Woolfardisworthy in Devon – Ein Ort mit einem langen und kuriosen Namen und sein reicher Gönner

Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

In England gibt es so manchen Ortsnamen, der sich ganz anders spricht als man vermutet. Engländer selbst haben da manchmal auch ihre Probleme. Beispiel: Der Ort Woolfardisworthy im Norden der Grafschaft Devon spricht sich „Woolsery“; hier ist ein Film darüber.

Das Dorf mit seinen etwa 1100 Bewohnern, nicht weit von der A39 gelegen, stand schon einmal im Mittelpunkt einer meiner Blogeinträge; hier befindet sich das Centre for Fortean Zoology.

Dem Dorf ging es in den letzten Jahren nicht gut. Sein Pub The Farmer’s Arms war geschlossen worden, das Manor House nebenan verfiel langsam…und dann kam der rettende Engel, ein Mann namens Michael Birch, der seine Wohltaten über Woolsery (bleiben wir bei der Kurzform) ergoss.

Michael Birch wurde 1970 in Sawston in Cambridgeshire geboren und hatte gemeinsam mit seiner Frau, der US-Amerikanerin Xochi, mehrere IT-Unternehmen gegründet, von denen das in Kalifornien ansässige Bebo am erfolgreichsten war, eine Webseite für soziale Netzwerke. 2008 verkauften die Birchs ihr Unternehmen für 850 Millionen US-Dollar an AOL, was die beiden zu sehr reichen Menschen machte.

Michael Birchs Wurzeln reichen nach Woolsery bis ins 18. Jahrhundert zurück, seine Großmutter wurde im Ort über dem Dorfladen geboren, und als er hörte, dass es dem Dorf nicht gut ging, schritt er ein. Im Jahr 2012 kaufte er den vor sich hin siechenden, geschlossenen Pub und möbelte ihn von Grund auf. Und da er schon einmal dabei war übernahm er auch den Fish and Chip Shop, den Dorfladen samt Poststelle, etliche andere Gebäude und vor allem das Manor House neben der Kirche, das zur Zeit in ein Hotel umgewandelt wird, das über 17 Zimmer und ein Restaurant verfügen wird.

Michael und Xochi Birch haben mit dem Woolsery Project dem Dorf neues Leben eingehaucht. Sie haben neue Arbeitsplätze geschaffen, eine Farm angelegt, die die Restaurants im Ort mit frischen Produkten versorgt, und den Bewohnern einen neuen „spirit“ gegeben; auch muss niemand mehr auf seine Pints im Pub verzichten.

Achtung: Es gibt noch ein weiteres Dorf, das Woolfardisworthy heißt. Es liegt neun Kilometer nördlich von Crediton in Mid-Devon.

Das heruntergekommene Manor House vor der Restaurierung.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Dorfladen und Postamt, ebenfalls vor dem Umbau.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The English Place Name Society – Eine Gesellschaft, die sich der Erforschung englischer Ortsnamen widmet

Hier im Trent Building der Universität von Nottingham ist das Institute for Name Studies untergebracht.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Wer sich wissenschaftlich mit der Herkunft englischer Ortsnamen beschäftigen will, kommt an der „Survey of English Place-Names“ nicht vorbei, einer Publikation der English Place Name Society. 1925 bereits erschien der erste Band, der sich mit der Grafschaft Buckinghamshire beschäftigte. Mittlerweile liegt Band 91 vor, der im Jahr 2016 erschien, mit dem Titel „The Place-Names of Leicestershire Part 7„. Bis zu £45 kostet so eine Publikation, die direkt bei der English Place Name Society, aber auch im Buchhandel erhältlich ist.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1923 von Sir Allen Mawer, der seinerzeit Professor für Englische Sprache an der Universität von Liverpool war. Je nachdem, wo Mawer, beziehungsweise später seine Nachfolger lehrten, zog die Gesellschaft mit und so wanderte sie unter anderem von Liverpool nach London, Reading und Cambridge. Der heutige Sitz der English Place Name Society ist seit 1972 die Universität von Nottingham, wo sie dem Institute for Name‑Studies angegliedert ist. Der momentane Präsident der Gesellschaft ist der Sprachwissenschaftler Professor Richard Coates, der in der Buchreihe „Your city’s place-names“ der Gesellschaft mehrere Bände veröffentlicht hat, zum Beispiel über Bristol und Cambridge.

Neben der „Survey“ publiziert die Gesellschaft noch ein jährlich erscheinendes „Journal“ und Einzeltitel wie beispielsweise „The Church in English Place Names“ oder „English Inn and Tavern Names„.

Wer ein handliches Nachschlagewerk über die Ortsnamen ganz Großbritanniens haben möchte, dem kann ich Adrian RoomsDictionary of Place Names in the British Isles“ empfehlen, das ich selbst seit Jahren verwende.

The English Place Name Society
Institute for Name‑Studies
School of English
University of Nottingham
University Park
Nottingham
NG7 2RD

Foto meines Exemplares.

Published in: on 8. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Christmas Common in Oxfordshire – Ein Dorf und seine Weihnachtsbäume

Photo: Manic Street Preacher.
Creative Commons 2.0

Christmas Common in den Chiltern Hills ist doch ein hübscher Name für ein englisches Dorf. Der kleine Weiler liegt einige wenige Kilometer von Watlington und Thame entfernt, in Oxfordshire an der Grenze zur Nachbargrafschaft Buckinghamshire.

Dreimal hat Christmas Common schon die große Ehre gehabt, den Weihnachtsbaum zu liefern, der vor dem Amtssitz des britisches Premierministers in der Londoner Downing Street No. 10 aufgestellt wird: 2011, 2013 und 2015. Genauer gesagt gebührt diese Ehre der Tree Barn, einer Weihnachtsbaumfarm. Die in Harrogate (North Yorkshire) ansässige British Christmas Tree Growers Association schreibt seit 1999 alljährlich einen Wettbewerb aus, bei dem der schönste Weihnachtsbaum prämiert wird und die Reise in die Downing Street antreten darf. Die letzten fünf Jahre sorgte die Tree Barn für die Dekoration des Baumes des britischen PM. In diesem Jahr lieferte Bishops Offley Christmas Trees aus Staffordshire den Weihnachtsbaum nach London, den Kranz an der Tür von Number 10 kreierte Santa Trees aus Cornwall. Premierminister Rishi Sunak entzündete die Beleuchtung des Baumes erstmalig Ende November diesen Jahres.
Hier ist ein Film über die Christmas Tree Barn plantation in Christmas Common.

Allzu viel gibt es über Christmas Common sonst nicht zu sagen. Das Dorf verfügt über einen sehr hübschen Pub „The Fox & Hounds„, der zu der Brakspear Brewery gehört. In zwei Folgen der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ ist das Dorf kurz zu sehen und zwar in Episode 1 „The Killings at Badger’s Drift“ (dt. „Tod in Badger’s Drift“) und in Episode 22 „Ring Out Your Dead“ (dt. „Glockenschlag zum Mord“).

Wie das Aufstellen und Dekorieren des Weihnachtsbaums vor No. 10 Downing Street vor sich geht, zeigt dieser Film im Schnelldurchlauf.

Die verschneiten Chilterns bei Christmas Common.
Photo: Richard Baker.
Creative Commons 2.0


The Fox & Hounds.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Dezember 2022 at 02:00  Comments (3)  

Der regenreichste Ort Englands liegt in…Seathwaite in Cumbria

Photo © Shaun Ferguson (cc-by-sa/2.0)

In Großbritannien ist es in Schottland mit Abstand am feuchtesten; aber auch in Cumbria im Nordwesten Englands ist es sehr regenreich. Feuchte Luft, die vom Atlantik hereinkommt, regnet sich an den hohen Bergen Cumbrias ab und manchmal, wie am 18. und 19. November 2009, kann das sogar zu Überflutungen ganzer Landstriche führen. Damals wurden Häuser zerstört und mehrere Brücken stürzten ein. Ein Wettersystem hatte sich entwickelt, das feuchtwarme Luft aus der Karibik gegen den Nordwesten Englands schaufelte und dort für 24 Stunden hängen blieb. Die Folge war eine neuer Niederschlagsrekord für ein bewohntes Gebiet in Großbritannien: 31,6 cm Regen fiel innerhalb von 24 Stunden in Seathwaite in Cumbria. Die Bewohner konnten sich sowieso schon rühmen, im regenreichsten Ort ganz Englands zu wohnen, ein etwas zweifelhafter Ruhm. Der Niederschlagsrekord für ein unbewohntes Gebiet liegt übrigens bei 34,1 cm, gemessen am 5. Dezember 2015 am Honister Pass im Lake District in Cumbria.

Seathwaite gehörte früher einmal zu den abgelegensten Dörfern in Cumbria, bis es von den „Fellwalkern“ entdeckt wurde, das sind die Bergwanderer, die von hier aus zum Beispiel zum Scafell Pike, dem höchsten Berg Englands, aufsteigen.

Schon Alfred Wainwright, der berühmteste Fellwalker überhaupt, kam nach Seathwaite, um von hier aus seine Bergwanderungen vorzunehmen, über die er in zahlreichen Büchern ausführlich berichtete.

Auch in England spielt das Wetter manchmal verrückt, so wurde aus dem regenreichsten Ort im April 2011 einer der trockensten in ganz England. In Seathwaite hatte es einen ganzen Monat nicht geregnet und es war so trocken, dass sogar schon von einem Gartenschlauchverbot die Rede war; ein Thema, das es in der Geschichte von Seathwaite noch nie gab.

Published in: on 4. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fordwich in Kent – Großbritanniens kleinste Stadt

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Schon wenn man nach Fordwich in Kent hineinfährt, wird man mit einigen Informationen ausgestattet: Auf dem Ortseingangsschild steht zu lesen, dass wir nun Großbritanniens kleinste Stadt betreten, dass sie eine Patenstadt in Frankreich hat namens Aire Sur La Lys (sie liegt nahe Saint Omer im Pas de Calais und hat 9700 Einwohner) und dass sie einmal zu den Cinque Ports gehört hat.

Die Einwohnerzahl der Ministadt am River Great Stour beträgt rund 380, also wesentlich weniger als die der Partnerstadt auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Die „Verfolger“ auf den Titel „Kleinste Stadt Großbritanniens“ sind Broughton-in-Furness im fernen Cumbria und Manningtree in Essex, doch mit ziemlichem Abstand.

Fordwich diente vor vielen Jahrhunderten einmal als Hafen für Canterbury. König Henry II. verlieh Fordwich 1184 die Stadtrechte, die der Ort 700 Jahre lang behielt. Bei einer Verwaltungs-Reorganisation im Jahr 1886 wurden dann die Stadtrechte aberkannt, doch 1972 bei einer weiteren Umorganisation wieder zuerkannt.

Fordwich darf sich aber noch einer weiteren Besonderheit brüsten: Es besitzt auch das kleinste Rathaus Großbritanniens, 1544 erbaut, in dem sich noch heute der Stadtrat regelmäßig trifft und wo standesamtliche Trauungen stattfinden. Das Rathaus ist im Sommerhalbjahr sonntags für Besucher geöffnet.

Zwei Pubs gibt es in der Stadt: The George & Dragon und The Fordwich Arms, beide am Fluss gelegen. Die Kirche St Mary the Virgin grenzt an den letztgenannten Pub an.

Das Dorf, pardon die Stadt, am östlichen Rand von Canterbury ist einen Besuch wert! Dieser Film zeigt einen längeren Spaziergang durch den Ort.

Fordwich Town Hall.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Fordwich Arms und St Mary the Virgin.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Schriftsteller Joseph Conrad (1857-1924) und Bishopsbourne in Kent

This work is in the public domain

Die Werke des Joseph Conrad (1857-1924), der als Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski geboren wurde, zählen zur Weltliteratur, ob sie aber heute noch viel gelesen werden, mag ich nicht beurteilen. Erhältlich sind sie aber noch im Buchhandel, auch in Deutschland. Das Licht der Welt erblickte er in Berdytschiw, einer Stadt, die heute zur Ukraine gehört, und in der Honoré de Balzac 1850 Ewelina Hanska heiratete.

Joseph Conrad verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in dem kleinen Dorf Bishopsbourne, südlich von Canterbury in Kent, wo er am 3. August 1924 auch starb. Er lebte im Oswalds House, einem zweistöckigen Haus aus dem 18. Jahrhundert, am Frog Lane, das noch immer hier steht, und das durch eine blaue Plakette neben der Eingangstür auf den Schriftsteller aufmerksam macht. Es ist in Privatbeitz und kann nicht besichtigt werden.

An den Autor, der mit Werken wie „Lord Jim“ (dt. „Lord Jim“), „Almayer’s Folly“ (dt. „Almayers Wahn“) und „Heart of Darkness“ (dt. „Herz der Finsternis“) berühmt wurde, erinnert auch der Name der Village Hall in Bishopsbourne, die Conrad Hall genannt und zwei Jahre nach Conrads Tod erbaut wurde. Sie liegt an der Straße mit dem simplen Namen The Street.

Die 1973 in London gegründete Joseph Conrad Society hält die Erinnerung an den Schriftsteller wach, sie veranstaltet jährliche internationale Konferenzen und gibt das zweimal jährlich erscheinende Journal of the Joseph Conrad Society, The Conradian, heraus.

Joseph Conrads Grab sucht man auf dem Kirchhof von St Mary’s in Bishopsbourne vergebens, das liegt auf dem City Cemetery von Canterbury an der Westgate Court Avenue.

Oswalds House.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)
Conrad Hall.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Joseph Conrads Grab auf dem Canterbury City Cemetery.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Sir Frederick Henry Royce (1863-1933), Alwalton in Cambridgeshire und West Wittering in West Sussex

This work is in the public domain 

Jeder Fahrer eines Rolls Royce müsste eigentlich einmal in seinem Leben nach Alwalton in Cambridgeshire fahren, um Sir Frederick Henry Royce, First Baronet of Seaton, einen Besuch abzustatten, ohne den es diese Nobelkarossen nie gegeben hätte. Am 27. März 1863 wurde Frederick Henry in Alwalton geboren, das damals noch in Huntingdonshire, heute in Cambridgeshire, am westlichen Stadtrand von Peterborough liegt. Sein Vater betrieb eine Mühle, die es inzwischen nicht mehr gibt. Getauft wurde der kleine Frederick Henry in der Dorfkirche St Andrew’s, wo eine Tafel an den berühmten Sohn erinnert, dessen Asche hier auch untergebracht ist. Eine Statue hat man ihm in Alwalton nicht errichtet (dafür steht eine Statue von ihm am Rolls Royce Moor Lane in Derby), stattdessen wurde eine Straße nach ihm benannt, die Royce Road. Im benachbarten Peterborough ist das Parkhaus Royce Red Car Park des Queensgate Shopping Centre nach ihm benannt worden…und das war es auch schon. Dort in Alwalton, wo die Royce Road auf die Oundle Street stößt, ist übrigens ein sehr angenehmer Pub zu finden, The Cuckoo.

Ein weiteres Dorf spielte im Leben des Frederick Henry Royce eine große Rolle: West Wittering an der Südküste in der Grafschaft West Sussex (ich berichtete über den Ort in meinem Blog in einem anderen Zusammenhang). Hier lebte und arbeitete er von 1917 bis zu seinem Tod am 22. April 1933. In seinem Studio, Camacha genannt (nach einem Kirchenlied von B. Mansell Ramsay, der 1923 in West Wittering starb) an der Rookwood Road, tüftelte er an neuen Entwicklungen, deren Ergebnisse er an das Rolls Royce-Werk nach Derby übermittelte. Elmstead hieß das Haus in West Wittering in dem er wohnte, und wo er noch in den letzten Stunden bevor er starb, eine Skizze von einem Stoßdämpfer anfertigte. Hier gibt es auch eine nach ihm benannte Straße, den Royce Way.

St Andrew’s in Alwalton.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)
Die Royce Road in Alwalton.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)
Das Studio Camacha in West Wittering.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Plakette am Studio.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0
Der Royce Way in West Wittering.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hampton Gay in Oxfordshire und ein tragisches Eisenbahnunglück am Heiligen Abend des Jahres 1874

Die Ruinen des Hampton Gay Manors.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Von dem Oxfordshire-Dörfchen Hampton Gay ist heute so gut wie nichts übriggeblieben, dabei gab es eine Zeit, als das Dorf es im 19. Jahrhundert durchaus zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte, dank einer dampfbetriebenen Papiermühle, doch als diese in den 1880er Jahren schloss, war es damit vorbei. Das Manor House, das Highlight des Ortes, brannte dann auch noch ab, und das war es dann für Hampton Gay, die Arbeiter der Mühle zogen weg, zurückblieben die St Giles Church, die Manor Farm und die Ruinen des Manor House.

Wir befinden uns in unmittelbarer Nähe von Shipton-on-Cherwell, einem Ort, über den ich in meinem Blog schon vor fast zehn Jahren berichtet habe. Am Heiligen Abend des Jahres 1874 ereignete sich hier bei Hampton Gay ein besonders tragischer Eisenbahnunfall, der 34 Menschen das Leben kostete und bei dem 69 verletzt wurden. Der Zug der Great Western Railway war auf dem Weg von Oxford nach Birmingham; wahrscheinlich wollten die Passagiere Weihnachtsbesuche in Birmingham machen. Bei der Überquerung des Oxford-Kanals passierte es dann, dass der Radreifen eines der Waggons brach, woraufhin zwölf der vierzehn Eisenbahnwagen den Bahndamm hinunter beziehungsweise in den Kanal stürzten. Als die Arbeiter der nahegelegen Papiermühle den Crash hörte, eilten sie sofort zur Unfallstelle, um erste Hilfe zu leisten. 26 Passagiere waren auf der Stelle tot, die anderen starben auf dem Weg ins und im Krankenhaus in Oxford, wohin sie ein Sondereinsatzzug gebracht hatte.

Die Überlebenden des Shipton-on-Cherwell train crashs irrten noch eine Weile geschockt umher und suchten in dem kalten Winterwetter Schutz. Der Besitzer des Manor House soll ihnen diesen Schutz verweigert haben, so heißt es, woraufhin dieser mit einem Fluch belegt worden sein soll. Das Resultat: Das Haus brannte 1887 ab; nur noch die Ruinen erinnern an die besseren Zeiten von damals.

Die St Giles Church von Hampton Gay, in der hin und wieder noch Gottesdienste stattfinden.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Der Oxford-Kanal bei Hampton Gay.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Eine zeitgenössische Illustration des Eisenbahnunglücks.
This work is released into the public domain.
Published in: on 21. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Burnham Market in Norfolk alias Chelsea-by-the-Sea – Hier haben viele wohlhabende Londoner ihren Zweitwohnsitz

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Wo würde man wohl den größten Hutladen in England vermuten? In London, in Manchester? Nein, falsch. „The Hat Shop“ mit einem Angebot von tausenden von Hüten für Damen und Herren, liegt in einem Dorf mit knapp 1000 Einwohnern, in Burnham Market in der Grafschaft Norfolk.

Burnham Market wird gern auch als Chelsea-by-the-Sea bezeichnet, weil es hier zahlreiche Zweitwohnungen gibt, die sich wohlhabende Londoner zugelegt haben. Diese neuen Bewohner, die sich im Laufe der Jahre in dem hübschen Dorf, das zwei Kilometer von der Nordküste Norfolks entfernt liegt, angesiedelt haben, prägen das Ortsbild, das man jetzt sehr wohl als Up-Market bezeichnen kann.
Da gibt es mehrere Galerien wie zum Beispiel Andrew Ruffheads „The Fish and Ships Coastal Art Gallery“, Schönheitssalons, exklusive Designermodeläden, ein Weingeschäft usw.
Am Village Green liegt das elegante Hotel „The Hoste„, eine ehemalige Kutschenstation aus dem 17. Jahrhundert, mit Wellness Spa und anspruchsvollem Restaurant, in dessen Küche der größte AGA-Kochherd der Welt steht.

Da Burnham Market auch als Chelsea-by-the-Sea bezeichnet wird, sind im Straßenbild des Ortes natürlich auch so manche „Chelsea Tractors“ zu sehen wie die hochpreisigen Luxus-SUVs genannt werden wie Range Rovers oder Porsche Cayennes.

Hier ist ein Film über Burnham Market.

The Hat Shop.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
The Hoste.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Dies und das über Littlehampton, einer kleinen Stadt an der Küste von West Sussex

Teil der Littlehampton Bench.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Wenn man auf der A259 von Brighton weiter nach Westen fährt, kommt man an schier endlosen Wohnsiedlungen und Industriegebieten vorbei, was nicht wirklich schön aussieht. Einige Kilometer westlich von Worthing liegt der Badeort Littlehampton mit einer Strandpromenade wie sie bei vielen Engländern beliebt ist: Hier findet man Spielbuden, Minigolfplätze, Andenkenläden und Stände, die Süßigkeiten verkaufen, alles schön laut und bunt.

In Littlehampton kann man auch die längste Bank Großbritanniens bewundern, die sich 324 Meter an  der Promenade entlangzieht und am 30. Juli 2010 eingeweiht wurde. Die Bank, die aus Tausenden von bunten recycelten Holzpfählen besteht und die Platz für 300 Menschen bietet, windet sich um Mauern und Lampenpfosten herum und ist ein kleines Kunstwerk. Von hier aus kann man sich entspannt in den Anblick des Meeres vertiefen.

Neben der Bank gibt es am Strand von Littlehampton noch etwas Besonderes zu bewundern: Das East Beach Café. Der berühmte Architekt Thomas Heatherwick hat dieses außergewöhnliche Gebäude entworfen, das einem Stück Treibholz nachempfunden ist. Zwei Männer haben das Café in neun Monaten gebaut, wobei überwiegend Stahl als Baumaterial verwendet wurde. Seit der Fertigstellung im Juni 2007 hat das East Beach Café über 20 nationale und internationale Design- und Architektur-Preise gewonnen.
Das Café ist das ganze Jahr über geöffnet und man kann hier vom Frühstück bis zum Abendessen alle Mahlzeiten einnehmen und hat dabei einen fantastischen Blick aufs Meer.

In Littlehampton befindet sich auch der Firmensitz der Handelskette für kosmetische Produkte The Body Shop. Die Firma wurde 1976 von Anita Roddick gegründet, die übrigens auch in Littlehampton geboren wurde. The Body Shop hat sich auf seine Fahnen geschrieben, auf Tierversuche zu verzichten und legt Wert auf Fairen Handel. Mit ca 800 Angestellten ist The Body Shop ein wichtiger Arbeitgeber in Littlehampton.

Hier sind Bilder von der längsten Bank Großbritanniens.

Das East Beach Café.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
The Body Shop HQ.
Photo © Chris Shaw (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 9. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sudbury in Suffolk und der Maler Thomas Gainsborough (1727-1788)

Gainsboroughs Geburtshaus, das heute ein Museum beherbergt.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Er wurde in der Stadt Sudbury in der Grafschaft Suffolk geboren, und auch heute noch hat er seine Spuren hier hinterlassen, der weltberühmte Porträt- und Landschaftsmaler Thomas Gainsborough (1727-1788). In seinem Geburtshaus, in der nach ihm benannten Gainsborough Street Nummer 46, ist ein Museum untergebracht, das Gainsborough House, in dem zahlreiche Werke des Malers ausgestellt sind, sowie Briefe, Manuskripte und Dinge aus seinem persönlichen Besitz.

Natürlich wurde für den großen Sohn der Stadt auch ein Denkmal errichtet, am Market Hill, schräg gegenüber vom Black Boy Inn, den es zu seiner Zeit schon gab, und der heute in The Lady Elizabeth umbenannt worden ist. Die Bronzestatue zeigt Thomas Gainsborough mit einer Palette und einem Pinsel in der Hand, als wolle er den Gasthof gerade malen.

Selbstverständlich gibt es in Sudbury auch einen Pub, der nach dem Meister benannt ist, The Gainsborough in der King Street Nummer 7.

Weiterhin finden wir außerhalb von Sudbury auf dem Gelände der Houghton Hall in der Cavendish Road The Gainsborough Health Club & Day Spa. In der Gainsborough Street in Sudbury ist in der Nummer 12 etwas Ähnliches untergebracht, die Gainsborough Thai Massage & Bodywork, und auch ein Bauunternehmen hat sich nach dem Maler benannt, Gainsborough Building Contracts Ltd.

In dem kleinen Dorf Great Cornard, das zu Sudbury gehört, gibt es die Thomas Gainsborough School, die 1973 gegründet wurde. An der Northern Road steht eine Tankstelle mit dem Namen Esso MFG Gainsborough.

Eigentlich müsste das Grab des Males ja auch in Sudbury sein, doch Fehlanzeige, das findet man in London auf dem St Anne Churchyard in Kew, dort, wo die Royal Botanic Gardens jedes Jahr Besucher in Scharen anlocken.

Übrigens: Über Thomas Gainsboroughs exzentrischen Bruder John habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet.

Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Die Statue des Meisters.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Vormals The Black Boy, heute The Lady Elizabeth.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Thomas Gainsboroughs Grab auf dem St Anne Churchyard in Kew.
Photo: Granpic.
Creative Commons 2.0

Barrington in Cambridgeshire – Das Dorf mit dem längsten Village Green Großbritanniens

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Barrington ist ein Dorf in der Grafschaft Cambridgeshire, rund elf Kilometer südwestlich von Cambridge gelegen. Die etwas über 800 Einwohner sind stolz darauf, dass sie das längste Village Green des Landes ihr eigen nennen können; manche meinen auch, dass es das längste Europas sei. Fährt man durch Barrington scheint das Village Green kein Ende nehmen zu wollen; es beginnt an der High Street und zieht sich die ganze Straße West Green entlang. 89 000 Quadratmeter umfasst die gesamte Fläche. Die Häuser am Green sehen sehr hübsch aus, manche sind reetgedeckt.

Was gibt es über Barrington noch zu sagen? Die Dorfschule an der Haslingfield Road, nicht am Village Green gelegen, ist eine der letzten Schulen Englands, die über ein Reetdach verfügt; sie besteht schon seit 1838.
Und dann ist da noch der wunderschöne Dorfpub, The Royal Oak, natürlich auch reetgedeckt. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert; vom Biergarten blickt man direkt auf das endlose Village Green und kann es sich zum Beispiel mit einem Pint Adnams Ghostship gemütlich machen.

Die Dorfkirche heißt All Saints und befindet sich direkt neben der Schule; die ältesten Teile gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Gegenüber von der Kirche ist der Eingang zur Barrington Hall, ein viktorianisches Manor House, dass für Veranstaltungen und Hochzeiten zur Verfügung steht.

Dass es hier in der prähistorischen Zeit ein reiches Tierleben gab, davon zeugen die vielen Knochen von Nashörnern, Elefanten, Löwen und Bären, die gefunden wurden.

Barrington war im Zweiten Weltkrieg der Ort, in dem das sogenannte National Loaf erfunden wurde, eine Art Vollkornbrot. Die Nahrungsmittelchemikerin Elsie Widdowson (1906-2000) hatte das Rezept entwickelt und es wurde erstmals in Barrington gebacken. Im vorigen Jahr hat man sie im Dorf mit einer blauen Plakette geehrt, die an dem Nachbarhaus des heutigen Dorfladens angebracht ist, das früher die Bäckerei beherbergte, die das erste National Loaf gebacken hatte. Elsie Widdowson lebte von 1938 bis zu ihrem Tod in Barrington.

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
The Royal Oak.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Die Dorfkirche All Saints.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Barrington Hall.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

Aylesbury in Buckinghamshire – „The worst place to live in the UK“

Die John Hampden-Statue auf dem Market Place.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Anfang des Jahres veröffentlichte die Webseite http://www.ilivehere.co.uk wieder die Liste der „Top 50 worst places to live in the UK„, eine Umfrage, an der über 110 000 Menschen teilgenommen haben, die ihren jeweiligen Wohnort selbst beurteilten. Bei vielen der genannten Städte überrascht es nicht, vor allem nicht bei den im Norden liegenden. Mit dem Thema habe ich mich in meinem Blog schon mehrfach beschäftigt, indem ich die Buchreihe „Crap Towns“ vorgestellt habe.

Wir haben einen neuen Spitzenreiter, der das zuletzt immer wieder führende Peterborough in Cambridgeshire abgelöst hat, nämlich:

Aylesbury in Buckinghamshire. Die Einwohner der Hauptstadt des wohlhabenden Buckinghamshire haben mit Abstand Aylesbury als die am „unlebenswerteste“ Stadt gewählt. Meine eigenen Erfahrungen decken sich etwas damit, bin ich doch mit meinem defekten Auto zweimal dort liegen geblieben und habe nicht viel Hilfe von den Autowerkstätten erhalten. Nur die beiden Männer vom Royal Automobile Club waren sehr hilfreich, doch die kamen aus Oxfordshire.
Aylesbury hat knapp 60 000 Einwohner, David Bowie hatte eine enge Verbindung zur Stadt, ebenfalls die Band Marillion. Auf dem Market Square steht eine Statue des Politikers John Hampden (1594-1643), der die Stadt im Parlament vertrat, 1964 fand der Prozess gegen die Täter des Great Train Robbery in Aylesbury statt, das sind nur ein paar Dinge, die mir spontan zu der Stadt einfallen, die ich meist bei strömendem Regen erlebt habe.
Bei den Teilnehmern der Umfrage sprechen einige von den Bürgern als loud, obnoxious and dumb“ oder als „trashy citizens„, sie bezeichnen Aylesbury als  sh#t little town„, fühlen sich in ihr nicht sicher und beklagen den immer schlimmer werdenden Verkehr (die unsicherste Stadt Englands ist nach einer Erhebung der Firma Homedit übrigens Harlow in Essex, die sicherste erstaunlicherweise Manchester).

Auf den Plätzen 2 bis 5 liegen die Städte Huddersfield (West Yorkshire), Luton (Bedfordshire), Liverpool (Merseyside) und Peterborough (Cambridgeshire).

Die David Bowie-Statue auf dem Market Place.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Juli 2022 at 02:00  Comments (4)  

Bridlington an der Küste von Yorkshire Teil 1: Meeresfrüchte und die EU

Sonnenaufgang über dem Hafen von Bridlington.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Immer wenn ich den Namen der Stadt Bridlington an der Ostküste von Yorkshire höre, steht vor meinem inneren Auge das Bild des Restaurants The Blue Lobster, ein Seafood Restaurant, in dem ich vor längerer Zeit sehr gute Austern gegessen habe, zu denen Tabasco-Sauce gereicht wurde, was ich in dieser Form nirgendwo mehr gesehen habe. The Blue Lobster existiert nicht mehr, was ich zu meinem Leidwesen bei meinem letzten Besuch in Bridlington feststellen musste; dafür steht an derselben Stelle jetzt ein neues Restaurant mit dem Schwerpunkt Meeresgetier, Salt on the Harbour, am South Pier mit einem sehr schönen Blick auf den Hafen der Stadt. Der Unternehmer-Gastronom Michael Harrison hat  £250,000 in den Umbau des Hauses gesteckt, das im vorigen Jahr eröffnet worden ist. Frischeren Fisch, Hummer, Langusten, Muscheln usw. kann man wohl kaum bekommen als in Bridlington, dem größten Hafen für Meeresfrüchte in ganz Großbritannien. Die Fischer der Stadt freuten sich über die Neueröffnung des Salt on the Harbour, denn ihnen geht es nicht besonders gut, seitdem ihr Land aus der Europäischen Union ausgetreten ist.
Der vermaledeite Brexit macht ihnen zu schaffen. Das alteingessene Familienunternehmen Baron Shellfish musste im vergangenen Jahr schließen; der Eigner Sam Baron wirft der Regierung vor, nicht mit offenen Karten gespielt und die potentiellen Brexit-Folgen für die Fischindustrie heruntergespielt zu haben. Die EU war ein wichtiger Abnehmer der Meeresfrüchte aus Bridlington und sorgte dadurch für sichere Arbeitsplätze hier an der Ostküste. Sam Barons Vater Mick war übrigens der Besitzer des Blue Lobsters.

Kommen wir noch einmal kurz zum Salt on the Harbour zurück. Die Spezialitäten des Restaurants sind der Bridlington Bay Hummer, das Monkfish Saltimbocca, das Surf and Turf (ein Steak mit Riesengarnelen) und das Surf and Surf (ein halber Hummer mit Riesengarnelen).

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch den Hafen und durch die Stadt.

Hummerfangkörbe im Hafen von Bridlington.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Sedbergh – Englands Bücherstadt in Cumbria

Photo © ALAN SOUTHWORTH (cc-by-sa/2.0)

Wales hat sein Hay-on-Wye, Schottland sein Wigtown und England sein Sedbergh, die offiziellen „booktowns“ des Vereinigten Königreichs. Was alle drei gemeinsam haben, sie liegen ziemlich abgelegen, fern von größeren Städten. Die Definition einer Bücherstadt laut der International Organisation of Book Towns: „A Book Town is a small rural town or village in which second‑hand and antiquarian bookshops are concentrated. Most Book Towns have developed in villages of historic interest or of scenic beauty„.

Sedbergh hat knapp 3000 Einwohner, liegt in der Grafschaft Cumbria am Rand des Yorkshire Dales Nationalparks und wird sehr gern von Bücherfreunden aufgesucht, die sich hier mit neuem, aber vor allem gebrauchtem Lesestoff eindecken. Seit dem Jahr 2003 gehört Sedbergh zu den offiziellen Bücherstädten. Das Bücherangebot ist nicht so riesig wie in Hay-on-Wye, aber wir finden einige größere und kleinere Läden mit einem entsprechenden Angebot. Da ist zum Beispiel Westwood Books, die größte Buchhandlung des Ortes, die in einem ehemaligen Kino etwa 70 000 Bücher auf Lager hat. Das Dales and Lakes Book Centre and Howgills Bookshop fungiert gleichzeitig als Touristenbüro der Stadt. Clutterbooks ist ein Second-Hand-Buchladen, dessen Erlöse für wohltätige Zwecke verwendet werden.

Viele andere Geschäfte in Sedbergh bieten Bücher zusätzlich zu ihren eigentlichen Waren an wie der Sleepy Elephant, der in erster Linie Ausrüstung für Wanderer im Angebot hat. Im italienischen Restaurant Al Forno kann man nicht nur Pizza und Pasta essen, sondern auch Bücher über Italien und die Küche des Landes kaufen. Das Haddock Paddock Fish & Chips Cafe and Takeaway bietet neben F&C passenderweise Literatur zum Thema Fischfang, Meer und Fischkochbücher an.

Die Besucher von Sedbergh haben im Ort also die Gelegenheit, Bücher einzukaufen und dabei gleichzeitig zu essen, zu trinken und zu shoppen.

Dieser Film stellt Sedbergh inmitten einer grandiosen Landschaft vor, wobei allerdings das Thema „Bücherstadt“ zu kurz kommt.

Westwood Books
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Das Dales and Lakes Book Centre.
Photo © John Lucas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Parsley, sage, rosemary and thyme“ – Scarborough in North Yorkshire und seine weltbekannte Hymne

Photo © habiloid (cc-by-sa/2.0)

Scarborough ist ein schön gelegener Badeort an der Ostküste von Yorkshire. Besonders schön ist der Blick auf den Ort und das Meer von den Burgruinen, die hoch über der Stadt liegen.
Weltbekannt wurde der Name Scarborough durch das Lied „Scarborough Fair„, dessen Urheber unbekannt sind und das es in unzähligen Versionen gibt. Am bekanntesten ist die Version von Simon & Garfunkel aus dem Spielfilm „The Graduate“ (1967, deutscher Titel „Die Reifeprüfung“) mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft. Hier der Trailer und die Musik mit S&G.

Eine Scarborough Fair, also eine Handelsmesse, gab es tatsächlich in dem Küstenort. Im Mittelalter wurde hier jährlich am 15. August eine 45 Tage dauernde Messe abgehalten, zu der Kaufleute aus ganz England und den skandinavischen Ländern kamen, um Waren zu kaufen und zu verkaufen. 1788 wurde die Fair zum letzten Mal veranstaltet, weil es so viele konkurrierende Messen im ganzen Land gab, dass sie nicht mehr rentabel war.

Was hat es mit dem Lied nun auf sich? Die Wikipedia erklärt es sehr schön:

„Das Lied handelt von einem jungen Mann, der von seiner Freundin verlassen wurde und nun den Hörer auffordert, sie dazu zu bringen, eine ganze Reihe von unmöglichen Dingen zu tun. Zum Beispiel soll sie ihm ein Hemd aus Batist anfertigen, ohne Saum und Näherei, und es dann in einem trockenen Brunnen waschen. Danach wird er sie wieder als seine feste Freundin annehmen“.

Der Refrain „Parsley, sage, rosemary and thyme“ ist symbolisch zu interpretieren. Wort für Wort übersetzt heißt dieser Satz „Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian“ – also eine Liste von Pflanzen, die für den Hörer zunächst keinen Sinn ergiebt. Jedoch hat diese Zeile einen symbolischen Wert. Petersilie wurde früher als Verdauungsmittel gegessen und sollte gleichzeitig die Bitterkeit in der Nahrung entfernen. Mittelalterliche Ärzte benutzten diese Pflanze auch zu einem spirituellen Zweck. Salbei galt schon lange als ein Symbol für Kraft. Rosmarin stellt Treue, Liebe und Erinnerung dar. Heute gibt es in England bei vielen Frauen immer noch den Brauch, Rosmarinzweige in den Haaren zu tragen. Thymian symbolisiert in erster Linie Mut. Zur Zeit, als das Lied geschrieben wurde, trugen Ritter oft Schilde mit einer aufgemalten Thymianpflanze, wenn sie in den Kampf gingen.“

Von den zahlreichen Versionen von „Scarborough Fair“ hier die von Hayley Westenra.

Published in: on 14. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Heydon in Norfolk – Ein Dorf und viele Filmdreharbeiten

St Peter and St Paul.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Location Manager, die für Filmproduktionsfirmen arbeiten, lieben das kleine Dorf Heydon in Norfolk, da es all das bietet, was für Dreharbeiten wichtig ist: Abgeschiedenheit und keine Durchgangsstraßen, so dass die möglichen Störfaktoren überschaubar sind.

Heydon ist eines der Dörfer in England, die sich in Privatbesitz befinden; zwei davon habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie Hambleden in Buckinghamshire und Linkenholt in Hampshire. Es gehört der Familie  Bulwer Long, deren bekanntestes Familienmitglied der Schriftsteller Edward Bulwer Lytton („The last Days of Pompeii“, 1834) war.

Heydon bietet auf engstem Raum ein großes Village Green, neben dem eine sehr schöne Kirche, St Peter and St Paul, umgeben von alten Grabsteinen, steht, einen Dorfpub, den Earle Arms Inn, hübsche Häuser und dann das Manor House, Heydon Hall. Perfekt!

Welche Filme sind nun hier in Norfolk gedreht worden? Die International Movie Database listet neun auf. Da ist zum Beispiel „A Cock and Bull Story“ aus dem Jahr 2005, in dem der Regisseur Michael Winterbottom den Roman „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Lawrence Sterne verfilmt, beziehungsweise sich weitgehend an dem Inhalt des Buches orientiert.

Für die BBC wurde 1996 in Heydon der Wilkie Collins-Roman „The Moonstone“ verfilmt, wobei man auch Heydon Hall mit einbezog. Eine weitere Romanverfilmung war „Riders“ (dt. „Vom Hass getrieben“) aus dem Jahr 1993, da stand Jilly Coopers gleichnamiges Buch Pate. Bereits 1971 hatten die Location Manager Heydon für den Film „The Go Between“ (dt. „Der Mittler“) entdeckt, dessen Drehbuch Harold Pinter geschrieben hatte und in dem Julie Christie und Alana Bates die Hauptrollen spielten.

Das war jetzt nur eine kleine Auswahl an „Heydon-Filmen“, bestimmt werden auch in Zukunft Dreharbeiten hier stattfinden. Hier ist ein Rundgang durch das Dorf im Film.

Das Village Green.
Photo © Jurek and Trish Sienkiewicz (cc-by-sa/2.0)
Earle Arms Inn.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Heydon Hall.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alconbury Weald in Cambridgeshire – Großbritanniens größte geplante Wohnsiedlung

Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Der Luftwaffenstützpunkt RAF Alconbury in der Grafschaft Cambridgeshire wurde kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen und diente sowohl dem britischen als auch dem US-amerikanischen Militär, um von hier aus Einsätze von Bomberflugzeugen zu starten. Auch viele Jahre nach dem Krieg wurde RAF Alconbury noch genutzt, bis schließlich der größte Teil des Geländes verkauft wurde, auf dem eine riesige Wohnsiedlung entstehen sollte beziehungsweise schon entstanden ist, die den Namen Alconbury Weald trägt. Es ist zur Zeit Großbritanniens größtes Bauvorhaben, was Wohnhäuser betrifft. Große Werbeplakate der Baugesellschaften Morris, Hopkins, Crest Nicholson und Redrow preisen ihre Wohnprojekte an der Ermine Street an, die sich an Alconbury Weald entlangzieht.

5000 Häuser sind in der ersten Bauphase geplant, doch es sollen noch weit mehr werden. Es wird geschätzt, dass die komplette Fertigstellung etwa 20 Jahren dauern wird. Es entsteht hier auch ein Gewerbegebiet; die Nord-Süd-Trasse A1 liegt in unmittelbarer Nähe, ebenso die A14, Eisenbahnverbindungen sind in Planung und ein Anschluss an den Cambridge Guided Busway soll ebenfalls erfolgen. Also ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von Firmen.

Eine Grundschule ist bereits eröffnet worden, zwei weitere sollen folgen. Parks und andere Grünflächen, sowie Spielplätze werden in Alconbury Weald integriert. Und wer wieder einmal eine „gewachsene“ Stadt aufsuchen möchte, Oliver Cromwells Geburtsort Huntingdon ist nur wenige Kilometer entfernt und nach Cambridge sind es auch nur rund 35 Kilometer.

Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Village Signs – Histon in Cambridgeshire

Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Histon und Impington sind Doppeldörfer in der Grafschaft Cambridgeshire, die ineinander übergehen, so dass es Bewohner gibt, die sich nicht so ganz sicher sind, ob sie nun Bürger von Histon oder von Impington sind. Beide Orte haben aber ihre eigenen Village Signs, darauf legt man offensichtlich Wert. Wir sehen uns heute das Dorfschild von Histon einmal genauer an, das durch seine besondere Machart ins Auge fällt. Mehrere Handwerker fügten ihre jeweiligen Fähigkeiten zusammen, so dass ein wirkliches bemerkenswertes Schild entstand, das am 2. Februar 1990 feierlich eingeweiht wurde.

Was gibt es nun auf dem Schild alles zu sehen? Da ist eine Erdbeere und ein Erdbeerblatt, die an die Marmeladenproduktion der weltberühmten Firma Chivers erinnern, die in Hinton ansässig war, bis sie in den 1980er Jahren ihren Betrieb einstellte.
Dann sehen wir einen Pferdekopf, der auch mit dem Namen Chivers zusammenhängt. Nach dem Ersten Weltkrieg holte J. Stanley Chivers Percheron-Pferde nach England, eine Pferderasse aus dem Norden Frankreichs, aus einer Region namens La Perche. Die Tiere wurden früher überwiegend als Arbeitspferde eingesetzt, heute mehr und mehr als Dressurpferde.
Weiterhin zeigt das Dorfschild eine stilisierte Kirche, ein Hinweis auf die St Andrew’s Church, und dann kommt die Besonderheit: Ein Mann mit einem Zylinderhut, der einen großen Stein über seinen Kopf hält. Dabei handelt es sich um Moses Carter, The Histon Giant (1801-1860), einen Mann, der über 2,10 Meter groß war und etwa drei Zentner wog. Das Bild nimmt Bezug auf seine größte Tat, Moses trug einmal einen schweren Felsblock durch das halbe Dorf und setzte ihn an der High Street ab, wo der Pub The Boot steht. Der Fels ist noch heute im Garten des Pubs zu sehen. Im Kirchhof von St Andrew’s, in dem Moses Carter beerdigt wurde, errichtete man für ihn 1998 ein Denkmal.

Dann zieren das Village Sign noch einige Enten, die vom örtlichen Duck Pond The Brook, und ganz oben thront noch eine Straßenlaterne. Ein richtig schönes Dorfschild!

Ach so: Histon liegt nördlich von Cambridge, jenseits der A14.

St Andrew’s.
Photo © Kim Fyson (cc-by-sa/2.0)
Hierhin schleppte Moses Carter den schweren Felsbrocken.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)
Der Ententeich The Brook.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Dörfer in Cambridgeshire und ein ehemaliger US-Präsident

St Mary the Virgin in Great Shelford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Great Shelford (über dessen DNA Path ich gestern berichtete) und Stapleford sind zwei Gemeinden in Cambridgeshire, die praktisch ineinander übergehen, so dicht liegen sie beieinander. Im Jahr 2009 haben sich die beiden Dörfer etwas in die Haare gekriegt. Anlass war die Amtsübernahme des US-Präsidenten Barack Obama. Fleißige amerikanische Genealogen haben sich sofort auf familiäre Spurensuche gemacht und sind fündig geworden. Ein Zweig der Obama-Vorfahren kam aus England und zwar aus der Grafschaft Cambridgeshire. Thomas und Ann Blossom hießen diese Ur-Ur….Großeltern, die sich 1629 auf den Weg in die Neue Welt machten und sich in Salem in Massachusetts angesiedelt haben sollen.

Wo kamen die Blossoms denn nun her? Aus Great Shelford meinten die einen, aus Stapleford die anderen. Sie luden Barack Obama sogar ein, bei seinem ersten Besuch in Großbritannien doch einmal bei ihnen vorbeizuschauen. Great Shelford machte einen konkreten Vorschlag: Bei ihrem jährlichen Shelford Feast, das immer im Juli stattfindet, wäre ein Platz für ihn reserviert. Stapleford hingegen schlug vor, dass er an einem Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin teilnehmen sollte. In beiden Dörfern machte man sich auch Gedanken wie der Präsident kulinarisch verwöhnt werden könnte, zum Beispiel mit einem „Yes We Can Flan“ oder einem Currygericht namens „Barack O’Bhuna“ oder einer Käseplatte, die in Form der Stars and Stripes angerichtet war. Great Shelford und Stapleford überboten sich gegenseitig mit fantastischen Ideen…doch Barack Obama kam nicht. Entweder hatte der Präsident keine Zeit oder es interessierte ihn nicht wirklich, ob nun seine Vorfahren aus dem einen oder dem anderen Dorf kamen. Spuren in Form von Grabsteinen der Blossoms sind auf den beiden Kirchhöfen von St Mary the Virgin und St Andrew’s nicht mehr zu finden.

Doch die Bewohner der beiden Dörfer in Cambridgeshire können sich trösten, auch Barack Obamas Nachfolger Donald Trump besuchte nie Kallstadt in der Pfalz, wo dessen Vorfahren herstammen.

St Andrew’s Church in Stapleford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Market Drayton (Shropshire) – Home of the Gingerbread

The Gingerbread Man in Market Drayton.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Was in Deutschland Nürnberg für den Lebkuchen bedeutet, so ist das Market Drayton in der Grafschaft Shropshire in England. Schon im Jahr 1793 soll es hier einen Lebkuchenbäcker gegeben haben, so geht aus Urkunden hervor, doch wahrscheinlich gehen die Ursprünge noch wesentlich weiter zurück. Heute gibt es allerdings nur noch einen Produzenten, Billington’s, der schon seit 1817 existiert.

„Once tasted it is never forgotten!“, so steht es auf der Homepage von Billington’s zu lesen und natürlich wird der süße Kuchen nach einem Geheimrezept hergestellt. In Market Drayton genießt man den Lebkuchen, indem man ihn in eine Tasse Tee oder Kaffee oder in ein Glas Portwein eintunkt. Die Familie Billington besitzt die Firma nicht mehr; sie hat sie mitsamt dem Namen verkauft. Seit 30 Jahren werden deren Lebkuchen von der Firma Image on Food hergestellt, die pro Jahr über 80 Tonnen produziert.

Mitte der 1980er Jahre erschien ein Buch, das dem Lebkuchenverkauf noch einmal einen Schub gab: „Under the Buttercross: Market Drayton a town of good food“ von Meg Pybus.

Das Ginger and Spice Festival wird seit 2017 jedes Jahr in Market Drayton zelebriert, das nächste Mal am 24. September. Market Drayton steht übrigens im Guinness Book of Records und zwar mit der Eintragung „the most people decorating gingerbread men simultaneously„; aufgestellt im vorigen Jahr während des Ginger and Spice Festivals von mehr als 300 Schülerinnen und Schülern zweier Schulen der Stadt.

Selbstverständlich gibt es in der Stadt in Shropshire auch einen Pub, der den Namen der Spezialität trägt: The Gingerbread Man in der Adderley Road, ein Greene King-Pub.

Eine Notiz am Rande: Market Drayton ist das englische Hauptquartier der deutschen Firma Müller Milch, ein riesiges Gebäude, an dem ich einmal zufällig vorbeifuhr.

Zum Thema „Lebkuchen“ siehe auch diesen Blogeintrag.

This work has been released into the public domain.

Published in: on 14. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alderley Edge – Eine kleine Stadt in Cheshire, die bei Fußballspielern aus Manchester sehr beliebt ist

Die London Road.
Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Über Alderley Edge schrieb ich in meinem ersten Blogeintrag im Oktober 2009, den ich allerdings vor längerer Zeit wieder löschte, weil er mir nicht mehr gefiel. Heute nehme ich das Thema noch einmal auf.

Die Kleinstadt liegt rund zwanzig Kilometer südlich von Manchester, wo zwei der besten Fußballvereine des Landes beheimatet sind: Manchester City und Manchester United. Die hochbezahlten Spieler der beiden Clubs suchen sich natürlich in der Stadt selbst oder in der näheren Umgebung ihre Wohnungen/Häuser und Geld spielt dabei keine große Rolle. Besonders beliebt sind die hübschen Dörfer und Kleinstädte in der Grafschaft Cheshire, die sich an Manchester anschmiegt, und hier besonders die Orte Prestbury (siehe dazu meinen entsprechenden Blogeintrag), Wilmslow und eben Alderley Edge, die das Goldene Dreieck bilden.

Seitdem in den 1990er Jahren die Beckhams nach Alderley Edge gezogen waren, wurde der Ort richtig „posh“. David Beckham, der von 1992 bis 2003 bei Manchester United spielte, war damals der Superstar im englischen Fußball und da, wo er wohnte, wollten auch viele andere Spieler wohnen, also kletterten die Hauspreise in ungeahnte Höhen. Der Portugiese Ronaldo zog in ein riesiges Haus in Alderley Edge, als er von 2006 bis 2009 bei Manchester United spielte. Vorher hatte er ein Haus in Woodford in Cheshire bezogen, etwas näher an Manchester dran.

Auf der London Road von Alderley Edge dreht sich kaum noch jemand um, wenn dort ein Lamborghini oder ein Aston Martin entlang fährt. dort ist man an Supercars gewöhnt. Hier reihen sich schicke Boutiquen, Restaurants und Weinbars aneinander, die von den reichen Bewohnern und ihren attraktiven Frauen gern aufgesucht werden. Piccolino war eines der beliebtesten Restaurants in Alderley Edge, bis es vor wenigen Tagen schloss und nach Knutsford umzog. Ich bin sicher, dass dort schnell wieder ein neues Restaurant eröffnet wird. Man kann seinen Champagner auch im Bubble Room an der London Road trinken. Apropos Champagner: Es gibt wohl nur wenige Orte im Königreich, wo so viel Champagner verkauft wird wie in Alderley Edge, zum Beispiel im Corks Out in der Hausnummer 73.

Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. Januar 2022 at 02:00  Comments (2)  

Stadtführungen durch Marlow in Buckinghamshire…mit Mary Shelley

Die Stadtführerin Mary Shelley.

Marlow in Buckinghamshire gehört zu meinen englischen Lieblingsstädten, darum habe ich schon viele Blogeinträge über sie verfasst. Die Stadt an der Themse hat eben einiges zu bieten, und seit dem letzten Jahr werden hier auch Stadtführungen angeboten… mit Mary Shelley als Stadtführerin. „Mary Does Marlow“ heißen diese Touren und warum gerade Mary Shelley? Die weltbekannte Autorin hat in der Stadt einen der berühmtesten Schauerromane der Literaturgeschichte verfasst: „Frankenstein or The Modern Prometheus“, viele Male mehr oder weniger gut verfilmt. So führt die Stadttour natürlich auch am Albion House in der West Street vorbei, wo Mary mit ihrem Mann Percy Bysshe Shelley wohnte.

Die Touren beginnen im Higginson Park an der Themse an der Statue von Sir Steve Redgrave (mehrfacher olympischer Goldmedaillengewinner im Rudern). An dieser Stelle soll angeblich König Heinrich VIII. um die Hand von Jane Seymour angehalten haben.

Es gibt eine Sommerführung und eine Winterführung („Mary Does Marlow After Dark!“) ; letztere ist „creepier“ als die erste, da geht es auch um Geister und Mörder und um den wohl berühmtesten Highwayman aller Zeiten, Dick Turpin. Er und andere Wegelagerer legten sich in der Umgebung von Marlow gern auf die Lauer.

Wer verbirgt sich nun hinter der kostümierten Stadtführerin? Es ist niemand anderes als meine gute Freundin Nicola Metcalfe, die ich in meinem Blog schon mehrfach vorgestellt habe. Leider habe ich noch an keiner ihrer Führungen teilnehmen können, Corona war dagegen, aber ich bin mir sicher, dass sie das auf ihre freundliche und humorvolle Art wunderbar in Szene setzen kann. Freundlicherweise hat sie mir für meinen Blog einige Fotos zur Verfügung gestellt, deren Rechte selbstverständlich bei ihr liegen.

Bei Facebook und bei Instagram auf dem Laufenden halten, wann in diesem Jahr wieder Stadtführungen angeboten werden.

Vor Mary Shelleys ehemaligem Haus in der West Street.
Vor Marlows wunderschöner Church of All Saints.
Creepy…
Startpunkt der Marlow-Führung: Sir Steve Redgraves Statue im Higginson Park.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Ein Tea Towel aus Nicola Metcalfes Produktion mit Motiven aus Marlow.
Eigenes Foto.
Published in: on 10. Januar 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Marple – Eine Stadt in der Region Greater Manchester und eine weltberühmte Spürnase

Auf einem Bahnsteig im Bahnhof von Marple.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Ebenfalls auf dem Bahnsteig von Marple zu finden…
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Kommt der Reisende auf dem Bahnhof der Stadt Marple im Großraum Greater Manchester an, mag es sein, dass er sich fragt „Marple? Woran erinnert mich der Name?“, der Groschen fällt spätestens dann, wenn er auf dem Bahnsteig die riesigen Poster von Agatha Christie-Romanen sieht und eine blaue Plakette mit der Aufschrift:


Dame
Agatha Christie DBE
1890-1976
MISS MARPLE
Character name inspired by Marple
Unveiled by Mathew Prichard,

grandson of
Agatha Christie

Wie ist nun die Verbindung von Agatha Christie in diese Region von England? Man verbindet sie ja eher mit Devon und Buckinghamshire. Agathas ältere Schwester Margaret (1879-1950), meist Madge genannt, war mit dem Industriellen James Watts (1878-1957) verheiratet und lebte mit ihm auf Abney Hall in Cheadle (jetzt Greater Manchester). Agatha besuchte ihre Schwester häufig in Abney Hall und bei einem dieser Besuche gingen beide zu einer Auktion in die Marple Hall, einem riesigen wunderbaren Haus in der Stadt gleichen Namens, das leider abgerissen worden ist. Dort kaufte sie zwei jakobinische Eichenstühle; doch wesentlicher war, dass der Name Marple bei Agatha Christie hängen blieb, und so schlug dort die Geburtsstunde einer der berühmtesten Spürnasen in der Geschichte der Kriminalliteratur. Miss Jane Marple betrat die Bühne und machte den Verbrechern und Mördern ihrer Zeit das Leben schwer.

Abney Hall in Cheadle.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Auf den Spuren von Brother Cadfael in Shrewsbury (Shropshire)

Shrewsbury Abbey.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Ich komme heute noch einmal auf die Stadt Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire zurück, über die ich kürzlich in Zusammenhang mit den Ghost Tours per Schiff schrieb. Ich wandelte dort einmal auf den Spuren der fiktiven Romanfigur Brother Cadfael, die die Krimiautorin Ellis Peters (1913-1995) erschuf, die unter diesem Pseudonym schrieb und eigentlich Edith Pargeter hieß.

Da sie in Shropshire geboren wurde (sie starb auch dort) ließ sie die Handlung rund um den Benediktinermönch auch in Shrewsbury und Umgebung spielen. Die historischen Kriminalromane erwiesen sich als sehr erfolgreich; als sie auch noch für das Fernsehen verfilmt wurden, mit Derek Jacobi in der Titelrolle, pilgerten die Fans des Mönchs zu den Handlungsorten in Shropshire (die TV-Serie wurde allerdings nicht in der Heimat Bruder Cadfaels gedreht, sondern in…Budapest in Ungarn).

Die Stadt Shrewsbury sprang natürlich sehr gern auf den „Cadfael-Zug“ auf und bot beziehungsweise bietet den angereisten Freunden des Mönchs einiges an wie Brother Cadfael self-guided walks, die auf unterschiedlichen Wegen durch die Stadt führen und durch in den Boden eingelassene Metallplatten in Form eines Fußes markiert sind. Im Shrewsbury Visitor Information Centre kann man den Führer erwerben; selbstverständlich sind dort auch sämtliche Brother Cadfael-Romane erhältlich.

Wer alles, aber auch wirklich alles über die Romanschauplätze wissen möchte, für den gibt es die Brother Cadfael-Tours, die bis nach Wales hinein führen.

Ich hatte mich bei einem meiner Besuche in Shrewsbury für einen der „self-guides walks“ entschieden, in dessen Mittelpunkt die Abbey stand.

Ein empfehlenswertes Buch für jeden, der sich für die Romanschauplätze interessiert, ist „Cadfael Country: Shropshire & The Welsh Border“ von Rob Talbot und Robin Whiteman, das schon 1990 erschienen und reichlich bebildert ist.

Die TV-Serie wurde in 13 Episoden von 1994 bis 1998 ausgestrahlt. Das ZDF sendete die ersten drei Staffeln in den Jahren 1995 und 1997. Eine Collector’s Box mit sechs DVDs ist von EDEL MOTION veröffentlicht worden, sie enthält die Staffeln 1-3 in deutscher Synchronisation und die vierte Staffel im englischen Originalton.
Hier ist ein kurzer Trailer zu sehen.

Die Stadt Shrewsbury hat eine ihrer Straßen nach dem Mönch benannt, den Cadfael Way. Im Portfolio des berühmten Rosenzüchters David Austin gibt es eine Rose namens Brother Cadfael.

Foto meines Exemplares.
Der Cadfael Way in Shrewsbury.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Die Brother Cadfael-Rose.
Photo © Philip Platt (cc-by-sa/2.0)

Winsford (Somerset) im Exmoor und The Royal Oak

The Royal Oak in seiner ganzen Schönheit.
Photo © Jeff Gogarty (cc-by-sa/2.0)

Winsford in der Grafschaft Somerset, mitten im Exmoor gelegen, ist ein Bilderbuchdorf, das ich mir unbedingt einmal ansehen wollte. Es ist leicht von der A396 aus zu erreichen, hat nur wenige hundert Einwohner und ist in der Hauptreisezeit manchmal ganz schön überlaufen (ein kleines Touristenbüro ist vorhanden). Der berühmteste Sohn von Winsford ist Ernest Bevin (1881 – 1951), der hier geboren wurde. Bevin war ein Politiker der Labour-Partei, Gewerkschaftsführer, Außenminister und Arbeitsminister und Parlamentsmitglied für zwei Londoner Wahlkreise. Ernest Bevin verbrachte seine Kindheit in Winsford, sein Geburtshaus steht noch immer an der Edbrooke Road; eine Gedenktafel ist an der Hauswand angebracht.

Das Herz des Dorfes ist der Pub The Royal Oak, ein wunderschönes reetgedecktes Haus am Halse Lane, der kleine Bach Winn Brook schlängelt sich an ihm vorbei. Der Gasthof ist schon sehr alt, ursprünglich war er ein Bauernhof, und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder umgebaut und erweitert.

Mark und Sally Bradley sind die Gastgeber des Pubs, in dem man auch wohnen kann. Zwölf Doppelzimmer stehen zur Verfügung (£130 pro Nacht inklusive Frühstück), und die Bradleys sind stolz darauf, ausschließlich Superior Rooms anzubieten und keine Standardzimmer. Die Automobile Association (AA) hat das Haus mit vier Sternen versehen.

The Royal Oak bietet sich als Standort an, um von hier aus die nähere Umgebung zu erkunden. Winsford ist nicht weit entfernt von der Küste, wo sich Porlock Weir für einen Besuch empfiehlt. Der hübsche Ort Dunster mit seiner Burg lohnt sich immer, und die Tarr Steps sind nur fünf Kilometer entfernt, eine Steinplattenbrücke über den River Barle.

Das Dorfzentrum.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Der Winn Brook.
Photo © Jeff Gogarty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. August 2021 at 02:00  Comments (2)  

Chipping Sodbury in South Gloucestershire

Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Weg zum Thornbury Castle Hotel in South Gloucestershire bin ich viele Male durch Chipping Sodbury und den direkt angrenzenden Nachbarort Yate gefahren. Auf den erstgenannten Ort habe ich mich immer gefreut, denn er bietet, wenn man von den Cotswolds hinunterfährt, einen besonders schönen Anblick. An der breiten Hauptstraße, der B4060, ziehen sich hübsche Häuser entlang. Neben der Town Hall steht das im gleichen Stil erbaute George Hotel aus dem 15. Jahrhundert, wo man in der 1439 Lounge einen Drink zu sich nehmen kann. Im Jahr 1439 wurde The George erstmals als Gasthaus erwähnt.

An der Broad Street warten mehrere attraktive Pubs auf Gäste wie The Squire und gegenüber die Beaufort Hunt. An der anschließenden High Street finden wir die Hobbs House Bakery der aus dem Fernsehen bekannten Fabulous Baker Brothers, über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Schräg gegenüber ist das Tourist Information Centre im Clock Tower untergebracht, einem sehenswerten Gebäude.

Aber auch in Chipping Sodbury haben sich die in englischen High Streets unvermeidlichen Charity Shops ausgebreitet, einer im Prinzip nützlichen Sache, aber wenn diese sich krakenartig ausbreiten, schadet das der Atmosphäre einer Kleinstadt.

Chipping Sodbury gilt als Geburtsort der Harry Potter-Schöpferin J.K. Rowling, oft wird aber auch Yate angegeben. Zur Welt kam sie im am 31. Juli 1965 im Chipping Sodbury Cottage Hospital, das heute kein Krankenhaus mehr ist, aber zu Yate gehört. Yate ist nicht so sehenswert wie Chipping Sodbury, geprägt wird es von Häusern, die zum großen Teil in den 1960er Jahren entstanden sind.

Neben Chipping Sodbury gibt es noch die Schwestergemeinden Old Sodbury und Little Sodbury. Wer sich einmal in dieser Region von South Gloucestershire aufhält, dem kann ich einen Besuch hier sehr empfehlen.

Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)
Die Hobbs House Bakery auf der linken Seite.
Photo © Wayland Smith (cc-by-sa/2.0)
The Clock Tower mit dem Tourist Information Centre.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Das ehemalige Chipping Sodbury Cottage Hospital.
Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. August 2021 at 02:00  Comments (6)  

West Kington – Ein Dorf in Witshire und sein „claim to fame“ vor fast 40 Jahren

West Kington in Wiltshire.
Photo © Maurice Pullin (cc-by-sa/2.0)

Vor 30 Jahren nahm die kanadische Band Men Without Hats einen Song auf, den sie „The Safety Dance“ nannte und der ihr für kurze Zeit zu Ruhm verhalf; danach wurde es wieder ruhiger um die Mannen um Sänger Ivan Doroschuk.
Das zum Song gehörende Musikvideo wurde unter der Regie von Tim Pope gedreht, der schon für viele andere sehenswerte Videos hergestellt hat (The Cure, Talk Talk, Siouxsie and the Banshees usw.). Auf der Suche nach einem geeigneten Drehort stieß man auf ein kleines malerisches Dörfchen in Wiltshire namens West Kington, für das man sich dann entschied. Der Ort liegt ziemlich einsam südlich der Autobahn M40 und ist nur auf schmalen Wegen zu erreichen.

Das Video beginnt mit Ivan Doroschuk und Mike Edmonds, einem zwergwüchsigen Schauspieler, der durch die TV-Serie „Maid Marian and her Merry Men“ bekannt geworden ist. Beide laufen durch ein Getreidefeld auf das Dorf zu, wo sie auf eine Gruppe von Morris Dancers treffen. Engagiert dafür wurden die Chippenham Town Morris Men, eine umtriebige Truppe, die schon international aufgetreten ist, in dem Film „Savage Hearts“ mitgespielt hat und in dem Automagazin „Top Gear“ der BBC zu sehen war. Das muntere, mittelalterlich anmutende Treiben zieht über die Brücke des Dorfes, die über den Broadmead Brook führt, an den wenigen Häusern  vorbei und endet auf einem Hof, wo dann der Jahrmarkt stattfindet, mit Punch and Judy Show usw. Für diese Szenen stellte ein örtlicher Bauer den Innenhof seiner Farm zur Verfügung.

Nach den Dreharbeiten wurde es wieder ruhig in West Kington und es hat sich hier in den dreißig Jahren seither auch nur wenig verändert. Zu sehen gibt es außer der Kirche St Mary the Virgin nichts; zu erwähnen ist vielleicht noch, dass die Naturfilmerin und Ornithologin Dilys Breese in West Kington wohnte und auf dem Kirchhof von St Mary beigesetzt ist.

Hier ist das Musikvideo zu sehen.

Die Broadmead Bridge in West Kington.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)
St Mary the Virgin in West Kington.
Photo © Colin Bates (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Village Pond – Ein hübsches Attribut in englischen Bilderbuchdörfern

St Mary’s in Haddenham (Buckinghamshire) mit Dorfteich auf dem sich Aylesbury ducks tummeln.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Was gehört zu einem typisch englischen Bilderbuchdorf, einem chocolate box village? Natürlich die parish church, die Dorfkirche, umstanden mit alten, verwitterten Grabsteinen. Dann, oft in unmittelbarer Nähe, der Dorfpub, gern reetgedeckt und mit einem Biergarten, und der Dorfanger, the village green, auf dem hin und wieder Feste gefeiert werden. Nicht zu vergessen die ebenfalls reetgedeckten Cottages, mit üppig wuchernden Vorgärten versehen. Woran denken wir bei dieser Zusammenstellung? Ja, an die Inspector Barnaby-Krimis, die meistens in solch hübschen Dörfern angesiedelt sind. Ein Attribut habe ich jetzt noch nicht angesprochen, das aber auch dazu beiträgt, den Charakter eines englischen Dorfes zu prägen: Der village pond, der Dorfteich.

Ein Dorf fällt mir da spontan ein, das auf engstem Raum alle die oben genannten Charakteristika aufweisen kann, und das ist Haddenham in Buckinghamshire, eines meiner Lieblingsdörfer im Königreich. Da ist die Kirche St Mary’s, gegenüber der Dorfanger mit dem Kriegerdenkmal und dem Village Sign, daneben der entenbesetzte Dorfteich, gesäumt von wunderschönen Cottages. Schade, dass der Red Lion, der auch zu dem Ensemble gehörte, im Jahr 2012 geschlossen wurde.

Ein weiteres Dorf fällt mir spontan ein, das ebenfalls alle Attribute eines Bilderbuchdorfes besitzt: Goudhurst in Kent. Neben einer wunderschönen Kirche und dem sehr ansprechenden Hotel The Star and Eagle verfügt auch Goudhurst, etwas weiter die Hauptstraße hinunter, über einen idyllischen Dorfteich mit einem Miniatur Village Green.

Haddenham und Goudhurst sind unbedingt einen Abstecher wert!

Hier sind noch einige andere Dorfteiche im Bild zu sehen.

Der Village Pond von Goudhurst (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Leighterton in Gloucestershire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Alderton in Wiltshire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Comberton in Cambridgeshire.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)
Lindfield (West Sussex).
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Juni 2021 at 02:00  Comments (3)  

Shingle Street – Ein einsames Dorf in Suffolk mit mysteriöser Vergangenheit

Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

An der Suffolk Heritage Coast liegt ein winziges Dorf, das einen stetigen Kampf gegen das Meer führt. Shingle Street besteht nur aus ein paar Häusern, mit einem Kiesstrand zwischen dem nahen Meer. Nach Expertenmeinung dauert es maximal 20 Jahre bis die See den Kampf gewonnen hat.

Shingle Street ist ein Ort mit mysteriöser Vergangenheit. 1940 wurde der Ort binnen weniger Tage evakuiert, damit man den Strand gegen eine feindliche Invasion verminen konnte. Vandalen suchten die Häuser auf und verwüsteten sie; die Royal Air Force nutzte das Gelände für geheime Bombentests, wobei der Lifeboat Inn schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Das Gerücht verbreitete sich, dass eine deutsche Invasion vor Shingle Street verhindert werden konnte. Noch heute gibt es geheime Akten darüber, was wirklich an der abgelegenen Küste von Suffolk passierte. Spekulationen in Form von Büchern und Fernsehsendungen entstanden.
Die Bewohner von Shingle Street durften 5 Jahre nach Kriegsende wieder in ihre Häuser zurück, die fast unbewohnbar waren und neu aufgebaut werden mussten. Die Entschädigung für die entstandenen Verluste war gering.

In Shingle Street steht einer von mehreren Martello Towers, die an der Küste aufgestellt wurden, um im frühen 19. Jahrhundert eine napoleonische Invasion zu verhindern. Diese Forts finden sich auch an der englischen Südküste und einige davon kann man als Holiday Home mieten.
Hier ist ein Drohnenflug über Shingle Street zu sehen.

Shingle Street könnte also eines Tages im Meer versinken, so wie die einstige Hafenstadt Dunwich, ebenfalls in Suffolk, die mitsamt ihrer 8 Kirchen von der Nordsee verschlungen wurde. Noch heute herrscht in Dunwich eine eigenartige Atmosphäre, von der ich mich einmal selbst überzeugen konnte.

Der englische Sänger Thomas Dolby hat dem mysteriösen Ort in seinem Song „Cloudburst at Shingle Street“ ein Denkmal gesetzt.

Der Martello Tower.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen