King’s Lynn in Norfolk – Geburtsstätte der ersten CCTV-Kameras im öffentlichen Raum

Hinweisschild auf Überwachungskameras (allerdings nicht aus King’s Lynn).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal in der Region der gestern vorgestellten Knochenmühle und begeben uns nach King’s Lynn in Norfolk.

Bei den CCTV-Kameras ist es wie mit dem Brotaufstrich Marmite, entweder man hasst sie oder man liebt sie. Großbritannien gehört weltweit zu den Ländern, die die meisten Closed-circuit Television-Kameras aufgestellt haben. Ist das jetzt „Big Brother is watching you“ pur oder stellen diese Kameras für die Bevölkerung tatsächlich einen Schutz dar. Da gehen die Meinungen auseinander, aber ich habe den Eindruck, dass sich die meisten UK-Bürger mittlerweile an sie gewöhnt und auch akzeptiert haben. Etwa siebzigmal pro Tag wird jeder Brite von einer Überwachungskamera erfasst, und es gibt von ihnen weit mehr als vier Millionen, das bedeutet, dass auf vierzehn Bürger eine Kamera entfällt.

Nachdem schon seit längerem Versuche mit dieser Art der visuellen Überwachung in Großbritannien vorgenommen worden waren, wurde 1985 in Bournemouth an der Südküste das erste CCTV-System außerhalb geschlossener Räume installiert, und zwei Jahre später war die Stadt King’s Lynn in der Grafschaft Norfolk Vorreiter für die Überwachung öffentlicher Räume, indem die Stadtverwaltung, erstmalig im Land, CCTV-Kameras aufstellte, um die Sicherheit ihrer Bewohner zu erhöhen und die Kriminalität einzudämmen. In dem Gewerbegebiet North Lynn Industrial Estate war die Zahl der Einbrüche und Diebstähle dramatisch angestiegen und durch die Überwachungskameras, nachdem es sich in den einschlägigen Kreisen herumgesprochen hatte, ebenso dramatisch wieder zurückgegangen. Der Einsatz der CCTV-Kameras wurde in King’s Lynn auf die Parkplätze der Stadt ausgeweitet, mit beachtlichen Erfolgsergebnissen, denn die Quote der Kraftfahrzeug-Kriminalität ging um 97% zurück. Als andere Städte im Königreich von der „Wunderwaffe“ CCTV im Kampf gegen die steigende Kriminalität im Land erfuhren, übernahmen sie das Modell aus King’s Lynn.

Noch heute spielt der Einsatz von Überwachungskameras in der Stadt in Norfolk eine große Rolle in der Verbrechensbekämpfung und Verbrechensprävention. Rund um die Uhr sind die Kontrollräume mit erfahrenen Männern und Frauen besetzt, die in den vergangenen zwölf Monaten mit über 4500 von den Kameras erfassten Zwischenfällen konfrontiert waren.

North Lynn Industrial Estate.
Photo © Andy Peacock (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Juni 2022 at 02:00  Comments (3)  

The Magic Roundabout in Swindon (Wiltshire) – Nichts für ängstliche Autofahrer

Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wer zum ersten Mal mit dem Auto nach England fährt, muss sich an die vielen Kreisverkehre gewöhnen, die in umgekehrter Richtung befahren werden wie wir es aus Deutschland kennen. Kommt der unerfahrene Autofahrer nach Swindon in Wiltshire ist es sehr gut möglich, dass er mit dem Magic Roundabout konfrontiert wird, und er einen Schrecken bekommt, wenn er das Ankündigungsschild sieht. Dieser riesige Roundabout besteht nämlich aus einem großen Kreisverkehr in der Mitte, um den sich fünf weitere, kleinere Kreisverkehre schmiegen. Wer also beispielsweise von der A4312 aus Oxford kommt und auf die A4289 in Richtung Cirencester fahren will, der muss mehrere dieser ineinander verschachtelten Kreisverkehre bewältigen. Der Clou: Die kleinen, äußeren Kreisverkehre werden wie üblich im Uhrzeigersinn befahren, der große, innere jedoch gegen den Uhrzeigersinn. Na, macht das nicht Lust, mal nach Swindon zu fahren?

Der Verkehrsplaner Frank Blackmore (1916-2008) war für diese eigentlich County Islands Roundabout genannte Verkehrsverteilungsanlage verantwortlich, die 1972 in Betrieb genommen worden ist und den vorherigen Drove Roundabout ablöste, auf dem sich viele Unfälle ereignet hatten. Anfangs waren Polizisten an jedem der Mini-Kreisverkehre aufgestellt, um gegebenenfalls Autofahrern zu assistieren. Aber die meisten gewöhnten sich schnell an den Magic Roundabout und es haben sich über die Jahre hinweg erstaunlich wenig Verkehrsunfälle ereignet.

Kreisverkehrfans aus England kommen sogar gezielt nach Swindon, nur um den Magic Roundabout so richtig zu genießen und ihn immer wieder zu befahren.

In mehreren Umfragen, die vorgenommen worden sind, schneidet der MR ziemlich schlecht ab, so wurde er einmal als „the worst roundabout in the UK“ bezeichnet, einmal als „one of the world’s worst junctions„, und er ist ein fester Bestandteil der „10 Scariest Junctions in the United Kingdom„.

Da ich Kreisverkehre für die Verkehrslenkung sehr gut finde, habe ich in meinem Blog schon einige besondere Exemplare in England vorgestellt. Den Magic Roundabout in Swindon habe ich erst einmal befahren, und ich fand ihn gar nicht so schlimm. Dieser Film zeigt wie es geht.

Photo © Alby (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

Die Caen Hill Locks bei Devizes in Wiltshire – Schleusen-Fans bekommen hier leuchtende Augen

This work is released into the public domain.

Als wir einmal mit einem Hausboot den River Avon von Evesham nach Stratford befuhren, hatten wir es mit über einem halben Dutzend Schleusen zu tun, was das Vorwärtskommen immer wieder „entschleunigte“. Wer aber einmal den Kennett & Avon-Kanal bei Devizes in Wiltshire entlangfahren möchte, der kann sich auf 29 Schleusen freuen, die alle ganz dicht hintereinander gebaut wurden, damit man mit seinem Boot den Caen Hill hinauf- bzw. hinunterschippern kann. Auf diese Weise werden 72 Höhenmeter auf rund 3 Kilometern überwunden.

5 bis 6 Stunden sollte man etwa rechnen, bis man die Schleusentreppe bewältigt hat. Man kann sich vorstellen, dass große Wassermengen benötigt werden, um das Schleusensystem in Betrieb zu halten und so wurde eine große Pumpe installiert, die in der Lage ist, täglich 32 Millionen Liter Wasser zurück auf den Caen Hill zu transportieren.
Bis zum Jahr 1948 wurden die Schleusen auch kommerziell genutzt; danach sind überwiegend „pleasure boats“ auf dem Kanal unterwegs.
Ich hätte zwar keine Lust, die Caen Hill Locks zu befahren, aber ich finde, sie sind ein sehr schöner Anblick.

Hier ist ein Film über die Schleusen.

Photo: hans s.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. April 2022 at 02:00  Comments (6)  

Die Mam Tor Road – Eine Straße im Peak District, die die Natur nicht haben wollte

Photo © Andrew Hill (cc-by-sa/2.0)

Der Mam Tor ist ein 517 Meter hoher Berg im Peak District, nahe des Dorfes Castleton in Derbyshire, der auch als Shivering Mountain bezeichnet wird, weil er berühmt-berüchtigt für seine Erdrutsche ist. Ob es da eine gute Idee war, eine Teilstrecke der Hauptverbindung zwischen den Städten Sheffield und Chapel-en-le Frith direkt an den Mam Tor zu bauen? Ich glaube nicht, denn der Berg wehrte sich immer wieder gegen die für ihn lästige Straße.

Die A625 wurde bereits 1819 angelegt, und um den steilen Winnats Pass zu umgehen, baute man die Mam Tor Road, und damit begann der ständige Kampf zwischen Mensch und Natur. Der Mam Tor „schüttelte“ sich immer wieder und machte seinem Namen Shivering Mountain alle Ehre; er löste Erdrutsche aus, die Teile der Straße verschütteten. Also musste sie wieder neu gemacht werden; das war so in den Jahren 1912, 1933, 1946, 1952, 1966 und 1974. Schließlich hatte die zuständige Straßenbaubehörde die Nase voll und schloss die Straße für den Autoverkehr 1979 (Natur:1, Mensch:0); dafür wurde die Streckenführung wieder durch den Winnats Pass gelegt.

Die Mam Tor Road mit ihrem zerborstenen Asphaltpflaster wird heute gern von Mountainbikern und Wanderern genutzt. Dieser Film zeigt die aufgegeben Straße.

Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)
Der Winnats Pass.
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der DNA Path bei Great Shelford in Cambridgeshire

Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Cambridge spielte bei der Entdeckung der DNA eine entscheidende Rolle, und der Pub The Eagle auch, denn hier verkündeten James Watson und Francis Crick vom nahe gelegenen Cavendish Laboratory am 28. Februar 1953, dass sie herausgefunden haben wie die DNA genetische Informationen transportiert (eine blaue Plakette am Pub weist darauf hin).

Vor den Toren von Cambridge, vom Addenbrooks Hospital bis zum Dorf Great Shelford, im Süden der Stadt, gibt es einen Radfahrweg, der DNA Path heißt und den Forschungsgegenstand von Watson und Crick aufnimmt. Auf einer Länge von einer Meile sind hier auf der Fahrbahn 10 257 farbige Streifen aufgetragen (die vier Farben stehen für die Nukleinbasen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin), die das BRCA2-Gen repräsentieren, Abkürzung von Breast Cancer 2, das Brustkrebsgen 2. Entdeckt haben das Gen im Jahr 1995 die beiden Professoren Michael Stratton und Richard Wooster vom Sanger Institute, das ein Stückchen weiter südlich von Great Shelford liegt. Der Gründer des Instituts, Nobelpreisträger Sir John Sulston, ließ es sich nicht nehmen, den DNA Path im Jahr 2005 zu eröffnen. Am Beginn des Radweges steht die Skulptur einer Doppel-Helix in 750millionenfacher Vergrößerung.

Der DNA Path repräsentiert zusätzlich die 10 000ste Meile des NCN, des National Cycle Networks, das ganz Großbritannien mit Radwegen umspannt. Dieser Film zeigt eine Fahrt entlang dieses ganz besonderen Radweges in Cambridgeshire.

Die Doppel-Helix-Skulptur am Beginn des DNA Paths.
Photo: tz1_1zt.
Creative Commons 2.0
Die blaue Plakette am Pub The Eagle in Cambridge.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. März 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Butley Ferry – Europas kleinste Fähre in Suffolk

Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Die Königin kam zwar nicht persönlich im November letzten Jahres nach Suffolk, beauftragte aber den Lord Lieutenant Clare, Countess of Euston damit, den Queens Award for Volunteering an die ehrenamtlichen Betreiber der Butley Ferry zu überreichen. Die Zeremonie fand im Plough and Sail Pub in Snape statt. 15 Männer und Frauen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Personen mit der kleinsten Fähre Europas über den Butley River zu befördern. Der kleine Fluss mündet später in den River Ore, der sich wiederum in die Nordsee ergießt.

Die Butley Ferry existiert schon seit dem 14. Jahrhundert und dürfte damit eine der ältesten Fährverbindungen Großbritanniens sein. Es ist eine reine Personenfähre, die allerdings auch Fahrräder auf ihrer kurzen Überfahrt mitnimmt. Das Ruderboot besitzt keinen zusätzlichen Motor, wird also nur mit Muskelkraft betrieben. Zwischen Ostern und Oktober verkehrt die Fähre, jeweils am Wochenende und an den Bank Holidays. £2 kostet die Überfahrt, Kinder zahlen £1.50 und Hunde haben das Vergnügen, kostenlos mitgenommen zu werden. Über 1000 Personen nutzen die Butley Ferry pro Saison, es handelt sich dabei um viele „rambler“, die den Stour & Orwell Walk und den Suffolk Coast Path von Harwich nach Walberswick entlang wandern.
Dort, in Walberswick, gibt es ebenfalls eine rowing boat ferry“, die den River Blyth überquert und sogar noch älter sein soll. Auch hier dürfen Hunde kostenlos übersetzen, was die Vierbeiner sicher sehr freut (ich bin nicht sicher, ob das auch für Irische Wolfshunde und Neufundländer gilt, die durch ihre Größe das ganze Boot ausfüllen würden).

Dieser Film zeigt eine Überfahrt mit der voll beladenen Fähre.

Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Purton Hulks – Großbritanniens größter Schiffsfriedhof in Gloucestershire

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Cotswold Airport bei Kemble in Gloucestershire beenden ausgediente Verkehrsflugzeuge ihr Leben, wo sie fachgerecht geschlachtet und ausgeweidet werden (siehe dazu meinen Blogeintrag).

In derselben Grafschaft findet man bei Purton am River Severn etwas Ähnliches, nämlich Großbritanniens größten Schiffsfriedhof, The Purton Hulks. Nur wurden die hier abgelegten Schiffe nicht ausgeweidet, sondern sie dienten nach ihrem „Arbeitsleben“ noch einem bestimmten Zweck, sie sollten nämlich das Ufer des Flusses stabilisieren. Etwa 50 Meter neben dem River Severn verläuft hier der Gloucester and Sharpness Canal, und da besteht die Gefahr, dass das Stück Land dazwischen durchbrechen könnte, was schon einmal passiert ist. Also kam der Chefingenieur der Kanalgesellschaft A.J. Cullis Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Idee, ausgediente Schiffe aus ganz Großbritannien hier nach Purton zu bringen und sie ans Flussufer zu schleppen. Im Laufe der Zeit füllten sich die Boote mit Wasser und Schlick und bildeten so eine kompakte Masse zur Stabilisierung des Ufers. Das letzte Schiff wurde 1965 hier nach Purton gebracht.

Die 86 Schiffe sind nach dieser langen Zeit weitestgehend verrottet und geben ein bizarres Bild ab. Viele von ihnen fielen zusätzlich noch dem Vandalismus zum Opfer, wurden mit Graffiti beschmiert und angezündet. Eine Säule an den Purton Hulks verzeichnet die Namen der dahin siechenden Schiffe, die früher einmal Edith, Harriett oder Mary Ann hießen. Sie haben auch jeweils eigene „Grabsteine“ in Form von Tafeln mit Informationen über ihren Lebenslauf.

Dieser sehr interessante und stimmungsvolle Film zeigt die Purton Hulks.

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. Februar 2022 at 02:00  Comments (4)  

The Cambridgeshire Guided Busway – Eine Spurbuslinie im öffentlichen Nahverkehr der Universitätsstadt Cambridge

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal in Cambridge beziehungsweise in Cambridgeshire, und ich möchte eine alternative Form des öffentlichen Nahverkehrs vorstellen, die die Stadt mit ihren Nachbarkommunen Huntingdon und St Ives verbindet: The Cambridgeshire Guided Busway. Dabei handelt es sich um ein spurgeführtes Bussystem und zwar das mit 25 Kilometern Länge das längste seiner Art weltweit.

Wer von einem Spurbus noch nichts gehört hat: Es ist ein Mittelding zwischen dem normalen Omnibus und einer Straßenbahn, nur dass das Gefährt sich nicht auf Schienen bewegt, sondern zwischen „Leitplanken“ aus Beton. Der Fahrer lenkt nicht mehr selbst, das wird von einer Art Lenkrollen an den Rädern übernommen, er muss nur beschleunigen und bremsen. Auf der Strecke gibt es auch Straßenabschnitte, die keine dieser Leitplanken haben, dort übernimmt der Fahrer das Steuer wieder. Der Vorteil dieser Lösung im öffentlichen Nahverkehr ist, dass es zu keinerlei Staus in Spitzenzeiten kommen kann, da nur diese Busse die Fahrbahn benutzen dürfen.

Am 7. August 2011 wurde der Cambridge Guided Busway in Betrieb genommen, allerdings zu immensen Kosten, £181 Millionen, das war weit mehr als ursprünglich veranschlagt. Kein Wunder, dass die Konstruktion nicht bei allen Gefallen fand.

Betrieben wird die Strecke von den Busgesellschaften Stagecoach und Whippet. Hin und wieder versuchen auch PKWs und LKWs die Strecke zu benutzen, in der Regel unabsichtlich; vielleicht kann man die Schuld daran Navigationsgeräten in die Schuhe schieben. Drei Todesfälle gab es bisher auch schon zu beklagen, die aber auf Leichtsinn und Unachtsamkeit von Fußgängern und Radfahrern zurückzuführen waren. Einige wenige Male sind Busse auch „entgleist“, was an überhöhter Geschwindigkeit und an Fehleinschätzungen der Fahrer lag.

In diesem Film kann man sich eine Fahrt mit einem Spurbus in Cambridgeshire einmal ansehen.

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Photo © ad acta (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. Februar 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Mallard – Eine Lokomotive, die seit dem 3. Juli 1938 noch immer den Geschwindigkeitsrekord für Dampfloks hält

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Im National Railway Museum in York (North Yorkshire), ein Museum, das jeden Eisenbahnfan begeistern wird, steht The Mallard, eine dampfgetriebene Lokomotive, die 1938 gebaut worden ist und noch immer den Geschwindigkeitsrekord hält, den sie am 3. Juli 1938 mit 203 km/h aufgestellt hat. Keine andere Dampflok war seitdem schneller. Liner Class A4 4468 war die exakte Typenbezeichnung und von der A4-Klasse sind außer The Mallard bis heute nur noch fünf weitere Exemplare erhalten geblieben.

Sir Herbert Nigel Gresley (1876-1941) war der Konstrukteur der Baureihe; eine Statue von ihm erinnert auf dem Londoner Bahnhof King’s Cross an in, die 2016 dort aufgestellt wurde und die sogenannte „duck controversy“ hervorrief, denn die Bildhauerin Hazel Reeves wollte ursprünglich eine kleine Ente hinzufügen, die auf Gresleys Hobby, das Züchten von Wasservögeln (daher auch der Name der Lok Mallard = Stockente), hindeuten sollte , doch die Enkel des Konstrukteurs erhoben dagegen Einspruch, weil sie das unpassend fanden.

Zurück zum Geschwindigkeitsrekord. Der Ort des Geschehens lag in der Grafschaft Lincolnshire, an einem Streckenabschnitt namens Stone Bank in der Nähe von Grantham.  Joe Duddington war der Lokführer, dem es gemeinsam mit Thomas Bray, verantwortlich für das Befeuern der Lok, gelang, den bisher bestehenden Rekord von 183 km/h zu überbieten.

Im September 2013 machte The Mallard noch einmal eine Reise dorthin, wo sie den Rekord aufgestellt hatte, nach Grantham zum Festival of Speed, wo sie im Mittelpunkt des Interesses stand. Stolz trägt die Lokomotive eine Plakette, die darauf hinweist, dass sie die schnellste aller Zeiten war und noch immer ist. Entlang der Bahnlinie bei Stoke Bank ist ein Hinweisschild aufgestellt worden, das daran erinnert.

Im Morton Park Industrial Estate in Darlington (County Durham) ist eine Replika des Mallard aus 185 000 Ziegelsteinen gebaut worden, über die ich in meinem Blog einmal berichtet habe.

Die Band Big Big Train hat The Mallard in ihrem Song „East Coast Racer“ ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Hier ist ein Film über die berühmte Lok.

Das Buch zum Artikel:
Don Hale: Mallard – How the „Blue Streak“ Broke the World Speed Record. Aurum Press 2008. 192 Seiten. ISBN  ‎ 978-1781313916.

Die Plakette an der Lok.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Hier fand der Geschwindigkeitsrekord statt, in der Nähe von Grantham in Lincolnshire.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)
Der Konstrukteur, Sir Nigel Gresley am Bahnhof King’s Cross in London (ohne Ente).
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Januar 2022 at 02:00  Comments (1)  

Pierre Vivants Traffic Light Tree am Trafalgar Way im Londoner Stadtteil Poplar

Author: Loco Steve.
Creative Commons 2.0

Es gab einen ziemlich großen Aufschrei als man im Dezember 2011 den Westferry Traffic Light Tree auf der Isle of Dogs im Londoner Canary Wharf-Bezirk von seinem Standort entfernte. Der französische Bildhauer Pierre Vivant hatte das acht Meter hohe und aus 75 blinkenden, computergesteuerten Verkehrsampeln bestehende Kunstwerk von 1995 bis 1998 geschaffen und es wurde mitten auf einem Kreisverkehr aufgestellt, wo es den Verkehr nicht regeln sollte.

Im Zuge der Umgestaltung des Kreisverkehrs wurde der Traffic Light Tree dort weggenommen und zwischengelagert.
Es gab auch Stimmen, die die Entfernung des dauerblinkenden Ampelgestrüpps begrüßten. Immer wieder hatte es ortsfremde Autofahrer gegeben, die davon irritiert waren und nicht wussten, ob nun die Kreisverkehrsregelung hier galt oder eine der auf Rot, Gelb oder Grün stehenden Ampeln.

Die Versicherungsgesellschaft Saga führte im Jahr 2005 eine Umfrage nach den besten und den schlechtesten Kreisverkehren Großbritanniens durch und Sieger in der Kategorie bester beziehungsweise schönster Kreisverkehr wurde unser Roundabout mit dem Ampelbaum (Platz 2 erreichte erstaunlicherweise  „The Plough“ in Hemel Hampstead, den ich in meinem Blog schon vorgestellt habe).

The Sculpture imitates the natural landscape of the adjacent London Plane Trees, while the changing pattern of the lights reveals and reflect the never ending rhythm of the surrounding domestic, financial and commercial activities„, so beschreibt Pierre Vivant sein Kunstwerk, das dort aufgestellt worden war, wo bis dahin eine vor sich hin kümmernde Platane stand, die wohl die Autoabgase nicht mehr verkraften konnte.

Für den zwischengelagerten Traffic Light Tree wurde ein neues Zuhause gefunden und zwar nicht weit weg von der vorigen Stelle. Am 20. Januar 2014 wurde das Kunstwerk feierlich dem Verkehr übergeben auf, einem Roundabout am Trafalgar Way, ganz in der Nähe des Billingsgate Markets. Hier ist der Verkehrsampelbaum in voller Aktion zu sehen.

Pierre Vivant, der Schöpfer des Ampelbaums, wurde 1952 geboren und arbeitet sowohl in Paris als auch in Oxford.

Der Ampelbaum an seiner ursprünglichen Stelle.

Photo © Wendy North (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Cat&Fiddle Road (A537) – Eine der gefährlichsten Straßen Englands

Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Nach einem Bericht der Road Safety Foundation, der allerdings schon einige Jahre zurückliegt und der die unfallträchtigsten Straßen Großbritannien ermittelt hat, gehört der Spitzenplatz der A537, die von Macclesfield in Cheshire nach Buxton in Derbyshire  mitten durch den Peak District führt. Die von den Einheimischen „Cat & Fiddle Road“ genannte Straße (nach dem gleichnamigen Pub an der Strecke), ist landschaftlich sehr schön und sollte eigentlich zu einem eher gemächlichen Fahrstil verleiten, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Die Mischung aus Schwerlastverkehr, von Touristen gelenkten Fahrzeugen und rücksichtslos überholenden, viel zu schnellen Motorrädern führt zu der hohen Unfallrate auf dieser Straße.

Die meisten tödlichen Unfälle bzw. Unfälle mit Schwerverletzten ereignen sich an Sommerwochenden, tagsüber und bei trockenen Straßenverhältnissen. Sicher, die A537 ist sehr kurvenreich, zeitweise geht es auch steil abwärts, und begrenzt ist die Straße häufig durch Steinmauern oder nacktes Felsgestein, aber durch ein defensiveres Fahrverhalten hätten sich die meisten Unfälle sicher vermeiden lassen.

Ich habe selbst in England häufig riskante Überholmanöver von Motorradfahrern miterlebt, die sich nicht im geringsten um die zulässige  Höchstgeschwindigkeit gekümmert haben. So sind auch auf der A537 der mit Abstand größte Teil der Todesopfer männliche Motorradfahrer mit dem Durchschnittsalter von 35 Jahren, die nicht aus der Region kommen und mit der Straße nicht vertraut sind.

Die gefährlichsten Straßen Großbritanniens liegen fast alle im Norden im Bereich Derbyshire, Yorkshire, Lancashire. Hier sind die Top Ten der Straßen mit den meisten Unfällen:

A537 Macclesfield to Buxton – Cheshire/Derbyshire
A5012 Pikehall to Matlock – Derbyshire
A621 Baslow to Totley – Derbyshire/South Yorkshire
A625 Calver to Sheffield – South Yorkshire
A54 Congleton to Buxton – Derbyshire
A581 Rufford to Chorley – Lancashire
A5004 Whaley Bridge to Buxton – Derbyshire
A675 Blackburn to Preston – Lancashire
A61 Barnsley to Wakefield – South/West Yorkshire
A285 Chichester to Petworth – West Sussex

Hier ist ein Film über eine Fahrt auf der A 537.

Photo © Gary Rogers (cc-by-sa/2.0)
Photo © Dave Dunford (cc-by-sa/2.0)
The Cat and Fiddle Inn.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. November 2021 at 02:00  Comments (4)  

The English Motorway System in Bild und Ton.

Ist das Fahrverhalten der Engländer auf ihren Motorways eigentlich ein anderes als das der Deutschen auf unseren Autobahnen? Nach meinen Erfahrungen, nur ein wenig. 70 Meilen ist die Höchstgeschwindigkeit, die aber oft überschritten wird, trotz ständiger Hinweise auf Radarüberwachung, zum Beispiel auf der M25. Ich ziehe das Fahren auf ruhigeren Straßen auf jeden Fall vor, doch manchmal ist man gezwungen bei längeren Strecken die Motorways zu nehmen, weil man auf anderen Straßen nur recht langsam vorwärts kommt.

Ich habe heute einmal einige Musikstücke zusammen gestellt, die sich mit dem English Motorway System beschäftigen. Zur Einstimmung empfiehlt sich obiger Film, der eine Fahrt auf der M25 zeigt.

Die Londoner Indie-Band Black Box Recorder hat einen Song aufgenommen, der „The English Motorway System“ heißt, sehr gefühlvoll von Sängerin Sarah Nixey interpretiert („The English motorway system is beautiful and strange“).

Die Kinks habe 1972 einen Song auf ihrem Album „Everybody’s in Show-Biz“ veröffentlicht, der den Titel trägt „Motorway“ trägt, in dem sie sich überwiegend mit dem schlechten Essen auf den Raststätten und dem desolaten Zustand der Toiletten beschäftigen.

The Doves aus Manchester nennen einen ihrer Songs „M62 Song“ weil sie ihn aufnahmen, als sie gerade unter einer Überführung dieser Autobahn fuhren, die von Liverpool nach Hull führt.

Die M6 ist mit 370 Kilometern die längste Autobahn Großbritanniens; sie führt von den Midlands bis zur schottischen Grenze. Die Band mit dem merkwürdigen Namen Half Man Half Biscuit haben sich dieses Motorways in ihrem Song „M-6-ster“ angenommen und erzählen darin, welche Speditionslaster sie dort treffen (Christian Salvesen, Curries of Dumfries, Norbert Dentressangle).

2-4-6-8 Motorway“ heißt dieser zum Mitgröhlen animierende Song der Tom Robinson Band aus London („Me and my radio truckin‘ on thru the night“).

Ein Problem haben The Long Blondes, sie sind „Separated by Motorways“ („Separated by motorways The A14 and the A1 (so long) Separated by motorways Two lonely girls go on the run“), dieses Drama muss sich an Junction 21 abgespielt haben, dem Brampton Hut Interchange bei Huntingdon in Cambridgeshire, wo sich A1 und A14 kreuzen.

Sogenannte Radioballaden komponierte Ewan McColl anlässlich des Baus der Autobahn M1 in „Song of a Road„.

Published in: on 26. Oktober 2021 at 02:00  Comments (2)  

Let’s talk about cattlegrids

Cattle grid in Lancashire.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Ein „cattlegrid“ ist, um die deutschsprachige Wikipedia zu zitieren, „eine bodengleich angeordnete Viehsperre, die von Fahrzeugen ohne Halt passiert werden kann, für Weidetiere wie Rinder oder Schafe, aber auch Großwild, jedoch ein schwer zu überwindendes Hindernis darstellt, da die Tiere darauf keinen festen Tritt finden„.

Diese sogenannten Viehsperren findet man in vielen Ländern der Welt, in England vor allem in den Landesteilen, wo Schafe auf den Wiesen und Feldern grasen, beispielsweise in Devon und Yorkshire. Jeder, der mit seinem Auto schon einmal darüber gefahren ist, kennt das ratternde Geräusch, das diese Gitter verursachen.

Paarhufer scheuen vor den cattlegrids zurück und bleiben dort, wo sie sein sollen. Allerdings gibt es auch besonders schlaue Tiere, die Anlauf nehmen und darüber hinweg springen oder sich einfach selbst einen Weg daran entlang suchen wie dieser Elch.

Cattlegrids können aber auch für Menschen gefährlich werden, die mit Geräten darüber hinweg fahren, die dafür nicht unbedingt gedacht sind, wie Mountain Bikes und Skateboards.

Achtung Reifenschlitzer! Da würde ich lieber nicht drüber fahren wollen.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
Hier, in Devon, wird es den Schafen leicht gemacht, auszubüxen.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Selbst an dieser Autobahnausfahrt der M62 in Greater Manchester findet sich ein cattlegrid.
Photo © Paul Hogg (cc-by-sa/2.0)
Ohne Worte.
Author: minipixel.
Creative Commons 2.0
Published in: on 15. Oktober 2021 at 02:00  Comments (5)  

Der Snake Pass – Eine nicht ganz ungefährliche Straße in Derbyshire

Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Der Snake Pass ist ein etwas höher gelegener Teil der A 57 im Peak District, die von Sheffield nach Manchester führt. Genau genommen ist es die Straße zwischen Glossop und dem Ladybower Reservoir.  Dieses Teilstück windet sich zwar in einigen Teilen wie eine Schlange, doch der Name kommt von dem Snake Pass Inn, der an der Straße liegt. Der Pub hieß früher nur Snake Inn und trug das Wappen der Herzöge von Devonshire. Teil des Wappens ist eine sich auf einem Helm windende Schlange. Leider wurde auch dieser Pub vor einigen Jahren geschlossen

Bereits 1820 wurde die Straße als direkte Verbindung zwischen den beiden Großstädten gebaut, verlor aber im 20. Jahrhundert an Bedeutung, weil eine weiter nördlich gelegene Straße gebaut wurde, die nicht so hoch gelegen ist und im Winter nicht so leicht durch Schneeverwehungen gesperrt werden muss. Der Snake Pass ist manchmal bis zu 70 Tagen im Jahr auf Grund schlechter Wetterverhältnisse gesperrt.

Der Snake Pass ist nicht so ganz einfach zu befahren, und er hat eine hohe Unfallquote. Zwischen 2017 und 2019 ereigneten sich auf der Straße 28 schwere beziehungsweise tödliche Unfälle. Trotzdem ist sie in Autofahrer- und Motorradfahrerkreisen sehr beliebt wie dieser Film zeigt.

Photo © Stephen Burton (cc-by-sa/2.0)
Der Snake Pass Inn, leider geschlossen.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lindisfarne in Northumberland Teil 1: Die Gefahren des Holy Island Causeways

Photo © James T M Towill (cc-by-sa/2.0)

Das Lindisfarne Castle vor der Küste Northumberlands gehört zu den Attraktion dieser nordöstlichen Grafschaft Englands. Die Burg liegt auf der Holy Island, einer Insel, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Mit dem Auto benötigt man etwa zehn Minuten, um die Insel zu erreichen. Es gibt mehrere Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel wie zum Beispiel das Lindisfarne Hotel oder The Crown and Anchor. Doch die meisten Besucher verbringen nur eine gewisse Zeit auf der Holy Island und fahren dann wieder auf das Festland zurück.

Und da kann es Probleme geben, denn der Holy Island Causeway wird zweimal am Tag von den Fluten der Nordsee überspült und dann ist es nicht mehr möglich, die befestigte Straße zu befahren. Auf beiden Seiten des Causeways weisen große Schilder auf die Gefahren hin, zusätzlich sind dort Gezeitentabellen angebracht, so dass sich die Autofahrer genau informieren können, ob es sicher ist, die Straße zur Insel oder von der Insel zu befahren.

Und dennoch gibt es immer wieder leichtsinnige Menschen, die die Warnungen in den Wind schlagen und bei steigender Flut beziehungsweise unsicherer Wetterlage losfahren. Starke Seitenwinde können die Gefahrenlage noch erhöhen und Fahrzeuge ins Meer ziehen. Manchmal fahren sich Autos auch fest, wenn sie zu sehr von der asphaltierten Straße abkommen. Wer es nicht mehr schafft und von den Fluten gefangen wird, für den steht eine auf Stelzen stehende „refuge box“ zur Verfügung, von der aus man über die 999 die Küstenwache alarmieren kann. Wer Pech hat, kann sein Auto abschreiben, wenn es vom Wasser überspült wird. Die Rettungsaktionen sind ganz schön teuer; wenn ein Hubschrauber eingesetzt wird, liegen die Bergungskosten bei mehreren tausend Pfund.

Dieser Film zeigt einige riskante Überquerungsversuche und hier ist die haarsträubende Fahrt eines Taxis zu sehen, das es gerade noch zur „refuge box“ schafft.

Die „refuge box“.
Photo © Nick Mutton (cc-by-sa/2.0)
Die Gezeitentabelle.
Author: malivsey.
Creative Commons 2.0
NO!!!
Author: ahisgett.
Creative Commons 2.0
Und da wollen sie alle hin, zum Lindsifarne Castle.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Spaghetti Junction in Birmingham

Author: Highways Agency.
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Am 24. Mai 1972, also vor fast 50 Jahren, wurde der Gravelly Hill Interchange in Birmingham eröffnet. Dieser Autobahnverteiler mit riesigen Ausmaßen erinnert mich an den Four Level Interchange in Los Angeles, den ich einige Male befahren habe.
Aus dem Gravelly Hill Interchange wurde bald Spaghetti Junction, ein passender Begriff für dieses Straßenknäuel. Hier treffen mehrere Autobahnen und A-Straßen zusammen: Die M6, der Aston Expressway (A38M), die A38 und die A5127. Einige andere Straßen tummeln sich hier auch noch, dazu kommen zwei Eisenbahnlinien und drei Kanäle, die sich an an der sogenannten Salford Junction ein Stelldichein geben. In diesem Bereich von Birmingham ist also ganz schön was los.

Nach der Eröffnung der Spaghetti Junction befuhren ca 40 000 Fahrzeuge pro Tag diesen Verteiler; heute hat sich diese Zahl vervielfacht. Die Bauzeit dieses etwa 25 m hohen, auf über 550 Betonsäulen ruhenden Straßenmonsters betrug vier Jahre.

Reparaturarbeiten sind hier immer wieder fällig, was zum einen auf die hohe Belastung durch den Verkehr zurückzuführen ist, zum anderen durch die Tonnen von Salz und Streumaterial, die im Winter auf die Straßen gekippt werden.

Die Baukosten betrugen damals £10.8 Millionen und um den Verteiler zu bauen, mussten 160 Häuser, eine Fabrik, ein Pub und ein Bankgebäude abgerissen werden. Kurz vor der Eröffnung lagen den Zeitungen herausnehmbare Straßenpläne bei, denn man befürchtete, dass sich einige Autofahrer bei diesen vielen Auf- und Abfahrten verirren könnten. Trotzdem war die Neugier an dem Gravelly Hill Interchange damals so groß, dass sich die Autos schon Stunden vor der Eröffnungsfeier an den Zufahrten stauten. Jeder wollte einmal ausprobieren, ob er die Spaghetti Junction bewältigen konnte, ohne sich zu verfahren.

Hier ist ein Film über die Spaghetti Junction, aus der Luft gesehen.

Author: ell brown.
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Published in: on 22. August 2021 at 02:02  Comments (9)  
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London TravelWatch – Im Einsatz für die Kunden des Londoner Nahverkehrs

Author: wirewiper.
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Jeden Tag sind unzählige Menschen in London im öffentlichen Nahverkehr unterwegs; in Bussen und U-Bahnen fahren sie zur Arbeit oder zum Einkaufen. Dass das nicht immer reibungslos passiert, liegt auf der Hand, und so kommt es immer wieder zu Beschwerden und Beanstandungen, beispielsweise zur Pünktlichkeit der eingesetzten Fahrzeuge. Eine Anlaufstelle für alle Unzufriedenen ist die Verbraucherorganisation London TravelWatch, die eingehende Beschwerden nachverfolgt und versucht, diese zusammen mit Transport for London (TfL) zu klären.

Seit Juli 2000 gibt es die Überwachungsorganisation schon, deren Ziel es ist, den öffentlichen Nahverkehr in London und Umgebung ständig zu verbessern, und die unabhängig von den Betreibern ist. London TravelWatch ist auch zuständig für die London River Services, Taxis und Mietwagen. Wer Beanstandungen hat, sollte sich zuerst direkt an den Betreiber wenden; wenn dessen Antwort unbefriedigend ist oder wenn der gar nicht antwortet, kann man London TravelWatch einschalten.

Das Thema Pünktlichkeit der Züge in der U-Bahn erinnert mich an einen Fall, der sich zwischen 2004 und 2007 ereignete: Bei Transport for London gingen in dieser Zeit 1140 Beschwerden über Unpünktlichkeit auf der Jubilee Line ein, alle von derselben Person, einer Rechtsanwältin. TfL erstattete ihr über £3800 als Entschädigung. Irgendwann fiel es jemandem bei TfL auf, dass es bei der Jubilee Line ja drunter und drüber gehen müsste, bei derart vielen Beschwerden. So ging man der Angelegenheit nach, um festzustellen, ob da eine Betrügerin zu Werke war und merkte bald, dass da jemand die TfL gehörig über den Tisch gezogen hatte, denn die Beschwerden erwiesen sich alle als falsch. Eigentlich hätte man das ja schon früher feststellen müssen. Die beschuldigte Anwältin wurde des Betrugs angeklagt und erhielt eine Strafe von £8000, außerdem musste sie 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Züge der Jubilee Line in Wembley Park.
Author: harry_nl.
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Published in: on 10. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Haytor Hoppa – Ein Linienbus, der das östliche Dartmoor bedient

Autofahrten durch das Dartmoor in Devon verlangen vom Fahrer hohe Aufmerksamkeit, denn viele Straßen sind sehr eng und werden von hohen Hecken gesäumt, so dass man nie weiß, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet. Wenn dann auch noch dicker Nebel dazu kommt, kann es schon etwas „tricky“ werden.
Wem das alles zuviel ist und wer lieber seine Nerven schonen möchte, für den gibt es eine Alternative, um das landschaftlich schöne Dartmoor zu betrachten: Der Haytor Hoppa der Buslinie 271, der in diesem Jahr wieder in der Zeit vom 29. Mai bis 30. Oktober eingesetzt wird und zwar immer am Samstag (vom 26. Juli bis zum 3. September auch montags bis freitags). Sechsmal am Tag startet der kleine Hop on/Hop off-Linienbus seine Reise von Newton Abbot aus ins Dartmoor.

Die erste Teilstrecke führt von Newton Abbot bis nach Widecombe, wofür der Bus 45 Minuten benötigt; unterwegs kann man noch an mehreren Haltepunkten zusteigen. Nach einer kurzen Pause in dem hübschen Dartmoor-Dorf (das leider in der Saison häufig überlaufen ist) geht es weiter, unter anderem über Manaton, Becky Falls und Bovey Tracey zurück zum Ausgangspunkt. Da der Bus Haytor Hopper heißt, führt sein Weg auch an der beeindruckenden Felsformation Haytor Rocks vorbei.

Knappe zwei Stunden dauert die Fahrt, die man jederzeit unterbrechen und dann mit dem nächsten Haytor Hoppa fortsetzen kann. Morgens um Uhr 9.20 startet der erste Bus, der letzte verlässt Newton Abbot um Uhr 15.20.

Die Haytor Rocks.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sandringham in Norfolk Teil 2 – The Wolferton Railway Station

Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Als 1862 der Landsitz Sandringham vom englischen Königshaus übernommen wurde und der Prince of Wales dort einzog, musste man sich Gedanken darüber machen, wie denn die Royals und ihre Gäste dort hinkamen. Im selben Jahr, am 3. Oktober nahm die King’s Lynn to Hunstanton-Eisenbahnlinie ihren Betrieb auf, und einer der Bahnhöfe bediente die Einwohner des Dorfes Wolferton. Da kam es den Betreibern der Linie sehr gut zu Pass, dass Sandringham ebenfalls dringend einen Bahnhof in der Nähe des knapp vier Kilometer entfernten Landsitzes benötigte. Es herrschte zeitweise ein reges Treiben auf der Royal Station Wolferton, denn es wurden auf Sandringham häufig Feste gefeiert, und die Gäste reisten aus London und anderen Teilen Englands an.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bahnhof luxuriöser gestaltet, so enstanden holzvertäfelte Warteräume für die Royals und ihre distinguierten Gäste. Es verkehrten so viele Züge von Hunstanton nach Wolferton dass die Linie, die bisher nur einspurig befahrbar war, doppelspurig ausgebaut wurde.

Ein besonderes Ereignis spielte sich am 3. Juni 1886 ab, als zum 21. Geburtstag des Prinzen, des späteren Georg V., ein Zirkus nach Sandringham eingeladen wurde. Nach der Vorführung kam es auf dem Bahnhof von Wolferton zu einem Problem beim Verladen eines Elefanten. Die Zirkusleute banden den Dickhäuter an einen Laternenmasten, was der gar nicht mochte und den Pfahl einfach ausriss und weitere Schäden verursachte, bis es dann doch gelang, ihn auf einen Eisenbahnwaggon zu lotsen.

Bis 1966 tat der Bahnhof seine Dienste für die Royals, dann war Schluss. Autofahrten von London nach Sandringham erwiesen sich dann doch als schneller und bequemer. Royal Station Wolferton wurde verkauft und kam in Privatbesitz, im königlichen Warteraum entstand ein Museum mit Erinnerungsstücken aus der Vergangenheit.

Queen Elizabeth II. stattete Wolferton am 29. Januar 2013 einen Besuch ab, als das neue Dorfschild samt einer Bank eingeweiht wurde.

Der derzeitige Besitzer des Bahnhofs, Richard Brown, wurde mehrfach dafür ausgezeichnet, dass er die historischen Gebäude so sorgfältig erhalten und restauriert hat.

Hier ist ein Film übr die Royal Station for Sandringham.

Das Stellwerk.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Ein gekrönter Laternenpfahl auf dem ehemaligen Bahnsteig.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)
Das von der Queen eingeweihte Dorfschild von Wolferton.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Walter Arnold – Der Raser von Paddock Wood (Kent)

Die High Street von Paddock Wood.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Paddock Wood ist eine Kleinstadt in der Nähe von Tunbridge Wells in Kent und das Zentrum des Hopfenanbaus der Grafschaft. Hier ereignete sich am 28. Januar 1896 ein Ereignis, das in die Annalen der Verkehrsgeschichte eingegangen ist und Paddock Wood unauslöschlich mit dem Begriff „Raserei“ in Verbindung gebracht hat.
Ein gewisser Walter Arnold fuhr an diesem Tag mit seinem Auto zur Mittagszeit durch die Kleinstadt – mit weit überhöhter Geschwindigkeit! Vorgeschrieben war eine Maximalgeschwindigkeit von 2 Meilen/Stunde. Mr. Arnold besaß doch die Kaltschnäuzigkeit, mit 8 Meilen pro Stunde durch den Ort zu rasen, also dem vierfachen der erlaubten Geschwindigkeit! Ein Ortspolizist saß gerade bei seinem Mittagessen und bemerkte diesen Verkehrsrowdy. Er schwang sich sofort auf sein Fahrrad, verfolgte das Auto von Walter Arnold, überholte ihn und stellte ihn zur Rede. Die Folge: Walter Arnold war der erste Mensch der Welt, der ein „speeding ticket“ wegen zu schnellen Fahrens verpasst bekam. Außerdem war er des Vergehens schuldig, dass niemand mit einer roten Fahne vor ihm herging und die Menschen auf die herannahende Gefahr aufmerksam machte, was damals vorgeschrieben war (Red Flag Act). Er musste später dafür eine Strafe in Höhe von £4 7 Shilling zahlen. Übrigens: Zum Zeitpunkt der „Straftat“ gab es in ganz Großbritannien 20 Autos!
Walter Arnold war nicht irgendjemand; er gehörte zu den britischen Pionieren der benzinbetriebenen Kraftfahrzeuge.

Da der Zwischenfall damals nicht gefilmt wurde, zeigt dieser Film leider nur einen Blick auf die High Street von Paddock Wood.

Published in: on 20. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der Cliff Lift in Saltburn-by-the-Sea in North Yorkshire

Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Nachdem 1861 eine Eisenbahnlinie den kleinen Ort Saltburn-by-the Sea an der Küste von North Yorkshire erreicht hatte, sollte der Tourismus richtig angekurbelt werden. Das imposante Zetland Hotel oben im Ort verfügte sogar über eine eigene Eisenbahnhaltestelle, so dass die ankommenden Gäste ruckzuck ihre Zimmer beziehen konnten. Da der Strand nur über einen steilen Weg erreichbar war, errichtete man zuerst einen einfachen Aufzug, der dann am 28. August 1884 durch eine für damalige Verhältnisse „state-of-the-art“ Seilbahn ersetzt wurde, von dem Saltburn Cliff Lift. Man hatte sich wohl mehr Badegäste erhofft, die dann aber doch nicht in so großen Mengen über Saltburn-on-the-Sea hereinfielen. Das Zetland Hotel ist inzwischen in einen Apartmentkomplex umgewandelt worden.

Zurück zur Seilbahn. Die beiden Kabinen, die die 63 Meter vom Ort zum Strand zurücklegen, arbeiten mit einem einfachen System. Unter den Kabinen befinden sich Tanks, in die jeweils etwas über tausend Liter Wasser passen. In der „Bergstation“ wird der Tank befüllt und in der „Talstation“ entleert, das heißt die bergab fahrende schwerere Kabine zieht die bergauf fahrende leichtere Kabine nach oben. Unten befindet sich ein Reservoir mit Wasser, deren Inhalt nach gewisser Zeit nach oben in ein zweites Reservoir gepumpt wird. Genial, oder? Die Kabinen bewegen sich auf Schienen, gesteuert wird das ganze von oben aus von einem „brakeman“. In diesem Film kann man sich das einmal ansehen.

Es gibt in Saltburn-by-the Sea am Ende des Cliff Lifts auch eine Pier, die damals bei der Eröffnung im Jahr 1869 460 Meter lang war; heute ist sie nur noch 208 Meter lang. Schuld waren, wie so häufig, schwere Stürme, die auch dieser Pier zusetzten.

Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
Das ehemalige Zetland Hotel.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Juni 2021 at 02:00  Comments (4)  

Der Ribblehead Viaduct – Eine grandiose Eisenbahnbrücke in North Yorkshire

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich bereits vier Eisenbahnviadukte in England vorgestellt, ein weiterer, sehr imposanter ist heute an der Reihe: Der Ribblehead Viaduct im Ribble Valley von North Yorkshire. Die Settle–Carlisle line führt über diese 400 Meter lange und 32 Meter hohe Brücke mit deren Bau im Oktober 1870 begonnen wurde. Knapp fünf Jahre später war sie fertig. In Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 2300 Menschen auf der Baustelle, von denen viele in sogenannten Shanty Towns wohnten, das sind auf Zeit gebaute Siedlungen direkt an der Arbeitsstelle. Belgravia, Sebastopol und Batty Wife Hole hießen die drei Siedlungen im Ribble Valley, die damals ein wenig an den Wilden Westen in Amerika erinnerten, ähnlich rau ging es dort zu. Die Arbeit war hart, das meiste musste per Hand erledigt werden, denn der Einsatz von Baumaschinen begann damals erst langsam zu greifen. Die „navvies„, die Bauarbeiter tranken gern einen über den Durst, was zu wilden Raufereien führte. Etwa 200 Tote soll der Bau des Ribblehead Viaducts gekostet haben, was überwiegend auf Krankheiten und Arbeitsunfälle zurückzuführen war. Die Eisenbahngesellschaft musste sogar dafür sorgen, dass auf den umliegenden Friedhöfen zusätzlicher Platz geschaffen wurde, um die Menschen alle zu beerdigen.
Die ITV Miniserie „Jericho“ aus dem Jahr 2016 zeigt den Bau des Viadukts, der in der Serie Culverdale Viaduct heißt. Hier sind einige Ausschnitte.

Vom Station Inn aus an der B6255 hat man einen schönen Blick auf die Eisenbahnbrücke, zu der auch ein holperiger Fahrweg führt. Ein Stückchen weiter diese Straße entlang kommt man nach Chapel-le-Dale, wo etwas abseits von der Hauptstraße die Kirche St Leonard’s zu finden ist, wo viele der Toten von der Baustelle begraben worden sind. In der Kirche erinnert eine Tafel an sie, in Auftrag gegeben von den ehemaligen Arbeitskollegen und der Eisenbahngesellschaft Midland Railway Company.

Dieser Film zeigt die Schönheiten des Viadukts.

Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)
St Leonard’s in Chapel-le-Dale.
Photo © Chris Eccleston (cc-by-sa/2.0)
Die Erinnerungstafel in St Leonard’s.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Bristol Britannia XM496 auf dem Cotswold Airport in Gloucestershire

This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone

Es ist schon einige Jahre her, da schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch auf dem Cotswold Airport bei Kemble in Gloucestershire, dem „Friedhof der Jumbojets„. Irgendwie sahen die riesigen Flugzeuge traurig aus, die hier darauf warteten auseinandergenommen zu werden. Ich bin einige Male mit einer Boeing 747 von Frankfurt nach Los Angeles geflogen und habe daher eine gewisse Beziehung zu diesen Flugzeugen aufgebaut.

Auf dem Cotswold Airport steht auch ein Flugzeug, das nicht abgewrackt werden soll, im Gegenteil, es wurde liebevoll restauriert; dabei handelt es sich um eine Bristol Britannia, ein Turboprop-Flugzeug, das nach dem Zweiten Weltkrieg für die Langstrecke über den Atlantik in die USA und nach Kanada eingesetzt wurde. Dieses spezielle Exemplar auf dem Cotswold Airport ist das weltweit letzte erhaltene dieser Baureihe. Britannia Series 253 C.Mk1 XM496 ‘Regulus’ ist die exakte Bezeichnung dieser Maschine, die eigentlich verschrottet werden sollte, aber durch den engagierten Einsatz der Bristol Britannia XM496 Preservation Society gerettet werden konnte. “The Whispering Giant”, wie das Flugzeug auch genannt wurde, sieht im Vergleich zu den Jumbojets ziemlich klein aus, war damals in den 1950er Jahren aber eines der größten Langstreckenflugzeuge.
85 Exemplare dieses Typs wurden gebaut, das letzte 1997 außer Betrieb genommen. Die auf dem Cotswold Airport geparkte, in Belfast gebaute Bristol Britannia, die nicht mehr geflogen wird, wurde am 24 August 1960 in Betrieb genommen und stand 15 Jahre lang im Dienst der Royal Air Force. Anschließend war sie im Besitz mehrerer Fluggesellschaften, bis sie schließlich hier im ländlichen Gloucestershire ihre letzte Ruhestätte fand. Besucher können sie sich in der Regel jeden zweiten Sonntag ansehen; die genauen Termine sind der Webseite der Preservation Society zu entnehmen.

Published in: on 19. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Axbridge in Somerset und ein Flugzeugabsturz am 10. April 1973

Das Denkmal für die Opfer des Flugzeugabsturzes bei Hochwald in der Schweiz.
Author: Хрюша
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Es sollte ein schöner Tag werden dieser 10. April des Jahres 1973, ein Einkaufstrip nach Basel auf den sich viele Frauen aus Axbridge in Somerset schon seit langem gefreut hatten. Die Damen der Axbridge Ladies Guild hatten sich mit Damen der Cheddar Mums‘ Night Out Group und Kegelvereinen aus den umliegenden Dörfern Congresbury und Wrington zusammengetan, um diesen Tag gemeinsam in der Schweiz zu verleben. Am Flughafen von Bristol stiegen sie in eine Vickers Vanguard 952 der Invicta International Airlines (Flugnummer 435) und starteten um 7.19 Uhr. An Bord waren 139 Passagiere, überwiegend Frauen, und sechs Besatzungsmitglieder. Als sich das Flugzeug dem Flughafen von Basel näherte, geriet es in einen Schneesturm. Die Sicht war sehr schlecht, der erste Landeversuch missglückte, beim zweiten Versuch verloren die beiden Piloten die Orientierung, und das Flugzeug stürzte in ein Waldgebiet nahe des Ortes Herrenmatt. 108 Menschen starben, 37 konnten sich retten beziehungsweise wurden aus dem Wrack gerettet.

Als die Nachricht des Flugzeugabsturzes in Axbridge und den anderen Orten in Somerset eintraf, schien die Zeit stehen zu bleiben. Noch vor wenigen Stunden hatte man die Ehefrauen, Mütter und Töchter weggewinkt und jetzt waren die meisten von ihnen tot. Die Dörfer standen unter Schock. Nach und nach gab man die Namen derjenigen bekannt, die den Absturz überlebt hatten, die Angehörigen derjenigen, die nicht auf dieser Liste standen, versanken in Hoffnungslosigkeit. Auf einen Schlag hatten 55 Kinder ihre Mütter verloren, eine junge Frau verlor elf Familienmitglieder. Zur Identifizierung der Toten machten sich Angehörige auf den Weg in die Schweiz, eine extrem belastende Aufgabe.
Die 108 Opfer wurden wieder nach England zurückgebracht und auf den Friedhöfen ihrer Heimatorte beigesetzt. 13 der 16 Opfer aus Axbridge kamen in ein gemeinsames Grab auf dem Kirchhof von St John the Baptist.

In der Nähe der Absturzstelle in der Schweiz steht ein Denkmal, das an diesen schwarzen Tag im April 1973 erinnert. Dieser Film arbeitet die Geschehnisse von 1973 und der Zeit danach noch einmal auf.

St John the Baptist in Axbridge (Somerset).
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Royal Albert Bridge, die Cornwall mit Devon verbindet

Am 2. Mai 1859 wurde eine Brücke feierlich eröffnet, die von Saltash in Cornwall nach Plymouth in Devon führt und die nach Prinz Albert, dem Ehemann Königin Victorias benannt wurde, die Royal Albert Bridge. Leider war der Konstrukteur der Brücke, das Technikgenie Isambard Kingdom Brunel (1806-1859) nicht anwesend, da er erkrankt war und noch im selben Jahr, am 15. September, starb. Mit den Worten „I.K. BRUNEL ENGINEER 1859„, die an den Brückenenden angebracht wurden, ehrte man den Schöpfer der Albert Bridge. Anwesend bei der Brückeneröffnung war aber Prinz Albert selbst.

Die Royal Albert Bridge ist eine Eisenbahnbrücke über den River Tamar mit einer Länge von 670 Metern und einer Höhe von 52 Metern. Da ich noch nie in England mit der Eisenbahn unterwegs gewesen bin, kann ich nicht schildern wie es sich anfühlt, über die Brücke den Tamar zu überqueren, aber dieser Film macht das deutlich.

1952 wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt und zu ihrem 150. Geburtstag  veranstaltete man auf ihr ein großartiges Feuerwerk  (hier zu sehen). Im Laufe der Lebenszeit der Royal Albert Bridge wurden immer wieder Verbesserungen und Veränderungen vorgenommen, zuletzt von 2011 bis 2014 eine Komplettrenovierung für £10 Millionen bei der 50 000 Nuten und viele Stahlteile ersetzt wurden. Dieser Film informiert über die Entstehung der Brücke.

Damit sich die Royal Albert Bridge nicht so allein fühlte, hat man direkt neben sie eine Straßenbrücke gestellt, die Tamar Bridge, über die die A38 geleitet wird. Eröffnung dieser neuen Brücke: 26. April 1962. Es handelt sich hier um eine „halbe“ Toll Bridge, das heißt die Befahrung für PKWs von Cornwall nach Devon kostet £2, in die Gegenrichtung braucht man nichts bezahlen.

Die Schwesterbrücke, die Tamar Bridge.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

In trauter Gemeinsamkeit.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Hythe Pier Railway – Die älteste Pier-Eisenbahn der Welt

Es gibt schon ganz schön lange Piers in England. Der Southend Pier in der Grafschaft Essex ist mit 2,16 Kilometern der längste im ganzen Land, und da der Weg bis zum Kopf des Piers vielen Besuchern zu lang ist, hat man dort Schienen verlegt und eine Eisenbahn darauf gesetzt, so dass man bequem hin und her fahren kann, ohne seine Beine benutzen zu müssen. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag.

Den ältesten Pier Train der Welt findet man in der Kleinstadt Hythe in der Grafschaft Hampshire (nicht zu verwechseln mit Hythe in Kent)  und der hat es ins Guinness Buch der Rekorde geschafft (ein Rekord, den ihm niemand streitig machen kann!). Der Hythe Pier wurde 1881 eröffnet und ist mit 640 Metern der siebtlängste im Königreich. Eigentlich könnte man die ganze Strecke auch problemlos zu Fuß zurücklegen, doch trotzdem wurden 1909 Gleise verlegt, auf der eine per Hand betriebene Bahn verkehrte. 1922 schließlich nahmen Elektrolokomotiven ihren Betrieb auf, die davor im Ersten Weltkrieg in einer Senfgasfabrik in Avonmouth eingesetzt waren.

Die ziemlich hässlichen Loks und Waggons verkehren ständig zwischen der Landstation und der Kopfstation der Pier, was für die Lokführer eine extrem langweilige Arbeit sein muss, den ganzen Tag 640 Meter hin und wieder zurück zu gondeln.

Der Pier Train ist aber nicht nur für lauffaule Touristen gedacht, sondern er wird auch von Pendlern genutzt, die mit der Hythe Ferry vom Pierkopf aus zum Town Quay nach Southampton fahren, um in der Stadt ihrer Arbeit nachzugehen. Jede halbe Stunde fährt die Hythe Pier Railway zum Ende der Pier, immer dann wenn die Fähre anlegt.

Im vorigen Jahr erhielt die Hythe Pier Heritage Association eine Spende über £10,000 von der Beaulieu Beaufort Foundation, um die Waggons wieder in einen vernünftigen Zustand zu versetzen, denn sie haben in diesen fast hundert Jahren ganz schön gelitten.

Mit diesem Film kann man sich einen guten Eindruck von Pier, Zug und Fähre verschaffen.

Published in: on 18. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Combe Down Tunnel bei Bath in Somerset und seine Klang-Licht-Installation

Als der Chef der britischen Staatsbahnen, Richard Beeching (1913-1985), in den 1960er Jahren seine berühmt-berüchtigte „Beeching axe“ anlegte, um das Streckennetz drastisch zu reduzieren (siehe dazu auch meinen Blogeintrag), traf es auch die Somerset & Dorset Joint Railway, die die Städte Bath und Bournemouth miteinander verband. 1966 wurde die Bahnlinie geschlossen, weil sie angeblich zu unrentabel war. Die Leute, die die Bahn regelmäßig nutzten, waren „not amused“.

Die Linie führte südlich von Bath durch zwei Tunnel, den Devonshire Tunnel und den Combe Down Tunnel; letzterer war mit 1672 Metern einer der längsten Eisenbahntunnel Großbritanniens. Der Combe Down Tunnel war für das Personal auf der Lok nicht ungefährlich, denn es gab im Tunnel keine Ventilationsschächte, so kann man sich gut vorstellen, was da für eine schlechte Luft geherrscht haben musste. Seit 1966 gammelte der unbenutzte Tunnel vor sich hin, bis man auf die Idee kam, ihn für Radfahrer und Fußgänger frei zu geben, was natürlich nicht ohne umfangreiche Renovierungsarbeiten möglich war. Sustrans, eine Organisation, die sich um das über 20 000 Kilometer lange britische National Cycle Network kümmert, nahm den Combe Down Tunnel, und auch den ebenfalls wiederhergestellten Devonshire Tunnel, unter ihre Fittiche und gliederte sie beide als Two Tunnels Greenway in ihre National Cycle Route 244 ein. Am 6. April 2013 war die Eröffnung und damit ist der Combe Down Tunnel der längste Fahrradtunnel auf der Insel.

Damit es den Radfahrern und Fußgängern darin nicht langweilig wird, hat Sustrans eine Klang-Licht-Installation namens „Passage“ darin anbringen lassen. United Visual Artists aus London bekam den Auftrag dafür. In den Nischen des Combe Down Tunnels, die damals für die Arbeiter vorgesehen waren, die während des Zugbetriebs Arbeiten im Tunnel vornahmen, sind jetzt Lichtinstallationen zu sehen, verbunden mit Lautsprecheranlagen über die Musik eingespielt wird, die extra für diesen Zweck von der Komponistin Mira Calix geschaffen wurde. Die Kunstinstallation reagiert auf Bewegungen und wird dadurch in Gang gesetzt. Hier ist ein Film über den Tunnel, den übrigens Fußgänger in etwa 25 Minuten, Radfahrer in 10 Minuten durchqueren.

Nachts muss es ein wenig unheimlich sein, durch diesen langen Tunnel zu laufen oder mit dem Rad zu befahren wie dieser „Ghost Train“-Film zeigt.

 

Die Rosedale Chimney Bank in North Yorkshire – Eine der steilsten Straßen Großbritanniens

Chimney Bank – Dangerous hill – Engage low gear now – Cyclists please dismount„, so lautet die beunruhigende Aufschrift auf einem der Hinweisschilder im North York Moors National Park in North Yorkshire. Ob es sich dabei wirklich um die steilste Straße im ganzen Land handelt, sei dahingestellt, auf jeden Fall hat die Rosedale Chimney Bank eine Steigung bzw. Gefälle von 1:3. Allenfalls der Hardknott Pass in Cumbria und vielleicht auch noch Sutton Bank, ebenfalls in North Yorkshire gelegen, bieten ähnliche Steigungen wie die Rosedale Chimney Bank.

Die enge Straße verläuft in zahlreichen steilen, unübersichtlichen Kurven, die die ganze Aufmerksamkeit der Autofahrer verlangen; Radfahrer sollen bergabwärts absteigen, aber was so ein richtiger „biker“ ist, der denkt gar nicht daran (in Radfahrerkreisen wird die Straße auch The Chain Breaker genannt). 1 470 Meter ist der Straßenabschnitt nur lang, dafür hat er aber einiges zu bieten. Im Winter bei Eis und Schnee wird es richtig problematisch, sie zu befahren, darum warnt ein zusätzliches Schild „Avoid route in wintry conditions„. Die Fahrzeugbremsen sollten schon in Ordnung sein, wenn man die Rosedale Chimney Bank hinunterfährt, denn „runaway lanes“ gibt es nicht. Für LKWs und Wohnwagengespanne ist die Straße nicht geeignet. Es gab hier auch schon einmal Oldtimerrennen und da ging dem einen oder anderen der betagten Vehikel schon einmal die Puste aus.

Am Beginn der Rosedale Chimney Bank steht ein Pub aus dem 16. Jahrhundert, der White Horse Farm Inn, in dem sich die Radfahrer, die die Straße bezwingen wollen, sich ein wenig Mut antrinken können.

Dieser Film zeigt die Straße, von einer Drohne aus gefilmt, und dieser einen Radfahrer beim Bezwingen der Strecke.

The White Horse Farm Inn.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. Februar 2021 at 02:00  Comments (4)  
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Der Solent Flyer und der Island Flyer – Die Letzten ihrer Art

Christopher Cockerell (1910-1999) war ein Ingenieur, dessen bekannteste Erfindung das Hovercraft war, ein Vehikel, das sich sowohl über Land als auch über Wasser fortbewegen konnte, und das auf einem Luftkissen. Eigentlich eine geniale Erfindung, heute trifft man diese Luftkissenfahrzeuge nur noch selten an. Eine Zeit lang bedienten große Exemplare dieser Fahrzeuge die Strecke über den Ärmelkanal  von Dover nach Calais. Ich bin einmal damit die umgekehrte Strecke gefahren; ein ungewöhnliches Erlebnis.

In ganz Großbritannien gibt es heute nur noch eine Mini-Strecke, die von zwei Hovercrafts befahren wird: Von Southsea an der Küste von Hampshire nach Ryde auf der Isle of Wight. Gerade einmal zehn Minuten brauchen die beiden Luftkissenfahrzeuge Solent Flyer und Island Flyer dafür, die tagaus, tagein hin und her pendeln. Im Jahr 2016 wurden beide in Dienst gestellt, sie tragen die Typenbezeichnung Griffin 12 000TD, gebaut von der Firma Griffon Hoverwork, die die Fabrikation der Fahrzeuge im benachbarten Southampton tätigt. In Lee-on-the-Solent befindet sich auch das einzige Hovercraft Museum der Welt (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Fährverbindung Southsea – Ryde, von der Firma Hovertravel betrieben, dient nur zur Personenbeförderung, im Gegensatz zur damaligen Ärmelkanalfähre, die auch Fahrzeuge mitnehmen konnte. Die Hin- und Rückfahrt kostet £24.60.

Die Luftkissenfahrzeuge gelten als sehr sicher; nur einmal gab es auf der Strecke Southsea-Ryde ein Unglück, am 4. März 1972, als nur wenige hundert Meter von der Landestelle in Southsea entfernt, die Fähre von einer ungewöhnlich großen Welle erfasst wurde und kenterte. Fünf Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben.

Dieser Film zeigt den Solenty Flyer bei der Anlandung und bei der Abfahrt.

Published in: on 7. Februar 2021 at 02:00  Comments (6)  
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Der Londoner Westway – Ein früher sehr umstrittenes Teilstück der A40

Die Autofahrer hat es damals gefreut, als am 28. Juli 1970 in Anwesenheit des Verkehrsministers John Peyton und des parlamentarischen Staatsekretärs Michael Heseltine der vier Kilometer lange  Londoner Westway eröffnet wurde, ermöglichte er es ihnen doch, schneller in die Innenstadt zu kommen beziehungsweise die Stadt schneller in Richtung Westen zu verlassen. Der Westway ist ein Teilstück der A40, die zur Autobahn M40 führt.

Was des Autofahrers Freud war des Anwohners Leid, denn zuerst einmal musste eine gewaltige Schneise in den westlichen Teil Londons geschlagen werden, Häuser wurden in großem Stil abgerissen, damit der auf Stelzen gebaute Westway entstehen konnte. Unterhalb der Hochstraße entstand eine Ödnis, die Betonpfeiler wurden mit Graffiti besprüht, niemand mochte sich dort aufhalten. Bei der Eröffnung der Straße kam es zu Protesten der Anlieger, deren Wohnungen in den oberen Stockwerken der Häuser plötzlich auf der gleichen Höhe wie die Fahrbahn lagen. Sie mussten den Lärm und die Abgase ertragen, eine Entschädigung erhielten sie nicht; ihre Lebensqualität hatte sich drastisch verschlechtert. Aber es ging in den nächsten Jahren noch weiter, als in der näheren Umgebung weitere Häuserzeilen abgerissen wurden und Zwangsenteignungen stattfanden. Dieser sehr interessante Film zeigt noch einmal die Problematik des Westways auf.

In dem 1974 erschienenen Roman „Concrete Island“ (dt. „Die Betoninsel“) des großartigen Schriftstellers James Graham Ballard (1930-2009) spielt der Westway eine Rolle, als ein Autofahrer dort einen Unfall erleidet, und er im Niemandsland der Hochstraßen landet, wo ihn niemand sehen und ihm helfen kann.

In dem Film „Radio On“ (dt. „Radio On“) aus dem Jahr 1979 zeigt Regisseur Christopher Petit einige Sequenzen von der Hochstraße. Britische Rockgruppen erwähnten die Straße in einigen ihrer Songs wie „Under the Westway“ von Blur und „London’s Burning“ von The Clash.

£30 Millionen kostete damals der Bau der Straße, was heute etwa einer halben Milliarde Pfund entspricht. Ob wohl heute, 50 Jahre nach der Eröffnung, ein Brachialakt wie damals noch einmal möglich wäre?

 

Published in: on 20. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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