Der prähistorische Monolith auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston in East Yorkshire

Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Die Gräber auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston (East Yorkshire), einem kleinen Dorf zwischen Driffield und Bridlington, werden überragt von einem riesigen prähistorischen Monolithen. Er ist höher als die Steine in Stonehenge, zu denen die Menschenmassen täglich strömen, aber wesentlich unbekannter. So hat man meistens den mysteriösen Felsen ganz für sich allein. Der Rudston Monolith ist schätzungsweise 4000 Jahre alt, acht Meter hoch und vierzig Tonnen schwer. Es wird vermutet, dass der Fels mehrere Meter tief im Boden verankert ist. Er besteht aus Sandstein, was darauf hindeutet, dass sein Ursprung 15 Kilometer nördlich an der Cayton Bay zu finden ist, wo der gleiche Typ Sandstein existiert. Wie soll der große Brocken aber von dort hierher nach Rudston transportiert worden sein und warum? Großbritanniens höchster „standing stone“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich eine Kultstätte gewesen sein, die später weiter von den Christen übernommen wurde, indem man ein Kreuz an dem Felsen anbrachte. Bei Grabungsarbeiten im 18. Jahrhundert wurden an der Basis des Steins menschliche Schädel gefunden, was darauf hindeutet, dass hier in vorchristlicher Zeit Menschen geopfert worden sind.
Seit 1935 steht der Rudston Monolith unter Denkmalschutz. Hier ist ein Film über ihn.

Die All Saints Kirche ist im 14. Jahrhundert erbaut worden, an der Stelle an der schon einmal eine Kirche stand. Besonders stolz ist man hier auf den Taufstein, der aus normannischer Zeit stammt und kunstvoll verziert ist.

Die All Saints Church und der Monolith.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)
Der Taufstein in der All Saints Church.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. April 2021 at 02:00  Comments (4)  

Die St Nicholas Church in Lower Oddington (Gloucestershire) und das Jüngste Gericht

Photo © AJD (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns mitten in die Cotswolds, nach Lower Oddington in die Grafschaft Gloucestershire. Zur Orientierung: Das kleine Dorf liegt östlich von Stow-on-the-Wold an der A436. Ein paar hundert Meter vom Ort entfernt, an der Church Road, findet man die St Nicholas Church, mit deren Bau man irgendwann im 12. Jahrhundert begonnen hatte. Diese ruhig gelegene Kirche hat sich vor allem durch ihre sogenannten „doom paintings“ einen Namen erworben, das sind Wandmalereien, die das Thema „Jüngstes Gericht“ darstellen. Die Malereien in St Nicholas stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurden zur Reformationszeit übermalt, doch 1969 wiederhergestellt. Zu sehen sind Jesus, flankiert von den Aposteln, darunter zwei Engel, die in Trompeten blasen, um die Toten aufzuerwecken. Darunter wiederum sieht man die aus den Gräbern wiederauferstandenen Toten, die auf das Jüngste Gericht warten. Die auf der linken Seite stehenden, dürfen sich auf den Himmel freuen, die auf der rechten Seite müssen leider in die Hölle, wo der Teufel schon auf sie wartet.

Seit 1852 finden keine regelmäßigen Gottesdienste mehr in St Nicholas statt; die Kirche ist unbeheizt und hat kein elektrisches Licht. Wenn zur Weihnachtszeit einmal Gottesdienste abgehalten werden, so geschieht das bei Kerzenschein.

Dieser Film zeigt einen Besuch der Kirche in Lower Oddington.

Das „doom painting“.
Author: UGArdener
Creative Commons 2.0
Ein Engel bläst zum Jüngsten Tag.
Author: michaelday_bath
Creative Commons 2.0

Published in: on 12. April 2021 at 02:00  Comments (3)  

Die uralten steinernen „Asylsessel“ im Beverley Minster (East Riding of Yorkshire) und in der Hexham Abbey (Northumberland)

Der Sanctuary Chair im Beverley Minster
Photo © Mike Kirby (cc-by-sa/2.0)

Bevor Heinrich VIII. ein Schlussstrich unter die Möglichkeit zog, dass sich Menschen auf der Flucht vor den Strafvollzugsbehörden in Kirchen Asyl suchen konnten, boten Gotteshäuser solch einen Weg an, dem Gesetz zumindest eine Zeit lang zu entkommen.

Meines Wissens gibt es in England nur noch zwei Kirchen, die einen sogenannten „sanctuary chair„, auch Frith stool genannt, besitzen. Hatte man auf diesem steinernen „Asylsessel“ einmal Platz genommen, saß man unter dem Schutzschirm der jeweiligen Kirche.
Im Beverley Minster im Osten von Yorkshire, einer sehenswerten Kirche, die es mit vielen Kathedralen des Landes aufnehmen kann, steht ein derartiger „sanctuary chair“. Die Ursprünge des Beverley Minsters gehen auf John of Beverley zurück, der im 8. Jahrhundert lebte, und Bischof von Hexham in Northumberland und Bischof von York war.

Man schätzt, dass der steinerne Stuhl noch älter als das gegenwärtige Münster ist, dessen Bau nach dem großen Brand von 1188 begonnen wurde, der die bisherige Kirche komplett vernichtete. Der Stuhl steht auf der linken Seite des Hochaltars.
In den meisten Fällen galt das Kirchenasyl für vierzig Tage. Nach Ablauf dieser Zeit gab es zwei Möglichkeiten für den Geflüchteten: Entweder stellte er sich den Behörden oder er beichtete seine Straftat der Kirche und musste daraufhin auf dem schnellsten Wege das Land verlassen. Natürlich gab es auch einige, die die letztere Variante vorzogen, aber im Land blieben und sich wieder ihrer kriminellen Laufbahn widmeten. Wurden sie dann geschnappt, mussten sie mit sehr strengen Strafen rechnen.

Der zweite noch erhaltene „sanctuary chair“ ist in der Hexham Abbey in der Grafschaft Northumberland zu finden. Ursprünglich soll er als Sitz der Bischöfe gedient haben. Er ist nicht, wie in Beverley, neben dem Hochaltar zu finden, sondern mitten im Chor der Abteikirche.

Und der zweite Sanctuary Chair in der Hexham Abbey.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Hailes Abbey bei Winchcombe in Gloucestershire – Einst eine Pilgerstätte mit einer ganz besonderen Reliquie

Ruinen von alten Bauwerken haben oft etwas Romantisches an sich, das gilt auch für die Ruinen der Hailes Abbey nahe der Kleinstadt Winchcombe in der Grafschaft Gloucestershire. Heinrich VIII löste auch diese ehemalige Zisterzienser Abtei im Jahre 1539 auf. Die dem National Trust gehörende Ruine beherbergt heute ein Museum, in dem Überbleibsel aus der Abtei zu sehen sind wie dieser Film zeigt.

Die Hailes Abbey war viele Jahre lang das Ziel wahrer Pilgerscharen, die einen Schatz sehen wollten, den es wohl nur hier gab: Das Blut von Jesus Christus, aufgefangen als er am Kreuz hing. Am 14. September 1270 ging diese Reliquie in den Besitz der Abtei über, und da sie etwas ganz besonderes war, ergänzte man die Kirche mit einem eigenen Anbau speziell für das Heilige Blut. Es sprach sich schnell unter den Gläubigen des Landes herum, dass die Reliquie Wunder vollbringen könnte wie zum Beispiel Kranke heilen oder sogar Tote wieder ins Leben zurückbringen. Die Zisterzienser freuten sich sehr über die Pilgermassen, trugen sie doch dazu bei, den Unterhalt für die Abtei zu gewährleisten. Gar nicht gut fanden es die Mönche, wenn manche Priester im Lande Zweifel an der Echtheit des Blutes äußerten, und so wurden Geschichten in die Welt gesetzt wie es diesen Zweiflern erging. Bei dem einen soll während der Messe der Messwein angefangen haben zu kochen, bei einem anderen blutete sein Gebetbuch. Man tat alles dafür, dass die Pilgerbewegung nicht abriss.

Dann, zu Zeiten Heinrichs VIII, ging es der Reliquie an den Kragen. Beauftragte des Königs untersuchten sie und kamen zu dem Schluss, dass sie nur eine klebrige Masse enthielt, aber kein Blut. Sie nahmen die Reliquie mit nach London, wo der Bischof von Rochester behauptete, der Inhalt bestünde aus Honig vermischt mit Saffran. Ein anderer hoher Würdenträger hielt den Inhalt für Entenblut. Letztendlich offenbarte der Abt von Hailes, dass es sich wirklich um einen Schwindel gehandelt hatte, die Reliquie war nicht echt, man brauchte die Pilger, um die Abtei am Leben zu erhalten. Zu Weihnachten des Jahres 1539 wurde die Hailes Abbey aufgelöst. Die Kirche wurde abgerissen, andere Teile als Wohnungen verwendet. Doch nach und nach verfiel die Anlage und Unkraut überwucherte die Mauerreste. 1937 nahm sich der National Trust der ehemaligen Abtei an, und der English Heritage kümmert sich um den Erhalt.

Informationen über die Öffnungszeiten und die Eintrittspreise sind hier zu finden.

Die Lancing College Chapel in West Sussex – Die Kirche der Superlative

Während das Mädcheninternat Roedean, das ich vor einigen Tagen vorstellte, östlich von Brighton liegt, findet man das Lancing College wenige Kilometer westlich von Brighton an der A27. Es ist eine Boarding School für Jungen und Mädchen, die 1848 gegründet wurde. Zu den ehemaligen Schülern zählen unter anderem die Schriftsteller Tom Sharpe, Evelyn Waugh und Stuart Cloete, der Schauspieler George Baker, viele Bischöfe und hohe Militärs, der Archäologe (und Agatha Christie-Ehemann) Sir Max Mallowan und viele weitere mehr. Mädchen wurden erst ab 1970 zugelassen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler liegt bei etwas unter 600. Die Schulgebühren pro Trimester betragen £12 355. Dieser Film zeigt das Leben im College.

Das Lancing College verfügt über eine Kirche, die in England ihresgleichen sucht. Der Bau der grandiosen College Chapel begann im Jahr 1868, entworfen haben sie die beiden Architekten Richard Herbert Carpenter und William Slater im Gothic Revival-Stil. Entstanden ist die größte Schulkapelle weltweit. Das Kirchenschiff hat eine Höhe von 27 Metern und kann da mit den meisten englischen Kathedralen mithalten. Der ursprünglich geplante Turm sollte sogar 90 Meter hoch sein, wurde aber nicht gebaut. Gleich drei Orgeln sind in der Kirche installiert worden und dann gibt es noch ein weiteres Superlativ: Das Rosenfenster. Es ist mit etwa zehn Metern Durchmesser das größte Rosenfenster England, designt und 1977 fertiggestellt von Stephen Ernest Dykes Bower, dessen Werke in vielen englischen Kathedralen zu finden sind.

Das Lancing College war die optimale Kulisse für die Dreharbeiten des Films „Old Boys“ aus dem Jahr 2018. Hier ist der Trailer.

Das größte Rosenfenster Englands.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. März 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Der St Alban’s Tower in der Londoner Wood Street – Ein Kirchturm, verloren zwischen Hochhäusern

Es gibt zwei Ereignisse in der Geschichte Londons, die den Kirchen der Stadt besonders großen Schaden zugefügt haben: Der Große Brand von London im Jahr 1666 und die Luftangriffe der deutschen Luftwaffe, The Blitz, 1941/42. Jedes Mal wurden zahlreiche Kirchen in Schutt und Asche gelegt, einige riss man komplett ab, einige baute man wieder auf.

Die Kirche St Alban’s in der Wood Street in der City of London, benannt nach dem Heiligen Alban, dem ersten christlichen Märtyrer auf der Insel, ereilte beide Schicksale. Sie fiel dem Großen Brand zum Opfer und wurde von niemand anderem als dem Stararchitekten seiner Zeit, Sir Christopher Wren, wieder aufgebaut und zwar in dem sogenannten Perpendicular Gothic-Stil. 1685 war die Kirche fertig gestellt und nahm ihren Dienst wieder auf. Ein weiterer Stararchitekt, Sir George Gilbert Scott, nahm sie sich 1858/59 noch einmal vor und restaurierte sie. Und dann ereilte St Alban’s der zweite Schicksalsschlag, als sie am 29. Dezember 1940 von einer Bombe getroffen wurde, die ein deutsches Flugzeug über London abgeworfen hatte. Dieses Mal lohnte ein Wiederaufbau nicht, da alles in Trümmern lag…bis auf den Kirchturm, der  auf wundersame Weise stehengeblieben war. In den 1960er Jahren räumte man die Reste der Kirche ab, die Glocken sind auch längst abgehängt worden und in den 1980er Jahren entstand aus dem alten Turm ein privates Wohngebäude. Das Ungewöhnliche daran ist, dass der St Alban’s Tower mitten auf einer Verkehrsinsel steht und der Verkehr auf beiden Seiten um das alte Gemäuer herumgeleitet wird.  Um den Turm herum sind im Laufe der Jahre Hochhäuser entstanden, wodurch er etwas verloren wirkt, ein Relikt aus einer früheren Zeit.

Der St Alban’s Tower diente in dem 2009 erschienen Spielfilm „St Trinian’s 2: The Legend of Fritton’s Gold“ (dt. „Die Girls von St Trinian 2: Auf Schatzsuche“), den ich ziemlich albern fand, als Hauptquartier der Geheimgesellschaft AD1. Die Außenaufnahmen wurden hier in der Wood Street gedreht.

Englische Kathedralen und ihre Zweckentfremdung als Corona-Impfzentren

Salisbury Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Kurz vor Weihnachten schrieb ich in meinem Blog über die vier Corona-Zonen in England und da befand sich die Isle of Wight noch in Zone 1, also mit relativ geringen Ansteckungszahlen. Das hat sich jetzt drastisch geändert, denn plötzlich befindet sich die Insel vor der Küste Hampshires in Tier 4, das heißt, sie hat sehr hohe Neuinfektionen gemeldet, eingeschleppt von Besuchern des Festlands, die sich auf der Isle of Wight amüsieren wollten. England ächzt unter der Corona-Last, die Inzidenz liegt hier wesentlich höher als (zurzeit!) in Deutschland. Im Großraum London und in Essex liegt der Inzidenzwert teilweise bei über 1000. Die Krankenhäuser sind an der Belastungsgrenze,  Krankenschwestern kündigen, weil sie den Stress physisch und psychisch nicht mehr aushalten können, also setzt die Regierung jetzt alles auf eine groß angelegte Impfkampagne. Impfzentren stehen bereit, Apotheken in den High Streets wie die beiden Filialisten Boots und Superdrug bieten Impfungen an, zu den ersten gehörten Boots in Halifax (West Yorkshire) und Superdrug in Guildford (Surrey).

Da man bei der größten Impfaktion in der Geschichte Englands nach geeigneten Räumlichkeiten sucht, haben dafür jetzt einige Kathedralen ihre Pforten geöffnet. Die Church of England stellt mehrere ihrer Kirchen zum Impfen und auch zum Testen zur Verfügung wie die Salisbury Cathedral in Hampshire. Manchmal wird dabei sogar die Orgel gespielt, was eine ganz spezielle Atmosphäre schafft.

Eine weitere Kathedrale mit Impfzentrum ist die Lichfield Cathedral in Staffordshire. Schon am ersten Tag bildeten sich vor und in der Kirche lange Schlangen von Impfwilligen, überwiegend Männer und Frauen in den 80er Jahren.

Die Rochester Cathedral in Kent dient zur Zeit als Corona-Testzentrum. In der Krypta sind zehn Teststationen aufgebaut, die in der Lage sind pro Tag mehrere hundert Menschen zu testen;  binnen einer Stunde erhalten sie die Ergebnisse. Rochester gehört zu den Corona-Hotspots Englands.

Auch in der Blackburn Cathedral in Lancashire wird an sieben Tage der Woche jeweils 12 Stunden lang geimpft, vorrangig Menschen, die über 80 Jahre alt sind.

Lichfield Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Rochester Cathedral.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Blackburn Cathedral.
Photo © Kenneth Yarham (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Sir William Garrard Memorial in der Kirche St James the Less in Dorney (Berkshire)

Es ist schon einige Jahre her, als ich das Glück hatte, das wunderschöne Tudorhaus Dorney Court in Berkshire besuchen zu können, das nur wenige Tage im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich ist (siehe dazu meinen Blogeintrag). Direkt neben Dorney Court steht eine Kirche mit dem etwas ungewöhnlichen Namen St James the Less, die ich ebenfalls besichtigte. St James (Jakobus) „ist der an zweiter Stelle genannte der beiden Apostel mit dem Namen Jakobus, so genannt zur Unterscheidung von Jakobus dem Älteren“, so klärt die Wikipedia auf.

Seit dem 12. Jahrhundert schon ist sie die Gemeindekirche des Dorfes Dorney. Ein Grabmal fiel mir in dieser Kirche besonders auf (ich finde diese Memorials in englischen Kirchen immer wieder faszinierend), das Sir William Garrard und seiner Frau Lady Elizabeth Garrard gewidmet ist. Sir William war der Lord of the Manor von Dorney; er starb im Jahr 1607. Wie es für diese Zeit damals typisch war, zeigt das Grabmal die beiden in Nischen, kniend und sich gegenseitig ansehend. Lady Elizabeth muss einen großen Teil ihres Lebens schwanger verbracht haben, denn sie gebar 15 Kinder, die alle auf dem Grabmal unterhalb ihrer Eltern verewigt worden sind: Acht Mädchen und sieben Jungen. Fünf der Kinder starben sehr früh, das sind die, die auf dem Memorial einen Totenschädel in der Hand tragen. Die Figurengruppe ist in betender Haltung zu sehen, sie ist bemalt und vergoldet. 1978 bekamen die Figuren eine neue Bemalung und Vergoldung.

Thomas Garrard, der älteste Sohn, verkaufte 1628 Dorney Court an Sir Roger Palmer, der das Haus wiederum an seinen jüngeren Bruder James vermietete, der mit der Garrard-Tochter Martha verheiratet war. Von dieser Linie stammen die jetzigen Besitzer von Dorney Court ab. James Palmer und seine Frau Anna leben heute in diesem faszinierenden Haus.

In und an der Kirche sind mehrere Filme gedreht wurden wie „Tess of the d’Urbervilles“ im Jahr 1998 (Tess und Angel heiraten in St James the Less), „The Lady and the Highwayman“ (1989) und „Desparate Romantics“ (2009), in dem Dante Gabriel Rosetti in der Kirche ein Wandgemälde anfertigt.

St James the Less.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Notre Dame de France – Ein Treffpunkt der französischen Katholikengemeinde in London

In meinem Blogeintrag vom 18. August dieses Jahres über die Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury erwähnte ich die French Protestant Church of London am Soho Square, die Heimat der französischen Protestanten in der Hauptstadt. Auch die Katholikengemeinde hat eine eigene Kirche, in der sie ihrer Religion nachgehen kann: Notre Dame de France am Leicester Place Nummer 5, in unmittelbarer Nähe des trubeligen Leicester Squares.

1865 übernahmen die Maristen, eine Ordensgemeinschaft mit Wurzeln in Frankreich, ein ehemaliges Panorama, eine Vorgängerform des Kinos, um den hier in London ansässigen Franzosen einen religiösen Mittelpunkt zu verschaffen. Sie ließen das Gebäude entsprechend umbauen und beauftragten den Architekten Louis-Auguste Boileau damit. 1868 wurde Notre Dame de France eingeweiht, die erste aus Gusseisen gebaute Kirche der Stadt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche im Bombenhagel der deutschen Luftwaffe stark in Mitleidenschaft gezogen und musste nach Kriegsende langsam wieder aufgebaut werden, mit Unterstützung der in London lebenden französischen Diplomaten. Der Pariser Bildhauer Georges Saupique gestaltete über der Eingangstür ein Flachrelief der Mutter Gottes der Barmherzigkeit und 1960 steuerte der berühmte Schriftsteller, Regisseur und Maler Jean Cocteau eigene Wandgemälde in der Kirche bei, die im Jahr 2012 noch einmal restauriert wurden.

Es kann leicht passieren, dass man an Notre Dame de France vorbeigeht, ohne sie zu bemerken, weil die benachbarten Kinos die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich ziehen. Sie steht nicht separat wie man es von Kirchen im allgemeinen kennt, sondern ist in eine Häuserzeile integriert.

Dieser Film zeigt das Innere der Kirche.

Die Arbeiten des Jean Cocteau.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Abide with me“ – Ein Kirchenlied, das in Brixham in Devon geschrieben wurde

 

Henry Francis Lyte.
This work is in the public domain.

Brixham in Devon ist eine ausgesprochen hübsche Küstenstadt am südlichen Rand der sogenannten Englischen Riviera. Hier hatte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Reverend Henry Francis Lyte (1793-1847) niedergelassen, ein anglikanischer Pfarrer, dessen Kirche die All Saints Church war. Er war sehr beliebt in Brixham, denn er kümmerte sich sehr um die Fischer und die Seeleute, die in dem Ort ansässig waren. Seine Kirche war sonntags oft gut mit Gläubigen gefüllt. Lyte wohnte im Berry Head House auf der Landzunge namens Berry Head, das heute ein Hotel ist. Im Jahr 1847 ging es mit ihm zu Ende, er litt an Tuberkulose, und er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Eines Abends, als er in seinem Garten saß und auf die Bucht herunter sah, kam plötzlich der Text von einem der beliebtesten Kirchenlieder aller Zeiten über ihn, „Abide with me„, dessen erste Strophe lautet:

Abide with me, fast falls the eventide
The darkness deepens Lord, with me abide
When other helpers fail and comforts flee
Help of the helpless, oh, abide with me

Henry Francis Lyte hätte sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, zu welcher Popularität es das Lied einmal bringen würde. Er schrieb auch eine Melodie zu seiner Hymne, doch die wurde in späterer Zeit nicht mehr verwendet, sondern eine andere, die William H. Monk 1861 geschrieben hatte.

„Abide with me“ wird gern bei Beerdigungen gesungen, zum Beispiel bei denen der Könige George V. und George VI. Die Krankenschwester Edith Cavell,  die im Ersten Weltkrieg vielen Soldaten zur Flucht verhalf und Freund und Feind durch ihren Einsatz das Leben rettete, soll das Lied bei ihrer Erschießung durch ein deutsches Exekutionskommando gesungen haben.

Es gibt unzählige Versionen von „Abide with me“; als Beispiel habe ich den Chor des King’s College aus Cambridge, den Military Wives Choir und … Doris Day herausgesucht.

Zu Brixham siehe auch diesen Blogeintrag.

Die All Saints Church in Brixham.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

 

The Berry Head Hotel.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

St John the Baptist in Little Missenden, eine gestohlene Statue und das Grab eines kleinen Mädchens

St John the Baptist.
Eigenes Foto.

Die Kirche St John the Baptist in Little Missenden (Buckinghamshire) stellte ich in meinem Blog in Zusammenhang mit dem dort jährlich stattfindenden Musikfestival vor. Ich mag diese hübsche Kirche am Ortsrand des Bilderbuchdorfes, das viele Male für Dreharbeiten der TV-Serie „Midsomer Murders“ verwendet wurde. Vor allem das Manor House, nur wenige Schritte von der Kirche entfernt, und der Dorfpub The Red Lion sahen Inspector Barnaby als mehr oder weniger willkommenen Besucher.

Leider wurde St John the Baptist mehrmals von Dieben heimgesucht und zweimal erwischte es die hölzerne Statue der Heiligen Katharina. Da sprang ein berühmter Mann ein, der im benachbarten Great Missenden wohnte, der Schriftsteller Roald Dahl, und spendierte der Kirche eine Replika der gestohlenen Heiligen. Und auch diese Figur holten sich Langfinger aus St John the Baptist. Es ist ein grundsätzliches Problem mit dem Kirchen in England konfrontiert sind: Lasse ich sie den ganzen Tag geöffnet, so dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit bekommen, sie sich anzusehen, oder schließe ich sie ab, damit nichts gestohlen werden kann. Die Dahlsche Katharinenstatue ist inzwischen erneut  durch eine Replika ersetzt worden, angefertigt von der Tochter eines Gemeindemitglieds.

Hier ist ein Film aus St John the Baptist zu sehen, der eine Taufe zur Zeit der Coronakrise zeigt.

Es gibt einen Grund, warum sich Roald Dahl  für die Kirche im Nachbarort einsetzte: Auf dem Kirchhof von St John the Baptist  liegt seine kleine Tochter Olivia begraben, die am 17. November 1962 im Alter von nur sieben Jahren verstarb. Sie starb an einer Gehirnentzündung, verursacht durch eine Masernerkrankung. Roald Dahl konnte diesen Schicksalsschlag viele Jahre lang nicht wegstecken; der Tod seiner geliebten Tochter hatte ihn zutiefst erschüttert. Ihr Vater legte einen kleinen Steingarten an ihrem Grab an, das nur wenige Meter von der angrenzenden Church of England Infant School entfernt ist. Roald Dahls eigene Grabstelle ist in Great Missenden zu finden, siehe hierzu  meinen Blogeintrag.

St Winwaloe auf der Lizard Peninsula in Cornwall – The Church of the Storms

Auf der Lizard Peninsula im Süden Cornwalls, nicht nach der Eidechse benannt, sondern aus dem kornischen „Lys Ardh“ entstanden, was „High court“ bedeutet, liegt eine Kirche, die nach dem wenig bekannten Heiligen Winwaloe benannt worden ist, der im 5. und 6. Jahrhundert in der Bretagne lebte. Es gibt nur eine Handvoll Kirchen, die seinen Namen tragen, die alle in Cornwall und Devon liegen.

St Winwaloe am Gunwalloe Church Cove Beach hat eine großartige Lage, nur wenige Meter vom Strand entfernt, umgeben von Dünen und einer Felsküste. Aufmerksame Zuschauer der TV-Serie „Poldark“ werden die Kirche vielleicht wiedererkennen, denn sie war schon einmal Schauplatz von Dreharbeiten. Auf Grund der exponierten Lage wird die Kirche auch The Church of Storms genannt.

Wann genau sie gebaut worden ist, kann nicht eindeutig gesagt werden. Teile von ihr weisen bis ins 13. Jahrhundert zurück, die drei „church halls“ sollen aus dem 15. Jahrhundert stammen. Und da sind wir schon bei einer Besonderheit von St Winwaloe’s, denn dass eine Kirche aus drei parallel angeordneten, durch drei Dächer verbundenen, circa 18 Meter langen Segmenten besteht, ist selten anzutreffen. Der Lettner soll angeblich aus Holz gemacht worden sein, das von dem Wrack eines portugiesischen Schiffes namens „St Anthony of Lisbon“ stammt, das am 19. Januar 1527 vor der Küste auf Grund lief.

Der Glockenturm von St Winwaloe’s steht neben der Kirche und wurde aus mehreren Steinarten gebaut. In ihm hängen drei Glocken, die 1926 neu gegossen worden sind. Hier sind sehr stimmungsvolle Bilder von der Kirche zu sehen.

Published in: on 29. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die älteste Tür Großbritanniens in der Westminster Abbey

Ob es wohl in tausend Jahren noch Türen gibt, die anfangs des 21. Jahrhunderts angefertigt worden sind? Ich glaube kaum.

Eine massive Eichentür in der Londoner Westminster Abbey gilt als die älteste Tür Großbritanniens, aus einem Baum hergestellt, der zwischen den Jahren 1032 und 1064 gefällt wurde, also in der Zeit des Königs Edward the Confessor (ca 1004-1066). Die Tür führt in das Chapter House, wo sich im 13. Jahrhundert täglich die Mönche zum Gebet versammelten und wo heute Dokumente aufbewahrt werden.

Spezialisten für Dendrochronolgie, die Wissenschaft von der Baumringdatierung, untersuchten im Jahr 2005 diese einzige noch erhaltene angelsächsische Tür und stellten fest, dass der Baum, aus dem diese Tür hergestellt wurde, mit großer Wahrscheinlichkeit in den der Abbey gehörenden Wäldern in Essex gestanden hat. Die Maße der Tür: Sie ist etwa zwei Meter hoch und 1,22 Meter breit. Lange fristete „Britain’s oldest door“ ein Schattendasein bis sie schließlich neu entdeckt und untersucht wurde.

Im 19. Jahrhundert entdeckte man Hautspuren an der Tür und es entstand die Legende, dass es sich dabei um Menschenhaut handelte, von einem Räuber, der sakrale Gegenstände aus der Abbey stehlen wollte und den man zur Abschreckung häutete und die Haut an die Tür nagelte. Es handelt es sich aber wirklich nur um eine Legende, denn es war keine menschliche sondern Kuhhaut.

Es gibt noch eine uralte Kirchentür in England, die fast genauso alt wie die in der Westminster Abbey ist: St Botolph’s in Hadstock (Essex) bei Saffron Walden. Auch sie wurde von Wissenschaftlern untersucht, die zu dem Ergebnis kamen, dass die Tür zwischen 1040 und 1070 angefertigt wurde.

Mein persönlicher Favorit an Kirchentüren ist die von St Edward’s in Stow-on-the Wold (Gloucestershire); siehe dazu meinen Blogeintrag.

Die Kirchentür von St Botolph’s in Hadstock (Essex).
Photo © Alan Hawkes (cc-by-sa/2.0)

Mein Favorit: St Edward’s in Stow-on-the Wold (Gloucestershire).
Photo © Martyn Gorman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. September 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Die Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury

Nachdem ich gestern in meinem Blog über die Kathedrale von Canterbury geschrieben habe, bleiben wir heute noch einmal in der Kirche. Dort spielt sich jeden Sonntag ab 15 Uhr ein kleines Ritual ab. Durch eine Seitentür der Kathedrale finden sich nach und nach Menschen ein, die einem französischsprachigen Gottesdienst beiwohnen, der in der sogenannten Hugenottenkapelle stattfindet.

Protestanten aus Frankreich und Belgien, die im 17. Jahrhundert auf Grund ihres Glaubens verfolgt wurden, flohen in andere Länder, viele auch nach England. Allein um das Jahr 1685 herum waren es 45 000 Menschen, die den Kanal überquerten, um in England eine neue Heimat zu finden. Die meisten von ihnen siedelten sich in London und in Canterbury an, wo sie sich bald assimilierten. Viele schlossen sich der anglikanischen Kirche an, viele blieben aber ihrer ursprünglichen Kirche treu. Für diese Gläubigen gab es eigene Gotteshäuser, die aber im Laufe der Zeit nach und nach geschlossen wurden, da es immer weniger Besucher gab. Heute existiert nur noch eine protestantische französische Kirche in England, die French Protestant Church of London am Soho Square.

Auch die kleine Gemeinde, die sich am Sonntagnachmittag in der Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury trifft, wird immer weniger. Sie hat einen sehenswerten Andachtsraum, der vor allem durch seine Gewölbekappen außergewöhnlich ist, auch ein „Green Man“ blickt von der Decke herunter.

Hier ist ein Film der BBC über die französische Gemeinde in Canterbury.

Die Gewölbekappen (bosses) in der Hugenottenkapelle.
Copyright: Amanda Slater.
Creative Commons 2.0

L’Eglise Protestante Francaises de Londres am Soho Square.
Copyright: Edenpictures.
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 18. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die Glocken von St Michael’s in Bowness-on-Solway (Cumbria)

Die gestohlenen Glocken neben dem Taufstein in St Michael’s.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Bowness-on-Solway (nicht zu verwechseln mit Bowness-on-Windermere) ist ein Ort im Norden der Grafschaft Cumbria, dicht an der schottischen Grenze. Wenige Kilometer entfernt, auf der schottischen Seite, liegt das Städtchen Annan, und dort spielt sich hin und wieder eine merkwürdige Prozedur ab, denn immer wenn ein Vikar sein Amt neu antritt, stellt er einen Antrag in Bowness, mit der Bitte um Herausgabe der beiden Glocken, die im Jahr 1626 von den englischen Dorfbewohnern in Schottland gestohlen worden waren…und jedesmal wird dieser Antrag abgelehnt. Schotten und Engländer mögen sich nun mal nicht so besonders. Doch was war der Grund für den Glockendiebstahl 1626?

Vorausgegangen war der Diebstahl der Glocken der Kirche St Michael’s in Bowness durch maraudierende Schotten, die per Boot über den Solway Firth gekommen waren. Als das von den Engländern bemerkt wurde, machten sich diese auf eine wilde Verfolgungsjagd. Die Schotten merkten, dass sie durch die schweren Glocken nur langsam mit ihrem Ruderboot vorwärts kamen und bald eingeholt würden. Also kippten sie die Glocken ins Wasser und entkamen ihren Verfolgern. In Bowness sann man auf Rache, ein Stoßtrupp wurde über die Grenze geschickt und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion stahl man zwei Glocken aus einer schottischen Kirche, die als Ersatz für die vorher gestohlenen nach St Michael’s gebracht wurden. Dort hingen sie bis zum Jahr 1905 als ein neues Paar ihren Platz einnahm. Die ehemaligen  schottischen Glocken sind jetzt in der Kirche neben dem Taufstein aufgestellt, und man denkt in Bowness nicht daran, sie wieder zurückzugeben, auch wenn zukünftige Vikare aus Annan noch so viele Bittschriften über die Grenze schicken.

St Michael’s in Bowness-on-Solway mit den „neuen“ Glocken aus dem Jahr 1906.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

St Nicholas in Barfreston in Kent – Die Kirche mit dem „Glockenbaum“

Am 16. April 2014 schrieb ich in meinem Blog über die Kirche St Augustine in Brookland in Kent, deren Besonderheit der „Weihnachtsbaum-Glockenturm“ ist. Einen ebenso ungewöhnlichen „Glockenturm“ hat die Kirche St Nicholas in Barfreston, ebenfalls in Kent. Barfreston (man findet auch die Schreibweise Barfrestone) ist ein Weiler östlich der A2 und nördlich von Dover. Die Verantwortlichen für die Namensgebung der Straßen in dem Dorf zeichneten sich nicht durch besondere Fantasie aus; die Kirche liegt an der Barfreston Road, die auf den Barfreston Lane endet. Aber irgendwann hatte jemand doch einen Geistesblitz und benannte die dritte Straße des Ortes nicht etwa Barfreston Way sondern Pie Factory Road.

St Nicholas ist eine uralte normannische Kirche, die um das Jahr 1180 herum erbaut wurde und die zwei Besonderheiten hat. Da sind einmal die zahlreichen, sehr kunstvollen Steinschnitzereien, die sowohl in der Kirche als auch außerhalb zu sehen sind. Besonders ins Auge fallen die Verzierungen über der Südtür; da tummeln sich Menschen, Löwen und allerlei ungewöhnliche Wesen. Die zugemauerte Nordtür ist nicht ganz so fantasievoll ausgestattet, vielleicht hatten die Steinmetze da keine Lust mehr oder ihnen fiel nichts mehr ein. Im Inneren ist der Taufstein sehr gut gelungen.

Die zweite Besonderheit von St Nicholas ist, dass die Kirche über keinen richtigen Glockenturm verfügt. Was wäre aber eine Kirche ohne Glocken? Zuerst war das durchaus vorhandene Glöckchen in einem Türmchen an der Westseite untergebracht. Um das Jahr 1900 herum zog die kleine Glocke um und zwar auf einen Eibenbaum, der direkt neben der Kirche steht. Im Geäst ist sie befestigt und wird durch ein System von Seilen von der Kirche aus geläutet. Im Gegensatz zu den Straßennamengebern bewies man hier also durchaus Kreativität.

Hier ist ein kurzer Film über St Nicholas.

Wem es nach der Besichtigung der Kirche dürstet, der kann in wenigen Minuten den Dorfpub erreichen, der in der Pie Factory liegt, und den schönen Namen The Wrong Turn trägt.

Die Südtür von St Nicholas.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der Taufstein.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub mit dem schönen Namen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 8. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ufford (Suffolk) und einer der schönsten Taufsteine in Großbritannien in St Mary of the Assumption

Wenn ich mir eine englische Kirche ansehe, bin ich immer gespannt wie der Taufstein („font“ im Englischen) aussehen wird. Man hatte vor Hunderten von Jahren, als man diese Steine schuf, sehr viel Wert auf die Gestaltung gelegt, und viele von ihnen sind noch heute erhalten und nun ja, steinalt. Über besonders schöne Exemplare in der Grafschaft Buckinghamshire habe ich in meinem Blog vor einiger Zeit geschrieben.

Ein ganz besonderes Taufbecken, genauer gesagt der Deckel dazu, ist in der Kirche St Mary of the Assumption (hier sind die Glocken zu hören) in der kleinen Gemeinde Ufford, nordöstlich von Ipswich, in der Grafschaft Suffolk zu bestaunen. Der „font cover“ ist sage und schreibe sechs Meter hoch und wird nur noch von dem in der St Edmund’s Church in Southwold (ebenfalls in Suffolk) übertroffen, der acht Meter hoch ist.

Errichtet wurde die Taufsteinabdeckung im 15. Jahrhundert, und ich gebe hier die Kurzbeschreibung auf der Webseite „suffolkchurches.co.uk“ wieder: „The cover is telescopic, and crocketting and arcading dances around it like waterfalls and forests. There are tiny niches, filled today with 19th century statues. At the top is a gilt pelican, plucking its breast„. Besser kann man dieses kunstvolle Gebilde nicht beschreiben. Der „font cover“ wirkt schon fast etwas überladen, trotzdem finde ich ihn grandios. Immer wieder wird er als der schönste der Welt bezeichnet.

Es grenzt an ein Wunder, dass die Kirche in Ufford die Metzeleien des William „Basher“ Dowsing überstanden hat (ich berichtete über ihn in meinem Blog), der hier am 21. August 1644 weiteres Unheil anrichten wollte, aber selbst er war von dem Taufbecken so angetan, dass er es verschonte.

In St Mary of the Assumption gibt es noch mehr höchst interessante und beeindruckende Dinge zu sehen, zum Beispiel die großartigen Holzschnitzereien wie die Margaret and Catherine Bench direkt vor dem Taufstein.

Ein Umweg zu dieser Kirche lohnt sich; sie ist leicht über die A12, die von Ipswich nach Lowestoft führt, zu erreichen.

„The pelican plucking its breast“ an der Spitze des „font covers“.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Margaret and Catherine Bench.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s of the Assumption.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die All Saints Church bei Wiston with Buncton in West Sussex

Man nehme die A283 (Storrington – Steyning) in West Sussex und biege an der Kreuzung Chanctonbury Ring Road/Water Lane in den Water Lane ein. Nach etwa 250 Metern steht an der rechten Seite ein kleines rotes Schild, das auf die All Saints Church aufmerksam macht, und ein Wegweiser zeigt auf einen winzigen Weg, der in einem Wäldchen zu verschwinden scheint, bald aber wieder ins Tageslicht kommt und den Blick freigibt auf eine kleine abgelegene Kirche, die besagte All Saints Church. Umstanden von einer Hecke am Rand eines Kornfeldes wartet das Kirchlein auf Menschen, die ihr einen Besuch abstatten; viele dürften es nicht sein, denn schnell fährt man an dem Schild am Water Lane vorbei.

Wann die Kirche erbaut worden ist, lässt sich nicht mehr einwandfrei feststellen, wahrscheinlich war das irgendwann einmal anfangs des 12. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit wurden einige Veränderungen an ihr vorgenommen, aber im Großen und Ganzen dürfte sie noch so aussehen wie einige Jahrhunderte vorher auch. Allzu viele Gläubige werden sich wohl nie hier eingefunden haben, denn die Gegend ist nicht sehr dicht besiedelt.

Ich finde diese einsam gelegenen kleinen Kirchen immer wieder faszinierend; meist, wie auch hier, stehen oder liegen Grabsteine auf dem Kirchhof herum mit total verwitterten Schriftzügen, und ich frage mich, wer diese Menschen einmal gewesen sein mögen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Vor 16 Jahren wurde der kleinen Kirche einmal Gewalt angetan, das heißt, es war eine der Figuren in der Kirche, die eines Nachts verunstaltet wurde. All Saints beherbergte eine der wenigen noch erhaltenen Sheela-na-Gig-Figuren, eine kleine Skulptur, die vermutlich schon beim Bau der Kirche an einer Wand angebracht worden war. Diese Sheelas sind weibliche Figuren, die ihre Genitalien auf provozierende Weise dem Kirchenbesucher entgegenstrecken. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was sie bezwecken sollten; möglicherweise waren sie Zeugnisse eines heidnischen Fruchtbarkeitskultes oder sie dienten dazu, den Tod und das Böse fernzuhalten. In einer Nacht im November des Jahres 2014 stieg jemand, mit Hammer und Meißel bewaffnet, in die Kirche ein und zerstörte die kleine Sheela. Gefasst wurde der Vandale leider nicht.

An jedem dritten Sonntag eines Monats findet in All Saints ein Gottesdienst statt, mit wie vielen Besuchern?

Hier ist ein sehr interessanter Film über die Kirche und hier ein Flug mit einer Drohne über All Saints.

Die Sheela-na-Gig bevor sie zerstört wurde.
Author: Doug Thompson, Steyning.
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Eine noch gut erhaltene Sheela in der Kirche St Mary and St David in Kilpeck (Herefordshire).
Author: Pryderie
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Published in: on 19. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Von Kirchen-, College- und anderen bemerkenswerten Katzen

Die Kirchenkatze von St Winifred’s in Branscombe (Devon).
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Im vorigen Jahr schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch der Kirche von St Mary’s in Painswick in Gloucestershire, bei dem ich auch das kleine Grab von Tilly, der Kirchenkatze aufsuchte. Es kommt gar nicht so selten vor, dass sich Katzen eine Kirche oder eine Kathedrale als ständiges Domizil auswählen, wo sie dann von der Gemeinde und den Kirchenbediensteten wohlgelitten sind. Ich berichtete bereits über Tom, der sich St Mary Redcliffe in Bristol ausgesucht hatte und über Tiddles, der Kirchenkatze von St Mary’s in Fairford in Gloucestershire.

St Edmundsbury, die Kathedrale von Bury St Edmunds, hatte gleich ein Katzenpärchen namens Daisy und Lazarus, das viel Platz zum Strolchen hatte, denn neben der Kathedrale liegen die Wiesen mit den Ruinen der ehemaligen Benediktinerabtei. Kim lebte in der Lichfield Cathedral in Staffordshire, Olsen und Hansen in der Chester Cathedral in Cheshire und Pushkin hieß die Katze, die sich St Peter and St Paul in Pickering in North Yorkshire ausgesucht hatte.

Richard Surman hat sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt und die Bücher „Church Cats„, „Cathedral Cats“ und „Cloister Cats“ veröffentlicht. Aus seiner Feder stammt auch das Buch „College Cats of Oxford & Cambridge„, denn nicht nur Kirchen, auch die alten Gebäude, in denen die Colleges der beiden Städte untergebracht sind, haben für Katzen eine gewisse Anziehungskraft. Das Hertford College in Oxford beherbergt zum Beispiel seit vielen Jahren Katzen, die alle den Namen Simpkin tragen, aber nicht voneinander abstammen. Seit Januar 2018 ist Simpkin Nummer 4, die gehegte und gepflegte Katze des Colleges, die keine schöne Kindheit hatte, aber nun einen idealen Platz gefunden hat und das Hertford College mäusefrei hält.

Caiaphas war die Katze im St John’s College in Cambridge, benannt nach dem Hohepriester im Johannes-Evangelium (= Gospel of John im Englischen).

Sir Winston Churchill war ein großer Katzenliebhaber, und so bewohnte stets eine Katze seinen Privatwohnsitz Chartwell in Kent. Als das Haus zum National Trust überging, bat Churchills Familie darum, dass in Chartwell immer eine Katze sein sollte, was der N.T. auch berücksichtigte. Jock Nummer 6 ist der aktuelle Mäusejäger auf dem Landsitz.

Auch über „Country House Cats“ hat Richard Surman ein Buch geschrieben. Er ist die Autorität in Sachen „Katzen in historischen Gebäuden“.

Tillys Grab in St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Eine Tür der Kathedrale von Exeter, die extra einen eigenen Eingang für die Kirchenkatze hat.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 18. Mai 2020 at 02:00  Comments (1)  

St Bride’s Church in der Londoner Fleet Street – Sir Christopher Wren, eine Hochzeitstorte und ein Blitzableiter

Welche Londoner Kirchen hat Sir Christopher Wren nach dem Großen Feuer von 1666 eigentlich nicht wieder erbaut? Er muss ein außerordentlich fleißiger Architekt gewesen sein. Auch die den Flammen zum Opfer gefallene Kirche St. Bride’s an der Londoner Fleet Street baute Wren wieder auf und diese wurde später, da sie im Zentrum der englischen Pressewelt lag, zum „spiritual home of the media„.

St.Bride’s ist mit 69 Meter Höhe eine der höchsten Londoner Kirchen und der Turm erinnert sehr stark an … ja, eine Hochzeitstorte. Der Konditor William Rich, der auf dem Ludgate Hill lebte und jeden Tag von seiner Küche aus auf den Turm von St. Bride’s blickte, hatte die Idee, eine in Auftrag gegebene Hochzeitstorte nach diesem (mehrschichtigen) Turm zu gestalten, mit großem Erfolg, denn noch heute zählt so eine Hochzeitstorte zu den Highlights jeder Feier.

Einen weiteren schwarzen Tag in ihrer Geschichte erlebte St. Bride’s am 29. Dezember 1940, als sie während des London Blitz schwer getroffen wurde. Dank des Einsatzes einiger Zeitungsmagnaten und zahlreicher Journalisten wurde die Kirche erneut aufgebaut, und sie wird nun hoffentlich lange unversehrt stehen bleiben (hier ist ein Film über die Neueröffnung 1957).

Die britische Gruppe Jethro Tull um den legendären Ian Anderson hat in der Kirche mehrere Konzerte gegeben, zum Beispiel zu Weihnachten 2008 und die CD „Christmas at St Bride’s 2008“ kann man im Shop der Kirche erwerben. Hier ist ein Auftritt aus dem Jahr 2012 zu sehen.

Was gibt es noch über die Kirche zu berichten? Samuel Pepys, der berühmte Tagebuchschreiber (und Bloggerkollege von mir…) wurde hier 1633 getauft.

1764 kam es zu einem Streit zwischen Benjamin Franklin und König Georg III über die Kirchturmspitze von St. Bride’s, die von einem Blitz getroffen und auf einmal 2,40m kürzer war. Es ging um den Blitzableiter, der dort jetzt installiert werden sollte. Benjamin Franklin wollte ihn spitz zulaufend haben, während der König ein stumpfes Ende haben wollte. Die Presse mokierte sich über den Streit mit der Schlagzeile „A sharp witted colonist against a good, honest, blunt King George“.

Hier ist ein Film über St Bride’s.

 

Published in: on 7. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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St Bertoline’s und das Barthomley Massacre im Jahr 1643

Auf diesen Turm von St Bertoline’s hatten sich die Parlamentarier geflüchtet.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Saint Bertoline ist einer jener obskuren Heiligen, die heute kaum noch jemand kennt. Er soll im 8. Jahrhundert gelebt haben, etwa dort, wo heute die Stadt Stafford steht. Wer sich für ihn interessiert, der findet seinen Schrein und seine sterblichen Überreste in der Church of the Holy Cross in Ilam in Staffordshire.

Die Dorfkirche in Barthomley, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, ist nach dem Heiligen benannt worden (da hatte mal jemand Fantasie gehabt und wollte die Kirche nicht schon wieder St Mary, St Peter oder All Saints nennen). Der Ort liegt ganz in der Nähe der Autobahn M6, südöstlich von Crewe. Direkt neben der Kirche ist ein sehr attraktiver Pub namens The White Lion.

Den Weihnachtsabend des Jahres 1643 hatten sich die Bewohner von Barthomley eigentlich anders vorgestellt: Es war mitten im Bürgerkrieg, als sich die Royalisten und die Parlamentarier gegenseitig die Schädel einschlugen. Es hatte sich unter den Royalisten in Cheshire herumgesprochen, dass in dem Dörfchen Barthomley Parlamentarier wohnten und denen wollte man baldmöglichst auf den Pelz rücken. Unter dem Kommando von Lord Byron (nicht der Dichter) zogen sie nach Barthomley, wo sich die 20 Cromwell-Anhänger auf den Turm von St Bertoline’s geflüchtet hatten, in der Hoffnung, dort oben halbwegs sicher zu sein. Sie hatten sich darin aber getäuscht, denn die Königstreuen entzündeten in der Kirche ein Feuer, um die Rebellen auszuräuchern. Das gelang ihnen auch; hustend hasteten die Männer vom Turm herunter und wurden von den mordgierigen Royalisten in Empfang genommen. Zwölf wurden auf der Stelle exekutiert, die anderen acht schwer verwundet. Unklar geblieben ist, ob den Parlamentariern auf dem Turm freies Geleit versprochen worden ist, wenn sie sich ergeben würden, und diese darauf nicht eingegangen sind. Wie auch immer, sie wollten dort oben auf St Bertoline’s nicht gegrillt werden und so kamen sie vom Regen in die Traufe.
Einer der Königstreuen, der mit seinem Schwert mehrere Männer umgebracht haben soll, John Connaught, wurde elf Jahre später vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Man hängte ihn am Ortsrand von Chester auf.

Seit jenem verhängnisvollen Tag zur Weihnachtszeit von 1643 ist bis heute wieder Ruhe in Barthomley eingekehrt. St Bertoline’s gibt es noch immer, doch leider hat der Coronavirus auch hier dafür gesorgt, dass die Gottesdienste bis auf weiteres ausfallen und die Kirchentore geschlossen bleiben.

Der Schriftsteller Alan Garner hat die Geschichte von dem Massaker in seinen Roman „Red Shift“ (dt. „Rotverschiebung) eingebaut, der 1973 erschien und auch unter dem selben Titel verfilmt wurde (hier ist der Trailer).

Dieser Film zeigt Barthomley, die Kirche und die Umgebung des Dorfes.

St Bertoline’s.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Der hübsche White Lion direkt neben der Dorfkirche.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – Der Architekt George Basevi und sein Grab in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire)

George Basevi (1794-1845) war ein Architekt, der bei dem berühmten Sir John Soane in die Lehre gegangen war. Seine wohl berühmtesten Werke sind der Belgrave Square in London, der zwischen 1825 und 1841 entstand, und in Cambridge das Founder’s Building des Fitzwilliam Museums, das zwischen 1837–1843 gebaut wurde. George Basevi war im ganzen Land unterwegs und erwarb sich einen hervorragenden Ruf.

Am 16. Oktober 1845 starb der Architekt im Alter von nur 51 Jahren auf ungewöhnliche Weise. Basevi überwachte Bauarbeiten in der Kathedrale von Ely in Cambridgeshire, darunter auch Restaurationsarbeiten auf dem 66 Meter hohen West Tower. Er muss für einen kleinen Moment unachtsam gewesen sein, denn er übersah ein Loch im Boden der Glockenstube und stürzte in die Tiefe. Eine andere Variante sagt, dass er von einem Baugerüst auf dem Westturm herabgestürzt sei.

Basevi fand seine letzte Ruhestätte in der riesigen Kathedrale im nördlichen Chorgang, bedeckt von einer in den Boden eingelassenen Messingplatte. Die schöne farbige Platte zeigt den Architekten, der in der rechten Hand die Baupläne für das Fitzwilliam Museum hält. Der Schriftzug, der Basevi einrahmt, beschreibt wie er in der Kathedrale zu Tode kam. Angefertigt hat die Grabplatte John Green Waller, der sich auf Glasmalerei und die Gravierung von Messingplatten spezialisiert hatte.

Für einen Architekten ist die Kathedrale von Ely sicher nicht der schlechteste Platz, um auf seine Wiederauferstehung zu warten.

Man kann im Rahmen einer der Tower Tours (£16.50) in die luftige Höhe der Kathedrale hinaufsteigen, sollte aber auch in der Lage sein, sehr viele Stufen zu erklimmen.

Der Westturm der Kathedrale von Ely.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Chapel of Our Lady auf der Rotherham Bridge in Rotherham (South Yorkshire)

Die Bridge Street in Rotherham (South Yorkshire) führt über den River Don; auf der einen Seite der Rotherham Bridge steht der Bridge Inn und auf der anderen Seite The Chapel of Our Lady, eine von nur noch sechs erhaltenen Brückenkapellen in England. Um das Jahr 1483 herum wurde die Brücke gebaut, die auf der damals viel benutzten Route von London nach Richmond in North Yorkshire lag. Die Kapelle wurde kurz darauf hinzugefügt, wohl um Reisenden die Gelegenheit für eine kurze Andacht zu geben. Schon im nächsten Jahrhundert diente die Kapelle nicht mehr religiösen Zwecken, sondern wurde als Gefängnis genutzt. Es gibt eine Geschichte, dass für kurze Zeit Maria Stuart hier eingesperrt war, doch diese Story beruht auf tönernen Füßen, Beweise dafür gibt es nicht.

Am 4. Mai 1643, während des Bürgerkriegs, fand auf der Rotherham Bridge eine Schlacht statt, und wenn man genau hinsieht, kann man an den Außenwänden der Kapelle noch kleine Kerben und Dellen sehen, die von den Kampfhandlungen zeugen.

Die Chapel of Our Lady wechselte noch einige Male ihren Verwendungszweck. Im 18. Jahrhundert wurde die Kapelle in ein Armenhaus umfunktioniert und 1888 zog ein Tabakwarenhändler ein, der auf der Brücke seine Waren feilbot. Anfang des 20. Jahrhunderts musste die Kapelle dringend restauriert werden, denn der Zahn der Zeit hatte deutlich an ihr genagt. 1924 waren die Arbeiten fertig und Our Lady sah wieder richtig gut aus. 1975 bekam sie sogar noch ein Fenster mit einer sehr schönen Glasmalerei.

Heute kümmern sich die Friends of Rotherham Chapel on the Bridge um die Erhaltung der Kapelle, die nur dienstags für  besondere Anlässe wie Taufen und Hochzeiten geöffnet wird.

Dieser Film zeigt Our Lady auch von innen.

St Mary Aldermanbury – Eine Londoner Kirche und ihr Umzug nach Missouri in den USA

Hier stand einmal St Mary Aldermanbury.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Ich habe einmal in einem Hotel in Lake Havasu City, im äußersten Westen des US-Bundesstaates Arizona übernachtet, das nur wenige Schritte von der London Bridge entfernt stand. 1968 wurde die Brücke von einem reichen amerikanischen Unternehmer gekauft, Stein für Stein in London abgetragen und in Arizona wieder aufgebaut. Neben der Brücke wurde noch ein Einkaufszentrum im Tudor-Stil errichtet. Es war schon etwas merkwürdig, in Arizona plötzlich mit einem Stück London konfrontiert zu werden.

Ähnlich erging es einer Londoner Kirche. St Mary Aldermanbury wurde 1666 von der großen Feuersbrunst zerstört, anschließend von Sir Christopher Wren wieder aufgebaut. Dann stand die Kirche einige Jahrhunderte lang friedlich im Zentrum Londons, bis sie 194o bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe erneut komplett zerstört wurde. Dieses Mal wurde die Kirche nicht wieder aufgebaut, aber die verbliebenen Reste wurden 1966 in die Stadt Fulton im US-Bundesstaat Missouri transportiert und dienten dort, auf dem Gelände des Westminster Colleges, zum Aufbau einer neuen Kirche, die den Namen St Mary the Virgin Aldermanbury trägt.

Wie kam es dazu? Sir Winston Churchill hatte in einer Rede im Westminster College in Fulton, Missouri, am 5. März 1946 seine berühmte Iron Curtain„-Rede gehalten, in der er den Begriff „Eiserner Vorhang“ prägte. 1969 entstand auf dem Campus zu Ehren des britischen Staatsmannes das National Churchill Museum.

Glücklicherweise wurde das Gelände, auf der St Mary Aldermanbury in London stand, nördlich der Guildhall, nicht mit Bürohäusern überbaut. Stattdessen wurden hier Bäume und Büsche angepflanzt und es steht hier auch ein Denkmal, auf dem die Büste Shakespeares zu finden ist, in Erinnerung an John Heminges und Henry Condell, zwei Zeitgenossen des Dichters, die maßgeblich an der Herausgabe von Shakespeares Folio beteiligt waren. Heminges und Condell lebten in der Gemeinde St Mary Aldermanbury und wurden hier auch begraben.

Seine letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof von St Mary Aldermanbury fand auch der berühmt-berüchtigte „Hanging Judge“ George Jeffreys, der am 18. April 1689 in London starb.

Das Buch zum Artikel:
Christian E. Hauer & William A, Young: Comprehensive History of the London Church and Parish of St.Mary, the Virgin, Aldermanbury – The Phoenix of Aldermanbury. Edwin Mellen Press 1994. 456 Seiten. ISBN 978-0773493902.

Diese Plakette auf dem ehemaligen Gelände von St Mary’s zeigt wie die neue Kirche in Fulton, Missouri, aussieht.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die Shakespeare-Büste.
Author: Lonpicman.
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Published in: on 25. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Mary’s Church in Bungay (Suffolk) und eine gruselige Geschichte, die sich hier am 4. August 1577 ereignet haben soll

St Mary’s in Bungay (Suffolk).
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Nun habe ich schon 3400 Einträge in meinem Blog und den Black Shuck nur ein einziges Mal kurz erwähnt (hier ist der Link); das wird sich heute ändern. Schon seit Jahrhunderten bis zum heutigen Tag gibt es Menschen, die, vor allem in East Anglia, einen riesigen schwarzen Hund gesehen haben wollen, dem man den Namen Black Shuck gegeben hat, was soviel wie „Schwarzer Teufel“ bedeutet. Vielleicht hat Black Shuck einmal einen Abstecher ins Dartmoor gemacht und wurde dort als „The Hound of the Baskervilles“ bezeichnet…

Die Menschen fürchteten sich vor diesem Phantomhund, dessen feuersprühende Augen weit und breit Terror verbreiteten. Am 4. August 1577, einem Sonntag, schlug Black Shuck zu und zwar zuerst in der Kirche St Mary’s in dem kleinen Städtchen Bungay in Suffolk. Es herrschte an diesem Morgen ein grässliches Unwetter mit Blitz und Donner, trotzdem hatten sich die Gemeindemitglieder in St Mary’s versammelt. Plötzlich stürmte während des Gottesdienstes ein riesiger schwarzer Hund in die Kirche, rannte den Mittelgang hinunter, tötete einen Mann und einen Jungen und während dieses Höllenszenarios stürzte auch noch der Kirchturm ein und fiel durch das Dach ins Kircheninnere. Dieser Sonntag war in Bungay gelaufen, um es mal etwas flapsig auszudrücken. Doch Black Shuck war mit seinen Missetaten noch nicht zufrieden: Er rannte weiter nach Blythburg (Suffolk), ca 19 Kilometer von Bungay entfernt, und drang in die Kirche Holy Trinity ein, wo er ebenfalls Gemeindemitglieder tötete und verletzte. An einer der Kirchentüren sind noch heute Kratzspuren zu sehen, die vom Black Shuck stammen sollen.

In Bungay und Umgebung finden sich bis heute Spuren, die auf die Bedeutung dieses Hundes hindeuten. Auf dem Stadtwappen von Bungay ist zum Beispiel ein schwarzer Hund mit roten Augen abgebildet, der auf einem Blitz zu stehen scheint. Auf dem Marktplatz der Stadt hat man auf einem Laternenpfahl ebenfalls ein Konterfei des Black Shucks angebracht. Der örtliche Fußballverein, der Bungay Town Football Club, nennt sich auch The Black Dogs.

St Mary’s in Bungay gibt es zwar noch, die Kirche wird aber nicht mehr für Gottesdienste genutzt; der Churches Conservation Trust kümmert sich um sie. In Holy Trinity in Blythburg dagegen finden nach wie vor Gottesdienste statt.

Das Kircheninnere von St Mary’s.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Der Black Shuck auf einer Straßenlaterne auf dem Marktplatz von Bungay.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Holy Trinity in Blythburg (Suffolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Matthew’s in Bethnal Green (London) – Die „Unterwelt-Kirche“

St Matthew’s im Londoner East End, im Stadtteil Bethnal Green, steht in einer kleinen Parkanlage an der Straße St Matthew’s Row. Die ursprüngliche Kirche wurde in den Jahren 1743-46 gebaut und von dem Architekten George Dance the Elder entworfen. Zweimal erlitt St Matthew’s schwere Schäden, einmal 1859 durch eine Feuersbrunst und dann im Zweiten Weltkrieg durch abgeworfene Brandbomben. 1961 war die Kirche wieder soweit hergestellt, dass Gottesdienste abgehalten werden konnten.

Bethnal Green ist ein Teil von London, in dem Gangsterbanden zuhause waren, und der Ruf des Stadtteils war nicht der beste. Einer der ersten Gangsterbosse von Bethnal Green war Joseph Merceron (1764-1839), eigentlich ein einflussreicher Geschäftsmann, der aber korrupt und betrügerisch war. Als er 1839 starb, fand seine von 30 000 Menschen besuchte Begräbnisfeier in St Matthew’s statt. Von da an sollten sich noch weitere Gangster diese Kirche für ihre Trauerfeiern aussuchen.

Die berühmtesten aller Gangster Londons waren die Kray-Zwillinge Ronnie (1933-1995) und Reggie (1933-2000), die ein strenges Regiment im East End führten. Ihre Gang, „The Firm“, mordete, raubte, legte Brände und erpresste Schutzgelder. Die beiden Zwillings-Gangsterbosse verkehrten in der besten Londoner Gesellschaft und waren auch mit Frank Sinatra und Judy Garland befreundet. Am 8. Mai 1968 wurden beide verhaftet und ein Jahr später zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Als erster starb Ronnie Kray im Jahr 1995 und seine Trauerfeier in St Matthew’s war eine grandiose Angelegenheit, die größte Trauerfeier seit Winston Churchill zu Grabe getragen worden war. Die Sargträger waren vier Unterweltgrößen, darunter auch Charlie Kray, ein Bruder der Zwillinge. Reggie durfte an der Feier teilnehmen, war aber mit Handschellen an eine Polizistin gekettet. Hier sind Bilder von der Trauerfeier.

Charlie Kray starb am 4. April 2000 und auch sein „funeral“ fand in St Matthew’s statt wie das seines Bruders Reggie, der ein halbes Jahr später starb und dessen Trauerzug von Tausenden von Menschen besucht wurde (hier ist ein Film darüber). Es ist schon erstaunlich, dass notorische Verbrecher in der Bevölkerung so viel Bewunderung erfahren konnten.

Es sollte noch eine weitere Gangster-Trauerfeier in St Matthew’s geben, die von Tony Lambrianou, einem engen Vertrauten der Kray Twins, der im März 2004 das Zeitliche segnete. Dieser Film zeigt den Trauerzug.

Im Inneren von St Matthew’s.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Die St Lawrence Church in West Wycombe (Buckinghamshire) – Die Kirche mit der goldenen Kugel

Eigenes Foto.

Was wäre der kleine Ort West Wycombe in Buckinghamshire heute ohne Sir Francis Dashwood, der von 1708 bis 1781 lebte? Ein eher unbedeutendes Dorf an der A40.
Sir Francis Dashwood, Politiker und Parlamentsmitglied, ließ die sogenannten Hell Fire Caves ausheben, erbaute das Dashwood Mausoleum oberhalb von West Wycombe, in dem die Urnen mit der Asche der Dashwood-Familienmitglieder untergebracht sind und zeichnet verantwortlich für die goldene Kugel, die auf dem Turm der St Lawrence Church angebracht ist.

Dashwoods berühmt-berüchtigter Hellfire Club traf sich in den Höhlen und dort sollen satanische Rituale und Orgien stattgefunden haben. Die Hell Fire Caves unterhalb der Kirche sind zu besichtigen.

Sir Francis ließ 1763 die St Lawrence Church umbauen; er gab ihr im Inneren ein gewisses italienisches Flair, ließ den Turm erhöhen und setzte eine goldene Kugel darauf. The Golden Ball, dessen Hülle wirklich aus Gold besteht, ist hohl und bietet darin Platz für etwa 6 bis 8 Personen, die über eine Treppe im Turm durch eine Klappe in die Kugel einsteigen konnten.  Sir Francis soll sich darin mit anderen Hellfire Club-Mitgliedern getroffen haben. Auch hat man von dort oben aus mit Hilfe von Spiegeln und dem Sonnenlicht mit anderen Stellen kommuniziert.
Der Namensgeber der Kirche, der Heilige Lawrence, war übrigens der Schutzheilige der Prostituierten, was nicht ganz ohne Witz war, denn es hieß, dass damals Prostituierte, als Nonnen verkleidet, bei den Treffen des Hellfire Clubs eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Die Kirche gehört heute dem National Trust, man kann sie besichtigen und gegen eine Gebühr den Turm hinaufsteigen, um The Golden Ball von der Nähe aus zu betrachten, das geht allerdings nur am Sonntagnachmittag in der Zeit von Ostern bis Ende September.

Man kann mit dem Auto über ganz schmale Straßen bis oben auf den Hügel fahren, um sich die Kirche von der Nähe aus anzusehen. Oben ist ein großer, aber unbefestigter Parkplatz, der bei feuchtem Wetter schnell mit großen Pfützen übersät ist, sodass mein Auto bei einem Besuch vor einigen Tagen mich anschließend dringend um eine Wäsche bat.

Dieser Film zeigt die Kirche von außen und von innen, mit einem wunderschönen Schwenk über die Landschaft oben vom Turm.

Church of St Lawrence
Church Lane
West Wycombe Hill
Bucks
HP14 3AP

Das Buch zum Artikel:
Eric Towers: Dashwood – The Man and the Myth. Life and Times of the Hell Fire Club’s Founder. Aquarian Press 1986. 256 Seiten. ISBN 978-0850304275.

The Golden Ball.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Jemmett

Published in: on 18. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mit Speck fängt man Mäuse oder Wie man in Rochester (Kent) versucht, durch Minigolf Menschen in die Kathedrale zu ziehen

Rochester Cathedral.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Der Mitgliederschwund in der anglikanischen Kirche ist dramatisch. Seit dem Jahr 2002 hat sich die Mitgliederzahl halbiert und nur noch 14% identifizieren sich mit der Church of England (2002 waren es 31%). Der katholischen Kirche geht es auch nicht besser, dort sind es nur 8%, die mit ihr sympathisieren. Bei den jungen Erwachsenen ist es noch schlimmer: Nur noch 2% von ihnen haben irgendeine Beziehung zur anglikanischen Kirche.

Wie soll man diesen Abwärtstrend stoppen? In der Charles-Dickens-Stadt Rochester in Kent kam man jetzt auf die (verzweifelte?) Idee, in der Kathedrale eine Minigolfanlage zu installieren. Im Kirchenschiff findet man dort eine 9-Loch-Anlage, auf der jeweils unterschiedlich geformte Brücken als Hindernisse dienen. Entworfen und bezahlt wurde die Anlage vom Rochester Bridge Trust, der sich um die Brücken der Stadt kümmert.

Die Idee des Rochester Cathedral Crazy Golf ist, dass junge Familien mit ihren Kindern in die Kirche kommen und durch die Brücken auf der Minigolfanlage angeregt werden, über die Brücken nachzudenken, die man in seinem eigenen Leben und in der heutigen Gesellschaft bauen muss. Ich habe meine Zweifel daran, ob das wohl gelingen wird… Zweifel, die auch viele Kirchenoberen der Church of England haben und die dieses Projekt alles andere als gut finden. Mit Hilfe von Minigolf zu Gott zu finden, ist schon eine etwas abwegige Idee.

Hier ist ein Film über das Kathedralengolf.

Auch in anderen Kirchen Englands versucht man, auf unkonventionellen Wegen Menschen in die Gotteshäuser zu holen. In der Kathedrale von Norwich hat man ein 17 Meter hohes Helter Skelter installiert, eine spiralförmige Rutschbahn, und Yogamatten ausgelegt, von denen man aus liegend die Deckengewölbe betrachten kann.

Das Kirchenschiff, noch ohne Minigolf.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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St Andrew’s in Stoke Dry (Rutland) – Eine Kirche, in der sich die Gunpowder Plot-Verschwörer getroffen haben sollen

Es gibt zwar eine Main Street in Stoke Dry in der kleinen Grafschaft Rutland, doch der Name klingt großartiger als die Straße ist, denn hier reihen sich lediglich eine Handvoll Häuser aneinander. In diesem abgelegenen Landstrich Englands haben wohl noch nie mehr als hundert Menschen gelebt. Das herausragendste Gebäude an der Main Street, die hinunter zum Ufer des Eyebrook Reservoirs führt (hier wurden im Zweiten Weltkrieg die Angriffe auf die Talsperren in Nordrhein-Westfalen und Hessen geübt), ist die Dorfkirche, die St Andrew geweiht ist. Besonders stolz ist man in Stoke Dry auf die mittelalterlichen Wandmalereien, die die Kirche schmücken. Es gibt im Inneren einige Grabmäler der Familie Digby, der im 16. Jahrhundert hier große Ländereien gehörten. Hier liegen zum Beispiel Kenelm Digby und seine Frau auf einem Marmorgrab; sie sind die Großeltern von Sir Everard Digby (1578-1606), der in der englischen Geschichte eine unrühmliche Rolle spielte. Zusammen mit einigen katholischen Gleichgesinnten hatte er sich den Gunpowder Plot ausgetüftelt, durch den bei der Parlamentseröffnung am 5. November 1605 der protestantische König James I., seine Familie und alle Parlamentarier in London in die Luft gesprengt werden sollten. Wie man weiß, klappte das Attentat, das Guy Fawkes durchzuführen versuchte, nicht und alle Verschwörer wurden auf die grausamste Weise exekutiert.

Zurück zu St Andrew’s in Stoke Dry. Dort gibt es einen kleine Raum über dem nördlichen Kirchenportal, in dem sich die Verschwörer getroffen haben sollen, um das Attentat zu planen. Ob das stimmt, ist historisch nicht gesichert. Egal, man kann den Raum besichtigen, allerdings ist er nur über eine schmale, steile Treppe zu erreichen und man muss schon den Kopf einziehen, um nicht an die niedrige Decke zu stoßen. Dann kann man sich der Vorstellung hingeben, dass hier (möglicherweise) eine historische Tat geplant worden ist.

Ach ja, St Andrew’s hat auch eine unheimliche Seite. In jenem oben erwähnten Raum hielt ein ehemaliger Geistlicher in den 1640er Jahren eine Frau gefangen, die angeblich eine Hexe gewesen sein soll. Die Schreie der Gefangenen blieben ungehört bis sie schließlich vor Hunger starb. Ihre Schreie bzw. ihr irres Gelächter will man mehrfach in St Andrew’s gehört haben, vornehmlich bei Begräbnisfeierlichkeiten.

Wandmalerei in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Kenelm Digby und seiner Frau.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Der Gunpowder Plot Room (?) in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Eyebrook Reservoir.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Agapemoniten – Eine skurrile, religiöse Sekte, die im ländlichen Somerset gegründet wurde

Die Agapemone Chapel. Hier in Four Forks bei Spaxton in Somerset hatte sich die Sekte niedergelassen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Agapemoniten, das klingt wie der lateinische Name für irgendwelche Urzeittierchen; stimmt aber nicht, das war ein Name, den sich Reverend Henry Prince 1846 ausgedacht hatte und was soviel wie „Heimstätte der Liebe“ bedeutet. Der Reverend hatte sich mit der anglikanischen Kirche in die Haare gekriegt, weil er behauptete er sei der Messias, was wiederum die Church of England gar nicht lustig fand. Also ging der Reverend seiner eigenen Wege und gründete in dem kleinen Dorf Spaxton (genauer gesagt in Four Forks) im ländlichen Somerset seine eigene Kirche. Warum auch immer fand der selbsternannte Messias eine ganze Menge Anhänger, besser gesagt Anhängerinnen, die sich wie 120 Jahre später im Fall Charles Manson in Kalifornien, um ihn scharten.

Da gab es einmal die älteren, wohlhabenden Frauen, die für eine solide finanzielle Basis der Sekte sorgten und die auf dem Anwesen in Spaxton in Cottages wohnten, und dann gab es die jungen hübschen Frauen, die bei dem Reverend im Haupthaus bleiben durften. Und da seine Sektenanhänger ja den netten Namen Agapemoniten trugen, sorgte Prince dafür, dass die „Heimstätte der Liebe“ auch zu einer solchen wurde, indem die jungen Damen das Bett mit ihm teilen durften, was sie wohl auch gern taten. Dass dabei das eine oder andere Kind entstand, störte den Messias nicht.

Vielleicht war es dem Reverend in dem entlegenen Spaxton zu ruhig geworden, denn er übersiedelte mit seiner Fangemeinde Ende des 19. Jahrhunderts nach London, in den Stadtteil Upper Clapton, wo er, jetzt schon über 80 Jahre alt, eine Kirche erbauen ließ, The Ark of Covenant. Das Geld dafür spendeten zwei ältere Damen. 1899 starb Prince im Alter von 88 Jahren.

Seinen Platz nahm schnell ein anderer Reverend ein, der sich als „The Heavenly Bridegroom“ bezeichnete: John Hugh Smyth-Pigott. Auch er sammelte ein Heer von jungen Frauen um sich, denen er im Bett seinen messianischen Segen spendete. London war aber nicht Spaxton, und so regte sich in der Bevölkerung der Stadt Widerstand gegen ihn, daher musste er aufpassen, dass es ihm nicht an den Kragen ging. Sicherheitshalber zog er mit seinen jungen „Bräuten“ zum Gründungsort der Agapemoniten zurück, wo man die Sekte in Ruhe ließ. Nach Smyth-Piggots Tod im Jahr 1927 gab es niemanden mehr, der in die Fußstapfen der beiden abtrünnigen Reverends treten wollte, und so dämmerten die verbliebenen Agapemoniten vor sich hin, bis ihr letztes Mitglied 1956 verstarb.

Im Jahr 2016 geriet die Sekte noch einmal kurz in die Schlagzeilen, als die Urenkelin von Reverend Smyth-Piggott die £1 Million für sich beanspruchte, die der Verkauf der Kirche in Upper Clapton eingebracht hatte, doch ein Gericht sah das anders, und überließ das Geld  Wohlfahrtsorganisationen. In der Kirche in der Rockwod Road ist heute die Georgian Orthodox Church untergebracht.

Das Buch zum Thema:
Aubrey Menen: The Abode of Love: The Conception, Financing and Daily Routine of an English Harem in the Middle of the 19th Century. Penguin 1990. 176 Seiten. ISBN  978-0140123463.

The Ark of Covenant, jetzt die Georgian Orthodox Church in der Rookwood Road in Upper Clapton (London).
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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