Epworth in Lincolnshire und der Gründer der Methodistenkirche John Wesley (1703-1791)

Die St Andrew's Church.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Andrew’s Church.
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Es gibt Städte, die können sich glücklich schätzen, dass früher einmal eine bedeutende Persönlichkeit in ihren Mauern geboren wurde bzw. gelebt hat. Dann kann man auch noch viele Jahre später davon profitieren, weil Touristen aus aller Welt hierher kommen, um auf den Spuren dieser Person zu wandern. Einer dieser Orte ist die Kleinstadt Epworth im Norden der Grafschaft Lincolnshire; hier erblickte im Jahr 1703 der Pfarrerssohn John Wesley das Licht der Welt, der in die Geschichte eingehen sollte als einer der Mitbegründer (zusammen mit seinem Bruder Charles) der methodistischen Kirche. Sein Vater, Samuel Wesley, war ein außerordentlich fruchtbarer Mann, der zusammen mit seiner Gattin Susanna 19 Kinder in die Welt setzte, von denen allerdings 9 schon sehr früh starben. Samuel war Rektor an der Kirche St Andrew’s in Epworth, und er lebte mit seiner Familie in der Old Rectory, ein Stück weit von der Kirche entfernt.

Ich möchte in meinem Blog nicht weiter auf das Leben des Charles Wesley eingehen, sondern darauf wie Epworth heute mit seinem großen Sohn umgeht. Da viele Besucher, darunter verständlicherweise auch Methodisten aus aller Welt, hierher kommen, hat man einen „Wesley Trail“ angelegt, der an allen Stätten vorbeiführt, die mit den Wesleys zu tun haben. Ein wichtiger Ort ist natürlich die St Andrew’s Church, in der Samuel Wesley der Rektor war und auf deren Kirchhof er auch begraben ist. Die Wesley Memorial Church wurde 1889 in Gedenken an die beiden Brüder John und Charles Wesley gebaut und liegt an der High Street. Ein ganz besonders wichtiger Ort ist die Old Rectory an der Rectory Street, in der die beiden Wesley-Söhne zur Welt kamen. Das Haus ist zu besichtigen und auf einer einstündigen geführten Tour kann man sich über die berühmten ehemaligen Bewohner informieren.

Dort wo die High Street und die Queen Street aufeinandertreffen, steht ein Marktkreuz, vor dem John Wesley so manche Predigt gehalten hat. Seine Statue hat man etwas versteckt und nicht im Zentrum von Epworth aufgestellt. Man findet sie in einem Wohnviertel, wenn man die Straße Albion Hill ein ganzes Stück hinuntergeht. Begraben wurde John Wesley nicht in Epworth, sondern in London, wo er auch starb.

Über Epworth und die Wesley-Familie informiert dieser Film.

Im Jahr 2009 kam ein Spielfilm in die Kinos, der das Leben von John und Charles Wesley zum Inhalt hat und einfach nur „Wesley“ heißt. Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Tomkins: John Wesley – A Biography. Lion Books 2003. 208 Seiten. ISBN 978-0745950785.

Die Wesley Memorial Church.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Old Rectory.   © Copyright Chris Morgan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Marktkreuz, von dem aus John Wesley predigte.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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John Wesleys Statue am Albion Hill.   © Copyright Tim Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die ungewöhnliche Wetterfahne auf der Church of the Holy Cross in Great Ponton (Lincolnshire)

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Auf den Kirchtürmen englischer Kirchen findet man häufig sogenannte „weather vanes„, also Wetterfahnen, die die Windrichtung anzeigen sollen. In vielen Fällen bestehen diese aus Hähnen, Fahnen oder Pfeilen, hin und wieder aber auch aus anderen originellen Figuren wie zum Beispiel einer Bettwanze auf der Kirche St Mary’s in Kingsclere in Hampshire (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Great Ponton, ein kleines Dorf rund fünf Kilometer südlich von Grantham in Lincolnshire, ist stolz auf seine originelle weather vane. Die A1, die Great North Road, die London mit dem Norden des Landes verbindet, pflügt mitten durch Great Ponton hindurch. Die Dorfkirche, Church of the Holy Cross, liegt in Hörweite der Schnellstraße und auf einem ihrer Türme findet man eine…Violine, ungewöhnlich und meiner Meinung nach einzigartig in England. Wie kommt nun das Musikinstrument in diese luftige Höhe?

Die Geschichte darüber wird folgendermaßen erzählt: Vor vielen Jahren gab es einen Geigenspieler, der durch die Lande reiste und immer wieder in Great Ponton Station machte. Die Dörfler mochten seine Musik, viele andere Unterhaltungsangebote gab es seinerzeit nicht, und so freute man sich immer wieder auf den Violinenmann. Bei einem seiner Besuche erzählte er, dass er gern nach Amerika gehen würde, um dort seine Fähigkeiten an der Geige zu verbessern, aber dass es ihm an Geldmitteln fehlte, um seinen Wunsch wahrzumachen. Da man den Musiker in Great Ponton sehr gern hatte, sammelte die Dorfgemeinschaft Geld, um ihm die Reise in die Neue Welt zu ermöglichen. Der Violinenspieler konnte daraufhin mit dem Schiff in das Ziel seiner Träume fahren, er verbesserte seine musikalischen Fähigkeiten, machte sein  Glück und wurde ein erfolgreicher Künstler. Als er wieder nach England zurückkam, dankte er den Bewohnern von Great Ponton, indem er ihnen die aus Schmiedeeisen gefertigte, vergoldete „Wettervioline“ schenkte, die auf einem der acht Fialen des Kirchturmes von Holy Cross befestigt wurde und die bis zum heutigen Tage anzeigt, woher der Wind weht.

Church of the Holy Cross in Great Ponton (Lincolnshire).    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 8. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Reverend John Mason, der Prophet von Water Stratford in Buckinghamshire

St Giles in Water Stratford.   © Copyright David Hillas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Giles in Water Stratford.
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John Mason war ein Priester der anglikanischen Kirche mit einer Vorliebe für den Calvinismus. Er lebte von 1645 bis 1694 und trat im Jahre 1674 sein Amt als Priester in der Kirchengemeinde St Giles in dem kleinen Straßendorf Water Stratford in Buckinghamshire an. Der kleine hübsche Ort liegt nur wenige Kilometer westlich von Buckingham.

Viele Jahre führte John Mason ein friedliches Leben in seiner Gemeinde, kümmerte sich um seine Schäfchen und schrieb Texte für Kirchenlieder, von denen einige noch heute gesungen werden wie zum Beispiel „How Shall I Sing That Majesty“ (hier zu hören). Doch dann kamen einige Schicksalsschläge, die ihn aus der Bahn werfen sollten. Erst starb sein bester Freund und dann auch noch seine Frau. Mason verkraftete das nicht und wurde ein anderer Mensch. In seinen Predigten sprach er plötzlich davon, dass er der Prophet Elijah wäre,  und dass er Tote wieder zum Leben erwecken könnte. Er sei dazu berufen worden, nach Water Stratford zu kommen, weil dieser Ort dazu auserkoren wäre, am Tag des Jüngsten Gerichts den hier anwesenden Gläubigen Schutz zu bieten, während drumherum alles in Schutt und Asche fallen würde.
Der Inhalt der Predigten John Masons sprach sich schnell herum, mit der Folge, dass Hunderte von Menschen aus der näheren Umgebung nach Water Stratford kamen, um den Worten des Predigers zu lauschen und den vermeintlichen Schutz des Dorfes zu genießen. Viele verkauften ihr Hab und Gut und zogen mit Sack und Pack, manchmal auch mit ihrem Vieh, hierher, so dass das Dörfchen komplett überfüllt war und auf den wenigen Straßen das Chaos herrschte. Singende, tanzende, jubilierende Menschen, die sich in eine Art religiösen Wahn gesteigert hatten, konnten es kaum erwarten, bis der angeblich bevorstehende Tag des Jüngsten Gerichts endlich kommen würde.

In diesem ganzen Tohuwabohu  lag John Mason im Jahr 1694 im Sterben, und kurz bevor ihn der Tod ereilte, machte er noch eine Prophezeiung: Drei Tage nach seinem Tod würde er wiederauferstehen und in seine Gemeinde zurückkehren. Masons Nachfolger, Reverend Rushworth, der sich mit dem, was er in Water Stratford vorfand, nicht anfreunden konnte, ließ Masons Grab öffnen, um seinen Anhängern zu beweisen, dass er wirklich tot war und nicht wiederauferstehen würde. Nach und nach verflüchtigte sich der Spuk und die meisten zogen aus dem Dörfchen ab; aber es gab tatsächlich noch einige, die von der Auferstehung ihres Propheten überzeugt waren und bis zu 16 Jahren darauf warteten, leider vergeblich.
Es kehrte wieder Ruhe ein in Water Stratford, die bis zum heutigen Tag vorgehalten hat. Die baumumstandene Kirche St Giles existiert noch, an deren Westwand man im Jahre 2008 eine Erinnerungsplakette an John Mason angebracht hat.

Die Ruhe und Beschaulichkeit des Ortes zog in jüngerer Zeit einige Prominente an, die sich hier für einige Zeit niedergelassen hatten:
Der berühmte Magier Paul Daniels (1938-2016) lebte in den 1970er und 1980er Jahren in Water Stratford, ebenso der Schauspieler Peter Woodthorpe (1931-2004), vielleicht einigen noch bekannt als der Pathologe Max aus der TV-Krimiserie „Inspector Morse“, und die Sängerin Pamela Guard, die als Yana in den 1950er Jahren eine Zeit lang erfolgreich war (ihr größter Hit war „Climb Up the Wall„).

Die Erinnerungsplakette an der Kirche St Giles in Water Stratford.   © Copyright Tiger and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Hauptstraße, die Water Stratford Road.   © Copyright John Firth and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 19. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Andrew’s in Covehithe (Suffolk) – Romantische Ruinen oder Die Kirche in der Kirche

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Covehithe ist ein winziges Dorf an der Küste von Suffolk mit knapp zwei Dutzend Einwohnern. Es werden sicher auch nie mehr werden, im Gegenteil, denn die Küste, die nur 200-300 Meter entfernt ist, gehört zu den am stärksten erodierenden der ganzen Insel. An einem Weg, der zum Strand führt, warnen Schilder „No access to beach by pedestrians. Unsafe footway“. So wird es eines Tages Covehithe nicht mehr geben, wenn das Meer sich weiter in Richtung Inland vorgearbeitet hat. Ebenso sind die Tage der Kirche St Andrew’s gezählt, die schon jetzt eine Ruine ist und aus zwei Teilen besteht. Von der mittelalterlichen Kirche aus dem 14./15. Jahrhundert sind noch Teile der Außenmauern und der Turm stehengeblieben, der früher eine Orientierung für die Schifffahrt vor der Küste war. Der Churches Conservation Trust kümmert sich um den Erhalt des ehemaligen Gotteshauses, das eigentlich viel zu groß für das kleine Dorf war. Was tun, fragten sich im 17. Jahrhundert die Gemeindemitglieder? Sie konnten sich den Unterhalt der Kirche nicht mehr leisten. Da kam jemand auf die Idee, das Dach einfach abzunehmen und im Innenraum eine kleinere Kirche zu bauen. Um die Kosten dafür zu senken, verwendete man Baumaterial der „großen Schwester“ und setzte die Westwand direkt an den noch gut erhaltenen Turm. Auch andere Teile der alten Kirche wie der Taufstein wurden in die neue übernommen.

Im 17. Jahrhundert erhielt St Andrew’s, wie unzählige andere Kirchen auch, ungebetenen Besuch: Der Bilderstürmer William „Basher“ Dowsing (ich berichtete in meinem Blog über ihn) kam an diesen abgelegenen Ort und zerdepperte 200 Bilder und Fenster.

Die romantischen Ruinen von St Andrew’s bilden den Hintergrund für die Mini-TV-Serie „Death in Holy Orders“ der BBC, nach dem gleichnamigen Roman von P.D. James, aus dem Jahr 2003; das Buch erschien zwei Jahre früher. Hier sind einige Szenen daraus zu sehen.

Dieser Film zeigt Aufnahmen von der Küste von Covehithe und von St Andrew’s.

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Die erodierende Küste bei Covehithe.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 25. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Ärger in der Kathedrale oder Warum die Glocken des Münsters von York schweigen

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Die Glöckner vom York Minster sind alle gefeuert worden, die schweren Glocken der riesigen Kathedrale schweigen. Wie konnte es dazu kommen? Es begann damit, dass die Dekanin, The Very Reverend Vivienne Faull, ein Mitglied der York Minster Society of Change Ringers suspendierte. Auf Anfrage der anderen „bell-ringer“, warum dieser Schritt vollzogen wurde, setzte man auch sie auf die Straße. Der Erzbischof von York, John Sentamu, äußerte sich in einem Interview, dass „Health and safety issues“ der Grund für die Entlassung der Glöckner war; im Klartext: Es gab Vorwürfe gegen einen von ihnen, den Ringing Master of York Minster, wegen angeblichen Kindesmissbrauchs. Diese lagen schon einige Jahre zurück, wurden aber immer wieder ans Tageslicht geholt, obwohl der Mann in einem Prozess frei gesprochen worden war. Die Eltern der Kinder, um die es ging, angehende bell-ringer, hatten keine Anschuldigungen erhoben, sie waren bei den Proben meistens dabei.

Die Führung des Münsters zeigte sich unerbittlich und ließ nicht mit sich reden, das komplette dreißigköpfige Glöckner-Team blieb draußen. Inzwischen hat man eine Petition gestartet, die bell-ringer wieder einzustellen, die schon von vielen Tausenden unterschrieben worden ist, aber bisher ohne Erfolg. Die Verantwortlichen des Münsters planen, im nächsten Jahr ein neues Team zusammenstellen.

Weihnachten steht jetzt vor der Tür und sollen die Glocken des York Minsters tatsächlich in dieser Zeit stumm bleiben? Das wäre das erste Mal seit dem Jahr 1361. Schon wurden die Fühler zu der Nachbarstadt Leeds ausgestreckt, ob nicht ein Freiwilligen-Glöcknerteam dort bereit wäre, in York über Weihnachten einzuspringen, doch da bekamen die Kirchenoberen eine klare Absage; die bell-ringer in Leeds erklärten sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen in York solidarisch.

Wie sich das Glockenläuten im York Minster anhört, zeigt dieser Film.

Published in: on 21. Dezember 2016 at 02:00  Comments (5)  
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St Botolph without Bishopsgate – Eine Londoner Kirche im Schatten von Hochhäusern

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Nur ein paar Schritte von der Liverpool Street Station entfernt, mitten in London, steht eine Kirche, St Botolph without Bishopsgate, die von hohen Glaspalästen umgeben ist und kaum Luft zum Atmen zu haben scheint. Früher überragte das anglikanische Gotteshaus die umstehenden Häuser, heute ist es andersherum. Botolph war eine englischer Mönch im 7. Jahrhundert, der später heiliggesprochen wurde. Nach ihm wurden im Londoner Stadtgebiet mehrere Kirchen benannt. St Botolph liegt an der Straße Bishopsgate (der A10) in der City.

Die Kirche hat einige Besonderheiten, auf die ich hier kurz eingehen möchte. Sie überlebte den Großen Brand von 1666 und wurde auch im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert, dafür erwischte es sie am 24. April 1993, als die IRA ganz in der Nähe eine Bombe zündete. Das Dach wurde dabei zerstört und alle Türen und Fenster gingen zu Bruch. Die Kirche wurde als einsturzgefährdet deklariert; doch man machte sich gleich wieder an die umfangreichen Restaurierungsarbeiten, die drei Jahre und sechs Monate in Anspruch nahmen. Im Januar 1997 konnte der Bischof von London St Botolph without Bishopsgate in einem Dankgottesdienst wieder der Gemeinde übergeben.

Der Dichter John Keats (1795-1821) wurde 1795 in St Botolph’s getauft und das Original-Taufbecken ist noch immer vorhanden.

Auf dem Gelände der Kirche findet man, wohl einzigartig, einen Tennisplatz, der der Allgemeinheit zur Verfügung steht; der einzige öffentliche Tennisplatz in der City of London. Er ist ganzjährig bespielbar, im Winterhalbjahr allerdings nur für Netballspieler.

Am Rande des Kirchhofs von St Botolph’s steht ein exotisches Gebäude, dessen Zweck sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Das war einmal der Eingang zu einem unterirdischen türkischen Bad, das 1895 von Henry and James Forde Neville eingerichtet wurde. Heute befindet sich darin ein Lokal, The Dollhouse.

Über die Kirche von St Botolph without Bishopsgate gibt es auch eine Geistergeschichte: 1982 befand sich ein Fotograf allein mit seiner Frau in der Kirche, in der er einige Aufnahmen machte. Als der Mann die Fotos später entwickelte sah er zu seiner großen Überraschung auf einem dieser Bilder eine Frau in altertümlicher Kleidung auf einer Empore neben dem Altar. Nach einer gründlichen Untersuchung des Fotos durch Experten wurde sichergestellt, dass es sich hierbei um keine Doppelbelichtung handelte, das Bild war echt. Noch mysteriöser wurde diese Sache als sich später ein Bauarbeiter meldete, der das Foto gesehen hatte. Er war einmal in der Krypta der Kirche mit Renovierungsarbeiten beschäftigt und hatte dabei zufällig den Deckel einer der Särge bewegt. Darin lag der noch recht gut erhaltene Körper einer Frau und deren Gesicht hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit dem der Frau auf dem Foto.

Die Kirche im Schatten eines Glaspalastes.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Kirche im Schatten eines Glaspalastes.
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Ein Blick in den Ostflügel.    © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Blick in den Ostflügel.
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Das Taufbecken, in dem John Keats getauft wurde. Author: Nicholas Jackson. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Taufbecken, in dem John Keats getauft wurde.
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Das ehemalige türkische Bad.   © Copyright David Hallam-Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das ehemalige türkische Bad.
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Published in: on 4. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Der Historic Chapels Trust, der sich für vernachlässigte Gotteshäuser einsetzt

Hier sind die Büros des Historic Chapels Trust zu finden.   © Copyright Mike Faherty and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier sind die Büros des Historic Chapels Trust zu finden, in der Londoner St Georges’s German Lutheran Church.
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Nicht nur Pubs verschwinden in alarmierendem Ausmaß von der englischen Landkarte, auch Kirchen und Kapellen werden zunehmend nicht mehr benutzt, abgerissen oder zweckentfremdet. Glücklicherweise gibt es einige Organisationen, die sich dieser alten Bauwerke annehmen und sich schützend vor sie stellen. Da ist der Churches Conservation Trust, der sich um geschlossene anglikanische Kirchen kümmert, die Friends of Friendless Churches (ein wirklich gut gewählter Name! Ich berichtete in meinem Blog über sie) und der erst 1993 gegründete Historic Chapels Trust, der sich die Aufgabe gestellt hat, nicht-anglikanische Kirchen vor dem Verfall bzw. der Zerstörung zu retten.

Der Hauptsitz des Trusts befindet sich in einem dieser geretteten Gotteshäuser, der St George’s German Lutheran Church, in der Londoner Alie Street im Stadtteil Whitechapel. Die Kirche diente ihrem eigentlichen Zweck von 1762 bis 1995, dann wurde sie nicht mehr gebraucht. Der Historic Chapels Trust nahm sie unter seine Fittiche, ließ eine aufwendige Restaurierung durchführen und stellt die Räumlichkeiten für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

Der Trust bekommt keine staatlichen finanziellen Mittel, wird aber vom English Heritage und dem Heritage Lottery Fund unterstützt. Er baut vor allem auf freiwillige Helfer, die sich vor Ort um die Gebäude kümmern, dort Veranstaltungen durchführen und sich um lokale Spendengelder bemühen.
Gerade in der Vorweihnachtszeit werden in den „geretteten Kirchen“ entsprechende Events angeboten wie eine Christmas Arts and Crafts Fayre in der 1719 erbauten Salem Chapel in East Budleigh in Devon oder Carols and Readings for Christmas in der Walpole Old Chapel in Walpole (Suffolk), die Ende des 17. Jahrhunderts gebaut und 1970 geschlossen wurde.

Bisher hat der Trust 20 ehemalige Kirchen übernommen, restauriert und neuen Zwecken zugeführt. Hier sind einige weitere Beispiele:

Die Cote Baptist Church bei Bampton in Oxfordshire. 1993 vom Trust übernommen und für £250,000 wiederhergestellt.

Die Todmorden Unitarian Church in Todmorden (West Yorkshire). Seit 1994 beim Trust, die Restaurierungskosten betrugen eine Million Pfund.

Die Umberslade Baptist Church bei Hockley Heath in den West Midlands, die der Trust 1999 übernahm.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag „Nicht mehr gebrauchte Kirchen -Was tun damit?“

Die Cote Baptist Church bei Bampton in Oxfordshire.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Cote Baptist Church bei Bampton in Oxfordshire.
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Die Todmorden Unitarian Church inWest Yorkshire.   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Todmorden Unitarian Church in West Yorkshire.
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Die Umberslade Baptist Church bei Hockley Heath.   © Copyright David Stowell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Umberslade Baptist Church bei Hockley Heath.
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Published in: on 15. November 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Der Schiffbruch der „Hera“ am Gull Rock vor der Südküste Cornwalls am 31. Januar 1914

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.
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Der Gull Rock, einige hundert Meter vom Nare Head an der Südküste Cornwalls entfernt, war ein für die Schifffahrt berüchtigter Felsen im Meer. Gerade bei schlechter Sicht kollidierten immer wieder Schiffe an ihm. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1914 kam der deutsche Frachter „Hera“ auf dem Weg von Chile, beladen mit Guano, bei sehr schlechtem Wetter dicht an der Küste vorbei und krachte gegen den Felsen. Die „Hera“ legte sich auf die Seite und die Besatzung versuchte, in die Rettungsboote zu steigen, doch zwei von ihnen drifteten ab und nur eines war einsatzbereit, in das sich einige Männer flüchteten und das bald darauf voll Wasser lief. Signalraketen wurden in der Hoffnung abgeschossen, dass dadurch jemand auf die Notsitaution aufmerksam gemacht würde, was auch der Fall war. Das Seenotrettungsboot in Falmouth wurde alarmiert, das jedoch erst einige Stunden später an der Unglücksstelle eintraf. Nur fünf Männer konnten gerettet werden. Am nächsten Tag spülte das Meer Wrackteile und tote Seeleute an den Strand.

Insgesamt konnte man zwölf Tote bergen, die alle auf dem Kirchhof von St Symphorian in Veryan (Cornwall) beigesetzt wurden und zwar in einem Reihengrab von fast dreißig Meter Länge, was wohl das längste Grab Großbritanniens sein dürfte. Am 4. Februar fand die Beisetzungsfeier statt, die etwa 700 Bewohner aus Veryan und den umliegenden Orten besuchten. Die Namen der toten deutschen Seeleute wurden auf einem Marmorgedenkstein eingraviert. Auch nach mehr als hundert Jahren wird das Veryan Long Grave noch heute gehegt und gepflegt. Anlässlich des 100. Jahrestages des Schiffsunglücks gab es auf dem Kirchhof von St Symphorian noch einmal eine kleine Gedenkfeier, an der eine über hundert Jahre alte Dame teilnahm, die damals als kleines Baby auf dem Arm ihrer Mutter die Beerdigung der Seeleute erlebte.

Veryan liegt an der Roseland Heritage Coast westlich von Portloe.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).   © Copyright Dave Kelly and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).
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Skillington in Lincolnshire, ein Dorfpfarrer und die Erstbesteigung des Matterhorns

Der Vikar von Skillington, Charles Hudson. This work is in the public domain.

Der Vikar von Skillington, Charles Hudson.
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Südlich von Grantham in der Grafschaft Lincolnshire liegt das kleine Dorf Skillington mit der Kirche St James, deren Ursprünge bis in das 11. Jahrhundert zurückreichen. Eine Besonderheit an dieser Kirche sind zwei Glasfenster, die an einen Pfarrer erinnern, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Pfarrer hier arbeitete, dessen Berühmtheit aber auf einem ganz anderen Gebiet liegt. Charles Hudson hatte sich nicht nur dem Wohlergehen seiner Gemeinde verschrieben, er war auch ein sehr guter Sportler. Etwas erstaunlich für jemanden, der auf dem platten Land von Lincolnshire lebte, ist die Tatsache, dass Hudson ein erstklassiger Bergsteiger war. Er gab sich nicht mit den Bergen Großbritanniens zufrieden, ihn zog es immer wieder in die Alpen, wo kein Gipfel hoch genug für ihn sein konnte. Einer der letzten, damals noch nicht erstiegenen Berge war das Matterhorn und der reizte Charles Hudson besonders.

Am 14. Juli 1865 ging Hudsons Wunsch in Erfüllung; zusammen mit einer Gruppe sechs weiterer Bergsteiger begann er die Besteigung des 4478 Meter hohen Alpengipfels und tatsächlich gelang den Männern an diesem Tag der Weg bis zur Spitze des Berges. Leider schlug die Euphorie bald in blankes Entsetzen um, als beim Abstieg vier von der Seilschaft in die Tiefe stürzten und dabei zu Tode kamen, darunter auch der Vikar aus Skillington. Er wurde nicht in sein Heimatdorf überführt, sondern auf dem Friedhof von Zermatt beigesetzt.

Kommen wir zu den beiden Glasfenstern von St James zurück: Die Gemeinde von Skillington und Bergsteigerkollegen des Vikars spendeten Geld, um diese sehr schönen farbigen Fenster in die Kirche einzubauen. Eines zeigt das Matterhorn und die Worte „The steps of a good man are ordered by the Lord“ (Psalm 37,23), auf dem anderen sind Bergszenen zu erkennen, ergänzt durch Bibelsprüche.

Das kleine Dorf in Lincolnshire wird noch mit zwei anderen berühmten Persönlichkeiten in Verbindung gebracht, wenn auch ganz am Rande.
Der Schauspieler David Niven war hier einige Male in einem Haus namens The Abbey, gleich bei der Kirche, zu Gast bei der Tochter des Filmmoguls Joseph Arthur Rank, die hier lebte. Bei seinen Spaziergängen durch den Ort soll er sich angeregt mit den Bewohnern unterhalten haben.
Ein junges Mädchen namens Margaret Hilda Roberts aus Grantham begleitete ihren Vater Alfred Roberts häufig nach Skillington, der als Methodistenprediger hierher kam und für die kleine, aber rege Gemeinde dieser Glaubensrichtung Gottesdienste abhielt. Aus Margaret Hilda Roberts wurde später die Eiserne Lady, Margaret Hilda Baroness Thatcher, Großbritanniens erste Premierministerin.

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St James in Skillington.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 30. September 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Die Kathedrale von Salisbury im Spiegel der Literatur

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Wenn man sich der Stadt Salisbury in Wiltshire nähert, kann man schon von weitem den Turm der Kathedrale sehen, der mit 123 Metern der höchste in ganz Großbritannien ist. Die Kirche ist ein Touristenmagnet im Süden Englands; bei meinem Besuch drängelten sich hier viele Menschen aus aller Welt.

Das imposante Bauwerk hat schon mehrere Male im Zentrum literarischer Werke gestanden, von denen ich hier einige nennen möchte:

Edward Rutherfurd wurde 1948 in Salisbury geboren und ist dadurch natürlich prädestiniert, über seine Heimatstadt zu schreiben. In „Sarum: The Novel of England“ (dt. „Sarum“) aus dem Jahr 1987 zeichnet er die Geschichte Salisburys von der Vorzeit bis zur Gegenwart auf, wobei der Bau der Kathedrale einen großen Raum einnimmt. Ein Monumentalwerk von knapp 800 Seiten.

Noch wesentlich umfangreicher, fast 1300 Seiten, ist Ken Folletts Roman „The Pillars of the Earth“ (dt. „Die Säulen der Erde“) aus dem Jahr 1989, in dessen Mittelpunkt der Bau einer Kathedrale in dem fiktiven Ort Kingsbridge im Süden Englands steht. Neben der Kathedrale von Wells war es vor allem die Salisbury Cathedral, die Ken Follett in seinem Roman vor Augen hatte. In „World Without End“ („Die Tore der Welt“) hat der Autor 2007 die Geschichte mit weiteren 1300 Seiten fortgesetzt.

Der Nobelpreisträger William Golding (1911-1993) ist in Deutschland in erster Linie durch seinen 1954 erschienenen Roman „Lord of the Flies“ (dt. „Herr der Fliegen“) bekannt. Golding lebte und arbeitete einen Teil seines Lebens in bzw. in der Nähe von Salisbury (er wurde auf dem Friedhof von Bowerchalke, 14 Kilometer südwestlich von Salisbury, begraben). In seinem Roman „The Spire“ (1964), der unter dem Titel „Der Turm der Kathedrale“ in deutscher Übersetzung erschien, dient der Turm der Salisbury Cathedral als Vorbild.

Keinen Roman sondern ein Gedicht hat Thomas Hardy (1840-1928) über die Kathedrale von Salisbury geschrieben, ohne sie allerdings beim Namen zu nennen. „A Cathedral Face at Midnight“ heißt es und es wurde 1925 in dem Band „Human Shows“ erstmals veröffentlicht. Hier ist das Gedicht nachzulesen.

Wer nicht schwindelfrei ist, sollte sich diesen Film über die Besteigung des „spires“ lieber nicht ansehen.

Published in: on 11. August 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Englische Kathedralen und ihre Eintrittspreise

Ely Cathedral in Cambridgeshire.   © Copyright Peter Trimming and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Ist es eigentlich in Ordnung, dass man Eintritt bezahlt, um eine Kirche besichtigen zu können? Bei meinen Reisen durch England musste ich immer wieder feststellen, dass die großen Kathedralen zum Teil heftige Eintrittspreise verlangen. Natürlich gilt das nicht für diejenigen, die in der Kirche beten wollen oder einen Gottesdienst besuchen, doch da gibt es eine Grauzone. Es soll ja auch Touristen geben, die sowohl die Kathedrale besichtigen als auch beten wollen, was macht man mit denen? Auf der einen Seite müssen die großen Kirchen unterhalten werden und das kostet viel Geld (in der Ely Cathedral sind das zum Beispiel pro Tag etwa £6000), vom Staat bekommen sie keine Zuschüsse und auch meist von der Church of England nicht. Auf der anderen Seite sollten doch Gotteshäuser jedermann offenstehen, auch denen, die nur wenig Geld zur Verfügung haben und sich den Eintritt nicht leisten können. Mehrere Male habe ich auch Kirchen erlebt, die zwar keinen Eintritt fordern, aber dafür eine Mindestspende, eine „forced donation“, die etwa in der gleichen Höhe wie die üblichen Eintrittsgelder liegt.

Ich habe hier einmal eine kleine Übersicht von bedeutenden englischen Kathedralen zusammengestellt wie die das mit dem Eintritt halten.

Ely Cathedral (Cambridgeshire) – Hier kostet der Eintritt £8, das Ticket ist dafür ein ganzes Jahr gültig, was für den Touristen in der Regel nicht interessant ist, da er vermutlich nicht wieder hierher zurückkommt. Will man einen der Türme besteigen, kommen noch einmal £7 dazu. Bei zwei Personen sind da schon einmal £30 weg.

Die Canterbury Cathedral (Kent) langt  noch kräftiger zu: £12 muss man bezahlen, um sich diese Kirche anzusehen. Ein Familienticket (2 Erwachsene plus bis zu 3 Kindern) kostet reduziert immer noch £32, da werden sich manche wohl doch überlegen, ob sie dieses Geld aufbringen wollen bzw. können.

Die St Paul’s Cathedral in London geht noch einen Schritt weiter und verlangt stolze £18 für einen Erwachsenen, die man um £2 reduzieren kann, wenn die Tickets online bestellt werden. Das Familienticket (2 Erwachsene, 2 Kinder) kostet £44, also nach derzeitigem Umrechnungskurs 52 Euro.

Die Kathedrale von Exeter (Devon) ist da etwas bescheidener und nimmt dem Besucher £7.50 ab. Kinder (unter 18 Jahren) haben freien Eintritt.

In der Winchester Cathedral (Hampshire) werden £7.95 fällig, worin eine Führung durch die Kirche inbegriffen ist. Kinder unter 16 Jahren zahlen nichts, wenn sie mit der Familie kommen. Die Turmbesteigung wird noch einmal mit £6 in Rechnung gestellt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Kathedrale weder vom Staat noch von der anglikanischen Kirche Unterstützung erhält.

Die Besichtigung des York Minsters (North Yorkshire) kostet £10; Kinder bis zum Alter von 16 Jahren in Begleitung Erwachsener dürfen die Kirche kostenlos betreten. Im Eintrittspreis enthalten ist eine Führung, das Ticket ist ein Jahr gültig. Die Turmbesteigung wird noch einmal extra mit £5 berechnet.

Die Salisbury Cathedral (Hampshire) erhebt keinen Eintritt, dafür wird eine freiwillige Spende in Höhe von £7.50 pro Erwachsenem und £5 pro Kind erwartet. Die Führungen durch die Kirche sind kostenlos. £14 000 fallen hier täglich an und auch diese Kathedrale erhält keinerlei Zuschüsse. Die Turmführung kostet £12.50 für jeden Erwachsenen, £8 für Kinder, das Familienticket (2 Erwachsene, 3 Kinder) £30.

Die Lincoln Cathedral (Lincolnshire) möchten von jedem erwachsenen Besucher £8 und von jedem Kind (5-16 Jahre) £4.80 haben. Das Familienticket (2 Erwachsene , 3 Kinder) bekommt man für £20.80.

Wer sich die Wells Cathedral (Somerset) ansehen möchte, braucht nichts zu bezahlen, aber auch hier wird eine Spende von £6 pro Erwachsenem und £15 von einer Familie erwartet. Die Unterhaltskosten für die Kirche liegen bei £4 500 täglich.

Auch in der Hereford Cathedral (Herefordshire) gibt es keine Eintrittspreise, aber Spenden werden dringend erbeten, weil hier an jedem Tag rund £4 000 für die anfallenden Arbeiten benötigt werden.

Die Peterborough Cathedral (Cambridgeshire) ist sehr bescheiden und lässt jedermann kostenlos hinein. Spenden werden selbstverständlich nicht abgelehnt, aber man überlässt die Höhe der Spende jedem Einzelnen.

„We do not charge for entry to the Cathedral, as we believe this beautiful building should be available to all“, heißt es in der Chichester Cathedral (West Sussex); man bittet aber um großzügige Spenden, damit man in Zukunft keine Eintrittspreise erheben muss.

Die Coventry Cathedral (West Midlands) schließlich belässt es bei £6 Eintritt für jeden Erwachsenen; Kinder dürfen in Begleitung ihrer Eltern kostenlos in die Kirche.

Canterbury Cathedral in Kent.    © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Canterbury Cathedral in Kent.
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Published in: on 23. Juli 2016 at 02:00  Comments (5)  

Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire – Großbritanniens kleinste Kirche

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Vor längerer Zeit habe ich in meinem Blog schon einmal über eine Mini-Kirche in Culbone (Somerset) geschrieben, die als die kleinste im Land gilt. 6,60 Meter x 3,30 Meter sind deren Maße. Diesen Rang macht ihr eine andere Kirche streitig, die Bremilham Church, die auf einer Farm außerhalb von Malmesbury in Wiltshire liegt. Dieses winzige Gotteshaus misst 4 Meter x 3,60 Meter und ist noch in „Betrieb“, das heißt einmal im Jahr findet darin bzw. davor ein Gottesdienst statt und zwar der Rogation Sunday Service, eine Art Erntebitttag, der Ende April/Anfang Mai gefeiert wird. An diesem Tag finden sich um die 50 Gläubige an der Bremilham Church zusammen, die den Sonntagsgottesdienst meist draußen begehen, denn auf der einzigen Kirchenbank im Inneren können gerade einmal vier Personen Platz finden. Wenn dann noch sechs weitere Personen ihre Stehplätze eingenommen haben, ist die Kirche rappelvoll. Einen Altar gibt es nicht, dafür einen Taufstein und eine kleine transportable Orgel.

Bevor die jetzigen Eigentümer der Cowage Farm, auf der die Kirche steht, den Hof übernommen hatten, diente die Kirche sehr weltlichen Zwecken, nämlich als Stall für Truthähne. Der neue Farmer mistete das Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes aus und bat den zuständigen Bischof, die wiederhergestellte Kirche zu segnen, damit sie wieder ihrem ureigenen Zweck dienen konnte. Neben dem jährlichen Rogation Sunday Service finden darin hin und wieder auch einmal Taufen und Beerdigungsfeiern statt, aber das ist eher selten. Niemand weiß genau, warum überhaupt so eine kleine Kirche gebaut worden ist. Bis ins 19. Jahrhundert stand an dieser Stelle ein größeres Exemplar, das aber abgerissen wurde, um Platz für den Winzling zu schaffen, der keinem Heiligen gewidmet ist, was übrigens auch für die namenlose Nachbarkirche in Foxley gilt.

Bremilham Church hat es in das Guinness Book of Records geschafft als kleinste Kirche Großbritanniens, die noch in Betrieb ist. Wer sie sich einmal ansehen möchte: Sie liegt westlich von Malmesbury an der Foxley Road; von dort geht rechts eine Zufahrt zur Cowage Farm und zur Perfection Health & Beauty Farm ab.
Hier ist ein Film über die Kirche.

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Published in: on 6. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Kathedrale von Exeter (Devon), eine astronomische Uhr, ein Kinderlied, eine Katze und jede Menge Kirchenmäuse

Die astronomische Uhr in der Kathedrale von Exeter.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die astronomische Uhr in der Kathedrale von Exeter.
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Leider war ich nur einmal für wenige Stunden in Exeter, der Hauptstadt der Grafschaft Devon, und was sieht man sich da an? Natürlich die imposante Kathedrale im Stadtzentrum. Eine Besonderheit in der Kirche ist die astronomische Uhr, die im 15. Jahrhundert gebaut und in der Kathedrale installiert wurde. Da hatte sich aber jemand sehr viel Mühe gegeben und viel Gehirnschmalz verwendet, um eine so komplizierte Uhr zu konstruieren und es ist nicht ganz einfach, die Uhrzeit abzulesen.

Um diese astronomische Uhr rankt sich eine Geschichte, die sich Ende des 15. Jahrhunderts in der Kathedrale abgespielt haben soll. Zu dieser Zeit war Peter Courtenay (1432-1492) der Bischof von Exeter, der auf seine neue Errungenschaft sehr stolz war und sie anderen Würdenträgern gern zeigte. Bei einem Gottesdienst wurde die Andacht plötzlich gestört, als die Kirchenkatze der Kathedrale von Exeter ihren Aufgaben allzu geräuschvoll nachging und mit lautem Gekreisch eine Maus verfolgte, die sich in ihrer Not in den Mechanismus der astronomischen Uhr flüchtete, die mit einem ebenso lauten Geschepper auf den ungebetenen Gast reagierte. Ob die Maus lebend wieder aus der Uhr herauskam, ist nicht überliefert, aber das Kinderlied „Hickory, Dickory, Dock“ soll auf Grund dieser kleinen Geschichte entstanden sein:
Hickory, dickory, dock.
The mouse ran up the clock.
The clock struck one,
The mouse ran down,
Hickory, dickory, dock

Unterhalb der Uhr findet man eine Tür mit einem Loch, das als Katzenklappe fungierte und durch das die Kirchenkatzen ein und aus gingen. Sie hatten reiche Beute in dem großen Gebäude. Mäuse und auch Ratten hielten sich besonders gern in dem Gehäuse der Uhr auf, die immer wieder mit Tierfett geschmiert wurde und das fraßen die Nager für ihr Leben gern.

Wer sich für Kirchenkatzen interessiert, sollte unbedingt zu dem Buch „Cathedral Cats“ (Fount Publ., ISBN  978-0006276586) von Richard Surman greifen, der darin auch über die Exeter-Katzen schreibt, aber ebenso Kim von der Lichfield Cathedral und Olsen und Hansen von der Chester Cathedral nicht unerwähnt lässt.

In meinem Blog habe ich bereits über Tom von St Mary Redcliffe in Bristol und Tiddles von St Mary’s in Fairford (Gloucestershire) geschrieben.

Dieser Film zeigt die Orgel und die astronomische Uhr der Kathedrale von Exeter.

Die Tür unter der Uhr mit der Katzenklappe.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Tür unter der Uhr mit der Katzenklappe.
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Die Kathedrale von Exeter.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Kathedrale von Exeter.
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Published in: on 13. Juni 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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York Minster Police – Die Kathedrale mit einer eigenen Polizeitruppe

Close Encounters:   © Copyright DS Pugh and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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York Minster, die große Kirche in der alten Stadt York (North Yorkshire), wird täglich von tausenden von Menschen aus aller Welt besucht. Dass da eine gewisse Aufsicht sein muss, liegt auf der Hand. Ungewöhnlich ist, dass diese Aufsicht von einer eigenen Polizeitruppe wahrgenommen wird, der York Minster Police.
Schon seit 1285 werden in der Kirche Constables eingesetzt, aber nach der großen Feuersbrunst im Jahr 1829 ist eine richtige Polizeieinheit ins Leben gerufen worden, die heute aus 10 Personen besteht, unter der Führung von Steven Wilkinson.

Das York Minster wird rund um die Uhr bewacht und so werden auch nachts Patrouillengänge durchgeführt. Die Hauptaufgabe der 10 Polizisten ist natürlich vor allem, für die Sicherheit zu sorgen und auf Feuer zu achten. Weiterhin haben sie die Aufsicht über 380 Schlüssel und sind Ansprechpartner für die Touristen, die unzählige Fragen haben, z.B. wo denn das Münster ist, wenn sie direkt davor stehen.
Die Polizeiwache befindet sich auch in der Kirche und ist daran zu erkennen, dass vor der Tür zwei alte Schlagstöcke aufgehängt sind. Das Jahresgehalt eines Polizisten, der hier arbeitet, beträgt rund £21 000 plus Schichtzuschläge.

Es gibt übrigens weltweit nur noch sechs weitere Kirchen mit einer eigenen Polizeitruppe, darunter der Petersdom im Vatikan.

Einer der ehemaligen „Kathedralenpolizisten“ von York, John Key, hat ein Buch über seinen Arbeitsalltag geschrieben „Close Encounters: Reminiscences of a York Minster Policeman„, das 2006 in kleiner Auflage erschien und leider vergriffen ist.

Hier ist ein Film über die York Minster Police.

Published in: on 2. Juni 2016 at 02:00  Comments (1)  
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The Chapel of St Peter-on-the-Wall bei Bradwell-on-Sea (Essex)

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Es gibt wohl kaum eine Kirche in England, die einsamer liegt als St. Peter-on-the-Wall, einige Kilometer von Bradwell-on-Sea in Essex direkt an der Themsemündung gelegen. Um dorthin zu gelangen, fährt man von Bradwell aus mit dem Auto zu einem kleinen Parkplatz, von dem man noch ein gutes Stück zu Fuß (etwa 15-20 Minuten) laufen muss.

Die Kapelle ist eines der ältesten kirchlichen Gebäude in England und wurde im Jahr 654 von dem angelsächsischen Mönch und Bischof von Northumbria St. Cedd gegründet.

St. Peter ist immer geöffnet und ist zu einer kleinen Pilgerstätte für Menschen aus der ganzen Welt geworden. An jedem ersten Wochenende  im Juli findet hier das Bradwell Festival statt; in diesem Jahr am 2. und 3. Juli und es steht unter dem Motto „Connect, Celebrate“.

Im Sommer werden an jedem Sonntagabend um 18.30 Uhr „Summer Sunday Evening Services“ abgehalten, aber da die Kapelle immer geöffnet ist, kann man jederzeit auch für sich selbst die Ruhe und die Atmosphäre dort genießen.

Geisterjäger haben in der Vergangenheit diese einsame Kirche auch aufgesucht, denn es heißt, St. Peter sei „haunted„. Hier ist ein kleiner Film darüber.

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Published in: on 20. Mai 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Reverend Frederick Nolan, der Pfarrer aus Prittlewell (Essex) und sein Kampf gegen die besessenen Glockenläuter

St Mary's in Prittlewell.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Prittlewell.
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Reverend Frederick Nolan (1784-1864) war ein aus Irland stammender Theologe, der am 25. Oktober 1822 die Pfarrstelle von St Mary’s in Prittlewell in Essex übernahm, heute Teil der Stadt Southend-on-Sea. Mr. Nolan war ein sehr fleißiger Mann, der sich nicht nur um seine Gemeinde kümmerte, sondern auch viele Bücher schrieb, die sich zugegebenermaßen mit etwas abseitigen Themen beschäftigten. So hieß eines seiner Werke „The Expectations formed by the Assyrians that a Great Deliverer would appear about the time of our Lord’s Advent, demonstrated“ und eines „The Egyptian Chronology analysed, its theory developed and practically applied, and confirmed in its dates and details, from its agreement with the Hieroglyphic Monuments and the Scripture Chronology“.

Wenn man solche Bücher schreibt, braucht man sicher absolute Ruhe und man möchte nicht gestört werden, um in der Konzentration zu bleiben. In dieser Hinsicht hatte es Reverend Nolan nicht leicht. Das Pfarrhaus war wie üblich ganz in der Nähe der Kirche und St Mary’s verfügte damals über eine Schar außerordentlich fleißiger Glockenläuter, die vom „bell-ringing“ gar nicht genug bekommen konnten. Sie standen extra früh auf, um schon um 5 Uhr morgens das erste Glockengeläut zu starten. Der Pfarrer war etwas genervt davon und bat sie, doch etwas später, so gegen 8 Uhr damit zu beginnen, was aber auf völliges Unverständnis der Läuter stieß. Die Glockenfreunde von St Mary’s blieben bei der frühen Stunde und läuteten auch den ganzen Tag hindurch. Frederick Nolan war ein geduldiger Mensch und ertrug die Glocken von St Mary’s 18 Jahre lang; erst nach dieser langen Zeit, als seine Nerven durch das Gebimmel wieder einmal blank lagen, rastete er eines Tages aus, rannte mit einem Messer in der Hand die Stufen des Kirchturms hinauf und begann, die Glockenseile durchzuschneiden. Nur mit Mühe konnte man ihm von seinem Vorhaben abbringen. Nolan ging noch einen Schritt weiter, verschloss seine Kirche und postierte einen Polizisten vor die Tür. Die Glockenläuter von Prittlewell waren erbost und schlugen daraufhin die Fenster der Pfarrei ein, was wiederum Reverend Nolan veranlasste, mit einer Pistole Warnschüsse abzugeben. Als dann die bell-ringer auch noch über das Kirchendach in den Turm gelangten, um zu ihren geliebten Glocken zu kommen, richtete der Pfarrer seine Pistole direkt auf sie.

Die Kirchenbehörden schalteten sich ein, um den eskalierenden Streit zu beenden. Die Glockenläuter wurden mit einer Geldstrafe belegt, der  Anführer, der nicht daran dachte, die auch zu bezahlen, sogar für einige Monate ins Gefängnis gesteckt. Allesamt wurden sie von den Behörden streng ermahnt, ihren Pfarrer nicht mehr zu belästigen, woran sie sich dann wohl auch hielten. Der Reverend blieb noch viele weitere Jahre (insgesamt waren es 42) in seiner Pfarrgemeinde in Prittlewell. Wie die Glocken von St Mary’s klingen, zeigt dieser Film.

Die Details dieser Geschichte fand ich in Paul Wreyfords ausgezeichnetem Buch „The A-Z of Curious Essex„, erschienen 2013 im Verlag The History Press.

Reverend Nolans einstiger Arbeitsbereich.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Reverend Nolans einstiger Arbeitsbereich.
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Der Lincoln Imp – Ein versteinerter Kobold in der Kathedrale von Lincoln

Da sitzt er, der Lincoln Imp, im Engelschor der Kathedrale. This work has been released into the public Domain.

Da sitzt er, der Lincoln Imp, im Engelschor der Kathedrale.
This work has been released into the public Domain.

In der wunderschönen Kathedrale von Lincoln in Lincolnshire ist einer der Anziehungspunkte die Figur eines versteinerten kleinen Kobolds (Imp) hoch oben im Engelschor. Er hat ein bösartiges Grinsen im Gesicht, denn es handelt sich hier nicht um einen lieben netten Kobold, sondern eher um ein giftzwergähnliches Wesen, das mit bösen Absichten in die Kirche kam und zur Strafe zwischen den versteinerten Engeln landete. Es gibt mehrere, ähnlich lautende Legenden wie es dazu kam.

Eine davon ist, dass der Teufel den Imp nach Lincoln schickte, um dort in der Kathedrale Chaos anzurichten, was dieser nur allzu gern tat. Doch da hatte er die Rechnung ohne einen Engel gemacht, der ihm entgegentrat, als der kleine Kerl gerade mit Steinen um sich warf. Damit wieder Ruhe in die heiligen Hallen eintrat, verwandelte der Engel den Kobold in Stein und verbannte ihn für alle Zeiten in den Engelschor.

Eine andere Legende geht so: Wieder war der Teufel mit im Spiel, der zwei Kobolde losschickte, damit sie in der Kirchenlandschaft von Nordengland Unheil anrichten sollten. Zuerst machten sich die beiden nach Chesterfield auf den Weg, wo sie den Kirchturm von St Mary’s and All Saints verdrehten (bis heute ist er so geblieben wie dieses Foto zeigt) und dann begaben sie sich voller Vorfreude nach Lincoln, wo sie in der Kathedrale alles kaputt machen wollten, was ihnen unter die Finger kam. Wie schon in der anderen Legendenversion trat ihnen wieder einen Engel entgegen, der Kobold Nummer 1 versteinert in den Engelschor schickte, Kobold Nummer 2 aber laufen ließ.

Noch eine andere Legendenversion ist im Umlauf: Ein Kobold wurde von starken Winden in die Kathedrale geweht, wo der kleine Teufel „Party machte“, das heißt herumtanzte und herumalberte, bis er auf den Engel traf… den Rest der Geschichte kennen wir ja schon.

Dass man den Lincoln Imp in allen möglichen Formen im Souvenirladen der Kathedrale findet, versteht sich von selbst. Die Spieler des Lincoln City Football Clubs werden auch The Imps genannt und auf deren Webseiten trifft man ständig auf den kleinen Bösewicht.

Hier ist ein kleiner Film über den Imp.

Der Engelschor in der Kathedrale von Lincoln. Author: Steve Cadman. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Der Engelschor in der Kathedrale von Lincoln.
Author: Steve Cadman.
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Published in: on 26. Februar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Sind die Pfarrer von St Mary’s Schuld an den Überflutungen der Stadt Horncastle in Lincolnshire ?

Der über die Ufer getretene River Bain in Horncastle.   © Copyright Dave Hitchborne and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der über die Ufer getretene River Bain in Horncastle.
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Städte, die an einem Fluss liegen, haben meist eine besondere Atmosphäre. Fließen sogar zwei Flüsse durch den Ort, ist das noch schöner. Wirklich? Fragt man die Bewohner von Horncastle in Lincolnshire nach ihrer Meinung dazu, so wird die sicher etwas anders ausfallen. Durch die 6000 Einwohner zählende Kleinstadt ziehen sich der River Waring und der River Bain, keine bemerkenswerte Gewässer, die sich am städtischen Schwimmbad miteinander vereinigen. Doch hin und wieder werden aus den harmlos aussehenden Flüsschen reißende Bestien, die in der Lage sind, weite Teile von Horncastle zu überfluten. Nach starken Regenfällen treten Waring und Bain schnell über ihre Ufer und dann ist Gummistiefelzeit angesagt. Sind aber die Regenfälle die allein Schuldigen an den überfluteten Straßen und Häuser?

Nein! sagen einige Horncastler und das schon seit längerer Zeit. Immer wenn ein neuer Pfarrer seine Stelle in St Mary’s, der Gemeindekirche des Ortes, antritt, kommen die Fluten binnen eines Jahres. Das erste Mal geschah das 1919, da löste Reverend Robert Barlow  Reverend Alfred Moore ab und prompt traten beide Flüsse über ihre Ufer.
Den gleichen Fall hatte man im Jahr 1959, als Reverend Arthur Davies seine neue Stelle antrat und damit nicht genug: Nachdem Reverend Geoffrey Neale  nach St Mary’s in Horncastle gekommen war, bewirkte das eine erneute Flut im Jahr 1981 (und 1983 und 1984).

Die abergläubischen Bewohner der Zwei-Flüsse-Stadt in Lincolnshire sehen einem Pfarrerwechsel in ihrer Gemeinde mit gemischten Gefühlen entgegen, doch vielleicht ist das gar nicht mehr nötig, denn nachdem Reverend Mike Burson Thomas 1999 seine neue Stelle antrat, passierte…nichts.

Im Juni 2012 traten River Bain und River Waring wieder über ihre Ufer und überfluteten die Straßen von Horncastle (hier ist ein Film darüber). Wie sah es zu diesem Zeitpunkt mit dem Pfarrer von St Mary’s aus? Reverend Alison Buxton war da noch im Amt, ging aber im Dezember, wodurch die Pfarrerstelle zwei Jahre lang unbesetzt blieb. Treten jetzt etwa die Überflutungen auf, bevor ein Geistlicher St Mary’s verlässt?

St Mary's in Horncastle.   © Copyright Dave Hitchborne and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Horncastle.
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Published in: on 22. Februar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Tom, die Kirchenkatze von St Mary Redcliffe in Bristol

St Mary Redcliffe in Bristol. Eigenes Foto.

St Mary Redcliffe in Bristol.
Eigenes Foto.

Vor einiger Zeit schrieb ich in meinem Blog schon einmal über die Kirchenkatze von St Mary in Fairford (Gloucestershire). Gar nicht so weit von dort entfernt, in der Kirche St Mary Redcliffe in Bristol, gab es ein ähnliches Phänomen, dass sich eine Katze ein Gotteshaus als Domizil aussuchte. Es war im Jahre 1912, als in St Mary eine gewaltige neue Orgel installiert worden war, dass sich eine offenbar herrenlose Katze an einer der Kirchentüren einfand und möglicherweise von der Orgelmusik angelockt wurde. Da Tom, wie man das Tier bald nannte, freundlich von den Kirchenangestellten behandelt wurde, entschloss es sich, hier zu bleiben und zwar bis zu seinem Tod im Jahr 1927.

Die Orgel besaß für Tom eine besondere Faszination, denn immer wenn der Organist probte bzw. bei den Gottesdiensten spielte, saß die Katze neben ihm und lauschte andächtig der Musik. Hin und wieder sprang sie auch einem der Besucher auf den Schoß und ließ sich dort den Rücken kraulen. Tom machte sich aber auch in der Kirche nützlich und ging häufig auf Beutezüge, was den Mäusen, Ratten und Tauben innerhalb und außerhalb der Kirche gar nicht gut bekam. Als man das Altarkreuz in St Mary Redcliffe einmal verrückte, fand man dahinter jede Menge Knochen und Federn, dorthin hatte Tom seine Beute geschleppt.

Die Kirchenkatze führte ein zufriedenes und glückliches Leben in der imposanten Kirche mitten in der Großstadt Bristol. 1927 starb Tom, sehr zum Leidwesen der Kirchengemeinde; aber man bereitete dem Tier einen würdigen Abschied. Der Organist spielte ihm zu Ehren einen Choral und Pfarrer, Küster und andere Kirchenmänner trugen seinen kleinen Sarg aus der Kirche und begruben ihn gleich neben dem Südeingang auf dem Friedhof. Auf seinem Grabstein stehen die Worte: „The Church Cat 1912-1927„.

Hier kann man sich einmal die Orgel der Kirche in Bristol anhören.

Der Haupteingang zu St Mary Redcliffe. Eigenes Foto.

Der Haupteingang zu St Mary Redcliffe.
Eigenes Foto.

Die Orgel, die Tom besonders liebte. This work is released into the public Domain.

Die Orgel, die Tom besonders liebte.
This work is released into the public Domain.

Published in: on 8. Februar 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Die All Saints‘ Church in Brightlingsea (Essex) – Die Gemeindekirche mit den Erinnerungstafeln für ertrunkene Seeleute

Die Erinnerungstafeln in der Kirche. With friendly permission of Tudor Barlow.

Die Erinnerungstafeln in der Kirche.
With friendly permission of Tudor Barlow.

In meinen Blogeinträgen in der Rubrik „Englische Kirchen“ habe ich im Laufe der Jahre schon viele Gotteshäuser vorgestellt, die sich durch Besonderheiten oder Kuriositäten von den anderen abheben. Auch die Kirche, auf die ich heute aufmerksam machen möchte, hat eine einzigartige Besonderheit zu bieten. Die Gemeindekirche All Saints‘ liegt etwas außerhalb der Kleinstadt Brightlingsea an der B1029 in Essex. Der Ort an der Mündung des River Colne in die Nordsee war früher einmal ein bedeutendes Fischereizentrum, doch die Zeiten, als viele der Einwohner vom Fischfang lebten, sind vorbei.

Die Arbeit auf den Fischerbooten in der Nordsee war nicht ungefährlich und so starben immer wieder Männer, wenn sie mit ihren Booten in einen Sturm gerieten. Arthur Pertwee war von 1872 bis 1917 Pfarrer in der Kirche All Saints‘ und nachdem wieder einmal in einem Jahr  36 Fischer ums Leben gekommen waren, kam er auf die Idee, für jeden von ihnen in der Kirche eine Tafel in die Wand einzulassen, auf der der Name des Fischers und der Name des Schiffes, auf dem er gearbeitet hatte, festgehalten wurden. Seit dem Jahr 1872 bis heute finden sich in All Saints‘ 212 dieser Erinnerungstafeln, die jeweils das Schicksal eines Mannes beinhalten. Da ist zum Beispiel eine Tafel mit der Inschrift:

Albert Edward Layzell
Aged 25
lost from wreck of Barge Ada of Harwich
off Portland
Dec 22 1888

Auch Albert Edwards Bruder John Richmond kam bei diesem Schiffsunglück ums Leben; die Tafeln 87 und 88 erinnern an die beiden Brüder aus Brightlingsea.

Reverend Portwee hatte damals wirklich ein Herz für die Fischer aus seiner Gemeinde, denn immer wenn es besonders stürmisch und finster an der Küste von Essex war, positionierte er eine Laterne auf dem 30 Meter hohen Kirchturm, um den heimkehrenden Fischern den Weg in den Hafen von Brightlingsea zu weisen. Bis zu einer Entfernung von 25 Kilometern soll die Laterne auf dem Kirchturm zu sehen gewesen sein.

Das Erdbeben von Colchester, über das ich kürzlich in meinem Blog schrieb, richtete auch in der Kirche All Saints‘ Schäden an, denn eine der vier Fialen auf dem Turm stürzte um und schlug durch das Kirchendach. Es kam allerdings niemand dabei zu Schaden.

Über Canon Portwee gibt es ein Lied, das hier zu hören ist. In seiner Kirche wird alljährlich in der Weihnachtszeit ein Christmas Tree Festival abgehalten wie dieser Film zeigt.

All Saints' in Brightlingsea.    © Copyright Peter Stack and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints‘ in Brightlingsea.
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Published in: on 28. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Botolph in Beauchamp Roding (Essex) – Die Dorfkirche auf dem Hügel und der Teufel

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Warum steht eigentlich die Dorfkirche von Beauchamp Roding (Essex) nicht dort, wo die meisten Kirchen stehen, nämlich mitten im Ort? Stattdessen liegt St Botolph auf einem kleinen Hügel außerhalb des Ortes. Benannt wurde die Kirche nach einem Mönch, der im 7. Jahrhundert lebte und Namensgeber der Städte Boston in Lincolnshire und Massachusetts (USA) ist. Der heilige Botolph gilt auch als Schutzpatron aller Reisenden und Landwirte.

Der Legende nach hatte der Teufel seine Hände im Spiel, was den Standort der Kirche angeht, denn die Bürger von Beauchamp Roding wollten sie durchaus mitten im Dorf haben. Auf dem Hügel, auf dem St Botolph heute steht, lag früher ein riesiger Felsblock, den die Dorfbewohner als Baumaterial für ihre neue Kirche verwenden wollten. Also rollten sie den Felsen mit großer Anstrengung den Hügel ins Dorf hinunter. Am Morgen des nächsten Tages mussten sie zu ihrer großen Verwunderung feststellen, dass der große Stein wieder auf dem Hügel lag, denn über Nacht hatte der Teufel, der den Kirchenbau verhindern wollte, den Block mühelos wieder zurückgerollt. Das ging noch ein paar Mal so hin und her. Am Tag holten die Beauchamp Rodinger den Fels herunter und nachts brachte der Teufel ihn wieder zurück. Am Ende waren die Dorfbewohner der Sache überdrüssig und entschieden, die Kirche dann eben auf dem Hügel außerhalb ihres Ortes zu errichten.
Auf dem Kirchhof liegt noch ein Stein, von dem man sagt, dass er als Rest von dem großen Felsen übriggeblieben ist.

St Botolph erreicht man über eine kleine Zufahrt, die von der Dunmow Road, der B184 (Chipping Ongar in Richtung Norden), abgeht. Zweimal im Monat finden in der Kirche Andachten statt, zu denen die im Turm hängenden Glocken allerdings nicht mehr rufen, denn die funktionieren leider nicht mehr. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen im ländlichen Bereich ist diese täglich für Besucher geöffnet.

Einsam inmitten von Feldern liegt die Kirche von Beauchamp Roding.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Einsam, inmitten von Feldern, liegt die Kirche von Beauchamp Roding.
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Und so sieht der Innenraum der Kirche aus.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Und so sieht der Innenraum der Kirche aus.
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Published in: on 21. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Lighthouse Methodist Church in Walthamstow – Eine kuriose Kirche im Nordosten Londons

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Was macht ein Leuchtturm, der ja eigentlich Schiffen den Weg weisen soll, 50 Kilometer von der Küste entfernt im Nordosten von London auf einer Kirche? Nun, es gibt einen maritimen Bezug, denn der Sponsor des Kirchenbaus der Lighthouse Methodist Church hier in Walthamstow war der Kapitän David King von der Reederei Bullard King & Co., die mit der Natal Direct Line eine Schiffsverbindung mit afrikanischen Häfen unterhielt. Er veranlasste im Jahr 1893, dass in diesem Londoner Stadtteil an der Markhouse Road, Ecke Downsfield Road, eine methodistische Kirche gebaut werden sollte. Zuerst war auf dem Areal, das King gekauft hatte, ein großes Zelt aufgestellt, das für Gottesdienste genutzt wurde; dann kam es aber doch zum Bau eines festen Kirchengebäudes und es war King ein besonderes Anliegen, dem Gotteshaus einen maritimen Touch zu geben, und so entstand der Leuchtturm, der anstelle eines Glockenturms den Gläubigen den Weg zur sonntäglichen Andacht wies, statt mit Glockengeläut mit einem optischen Signal aus der Kuppel des „Lighthouses“.

Während des Ersten Weltkriegs geriet die Methodistengemeinde finanziell etwas ins Schlingern, denn der Kirchenbau war noch nicht ganz abbezahlt, aber mit einer gemeinsamen Anstrengung schaffte sie es, alle Schulden zu begleichen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Lighthouse Methodist Church durch Brandbomben beschädigt, aber es war nicht so verheerend, dass sie abgerissen werden musste.

Noch heute steht diese kuriose Kirche an der Markhouse Road in Walthamstow, auf der einen Seite mit einer Tankstelle, auf der anderen Seite mit einem Laden mit Autoreifen als Nachbarn. Der zuständige Pastor ist zurzeit Reverend Dr. Ebute Obiabo, der aus Nigeria stammt.

 

St Mary the Virgin in Great Warley – Eine Jugendstilkirche in Essex

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Was gibt es für ein Dorf Schöneres, als einen reichen Mäzen zu seinen Einwohnern zählen zu können, der am Wohlergehen des Ortes interessiert ist. Great Warley, südlich von Brentwood in Essex, dicht an der M25 gelegen, hatte um die Jahrhundertwende einen solch reichen Gönner: Evelyn Heseltine, ein Börsenmakler aus London.

Die alte Dorfkirche St Mary’s war ziemlich verfallen und man benötigte dringend eine neue. So wurden Spendenlisten ausgelegt, in der Hoffnung auf diese Weise zumindest einen Teil des Geldes zusammenzubringen. Als auch Mr. Heseltine um eine Spende gebeten wurde, sagte der Nein, aber er würde dem Dorf gern eine neue Kirche auf seine Kosten bauen lassen. Great Warley war glücklich über dieses Angebot.
Mit dem Design der neuen Kirche wurden Charles Harrison Townsend und Sir William Reynolds-Stephens beauftragt, die einmal etwas ganz anderes machen wollten: Sie gestalteten die Inneneinrichtung nach dem gerade vorherrschenden Jugendstil oder Art Nouveau wie man in England dazu sagte. Vielleicht war der eine oder andere Dorfbewohner zunächst etwas überrascht über die neue Kirche, aber ich könnte mir denken, dass sie alle letztendlich stolz über diese (fast) einzigartige Jugendstilkirche waren. Soviel ich weiß, gibt es nur noch zwei andere Kirchen in England mit Jugendstilelementen: St Bartholomews in Brighton und St Georges in Newcastle-upon-Tyne.

Townsend und Reynolds-Stephens verwendeten für den Innenausbau sehr viel Marmor, Email, Bronze und Perlmutt. Besonders gelungen sind der Lettner, der aus Perlmuttblüten und Emailfrüchten besteht und das Taufbecken aus weißem und schwarzem Marmor, von zwei Bronzeengeln umrahmt.

Ein Überbleibsel aus der alten Kirche St Mary’s existiert noch, die Alabasterfigur des Giles Fleming, ein Gutsherr aus dem 17. Jahrhundert, der sich hoffentlich auch in dieser Jugendstilumgebung wohlfühlt.

St Mary the Virgin liegt südlich des Ortes an der Great Warley Street, der B186, ziemlich versteckt hinter Büschen und Bäumen. Wie so oft in englischen Kirchen steht man auch bei St Mary the Virgin meist vor verschlossenen Toren. Die Öffnungszeiten sind hier zu ersehen.

St Mary the Virgin
Great Warley Street
Brentwood
Essex
CM 13 3JP

Der Lettner.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Lettner.
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Das Taufbecken.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Taufbecken.
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Der Altarraum.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 2. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Anne Boleyns Herz und eine Kirche in dem winzigen Dorf Erwarton in Suffolk

St Mary in Erwarton (Suffolk).   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary in Erwarton (Suffolk).
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Am 19. Mai 1536 fand das kurze Leben der Anne Boleyn, zweite Frau Heinrichs VIII, im Tower of London ein Ende. Der französische Henker Jean Rombaud enthauptete sie auf dem Tower Green. Ihre letzte Ruhestätte fand Anne in der Kirche Chapel Royal of St. Peter ad Vincula auf dem Gelände des Towers, dort, wo auch Catherine Howard und Lady Jane Grey beigesetzt sind.

Doch befand sich auch Anne Boleyns Herz noch in ihrem Körper, als man sie in London zur Ruhe bettete? Möglicherweise nicht, denn man erzählte sich damals, dass die Ex-Königin vor ihrem Tod den Wunsch geäußert haben soll, dass ihr Herz in die Kirche St Mary nach Erwarton (Suffolk) gebracht werde. Warum in dieses winzige 100-Seelen-Dorf? Anne Boleyn hatte glückliche Kindheitstage auf dem Landsitz ihrer Tante Amata Boleyn auf Erwarton Hall zugebracht, und ihr Onkel soll es arrangiert haben, dass ihr Herz heimlich nach St Mary geschmuggelt und dort beigesetzt wurde. Legende? Wahrheit?

Genau 300 Jahre später fand man bei Renovierungsarbeiten in der Südwand der Kirche einen kleinen herzförmigen Sarg, den man vorsichtig öffnete und darin nur Staub fand. Waren das die zerfallenen Überreste des Herzens der ehemaligen Königin? Man wird es wohl nie mehr herausfinden. Der Sarg wurde wieder verschlossen und unter der Orgel erneut beigesetzt. Auf einer kleinen Plakette an der Stelle steht: „After her execution in the Tower of London, 19 May 1536, it was recorded that her heart was buried in this church by her Uncle, Sir Philip Parker of Erwarton Hall„. Eine Kopie des Holbein-Porträts von Anne Boleyn befindet sich dort auch. Hier ist ein Film über die Kirche.

Erwarton Hall existiert auch heute noch und befindet sich in Privatbesitz. Besonders auffällig ist das Torhaus, das zur Hall führt.
Bis vor einigen Jahren gab es in Erwarton einen Pub, der The Queen’s Head hieß, mit einem entsprechenden Pubschild, das der Kopf von Anne Boleyn zierte. Leider wurde das Gasthaus 2009 geschlossen.

Wer den kleinen Ort und seine Kirche einmal besuchen möchte: Erwarton liegt ganz dicht an der Mündung des River Stour, südöstlich von Ipswich; gegenüber ist der Hafen von Harwich zu sehen.

Erwarton Hall.   © Copyright Roger Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Erwarton Hall.
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Das Gatehouse von Erwarton Hall.    © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 23. August 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Just in Roseland – Eine der am schönsten gelegenen Kirchen Cornwalls

 

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Es gibt nur zwei Kirchen in England, die „St Just“ gewidmet sind, wobei unklar ist, wer das nun eigentlich war. Einige Quellen sprechen von Justus von Canterbury, der im 7. Jahrhundert gelebt hat, andere wiederum von St Iestyn, einem walisischen Einsiedler aus etwa der gleichen Zeit. Wie auch immer: Neben der Gemeindekirche St Just in Penwith, am äußersten westlichen Ende von Cornwall, gibt es noch eine weitere dem mysteriösen Justus gewidmete Kirche und zwar auf der Roseland-Halbinsel, westlich des Ortes St Just in Roseland, die genauso wie die Gemeinde heißt.

Zu erreichen ist die Kirche St Just in Roseland über eine schmale Straße; gegenüber des „lych gates“, des Eingangstores, gibt es einen Mini-Parkplatz, auf dem nur wenige Autos Platz finden. Schon dieser Eingang weist einige Besonderheiten auf; direkt daneben stehen einige Palmen (sicher nicht oft in England zu finden) und das Tor befindet sich auf der gleichen Höhe wie der oberste Teil des Kirchturms. Man muss also, um St Just zu erreichen, zu ihr hinuntersteigen. Neben dem Weg hat man Granitblöcke aufgestellt, auf denen Bibelsprüche eingraviert sind.
Ein Pfarrer, der im 19. Jahrhundert hier angestellt war, hatte ein Faible für tropische Gewächse, die er hier um die Kirche herum anbaute, und diese Kombination von Vegetation und malerischer Lage direkt am Wasser machen St Just so einzigartig.

Nach einer Legende soll Josef von Arimathäa an dieser Stelle mit Jesus an Land gegangen sein, markiert durch einen Stein am St Just Creek.

Am 23. Juli 1733 starb ein gewisser John Randall, der hier auf der Roseland Peninsula ansässig war, und verfügte in seinem Testament, dass eine kleine Summe an den Pfarrer der Kirche fallen sollte, mit der Auflage, dass er bzw. seine Nachfolger in den nächsten tausend Jahren, jeweils an seinem Sterbetag, eine Leichenpredigt zu seinem Gedenken halten. Im Jahr 2733 braucht sich also keiner mehr Gedanken über den Inhalt dieser eingeforderten Predigt machen.

St Just in Roseland ist eine der am meisten fotografierten Kirchen in Cornwall. Wen wundert’s!

Hier ist ein sehr schöner Film über die Kirche zu sehen.

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Blick durch das "lych gate" auf den Turm von St Just.    © Copyright roger geach and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick durch das „lych gate“ auf den Turm von St Just.
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Der Innenraum von St Just.    © Copyright Rod Allday and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Innenraum von St Just.
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Published in: on 27. Juli 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Die Parish Church of St. Wilfrid in Mobberley (Cheshire) und ein berühmter Bergsteiger

St Wilfred in Mobberley (Cheshire).    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Wilfrid’s in Mobberley (Cheshire).
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Würde es eine Hall of Fame für Bergsteiger geben, dann dürfte darin George Herbert Leigh Mallory auf gar keinen Fall fehlen. Mallory galt als einer der Wegbereiter für folgende Mount Everest-Expeditionen und bei seinem Versuch, den Bergriesen zu besteigen, kam er dabei 1924 gemeinsam mit Andrew Irvine ums Leben. Erst seinem Bergsteigerkollegen Edmund Hillary und dem Sherpa Tensing gelang die Erstbesteigung im Jahr 1953. Mallorys Leiche war verschollen und wurde erst 1999 in einer Höhe von 8150 Metern aufgefunden.

Mallory wurde am 18. Juni 1886 in Mobberley (zwischen Knutsford und dem Flughafen von Manchester gelegen) in der Grafschaft Cheshire geboren, als Sohn des dortigen Pfarrers Herbert Leigh Mallory. Viele Familienmitglieder, und das geht bis in das 17. Jahrhundert zurück, waren Pfarrer an der Parish Church of St Wilfrid in Mobberley und an mehreren Stellen in der Kirche findet man Tafeln, die an die Mallorys erinnern. Bis zum Jahr 1900 wohnte die Familie Mallory in der Mobberley Old Hall.

Der als Nationalheld gefeierte Bergsteiger George Mallory wird mit einem dreiteiligen Kirchenfenster geehrt, auf dem der Heilige Georg, König Arthur und Sir Galahad abgebildet sind, ergänzt durch einige Szenen aus dem Leben König Arthurs. Auf dem Sir Galahad-Fenster findet sich in der unteren rechten Ecke ein Panel mit der Inschrift:

In Memory of George Herbert Leigh Leigh-Mallory, born at Mobberley, June 1886, died June 1924, son of Canon Herbert Leigh Leigh-Mallory, Rector, 1885-1904. The window was put in by his family and friends at Mobberley„.

Auch der Bruder des Bergsteigers, Air Chief Marshall Sir Trafford LeighMallory,  kam in den Bergen ums Leben, 1944 bei einem Flugzeugabsturz in den Alpen. An ihn und seine Frau, die ebenfalls an Bord war und bei dem Absturz starb, erinnert eine Messingplakette in St Wilfrid.

Im Jahr 2010 erschien eine Dokumentation über George Mallorys Leben und über seine missglückte Mount Everest-Besteigung mit dem Titel „The Wildest Dream“ (hier ist der Trailer zum Film).

Die belgische Musikgruppe Girls in Hawaii veröffentlichte 2013 das Album „Everest“, auf dem sich das Musikstück „Mallory’s Height“ findet (hier zu hören):
„Hung from jagged forms
Of unscalable rocks
The mountaineer got cold
He froze in the storm“.

Mallorys Enkel, der ebenfalls den Vornamen George trägt, schaffte den Aufstieg auf den Mount Everest 1995. Er vollendete, was seinem Großvater 71 Jahre früher leider versagt blieb.

Das Buch zum Artikel:
Peter and Leni Gillman: The Wildest Dream – George Mallory, The Biography of an Everest Hero. Headline 2001. 320 Seiten. ISBN 978-0747264583.

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Mobberley Old Hall. Hier  wuchs George Mallory auf.    © Copyright Ian Warburton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mobberley Old Hall. Hier wuchs George Mallory auf.
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Die St Edward’s Church in Stow-on-the-Wold (Gloucestershire) und John Entwistles Trauerfeier

St Edward's in Stow-on-the-Wold (Gloucestershire).    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Edward’s in Stow-on-the-Wold (Gloucestershire).
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Im Alter von 57 Jahren starb John Entwistle, der Bassist der legendären Band The Who, am 27. Juni 2002, ein Tag vor Beginn der USA-Tour in Las Vegas in seinem Hotelzimmer. Nach Keith Moon war Entwistle schon das zweite Bandmitglied, das The Who verlor.

Der Musiker wohnte damals in den Cotswolds, nahe eines Dorfes namens Lower Swell, bei Stow-on-the-Wold. Quarwood hieß sein Domizil, in dem er 27 Jahre seines Lebens verbrachte. Gebaut wurde Quarwood Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Architekten John Loughborough Pearson für den Pfarrer Robert William Hippisley. Beide hatten eine Verbindung zur Gemeindekirche von Stow-on-the Wold, St Edward’s. Pearson hatte die Kirche restauriert, an der Hippisley seinen Dienst als Pfarrer versah. Und in genau diesem Gotteshaus wurde die Trauerfeier für John Entwistle, dem späteren Bewohner von Quarwood, abgehalten.

Hunderte von Menschen strömten in die Kirche St Edward’s, darunter auch die letzten beiden verbliebenen Who-Musiker Roger Daltrey und Pete Townshend, die sich alle von Entwistle verabschieden wollten. Nicht alle passten in die Kirche hinein, so dass der Gottesdienst per Lautsprecher nach draußen übertragen wurde.

St Edward’s ist eine schöne mittelalterliche Kirche mit einer Besonderheit, die mir sehr gut gefällt: Eine der Eingangstüren wird von zwei uralten Eiben flankiert, die regelrecht in die Kirchenmauern hineingewachsen sind. Manche „Lord of the Rings“-Fans meinen, dass diese Tür Modell gestanden hat für Tolkiens Doors of Durin und eine gewisse Ähnlichkeit ist meiner Ansicht nach schon da. Der Autor der „Herr der Ringe“ soll mehrfach in Stow-on-the-Wold gewesen sein.

Hier ist ein Film über die Parish Church des Cotswolds-Dorfes zu sehen, die mitten im Ort, nur wenige Schritte vom Market Square entfernt ist, auf dem man sein Auto abstellen kann (wenn man denn einen Parkplatz findet).

John Entwistles hinter Büschen und Bäumen verstecktes Quarwood befindet sich nach wie vor in Privatbesitz und liegt ca 1 Kilometer südlich von Stow an der A429.

Die von Eiben gesäumte Kirchentür von St Edward's.    © Copyright Martyn Gorman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die von Eiben gesäumte Kirchentür von St Edward’s.
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Agatha Christie und das Kirchenfenster von St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon)

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).    © Copyright Dave Kelly and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).
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Am 15. September diesen Jahres feiern wir den 125. Geburstag von Agatha Christie, einer der außergewöhnlichsten Kriminalromanautorinnen der 20. Jahrhunderts. In ihrer Geburtsstadt Torquay in Devon wird vom 11. bis zum 19. September  das International Agatha Christie Festival veranstaltet, zu dem wieder Besucher aus nah und fern erwartet werden, die der Autorin ihre Ehre erweisen wollen.

Ganz in der Nähe von Torquay liegt Agatha Christies Landsitz Greenway, den ich im letzten Herbst besuchte und über den ich in meinem Blog berichtete. Immer wenn sie hier zu Besuch war, suchte sie sonntags die Kirche St Mary the Virgin in Churston Ferrers auf, die sie mit dem Auto in wenigen Minuten erreichen konnte. Mrs. Christie war eine gläubige Frau und nahm Anteil am Gemeindeleben. Sie mochte die Kirche, doch missfiel ihr das Fenster an der Ostseite, das war ihr zu einfach und zu langweilig. So sollte ein neues her, das sie aus eigener Tasche finanzieren wollte. Zu diesem Zweck schrieb sie die Geschichte „The Greenshore Folly“ (mit Hercule Poirot), deren Erlös durch die Abdrucksrechte in Zeitungen der Kirche zur Verfügung gestellt werden sollte (viele ihrer Werke erschienen zuerst als Serie in Zeitungen oder Zeitschriften und erst dann in Buchform). Doch leider klappte das nicht, denn „The Greenshore Folly“ war weder ein richtiger Roman noch eine Kurzgeschichte, und der Umfang der „novella“ eignete sich nicht für eine Veröffentlichung in einer Zeitschrift. Jetzt musste Agatha Christie sich etwas Neues einfallen lassen, was sie auch sofort tat: Eigentlich mochte sie ja „The Greenshore Folly“, und so entschied sie sich, daraus einen richtigen Roman zu gestalten, der dann unter dem Titel „Dead Man’s Folly“ (dt. „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“) erschien. Für ihre Kirchenfensteraktion schrieb sie eine neue Kurzgeschichte, die den sehr ähnlichen Titel „Greenshaw’s Folly“ (dt. „Greenshaws Monstrum“) erhielt, in der statt Hercule Poirot Miss Marple agierte. Die Daily Mail druckte diese Geschichte im Dezember 1956 ab. In Buchform erschien sie 1960 in dem Sammelband „The Adventure of the Christmas Pudding„. Die deutsche Übersetzung findet sich in dem Sammelband „Der Unfall und andere Fälle„, der 1964 im Scherz-Verlag erschien.

St Mary the Virgin erhielt also doch das versprochene Geld für das neue Buntglasfenster, das Agatha Christie mithalf zu gestalten. Als Künstler wurde James Patterson (1916-1986) aus Bideford in Devon engagiert, der Jesus als guten Hirten in den Mittelpunkt des Fensters stellte. Patterson verwendete auf Wunsch von Agatha Christie auch grüne und malvenfarbige Elemente, Farben, die sie besonders mochte.

Die Krimiautorin wollte nicht, dass ihr Name als Spenderin des Fensters in der Kirche auftauchte, doch nach ihrem Tod ließ ihre Tochter Rosalind doch eine Plakette anbringen, auf der steht, dass A.C. Mallowan das Fenster „to the glory of God“ spendete.

Die Novelle „The Greenshore Folly“ erschien übrigens vor kurzem erstmals in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das Geheimnis von Greenshore Garden: Ein Fall für Hercule Poirot“ in einer liebevoll gestalteten Ausgabe im Atlantik-Verlag.

Church of St Mary the Virgin
Green Lane
Churston Ferrers
Brixham
Devon TQ5 OJG

Greenways in Devon, Agatha Christie Landsitz. Eigenes Foto.

Greenway in Devon, Agatha Christie Landsitz.
Eigenes Foto.

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 30. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Whites of Appleton – Church Bellhangers seit 1824

Luftbildaufnahme von Appleton in Oxfordshire.    © Copyright Dave Price and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Luftbildaufnahme von Appleton in Oxfordshire.
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1824 gründete Alfred White in Appleton (Oxfordshire) die Firma A. White Bellhanger. Schon früh hatte er sein Interesse an Glocken entdeckt und machte das zu seinem Lebensinhalt. Nebenbei arbeitete White aber auch noch als Schmied, Bäcker und Gastwirt im Greyhound im benachbarten Besselsleigh, einem Pub, den es noch heute gibt.

Glocken müssen ja nach ihrer Herstellung in einem Kirchturm aufgehängt werden, dafür braucht man starke tragfähige Rahmen, die dort oben in luftiger Höhe installiert werden müssen: Das ist das Geschäft der Bellhanger und damit beschäftigte sich Alfred White. Nach seinem Tod im Jahr 1876 übernahm Frederick White das Geschäft seines Vaters und auch dessen Söhne führten das Familienunternehmen weiter, das 1969 in „Whites of Appleton“ umbenannt wurde. Die Firma findet man auch heute noch in der Eaton Road in Appleton, nahe der A420, südwestlich von Oxford.

Heute bietet die Firma ein breites Spektrum an Dienstleistungen rund um Glocken an; das beginnt bei der Neuinstallation, bei der Wartung und Reparatur beschädigter Glocken, geht weiter über den Glockentransport von den Kirchen zur Werkstatt in Appleton und wieder zurück und endet bei der Herstellung von Klöppeln und Aufhängungsvorrichtungen.

Whites of Appleton bietet seine Dienste in ganz Großbritannien an. Einige Beispiele für ausgeführte Arbeiten in den letzten Jahren:
– In der berühmten St Paul’s Cathedral in London wurden an zwei Klöppeln Ausbesserungsarbeiten vorgenommen.
– Im Windsor Castle wurde einen Glocke neu aufgehängt.
– In der Kirche All Saints in Monk Sherborne (Hampshire), dort wo Jane Austens älterer Bruder beigesetzt ist, stimmte die Firma die Glocken neu und hängte sie neu auf.
– In St Peter and St Paul in Heytesbury (Wiltshire) nahm man umfangreiche Arbeiten an den Glocken und deren Aufhängung vor.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Whites of Appleton ist die älteste Firma im ganzen Land, die sich mit Bellhanging beschäftigt.

Whites of Appleton
69 Eaton Road
Appleton
Abingdon, Oxon, OX13 5JJ

All Saints in Monk Sherborne (Hampshire).    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in Monk Sherborne (Hampshire).
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St Peter and St Paul in Heytesbury (Wiltshire).    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter and St Paul in Heytesbury (Wiltshire).
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The Greyhound in Besselsleigh (Oxfordshire), in dem Alfred White wirkte.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Greyhound in Besselsleigh (Oxfordshire), in dem Alfred White wirkte. Eine blaue Plakette erinnert seit 2014 an ihn.
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Published in: on 11. Februar 2015 at 02:00  Comments (1)  
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St Michael de Rupe bei Brentor (Devon) – Englands höchstgelegene Kirche

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Am westlichen Rand des Dartmoors in Devon liegt nördlich von Tavistock bei Brentor eine der bemerkenswertesten Kirchen in ganz England: St Michael de Rupe. Sie gilt als die höchstgelegene Kirche des Landes, denn sie steht auf dem Gipfel eines Vulkankegels, der 338 Meter in die Höhe ragt, von dem aus man einen grandiosen Blick auf die drei Moorlandschaften von Dartmoor, Bodmin Moor und Exmoor hat. St Michael de Rupe zählt auch zu den kleinsten Kirchen Englands mit einer Länge von 11 Metern und einer Breite von 4,60 Meter. Der Turm mit seinen fünf Glocken misst 12 Meter; rund 40 Menschen passen in die Kirche hinein, in der nur zu bestimmten Zeiten Gottesdienste abgehalten werden wie zu hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern. Im Sommerhalbjahr wird jeden Sonntag um 18.30 eine Abendandacht gehalten.

Der Aufstieg zur Kirche ist etwas beschwerlich für ältere Leute, denn er ist ziemlich steil. Vom Parkplatz aus geht man zehn Minuten, bis man (schwer atmend) auf dem Gipfel angekommen ist.

St Michael de Rupe (St Michael of the Rock) soll etwa im Jahr 1130 erbaut worden sein, im Auftrag eines reichen Kaufmanns, der vor der Küste Devons mit seinem Schiff in einen schweren Sturm geraten war und sich geschworen hatte, sollte er überleben, würde er auf dem höchsten Gipfel, den er finden konnte, ein Gotteshaus bauen. So geht zumindest die Legende.

1995 schlug ein Blitz in den Turm ein, wodurch einige Schäden entstanden, die aber bald wieder behoben wurden. Um das in Zukuft zu vermeiden, hat man jetzt Blitzableiter installiert. Am 12. Juni 2002 wurde St Michael von Vandalen heimgesucht, die Teile der Inneneinrichtung und das Fenster zerschlugen, auf dem der Heilige Michael abgebildet war. Auch hier entstanden wieder hohe Reparaturkosten.

Einige Szenen der Fernsehverfilmung von Daphne DuMauriers Roman „Jamaica Inn“ wurden 1983 hier oben auf dem Kirchhof gedreht. In den Hauptrollen spielten damals Jane Seymour und Patrick McGoohan.

Hier ist ein sehr schöner Film über die Kirche, der St Michael de Rupe aus der Luft zeigt.

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Published in: on 9. Februar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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