Muddy Stilettos – The Urban Guide to the Countryside

Die Zielgruppe der Webseiten: „Smart, fun-loving women“.
author: emilio labrador
Creative Commons 2.0

Schon seit längerem verfolge ich die Webseiten, die den witzigen Titel „Muddy Stilettos“ tragen, an und für sich ein Widerspruch, aber wenn man den Zusatztitel „The Urban Guide to the Countryside“ liest, wird das schon klarer. Die Journalistin Hero Brown, die zum Beispiel für den Observer, für Marie Claire und Elle tätig war, erstellte die Webseiten im Jahr 2011, nachdem sie die Metropole London verlassen und sich auf dem Lande eingerichtet hatte. Ziel von „Muddy Stilettos“ war und ist, über alles zu berichten, was sich außerhalb Londons so abspielt. Ging es ursprünglich in erster Linie um die Grafschaften Buckinghamshire und Oxfordshire, so hat Hero Brown das Spektrum fast auf das ganze Land ausgeweitet. Zielgruppe: „smart, fun-loving women„.

Es gibt eine Fülle von Rubriken auf „Muddy Stilettos“ wie Hotels, Restaurants, Reisetipps, Mode, Theater usw., von denen man sich für die eigenen Aktivitäten inspirieren lassen kann. Nehmen wir uns einmal die Kategorie „Pubs & Inns“ vor; da kann man sich auf einer Karte alle bisher getesteten Etablissements anzeigen lassen und kommt mit einem Click sofort auf die entsprechende Rezension. Ich habe mir einmal die vom „Nag’s Head“ bei Great Missenden in Buckinghamshire angesehen, weil ich dort bereits gegessen habe. „Roald Dahl’s Lickwishy Local“ heißt es in der Überschrift des Artikels, weil der Schriftsteller hier früher häufig zu Gast war. Hero Brown schildert ihre Eindrücke vom Pub und gibt ihre Meinung zur Qualität des Essens wieder und dann folgt eine Gesamtempfehlung  („The Muddy Verdict“). Angereichert wird alles mit eigenen Fotos.

Zweites Beispiel: In der Rubrik „Arts & Culture“ gibt es die Unterrubrik „Books“ und dort finden wir unter vielem anderen Empfehlungen für unabhängige Buchhandlungen in der Region Bucks und Oxon wie The Bell Bookshop in Henley-on-Thames oder The Wallingford Bookshop in Wallingford.

Natürlich kann Hero Brown allein schon lange nicht mehr alle Grafschaften abdecken, sondern hat überall ihre lokalen Mitarbeiterinnen, die für ihren Zuständigkeitsbereich die Empfehlungen geben.

Ich finde, „Muddy Stilettos“ sind sehr interessante, anregende und hilfreiche Webseiten, wenn man sich in England bewegt.

Auch Auszeichnungen werden von Muddy Stilettos vergeben.
Author: Andy M. Johnson
Creative Commons 2.0

Published in: on 12. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Pratt’s – Ein Londoner Gentlemen’s Club mit einer ungewöhnlichen Tradition

Author: CPrideaux
This work is in the public domain.

Park Place ist eine kleine, ruhige Nebenstraße, die von der St James’s Street abzweigt. Gleich am Anfang der Straße auf der linken Seite ist liegt einer der Gentlemen’s Clubs Londons, der Pratt’s Club, von außen nicht als solcher zu erkennen. Wie bei einem Gentlemen’s Club nicht anders zu erwarten, sind Frauen als Mitglieder tabu. Sie dürfen lediglich auf Einladung eines Clubmitglieds zum Mittagessen die heiligen Hallen betreten.

Pratt’s geht auf einen gewissen William Nathaniel Pratt zurück, der in dem Haus von 1841 bis 1860 wohnte und als Verwalter des Dukes of Beaufort tätig war. Der Duke und sein Freundeskreis gingen bei Pratt ein und aus, und nachdem der Verwalter gestorben war, führten seine Frau und ihr Sohn Pratt’s als Club weiter. Heute hat der Club um die 600 Mitglieder, die sich aber niemals alle gleichzeitig in Park Place treffen können, dafür sind die Räumlichkeiten viel zu klein. Es gibt einen Speiseraum, an dessen Tisch gerade einmal 14 Personen Platz finden können, und einen kleinen Aufenthaltsraum, alles also sehr überschaubar und elitär.

Einige der prominenten Mitglieder waren die Politiker Harold McMillan, Randolph Churchill und  Duncan Sandys. Da 14 Park Place unter Denkmalschutz steht, dürfen keine größeren Veränderungen am und im Haus vorgenommen werden. Es gibt hier keinen Aufzug und eine Klimaanlage ist auch nicht vorhanden.

Eine ungewöhnliche Tradition hat sich im Pratt’s eingebürgert: Alle männlichen Angestellten werden mit dem Namen „George“ angesprochen, egal welchen Vornamen sie tatsächlich tragen. Das soll darauf zurückgehen, dass die Mitglieder früher (?) sehr den alkoholischen Getränken der Club-Bar zusprachen und sich irgendwann nicht mehr an die Namen der Bediensteten erinnern konnten, so dass man einfach den Vornamen „George“ für alle verwendete. Bei weiblichen Angestellten gilt der entsprechende Vorname „Georgina„, was bisher aber nur einmal vorkam.

Wenn man die Straße Park Place bis fast ans Ende weitergeht, findet man dort ein wunderschönes rotes Gebäude, in dem ein 5*-Hotel untergebracht ist, das St James’s Hotel, das zu der deutschen Hotelgruppe Althoff Collection gehört.

Das St James’s Hotel in der Straße Park Place Nummer 7/8.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Weihnachten in Buckinghamshire…in Bildern

 

Das Waddesdon Manor.
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

In Chalfont St Giles.
Author: timo_w2s
Creative Commons 2.0

Die Chilterns am Weihnachtsmorgen.
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

Die High Street von Aylesbury.
Author: dlanor smada
Creative Commons 2.0

Am Dunsmore Hill
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

Und zum Schluss noch einmal das Waddesdon Manor, das zur Weihnachtszeit besonders schön anzuschauen ist.
Author: Amateur with a Camera.
Creative Commons 2.0

Published in: on 24. Dezember 2020 at 02:00  Comments (10)  
Tags:

Die vier Corona-Zonen in England – Von „Medium Alert“ bis „Stay at Home“

Die wegen Corona leergefegte High Street von Melton Mowbray in Leicestershire.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Großbritannien ist seit wenigen Tagen erneut in die Schlagzeilen geraten, was die Corona-Infektionszahlen angeht. Eine neue Corona-Mutation macht sich vor allem in London und im Südosten breit, die deutlich ansteckender ist. Bisher gab es drei Corona-Zonen („tiers„), jetzt ist eine weitere dazugekommen. Betroffen von der Zone 4 („Stay at Home“) sind ganz London, Kent, Berkshire, Buckinghamshire, Hertfordshire, Essex und einige Gebiete außerhalb. Hier ist eine Übersicht, was man in den jeweiligen Zonen beachten muss:

Tier 1 („Medium Alert“)
In diese Zone gehören nur wenige Gebiete wie die Isle of Wight, Cornwall und die Isles of Scilly und Herefordshire, also alles Randgebiete.
Hier darf man ohne Einschränkungen reisen, Übernachtungen außerhalb der eigenen Wohnung sind erlaubt, alle Läden sind geöffnet, Restaurants und Pubs dürfen bis 23 Uhr Gäste empfangen.

Tier 2 („High Alert“)
In diese Zone fallen beispielsweise Norfolk, Suffolk und Cambridgeshire, Shropshire und Worcestershire, Dorset und Devon.
Auch hier darf man noch reisen, aber man sollte sich nur auf das Notwendige beschränken, die Läden sind geöffnet, Restaurants ebenfalls, Pubs nur, wenn sie auch Mahlzeiten anbieten. Um 23 Uhr müssen diese Etablissements geschlossen werden.

Tier 3 („Very High Alert“)
Hierzu gehören unter anderen Derbyshire, Lincolnshire und Nottinghamshire, Yorkshire, außer North Yorkshire und der Stadt York, die in Tier 2 sind, und South Gloucestershire.
In diesen stärker von Corona betroffenen Regionen sollte man auf Reisen verzichten, darf aber in Läden, zur Arbeitsstätte und in geöffnete Restaurants und Pubs fahren. Treffen mit haushaltsfremden Personen sind in der eigenen Wohnung beschränkt, ebenso Übernachtungen außerhalb der eigenen Region, Homeoffice wird dringend empfohlen. Alle Läden dürfen öffnen, Restaurants und Pubs dagegen nur noch Speisen außer Haus und Lieferservice anbieten. Friseure, Nagel- und Schönheitssalons  können Kund*innen empfangen.

Tier 4 („Stay at Home“)
Die betroffenen Regionen habe ich oben genannt.
Treffen mit anderen Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sind noch stärker beschränkt, Reisen außerhalb der eigenen Region und ins Ausland sind untersagt, Hotels sind in der Regel geschlossen, Läden sind geschlossen mit Ausnahme von Supermärkten und denen, die lebensnotwendige Güter anbieten. Restaurants und Pubs bleiben geschlossen mit den in Tier 3 genannten Ausnahmen. Auch die Friseure und Schönheitssalons müssen jetzt schließen. Bibliotheken dürfen ihre Pforten nicht mehr öffnen.

Dies ist natürlich nur eine Momentaufnahme mit dem Stand 21.12.2020. Jederzeit können Verschiebungen stattfinden, vor allem, wenn sich das mutierte Virus weiter verbreitet.

 

Published in: on 22. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Der Happy at Home Index der Internetplattform „Rightmove“

St Ives in Cornwall.
Photo © Kurseong Carl (cc-by-sa/2.0)

In welchen Orten war man im Jahr 2020 in Großbritannien am glücklichsten? Dieser Frage geht der sogenannte „Happy at Home Index“ der Immobilien-Internetplattform Rightmove nach. Anhand von zehn Kriterien wird dieser Index jetzt bereits seit neun Jahren erstellt, darunter zählen beispielsweise:

– Wie stark ist der Gemeinschaftssinn in der Kommune ausgeprägt?

– Wie freundlich und höflich sind meine Mitbürger?

– Gibt es genügend kulturelle Angebote?

– Wie sieht es mit der Natur und den Grünflächen aus?

– Wie ist die Infrastruktur? Gibt es genügend Schulen, Ärzte, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte?

In diesem Jahr nimmt St Ives in Cornwall den Spitzenplatz ein, eigentlich keine große Überraschung, denn schon seit vielen Jahrzehnten zieht es Menschen an diesen Ort an der Nordküste Cornwalls. Künstler behaupten, dass es hier, wie an der Côte d’Azur in Frankreich, ein ganz besonderes Licht gibt. Mittlerweile sind die Immobilienpreise in St Ives derart gestiegen, dass es nicht mehr allzu viele Künstler gibt, die es sich leisten können, in der Stadt ein Atelier zu unterhalten. Über £400 000 liegt der Durchschnittspreis einer Immobilie.

Deutlich niedriger liegen da die Preise in Skipton in North Yorkshire, einer Kleinstadt im Norden des Landes, die den zweiten Platz einnimmt, nämlich bei £226 000. Die „Stadt der Schafe“ am River Aire mit seiner alten Burganlage habe ich immer als sehr angenehm empfunden, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es sich gut leben lässt.

Auf Platz 3 in diesem Jahr liegt Leamington Spa (oder auch Royal Leamington Spa genannt) in Warwickshire. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um einen Kurort am River Leam, der durch einen Besuch von Queen Victoria im Jahr 1838 mit dem Zusatz „Royal“ geadelt wurde. Nach und nach wächst Leamington Spa mit der Nachbarstadt Warwick zusammen, die auch einiges zu bieten hat wie das Warwick Castle.

Auf den folgenden Plätzen des „Happy at Home Inex“ stehen:

Platz 4: Llandrindod Wells in Wales

Platz 5: Perth in Schottland

Platz 6: Kendal in Cumbria

Platz 7: Stratford-upon-Avon in Warwickshire

Platz 8: Dorchester in Dorset

Platz 9: Harrogate in North Yorkshire

Platz 10: Richmond-upon-Thames in London

Skipton in North Yorkshire.
Photo © Lakeland Ramblers (cc-by-sa/2.0)

Die Royal Pump Rooms in Leamington Spa in Warwickshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Die Spaß-Fahrzeuge des Edd China

The fastest sofa in the world.
Author: peter_hastings
Creative Commons 2.0

Beim Kop Hill Climb bei Princes Risborough in Buckinghamshire, der einmal jährlich stattfindet (wenn nicht irgendein doofes Virus das verhindert), kommen immer jede Menge Oldtimer-Fahrzeuge zusammen, die den Hügel erklimmen. Schon im Jahr 1910 begann dieser Wettbewerb, wurde fünfzehn Jahre später verboten und feierte 1999 seine Wiederauferstehung. Die Fahrzeuge müssen dabei Steigungen bis zu maximal 25% überwinden, da kommen die Vehikel ganz schön aus der Puste. Doch nicht nur Oldtimer treffen sich hier am Kop Hill, so manches Fun Car ist auch zu bestaunen. 2017 präsentierte Edd China einige seiner Spaß-Fahrzeuge, die auf großes Interesse der Zuschauer stießen. In Deutschland kennt man den TV-Moderator und Kfz-Mechaniker aus der Fernsehserie „Die Gebrauchtwagen-Profis“ des Senders DMAX (ein Sender, der nicht auf meiner Top 10-Liste steht).

Einzug in das „Guinness Buch der Rekorde“ erlangte Edd China mit dem schnellsten Sofa der Welt, dem Casual Lofa, das es bis auf 140 km/h bringt. Das Lenkrad des verrückten Dreisitzer-Sofas besteht aus einem Pizzateller, der Hebel der Handbremse aus einem Mars-Riegel und eine Tischlampe verziert das Gefährt, das eine Straßenzulassung besitzt. Ob das wohl auch in Deutschland möglich wäre?

Edd China ist auch der Schöpfer des schnellsten Badezimmers der Welt,“Bog Standard“, mit Badewanne, Waschschüssel und Schmutzwäschetruhe; etwa 70 km/h schnell bewegt sich dieses Vehikel, das ebenfalls im „Guinness Book of Records“ verzeichnet ist.

Edd Chinas Fantasie scheint grenzenlos zu sein, denn er entwickelte auch noch den „Street Sleeper“, das mit über 100 km/h schnellste Bett der Welt, und, seine neueste Kuriosität, „the world’s fastest electric ice cream van„, der es in diesem Jahr in das „Buch der Rekorde“ schaffte.

In diesem Film über den Kop Hill Climb 2017 sind einige von Edds Fahrzeugen zu sehen.

…und noch einmal das Hochgeschwindigkeits-Sofa, weil es so schön ist.
Author: Graham O Siodhachain
Creative Commons 2.0

Fancy Free Walks – Eine großartige Webseite mit Hunderten von Wandervorschlägen

Bledlow Ridge in Buckinghamshire.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Den Tipp zu der Webseite „Fancy Free Walks“ erhielt ich von Roz Morris, deren Buch „Not Quite Lost: Travels Without a Sense of Direction; a Diary“ ich in meinem Blog am 15. Januar 2019 vorgestellt habe.

Knapp 500 Spaziergänge und Wanderungen im Südosten und Süden Englands werden hier aufgelistet, “ to exercise the mind and body in the pleasantest way„, wie schön formuliert. Seit Anfang 2010 gibt es diese Webseite schon, die seitdem permanent ausgebaut, verfeinert und korrigiert wird. Fancy Free Walks ist eine Organisation, die nicht profitorientiert ist, sondern die die Schönheiten der englischen Landschaften vermitteln möchte. Jeder kann sich die vorgeschlagenen Routen herunterladen oder ausdrucken, selbstverständlich kostenlos wie der Name der Webseite ja schon sagt. Es wird Wert darauf gelegt, dass die angegebenen Wege alle „legal“ sind, das heißt sie führen nicht über privates Gelände.
Zu jeder der Wanderungen werden folgende Informationen genannt: Länge der Strecke, Schwierigkeitsgrad, Einkehrmöglichkeiten, Anfahrten per Auto und per Zug, Parkplätze. Eine detaillierte Karte zeigt den Wanderern den Weg, der dazu auch noch minutiös beschrieben wird. Hilfreich dürften die Hinweise auf WCs sein, vor allem wenn man gerade im Pub ein Pint getrunken hat. Es fehlen auch nicht die Hinweise auf Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, jederzeit ein Feedback zu geben, wenn man auf den Strecken Veränderungen oder Probleme festgestellt hat, so dass die Routenbeschreibungen immer auf dem aktuellsten Stand sind.

Als Beispiel nenne ich hier einmal den 2½ km langen Royal Standard of England Pub Walk in Forty Green in Buckinghamshire, eine Gegend, die ich ganz gut kenne und die ich sehr empfehlen kann, vor allem den Pub selbst (siehe dazu meinen Blogeintrag)

Eine sehr gut gemachte Webseite!! (Thank you, Roz!)

Eigenes Foto.

Published in: on 25. November 2020 at 02:00  Comments (2)  

Christian the Lion – Die erstaunliche Geschichte eines Löwen aus Ilfracombe in Devon

Hier auf dem Friedhof der Fetter Lane Moravian Church durfte Christian eine Zeit lang spielen.
Author: Matt from London
Creative Commons 2.0

Als ich gestern das Foto von der Lion Lodge im Charborough Park in meinen Blog einbaute, fiel mir wieder die erstaunliche Geschichte eines Löwen ein, die sich in den 1970er Jahren ereignete und vielleicht in Vergessenheit geraten ist, darum möchte ich sie heute noch einmal aufnehmen.

Es begann am 12. August 1969 als im Zoo der Küstenstadt Ilfracombe in Devon ein Löwe geboren wurde. Der Zoo existiert nicht mehr, er wurde 1973 geschlossen. Das Londoner Kaufhaus Harrod’s übernahm das Löwenbaby und bot es in seiner Tierabteilung zum Verkauf an. Das Schicksal wollte es, dass zwei junge Australier, John Rendall und Anthony Bourke, die sich gerade in London niedergelassen hatten, dem Kaufhaus einen Besuch abstatteten und dabei den kleinen Löwen sahen, in den sie sich auf der Stelle verliebten. Sie kauften ihn und nahmen ihn mit in ihre Wohnung, wo sich der Christian getaufte Löwe eine Zeit lang recht wohl fühlte. Doch Löwen pflegen nun einmal ziemlich schnell größer zu werden und Auslauf zu brauchen. Also siedelten die beiden Australier ihren hübschen Gefährten, den sie gern auf Spritztouren in ihrem Auto mitnahmen, in ihr kleines Möbelgeschäft Sophistocat um, wo Christian mehr Platz hatte. Der Pfarrer der Fetter Lane Moravian Church hatte offensichtlich auch ein Herz für Löwen, denn er stellte den beiden Australiern den Friedhof der Kirchengemeinde zur Verfügung, damit sie dort mit Christian herumtollen konnten.

Doch John Rendall und Anthony Bourke wussten, dass es nicht ewig so weitergehen konnte; Christian wurde immer größer und war einfach nicht mehr in einer Großstadt zu halten. Also machten sie sich schweren Herzens Gedanken über die Zukunft ihres Schützlings. Als einmal die beiden Schauspieler Virginia McKenna und Bill Travers in dem Möbelladen vorbeischauten und dabei auf Christian trafen, machten sie den beiden Männern den Vorschlag, sich mit dem Löwenkenner George Adamson in Kenia in Verbindung zu setzen, den die beiden von den Dreharbeiten des Films „Born Free“ (dt. „Frei geboren – Königin der Wildnis“) kannten, in dem sie das Ehepaar George und Joy Adamson verkörperten. Die Verbindung kam zustande, George Adamson wollte Christian in Kenia unter seine Fittiche nehmen, und so siedelte der Löwe in die Heimat seiner Vorfahren nach Afrika um, wo ein neuer Lebensabschnitt für ihn begann.

1971 reisten Rendall und Bourke nach Kenia, um ihren geliebten Christian noch einmal zu sehen, und da geschah das Erstaunliche: Christian erkannte die beiden tatsächlich wieder und fiel ihnen im wahrsten Sinne des Wortes begeistert um den Hals, Bilder, die um die ganze Welt gingen. Zwei Jahre später verliefen sich die Spuren des Löwen aus Ilfracombe, über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Hier ist die Geschichte von Christian in Kurzfassung im Film und hier ist die Langfassung.

Das Buch zum Artikel:
Anthony Bourke and John Rendall: A Lion Called Christian. Bantam 2010. 240 Seiten. ISBN 978-0553820607.

Published in: on 17. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Shepherds huts – Schäferhütten, die sehr im Trend liegen

Eine alte, aber noch ganz gut erhaltene Schäferhütte auf einer Farm bei Cholderton in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Ex-Premierminister David Cameron hat sich eine in seinen Garten in seinem Anwesen in den Cotswolds gestellt, eine shepherd’s hut, eine Schäferhütte, wie sie vor allem im 19. Jahrhundert auf den Weideflächen Großbritanniens häufig anzutreffen war. Dort lebten und nächtigten die Schäfer für eine gewisse Zeit und hatten die ihnen anvertraute Schafherde immer im Blick. Die Hütten waren meist aus Wellblech oder auch aus Holz angefertigt und standen auf Metallrädern, so dass man sie überall hinziehen konnte. Die Inneneinrichtung war natürlich sehr einfach gehalten, beinhaltete aber alles, was ein Schäfer in der Einsamkeit alles so benötigte. Im 20. Jahrhundert wurden die Hütten immer seltener verwendet, da es durch die fortschreitende Agrartechnik andere Möglichkeiten gab, diese Schäfertätigkeiten durchzuführen.

In den letzten Jahren liegen die shepherds huts wieder voll im Trend, nicht die alten, primitiven von anno dazumal, sondern neu gebaute Luxushütten, die ihren Siegeszug beim Glamping angetreten haben. Mehrere Firmen haben sich auf die Anfertigung dieser alternativen Übernachtungsmöglichkeiten spezialisiert wie zum Beispiel The English Shepherds Hut Co. in Norwich (Norfolk), Blackdown Shepherd Huts bei Ilminster in Somerset oder Red Sky Shepherd’s Huts in North Leigh (Oxfordshire), wo David Camerons Hütte herkommt. Diese Hütten sind natürlich sehr viel komfortabler als sie früher einmal waren, kosten dafür auch eine ganze Menge Geld, die meisten der „luxury huts“ liegen deutlich über £20 000.

Wer sich nicht gleich eine Hütte selber kaufen möchte, kann das Übernachtungsgefühl auf einem der zahlreichen Glampingplätze ausprobieren wie beispielsweise auf denen von Canopy&Stars, die über ganz Großbritannien verteilt sind.

Hier ist ein Film der Firma Blackdown Shepherd Huts über ihre Hütten.

Glamping-Schäferhütten bei Norwich in Norfolk.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Eine moderne, komfortable Schäferhütte.
Author: Anguskirk
Creative Commons 2.0 

Published in: on 24. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

The Letter Box Study Group – Die Briefkastenspezialisten

Eine Pillarbox aus der Zeit Edwards VII. in Church Stretton (Shropshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

1976 fand sich in England eine Handvoll Menschen zusammen, die ein gemeinsames Hobby hatten: Briefkästen. Sie hätten sich damals nicht träumen lassen, dass ihre Letter Box Study Group   einmal so viele Mitglieder im In-und Ausland haben sollte, die sich für dieses „Straßenmöbel“ interessieren.

Das Ziel der Briefkastenfreunde: „to encourage research, preservation, restoration and awareness of letter boxes and the definitive description and documentation of their types and locations“.

Was ist nun das Besondere an britischen Briefkästen? Da gibt es zum Beispiel unterschiedliche Formen wie die Pillar Boxes (freistehend, oft vor Postämtern zu finden), Wall Boxes (in Mauern eingebaut, nur die Front ist zu sehen) oder Lamp Boxes (in ländlichen Gegenden zu finden, oft an Laternenpfählen angebracht). Hier ein Film über die verschiedenen Formen.

Die offiziellen Briefkästen kommen in verschiedenen Farben daher; am bekanntesten ist aber sicher das „pillar-box red„. Die sogenannten „ciphers“ geben Auskunft, aus welcher Zeit sie stammen. Das „E II R“ heißt beispielsweise, dieser Briefkasten wurde zur Zeit Königin Elizabeths der Zweiten errichtet.

Die Letter Box Study Group gilt als die Autorität in Sachen Briefkästen, und sie baut eine Datenbank auf, in der jeder Briefkasten in ganz Großbritannien verzeichnet und beschrieben werden soll; eine gewaltige Aufgabe, denn es gibt rund 115 500 Exemplare. In einem vierteljährlich erscheinenden Newsletter werden die Mitglieder ständig auf dem aktuellen Stand gehalten. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist £29.

Eine „letterbox“ aus der Zeit Georgs V. in Great Malvern (Worcestershire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ein einsamer Briefkasten an einer Straße in Surrey. Wer mag wohl hier Briefe einwerfen?
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Das Castlemorton Common Festival 1992 oder Wie ein Dorf in Worcestershire plötzlich von einer Horde von Ravern überrannt wurde

Das idyllische Castlemorton in Worcestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Castlemorton ist ein kleines Dorf in den Malvern Hills im Süden der Grafschaft Worcestershire. Hier ging und geht es noch immer ruhig zu. Es ist ein landwirtschaftliches genutztes Gebiet, es gibt eine Kirche und eine Schule und das war es auch schon. Diese Idylle wurde am 22. Mai 1992 jäh unterbrochen, als sich Tausende von Ravern und New Age-Anhängern auf den Weg nach Castlemorton machten, um auf dem Common, den Wiesen am Rand des Dorfes, die bis nach Welland reichen, eine Woche lang Party zu machen.
Die Begeisterung der Dorfbewohner kann man sich vorstellen. Wie viele Menschen sich hier breit machten, konnte man nie verifizieren; die Schätzungen liegen zwischen 20 000 und 40 000. Da es Raver gern laut haben, wurden die Lautsprecher der mobilen Diskotheken auf das Maximum eingestellt, so dass an Schlaf im Dorf nicht zu denken war.
Farmer fanden tote Schafe, die von den Hunden der Raver gerissen worden waren, Drogenbestecke lagen in Vorgärten, die Fahrzeuge der Partybesucher verursachten große Schäden auf dem Wiesengelände, im benachbarten Welland wurde im Dorfladen geklaut, es herrschte das totale Chaos. Die alarmierte Polizei war angesichts der Menschenmenge hoffnungslos überfordert. Rund ein Dutzend Raver wurden verhaftet, überwiegend Mitglieder der Gruppe Spiral Tribe.

Es war die größte illegale Rave Party, die jemals in Großbritannien stattgefunden hatte. Landesweit berichteten die Medien über das, was sich auf dem Castlemorton Common abspielte, was andere New Ager und Raver veranlasste, sich auch noch auf den Weg nach Worcestershire zu machen.

Nach einer Woche war die Spuk vorbei. Die Zelte wurden abgebaut, die zahllosen Transporter, Busse, Wohnmobile verließen das Gelände, auf dem vorher Schafe friedlich gegrast hatten, und das nicht mehr wiederzuerkennen war. Die Dorfbewohner, die das Rave Festival psychisch stark mitgenommen hatte, atmeten tief durch.

Die Folge dieser Maiwoche: Die Politik hatte sich eingeschaltet und zwei Jahre später den Criminal Justice and Public Order Act 1994 verabschiedet, der unter vielem anderem auch regelte wie in Zukunft mit illegalen Rave Parties und dem dadurch verbundenen unerlaubtem Betreten fremden Bodens umzugehen sei.

Dieser Film zeigt die Ereignisse vom Mai 1992.

Castlemorton Common,
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Osea Island – Eine abgelegene Insel im Mündungstrichter des River Blackwater in Essex

Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Es ist nicht ganz leicht, sich Zutritt zu Osea Island im Mündungstrichter des River Blackwater in Essex zu verschaffen. Sie ist in Privatbesitz und da wird der Zugang reglementiert. Ein schmaler Fahrdamm führt zur Insel und da muss man sich vorher anmelden, um diesen Damm bei Niedrigwasser auch befahren zu dürfen. Dieser Film zeigt wie man auf Osea Island gelangt.

Diese Abgeschiedenheit wurde im Laufe der Jahrzehnte für verschiedene Zwecke genutzt, für die Diskretion und Ruhe erforderlich waren. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts eröffnete Frederick Charrington hier eine Alkoholentzugsklinik für wohlhabende Londoner; nicht ganz ohne Witz, denn er gehörte der Familie an, die die Charrington Brewery betrieb. Rund hundert Jahre später kümmerte man sich auf Osea Island um Drogenabhängige und Menschen mit mentalen Problemen, zu denen auch die Sängerin Amy Winehouse gehörte. Diese im Manor House untergebrachte Klinik schloss 2010 ihre Pforten.

Osea Island wird heute für andere Zwecke genutzt wie für Musikaufnahmen, denn die Insel ist im Besitz des Produzenten Nigel Frieda, der zum Beispiel mit den Rolling Stones zusammengearbeitet und die Girlgroup Sugababes gegründet hat. So finden sich hier immer mal wieder Stars aus dem Showbusiness ein, es werden Parties gefeiert und Firmen laden zu speziellen Events ein wie vor einigen Jahren die Champagnerfirma Krug.

Osea Island ist aber nicht nur eine Partyinsel, auf der gern auch Hochzeiten gefeiert werden; mehrere Cottages stehen zur Miete zur Verfügung, so dass nicht nur die Londoner High Society in den Genuss eines Aufenthaltes hier kommen und die Ruhe genießen kann, sondern auch der Normalbürger.

Hier ist ein Drohnenflug über die Insel zu sehen.

Der Zufahrtsweg zur Insel.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Das Manor House.
Photo © Glyn Baker (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Lilliput Lane – Eine Firma, die ein Stückchen heile Welt produzierte und die es nicht mehr gibt.

Es war einmal: So sah das Besucherzentrum in Skirsgill aus.
Photo © D Williams (cc-by-sa/2.0)

Zugegeben: Ich liebe heile Welt. Ich liebe die Bilderbuchdörfchen in England mit dem Pub, der vielleicht The Royal Oak heißt, dem kleinen Postamt daneben und The Old Rectory, in dem der Vikar des Ortes in seiner Bibliothek die Sonntagspredigt vorbereitet.
So ein Miniaturdorf  kann man sich in seinem Wohnzimmer mit Hilfe der Firma Lilliput Lane selbst zusammenbauen, denn hier bekommt man alles, was man dafür braucht.
Seitdem David Tate 1982 in Skirsgill (Cumbria) mit einigen Gleichgesinnten begann, das architektonische Erbe Englands in Miniaturform festzuhalten, und seine kleine Firma Lilliput Lane nannte, begann die Erfolgsstory. Die kleinen Miniaturen wurden weltweit verkauft und entwickelten sich zu Sammlerobjekten. Das Schönste an der Sache: Lilliput Lane produzierte in England, im Lake District, wo die kleinen Gebäude von Hand bemalt wurden. Wo gab es das noch? Nicht Li und Ming aus Shangsi stellten die Produkte am Fließband her, sondern George und Ann aus Skirsgill.

Leider gibt es das alles nicht mehr, denn bereits 2009 schloss die Firma ihre Tore in Cumbria und verlegte die Produktion nach Langholm in Schottland. Die Firma Enesco hatte sie übernommen und stellte die Produktion 2016 ganz ein. David Tate starb im Januar 2017. Was für ein trauriges Ende von Lilliput Lane!

Die Häuser und Kirchen von Lilliput Lane wurden überwiegend nach echten Vorbildern angefertigt, so gibt es zum Beispiel „The Old Schoolhouse in Bishopsbourne“, „The Cockington Forge“ oder das „Mow Cop Castle“ zu kaufen, alles nicht ganz billig, aber wenn man bedenkt, dass alles handgefertigt wurde, stimmten die Preise schon, die bei rund 20 Euro begannen und durchaus in dreistellige Regionen vordrangen. Man bekommt die Miniaturen noch zu kaufen, zum Beispiel bei Ebay oder bei Amazon

Lilliput Lane war Miss-Marple-Country in Reinform; hier stimmte noch alles. Weit und breit keine Hoodies aus Liverpool oder Chavs aus Manchester. This was a Neighbourhood Watch Area!
Hier
ist ein Film.

Die echte Cockington Forge in Devon.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

The Association of Leading Visitor Attractions und die 10 meistbesuchten Attraktionen des Jahres 2019

Nach wie vor auf Platz 1: The British Museum.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Am 17. Dezember 2011 beschäftigte ich mich in meinem Blog erstmals mit dem Thema „Welches sind die beliebtesten Besucherattraktionen in Großbritannien?“ und wiederholte die Übersicht noch einmal für das Jahr 2016. Auskunft darüber gibt jährlich die Association of Leading Visitor Attractions (ALVA). Wie sieht es nun für das Jahr 2019 aus? Was hat sich in der Statistik verändert?

Im Vergleich zu 2016 hat sich im Jahr 2019 in der Reihenfolge einiges verschoben; es gibt aber keine Neuzugänge in den Top Ten. Im Jahr 2020 werden die Besucherzahlen auf Grund der Coronakrise drastisch sinken. US-Amerikaner werden nur in geringen Zahlen aus touristischen Gründen in das Königreich kommen, und auch der Reiseverkehr von Europa nach Großbritannien dürfte stark einbrechen.

Sehen wir uns die „Charts“ für das Jahr 2019 an. Die Top Ten liegen alle in London.

  1. British Museum (6,239,983) keine Veränderung in der Reihenfolge, aber mehr Besucher
  2. Tate Modern (6,098,340) 2016 Platz 3, mehr Besucher
  3. The National Gallery (6,011,007) 2016 Platz 2, etwas weniger Besucher
  4. National History Museum (5,423,932) keine Veränderung, aber mehr Besucher
  5. Southbank Centre (4,360,255) keine Veränderung, mehr Besucher
  6. Victoria & Albert Museum (3,992,198) 2016 Platz 8, mehr Besucher
  7. Science Museum (3,301,975) keine Veränderung, mehr Besucher
  8. Tower of London (2,984,499) 2016 Platz 9, mehr Besucher
  9. Royal Museums Greenwich (2,906,000) 2016 Platz 10, mehr Besucher
  10. Somerset House (2,841,772) 2016 Platz 6, weniger Besucher

Die erste Touristenattraktion, die nicht in London ist, finden wir auf Rang 12, das National Museum of Scotland, in England ist es der Chester Zoo auf Rang 14.

Platz 2: Tate Modern.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Platz 3: The National Gallery am Trafalgar Square.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Tiptree Strawberry Race – Auf der Suche nach dem schnellsten Erdbeerpflücker in Essex

Goldhanger in Essex und sein Dorfschild.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Bounds Farm in Goldhanger (Essex) ist der Austragungsort des jährlich stattfindenden Tiptree Strawberry Race, in dem es darum geht, in einer Stunde so viele Erdbeeren wie möglich auf den Feldern einzusammeln…und das (wir sind ja in England) in „fancy dress“, also in Verkleidung. Goldhanger ist ein kleines Dorf dicht an dem Mündungstrichter des River Blackwater. Bei den Erdbeeren handelt es sich um die Sorte Little Scarlet, die Scharlacherdbeere, das sind kleine, besonders süß und intensiv schmeckende Früchte, die die Firma Wilkin & Sons in Tiptree (Essex) zu einer wohlschmeckenden Marmelade verarbeitet. Die Firma ist die einzige weltweit, die diese Erdbeersorte kommerziell anbaut. In Ian Flemings James Bond-Roman „From Russia With Love“ (dt. „Liebesgrüße aus Moskau“) erfahren die Leser, dass dies die Lieblings-Marmeladensorte des Agenten ist.

Da das Erdbeerpflücken eine anstrengende Knochenarbeit ist, die in der Beliebtheitsskala der Engländer nicht ganz weit oben angesiedelt ist, arbeiten vorwiegend Männer und Frauen aus Osteuropa auf den Feldern der Firma Wilkin & Sons. Beim Strawberry Race werfen auch sie sich in Kostüme. Das Motto wechselt von Jahr zu Jahr; so war es 2017 „Hollywoodstars“, und da konnte man zum Beispiel Grace Kelly und Bing Crosby und den Blues Brothers beim Pflücken zusehen. Die „strawberry pickers“ schaffen an die vier bis fünf Kilogramm in der Stunde, wenn sie sich so richtig zusammenreißen. Nicht nur die schnellsten Pflückerinnen und Pflücker werden ausgezeichnet, auch die schönsten Kostüme werden prämiert.

In jedem Jahr werden beim Tiptree Strawberry Race Spenden gesammelt, die von der Firma und ihren Mitarbeitern aufgebracht und einem guten Zweck zugeführt werden. Hier sind einige Bilder von den Feldern der Bounds Farm zu sehen.

Siehe auch meinen Blogartikel über die Firma Wilkin & Sons in Tiptree.

Bounds Farm in Goldhanger.
Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)

Tiptrees Village Sign.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Der erste internationale Schönheitswettbewerb im Jahr 1908 auf der Victoria Pier in Folkestone (Kent)

Embed from Getty Images

Die Vermarktungsgesellschaft Miss Universe Organization lag einige Jahre lang in den bewährten und erfahrenen Händen von Donald Trump. Ob er seine damaligen Pflichten und Aufgaben genauso gut erfüllte wie in seinem jetzigen Amt als POTUS (President Of The United States) vermag ich nicht zu beurteilen, aber es muss ihm viel Spaß gemacht haben, konnte er doch als Hauptorganisator die jungen hübschen Damen in den Umkleideräumen in mehr oder weniger bekleidetem Zustand besuchen wie dieser Film zeigt.

Ob Donald Trump wohl wusste, dass der weltweit erste internationale Schönheitswettbewerb am 14. August 1908 in Folkestone in der Grafschaft Kent stattfand? Robert Forsyth war sozusagen der Ur-Ur-Ur-Vorgänger von Donald Trump, denn er war es, der den Folkestone Beauty Pageant ins Leben rief. Forsyth war Manager der Victoria Pier und musste sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, damit der Besucherstrom nicht abriss, und Schönheitswettbewerbe ziehen immer. Damen aus England, Frankreich, Dänemark, Deutschland, Italien und Spanien traten gegeneinander an; allerdings kann man den damaligen Wettbewerb kaum mit den heutigen Misswahlen vergleichen, denn die jungen Frauen hatten ziemlich viel an (hier ein Film aus dem Jahr 1913), ganz im Gegenteil zu den Bikini-Schönheiten, die später für volle Zuschauerränge sorgten bzw. sorgen.

Die erste Siegerin beim Beauty Contest 1908 war eine Engländerin aus dem dörflichen East Molesey in Surrey namens Nellie Jarman, die alle ihre Konkurrentinnen auf die Plätze verwies.. Nicht alle Zuschauer damals in Folkestone waren von dem Schönheitswettbewerb begeistert; Frauenrechtlerinnen, die auf der Victoria Pier anwesend waren, machten darauf aufmerksam, dass es wichtiger wäre, Frauen das Wahlrecht zuzugestehen als sie nur auf ihr Äußeres zu reduzieren.

Der Folkestone Beauty Contest wurde zu einer festen Einrichtung, nur während der beiden Weltkriege fand er nicht statt. In den 1950er Jahren traten die Teilnehmerinnen, sehr zur Freude der anwesenden Herren, auch in Badeanzügen auf.

Die Victoria Pier war am  21. Juli 1888 eröffnet worden. Am Pfingstsonntag 1943 löschte ein Feuer einen großen Teil der Seebrücke aus, die dann 1954 komplett abgerissen wurde.

Published in: on 26. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

The Royal Oak Foundation – Eine US-amerikanische Organisation zur Unterstützung des National Trusts

Temple of Concord im Stowe Park in Buckinghamshire.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

Wie gut, wenn man reiche Freunde hat! Der britische National Trust hat das zwar nicht unbedingt nötig, doch wer kann die eine oder andere Million nicht hin und wieder brauchen? Die Rede ist von der Royal Oak Foundation, eine US-amerikanische Organisation mit Sitz in New York. Deren Mitglieder liegt das Wohlergehen historischer Häuser in England, Wales und Nord-Irland am Herzen, und so greifen sie dem National Trust immer wieder finanziell unter die Arme, wenn es um Projekte geht, die dem Erhalt von Kulturgut dienen.

Bereits 1973 wurde die Royal Oak Foundation ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder haben den Vorteil, dass sie bei einem Besuch in Großbritannien freien Eintritt zu allen National Trust-Einrichtungen haben, und da die Eintrittsgebühren dort oft recht hoch sein können, zahlt sich die Mitgliedschaft schnell aus, wenn man viele historische Häuser besichtigt. Das gilt auch für eine Mitgliedschaft im National Trust für Touristen aus Europa, die Großbritannien besuchen; da kann man bei einem längeren Aufenthalt schnell einige Pfund Sterling sparen.

Mehr als $12 Millionen hat die Foundation bisher in Richtung Großbritannien geschickt, um beispielsweise dabei zu helfen, das wunderschöne Stowe in Buckinghamshire zu restaurieren. Sir Winston Churchills Familiensitz Chartwell in Kent erhielt ebenfalls Geld, sowie das am 29. April 2015 durch ein Feuer stark zerstörte Clandon Park in Surrey.

Wer nicht über den großen Teich reisen möchte, was ja zur Zeit kaum möglich ist, dem bietet die Royal Oak Foundation sogenannte „webinars“ an, Seminare zu bestimmten Themen über das Internet. Beispiel: „The Heart of England: The History and Design of British Pubs„. Im vorigen Jahr wurden in mehreren amerikanischen Städten Vorträge gehalten. „Belvoir Castle: A Family Home for 1000 Years“ in New Orleans, „Entertaining at Biltmore and Downton Abbey“ in New York City, Philadelphia und Atlanta.

Chartwell in Kent.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Clandon Park in Surrey, vor dem Brand.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Großbritanniens älteste Strandhütte in Bournemouth

Strandhütten sind eine ganz praktische Sache; man kann in ihnen alles unterbringen, was man am Strand so braucht wie Sonnenschirme und Liegen, man kann sich darin einen Tee zubereiten usw. usw. So wundert es nicht, dass diese „beach huts“ außerordentlich begehrt sind und lange Wartelisten existieren für Leute, die sich ebenfalls eine zulegen möchten. Es soll an die 20 000 Hütten in ganz Großbritannien geben, von denen allein 10% am Strand von Bournemouth (Dorset) aufgereiht sind. Hier stehen traditionelle, ältere Modelle, aber auch „super huts“, die von Wayne und Geraldine Hemingway, den berühmten Designern aus Chichester (West Sussex) , entworfen worden sind.

Eine „beach hut“, die mit der Nummer 2359, ist eine ganz besondere, sie ist die älteste im ganzen Königreich und wurde im Jahr 1909 von Frederick Percy Dolamore entworfen und gebaut. Dolamore war der Chief Assistant Borough Engineer and Surveyor und lebte von 1869 bis 1951, zu lesen auf einer blauen Plakette, die 2011 an der Strandhütte angebracht wurde. Es sind zwar einige Veränderungen an der Hütte vorgenommen worden, aber das Fundament ist noch dasselbe wie zur Zeit der Entstehung. Im Vergleich zu ihren direkten Nachbarn sieht man Nummer 2359 ihr Alter nicht an. Sie gehörte der Stadtverwaltung von Bournemouth (auch das war damals ein Novum) und wurde vermietet.

In der Nähe des West Cliff Lifts gab es eine Zeit lang auch eine Strandhüttenkapelle in der Hochzeitszeremonien durchgeführt wurden; sie existiert aber nicht mehr in dieser Form.

Eine Notiz am Rande: Vor drei Jahren wurde Großbritanniens teuerste Strandhütte für £295 000 verkauft. Sie steht an der Küste von Christchurch in Dorset, am Mudeford Spit. Sie hat weder einen Stromanschluss, noch eine Toilette oder fließendes Wasser.

Wer sich für das Thema interessiert, findet weitere Informationen in meinem Blog, zum Beispiel über die Strandhütten von Southwold oder über die Expertin für Strandhütten, Kathryn Ferry.

Published in: on 28. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Crop Circlemakers – Kornkreise als Kunstform

Hier am Cheesefoot Head in Hampshire begannen Doug Bower und Dave Chorley mit ihren Kornkreisen. Die Spuren auf dem Foto stammen in diesem Fall von Traktoren.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Die Grafschaft Wiltshire gilt als das Mekka der Kornkreis-Fans, aber auch in den benachbarten Counties tauchen diese bizarren Gebilde in den Getreide- und Rapsfeldern immer wieder auf. Da aus Wiltshire ebenfalls viele UFO-Sichtungen gemeldet werden, fragen sich manche, ob es da wohl einen Zusammenhang gibt. Sind Besucher aus fremden Welten des Nachts unterwegs und fertigen die Kornkreise an und wenn ja, warum?

Im vorigen Oktober besuchte ich The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire), der als als Hauptquartier der sogenannten Croppies gilt. Ich fand dort niemanden von der Fangemeinde vor, meine Frau und ich waren mittags die einzigen Gäste.

Ob es nachts nun in Wiltshire und anderen Grafschaften mit übernatürlichen Dingen zugeht, mit Aliens, die sich aus lauter Langeweile irgendwelche Muster ausdenken und diese auf die Getreidefelder projizieren, für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Kornkreisen sind ganz einfach…Menschen verantwortlich. Doug Bower und Dave Chorley hatten Ende der 1970er Jahre nach einigen Pints in einem Pub die Idee, Kornkreise anzulegen, und sie begannen damit in der Nähe von Winchester (Hampshire) am Cheesefoot Head. Mehr als zwölf Jahre gingen die beiden ihrer nächtlichen Tätigkeit nach, deren Ergebnis in der ganzen Welt diskutiert wurde und zu wilden Erklärungsversuchen führte.

Der englische Künstler und Filmemacher John Lundberg und einige seiner Freunde setzten das Werk von Bower und Chorley in den 1990er Jahre fort, und er gründete Circlemakers, eine Art Künstlerkollektiv, deren Kornkreise immer kunstvoller wurden. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis es herauskam, dass nicht Aliens, sondern Menschen für viele Kornkreise verantwortlich waren, was eingefleischten Hardcore-Cropcircle-Fans nicht gefiel, die lieber eine andere Erklärung für das nächtliche Geschehen auf den Feldern Südenglands gehabt hätten.

Die Circlemakers bekamen sogar internationale Aufträge, bestimmte Formen in Getreidefelder zu zaubern, beispielsweise für Extinction Rebellion beim vorjährigen Glastonbury Festival oder für das amerikanische Streetwear Label Supreme in Kalifornien. Eine weitere Auftragsarbeit für die Circlemakers fand ebenfalls in Kalifornien statt, wo sie bei Bakersfield für die US-Band Korn kunstvolle Kreise und das Logo der Band in ein Getreidefeld fabrizierten. Hier ist das Musikvideo „Let the guilt go“ von Korn zu sehen.

Wie man sich als Besucher von Kornkreisen verhalten sollte, ist im sogenannten „Pink Book“ festgehalten, über das ich in meinem Blog einmal schrieb.

In diesem Film sind besonders schöne Exemplare von Kornkreisen zu sehen.

Kornkreise in Wiltshire.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire)
Eigenes Foto.

The World Conker Championships – Die Weltmeisterschaften im „Kastanien-kaputt-schmeißen“ in Southwick (Northamptonshire)

The Shuckburgh Arms in Southwick.
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr am zweiten Sonntag des Monats Oktober ist Southwick in Northamptonshire der Austragungsort einer kuriosen „Sportart“; hier finden die World Conker Championships statt. Conkers sind Kastanien, und das Ziel des Wettkampfes ist, die Kastanie des Gegners zu zerstören. Jeweils zwei Teilnehmer stehen sich gegenüber, jeder verfügt über eine an einer Schnur aufgehängten Kastanie. Der „striker“ versucht nun die Kastanie des „receivers“ zu knacken, wobei die Rollen innerhalb eines Matches wechseln. Wer es schafft, die gegnerische Kastanie zu zerstören, ist eine Runde weiter und trifft auf den nächsten Gegner… bis schließlich der nächste Weltmeister bzw. Weltmeisterin ermittelt wird. Es gibt auch Teams, die gegeneinander antreten, die sich witzige Namen gegeben haben wie die Peterborough Nutters, die Celtic Conkerors, No Strings Attached oder Royal Oak Resistance.

Die Teilnehmer kommen tatsächlich aus der ganzen Welt nach Southwick angereist, um hier im ländlichen Northamptonshire Kastanien „kaputtzuschmeißen“. In den meisten Fällen stellen die Briten die Weltmeister, aber es gab auch schon Jahre, in denen Ausländer gewonnen haben, so 1998, als ein Deutscher und ein deutsches Team auf dem Siegertreppchen standen. Am besten man sieht sich die World Conker Championships einmal im Film an, hier sind Szenen aus dem vorigen Jahr.

1965 wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen, damals noch auf dem Dorfanger von Ashton in Northamptonshire, der praktischerweise von Kastanienbäumen umstanden war. Jetzt ist der Pub The Shuckburgh Arms in Southwick der Austragungsort (nicht zu verwechseln mit dem Southwick in West Sussex, über das ich in meinem Blog einmal schrieb).

Die nächsten Weltmeisterschaften sind für den 11. Oktober geplant. Hoffen wir, dass sie stattfinden können!

Wo alles begann: Der Dorfanger von Ashton in Northamptonshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

The Maldon Mud Race – Eine Schlammschlacht in Essex

Vielen Dank auch, Coronavirus!! Jetzt hast Du auch noch das diesjährige Maldon Mud Race auf dem Gewissen, das im Mai ausgetragen werden sollte. Jetzt müssen sich alle bis zum 23. Mai 2021 gedulden, dann wird es (hoffentlich) wieder stattfinden. Im vorigen Jahr kamen fast 20 000 Besucher hier zum Blackwater River bei Maldon in Essex, um sich diese kuriose Schlammschlacht anzusehen (was natürlich unter den diesjährigen Umständen nicht vertretbar ist).

In den 1970er Jahren wurde das Rennen erstmals ausgetragen, und da mussten die Teilnehmer durch den Schlamm des Blackwater Rivers auf die gegenüberliegende Seite waten, dort ein Pint Bier trinken und wieder zurückkommen. Heute wird kein Bier mehr getrunken; viele, die an dem Rennen teilnehmen, tragen irgendwelche Fantasiekostüme oder bewegen sich mehr oder weniger nackt durch die etwa 400 Meter lange Matschstrecke. Das Mud Race kann nur ausgetragen werden, wenn der Fluss bei Ebbe einen bestimmten Niedrigstand erreicht hat. Im vorigen waren 300 Männer und Frauen dabei, die kein Problem damit hatten, sich komplett „einzusauen“. 3 Minuten und 38 Sekunden benötigte Christopher Lee im Jahr 2019 für die Strecke und war damit erster; die schnellste Frau, Shannon Roswell,  schaffte es in 6 Minuten und 5 Sekunden und belegte damit Platz 17.

Dieser Film
zeigt wie es im vorigen Jahr bei dem verrückten Wettbewerb zuging, und da möchte man am liebsten gleich selbst mitmachen.
Die Einnahmen aus der Veranstaltung kommen immer wohltätigen Zwecke zugute und das waren im Jahr 2019 stolze £35,000.

Schauplatz des Maldon Mud Race ist der Promenade Park am Blackwater River, ein großes Freizeitareal mit Splash Park, Adventure Golf und anderen Verlustierungen.

Über Maldon in Essex schrieb ich in meinem Blog schon einmal, aber über ein ganz anderes Thema.

Da möchte man sich doch gern hineinstürzen. Schauplatz des Maldon Mud Races.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

The Pirate Castle – Eine Burg mitten im Londoner Stadtteil Camden

An der Oval Road, direkt am Regent’s Canal im Londoner Stadtteil Camden stoßen wir auf eine mittelalterliche Burg, die aber nicht die umliegenden Häuser dominiert, sondern von denen dominiert wird, eine kleine Burg also. Pirate Castle heißt das Gebäude, das 1977 erbaut worden ist und damit seit einigen Jahrhundert wieder die erste Befestigungsanlage dieser Art ist. Wäre doch eigentlich ideal als Wohnsitz für Boris I., aber der hat ja bereits etwas Ähnliches mit Chequers.

Das renommierte Architektenbüro von Richard Seifert (1910-2001), das unter anderem den 33-stöckigen Centre Point Tower in Londons New Oxford Street errichtet hat, zeichnet für das Design des Pirate Castles verantwortlich. Zweimal wurde an die Burg noch Hand angelegt, um sie zu erweitern bzw. zu verbessern: Im Jahr 2008 mit Hilfe von öffentlichen Geldern und dem Lottery Fund und noch einmal 2017. Das Pirate Castle ist eine „boating and outdoor activities charity“ und dient als Begegnungsstätte für den Stadtteil Camden Town. Kanu-,  Kayak- und Kanalbootfahren stehen im Zentrum der Aktivitäten, die hier angeboten werden, begünstigt durch die direkte Lage am Regent’s Canal. Die hier angebotenen Projekte wenden sich vorrangig an Kinder und Jugendliche, die aus benachteiligten Familien stammen, körperlich oder anderweitig behindert sind und besondere Aufmerksamkeit benötigen, und die wird ihnen im Pirate Castle gegeben. Das Betreuerteam setzt sich aus professionellen Trainern und Freiwilligen zusammen, die Teilnahme an den Aktivitäten ist kostenlos. Die Burg selbst steht für Veranstaltungen, Tagungen, Konzerte und vieles andere mehr zur Verfügung. Die daraus resultierenden Einnahmen fließen in die Finanzierung der sportlichen Aktivitäten auf dem Kanal, die dieser Film noch einmal zeigt.

The Pirate Castle
Oval Road
London NW1 7EA

Published in: on 22. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Narrowboats und ihre mehr oder weniger fantasievollen Namen

So weit ich mich erinnere, trug das Narrowboat, das ich vor Jahren in Evesham (Worcestershire) gemietet hatte, den Namen „Ethos“, warum auch immer. Es gibt eine Hitliste der 200 beliebtesten Namen für diese langen, schmalen Boote, die auf englischen Kanälen und Flüssen anzutreffen sind und da führt mit großem Abstand der Name „Kingfisher“ (Eisvogel), gefolgt von „Dragonfly“ (Libelle) und „Merlin“ (Zwergfalke bzw. Zauberer in der keltischen Mythologie). Booten mit diesen Namen wird man also häufiger begegnen. Hier ist jeweils ein Beispielfoto:

Auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Ebenfalls auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Und ein „Merlin“ auf dem Trent and Mersey Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Doch es gibt auch eine ganze Menge fantasievollerer Namen, von denen ich hier eine kleine Auswahl zeigen möchte:

Dieser Name eines in den Gloucester Docks geparkten Bootes gefällt mir besonders gut.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Piston Broke, sprich „Pissed and Broke“. Auf dem Shropshire Union Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Calamity J’Aime, in Anlehnung an die amerikanische Wild-West-Heldin Calamity Jane. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Dieses Boot ist nicht über die Ozeane nach England gekommen, sondern nach dem Vogel Tui benannt, der in Neuseeland heimisch ist. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Und zu guter Letzt…ein Boot namens „Corona“; entgegenkommende Narrowboats werden da wahrscheinlich sehr großen Abstand halten. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 18. April 2020 at 02:00  Comments (6)  
Tags:

The British Toilet Association – Im Kampf für mehr und bessere öffentliche Toiletten

Very nice!! Bei Arundel in West Sussex.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Wer kennt die Situation nicht: Nach einem Pubbesuch dauert es nicht lange bis das getrunkene Pint das Bedürfnis hat, den Körper schnellstmöglich wieder zu verlassen. Doch wo? Die öffentlichen Toiletten in England sind einer Schrumpfkur unterzogen worden. Innerhalb von zehn Jahren haben die Stadtverwaltungen mehr als 1700 öffentliche Toiletten geschlossen, da sie einfach nicht mehr über die Mittel verfügten, diese Anstalten zu unterhalten. So wurden viele der Toiletten abgerissen oder anderen Zwecken zugeführt. Ich habe mich des Themas vor sechs Jahren in meinem Blog schon einmal angenommen.

Die 1999 gegründete British Toilet Association (BTA) hat sich auf ihre Fahnen geschrieben, diesem Trend entgegenzuwirken und fordert “ decent, clean toilets“ und das Recht auf Zugang zu Toiletten im öffentlichen Raum. Sie hat eine App entwickelt, auf der um die 800 öffentliche Toiletten mit ihren jeweiligen Öffnungszeiten nachgewiesen sind. Sinnigerweise wurde diese App am World Toilet Day, dem 19. November 2015, gestartet. Sie soll dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr in den High Streets urinieren, die sowieso schon in vielen Orten auf dem absteigenden Ast sind und um den Erhalt einer gewissen Attraktivität kämpfen. Die Loo of the Year Awards, die jährlich in mehreren Kategorien vergeben werden, sollen auch Anreize schaffen, für angenehme und hygienische Toiletten zu sorgen. In der Kategorie Public Toilet Entries wurde im letzten Dezember die Firma Danfo UK Limited ausgezeichnet, die Toilettenanlagen baut.

Die BTA hat auch das Start-up Unternehmen Standard Toilet unterstützt, das eine neue Toilette entwickelt hat, die eine Schräge von bis zu 13% aufweist und daher äußerst unbequem ist, so dass die Benutzer sie schnell wieder verlassen. Hochinteressant für Arbeitgeber, deren Firmentoiletten dann nicht mehr so lange in Beschlag genommen werden, denn pro Jahr soll ein gesamtwirtschaftlicher Schaden in Großbritannien durch ausgedehnte Toilettenbesuche in Höhe von £4 Milliarden entstehen (so steht es auf der Homepage der Entwicklerfirma zu lesen).

Die BTA hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die den Titel National Community Toilet Scheme trägt. Mit dem Slogan “USE OUR LOO’S” sollen Ladeninhaber ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

No!!!! Bei Normanton in Nottinghamshire.
Photo © Trevor Rickard (cc-by-sa/2.0)

Eine der vielen geschlossenen Toiletten im Land; hier in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 17. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Zwei Minigolf-Enthusiasten aus Cheadle Holme (Greater Manchester), die jeden Platz in Großbritannien bespielen wollen

Crazy Golf in Skegness (Lincolnshire). Hier ist eine 18-Loch-Anlage.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Wie viele Minigolfplätze (Crazy Golf im Englischen) mag es wohl in Großbritannien geben? Es sind weit über 1000, über das ganze Land verteilt, mit Schwerpunkten dort, wo viele Touristen hinkommen, also in den Seebädern zum Beispiel.
Richard und Emily Gottfried aus Cheadle Hulme, einer Kleinstadt bei Manchester, haben sich als Ziel gesetzt, jeden Crazy Golf-Platz des Königreichs aufzusuchen und dort eine Runde zu spielen. Seit 14 Jahren sind die beiden unterwegs und haben es bisher auf ca 950 Plätze gebracht. Mit etwa 250 weiteren Stationen rechnen sie noch, und dann werden die beiden End-Dreißiger die ersten sein, die diese Mammutaufgabe geschafft haben.

In Southsea an der Küste von Hampshire entdeckten Richard und Emily ihre Liebe für das Spiel, das sie Tausende von Kilometern durch Großbritannien führte, auch in Gegenden, in die sie wahrscheinlich sonst nie gekommen wären. Zu ihren Lieblingsorten gehört Skegness, ein Seebad in Lincolnshire, wo es zehn Minigolfplätze gibt, und hier wurde auch im Jahr 1926 der erste Platz in England eröffnet.
Die World Crazy Golf Championships werden jährlich auf dem Adventure Golf Complex in Hastings an der Südküste ausgetragen, organisiert von der British Minigolf Association; vom 5. bis zum 7. Juni 2020 finden die nächsten Weltmeisterschaften statt. Der 18-Loch-Platz bietet eine Menge von Hindernissen (Windmühle, Leuchtturm, Wasserfälle usw.), die bezwungen werden müssen.

Drücken wir Richard und Emily Gottfried die Daumen, dass sie auch noch die verbliebenen Minigolfplätze aufsuchen können, um dann sicher in das Guinness Buch der Rekorde aufgenommen zu werden. Hier ist ein Film über sie.

Hastings Adventure Golf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Eine Crazy Golf-Anlage in den Riverside Meadows bei Stourport-on-Severn (Worcestershire).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. März 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Das Verhalten britischer Touristen auf der kanarischen Insel Lanzarote – Einige (sehr) persönliche Anmerkungen

Die Avenida de las Playas in Puerto del Carmen.
Author: Luis Miguel Bugallo Sanchez.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Alle Beiträge

Seit 18 Jahren sind meine Frau und ich wieder einmal auf der kanarischen Insel Lanzarote gewesen, die wir sehr mögen und die wir gern erneut besuchen wollten. Wir verbrachten 14 Tage im Hotel Fariones Playa in Puerto del Carmen, einem Ort, der sich kilometerlang am Meer entlang zieht. Das Flanieren auf der Avenida de las Playas bei Temperaturen um die 22° empfinde ich als sehr angenehm. In Puerto del Carmen hat sich im baulichen Bereich einiges verändert und der britische und irische Einfluss hat extrem zugenommen. Verschwunden sind die Lokale, in denen man früher Bundesligaspiele ansehen konnte (ich vermisse das nicht), dafür sind viele britische und irische Lokale dazugekommen, die beinahe täglich Fußballspiele und andere sportliche Ereignisse auf Großbildschirmen zeigen. Wenn man abends die Avenida entlang spaziert, sieht man in jedem dritten Lokal große grüne Flächen: Fernsehbildschirme, auf denen grüner Rasen mit sich darauf bewegenden Spielern zu sehen sind. Natürlich werden dabei so einige Pints vernichtet, denn das Bier ist auf Lanzarote spottbillig, im Vergleich zu den Preisen in den heimischen Pubs. Rund 2 Euro kostet ein großes Bier nur.

Die britischen Lokale mit Namen wie The Purple Turtle, Mucky Duck, The Good Old Days Bar, Lineker’s usw. sind schon morgens gut gefüllt, denn dann wird hier das English/Scottish/Irish Breakfast zu sich genommen, so wie man es von zuhause kennt. Auch mittags sind die entsprechenden Lokale sehr gut besucht, denn viele Briten möchten ungern auf ihre heimischen Speisen verzichten. The Mucky Duck bietet Steak and Kidney Pie an, die Hatton Garden Bar Fish and Chips und hier bekommt man sonntags auch sein Sunday Roast (3 meats and pudding für €10.95), den auch The Purple Turtle samt Yorkshire Pudding und Gravy im Programm hat. Wem die Zeit zwischen Mittag- und Abendessen zu lang ist, kann im Devon Restaurant & Bar Scones and Clotted Cream essen. Es ist schon erstaunlich, dass es Touristen gibt, die, kaum aus dem Flugzeug aus London, Bristol oder Glasgow gestiegen, sich gleich auf den Weg zum nächsten Lokal machen, wo sie das gleiche bestellen, was sie am Tag zuvor vielleicht auch gegessen haben. Hier ist ein Beispiel: The Highlander.

Übrigens: Das frühmorgendliche Belegen von Liegestühlen mit Handtüchern, eigentlich eine Domäne deutscher Touristen, haben sich mittlerweile auch einige Urlauber aus Großbritannien zu eigen gemacht wie ich es an unserem Hotelpool erlebte.

Was mir persönlich nicht gefällt (aber vielleicht stehe ich da allein da), ist die Art der Kleidung vieler Briten in den Lokalen auf der Avenida; ich spreche da allerdings überwiegend von den Herren. Nicht wenige von ihnen sitzen dort mit nacktem Oberkörper (Waschbrettbäuche sind eher die Ausnahme) und Shorts und zeigen viel von der Sonne gerötete Haut.

Neben den britischen Lokalen und Bars haben sich auch die irischen stark vermehrt wie dieser kurze Film als Beispiel zeigt.

Dass Lanzarote von den Briten heiß geliebt wird, zeigen die Anzeigetafeln im Flughafen César Manrique bei Arrecife, auf denen Flüge nicht nur in die bzw. von den Metropolen gelistet sind, sondern die Insel wird auch von Provinzflughäfen wie Exeter, Bournemouth und Southend angeflogen.

Published in: on 5. März 2020 at 02:00  Comments (3)  

The Lord’s Day Observance Society und ihr Kampf für die Einhaltung der Sonntagsruhe

Ein brechend voller Morrisons-Parkplatz bei Southampton an einem Sonntagvormittag, so wie es die LDOS und ihre Nachfolge-Gesellschaft nicht mögen.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Als wir vor einigen Jahren an einem Samstagnachmittag in unserem Hotel, dem Ashdown Park Hotel eintrafen, stellten wir fest, dass wir alle  Schuhe meiner Frau zuhause stehen gelassen hatten. Was tun? Der nächste Tag war ein Sonntag. In England kein Problem, denn auch am Sonntag haben nicht nur die Supermärkte, sondern auch viele High Street-Läden geöffnet. Also fuhren wir am Sonntagvormittag nach Tunbridge Wells (Kent) und kauften neue Schuhe.

Früher galten die Sonntage in Großbritannien als extrem langweilig. Alles war geschlossen, nichts durfte man, außer Trübsal blasen. Bereits 1625 wurde der erste Sunday Observance Act beschlossen, der „bearbaiting, bullbaiting, Interludes, common Plays, and other unlawful exercises and pastimes“ (so die Wikipedia) am Sonntag verbot. Es folgten weitere Sunday Observance Acts und Regulierungen, die sich mit den Themen Kinoaufführungen, Tanzen usw. befassten. Noch Mitte der 1930er Jahre war es untersagt, sonntags Golf und Tennis zu spielen. Die BBC sendete langweilige Musik, die die meisten nicht hören wollten.

1831 wurde eine Gesellschaft gegründet, die Lord’s Day Observance Society (LDOS), die sich die Einhaltung der Sonntagsruhe auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Noch heute firmiert diese Gesellschaft unter dem Namen Day One Christian Ministries. Die LDOS setzte sich vehement dafür ein, dass sonntags keine Zeitungen erscheinen sollten, keine Post ausgeliefert wurde und keine Zugfahrten unternommen werden sollten. Der Sonntag war für sie ein „day of rest and worship for the glory of God and the benefit of man„.

Seit geraumer Zeit hat sich das alles geändert. Pubs haben den ganzen Tag geöffnet, Supermärkte verzeichnen sonntags mit die größten Umsätze, die Radiosender des Landes spielen den ganzen Tag Popmusik und natürlich sind die Golf- und Tennisplätze an diesem Tag sehr begehrt. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die den Sonntag als Tag der Ruhe betrachten, immer mehr zu einer Minderheit, die Gottesdienste in den Kirchen werden immer weniger besucht. Ein grundsätzlicher Wandel hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Gesellschaft vollzogen, ob man ihn nun mag oder nicht. Die Lord’s Day Observance Society bzw. jetzt die Day One Christian Ministries kämpfen heute gegen Windmühlenflügel.

Statt Sonntagsshopping lieber Sonntagsgottesdienst (wie hier in der St Katherine’s Church in Little Bardfield in Essex); so mag es die LDOS.
Photo © Chris Morrell (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Ascot Fascinators – Kunstvoll gestaltete Damenhüte beim Pferderennen

Wie jedes Jahr im Juni werden auch 2020 wieder die berühmten Pferderennen in Ascot ausgetragen, ein Highlight im gesellschaftlichen Leben Englands. Die Pferde und die Jockeys sollen zwar im Mittelpunkt stehen, doch das Treiben außerhalb der Bahnen ist für die meisten Besucher viel wichtiger. Man zeigt sich, die Luxuslimousinen stehen aufgereiht auf den Parkplätzen, die meisten Herren tragen Frack und Zylinder und die Damen tragen… fascinators; das sind jene merkwürdigen Hüte, bei deren Gestaltung der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Vogelnester sind da auf den Köpfen der Damen zu erspähen oder Erdbeertörtchen oder jede Menge Federbüsche. Alljährlich wird auch in Ascot der beste Kopfschmuck der Damenwelt prämiert.

Der Dresscode bei Royal Ascot für Damen wurde vor einiger Zeit stark reglementiert. Miniröcke und nabelfreie Tops sind verboten, tiefe Dekolletés ebenso wie Kleider mit Spaghettiträgern. Hüte hingegen sind Pflicht.

Manche basteln sich ihre fascinators selbst, aber natürlich gibt es in London auch spezielle Geschäfte, in denen man diese Hüte kaufen bzw. anfertigen lassen kann.

Der dritte Renntag ist der Ladies‘ Day, an dem die Besucherinnen noch einmal versuchen, das schrillste und sensationellste auf ihre Hüte zu zaubern.

Der Champagner fließt an den Renntagen in Strömen. 150 000 Flaschen sollen es sein, dazu mehrere Tonnen Lachs und Erdbeeren.

In diesem Film werden einige typische Beispiele für Fascinators in Ascot gezeigt.

Der Bullingdon Club – Eine exklusive Studentenvereinigung in Oxford

The Jolly Woodman bei Burnham; diente im Film „The Riot Club“ als der Pub, der von den Studenten verwüstet wurde.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0).

Gestern sah ich mir den englischen Spielfilm „The Riot Club“ (dt. „The Riot Club“) aus dem Jahr 2014 an. Darin geht es um eine elitäre Studentenvereinigung in Oxford, für deren Mitglieder Geld keine Rolle spielt und die sich regelmäßig treffen, um sich sinnlos zu betrinken und Drogen zu nehmen. Die Hälfte des Films besteht aus Szenen in einem Pub namens The Bulls Head (gedreht wurde im The Jolly Woodman in Burnham in Buckinghamshire), in dem sich die jungen Herren treffen und den sie am Ende ihres Gelages komplett auseinandernehmen und den Wirt krankenhaus reif schlagen. Klingt irgendwie abgedreht und wirklichkeitsfremd, ist es aber nicht, denn der Riot Club im Film basiert auf dem tatsächlich existierenden Bullingdon Club, den es schon seit 1780 in Oxford gibt. Die Mitglieder stammen aus reichen Elternhäusern und es nicht leicht, in den Club aufgenommen zu werden. Zum Aufnahmeritual gehört zum Beispiel, dass die Unterkunft des neuen Mitglieds von den anderen komplett zerstört wird. Wie im Film trifft man sich regelmäßig in Pubs oder Restaurants, wo dann der Alkohol in Strömen fließt und häufig endet der Abend in einem Exzess an Gewalt, bei dem die Einrichtung des Etablissements großen Schaden nimmt. Es gehört auch traditionell zum Bullingdon Club, dass der Schaden vor Ort sofort bar reguliert wird, denn Geld spielt keine Rolle.

Zu den prominentesten Clubmitgliedern der letzten Jahrzehnte gehören drei Politiker, die nur ungern darauf angesprochen werden: Boris Johnson, David Cameron und George Osborne. „Der Bullingdon und andere Dinnerklubs sind Keimzellen der Macht im Königreich“ schrieb Der SPIEGEL einmal in einem Artikel vom 10.10.2015. Zu den anderen Dinnerklubs zählt beispielsweise auch die Piers Gaveston Society, die es noch toller treiben soll.

Vor einigen Jahren trafen sich die Studenten vom Bullingdon Club im The Manor Country House Hotel in der Nähe von Bicester in Oxfordshire und reservierten für sich den Tudor Room. Da muss es ähnlich wie im Film „The Riot Club“ zugegangen sein, Dutzende Flaschen Wein und Champagner wurden geleert, Gläser und Geschirr zerschlagen und nach dem Gelage soll es schrecklich in dem schönen Raum ausgesehen haben. Ich habe vor einem Jahr im The Manor gewohnt; über meine (leider negativen) Erfahrungen dort habe ich in meinem Blog geschrieben.
Ein anderes Mal war The White Hart in Fyfield (Oxfordshire) das Ziel eines Orgienabends, bei dem ebenfalls einiges zu Bruch ging und die Polizei gerufen werden musste, die einige der Studenten in Gewahrsam nahm.

Im Film „The Riot Club“ fährt einer der Studenten mit einem Aston Martin Cabrio durch Oxford, 1977 starben vier Menschen als ein betrunkenes Mitglied des Bullingdon-Clubs mit seinem Maserati einen Verkehrsunfall verursachte (zu den Opfern gehörte der Profi-Fußballer vom FC Chelsea Peter Houseman und seine Frau). Auf wundersame Weise kam er mit einer milden Strafe davon. Es ist in Oxford offensichtlich sehr hilfreich, einflussreiche Verwandte im Hintergrund zu haben.

The Manor Country House Hotel bei Bicester in Oxfordshire; auch hier kam es zu einem ausschweifenden Abend für die Mitglieder des Bullingdon Clubs.
Eigenes Foto.

 

Die Ellesborough Silver Band – Eine Blaskapelle aus Buckinghamshire

Ellesborough in Buckinghamshire: Hier ist die Brass Band beheimatet.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Blaskapellen verbinde ich eigentlich in der Regel mit Nordengland, dort, wo früher die Bergarbeiter Kohle abbauten und zu ihrer  Entspannung Blasmusik spielten oder einfach nur zuhörten. Einige dieser noch existierenden Kapellen habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie die Burbage Brass Band aus Derbyshire, die Muker Silver Band aus North Yorkshire oder die Grimethorpe Colliery Band aus South Yorkshire.

Doch auch im Süden gibt es Brass Bands wie die Ellesborough Silver Band, die in Ellesborough in Buckinghamshire beheimatet ist und das schon seit 1896. Die Auftritte der Kapelle finden überwiegend in der näheren Umgebung statt, so war die Silver Band unter anderem bei Dorffesten in Stoke Mandeville und Monks Risborough zu hören, bei der The Lee Flower Show und beim Cherry Pie Festival in Plough. Die Höhepunkte in der Geschichte der Band waren sicherlich ein Auftritt in Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist. Als Neville Chamberlain das Amt inne hatte, wurde die Band zur Weihnachtszeit eingeladen, dort Weihnachtslieder zu spielen. Einmal durften die Bandmitglieder vor Prince Charles  und Princess Margaret spielen, als diese das Guttmann Centre in Aylesbury besuchten. Weitere Höhepunkte im Leben der Band waren Auftritte  in der Royal Albert Hall bei den National Brass Band Championships.

Damit die Brass Band in Übung bleibt, treffen sich die Mitglieder jeden Freitagabend in der Ellesborough Parish Hall. Die Kapelle umfasst dreißig Personen, gemischt aus Männern und Frauen und wie es auf den Webseiten der Band heißt, im Alter von acht bis achtzig Jahren.

Hier ist ein Auftritt der Band in Aylesbury zu sehen und zu hören.