Englische Exzentriker – Michael Kennedy, der Mann, der gegen die Zerstörung der Klippen von Norfolk kämpft

Die Klippen von Hunstanton in Norfolk.   © Copyright Richard Humphrey and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Klippen von Hunstanton in Norfolk.
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Sisyphos war der Sage nach ein korinthischer König, der sich mit den Göttern anlegte und zur Strafe einen Felsblock einen steilen Hang hinaufrollen musste. Kurz vor Erreichen des Ziels konnte er den Stein nicht mehr festhalten, er rollte den Berg wieder hinunter, und Sisyphos musste wieder von vorne anfangen. Eine Arbeit, die nie ein Ende fand.

An diesen antiken König muss ich denken, wenn ich sehe, was Michael Kennedy an der Küste von Norfolk treibt. Der Mann aus Hunstanton rollt zwar keine Steine einen Hang hinauf, aber er sammelt Steine am Strand und legt diese am Fuße der Klippen ab, um sie vor der Brandung des Meeres zu schützen. Die Küstenerosion in East Anglia schreitet immer weiter vorwärts, es kommt zu Klippenabbrüchen und bei Sturmfluten fordert das Meer seinen Tribut von den Landmassen. Genau dagegen zieht Michael Kennedy seit über zwanzig Jahren zu Felde, er bietet dem Meer die Stirn, indem er einen Steinwall vor den gefährdeten Klippen aufbaut, um sie zu schützen. An sechs Tagen in der Woche (samstags nimmt er sich frei) arbeitet der Rentner für jeweils zwei Stunden an einem Küstenabschnitt von Hunstanton, um sein Bollwerk zu errichten. Im Laufe der Jahre hat der 79jährige schätzungsweise 2oo Tonnen Steine aufgeschichtet. Aber…das Meer kennt kein Mitleid mit dem arbeitsamen Mann, immer wieder spült es seine Schutzmauer weg und nagt gierig an den Klippen von Hunstanton. So zum Beispiel im Dezember 2013, als Brecher Michael Kennedys Werk in kurzer Zeit zerstörten. Doch der Mann gibt nicht auf. „Dann fange ich eben wieder von vorne an“, sagt er sich. Das Baumaterial wird ihm mit Sicherheit nie ausgehen.

Der Meeresgott Poseidon wird vom Olymp aus wohl höhnisch lachen, wenn er den ungleichen Kampf beobachtet.

Dieser Film zeigt Michael Kennedy bei der Arbeit.

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Published in: on 4. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Ben Sansum, der Mann aus Godmanchester (Cambridgeshire), der noch immer in den 1940er Jahren lebt

Godmanchester, die Great Ouse und die Chinese Bridge.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Godmanchester, der River Great Ouse und die Chinese Bridge.
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In meiner Serie über englische Exzentriker schrieb ich einmal über den „Christmas Man“ aus Melksham in Wiltshire, der sein Haus in ein Weihnachtsparadies umgewandelt hat und darin jeden Tag Weihnachten feiert. Nicht ganz so krass geht es in einem Haus in Godmanchester in der Grafschaft Cambridgeshire zu, in dem sich Ben Sansum im Stil der 1940er Jahre eingerichtet hat. Godmanchester ist ein kleiner Ort an der A14, südlich von Huntingdon, über den es nicht viel zu sagen gibt, außer vielleicht, dass der River Great Ouse durch den Ort fließt, über den eine etwas ungewöhnliche Brücke, die Chinese Bridge, führt.

Ben Sansum, von Beruf Flugbegleiter, hat seine Vorliebe für die 1940er Jahre schon als Kind entdeckt, als er ein Radio aus dieser Zeit geschenkt bekam. Von da an begann er Gegenstände zu sammeln, die aus einer Zeit stammen, die stark vom Zweiten Weltkrieg geprägt war.
Heute beherbergt das Haus in Cambridgeshire in allen Zimmern Sammlerobjekte: In der Küche findet man jede Menge Blechgefäße und andere Aufbewahrungsutensilien für Nahrungsmittel mit Aufschriften wie Lyons Tea, National Dried Milk oder Heinz Tomato Soup. Möbel aus den 1940er Jahren stehen im Schlafzimmer, was auch für das Wohnzimmer gilt, das Ben Sansum mit einem mechanischen Teppichreiniger der Marke Ewbank sauber hält.
Statt eines CD-Players hat Ben Sansum einen alten Plattenspieler, auf dem selbstverständlich Schallplatten mit Musik von Vera Lynn laufen, die damals in den 1940er Jahren zu den populärsten Sängerinnen Großbritanniens zählte (und die in diesem Jahr am 20. März 100 Jahre alt wird).
Er wäscht seine Wäsche per Hand manchmal noch mit einem Waschbrett, telefoniert mit einem uralten Fernsprecher, doch auf manche Annehmlichkeiten der heutigen Zeit möchte auch er nicht verzichten und so findet man, etwas versteckt, ein Fernsehgerät, einen Kühlschrank und eine Waschmachine.
Dieser Film zeigt Ben Sansum in seinem 1940er-Jahre-Reich.

Ich liebe die englischen Exzentriker!!

 

Published in: on 13. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  

Englische Exzentriker – Martin van Butchell (1735-1814), ein Zahnarzt aus Mayfair in London

Die Mount Street im Londoner Stadtteil Mayfair.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Mount Street im Londoner Stadtteil Mayfair.
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Die Mount Street führt mitten durch Mayfair, jenen wohlhabenden Stadtteil im Zentrum Londons, dessen Häuser so teuer geworden sind, dass sie sich nur noch sehr reiche Menschen leisten können. Die Straße beginnt am Berkeley Square und mündet auf den Park Lane am Hyde Park. Der Schuhdesigner Christian Louboutin hat hier ein Geschäft, ebenso der amerikanische Modeschöpfer Marc Jacobs und das Modehaus Balenciaga.

In der Hausnummer 56 (in der Nummer 54 residiert jetzt der brasilianische Botschafter) war einmal die Praxis eines erfolgreichen Zahnarztes untergebracht, der bei seinen Patienten einen guten Ruf genoss. Da die Praxis von Martin van Butchell (1735-1814) in einer guten Wohngegend lag, behandete er besonders viele Männer und Frauen aus dem Adel. Bei seinen Kollegen jedoch hatte der Arzt einen eher zweifelhaften Ruf, da er ihnen ein wenig zu exzentrisch war. So hatte van Butchell die merkwürdige Angewohnheit, sein Pferd, mit dem er auszureiten pflegte, anzumalen, am liebsten lila, mit Punkten und Kreisen am Hinterteil und am Kopf. Er erfand auch einen speziellen Steigbügel, der mit Kork besetzt war, damit man mit seinen Reitstiefeln nicht abrutschte. Bis zu seinem Tod trug er einen gewaltigen Bart, aus dem er Kapital schlug, denn er behauptete, dass ein einzelnes Barthaar von ihm, als Amulett getragen, unfruchtbare Frauen fruchtbar machen würde. Seine ausgekämmten Barthaare verkaufte er an verweifelte Damen, die daran glaubten. Es ist nicht überliefert wie hoch die Erfolgsquote war.

Der exzentrische Zahnarzt machte aber vor allem von sich reden, als er 1775 die Leiche seiner verstorbenen Frau Mary einbalsamieren ließ. Er ersetzte ihre Augen durch Glaskugeln, hübschte den Körper farblich etwas auf und steckte Mary in ein spitzenbesetztes Gewand. Den Leichnam platzierte er in einen gläsernen Sarg und stellte ihn in das Fenster seiner Praxis. Ob dieses „Happening“ wohl mehr Patienten in seine Praxis locken sollte? Auf jeden Fall kamen viele Menschen in die Mount Street, um sich die verblichene Zahnarztgattin anzusehen. Die direkten Nachbarn van Butchells fanden das nicht lustig und protestierten, aber ohne Erfolg.

Die Einbalsamierung war offensichtlich nicht allzu fachmännisch vorgenommen worden, denn nach einiger Zeit begann der Körper zu verfallen. Martin van Butchells zweite Ehefrau war mit der Zurschaustellung ihrer Vorgängerin gar nicht einverstanden (vielleicht fürchtete sie, später ebenfalls auf diese Weise zu enden), und so bestand sie darauf, dass es Zeit für Mary war, in andere Hände übergeben zu werden, was schließlich auch geschah, und so gelangte der vor sich hin rottende Leichnam in das Londoner Museum of the Royal College of Surgeons, wo er auch ausgestellt wurde. Erst im Zweiten Weltkrieg war es endgültig um Mary geschehen, als das Royal College of Surgeons 1941 von einer deutschen Fliegerbombe getroffen und der Leichnam dabei zerstört wurde.

Es gibt einen Film, allerdings in spanischer Sprache, der sich mit Martin van Butchell beschäftigt und einige Bilder von ihm und seiner verblichenen Ehefrau zeigt.

Im Museum des Londoner Royal College of Surgeons.   © Copyright kim traynor and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 29. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Exzentriker – Der Rechtsanwalt Reginald Hine (1883-1949) aus Hitchin in Hertfordshire

Hitchin in Hertfordshire.   © Copyright John Lucas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hitchin in Hertfordshire.
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Reginald Hine war ein waschechter Hertfordshire Man, geboren in Baldock im Norden der Grafschaft und wohnhaft in Hitchin, nur ein paar Kilometer entfernt. Hine war Rechtsanwalt in Hitchin, d.h. eigentlich war er nur Rechtsanwaltsgehilfe, denn er legte sein Prüfungen erst im Alter von 50 Jahren ab. Dennoch hatte er sich in der Stadt und in der Umgebung einen Namen als erfahrener und tüchtiger Anwalt gemacht. Viel lieber arbeitete der Mann aber als Historiker und da galt sein ganzes Interesse seiner Heimatstadt Hitchin. Es gab wohl kaum jemanden, der sich so gut mit der Stadt auskannte. Das Ergebnis seiner Recherchen waren das zweibändige, mehr als 900 Seiten umfassende Werk „History of Hitchin“ aus den Jahren 1927 und 1929 und „Hitchin Worthies“ (1932). Weiterhin schrieb Hine Bücher über die Kirche St Mary’s , die Grammar School, das Sun Hotel usw. usw.; der Anwalt war ein wandelndes Lexikon, was seine Heimatstadt betraf.
1945 erschien sein Buch „Confessions of an Uncommon Attorney„, das sich damals sehr gut verkaufte. „Uncommon“ war Reginald Hine auf jeden Fall. Er trug häufig eine sehr auffällige Kleidung, die aus bunten Jacketts und noch bunteren Hemden bestand, dazu oft eine Fliege.

Eine besondere Vorliebe hatte Hine für eine verfallene Ruine entwickelt, die nur wenige Kilometer südlich von Hitchin liegt, die Minsden Chapel. Schon seit dem 17. Jahrhundert liegt diese ehemalige, von Pflanzen überwucherte Kapelle in Ruinen. Oft kam er hierher und hier wollte er unbedingt einmal seine letzte Ruhe finden, was ihm auch vergönnt wurde, denn nach seinem Tod wurde seine Asche auf dem Gelände der Minsden Chapel verstreut.

Hines Tod war so ungewöhnlich wie sein Leben. Er neigte zu Depressionen und möglicherweise waren diese auch für sein Ableben verantwortlich. Am 14. April 1949 kaufte er sich auf dem Bahnhof von Hitchin eine Rückfahrkarte nach London. Auf dem Bahnsteig traf er einen Bekannten, mit dem er sich eine Weile unterhielt, dabei war er wie immer sehr lebhaft und freundlich. Als um 10.48 Uhr der Zug aus Cambridge in den Bahnhof einfuhr, wandte sich Hine um und stürzte sich auf die Gleise. Er wurde überrollt und war sofort tot. Ein Gedenkstein an der Minsden Chapel erinnert an diesen ungewöhnlichen Menschen.

Das Buch zum Artikel:
Richard Whitmore: The Ghosts of Reginald Hine: An Uncommon Attorney. Mattingley Press 2007. 240 Seiten. ISBN 978-0955466205.

Der Bahnhof von Hitchin, wo sich Reginald Hine vor einen Zug stürzte.    © Copyright Martin Addison and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bahnhof von Hitchin, wo sich Reginald Hine vor einen Zug stürzte.
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Die Minsden Chapel.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Minsden Chapel bei Preston in Hertfordshire.
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Published in: on 22. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wimpole Hall (Cambridgeshire), eine exzentrische Lady und zwei Picknicks

Wimpole Hall in Cambridgeshire.   © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wimpole Hall in Cambridgeshire.
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Wer den Kinofilm „Easy Virtue“ (dt. „Easy Virtue – Eine unmoralische Ehefrau“) aus dem Jahr 2008 mit Jessica Biel und Colin Firth schon einmal gesehen hat (hier ist der deutsche Trailer), der hat (wahrscheinlich ohne es zu wissen) auch Wimpole Hall gesehen, das darin als das Haus der Hursts fungiert.
Wimpole Hall liegt südwestlich von Cambridge und gilt als das größte Haus in der Grafschaft Cambridgeshire, umgeben von 12 km² Farmland und Parklandschaft. Ich möchte hier in meinem Blog nicht die ganze Geschichte des prachtvollen Baus wiedergeben, sondern nur eine kleine, witzige Geschichte erzählen, die sich zum Teil hier abspielte.
Die letzte Besitzerin bis zum Jahr 1976 war Elsie Kipling Bambridge (1896-1976), Tochter des berühmten Rudyard Kipling. Sie hatte 1924 den Diplomaten George Louis St Clair Bambridge geheiratet und beide wohnten seit 1932 auf Wimpole Hall, das sie dann sechs Jahre später kauften. Die Einnahmen aus den verkauften Büchern Rudyard Kiplings warfen immer noch genug Geld ab, um das große Anwesen unterhalten zu können.

Elsie Bambridge sammelte alles was sie an Dokumenten über ihren berühmten Vater erhalten konnte, so dass auf Wimpole Hall ein umfangreiches Rudyard Kipling-Archiv entstand. Die Dame war auch etwas exzentrisch veranlagt, was folgende Geschichte belegt:
Elsie legte sehr viel Wert auf Privatheit und konnte es absolut nicht leiden, wenn fremde Menschen, ohne dass sie eingeladen waren, ihr weitläufiges Grundstück betraten. Genau das passierte an einem Tag, als ein Auto auf das Gelände fuhr, die Insassen ihren Picknickkorb auspackten und sie es sich auf dem Rasen von Wimpole Hall gemütlich machten. Als Elsie das von ihrem Haus aus sah, war sie außer sich vor Empörung. Sie notierte sich das Autokennzeichen und ließ ermitteln, wer die Besitzer waren und wo diese wohnten. Mrs. Bambridge gab in der Küche Order, ihr auch einen Picknickkorb zurechtzumachen, dann bestellte sie ihren Chauffeur, dem sie die Adresse der Eindringlinge gab und machte sich auf den Weg zu dem kleinen Vorstadthaus, das diese bewohnten. Auf dem ebenso kleinen Rasen vor dem Reihenhaus ließ sich Elsie Bambridge nieder, packte ihren Picknickkorb aus und verspeiste genüßlich dessen Inhalt. Leider scheint nicht überliefert zu sein wie die Reihenhausbewohner auf den Eindringling in ihre Privatsphäre reagierten.

Die Besitzerin von Wimpole Hall starb am 24. Mai 1976 und sie wurde auf dem St Andrew Churchyard , direkt neben der Hall, beigesetzt.

Dieser Film zeigt das wunderschöne Haus, das nach dem Tod von Elsie Bambridge in den Besitz des National Trusts übergegangen und zu besichtigen ist.

Wimpole Estate
Old Wimpole Road
Arrington
Royston
Cambridgeshire
SG8 0BW
Die Gartenanlagen von Wimpole Hall.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Gartenanlagen von Wimpole Hall.
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Elsie Bambridges Grabmal auf dem Kirchhof von St Andrew's.   © Copyright Paul Shreeve and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Elsie Bambridges Grabmal auf dem Kirchhof von St Andrew’s.
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Published in: on 2. Juli 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Frank Robinson – The Xylophone Man of Nottingham (1932-2004)

Lister Gate in Nottingham.   © Copyright Andy Jamieson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lister Gate in Nottingham.
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In vielen Städten gibt es Originale und Exzentriker, die sich im Zentrum aufhalten und durch ihre Musik oder andere Dinge auf sich aufmerksam machen. In meinem Wohnort war es einmal ein Drehorgelspieler, der jede Menge Stofftiere auf seiner Orgel sitzen hatte und der die Geldeinnahmen für wohltätige Zwecke spendete.

In Nottingham war Frank Robinson so ein Original, der als The Xylophone Man bekannt und allseits beliebt war. Er spielte 15 Jahre lang auf seinem Xylophon, meist in der Fußgängerzone Lister Gate vor C&A und H&M. Seine musikalischen Fähigkeiten hatten sehr enge Grenzen und ein richtiger Genuss war Franks Musik wahrlich nicht, aber er und sein Xylophon gehörten eben zu Lister Gate.

1932 wurde Frank Robinson in Cotgrave geboren, einer der Vorstädte von Nottingham, und hier wohnte er auch bis zu seinem Tod. Von 1989 an fuhr er täglich in die Innenstadt, besetzte seinen Lieblingsplatz in der Lister Gate, nahm sein Xylophon auf den Schoß und klimperte drauflos. Ich bin nicht sicher, ob die Menschen, die in den umliegenden Geschäften und Büros arbeiteten, auch große Fans von Frank Robinsons Musik waren, die sich doch durch eine gewisse Eintönigkeit auszeichnete.

Am 4. Juli 2004 erlitt The Xylophone Man im Alter von 73 Jahren im Krankenhaus einen Herzinfarkt und starb. An seiner Beerdigung nahmen über 100 Menschen teil, auch Vertreter des Rates der Stadt Nottingham, ein Zeichen für die Wertschätzung, die der stets freundliche Mann genoss. Am 10. November 2005 wurde ihm zu Ehren sogar eine Plakette enthüllt und zwar an seinem Lieblingsplatz an der Lister Gate. Darauf steht geschrieben: “He played his Xylophone here for fifteen years, bringing a smile to the faces of the people of Nottingham”.

Dieser Film zeigt einen Auftritt der Frank Robinson Tribute Band vor dem H&M Store in Nottinghams Lister Gate. „Xylophone Man“ ist auch der Titel eines Songs der Punkband Apocalypse Babies, hier zu hören.

FRank Robinsons Geburts- und Heimatort.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Frank Robinsons Geburts- und Heimatort.
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Published in: on 19. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Fred Dibnah (1938 – 2004) – Der berühmeste Steeplejack aller Zeiten

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Was ist ein Steeplejack? Das ist ein Spezialist für Arbeiten an hohen Gebäuden, jemand, der auf Schornsteinen oder Kirchtürmen herumklettert, dort z.B. Gerüste anbringt oder andere Arbeiten durchführt, vor denen die meisten Menschen zurückschrecken würden. Voraussetzung für diesen Beruf: Absolute Schwindelfreiheit.

Ein Steeplejack par excellence war Fred Dibnah, der in ganz England (noch immer) bekannt ist, der aber leider schon 2004 an Krebs starb. Fred Dibnah war kein Turm zu hoch und wenn man ihm bei der Arbeit zusah, konnte einem schon so schwindlig werden.
Der 1938 in Bolton (Greater Manchester) geborene Steeplejack ist in England eine Kultfigur geworden, nicht zuletzt durch seine zahlreichen Bücher und Fernsehsendungen. Mittlerweile gibt es sogar ein Fred Dibnah Heritage Centre in der Radcliffe Road in Bolton, in dem Haus, in dem Fred 35 Jahre wohnte und eine Fan-Homepage, über die man z.B. auch seine DVDs und Bücher kaufen kann.

Es sind mehrere Bücher über Fred Dibnah geschrieben worden, z.B.: „Fred Dibnah’s Made in Britain“ von David Hall. Das Buch wirft einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten zur BBC-Serie „Made in Britain„, in der Dibnah mit einer uralten Zugmaschine kreuz und quer durch England fährt und große technische Errungenschaften vorstellt wie z.B. die Middlesbrough Transporter Bridge.

Ihm zu Ehren wurde am 29. April 2008 eine 2,5m hohe Bronzestatue im Stadtzentrum von Bolton aufgestellt und vom Bürgermeister enthüllt.

Hier ein Beispiel für eines von Fred Dibnahs haarsträubenden Klettermanövern.

Fred Dibnahs Statue in Bolton.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Fred Dibnahs Statue in Bolton.
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Das Fred Dibnah Heritage Centre in Bolton (Lancashire).   © Copyright Alex McGregor and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Fred Dibnah Heritage Centre in Bolton (Greater Manchester).
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Published in: on 5. November 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Exzentriker – Henry Bensley, der Mann mit der eisernen Maske

This work is in the public domain in the European Union.

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Im Londoner Reform Club wurde seinerzeit eine berühmte Wette abgeschlossen, die in der Reise in 80 Tagen um die Welt mündete, so schreibt es jedenfalls Jules Verne in seinem gleichnamigen Roman.

Eine noch wesentlich obskurere Wette fand 1907 in einem anderen Londoner Club, dem National Sporting Club in der King Street, statt, an dem der amerikanische Milliardär John Pierpoint Morgan, der englische Adelige Hugh Cecil Lowther, der 5. Earl of Lonsdale und ein gewisser Harry Bensley, ein auch nicht unvermögender Playboy, beteiligt waren. Die beiden erstgenannten Gentlemen stritten sich darüber, ob es möglich wäre, zu Fuß die Erde zu umrunden, ohne dabei erkannt zu werden. Morgan hielt dies im Gegensatz zu Lonsdale für unmöglich und sagte, er wäre bereit 100 000 Dollar darauf zu wetten. Harry Bensley, der an diesem Abend zufällig in der Nähe der beiden Streithähne saß und deren Gespräch mit anhörte, mischte sich ein und erklärte sich bereit, diese Reise inkognito zu unternehmen.
Die drei Herren besprachen dann die Konditionen, die eine ganze Menge Punkte umfassten, die Harry zu erfüllen hatte. Hier sind einige davon:

– Er musste die Welt zu Fuß, maskiert und einen Kinderwagen vor sich herschiebend umrunden
– Während der gesamten Reise musste er inkognito bleiben
– Er durfte Fotos von sich anfertigen und diese, sowie ein Flugblatt, das seine Reise beschrieb, verkaufen und musste von dem Erlös alle anfallenden Kosten bestreiten
– Harry musste auf seiner Erdumrundung eine Frau finden
– Die Reiseroute sollte in England beginnen, am 1. Januar 1908, um 10.30 Uhr morgens am Trafalgar Square. Dabei sollten sämtliche Grafschaften in England und Wales aufgesucht werden und darin wiederum jeweils vorher festgelegte Städte. Das musste durch ein von den Bürgermeistern unterschriebenes Dokument bestätigt werden.
– Außerhalb Englands wurden die Länder und Städte vorgeschrieben, die Harry auf seiner Reise besuchen musste. In Deutschland waren das zum Beispiel Köln, Berlin, Kassel, Magdeburg, Hamburg und Bremen.

So trat also Harry Bensley am Neujahrstag des Jahres 1908 seine spektakuläre Reise an, mit dem Helm einer Ritterrüstung auf dem Kopf und einen Kinderwagen schiebend. Wie weit er letztendlich kam, konnte nie genau nachvollzogen werden. Manche meinen, er hätte England nie verlassen; dann soll er angeblich in Ostasien gesichtet worden sein. Nach seinen eigenen Aussagen hat er 30 000 Meilen zurückgelegt. Fest steht nur, dass der Mann mit der eisernen Maske die Erde nicht umrundet hat, sondern zu Beginn des Ersten Weltkrieges Helm und Kinderwagen beiseite legte, um seinem Land als Soldat zur Verfügung zu stehen. Harry Bensley wurde im Krieg schwer verwundet, später verlor er sein ganzes Vermögen, das er in Russland angelegt hatte.

Der einst wohlhabende, exzentrische Playboy schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, bis er im Alter von 79 Jahren 1956 in Brighton starb.

Published in: on 18. Juli 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Anthony Willliam Hall (1898-1947) – Der Mann, der George V. vom Thron stoßen wollte

König George V., der nach Meinung Halls unrechtmäßig auf dem Thron saß. This work is in the public domain.

König George V., der nach Meinung Halls unrechtmäßig auf dem Thron saß.
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Anthony William Hall (1898-1947) war ein ehemaliger Polizeibeamter in Shropshire, der in den 1930er Jahren felsenfest davon überzeugt war, dass nicht George V, der seinerzeit auf dem Thron saß, der rechtmäßige König war, sondern er selbst, King Anthony I. Und diese Überzeugung verkündete er gern und oft bei zahllosen Ansprachen, die er im ganzen Land hielt. Über mangelnde Zuhörerschaft brauchte er sich nicht zu beklagen, die ihm Beifall klatschte, wenn er behauptete, dass der gegenwärtige König als Deutscher (George V entstammte dem Fürstenhaus Sachsen-Coburg und Gotha) kein Recht darauf habe, Großbritannien zu regieren. Er solle seine Koffer packen und das Land verlassen. Bei einer seiner Ansprachen in Birmingham geriet er in Rage und behauptete, er hätte keine Probleme damit, den König wie einen tollwütigen Hund über den Haufen zu schießen. An anderer Stelle verstieg er sich zu der Äußerung, er wäre gern der erste Polizist, der einem König den Kopf abschlagen würde.

Seine Thronanwartschaft erklärte Hall damit, dass er ein direkter Nachfahre Heinrichs VIII sei und zwar durch einen unehelichen Sohn des Königs namens Thomas Hall. Weiterhin behauptete er, dass König James I (1566-1625) als Kind bereits ermordet und durch ein anderes Kind, ein Wechselbalg, ausgetauscht wurde, das James Erskine hieß. Fazit: Alle Abkömmlinge dieses falschen Königs, sind nicht legitimiert, auf dem Thron zu sitzen.

Natürlich blieben diese Anschuldigungen dem Königshaus nicht verborgen und man machte Druck, diesen merkwürdigen Mann als unzurechnungsfähig zu erklären. Doch die beiden mit der Untersuchung des Geisteszustandes Halls beauftragten Ärzte waren der Meinung, dass er nicht verrückt war. Buckingham Palace wollte den Exzentriker unbedingt aus dem Weg haben, ohne dass der König in diesen Fall zu sehr involviert wurde. Hall wurde festgenommen, mit der Begründung, dass er sich einer ungebührlichen skandalösen Sprache bediente und zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach einer letzten Rede in Birmingham hörte der Mann auf, seine Thronansprüche geltend zu machen und verschwand von der Bildfläche. Später tauchte der Name Anthony William Hall noch einige Male in den Medien auf, als er sich mit seiner Ehefrau vor Gericht wegen einer Scheidungsklage und mit seiner Schwester wegen des elterlichen Hauses stritt.

1947 starb Anthony I. in Little Dewchurch in Herefordshire, wo er auf dem Kirchhof von St David’s begraben ist.

Der Schriftsteller John Harrison nahm diese Geschichte als Grundlage für seinen Roman „Heir Unapparent“ (Windstorm Creative 2005. 266 Seiten. ISBN 978-1590921876).

St David's in Little Dewchurch (Herefordshire).    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St David’s in Little Dewchurch (Herefordshire).
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Published in: on 3. Juni 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Exzentriker – William Buckland, der Mann der Maulwürfe, Schmeißfliegen und auch schon einmal das Herz eines Königs aß

William Buckland. This image (or other media file) is in the public domain because its copyright has expired.

William Buckland.
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William Buckland war ein seriöser und renommierter Wissenschaftler, der von 1784 bis 1856 lebte. Er war Geologe, Paläontologe und Theologe, saß im Aufsichtsrat des Britischen Museums und war Mitglied der Royal Society. Darüber hinaus führte er die Gasbeleuchtung in Oxford ein und legte die ersten Abflussrohre in London.

Buckland hatte aber auch eine sehr exzentrische Seite, denn er hatte den Ehrgeiz, möglichst viele verschiedene Tiere einmal zu verkosten. Auf seinem Speiseplan  standen dann zum Beispiel gebackener Igel, getoaste Mäuse und Krokodilsteak; er aß sich so allmählich durch das Tierreich durch. Am abscheulichsten sollen ihm Maulwürfe und Schmeißfliegen geschmeckt haben. William Buckland kannte sich in der Zoologie bestens aus und so gibt es die schöne Geschichte von seinem Besuch in Palermo, wo er den Schrein der Heiligen Rosalia aufsuchte, in dem die Knochen der Schutzpatronin der Stadt aufbewahrt wurden. Stolz präsentierten die Priester ihm die kostbaren Reliquien. „Das sind Knochen einer Ziege und nicht die einer Frau“, rief er laut, woraufhin ihm die erzürnten Gottesmänner die Tür wiesen und die Reliquien erst einmal der Begutachtung weiterer neugieriger Augen entzogen.

Etwas Ähnliches geschah bei seinem Besuch in einer Kathedrale, in der man ihm den Blutfleck eines Heiligen auf dem Steinfußboden zeigte, der angeblich immer frisch war und nie verschwand. Buckland kniete sich neben den Fleck, feuchtete einen Finger an, tupfte ihn hinein und leckte daran: „Das ist Fledermausurin“, stellte er prompt fest und zog sich erneut den Zorn der Kirchenmänner zu, die sich einer Attraktion ihrer Kirche ärmer sahen.

Den Vogel schoss der gelehrte und exzentrische Mann aber eines Tages ab, als ihm der Erzbischof von York einmal das einbalsamierte Herz des französischen Königs Ludwig XIV zeigte, das er während der Revolution einem Mann abgekauft hatte, der das Grab des Königs in Paris geplündert hatte. Vorsichtig entnahm der Erzbischof die Kostbarkeit einer Schnupftabakdose und präsentierte sie Buckland. „Ich habe ja schon vieles gegessen, aber noch nie das Herz eines Königs“, sprach er, nahm es und schluckte es in einem Stück herunter.

William Bucklands Sohn, Francis Trevelyan, stand seinem Vater, was die kulinarischen Exzesse anging, übrigens in nichts nach. Er aß zum Beispiel gebratenen Delfinkopf, Nashornpastete, Pantherkotelett, Ohrwürmer und Schneckensuppe. Guten Appetit!

William Buckland wohnte die letzten Jahre seines Lebens im Pfarrhaus in Islip in Oxfordshire, wo er eine bunte Tiermenagerie hielt, u.a einen Bären, der gern durch das Dorf wanderte und im Gemischtwarenladen nach Süßigkeiten suchte. Buckland starb am 14. August 1856 in Islip und wurde auf dem Kirchhof von St Nicholas begraben.

St Nicholas in Islip (Oxfordshire). Hier ruht William Buckland.    © Copyright Roger Templeman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Nicholas in Islip (Oxfordshire). Hier ruht William Buckland.
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Published in: on 8. Februar 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Englische Exzentriker – John „Scheming Jack“ Gainsborough

In diesem Haus in Sudbury (Suffolk) wuchsen der berühmte Maler Thomas Gainsborough und sein weniger berühmte Bruder John auf.    © Copyright Roger Cornfoot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In diesem Haus in Sudbury (Suffolk) wuchsen der berühmte Maler Thomas Gainsborough und sein weniger berühmter Bruder John auf.
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Thomas Gainsborough gilt als einer der bedeutendsten Maler Großbritanniens des 18. Jahrhunderts. Er und seine zahlreichen Brüder wuchsen in Sudbury auf, einer Kleinstadt in der Grafschaft Suffolk. Einer dieser Brüder, der nach seinem Vater John getauft wurde, versuchte ähnlich erfolgreich zu sein wie sein kleiner Bruder Thomas, allerdings auf einem ganz anderen Gebiet. John verfügte über eine blühende Fantasie und wollte die in seine vielen Erfindungen einfließen lassen, was ihm leider gründlich misslang.

Leider brachte er seine Erfindungen selten zum Abschluss, weil er schon wieder neue Ideen hatte, die ihn mehr faszinierten. Seine „Karriere“ als Erfinder begann mit einer Art Flugmaschine mit metallenen Flügeln. Mit Hilfe dieser Konstruktion sprang er vom Dach eines Hauses und plumpste sofort im „Steilflug“ kerzengerade hinunter, zur Belustigung der Zuschauer, die sich eingefunden hatten, um dem Schauspiel zuzusehen. Von da an nannte man ihn ironisch „The Sudbury Daedalus„.

Als John sah, dass Flugmaschinen nicht so ganz sein Ding waren, machte er sich an die Umsetzung anderer sinnvoller Ideen und entwickelte einen mechanischen singenden Kuckuck. Die Nachfrage nach einer solchen Apparatur war offensichtlich in Sudbury und Umgebung recht gering und so probierte „Scheeming Jack“ etwas anderes aus, eine Wiege, die sich von selbst hin und her bewegte und die genervten Eltern die lästige Arbeit des Kinderschaukelns abnehmen sollte. Auch das erwies sich nicht als der große Durchbruch.

Schon früh entwickelte John Gainsborough eine Affinität zu Uhren und so machte er eine Uhrmacherwerkstatt auf, die ebenfalls unter keinem glücklichen Stern stand, denn er missbrauchte das Vertrauen, das seine Kunden in ihn setzten, indem er deren Uhren weiterverkaufte und ähnliche krumme Dinge tat. Ständig lieh er sich Geld, um seine Erfindungen zu finanzieren und hatte Mühe, diese Anleihen wieder zurückzuzahlen.

Einmal malte er im Auftrag eines Pubbesitzers ein Schild; da dieser ihm dafür aber nur wenig Geld geben wollte, rächte er sich, indem er den gewünschten Bullen in einer Farbe malte, die beim ersten Regen sofort abgewaschen wurde und vom Bullen nichts mehr zu sehen war.

Schon als Jugendlicher war John Gainsborough durch eine abstruse Idee aufgefallen. Er hatte sich die Mühe gemacht, an einem Apfelbaum jeden einzelnen Apfel mit Teig zu umwickeln und diese, wohlgemerkt noch am Ast hängenden Äpfel in einem Topf Wasser, das er mit einem Rechaud erhitzte, zu kochen. Als sein Werk vollbracht war, holte er seinen Nachbarn, Colonel Addison, und zeigte ihm stolz seinen Apfelteigtaschenbaum.

Da sich Gainsborough mit Uhren gut auskannte, hatte er eine Uhr entwickelt, die (angeblich) auch auf hoher See die Zeit präzise anzeigte, ein Thema mit dem sich sein Kollege, der berühmte Uhrmacher John Harrison, beschäftigte. Angeblich wollte Scheeming Jack seine Erfindung auf einer Reise nach Ostindien ausprobieren, aber dazu kam es nicht mehr, da das verkannte Genie aus Sudbury vorher starb.

Das Haus der Familie Gainsborough in Sudbury liegt an der Gainsborough Street (die Nummer 46) und beherbergt ein dem Maler gewidmetes Museum. Scheeming Jack wohnte ein paar Schritte entfernt, von seinem Elternhaus nur durch The Black Horse Inn getrennt.

Published in: on 21. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Henry „The Green Man“ Cope

 

Copyright: National Portrait Gallery London. Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

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Wenn man nach Goethes Spruch „Wer sich allzu grün macht, den fressen die Ziegen“ ginge, dann hätte Henry Cope keine Chance gehabt, nicht von Ziegen aufgefressen zu werden. „The Green Man of Brighton“ wurde er genannt, denn die Farbe Grün bestimmte sein Leben. Cope promenierte gern auf Brightons Straße Old Steine (oder auch The Steyne genannt), die am Royal Pavillon vorbeiführt, den es zu seiner Zeit aber noch nicht gab (Henry Cope starb 1806).

Der Beau trug ausschließlich grüne Kleidung: Hose, Weste, Gehrock, Krawatte, Handschuhe, alles war grün. Er besaß eine grüne Kutsche, die von einem grüngewandeten Kutscher gelenkt wurde (das Pferd soll allerdings nicht grün gewesen sein). Natürlich aß Henry Cope ausschließlich Grünzeug und seine Wohnung an der South Parade war mit grünen Sesseln, einem grünen Tisch, einem grünen Bett und grünen Gardinen ausgestattet. Ein zeitgenössisches Gedicht, das auf den Green Man of Brighton gemacht wurde, endet mit dem ironischen Satz „The brains, too, are green of this green little man!

Am Ende seines Lebens hatte Copes Gehirn wohl wirklich Schaden erlitten, denn eines Tages sprang er aus dem Fenster seiner Wohnung, rannte quer über die Straße und stürzte sich von den gegenüberliegenden Klippen sieben Meter in die Tiefe. Er überlebte zwar den Sturz, soll danach aber nicht mehr seiner Sinne mächtig gewesen sein.

Man sagt, dass der Geist Henry Copes noch heute in dem ehemaligen Familiensitz Bramshill House im Nordosten der Grafschaft Hampshire umgeht. In diesem Haus, das zu den „most haunted“ Englands gezählt wird, waren das Police Staff College und das European Police College untergebracht; jetzt soll das über 400 Jahre alte Gebäude verkauft und als Wohnhaus umgebaut werden.
Ob der Green Man of Brighton und seine Geisterkollegen die neuen Besitzer wohl auch heimsucht?

Old Steine in Brighton. Hier pflegte der Green Man zu promenieren.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Old Steine in Brighton. Hier pflegte der Green Man zu promenieren.
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Bramshill House in Hampshire. Hier soll Henry Copes Geist gesichtet worden sein.    © Copyright Mike Searle and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bramshill House in Hampshire. Hier soll Henry Copes Geist gesichtet worden sein.
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Published in: on 1. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – The Christmas Man aus Melksham in Wiltshire, der Mann, der jeden Tag Weihnachten feiert

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Andy Park aus Melksham in Wiltshire liebt Weihnachten; er liebt Weihnachten so sehr, dass er seit 1993 jeden Tag des Jahres diesen Feiertag begeht, mit allem Drum und Dran. Seine Wohnung ist 365 Tage im Jahr festlich geschmückt und sein Tagesablauf ist genau festgelegt. Andy Park beginnt den Tag mit dem Verzehr von einigen „mince pies“, die in England zu Weihnachten sehr beliebt sind. Nachdem er einige Stunden gearbeitet hat, Park ist von Beruf Elektriker, beginnen die Vorbereitungen auf das Fest; dazu gehört natürlich das Schreiben von Weihnachtskarten, die er an sich selbst adressiert und praktischerweise gleich wieder durch den Briefschlitz seiner Haustür steckt. Dann müssen Geschenke eingepackt und logischerweise auch wieder ausgepackt werden. Mit einem Glas Sherry in der Hand lauscht dann „Mr. Christmas“ der Weihnachtsansprache der Queen. Sein Angebot, dass die Queen ihre nächste Ansprache von seinem Haus in Wiltshire aus hält, hat die alte Dame dankend abgelehnt.

Anschließend kommt der Höhepunkt des Tages, das Truthahnessen. Mr. Park soll schon über £100 000 für den Kauf von Truthähnen „verbraten“ haben, so dass der Mann in der Welt der „turkeys“ in England  zum Public Enemy No.1 ausgerufen worden ist. Da man zu einem richtigen Weihnachtsessen auch ein entsprechendes Getränk braucht, gibt es bei Mr. Christmas täglich Champagner und Wein. Wie er einmal dem Bath Chronicle verriet, hat er dafür schon an die £300 000 ausgegeben. Ein durchschnittlicher Weihnachtstag kostet ihn rund £168.

Der Mann, der Weihnachten lebt wie kein anderer Mensch auf der Welt, hat immer wieder versucht, in der Welt der Medien Fuß zu fassen, zuletzt mit einem Song zur Fußballweltmeisterschaft „We’re Going to Win the World Cup„, mit dessen Aussage er aber gründlich daneben lag. Passender ist da schon sein Video „It’s Christmas Every Day“ mit einer durchaus eingängigen Melodie.
Wie so ein typischer Tag im Haus von Mr. Park aussieht, zeigt dieser Film.

Eine Mrs. Christmas gibt es übrigens nicht (mehr).
Außer Andy Park feiern die Bewohner der Kleinstadt Melksham natürlich auch Weihnachten, allerdings nur zu der dafür vorgesehenen Zeit. Hier ist ein Film über die Melksham Christmas Lights.

 

Published in: on 1. Dezember 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Exzentriker – John Ward, der Schöpfer des elektrischen BH-Wärmers

Bisher habe ich in meiner Reihe über englische Exzentriker nur bereits verstorbene Vertreter dieser „Zunft“ vorgestellt (bis auf eine Ausnahme), darum möchte ich heute einmal einen noch sehr lebendigen und kreativen Kopf präsentieren, der nicht nur exzentrisch, sondern auch noch sehr erfinderisch ist: John Ward aus Moulton Seas End in Lincolnshire. Allein schon der Name seines Wohnortes, ein kleines Dorf nordöstlich von Spalding, ist außergewöhnlich und eines Exzentrikers würdig.

John Ward hat schon so viele Erfindungen gemacht, dass man sie kaum noch zählen kann; allerdings sind davon noch keine groß herausgekommen und von der Industrie übernommen worden, vielleicht weil sie zu ungewöhnlich und nicht vermarktbar sind. Aber für den Mann aus Lincolnshire ist das offenbar auch nicht wichtig; ihm macht es einfach Spaß, ständig neue Dinge zu erfinden. Hier sind einige Beispiele:

– In der kalten Jahreszeit muss es für Damen doch eigentlich recht ungemütlich sein, morgens einen ausgekühlten BH anzulegen, dachte sich John Ward, und schaffte daher Abhilfe mit seinem elektrischen BH-Wärmer. Er zweckentfremdete einen Föhn und leitete die Warmluft in zwei faustgroße Plastikbälle, über die dann der BH gelegt wurde. Schon war das Problem des kalten BHs behoben.

– Aus einer defekten Waschmaschine baute Ward ein Elektroauto, das er mit einer 12-Volt-Autobatterie versah und hinten einen Einkaufswagen ankoppelte, womit man umweltschonend den nächsten Supermarkt ansteuern konnte.

– Aus einem der dreirädrigen Reliant Robins (ich berichtete schon einmal über diese Vehikel) bastelte der Mann ein winziges Feuerwehrauto mit Ausziehleiter, einem Wasservorrat von 50 Litern und einem Schlauch. Der Bau von „Freddie the Fire Engine“ zog sich über sechs Monate hin.

– Geradezu genial finde ich John Wards Erfindung „Adapta-Shoes„, das sind Schuhe, an deren Spitzen eine Vorrichtung angebracht ist, an der man z.B. eine Taschenlampe befestigen kann, wenn man im Dunklen unterwegs ist, oder einen Miniatur-Schneepflug im Winter oder eine sich drehende Bürste, die notfalls schon mal einen Staubsauger ersetzen kann.

– Mit dem mobilen Taufbecken wollte Ward Priestern das Leben leichter machen. Ein Thermostat sorgte für eine für das Baby angenehme Wassertemperatur und ein eingebauter Handtuchspender hielt jederzeit Trocknungsmöglichkeiten für Täufling und Priesterhände bereit.

– Für die Queen Mum entwickelte das Erfindergenie einmal einen Sitz aus rotem Samt, dessen Rückenlehne in Form einer Burg gestaltet war, von der aus man 21 Salutschüsse abfeuern konnte. Der Clou: Aus dem seitlich angebrachten Löwenkopf ließ sich per Knopfdruck Gin in ein Glas laufen.

Diese Liste könnte man noch lange fortsetzen. Ich finde John Ward in seinen Fernsehauftritten einfach sympathisch und nett. Exzentriker sind eben das Salz in der Suppe des täglichen Lebens!

In den 1980er Jahren unternahm er einmal einen Ausflug in die Politik (wie ich in „Lincolnshire Life“ lesen konnte), als er in Screaming Lord Sutchs Monster Raving Loony Party zum Minister für Erfindungen ernannt wurde. Damals schuf er den Manifesto Muncher, der Parteiprogramme anderer Parteien in Klopapierrollen verwandelte.

Hier ist eine kleine Auswahl an John Wards Erfindungen im Film zu sehen und hier ist einer seiner Fernsehauftritte.

Published in: on 16. August 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Englische Exzentriker – John Arscott of Tetcott (1719 – 1788)

Das Tetcott Manor House heute. This work is released into the public domain.

Das Tetcott Manor House heute.
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Tetcott ist ein kleiner Weiler in Devon, ein paar Kilometer südlich von Holsworthy, in dem einst die Arscott-Familie wohnte. 1603 erbaute Arthur Arscott das erste Manor House an der Stelle, an der das heutige noch steht. Der letzte der Familie, John Arscott (hier ist ein Foto von ihm), ist es aber, den ich hier vorstellen möchte und zwar auf Grund seiner ausgeprägten Exzentrik. Er wurde 1719 geboren und starb 1788 und verbrachte sein ganzes Leben hier im Manor House im ländlichen Devon.

John Arscott hielt sich wie im Mittelalter einen zwergenhaften Hofnarren namens Black John, dessen Aufgabe es war die Gäste des Hauses nach dem Abendessen zu unterhalten. Black John’s Spezialität war der  „Mäusetrick“, dabei verschluckte er eine lebende Maus, an deren Schwanz er einen Faden gebunden hatte. Nachdem die Maus in seinem Magen angekommen war, zog er sie an dem Faden wieder ans Tageslicht heraus, zum Gelächter und Amüsement der (vielleicht schon angetrunkenen) Gäste. Wie die Mäuse dieses Schauspiel fanden, ist nicht überliefert. Eine weitere Spezialität war das Rupfen eines Spatzen, wobei Black John die Beine eines lebenden Vogels in den Mund nahm und ihm nun mit den Zähnen nach und nach die Federn ausriss, bis der Spatz blank gerupft war. Bei der ganzen Prozedur waren die Hände des Hofnarren auf dem Rücken festgebunden.

John Arscott besaß auch eine Lieblingskröte, die er „Old Dawty“ getauft hatte. Jeden Morgen pfiff Mr. Arscott nach ihr, worauf  „Old Dawty“ erschien und liebevoll von ihm gefüttert wurde. Eines Tages wurde die Kröte von einem Gast mit einem Stock erschlagen, mit schlimmen Folgen (auch für den Gast). Erst stürzte sich der erboste Hofnarr auf ihn und prügelte auf ihn ein, dann wurde er von seinem Gastgeber vor die Tür gesetzt.

Das exzentrische Verhalten John Arscotts setzte sich auch bei seinen Besuchen in der Kirche Holy Cross fort. Bei den Predigten langweilte sich der Mann offenbar entsetzlich, denn während sich der Pfarrer auf der Kanzel abmühte, fütterte er die Spinnen in der Kirche mit Fliegen, die er in einem Glas mitgebracht hatte. Das mag ja noch angegangen sein, schlimmer war, dass er den Gottesmann mit Äpfeln bewarf, wenn er mit der Predigt nicht zufrieden war.

John Arscott wurde in der Arscott Chapel in Holy Cross auch beigesetzt, die Inschrift auf seiner Gedenktafel lautet etwas zweideutig:
Sacred to the Memory of
John Arscott
late of Tettcott in this Parish Esquire,
who died the 14th Day of January 1788
Aged 69
and whose Remains lie near this Place
What his character was need not here be recorded
The deep Impression
which his extensive Benevolence and Humanity
has left on the Minds of His Friends and Dependants
will be transmitted by Tradition
to late Posterity
.

Die Holy Cross Church in Tetcott. Das Manor House steht gleich dahinter. This work is released into the public domain.

Die Holy Cross Church in Tetcott. Das Manor House steht gleich dahinter.
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Published in: on 7. Juni 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Lord Berners und die bunt gefärbten Tauben von Faringdon House

Faringdon (Oxfordshire); im Hintergrund der Faringdon Tower.    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Faringdon (Oxfordshire); im Hintergrund der Faringdon Tower.
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In meinem Buchtipp „Eccentric Oxford“ von Benedict Le Vay erwähnte ich schon einmal den englischen Exzentriker Lord Berners (1883-1950), der mit vollem Namen Gerald Hugh Tyrwhitt-Wilson hieß, und der u.a. dadurch von sich reden machte, dass er den Spaniel seiner Mutter aus dem Fenster eines oberen Stockwerks warf und meinte, der Hund würde nun instinktiv fliegen lernen, nach dem Motto, “wenn man einen Hundewelpen ins Wasser wirft, lernt der instinktiv schwimmen”. Nun, der arme Hund lernte dabei das Fliegen leider nicht. Auf seinem Anwesen Faringdon House in Oxfordshire stellte Lord Berners Schilder auf mit den Aufschrift „Dogs will be shot; cats will be whipped„, was er aber natürlich nicht tat, denn er mochte eigentlich Hunde, zumindest Windhunde, die er mit diamantbesetzten Halsbändern herumlaufen ließ. Ob das die Tiere zu würdigen wussten?

1935 ließ er einen knapp 50 m hohen Turm nach seinen Vorstellungen bauen, den Faringdon Tower, der nach seinen eigenen Angaben „entirely useless“ war. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, vom Turm zu springen, um Selbstmord zu begehen, sorgte er vor und brachte ein Schild am Eingang an: „Members of the public committing suicide from this tower do so at their own risk„. Der exzentrische Lord liebte es, überall auf seinem Anwesen Schilder aufzustellen. So fanden sich in regelmäßigen Abständen an den das Grundstück umgebenden Mauern Hinweise mit dem Text „Anyone throwing stones at this notice will be prosecuted„.

Im Kofferraum seines Rolls Royce führte Gerald Tyrwhitt-Wilson stets ein kleines Klavier mit sich; man kann ja schließlich nie wissen, wozu das mal gut sein könnte. Apropos Klavier: Salvador Dali, der ebenfalls für seine Exzentrik bekannt war, stellte bei einem Besuch in Faringdon einmal einen Flügel in einem flachen Teich auf, platzierte auf alle schwarzen Tasten ein Schokoladenéclair und bat dann Lord Berners, etwas zu spielen.

This work has been released into the public domain

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Besonders faszinierend finde ich seine Idee, in Faringdon House buntgefärbte Tauben herumfliegen zu lassen. Für das Färben benutzte er Lebensmittelfarbe, damit es dem Gefieder der Tiere nicht schadete. Noch heute wird der Bernersche Brauch hier aufrechterhalten, indem man Regenbogenfarben-Tauben flattern lässt. Nachdem Lord Berners 1950 gestorben war, zog ein weiterer Exzentriker in das Haus in Oxfordshire ein, Robert „Mad Boy“ Heber-Percy. Der erließ kurz vor seinem Tode am 29. Oktober 1987 noch Anweisungen, dass die Tauben von Faringdon bei seiner Beerdigungsfeier schwarz und purpur eingefäbt sein sollten, was man dann auch tat.

Eine schöne Geschichte erzählt man sich auch von dem exzentrischen Lord, als er einmal Margaret Taylor, Gattin des Historikers A.J.P.Taylor, zu Besuch hatte. Als sie bereits gegangen war, fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, ihr das Ornament eines goldenen Hahnes zu zeigen; so rannte er hinter ihr her und rief „“Maggie, Maggie! Wait a moment! I do so want to show you my cock”…

 

Auf der Inschrift von Lord Berners Grabstein ist sein Leben kurz zusammengefasst:
Here lies Lord Berners
One of life’s learners
Thanks be to the Lord
He never was bored

Der Ort Faringdon liegt an der A420, die von Swindon nach Oxford führt; Faringdon House, das sich in Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann, an der A4095, der Radcot Road.

Das Buch zum Artikel:
Mark Amory: Lord Berners – The Last Eccentric. Faber&Faber 2008. 304 Seiten. ISBN 978-0571247653.

Der Faringdon Tower.    © Copyright Des Blenkinsopp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Faringdon Tower.
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Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 13. Mai 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Englische Exzentriker – Countess Emma Edgcumbe und das glückliche Schwein Cupid

The Countess of Edgcumbe.  National Portrait Gallery. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

The Countess of Edgcumbe (probably by James Gillray).
Copyright: National Portrait Gallery.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

Schweine führen meist ein trauriges Leben; fast alle landen sie als Schnitzel oder als Wurst auf den Tellern der Menschen, die das Fleisch der Sus scrofa domestica, wie die Paarhufer auf Lateinisch heißen, mitleidlos verzehren.
Doch gibt es auch hin und wieder Vertreter ihrer Artgenossen, die sehr wohl auf ein glückliches Leben zurückschauen können, auf ein Leben, das von Liebe und Luxus geprägt war. Cupid war eines dieser „Glücksschweine“, das Emma Gilbert, der Tochter des Erzbischofs von York gehörte, die im 17. Jahrhundert mit George Edgcumbe, dem ersten Earl of Mount Edgcumbe verheiratet war. Die Countess und ihr Schwein wohnten in Cornwall auf der Rame Halbinsel im Mount Edgcumbe House, das Freunden der Rosamunde Pilcher-Filme sicher bekannt sein dürfte, denn das ZDF war hier mehrfach zu Gast.

Die Dame des Hauses und ihr Schwein Cupid waren unzertrennlich; beide nahmen ihre Mahlzeiten gemeinsam am Tisch ein, Cupid folgte seiner Herrin auf Schritt und Tritt durch das weitläufige Haus und wurde sogar auf Reisen nach London mitgenommen. Was Emmas Ehemann, der Earl, von der ganzen Sache hielt, konnte ich leider nicht ermitteln. Vielleicht war ja Cupid so etwas wie ein Ersatz für ihn, denn der Earl war ein vielbeschäftigter Mann… aber das ist reine Spekulation.

Die Trauer war groß bei der Countess, als Cupid 1768 das Zeitliche segnete; ein „neues“ Schwein legte sie sich nicht zu, aber sie wollte ihrem treuen Gefährten denn doch ein würdiges Andenken bewahren, indem sie ihm auf dem Anwesen von Mount Edgcumbe einen 17 Meter hohen Obelisken errichtete, unter dem Cupid wie es hieß in einem goldenen Sarg ruhte. Sogar König George III und Queen Charlotte sollen dem pompösen Grab einen Besuch abgestattet haben!

Ein Dichter schrieb die tröstenden Zeilen:
Oh dry those tears so round and big
Nor waste in sight your precious wind
Death only takes a little pig
Your Lord and Son are still behind.

Als man den Obelisken später an die heutige Stelle versetzte, fand man allerdings keinen goldenen Sarg. War das alles nur erfunden? Ruhten Cupids Gebeine ganz woanders? Ein Rätsel, das man wohl nicht mehr lösen wird. Das Monument findet man auf einem Hügel hinter dem Gasthof Edgcumbe Arms in dem kleinen Dorf Cremyll. Von hier aus hat meinen einen tollen Blick auf die gegenüberliegende Stadt Plymouth.
Das Mount Edgcumbe House und die Gärten sind meist in der Zeit von April bis September zur Besichtigung freigegeben; dieser Film gibt einen ersten Eindruck. Ein Besuch hier lohnt sich auf jeden Fall!

Mount Edgcumbe House.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mount Edgcumbe House.
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Published in: on 20. März 2014 at 02:00  Comments (2)  

Englische Exzentriker – Robert „Romeo“ Coates (1772-1848): Schlechtester Schauspieler aller Zeiten?

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Robert Coates (1772-1848) stammte aus einer wohlhabenden Familie, die durch Zuckeranbau in der Karibik zu Reichtum gekommen war. Geld war für ihn also kein Thema und damit erkaufte er sich die Möglichkeit, seiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung nachzugehen, dem Theaterspielen. Er hatte nie eine Schauspielschule besucht, war aber der Meinung, dass er genug Talent hatte, auch große Shakespeare-Rollen absolvieren zu können. Wenn die Theatermanager Zweifel an seinen Fähigkeiten hatten, half er mit Geld nach und das funktionierte meistens.

Am liebsten spielte Robert Coates die Rolle des Romeo in Shakespeares „Romeo und Julia“, mit Erfolg, aber nicht so wie es sich die Verantwortlichen der Theater vorgestellt hatten. Sein Debut gab Coates am 9. Februar 1809 am Theatre Royal in Bath, wo seine Interpretation des jungen Veronesers Lachsalven im Publikum hervorrief, das sich köstlich über die Tragödie amüsierte. Der Höhepunkt jeder Aufführung war Romeos Todesszene im fünften Akt. Bevor er sich zum Sterben niederlegte, wischte er mit seinem Taschentuch erst einmal den Bühnenboden sauber, damit sein extravagantes Kostüm nicht beschmutzt wurde, und dann starb Romeo so hingebungsvoll, dass die Zuschauer das unbedingt noch einmal sehen wollten. Coates erfüllte den Wunsch gern und wiederholte die Szene noch einige Male. Manchmal vergaß Coates auch Textpassagen und improvisierte dann einfach und erfand neue Szenarien, sehr zum Verdruss der anderen Darsteller, denen das außerordentlich peinlich war und am liebsten im Boden versunken wären. Erspähte  Coates im Zuschauerraum ein bekanntes Gesicht, hatte er kein Problem damit, kurz seinen Text zu unterbrechen und den Bekannten zu begrüßen.

Als er im Londoner Haymarket Theater einmal den Lothario in Nicholas Rowes „The Fair Penitent“ spielte, wollten das so viele Menschen sehen, dass Tausende wieder weggeschickt werden mussten, da die Aufführung komplett ausgebucht war. Schön ist auch die Geschichte von einer „Performance“ des Schauspielers in einem Theater in Richmond (Surrey); an dem Tag war er offensichtlich in Hochform, denn einige Zuschauer erlitten so starke Lachanfälle, dass sie ärztlich behanelt werden mussten.

Auch außerhalb der Welt des Theaters führte Coates ein exzentrisches Leben. So ließ er sich in einer von zwei weißen Pferden gezogenen Kutsche durch London fahren, die die Form einer Muschel hatte. An der Kutsche war das Familienwappen angebracht, ein krähender Hahn über dem das Motto „While I Live, I’ll Crow“ stand.

Selbst Robert Coates‘ Tod war recht ungewöhnlich: Als er am 15. Februar das Londoner Theatre Royal, Drury Lane nach einer Aufführung verließ, geriet er zwischen zwei Kutschen und wurde dabei so schwer verletzt, dass er sechs Tage später starb. Der Kensal Green Cemetery im Westen Londons wurde zu seiner letzten Ruhestätte.

Das Theatre Royal in Bath; hier bekann die "Karriere" des Robert Coates als Schauspieler.    © Copyright Neil Owen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Theatre Royal in Bath; hier begann die „Karriere“ des Robert Coates als Schauspieler…
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...und hier endete sie, vor dem Theatre Royal, Drury Lane in London.    © Copyright Sue Adair and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier endete sie, vor dem Theatre Royal, Drury Lane in London.
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Published in: on 12. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Charles Waterton (1782-1865)

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Charles Waterton war ein englischer Naturforscher, der 1782 auf dem Familiensitz Walton Hall bei Wakefield in West Yorkshire geboren wurde und dort auch 1865 an den Folgen eines Sturzes starb.
Waterton reiste gern durch Südamerika, wo er sich besonders für die Tierwelt interessierte. Einige der Tiere, die er dort im Urwald antraf, stopfte er aus und stellte sie in Walton Hall zur Schau. Häufig „bastelte“ er Körperteile von unterschiedlichen Tieren zusammen, so dass daraus neue Schöpfungen entstanden. Ein besonders bizarres Geschöpf war The Nondescript, das er aus der Haut eines Brüllaffen gestaltete und das menschliche Züge trug (heute im Wakefield Museum zu bestaunen).

Watertons Gäste auf Walton Hall wurde es nie langweilig, wenn sie den exzentrischen Mann besuchten. Schon die Türklopfer an der Eingangstür waren absonderlich; beide bestanden aus menschlichen Gesichtern, wobei das grinsende Gesicht nicht funktionierte, nur mit dem verdrießlich dreinblickenden Gesicht konnte man klopfen und auf sich aufmerksam machen. Nachdem man sich nun Zutritt verschafft hatte, konnte es passieren, dass einem der Hausherr auf allen Vieren entgegenkam und einem wie ein Hund ins Bein biss. Das war Humor à la Waterton. Nach einem ausgiebigen Abendessen soll er einmal, nachdem der Tisch gerade abgeräumt worden war, vor seinen entsetzten Gästen einen Gorilla seziert haben.

Nachdem Watertons Frau Anne kurz nach der Geburt ihres Sohnes im Alter von nur 18 Jahren gestorben war, schlief er nie wieder in seinem Bett, sondern in einen Mantel gehüllt davor auf dem Boden, wobei ein Holzklotz als Kopfkissen diente. Sein Frühstück bestand aus trockenem Toastbrot, das er mit etwas Kresse garnierte.

Um sein Anwesen ließ Charles Waterton eine drei Meter hohe Mauer bauen und legte eine Art Naturschutzgebiet an. Trotz seiner Exzentrik war er einer der ersten, der sich intensiv um die Umwelt kümmerte. Bei seiner Beerdigung soll ein Vogelschwarm dem Sarg gefolgt sein, der zwischen zwei Eichen im Park von Walton Hall in die Erde gelassen wurde.

Walton Hall ist heute Teil des Waterton Park Hotels geworden und liegt auf einer Insel mitten auf einem See.

Walton Hall.    © Copyright Pauline Eccles and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Walton Hall.
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Published in: on 6. Februar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Lieutenant-Colonel John „Mad Jack“ Churchill (1906-1996)

 This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

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Man muss schon recht exzentrisch veranlagt sein, wenn man in einem Krieg im 20. Jahrhundert seine Gegner mit Pfeil und Bogen erlegen will. Genau das tat nämlich ein gewisser John Malcolm Thorpe Fleming Churchill, auch Mad Jack genannt. Er zog in den Zweiten Weltkrieg, bewaffnet mit eben diesem Bogen, mit Pfeilen und einem Schwert, er trug einen Kilt und spielte bei jeder sich bietenden Gelegenheit Dudelsack (Mad Jack war aber kein Schotte!). John Churchills Leitspruch war: „Any officer who goes into action without his sword is improperly armed„, ein Leitspruch, dem außer ihm wohl niemand anderes folgte.

So exzentrisch Mad Jack auch war, so erfolgreich war er auch, denn seine militärische Karriere führte ihn bis zum Dienstgrad eines Lieutenant-Colonels (Oberstleutnant); er erhielt den Orden DSO (Distinguished Service Order) und das Military Cross. Eingesetzt wurde John Churchill (der nicht mit Sir Winston verwandt war) in Frankreich, in Norwegen, in Italien und in Jugoslawien; sein Dudelsack war immer dabei, ja, er spielte das Instrument sogar bei Angriffen auf den Gegner und in brenzligen Situationen.  Als er in Jugoslawien von den Deutschen gefangengenommen wurde, schrieb er nach zwei Tagen einen Brief an den Kommandanten, bedankte sich für die faire Behandlung und lud ihn zu einem Abendessen ein, falls er nach dem Krieg einmal nach England kommen sollte.

Nachdem Churchill mehrfach aus Gefangenenlagern ausgebrochen war, schickte man ihn nach Indien, zur Vorbereitung auf eine mögliche Invasion Japans; doch der Krieg endete, sehr zum Verdruss des Oberstleutnants. Dabei soll er gesagt haben: „Hätten die verdammten Yankees nicht eingegriffen, hätten wir den Krieg problemlos noch zehn Jahre weiterführen können„. Mad Jacks Wunsch war, auf dem Schlachtfeld zu fallen und, in den Union Jack eingehüllt, begraben zu werden.

Doch dazu kam es nun einmal nicht, aber Churchill blieb bis zu seiner Pensionierung weiterhin bei der Armee. Im späteren Zivilleben ging er seinen Hobbies nach, er baute ferngesteuerte Modellschiffe und kaufte Themse-Dampfer, die er komplett renovierte und auf der Strecke Richmond-Oxford verkehren ließ.

Auch in seinem späteren Leben zeigte sich Churchill gern als Exzentriker. So pendelte er beruflich eine Zeit lang mit der Bahn zwischen London und seinem Wohnort hin und her; kurz bevor er aussteigen musste, machte er das Fenster des Eisenbahnwagens auf, warf zum Erstaunen der anderen Mitfahrer seine Aktentasche in hohem Bogen hinaus und setzte sich wieder hin. Der Grund dieser Aktion: Churchill fuhr in diesem Augenblick gerade an der Rückseite seines Gartens vorbei und hatte keine Lust, seine Aktentasche vom Bahnhof nach Hause zu tragen. Ich liebe diese Exzentriker!!

"Mad Jack" im Einsatz, ganz rechts mit dem Schwert in der Hand.  This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

„Mad Jack“ im Einsatz, ganz rechts mit dem Schwert in der Hand.
This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

Published in: on 14. Juli 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Stephen Gough – The Naked Rambler

Hartnäckig ist er ja, der 54 jährige, in Eastleigh (Hampshire) geborene Stephen Gough, und er lässt sich von den britischen Behörden absolut nicht einschüchtern, denn er hat eine Leidenschaft, die der Polizei und den Gerichten nicht gefällt: Er bewegt sich am liebsten nackt in der Öffentlichkeit. Mehrfach schon hat er die Strecke Land’s End – John O’Groats nackt erwandert, mal allein, mal mit seiner (ebenfalls nackten) Freundin Melanie Roberts und stieß dabei ständig auf den Widerstand der Behörden, die ihn immer wieder verhafteten und einsperrten. Doch davon ließ sich Stephen Gough, der inzwischen im ganzen Land als The Naked Rambler (hier ist ein Film über ihn) bekannt ist, nicht stören. Er trat sogar bei seinen Gerichtsverhandlungen nackt vor die Richter und wurde daraufhin wegen Missachtung des Gerichts zu weiteren Strafen verurteilt. Viele Male verließ er das Gefängnis in nacktem Zustand, woraufhin er sofort wieder in Gewahrsam genommen wurde.

Dieses Katz und Maus-Spiel zieht sich nun schon viele Jahre hin, aber Stephen Gough lässt sich einfach nicht unterkriegen; er besteht darauf, nackt durch die Welt laufen zu wollen. Die Gerichtsverfahren und Gefängnisaufenthalte haben den britischen Steuerzahler mittlerweile schon mehrere hunderttausend Pfund Sterling gekostet.

Der Mann aus Eastleigh in Hampshire ist inzwischen zu einem Held der Nudistenbewegung im In- und Ausland geworden. „Die Briten hatten stets eine Schwäche für Exzentriker. Eine liberale Gesellschaft muss die Marotten Einzelner aushalten können, dieses Gebot ist Teil des nationalen Selbstverständnisses. Doch stellt Gough die Toleranz seiner Landsleute auf eine harte Probe“ meint der SPIEGEL. „There’s nothing about me as a human being that is indecent or alarming or offensive“ sagte Gough einmal vor Gericht. Recht hat er!! Das viele Geld, das die Gerichtsverfahren gekostet haben, hätte  man sinnvoller für wichtigere Dinge ausgeben können.
Die Reaktionen seiner Landsleute, die ihm auf seinen Nacktwanderungen begegnen, sind unterschiedlich. Manche beschimpfen ihn, manche ermutigen ihn, im Kampf gegen das System weiterzumachen.

Hier ist ein Song über den Naked Rambler von Sally Ironmonger.

Published in: on 30. März 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – David Long: The English Country House Eccentrics

Eigenes Foto.

In diesem Jahr erschien ein hübsch gestaltetes, kleines Buch im Verlag The History Press, der in Stroud in Gloucestershire seinen Sitz hat: David Longs „The English Country House Eccentrics“. Auf 158 Seiten beschäftigt sich der Autor mit englischen Exzentrikern in Verbindung mit ihren Landsitzen. In seinen bisherigen Büchern befasste sich David Long hauptsächlich mit Besonderheiten der britischen Hauptstadt wie z.B. in „Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places“ oder „When Did Big Ben First Bong?“. In diesem neuen Buch begibt er sich in die Provinz und stöbert so allerhand skurrile und witzige Personen auf.

Den einen oder anderen Exzentriker habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie John „Mad Jack“ Fuller oder Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck.
David Long präsentiert in seinem Buch noch viele andere Exemplare dieser typisch englischen Spezies.

Da ist z.B. John Mytton (1796-1834) von Halston Hall bei Oswestry in Shropshire, der für Shrewsbury ins Parlament zog, es dort aber so langweilig fand, dass er schon nach wenigen Tagen London verließ und nie wieder ins Parlament zurückkehrte. Stattdessen widmete er sich mit Vorliebe dem Alkohol (er trank am Tag sechs bis acht Flaschen Portwein), dem Wetten und dem Shoppen (er soll 700 Paar Reitstiefel und 1000 Hüte besessen haben).

Charles Seymour, der 6. Duke of Somerset (1662-1748), der im Petworth House in West Sussex residierte, war ein Snob erster Güte und dermaßen von sich eingenommen, dass er sich weigerte, mit anderen Menschen zu sprechen, die nicht seines Standes waren und das bezog sich selbst auf seine Kinder. Als eine seiner Töchter einmal die Frechheit besaß, sich in seiner Gegenwart hinzusetzen, wurde sie sofort enterbt (das Erbe hätte einer Summe von ca 20 bis 30 Millionen Pfund entsprochen).

Sir Tatton Sykes (1826-1913) vom Sledmere House bei Driffield in East Yorkshire verließ sein Anwesen nie, ohne dass er mehrere Mäntel und Hosen übereinander trug. Wenn im Laufe des Tages die Temperatur anstieg, schälte er sich nach und nach aus den Kleidungsstücken, denn er war der Meinung, dass eine stets gleichbleibende Körpertemperatur seiner Gesundheit zuträglich war. Da er keine Lust hatte, die ausgezogenen Mäntel und Hosen selbst nach Hause zu tragen, hatte er mit der Dorfjugend ein Abkommen geschlossen, dass sie die Kleidung wieder im Herrenhaus ablieferte, und jeder, der das tat, bekam dafür einen Schilling und eine warme Mahlzeit.

Es gibt noch viele weitere herrliche Geschichten über exzentrische Persönlichkeiten in diesem Buch, das ich jedem empfehlen kann, der einen Nerv für skurrile Adlige hat.

David Long:  The English Country House Eccentrics. The History Press 2012. 158 Seiten. ISBN 978-0752467313.

Petworth House (West Sussex). Residenz von Charles Seymour.
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Sledmere House (East Yorkshire). Hier wohnte Sir Tatton Sykes.
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Published in: on 13. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  

John Alington – The Mad Vicar of Old Letchworth

Letchworth Hall – heute ein Hotel.
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Ich habe einen Nerv für englische Exzentriker, besonders mag ich John Alington, der von 1795 bis 1863 lebte. Der „Mad Vicar“ lebte auf Letchworth Hall, einem Herrenhaus, heute ein Hotel, in Hertfordshire.

Reverend John Alington (1795 – 1863) hatte das große Anwesen und ca 40 Farmen in der Umgebung geerbt, war also ein sehr wohlhabender Mann. Irgendwie ist ihm sein Reichtum zu Kopf gestiegen und er entwickelte merkwürdige Charakterzüge. Nachdem er sich mit dem örtlichen Vikar, Rev. Samuel Knapp, überworfen hatte, hielt er einfach eigene Gottesdienste in seinem Haus ab, die sehr eigenartig abliefen. Erst einmal liefen die Schäfchen der Gemeinde fast alle zu ihm über, da sie als Bauern in John Alingtons Lohn und Brot standen (wes Brot ich ess…) und bei dessen Gottesdiensten war erheblich mehr Action als bei Samuel Knapp. Das Lieblingsthema bei Alingtons Predigten war die freie Liebe, und er ermutigte seine Gemeindemitglieder durchaus diese draußen im Gras auch zu praktizieren.
Gern kleidete sich der exzentrische Vikar auch beim Gottesdienst in ein Leopardenfell und fuhr auf einem Laufrad durch den Andachtsraum.

Musik gab es auch, aber keine Kirchenmusik, und der mittlerweile in Fahrt gekommene Prediger sprang von einer seiner beiden Kanzeln zur anderen und trug dabei Liebesgedichte und zweifelhafte Geschichten vor. Anschließend gab es Freibier und Frei-Brandy. Ist es da verwunderlich, dass Alingtons „Kirche“ brummte und die von Samuel Knapp leer blieb? 1858 warf Rev. Knapp das Handtuch und gab auf, was Rev. Alington veranlasste, dafür einen Dankgottesdienst abzuhalten.

Alington war seinen Untertanen stets ein guter Arbeitgeber. Wenn sie einmal keine Arbeit hatten, beschäftigte er sie damit, auf den Feldern Gruben auszuheben und sie anschließend wieder aufzufüllen… und er bezahlte sie dafür.

Einige Jahr bevor er starb, hatte er einen Sarg gekauft, in dem er sich durch seinen Garten tragen ließ, als „Probelauf“ für seine einstige Beerdigung. 1863 erkrankte er, fand die Medizin, die man ihm verschrieb, als ekelhaft, trank stattdessen ein großes Glas Brandy, seufzte und verstarb…

In diesem Sarg wurde der „Mad Vicar of Old Letchworth“ denn auch begraben. Irgendwie schade, dass es solche exzentrischen Persönlichkeiten immer weniger gibt.

Die Great Hall, in der die „Gottesdienste“ seinerzeit abgehalten wurden, ist heute Teil des Letchworth Hall Hotels in Letchworth Garden City in Hertfordshire, nördlich von London.

St. Mary’s Church in Letchworth – Hier versuchte Rev. Knapp gegen seinen Widersacher, John Alington, zu bestehen, ohne Erfolg.
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Published in: on 9. September 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Exzentriker: Sir George Reresby Sitwell, 4th Baronet

Sir George mit Frau und Kindern, gemalt von John Singer Sargent. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Sir George Reresby Sitwell, 4th Baronet (1860 – 1943) war ein Exzentriker par excellence. Er wohnte einen großen Teil seines Lebens auf dem Familiensitz Renishaw Hall in Derbyshire, der 1625 von einem seiner Vorfahren erbaut wurde und noch heute im Besitz der Familie ist.
Sir George war eine Zeit lang Parlamentsmitglied, schrieb viele Bücher, die nie veröffentlicht wurden und war schlichtweg ein komischer Kauz. So reiste er stets mit einem großen Vorrat an Medikamenten, alle fein säuberlich etikettiert, aber mit dem falschen Namen darauf. Sollte ihm jemand einmal seine Medikamente entwenden, so würde das dem Dieb nicht gut bekommen.

Die Schulgebühren für das Eton College, das sein Sohn Osbert besuchte, wollte Sir George mit Naturalien bezahlen, mit Schweinen und Kartoffeln von seinem Landsitz, worauf sich die College-Oberen aber nicht einließen.

Der Exzentriker von Renishaw Hall erfand auch so einige Dinge, die das Leben leichter machten, z.B. eine musikalische Zahnbürste, die das Lied „Annie Laurie“ spielte und einen Miniaturrevolver mit dem man Wespen abschießen konnte. In einem Buch mit dem Titel „My Inventions“ fasste er alle seine Erfindungen zusammen.
Gäste, die ihn auf Renishaw Hall besuchten, erhielten gleich am Anfang eine Verhaltensregel mitgeteilt: „never to contradict me in any way as it interferes with the functioning of the gastric juices and prevents my sleeping at night„. So wussten alle gleich Bescheid wie sie sich ihrem Gastgeber gegenüber verhalten sollten.

Am liebsten vergrub sich Sir George in einem seiner vielen Arbeitszimmer und schrieb Bücher über etwas abwegige Themen wie „The History of the Fork“, „The Use of the Beds“, „Errors of Modern Parents“ und „Acorns as an Article of Medieval Diet“. So viel Mühe und Arbeit er auch darauf verwendete, keines wurde veröffentlicht.

Auch als Sir George Reresby Sitwell seinen Wohnsitz später nach Italien verlegte, setzte er seine Exzentritäten dort fort. Wenn ihn seine Familie in seinem mittelalterlichen Castello besuchte, bekam sie keinen Wein vorgesetzt, sondern abgekochtes kaltes Wasser. Sein Landverwalter wurde von ihm angehalten, Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden, die man zuletzt im 14. Jahrhundert benutzt hatte.

Sir George war der Vater von drei Kindern, die später selbst einmal die Schriftsteller-Laufbahn ergreifen sollten:
Edith Sitwell , die auch ein Buch über Exzentriker schrieb: „English Eccentrics“ (dt. „Englische Exzentriker“)
Sir Osbert Sitwell
Sir Sacheverell Sitwell

Renishaw Hall und seine Gärten im Nordosten von Derbyshire sind heute zu besichtigen, das Haus allerdings nur mit geführten Touren. Geöffnet ist Renishaw Hall in diesem Jahr vom 30. März bis zum 30. September.

Das Buch zum Artikel:
John Pearson: The Sitwells – A Family’s Biography. Harcourt Brace Jovanovich 1979. 534 Seiten. ISBN 978-0151827039. Das Buch ist vergriffen, aber problemlos antiquarisch zu erhalten.

Renishaw Hall in Derbyshire.
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Published in: on 8. August 2012 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Benedict le Vay: Eccentric Oxford

 

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Neulich brachte ich mir aus der Oxforder Großbuchhandlung Waterstones ein weiteres Buch des Spezialisten für alles Exzentrische, Benedict le Vay, mit dem Titel „Eccentric Oxford“, mit. Sein „Eccentric Britain“ stellte ich vor einiger Zeit hier schon einmal vor.

Die Bücher le Vays machen einfach Spaß. Mit trockenem Humor nimmt er sich hier der  zahlreichen exzentrischen Persönlichkeiten Oxfords an, stellt die exzentrischen Colleges (es sind wohl ziemlich alle vertreten) und Kirchen vor und weist bei Rundgängen durch die Stadt auf die vielen skurrilen und eigenartigen Dinge hin, die man hier überall antrifft.

Le Vay macht uns in seinem Buch u.a. mit dem exzentrischsten aller Exzentriker, mit Gerald Tyrwhitt-Wilson, dem 14. Baron Berners (1882- 1950) bekannt, der z.B. nach dem Motto, „wenn man einen Hundewelpen ins Wasser wirft, lernt der instinktiv schwimmen“ das gleiche mit dem Spaniel seiner Mutter versuchte, indem er ihn aus dem Fenster eines oberen Stockwerks warf und meinte, der Hund würde nun instinktiv fliegen lernen…  Lord Berners betätigte sich u.a. auch als Komponist. Hier eine kleine Kostprobe, sein berühmter „Goldfisch“ aus dem Jahr 1919: „Le Poisson d’Or„.

Reverend Tatham vom Lincoln College war dafür berüchtigt, dass er in der Kirche St Mary the Virgin endlos lange, bis zu drei Stunden dauernde langweilige Predigten hielt. Nach und nach schlichen sich während dieser Sermone die Studenten und Professoren aus der Kirche; einmal blieb nur ein einziger Zuhörer sitzen, seltsam bewegungslos. Er war während der Predigt gestorben.

Wer in Oxford exzentrisch wohnen möchte, dem empfiehlt le Vay das Hotel Malmaison in der New Road, ein ehemaliges Gefängnis, dessen Zellen in Hotelzimmer umgewandelt wurden. „No bars, except the one you drink from, and cell phones in the rooms, no doubt“.

Ein Lesevergnügen!

Benedict le Vay: Eccentric Oxford. Bradt Travel Guides 2011. 304 Seiten. ISBN 978-1841624266.

Früher Gefängnis, heute Hotel: The Malmaison. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Terry Bean

Published in: on 31. Mai 2012 at 02:00  Comments (1)  

Knill’s Monument bei St Ives (Cornwall) – Ein Folly eines Exzentrikers

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Der Herzenswunsch des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt St Ives an der Nordküste Cornwalls namens John Knill (1733-1811) war es, in einem von ihm selbst entworfenen Mausoleum oberhalb des Ortes für alle Zeiten beigesetzt zu werden. So baute er 1782 auf dem Worvas Hill in der Nähe der Carbis Bay eine 15m hohe dreieckige Pyramide… und dann kam alles anders, als es der leicht exzentrische Knill geplant hatte. Er starb 1811 in London und wurde auch dort beerdigt, auf dem Holborn Cemetery. Gut, dass er das zu seinen Lebzeiten nicht gewusst hat! So blickt auch heute noch Knill’s Monument auf die schöne Landschaft Cornwalls herab.

In seinem Testament stellte Knill Geld für den Unterhalt seines Mausoleums zur Verfügung und auch £25 für eine merkwürdige Zeremonie, die erstmals 1801 in seiner Anwesenheit durchgeführt wurde und die alle 5 Jahre wiederholt wird.
Jeweils  am 25. Juli müssen 10 Mädchen, alle 10 Jahre alt und weiß gekleidet, zum Monument gehen, begleitet von zwei Witwen, einem Geistlichen, einem Geigenspieler, dem Bürgermeister von St Ives und einem Zollbeamten. Dort singen sie alle den 100. Psalm und anschließend tanzen die Mädchen zu den Klängen des Geigenspielers eine Viertelstunde um das Monument. Für diese Bemühungen werden die Teilnehmer der Zeremonie von den hinterlassenen £25 (nicht gerade fürstlich) entlohnt; d.h. £15 entfallen auf die Mädchen, Witwen usw. und £10 ist für ein Abendessen vorgesehen, das Bürgermeister, Geistlicher und Zollbeamter zu sich nehmen, wozu sich jeder zwei Gäste aussuchen darf. Schauplatz des Abendessens: Der George and Dragon Inn in St Ives. Wie weit das Geld für die neun Esser reicht ist mir nicht bekannt, aber vielleicht gelingt es ja dem George and Dragon für ca £1 pro Person ein schmackhaftes Essen zu zaubern.
Die nächste Zeremonie findet am 25 Juli 2016 statt.

Der Roman „The Sign of the Triangle“ von Joseph Hocking (1860-1937) spielt übrigens am Knill’s Monument.

Hier ist ein kurzer Filmclip von der Zeremonie und hier vom Monument.

John Elwes – Der König der Londoner Geizhälse und Exzentriker

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John Elwes wurde 1714 in eine Familie hineingeboren, die schon damals in Londoner Kreisen als extrem geizig galt, obwohl die Bankkonten gut gefüllt waren.
Seine wohlhabende Mutter soll an Unterernährung gestorben sein und sein ebenfalls gut betuchter Onkel sass oft abends vor dem Kamin, in dem lediglich ein Stückchen Holz brannte, und er ging dann im Dunkeln in sein Schlafgemach, um die Kosten für eine Kerze zu sparen.

Kein Wunder also, dass auch John Elwes auf diese Linie einschwenkte und sparte, was das Zeug hielt. Hier einige Beispiele:

– Er weigerte sich, dass seine Söhne eine gute Ausbildung erhielten, weil die ja dann auf die Idee hätten kommen können, Geld auszugeben, statt es zu behalten.

– Selbst bei scheußlichstem Wetter ging Elwes von einem Ende Londons zum anderen, damit er nicht ein paar Pennies für eine Kutsche ausgeben musste.

– Er soll angeblich eine Perücke getragen haben, die ein Bettler weggeworfen hatte und einen Mantel, der schon vor lauter Abnutzung schimmelgrün geworden war und den früher einmal ein Angehöriger dazu verwendet hatte, um ein Loch in der Wand zu stopfen.

– Wenn er London einmal verließ, nahm er immer ein oder zwei gekochte Eier mit, um nicht einkehren zu müssen, und er schlief dann immer im Freien unter einer Hecke. In einem Gasthof zu übernachten, kam für John Elwes nicht in Frage. Sein Pferd ließ er immer auf dem Gras neben der Straße laufen, damit die Hufeisen nicht so schnell abgenutzt wurden.

– John Elwes besaß mehrere Häuser in London und auch ein Anwesen in Suffolk, die er aber nicht möblierte; stattdessen nahm er immer ein paar Kleinmöbel mit, wenn er die Häuser aufsuchte.
Man könnte diese Liste seiner exzentrischen Handlungen noch lange fortführen. Zum Abschluss sei noch gesagt, dass als Elwes auf dem Sterbebett lag und er zusammen mit seinem Anwalt sein Testament aufsetzte, auch noch gespart wurde, denn der Anwalt durfte das Schriftstück nicht bei Kerzenschein aufsetzen, sondern musste sich mit dem schwachen Licht, das das Kaminfeuer warf, zufriedengeben.

Zehn Jahre war der Londoner Exzentriker und Ober-Geizhals Mitglied des Parlaments für Berkshire, und als er 1789 starb, hinterließ er seinen beiden unehelichen Söhnen und seinem Neffen £800,000, was einem heutigen Wert von £28,000,000 entspricht. Elwes kam mit rund £50 jährlich aus. Ich kann mir vorstellen, dass die Erben nachträglich keine Probleme mit dem Lebenswandel des lieben John hatten.

Als Charles Dickens 1843 „A Christmas Carol“ schrieb, soll John Elwes Pate für die Figur des Ebenezer Scrooge gestanden haben.

Das Buch zum Artikel:
Edward Topham & James Ridgway: The Life of the Late John Elwes, Esquire; Member in Three Successive Parliaments for Berkshire. BiblioBazaar 2010. 116 Seiten. ISBN 978-1140596066.

St John the Baptist in Stoke-by-Clare (Suffolk). Hier vor dem Altar liegt John Elwes begraben. - © Copyright Keith Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 4. Oktober 2011 at 02:00  Comments (1)  
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Stanley Green – Londoner Original und Exzentriker, der gegen die fleischliche Lust kämpfte.

Author: Sean Hickin. This work is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 License.

Author: Sean Hickin.
This work is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 License.

Stanley Green (1915 – 1993) war 25 Jahre lang ein Mann, ohne den man sich die Londoner Oxford Street kaum vorstellen konnte. Diese Straße war nämlich sein Arbeitsplatz, auf der er tagaus, tagein langmarschierte und sein Anliegen vorbrachte, das ihn sein Leben lang beschäftigte: Der Verzicht auf Protein.
Auf einer großen Tafel, die er inmitten der vielen Menschen auf der Londoner Shopping-Meile hochhielt, stand:
Weniger Lust durch weniger Protein: Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Käse, Erbsen, Bohnen, Nüsse„.

Der „Protein-Mann“ sah in der „fleischlichen Lust“ hier ist nicht das Essen gemeint!) das Grundübel der Menschheit. Enthaltsamkeit bis zur Hochzeit forderte er und das wäre viel leichter zu erreichen, wenn man auf proteinhaltige Nahrungsmittel ganz oder zumindest teilweise verzichtet.

Er kam mit dieser Forderung natürlich nicht bei allen Menschen gut an, so zog er sich den Zorn so mancher jungen Dame zu, die er belehrte „In Deiner Hochzeitsnacht wird es zu spät sein, Deinen Mann davon zu überzeugen, dass Du noch Jungfrau bist, obwohl das nicht mehr zutrifft„.

Stanley Green verkaufte auf seiner „Oxford-Street-Missions-Tour“ auch eine kleine Broschüre, in der er die Vorzüge des Verzichts auf proteinreiche Nahrung noch einmal erläuterte. „Eight Passion Proteins with Care„, so der Titel der Broschüre, die er selbst herstellte, verkaufte sich innerhalb von 20 Jahren 87 000mal.

Der „Protein-Mann“ schaffte es sogar in das renommierte „Oxford Dictionary of National Biography„, in dem ein Eintrag über ihn zu finden ist. Nach seinem Ableben erschienen in einigen großen englischen Tageszeitungen Nachrufe auf ihn.
Was wäre England ohne seine mal mehr, mal weniger liebenswerten Exzentriker!

Published in: on 24. Juni 2011 at 04:00  Comments (1)  
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Snowy Farr – Ein Exzentriker und Ordensträger aus Cambridge

Snowy Farr war über viele Jahre lang eine Figur, die aus dem Straßenbild von Cambridge nicht wegzudenken war. Er trug meist recht abenteuerliche Kleidung, oft farbenprächtige Uniformen mit exzentrischen Hüten auf denen sich Mäuse tummelten; aber auch Katzen und Hunde gehörten zu seiner Entourage. Snowy Farr, der am 8. März 2007 im Alter von 88 Jahren starb war ein Exzentriker par excellence, ein liebenswerter Mensch und wohl der einzige ehemalige Straßenfeger, der aus der Hand von Prince Charles den Orden Member of the British Empire erhalten hat.

Snowy Farr sammelte auf den Straßen von Cambridge Geld, nicht für sich, sondern für wohltätige Organisationen und da kam über die Jahre eine ganze Menge zusammen. Die stolze Summe von £62,000 sammelte er mit seinen Auftritten allein für die Cambridgeshire Society for the Blind and Partially Sighted.  £33,700 kam für die Organisation Guide Dogs for the Blind zusammen und  £28,305 für Camsight, eine Wohltätigkeitsorganisation, die sich um Menschen kümmerte, die ihr Augenlicht verloren hatten.

Kurz nach seinem Tod wurden Stimmen laut, die ein Denkmal für Cambridges Lieblings-Exzentriker forderten, und wie es zurzeit aussieht, soll das auch errichtet werden und zwar vor Cambridges Guildhall.

Das Foto oben ist der Umschlag des Buches „Eccentric Cambridge“ von Benedict le Vay, das ich gerade lese, und das sich auch mit Snowy beschäftigt. Hier ist ein weiteres typisches Bild von ihm.

Published in: on 14. Mai 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck, 5th Duke of Portland – Musterbeispiel eines englischen Exzentrikers

Blick auf die Welbeck Abbey. - © Copyright Neil Theasby and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Wenn es eine Hitliste der exzentrischsten englischen Adligen geben würde, so stünde Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck, der 5. Duke of Portland ganz oben an. Er lebte von 1800 bis 1879 und sein Wohnsitz war in Nottinghamshire, wo er die riesige Welbeck Abbey bewohnte, d.h. er bewohnte nur wenige Räume. In diesen Zimmern hatten die Türen jeweils zwei Schlitze, einen für die eingehende Post und einen für die ausgehende. Der Duke mochte nämlich niemanden von seinem Personal sehen; so wurde auch das Essen täglich hindurchgereicht, ein halbes Brathähnchen zum Mittagessen und die andere Hälfte zum Abendessen.

Der Herrscher der Welbeck Abbey verfügte über sehr viel Geld, das er auch mit vollen Händen ausgab; so beschäftigte er tausende von Arbeitern, die unter seinem Anwesen ein regelrechtes Labyrinth von Gängen gruben, u.a. auch eine zwei Kilometer lange Passage, die von Gaslaternen erhellt wurde und die so breit war, dass zwei Kutschen aneinander vorbeifahren konnten. Dann ließ er einen riesigen unterirdischen Ballsaal bauen, den größten in ganz Europa, der nie genutzt wurde.  Ferner fanden sich dort unten eine große Bibliothek und ein Billiardsaal.

Wenn der Duke of Portland sein Haus verließ, was er am liebsten nachts tat, dann musste jemand von seinem Personal vierzig Meter mit einer Laterne vor ihm her gehen. Auch seine Kleidung war recht exzentrisch: Er trug beim Verlassen des Hauses zwei Mäntel, einen extrem hohen Hut und führte einen so großen Regenschirm mit, dass er sich darunter weitgehend vor anderen Menschen verbergen konnte.

Am 6. Dezember 1879 starb der Herzog in seiner Londoner Residenz, Harcourt House und wurde auf dem Friedhof von Kensal Green im Norden Londons beigesetzt.

Published in: on 18. Februar 2011 at 04:00  Comments (1)  
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