Mit Speck fängt man Mäuse oder Wie man in Rochester (Kent) versucht, durch Minigolf Menschen in die Kathedrale zu ziehen

Rochester Cathedral.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Der Mitgliederschwund in der anglikanischen Kirche ist dramatisch. Seit dem Jahr 2002 hat sich die Mitgliederzahl halbiert und nur noch 14% identifizieren sich mit der Church of England (2002 waren es 31%). Der katholischen Kirche geht es auch nicht besser, dort sind es nur 8%, die mit ihr sympathisieren. Bei den jungen Erwachsenen ist es noch schlimmer: Nur noch 2% von ihnen haben irgendeine Beziehung zur anglikanischen Kirche.

Wie soll man diesen Abwärtstrend stoppen? In der Charles-Dickens-Stadt Rochester in Kent kam man jetzt auf die (verzweifelte?) Idee, in der Kathedrale eine Minigolfanlage zu installieren. Im Kirchenschiff findet man dort eine 9-Loch-Anlage, auf der jeweils unterschiedlich geformte Brücken als Hindernisse dienen. Entworfen und bezahlt wurde die Anlage vom Rochester Bridge Trust, der sich um die Brücken der Stadt kümmert.

Die Idee des Rochester Cathedral Crazy Golf ist, dass junge Familien mit ihren Kindern in die Kirche kommen und durch die Brücken auf der Minigolfanlage angeregt werden, über die Brücken nachzudenken, die man in seinem eigenen Leben und in der heutigen Gesellschaft bauen muss. Ich habe meine Zweifel daran, ob das wohl gelingen wird… Zweifel, die auch viele Kirchenoberen der Church of England haben und die dieses Projekt alles andere als gut finden. Mit Hilfe von Minigolf zu Gott zu finden, ist schon eine etwas abwegige Idee.

Hier ist ein Film über das Kathedralengolf.

Auch in anderen Kirchen Englands versucht man, auf unkonventionellen Wegen Menschen in die Gotteshäuser zu holen. In der Kathedrale von Norwich hat man ein 17 Meter hohes Helter Skelter installiert, eine spiralförmige Rutschbahn, und Yogamatten ausgelegt, von denen man aus liegend die Deckengewölbe betrachten kann.

Das Kirchenschiff, noch ohne Minigolf.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

St Andrew’s in Stoke Dry (Rutland) – Eine Kirche, in der sich die Gunpowder Plot-Verschwörer getroffen haben sollen

Es gibt zwar eine Main Street in Stoke Dry in der kleinen Grafschaft Rutland, doch der Name klingt großartiger als die Straße ist, denn hier reihen sich lediglich eine Handvoll Häuser aneinander. In diesem abgelegenen Landstrich Englands haben wohl noch nie mehr als hundert Menschen gelebt. Das herausragendste Gebäude an der Main Street, die hinunter zum Ufer des Eyebrook Reservoirs führt (hier wurden im Zweiten Weltkrieg die Angriffe auf die Talsperren in Nordrhein-Westfalen und Hessen geübt), ist die Dorfkirche, die St Andrew geweiht ist. Besonders stolz ist man in Stoke Dry auf die mittelalterlichen Wandmalereien, die die Kirche schmücken. Es gibt im Inneren einige Grabmäler der Familie Digby, der im 16. Jahrhundert hier große Ländereien gehörten. Hier liegen zum Beispiel Kenelm Digby und seine Frau auf einem Marmorgrab; sie sind die Großeltern von Sir Everard Digby (1578-1606), der in der englischen Geschichte eine unrühmliche Rolle spielte. Zusammen mit einigen katholischen Gleichgesinnten hatte er sich den Gunpowder Plot ausgetüftelt, durch den bei der Parlamentseröffnung am 5. November 1605 der protestantische König James I., seine Familie und alle Parlamentarier in London in die Luft gesprengt werden sollten. Wie man weiß, klappte das Attentat, das Guy Fawkes durchzuführen versuchte, nicht und alle Verschwörer wurden auf die grausamste Weise exekutiert.

Zurück zu St Andrew’s in Stoke Dry. Dort gibt es einen kleine Raum über dem nördlichen Kirchenportal, in dem sich die Verschwörer getroffen haben sollen, um das Attentat zu planen. Ob das stimmt, ist historisch nicht gesichert. Egal, man kann den Raum besichtigen, allerdings ist er nur über eine schmale, steile Treppe zu erreichen und man muss schon den Kopf einziehen, um nicht an die niedrige Decke zu stoßen. Dann kann man sich der Vorstellung hingeben, dass hier (möglicherweise) eine historische Tat geplant worden ist.

Ach ja, St Andrew’s hat auch eine unheimliche Seite. In jenem oben erwähnten Raum hielt ein ehemaliger Geistlicher in den 1640er Jahren eine Frau gefangen, die angeblich eine Hexe gewesen sein soll. Die Schreie der Gefangenen blieben ungehört bis sie schließlich vor Hunger starb. Ihre Schreie bzw. ihr irres Gelächter will man mehrfach in St Andrew’s gehört haben, vornehmlich bei Begräbnisfeierlichkeiten.

Wandmalerei in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Kenelm Digby und seiner Frau.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Der Gunpowder Plot Room (?) in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Eyebrook Reservoir.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Die Agapemoniten – Eine skurrile, religiöse Sekte, die im ländlichen Somerset gegründet wurde

Die Agapemone Chapel. Hier in Four Forks bei Spaxton in Somerset hatte sich die Sekte niedergelassen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Agapemoniten, das klingt wie der lateinische Name für irgendwelche Urzeittierchen; stimmt aber nicht, das war ein Name, den sich Reverend Henry Prince 1846 ausgedacht hatte und was soviel wie „Heimstätte der Liebe“ bedeutet. Der Reverend hatte sich mit der anglikanischen Kirche in die Haare gekriegt, weil er behauptete er sei der Messias, was wiederum die Church of England gar nicht lustig fand. Also ging der Reverend seiner eigenen Wege und gründete in dem kleinen Dorf Spaxton (genauer gesagt in Four Forks) im ländlichen Somerset seine eigene Kirche. Warum auch immer fand der selbsternannte Messias eine ganze Menge Anhänger, besser gesagt Anhängerinnen, die sich wie 120 Jahre später im Fall Charles Manson in Kalifornien, um ihn scharten.

Da gab es einmal die älteren, wohlhabenden Frauen, die für eine solide finanzielle Basis der Sekte sorgten und die auf dem Anwesen in Spaxton in Cottages wohnten, und dann gab es die jungen hübschen Frauen, die bei dem Reverend im Haupthaus bleiben durften. Und da seine Sektenanhänger ja den netten Namen Agapemoniten trugen, sorgte Prince dafür, dass die „Heimstätte der Liebe“ auch zu einer solchen wurde, indem die jungen Damen das Bett mit ihm teilen durften, was sie wohl auch gern taten. Dass dabei das eine oder andere Kind entstand, störte den Messias nicht.

Vielleicht war es dem Reverend in dem entlegenen Spaxton zu ruhig geworden, denn er übersiedelte mit seiner Fangemeinde Ende des 19. Jahrhunderts nach London, in den Stadtteil Upper Clapton, wo er, jetzt schon über 80 Jahre alt, eine Kirche erbauen ließ, The Ark of Covenant. Das Geld dafür spendeten zwei ältere Damen. 1899 starb Prince im Alter von 88 Jahren.

Seinen Platz nahm schnell ein anderer Reverend ein, der sich als „The Heavenly Bridegroom“ bezeichnete: John Hugh Smyth-Pigott. Auch er sammelte ein Heer von jungen Frauen um sich, denen er im Bett seinen messianischen Segen spendete. London war aber nicht Spaxton, und so regte sich in der Bevölkerung der Stadt Widerstand gegen ihn, daher musste er aufpassen, dass es ihm nicht an den Kragen ging. Sicherheitshalber zog er mit seinen jungen „Bräuten“ zum Gründungsort der Agapemoniten zurück, wo man die Sekte in Ruhe ließ. Nach Smyth-Piggots Tod im Jahr 1927 gab es niemanden mehr, der in die Fußstapfen der beiden abtrünnigen Reverends treten wollte, und so dämmerten die verbliebenen Agapemoniten vor sich hin, bis ihr letztes Mitglied 1956 verstarb.

Im Jahr 2016 geriet die Sekte noch einmal kurz in die Schlagzeilen, als die Urenkelin von Reverend Smyth-Piggott die £1 Million für sich beanspruchte, die der Verkauf der Kirche in Upper Clapton eingebracht hatte, doch ein Gericht sah das anders, und überließ das Geld  Wohlfahrtsorganisationen. In der Kirche in der Rockwod Road ist heute die Georgian Orthodox Church untergebracht.

Das Buch zum Thema:
Aubrey Menen: The Abode of Love: The Conception, Financing and Daily Routine of an English Harem in the Middle of the 19th Century. Penguin 1990. 176 Seiten. ISBN  978-0140123463.

The Ark of Covenant, jetzt die Georgian Orthodox Church in der Rookwood Road in Upper Clapton (London).
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juni 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

St Peter’s Barge – Die einzige schwimmende Kirche Londons

Am West India Dock im Bereich der Canary Wharf liegt sie, die einzige schwimmende Kirche Londons und wohl auch ganz Großbritanniens. St Peter’s Barge war einmal ein Frachtkahn, der auf den niederländischen Kanälen eingesetzt war, bevor er 2003 als Kirche umgebaut und von den Niederlanden nach London gebracht wurde. Die Church of England installierte dann hier einen hauptamtlichen Pastor, der von vier Mitarbeitern unterstützt wird.

Ziel der St Peter’s Gemeinde ist, den Menschen, die in der  Canary Wharf arbeiten und leben, einen Anlaufplatz zu bieten, wo sie ihrem Glauben nachgehen können. Zweimal pro Woche jeweils in der Mittagszeit werden Lunchtime Services angeboten für die Menschen, die in den großen Bürogebäuden arbeiten, während sonntags um 11 Uhr ein Gottesdienst für diejenigen stattfindet, die hier wohnen.

Es gibt in dem ganzen Canary Wharf-Komplex keine einzige Kirche, was sicher u.a. auch an den immens hohen Mieten liegt, die hier gefordert werden, so war die Lösung mit der schwimmenden Kirche die preiswerteste. An die 100 000 Menschen arbeiten hier in den Docklands, von denen sich bis zu 60 – 70 zu den mittäglichen Andachten einfinden. Marcus Nodder, der zurzeit verantwortliche Pastor von St Peter’s Barge, ist zufrieden mit der Nutzung seiner Kirche.

Hier ist ein Film über die schwimmende Kirche.

St Peter’s Barge
West India Quay
Hertsmere Road
London E14 4AL

Published in: on 1. Juni 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Whipsnade Tree Cathedral – Eine Kathedrale aus Büschen und Bäumen in Bedfordshire

Der kleine Ort Whipsnade im Süden Bedfordshires hat drei Besonderheiten vorzuweisen: Hier liegt der berühmte ZSL Whipsnade Zoo, auf einem Hügelhang findet sich der Whipsnade White Lion (s. hierzu meinen Blogeintrag) und dann gibt es hier noch die Tree Cathedral zu sehen, nicht schlecht für ein Dorf mit ca 500 Einwohnern.

Die Whipsnade Tree Cathedral ist ein Park, der in der Form einer Kathedrale gestaltet ist. 1932 wurde mit der Anlage begonnen. Ein gewisser Edmond K. Blyth baute sie unter dem Motto „Glaube, Hoffnung und Versöhnung“ in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, in dem er mehrere seiner Freunde verloren hatte.
Die Waldkathedrale wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht weiter gepflegt und verwilderte schnell. Nach Kriegsende nahm man sich ihr wieder an, so dass im Jahr 1953 der erste Gottesdienst abgehalten werden konnte. 1960 ging das grüne Gotteshaus in die Hände des National Trusts über und steht heute allen Religionen für Andachten zur Verfügung.

Unterschiedliche Baumarten symbolisieren die Teile der Kathedrale, Rosskastanien bilden z.B. das Querschiff, Eichen den südlichen Eingang und das Hauptschiff und Eschen die Kreuzgänge. Den besten Überblick über die Anlage erhält man sicher, wenn man die Tree Cathedral von der Luft aus sieht.

Verwaltet wird diese besondere Kathedrale vom Whipsnade Tree Cathedral Fund.

Trustees c/o Chapel Farm
Whipsnade
Dunstable, Bedfordshire, LU6 2LL

 

Published in: on 27. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

“The Cross of Migrants” in der Kapelle des Pembroke College in Cambridge

Eigenes Foto.

Seit dem 1. März 2017 ist in der Kapelle des Pembroke College in Cambridge ein ganz besonderes Kreuz aufgestellt geworden, das “The Cross of Migrants” genannt wird und von dem italienischen Künstler Francesco Tuccio geschaffen worden ist. Bei meinem Besuch des College und seiner Kapelle stieß ich zufällig darauf und war davon sehr beeindruckt. Das eigenartig geformte Kreuz hat Tuccio aus dem Holz eines gestrandeten Flüchtlingsbootes an der Küste der Insel Lampedusa hergestellt, wo immer wieder afrikanische Flüchtlinge anlanden, die den Weg über das Mittelmeer geschafft haben. Francesco Tuccio will mit seinem Kunstwerk an die vielen Menschen erinnern, die es nicht geschafft haben und im Meer ertrunken sind (im Münchner Liebfrauendom steht auch eines seiner Kreuze). Francesco Tuccio wohnt auf Lampedusa, wo er eine Schreinerwerkstatt hat, und erlebt das Schicksal der Geflüchteten hautnah.

Das Cross of the Migrants hat das Pembroke College dazu veranlasst, ein ganzes Bündel an Aktivitäten zu starten: Spenden wurden gesammelt, einem Migranten wurde ein Studienplatz gesponsert, eine Gastprofessur für jemanden aus einem der Herkunftsländer der Flüchtlinge eingerichtet. Die Studenten des College beschäftigen sich, seitdem das Kreuz aufgestellt ist, intensiver mit den Gründen für die Migration. Sechs Schwimmwesten von der Insel Lampedusa erinnern zusätzlich an die gefährlichen Passagen über das Meer.

Einmal in der Woche findet in der Kapelle von Pembroke ein kleines Konzert statt, bei dem Geld für die Syrien-Hilfe gesammelt wird (hier ist ein Beispiel).

Am Pembroke College, dem drittältesten in Cambridge, haben Hunderte von später prominenten Männern und Frauen studiert wie zum Beispiel der Dichter Ted Hughes, der Schriftsteller Tom Sharpe und Eric „Monty Python“ Idle.

Bei meinem Besuch im College nahm ich das Mittagessen in der Hall zu mir, das dort in Form eines Selbstbedienungs-Büffets serviert wird.

Dieser Film zeigt eine Tour durch das Pembroke College.

Eigenes Foto.

Published in: on 28. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Die Kathedrale St Edmundsbury in Bury St Edmunds (Suffolk) und ihre Nachbildung aus LEGOsteinen

Meine 5 LEGOsteinchen werden eingesetzt.
Eigenes Foto.

Im Jahr 2016 war sie fertig, die komplett aus LEGOsteinen nachgebaute Kathedrale von Durham. Das fanden drei weitere Kathedralen in England eine tolle Idee und machten sich ebenfalls an die gewaltige Aufgabe, ihre Kirchen aus den Steinen nachzubauen: Exeter, Chester und Bury St Edmunds in Suffolk. Letzere, St Edmundsbury, besuchte ich vor einigen Tagen und fand für meinen Besuch gerade noch eine kleine Zeitlücke, denn an diesem Tag waren drei Beerdigungen und dann konnte man nicht mehr hinein. „Vergessen sie nicht die LEGO-Kathedrale aufzusuchen“, sagte mir eine freundliche Dame im Empfang. Das tat ich dann auch, nachdem ich darüber staunte, dass überall in dem Gotteshaus Flatscreen-Bildschirme aufgestellt waren, was ich bisher noch nicht gesehen hatte (aber gar nicht so selten in England sein soll).

In einer Ecke der Kathedrale fand ich dann die im Aufbau befindliche LEGO-Kirche und erfuhr, dass der Starttermin der 28. Mai 2016 war und dass bereits über 50 000 Steine verbaut worden sind. Schätzungsweise 200 000 LEGOsteinchen sind erforderlich, um St Edmundsbury im Mini-Format auferstehen zu lassen. Jeder Besucher der Kathedrale kann sich an dem Aufbau beteiligen und für £1 einen Stein kaufen. Ich beteiligte mich auch und kaufte fünf Steine, die sofort in den Bau eingesetzt wurden. Rund 150 000 Steinchen bzw £150 000 fehlen also noch bis zur Fertigstellung von St Edmundsbury II. Das dürfte noch einige Jahre dauern; allein für den Boden benötigte man ein ganzes Jahr. 45 Freiwillige lösen sich ab, um das Bauwerk im Auge zu behalten und Spender zu werben. Von Montag bis Samstag in der Zeit von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr und sonntags von 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr ist man sehr willkommen, den Bau der Kathedrale mittels einer Geldspende  voranzutreiben.

Siehe auch meinen Blogeintrag über den Appleby Rose Garden in den Abbey Gardens von Bury St Edmunds.

Das Innere von St Edmundsbury.
Eigenes Foto.

Überall im Kirchenraum waren Flatscreens aufgestellt.
Eigenes Foto.

Published in: on 26. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

St Mary’s in Painswick (Gloucestershire) und die 99 Eiben

Eigenes Foto.

Wenn man auf der A46 durch den hübschen kleinen Ort Painswick, nördlich von Stroud in Gloucestershire, fährt, fällt die Kirche von St Mary’s sofort ins Auge. Die Kirche mit dem spitzen Turm im Zentrum des Ortes wird umrahmt von sehr vielen, schön in Form geschnittenen Eiben. Zu diesen Bäumen gibt es eine Legende, die sich bis heute erhalten hat. Die Legende besagt, dass auf dem Kirchhof exakt 99 Eiben stehen dürfen; sollte eine hundertste gepflanzt werden, würde der Teufel diese zerstören.
Man hielt sich in Painswick an diese Vorgabe und bekam im Jahr 2000 ein Problem, denn in der Diözese von Gloucester erhielt jede Gemeinde eine Eibe, die, um das neue Jahrtausend zu feiern, auf den jeweiligen Kirchhöfen eingepflanzt werden sollte. Mit einem unguten Gefühl wurde Eibe Nummer 100 gepflanzt…und siehe da, sie gedieh prächtig (da hatte der Teufel wohl nicht richtig aufgepasst).
Sieben Jahre später kippte eine andere Eibe auf Grund starker Regenfälle auf dem Kirchhof um, was den Baumbestand kurzfristig wieder auf 99 reduzierte; man bekam den Baum durch kräftiges Zurückschneiden wieder in den Griff und seine Genesung machte schnelle Fortschritte.

Die Painswick-Eiben wurden Anfang des 17. Jahrhunderts gepflanzt, sind also über 300 Jahre alt. Jeden September werden sie beschnitten, was etwa zwei Tonnen Baumschnitt ergibt. Diese Pflanzenreste werden aber nicht auf einer Deponie entsorgt oder geshreddert, sondern von einer Firma abgeholt, die daraus den Grundstoff für die Antikrebs-Droge Tamoxifen herstellt.

Da die Pflege der Bäume mehrere £1000 pro Jahr kostet, hat man so etwas wie ein „Adopt-A-Yew-Tree“-Projekt ins Leben gerufen; für £99 sponsert man „seinen“ Baum drei Jahre lang.

In jedem Jahr wird hier in St Mary’s die Painswick Clypping Ceremony durchgeführt, ein alter Brauch, bei dem am Sonntag nach dem 19. September die Gemeindemitglieder sich an den Händen fassen und sich um ihre Kirche stellen, während sie die Clypping Hymn singen, was ihrer Zuneigung zu ihrem Gotteshaus Ausdruck geben soll.

Leider schüttete es bei meinem Besuch Anfang März diesen Jahres wie aus Kannen, aber die dicht gewachsenen Bäume boten einen guten Schutz gegen den Regen.

Hier ist ein Film über die Painswick Yews.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die fliegenden Teddybären von St Mary’s.

Eigenes Foto.

 

Eigenes Foto.

Diesen kleinen Grabstein zur Erinnerung an die Kirchenkatze Tilly fand ich auf dem Kirchhof.
Eigenes Foto.

Published in: on 23. März 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Mein Buchtipp – Mike Salter: The Old Parish Churches of Buckinghamshire

Foto meines Exemplares.

Dieser heutige Buchtipp richtet sich ausschließlich an diejenigen, die sich sehr intensiv mit Kirchen befassen und genau wissen möchten, wie alt die einzelnen Teile der Gotteshäuser sind. Mit dem Buch in der Hand kann man sich dann vor Ort informieren, aus welchem Jahrhundert der Taufstein, der Altar oder die Kanzel stammen. Mike Salters Buch ist staubtrocken, birgt aber unendlich viele Einzelinformationen. Ein Beispiel möchte ich bringen anhand der Kirche St Mary’s in Old Amersham: „…there is a good 15th century tierceron-vault with foliage bosses in the south porch but the exterior was reface with flints in 1870-72, when the 14th century arcades of four bays were rebuilt„. In dieser Form ist das ganze Buch geschrieben. Stakkatoartig werden die Fakten aufgelistet, keine Geschichten über die einzelnen Kirchen erzählt, das war’s.
This book is inevitably very much a catalogue of dates and names, etc. It is intended as a field guide and for reference rather than to be read  straight from cover to cover“ heißt es denn auch im Vorwort. Die Kirchen werden in Schwarz-Weiß-Fotos dargestellt mit zahlreichen Grundrissen.
Wer damit leben kann, für den ist „The Old Parish Churches of Buckinghamshire“ eine wahre Fundgrube.

Mike Salter hat Dutzende von ähnlichen Büchern geschrieben, in denen er sich die Kirchen, Burgen und andere mittelalterliche Gebäude in den einzelnen Grafschaften Großbritanniens vornimmt.

Mike Salter: The Old Parish Churches of Buckinghamshire. Folly Publications 2010. 119 Seiten. ISBN 978-1-871731-86-6.

Hier sind einige der im Buch vorgestellten Kirchen im Bild:

St Mary’s in Old Amersham.
Eigenes Foto.

St Giles in Stoke Poges.
Eigenes Foto.

St Mary’s in Denham.
Eigenes Foto.

St Mary’s in Haddenham.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 27. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Reverend Edmund Donald Carr – Ein Pfarrer, der 1865 in Shropshire durch sein Pflichtbewusstsein fast zu Tode kam

St Michael’s in Woolstaston.
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Es war der 29. Januar 1865 als ein besonders heftiger Schneesturm über Shropshire aufzog, genauer gesagt über dem Long Mynd, einem Höhenzug, der aus Mooren und steilen Hügeln und Tälern besteht. Edmund Donald Carr war damals Pfarrer in der Gemeinde Woolstaston, und er hielt an diesem Sonntag, an dem sich keiner freiwillig im Freien aufhielt, einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St Michael’s ab. Anschließend machte er sich auf den Weg nach Ratlinghope, das mit zu seiner Pfarrgemeinde gehörte, einem Minidorf, ein paar Kilometer westlich von Woolstaston. Reverend Carr kämpfte sich durch die Schneemassen, die der Sturm aufgetürmt hatte und schaffte es nach mehreren Stunden, die Kirche St Margaret’s zu erreichen, wo sich kaum eines der wenigen Schäfchen des Ortes eingefunden hatte. Nach der Andacht wollte der Reverend unbedingt wieder nach Hause zurück, um in St Michael’s den Abendgottesdienst um 18 Uhr abzuhalten. Trotz der Warnungen der Ratlinghoper, die ihm auch eine Übernachtungsmöglichkeit anboten, machte sich der pflichtbewusste Mann wieder auf den sechs Kilometer langen Heimweg und das obwohl es allmählich zu dämmern begann. Das konnte nicht gut gehen und prompt verlor Reverend Carr die Orientierung und irrlichterte durch das unwegsame und schneebedeckte Gelände. Er stürzte in eine der Schluchten, Long Batch, und konnte sich durch beinahe übermenschliche Kräfte von dort wieder befreien, nur um in die nächste Schlucht zu fallen. Längst war die Nacht über dem Long Mynd heraufgezogen, Reverend Carr hatte durch die eisige Kälte schon lange kein Gefühl mehr in den Beinen und Händen, doch irgendwie schaffte er es bis in das Carding Mill Valley, wo er schließlich auf Menschen traf. Man brachte ihn in das Crown Hotel in Church Stretton, wo er trockene Kleidung und zu essen bekam. Als er sich einigermaßen wieder erholt hatte, machte er sich auf den Weg heim nach Woolstaston, wo man ihn schon aufgegeben hatte.

Edmund Donald Carr hatte damals seine unglaublichen Erlebnisse aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht. „A night in the Snow or A Struggle for Life“ hieß es und es ist noch heute bei der Dodo Press erhältlich. Von den Verkaufserlösen des Buches ließ der Reverend eine neue Kanzel in St Michael’s einbauen.

St Margaret’s in Ratlinghope.
Photo © John Darch (cc-by-sa/2.0)

Long Batch, die Schlucht, in die der Reverend stürzte.
Photo © Pete Walker (cc-by-sa/2.0)

Hier im Carding Mill Valley stieß Reverend Carr endlich wieder auf Menschen.
Photo © Matthew Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The Church of St Laurence in Surfleet (Lincolnshire) – Die Kirche mit dem schiefen Turm

Wenn man durch das flache Gebiet der Fens in Lincolnshire fährt, sieht man schon von weitem bei der Annäherung an den kleinen Ort Surfleet die Kirche St Laurence und ihren schiefen Turm. Surfleet liegt am River Glen, knapp fünf Kilometer nördlich von Spalding. Die dem Heiligen Laurentius gewidmete Gemeindekirche wurde vor mehr als 700 Jahren erbaut, und da wir uns hier mitten in den Fens befinden, einem Feuchtgebiet, war der Untergrund damals beim Bau der Kirche nicht richtig ausgetrocknet, was zur Folge hatte, dass das Fundament von St Laurence langsam aber sicher absank. Und nun hat man also einen daraus resultierenden schiefen Turm, in dem zwölf Glocken untergebracht sind, eine Seltenheit in dieser Region. Der Neigungswinkel des Kirchturms soll sogar größer sein als der vom wesentlich bekannteren Schiefen Turm von Pisa.
Während des Bürgerkrieges erlitt St Laurence einige Schäden, und die Parlamentarier benutzten die Kirche eine Zeit lang als Pferdestall. Umgeben ist die Parish Church von einer kleinen Ansammlung von Grabsteinen. Hier sind einige Bilder vom Inneren der Kirche zu sehen.

Direkt gegenüber findet man, wie so häufig in England, einen Pub. Er trägt den Namen The Crown, ein Free House, untergebracht in einem recht unscheinbaren Gebäude.

Siehe meine anderen Blogeinträge über schiefe Türme in England: Bridgnorth und Cleobury Mortimer, beide in Shropshire, und Chesterfield in Derbyshire.

Published in: on 16. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Tomb-chests – Kistenförmige Grabmäler in Kirchen und auf Kirchhöfen

Tomb-chests auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Leighterton (Gloucestershire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

In vielen Kirchen und Kathedralen Englands findet man tomb-chests, „rectangular stone funerary monument above a tomb, often found in churches, with recumbent effigies on top or suggested by figures outlined (incised) on the top slab or cut into inserts of metal (brasses)„, so die Definition von Encyclopedia.com. Diese großen kastenförmigen Grabstätten gehören in der Regel zu adeligen oder wohlhabenden Menschen, deren Körper häufig in Form von Steinplastiken darauf liegen. Die Steinmetze haben die tomb-chests auch gern reich verziert, zum Beispiel mit „weepers„, weinenden, trauernden Menschen an der Seite der Gräber. Hin und wieder fügte man auch die steinerne Figur des Lieblingstieres des Verblichenen am Fußende dazu. Manchmal ist die Grabstätte auch von einem Eisengitter umgeben, damit der Bewohner mehr „privacy“ hat.
Aber nicht nur in Kirchen, sondern auch auf Kirchhöfen sind die tomb-chests zu finden, allerdings meist in vereinfachter Form, ohne die Nachbildung des/der Verstorbenen.

Ich habe zur Veranschaulichung hier einige Beispiele zusammengestellt:

Das Grab von Sir Robert Broke, umrahmt von seinen zwei Frauen, beweint von seinen sechzehn Kindern an der Seite des tomb-chests. Er war Speaker im Unterhaus und liegt hier in der All Saints Church in Claverley (Shropshire) begraben.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Hier in der St Andrews’s Church in Wroxeter (Shropshire) ruhen Sir Thomas Bromley, einst Chief Justice of England, und seine Frau Mabel.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

„Weepers“ am Grabmal von Henry Sacheverell III in der Holy Trinity Church in Ratcliffe on Soar (Nottinghamshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Das Grab von Sir Sampson und seiner Frau Lady Elizabeth de Strelley in der All Saints‘ Church bei Strelley (Nottinghamshire). Zu ihren Füßen sind zwei Hündchen platziert, während seine Füße auf einem Löwen ruhen.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Dezember 2018 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

St Mary the Virgin in Edlesborough (Buckinghamshire) – Eine aufgegebene, aber liebevoll gepflegte Kirche

Im Jahr 1975 wurde die Kirche St Mary the Virgin in Edlesborough, nordöstlich von Aylesbury in Buckinghamshire, durch den Zusammenschluss zweier Kirchengemeinden überflüssig. Wie schade, denn die „Church on the Hill“ ist wirklich sehr schön. Sie liegt am Ortsrand des 2700 Einwohner zählenden Dorfes, etwas versteckt hinter Bäumen; die Gräber des Kirchhofs reichen bis hinunter an die Leyton Road. Doch glücklicherweise blieb St Mary the Virgin in guten Händen, denn sowohl der Churches Conservation Trust als auch die Friends of St Mary’s kümmern sich liebevoll um den Erhalt der Kirche, deren Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind.

Hier finden keine regulären Gottesdienste mehr statt, aber die Friends organisieren gern musikalische Veranstaltungen in der Kirche wie demnächst im Dezember ein Weihnachtsliedersingen mit Glühwein und Mince Pies. Der Folksänger Chris Wood trat auch schon einmal anlässlich des Edle-Festes in St Mary the Virgin auf.

Die Glocken wurden bei einem verheerenden Feuer im Jahr 1828 komplett zerstört, aber später wieder durch neue ersetzt. Die Londoner Whitechapel Foundry nahm sich 1953 der Glocken noch einmal an, stimmte sie und hängte sie im Turm neu auf. Hier kann man hören wie sie klingen.

Wer einmal Lust verspürt, eine ganze Nacht in der Kirche zu verbringen und sich die vielen schönen Details ganz in Ruhe anzusehen, der kann das tun, denn St Mary the Virgin ist eine „Champing Kirche“ (ich schrieb über Champing schon einmal in meinem Blog). Diejenigen, die aber nur einmal einen Blick hineinwerfen möchten, können sich den Schlüssel beim Edlesborough Post Office abholen (und ihn hoffentlich wieder zurückbringen).

 

Published in: on 23. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Alte Taufbecken in den Kirchen von Buckinghamshire

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass ich eine Vorliebe für englische „country churches“ habe, wobei ich besonders viele in der Grafschaft Buckinghamshire aufgesucht habe, wenn ich auf den Spuren von Inspector Barnaby wandelte, denn Kirchen spielen in dieser TV-Serie häufig eine wichtige Rolle. Heute möchte ich speziell einige alte Taufbecken (englisch=font) vorstellen, die mir in den Kirchen Buckinghamshires aufgefallen sind. Diese meist steinernen Becken bilden einen wichtigen Bestandteil der Gotteshäuser, und sie haben schon unzählige mehr oder weniger schreiende Babies erlebt, die erstmals (widerwillig) mit dem geweihten Wasser in Berührung gekommen sind.

Die Holy Trinity Church in Bledlow beherbergt einen sogenannten Aylesbury font, das sind dem Taufbecken der St Mary’s Church in Aylesbury nachempfundene Taufbecken, von denen es 22 geben soll. Leider ist diese Kirche, die in mehreren Inspector Barnaby-Episoden zu sehen ist, meist geschlossen, nur am Samstag- und Sonntagnachmittag ist sie in den Sommermonaten geöffnet.
—–

Ein weiterer Aylesbury font befindet sich in der Kirche St Nicholas in Chearsley, einem kleinen Dorf in der Nähe von Thame. Aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts soll dieser Taufstein stammen, der über einen schönen hölzernen Deckel verfügt.
—–

Und noch einen weiteren Aylesbury font kann man in St Mary’s in Pitstone in der Nähe von Tring betrachten, der im Jahr 1190 angefertigt worden sein soll und zwar, wie auch die anderen, aus Totternhoe Stein, der in Steinbrüchen bei Dunstable (Bedfordshire) abgebaut wurde.
—–

Das idyllische Haddenham darf sich auch eines Aylesbury Fonts rühmen, der in St Mary’s zu finden ist. Verziert ist das Taufbecken mit drachenartigen Wesen, die sich unterhalb des Beckenrandes zu jagen scheinen.Hoffentlich haben sich die Haddenhamschen Babies bei der Taufe nicht zu sehr vor ihnen gefürchtet.
—–

Zu guter Letzt ein Taufbecken aus dem späten 12. Jahrhundert, das sich in St Nicholas in Great Kimble befindet, südlich von Aylesbury; es ist reich verziert und wird mit einem Holzdeckel abgeschlossen.

 

Published in: on 26. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Die All Saints Parish Church in Houghton Conquest (Bedfordshire) und der Diebstahl ihres Daches

Vor wenigen Tagen machte eine Pressemeldung die Runde, auch durch deutsche Tageszeitungen, dass in einem englischen Ort namens Houghton Conquest das Dach der Dorfkirche gestohlen worden ist. Etwa 20 Tonnen Blei erbeuteten die dreisten Diebe bei dieser Aktion, die nicht bei Nacht und Nebel, sondern am helllichten Tag über die Bühne gegangen ist. Wie konnte das passieren?

Erst einmal zur Lage von Houghton Conquest. Der 1500 Einwohner umfassende Ort liegt mitten in der Grafschaft Bedfordshire, südlich von Bedford, dicht an der A6, die die Grafschaftshauptstadt mit Luton verbindet. Die Parish Church All Saints findet man an der Straße The Grove, der Verlängerung der High Street; direkt gegenüber steht der Pub The Knife and Cleaver. Da fragt man sich, wie es möglich ist, ein komplettes Kirchendach abzuräumen, ohne dass irgendjemand merkt, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, direkt vor den Augen der Pubbesucher und der Pubangestellten. In so einem winzigen Dorf spricht es sich doch eigentlich schnell herum, dass eine Kirchendachreparatur ansteht, denn als solche haben es die Diebe wohl aussehen lassen, die sich als Handwerker ausgaben und mit ihren Transportfahrzeugen mehrere Tage lang an der Kirche parkten. Sie müssen dabei Leitern und ein Gerüst verwendet haben. War denn in dieser Zeit weder der Pfarrer noch jemand vom Kirchenvorstand dort und hat die merkwürdigen Vorgänge auf dem Dach beobachtet?

Bemerkt wurde das fehlende Bleidach erst, als jemand im Inneren der Kirche nach oben schaute und das Tageslicht durch die Decke sehen konnte. Jetzt reiben sich die wirklich sehr dreisten Diebe die Hände und freuen sich über den Erlös, den der Verkauf der 20 Tonnen Blei gebracht hat, und die Kirchenleute stehen jetzt bedeppert da und müssen zusehen wie sie an ein neues Dach kommen, dessen Reparatur mehrere £10 000 kosten wird; die Versicherung will nicht alle Kosten übernehmen.

All Saints wurde im 14. Jahrhundert erbaut und gilt als die größte Parish Church in Bedfordshire.

Ob es sich wohl um die gleichen Diebe handelt, die Ende Juli in Houghton Regis, ebenfalls in Bedfordshire, vom Dach eines Firmengebäudes in der Blackburn Road Blei im Wert von £600 gestohlen haben und dabei einen Schaden anrichteten, der sich auf etwa £40,000 beläuft? Vielleicht haben sie erst in Houghton Regis geübt, um dann in Houghton Conquest richtig zuzuschlagen.

Der Pub gegenüber der Kirche.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

St Mary’s in Weldon (Northamptonshire) – Die „Leuchtturmkirche“

Der Rockingham Forest in der Grafschaft Northamptonshire erstreckte sich früher einmal über eine Fläche von rund 500 km². Der Wald diente Wilhelm dem Eroberer als Jagdgebiet, spätere Könige zeigten kein besonderes Interesse mehr an der Waldfläche. Da der Rockingham Forest dicht bewachsen war, kam es immer wieder vor, dass sich Menschen darin verirrten, was bei Dunkelheit natürlich noch schlimmer war. Um diesen herumirrenden Menschen zu helfen, setzte man im 17. Jahrhundert auf die Kirche St Mary’s in Weldon eine Kuppel, in der nachts Kerzen angezündet wurden, so dass die Kirche sozusagen als Leuchtturm diente, an der man sich orientieren konnte. Die achteckige hölzerne Kuppel ist mit Glasscheiben und einem Bleidach versehen, auf dem ein Wetterhahn angebracht ist. Heute hat die Kuppel als Leuchtturm ausgedient, denn der Rockingham Forest ist zu großen Teilen zu Agrarland geworden und Smartphones mit Navigationsfunktion bzw. GPS-Geräte lassen ein Verirren schon längst nicht mehr zu.

Die kleine Craft Beer-Brauerei, die dem Pub The Shoulder of Mutton in der Chapel Road in Weldon angegliedert ist, hat eines ihrer Biere „Cupola“ benannt, nach der Kuppel auf St Mary’s.

Weldon liegt im Dunstkreis der ehemaligen Stahlhochburg Corby an der A43.

 

Published in: on 7. September 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Cornhill Devils in der City of London – Ein erbsenzählerischer Vikar und ein rachsüchtiger Architekt

St Peter upon Cornhill, rechts daneben das braune Haus mit den Teufeln.
This work has been released into the public domain by its author, Bashereyre .

Es war einmal…ein pedantischer Vikar an der Kirche St Peter upon Cornhill in der City of London. Die Kirche wurde 1666 beim Großen Feuer von London zerstört und von Sir Christopher Wren (von wem auch sonst?) wieder aufgebaut. Im Jahr 1893 sollte die Kirche ein neues Nachbargebäude bekommen und zwar ein mehrstöckiges Bürohaus. Schon damals ging es dort ziemlich eng zu, und der Architekt des neuen Hauses, Ernest Augustus Runtz (1859-1913), gab sich die größte Mühe, auf seinen Plänen das Gebäude neben die Kirche zu platzieren. Als der Vikar die Pläne sah, bemerkte er, dass das Haus ein ganz kleines Stückchen auf das der Kirche gehörende Gelände ragen würde. Sofort legte er wutschnaubend bei dem Architekten Protest ein. Das geht ja nun gar nicht, meinte der Kirchenmann, und sprach von Diebstahl. Zähneknirschend musste Mr. Runtz seine bisherigen Pläne in die Tonne treten und wieder von vorn anfangen, was natürlich Zeit und Geld kostete. Schließlich wurde das Bürohaus fertiggestellt in einem „asymmetrical Loire Château style“ wie Nikolaus Pevsner in seinem Buch „Architectural Guide to the City of London“ schreibt.

Ernest Augustus Runtz ließ es sich aber nicht nehmen, sich an dem Vikar von St Peter upon Cornhill zu rächen. Er brachte an seinem Gebäude, das die Adresse 54-55 Cornhill trägt, drei Teufel an, die furchterregende Fratzen haben und die böse von dem Runtzschen Haus herunter auf den Eingang der Kirche starren. Das Gesicht des grässlichsten Teufels soll sogar die Züge des Vikars tragen, der dem Architekten so viel Ärger bereitet hatte.

St Peter’s ist regelrecht eingeklemmt zwischen den Häusern an der Gracechurch Street und Cornhill.

 

Grabsteine auf englischen Landfriedhöfen

Table tombs, Hochgräber, auf dem Friedhof von St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ich besuche sehr gern Kirchhöfe in kleinen Dörfern in England und genieße die ruhige Atmosphäre, die dort meistens herrscht, sehr. Faszinierend unter dem rauschenden Blätterwald der Bäume die uralten Grabsteine zu betrachten, die verwitterten Inschriften zu entziffern und sich vorzustellen, wie diese Menschen, die darunter begraben liegen, einmal gelebt haben. Schon lange kümmert sich niemand mehr um die von Flechten bewohnten, schief stehenden oder sogar schon ganz umgekippten Steine. Ich muss unwillkürlich an Thomas Grays „Elegy Written in a Country Churchyard„ und an Percy Bysshe Shelleys “ „A Summer Evening Churchyard“ denken; beides Gedichte, die die Stimmung wunderbar wiedergeben.

Die wohlhabenden Bewohner, die Lords of the Manor mit ihren Familien oder Adelige wurden in der Regel im Inneren der Kirche unter Steinplatten oder in Sarkophagen beigesetzt, die „normalen“ Dorfbewohner bekamen ihre Grabstätte draußen auf dem Kirchhof.

In meinem Blog schrieb ich wiederholt über dieses Thema, das mich immer von Neuem reizt. Heute möchte ich einmal nur Bilder von Grabsteinen auf den Betrachter wirken lassen.

Flechten und Moose haben die Herrschaft über diese Grabsteine in St George’s in Sutton Mandeville (Wiltshire) übernommen.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Westerham (Kent), auf dem ich immer wieder gern spazieren gehe.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Bank unter dem Baum auf dem Kirchhof von Christ Church in Great Lumley (County Durham) lädt zum Verweilen ein.
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grab in Cholsey (Buckinghamshire) verwittert immer mehr.
Eigenes Foto.

St Thomas‘ in Melbury Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Der Kirchhof von Wisbech St Mary in Cambridgeshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Wessen Gebeine mögen wohl unter diesem verwitterten Stein ruhen? St Mary’s in Compton Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 19. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  

Queen Camel – Ein kleiner idyllischer Ort in Somerset

St Barnabas Church an der High Street.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Queen Camel ist schon ein merkwürdiger Name für das Dorf in Somerset, 11 km nördlich von Yeovil gelegen, und es blickt auf eine über 1000jährige Geschichte zurück. Mit Kamelen hat das Dorf übrigens nichts zu tun, denn das Wort „Camel“ kommt von dem keltischen „cantmael“, was soviel wie „Distrikt des kahlen Hügels“ hieß. Die „Queen“ im Ortsnamen ist Queen Eleanor, die Frau Heinrichs III.

Das Besondere an diesem Ort ist seine Kirche St. Barnabas, die im 14. Jahrhundert gebaut wurde. Man sieht es dem Glockenturm nicht an, aber hier hängt das schwerste Sechsergeläut der Welt. Die sechs Glocken wurden während eines sehr langen Zeitraums gegossen: zwischen etwa 1450 und 1850. Im Jahr 1908 wurden sie im Glockenturm neu aufgehängt. Dieser Film zeigt die Bellringer bei der Arbeit und hier sieht man St Barnabas von einer Drohne aus.

Die Uhr am Turm stammt aus der viktorianischen Zeit, sie wurde 1887 aus Anlass des 50jährigen Thronjubiläums Königin Viktorias angebracht.

Direkt gegenüber der Kirche liegt die Dorfschule, die Countess Gytha Primary School, die auch wie eine kleine Kirche aussieht.

Ein Stückchen weiter die High Street entlang, die A359, liegt der Dorfpub, The Mildmay Arms, wo die Zeit stehengeblieben scheint, denn auf der Homepage des Pubs wird immer noch für das Weihnachtsmenü 2017 geworben.

Die Countess Gytha Primary School.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub, The Mildmay Arms.
Photo © Steve Barnes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

St. James Garlickhythe – Eine Londoner Kirche, die immer wieder von Unglücken heimgesucht wurde

St James Garlickhythe ist eine Kirche in der City of London am Garlick Hill mit einem sehr ungewöhnlichen Namen. Die „Knoblauch-Kirche“ wurde tatsächlich nach der Pflanze aus der Gattung Lauch benannt, denn im Mittelalter verkaufte man hier ganz in der Nähe Knoblauch (hythe bedeutet soviel wie Landungsplatz für Schiffe; der Knoblauch wurde an der Themse ausgeladen). Ich möchte an dieser Stelle nicht die ganze Geschichte der Kirche erzählen, sondern nur auf die Unglücke eingehen, die ihr widerfahren sind.

Das im 12. Jahrhundert erbaute Gotteshaus wurde 1666 beim Großen Brand von London in Schutt und Asche gelegt und Jahre später von Sir Christopher Wren wieder neu aufgebaut, eine von 52 abgebrannten Kirche, die der Architekt wieder zum Leben erweckte. Am 10. Dezember 1682 öffnete St James wieder ihre Pforten.
Mitte des 19. Jahrhunderts wäre St James Garlickhythe um ein Haar abgerissen worden, wie mehrere Kirchen in der näheren Umgebung, da die Zahl der Kirchenbesucher stark abgenommen hatte, denn viele Menschen verließen damals die City of London, um sich am Rande der Stadt anzusiedeln. Der Grund, warum St James überlebte, war wohl der, dass mehrere Gilden eng mit der Kirche verbunden waren und es auch heute noch sind.

Das nächste Unglück ereignete sich am 11. Januar 1941, als eine 500-Pfund-Bombe von der deutschen Luftwaffe über London abgeworfen wurde, die das Dach von St James Garlickhythe durchschlug. Glück im Unglück: Die Bombe explodierte nicht, was wohl das endgültige Ende der Kirche bedeutet hätte, sie wurde entfernt und am Rande der Stadt kontrolliert gesprengt. 1954 entdeckte man bei Reparaturarbeiten, dass sich im Gebälk des Daches der Deathwatch Beetle , der Gescheckte Nagekäfer, eingenistet und ziemlich viel Unheil dort oben angerichtet hatte. Also musste die Kirche bis zum Jahr 1963 geschlossen werden, dann stand sie den Gläubigen der anglikanischen Kirche wieder zur Verfügung.

Eigentlich hätte St James Garlickhythe jetzt endlich einmal für längere Zeit zur Ruhe kommen sollen, doch am 20. September 1991 schlug das Schicksal um 7.30 Uhr erneut zu. Ein über dreißig Meter hoher Kran, der an einem nahe gelegenen Bürogebäude eingesetzt war, kippte um und krachte auf das Dach der Kirche. Wieder gab es einen ziemlich großen Schaden; Fenster und ein großer Leuchter gingen zu Bruch und viele der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kirchenbänke wurden beschädigt. Erneut musste St James geschlossen werden, bis die Reparaturarbeiten abgeschlossen waren.

St James Garlickhythe ist die Kirche der Worshipful Company of Vintners, einer der ältesten Zünfte Londons, der, zusammen mit der Dyers‘ Company, die Schwäne auf der Themse ihr Eigen nennen (abgesehen von denen, die der Königin gehören).

Anlässlich des Diamond Jubilee of Queen Elizabeth II und der damit verbundenen Feierlichkeiten war St James Garlickhythe im Gespräch, denn die für die Kirche von der Whitechapel Bell Foundry neu gegossenen acht Glocken wurden auf einem Boot auf der Themse zu Ehren der Königin geläutet; danach hängte man sie im Turm von St James auf (die Glocken, nicht die Queen). Hier sind die Glocken zu hören.

ST JAMES GARLICKHYTHE
Garlick Hill
London, EC4V 2AF

Die acht neuen Glocken.
Author: Dickon Love,
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 22. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Weston Longville (Norfolk), James Woodforde und die Tagebücher eines Landpfarrers

Parson Woodforde.
This work is in the public domain

The Diary of a Country Parson„, also das Tagebuch eines Landpfarrers, umfasst die Aufzeichnungen des James Woodforde, der von 1776 bis 1803 die Gemeinde von Weston Longville in Norfolk (rund 13 Kilometer nordwestlich der Grafschaftshauptstadt Norwich) betreute. In Auszügen sind die Tagebücher noch heute im Buchhandel erhältlich.
James Woodforde wurde 1740 in der Grafschaft Somerset geboren, er starb 1803 in Weston Longville und ist auch dort beerdigt.

Die Tagebücher beinhalten nichts Aufsehenerregendes oder Sensationelles; der Leser erfährt aber so einiges über das Leben in einem Dorf in East Anglia in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wir begegnen dem Schmuggler Andrew und der Witwe Pratt, hören wie die Winter hier im Osten Englands waren und jede Menge Dorfklatsch. Besonders gern berichtet Parson Woodforde von den gewaltigen Mahlzeiten, die er zusammen mit Freunden einnimmt und beschreibt  detailliert, was da so alles auf den Tisch kam, zum Beispiel ein Kalbskopf, ein Hammelrücken, ein Schwan mit Johannisbeergelee, verschiedene Sorten Wildgeflügel und eine Dessertauswahl mit Pflaumenmus und Früchten. Ja, Woodforde ließ es sich gut gehen in Weston Longville.

Das Pfarrhaus, in dem er wohnte, existiert nicht mehr, es wurde abgerissen und durch ein neues ersetzt. Diese Old Rectory wurde 1971 von der Kirche verkauft, kam in Privathand und war vor zwei Jahren für £1.5 Millionen erneut auf dem Markt.

Parson Woodfordes All Saints‘ Church in Weston Longville steht noch immer, ein paar Schritte davon entfernt liegt der Dorfpub, ein Free House, der sich natürlich The Parson Woodford nennt und in dem man in den Tagebüchern des Pfarrers blättern kann, die für die Gäste bereit liegen.

Damit der Pfarrer nicht in Vergessenheit gerät, sorgt The Parson Woodforde Society, die 1968 gegründet wurde.

Das Buch zum Artikel:
Roy Winstanley: Parson Woodforde – The Life and Times of a Country Diarist. Morrow 1996. ISBN  978-0948903380.

Die All Saints‘ Church, der Wirkungsbereich von James Woodforde.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Hier predigte Parson Woodforde.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub.
Photo © Ruth Sharville (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

St Giles in Cheadle (Staffordshire) – Eine der schönsten katholischen Kirchen Englands

Ein besonderes Juwel unter Englands Kirchen findet sich in dem kleinen Marktort Cheadle in der Grafschaft Staffordshire, etwa 18 km von Stoke-on-Trent entfernt.
Die katholische Kirche ist im Vergleich zu anderen englischen Bauwerken noch recht jung. Am 31. August 1846 wurde St. Giles in Betrieb genommen“, und die erste Heilige Messe wurde am Tag darauf zelebriert.

Gebaut wurde die Kirche von Augustus Welby Northmore Pugin (1812–1852), der bekannt ist für seine Arbeiten am Londoner Parlamentsgebäude. Den Auftrag dafür erteilte John Talbot, der 16. Earl of Shrewsbury, der über sehr viel Geld verfügte und seinen Kirchenbaumeister mit unbegrenzten Mitteln ausstattete, damit er eine Kirche schuf  „that would have no rival“.

Pugin’s Gem“ nennt man St. Giles auch, denn dem Architekten ist hier wirklich ein Meisterwerk im Stil des Gothic Revival gelungen.

Hier sind Bilder aus der Kirche zu sehen.

Published in: on 13. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

St Mary’s Church in Beverley (East Yorkshire) und die Kathedrale von Ripon (North Yorkshire) – Wurde Lewis Carroll hier zu seinem Weißen Kaninchen inspiriert?

 

Das Kaninchen in St Mary’s in Beverley.
Copyright: Spencer Means.
Creative Commons 2.0

Beverley ist eine schöne alte Stadt im Osten Yorkshires und berühmt geworden durch das riesige Beverley Minster. Viele Besucher strömen dorthin und übersehen, dass es im Ort noch eine weitere sehr sehenswerte Kirche gibt, die aus der normannischen Zeit stammende St. Mary’s Church.

Freunde von Lewis Carrolls Geschichte „Alice im Wunderland“ besuchen aber vielleicht doch diese Kirche, weil man in ihr die steinerne Figur eines Kaninchens findet, das Vorbild für Carrolls „White Rabbit“ gewesen sein soll.

Charles Ludwidge Dodgson, so der richtige Name von Lewis Carroll, hat einmal im Verlaufe eines Familienausflugs St. Mary’s besichtigt und dabei das Kaninchen gesehen, das im 13. Jahrhundert seinen Platz in der Kirche gefunden haben soll. Wer das „pilgrim rabbit“ (so genannt, weil es einen Pilgerstab in den Pfoten hält) erschaffen hat und aus welchem Grund ist unbekannt. Ganz leicht zu finden ist die Steinfigur in der Kirche nicht, man muss schon etwas suchen oder jemanden fragen.

Es gibt aber noch eine andere Version wie Lewis Carroll auf die „Kaninchen-Idee“ gekommen sein könnte und auch da spielt Yorkshire eine Rolle und zwar die Kathedrale von Ripon, in der Carrolls Vater eine Zeit lang als Domherr wirkte. Dort gibt es im Chorbereich eine Schnitzarbeit von einem Kaninchen, das sich vor einem Greifvogel in seinen Bau flüchten will.

In diesem Filmausschnitt sind Alice und das weiße Kaninchen zu sehen.

Die Schnitzarbeit im Chor der Kathedrale von Ripon.
Photo © Martyn Gorman (cc-by-sa/2.0)

The White Rabbit aus „Alice im Wunderland“.
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

Published in: on 10. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Ernest Arthur Lough (1911-2000) und Felix Mendelssohn Bartholdys „O for the Wings of a Dove“ – Ein Verkaufshit aus dem Jahr 1927

Die Londoner Temple Church.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1927 hörte man in England kein Musikstück lieber als Felix Mendelssohn BartholdysO for the Wings of a Dove„, das aus dem Anthem „Hear my prayer“ (dt. „Hör‘ mein Bitten“) stammt, das der deutsche Komponist 1844 geschrieben hatte und welches in der Londoner Crosby Hall am 8. Januar 1845 uraufgeführt wurde. Gesungen wurde es von dem 16jährigen Ernest Arthur Lough, der über eine herausragende Sopranstimme verfügte. Bis 1962 wurden von der Schallplatte eine Million Stück verkauft, die erste klassische Schallplatte der Firma EMI, die diese „Schallgrenze“ überschritten hatte.

Ernest Arthur Lough wurde 1911 in dem Ost-Londoner Stadtteil Forest Gate geboren. Er sang im Chor seiner Heimatkirche St Peter’s, bis er sich 1924 dem Chor der Temple Church in der Londoner City anschloss. Schnell erkannte man hier die stimmlichen Fähigkeiten des jungen Arthur, und seine Stunde schlug am 15. März 1927, als die 1898 gegründete Gramophone Company mit einem der ersten mobilen Aufnahmestudios zur Temple Church kam, um hier Mendelssohn Bartholdys „Hear my prayer“ mit dem Kirchenchor aufzunehmen. Dabei durfte Ernest das Solo „O for the Wings of a Dove“ singen. Der Rest ist Geschichte. Der junge Mann sorgte mit seiner Stimme dafür, dass die Temple Church an Sonntagen gut gefüllt war, viele wollten ihn einmal live erleben.

Die Aufnahme von „Hear my prayer“ ist bis heute als CD erhältlich und von ihr wurden mittlerweile sechs Millionen Exemplare verkauft.

Mit 18 Jahren bekam Ernest einen Stimmbruch und aus dem Sopran wurde ein Bariton; er blieb dem Chor der Temple Church noch eine Weile erhalten. Ernest Arthur Lough arbeitete später bei der Plattenfirma HMV im Marketing und nach dem Krieg bei einer großen internationalen Werbeagentur. Er starb am 22. Februar 2000; an ihn erinnert ein Plakette in der Temple Church.

Hier ist eine kurze Dokumentation über den Chorknaben zu sehen, in der auch Ausschnitte aus „O for the Wings of a Dove“ zu hören sind.

Die Erinnerungsplakette in der Temple Church.
Author: Carol.
Creative Commons 2.0

Die Crosby Hall, in der „Hear my prayer“ 1845 erstmals aufgeführt wurde.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

St Sepulchre-without-Newgate in Holborn – The National Musicians’ Church

Schon um das Jahr 1137 herum wurde die Kirche St Sepulchre-without-Newgate in London erbaut, 1666 beim Großen Brand von London bis auf wenige Mauern von den Flammen zerstört und danach an der selben Stelle wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg kam die Kirche noch einmal mit einem blauen Auge davon, nur das Wachhäuschen wurde zerstört.
St Sepulchre-without-Newgate wird auch The National Musicians‘ Church genannt, da sie viele Verbindungen zur Musikwelt des Landes hatte. Und so gab es im vorigen Jahr laute Proteste, als die Kirchenoberen eine weitere Nutzung für nicht-religiöse Zwecke ab dem Jahr 2018 untersagten. Viele Jahrzehnte diente St Sepulchre als Ort, in dem Konzerte aufgeführt wurden (hier fanden auch einmal Teile der London Fashion Week statt), und gegen die Anordnung protestierten namhafte Musiker wie Julian Lloyd-Webber und die Komponisten John Rutter und James MacMillan. Mit einer Unterschriftensammlung versuchte man das Ende der National Musicians’ Church zu verhindern. Hier ist ein Film über eine dieser Protestveranstaltungen.

Es gibt schon seit längerem eine starke Bindung der Kirche zur Musik. So findet man in der  Musicians‘ Chapel vier Fenster, auf denen John Ireland, Dame Nellie Melba, Walter Carroll und Sir Henry Wood gedacht wird.
John Ireland (1879-1962) war ein Komponist, der vorwiegend durch seine Chormusik und Klaviermusik bekannt ist; über seinem Fenster findet man die Schlusstakte seines Liedes „Sea Fever„. Dame Nellie Melba lebte von 1861 bis 1931 und war eine australische Opernsängerin. Walter Carroll (1869-1955) kennt man als Komponisten und Musiklehrer und Sir Henry Wood (1869-1944) ist in die englische Musikgeschichte eingegangen als Schöpfer der jährlich stattfindenden Londoner Promenadenkonzerte, die immer mit der Last Night of the Proms ihren Abschluss und Höhepunkt finden. Seine Büste in der Royal Albert Hall wird jedes Jahr beim Abschlusskonzert mit einem Lorbeerkranz geschmückt, der nach Beendigung der Proms wieder zurück in die Kirche St Sepulchre gebracht wird, wo der Musiker getauft und beigesetzt wurde.

Ein weiterer berühmter Mann ist in der Kirche in Holborn bestattet worden, der aber mit Musik nichts zu tun hat: John Smith (1580-1631), ehemaliger Gouverneur von Virginia, der vor allem durch seine Liaison mit der Häuptlingstochter Pocahontas in Erinnerung geblieben ist. Auch ihm ist ein Kirchenfenster gewidmet.

St Sepulchre-without-Newgate steht gegenüber dem Gerichtsgebäude Old Bailey am Holborn Viaduct.

 

Das Dame Nelly Melba gewidmete Kirchenfenster.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

St Mary’s in East Somerton – Eine wildromantische Kirchenruine in Norfolk

In Norfolk gibt es zwei Dörfer, die direkt ineinander übergehen: West Somerton und East Somerton. Beide haben eine Kirche, die St Mary’s heißen; nicht so besonders originell, aber der Heiligen Maria wurden nun einmal im ganzen Land unzählige Kirchen gewidmet. West Somerton’s St Mary ist eine richtig schöne Kirche aus dem Mittelalter, in der regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Sie wurde im Jahr 2012 mit dem English Heritage Angel Award ausgezeichnet für die besten Restaurierungsarbeiten.

Die andere St Mary’s in East Somerton, an einem schmalen Weg namens Back Lane gelegen, muss man erst einmal suchen, denn sie existiert nur noch in Ruinen und die sind von der Natur so überwuchert worden, dass man die alten Gemäuer leicht übersehen kann. Wenn man ein Musterbeispiel für romantische Ruinen sucht, hier wird man fündig. Nachdem die Kirchengemeinde von St Mary’s mit der im benachbarten Winterton zusammengelegt wurde, brauchte man die Kirche eigentlich nicht mehr. Hin und wieder  fanden in ihr noch Andachten statt für die Bewohner von Burnley Hall, auf deren Gelände sie stand, doch irgendwann im 17. Jahrhundert war Schluss und man ließ der Natur ihren Lauf, die die Gelegenheit gern ergriff, um die Kirche nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Teile der Mauern und das Dach brachen im Laufe der Zeit weg. Mitten im ehemaligen Kirchenschiff steht jetzt ein Baum, den Mutter Natur passend fand, hier anzusiedeln. Beeindruckend auch das riesige klaffende Portal.

Kein Wunder, dass die Ruinen Geisterjäger anziehen, die des Nachts versuchen, mit den unsichtbaren „Bewohnern“ von St Mary’s Kontakt aufzunehmen. Auch um die Eiche mitten in der Kirche, The Witch’s Finger genannt, ranken sich Geschichten. Vor vielen Jahrhunderten will man eine Hexe mit Holzbein gefasst und in der Kirche lebendig begraben haben. Aus diesem Holzbein soll, so die Legende, die Eiche entstanden und so groß geworden sein, dass sie die Kirche letztendlich zerstörte. Also ein Racheakt der Hexe.

East und West Somerton liegen nur ein paar hundert Meter vom Meer entfernt, nördlich der Stadt Great Yarmouth.

Published in: on 13. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – Dixe Wills: Tiny Churches

Foto meines Exemplares.

Von Dixe Wills, Journalist und Autor von mehreren Büchern, habe ich in meinem Blog bereits sein „Tiny Islands“ und sein „The Z – Z of Great Britain“ vorgestellt. Über sein Buch „Tiny Histories“, das ich gerade lese, werde ich demnächst berichten.

Heute möchte ich das Buch „Tiny Churches“ vorstellen, das erstmals 2016 erschien und 2017 zweimal nachgedruckt wurde. Das Buch gefällt schon, wenn man es in die Hand nimmt. Ein durchbrochener Schutzumschlag zeigt ein schon fast dreidimensionales Bild von einem Kirchenfenster; genauso schön ist der Buchdeckel gestaltet. Der erste positive Eindruck setzt sich fort, wenn man das Buch aufschlägt und darin blättert. Das Thema ist kleine und kleinste Kirchen in ganz Großbritannien, illustriert mit zahlreichen Bildern.

Da gibt es Kirchen, die weit weg von allem stehen wie zum Beispiel St Peter-on-the Wall bei Bradwell-on-Sea (Essex), die rund um die Uhr geöffnet und nur zu Fuß erreichbar ist. Auch St Michael de Rupe bei Brentor (Devon) im Dartmoor ist nicht leicht zugänglich, weil sie hoch oben auf einem Felsen liegt.
In manchen Kirchen werden nie mehr Gottesdienste abgehalten, in anderen wiederum hin und wieder einmal. Die Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire wird nur einmal im Jahr am sogenannten Rogation Sunday, das ist der Sonntag vor Christi Himmelfahrt, benutzt.

Dixe Wills gibt bei jedem Eintrag exakt an, wie die Kirche mit dem öffentlichen Nahverkehr und zu Fuß zu erreichen ist, wann sie geöffnet hat und wo man sich gegebenenfalls den Schlüssel holen kann. Auch die Zeiten, falls und wann darin Gottesdienste abgehalten werden.

Wer sich für britische Winzlings-Kirchen interessiert, wird mit diesem Buch hochzufrieden sein. Highly recommended!!!

Dixe Wills: Tiny Churches. The AA Publishing 2017. 320 Seiten. ISBN 978-0-7495-7768-1

St Peter-on-the-Wall bei Bradwell-on-Sea in Essex.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

St Michael de Rupe bei Brentor in Devon.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire.
Photo © White Socks (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Februar 2018 at 02:00  Comments (4)  

St Antholin’s church spire in Sydenham (London) oder Was von einer Kirche übrigblieb

Nach dem Großen Brand von London im Jahr 1666 muss der berühmte Baumeister Sir Christopher Wren wohl Tag und Nacht nichts anderes getan haben als die vielen zerstörten Kirchen der Stadt wieder aufzubauen. Dazu gehörte auch die niedergebrannte Kirche St Antholin, die von 1678 bis 1684 neu erstand. Man konnte sie in der City of London an der Watling Street finden, die es noch heute gibt, und da stand das Gotteshaus bis zum Jahre 1875, als es weg musste. Die Gründe dafür waren, dass sie einerseits immer weniger Besucher hatte, weil in der City of London nicht mehr so viele Menschen wohnten, und andererseits sollte eine neue Straße gebaut werden, die heutige Queen Victoria Street, und da stand St Antholin einfach im Wege. Der bevorstehende Abriss deutete sich bereits Jahre vorher an und so wurde die Kirchturmspitze abgenommen und verkauft, und zwar an einen wohlhabenden Londoner, der es nicht mit ansehen konnte, dass seine geliebte Kirche komplett verschwinden sollte und wenigstens die „church spire“ retten wollte. Es war Robert Harrild (1780-1853), Gründer der Firma Harrild & Sons, die sich auf die Fabrikation von Druckmaschinen spezialisiert hatte. Sein Büro lag gegenüber von St Antholin,  und er kaufte die Kirchturmspitze für £5.

Was machte Mr. Harrild nun mit diesem Teil? Er wohnte damals in Sydenham, einem im Süden liegenden Londoner Stadtteil, und besaß an der Straße Round Hill ein großes Anwesen und dort stellte er die Kirchturmspitze in seinem Garten auf…und da steht sie heute noch. Allerdings sieht es dort heute ganz anders aus, denn das Harrildsche Anwesen existiert schon lange nicht mehr. Hier sind in den 1960er Jahren moderne Stadthäuser entstanden und mitten zwischen ihnen ragt nach wie vor das, was von St Antholin übrig geblieben ist, heraus.

Wer sich selbst einmal ein Bild von St Antholin’s church spire machen möchte, der sollte in Sydenham von der Dartmouth Road, der A2216, in die Straße Round Hill abbiegen und dort auf halber Strecke nach rechts in eine Sackgasse gehen/fahren. Zwischen zwei Reihenhausblöcken findet man dann die von Sir Christopher Wren entworfene Kirchturmspitze.

Published in: on 23. Januar 2018 at 02:00  Comments (3)  
Tags: ,

English Country Churchyards – Einige persönliche Anmerkungen

St Peter & St Paul Churchyard in Dinton (Buckinghamshire)
Eigenes Foto.

Bei meinen Reisen durch England besuche ich immer wieder gern draußen auf dem Lande die kleinen Dorfkirchen und ihre Friedhöfe. Es herrscht dort meistens eine ganz besondere Stimmung, vor allem wenn man ganz allein auf dem „country churchyard“ ist. So erinnere mich an einen sonnigen Frühlingstag, als ich St Peter & St Paul in dem winzigen Ort Dinton in Buckinghamshire aufsuchte. Der Wind rauschte in den Bäumen, es war keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Ich versuchte die Inschriften auf den alten Grabsteinen zu entziffern, was nicht immer gelang.

Thomas Grays „Elegy written in a country churchyard„, ein Gedicht, das der Dichter 1750 schrieb, führte mich zur St Giles Church nach Stoke Poges (Buckinghamshire), wo Thomas Grays hohes Denkmal, allerdings außerhalb des Friedhofs, zu finden ist. Was für ein Gegensatz: Die Grabstätte des 1771 gestorbenen Dichters und die vielen Flugzeuge am Himmel, die sich im Anflug auf Heathrow befinden. Wie treffend für einen Dorffriedhof sind doch Grays Zeilen:

„Beneath those rugged elms, that yew-tree’s shade,
 Where heaves the turf in many a mould’ring heap,
Each in his narrow cell for ever laid,
 The rude forefathers of the hamlet sleep“

Ähnlich schön formulierte es Percy Bysshe Shelley in seinem Gedicht “ A summer evening churchyard, Lechlade„, das von der Abendstimmung auf dem Kirchhof von St Lawrence in Lechlade (Gloucestershire) inspiriert wurde. Hier heißt es:

„The dead are sleeping in their sepulchres:
And, mouldering as they sleep, a thrilling sound,
Half sense, half thought, among the darkness stirs,
Breathed from their wormy beds all living things around,
And mingling with the still night and mute sky
Its awful hush is felt inaudibly.“

Sehr idyllisch liegt der Fern Lane Cemetery auf halbem Wege zwischen Little Marlow und Bourne End in Buckinghamshire. Hier ruht einer der bekanntesten englischen Krimiautoren: Edgar Wallace. Umgeben von Laubbäumen findet man hier alte Grabmäler und Grabstätten neueren Datums.

Auch Edgar Wallaces „Konkurrentin“, die Krimiautorin Agatha Christie hat eine schöne und ruhige letzte Ruhestätte gefunden, auf dem Kirchhof von St Mary in Cholsey bei Wallingford (South Oxfordshire). An einer Umrandungsmauer steht ihr Grabstein, schon recht verwittert, und bei meinem Besuch lag einer ihrer Krimis davor, dem der Regen schon arg zugesetzt hatte.

Auch im Winter haben die ländlichen Kirchhöfe ihre Reiz. So besuchte ich beispielsweise an einem klirrend kalten Tag im Februar St Arilda’s bei Oldbury in South Gloucestershire. Die Kirche liegt auf einem Hügel, von dem aus man einen schönen Blick auf den River Severn hat.

Diese kleine Auswahl von meinen Begegnungen mit „English country churchyards“ ließe sich noch lange fortsetzen. Ich bin sicher, dass viele meiner Blogleser alle ihre persönlichen Favoriten haben werden.

Siehe zu diesem Thema auch meinen Blogeintrag über „lych gates“.

Das Grabmal von Thomas Gray neben dem St Giles Churchyard in Stoke Poges (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

St Lawrence in Lechlade (Gloucestershire).
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Edgar Wallace auf dem Fern Lane Cemetery (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Agatha Christies Grab auf dem Friedhof von St Mary’s in Cholsey (South Oxfordshire),
Eigenes Foto.

St Arilda’s bei Oldbury (South Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Published in: on 19. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  

Friends of Friendless Churches – Eine Organisation, die sich um verwaiste Kirchen kümmert

St Mary Magdalene in Boveney (Buckinghamshire)
Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in England nicht mehr benötigte Kirchen, die entweder abgerissen bzw. als Discotheken oder Restaurants umfunktioniert worden sind. Damit dieses Schicksal nun nicht alle diese sogenannten redundanten Kirchen trifft, wurde 1957 eine Organisation gegründet, die Friends of Friendless Churches.  Im Vorstand befanden sich Architekten, Politiker und andere einflussreiche Leute.
Das Geld für die Erhaltung der Kirchen kommt überwiegend durch Spenden und Geldsammelaktionen zusammen, aber auch aus anderen Quellen, wie z.B. vom English Heritage, fließt finanzielle Unterstützung in die Kasse der Organisation.
Der derzeitige Präsident der Friends ist Robert Gascoyne-Cecil, 7th Marquess of Salisbury.

Im Besitz der Organisation sind 50 Kirchen, jeweils 25 in England und 25 in Wales. Hier einige Beispiele von einst verwaisten und von den Friends geretteten Kirchen:
St Mary Magdalene’s Church, Boveney in Buckinghamshire
St Leonard’s Church, Spernall in Warwickshire
St Andrew’s Church, Woodwalton in Cambridgeshire

Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte sei auf folgendes Buch hingewiesen:
Matthew Saunders: Saving Churches: Friends of Friendless Churches: The First 50 Years, das 2010 im Verlag Frances Lincoln erschienen ist. ISBN 978-0711230415. Das Vorwort zu dem Buch, das alle Kirchen der Friends vorstellt, schrieb übrigens der Prince of Wales.

Hier wird eine der Kirchen vorgestellt, um die sich die Friends of the Friendless Churches gekümmert haben: St. Mary in Mundon (Essex).

St Leonard’s in Spernall (Warwickshire)
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

St Andrew’s in Woodwalton (Cambridgeshire)
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  
Tags: