wollte diesen Badesee auch für Transgender-Frauen zulassen, wogegen sich ein Teil der in der Kenwood Ladies‘ Pond Association organisierten  Mitglieder sträubten und gegen diese Regelung protestierten; sie wollten ihren See auch weiterhin für „Ladies Only“ haben und keine Transsexuellen akzeptieren, womit sie sich aber nicht durchsetzen konnten. Der See ist der einzige seiner Art in Großbritannien, der nur für Damen zugelassen ist.

Es gibt übrigens eine ganze Reihe von Schwimmern, die auch im Winter in Hampstead Heath in das eiskalte Wasser steigen wie dieser Film zeigt.

Der „Men Only“ Pond.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Der Ladies‘ Pond.
Author: Denni Schnapp
Creative Commons 2.0

Published in: on 17. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Winchester in Hampshire – Die glücklichste Stadt Englands

Winchester Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ende März wurde er wieder einmal veröffentlicht, der Happiness Index, von der Royal Mail erstellt. Dieser Index listet die Städte und Regionen in England, Schottland, Wales und Nordirland auf, in der sich die Menschen am wohlsten fühlen. Folgende Faktoren wurden in die Untersuchung einbezogen:

  • reported personal well-being
  •  life expectancy
  •  earnings
  •  inequality
  •  carbon emissions
  •  crime
  •  deprivation
  •  access to health services

And the winner is…Winchester in der Grafschaft Hampshire. Hier leben also die glücklichsten Menschen in England. Die Kathedralenstadt schneidet bei ihren Bewohnern hervorragend ab, sie haben ein relativ hohes Einkommen, es gibt nur wenig Armut und sie fühlen sich rundum wohl, trotz des innerstädtischen starken Verkehrsaufkommens. Winchester wurde schon mehrmals als ein besonders empfehlenswerter Wohnort ausgewiesen. So war die Stadt schon 2016 in der Channel 4 Sendereihe „The Best And Worst Places To Live In The UK“ Spitzenreiter, zehn Jahre später stand Winchester auf Platz 1 in der „Sunday Times Best Places To Live“-Liste.

1966 machte die New Vaudeville Band die Stadt auch außerhalb Großbritanniens mit ihrem Song „Winchester Cathedral“ bekannt. Auch in Frank TurnersWessex Boy“ steht die Stadt im Hampshire im Mittelpunkt. In diesem Film wird sie vom Tourist Information Centre vorgestellt.

Winchester hat rund 45 000 Einwohner, ist nur etwa hundert Kilometer von London entfernt und erfreut sich einer Partnerschaft mit der deutschen Stadt Gießen. Ein Besuch in der glücklichsten Stadt Englands ist also sehr zu empfehlen!

Auf Platz 2 des Happiness Index steht die Region Babergh in Suffolk, Platz 3 nimmt Rushcliffe in Nottinghamshire ein, der Chiltern District in Buckinghamshire ist auf Platz 4 zu finden und der fünfte Platz gehört dem Ribble Valley in Lancashire.

Impression aus der Altstadt.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

Das Butter Cross in der High Street.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die Öffentliche Bibliothek von Kensal Rise in London und der erbitterte Kampf gegen die Schließung

Welche Öffentliche Bibliothek kann schon von sich behaupten, von einem der größten Schriftsteller der Weltliteratur eröffnet worden zu sein? Die Public Library in Kensal Rise, einem Stadtteil im Nordwesten Londons, kann das. Niemand Geringeres als der amerikanische Autor Mark Twain eröffnete sie im Jahr 1900, in einem Gebäude, das das Oxforder All Souls College, der Eigentümer des Grundstücks, zur Verfügung stellte. Mark Twain schenkte der Bibliothek auch noch fünf seiner Bücher. Der Stahlmagnat und Philanthrop Andrew Carnegie unterstützte die Kensal Rise Library einige Jahre später mit einer Spende von £3,000. Im Laufe der Jahrzehnte fanden einige Umbauarbeiten im Gebäude statt; die Bibliothek war ein fester Bestandteil der Gemeinde von Kensal Rise. Doch dann zogen dunkle Wolken über der Public Library auf. Da zwei weitere Bibliotheken, die von Willesden Green und Kilburn nicht allzu weit entfernt waren, machte man sich im Gemeinderat Gedanken darüber, Kensal Rise aus Ersparnisgründe zu schließen. Doch sobald das laut wurde, gab es von seiten der Bevölkerung sofort Proteste.

Doch 2011 war es dann doch so weit; da der Brent Council, zu dessen Verantwortungsbereich Kensal Rise gehört, erhebliche Einschnitte im Haushalt hinnehmen musste, wurden mehrere Bibliotheken geschlossen, auch die, von der hier die Rede ist. Die Bürger gingen auf die Straße und protestierten energisch dagegen. Sie bauten vor dem Bibliotheksgebäude einen Pop up Library auf, zu der die Stadtteilbewohner nicht mehr benötigte Bücher brachten. Um diese vor Regen zu schützen, wurden Plastikplanen über die Behelfsregale gespannt, doch das Wetter vernichtete einen Teil der Bücher. Kensal Rise gab nicht auf, Freiwillige arbeiteten in der provisorischen Freiluft-Bibliothek und machten einen tollen Job. Unterstützung erhielten die Bürger von namhaften Schriftstellern wie Zadie Smith und Alan Bennett, auch die Pet Shop Boys und der Sänger Nick Cave setzten sich für den Erhalt der Bibliothek ein (hier ist ein Film über den Widerstand gegen die Schließung).

Dieser unermüdliche Einsatz führte dann doch zum Erfolg; die Bibliotheksräume wurden nicht in Wohnungen umfunktioniert und im Frühjahr 2017 gab es sie wieder, die Kensal Rise Library im Erdgeschoss des Gebäudes an der Straße Bathurst Gardens. Die Friends of Kensal Rise Library hatten Geld gesammelt, mit dem die Räumlichkeiten renoviert werden konnten und mit großem Enthusiasmus werden heute hier nicht nur Bücher ausgeliehen, sondern jede Menge Veranstaltungen und Fortbildungskurse angeboten. Jetzt fehlt nur noch die Fertigstellung der Kinderbibliothek und da wird schon wieder fleißig Geld gesammelt, um das schnellstmöglich zu bewerkstelligen.
                                                           VIEL ERFOLG!!!

Scarecrows – Die schönsten Vogelscheuchen Englands

Beim Muston Scarecrow Festival in North Yorkshire.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Wie der Name „scarecrow“ schon sagt, sollten diese auf Feldern aufgestellten Gebilde in Menschenform Krähen abschrecken, die Saat aufzufressen und sich ihre Nahrung lieber anderswo suchen lassen. Vor langer Zeit hatten Kinder diese Aufgabe übernehmen müssen, indem sie den ganzen Tag lang auf den Feldern schrien bzw. mit irgendwelchen Krachinstrumenten die Vogelwelt fernhielten. Demgegenüber waren dann die nichtmenschlichen Vogelscheuchen sozusagen „state of the art“.

In England gibt es in mehreren Orten „Scarecrow Festivals“, von denen ich in meinem Blog das von Kettlewell in North Yorkshire schon einmal vorstellte. Ich denke da auch noch u.a. an Muston, ebenfalls in North Yorkshire, und an Dyke in Lincolnshire.

Ich habe hier einmal einige Bilder von meiner Ansicht nach besonders gelungenen Vogelscheuchen zusammengestellt:

Dracula als Vogelscheuche, ebenfalls in Muston (North Yorkshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Goudhurst in Kent.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

In Halmer’s End (Staffordshire).
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Bugs Bunny scarecrows in Flamborough (East Riding of Yorkshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

In Wray (Lancashire).
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

In der Kirche von St Chad’s in Pattingham (Staffordshire).
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

…und zu guter Letzt: Ein besonders farbenfrohes Exemplar in Mottisfont (Hampshire).
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Februar 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Richmondshire – Englands Wohngebiet mit der höchsten Lebensqualität

Blick auf Richmond von der Burgruine aus.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)

Alle zwei Jahre werden in der Halifax Quality of Life Survey die Regionen Großbritanniens gelistet, die die höchste Lebensqualität bieten. Die aktuelle Liste verzeichnet Erstaunliches. Auf Platz 1 liegen die Orkney Inseln, die u.a. mit einer niedrigen Arbeitslosenquote und einer geringen Kriminalitätsrate punkten konnten. Die Menschen, die dort draußen auf den Inseln im Atlantik leben, fühlen sich wohl und sind glücklich.

Da die Orkney Inseln nicht zu meinem Berichtsgebiet gehören, beschäftige ich mit Platz 2, und das ist kein wohlhabendes Wohngebiet im Dunstkreis der Hauptstadt, sondern das ist Richmondshire, hoch oben im Norden, in der Grafschaft North Yorkshire (im Jahr 2017 noch auf Platz 9). Auch hier gibt es eine geringe Kriminalitätsrate, relativ wenig Verkehr auf den Straßen, eine geringe Bevölkerungsdichte und ein weit verbreitetes Gefühl der Zufriedenheit der rund 50 000 Menschen, die hier wohnen.

Was bietet Richmondshire für den Touristen, der sich in der Region einmal umschauen möchte? Sehr viel Natur, denn ein großer Teil der Yorkshire Dales befindet sich hier wie das Swaledale und das für seinen Käse bekannte Wensleydale. Es gibt viele hübsche Dörfer in Richmondshire wie Askrigg, wo die beliebte TV-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ gedreht wurde, Hawes mit seiner Wensleydale Creamery, Middleham mit der Burgruine aus der Zeit Richards III. und Leyburn, wo jedes Jahr im Juni das  Dales Festival of Food and Drink stattfindet.

Mittelpunkt ist die kleine Marktstadt Richmond, die ich einmal besuchte, und die mir sehr gefallen hat. Beherrscht wird sie von den Ruinen des Richmond Castles oberhalb der Stadt. An einem der größten Marktplätze des Landes lieht eines der ältesten Theater Englands, das Georgian Theatre Royal, das Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde und dessen Präsident zurzeit die Schauspielerin Judi Dench ist. Auch Richmond diente viele Male als Drehort für Filme und TV-Serien.

Ein Besuch Richmonds und seiner sehenswerten Umgebung, die ich mehrfach bereist habe, ist sehr zu empfehlen!

Muker im Swaledale.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Askrigg
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)

Hawes
Photo © Malcolm Neal (cc-by-sa/2.0)

 

Great West Way – Eine Initiative, um den Tourismus zwischen London und Bristol zu fördern

Bradford-on-Avon in Wiltshire, eine der hübschen Marktstädte am Great West Way.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)

Sollte es am 29. März 2019 um 23 Uhr englischer Zeit zu einem harten Brexit kommen, hätte das auch Auswirkungen auf den Tourismus auf der Insel, welche das auch immer sein mögen. Möglicherweise werden die Briten bei ihren Urlaubsplanungen erst einmal vorsichtig sein und im eigenen Land bleiben. Da kommt die Initiative Great West Way gerade recht, die den Tourismus fördern will und zwar im Bereich zwischen London und Bristol. Finanziell unterstützt wird Great West Way vom Discover England Fund, der in den Jahren 2016 bis 2019 £40 Millionen ausgegeben hat bzw. noch ausgeben wird.

Great West Way ist eine knapp 200 Kilometer lange Route, die sich auf beiden Seiten der Autobahn M4 bzw. der Straße A4 entlangzieht, die man zu Fuß, zu Fahrrad, per Boot oder per Auto erkunden kann. Auf den Webseiten gibt es jede Menge Hilfestellungen, um seine Reise zu planen, egal wofür man sich interessiert. Beispielsweise gibt es einen Film and TV Locations Guide, mit dem eine Reise auf den Spuren von Filmschauplätzen unternommen werden kann. Der Industrial Heritage Break führt zu historischen Schauplätzen wie STEAM in Swindon und zur Clifton Suspension Bridge bei Bristol. Wer sich für hübsche Kleinstädte interessiert, der kann sich seine Reise anhand der Top 10 Charming Market Towns zusammenstellen, die u.a. nach Henley-on-Thames, Marlborough, Marlow und Bradford-on-Avon führt.

Weiterhin bieten die Webseiten von Great West Way Unterstützung bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, angefangen von preisgünstigen Campingplätzen und Bed&Breakfast bis hin zu Luxushotels, von denen es in dieser Region einige gibt wie Lucknam Park, The Royal Crescent in Bath und das Woolley Grange Hotel bei Bradford-on-Avon.

Great West Way ist interessant und hilfreich für jeden, der sich diese Region Englands einmal genauer ansehen möchte und nicht nur auf der M4 an allem vorbeifahren will.

Auf der A4 in Marlborough (Wiltshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Das Lucknam Park Hotel bei Thickwood in Wiltshire.
Photo © Viki Bennett (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Das Tom Thumb Theatre in Margate (Kent) – Eines der kleinsten Theater der Welt

Tom Thumb ist eine Figur der englischen Folklore und entspricht etwa dem Däumling in der deutschen Märchenwelt. Er war so winzig wie der Daumen seines Vaters, und er soll in Tattershall in  Lincolnshire gelebt haben und dort auch gestorben sein. In der Holy Trinity Church existiert eine Grabplatte mit der Inschrift „T. Thumb – Aged 101 – Died in 1620“.

Nach diesem Mini-Wesen benannt ist eines der kleinsten Theater der Welt, das Tom Thumb Theatre in Margate (Kent). 1896 wurde das Gebäude als Schuppen für Kutschen erbaut. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel es allmählich und wurde zuletzt als Garage genutzt, als Lesley und Sarah Parr-Byrne es 1984 vor dem Abriss retteten. Sie kauften das Haus und errichteten darin ein winziges Theater mit einer Bühne, die gerade einmal 3,06 Meter x 2,04 Meter misst. 1985 wurden die beiden Besitzer dafür mit dem Civic Award ausgezeichnet. Das Haus an der Eastern Esplanade ist plüschig in viktorianischem Stil eingerichtet und bietet ein breites Spektrum an Veranstaltungen. Da gibt es Comedyabende, Filmvorführungen, Bands treten auf, experimentelles Theater findet statt usw. usw.

Heute Abend, am 24. November beispielsweise tritt die Londoner Grinch Mountain Bluegrass Band auf, am Tag darauf Paul Jacobs mit seiner Band, am 28. November gibt es wieder das monatliche Filmquiz und am 29. November bietet das Shakespeare Heptet Auszüge aus seinem Repertoire. Hier ist ein Auftritt der Londoner Girlband Abjects zu sehen.

Wer möchte, kann auch das komplette Theater für Geburtstagsparties, Hen Nights, Tagungen usw. buchen. Es steht für fast alles zur Verfügung.

Siehe zum Thema auch meinen Artikel über das Theater in Great Malvern, das einmal eine Herrentoilette war.

Tom Thumb Theatre
2 Eastern Esplanade
Cliftonville
Margate
CT9 2LB

Hier in der Holy Trinity Church in Tattershall in Lincolnshire soll der Namensgeber des Theaters begraben sein.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

National Tree Week vom 24. November bis zum 2. Dezember 2018

Eine Eiche in Herefordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mich in England aufhalte, fällt mir immer wieder auf wie viele schöne, hochgewachsene, wunderbar geformte Bäume dort zu finden sind. Ob als Solitär auf einer Wiese stehend oder in Gruppen in einem der Parks oder Arboreten, ich finde die Bäume immer wieder faszinierend.

In der Zeit vom 24. November bis zum 2. Dezember in diesem Jahr stehen sie in der National Tree Week zu Recht wieder einmal im Mittelpunkt. 1975 wurde diese Idee erstmals vom Tree Council ins Leben gerufen, einer Wohltätigkeitsorganisation für Bäume, die auch eine Tree Care Campaign und eine Hedge Tree Campaign unterhält.

Während der National Tree Week wird dazu aufgerufen, Bäume zu pflanzen und an dieser Aktion beteiligen sich Freiwillige, Schulen, Behörden und kommunale Gruppen, die ein Herz für Bäume haben. Rund eine Million werden in dieser Zeit gepflanzt, initiiert und unterstützt von Tree Wardens („Tree Wardens are volunteers, appointed by parish councils or other community organisations, who gather information about their local trees, get involved in local tree matters and encourage local practical projects related to the trees and woods“).

Es gibt zahlreiche Aktivitäten auf lokaler Ebene wie Vorträge, Waldspaziergänge usw. Das Weald and Downland Living Museum in Singleton bei Chichester (West Sussex) beispielsweise spricht gezielt Schulen an, die ihre Projekte in Zusammenarbeit mit dem Museum durchführen können.

Hier ist ein kurzer Film über die National Tree Week.

Eine Araukarie (Monkey Puzzle Tree) in Derbyshire.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Eine Platane (London plane tree) in Worcestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

The Christmas Adventure in Stockeld Park (West Yorkshire)

Stockeld Park.
Author: GPBG1204.
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5 km von Wetherby in West Yorkshire entfernt liegt Stockeld Park, ein großes Anwesen, auf dem seit 2006 jedes Jahr ein Winterwunderland, The Christmas Adventure,  aufgebaut wird, das für Groß und Klein jede Menge (vor)weihnachtliche Attraktionen bietet. In diesem Jahr ist es seit dem 1. November geöffnet und schließt am am 7. Januar 2019.

Da gibt es z.B. einen großen illuminierten Irrgarten in Form einer Schneeflocke mit 12 Eingängen und 1,5 km Wegen, aus dem herauszufinden nicht ganz leicht ist.
Einer der Höhepunkte ist der Enchanted Forest, das ist ein 1,2 km langer Weg durch ein Waldgebiet, in dem man Trollen, Zauberern und anderen Fantasiefiguren begegnet; am besten man geht nach Einbruch der Dunkelheit in diesen Zauberwald, denn dann sind die Figuren alle illuminiert.

In Santa’s Grotto kommen die kleinen Besucher auf ihre Kosten, denn da begegnen sie dem Weihnachtsmann. Tickets für den Weihnachtsmannbesuch können über das Internet vorab gebucht werden.

Es gibt eine Eislaufbahn, die seit diesem Jahr auch überdacht ist, und einen Nordic Ski Trail, der durch den Zauberwald führt.

Da auf dem Gelände von Stockeld Park auch Weihnachtsbäume angepflanzt werden (die besten von Yorkshire!), bietet es sich an, bei einem Besuch des Christmas Adventures auch geich einen Baum mit nach Hause zu nehmen.

Natürlich gibt es hier auch einen riesigen Christmas Shop, in dem man alles kaufen kann, was das weihnachtliche Herz begehrt.

Dieser Film vermittelt einige Impressionen aus dem Winterwunderland.

Published in: on 15. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Newent Onion Fayre – Der Zwiebelmarkt in Newent (Gloucestershire)

Ich bleibe in meinem heutigen Blogeintrag, nachdem ich gestern über die Onion Johnnies berichtete, noch einmal beim Thema Zwiebeln. Diese werden natürlich auch in England angebaut, zum Beispiel in der Grafschaft Gloucestershire, wo in Newent (rund 17 Kilometer nordwestlich von Gloucester gelegen) alljährlich die Onion Fayre stattfindet; in diesem Jahr im September zum dreiundzwanzigsten Mal. Bei den Festivitäten steht die Lauchpflanze im Mittelpunkt des Geschehens. In der Memorial Hall von Newent stellen Züchter aus dem ganzen Land bei der Onion Show ihre Exemplare zur Schau, die dann auch prämiert werden.
Es gibt eine Shop Window Competition, bei der das am schönsten geschmückte Schaufenster ausgezeichnet wird und das in jedem Jahr unter einem anderen Motto steht. „Onions in History“ war das diesjährige Motto, und der Gewinner war das Schaufenster von New Start Rescue, einer Organisation, die sich um herrenlose Katzen kümmert.

Ein weiteres Highlight der Newent Onion Fayre ist die „World Famous Onion Eating Competition„, bei der eine rohe Zwiebel so schnell wie möglich aufgegessen werden muss. Die Damen quälen sich mit einem etwa 140 Gramm schweren Exemplar herum, bei den Männern wiegt die Zwiebel circa 200 Gramm; keine leicht zu lösende Aufgabe wie dieser Film zeigt.

Newent erwartet jedes Jahr rund 15 000 Besucher, die sich in der Stadt amüsieren können, zum Beispiel im Food Village, wo die Zwiebel allerdings keine allzu große Rolle spielt. Die Kinder erwartet die Funion Zone (die Engländer sind immer wieder großartig im erfinden von Wortspielen) und, wie bei Fayres, üblich gibt es in Newent auch eine Dog Show. Hier sind Impressionen von der Fayre im Jahr 2014.

Auch wer keine Zwiebeln mag, kommt bei der Newent Onion Fayre also auf seine Kosten. Der nächste Zwiebelmarkt ist für den 14. September 2019 angekündigt.

Die Innenstadt von Newent.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Incredible Edible – Eine Organisation, deren Ursprung in Todmorden in West Yorkshire liegt

Der Markt von Todmorden.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Mit der Kleinstadt Todmorden in West Yorkshire habe ich mich vor einiger Zeit in meinem Blog beschäftigt. Hier entstand im Jahr 2008 eine Bewegung, die sich Incredible Edible nennt, die sich zu 100% aus freiwilligen und unbezahlten Bewohnern der Stadt zusammensetzt, die sich alle das Ziel gesetzt haben, Todmorden zur ersten Stadt in Großbritannien zu machen, die soweit wie möglich unabhängig ist von der Versorgung mit Lebensmitteln, vor allem mit Obst und Gemüse…und das auch noch kostenlos.

Wie das funktioniert? Man hat dort alle unbebauten und hässlichen Flecken in der Stadt umfunktioniert; da, wo sich neben Parkplätzen, Supermärkten und verwahrlosten Grundstücken Müll und Dreck angesammelt hatte und wo Hunde ihre Geschäfte verrichteten, hat man Essbares angepflanzt wie Obst, Gemüse, Kräuter, Salate und vieles andere mehr. Das sieht zum einen schon sehr viel schöner aus und zum anderen kann sich dort jedermann bedienen, ohne etwas bezahlen zu müssen. Eine wirklich tolle Idee! Auf dem Parkplatz des Todmorden Health Centres kann man sich den neu angelegten Apothecary Garden ansehen, auf dem Heilkräuter angepflanzt worden sind.

Incredible Edible unterstützt auch die Bewegung Shop Local, deren Motto „Put your money where your house is“ lautet. Man versucht in Todmorden weitgehend lokale und regionale Produkte zu verwenden, sei es in den Geschäften oder auf den Marktständen.

Ein weiteres Ziel von Incredible Edible ist es, durch diese Pflanzaktionen und auch durch Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Stadt zu fördern. Dieser CNN-Film zeigt die Aktivitäten in Todmorden.

Die hier in West Yorkshire entstandene Bewegung hat Schule gemacht: Über 100 Gruppen sind in Großbritannien gegründet worden, die zum Incredible Edible Netzwerk gehören, weltweit sind es sogar schon über 1000. In England machen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, folgende Ort mit: Hook Norton in Oxfordshire, Ludlow in Shropshire, Swindon in Wiltshire, Totnes in Devon, aber auch einzelne Stadtteile in  London wie Barnet und Lambeth.

In Deutschland nennt sich das Projekt Essbare Stadt; Kassel und Andernach waren die ersten Städte, die auf den in Todmorden gestarteten Wagen aufgesprungen sind.

Die Burnley Road in Todmorden; links, angebautes Gemüse.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)

Die Bournemouth Pier Zip – Die weltweit erste Anlage dieser Art

Nachdem ich gestern über die Pier von Herne Bay in Kent geschrieben habe, bleibe ich heute noch einmal bei dem Thema Pier. In Bournemouth an der englischen Südküste gibt es ebenfalls eine Pier, deren Ursprünge bis in das Jahr 1856 zurückreichen.
Da sich die Betreiber dieser Seebrücken immer wieder etwas Neues einfallen lassen müssen, damit diese attraktiv bleiben, gerade auch für jüngeres Publikum, kam man 2013 hier in Bournemouth auf die Idee, etwas Spektakuläres zu bauen, was es bisher noch auf keiner Pier in der ganzen Welt gab: Eine Pier Zip, das ist ein Freizeitvergnügen, bei dem man an einem Seil von einem Turm auf der Pier bis zum Strand hinunterfahren kann. Im September 2014 wurde die Anlage in Betrieb genommen. Auf einer 25 Meter hohen Plattform klinkt man sich, entsprechend gesichert, in die Pier Zip ein und schwebt dann an einem Seil 250 Meter bis an den Strand. Es gibt zwei parallel gespannte Seile, so dass man auch Wettrennen veranstalten kann. Dieses Vergnügen ist nicht ganz billig: £20 kostet ein „Ritt“ in der Hauptsaison, £15 den Rest des Jahres.

Mit der Sicherheit nimmt man es sehr genau: Sowohl auf dem Turm als auch an der „Anlegestelle“ am Strand steht immer Personal bereit, das für einen reibungslosen Ablauf sorgt.
Der Pier Zip ist ganzjährig geöffnet. Dieser Film zeigt wie so eine Fahrt abläuft.

Der Startturm auf der Pier.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Hier ist die ganze Strecke zu sehen, vom Turm bis zur Landestation.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. September 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Die Herne Bay Pier in Kent – Vom Schicksal gebeutelt

Die Pier von Herne Bay, im Hintergrund der stehengebliebene Brückenkopf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Ich kenne den Badeort Herne Bay an der Nordküste von Kent nur von einem Besuch an einem trübgrauen Herbsttag und da sah er alles andere als einladend aus; aber bei Sonnenschein ist es dort sicher viel schöner. Schon seit 1832 gibt es in Herne Bay eine Pier, die für £50,000 erbaut wurde und über einen Kilometer ins Meer hinausragte, in der Hoffnung, zahlreiche Besucher an die Nordküste zu ziehen.

Piers sind anfällige Gebäude, die recht häufig von Stürmen und Bränden heimgesucht werden; einige sind auch schon von Schiffen mit unaufmerksamen Kapitänen gerammt worden. Die Herne Bay Piers (es hat bisher drei gegeben) sind besonders schlimm gebeutelt worden. Die Holzpfeiler der ersten Pier wurden von Schiffsbohrwürmern angefressen, das sind unangenehme Gesellen, die erhebliche Schäden anrichten können, was sie in Herne Bay auch taten. Die Holzpfeiler wurden durch metallene ersetzt bzw. mit Kupferhüllen umzogen, aber irgendwie war alles schon zu spät. Als auch noch die Passagiere ausblieben, die per Schiff an der Pier anlegten, und stattdessen mit der Eisenbahn anreisten, war das Schicksal der Herne Bay Pier besiegelt. Sie wurde im Jahr 1871 abgerissen.

Da man im Ort aber unbedingt eine neue Pier haben wollte, baute man schnell Pier Nummer 2, die schon 1873 der Öffentlichkeit übergeben wurde, allerdings nur 100 Meter lang war. Sie stieß leider auf kein großes Interesse, vielleicht weil sie so kurz war, und erwirtschaftete kein Geld. Also musste eine weitere Pier her. Jetzt klotzte man und kleckerte nicht, denn Pier Nummer 3 war mit 1154 Metern die zweit längste in England, die 1899 eröffnet wurde. Am 9. September 1928 schlug das Schicksal zu; bei einem Feuer brannten das Theater und einige Läden am Eingang ab. Im Zweiten Weltkrieg übernahm das Militär die Pier und sprengte Teile davon, damit bei einem feindlichen Angriff keine Schiffe anlegen konnten. Bei schweren Stürmen Anfang 1953 setzten die Wellen der Pier zu und richteten Schäden an. Als man im Juni 1970 den Grand Pavilion wieder neu aufbauen wollte, löste bei Schweißarbeiten ein Funke ein Feuer aus, und das Gebäude brannte komplett ab.
Weitere schwere Stürme 1978 und 1979 verursachten so große Schäden, dass der größte Teil der Pier abgerissen wurde. Der Brückenkopf draußen im Meer ist stehengeblieben.

Heute ist die Mini-Pier von Herne Bay nur noch 98 Meter lang, aber Pläne für eine richtig lange Version sind noch nicht vom Tisch und wenn das entsprechende Geld vorhanden ist, wird es vielleicht eines Tages eine Pier Nummer 4 geben.

Der Film „French Dressing“ aus dem Jahre 1964 ist übrigens zu großen Teilen an der Seebrücke von Herne Bay gedreht worden. Hier ist ein Ausschnitt zu sehen.

Der Piereingang.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Der einsame Brückenkopf.
Photo © Hywel Williams (cc-by-sa/2.0)

Das Tough Guy Race in Perton (Staffordshire) – Ein Wettbewerb für harte Kerle und toughe Frauen

Wem das Ironman-Triathlon zu einfach ist, der hat in England die Möglichkeit ein Rennen mitzumachen, das wirklich nur etwas für harte Kerle, also für „Tough Guys“ ist, aber auch ebensolche Frauen dürfen teilnehmen.

Alljährlich findet Ende Januar bei Perton in der Grafschaft Staffordshire das „Tough Guy Race“ statt, das regelmäßig nur die Hälfte aller Teilnehmer bis zum Ende durchhält.

12 km lang ist der Parcours, der mit Hindernissen nur so gespickt ist, die gefährlich klingende Namen haben wie „The Vietcong Tunnels“, „Tyre Torture“ oder „Stalag Escape“. Man muss unter Drähten, die unter Strom stehen, hindurchkriechen, hohe Wände ohne jegliche Hilfsmittel überwinden und durch tiefen Morast waten. Verletzungen kommen bei den Teilnehmern häufig vor, sogar einen Todesfall hat es schon gegeben. Ein ganzes Heer von medizinisch geschultem Personal steht für Notfälle bereit.

In den letzten Jahren waren Deutsche sehr erfolgreich und gewannen mehrfach das Rennen.

Ausgedacht hat sich das Ganze ein Grenadier der britischen Armee, der Trainingscamps für Elitesoldaten entwarf. Die Nachfrage, an dem Rennen teilzunehmen, ist groß, so dass sich in jedem Jahr mehrere tausende „Tough Guys“ oder auch „Tough Girls“ anmelden.
Der nächste Start findet am 27. Januar 2019 statt, nachdem es in diesem Jahr ausgefallen ist. Die Teilnehmerzahl ist jetzt auf 1000 beschränkt. Die Teilnahmegebühr beträgt £100.

Also: Auf nach Staffordshire!

Hier sind Impressionen vom Tough Guy Race 2017.

Published in: on 15. September 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Gondola – Ein in venezianischem Stil gebautes Boot, das auf dem Coniston Water im Lake District unterwegs ist

Coniston Water ist einer der malerisch gelegenen Seen im Lake District im Nordwesten Englands, etwas über acht Kilometer lang, fast 800 Meter an seiner breitesten Stelle und bis zu 56 Meter tief. Bekannt wurde Coniston Water als der See, auf dem immer wieder Geschwindigkeitsrekorde mit Booten aufgestellt wurden. Am 4. Januar 1967 starb Donald Campbell hier, als sich sein Boot Bluebird bei einer Geschwindigkeit von über 500 km/h überschlug.

Sehr viel langsamer ist das Schiff Gondola, das auf dem Coniston Water mit nur 15 km/h bis 20 km/h die Fluten durchpflügt und Touristen auf mehreren Routen über den See transportiert. Die Form des Schiffes ist ungewöhnlich und erinnert, wie es der Name vermuten lässt, an eine venezianische Gondel. Am 30. November 1859 erfolgte der Stapellauf des 200 Passagiere fassenden Schiffes Steam Yacht (SY) Gondola, das nach dem damaligen neuesten Stand der Technik gebaut wurde. Bis zum Jahr 1936 war das Boot im Einsatz, dann wurde es stillgelegt und als Hausboot benutzt. Mehrere Jahrzehnte dämmerte Gondola am Südufer des Sees vor sich hin, verfiel und wurde um ein Haar verschrottet. Doch dann trat Mitte der 1970er Jahre der National Trust auf den Plan und nahm sich des Schiffes an. Es wurde mit sehr viel Aufwand von Grund auf renoviert, mit einer neuen Maschine versehen, und SY Gondola lief am 25. März 1980 zum zweiten Mal vom Stapel. Die Jungfernfahrt erfolgte im folgenden Jahr am 8. Juni.

Der National Trust als Eigentümer lässt das Schiff jedes Jahr von März bis Oktober über das Coniston Water gleiten und bietet einmal die Full Lake Cruise ( £21) an, die 105 Minuten dauert und am Coniston Pier im Norden des Sees startet, und die Head of the Lake Cruise (£11), die 45 Minuten dauert. Darüber hinaus werden noch weitere Spezialtouren angeboten.

Hier sind Impressionen von Bord des Schiffes zu sehen.

Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Juli 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Die Calendar Girls des Rylstone & District Women’s Institute aus North Yorkshire

Cracoe Village Hall, wo sich die Damen des Rylstone Women’s Institute regelmäßig treffen.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Im allgemeinen verbindet man der Aktivitäten der britischen Women’s Institutes (WI), berechtigt oder auch nicht, mit Kuchenbacken, Rezepte austauschen, gemeinsamem Teetrinken usw. Einige Damen des WI Rylstone and District in der Grafschaft North Yorkshire machten von sich reden, als sie am 12. April 1999 einen Kalender veröffentlichten, der nicht aus netten Katzen- oder Blumenfotos bestand, sondern aus Nacktfotos von sich selbst. Die WI-Damen waren keine ganz jungen Frauen mehr, sondern schon etwas fortgeschrittenen Alters (45-66), also gehörte  etwas Mut dazu, sich hüllenlos ablichten zu lassen. Allerdings ging man etwas diskreter vor, wie beispielsweise auf Playboy-Fotos, und verdeckte die intimeren Zonen der Körper. Der Kalender wurde im Devonshire Arms in Cracoe der Öffentlichkeit vorgestellt. Geplant war ursprünglich, dass er nur in dieser Region von North Yorkshire zum Verkauf angeboten werden sollte, doch, wer hätte das gedacht, binnen einer Woche war er ausverkauft. 10 000 Exemplare wurden nachgedruckt und auch die gingen in wenigen Wochen über die Ladentische. Ende 1999 hatte man tatsächlich 88 000 Stück verkauft. Es gab sogar eine Version des Kalenders für den US-Markt, der ebenfalls in hohen Stückzahlen abgesetzt werden konnte. Die Ladies aus der abgeschiedenen Region der Yorkshire Dales waren international im Gespräch und wurden zu Talkshows eingeladen, wo sie auch erklärten, warum sie die freizügigen Aufnahmen von sich hatten lassen machen.

Der Ehemann einer der WI-Damen war an dem Non-Hodgkin-Lymphom gestorben, und ihre Freundinnen wollten ihr durch den Verkauf des Kalenders finanziell etwas unter die Arme greifen. Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass sie insgesamt rund £3 Millionen einsammeln konnten, Geld, das sie der Leukaemia & Lymphoma Research (heute Bloodwise genannt) zur Verfügung stellten.

Diese Kalender-Aktion inspirierte den englischen Regisseur Nick Cole, daraus einen Spielfilm zu machen, für den er hochkarätige Schauspielerinnen gewinnen konnte wie Helen Mirren, Julie Walters, Celia Imrie und Penelope Walton (die Isobel Crawley in „Downton Abbey“). Der Film erhielt den British Comedy Award und die beiden Akteurinnen Helen Mirren und Julie Walters wurden für mehrere Preise nominiert. Gedreht wurde „Calendar Girls“ (dt. „Kalender Girls“) in der näheren Umgebung des Originalschauplatzes, u.a in Kettlewell, Settle und Buckden. Hier ist der Trailer zum Film.

Weiterhin wurde aus dem Stoff ein Musical gemacht, das im November 2015 im Grand Theatre in Leeds seine Premiere feierte und ein Theaterstück, das im Londoner Noel Coward Theatre aufgeführt wurde.

Hier, im Devonshire Arms in Cracoe (North Yorkshire) wurde der Kalender vorgestellt.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Einer der Drehorte des Films „Calendar Girls“: Die Autowerkstatt von Kettlewell in North Yorkshire.
Photo © Doug Elliot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Muker Silver Band – Eine Blaskapelle aus North Yorkshire

Muker in North Yorkshire.
Photo © Dennis Turner (cc-by-sa/2.0)

Seit Beginn der Industriellen Revolution bildeten sich in den Bergwerksorten Yorkshires Blaskapellen, eine Freizeitbeschäftigung, die von der schweren Arbeit unter Tage ein Gegengewicht darstellte bzw. zur Unterhaltung der Bergleute und der Dorfbewohner diente. Eine der ersten war die Stalybridge Old Band, die im Jahr 1809 gegründet wurde und die es noch immer gibt; eine der bekanntesten war die Grimethorpe Colliery Band, deren Geschichte in dem Film „Brassed Off“ (1996) wiedergegeben wurde (s. hierzu meinen Blogeintrag).

Auch das kleine Dorf Muker im Swaledale in North Yorkshire, in dem vor langer Zeit Blei abgebaut wurde, unterhält noch eine eigene Blaskapelle, die Muker Silver Band, eine der letzten in dieser Region. Am 22. Juni 1897 trat die Muker Subscription Brass Band, wie sie damals hieß, erstmals auf; Anlass war Queen Victorias Diamond Jubilee. Die Kapelle, die überwiegend aus jungen Männern bestand, die sich das Spielen ihrer Instrumente selbst beigebracht hatten, trat hier und da bei Festen in der näheren Umgebung von Muker auf. Doch in den letzten 50 Jahren ist die Muker Silver Band deutlich ambitionierter geworden, ihre Mitglieder kommen nicht mehr nur aus dem Dorf, sondern aus einem weiteren Umkreis, über ein Drittel sind mittlerweile Frauen und das Repertoire hat sich auch verändert, hin zu anspruchsvollerer Musik.

Die Brass Band hat einige CDs aufgenommen und hat sogar Auftritte außerhalb Englands absolviert, u.a. auch entlang des Rheins in Deutschland. Der Dirigent Duncan Bythell, der seit 1985 dabei ist, hat ein Buch über die Muker Silver Band geschrieben, das den Titel „Banding In The Dales“ trägt und aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Blaskapelle 1997 veröffentlicht wurde.

In diesem Jahr sind mehrere Auftritte geplant, alle in Yorkshire, die meisten davon in Muker selbst. Hier ist die Silver Band in Muker zu hören und zu sehen.

Der Mittelpunkt von Muker: The Farmers Arms.
Photo © John Darch (cc-by-sa/2.0)

Die Countryside Alliance Awards 2017

Our vision is a future for the countryside which both preserves its traditional values and promotes a thriving rural community and economy; a countryside sustainably managed and sustainably enjoyed; a countryside where rural communities have equal access to the facilities and services enjoyed in urban communities; a countryside where people can pursue their businesses, activities and lives in a society that appreciates and understands their way of life„.
So lautet das Motto der Countryside Alliance, die das Wohlergehen des dörflichen Englands im Auge hat und die jährlich die Countryside Alliance Awards vergibt. Am 25. April 2018 fand die Preisverleihung für das Jahr 2017 im Cholmondeley Room des Oberhauses im Londoner Parlamentsgebäude statt. Hier sind einige der Sieger in ihren jeweiligen Kategorien:

Kategorie Local Food and Drink: Quex Barn auf dem Quex Estate in Birchington (Kent).
Im Farm Shop wird eine umfangreiche Palette an lokalen Produkten angeboten wie Käse, Biere, Früchte, Fleisch, Fisch usw., überwiegend aus der Grafschaft Kent. Freitags und Samstags wird ein Abendessen angeboten, samstags ein Frühstück. Im „Barber Bus“ kann man sich auch noch die Haare schneiden lassen. Die Quex Barn ist eine tolle Einrichtung! Hier ist ein Film über den Farm Shop.

Kategorie Pub: The Swan in Enford (Wiltshire).
Enford ist ein kleines Dorf an der A345, etwa auf halbem Weg zwischen Marlborough und Salisbury. Der unter Denkmalschutz stehende Swan ist als letztes übrig geblieben, nachdem der Dorfladen, die Bäckerei und die Post alle geschlossen worden sind. Der Pub ist im Besitz von Einheimischen und erfreut sich großen Zuspruchs von Gästen auch aus der Umgebung. Ein vorbildlicher Country Pub, den ich gern in meiner Nähe hätte! Hier ist ein Film über den Pub.

Kategorie Village Shop/Post Office: Pontrilas Post Office & Store in Pontrilas (Herefordshire).
Das kleine Dorf findet man an der A465, südwestlich von Hereford, dicht an der Grenze zu Wales. Der Laden bietet in erster Linie Produkte aus der Region an und im Tea Room treffen sich die Dorfbewohner. Dieser Film zeigt, welche Rolle so ein kleiner Laden in der Dorfgemeinschaft spielen kann.

The British Sundial Society – Sonnenuhrenfans unter sich

Eine der größten Sonnenuhren in Europa in Amble (Northumberland).
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Eine Sonnenuhr ist ein astronomisches Gerät, das den Lauf der Sonne beziehungsweise ihren aktuellen Stand am Himmel auf einfache Weise darstellen kann, vorwiegend zur Anzeige der Tageszeit. So, kurz und prägnant, die Wikipedia zum Begriff „Sonnenuhr“.
Dass es in Großbritannien und auch in anderen Teilen der Welt viele Sonnenuhr-Enthusiasten gibt, zeigt die Tatsache, dass sich viele dieser Interessenten in der British Sundial Society (BSS) zusammengefunden haben.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1989 von einer Handvoll „Sundial fans“, heute gehören ihr mehr als 400 Mitglieder an, die nicht nur aus Großbritannien kommen. Die Zielsetzung der BSS in ihren eigenen Worten:

„to advance the education of the public in the art and science of gnomonics and the knowledge of all types of sundial; to catalogue and advise on the restoration of sundials in the British Isles, and to research their history“. (Gnomonics = The art or science of dialing, or of constructing dials to show the hour of the day by the shadow of a gnomon.)

Viermal im Jahr veröffentlicht die BSS ein 48seitiges Bulletin mit Fachartikeln rund um das Thema Sonnenuhr. Die letzte Ausgabe, Nummer 105, erschien im März 2018.

Es gibt eine Fülle von Firmen in Großbritannien, die Sonnenuhren herstellen wie z.B.:
Black Country Sun Dials in Oswestry (Shropshire)
David Brown Sundials in Somerton (Somerset)
Harriet James Sundials in Warminster (Wiltshire)

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der British Sundial Society zu ihrer BSS Conference und zu ihrem eintägigen Meeting in der Sutton Hall in Stockcross bei Newbury (Berkshire).

Wer sich für das Thema interessiert, findet eine hervorragend gemachte Homepage der BBS, die kaum eine Frage offen lässt.

Das Buch zum Artikel:
Mark Lennox-Boyd: Sundials – History, Art, People, Science. Frances Lincoln 2006. 144 Seiten. ISBN 978-0711224940.

Eine Sonnenuhr an der Kirche King Charles the Martyr in Tunbridge Wells (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Zwei besonders schöne Exemplare am Gonville and Caius College in Cambridge.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der London Gay Men’s Chorus

Erst waren es neun homosexuelle Männer, die sich 1991 in London zusammentaten, um einen Chor zu gründen, heute nach 27 Jahren besteht der London Gay Men’s Chorus aus rund 200 Mitgliedern, und er ist sogar international in Erscheinung getreten durch Auftritte in einigen europäischen Ländern und in den USA und Australien.

Our mission is to entertain, educate and inspire through song – performing to the highest standard and challenging pre-conceptions of gay men„, so lautet die Devise des größten europäischen homosexuellen Chores, der Ende des Monats Mai ein erneutes Gastspiel in Prag geben wird. Höhepunkt in der Geschichte des Chores waren u.a. ein Besuch bei David Cameron in 10 Downing Street, wo die Männer sich in einer Aktion gegen Homophobie im Sport stellten, Auftritte in der Royal Festival Hall, in der Southwark Cathedral und im Millennium Dome in Anwesenheit der Queen. Der Chor trat schon zusammen mit den ganz Großen der britischen Musikszene auf wie mit Elton John und den Pet Shop Boys.

Das Repertoire des London Gay Men’s Chorus ist weit gespannt und umfasst klassische Musik, Folklore, Jazz, Musicals und Popmusik. Im Lauf der Jahre haben die Chormitglieder schon sehr viel Geld für wohltätige Zwecke gesammelt.

Im vorigen Jahr erschien ein Buch über den Chor mit dem Titel „The Secret History: The London Gay Men’s Chorus„, geschrieben von Robert Offord, das sich auf mehr als 300 Seiten mit den sangesfreudigen Männern beschäftigt, beginnend mit den ersten Auftritten, zum Beispiel in der U-Bahnstation Angel in Islington.

Geprobt wird regelmäßig im Cecil Sharp House in der Regent’s Park Road, „England’s award winning folk arts centre, at the heart of London“.

Hier ist der Chor mit dem Titel „Go West“ zu hören, das die Village People 1979 sangen und das die Pet Shop Boys 1993 neu interpretierten.

Das Cecil Sharp House in der Londoner Regent’s Park Road.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Harris’s List of Covent Garden Ladies – Ein Führer durch das Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts


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Der irische Schriftsteller Samuel Derrick (1724-1769) soll der Herausgeber eines Führers durch das Londoner Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts gewesen sein, der sich „Harris’s List of Covent Garden Ladies“ nannte und in den Jahren 1757 bis 1795 erschien.
Das heutige Covent Garden Viertel wird geprägt vom Royal Opera House, dem Theatre Royal Drury Lane und einer Vielzahl von Pubs, Bars und Restaurants. Im 18. Jahrhundert hatte Covent Garden allerdings keinen guten Ruf, denn hier war ein Schwerpunkt der Prostitution der Hauptstadt. Herren, die sich des sexuellen Vergnügens hingeben wollten, hatten eine große Auswahl an Damen, die ihrerseits ihre Dienste feilboten. Damit die Auswahl etwas leichter fiel, gab es die besagte „Harris’s List of Covent Garden Ladies“, benannt nach dem Zuhälter Jack Harris, der sich selbst in seiner Autobiografie „“Pimp General to the People of England“ nannte. In dieser Liste, die immer wieder neu aufgelegt wurde, fand man die Damen des horizontalen Gewerbes penibel aufgelistet, mit allen ihren Vorzügen und Nachteilen. Über 250 000 Exemplare sollen in den knapp dreißig Jahren verkauft worden sein.

Werfen wir einmal einen Blick in die Liste. Da finden wir zum Beispiel  eine Miss Dav-s (die Namen sind nie vollständig ausgeschrieben), die in der Margaret Street 28 wohnte. Sie war ca 18 Jahre alt und hatte hübsche Gesichtszüge; vor allem ihr Mund war sehr schön und erinnerte an eine Rose, kurz bevor sie zu blühen begann. Nur ihre Augen gereichten zu ihrem Nachteil, denn sie waren schmal und grau.

Miss Ke-t von der Warren Street Nummer 9, 20 Jahre alt mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, wird poetisch so beschrieben: „Whenever she is offering incense at the shrine of Venus, her whole frame is agitated with pleasure, her eyes languish, her breasts heave, and her limbs quiver, while involuntary sighs and murmurs burst forth from her tender bosom, provoking the transports of the happy priest who administers with her“. Welcher Herr konnte da widerstehen?

Miss Sh-rd aus der Goodge Street Nummer 46 nahm für ihre Dienstleistungen eine Guinea und der Verfasser ihrer Kurzvita schwärmt: „Her hand and arm are uncommonly neat; and her leg, thigh, and the demesnes adjacent remarkably tempting“.

Die Historikerin Hallie Rubenhold hat sich mit der Thematik intensiv beschäftigt und einige Bücher darüber geschrieben; in Deutschland erschien ihr „Covent Garden Ladies: Ein Almanach für den Herrn der Welt“ (Osburg-Verlag 2009).

In der BBC-Dokumentation „The Harlot’s Handbook“ schildert Hallie Rubenhold das Prostituierten-Milieu der damaligen Zeit: Teil 1 und Teil 2.

Covent Garden Market.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)