Dr Alfred Salter und seine verschwundene Statue am Ufer der Themse im Londoner Stadtteil Bermondsey

So saß Dr Salter einst freidlich auf einer Bank am Themseufer, bis er gestohlen wurde.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

So saß Dr Salter einst friedlich auf einer Bank am Themseufer, bis er gestohlen wurde…
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Bermondsey, am südlichen Ufer der Themse in London gelegen, war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kein bevorzugtes Wohngebiet. Viele Menschen lebten in Slums und heruntergekommenen Häusern, entsprechend schlecht sah es hier auch mit der Gesundheitsvorsorge aus. Der Arzt Dr Alfred Salter und seine Frau Ada waren damals so etwas wie die Engel von Bermondsey. Dr. Salter eröffnete eine Praxis und behandelte alle, die kein Geld hatten, kostenlos. Das „Verschönerungs-Komitee“ seiner Frau kümmerte sich um die Bepflanzung des Stadtteils mit Bäumen und Blumen. Sie ließen baufällige Häuser abreißen und ersetzten sie durch neue (in der Emba Street, Wilson Grove und der Marigold Street); kurz: Ohne die Salters wäre es Bermondsey sehr viel schlechter ergangen.

Ada Salter starb 1942 im Alter von 76 Jahren, ihr Mann 1945 im Alter von 72 Jahren. Wie sollte man die Engel von Bermondsey in Ehren halten? Erst relativ spät, nämlich 1991, beauftragte man die Bildhauerin Diane Gorvin, eine Bronzeskulptur des Arztes, seiner Tochter Joyce, die schon früh im Alter von nur acht Jahren gestorben war, und ihrer Katze zu schaffen. Alfred Salter setzte man am Themseufer von Bermondsey auf eine Bank, Joyce lehnte ihm gegenüber an der Mauer und die Katze saß auf derselben. Ein hübsches Ensemble, das die Künstlerin „Dr Salter’s Daydream“ nannte.

Die Spaziergänger erfreuten sich an den Figuren, bis plötzlich im November 2011 Dr Salter von der Bank verschwand und nie wieder auftauchte. Es waren wohl Metalldiebe, die die Bronzeskulptur entwendeten und einschmelzen ließen. Joyce und ihre Katze nahmen die Diebe nicht mit, die wurden aber schleunigst vom Southwark Council in Verwahrung genommen.

Man gründete nun die Salter Statues Campaign, mit dem Ziel, eine neue Skulpturengruppe zu schaffen, dieses Mal inklusive Mrs Ada Salter. £100,000 wird das kosten, wovon die Campaign nur die Hälfte aufbringen muss, da sich der Southwark Council bereit erklärt hat, die andere Hälfte dazuzugeben. Bis jetzt sollen schon £34,000 an Spendengeldern zusammengekommen sein. Man hat die Künstlerin Diane Gorvin noch einmal gebeten, tätig zu werden und sie hat zugesagt. Wenn die Familie Salter also demnächst wieder am Themseufer Platz nehmen wird, kann sie sicher sein, gut beschützt zu werden, denn geplant sind eine Überwachungskamera und Sensoren, die einen erneuten Diebstahl verhindern sollen.

...und ihm gegenüber lehnte Tochter Joyce an der Mauer, ihre Lieblingskatze gleich neben ihr.    © Copyright Stephen Craven and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und ihm gegenüber lehnte Tochter Joyce an der Mauer, ihre Lieblingskatze gleich neben ihr.
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Published in: on 31. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lychgates – Die kleinen Eingangstore, die zu einem Kirchhof führen

Ein typisches "lychgate", das zum Kirchhof von All Saints in Brenchley (Kent) bei Tinbridge Wells führt.    © Copyright Nigel Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein typisches „lychgate“, das zum Kirchhof von All Saints in Brenchley (Kent) führt.
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Ich mag die kleinen Kirchen auf dem Lande, die so etwas wie Trutzburgen in den Dörfern darstellen, meist umgeben von einem Friedhof mit uralten Grabsteinen, die windschief mit oft unleserlichen Inschriften auf einer Wiese stehen. Wenn dann noch der Wind in den Bäumen rauscht und weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, da kommt schon eine besondere Stimmung auf…

Der Zugang zu diesen „country churchyards“ erfolgt häufig durch ein sogenanntes „lychgate„, ein spitzgiebelig überdachtes Tor, das einst dazu diente, vorübergehend einen Leichnam „abzustellen“, der auf dem Weg zur Beerdigung auf dem Kirchhof war. Unter diesem kleinen Schutzdach fand der erste Teil der Feier statt, die vom Priester vollzogen wurde. Dann wurde der Leichnam unter dem Lychgate auf eine Totenbahre umgeladen und in die Kirche bzw. zum Grab gebracht. Bei schlechtem Wetter wurden die Leichenträger darunter wenigstens nicht nass und auch heute noch finden Besucher bei Regen oder bei starker Sonneneinstrahlung hier für eine Weile Schutz.
Im Namen „lych“ steckt übrigens das deutsche Wort „Leiche“.

In Wolverhampton gibt es einen Pub namens „The Lych Gate Tavern„, auf dessen Pubschild ein schönes Exemplar gemalt worden ist.

Hier sind einige Beispiele für typische lychgates:

St Leonard's Church in Watlington (Oxfordshire).    © Copyright Nigel Cox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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St Andrew's in Ombersley (Worcestershire).    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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St Nicholas in Cholderton (Wiltshire).    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 30. Januar 2014 at 02:00  Comments (2)  

Die Krimischriftstellerin Martha Grimes und die Pubs, nach denen ihre Romane benannt worden sind

Hier ist eine Auswahl meiner Martha Grimes-Sammlung. Eigenes Foto.

Hier ist eine Auswahl meiner Martha Grimes-Sammlung.
Eigenes Foto.

Am 27. Januar zeigte das ZDF die, wie in meiner Programmzeitschrift zu lesen war, weltweit erste (deutsche) Verfilmung eines „Inspector Jury“-Romans der US-amerikanischen Schriftstellerin Martha Grimes. Für mich war das Ergebnis enttäuschend; der Darsteller des Londoner Inspectors passte nicht in die Rolle, sein Sergeant wirkte lächerlich, alles war ziemlich langweilig inszeniert. Lediglich die Location Scouts hatten gute Arbeit geleistet; gedreht wurde auf der Isle of Purbeck in Dorset im Ort Corfe Castle. Das Lokalkolorit stimmte, die Ruinen der alten Burg wurden mit in die Handlung einbezogen.

Martha Grimes benannte viele ihrer Krimis nach wirklich existierenden englischen Pubs, in denen sie sich für Recherchezwecke immer eine Zeit lang aufhielt. Hier sind einige Beispiele:

– „The Old Silent“ heißt auf Deutsch „Inspektor Jury geht über das Moor„. Ich unterhielt mich einmal mit jemandem vom Personal dieses Pubs, der in Stanbury (North Yorkshire) zu finden ist, ein Nachbarort von Haworth, und man erzählte mir, dass sich Martha Grimes dort einige Tage einquartiert hatte, um sich mit der Region vertraut zu machen.

– „Help The Poor Struggler“ hat den deutschen Titel „Inspektor Jury lichtet den Nebel„. Ein Pub in Hollinwood bei Oldham (Greater Manchester) führte einmal diesen Namen (das Gebäude ist inzwischen abgerissen worden). Der Wirt in diesem Gasthaus war ein gewisser Albert Pierrepoint, der „nebenberuflich“ Henker war und von 1932 bis 1956 etwa 450 Menschen in staatlichem Auftrag ins Jenseits beförderte.

– „I Am the Only Running Footman“ ist in Deutschland als „Inspektor Jury steht im Regen“ bekannt. Vorbild war hier der heutige Gastropub „The Only Running Footman“ in der Charles Street im Londoner Stadtteil Mayfair.

– „The Five Bells And Bladebone“ kennen deutsche Grimes-Fans unter dem Titel „Inspektor Jury besucht alte Damen„. Es gab einmal einen Pub mit diesem Namen in der Three Colt Street in Limehouse im Osten Londons. Seit dem Jahr 2000 ist daraus die 5B Urban Bar geworden.

– „The Lamorna Wink“ wurde als „Die Treppe zum Meer“ in Deutschland veröffentlicht. Lamorna ist ein kleines Fischerdorf an der äußersten Südwestspitze Cornwalls, dessen Pub „Lamorna Wink“ Pate für den Buchtitel stand. Nach einer sechsmonatigen Umbauphase wurde der Gasthof Ende Dezember vorigen Jahres wieder eröffnet.

– „The Old Contemptibles„, deutsch „Inspektor Jury gerät unter Verdacht„, ist ein Pub in der Edmund Street in Birmingham. The Old Contemtibles nannte man im Ersten Weltkrieg das Britische Expeditionskorps, das in Frankreich und Belgien eingesetzt war.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. In Staithes an der Küste Yorkshires spielt der Roman „The Old Fox Deceiv’d“ (dt. „Inspektor Jury spielt Domino„). Dort gibt es keinen Pub mit diesem Namen, nur „The Cod and Lobster“ unten am Hafen. Auf dem Weg vom Parkplatz oberhalb des Ortes nach unten fand ich ein Haus, das das Namensschild „Grimes Cottage“ trug. Zufall? Auch in diesem malerischen Dorf hatte die amerikanische Krimiautorin Recherchen durchgeführt.

In diesem Film spricht Martha Grimes über ihre Schreibmethode.

The Old Silent in Stanbury (North Yorkshire).    © Copyright Alexander P Kapp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Silent in Stanbury (North Yorkshire).
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The Only Running Footman in der Londoner Charles Street (ganz rechts).    © Copyright Mike Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Only Running Footman in der Londoner Charles Street (ganz rechts).
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The Lamorna Wink in Lamorna (Cornwall).    © Copyright Pauline Eccles and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lamorna Wink in Lamorna (Cornwall).
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Published in: on 29. Januar 2014 at 02:00  Comments (3)  

National Televison Awards 2014

Hier in der Londoner =2-Arena werden jedes Jahr die National Television Awards vergeben.    © Copyright Chris Allen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Londoner O2-Arena werden jedes Jahr die National Television Awards vergeben.
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Am Mittwoch, dem 22. Januar wurden wieder einmal die National Television Awards vergeben. In der Londoner O2 Arena präsentierten die Moderatoren Ant & Dec die beliebtesten Fernsehprogramme bzw. Persönlichkeiten des Fernsehens, die von den Zuschauern gewählt worden sind. Hier sind die Preisträger in den einzelnen Kategorien:

Serial Drama:
Coronation Street
Seit 2010 hat diese Endlos-Serie des Senders ITV diesen Preis in Folge gewonnen. Am 9. Dezember 1960 erstmals ausgestrahlt, erfreut sie sich auch nach mehr als 40 Jahren ungebrochener Beliebtheit. Ähnlich wie in der deutschen „Lindenstraße“ kann man darin das Alltagsleben der Bewohner der Coronation Street in der fiktiven Stadt Weatherfield mitverfolgen.
Mit im Rennen um den Preis lagen weitere Uralt-Serien wie „EastEnders“ (seit 1985) und „Emmerdale Farm“ (seit 1972), sowie „Hollyoaks“ (seit 1995).

Drama:
Doctor Who
Auch diese Science Fiction-Serie der BBC ist nicht tot zu kriegen. Am 23. November 1963 lief die erste Folge und mit Unterbrechungen wird sie auch heute noch produziert mit x-fach ausgewechselten Doktoren. In Deutschland konnte man diverse Episoden auf RTL, VOX und ProSieben sehen, die aber nur mäßigen Anklang fanden.
Weitere Preisanwärter waren „Downton Abbey“ und „Broadchurch“

Entertainment Programme:
I’m A Celeberity…Get Me Out Of Here
Das Original. In Deutschland heißt die Sendung „Ich bin ein Star…Holt mich hier raus!“, wobei man hier das Wort „Star“ neu defineren muss. Die Ekel-Show aus dem Dschungelcamp in Australien erzielt auch in Deutschland aus unerfindlichen Gründen hohe Einschaltquoten. Ist das Niveau der britischen TV-Unterhaltung dermaßen tief gesunken, dass so eine Sendung einen Preis erhält? Moderatoren der Show sind ebenfalls Ant & Dec.
Konkurrenten der Show waren z.B. „Ant & Dec’s Saturday Night Takeaway“ (schon wieder die beiden!).

Documentary:
Educating Yorkshire
Die Dokusoap des Senders Channel4 zeigt das Leben der Lehrer und Schüler der Thornhill Community Academy in Dewsbury (West Yorkshire). Bisher liegen acht Episoden und ein Weihnachtsspecial vor.

Talent Show:
Strictly Come Dancing
In dieser Show der BBC werden Paare aus Prominenten und Profitänzern bzw. -tänzerinnen gebildet, die eine Jury und die Fernsehzuschauer überzeugen müssen, um nicht herausgewählt zu werden. Bei RTL läuft das gleiche Format unter dem Titel „Let’s Dance“.
Konkurrenten um den Preis waren u.a. die Casting-Shows „The X Factor“ und „Britain’s Got Talent“.

TV Detective:
Benedict Cumberbatch
Der vielfach ausgezeichnete britische Schauspieler erhielt den Fernsehpreis für seine Verkörperung des Sherlock Holmes in der BBC-Serie „Sherlock“, die auch in Deutschland vom Ersten Programm gesendet wurde.
Seine Mitbewerber um den Preis waren David Tennant und Olivia Colman, die beide in der sehr guten Serie „Broadchurch“ (ich berichtete darüber) zu sehen waren.

Und weil hier die Namen Ant & Dec schon mehrmals erwähnt worden sind: Sie erhielten auch noch den Preis in der Kategorie „Entertainment Presenter„.

Published in: on 28. Januar 2014 at 02:00  Comments (5)  

97.4 Rock FM – Die Radiostation in Preston (Lancashire), die aus einer Kirche sendet

Es war einmal eine Kirche namens St Paul’s, die zwischen 1823 und 1825 in der nordwestenglischen Stadt Preston in der Grafschaft Lancashire erbaut wurde. Würden die beiden Architekten Thomas Rickman und Henry Hutchinson heute noch einmal in die Gegenwart zurückkommen, so würden sie ihren Augen kaum glauben, was aus ihrer Kirche geworden ist. Von außen sieht sie zwar noch ziemlich genauso aus (bis auf die Antennenmasten), aber im Inneren hat sich ein Wandel vollzogen. Statt Altar, Kanzel und Taufbecken sieht man jetzt das geschäftige Treiben einer Rock-Radiostation namens 97.4 Rock FM, die den Nordwesten Englands bedient.

Am 1. Januar 1979 schlossen sich die Türen von St Paul’s als Gotteshaus für immer. Was sollte man aus der leerstehenden Kirche machen? Abreißen, als Nachtclub oder als Restaurant umfunktionieren? Nein, ein ungewöhnlicher Interessent meldete sich: Die Radiostation Red Rose Radio. Die Betreiber kauften das Gebäude für £35,000, steckten noch einmal £780,000 in den Umbau und nahmen am 5. Oktober 1982 um 6 Uhr morgens den Sendebetrieb auf. Statt Kirchenliedern war jetzt Rockmusik in St Paul’s angesagt.

1990 splittete sich der Sender in zwei Stationen auf, in Red Rose Rock FM und in Red Rose Gold. 1994 wechselten die beiden Stationen den Besitzer. Aus Red Rose Gold wurde erst Red Rose 999 und dann (bis heute) Magic 999, aus Red Rose Rock entstand 97.4 Rock FM, „Lancashire’s Hit Music Station“, wobei nur das Programm der Rockstation direkt aus der Kirche in Preston gesendet wird; die Programme von Magic 999 werden an anderer Stelle (Newcastle, Manchester, London) produziert. 97.4 Rock FM ist der meistgehörte kommerzielle Sender in der Region Preston, Blackpool, Blackburn und Southport.

Rock FM
St Paul’s Square
Preston, Lancashire
PR1 1XA

Published in: on 27. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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5 Sterne über Yorkshire – Die besten Restaurants des Jahres 2013 in der nordenglischen Grafschaft

The Black Swan in Oldstead.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Black Swan in Oldstead.
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Die Zahl der Restaurants in der Grafschaft Yorkshire, die der aktuelle Michelin Guide to Britain and Ireland 2014 mit einem Stern versehen hat, ist überschaubar. Gerade einmal fünf Restaurants fanden die Tester, denen sie einen der begehrten Sterne verliehen. In England ist auch in kulinarischer Sicht ein deutliches Nord-Süd-Gefälle festzustellen. In Northumberland gibt es überhaupt kein Restaurant mit einem Michelinstern, selbst in Cumbria finden wir nur zwei auf diese Weise ausgezeichnete Häuser: Das Holbeck Ghyll in Windermere (ich berichtete in meinem Blog darüber) und in diesem Jahr neu das Samling bei Ambleside.

Sehen wir uns die fünf Yorkshire-Restaurants einmal an:

– Da ist der Black Swan in Oldstead. Das etwas abgelegene Dorf liegt zwischen Thirsk und Helmsley in North Yorkshire. Der Gastro-Pub ist ein Familienbetrieb, der hier schon lange ansässig ist. Am Herd steht Tommy Banks, der sich den Michelinstern erkocht hat, sein Bruder James ist Empfangschef und ihre Eltern sind die Eigentümer des Hauses. Ich stellte den Schwarzen Schwan an dieser Stelle schon einmal vor.

– Im Osten Yorkshires, in der Nähe von Beverley, liegt South Dalton und dort finden wir The Pipe and Glass Inn, ein Fine Dining Pub, der in den letzten Jahren mit Auszeichnungen geradezu überhäuft worden ist und nun zum fünften Mal hintereinander einen Michelinstern erhalten hat. James Mackenzie ist Eigentümer und Chefkoch des Gasthofs. Hier ist ein Video.

– In Ramsgill im Nidderdale in North Yorkshire liegt The Yorke Arms, deren Köchin, Frances Atkins, schon seit 2003 ununterbrochen mit einem Michelinstern ausgezeichnet worden ist. Es gibt im aktuellen Restaurantführer nur sechs Köchinnen in ganz Großbritannien, die sich eines Sternes rühmen können. Auch The Yorke Arms hat viele Preise gewonnen, u.a. war der Gasthof „UK Restaurant of the Year 2007/08“. Hier ist ein Video.

– An der vielbefahrenen A65 in Ilkley (West Yorkshire) liegt The Box Tree Restaurant, für das der Michelinstern schon fast etwas ganz Selbstverstädliches geworden ist. Der Good Food Guide listete das Haus im vergangenen Jahr unter die 50 besten Restaurants des Landes. Seit 1962 gibt es das Box Tree schon an dieser Stelle und es entwickelte sich immer mehr zu einem der führenden Häuser des Nordens. Am Herd steht Simon Gueller, der das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau Rena führt. Seit 2010 ist der Starkoch Marco Pierre White Miteigentümer.

– Südlich von Sheffield in Ridgeway (South Yorkshire) schließlich liegt das fünfte Michelin-Restaurant in Yorkshire The Old Vicarage. Auch hier kocht eine Frau, Tessa Bramley, die sich sogar schon seit 1998 über einen Stern freuen kann. Das in einem viktorianischen Country House untergebrachte Restaurant existiert seit 1987 und ist in der Region die Nummer Eins. Hier ist ein Video.

Den Stern verloren hat im vergangenen Jahr das Burlington Restaurant im berühmten Devonshire Arms Hotel in Bolton Abbey (North Yorkshire), aber nicht weil das Essen dort schlechter geworden ist, sondern weil Chefkoch Steve Smith das Haus verlassen hat und auf die Insel Jersey ins Bohemia Restaurant gegangen ist. Nachfolger ist ein sehr vielversprechender junger Koch namens Adam Smith, der die letzten acht Jahre im Londoner Ritz gearbeitet hat. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich das Burlington wieder mit einem Stern schmücken kann.

The Pipe and Glass in South Dalton.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Pipe and Glass in South Dalton.
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The Yorke Arms in Ramsgill.    © Copyright DS Pugh and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Yorke Arms in Ramsgill.
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The Box Tree Restaurant in Ilkley.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 26. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Die Drehorte der Episode 81 „Gesund, aber tot“

Langley Park House bei Iver in Buckinghamshire.    © Copyright David Hawgood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Langley Park House bei Iver in Buckinghamshire.
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Ja, die Episode 81 der Inspector-Barnaby-Serie ist auch das Ende der uns so vertraut gewordenen Personen wie Tom Barnaby (John Nettles), Joyce Barnaby (Jane Wymark) und Cully (Laura Howard). Auch DC Gail Stephens (Kirsty Dillon) ist von nun an leider nicht mehr zu sehen. Lediglich Sergeant Ben Jones und Dr. George Bullard bleiben (vorerst) bei der Stange, bis auch sie schließlich aus der TV-Serie ausscheiden werden.

In der Episode „Gesund, aber tot„, die im Original „Fit for murder“ heißt, fahren Tom und Joyce in das vornehme Swavely Manor Spa, um dort Stressabbau zu betreiben. Joyce genießt es, Tom absolut nicht, und so ist er froh, dass er sich bald wieder um die Aufklärung mehrerer Morde kümmern kann.

Für die Dreharbeiten dieser Folge hatte es die Produktionsfirma Bentley Productions nicht weit, denn ihr Firmensitz auf dem Gelände der Pinewood Studios in Iver Heath (Buckinghamshire) ist nur einen Katzensprung entfernt vom Langley Park House, das als Swavely Manor fungiert. Es liegt auf der Hand, dass Langley Park auch für andere Filmproduktionen verwendet worden ist.

Erbaut wurde das Langley Park House Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Architekten Stiff Leadbetter für Charles Spencer, den 3. Duke of Marlborough. Leadbetter baute u.a. auch für den ersten Duke of Northumberland Syon House bei Brentford im Westen Londons. Für die Gartenanlagen, die wir in der Barnaby-Folge auch zu sehen bekommen, war in erster Linie Lancelot „Capability“ Brown zuständig.
Im Zweiten Weltkrieg diente Langley Park als Hauptquartier der Home Guard für die Sektion Südost-England. Nach dem Krieg erwarb der Buckinghamshire County Council das Gelände und das Haus, in dem vorwiegend Büros untergebracht sind. Wie ich hörte, gibt es Überlegungen, Langley Hall in ein Country House Hotel umzuwandeln.

Das Haus ist nicht zu besichtigen, dafür kann man sich die Parkanlagen ansehen, die täglich geöffnet sind. Die Zufahrt zum Parkplatz erfolgt über die A412, die Uxbridge Road, und die Billet Lane.

Die Interessengemeinschaft Friends of Langley Park kümmert sich um das Wohlergehen der Parklandschaft und unterstützt dabei den Buckinghamshire County Council.

Weitere Filme, die in Teilen in Langley Park gedreht wurden:
– Der James Bond-Film „A View to a Kill“ (dt. „Im Angesichts des Todes“) im Jahr 1985
– „Joe’s Palace“ (2007)
– „The Special Relationship“ (2010)

Langley Park Country Park
Billet Lane
Iver Heath
Iver
SL0 0LS

Der Langley Park Lake.    © Copyright David Hawgood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Langley Park Lake.
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Kimbolton Fireworks – Die Feuerwerksspezialisten in Cambridgeshire

Hier in der Kimbolton School unterrichtete Reverend und führte Experimente mit Feuerwerkskörpern durch.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier an der Kimbolton School unterrichtete Reverend Ronald Lancaster und führte Experimente mit Feuerwerkskörpern durch.
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Feuerwerkskörper werden heuzutage überwiegend im Fernen Osten hergestellt; auch die britische Produktion dieser pyrotechnischen Artikel ging immer mehr zurück, bis nur noch die Firma Kimbolton Fireworks übrigblieb, die sich zusätzlich noch auf die Organisation von Feuerwerken spezialisiert hat. Kimbolton ist eine Kleinstadt im Westen der Grafschaft Cambridgeshire, rund 40 km von Cambridge entfernt.

Ohne den Reverend Ronald Lancaster würde es die Firma nicht geben. Er war und ist noch mit 82 Jahren der absolute Feuerwerks-Guru Großbritanniens, gern auch der „master blaster pastor“ genannt. Lancaster stammt aus Huddersfield in West Yorkshire, wo er schon als Kind leidenschaftlich gern Feuerwerkskörper herstellte. Er  studierte in Oxford Theologie und wurde Geistlicher in mehreren Gemeinden Yorkshires. Schließlich ging er nach Kimbolton, wo er an der dortigen Schule Unterricht in Religion und Chemie gab und auf sein Bitten hin, ein Labor für Feuerwerksexperimente einrichten durfte. Nachdem er auch einige Kollegen für sein Hobby begeistern konnte, gründete er mit ihnen eine kleine Firma, die Feuerwerke veranstaltete.

Sein erster großer Auftritt war vor dem Buckingham Palace, als er für das 25jährige Krönungsjubiläum der Queen das Feuerwerk durchführte. Weitere Großveranstaltungen, bei denen Raketen aus Kimbolton abgefeuert wurden, waren das 800jährige Stadtjubiläum der City of London, der 50. Jahrestag des Battle of Britain und die Übergabe der ehemaligen Kolonie Hongkong an die Chinesen. Die Silvesterfeuerwerke in London und Edinburgh zum Jahreswechsel 2013/2014 haben sich auch die Profis aus Cambridgeshire ausgedacht und durchgeführt.

Kimbolton Fireworks wurde 1964 gegründet und hat sich einen internationalen Ruf als Veranstalter von Großfeuerwerken erworben, was sich in mehreren Auszeichnungen niedergeschlagen hat. Die Produktpalette und die Angebote der Firma haben sich erweitert; so werden z.B. auch Lasershows und Gebäudebeleuchtungen angeboten.

Reverend Ronald Lancaster hat ein Buch geschrieben, das als Klassiker in der Pyrotechnik-Branche gilt: „Fireworks, Principles and Practice„, das 2005 schon in der 4. Auflage bei der Chemical Publishing Company erschien.

Hier ist eine (ziemlich beeindruckende) Kostprobe der Feuerwerker aus Kimbolton.

Kimbolton Fireworks Limited
7 High Street
Kimbolton
Huntingdon, Cambs, PE28 0HB

Dies ist die Adresse des Büros; die Produktionsstätte ist verständlicherweise außerhalb von Kimbolton, an der B645 (Kimbolton Road) in Richtung Great Staughton.

Die High Street von Kimbolton.    © Copyright Bikeboy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Kimbolton.
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Published in: on 24. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Paul Martin: Paul Martin’s Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

In Deutschland erfreuen sich Fernsehsendungen, in denen jedermann seine Antiquitäten schätzen lassen kann, seit Jahren großer Beliebtheit. „Kunst und Krempel“ läuft seit 1985 im Bayerischen Fernsehen; ähnliche Formate zeigten die anderen Regionalprogramme. Das ZDF bringt jeweils sonntags die Trödelshow „Bares für Rares“ mit Fernsehkoch Horst Lichter.

In England haben diese Fernsehshows eine noch längere Tradition; so wurde „Kunst und Krempel“ der „Antiques Road Show“ nachempfunden, die die BBC bereits seit 1979 ausstrahlt. Seit 2002 hat BBC2 die Show „Flog It!“ im Programm (hier ein Ausschnitt), was soviel bedeutet wie „Verscherbele es!“ Hier können Bürger ihre (vermeintlichen) Raritäten mitbringen, diese von Experten schätzen lassen und sie dann, wenn sie möchten, bei einer Auktion versteigern. Paul Martin ist der Gastgeber der TV-Show, selbst Antiquitätenhändler, der einige Zeit lang die Table Gallery in Marlborough (Wiltshire) betrieb. Martin reist für „Flog It!“  pausenlos kreuz und quer durch Großbritannien, wobei er auch zahlreiche Country Houses besucht. Über diese Reisen und über die Dreharbeiten für die Trödelshow schreibt er in seinem Buch „Paul Martin’s Britain„, das schon 2007 erschien, aber im Buchhandel noch erhältlich ist. In dem Kapitel „Tracking Isambard“ folgt er den Spuren Isambard Kingdom Brunels, der mit seinen Brücken, Schiffen und Eisenbahnstrecken zu den technischen Pionieren des 19. Jahrhunderts zählt. In „Fabulous Furniture“ berichtet Martin über antike Möbel und in „Man-Made Motors“ über die legendären britischen Autohersteller, die es entweder nicht mehr gibt oder die sich in ausländischer Hand befinden.

Für mich interessant ist das Kapitel „The Beat Lives On„, in dem Paul Martin über die Enthüllung der Erinnerungsplakette am Haus des Schauspielers Sir John Mills in Denham (Buckinghamshire) schreibt; er war zu der Zeremonie, zusammen mit Sir Cliff Richard, eingeladen und gebeten worden, einige Wort zu sagen. Sir John war in seinem Haus am 23. April 2005 gestorben. Ich stand vor nicht allzu langer Zeit vor dem Haus des berühmten Schauspielers in der Village Street von Denham, das gleich neben der Kirche St Mary’s liegt. Ein sehr schöner kleiner Ort, über den ich in meinem Blog berichtete.

Paul Martin: Paul Martin’s Britain. Sutton Publishing 2007. 246 Seiten. ISBN 978-0750947251.

Rechts auf dem Bild das Haus von Sir John Mills an der High Street in Denham (Buckinghamshire). Eigenes Foto.

Rechts auf dem Bild das Haus von Sir John Mills an der Village Street in Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Published in: on 23. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

St Catherine’s Church in Hoarwithy (Herefordshire) – Eine italienische Kirche am River Wye

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Es fing alles mit dem Bau der Kirche St Catherine’s durch Reverend Thomas Hutchinson im Jahr 1840 an. Offenbar hatte der Reverend keinen ausgeprägten Sinn für Architektur, denn als William Poole später die Gemeinde übernahm, äußerte der sich sehr negativ über den Baustil. Ein hässliches Ziegelgebäude nannte er die Kirche. Poole kam 1870 in den Genuss einer erheblichen Erbschaft, von der die Kirchengemeinde von Hoarwithy profitierte, denn Poole steckte jede Menge Geld in den Umbau und die Verschönerung von St Catherine’s. Da er eine Vorliebe für italienische Kirchenbauten hatte, formte er, gemeinsam mit seinem Freund, dem Architekten John Pollard Seddon, seine Dorfkirche entsprechend um. Die hässlichen Ziegelaußenmauern wurden verkleidet, Poole importierte Baumaterialien aus Italien, Marmorsäulen und Mosaike wurden eingebaut, und er ließ italienische Spezialisten kommen, die, gemeinsam mit einheimischen Maurern,  die Innenausstattung übernahmen.

Poole ließ sich von einigen italienischen und französischen Kirchen beeinflussen, so ist die Kanzel nach dem Vorbild der von der Kathedrale von Fiesole geformt, St Markus in Venedig stand Pate für die hängenden Lampen und die Kathedrale von Le Puy-en-Velay in der Auvergne inspirierte den Innenausbau von St Catherine’s. Neben dem schon erwähnten Campanile sind auch die Kolonnaden besonders sehenswert, was auch für die Kirchenfenster und zahllose andere Details gilt.

Die Bauarbeiten begannen 1874 und zogen sich bis 1903 hin. Heute zeigen sich erste Verfallserscheinungen, zum Beispiel am Turm, so dass Restaurationsarbeiten vorgenommen werden mussten. Die Gemeindemitglieder von Hoarwithy sind stolz, eine so schöne und interessante Kirche vorweisen zu können, die weit und breit ihresgleichen sucht.

Hoarwithy liegt am River Wye, etwa auf halber Strecke zwischen Hereford und Ross-on-Wye, von der A49 aus zu erreichen, die die beiden Städte verbindet.

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Published in: on 22. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Corn Exchanges – Getreidebörsen in England, die umfunktioniert wurden

Getreidebörsen, die sogenannten Corn Exchanges, waren bis ins 19. Jahrhundert in vielen Städten Englands zu finden. Dort trafen sich Händler und Bauern der umliegenden Farmen, um Getreide zu kaufen bzw. zu verkaufen. Im Zuge der Umstrukturierungen des Handels wurden viele dieser Gebäude nicht mehr benötigt, so dass sie anderen Zwecken zugeführt wurden. Hier sind einige Beispiele:

Wallingford Corn Exchange. Eigenes Foto.

Wallingford Corn Exchange.
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Die Wallingford Corn Exchange in Oxfordshire. Hier am Market Place ist ein Kino und ein Theater untergebracht worden, in dem die Sinodun Players auftreten, eine Theatergruppe, deren Präsidentin von 1951 bis 1976 die Krimischriftstellerin Agatha Christie war, die in Wallingford lebte. Apropos Krimi: Die Episode 3 der Inspector Barnaby-Serie „Death of a hollow man“ (dt. „Requiem für einen Mörder“) wurde in diesem Theater gedreht.

Hitchin Corn Exchange.    © Copyright John Lucas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hitchin Corn Exchange.
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Die Hitchin Corn Exchange Hertfordshire. In dieser ehemaligen Getreidebörse am Market Place findet man seit August 2013 eine Filiale der Pitcher & Piano-Restaurantkette.

Die King's Lynn Corn Exchange.    © Copyright Oxyman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die King’s Lynn Corn Exchange.
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Auch die ehemalige Corn Exchange von King’s Lynn in Norfolk liegt am Market Place. Ähnlich wie in Wallingford hat man in dem 1854 erbauten Haus ein Unterhaltungszentrum eingerichtet, in dem hauptsächlich Musikveranstaltungen stattfinden, aber auch Ballette, Comedys und Revuen.

Die Corn Exchnage von Devizes.    © Copyright Stephen Richards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Corn Exchange von Devizes.
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In der St John’s Street in Devizes (Wiltshire) liegt die Corn Exchange, ein imposantes Gebäude aus dem Jahr 1857, das von Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus, gekrönt wird. In dem Haus werden heute Veranstaltungen jeglicher Art abgehalten wie Bankette, Konferenzen und Konzerte.

Diese Liste der vielfältig genutzten ehemaligen Getreidebörsen ließe sich noch lange fortsetzen. Es ist schön, dass diese architektonisch oft sehr ansprechenden Gebäude stehengeblieben und nicht den Abrissbirnen zum Opfer gefallen sind.

Published in: on 21. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Old Coach House – Ein empfehlenswertes Miet-Cottage bei Minehead in Somerset

Mein Auto konnte ich direkt vor dem Cottage parken. Eigenes Foto.

Mein Auto konnte ich direkt vor dem Cottage parken.
Eigenes Foto.

Vor einigen Jahren verbrachte ich einmal eine Woche in einem Cottage in Somerset, von dem aus man viele Touren an die Küste und in das Exmoor unternehmen konnte. The Old Coach House hieß das Cottage, das auf dem Gelände des Ellicombe Manors liegt, ganz in der Nähe der A38 am Ellicombe Lane, vor den Toren der Stadt Minehead. Das Manor House wurde im 16. Jahrhundert erbaut und hat als Besonderheit einen sehenswerten Garten mit Palmen und anderen exotischen Gewächsen. Unser Cottage gehörte zu den wenigen in England, in denen wir nicht gefroren haben, denn hier gibt es eine Zentralheizung und nicht die sonst üblichen elektrischen Heizkörper. Das Haus war gemütlich eingerichtet, so dass wir uns hier sehr wohl gefühlt haben. In den Sommermonaten steht ein Swimmingpool zur Verfügung und ein Gartenschach ist ebenfalls vorhanden. Rund um den Innenhof des Manors gibt es noch drei weitere Cottages, die vermietet werden: The Old Chapel (für 3 Personen), Grooms (für 5 Personen) und Stables (für 4 Personen). Unser Old Coach House war für 2 Personen ausgelegt.

Das Gelände des Ellicombe Manors, das früher einmal ein Hotel war, liegt am Fuße des Grabbist Hill, das ist ein Hügel, der dem National Trust gehört und der mit der Entstehung des Kirchenliedes „All things bright and beautiful“ in Zusammenhang gebracht wird. Mit dem „purple headed mountain“ in der vierten Strophe könnte der Grabbist Hill gemeint sein.

Wenn man ein Ellicombe Manor Cottage gemietet hat, ist man in wenigen Minuten in dem Seebad Minehead und braucht nicht lange, bis man in dem Mini-Küstendorf Porlock Weir ist, das es mir besonders angetan hat, so dass wir mehrmals dorthin zum Abendessen in das Anchor Hotel fuhren. Das Hotel (in dem wir auch einmal wohnten und das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe) und das Restaurant sind sehr zu empfehlen.

Da die Cottages am Rande des Exmoor National Parks liegen, ist man schnell mittendrin in diesem landschaftlich sehr reizvollen Gebiet. Das sehenswerte Dunster mit seiner Burg liegt so nahe, dass man da zu Fuß hinlaufen kann.

The Old Coach House kostet ab €350 pro Woche und ist über mehrere Firmen zu mieten, z.B. hier.

Auf dem Grabbist Hill.    © Copyright Roger Cornfoot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Grabbist Hill.
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Dunster ist vom Cottage aus zu Fuß zu erreichen.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dunster ist vom Cottage aus zu Fuß zu erreichen.
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...und am Strand von Minehead ist man mit dem Auto in wenigen Minuten.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und am Strand von Minehead ist man mit dem Auto in wenigen Minuten.
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Published in: on 20. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Bickleigh Bridge in Devon, The Fisherman’s Cot und der amerikanische Sänger Paul Simon

Die "troubled waters" der Bickleigh Bridge in Devon.    © Copyright Lewis Clarke and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „troubled waters“ der Bickleigh Bridge in Devon.
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1964 zog der US-amerikanische Sänger Paul Simon, dessen große Karriere kurz darauf mit dem Song „The Sound of Silence“ beginnen sollte, für einige Zeit nach England, wo er durch die Lande tingelte und in der Provinz in zahlreichen Folk-Clubs auftrat. So war er auch einmal in Devon und spielte dort in Exeter und Umgebung, wobei er in einem Hotel namens The Fisherman’s Cot in Bickleigh, südlich von Tiverton wohnte. Das Hotel liegt direkt am River Exe, der an dieser Stelle von der schmalen Bickleigh Bridge überquert wird. Als Paul Simon dort im Zimmer Nummer 6 übernachtete, führte der Fluss Hochwasser, das bis dicht an das Hotel herankam. Als der Sänger einige Jahre später das Lied „Bridge over troubled water“ schrieb und zusammen mit Art Garfunkel aufnahm, wurde er mit Auszeichnungen geradezu überschüttet. Lange Zeit nahm man an, dass Simons Aufenthalt in Devon und der Blick vom Hotelzimmer auf die Bickleigh Bridge mit dem aufgewühlten Flusswasser des River Exe ihn bewusst oder unbewusst zum Schreiben des Songs brachte. „I have no idea where it came from. It came all of the sudden“, sagte er in der Dokumentation „The Making of Bridge Over Troubled Water“. Sein Sangeskollege Art Garfunkel machte der Geschichte allerdings in einem Interview im Jahr 2003 ein Ende, als er behauptete, der Song sei von dem Spiritual „Mary Don’t You Weep“  beeinflusst worden.

Wie dem auch sei, The Fisherman’s Cot gibt es noch immer und der Gasthof hat wirklich eine bevorzugte Lage am River Exe. Wer möchte, kann gern in Paul Simons Zimmer 6 übernachten und auf die „troubled waters“ unter der Bickleigh Bridge schauen. Das Hotel gehört heute zur Gruppe der Marston’s Inns, das ist eine Kette von Gasthöfen in England und Wales, die sich durch ihren jeweiligen individuellen Charakter und ihre Atmosphäre auszeichnen.

Das kleine Dörfchen Bickleigh wird gern von Touristen aufgesucht, die sich das Amazing Maize Maze ansehen wollen, ein Irrgarten in einem Maisfeld, der jedes Jahr in einem anderen Muster angelegt wird, einmal z.B. als James Bond-Figur oder als Apollo-Astronaut. Im vorigen Jahr musste das Maize Maze allerdings aufgrund der schlechten Erntelage ausfallen.

Wer sich in der Region Bickleigh aufhält, wird sicher auch den Yearlston Vineyards einen Besuch abstatten, die von der Exeter Road, der A396, zugänglich sind. Dort kann man an geführten Touren teilnehmen oder sich das Weinanbaugebiet auf eigene Faust ansehen. Eine Weinprobe gehört immer dazu.

The Fisherman's Cot in Bickleigh (Devon).    © Copyright Lewis Clarke and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Fisherman’s Cot in Bickleigh (Devon).
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Die Drehorte für Folge 79 „Unter die Gürtellinie“

Loseley Park in Surrey.    © Copyright Andrew Mathewson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Loseley Park in Surrey.
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The Noble Art“ heißt die Episode 79 der Inspector Barnaby TV-Serie, die das ZDF am Sonntag, dem 19. Januar unter dem Titel „Unter die Gürtellinie“ ausstrahlt. Der Boxsport wird in England als „Noble Art“ bezeichnet und so spielt das Boxen in dieser Episode auch eine besondere Rolle.

Die Rolle des Gerald Farquaharson, Besitzer des schönen Manor House, wird von Kevin McNally gespielt, den eingefleischte Barnaby-Fans sicher gleich wiedererkennen. McNally war Orville Tudway in Folge 9 „Blood will out“ (dt. „Mord auf der Durchreise“); auch in „Downton Abbey“ war McNally in drei Folgen als Horace Bryant zu sehen.

Hauptdrehort war in dieser Episode das sehr schöne Anwesen Loseley Park, südwestlich von Guildford in der Grafschaft Surrey. Das elisabethanische Herrenhaus wurde im 16. Jahrhundert erbaut und erfreut sich heute großer Beliebtheit für Hochzeitsfeiern und eben auch als Drehort für Filmproduktionen. Die Barnaby-TV-Crew war 2007 schon einmal hier und zwar für Dreharbeiten für Epiosde 58 „They seek him here“ (dt. „Mit Gift und Guillotine“). Loseley Park war darin Magna Manor, wo der Film „The Scarlet Pimpernel“ gedreht werden sollte und wo eine Guillotine eine Rolle spielte.

Die Bibliothek und der Dining Room waren in dem TV-Film „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Geraldine McEwan als Miss Marple zu sehen. Darin hieß das Anwesen Rutherford Hall. Auch für die beiden Jane Austen Romanverfilmungen „Emma“ (2009) und „Sinn und Sinnlichkeit“ (2008) wählte man Loseley Park als Drehort.
Haus und Gärten sind zu besichtigen. Die Öffnungszeiten für 2014 lagen zurzeit des Schreibens meines Blogs noch nicht vor. Im allgemeinen sind sie aber vom Mai bis August zugänglich.

Das sehr ähnlich klingende Loosley Row in Buckinghamshire und seine Kunstschmiede Gomme’s Forge sind in „Unter der Gürtellinie“ als The Forge zu sehen, wo Libby Morris und ihr Verlobter Ken Tuohy ihr Atelier haben. Die Schmiede liegt an der Foundry Lane in Loosley Row, der auf die A4010, die Wycombe Road mündet, die wiederum von Princes Risborough nach High Wycombe führt.

Die Boxer-Skulptur, an der Libby Morris arbeitet, wird auf einem kleinen Rondell aufgestellt. Dieses Rondell findet man direkt vor der Kirche St John the Baptist in Little Marlow (Buckinghamshire), ebenfalls ein sehr beliebter Barnaby-Drehort, über den ich schon mehrfach berichtete, z.B. hier. Der im Film im Hintergrund zu sehende Pub „The Last Round“ existiert dort übrigens nicht, da wurde ein Privathaus kurzerhand umfunktioniert.

Auf diesem Rondell in Little Marlow wurde die Boxerskulptur aufgestellt.    © Copyright David Hawgood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf diesem Rondell in Little Marlow wurde die Boxerskulptur aufgestellt.
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Published in: on 18. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Stapleford Park bei Melton Mowbray (Leicestershire) – Ein Hotel, das einmal dem amerikanischen Fast Food-König Bob Payton gehörte

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Stapleford Park ist ein luxuriöses Country House Hotel in der Nähe von Melton Mowbray in Leicestershire, das früher einmal der Landsitz mehrerer Familien war; zuletzt gehörte er dem Brauereibesitzer Baron Gretton, der das schöne Anwesen 1988 an den US-amerikanischen Millionär Bob Payton verkaufte. Payton erwarb sein Vermögen, indem er in den 1970er Jahren eine Reihe von Restaurants in London eröffnete, in denen er „American-style food“ anbot wie in der Chicago Pizza Pie Factory, Rib Shacks oder Chicago Meatpackers. Das Konzept dieser Restaurants ging auf und Payton wurde ein reicher Mann.

Als er einmal durch die Grafschaft Leicestershire ritt, stieß er auf das Anwesen Stapleford Park, ein großer Bau aus dem 16. Jahrhundert mit von Capability Brown angelegten Gärten, der ihm auf Anhieb gefiel. Er erwarb das Haus von Baron Gretton und machte sich daran, es in ein Hotel umzuwandeln, aber in ein Hotel im American Style. Er steckte Millionen von Pfund in den Umbau, wobei er namhafte Firmen mit der Innendekoration beauftragte wie Wedgwood, Crabtree & Evelyn, Turnbull & Asser und Liberty. Vor der Eröffnung nächtigte das Ehepaar Payton in allen Hotelzimmern, um mit eigenen Augen zu sehen, ob alles stimmig und in Ordnung war.

Als ein in England lebender Amerikaner hatte er sich in seiner neuen Heimat auch ein Schuss Exzentrik zugelegt, so kleidete er seine Hotelangestellten in Rugbyhemden, in ein Wandbild im Teezimmer ließ er den Riesenschnauzer seiner Frau integrieren, samt Halstuch mit amerikanischem Flaggenmuster. Eine Tür, hinter der sich nichts befand, war mit der Aufschrift versehen „Staff Sauna and Solarium“ und die sonst in Hotelzimmern üblichen „Do not disturb“-Schilder wechselte Payton durch Anhänger aus, auf denen „Go away – we’re having too much fun“ stand. Eine Inschrift am Haus „William Lord Sherard, Baron of Letrym, repayred this building, Anno Domini, 1633“ ergänzte er mit dem bescheidenen Zusatz „And Bob Payton did his bit. Anno Domini 1988.“.

Dass ein in dieser Weise amerikanisiertes britisches Country House Hotel in der Gesellschaft Leicestershires nicht auf allzu große Begeisterung stieß, kann man sich vorstellen, aber Bob Payton kümmerte sich wenig darum. Der Amerikaner konnte sein Dasein als Hotelier aber nicht allzu lange genießen, denn er kam am 13. Juli 1994 bei einem Autounfall mit seinem Range Rover bei Stevenage in Hertfordshire im Alter von fünfzig Jahren ums Leben.

1996 kaufte der Unternehmer Peter de Savary Stapleford Park, steckte erneut viel Geld in das Haus und wandelte es wieder in ein „richtiges“ englisches Country House Hotel um, in dem die Gäste nicht von rugbyhemdentragenden Hotelangestellten umgeben waren. Besonders beliebt ist das Haus für Hochzeitsfeiern wie hier zu sehen ist.

Wer dort einmal übernachten möchte: Die Preise für ein Standard-Doppelzimmer schwanken je nach Termin etwa zwischen €150 und €200.

Stapleford Park
Stapleford,
Nr. Melton Mowbray,
Leicestershire,
LE14 2EF, England.
Tel: 01572 787000
Published in: on 17. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Daisy Ashford – Eine Schriftstellerin, die ihren einzigen Bestseller schon mit 9 Jahren schrieb

Plakette am Southdown House in Lewes, in dem Daisy Ashford als Kind ihren Roman schrieb. Photographer: Simon Harriyott.  Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Plakette am Southdown House in Lewes, in dem Daisy Ashford als Kind ihren Roman schrieb.
Photographer: Simon Harriyott.
Creative Commons Attribution 2.0 Generic.

Es ist schon eine Leistung, im zarten Alter von 9 Jahren einen Roman zu schreiben, der in der Welt der Erwachsenen spielt. Daisy Ashford (1881-1972) schaffte das, als sie 1890 im Haus ihrer Eltern, dem Southdown House in Lewes (East Sussex), ihrer Fantasie freien Lauf ließ und den Roman „The Young Visiters“ in ein Schulheft schrieb. Mit 9 Jahren ist man mit der Rechtschreibung noch nicht so ganz vertraut und so wimmelte es in dem Manuskript von Fehlern. Als Daisy den Roman beendet hatte, legte sie das Heft in eine Schublade und vergaß das Produkt ihrer Fantasie. Erst 1917, im Alter von 36 Jahren, fand sie es wieder und gab es einer Freundin zum Lesen. Die wiederum verlieh das Heft weiter und so machte es die Runde, bis es zufällig in die Hände von Frank Swinnerton geriet, Lektor des Verlagshauses Chatto and Windus. Der Mann war von dem Manuskript so angetan,  dass er sich für eine Veröffentlichung einsetzte…mit Erfolg wie sich zeigte, denn das Buch verkaufte sich hervorragend, 300 000 Exemplare im ersten Jahr! Kurios, dass die Rechtschreibfehler fast alle beibehalten worden sind.

Der „Peter Pan“-Autor James Matthew Barrie konnte gewonnen werden, das Vorwort zu schreiben, und auch er ist von dem Buch begeistert, das er ein Meisterwerk nennt. Im Vorwort erfahren wir, dass die junge Daisy alles las, was ihr unter die Finger kam, auch die Gesellschaftsromane der damaligen Zeit, die dann die Grundlage für ihr eigenes Buch bildeten. Sie freute sich immer, wenn das Wetter schlecht war, denn dann konnte sie im Haus bleiben und an ihrem Roman schreiben.

The Young Visiters or Mr Salteena’s Plan“ steht noch heute im Verlagsprogramm von Chatto and Windus. Die deutsche Übersetzung „Junge Gäste oder Mr. Salteenas Plan“ ist momentan vergriffen, aber antiquarisch leicht zu bekommen. H.C. Artmann hat das Buch ins Deutsche übertragen.

Daisy Ashfords Roman wurde zweimal verfilmt: 1984 mit Kenny Ireland als Alfred Salteena, Tracey Ullman als Ethel Monticu und John Harding als Lord Bernard Clark und 2003 mit Jim Broadbent als Alfred Salteena, Lyndsey Marshal als Ethel und Hugh Laurie als Lord Bernard Clark (hier ein Filmausschnitt).

In englischer Sprache ist der Roman beim Project Gutenberg hinterlegt und online zu lesen.

Das Southdown House in Lewes, in dem Daisy aufwuchs, diente bis zum Jahr 2002 als Hauptquartier der County Library und der County Librarian hatte sein Büro in dem Zimmer, in dem die 9jährige ihren Roman verfasste. Heute ist das Gebäude in Wohnungen aufgeteilt.

Das Buch zum Artikel:
R.M. Malcomson: Daisy Ashford – Her Life. Hogarth Press 1984. 110 Seiten. ISBN 978-0701127879.

Das Southdown House in Lewes. Photographer: Simon Harriyott. Creative Commons 2.0 Generic.

Das Southdown House in Lewes. In ihrem Zimmer im ersten Stock schrieb Daisy ihren Roman.
Photographer: Simon Harriyott.
Creative Commons 2.0 Generic.

Published in: on 16. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Haworth in West Yorkshire – Das tragische Schicksal der Ballonfahrerin Lily Cove

Hier fand Lily Cove ihre letzte Ruhestätte.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier fand Lily Cove ihre letzte Ruhestätte.
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Nein, in diesem Beitrag, in dem die Kleinstadt Haworth in West Yorkshire eine Rolle spielt, geht es einmal nicht um die Brontë-Schwestern. Die unzähligen Menschen, die jedes Jahr das ehemalige Pfarrhaus, die Kirche St Michael and All Angels und den dazugehörenden Friedhof aufsuchen, tun dies, um den so jung verstorbenen Schriftstellerinnen ihren Tribut zu zollen. Es wird aber wohl nicht allzu viele geben, die auf einem anderen Friedhof, dem einsam im Moor gelegenen Haworth Cemetery, dem Grab der Lily Cove einen Besuch abstatten, eine junge Dame, die am 11. Juni 1906 im Alter von nur 21 Jahren hier bei Haworth auf tragische Weise zu Tode kam.
In Loving Memory of Elizabeth Mary, (Miss Lily Cove, Parachutist). Daughter of Thomas Charles Cove of London who died June 11th 1906, Aged 21 Years„, so steht es auf ihrem schwarzen Grabstein.

Was war geschehen?
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Frauen, die Ballonfahren und Fallschirmspringen zu ihren Hobbies zählten. Eine davon war Lily Cole, die anlässlich eines Festes in Haworth am frühen Abend des 11. Juni in ihren Heißluftballon kletterte und hoch über die erwartungsvolle Menschenmenge aufstieg. Der Abendwind lenkte den Ballon in Richtung des benachbarten Dorfes Stanbury. In der entsprechenden Höhe angekommen, stieg Lily Cove aus und sprang mit ihrem Fallschirm in die Tiefe. Zu irgendeinem Zeitpunkt löste sich Lily von dem Fallschirm und schlug mit voller Wucht auf den Boden auf. Schnell waren einige Männer zur Stelle, um dem jungen Mädchen zu helfen, aber es war vergeblich. Um 19.45 starb Lily Cove an den Folgen ihrer schweren Verletzungen.

Wie es dazu kommen konnte, weiß man bis heute nicht genau, aber es gibt einige Vermutungen. Da sie sich beim Absprung dem Ponden Reservoir näherte, könnte sie befürchtet haben, im Wasser zu landen, und da sie nicht schwimmen konnte, ist es möglich, dass sie einem Tod durch Ertrinken lieber einem Absturz auf Land vorzog. Dann gab es Gerüchte, dass Lily sich absichtlich in den Tod gestürzt haben könnte, weil ihre Liebe zu einem Mann unerwidert blieb; auch tauchte die Vermutung auf, dass an ihren Fallschirmgurten manipuliert worden sei.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde Lily Cove auf dem neuen Friedhof von Haworth beigesetzt (auf dem Kirchhof von St Michael and All Angels war kein Platz mehr).

Noch heute, so erzählt man, soll ihr Geist im Zimmer Nummer 7 des Old White Lion Hotels in Haworth umgehen, dort, wo sie die letzte Nacht ihres Lebens verbracht hatte.

Das Buch zum Artikel:
Peggy Hewitt: Brontë Country. The History Press 2004. 230 Seiten. ISBN 978-0750938235.
Darin befindet sich das Kapitel „Lily Cove – Tragic balloonist and liberated Lady“.

Hier verbrachte Lily Cove ihre letzte Nacht.    © Copyright Alexander P Kapp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier verbrachte Lily Cove ihre letzte Nacht.
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Fürchtete Lily Cove hier im Ponden Reservoi bei Stanbury zu ertrinken?    © Copyright Colin Park and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Fürchtete Lily Cove hier im Ponden Reservoir bei Stanbury zu ertrinken?
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Published in: on 15. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Songs About London – Primrose Hill

Blick vom Primrose Hill auf die Londoner City.   © Copyright Robin Sones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Primrose Hill auf die Londoner City.
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Primrose Hill ist eines der bevorzugten Wohnviertel Londons und grenzt nördlich an den Regent’s Park an. Vom Hügel selbst hat man einen sehr schönen Blick auf das Zentrum der Metropole. Hier wohnen und wohnten unzählige Prominente wie James Bond-Darsteller Daniel Craig, die Schauspieler Jude Law und John Cleese, Londons Bürgermeister Boris Johnson und die beiden Labour-Politiker Ed und David Miliband.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass über den Primrose Hill viele Songs geschrieben worden, die dem Stadtteil bzw. dem 78 m hohen Hügel huldigen. Hier sind einige Beispiele:

– Die Band Madness singt über einen Mann, der den Primrose Hill von  seinem Fenster aus von unten betrachtet („A man opened his window and stared up Primrose Hill“), doch noch nie dort gewesen ist („For a fleeting second I was up that hill although I’ve never been there I wish I was there still“). Hier ist der Song.

John und Beverley Martyn besingen den Londoner Hügel und besteigen ihn in ihrem Song, um den Sonnenuntergang an einem Sonntagabend zu betrachten. Sehr eindrucksvoll wie ich finde! Hier ist der Song.

– Sehr schön finde ich den Song der Amerikanerin Kathe Green aus dem Jahr 1969, hier zu hören.

– Und noch ein Amerikaner, der den Hügel besingt: Loudon Wainwright III („Living on the side of Primrose Hill…) wohnte einige Zeit lang in diesem Teil Londons. Hier ist sein Song.

Das ist nur eine kleine Auswahl an „Primrose Hill“-Songs; wer mehr wissen möchte, wird auf dieser Webseite fündig.

...und noch einmal ein Blick vom Hügel auf die Stadt bei Nacht.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und noch einmal ein Blick vom Hügel auf die Stadt bei Nacht.
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Published in: on 14. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Great Train Robbery – Eine Neuverfilmung der BBC

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Ich hatte mir erst vor kurzem noch einmal den dreiteiligen Fernsehfilm „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ aus dem Jahr 1966 angesehen, in dem es um den legendären Postzugraub vom 8. August 1963 geht. Auch nach fast 50 Jahren kann man sagen, dass der Schwarz-Weiß-Film damals hervorragend inszeniert worden ist, mit großartigen Darstellern wie Horst Tappert, Günther Neutze oder Wolfried Lier. Gedreht wurde der Film nicht an den Originalschauplätzen wie der Bridego Bridge oder der Leatherslade Farm, sondern überwiegend in Deutschland.

Am 18. und 19. Dezember strahlte BBC1 eine Neuverfilmung des Stoffes aus mit dem Titel „The Great Train Robbery„, jetzt auch als DVD erhältlich. Der erste Teil „A Robber’s Tale“ beinhaltet die Vorbereitung und die Durchführung des Coups, im 2. Teil „A Copper’s Tale“ stehen die Ermittlungsarbeiten der Polizei im Vordergrund. Kurios: Genau an dem Tag, als die BBC den ersten Teil sendete, am 18. Dezember, starb Ronnie Biggs, einer der Postzugräuber, im Alter von 84 Jahren in einem Pflegeheim im Norden Londons.

Im Gegensatz zu der deutschen Verfilmung, in dem die Postzugräuber fiktive Namen hatten, werden in dem Film der BBC die richtigen Namen verwendet. Bruce Reynolds, der Mastermind, wird von dem Waliser Luke Evans gespielt. Jack Roth verkörpert Charlie Wilson (mir kam das Gesicht gleich bekannt vor; Jack Roth spielte in der Episode 77 der Inspector Barnaby-Serie „The Silent Land“, die in Deutschland unter dem Titel „Die Geisterwanderung“ lief, die Rolle des Liam Peach). Neil Maskell ist Buster Edwards und der Schotte Martin Compston ist Roy James.

Auf der anderen Seite, der Polizei, finden wir Jim Broadbent als DCS Tommy Butler und Robert Glenister als Detective Inspector Frank Williams.

Auch dieser Film wurde nicht an Ort und Stelle des tatsächlichen Postzugraubs gedreht. Der Überfall ereignete sich an der Bridego Bridge bei Mentmore in Buckinghamshire. Ich suchte die Brücke einmal auf und stand an der Stelle, an der die Säcke voller Geld zu den wartenden Fahrzeugen geworfen wurden. Die Leatherslade Farm liegt sehr abgelegen südlich von Brill in Buckinghamshire (Brill war Drehort mehrerer „Barnabys“, ich berichtete in meinem Blog darüber). Die Farmgebäude wurden in den 1990er Jahren abgerissen und die Farm umbenannt.

„The Great Train Robbery“ wurde in Yorkshire gedreht, die Stadtszenen überwiegend in Leeds, aber auch in Bradford und Shipley. Die Strecke der Keighley and Worth Valley Railway nutzte man für die Darstellung des Zugüberfalls; hier wurde auch 1970 der Film „The Railway Children“ hergestellt. Bruce Reynolds‘ Versteck in Torquay war in Wirklichkeit der Küstenort Filey an der Ostküste Yorkshires.

Ich finde die Neuverfilmung des Stoffes ist gut gelungen, die Darsteller überzeugen, hin und wieder sind Anklänge an die „Gentlemen bitten zur Kasse“ zu finden (z.B. der Coup am Londoner Flughafen). Hier ist der Trailer.

Die Strecke der Keighley and Worth Valley Railway.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Oxenhope Station diente als Cheddington Railway Station.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 13. Januar 2014 at 08:41  Comments (4)  

Das Olney Pancake Race – Das Pfannkuchenwettrennen im Norden Buckinghamshires

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Am 4. März ist es wieder soweit, dann startet in der Kleinstadt Olney im Norden Buckinghamshires das berühmte Pancake Race. Jedes Jahr am Faschingsdienstag laufen die Damen des Ortes mit einer Pfanne in der Hand, in der sich ein Pfannkuchen befindet, eine 380 Meter lange Strecke, die vom Marktplatz über die High Street bis zur Kirche St Peter and St Paul führt. Entwickelt hat sich dieser Brauch 1445, als an einem Faschingsdienstag, als die Glocken zum Gottesdienst riefen, eine Hausfrau in Olney so vertieft in das Backen von Pfannkuchen war, dass sie mitsamt Pfanne, Schürze und Kopftuch zur Kirche rannte, um nicht zu spät zu kommen. So jedenfalls die Legende.

Beim Olney Pancake Race im vorigen Jahr wurde ein neuer Rekord aufgestellt, als die 19jährige Devon Byrne die Strecke in 56 Sekunden lief. Devon gewann auch schon das Rennen davor, und ihre Mutter war die Siegerin in den Jahren 1988, 1989 und 1993; eine sehr laufstarke Familie.

Eine Kuriosität ist, dass mehrere tausend Kilometer entfernt, in Liberal im US-Bundesstaat Kansas, am gleichen Tag ebenfalls ein Pfannkuchenrennen  ausgetragen wird, in dem sich die Damen dort mit denen aus Olney messen. Die vorige Rekordinhaberin war aus Liberal, aber Devon Byrne sorgte dafür, dass der Rekord wieder nach Buckinghamshire zurückgeholt wurde. Diese freundschaftliche Rivalität der beiden Städte existiert jetzt schon seit 65 Jahren.
Es gibt natürlich auch einen Preis zu gewinnen, auf den sich die Teilnehmerinnen sicher schon lange im voraus gefreut haben: Einen Kuss vom Küster (daher wohl auch der Name??).

Bevor das Rennen um 11.55 Uhr startet, dürfen schon einmal die Kleinen ran, die auf dem Marktplatz ihr eigenes Pancake Race austragen.

Die Pfannkuchen-vom-Markplatz-zur-Kirche-tragenden-Frauen-aus-Olney sind auch auf dem Ortsschild der Stadt verewigt worden.

Wie es bei dem Rennen zugeht, zeigt dieser Film.

Das Ortsschild der Stadt in Buckinghamshire.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 13. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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The Willow Man – Eine Skulptur an der M5 bei Bridgwater in Somerset

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Was dem Norden Englands Anthony Gormleys Angel of the North an der A1 bei Gateshead ist, das ist dem Südwesten des Landes der Willow Man, der im Jahr 2000 an der Autobahn M5 bei Bridgwater südlich der Ausfahrt 23, ganz in der Nähe des riesigen Morrisons Verteilzentrums, aufgestellt ist. Der „Weidenmann“ ist zwar wesentlich kleiner als sein Kollege im Norden, aber auch er misst immerhin 12 Meter in der Höhe und hat eine Spannweite von 5 Metern. Kreiert hat die Skulptur die Künstlerin Serena de la Hey und hat dafür ein Stahlskelett mit Weidenzweigen ummantelt, wozu sie ausschließlich Weiden aus der Region Somerset verwendete. £15 000 kostete die Erstellung der Figur, die eigentlich nur für drei Jahre geplant war, aber die dann soviel Anklang fand, dass man sie stehen ließ.

In den frühen Morgenstunden des 8. Mai 2001 stand der „Angel of the South“ in Flammen; jemand hatte ihn abgefackelt, so dass nur noch das Stahlgerüst übrig blieb. Serena de la Hey bekam sofort den Auftrag, den Wicker Man neu erstehen zu lassen, was sie auch gleich tat und so erblickte im Oktober 2001 Weidenmann Nummer Zwei das Licht der Welt.

Glücklicherweise ließen ihn die Brandstifter jetzt in Ruhe, dafür gab es einen neuen „Feind“, die Natur. Im Jahr 2006 musste man ihn erneut für £20 000 generalüberholen, denn das Wetter und die Vögel hatten den Mann an der M5 stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Vögel Somersets zeigten keinen besonders ausgeprägten Kunstverstand, sie waren pragmatischer veranlagt und betrachteten den Willow Man als idealen Lieferanten für Baumaterial für ihre Nester. Was gibt es Besseres als Weidenzweige, um damit ebenfalls künstlerisch geformte Nester für den Vogelnachwuchs zu bauen?

Nach dem Brand 2001 hat man um die Plattform auf der die Skulptur steht einen Graben gezogen, in der Hoffnung, damit potentielle weitere Brandstifter abzuschrecken, was bis heute auch funktioniert hat.

Hier kann man den Willow Man sehr schön von allen Seiten im Film betrachten.

Published in: on 12. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Die Drehorte für Episode 78 „Mord von Meisterhand“

Die Dorchester Abbey. Eigenes Foto.

Die Dorchester Abbey über den Häusern der High Street..
Eigenes Foto.

Die Episode 78 der Inspector Barnaby-Serie „Master Class“ mit dem deutschen Titel „Mord von Meisterhand“ wird vom ZDF am 12. Januar 2014 erstmals ausgestrahlt. Eine sehr gute Folge wie ich finde; in den den Hauptrollen: James Fox, der Sir Michael Fielding verkörpert und der als Lord Aysgarth kürzlich im Weihnachtsspecial der Staffel 4 von „Downton Abbey“ zu sehen war, und Lydia Wilson als Zoé Stock. Lydia hatte 2010 nach Abschluss der Londoner Schauspielschule RADA ihr Filmdebut in einer Rolle neben Keira Knightley und Carey Mulligan in „Never let me go“ (dt. „Alles, was wir geben mussten“).
Ein kleiner Hinweis am Rande: Den Organisten Gordon Pope spielt Tristram Wymark, Bruder von Jane Wymark alias Joyce Barnaby.

Für die Dreharbeiten kam das Barnaby-Produktionsteam wieder einmal nach Dorchester-on-Thames zurück, wo schon mehrere andere Episoden hergestellt wurden. Da ist zum einen die Abbey Church of St Peter and St Paul, kurz Dorchester Abbey, zu sehen, in der der mysteriöse Reverend Gregory agiert. Die Kirche erreicht man durch einen Torbogen von der High Street aus. Ich bin dort einmal an einem kalten Winterabend  spazierengegangen, keine Menschenseele außer mir war da, es war sehr stimmungsvoll.
Gegenüber der Kirche, auch an der High Street, steht das Fleur de Lys Hotel, das sich im Film „The Devington Arms“ nennt. Hier wohnen Terry und Dawn Stock, Zoés Eltern, und auch Simon Sharpe, Francescas Vater, ist hier untergebracht. Das Fleur de Lys ist ca 100m vom The George Hotel entfernt, in dem ich letztes Jahr einige Tage wohnte, und das auch schon mehrfach bei Inspector Barnaby eine Rolle gespielt hat. Über Dorchester-on-Thames berichtete ich in meinem Blog bereits.

Die Innenaufnahmen der Musikschule, in der Zoé, Francesca und Orlando unterricht werden, drehte man in Parmoor in Buckinghamshire und zwar in St Katherine’s, dem Hauptquartier der Sue Ryder Prayer Fellowship, das schon als The Pines Nursing Home in Folge 66 „Talking To the Dead“ (dt. „Die Untoten von Barton Woods“) und als Masonic Lodge in Episode 54 „King’s Crystal“ (dt. „Ein Sarg aus China“) zu sehen war.

Der Friedhof, auf dem am Schluss von „Mord aus Meisterhand“ Zoé am Grab ihrer Mutter einen Blumenstrauß niederlegt, liegt in der Roald Dahl-Kleinstadt Great Missenden in Buckinghamshire. Es ist der Kirchhof von St Peter and St Paul, auf dem der Schriftsteller Roald Dahl auch beigesetzt ist.

The Wellington Arms, in dem Tom und Joyce am Ende des Films essen gehen wollen und sich dann, als sie Benedict Marsh am Klavier entdecken, wieder umkehren, liegt von den üblichen Midsomer-Drehorten etwas weiter entfernt, nämlich an der A33 in der Grafschaft Hampshire in Stratfield Turgis bei Basingstoke. Ganz in der Nähe ist der Sitz des Duke of Wellington, Stratfield Saye.

Das Fleur de Lys Hotel in Dorchester-on-Thames, das als The Devington Arms diente. Eigenes Foto.

Das Fleur de Lys Hotel in Dorchester-on-Thames, das als The Devington Arms diente.
Eigenes Foto.

St Katherine's in Parmoor (Buckinghamshire), wo Sir Michael Fielding seinen Master Class Unterricht hielt.    © Copyright Andrew Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Katherine’s in Parmoor (Buckinghamshire), wo Sir Michael Fielding seinen Master Class Unterricht hielt.
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St Peter and St Paul in Great Missenden (Buckinghamshire).    © Copyright Simon Mortimer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter and St Paul in Great Missenden (Buckinghamshire).
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The Wellington Arms in Stratfield Turgis (Hampshire).    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 11. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – The London Encyclopedia

Foto meiner London-Enzyklopädie.

Foto meiner London-Enzyklopädie.

In England nennt man Bücher dieses Umfangs gern „door-stopper“, und „The London Encyclopedia“ kann mit ihren 2,2 Kilogramm schon so manche schwere Tür in Schach halten. Auf 1116 Seiten erfährt man in diesem Lexikon so ziemlich alles, was man über Großbritanniens Hauptstadt wissen möchte; allein das Register umfasst 76 Seiten. Zurzeit liegt die dritte Auflage vor, die aber auch schon wieder sechs Jahre alt ist, ein Zeitraum, in dem sich London einiges (nicht immer Positives) verändert und weiterentwickelt hat.

Ben Weinreb und Christopher Hibbert waren die Urheber dieses Riesenwerks, das 1983 erstmals erschien, 1993 überarbeitet und 2008 noch einmal auf den aktuellen Stand gebracht wurde. Nach dem Tod der beiden Autoren führten Julia und John Keay die Enzyklopädie weiter, die sie auch in einen digitalen Zustand brachten, denn vorher herrschte da noch „Zettelwirtschaft“. In über 5000 Artikeln findet man in diesem Nachschlagewerk Informationen über einzelne Straßen, Parks, Stadtteile, Museen, Theater, Kirchen, aber auch über spezielle Themen wie Straßenbeleuchtung, die Pest, öffentliche Toiletten, Hinrichtungen usw. usw. Angereichert wird das Buch durch zahllose historische Fotos, Zeichnungen, Gemälde und Stiche.
Für den echten London-Fan ist dieses Buch unverzichtbar!!

Lieferbar ist zurzeit die gebundene Ausgabe, die z.B. bei Thalia €55.80 kostet und das e-Book für €40.99. Ein Nachdruck der Paperbackausgabe für €33.50 ist angekündigt.

The London Encyclopedia. Macmillan 2008. 1116 Seiten. ISBN 979-1405049252.

Published in: on 10. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das größte Hubschraubermuseum der Welt in Weston-super-Mare (Somerset)

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Bei meinen Aufenthalten in Weston-super-Mare, einem Badeort an der Küste Somersets, war das Wetter immer ziemlich schlecht, aber sicher wird auch dort die Sonne einmal scheinen, so dass man sich in die kühlen Fluten des Meeres stürzen kann. Wenn man nicht weiß, was man an einem solchen trüben Tag in dem Seebad machen soll, empfiehlt sich ein Besuch im überdachten Hubschraubermuseum, das vor den Toren der Stadt angelegt worden ist und in dem man eine Sammlung von über 80 Drehflüglern aus aller Welt bewundern kann.

1989 wurde das Helicopter Museum von Prince Andrew offiziell eröffnet, der dazu natürlich mit einem Hubschrauber eingeschwebt kam, und so kann das Museum in diesem Jahr schon sein 25. Jubiläum feiern. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, aufzulisten, welche Hubschrauber hier alles zur Schau gestellt werden, aber ich möchte auf einige wenige aufmerksam machen. An deutschen Fabrikaten sind z.B. der Bölkow Bo102 Helitrainer und der MBB Bo105M zu sehen; der schnellste Hubschrauber der Welt, der Westland Lynx, ist in den Hangaren ausgestellt, der 1986 über Glastonbury den Weltrekord mit 249 Meilen pro Stunde aufgestellt hat, und ein Exemplar des von den USA im Vietnamkrieg eingesetzten Huey gehört ebenfalls zur Sammlung.

Im Jahr 2007 wurde das Museum durch einen Besuch der Queen und ihres Ehemannes Prinz Philip geehrt, der wahrscheinlich mehr Interesse an Hubschraubern hatte als seine Gemahlin. Beide flogen von Weston-super-Mare mit einer Sikorsky S-76C wieder nach London zurück.

Im Heliworld Shop findet der hubschrauberbegeisterte Besucher alles, was sein Herz höher schlagen lässt: Bausätze für Modellhelis, Bücher zum Thema und natürlich die unvermeidlichen Kaffeebecher, Teddybären und Sweatshirts mit der Aufschrift „The Helicopter Museum“.

Wer nach dem Besuch des Museums Appetit bekommen hat, jetzt einmal mit solch einem Fluggerät in den Himmel über Weston-super-Mare aufzusteigen, der kann das an bestimmten Tagen des Jahres tun. Die sogenannten Helicopter Experience Flights kosten £45 für einen Erwachsenen, wobei der Eintritt in das Museum bereits enthalten ist.

Das Helicopter Museum liegt an der Locking Moor Road, der A371, die aus Weston-super-Mare in östlicher Richtung hinausführt. Dieser Film zeigt einen Rundgang durch das Museum-

The Helicopter Museum
Locking Moor Road
Weston-super-Mare
Somerset
BS24 8PP
Tel. 01934 635227

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Published in: on 9. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The George Hotel in Leadenham (Lincolnshire) – Ein Mekka für Whiskytrinker

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T.E. Lawrence, oder auch bekannt als Lawrence of Arabia, schrieb nach dem Ersten Weltkrieg seinen autobiografischen Kriegsbericht „The Seven Pillars of Wisdom“ (dt. „Die sieben Säulen der Weisheit“) hier im The George in Leadenham in Lincolnshire, dort wo sich jetzt das Restaurant befindet. Sein heißgeliebtes Motorrad, auf dem er später in Dorset bei einem Unfall ums Leben kommen sollte, stand während dieser Zeit immer im Innenhof des Hotels.
Ein weiterer Stammgast war der Luftfahrtpionier Captain Walter George Raymond Hinchliffe, der am 13. März 1928 zusammen mit Elsie Mackay vom nahegelegenen Luftwaffenstützpunkt RAF Cranwell aus mit der einmotorigen „Endeavour“ den Atlanik überqueren wollte. Irgendwo westlich der irischen Küste müssen sie abgestürzt sein, denn beide wurden nie wieder gesehen. Hinchcliffes Geist soll immer wieder im Innenhof des George Hotels zu sehen sein, leicht erkennbar an seiner Fliegermontur und seiner schwarzen Augenklappe.

Wodurch das Hotel in Leadenham aber vor allem berühmt ist, das ist seine sagenhafte Auswahl an Whiskies. Über 700 verschiedene Sorten aus aller Welt sollen es mittlerweile sein, was Weltrekord bedeuten könnte. Unter diesen vielen Whiskies befinden sich auch einige Raritäten, die entsprechend teuer sind. So berichtete die BBC im letzten Jahr von der teuersten Flasche im George, dem Pride of Strathspey aus dem Jahr 1937; da kostet ein Glas £150, mit der Tendenz nach oben. Das Ziel des Hoteliers ist es, 1000 Sorten anzubieten. Kein Wunder, dass Whiskyliebhaber aus dem ganzen Land nach Leadenham kommen, um hier vielleicht genau den Whisky probieren zu können, den sie schon seit Jahren suchen.

Leadenham liegt an der A17, die von Newark-on-Trent nach Sleaford führt.

The George Hotel
High Street
Leadenham, Lincolnshire LN5 OPN
Tel. 01400 272251

The Folkestone White Horse – Es begrüßt alle Reisenden, die den Kanaltunnel durchquert haben

Das weiße Pferd über den Verladeanlagen in Folkestone. Eigenes Foto.

Das weiße Pferd über den Verladeanlagen in Folkestone.
Eigenes Foto.

Immer wenn man den Kanaltunnel von Calais nach Folkestone durchquert hat, sieht man als Erstes, noch vom Zug aus, auf der rechten Seite das White Horse of Folkestone, das alle Reisenden, die aus Frankreich kommen, vom Cheriton Hill aus begrüßt. Für mich ist das immer ein vertrauter Anblick, und ich freue mich auf die vor mir liegende Zeit in England.

Im Gegensatz zu seinen Namensvettern in anderen Grafschaften handelt es sich bei dem weißen Pferd an der Kanalküste um ein noch sehr junges Fohlen, denn erst im Juni 2003 wurde es fertiggestellt. Der Künstler Charles Newington, der auch in Folkestone wohnt, ist der geistige Vater des Tieres, das er nach dem großen Vorbild des White Horse of Uffington in Wiltshire und nach Höhlenmalereien in der Dordogne kreierte. Geplant war das Weiße Pferd von Folkestone als Projekt für die Jahrtausendwende und so begannen die Vorarbeiten auch schon im Jahr 1998. Doch einige Naturschutzverbände versuchten das Projekt mit allen Mitteln zu verhindern, da der Hang des Cheriton Hills eine Site of Specific Scientific Interest ist, also ein für Flora und Fauna besonders geschütztes Gebiet. Man wandte sich sogar an die EU, die das Projekt für illegal erklärte. Trotzdem, führende Politiker setzten sich für Newingtons Pferd ein und waren der Meinung, dass der künstlerische und der symbolische Wert des Projekts gegenüber möglichen Umweltschäden höher anzusiedeln war.

So passte man also das Pferd mit Hilfe von Kalksteinplatten in den Cheriton Hill ein, was zwei Wochen in Anspruch nahm und mit Hilfe von Freiwilligen und Gurkha-Soldaten, die in Folkestone stationiert waren, durchgeführt wurde. Am 18. Juni 2004 wurde dort, wo sich etwa das Herz des Pferdes befindet, eine Zeitkapsel im Boden vergraben, die die Namen der Sponsoren und Unterstützer enthielt. Und damit immer jemand über das Wohlergehen des Tieres wacht, gründete man die Gesellschaft The Friends of the Folkestone White Horse.

Ich finde das Pferd sehr gelungen und freue mich immer, es wiederzusehen!

Über andere weiße Pferde schrieb ich in meinem Blog bereits zweimal: Das Westbury White Horse in Wiltshire und das Kilburn White Horse in North Yorkshire.

The White Horse vom Euroshuttle aus gesehen. Eigenes Foto.

The White Horse vom Euroshuttle aus gesehen.
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Published in: on 7. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Percy Shaw aus Halifax in West Yorkshire – Der Erfinder der Katzenaugen

Ein in die Straßenoberfläche eingelassenes Katzenauge. This work is released  into the public domain.

Ein in die Straßenoberfläche eingelassenes Katzenauge.
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Wäre Percy Shaw an einem nebligen Abend im Jahr 1933 nicht von seinem Lieblings-Pub, dem Old Dolphin in Queensbury, auf der Highgate Road nach Halifax (West Yorkshire) zurückgefahren und hätte nicht an genau zu diesem Zeitpunkt eine Katze neben der Straße gesessen, als Shaw vorbeifuhr, so würden möglicherweise die Straßen dieser Welt weniger sicher sein. Die Scheinwerfer von Shaws Auto erfassten nämlich die Katze bzw. deren Augen, die deutlich zu erkennen waren und das brachte den Mann aus Yorkshire auf eine Idee: Wenn man Straßen mit reflektierenden „Katzenaugen“ versehen würde, dann könnte man sich bei schlechten Sichtverhältnissen viel besser orientieren und sich sicherer fühlen.

Shaw machte sich gleich an die Arbeit und experimentierte mir Reflektoren, die man in die Fahrbahnen einlassen konnte. Als er mit dem Ergebnis schließlich zufrieden war, meldete er seine Erfindung 1934 zum Patent an. Er ging gleich noch einen Schritt weiter und gründete ein Jahr später in Boothtown, einem Vorort von Halifax, eine Firma namens Reflecting Roadstuds, die diese Reflektoren herstellte und die das auch heute noch tut. Das Wort „Catseye“ wurde als Handelsmarke eingetragen und darf nur von der Firma in West Yorkshire verwendet werden. Der Absatz verlief erst schleppend, man baute einige Katzenaugen in Straßen zwischen Bradford und Leeds ein. Der große Durchbruch kam im Zweiten Weltkrieg, als man die Bedeutung der Reflektoren nachts bei der Verdunkelung erkannte. Nach dem Krieg wurden sie millionenfach in die Straßenoberfläche eingebaut, und Percy Shaw wurde zu einem sehr reichen Mann, der aber trotzdem sein ganzes Leben in seinem Elternhaus in Halifax verbrachte, wo er äußerst spartanisch wohnte. Als einzigen Luxus leistete er sich einen Rolls Royce Phantom.
In Anerkennung für seine Leistungen erhielt Shaw 1965 den Order of the British Empire.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Reflektoren verändert und verbessert; so befinden sich heute auch sonnenenergiebetriebene LED-Katzenaugen im Einsatz.

Was wohl aus der Katze geworden sein mag, die an jenem nebligen Tag an der Straße in West Yorkshire gesessen hat? Ein kleines Stückchen von dem OBE hätte sie eigentlich auch verdient gehabt.

The Old Dolphin steht noch immer an der Highgate Road in Queensbury.

Am 1. September 1976 starb Percy Shaw dort, wo er sein ganzes Leben zugebracht hatte, im Boothtown Mansion in Halifax im Alter von 86 Jahren.

Das Buch zum Artikel:
Florence Edwards: Catseyes – Biography of Percy Shaw. Blackwell Publ. 1972. 64 Seiten. ISBN 978-0631127109.

The Old Dolphin in Queensberry (West Yorkshire).    © Copyright Humphrey Bolton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Dolphin in Queensbury (West Yorkshire).
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Hier oben in Boothtown an der Mill Lane gründete Percy Shaw seine Firma     © Copyright Betty Longbottom and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier oben in Boothtown an der Mill Lane gründete Percy Shaw seine Firma Reflecting Roadstuds.
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Published in: on 6. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Mark’s in Biggin Hill (Greater London) – The Moving Church

St Mark's in Biggin Hill.    © Copyright Ian Capper and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mark’s in Biggin Hill.
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Es war einmal eine Kirche im südöstlichen Londoner Stadtteil North Peckham, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff so stark beschädigt wurde, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte und so stand die All Saints‘ Church einige Jahre leer.
Etwa 30 Kilometer von North Peckham entfernt, in dem Ort Biggin Hill, wurden die Gottesdienste in einer behelfsmäßigen Wellblechkirche durchgeführt, die nur 70 Plätze zur Verfügung hatte. Als 1951 Reverend Vivian Symons die Gemeinde übernahm, überlegte er sich wie er da Abhilfe schaffen konnte, denn der Platz in St Mark’s, wie die Kirche hieß, reichte schon lange nicht mehr aus, da die Bevölkerung von Biggin Hill stark zugenommen hatte. Als der Reverend von der leerstehenden Kirche in North Peckham erfuhr, kam er auf eine Idee. Da seine Gemeinde niemals so viel Geld aufbringen könnte, um eine neue Kirche zu bauen, warum nicht das Londoner Gotteshaus ab- und in Biggin Hill wieder aufbauen? Gesagt getan, Symons erhielt die Erlaubnis für den „Umzug“ und so machte er sich, unterstützt von zahlreichen Freiwilligen, mit einem Lastwagen auf nach North Peckham, von wo sie 125 000 Ziegelsteine, 200 Tonnen Mauerwerk und die Balken des Holzdachs in ihre Gemeinde transportierten. Drei Jahre und vier Monate dauerte der Abbau der alten All Saints‘ Church, deren Einzelteile fein säuberlich numeriert und gereinigt und hinter dem Pfarrhaus gelagert wurden, bis es im Jahr 1958 mit dem Wiederaufbau losgehen konnte.

In der Zwischenzeit war einiges an Spendengeldern zusammengekommen, denn es hatte sich herumgesprochen, dass es da im Süden Englands eine „Moving Church“ gab. Ein örtliches Bauunternehmen erbot sich, die Kirche zum Selbstkostenpreis aufzustellen, was ziemlich schnell über die Bühne ging, denn am 25. April 1959, dem St Mark’s Day (!), wurde der erste Gottesdienst in der neuen St Mark’s Kirche abgehalten. Das Gotteshaus war brechend voll, denn viele wollten das Wunder der Wiederauferstehung der Londoner Kirche in Biggin Hill miterleben. Die Bellringer hatten schon wochenlang vorher in der Nachbargemeinde Westerham geübt, so dass auch das erstmalige Glockenläuten einwandfrei funktionierte.

Reverend Vivian Symons hatte sich wirklich um seine Gemeinde verdient gemacht. Über 50 Kirchenfenster erinnern noch an ihn, die er mit Hilfe eines Zahnarztbohrers gestaltete. An Ideen mangelte es dem umtriebigen Pfarrer nicht!

Hier ist ein alter Film der British Pathé aus dem Jahr 1953, der über die Moving Church berichtet.

Vivian Symons schrieb über das Unternehmen auch ein Buch, das den Titel „The Moving Church“ trug und 1956 im Londoner Verlag Herbert Jenkins veröffentlicht wurde.

St Mark’s Parish Office
10 Church Road
Biggin Hill
Westerham
Kent TN16 3LB

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Published in: on 5. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Die Drehorte für Episode 80 „Eine Schande für das Dorf

Dorney Court alias Pelfe Hall. Eigenes Foto.

Dorney Court alias Pelfe Hall.
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Langsam geht die 13. Staffel und damit auch die Karriere des DCI Tom Barnaby zu Ende. Am Sonntag, dem 5. Januar zeigt das ZDF zu später Stunde erstmals die Folge 80 „Not In My Backyard„, die den deutschen Titel „Eine Schande für das Dorf“ erhalten hat. Es geht um neue Bauprojekte in dem Dorf Great Pelfe gegen die sich die Midsomer Conservation Society und ihre Anhänger vehement wehren. Doch haben die Morde, die hier begangen werden, vielleicht einen ganz anderen Hintergrund?

Vor wenigen Monaten war ich in der Region, in der diese Episode gedreht wurde; die Dörfer und Kleinstädte, die zu sehen sind, liegen alle ziemlich dicht beieinander.
Eine Ausnahme bildet Pelfe Hall, wo Fiona Conway wohnt, das ist in Wirklichkeit das uralte Tudorhaus Dorney Court bei Maidenhead in Buckinghamshire, über das ich schon einmal berichtet habe und das ich an einem der wenigen Öffnungstage besichtigen konnte. Die Szenen, in denen Fiona den Pizzaboten „empfängt“ und sich mit Norman Swanscombe trifft, wurden gleich im ersten Raum rechts gedreht, einer Art Wohnzimmer. Das Haus gehört seit Generationen der Familie Palmer und wird sehr gern für Filmarbeiten verwendet. Das Barnaby-Produktionsteam war hier schon mehrfach zu Gast, z.B. in Episode 7 „Strangler’s Wood“ (dt. „Der Würger von Raven’s Wood“), wo es als das Fox & Goose Hotel fungiert, und in Folge 69 „Secrets and Spies“ (dt. „Sportler und Spione“) als Allenby House. In einem Raum liegt ein großes Gästebuch aus, in dem sich zahlreiche Schauspieler verewigt haben, die hier gedreht haben. In TV-Serien wie „Inspector Morse“, „Lewis“, „Marple“ und „Agatha Christie’s Poirot“ konnte man Dorney Court schon sehen.

Cuddington in Buckinghamshire liegt dicht an der A418, die von Thame nach Aylesbury führt und ist eines jener zahlreichen Bilderbuchdörfer, die wir so gern in der Barnaby-Serie sehen. In „Eine Schande für das Dorf“ nutzte man „Cuddington Stores“ in der Upper Church Street, den Tante-Emma-Laden, der gleichzeitig als Postamt fungiert, für Angela Lawrences  Gemischtwarenladen, von dem aus sie mit einem Koffer voller Geld verschwinden will. Nur ein paar Schritte von dem Village Store entfernt liegt „The Crown„, ein Pub, den ich sehr empfehlen kann und über den ich schon berichtet habe (s. Cuddington-Link).

Nur wenige Kilometer von Cuddington entfernt, liegt Great Haseley, in dessen Village Hall die Szenen der lebhaften Dorfversammlung gedreht wurden. In der gleichen Village Hall beginnt auch Episode 77 „The Silent Land“ (dt. „Geisterwanderung“), wo sich Joyce an der musikalischen Vorführung erfreut und Cully sich fürchterlich langweilt. Übrigens ist „The Plough„, der Dorfgasthof, der bei meinem Besuch leer stand, wieder in Betrieb: er wird jetzt von der Dorfgemeinschaft betrieben. Hier wurde in Episode 18 “Dark Autumn “(dt. “Morden, wenn die Blätter fallen”) das Aunt Sally-Spiel durchgeführt, bei dem Tom Barnaby so gut abschneidet.

Das Rathaus der lebhaften Kleinstadt Thame, die in Oxfordshire liegt, dient in der Barnaby-Episode als Causton Town Hall, und ein Gebäude in Buckinghamshires Beaconsfield fungiert als das Polizeihauptquartier von Midsomer. Auch in Long Crendon, meinem Lieblingsort, wurden einige Szenen gedreht.

Die Dorfkirche von Cuddington. Eigenes Foto.

Die Dorfkirche von Cuddington.
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The Plough in Great Haseley. Eigenes Foto.

The Plough in Great Haseley.
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Published in: on 4. Januar 2014 at 02:00  Comments (3)  

Buckfast Tonic Wine – Ein Getränk aus Devon, das von Mönchen hergestellt wird

This work is released into the public domain.

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Seit über 100 Jahren stellen die Benediktinermönche der Buckfast Abbey ein alkoholisches Getränk her, das nicht unumstritten ist und vor allem bei Jugendlichen in Schottland sehr begehrt ist, den Buckfast Tonic Wine oder auch kurz Buckie genannt. Die Abtei liegt am südöstlichen Rand des Dartmoors in Buckfastleigh.

Der Rotwein wird aus Frankreich importiert und im Kloster mit Hilfe eines alten Rezeptes zum Tonic Wine umfunktioniert, wobei der Alkoholgehalt auf 15% gebracht wird. Das ursprünglich als Medizin verkaufte Getränk sollte die Gesundheit stärken und vorgeschlagen wurde drei kleine Gläser pro Tag. Der Verkauf des Buckfast Tonic Wine stellt heute die größte Einnahmequelle der Abtei dar, wobei der Vertrieb nicht von den Mönchen selbst, sondern von der Firma J. Chandler & Co in Weyhill bei Andover in Hampshire vorgenommen wird.

Die Abtei steht immer wieder in der Kritik, denn deren süßer, alkoholangereicherter Wein, der zusätzlich einen hohen Koffeingehalt hat, spricht vor allem Jugendliche an, die nach übermäßigem Genuß des Getränks häufig über die Stränge schlagen. Die Polizei weiß ein Lied davon zu singen, vor allem die schottische Polizei in der Region Strathclyde im Westen des Landes, rund um die Metropole Glasgow. Bei mehreren tausend Straftaten in der Zeit von 2010 bis 2012 war dort Buckfast Tonic Wine in irgendeiner Weise involviert bzw. förderte die Gewaltbereitschaft. Es gibt sogar Politiker in Schottland, die das berauschende Getränk aus Devon komplett verbieten wollen, obwohl die Verkaufszahlen gegenüber anderen alkoholischen Getränken verschwindend gering sind.

Die Mönche der Buckfast Abbey sehen das natürlich anders, denn von den geschätzten £40 Millionen Umsatz im Jahr 2012 erhielten sie, nach einem Bericht der BBC, über £6 Millionen von der Firma Chandler überwiesen. Außerdem, so war aus der Abtei zu hören, wenn man den Buckfast Tonic Wine verbieten würde, dann müsste man auch den schottischen Whisky verbieten, schließlich hat der einen wesentlich höheren Alkoholgehalt.

Im Moment wird in Schottland  geprüft, ob die Polizei von Strathclyde einen Warnaufkleber auf den Flaschen anbringen darf, was die Abfüllerfirma gar nicht gut findet und dagegen gerichtlich vorgeht.

Buckfast Tonic Wine bekommt man auch in Deutschland bei einigen Importeuren zu kaufen. Der Verkaufspreis im Vereinigten Königreich liegt bei rund £7 für die 0,75-Liter-Flasche, die übrigens so viel Koffein entält wie acht Dosen Cola.

Hier ist ein Mini-Porträt des Getränks im Film und hier eine „Hommage“ an den Buckfast Tonic Wine durch eine Rockgruppe („God Bless those crazy Monks, who kept the water flowing“).

Die Buckfast Abbey am Rande des Dartmoors in Devon.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Buckfast Abbey am Rande des Dartmoors in Devon.
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Published in: on 3. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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