Die All Saints Church bei Wiston with Buncton in West Sussex

Man nehme die A283 (Storrington – Steyning) in West Sussex und biege an der Kreuzung Chanctonbury Ring Road/Water Lane in den Water Lane ein. Nach etwa 250 Metern steht an der rechten Seite ein kleines rotes Schild, das auf die All Saints Church aufmerksam macht, und ein Wegweiser zeigt auf einen winzigen Weg, der in einem Wäldchen zu verschwinden scheint, bald aber wieder ins Tageslicht kommt und den Blick freigibt auf eine kleine abgelegene Kirche, die besagte All Saints Church. Umstanden von einer Hecke am Rand eines Kornfeldes wartet das Kirchlein auf Menschen, die ihr einen Besuch abstatten; viele dürften es nicht sein, denn schnell fährt man an dem Schild am Water Lane vorbei.

Wann die Kirche erbaut worden ist, lässt sich nicht mehr einwandfrei feststellen, wahrscheinlich war das irgendwann einmal anfangs des 12. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit wurden einige Veränderungen an ihr vorgenommen, aber im Großen und Ganzen dürfte sie noch so aussehen wie einige Jahrhunderte vorher auch. Allzu viele Gläubige werden sich wohl nie hier eingefunden haben, denn die Gegend ist nicht sehr dicht besiedelt.

Ich finde diese einsam gelegenen kleinen Kirchen immer wieder faszinierend; meist, wie auch hier, stehen oder liegen Grabsteine auf dem Kirchhof herum mit total verwitterten Schriftzügen, und ich frage mich, wer diese Menschen einmal gewesen sein mögen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Vor 16 Jahren wurde der kleinen Kirche einmal Gewalt angetan, das heißt, es war eine der Figuren in der Kirche, die eines Nachts verunstaltet wurde. All Saints beherbergte eine der wenigen noch erhaltenen Sheela-na-Gig-Figuren, eine kleine Skulptur, die vermutlich schon beim Bau der Kirche an einer Wand angebracht worden war. Diese Sheelas sind weibliche Figuren, die ihre Genitalien auf provozierende Weise dem Kirchenbesucher entgegenstrecken. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was sie bezwecken sollten; möglicherweise waren sie Zeugnisse eines heidnischen Fruchtbarkeitskultes oder sie dienten dazu, den Tod und das Böse fernzuhalten. In einer Nacht im November des Jahres 2014 stieg jemand, mit Hammer und Meißel bewaffnet, in die Kirche ein und zerstörte die kleine Sheela. Gefasst wurde der Vandale leider nicht.

An jedem dritten Sonntag eines Monats findet in All Saints ein Gottesdienst statt, mit wie vielen Besuchern?

Hier ist ein sehr interessanter Film über die Kirche und hier ein Flug mit einer Drohne über All Saints.

Die Sheela-na-Gig bevor sie zerstört wurde.
Author: Doug Thompson, Steyning.
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Eine noch gut erhaltene Sheela in der Kirche St Mary and St David in Kilpeck (Herefordshire).
Author: Pryderie
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Published in: on 19. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Von Kirchen-, College- und anderen bemerkenswerten Katzen

Die Kirchenkatze von St Winifred’s in Branscombe (Devon).
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Im vorigen Jahr schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch der Kirche von St Mary’s in Painswick in Gloucestershire, bei dem ich auch das kleine Grab von Tilly, der Kirchenkatze aufsuchte. Es kommt gar nicht so selten vor, dass sich Katzen eine Kirche oder eine Kathedrale als ständiges Domizil auswählen, wo sie dann von der Gemeinde und den Kirchenbediensteten wohlgelitten sind. Ich berichtete bereits über Tom, der sich St Mary Redcliffe in Bristol ausgesucht hatte und über Tiddles, der Kirchenkatze von St Mary’s in Fairford in Gloucestershire.

St Edmundsbury, die Kathedrale von Bury St Edmunds, hatte gleich ein Katzenpärchen namens Daisy und Lazarus, das viel Platz zum Strolchen hatte, denn neben der Kathedrale liegen die Wiesen mit den Ruinen der ehemaligen Benediktinerabtei. Kim lebte in der Lichfield Cathedral in Staffordshire, Olsen und Hansen in der Chester Cathedral in Cheshire und Pushkin hieß die Katze, die sich St Peter and St Paul in Pickering in North Yorkshire ausgesucht hatte.

Richard Surman hat sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt und die Bücher „Church Cats„, „Cathedral Cats“ und „Cloister Cats“ veröffentlicht. Aus seiner Feder stammt auch das Buch „College Cats of Oxford & Cambridge„, denn nicht nur Kirchen, auch die alten Gebäude, in denen die Colleges der beiden Städte untergebracht sind, haben für Katzen eine gewisse Anziehungskraft. Das Hertford College in Oxford beherbergt zum Beispiel seit vielen Jahren Katzen, die alle den Namen Simpkin tragen, aber nicht voneinander abstammen. Seit Januar 2018 ist Simpkin Nummer 4, die gehegte und gepflegte Katze des Colleges, die keine schöne Kindheit hatte, aber nun einen idealen Platz gefunden hat und das Hertford College mäusefrei hält.

Caiaphas war die Katze im St John’s College in Cambridge, benannt nach dem Hohepriester im Johannes-Evangelium (= Gospel of John im Englischen).

Sir Winston Churchill war ein großer Katzenliebhaber, und so bewohnte stets eine Katze seinen Privatwohnsitz Chartwell in Kent. Als das Haus zum National Trust überging, bat Churchills Familie darum, dass in Chartwell immer eine Katze sein sollte, was der N.T. auch berücksichtigte. Jock Nummer 6 ist der aktuelle Mäusejäger auf dem Landsitz.

Auch über „Country House Cats“ hat Richard Surman ein Buch geschrieben. Er ist die Autorität in Sachen „Katzen in historischen Gebäuden“.

Tillys Grab in St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Eine Tür der Kathedrale von Exeter, die extra einen eigenen Eingang für die Kirchenkatze hat.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

 

 

St Bride’s Church in der Londoner Fleet Street – Sir Christopher Wren, eine Hochzeitstorte und ein Blitzableiter

Welche Londoner Kirchen hat Sir Christopher Wren nach dem Großen Feuer von 1666 eigentlich nicht wieder erbaut? Er muss ein außerordentlich fleißiger Architekt gewesen sein. Auch die den Flammen zum Opfer gefallene Kirche St. Bride’s an der Londoner Fleet Street baute Wren wieder auf und diese wurde später, da sie im Zentrum der englischen Pressewelt lag, zum „spiritual home of the media„.

St.Bride’s ist mit 69 Meter Höhe eine der höchsten Londoner Kirchen und der Turm erinnert sehr stark an … ja, eine Hochzeitstorte. Der Konditor William Rich, der auf dem Ludgate Hill lebte und jeden Tag von seiner Küche aus auf den Turm von St. Bride’s blickte, hatte die Idee, eine in Auftrag gegebene Hochzeitstorte nach diesem (mehrschichtigen) Turm zu gestalten, mit großem Erfolg, denn noch heute zählt so eine Hochzeitstorte zu den Highlights jeder Feier.

Einen weiteren schwarzen Tag in ihrer Geschichte erlebte St. Bride’s am 29. Dezember 1940, als sie während des London Blitz schwer getroffen wurde. Dank des Einsatzes einiger Zeitungsmagnaten und zahlreicher Journalisten wurde die Kirche erneut aufgebaut, und sie wird nun hoffentlich lange unversehrt stehen bleiben (hier ist ein Film über die Neueröffnung 1957).

Die britische Gruppe Jethro Tull um den legendären Ian Anderson hat in der Kirche mehrere Konzerte gegeben, zum Beispiel zu Weihnachten 2008 und die CD „Christmas at St Bride’s 2008“ kann man im Shop der Kirche erwerben. Hier ist ein Auftritt aus dem Jahr 2012 zu sehen.

Was gibt es noch über die Kirche zu berichten? Samuel Pepys, der berühmte Tagebuchschreiber (und Bloggerkollege von mir…) wurde hier 1633 getauft.

1764 kam es zu einem Streit zwischen Benjamin Franklin und König Georg III über die Kirchturmspitze von St. Bride’s, die von einem Blitz getroffen und auf einmal 2,40m kürzer war. Es ging um den Blitzableiter, der dort jetzt installiert werden sollte. Benjamin Franklin wollte ihn spitz zulaufend haben, während der König ein stumpfes Ende haben wollte. Die Presse mokierte sich über den Streit mit der Schlagzeile „A sharp witted colonist against a good, honest, blunt King George“.

Hier ist ein Film über St Bride’s.

 

Published in: on 7. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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St Bertoline’s und das Barthomley Massacre im Jahr 1643

Auf diesen Turm von St Bertoline’s hatten sich die Parlamentarier geflüchtet.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Saint Bertoline ist einer jener obskuren Heiligen, die heute kaum noch jemand kennt. Er soll im 8. Jahrhundert gelebt haben, etwa dort, wo heute die Stadt Stafford steht. Wer sich für ihn interessiert, der findet seinen Schrein und seine sterblichen Überreste in der Church of the Holy Cross in Ilam in Staffordshire.

Die Dorfkirche in Barthomley, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, ist nach dem Heiligen benannt worden (da hatte mal jemand Fantasie gehabt und wollte die Kirche nicht schon wieder St Mary, St Peter oder All Saints nennen). Der Ort liegt ganz in der Nähe der Autobahn M6, südöstlich von Crewe. Direkt neben der Kirche ist ein sehr attraktiver Pub namens The White Lion.

Den Weihnachtsabend des Jahres 1643 hatten sich die Bewohner von Barthomley eigentlich anders vorgestellt: Es war mitten im Bürgerkrieg, als sich die Royalisten und die Parlamentarier gegenseitig die Schädel einschlugen. Es hatte sich unter den Royalisten in Cheshire herumgesprochen, dass in dem Dörfchen Barthomley Parlamentarier wohnten und denen wollte man baldmöglichst auf den Pelz rücken. Unter dem Kommando von Lord Byron (nicht der Dichter) zogen sie nach Barthomley, wo sich die 20 Cromwell-Anhänger auf den Turm von St Bertoline’s geflüchtet hatten, in der Hoffnung, dort oben halbwegs sicher zu sein. Sie hatten sich darin aber getäuscht, denn die Königstreuen entzündeten in der Kirche ein Feuer, um die Rebellen auszuräuchern. Das gelang ihnen auch; hustend hasteten die Männer vom Turm herunter und wurden von den mordgierigen Royalisten in Empfang genommen. Zwölf wurden auf der Stelle exekutiert, die anderen acht schwer verwundet. Unklar geblieben ist, ob den Parlamentariern auf dem Turm freies Geleit versprochen worden ist, wenn sie sich ergeben würden, und diese darauf nicht eingegangen sind. Wie auch immer, sie wollten dort oben auf St Bertoline’s nicht gegrillt werden und so kamen sie vom Regen in die Traufe.
Einer der Königstreuen, der mit seinem Schwert mehrere Männer umgebracht haben soll, John Connaught, wurde elf Jahre später vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Man hängte ihn am Ortsrand von Chester auf.

Seit jenem verhängnisvollen Tag zur Weihnachtszeit von 1643 ist bis heute wieder Ruhe in Barthomley eingekehrt. St Bertoline’s gibt es noch immer, doch leider hat der Coronavirus auch hier dafür gesorgt, dass die Gottesdienste bis auf weiteres ausfallen und die Kirchentore geschlossen bleiben.

Der Schriftsteller Alan Garner hat die Geschichte von dem Massaker in seinen Roman „Red Shift“ (dt. „Rotverschiebung) eingebaut, der 1973 erschien und auch unter dem selben Titel verfilmt wurde (hier ist der Trailer).

Dieser Film zeigt Barthomley, die Kirche und die Umgebung des Dorfes.

St Bertoline’s.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Der hübsche White Lion direkt neben der Dorfkirche.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – Der Architekt George Basevi und sein Grab in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire)

George Basevi (1794-1845) war ein Architekt, der bei dem berühmten Sir John Soane in die Lehre gegangen war. Seine wohl berühmtesten Werke sind der Belgrave Square in London, der zwischen 1825 und 1841 entstand, und in Cambridge das Founder’s Building des Fitzwilliam Museums, das zwischen 1837–1843 gebaut wurde. George Basevi war im ganzen Land unterwegs und erwarb sich einen hervorragenden Ruf.

Am 16. Oktober 1845 starb der Architekt im Alter von nur 51 Jahren auf ungewöhnliche Weise. Basevi überwachte Bauarbeiten in der Kathedrale von Ely in Cambridgeshire, darunter auch Restaurationsarbeiten auf dem 66 Meter hohen West Tower. Er muss für einen kleinen Moment unachtsam gewesen sein, denn er übersah ein Loch im Boden der Glockenstube und stürzte in die Tiefe. Eine andere Variante sagt, dass er von einem Baugerüst auf dem Westturm herabgestürzt sei.

Basevi fand seine letzte Ruhestätte in der riesigen Kathedrale im nördlichen Chorgang, bedeckt von einer in den Boden eingelassenen Messingplatte. Die schöne farbige Platte zeigt den Architekten, der in der rechten Hand die Baupläne für das Fitzwilliam Museum hält. Der Schriftzug, der Basevi einrahmt, beschreibt wie er in der Kathedrale zu Tode kam. Angefertigt hat die Grabplatte John Green Waller, der sich auf Glasmalerei und die Gravierung von Messingplatten spezialisiert hatte.

Für einen Architekten ist die Kathedrale von Ely sicher nicht der schlechteste Platz, um auf seine Wiederauferstehung zu warten.

Man kann im Rahmen einer der Tower Tours (£16.50) in die luftige Höhe der Kathedrale hinaufsteigen, sollte aber auch in der Lage sein, sehr viele Stufen zu erklimmen.

Der Westturm der Kathedrale von Ely.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Chapel of Our Lady auf der Rotherham Bridge in Rotherham (South Yorkshire)

Die Bridge Street in Rotherham (South Yorkshire) führt über den River Don; auf der einen Seite der Rotherham Bridge steht der Bridge Inn und auf der anderen Seite The Chapel of Our Lady, eine von nur noch sechs erhaltenen Brückenkapellen in England. Um das Jahr 1483 herum wurde die Brücke gebaut, die auf der damals viel benutzten Route von London nach Richmond in North Yorkshire lag. Die Kapelle wurde kurz darauf hinzugefügt, wohl um Reisenden die Gelegenheit für eine kurze Andacht zu geben. Schon im nächsten Jahrhundert diente die Kapelle nicht mehr religiösen Zwecken, sondern wurde als Gefängnis genutzt. Es gibt eine Geschichte, dass für kurze Zeit Maria Stuart hier eingesperrt war, doch diese Story beruht auf tönernen Füßen, Beweise dafür gibt es nicht.

Am 4. Mai 1643, während des Bürgerkriegs, fand auf der Rotherham Bridge eine Schlacht statt, und wenn man genau hinsieht, kann man an den Außenwänden der Kapelle noch kleine Kerben und Dellen sehen, die von den Kampfhandlungen zeugen.

Die Chapel of Our Lady wechselte noch einige Male ihren Verwendungszweck. Im 18. Jahrhundert wurde die Kapelle in ein Armenhaus umfunktioniert und 1888 zog ein Tabakwarenhändler ein, der auf der Brücke seine Waren feilbot. Anfang des 20. Jahrhunderts musste die Kapelle dringend restauriert werden, denn der Zahn der Zeit hatte deutlich an ihr genagt. 1924 waren die Arbeiten fertig und Our Lady sah wieder richtig gut aus. 1975 bekam sie sogar noch ein Fenster mit einer sehr schönen Glasmalerei.

Heute kümmern sich die Friends of Rotherham Chapel on the Bridge um die Erhaltung der Kapelle, die nur dienstags für  besondere Anlässe wie Taufen und Hochzeiten geöffnet wird.

Dieser Film zeigt Our Lady auch von innen.

St Mary Aldermanbury – Eine Londoner Kirche und ihr Umzug nach Missouri in den USA

Hier stand einmal St Mary Aldermanbury.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Ich habe einmal in einem Hotel in Lake Havasu City, im äußersten Westen des US-Bundesstaates Arizona übernachtet, das nur wenige Schritte von der London Bridge entfernt stand. 1968 wurde die Brücke von einem reichen amerikanischen Unternehmer gekauft, Stein für Stein in London abgetragen und in Arizona wieder aufgebaut. Neben der Brücke wurde noch ein Einkaufszentrum im Tudor-Stil errichtet. Es war schon etwas merkwürdig, in Arizona plötzlich mit einem Stück London konfrontiert zu werden.

Ähnlich erging es einer Londoner Kirche. St Mary Aldermanbury wurde 1666 von der großen Feuersbrunst zerstört, anschließend von Sir Christopher Wren wieder aufgebaut. Dann stand die Kirche einige Jahrhunderte lang friedlich im Zentrum Londons, bis sie 194o bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe erneut komplett zerstört wurde. Dieses Mal wurde die Kirche nicht wieder aufgebaut, aber die verbliebenen Reste wurden 1966 in die Stadt Fulton im US-Bundesstaat Missouri transportiert und dienten dort, auf dem Gelände des Westminster Colleges, zum Aufbau einer neuen Kirche, die den Namen St Mary the Virgin Aldermanbury trägt.

Wie kam es dazu? Sir Winston Churchill hatte in einer Rede im Westminster College in Fulton, Missouri, am 5. März 1946 seine berühmte Iron Curtain„-Rede gehalten, in der er den Begriff „Eiserner Vorhang“ prägte. 1969 entstand auf dem Campus zu Ehren des britischen Staatsmannes das National Churchill Museum.

Glücklicherweise wurde das Gelände, auf der St Mary Aldermanbury in London stand, nördlich der Guildhall, nicht mit Bürohäusern überbaut. Stattdessen wurden hier Bäume und Büsche angepflanzt und es steht hier auch ein Denkmal, auf dem die Büste Shakespeares zu finden ist, in Erinnerung an John Heminges und Henry Condell, zwei Zeitgenossen des Dichters, die maßgeblich an der Herausgabe von Shakespeares Folio beteiligt waren. Heminges und Condell lebten in der Gemeinde St Mary Aldermanbury und wurden hier auch begraben.

Seine letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof von St Mary Aldermanbury fand auch der berühmt-berüchtigte „Hanging Judge“ George Jeffreys, der am 18. April 1689 in London starb.

Das Buch zum Artikel:
Christian E. Hauer & William A, Young: Comprehensive History of the London Church and Parish of St.Mary, the Virgin, Aldermanbury – The Phoenix of Aldermanbury. Edwin Mellen Press 1994. 456 Seiten. ISBN 978-0773493902.

Diese Plakette auf dem ehemaligen Gelände von St Mary’s zeigt wie die neue Kirche in Fulton, Missouri, aussieht.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die Shakespeare-Büste.
Author: Lonpicman.
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Published in: on 25. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Mary’s Church in Bungay (Suffolk) und eine gruselige Geschichte, die sich hier am 4. August 1577 ereignet haben soll

St Mary’s in Bungay (Suffolk).
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Nun habe ich schon 3400 Einträge in meinem Blog und den Black Shuck nur ein einziges Mal kurz erwähnt (hier ist der Link); das wird sich heute ändern. Schon seit Jahrhunderten bis zum heutigen Tag gibt es Menschen, die, vor allem in East Anglia, einen riesigen schwarzen Hund gesehen haben wollen, dem man den Namen Black Shuck gegeben hat, was soviel wie „Schwarzer Teufel“ bedeutet. Vielleicht hat Black Shuck einmal einen Abstecher ins Dartmoor gemacht und wurde dort als „The Hound of the Baskervilles“ bezeichnet…

Die Menschen fürchteten sich vor diesem Phantomhund, dessen feuersprühende Augen weit und breit Terror verbreiteten. Am 4. August 1577, einem Sonntag, schlug Black Shuck zu und zwar zuerst in der Kirche St Mary’s in dem kleinen Städtchen Bungay in Suffolk. Es herrschte an diesem Morgen ein grässliches Unwetter mit Blitz und Donner, trotzdem hatten sich die Gemeindemitglieder in St Mary’s versammelt. Plötzlich stürmte während des Gottesdienstes ein riesiger schwarzer Hund in die Kirche, rannte den Mittelgang hinunter, tötete einen Mann und einen Jungen und während dieses Höllenszenarios stürzte auch noch der Kirchturm ein und fiel durch das Dach ins Kircheninnere. Dieser Sonntag war in Bungay gelaufen, um es mal etwas flapsig auszudrücken. Doch Black Shuck war mit seinen Missetaten noch nicht zufrieden: Er rannte weiter nach Blythburg (Suffolk), ca 19 Kilometer von Bungay entfernt, und drang in die Kirche Holy Trinity ein, wo er ebenfalls Gemeindemitglieder tötete und verletzte. An einer der Kirchentüren sind noch heute Kratzspuren zu sehen, die vom Black Shuck stammen sollen.

In Bungay und Umgebung finden sich bis heute Spuren, die auf die Bedeutung dieses Hundes hindeuten. Auf dem Stadtwappen von Bungay ist zum Beispiel ein schwarzer Hund mit roten Augen abgebildet, der auf einem Blitz zu stehen scheint. Auf dem Marktplatz der Stadt hat man auf einem Laternenpfahl ebenfalls ein Konterfei des Black Shucks angebracht. Der örtliche Fußballverein, der Bungay Town Football Club, nennt sich auch The Black Dogs.

St Mary’s in Bungay gibt es zwar noch, die Kirche wird aber nicht mehr für Gottesdienste genutzt; der Churches Conservation Trust kümmert sich um sie. In Holy Trinity in Blythburg dagegen finden nach wie vor Gottesdienste statt.

Das Kircheninnere von St Mary’s.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Der Black Shuck auf einer Straßenlaterne auf dem Marktplatz von Bungay.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Holy Trinity in Blythburg (Suffolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Matthew’s in Bethnal Green (London) – Die „Unterwelt-Kirche“

St Matthew’s im Londoner East End, im Stadtteil Bethnal Green, steht in einer kleinen Parkanlage an der Straße St Matthew’s Row. Die ursprüngliche Kirche wurde in den Jahren 1743-46 gebaut und von dem Architekten George Dance the Elder entworfen. Zweimal erlitt St Matthew’s schwere Schäden, einmal 1859 durch eine Feuersbrunst und dann im Zweiten Weltkrieg durch abgeworfene Brandbomben. 1961 war die Kirche wieder soweit hergestellt, dass Gottesdienste abgehalten werden konnten.

Bethnal Green ist ein Teil von London, in dem Gangsterbanden zuhause waren, und der Ruf des Stadtteils war nicht der beste. Einer der ersten Gangsterbosse von Bethnal Green war Joseph Merceron (1764-1839), eigentlich ein einflussreicher Geschäftsmann, der aber korrupt und betrügerisch war. Als er 1839 starb, fand seine von 30 000 Menschen besuchte Begräbnisfeier in St Matthew’s statt. Von da an sollten sich noch weitere Gangster diese Kirche für ihre Trauerfeiern aussuchen.

Die berühmtesten aller Gangster Londons waren die Kray-Zwillinge Ronnie (1933-1995) und Reggie (1933-2000), die ein strenges Regiment im East End führten. Ihre Gang, „The Firm“, mordete, raubte, legte Brände und erpresste Schutzgelder. Die beiden Zwillings-Gangsterbosse verkehrten in der besten Londoner Gesellschaft und waren auch mit Frank Sinatra und Judy Garland befreundet. Am 8. Mai 1968 wurden beide verhaftet und ein Jahr später zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Als erster starb Ronnie Kray im Jahr 1995 und seine Trauerfeier in St Matthew’s war eine grandiose Angelegenheit, die größte Trauerfeier seit Winston Churchill zu Grabe getragen worden war. Die Sargträger waren vier Unterweltgrößen, darunter auch Charlie Kray, ein Bruder der Zwillinge. Reggie durfte an der Feier teilnehmen, war aber mit Handschellen an eine Polizistin gekettet. Hier sind Bilder von der Trauerfeier.

Charlie Kray starb am 4. April 2000 und auch sein „funeral“ fand in St Matthew’s statt wie das seines Bruders Reggie, der ein halbes Jahr später starb und dessen Trauerzug von Tausenden von Menschen besucht wurde (hier ist ein Film darüber). Es ist schon erstaunlich, dass notorische Verbrecher in der Bevölkerung so viel Bewunderung erfahren konnten.

Es sollte noch eine weitere Gangster-Trauerfeier in St Matthew’s geben, die von Tony Lambrianou, einem engen Vertrauten der Kray Twins, der im März 2004 das Zeitliche segnete. Dieser Film zeigt den Trauerzug.

Im Inneren von St Matthew’s.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Die St Lawrence Church in West Wycombe (Buckinghamshire) – Die Kirche mit der goldenen Kugel

Eigenes Foto.

Was wäre der kleine Ort West Wycombe in Buckinghamshire heute ohne Sir Francis Dashwood, der von 1708 bis 1781 lebte? Ein eher unbedeutendes Dorf an der A40.
Sir Francis Dashwood, Politiker und Parlamentsmitglied, ließ die sogenannten Hell Fire Caves ausheben, erbaute das Dashwood Mausoleum oberhalb von West Wycombe, in dem die Urnen mit der Asche der Dashwood-Familienmitglieder untergebracht sind und zeichnet verantwortlich für die goldene Kugel, die auf dem Turm der St Lawrence Church angebracht ist.

Dashwoods berühmt-berüchtigter Hellfire Club traf sich in den Höhlen und dort sollen satanische Rituale und Orgien stattgefunden haben. Die Hell Fire Caves unterhalb der Kirche sind zu besichtigen.

Sir Francis ließ 1763 die St Lawrence Church umbauen; er gab ihr im Inneren ein gewisses italienisches Flair, ließ den Turm erhöhen und setzte eine goldene Kugel darauf. The Golden Ball, dessen Hülle wirklich aus Gold besteht, ist hohl und bietet darin Platz für etwa 6 bis 8 Personen, die über eine Treppe im Turm durch eine Klappe in die Kugel einsteigen konnten.  Sir Francis soll sich darin mit anderen Hellfire Club-Mitgliedern getroffen haben. Auch hat man von dort oben aus mit Hilfe von Spiegeln und dem Sonnenlicht mit anderen Stellen kommuniziert.
Der Namensgeber der Kirche, der Heilige Lawrence, war übrigens der Schutzheilige der Prostituierten, was nicht ganz ohne Witz war, denn es hieß, dass damals Prostituierte, als Nonnen verkleidet, bei den Treffen des Hellfire Clubs eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Die Kirche gehört heute dem National Trust, man kann sie besichtigen und gegen eine Gebühr den Turm hinaufsteigen, um The Golden Ball von der Nähe aus zu betrachten, das geht allerdings nur am Sonntagnachmittag in der Zeit von Ostern bis Ende September.

Man kann mit dem Auto über ganz schmale Straßen bis oben auf den Hügel fahren, um sich die Kirche von der Nähe aus anzusehen. Oben ist ein großer, aber unbefestigter Parkplatz, der bei feuchtem Wetter schnell mit großen Pfützen übersät ist, sodass mein Auto bei einem Besuch vor einigen Tagen mich anschließend dringend um eine Wäsche bat.

Dieser Film zeigt die Kirche von außen und von innen, mit einem wunderschönen Schwenk über die Landschaft oben vom Turm.

Church of St Lawrence
Church Lane
West Wycombe Hill
Bucks
HP14 3AP

Das Buch zum Artikel:
Eric Towers: Dashwood – The Man and the Myth. Life and Times of the Hell Fire Club’s Founder. Aquarian Press 1986. 256 Seiten. ISBN 978-0850304275.

The Golden Ball.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Jemmett

Published in: on 18. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mit Speck fängt man Mäuse oder Wie man in Rochester (Kent) versucht, durch Minigolf Menschen in die Kathedrale zu ziehen

Rochester Cathedral.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Der Mitgliederschwund in der anglikanischen Kirche ist dramatisch. Seit dem Jahr 2002 hat sich die Mitgliederzahl halbiert und nur noch 14% identifizieren sich mit der Church of England (2002 waren es 31%). Der katholischen Kirche geht es auch nicht besser, dort sind es nur 8%, die mit ihr sympathisieren. Bei den jungen Erwachsenen ist es noch schlimmer: Nur noch 2% von ihnen haben irgendeine Beziehung zur anglikanischen Kirche.

Wie soll man diesen Abwärtstrend stoppen? In der Charles-Dickens-Stadt Rochester in Kent kam man jetzt auf die (verzweifelte?) Idee, in der Kathedrale eine Minigolfanlage zu installieren. Im Kirchenschiff findet man dort eine 9-Loch-Anlage, auf der jeweils unterschiedlich geformte Brücken als Hindernisse dienen. Entworfen und bezahlt wurde die Anlage vom Rochester Bridge Trust, der sich um die Brücken der Stadt kümmert.

Die Idee des Rochester Cathedral Crazy Golf ist, dass junge Familien mit ihren Kindern in die Kirche kommen und durch die Brücken auf der Minigolfanlage angeregt werden, über die Brücken nachzudenken, die man in seinem eigenen Leben und in der heutigen Gesellschaft bauen muss. Ich habe meine Zweifel daran, ob das wohl gelingen wird… Zweifel, die auch viele Kirchenoberen der Church of England haben und die dieses Projekt alles andere als gut finden. Mit Hilfe von Minigolf zu Gott zu finden, ist schon eine etwas abwegige Idee.

Hier ist ein Film über das Kathedralengolf.

Auch in anderen Kirchen Englands versucht man, auf unkonventionellen Wegen Menschen in die Gotteshäuser zu holen. In der Kathedrale von Norwich hat man ein 17 Meter hohes Helter Skelter installiert, eine spiralförmige Rutschbahn, und Yogamatten ausgelegt, von denen man aus liegend die Deckengewölbe betrachten kann.

Das Kirchenschiff, noch ohne Minigolf.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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St Andrew’s in Stoke Dry (Rutland) – Eine Kirche, in der sich die Gunpowder Plot-Verschwörer getroffen haben sollen

Es gibt zwar eine Main Street in Stoke Dry in der kleinen Grafschaft Rutland, doch der Name klingt großartiger als die Straße ist, denn hier reihen sich lediglich eine Handvoll Häuser aneinander. In diesem abgelegenen Landstrich Englands haben wohl noch nie mehr als hundert Menschen gelebt. Das herausragendste Gebäude an der Main Street, die hinunter zum Ufer des Eyebrook Reservoirs führt (hier wurden im Zweiten Weltkrieg die Angriffe auf die Talsperren in Nordrhein-Westfalen und Hessen geübt), ist die Dorfkirche, die St Andrew geweiht ist. Besonders stolz ist man in Stoke Dry auf die mittelalterlichen Wandmalereien, die die Kirche schmücken. Es gibt im Inneren einige Grabmäler der Familie Digby, der im 16. Jahrhundert hier große Ländereien gehörten. Hier liegen zum Beispiel Kenelm Digby und seine Frau auf einem Marmorgrab; sie sind die Großeltern von Sir Everard Digby (1578-1606), der in der englischen Geschichte eine unrühmliche Rolle spielte. Zusammen mit einigen katholischen Gleichgesinnten hatte er sich den Gunpowder Plot ausgetüftelt, durch den bei der Parlamentseröffnung am 5. November 1605 der protestantische König James I., seine Familie und alle Parlamentarier in London in die Luft gesprengt werden sollten. Wie man weiß, klappte das Attentat, das Guy Fawkes durchzuführen versuchte, nicht und alle Verschwörer wurden auf die grausamste Weise exekutiert.

Zurück zu St Andrew’s in Stoke Dry. Dort gibt es einen kleine Raum über dem nördlichen Kirchenportal, in dem sich die Verschwörer getroffen haben sollen, um das Attentat zu planen. Ob das stimmt, ist historisch nicht gesichert. Egal, man kann den Raum besichtigen, allerdings ist er nur über eine schmale, steile Treppe zu erreichen und man muss schon den Kopf einziehen, um nicht an die niedrige Decke zu stoßen. Dann kann man sich der Vorstellung hingeben, dass hier (möglicherweise) eine historische Tat geplant worden ist.

Ach ja, St Andrew’s hat auch eine unheimliche Seite. In jenem oben erwähnten Raum hielt ein ehemaliger Geistlicher in den 1640er Jahren eine Frau gefangen, die angeblich eine Hexe gewesen sein soll. Die Schreie der Gefangenen blieben ungehört bis sie schließlich vor Hunger starb. Ihre Schreie bzw. ihr irres Gelächter will man mehrfach in St Andrew’s gehört haben, vornehmlich bei Begräbnisfeierlichkeiten.

Wandmalerei in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Kenelm Digby und seiner Frau.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Der Gunpowder Plot Room (?) in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Eyebrook Reservoir.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Agapemoniten – Eine skurrile, religiöse Sekte, die im ländlichen Somerset gegründet wurde

Die Agapemone Chapel. Hier in Four Forks bei Spaxton in Somerset hatte sich die Sekte niedergelassen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Agapemoniten, das klingt wie der lateinische Name für irgendwelche Urzeittierchen; stimmt aber nicht, das war ein Name, den sich Reverend Henry Prince 1846 ausgedacht hatte und was soviel wie „Heimstätte der Liebe“ bedeutet. Der Reverend hatte sich mit der anglikanischen Kirche in die Haare gekriegt, weil er behauptete er sei der Messias, was wiederum die Church of England gar nicht lustig fand. Also ging der Reverend seiner eigenen Wege und gründete in dem kleinen Dorf Spaxton (genauer gesagt in Four Forks) im ländlichen Somerset seine eigene Kirche. Warum auch immer fand der selbsternannte Messias eine ganze Menge Anhänger, besser gesagt Anhängerinnen, die sich wie 120 Jahre später im Fall Charles Manson in Kalifornien, um ihn scharten.

Da gab es einmal die älteren, wohlhabenden Frauen, die für eine solide finanzielle Basis der Sekte sorgten und die auf dem Anwesen in Spaxton in Cottages wohnten, und dann gab es die jungen hübschen Frauen, die bei dem Reverend im Haupthaus bleiben durften. Und da seine Sektenanhänger ja den netten Namen Agapemoniten trugen, sorgte Prince dafür, dass die „Heimstätte der Liebe“ auch zu einer solchen wurde, indem die jungen Damen das Bett mit ihm teilen durften, was sie wohl auch gern taten. Dass dabei das eine oder andere Kind entstand, störte den Messias nicht.

Vielleicht war es dem Reverend in dem entlegenen Spaxton zu ruhig geworden, denn er übersiedelte mit seiner Fangemeinde Ende des 19. Jahrhunderts nach London, in den Stadtteil Upper Clapton, wo er, jetzt schon über 80 Jahre alt, eine Kirche erbauen ließ, The Ark of Covenant. Das Geld dafür spendeten zwei ältere Damen. 1899 starb Prince im Alter von 88 Jahren.

Seinen Platz nahm schnell ein anderer Reverend ein, der sich als „The Heavenly Bridegroom“ bezeichnete: John Hugh Smyth-Pigott. Auch er sammelte ein Heer von jungen Frauen um sich, denen er im Bett seinen messianischen Segen spendete. London war aber nicht Spaxton, und so regte sich in der Bevölkerung der Stadt Widerstand gegen ihn, daher musste er aufpassen, dass es ihm nicht an den Kragen ging. Sicherheitshalber zog er mit seinen jungen „Bräuten“ zum Gründungsort der Agapemoniten zurück, wo man die Sekte in Ruhe ließ. Nach Smyth-Piggots Tod im Jahr 1927 gab es niemanden mehr, der in die Fußstapfen der beiden abtrünnigen Reverends treten wollte, und so dämmerten die verbliebenen Agapemoniten vor sich hin, bis ihr letztes Mitglied 1956 verstarb.

Im Jahr 2016 geriet die Sekte noch einmal kurz in die Schlagzeilen, als die Urenkelin von Reverend Smyth-Piggott die £1 Million für sich beanspruchte, die der Verkauf der Kirche in Upper Clapton eingebracht hatte, doch ein Gericht sah das anders, und überließ das Geld  Wohlfahrtsorganisationen. In der Kirche in der Rockwod Road ist heute die Georgian Orthodox Church untergebracht.

Das Buch zum Thema:
Aubrey Menen: The Abode of Love: The Conception, Financing and Daily Routine of an English Harem in the Middle of the 19th Century. Penguin 1990. 176 Seiten. ISBN  978-0140123463.

The Ark of Covenant, jetzt die Georgian Orthodox Church in der Rookwood Road in Upper Clapton (London).
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Peter’s Barge – Die einzige schwimmende Kirche Londons

Am West India Dock im Bereich der Canary Wharf liegt sie, die einzige schwimmende Kirche Londons und wohl auch ganz Großbritanniens. St Peter’s Barge war einmal ein Frachtkahn, der auf den niederländischen Kanälen eingesetzt war, bevor er 2003 als Kirche umgebaut und von den Niederlanden nach London gebracht wurde. Die Church of England installierte dann hier einen hauptamtlichen Pastor, der von vier Mitarbeitern unterstützt wird.

Ziel der St Peter’s Gemeinde ist, den Menschen, die in der  Canary Wharf arbeiten und leben, einen Anlaufplatz zu bieten, wo sie ihrem Glauben nachgehen können. Zweimal pro Woche jeweils in der Mittagszeit werden Lunchtime Services angeboten für die Menschen, die in den großen Bürogebäuden arbeiten, während sonntags um 11 Uhr ein Gottesdienst für diejenigen stattfindet, die hier wohnen.

Es gibt in dem ganzen Canary Wharf-Komplex keine einzige Kirche, was sicher u.a. auch an den immens hohen Mieten liegt, die hier gefordert werden, so war die Lösung mit der schwimmenden Kirche die preiswerteste. An die 100 000 Menschen arbeiten hier in den Docklands, von denen sich bis zu 60 – 70 zu den mittäglichen Andachten einfinden. Marcus Nodder, der zurzeit verantwortliche Pastor von St Peter’s Barge, ist zufrieden mit der Nutzung seiner Kirche.

Hier ist ein Film über die schwimmende Kirche.

St Peter’s Barge
West India Quay
Hertsmere Road
London E14 4AL

Published in: on 1. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Whipsnade Tree Cathedral – Eine Kathedrale aus Büschen und Bäumen in Bedfordshire

Der kleine Ort Whipsnade im Süden Bedfordshires hat drei Besonderheiten vorzuweisen: Hier liegt der berühmte ZSL Whipsnade Zoo, auf einem Hügelhang findet sich der Whipsnade White Lion (s. hierzu meinen Blogeintrag) und dann gibt es hier noch die Tree Cathedral zu sehen, nicht schlecht für ein Dorf mit ca 500 Einwohnern.

Die Whipsnade Tree Cathedral ist ein Park, der in der Form einer Kathedrale gestaltet ist. 1932 wurde mit der Anlage begonnen. Ein gewisser Edmond K. Blyth baute sie unter dem Motto „Glaube, Hoffnung und Versöhnung“ in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, in dem er mehrere seiner Freunde verloren hatte.
Die Waldkathedrale wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht weiter gepflegt und verwilderte schnell. Nach Kriegsende nahm man sich ihr wieder an, so dass im Jahr 1953 der erste Gottesdienst abgehalten werden konnte. 1960 ging das grüne Gotteshaus in die Hände des National Trusts über und steht heute allen Religionen für Andachten zur Verfügung.

Unterschiedliche Baumarten symbolisieren die Teile der Kathedrale, Rosskastanien bilden z.B. das Querschiff, Eichen den südlichen Eingang und das Hauptschiff und Eschen die Kreuzgänge. Den besten Überblick über die Anlage erhält man sicher, wenn man die Tree Cathedral von der Luft aus sieht.

Verwaltet wird diese besondere Kathedrale vom Whipsnade Tree Cathedral Fund.

Trustees c/o Chapel Farm
Whipsnade
Dunstable, Bedfordshire, LU6 2LL

 

Published in: on 27. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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“The Cross of Migrants” in der Kapelle des Pembroke College in Cambridge

Eigenes Foto.

Seit dem 1. März 2017 ist in der Kapelle des Pembroke College in Cambridge ein ganz besonderes Kreuz aufgestellt geworden, das “The Cross of Migrants” genannt wird und von dem italienischen Künstler Francesco Tuccio geschaffen worden ist. Bei meinem Besuch des College und seiner Kapelle stieß ich zufällig darauf und war davon sehr beeindruckt. Das eigenartig geformte Kreuz hat Tuccio aus dem Holz eines gestrandeten Flüchtlingsbootes an der Küste der Insel Lampedusa hergestellt, wo immer wieder afrikanische Flüchtlinge anlanden, die den Weg über das Mittelmeer geschafft haben. Francesco Tuccio will mit seinem Kunstwerk an die vielen Menschen erinnern, die es nicht geschafft haben und im Meer ertrunken sind (im Münchner Liebfrauendom steht auch eines seiner Kreuze). Francesco Tuccio wohnt auf Lampedusa, wo er eine Schreinerwerkstatt hat, und erlebt das Schicksal der Geflüchteten hautnah.

Das Cross of the Migrants hat das Pembroke College dazu veranlasst, ein ganzes Bündel an Aktivitäten zu starten: Spenden wurden gesammelt, einem Migranten wurde ein Studienplatz gesponsert, eine Gastprofessur für jemanden aus einem der Herkunftsländer der Flüchtlinge eingerichtet. Die Studenten des College beschäftigen sich, seitdem das Kreuz aufgestellt ist, intensiver mit den Gründen für die Migration. Sechs Schwimmwesten von der Insel Lampedusa erinnern zusätzlich an die gefährlichen Passagen über das Meer.

Einmal in der Woche findet in der Kapelle von Pembroke ein kleines Konzert statt, bei dem Geld für die Syrien-Hilfe gesammelt wird (hier ist ein Beispiel).

Am Pembroke College, dem drittältesten in Cambridge, haben Hunderte von später prominenten Männern und Frauen studiert wie zum Beispiel der Dichter Ted Hughes, der Schriftsteller Tom Sharpe und Eric „Monty Python“ Idle.

Bei meinem Besuch im College nahm ich das Mittagessen in der Hall zu mir, das dort in Form eines Selbstbedienungs-Büffets serviert wird.

Dieser Film zeigt eine Tour durch das Pembroke College.

Eigenes Foto.

Published in: on 28. März 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Kathedrale St Edmundsbury in Bury St Edmunds (Suffolk) und ihre Nachbildung aus LEGOsteinen

Meine 5 LEGOsteinchen werden eingesetzt.
Eigenes Foto.

Im Jahr 2016 war sie fertig, die komplett aus LEGOsteinen nachgebaute Kathedrale von Durham. Das fanden drei weitere Kathedralen in England eine tolle Idee und machten sich ebenfalls an die gewaltige Aufgabe, ihre Kirchen aus den Steinen nachzubauen: Exeter, Chester und Bury St Edmunds in Suffolk. Letzere, St Edmundsbury, besuchte ich vor einigen Tagen und fand für meinen Besuch gerade noch eine kleine Zeitlücke, denn an diesem Tag waren drei Beerdigungen und dann konnte man nicht mehr hinein. „Vergessen sie nicht die LEGO-Kathedrale aufzusuchen“, sagte mir eine freundliche Dame im Empfang. Das tat ich dann auch, nachdem ich darüber staunte, dass überall in dem Gotteshaus Flatscreen-Bildschirme aufgestellt waren, was ich bisher noch nicht gesehen hatte (aber gar nicht so selten in England sein soll).

In einer Ecke der Kathedrale fand ich dann die im Aufbau befindliche LEGO-Kirche und erfuhr, dass der Starttermin der 28. Mai 2016 war und dass bereits über 50 000 Steine verbaut worden sind. Schätzungsweise 200 000 LEGOsteinchen sind erforderlich, um St Edmundsbury im Mini-Format auferstehen zu lassen. Jeder Besucher der Kathedrale kann sich an dem Aufbau beteiligen und für £1 einen Stein kaufen. Ich beteiligte mich auch und kaufte fünf Steine, die sofort in den Bau eingesetzt wurden. Rund 150 000 Steinchen bzw £150 000 fehlen also noch bis zur Fertigstellung von St Edmundsbury II. Das dürfte noch einige Jahre dauern; allein für den Boden benötigte man ein ganzes Jahr. 45 Freiwillige lösen sich ab, um das Bauwerk im Auge zu behalten und Spender zu werben. Von Montag bis Samstag in der Zeit von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr und sonntags von 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr ist man sehr willkommen, den Bau der Kathedrale mittels einer Geldspende  voranzutreiben.

Siehe auch meinen Blogeintrag über den Appleby Rose Garden in den Abbey Gardens von Bury St Edmunds.

Das Innere von St Edmundsbury.
Eigenes Foto.

Überall im Kirchenraum waren Flatscreens aufgestellt.
Eigenes Foto.

Published in: on 26. März 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Mary’s in Painswick (Gloucestershire) und die 99 Eiben

Eigenes Foto.

Wenn man auf der A46 durch den hübschen kleinen Ort Painswick, nördlich von Stroud in Gloucestershire, fährt, fällt die Kirche von St Mary’s sofort ins Auge. Die Kirche mit dem spitzen Turm im Zentrum des Ortes wird umrahmt von sehr vielen, schön in Form geschnittenen Eiben. Zu diesen Bäumen gibt es eine Legende, die sich bis heute erhalten hat. Die Legende besagt, dass auf dem Kirchhof exakt 99 Eiben stehen dürfen; sollte eine hundertste gepflanzt werden, würde der Teufel diese zerstören.
Man hielt sich in Painswick an diese Vorgabe und bekam im Jahr 2000 ein Problem, denn in der Diözese von Gloucester erhielt jede Gemeinde eine Eibe, die, um das neue Jahrtausend zu feiern, auf den jeweiligen Kirchhöfen eingepflanzt werden sollte. Mit einem unguten Gefühl wurde Eibe Nummer 100 gepflanzt…und siehe da, sie gedieh prächtig (da hatte der Teufel wohl nicht richtig aufgepasst).
Sieben Jahre später kippte eine andere Eibe auf Grund starker Regenfälle auf dem Kirchhof um, was den Baumbestand kurzfristig wieder auf 99 reduzierte; man bekam den Baum durch kräftiges Zurückschneiden wieder in den Griff und seine Genesung machte schnelle Fortschritte.

Die Painswick-Eiben wurden Anfang des 17. Jahrhunderts gepflanzt, sind also über 300 Jahre alt. Jeden September werden sie beschnitten, was etwa zwei Tonnen Baumschnitt ergibt. Diese Pflanzenreste werden aber nicht auf einer Deponie entsorgt oder geshreddert, sondern von einer Firma abgeholt, die daraus den Grundstoff für die Antikrebs-Droge Tamoxifen herstellt.

Da die Pflege der Bäume mehrere £1000 pro Jahr kostet, hat man so etwas wie ein „Adopt-A-Yew-Tree“-Projekt ins Leben gerufen; für £99 sponsert man „seinen“ Baum drei Jahre lang.

In jedem Jahr wird hier in St Mary’s die Painswick Clypping Ceremony durchgeführt, ein alter Brauch, bei dem am Sonntag nach dem 19. September die Gemeindemitglieder sich an den Händen fassen und sich um ihre Kirche stellen, während sie die Clypping Hymn singen, was ihrer Zuneigung zu ihrem Gotteshaus Ausdruck geben soll.

Leider schüttete es bei meinem Besuch Anfang März diesen Jahres wie aus Kannen, aber die dicht gewachsenen Bäume boten einen guten Schutz gegen den Regen.

Hier ist ein Film über die Painswick Yews.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die fliegenden Teddybären von St Mary’s.

Eigenes Foto.

 

Eigenes Foto.

Diesen kleinen Grabstein zur Erinnerung an die Kirchenkatze Tilly fand ich auf dem Kirchhof.
Eigenes Foto.

Published in: on 23. März 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Mike Salter: The Old Parish Churches of Buckinghamshire

Foto meines Exemplares.

Dieser heutige Buchtipp richtet sich ausschließlich an diejenigen, die sich sehr intensiv mit Kirchen befassen und genau wissen möchten, wie alt die einzelnen Teile der Gotteshäuser sind. Mit dem Buch in der Hand kann man sich dann vor Ort informieren, aus welchem Jahrhundert der Taufstein, der Altar oder die Kanzel stammen. Mike Salters Buch ist staubtrocken, birgt aber unendlich viele Einzelinformationen. Ein Beispiel möchte ich bringen anhand der Kirche St Mary’s in Old Amersham: „…there is a good 15th century tierceron-vault with foliage bosses in the south porch but the exterior was reface with flints in 1870-72, when the 14th century arcades of four bays were rebuilt„. In dieser Form ist das ganze Buch geschrieben. Stakkatoartig werden die Fakten aufgelistet, keine Geschichten über die einzelnen Kirchen erzählt, das war’s.
This book is inevitably very much a catalogue of dates and names, etc. It is intended as a field guide and for reference rather than to be read  straight from cover to cover“ heißt es denn auch im Vorwort. Die Kirchen werden in Schwarz-Weiß-Fotos dargestellt mit zahlreichen Grundrissen.
Wer damit leben kann, für den ist „The Old Parish Churches of Buckinghamshire“ eine wahre Fundgrube.

Mike Salter hat Dutzende von ähnlichen Büchern geschrieben, in denen er sich die Kirchen, Burgen und andere mittelalterliche Gebäude in den einzelnen Grafschaften Großbritanniens vornimmt.

Mike Salter: The Old Parish Churches of Buckinghamshire. Folly Publications 2010. 119 Seiten. ISBN 978-1-871731-86-6.

Hier sind einige der im Buch vorgestellten Kirchen im Bild:

St Mary’s in Old Amersham.
Eigenes Foto.

St Giles in Stoke Poges.
Eigenes Foto.

St Mary’s in Denham.
Eigenes Foto.

St Mary’s in Haddenham.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 27. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Reverend Edmund Donald Carr – Ein Pfarrer, der 1865 in Shropshire durch sein Pflichtbewusstsein fast zu Tode kam

St Michael’s in Woolstaston.
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Es war der 29. Januar 1865 als ein besonders heftiger Schneesturm über Shropshire aufzog, genauer gesagt über dem Long Mynd, einem Höhenzug, der aus Mooren und steilen Hügeln und Tälern besteht. Edmund Donald Carr war damals Pfarrer in der Gemeinde Woolstaston, und er hielt an diesem Sonntag, an dem sich keiner freiwillig im Freien aufhielt, einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St Michael’s ab. Anschließend machte er sich auf den Weg nach Ratlinghope, das mit zu seiner Pfarrgemeinde gehörte, einem Minidorf, ein paar Kilometer westlich von Woolstaston. Reverend Carr kämpfte sich durch die Schneemassen, die der Sturm aufgetürmt hatte und schaffte es nach mehreren Stunden, die Kirche St Margaret’s zu erreichen, wo sich kaum eines der wenigen Schäfchen des Ortes eingefunden hatte. Nach der Andacht wollte der Reverend unbedingt wieder nach Hause zurück, um in St Michael’s den Abendgottesdienst um 18 Uhr abzuhalten. Trotz der Warnungen der Ratlinghoper, die ihm auch eine Übernachtungsmöglichkeit anboten, machte sich der pflichtbewusste Mann wieder auf den sechs Kilometer langen Heimweg und das obwohl es allmählich zu dämmern begann. Das konnte nicht gut gehen und prompt verlor Reverend Carr die Orientierung und irrlichterte durch das unwegsame und schneebedeckte Gelände. Er stürzte in eine der Schluchten, Long Batch, und konnte sich durch beinahe übermenschliche Kräfte von dort wieder befreien, nur um in die nächste Schlucht zu fallen. Längst war die Nacht über dem Long Mynd heraufgezogen, Reverend Carr hatte durch die eisige Kälte schon lange kein Gefühl mehr in den Beinen und Händen, doch irgendwie schaffte er es bis in das Carding Mill Valley, wo er schließlich auf Menschen traf. Man brachte ihn in das Crown Hotel in Church Stretton, wo er trockene Kleidung und zu essen bekam. Als er sich einigermaßen wieder erholt hatte, machte er sich auf den Weg heim nach Woolstaston, wo man ihn schon aufgegeben hatte.

Edmund Donald Carr hatte damals seine unglaublichen Erlebnisse aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht. „A night in the Snow or A Struggle for Life“ hieß es und es ist noch heute bei der Dodo Press erhältlich. Von den Verkaufserlösen des Buches ließ der Reverend eine neue Kanzel in St Michael’s einbauen.

St Margaret’s in Ratlinghope.
Photo © John Darch (cc-by-sa/2.0)

Long Batch, die Schlucht, in die der Reverend stürzte.
Photo © Pete Walker (cc-by-sa/2.0)

Hier im Carding Mill Valley stieß Reverend Carr endlich wieder auf Menschen.
Photo © Matthew Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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The Church of St Laurence in Surfleet (Lincolnshire) – Die Kirche mit dem schiefen Turm

Wenn man durch das flache Gebiet der Fens in Lincolnshire fährt, sieht man schon von weitem bei der Annäherung an den kleinen Ort Surfleet die Kirche St Laurence und ihren schiefen Turm. Surfleet liegt am River Glen, knapp fünf Kilometer nördlich von Spalding. Die dem Heiligen Laurentius gewidmete Gemeindekirche wurde vor mehr als 700 Jahren erbaut, und da wir uns hier mitten in den Fens befinden, einem Feuchtgebiet, war der Untergrund damals beim Bau der Kirche nicht richtig ausgetrocknet, was zur Folge hatte, dass das Fundament von St Laurence langsam aber sicher absank. Und nun hat man also einen daraus resultierenden schiefen Turm, in dem zwölf Glocken untergebracht sind, eine Seltenheit in dieser Region. Der Neigungswinkel des Kirchturms soll sogar größer sein als der vom wesentlich bekannteren Schiefen Turm von Pisa.
Während des Bürgerkrieges erlitt St Laurence einige Schäden, und die Parlamentarier benutzten die Kirche eine Zeit lang als Pferdestall. Umgeben ist die Parish Church von einer kleinen Ansammlung von Grabsteinen. Hier sind einige Bilder vom Inneren der Kirche zu sehen.

Direkt gegenüber findet man, wie so häufig in England, einen Pub. Er trägt den Namen The Crown, ein Free House, untergebracht in einem recht unscheinbaren Gebäude.

Siehe meine anderen Blogeinträge über schiefe Türme in England: Bridgnorth und Cleobury Mortimer, beide in Shropshire, und Chesterfield in Derbyshire.

Published in: on 16. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Tomb-chests – Kistenförmige Grabmäler in Kirchen und auf Kirchhöfen

Tomb-chests auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Leighterton (Gloucestershire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

In vielen Kirchen und Kathedralen Englands findet man tomb-chests, „rectangular stone funerary monument above a tomb, often found in churches, with recumbent effigies on top or suggested by figures outlined (incised) on the top slab or cut into inserts of metal (brasses)„, so die Definition von Encyclopedia.com. Diese großen kastenförmigen Grabstätten gehören in der Regel zu adeligen oder wohlhabenden Menschen, deren Körper häufig in Form von Steinplastiken darauf liegen. Die Steinmetze haben die tomb-chests auch gern reich verziert, zum Beispiel mit „weepers„, weinenden, trauernden Menschen an der Seite der Gräber. Hin und wieder fügte man auch die steinerne Figur des Lieblingstieres des Verblichenen am Fußende dazu. Manchmal ist die Grabstätte auch von einem Eisengitter umgeben, damit der Bewohner mehr „privacy“ hat.
Aber nicht nur in Kirchen, sondern auch auf Kirchhöfen sind die tomb-chests zu finden, allerdings meist in vereinfachter Form, ohne die Nachbildung des/der Verstorbenen.

Ich habe zur Veranschaulichung hier einige Beispiele zusammengestellt:

Das Grab von Sir Robert Broke, umrahmt von seinen zwei Frauen, beweint von seinen sechzehn Kindern an der Seite des tomb-chests. Er war Speaker im Unterhaus und liegt hier in der All Saints Church in Claverley (Shropshire) begraben.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Hier in der St Andrews’s Church in Wroxeter (Shropshire) ruhen Sir Thomas Bromley, einst Chief Justice of England, und seine Frau Mabel.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

„Weepers“ am Grabmal von Henry Sacheverell III in der Holy Trinity Church in Ratcliffe on Soar (Nottinghamshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Das Grab von Sir Sampson und seiner Frau Lady Elizabeth de Strelley in der All Saints‘ Church bei Strelley (Nottinghamshire). Zu ihren Füßen sind zwei Hündchen platziert, während seine Füße auf einem Löwen ruhen.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Dezember 2018 at 02:00  Comments (2)  
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St Mary the Virgin in Edlesborough (Buckinghamshire) – Eine aufgegebene, aber liebevoll gepflegte Kirche

Im Jahr 1975 wurde die Kirche St Mary the Virgin in Edlesborough, nordöstlich von Aylesbury in Buckinghamshire, durch den Zusammenschluss zweier Kirchengemeinden überflüssig. Wie schade, denn die „Church on the Hill“ ist wirklich sehr schön. Sie liegt am Ortsrand des 2700 Einwohner zählenden Dorfes, etwas versteckt hinter Bäumen; die Gräber des Kirchhofs reichen bis hinunter an die Leyton Road. Doch glücklicherweise blieb St Mary the Virgin in guten Händen, denn sowohl der Churches Conservation Trust als auch die Friends of St Mary’s kümmern sich liebevoll um den Erhalt der Kirche, deren Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind.

Hier finden keine regulären Gottesdienste mehr statt, aber die Friends organisieren gern musikalische Veranstaltungen in der Kirche wie demnächst im Dezember ein Weihnachtsliedersingen mit Glühwein und Mince Pies. Der Folksänger Chris Wood trat auch schon einmal anlässlich des Edle-Festes in St Mary the Virgin auf.

Die Glocken wurden bei einem verheerenden Feuer im Jahr 1828 komplett zerstört, aber später wieder durch neue ersetzt. Die Londoner Whitechapel Foundry nahm sich 1953 der Glocken noch einmal an, stimmte sie und hängte sie im Turm neu auf. Hier kann man hören wie sie klingen.

Wer einmal Lust verspürt, eine ganze Nacht in der Kirche zu verbringen und sich die vielen schönen Details ganz in Ruhe anzusehen, der kann das tun, denn St Mary the Virgin ist eine „Champing Kirche“ (ich schrieb über Champing schon einmal in meinem Blog). Diejenigen, die aber nur einmal einen Blick hineinwerfen möchten, können sich den Schlüssel beim Edlesborough Post Office abholen (und ihn hoffentlich wieder zurückbringen).

 

Published in: on 23. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Alte Taufbecken in den Kirchen von Buckinghamshire

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass ich eine Vorliebe für englische „country churches“ habe, wobei ich besonders viele in der Grafschaft Buckinghamshire aufgesucht habe, wenn ich auf den Spuren von Inspector Barnaby wandelte, denn Kirchen spielen in dieser TV-Serie häufig eine wichtige Rolle. Heute möchte ich speziell einige alte Taufbecken (englisch=font) vorstellen, die mir in den Kirchen Buckinghamshires aufgefallen sind. Diese meist steinernen Becken bilden einen wichtigen Bestandteil der Gotteshäuser, und sie haben schon unzählige mehr oder weniger schreiende Babies erlebt, die erstmals (widerwillig) mit dem geweihten Wasser in Berührung gekommen sind.

Die Holy Trinity Church in Bledlow beherbergt einen sogenannten Aylesbury font, das sind dem Taufbecken der St Mary’s Church in Aylesbury nachempfundene Taufbecken, von denen es 22 geben soll. Leider ist diese Kirche, die in mehreren Inspector Barnaby-Episoden zu sehen ist, meist geschlossen, nur am Samstag- und Sonntagnachmittag ist sie in den Sommermonaten geöffnet.
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Ein weiterer Aylesbury font befindet sich in der Kirche St Nicholas in Chearsley, einem kleinen Dorf in der Nähe von Thame. Aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts soll dieser Taufstein stammen, der über einen schönen hölzernen Deckel verfügt.
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Und noch einen weiteren Aylesbury font kann man in St Mary’s in Pitstone in der Nähe von Tring betrachten, der im Jahr 1190 angefertigt worden sein soll und zwar, wie auch die anderen, aus Totternhoe Stein, der in Steinbrüchen bei Dunstable (Bedfordshire) abgebaut wurde.
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Das idyllische Haddenham darf sich auch eines Aylesbury Fonts rühmen, der in St Mary’s zu finden ist. Verziert ist das Taufbecken mit drachenartigen Wesen, die sich unterhalb des Beckenrandes zu jagen scheinen.Hoffentlich haben sich die Haddenhamschen Babies bei der Taufe nicht zu sehr vor ihnen gefürchtet.
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Zu guter Letzt ein Taufbecken aus dem späten 12. Jahrhundert, das sich in St Nicholas in Great Kimble befindet, südlich von Aylesbury; es ist reich verziert und wird mit einem Holzdeckel abgeschlossen.

 

Published in: on 26. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die All Saints Parish Church in Houghton Conquest (Bedfordshire) und der Diebstahl ihres Daches

Vor wenigen Tagen machte eine Pressemeldung die Runde, auch durch deutsche Tageszeitungen, dass in einem englischen Ort namens Houghton Conquest das Dach der Dorfkirche gestohlen worden ist. Etwa 20 Tonnen Blei erbeuteten die dreisten Diebe bei dieser Aktion, die nicht bei Nacht und Nebel, sondern am helllichten Tag über die Bühne gegangen ist. Wie konnte das passieren?

Erst einmal zur Lage von Houghton Conquest. Der 1500 Einwohner umfassende Ort liegt mitten in der Grafschaft Bedfordshire, südlich von Bedford, dicht an der A6, die die Grafschaftshauptstadt mit Luton verbindet. Die Parish Church All Saints findet man an der Straße The Grove, der Verlängerung der High Street; direkt gegenüber steht der Pub The Knife and Cleaver. Da fragt man sich, wie es möglich ist, ein komplettes Kirchendach abzuräumen, ohne dass irgendjemand merkt, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, direkt vor den Augen der Pubbesucher und der Pubangestellten. In so einem winzigen Dorf spricht es sich doch eigentlich schnell herum, dass eine Kirchendachreparatur ansteht, denn als solche haben es die Diebe wohl aussehen lassen, die sich als Handwerker ausgaben und mit ihren Transportfahrzeugen mehrere Tage lang an der Kirche parkten. Sie müssen dabei Leitern und ein Gerüst verwendet haben. War denn in dieser Zeit weder der Pfarrer noch jemand vom Kirchenvorstand dort und hat die merkwürdigen Vorgänge auf dem Dach beobachtet?

Bemerkt wurde das fehlende Bleidach erst, als jemand im Inneren der Kirche nach oben schaute und das Tageslicht durch die Decke sehen konnte. Jetzt reiben sich die wirklich sehr dreisten Diebe die Hände und freuen sich über den Erlös, den der Verkauf der 20 Tonnen Blei gebracht hat, und die Kirchenleute stehen jetzt bedeppert da und müssen zusehen wie sie an ein neues Dach kommen, dessen Reparatur mehrere £10 000 kosten wird; die Versicherung will nicht alle Kosten übernehmen.

All Saints wurde im 14. Jahrhundert erbaut und gilt als die größte Parish Church in Bedfordshire.

Ob es sich wohl um die gleichen Diebe handelt, die Ende Juli in Houghton Regis, ebenfalls in Bedfordshire, vom Dach eines Firmengebäudes in der Blackburn Road Blei im Wert von £600 gestohlen haben und dabei einen Schaden anrichteten, der sich auf etwa £40,000 beläuft? Vielleicht haben sie erst in Houghton Regis geübt, um dann in Houghton Conquest richtig zuzuschlagen.

Der Pub gegenüber der Kirche.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
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St Mary’s in Weldon (Northamptonshire) – Die „Leuchtturmkirche“

Der Rockingham Forest in der Grafschaft Northamptonshire erstreckte sich früher einmal über eine Fläche von rund 500 km². Der Wald diente Wilhelm dem Eroberer als Jagdgebiet, spätere Könige zeigten kein besonderes Interesse mehr an der Waldfläche. Da der Rockingham Forest dicht bewachsen war, kam es immer wieder vor, dass sich Menschen darin verirrten, was bei Dunkelheit natürlich noch schlimmer war. Um diesen herumirrenden Menschen zu helfen, setzte man im 17. Jahrhundert auf die Kirche St Mary’s in Weldon eine Kuppel, in der nachts Kerzen angezündet wurden, so dass die Kirche sozusagen als Leuchtturm diente, an der man sich orientieren konnte. Die achteckige hölzerne Kuppel ist mit Glasscheiben und einem Bleidach versehen, auf dem ein Wetterhahn angebracht ist. Heute hat die Kuppel als Leuchtturm ausgedient, denn der Rockingham Forest ist zu großen Teilen zu Agrarland geworden und Smartphones mit Navigationsfunktion bzw. GPS-Geräte lassen ein Verirren schon längst nicht mehr zu.

Die kleine Craft Beer-Brauerei, die dem Pub The Shoulder of Mutton in der Chapel Road in Weldon angegliedert ist, hat eines ihrer Biere „Cupola“ benannt, nach der Kuppel auf St Mary’s.

Weldon liegt im Dunstkreis der ehemaligen Stahlhochburg Corby an der A43.

 

Published in: on 7. September 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Cornhill Devils in der City of London – Ein erbsenzählerischer Vikar und ein rachsüchtiger Architekt

St Peter upon Cornhill, rechts daneben das braune Haus mit den Teufeln.
This work has been released into the public domain by its author, Bashereyre .

Es war einmal…ein pedantischer Vikar an der Kirche St Peter upon Cornhill in der City of London. Die Kirche wurde 1666 beim Großen Feuer von London zerstört und von Sir Christopher Wren (von wem auch sonst?) wieder aufgebaut. Im Jahr 1893 sollte die Kirche ein neues Nachbargebäude bekommen und zwar ein mehrstöckiges Bürohaus. Schon damals ging es dort ziemlich eng zu, und der Architekt des neuen Hauses, Ernest Augustus Runtz (1859-1913), gab sich die größte Mühe, auf seinen Plänen das Gebäude neben die Kirche zu platzieren. Als der Vikar die Pläne sah, bemerkte er, dass das Haus ein ganz kleines Stückchen auf das der Kirche gehörende Gelände ragen würde. Sofort legte er wutschnaubend bei dem Architekten Protest ein. Das geht ja nun gar nicht, meinte der Kirchenmann, und sprach von Diebstahl. Zähneknirschend musste Mr. Runtz seine bisherigen Pläne in die Tonne treten und wieder von vorn anfangen, was natürlich Zeit und Geld kostete. Schließlich wurde das Bürohaus fertiggestellt in einem „asymmetrical Loire Château style“ wie Nikolaus Pevsner in seinem Buch „Architectural Guide to the City of London“ schreibt.

Ernest Augustus Runtz ließ es sich aber nicht nehmen, sich an dem Vikar von St Peter upon Cornhill zu rächen. Er brachte an seinem Gebäude, das die Adresse 54-55 Cornhill trägt, drei Teufel an, die furchterregende Fratzen haben und die böse von dem Runtzschen Haus herunter auf den Eingang der Kirche starren. Das Gesicht des grässlichsten Teufels soll sogar die Züge des Vikars tragen, der dem Architekten so viel Ärger bereitet hatte.

St Peter’s ist regelrecht eingeklemmt zwischen den Häusern an der Gracechurch Street und Cornhill.

 

Published in: on 7. Juli 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Grabsteine auf englischen Landfriedhöfen

Table tombs, Hochgräber, auf dem Friedhof von St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ich besuche sehr gern Kirchhöfe in kleinen Dörfern in England und genieße die ruhige Atmosphäre, die dort meistens herrscht, sehr. Faszinierend unter dem rauschenden Blätterwald der Bäume die uralten Grabsteine zu betrachten, die verwitterten Inschriften zu entziffern und sich vorzustellen, wie diese Menschen, die darunter begraben liegen, einmal gelebt haben. Schon lange kümmert sich niemand mehr um die von Flechten bewohnten, schief stehenden oder sogar schon ganz umgekippten Steine. Ich muss unwillkürlich an Thomas Grays „Elegy Written in a Country Churchyard„ und an Percy Bysshe Shelleys “ „A Summer Evening Churchyard“ denken; beides Gedichte, die die Stimmung wunderbar wiedergeben.

Die wohlhabenden Bewohner, die Lords of the Manor mit ihren Familien oder Adelige wurden in der Regel im Inneren der Kirche unter Steinplatten oder in Sarkophagen beigesetzt, die „normalen“ Dorfbewohner bekamen ihre Grabstätte draußen auf dem Kirchhof.

In meinem Blog schrieb ich wiederholt über dieses Thema, das mich immer von Neuem reizt. Heute möchte ich einmal nur Bilder von Grabsteinen auf den Betrachter wirken lassen.

Flechten und Moose haben die Herrschaft über diese Grabsteine in St George’s in Sutton Mandeville (Wiltshire) übernommen.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Westerham (Kent), auf dem ich immer wieder gern spazieren gehe.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Bank unter dem Baum auf dem Kirchhof von Christ Church in Great Lumley (County Durham) lädt zum Verweilen ein.
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grab in Cholsey (Buckinghamshire) verwittert immer mehr.
Eigenes Foto.

St Thomas‘ in Melbury Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Der Kirchhof von Wisbech St Mary in Cambridgeshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Wessen Gebeine mögen wohl unter diesem verwitterten Stein ruhen? St Mary’s in Compton Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 19. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  

Queen Camel – Ein kleiner idyllischer Ort in Somerset

St Barnabas Church an der High Street.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Queen Camel ist schon ein merkwürdiger Name für das Dorf in Somerset, 11 km nördlich von Yeovil gelegen, und es blickt auf eine über 1000jährige Geschichte zurück. Mit Kamelen hat das Dorf übrigens nichts zu tun, denn das Wort „Camel“ kommt von dem keltischen „cantmael“, was soviel wie „Distrikt des kahlen Hügels“ hieß. Die „Queen“ im Ortsnamen ist Queen Eleanor, die Frau Heinrichs III.

Das Besondere an diesem Ort ist seine Kirche St. Barnabas, die im 14. Jahrhundert gebaut wurde. Man sieht es dem Glockenturm nicht an, aber hier hängt das schwerste Sechsergeläut der Welt. Die sechs Glocken wurden während eines sehr langen Zeitraums gegossen: zwischen etwa 1450 und 1850. Im Jahr 1908 wurden sie im Glockenturm neu aufgehängt. Dieser Film zeigt die Bellringer bei der Arbeit und hier sieht man St Barnabas von einer Drohne aus.

Die Uhr am Turm stammt aus der viktorianischen Zeit, sie wurde 1887 aus Anlass des 50jährigen Thronjubiläums Königin Viktorias angebracht.

Direkt gegenüber der Kirche liegt die Dorfschule, die Countess Gytha Primary School, die auch wie eine kleine Kirche aussieht.

Ein Stückchen weiter die High Street entlang, die A359, liegt der Dorfpub, The Mildmay Arms, wo die Zeit stehengeblieben scheint, denn auf der Homepage des Pubs wird immer noch für das Weihnachtsmenü 2017 geworben.

Die Countess Gytha Primary School.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub, The Mildmay Arms.
Photo © Steve Barnes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juni 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St. James Garlickhythe – Eine Londoner Kirche, die immer wieder von Unglücken heimgesucht wurde

St James Garlickhythe ist eine Kirche in der City of London am Garlick Hill mit einem sehr ungewöhnlichen Namen. Die „Knoblauch-Kirche“ wurde tatsächlich nach der Pflanze aus der Gattung Lauch benannt, denn im Mittelalter verkaufte man hier ganz in der Nähe Knoblauch (hythe bedeutet soviel wie Landungsplatz für Schiffe; der Knoblauch wurde an der Themse ausgeladen). Ich möchte an dieser Stelle nicht die ganze Geschichte der Kirche erzählen, sondern nur auf die Unglücke eingehen, die ihr widerfahren sind.

Das im 12. Jahrhundert erbaute Gotteshaus wurde 1666 beim Großen Brand von London in Schutt und Asche gelegt und Jahre später von Sir Christopher Wren wieder neu aufgebaut, eine von 52 abgebrannten Kirche, die der Architekt wieder zum Leben erweckte. Am 10. Dezember 1682 öffnete St James wieder ihre Pforten.
Mitte des 19. Jahrhunderts wäre St James Garlickhythe um ein Haar abgerissen worden, wie mehrere Kirchen in der näheren Umgebung, da die Zahl der Kirchenbesucher stark abgenommen hatte, denn viele Menschen verließen damals die City of London, um sich am Rande der Stadt anzusiedeln. Der Grund, warum St James überlebte, war wohl der, dass mehrere Gilden eng mit der Kirche verbunden waren und es auch heute noch sind.

Das nächste Unglück ereignete sich am 11. Januar 1941, als eine 500-Pfund-Bombe von der deutschen Luftwaffe über London abgeworfen wurde, die das Dach von St James Garlickhythe durchschlug. Glück im Unglück: Die Bombe explodierte nicht, was wohl das endgültige Ende der Kirche bedeutet hätte, sie wurde entfernt und am Rande der Stadt kontrolliert gesprengt. 1954 entdeckte man bei Reparaturarbeiten, dass sich im Gebälk des Daches der Deathwatch Beetle , der Gescheckte Nagekäfer, eingenistet und ziemlich viel Unheil dort oben angerichtet hatte. Also musste die Kirche bis zum Jahr 1963 geschlossen werden, dann stand sie den Gläubigen der anglikanischen Kirche wieder zur Verfügung.

Eigentlich hätte St James Garlickhythe jetzt endlich einmal für längere Zeit zur Ruhe kommen sollen, doch am 20. September 1991 schlug das Schicksal um 7.30 Uhr erneut zu. Ein über dreißig Meter hoher Kran, der an einem nahe gelegenen Bürogebäude eingesetzt war, kippte um und krachte auf das Dach der Kirche. Wieder gab es einen ziemlich großen Schaden; Fenster und ein großer Leuchter gingen zu Bruch und viele der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kirchenbänke wurden beschädigt. Erneut musste St James geschlossen werden, bis die Reparaturarbeiten abgeschlossen waren.

St James Garlickhythe ist die Kirche der Worshipful Company of Vintners, einer der ältesten Zünfte Londons, der, zusammen mit der Dyers‘ Company, die Schwäne auf der Themse ihr Eigen nennen (abgesehen von denen, die der Königin gehören).

Anlässlich des Diamond Jubilee of Queen Elizabeth II und der damit verbundenen Feierlichkeiten war St James Garlickhythe im Gespräch, denn die für die Kirche von der Whitechapel Bell Foundry neu gegossenen acht Glocken wurden auf einem Boot auf der Themse zu Ehren der Königin geläutet; danach hängte man sie im Turm von St James auf (die Glocken, nicht die Queen). Hier sind die Glocken zu hören.

ST JAMES GARLICKHYTHE
Garlick Hill
London, EC4V 2AF

Die acht neuen Glocken.
Author: Dickon Love,
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Published in: on 22. Mai 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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