Old Thatch in Bourne End (Buckinghamshire) – Hier lebte Enid Blyton von 1929 bis 1937

Ab heute kommt der Film „Fünf Freunde 2“ in die deutschen Kinos. Grund genug, um in meinem heutigen Blogeintrag an die Schöpferin der „Fünf Freunde“-Serie, Enid Blyton, zu erinnern.

1929 suchte die Kinderbuchautorin Enid Blyton (s. dazu auch meinen früheren Blogeintrag) nach einem neuen Haus und wurde in Bourne End in Buckinghamshire fündig. Old Thatch hieß das reetgedeckte, aus dem 17. Jahrhundert stammende Cottage, in das sie sich sofort verliebte und das für acht Jahre ihr Zuhause werden sollte. Das von einem großen Garten umgebene Haus im Coldmoorholme Lane ist nur wenige Schritte von der Themse entfernt und liegt in einem ruhigen Wohngebiet direkt neben dem Countrypub The Spade Oak.

Die Old Thatch Gardens sind zur Besichtigung freigegeben, in diesem Jahr vom 12. Mai bis zum 29. August, jeweils mittwochs, donnerstags und sonntags von 14 Uhr bis 17.30 Uhr.

Wer einige der unzähligen Kinderbücher von Enid Blyton gelesen hat, fragt sich vielleicht, ob u.a. auch Old Thatch und Bourne End Pate gestanden haben für die Schauplätze der Romane. Namentlich erwähnt werden weder das Haus noch die Kleinstadt, doch sind einige Parallelen unübersehbar.

Nachdem die Schriftstellerin 1937 von hier wieder weggezogen ist (nach Beaconsfield, ebenfalls in Buckinghamshire), hat sich natürlich einiges in Old Thatch verändert. Im Garten stehen aber nach wie vor die Apfel- und Birnenbäume, die Eibenhecke und der Teich, den Enid Blyton seinerzeit angelegt hatte.
Bei einem Besuch in den Old Thatch Gardens kann man am Nachmittag im Tea Room auch Tee und von den Betreibern selbstgebackenen Kuchen zu sich nehmen.

In den 1930er Jahren startete Enid Blyton eine Buchreihe, die sie nach ihrem Haus nannte: „The Old Thatch Series„; darin erschienen z.B. Titel wie „The Talking Teapot“, „The Strange Tale of Mr. Wumble“ oder „Children of Other Lands“.

Wer sich The Old Thatch ansehen möchte, der fahre von der A4155, die von Bourne End nach Marlow führt, kurz hinter dem Ortsausgang von Bourne End, links in den Coldmoorholme Lane. Nach kurzer Fahrt kommt man links an dem Cottage vorbei. Parken kann man davor auf der engen Straße nicht, das geht erst auf dem Parkplatz von The Spade Oak.

Old Thatch
Coldmoorholme Lane
Bourne End, Buckinghamshire, SL8 5PS
Tel. 01628 527518

Das Buch zum Artikel:
Tess Livingstone: Enid Blyton at Old Thatch. Connorcourt 2008. 72 Seiten. ISBN 978-1921421037.

The Spade Oak in Bourne End.   © Copyright David Hawgood

The Spade Oak in Bourne End, der direkt an The Old Thatch angrenzt.
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Published in: on 31. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Illuminating York – Ein Spektakel der besonderen Art

   © Copyright Steve  Fareham

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2012 feierte die Stadt York den 800. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte mit zahlreichen Veranstaltungen, dessen Höhepunkt wohl „Illuminating York“ war, das man vom 31. Oktober bis zum 3. November sehen konnte. Bereits zum achten Mal fand dieses „Son et Lumière nach Yorkshire Art“ statt und lockte über 60 000 Zuschauer an. Dabei werden Gebäude der Stadt am Abend angestrahlt, Bilder und Filme darauf projiziert und das Ganze mit Musik untermalt.

Für dieses Spektakel bieten sich bestimmte Gebäude mit ihren großen Flächen natürlich an wie das York Minster und das York Castle Museum. In den Museum Gardens war eine Lichtinstallation mit dem Titel „Vic Reeves Wonderland“ zu sehen, bei der der botanische Garten in ein mystisches und magisches Zauberland verwandelt wurde.

Neben diesen großen Attraktionen gab es in mehreren Gebäuden der Stadt noch weitere kleinere, bei denen die Beleuchtung immer eine Rolle spielte. Im Treasurer’s House, gegenüber dem Münster gelegen und als „very haunted“ bekannt, fand an jedem der vier Abende „A ghostly glow“ statt: „The fusion of light, sound and ghostly tales illuminate the past as a spell is cast over grand period rooms. From the shadows a ghostly glow reveals some unexpected stories, in this intriguing house renowned across the city for its infamous ghosts“. Wenn das nicht aufregend klingt!

Im Fairfax House im Castlegate war elektrisches Licht an den Abenden ein absolutes Tabu. Die Besucher wurden bei Kerzenlicht durch das im 18. Jahrhundert erbaute Haus geführt.
Den Clifford Tower konnte man bei Fackeltouren besteigen und das nächtliche York von einer ganz besonderen Perspektive genießen. Die mittelalterliche Merchant Adventurer’s Hall war ebenfalls an jedem Abend geöffnet und ganz in Kerzenlicht getaucht.

Wer sich „Illuminating York“ einmal ansehen möchte, der kann das in diesem Jahr vom 30. Oktober bis zum 2. November tun.

Hier sind einige Beispiel aus den letzten Jahren im Film zu sehen:
Das Castle Museum
Vic Reeves Wonderland
York Minster

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Published in: on 30. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Jessica Fellowes & Matthew Sturgis: Chronicles of Downton Abbey

Eigenes Foto.

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Nachdem das ZDF bzw. ZDF Neo über Weihnachten die erste Staffel der englischen Erfolgsserie „Downton Abbey“ ausgestrahlt hat, scheint die Familiengeschichte auch in Deutschland ihre Anhänger gefunden zu haben. Die DVDs der Staffeln Eins und Zwei stehen auf den Verkaufslisten weit oben und am 7. Februar erscheint der Begleitband „Die Welt von Downton Abbey: Geheimnisse, Geschichten, Hintergründe“ (Edel-Verlag, ISBN 978-3841902009).

In Großbritannien ist man natürlich schon einige Schritte weiter, da konnte man bereits die dritte Staffel und zu Weihnachten ein Christmas Special „Downton Abbey: A Journey to the Highland“ sehen (mit einem sehr dramatischen Ende!!). Demnächst beginnen die Dreharbeiten zu Staffel Vier.

Ein weiterer Begleitband erschien im vergangenen Jahr, in der gleichen Aufmachung wie der Vorgänger und wieder von Jessica Fellowes geschrieben, einer Nichte des Drehbuchautors Lord Julian Fellowes. „Chronicles of Downton Abbey: A new era“ lautet  der Titel und hier werden die einzelnen Personen des TV-Dramas vorgestellt und, was ich sehr interessant finde, ihre Handlungs- und Denkweisen in Kontext zu der damaligen Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg gestellt.
Die Darsteller kommen in dem Buch auch zu Wort und äußern sich über die von ihnen verkörperten Personen.
Es beginnt mit dem Earl und der Countess of Grantham und endet mit der Dowager Countess of Grantham, gespielt von der unvergleichlichen Maggie Smith. Interessant auch das Kapitel „Behind the scenes„, worin man z.B. erfährt, dass Lisa Heathcote für das Kochen verantwortlich war (und nicht Mrs Patmore und Daisy), dass Mary und Matthews Hochzeitstorte nur aus Pappe bestand (was die Filmcrew sehr bedauerlich fand) und dass die Schauspieler während der Dreharbeiten im Highclere Castle ständig gefroren haben („It’s got its own microclimate. Even on a hot day it’s cold. On a cold day it’s freezing“, sagt dazu die Produzentin Liz Trubridge).

Das mit vielen großformatigen Fotos ausgestattete Buch kann ich nur jedem Fan der Serie ans Herz legen!!

In diesem Film spricht Jessica Fellowes ausführlich über ihre Bücher bzw. über die TV-Serie.

Jessica Fellowes & Matthew Sturgis: Chronicles of Downton Abbey – A New Era. Collins 2012. 314 Seiten. ISBN 978-0007453252.

Published in: on 29. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Meine Lieblings-Pubs – The Kings Arms in Stow-on-the-Wold

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Im Herzen der Cotswolds liegt die historische Marktstadt Stow-on-the-Wold (Gloucestershire) und hier kann es während der touristischen Hochsaison so richtig voll werden; dann ist auf dem Marktplatz absolut kein Parkplatz mehr zu bekommen. Am Abend, wenn die ganzen „Daytripper“ den Ort wieder verlassen haben, kehrt dann wieder etwas mehr Ruhe ein.

An der einen Ecke des Marktplatzes findet man den 500 Jahre alten Kings Arms, ein Pub und ein Hotel in einem Gebäude, natürlich aus dem hier allgegenwärtigen Cotswoldstein erbaut. Noch heute ist man stolz auf einen Besuch König Charles I, der im Jahre 1645 vor der Schlacht von Naseby in dem alten Coaching Inn weilte, und auf der Webseite des Hotels/Pubs heißt es denn auch „Today everyone is treated like royalty“. Nun ja, bei meinem Besuch wurde zwar kein roter Teppich ausgerollt, aber trotzdem gefiel es mir im Kings Arms.

Das Restaurant ist ansprechend eingerichtet und das Mittagessen, das ich hier einnahm, schmeckte sehr gut. Wer in der Bar essen möchte, kann hier auch unter verschiedenen Sandwiches und Baguettes wählen.

Das Hotel am Markplatz von Stow-on-the Wold war 1978 einmal Schauplatz einer BBC-Verfilmung des Thomas Hardy-Romans „The Mayor of Casterbridge“ mit Alan Bates und Anna Massey in den Hauptrollen.

The Kings Arms
Market Square
Stow-on-the Wold
Gloucestershire
GL54 1AF
Tel. 01451 830364

Published in: on 28. Januar 2013 at 02:00  Comments (4)  

The Rising Universe in Horsham (West Sussex) – Ein eigenwilliges Denkmal für Percy Bisshe Shelley

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Der Dichter und Schriftsteller Percy Bisshe Shelley (1792 – 1822), der zu den bedeutendsten der englischen Romantik zählt, wurde 1792 in Broadbridge Heath, drei Kilometer westlich von Horsham in West Sussex geboren. Kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag ertrank Shelley während eines schweren Sturms vor der Küste von Lerici in Italien.

Am 13. November 1996 setzte ihm die Stadt Horsham ein Denkmal, das damals nicht auf breite Zustimmung stieß. Man hatte natürlich nichts gegen den Dichter einzuwenden, aber „The Rising Universe„, so der offizielle Name des Denkmals, war nicht jedermanns Sache. Die Bildhauerin Angela Conner schuf eine Skulptur in Form eines großen Globus, der auf einem Schaft in einem Wasserbecken steht und sich langsam mit Wasser füllt. Wenn er das Gewicht von sechs Tonnen erreicht hat, schießt das Wasser aus der Kugel heraus, die sich auf diese Weise langsam hebt, sich wieder mit Wasser füllt, sinkt usw.usw. Die Künstlerin wollte so den kosmischen Kreislauf bzw. „The Rising Universe“ darstellen. Inspiriert wurde Angela Conner von Shelleys Gedicht „Mont Blanc„, das so beginnt:

The everlasting universe of things
Flows through the mind, and rolls its rapid waves,
Now dark – now glittering – now reflecting gloom –
Now lending splendour, where from secret springs
The source of human thought its tribute brings
Of waters, – with a sound but half its own,
Such as a feeble brook will oft assume
In the wild woods, among the mountains lone,
Where waterfalls around it leap for ever,
Where woods and winds contend, and a vast river
Over its rocks ceaselessly bursts and raves.

Man war unterschiedlicher Meinung, ob man den Dichter, der ja im Meer ertrank, nun unbedingt mit einer Wasserskulptur ehren sollte; mittlerweile hat sich die Bevölkerung von Horsham aber daran gewöhnt und besonders an warmen Sommertagen genießen es die Kinder, sich im Wasserbecken zu erfrischen.

Wie das Kunstwerk genau funktioniert, zeigt dieser Film.

Die Botschaft Ecuadors am Hans Crescent in London – Zuflucht des Wikileaks-Gründers Julian Assange

Bis vor wenigen Monaten hatte sich kaum jemand für die Botschaft des südamerikanischen Staates Ecuador in London interessiert, bis der Wikileaks-Gründer Julian Assange darin Zuflucht suchte, weil Ecuador ihm politisches Asyl gewährt hat. Jetzt sitzt der Australier in dem Botschaftsgebäude am Hans Crescent im vornehmen Londoner Stadtteil Kensington wie die Maus in der Falle. Wagt er sich heraus wird er sofort verhaftet und an Schweden bzw. die USA ausgeliefert.

Die Ecuadorianer haben sich ein schönes Haus in einer bevorzugten Lage für ihre Botschaft ausgesucht. Hans Crescent Nummer 3 liegt zwischen der Brompton Road (der A4) und der Sloane Street (der A3216), direkt neben dem riesigen Gebäude des Edelkaufhauses Harrod’s. Die Botschaftsangehörigen haben rund 30 Meter zu laufen, um dort ihre Einkäufe zu tätigen. Das gepflegte Haus mit den weiß gestrichenen Balkonen beherbergt auch noch die Botschaft Kolumbiens.

Der Hans Crescent war im 19. Jahrhundert Teil einer heruntergekommenen Gegend, die erst durch die Ansiedlung von Harrod’s wieder an Status gewann. Benannt wurde die Straße nach Sir Hans Sloane (1660-1753), einem englischen Wissenschaftler, der alles sammelte, was ihm unter die Finger kam, und diese umfangreiche Sammlung bildete später den Grundstock für das British Museum.

Botschafterin Ecuadors in Großbritannien und „Herbergsmutter“ von Julian Assange ist Ana Alban Mora, die seit März 2010 ihr Land in London vertritt (hier ist ein Interview mit ihr). Bevor sie diese Stelle annahm, war sie Umweltministerin.
Die Aufgaben der Botschaft:
„Ecuadorian Embassy provides local, national and worldwide information on their services to all commercial, industrial and tourist orientated activities directed to Ecuador. In addition to this, they are here to assist their compatriots and to offer them the local representation of their homeland.“

Embassy of Ecuador
Flat 3B, 3 Hans Crescent
London SW1X 0LS
T. 020 7584 1367

Published in: on 26. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Three Choirs Vineyards bei Newent (Gloucestershire)

Wenn man in Deutschland versucht, englischen Wein zu kaufen, hat man ein Problem. Mir ist es bisher noch nicht gelungen. Selbst in großen Weinhandlungen in Hamburg und Lübeck erntete ich auf meine Frage nur Kopfschütteln. Man hatte zwar schon davon gehört, dass in England Wein angebaut wird, aber das war es auch schon. Ich habe aber auch in England selten einmal Weine aus dem eigenen Land in Supermärkten oder Weinhandlungen gesehen. Selbst in Oxford hatte ich in einem großen Weingeschäft kein Glück. Wo man denn in der Universitätsstadt welchen bekommmen könnte? Achselzucken. Also muss man schon zu den Erzeugern fahren, um sich vor Ort mit dem Rebensaft einzudecken.

Die Three Choirs Vineyards liegen in der Grafschaft Gloucestershire an der B4215, 3 Kilometer von Newent entfernt. Man produziert hier Weine für alle Geschmacksrichtungen: Trocken, halbtrocken und halbsüß. Ein Schaumwein („Classic Cuvée„, Seyval Blanc 80% Pinot Noir 20%) steht auch auf dem Programm, der,  nach eigenen Angaben, Champagnern sehr ähnlich sein soll und das zu einem erheblich geringeren Preis (£13.50). Diese Aussage klingt zwar sehr vollmundig, aber bei internationalen Blindverkostungen haben Schaumweine aus England schon mehrfach die großen französischen Stars geschlagen.

Martin Fowke von den Three Choirs Vineyards wurde 2008 zum Winemaker of the Year ernannt und bei dem English & Welsh Wine of the Year Competition des gleichen Jahres erhielt der Weißwein „Siegerrebe 2006“ die Auszeichnung  „Wein des Jahres“. Zurzeit gibt es den Nachfolger,  die „Siegerrebe 2011“ zu kaufen (£14.99).

Das Weingut in Gloucestershire bietet neben dem Weinanbau noch einiges mehr: Man kann hier übernachten (£145 – £205 pro Doppelzimmer), im anspruchsvollen Restaurant sein Mittag- und Abendessen einnehmen und, wer keinen Wein mag, das Bier der Whittingtons Brewery probieren, die auf dem gleichen Gelände untergebracht ist (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Hier ist ein Film zu sehen, in dem Oz Clarke und James May die Three Choirs Vineyard besuchen

Three Choirs Vineyard
Newent  Gloucestershire GL18 1LS
Tel. 01531 890223

   © Copyright John Evans

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Published in: on 25. Januar 2013 at 02:00  Comments (3)  
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Crufts – Die größte Hundeshow der Welt

Author: Annie Mole.This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Author: Annie Mole.
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In diesem Jahr findet Crufts, die größte Hundeshow der Welt, vom 7. bis zum 13. März wieder im National Exhibition Centre in Birmingham statt. Alles, was vier Pfoten hat und sich in der Hundwelt für schön, intelligent und sportlich hält, wird sich hier wieder, gemeinsam mit Frauchen/Herrchen, ein Stelldichein geben.

Benannt wurde die Veranstaltung nach ihrem Gründer, dem Hundefutterproduzenten  Charles Cruft, der sich 1886 mit seiner  Londoner „First Great Terrier Show“ erst nur auf Terrier beschränkte, ein paar Jahre später aber alle Hunderassen zuließ. Nach seinem Tod übernahm der Kennel Club, der Dachverband der britischen Hundezüchtervereine, die Show, die sich bis heute unter Züchtern und Hundebesitzern sehr großer Beliebtheit erfreut.

Bei Crufts geht es zum einen um die Schönheit, d.h. es werden Preise für die jeweiligen Hundrassen vergeben. Ein Beispiel zeigt dieser Film, in dem sich die Pyrenean Mountain Dogs präsentieren. Man gewinnt den Eindruck, dass sich die Hunde ihrer Schönheit durchaus bewusst sind.

Zum anderen geht es um Flinkheit und Beweglichkeit, d.h. die Hunde müssen bei der Agility eine Hindernisstrecke bewältigen. Da gibt es viele Veranstaltungen wie die Kennel Club British Open oder die Kennel Club International Agility. Das sieht dann z.B. so aus.

Für alle Hundefreunde gibt es auch das Crufts Magazine, das viermal im Jahr erscheint.

Der Eintrittspreis für die Hundeshow beträgt bei Vorbestellung £14 pro Tag, an der Tageskasse £17.

Published in: on 24. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Jolly Fryer in Filton bei Bristol – Hier gibt es den größten Burger Großbritanniens

Wo gibt es den größten, fettesten und kalorienhaltigsten Burger ganz Großbritanniens? Den gibt es in dem unscheinbaren kleinen Jolly Fryer in der Filton Avenue Nummer 557a in Filton (South Gloucestershire), einige Kilometer nördlich von Bristol.

Super Scooby heißt das Gebilde aus Fleisch, Frühstücksspeck, Zwiebeln, Salat und Soßen. Der Burger ist 15 cm hoch, wodurch das Verspeisen zu einer Kunst wird und man sich unter Umständen den Kiefer verrenken kann; er besitzt stolze 2,645 Kalorien, was mehr als dem Tagesbedarf eines ausgewachsenen Mannes entspricht, wiegt 1,5 Kilogramm und kostet £10.

Wer es genau wissen möchte, hier ist die Zusammensetzung des Super Scooby:
4 Burger à 250 Gramm
12 Zwiebelringe
8 Scheiben Frühstücksspeck
8 Scheiben Käse
2 Salatblätter
6 Tomatenscheiben
3 Soßen
Mayonnaise
1 Weichbrötchen
Dazu gibt es noch eine große Portion Chips

Es soll kaum jemanden geben, der dieses Burgermonster in einem Rutsch vertilgt: Wer es schafft, bekommt vom Inhaber des Jolly Fryer eine Diät-Cola auf  Kosten des Hauses (ob das wohl ein verlockendes Angebot ist??)
In diesem Film kann man zuschauen wie jemand den Super Scooby tatsächlich komplett aufisst.

Übrigens: Noch erheblich größere Burger gibt es in den USA. In Denny’s Beer Barrel Pub in Clearfield, Pennsylvania, werden bis zu 100 Pfund (!) schwere Exemplare serviert.

The Jolly Fryer
557A Filton Avenue
Horfield
Bristol, Avon BS7 0QH
Tel. 0117 969 2376

Published in: on 23. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Michael Winner (1935 – 2013)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Am letzten Montag, dem 21. Januar 2013 starb in London der ehemalige Filmregisseur und spätere Restaurantkritiker Michael Winner. Ich habe seine Filme, die ihn bekannt machten wie „Ein Mann sieht rot“, „Der Mann ohne Gnade“ oder „Der Rächer von New York“ nie gesehen, habe aber jahrelang mit Vergnügen seine Kolumne „Winner’s Dinners“ in der Sunday Times gelesen. Darin nahm sich Michael Winner Restaurants in London, Großbritannien und dem Rest der Welt vor, die häufig schlecht von ihm beurteilt wurden. Seine Kritiken, die oft von einer ziemlichen Arroganz geprägt waren, wurden in den Leserbriefen der Sunday Times kontrovers diskutiert. Ich hätte nicht gern in einem Restaurant gesessen, in dem auch Michael Winner anwesend war.

Ich erinnere mich noch an seine Kolumne, in der er vor vielen Jahren das Cliveden Hotel auseinandergenommen hatte, und er daraufhin dort Hausverbot erhielt. Mehrere Jahre danach, als ein neues Mangement das Hotel leitete, war er wieder da und lobte das Haus in den höchsten Tönen.
Wie auch immer: Die Kolumne war amüsant zu lesen; im Dezember letzten Jahres entschied er sich, sie aus Krankheitsgründen einzustellen.

Michael Winner schrieb ein Buch über seine Erlebnisse in Restaurants und Hotels: „Unbelievable! My life in restaurants and other places“ (JR Books 2010). Darin schreibt er u.a. über seine Essen mit großen Stars der Filmszene wie Warren Beatty, Marlon Brando, John Cleese oder Michael Caine.

Der Londoner rief 1984 den Police Memorial Trust ins Leben, eine Organisation, die sich dafür einsetzt, für im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamten ein Denkmal zu setzen. Er war sehr engagiert und setzte sich immer wieder für die Polizei ein. Für dieses Engagement sollte er den Order of the British Empire verliehen bekommen, doch Michael Winner lehnte ab und sagte der Sunday Times „An OBE is what you get if you clean the toilets well at King’s Cross Station“. Typisch M.W.

Der ehemalige Regisseur wohnte bis zuletzt in seinem riesigen Anwesen Woodland House im Londoner Stadtteil Holland Park in der Melbury Road Nummer 31, ein Haus mit 47 Zimmern. In seinem Schlafzimmer, das Edward VII einmal als einen der schönsten Räume der ganzen Stadt genannt hat, ist Michael Winner wohl auch gestorben.

Published in: on 22. Januar 2013 at 15:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Tavistock Square im Londoner Stadtteil Bloomsbury

   © Copyright Stephen McKay

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Der schwärzeste Tag in der Geschichte des Londoner Tavistock Squares im Stadtteil Bloomsbury war sicherlich der 7. Juli 2005. Um 9.47 Uhr detonierte in einem roten Doppeldeckerbus der Linie 30 Marble Arch – Hackney Wick eine Bombe, die von einem Terroristen gezündet wurde. Nachdem schon etwa eine Stunde vorher drei Bomben in U-Bahnzügen explodiert waren, die vielen Menschen das Leben kosteten, endete die Anschlagserie hier am Tavistock Square in Höhe des BMA Buildings, der Zentrale der British Medical Association (BMA), blutig. 14 Menschen kamen in dem Bus ums Leben, darunter auch der Attentäter, der erst 18jährige Hasib Hussain.
Nach der Explosion leisteten Ärzte, die sich im BMA Building aufhielten, erste Hilfe und konnten so noch Menschenleben retten.
Ob wohl die Fahrer der roten Linienbusse, die heute den Tavistock Square passieren, noch immer ein mulmiges Gefühl haben und unwillkürlich an den Anschlag denken?

Seit Jahren wird darüber nachgedacht, in den Tavistock Square Gardens ein Denkmal an die Opfer des Terroraktes zu errichten. Bisher gibt es nur im Hyde Park ein zentrales Denkmal für die Opfer aller vier Anschläge.

Benannt wurde der Tavistock Square nicht nach der Kleinstadt in Devon, sondern nach dem Marquess of Tavistock, der gleichzeitig auch der Duke of Bedford war. Der Architekt des 1826 fertig gestellten Platzes war Thomas Cubitt.

Neben dem BMA Building gibt es noch einige weitere erwähnenswerte Gebäude an dem Platz wie das Woburn House, Sitz von Universities UK, eine Interessengemeinschaft britischer Universitäten und Connaught Hall, in dem Studenten der Universität von London untergebracht sind.
In der Hausnummer 52 (dort, wo jetzt das Tavistock Hotel steht) wohnte von 1924 bis 1939 die Schriftstellerin Virgina Woolf mit ihrem Mann Leonard, die hier auch ihren Verlag Hogarth Press untergebracht hatten. Virginia Woolf wurde auch mit einer Büste in den Parkanlagen verewigt.

In den Parkanlagen des Tavistock Squares finden sich einige interessante Denkmäler, die unter dem Motto Frieden und Pazifismus stehen. Mahatma Gandhi sitzt seit 1968 auf einem Sockel im Zentrum des Platzes und einige Meter weiter steht seit 1994 ein Memorial für Kriegsdienstverweigerer, das von dem Komponisten Michael Tippett eingeweiht wurde, der für seine pazifistische Haltung bekannt war.

1953 pflanzte der damalige indische Ministerpräsident Nehru im Tavistock Square eine Rotbuche und ein 1967 hier ebenfalls gepflanzter Kirschbaum soll an die Opfer des Atombombenabwurfs von Hiroshima erinnern.

Der Park des Tavistock Squares: Ein Ort der Ruhe und Besinnung mitten im trubeligen London, hier in einem sehr schönen Film vorgestellt.

In memoriam...   © Copyright Stephen McKay

In memoriam…
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Das Denkmal für Mahatma Gandhi.   © Copyright Colin Smith

Das Denkmal für Mahatma Gandhi.
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Das Denkmal für Kriegsdienstverweigerer.   © Copyright Roger Davies

Das Denkmal für Kriegsdienstverweigerer.
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Shabbington (Buckinghamshire)

   © Copyright Steve Daniels

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In der heutigen Folge der Barnaby-Spurensuche gehe ich nach Shabbington, einem kleinen Dorf in Buckinghamshire, direkt an der Grenze zu Oxfordshire. Hier war die Crew des Midsomer Murders-Team nur einmal zu Gast und zwar für die Episode 24, mit der die 6. Staffel der TV-Serie beginnt. „A talent for life“ ist der Titel, und sie lief im deutschen Fernsehen als „Der Tod und die Lady„.

Von Shabbington selbst ist in dem Film kaum etwas zu sehen, aber der Dorf-Pub The Old Fisherman“ steht immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens; den Namen des Pubs hat man in der Serie beibehalten. Der Film beginnt auch gleich in einer nächtlichen Szene vor The Old Fisherman, als es dort zu einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Isobel Hewitt und Margaret Seagrove kommt, die mit einer Tätlichkeit endet.

Die Szenen, die im Pub spielen, wurden direkt vor Ort gedreht und auch die Aufnahmen, bei denen die Barnabys und Troy im Biergarten sitzen, filmte man vor dem Old Fisherman.
Der hübsche Pub liegt am River Thame, der sich südlich von Shabbington in zwei Arme aufteilt, die sich östlich des Ortes wieder zueinanderfinden. Die Fluss- und Angelszenen drehte man auch am Thame, an dessen Ufer die Leichen von Isobel und Dr. Duncan Goff gefunden werden.

Im Restaurant des Pubs kann man aus einer reichhaltigen Speisekarte wählen; der Hummer, dessen hohen Preis Sergeant Troy bemängelt, ist auf der Karte nicht zu finden, den gibt es wohl nur zu besonderen Anlässen.

Wer Shabbington bzw. dem Pub einen Besuch abstatten möchte: Von der A418, die von Thame in Richtung Oxford führt, geht bei North Weston die Mill Road rechts ab, über die man, am Pub vorbei, direkt ins Dorf kommt.

P.S. Ein weiterer Drehort für „A talent for life“ war Littlewick Green (s. dazu auch meinen Blogeintrag).

Der River Thame, der hier an The Old Fisherman vorbeifließt.   © Copyright Steve Daniels

Der River Thame, der hier an The Old Fisherman vorbeifließt.
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Published in: on 21. Januar 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Mike Carter: One Man and His Bike

Eigenes Foto.

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Mike Carter fährt jeden Morgen mit dem Fahrrad in sein Londoner Büro. Wie wäre es wohl, statt zur Arbeitsstätte, einfach geradeaus zu fahren, bis zur Küste, und dann Großbritannien einmal komplett zu umrunden? Carter tut es einfach, schwingt sich auf sein Rad und begibt sich auf eine 8000 Kilometer lange Reise, immer an der Küste entlang.
Schnell merkt er, dass er viel zu viel Gepäck „an Bord“ hat und trennt sich von vermeintlich überflüssigen Dingen. Eine Aktion, die er im Verlauf der Reise wiederholen wird. Carter übernachtet in B&Bs und in seinem Ein-Mann-Zelt, begegnet vielen Menschen, die ihn um diese Abenteuerreise beneiden und macht fast nur angenehme Bekanntschaften.

In den fünf Monaten kommt Carter zu der Einsicht, dass es um Großbritannien nicht so schlecht bestellt sein kann, da er auf so viel Freundlichkeit und Großzügigkeit gestoßen ist.

Der anstrengendste Teil der Reise ist nicht die Fahrt durch die schottischen Highlands, sondern die Durchquerung von Cornwall und Devon, deren Hügel ihm doch mächtig in die Beine gehen und ihn fast zum vorzeitigen Abbruch veranlassen. Doch Carter beißt die Zähne zusammen und schafft es, wohlbehalten wieder in London einzutreffen.

Fazit: Trotz einiger Fahrradpannen und der vielen PKWs und LKWs, die ihm auf den größeren Straßen immer wieder beängstigend nahe gekommen sind, würde er die Reise am liebsten sofort noch einmal wiederholen.

Eine wirklich sehr empfehlenswerte Lektüre, die einfach Spaß macht und den Leser ins Grübeln bringt…sollte man so etwas auch einmal machen (oder vielleicht doch lieber mit dem Auto)?

In diesem kurzen Film spricht Mike Carter über sein Buch bzw. seine Reise.

Mike Carter: One Man and His Bike: A life-changing journey all the way around the coast of Britain. Ebury Press 2012. 343 Seiten. ISBN 978-0091940560.

Published in: on 20. Januar 2013 at 02:00  Comments (3)  

Snickelways – Die kleinen Gässchen in der Altstadt von York

   © Copyright Carol Walker

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Mark W. Jones ist der Experte für die kleinen Gässchen in der Altstadt von York und der Begriff „snickelways“ wurde von ihm 1983 geprägt und zwar in seinem Buch „A Walk Around the Snickelways of York„, das mittlerweile in der 9. Auflage vorliegt. Hier seine Definition:
A narrow place to walk along, leading from somewhere to somewhere else, usually in a town or a city, especially in the city of York„.

Über 50 Snickelways soll es in York geben und sie sind ideal, um Abkürzungen zu nehmen und von einer größeren Straße in die andere zu gelangen. Die kürzeste dieser Gassen ist „Hole-in-the-Wall„, ca 50m vom Münster und nur ein paar Meter vom Bootham Bar entfernt. Der mit stolzen 67 Metern längste Snickelway ist der „Coffee Yard„, der die Straße Stonegate mit der Grape Lane verbindet. In der Grape Lane liegt das kleine Restaurant „Nineteen“ versteckt, das ich ausprobiert habe und sehr empfehlen kann.
Nur wenige Schritte weiter findet man die Mad Alice Lane, die von Swinegate zu Lower Petergate führt; benannt nach einer Alice Smith, die bis 1825 in der Gasse wohnte und die an einer Geisteskrankheit litt – damals Grund genug, um sie aufzuhängen.
Weitere schöne Namen für die Snickelways sind Nether Hornpot Lane, Pope’s Head Alley und Le Kyrk Lane. Ein besonderes Erlebnis ist es, diese Gässchen abends im Dunklen entlangzuwandern. Verlaufen kann man sich kaum, denn die Innenstadt von York ist durchaus überschaubar.

Es gibt auch einen Pub, der nach den kleinen Passagen benannt ist: „The Snickleway Inn“ (man beachte die andere Schreibweise!) in der Goodramgate. Ich kenne ihn noch unter seinem früheren Namen „Anglers‘ Arms“; 1994 fand die Namensänderung statt, geblieben aber ist, dass sich der Pub nach wie vor einer der „the most haunted“ der Stadt York nennt und sich mit dieser Aussage wohl auch einen vermehrten Besucherandrang erhofft.

Hier ist ein Film über die Begehung des Coffee Yards.

Das Buch zum Artikel:
Mark W. Jones: A Walk Around the Snickelways of York. Dales Court Press 2010. 9., überarbeitete Auflage. 96 Seiten. ISBN 978-1871125771. 

Nether Hornpot Lane.   © Copyright DS Pugh

Nether Hornpot Lane.
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Eigenes Foto.

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Published in: on 19. Januar 2013 at 02:00  Comments (3)  
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Glastonbury High Street – Ein Paradies für Esoteriker und New Age People

   © Copyright David Gearing

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Wenn ich in Glastonbury (Somerset) war, wohnte ich immer in The George and Pilgrims (s. dazu auch meinen Blogeintrag), einem uralten Hotel mit der Adresse 1 High Street, mit Himmelbett und knarrendem Wirtshausschild direkt vor dem Fenster (natürlich „haunted“!).

Glastonbury ist einer jener mystischen Orte, die Esoteriker und New Age People anziehen. Der Legende nach hat Jesus als Kind mit Josef von Arimathäa Glastonbury besucht. In der Abtei soll die Grabstätte von König Artus und seiner Frau Guinevere gewesen sein, und um den Glastonbury Tor, einen Hügel mit einem Turm darauf, ranken sich Mythen und Legenden, es wurden dort paranormale Erscheinungen beobachtet, UFOs gesichtet usw.

Es kommen also viele Menschen nach Glastonbury (es sind noch viel mehr, wenn das alljährliche Glastonbury Festival stattfindet), auf deren etwas entlegene Wünsche sich die Geschäftswelt der Stadt längst eingestellt hat.

Die High Street bietet eine Fülle von Läden, die alles, was das Herz eines Esoterikers höher schlagen lässt, zur Schau stellen. Ich habe so etwas in dieser Konzentration nur noch in Sedona in Arizona gesehen.

In der Nummer 8 findet sich The Psychic Piglet, dessen Angebot sich folgendermaßen zusammensetzt:
„Our comprehensive range includes an extensive selection of Tarot, books & tapes, arrays of exquisite angels & fairies, T-shirts, handmade vegan candles, nagchampa & himalaya incense, along with sound healing music, all of which make us stand out for our quality“.

Gleich daneben in der Nummer 10 steht Yin Yang mit:
„A unique range of crystals, jewellery, statues, clothing, books & CDs, Feng Shui, water features, incense and so much more for your wellbeing and spiritual practice“.

Der Speaking Tree Bookshop hat die Hausnummer 5 und ist auf esoterische Bücher spezialisiert.

Ein sehr auf New Ager abgestimmtes Angebot findet sich in der Nummer 15 im The Goddess and the Green Man:
Our passion is to reclaim the myth and magic of western pagan traditions and support a pagan way of life – an earth honouring spirituality which brings us closer to the natural world, celebrates the Earth and the rhythm of Her seasons, and reflects and empowers our concerns for this beautiful fragile planet“.

Der Market Place ist die Verlängerung der High Street und hier geht es munter weiter mit esoterischen Geschäften wie Man, Myth & Magik auf der Nummer 9 („Finely crafted items to aid your personal spiritual journey“) oder Cat & Cauldron auf der Nummer 7  („Hand-crafted artefacts from the pagan community“).

Wer sich also für Esoterika und New Age-Artikel interessiert, der muss einfach nach Glastonbury reisen… oder die Online-Angebote der Geschäfte in Anspruch nehmen.

In diesem Film kann man einmal die High Street in Glastonbury entlangspazieren.

Das Buch zum Artikel:
Steve Wallis: Glastonbury Through Time. Amberley Publishing 2010. 96 Seiten. ISBN 978-1848689077.

   © Copyright Pauline Eccles

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Der tragische Tod des Schriftstellers W.G. Sebald bei Norwich in Norfolk

The Old Rectory in Poringland,Copyright: http://www.literarynorfolk.co.uk/

The Old Rectory in Poringland,
Copyright: www.literarynorfolk.co.uk/

Winfried Georg Sebald, meist nur kurz W.G. Sebald genannt, war ein deutscher Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, der 1966 nach England auswanderte. 1976 zog er mit Frau und Tochter in das kleine Dorf Poringland, das nur wenige Kilometer südlich von Norwich in der Grafschaft Norfolk liegt. Die Familie bezog dort das ehemalige Pfarrhaus The Old Rectory in der Straße Upgate. Sebald arbeitete an der University of East Anglia in Norwich als Professor für Europäische Literatur und schrieb mehrere Bücher, die sowohl in Deutschland als auch in England Anklang fanden, ja, man handelte ihn sogar als möglichen Literatur-Nobelpreisträger.

Sebalds Leben endete auf dramatische Weise am 14. Dezember 2001. Er stieg zusammen mit seiner Tochter Anna in Poringland in seinen Peugeot 306 und fuhr auf der A146 in Richtung Norwich. In einer langgestreckten Linkskurve, so die Aussagen von Augenzeugen in den Autos hinter ihm, geriet sein Auto plötzlich in den Gegenverkehr, wo er mit einem Tanklastwagen kollidierte. An der Unfallstelle konnte man nur noch seinen Tod feststellen; seine Tochter überlebte, wurde aber schwer verletzt. Der Universitätsprofessor hatte möglicherweise am Steuer einen Herzinfarkt erlitten, der ihn handlungsunfähig machte, so das Ergebnis der Obduktion.

Winfried Georg Sebald fand seine letzte Ruhestätte nur wenige hundert Meter von The Old Rectory entfernt, auf dem Friedhof der St Andrew’s Church in Framingham Earl.

Hier ist ein Interview, das W.G. Sebald wenige Tage vor seinem Tod einem US-amerikanischem Radiosender gab.

Das Buch zum Artikel:
Uwe Schütte: W. G. Sebald. Einführung in Leben und Werk. Vandenhoeck & Ruprecht 2011. 256 Seiten. ISBN 978-3825235383.

St Andrew's in Framingham Earl, die letzte Ruhestätte von W.G. Sebald.   © Copyright John Salmon

St Andrew’s in Framingham Earl, die letzte Ruhestätte von W.G. Sebald.
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Eines von Sebalds bekanntesten Büchern.Eigenes Foto.

Eines von Sebalds bekanntesten Büchern.
Eigenes Foto.

Published in: on 17. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  
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„Love Divine, All Loves Excelling“ – Ein besonders bei Hochzeiten beliebtes Kirchenlied

Charles Wesley.Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Charles Wesley.
Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Love Divine, All Loves Excelling“ – Lady Mary und Matthew suchten sich in der TV-Serie „Downton Abbey“ (Staffel 3, Episode 1) dieses Lied zu ihrer kirchlichen Trauung aus und auch Prince William und Catherine Middleton wollten, dass das Kirchenlied zu ihrer Hochzeit in der Westminster Abbey gespielt werden sollte.

Bei einer Umfrage der BBC im Jahr 2005 nach den beliebtesten Kirchenliedern erreichte „Love Divine, All Loves Excelling“ den fünften Platz (Platz 1 war „How Great Thou Art„). Der Text stammt von Charles Wesley (1707-1788), einem der Begründer der methodistischen Bewegung; gesungen wird es heute meistens nach der Melodie von „Blaenwern„, einem christlichen Lied, das der walisische Komponist William Penfro Rowlands 1904/05 schrieb.

Charles Wesley soll über 6000 Gedichte und Gebete verfasst haben, von denen viele vertont wurden; „Love Divine, All Loves Excelling“ war zweifellos eines seiner schönsten und erfolgreichsten, das von allen Konfessionen verwendet wird. Hier ist der Text der ersten Strophe mit der deutschen Übersetzung:

1. Love divine, all loves excelling,
joy of heaven to earth come down;
fix in us Thy humble dwelling;
all Thy faithful mercies crown!
Jesus, Thou art all compassion,
pure unbounded love Thou art;
visit us with Thy salvation;
enter every trembling heart.

1. Liebe, komm herab zur Erde!
Die du nicht von dieser Welt,
mach, daß sie die deine werde,
schlage bei uns auf dein Zelt!
Liebe, komm, du heißt Erbarmen,
keine Schranke schränkt dich ein,
darum lass auch bei uns Armen
heute dein Erbarmen sein.

Hier ist das Lied bei der königlichen Hochzeit am 29. April 2011 in der Westminster Abbey zu hören und hier beim Big Sing der Northern Baptist Association in Newcastle upon Tyne.

Published in: on 16. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Merkwürdige Ortsnamen im County Durham

   © Copyright Terry Robinson

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Über merkwürdige Ortsnamen in der Grafschaft Dorset berichtete ich schon einmal (hier mein Blogeintrag); aber auch das County Durham im Nordosten des Landes hat einige Dörfer mit ungewöhnlichen Namen. Hier sind ein paar Beispiele:

No Place. Ein kleines Dorf zwischen Beamish und Stanley. Die Bewohner wehrten sich vehement, als 1983 der Ort in Co-operative Villas umbenannt werden sollte. No Place blieb bestehen, Co-operative Villas wurde sozusagen zum Zweitnamen.

Pity Me. Ein Vorort von Durham. Über den Ursprung des Namens gibt es mindestens ein halbes Dutzend verschiedene Versionen, z.B.: „St Cuthberts coffin was dropped here by wandering monks on their way to Durham. The miracle working saint is said to have pleaded with the monks to be more careful and take pity on him“ (so die Webseite http://www.englandsnortheast.co.uk).

Dabble Duck. Heißt auf Deutsch so viel wie „planschende Ente“ und ist ein Gewerbegebiet bei Shildon.

Bearpark. Hier gab und gibt es keine Bären; der Name leitet sich wahrscheinlich von dem französischen Beaurepaire ab.

Crook. Die Bewohner des Dorfes, die „Crooks“, sind mit Sicherheit keine „Gauner“.

Ireshopeburn. Ein kleines Dorf im Weardale.

Man kann im County Durham auch eine kleine Weltreise machen, ohne die Grenzen der Grafschaft zu verlassen, so gibt es hier ein Toronto, ein Quebec, ein Bloemfontein, ein Bishop Auckland und ein Portobello.
Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch „A Dictionary of County Durham Place-names“ von Victor Watts empfehlen (English Place Name Society 2002. ISBN 978-0904889659).

Pity Me.   © Copyright Roger Smith

Pity Me.
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Das Stadtzentrum von Crook.   © Copyright Oliver Dixon

Das Stadtzentrum von Crook.
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Published in: on 15. Januar 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Tin Tabernacles – Wellblechkirchen mit vorprogrammiertem Verfallsdatum

St Peter's in Littlebury Green (Essex).   © Copyright James Yardley

St Peter’s in Littlebury Green (Essex).
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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es in England zu großen Bevölkerungsverschiebungen. Die Menschen zogen dorthin, wo Arbeitskräfte dringend benötigt wurden, denn die industrielle Revolution war in vollem Gang. Was in diesen neuen Ballungsräumen fehlte, waren Kirchen. Diese im traditionellen Stil aus Stein zu bauen, hätte zu lange gedauert, und so errichtete man die Gotteshäuser erst einmal aus Wellblech, das in vorgefertigten Teilen geliefert wurde. Später sollten dann diese Behelfskirchen durch „richtige“ Kirchen ersetzt werden.

Tin Tabernacles“ war der Name dieser Blechgebäude, die dann auch nach und nach wieder von der Bildfläche verschwanden. Doch einige haben es bis ins 21. Jahrhundert geschafft, ein paar stehen sogar unter Denkmalschutz. Manche sind zweckentfremdet worden, manche werden noch immer als Kirchen genutzt.

Hier sind einige Beispiele:
– Die St. Stephen’s Mission Church in Cinderford (Gloucestershire). 1880 erbaut, diente sie den hier wohnenden Zigeunern als Andachtsort.

St. Augustine’s Church in Draycott In The Clay (Staffordshire). Eine Mini-Kirche mit nur 40 Plätzen.

St. Peter’s Church in Littlebury Green (Essex). Eine hübsche, gut erhaltene Kirche aus dem Jahr 1885.

Church Of The Ascension in Bedmond (Hertfordshire). Eine „60-Sitzer-Wellblechkirche“ aus dem Jahr 1880.

St. Andrew’s Church in  Button Oak (Shropshire). Die kleine Kirche diente seinerzeit Arbeitern als Andachtsort, die im nahegelegenen Wyre Forest Holz schlugen, das in der Eisenindustrie benötigt wurde.

Dieser Film zeigt einige besonders gut erhaltene Exemplare, aber auch einige, an denen der Zahn der Zeit schon sehr genagt hat.

Das Buch zum Artikel:
Ian Smith: Tin Tabernacles – Corrugated Iron Mission Halls, Churches & Chapels of Britain. Camrose Media 2004. 208 Seiten. ISBN 978-0954712600.

St. Stephen's Mission Church in Bilson (Hertfordshire).   © Copyright Jonathan Billinger

St. Stephen’s Mission Church in Cinderford (Gloucestershire).
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St Augustien in Draycott in the Clay (Staffordshire).   © Copyright Geoff Pick

St. Augustine’s in Draycott in the Clay (Staffordshire).
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Church of the Ascension in Bedmond (Hertfordshire).   © Copyright Geoff Pick

Church of the Ascension in Bedmond (Hertfordshire).
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St. Andrew's in Button Oak (Shropshire).   © Copyright Row17

St. Andrew’s in Button Oak (Shropshire).
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Published in: on 14. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Beachy Head – Großbritanniens Ort mit der höchsten Selbstmordrate

   © Copyright Surfacefreak

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Wenn man von Eastbourne in East Sussex nach Brighton fahren will, kann man über die A259 am schnellsten ans Ziel gelangen. Eine schönere Alternative stellt allerdings die B2103 dar, die Eastbourne in südwestlicher Richtung als Verlängerung der Strandpromenade verlässt und sich langsam die Hügel hinaufschraubt und dort zur Beachy Head Road wird. An einer Abzweigung verlässt man die B-Straße und bleibt auf der linksabbiegenden Beachy Head Road. Von da oben hat man einen sehr schönen Blick auf Eastbourne.

Auf der anderen, nach Süden gehenden Seite trifft man auf den Beachy Head, eine beeindruckende Klippenlandschaft, von der es 162 Meter tief nach unten geht…ohne jegliche Umzäunung. So kommt es Jahr für Jahr zu zahlreichen Todesfällen: Unglücksfälle, Selbstmorde, Morde. Manchmal lässt sich das nicht mehr genau feststellen. Um die 80 Menschen sollen hier jedes Jahr ums Leben kommen (die Zahlen schwanken hier allerdings stark!). Beachy Head ist nach der Golden Gate Bridge in San Francisco und dem Aokigahara-Wald in Japan der Ort mit der dritthöchsten Selbstmordrate (ca 20 pro Jahr) in der ganzen Welt. Die Samariter haben an einer Telefonzelle oben an der Beachy Head Road ein Schild mit ihrer Telefonnummer aufgestellt, an die sich verzweifelte Menschen rund um die Uhr wenden können.
Im Oktober 2012 lenkte ein Mann sein Auto über die Klippen und stürzte in die Tiefe; im März sprangen eine 81jährige Frau und ihr Sohn von dort oben in den Tod, weil man bei ihm Fotos mit Kinderpornografie gefunden hatte. Im September ließ sich ein psychisch gestörter Mann mit einem Taxi zu den Klippen bringen, um sich das Leben zu nehmen.

Es ereignen sich am Beachy Head aber auch immer wieder tödlich endende Unfälle, weil Spaziergänger einfach zu leichtsinnig sind und sich zu dicht an den Abgrund wagen. Oft herrschen hier oben starke Winde, die zusätzlich die Gefahr eines Absturzes verstärken.
Hier ist ein Film über die Klippen von Beachy Head.

1987 nahm die Band The Cure einen Song mit dem Titel „Just Like Heaven auf; das Musikvideo dazu entstand genau am Rand der Klippen.

Das Buch zum Artikel:
Tom Hunt: Cliffs of Despair – A Journey to Suicide’s Edge. Random House 2006. 244 Seiten. ISBN 978-0375507151.

   © Copyright Peter Standing

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Published in: on 13. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Tregothnan – Die erste und einzige Teeplantage in Großbritannien

Tregothnan House.   © Copyright Ian Capper

Tregothnan House.
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Wer die 6. Staffel der TV-Serie „Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener“ auf ARTE gesehen hat, erinnert sich vielleicht noch an die vorletzte Folge, in der es um das Thema „Frühstück Royal“ ging. Die Fernsehköchin besuchte darin die einzige Teeplantage in ganz Großbritannien, die auf dem Gelände des Tregothnan Estates in Cornwall liegt, fünf Kilometer südöstlich von Truro.
Die Boscawen-Familie wohnt hier schon seit 1335; das eindrucksvolle Landhaus wurde 1652 erbaut. Der 92jährige George Hugh Boscawen ist der momentane Besitzer des Anwesens und er trägt den Titel 9th Viscount Falmouth.

Schon seit zwei Jahrhunderten wächst auf dem Landgut die chinesische Teepflanze Camellia Sinensis, aber erst seit 2005 wurde daraus Tee hergestellt und verkauft. Die klimatischen Bedingungen Cornwalls sind ideal für Teeanbau; sie entsprechen etwa den Gebirgsausläufern des Himalayas. Zum Verkauf stehen schwarzer Tee, grüner Tee und Kräutertee; alles wird in Handarbeit gemacht, ist also recht aufwändig.

Das große Londoner Kaufhaus Fortnum&Mason nahm den Tee aus Tregothnan in sein Sortiment auf; man kann ihn auch online direkt vom Hersteller kaufen oder ihn in Deutschland bei der Sarah Wiener GmbH beziehen, die Generalimporteur der Tregothnan-Produkte für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist. Die Preise für 25g-Dosen schwarzen Tees liegen zwischen € 4,70 und € 6,70.
Ein Besuch des Hauses ist nicht möglich; die Gärten sind nur nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen (£65.00 inklusive Cream Tea).

Dieser Film informiert ausführlich über den Tee aus Cornwall.

Tregothnan
Tresillian
Truro, Cornwall, TR2 4AN
Tel. 01872 520000

Published in: on 12. Januar 2013 at 02:17  Schreibe einen Kommentar  
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Die World Championships of Clog Cobbing in Waterfoot (Lancashire)

   © Copyright robert wade

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Ein Seitenweg neben dem Roebuck Inn in Waterfoot (Lancashire) ist der Austragungsort der jährlich zu Ostern stattfindenden World Championships of Clog Cobbing. Bei diesem kuriosen Wettbewerb muss ein Lancashire Clog, das ist ein Schuh mit einer hölzernen Sohle und einem ledernen Oberteil, so weit wie möglich geworfen werden…und zwar rückwärts über die Schulter. Landet der Schuh in dem neben dem Wettbewerbsort vorbeifließenden River Irwell, so muß der Werfer 50 Pence für einen wohltätigen Zweck stiften. Jeder Teilnehmer hat drei Versuche und die Weltmeisterschaften werden in vier Kategorien ausgetragen: „Ladies, Gentlemen, Lads and Lasses“.

Entstanden ist die Idee dazu schon in den 1960er Jahren, als man überlegte, auf welche Weise man Geld für wohltätige Zwecke sammeln konnte, und so erfreuen sich diese weltweit einzigartigen Meisterschaften noch heute großer Beliebtheit (wenn das Wetter mitspielt, was es zuletzt im April 2012 nicht tat). Gekrönt wird der Wettbewerb zum Abschluss noch mit einem Tauziehen zwischen einer Mannschaft des Roebuck Inns und eines rivalisierenden Pubs.

Wie da bei den Weltmeisterschaften zugeht, zeigt dieser Film aus dem Jahr 2010.

The Roebuck Inn
Waterfoot
482 Burnley Road East
Rossendale, Lancashire BB4 9JR
Tel. 01706 223550

Published in: on 11. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  
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The Oxford Dictionary of National Biography – Mehr als 58 500 Biografien in 60 Bänden

 

Es  ist so eine Sache mit gedruckten Enzyklopädien und Lexika im 21. Jahrhundert. Immer häufiger gibt es nur noch Online-Ausgaben, weil die gedruckte Form bei Erscheinen in Teilen schon wieder veraltet ist, und der Aufwand und die Kosten sehr hoch sind. Die 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie z.B. war voraussichtlich die letzte, die in Druckform erschien.

Ähnlich verhält es sich mit dem Oxford Dictionary of National Biography (ODNB), einem Monumentalwerk der Oxford University Press, das mehr als 58 500 Biografien von „men and women who have shaped British history and culture, worldwide, from the Romans to the 21st century“ enthält. Die noch erhältliche Printausgabe zum Preis von ca £1500 umfasst 60 Bände + Register mit 61 472 Seiten. Stand: September 2004. Ein Ergänzungsband erschien 2009 mit 819 Biografien von Männern und Frauen, die zwischen 2001 und 2004 starben.
Hier ist natürlich eine Online-Ausgabe unschlagbar, die schnell auf den aktuellen Stand gebracht werden kann. Drei Updates (jeweils im Januar, Mai und September) werden pro Jahr in die ODNB eingepflegt, die mittlerweile aus über 67 Millionen Wörtern besteht. Die Zugangskosten für Privatpersonen liegen bei £215 plus Mehrwertsteuer pro Jahr. In vielen englischen Bibliotheken kann man aber kostenlos über seinen Leserausweis auf die ODNB zugreifen.

1882 wurde die Idee geboren, die Biografien aller wichtigen Briten in einem Lexikon zusammenzufassen. Der geistige Vater des Projekts war der Verleger George Smith, der u.a. die Bücher der Brontë-Schwestern veröffentlichte. Herausgeber der ersten Ausgabe war Sir Leslie Stephen, Vater von Virginia Woolf. Der momentane Herausgeber der ODNB, an dem ca 10 000 Menschen weltweit mitarbeiten, ist Dr Lawrence Goldman vom St Peter’s College in Oxford.

Wie ein biografischer Eintrag aussieht, kann man sich als Podcast auch einmal anhören und zwar auf dieser Seite.

Copse Hill Road in Lower Slaughter (Gloucestershire) – Großbritanniens romantischste Straße

So richtig romantisch klingt der Ortsname Lower Slaughter in Gloucestershire ja eigentlich nicht und auch die Straße mit dem Namen Copse Hill Road… na ja, „copse=Wäldchen oder Gehölz“ erinnert stark an das Wort „corpse=Leiche“. Aber trotz allem: Die Copse Hill Road wurde zur romantischsten Straße Großbritanniens gekürt und hat den Google Street View Award bekommen.

Experten aus der Reisebranche stellten im Auftrag von Google 20 Straßen in ganz Großbritannien zusammen, die sie für besonders romantisch hielten und etwa 20 000 Menschen votierten für ihre jeweilige Lieblingsstraße mit folgendem Ergebnis:

  1. Copse Hill Road, Lower Slaughter
  2. Front Street, Bamburgh
  3. The Royal Mile, Edinburgh
  4. Mwnt, Y Ferwig
  5. The A591, Grasmere, Lake District

Lower Slaughter ist ein kleines Dorf in den Cotswolds, das zur Grafschaft Gloucestershire gehört, die in dieser Region auch gern „Poshtershire“ genannt wird, auf Grund der vielen „posh people“, die sich hier niedergelassen haben. Die Copse Hill Road führt von der A429 erst durch ein bewaldetes Gebiet, dann am Lower Slaughter Manor (ein luxuriöses, sehr zu empfehlendes Country House Hotel) vorbei in die Ortsmitte. Dort stattet sie der Parish Church of St Mary einen kurzen Besuch ab und verlässt Lower Slaughter in nordöstlicher Richtung wieder quer durch Wälder und Wiesen.

Ich glaube, die Wahl der Copse Hill Road zur romantischsten Straße Großbritanniens war mit Sicherheit kein Fehlgriff. Besonders die Kombination der wirklich schönen alten Bäume mit den Cottages aus Cotswold-Stein macht den Reiz der Straße aus.

Das Lower Slaughter Manor Country House Hotel.   © Copyright Richard Humphrey

Das Lower Slaughter Manor Country House Hotel.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Humphrey

St Mary in Lower Slaughter.   © Copyright Philip Halling

St Mary in Lower Slaughter.
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Bibury in Gloucestershire und der neue britische Pass

Die ab 2010 ausgestellten britischen Pässe sind komplett neu gestaltet worden und wirken jetzt freundlicher und nicht mehr so langweilig. Es wurden neue Sicherheitsfeatures in den biometrischen Pass eingebaut, und er enthält jetzt auch einige Abbildungen von bekannten britischen Wahrzeichen wie den White Cliffs of Dover oder dem Giant’s Causeway. Die Bewohner des Cotswolds-Städtchens Bibury in Gloucestershire können sich darüber freuen, dass auch ihr Ort in den neuen Pass Einzug gefunden hat und zwar in Form einer Abbildung der Arlington Row (hier eine Abbildung), einer der am häufigsten fotografierten Häuserzeilen der ganzen Cotswolds. Diese Cottages aus dem 17. Jahrhundert sind im Pass blau wiedergegeben, was nicht mit der Realität übereinstimmt. Die „richtigen“ Arlington Row-Häuser sind natürlich mit den honigfarbenen Cotswolds-Steinen gebaut worden.

Wer den Film „Stardust“ (dt. „Der Sternenwanderer„) mit Michelle Pfeiffer und Robert de Niro gesehen hat, erinnert sich vielleicht noch an einige Szenen, die in Bibury gedreht wurden und in denen auch die Arlington Row-Cottages auftauchten.

In den Häusern wohnten früher Weber, die ihre Produkte zur Weiterverarbeitung in die Arlington Mill brachten.

Hergestellt wird der zehn Jahre gültige Pass von der berühmten, in Basingstoke (Hampshire) ansässigen Firma DeLaRue, die auch die britischen Pfund-Noten druckt.

Arlington Row in Bibury (Gloucestershire).   © Copyright John Darch

Arlington Row in Bibury (Gloucestershire).
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Published in: on 8. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Reale Morde in Inspektor Barnabys „Midsomer County“

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

In Midsomer Parva, Morton Fendle, Badgers Drift, den kleinen, idyllischen Dörfern im Midsomer County, für die Inspector Tom Barnaby (später John Barnaby) aus Causton zuständig ist, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, eines unnatürlichen Todes zu sterben, als in den Verbrechensmetropolen der USA. Die in dieser Grafschaft umgehenden Mörder suchen sich meist mehr als nur ein Opfer aus, aber dank des fähigen Detective Chief Inspectors und seiner Sergeants werden die Morde alle aufgeklärt.

Wie sieht es denn „mordmäßig“ in den Grafschaften Buckinghamshire und Oxfordshire, in denen die meisten Folgen der TV-Krimiserie gedreht wurden, nun wirklich aus? Die beiden Counties zählen zwar nicht zu den Mord-Hochburgen Englands, aber auch hier gab es einige spektakuläre Verbrechen:

Denham (Bucks). Hier wurden u.a. die Episoden 50 „Tote singen nicht“ und 61 „Ganz in Rot“ gedreht.
Am 22. Mai 1870 ereigneten sich hier Morde, die selbst Mr. Barnaby erschüttert hätten. Der Dorfschmied Emmanuel Marshall und sechs seiner Familienmitglieder wurden an diesem Tage in ihrem Haus in der Cheapside Lane abgeschlachtet. Der 38jährige John Owen war der Täter, der sich an Marshall rächen wollte, weil er seiner Meinung nach zu wenig Lohn von dem Schmied erhalten hatte. Mordmethode: Hammerschläge. Owen wurde von einem Barnaby-Vorgänger gefasst und am 8. August 1870 in Aylesbury aufgehängt.

Chesham (Bucks). Gedreht wurden hier die u.a. Folgen 68 „Morden ist auch eine Kunst“ und 35 „Nachts, wenn du Angst hast“.
Am 2. Januar 1971 tötete hier der 17jährige Robert Trimmer im Waitrose-Supermarkt die 16jährige Gillian Randall, die dort arbeitete, mit mehreren Schüssen. Grund: Das Mädchen wollte nicht Roberts Freundin werden, deshalb erschoss er sie. Der Täter wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.

Thame (Oxon). Hier fanden zahlreiche Dreharbeiten statt, u.a. für Episode 63 „Leben und Morden in Midsomer“ und 46 „Der Krieg der Witwen“.
Am 4. September 2011 wurden in der kleinen Sackgasse Ireton Court die 28jährige Michaela Gol und ihre Mutter Julie Sahin erstochen aufgefunden. Die 20jährige Casey Wilson wurde bei der Tat schwer verletzt. Täter war der türkische Ehemann Michaela Gols, der kurz nach dem Doppelmord auf dem Marktplatz von Thame festgenommen wurde.
Außerhalb von Thame im The Oxfordshire Golf Resort, Hotel and Spa fanden Hotelangestellte im August 2010 den dort arbeitenden Manager Christopher Varian tot auf. Er war von dem albanischstämmigen Kellner Jonathan Limani mit einem Messer attackiert und enthauptet worden. Auch hier lautete das Urteil: Lebenslänglich.

Bledlow (Bucks). Hier wurden z.B. die „Midsomer Murders“-Episoden 6 „Der Schatten des Todes“ und 21 „Die Hexe von Setwale Wood“ gedreht.
1987 wurde Rachel Partridge in Bledlow Ridge ermordet, die nach einer Party per Anhalter nach Hause fahren wollte. Dabei geriet sie in die Hände von Ronald Cheshire, der die Frau erwürgte.

Ja, da kann man nur froh sein, wenn man nach einem Aufenthalt im Midsomer County bzw. Oxfordshire und Buckinghamshire wieder ungeschoren und lebend nach Hause kommt. Auf der Heckscheibe meines Autos prangt denn auch der Aufkleber“ I’ve been to Midsomer…and survived!

Thame (Oxfordshire).Eigenes Foto.

Thame (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

Denham (Buckinghamshire).Eigenes Foto.

Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Bledlow (Buckinghamshire).Eingenes Foto.

Bledlow (Buckinghamshire).
Eingenes Foto.

Published in: on 7. Januar 2013 at 02:00  Comments (4)  

LEJOG oder JOGLE – 1,349 km Kilometer quer durch England und Schottland

Land's End in Cornwall.I, the copyright holder of this work, release this work into the public domain.

Land’s End in Cornwall.
The copyright holder of this work releases it into the public domain.

Vom südwestlichsten Festland-Punkt des Vereinigten Königreichs bis zum nordöstlichsten sind es 1,349 Kilometer; die Eckpunkte sind Land’s End in Cornwall und John O’Groats in der schottischen Grafschaft Caithness. Diese beiden Orte üben eine magische Faszination auf zahlreiche Menschen aus, die unbedingt einmal im Leben diese Strecke in einem Rutsch zurücklegen möchten, die gern mit LEJOG oder JOGLE abgekürzt wird (LEJOG=Lands End – John OGroats, JOGLE=John OGroats – Lands End).

Man kann die 1,349 km… wandernd oder laufend zurücklegen, man kann sie mit dem Fahrrad oder Motorrad, mit dem Auto oder Rollstuhl, mit dem Skateboard oder per Anhalter bewältigen; der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Ein gewisser Anthony Band, ein Ultra Barefoot Runner, lief überwiegend barfuß von Cornwall nach Caithness, wofür er 29 Tage benötigte. Der Rekord mit einem herkömmlichen Fahrrad liegt bei etwas über 44 Stunden. Es gibt auch Leute, denen die einfache Strecke zu langweilig ist und die nach Erreichen des Ziels gleich wieder umdrehen und zurückfahren; da liegt der Rekord bei 5 Tagen und 21 Stunden.

Eine originelle und ungewöhnliche Version wählte der Golfspieler David Sullivan, der in John O’Groats startete und sieben Wochen bis Land’s End benötigte…golfballschlagend und das auf dem gesamten „Parcours“. Ich weiß nicht wieviel Zeit dabei draufging, den bzw. die Golfbälle zu suchen.

Stephen Gough erwanderte LEJOG mehrfach nackt, nur bekleidet mit Stiefeln, Socken und einem Rucksack; zum Ärger der Polizei, die ihn mehrfach verhaftete und ins Gefängnis steckte.

26 Tage und 7 Stunden brauchte jemand, der die Strecke rückwärts ging.

2006 fuhr ein vierjähriger Junge mit dem Fahrrad in 31 Tagen von LE nach JOG.

Der Rekord, per Anhalter die vielen Kilometer zurückzulegen, liegt momentan bei 17 Stunden und 8 Minuten (da muss wohl zufällig Sebastian Vettel vorbeigekommen sein).

Die Land’s End–John o‘ Groats Association und der End to End-Club sind zwei Organisationen, in denen alle LEJOGger und JOGLEr eine Heimat finden, in der sie sich austauschen können und in der sie Gleichgesinnte treffen.

Ich habe Land’s End einmal besucht und fand es dort ausgesprochen lärmig und überfüllt, so dass ich dort auch nie wieder hingefahren bin. In John O’Groats habe ich einmal übernachtet, da war es (zumindest damals) wesentlich ruhiger.

Dieser Film zeigt Impressionen von einer Fahrradtour von LE nach JOG.

Das Buch zum Artikel:
Ellie Bennett: Mud, Sweat and Gears – Cycling from Land’s End to John o’Groats (Via the Pub). Summersdale 2012. 320 Seiten. ISBN 978-1849532204.

John O'Groats. In dem ehemaligen Hotel im Hintergrund habe ich einmal übernachtet.   © Copyright Bob Jones

John O’Groats. In dem ehemaligen Hotel im Hintergrund habe ich einmal übernachtet.
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Published in: on 6. Januar 2013 at 02:00  Comments (1)  

The Sewer Story und die Bank of England

The Old Lady of Threadneedle Street.This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone.

The Old Lady of Threadneedle Street.
This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone.

Waren die riesigen Vorräte an Gold- und Silberbarren in der Bank of England, der „Old Lady of Threadneedle Street“, immer absolut sicher aufbewahrt, so dass auch die geschicktesten Bankräuber keine Chance hatten, an sie heranzukommen? Offensichtlich nicht, denn 1836 erhielten die Direktoren ein anonymes Schreiben, in dem jemand behauptete, er könne jederzeit problemlos in den Hochsicherheitsraum gelangen, in dem die Schätze gelagert wurden, und der große Unbekannte schlug in dem Brief vor, sich mit den Herren dort zu treffen, wann immer sie beliebten.

Die Bankdirektoren hielten das Ganze für einen schlechten Scherz, denn sie waren von der absoluten Sicherheit ihres „bullion rooms“ überzeugt. Doch schließlich gingen sie doch auf den Vorschlag ein und man verabredete sich zu einem Zeitpunkt mitten in der Nacht in dem Gewölbe unterhalb der Bank. Und siehe da, auf die Minute genau, wurden in dem Raum einige Fußbodenbretter beiseitegeschoben und vor den ungläubigen Augen der Bankdirektoren erschien ein Mann („I told you so“, mag er gesagt haben). Des Rätsels Lösung: Der Mann war ein „sewer man„, ein Kanalarbeiter, der zufällig bei Reparaturarbeiten in einem Abwassernebenkanal entdeckt hatte, dass von dort aus ein direkter Zugang zu dem Raum mit den Gold- und Silberbarren existierte.
Der ehrliche Mann hätte von dort aus, massenweise Edelmetall herausschleppen können, aber er tat es nicht, sondern machte die Bankleitung auf die Sicherheitslücke aufmerksam.

Aus Dankbarkeit schenkte man dem „sewer man“ £800, die er sich auch wirklich verdient hatte. Die Direktoren der Bank of England erbaten natürlich sofort von den Commissioners of Sewers sämtliche Pläne der Abwasserkanäle rund um das Bankgebäude; schließlich wollte man sicher gehen, dass da nicht noch mehr Zugänge zum Allerheiligsten existierten.

Wie der Gold Bullion Vault der Bank of England heute aussieht, zeigt dieser Film und hier ein kurzer Bericht über die Arbeit der heutigen „sewer men“ in den Londoner Abwasserkanälen.

Mein Buchtipp – Stephen Smith: Underground England

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Bereits im Jahr 2009 erschien das Original von Stephen Smiths Buch „Undergound England: Travels beneath our cities and countryside„, das ein Jahr später bei Abacus als Taschenbuch veröffentlicht wurde. Nachdem sich der Journalist schon mit dem unterirdischen London befasst hat (in „Underground London“), nimmt er sich in diesem Buch der Welten im übrigen England an, die den Augen der meisten Menschen verborgen bleiben.

Im ersten Kapitel „Extremophiles“zeigt Smith das Arbeitsfeld der „cavers“ und steigt mit ihnen in die Höhlen von Long Churn in North Yorkshire hinab; das ist nichts für Menschen mit Platzangst, denn da unten kann es ganz schön eng werden und “ a cave is like the bottom of a deep ocean, perpetually dark, constantly cold, reliably wild“. Smith ist erleichtert, als er wieder ans Tageslicht zurückkehren kann.

Des weiteren hören wir von Joseph Williamson (1769-1840), den man auch „The Mole of Edge Hill“ nannte, und der 35 Jahre seines Lebens damit verbrachte, Tunnel unter der Stadt Liverpool zu bauen. Warum er das tat, gab Anlass zu vielen Spekulationen; möglicherweise wollte der wohlhabende exzentrische Geschäftsmann durch die Baumaßnahmen nur Menschen Arbeit geben.

Stephen Smith nimmt uns mit in die Höhlen von Sir Francis Dashwoods Hellfire Club bei West Wycombe in Buckinghamshire, in die unterirdischen Gänge unter dem Royal Pavilion in Brighton und informiert über die Wormhole Caves auf der Wirral Halbinsel, gegenüber von Liverpool.

Smith hat hier ein spannendes Buch vorgelegt; optimal für alle, die sich für die „Unterwelt“ Englands interessieren, ohne sich selbst dort hinunter zu wagen.

Stephen Smith: Undergound England – Travels beneath our cities and countryside. Abacus Books 2010. 306 Seiten. ISBN 978-0349120386.

Published in: on 4. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Turning the Devil’s Stone – Ein alter Brauch, der jedes Jahr in Shebbear (Devon) vollzogen wird

Der Devil's Stone unter der Eiche in Shebbear.   © Copyright Humphrey Bolton

Der Devil’s Stone unter der Eiche in Shebbear.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton

Nördlich des Dartmoors in Devon liegt der kleine Ort Shebbear, in dem jedes Jahr am 5. November, an dem das restliche England den Guy Fawkes Day feiert, ein eigenartiges Ritual vollzogen wird. Die Bell-Ringer des Dorfes versammeln sich um 20 Uhr in der Kirche St Michael and All Angels und läuten die Glocken, allerdings so unharmonisch, dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten möchte. Von der Kirche ziehen sie dann zum Dorfplatz, wo unter einer großen Eiche der Devil’s Stone liegt, ein Felsbrocken mit einem Gewicht von etwa einer Tonne, den sie unter Aufbringung aller Kräfte mit Hilfe von Brechstangen einmal komplett umdrehen. Wenn das vollbracht ist, atmet ganz Shebbear auf, denn mit dem Turning the Devil’s Stone ist für ein weiteres Jahr jegliches Unglück vom Dorf abgewendet.

Der Felsbrocken muss irgendwann einmal in der Eiszeit hierher verfrachtet worden sein und im Laufe der Jahrhunderte haben sich mehrere Legenden darum gebildet. Eine davon ist, dass der Teufel unter dem Stein liegt, und wenn die Dorfbewohner ihn nicht einmal jährlich umdrehen, könnte der Teufel möglicherweise entkommen und Unheil anrichten. Das misstönende Glockengeläut vorher dient dazu, etwaige böse Geister zu irritieren. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Prozedur einmal nicht vorgenommen und sofort ereigneten sich Missgeschicke in Shebbear.

Was macht man nach der schweißtreibenden Arbeit mit dem angebrochenen Abend? Man geht natürlich in den Dorf-Pub (wir sind ja in England), der passenderweise Devil’s Stone Inn heißt.

Wie das Turning the Devil’s Stone genau vor sich geht, zeigt dieser Film.

St Michael's Church in Shebbear.   © Copyright Humphrey Bolton

St Michael’s Church in Shebbear.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton

Published in: on 3. Januar 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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