West Kington – Ein Dorf in Witshire und sein „claim to fame“ vor fast 40 Jahren

West Kington in Wiltshire.
Photo © Maurice Pullin (cc-by-sa/2.0)

Vor 30 Jahren nahm die kanadische Band Men Without Hats einen Song auf, den sie „The Safety Dance“ nannte und der ihr für kurze Zeit zu Ruhm verhalf; danach wurde es wieder ruhiger um die Mannen um Sänger Ivan Doroschuk.
Das zum Song gehörende Musikvideo wurde unter der Regie von Tim Pope gedreht, der schon für viele andere sehenswerte Videos hergestellt hat (The Cure, Talk Talk, Siouxsie and the Banshees usw.). Auf der Suche nach einem geeigneten Drehort stieß man auf ein kleines malerisches Dörfchen in Wiltshire namens West Kington, für das man sich dann entschied. Der Ort liegt ziemlich einsam südlich der Autobahn M40 und ist nur auf schmalen Wegen zu erreichen.

Das Video beginnt mit Ivan Doroschuk und Mike Edmonds, einem zwergwüchsigen Schauspieler, der durch die TV-Serie „Maid Marian and her Merry Men“ bekannt geworden ist. Beide laufen durch ein Getreidefeld auf das Dorf zu, wo sie auf eine Gruppe von Morris Dancers treffen. Engagiert dafür wurden die Chippenham Town Morris Men, eine umtriebige Truppe, die schon international aufgetreten ist, in dem Film „Savage Hearts“ mitgespielt hat und in dem Automagazin „Top Gear“ der BBC zu sehen war. Das muntere, mittelalterlich anmutende Treiben zieht über die Brücke des Dorfes, die über den Broadmead Brook führt, an den wenigen Häusern  vorbei und endet auf einem Hof, wo dann der Jahrmarkt stattfindet, mit Punch and Judy Show usw. Für diese Szenen stellte ein örtlicher Bauer den Innenhof seiner Farm zur Verfügung.

Nach den Dreharbeiten wurde es wieder ruhig in West Kington und es hat sich hier in den dreißig Jahren seither auch nur wenig verändert. Zu sehen gibt es außer der Kirche St Mary the Virgin nichts; zu erwähnen ist vielleicht noch, dass die Naturfilmerin und Ornithologin Dilys Breese in West Kington wohnte und auf dem Kirchhof von St Mary beigesetzt ist.

Hier ist das Musikvideo zu sehen.

Die Broadmead Bridge in West Kington.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)
St Mary the Virgin in West Kington.
Photo © Colin Bates (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Village Pond – Ein hübsches Attribut in englischen Bilderbuchdörfern

St Mary’s in Haddenham (Buckinghamshire) mit Dorfteich auf dem sich Aylesbury ducks tummeln.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Was gehört zu einem typisch englischen Bilderbuchdorf, einem chocolate box village? Natürlich die parish church, die Dorfkirche, umstanden mit alten, verwitterten Grabsteinen. Dann, oft in unmittelbarer Nähe, der Dorfpub, gern reetgedeckt und mit einem Biergarten, und der Dorfanger, the village green, auf dem hin und wieder Feste gefeiert werden. Nicht zu vergessen die ebenfalls reetgedeckten Cottages, mit üppig wuchernden Vorgärten versehen. Woran denken wir bei dieser Zusammenstellung? Ja, an die Inspector Barnaby-Krimis, die meistens in solch hübschen Dörfern angesiedelt sind. Ein Attribut habe ich jetzt noch nicht angesprochen, das aber auch dazu beiträgt, den Charakter eines englischen Dorfes zu prägen: Der village pond, der Dorfteich.

Ein Dorf fällt mir da spontan ein, das auf engstem Raum alle die oben genannten Charakteristika aufweisen kann, und das ist Haddenham in Buckinghamshire, eines meiner Lieblingsdörfer im Königreich. Da ist die Kirche St Mary’s, gegenüber der Dorfanger mit dem Kriegerdenkmal und dem Village Sign, daneben der entenbesetzte Dorfteich, gesäumt von wunderschönen Cottages. Schade, dass der Red Lion, der auch zu dem Ensemble gehörte, im Jahr 2012 geschlossen wurde.

Ein weiteres Dorf fällt mir spontan ein, das ebenfalls alle Attribute eines Bilderbuchdorfes besitzt: Goudhurst in Kent. Neben einer wunderschönen Kirche und dem sehr ansprechenden Hotel The Star and Eagle verfügt auch Goudhurst, etwas weiter die Hauptstraße hinunter, über einen idyllischen Dorfteich mit einem Miniatur Village Green.

Haddenham und Goudhurst sind unbedingt einen Abstecher wert!

Hier sind noch einige andere Dorfteiche im Bild zu sehen.

Der Village Pond von Goudhurst (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Leighterton in Gloucestershire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Alderton in Wiltshire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Comberton in Cambridgeshire.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)
Lindfield (West Sussex).
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Juni 2021 at 02:00  Comments (3)  

Shingle Street – Ein einsames Dorf in Suffolk mit mysteriöser Vergangenheit

Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

An der Suffolk Heritage Coast liegt ein winziges Dorf, das einen stetigen Kampf gegen das Meer führt. Shingle Street besteht nur aus ein paar Häusern, mit einem Kiesstrand zwischen dem nahen Meer. Nach Expertenmeinung dauert es maximal 20 Jahre bis die See den Kampf gewonnen hat.

Shingle Street ist ein Ort mit mysteriöser Vergangenheit. 1940 wurde der Ort binnen weniger Tage evakuiert, damit man den Strand gegen eine feindliche Invasion verminen konnte. Vandalen suchten die Häuser auf und verwüsteten sie; die Royal Air Force nutzte das Gelände für geheime Bombentests, wobei der Lifeboat Inn schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Das Gerücht verbreitete sich, dass eine deutsche Invasion vor Shingle Street verhindert werden konnte. Noch heute gibt es geheime Akten darüber, was wirklich an der abgelegenen Küste von Suffolk passierte. Spekulationen in Form von Büchern und Fernsehsendungen entstanden.
Die Bewohner von Shingle Street durften 5 Jahre nach Kriegsende wieder in ihre Häuser zurück, die fast unbewohnbar waren und neu aufgebaut werden mussten. Die Entschädigung für die entstandenen Verluste war gering.

In Shingle Street steht einer von mehreren Martello Towers, die an der Küste aufgestellt wurden, um im frühen 19. Jahrhundert eine napoleonische Invasion zu verhindern. Diese Forts finden sich auch an der englischen Südküste und einige davon kann man als Holiday Home mieten.
Hier ist ein Drohnenflug über Shingle Street zu sehen.

Shingle Street könnte also eines Tages im Meer versinken, so wie die einstige Hafenstadt Dunwich, ebenfalls in Suffolk, die mitsamt ihrer 8 Kirchen von der Nordsee verschlungen wurde. Noch heute herrscht in Dunwich eine eigenartige Atmosphäre, von der ich mich einmal selbst überzeugen konnte.

Der englische Sänger Thomas Dolby hat dem mysteriösen Ort in seinem Song „Cloudburst at Shingle Street“ ein Denkmal gesetzt.

Der Martello Tower.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Grantham in Lincolnshire Teil 1: Langweiligste Stadt Englands?

The Angel and Royal.
Photo © Jo Turner (cc-by-sa/2.0)

Immer wenn man von der Stadt Grantham in Lincolnshire hört, wird diese in Verbindung gebracht mit der langweiligsten Stadt Englands. Das ergab einmal vor vielen Jahren eine Umfrage des Senders BBC 1.

Meine persönliche Einschätzung ist eine andere. Wir aßen zu Mittag im Angel and Royal Hotel, einem eindrucksvollen Gebäude im Zentrum der Stadt: Ein Muss für meine Frau als Ricardianerin, da in diesem Haus Richard III 1483 Hof hielt und zwar dort, wo heute das King’s Room Restaurant ist. Dort erfuhr er, dass sein treuester Verbündeter, der Duke of Buckingham, sich gegen ihn gestellt hatte. Hier schrieb er einen Brief an den Großkanzler, in dem er ihm den Verrat mitteilte, worauf das Todesurteil für den Duke unterschrieben wurde. Der Originalbrief ist im Britischen Museum aufbewahrt; eine Kopie des Briefes hängt im Restaurant, die wir uns natürlich ansahen.

Grantham ist auch der Geburtsort der Eisernen Lady, Margaret Thatcher, die hier am 13. Oktober 1925 geboren wurde und wo sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens verbrachte. Wenig erinnert heute an die frühere Premier Ministerin in Grantham; es gibt keine geführten Touren auf den Spuren von ihr, lediglich eine Plakette an ihrem Geburtshaus ist ihr zu Ehren angebracht worden. ABER: In diesem Jahr noch soll eine drei Meter hohe Statue von ihr in Grantham aufgestellt werden, auf einem ebenfalls drei Meter hohen Sockel, so dass es Vandalen schwerer haben, das Kunstwerk zu beschädigen oder zu beschmieren.

Der berühmte Isaac Newton besuchte im Alter von 12 bis 17 in Grantham die King’s School, die es noch heute gibt. In der Bibliothek der Schule hatte er seinen Namen auf einem Fensterbrett eingeritzt, was noch zu sehen ist. Eine Statue von ihm wurde im Stadtzentrum am St Peter’s Hill errichtet.

Langweilig fand ich die Stadt wirklich nicht, und es gäbe noch so einiges mehr über sie zu berichten.

Hier ist eine  kleine Stadtrundfahrt.

Margaret Thatchers Geburtshaus.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Sir Isaac Newton.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Slad in Gloucestershire – Ein Dorf, ein Schriftsteller und ein berühmtes Buch

Rosebank in Slad, wo Laurie Lee aufwuchs.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Nur wenige Fahrminuten von Stroud im Süden Gloucestershires entfernt, liegt an der B4040 das kleine Dorf Slad, in dem ein Mann aufwuchs, der in der neueren englischen Literaturgeschichte eine große Rolle gespielt hat: Laurie Lee (1914-1997). Wohl jeder in dessen Heimatland, kennt das Buch „Cider with Rosie„, das 1959 erschien und dessen deutscher Titel „Des Sommers ganze Fülle“ heißt. Darin schreibt Laurie Lee von seiner Kindheit und Jugend, die er in Slad verbrachte. Die Bände zwei und drei seiner autobiografischen Trilogie handeln von seinem späteren Lebensweg in London und in Spanien. In den 1960er Jahren kehrte Laurie Lee nach Slad zurück, wo er bis zu seinem Tod wohnte.

„Cider with Rosie“ wurde mehrfach verfilmt; ich kenne nur die BBC-Fernsehversion von 2015, die an den Originalschauplätzen gedreht wurde. Ich finde diese Verfilmung sehr gelungen mit hervorragenden Kinderschauspielern. Hier ist der komplette Film zu sehen.

Das Haus, in dem Laurie Lee aufwuchs, hieß damals Rose Cottages, heute heißt es Rosebank. Kürzlich stand es für £475 000 zum Verkauf. Als der Autor später wieder nach Slad zurückzog, wohnte er im Rose Cottage in der Nähe vom Woolpack Inn, wo er gern das eine oder andere Pint trank.

Lee starb am 13. Mai 1997, begraben wurde er auf dem Kirchhof der Holy Trinity Church in Slad, gegenüber vom Pub, wo seine Verehrer seinen Grabstein besuchen können. In der Kirche erinnert ein Glasfenster an den großen Sohn des Dorfes.
Aus Anlass seines hundertsten Geburtstags wurde im Jahr 2014 ein Wanderweg angelegt, der seinen Namen trägt: Der Laurie Lee Wildlife Way, der acht Kilometer durch das Slad Valley führt. Entlang der Strecke findet man zehn „poetry posts“, Stationen mit Gedichten Laurie Lees.

The Woolpack.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Auf dem Kirchhof von Holy Trinity
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Das Laurie Lee Memorial Window in Holy Trinity.
Author: Paul Stephenson
Creative Commons 2.0
Der Laurie Lee Wildlife Way.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Haworth in West Yorkshire – Das erste Fairtrade-Dorf der Welt und sein Kontakt zu Machu Picchu in Peru

Haworths Main Street.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Haworth in West Yorkshire verbindet man natürlich in erster Linie mit den Brontëschwestern Charlotte, Emily und Anne, die im 19. Jahrhundert mit ihren Romanen für Aufsehen sorgten. Im 21. Jahrhundert sind sie offensichtlich noch immer populär, wenn man sich die vielen Touristen ansieht, die nach Haworth fahren. Bei meinen Besuchen war es dort immer rappelvoll. Der Ort profitiert auf jeden Fall noch immer von dem Nachruhm der drei Schwestern.

Es gibt aber noch ein weiteres Ereignis der jüngeren Vergangenheit, das Haworth bekannt machte und das nichts mit Literatur zu tun hat: Haworth das weltweit erste „fairtrade village„. Am 22. November 2002 erhielt es diesen Status von der Fairtrade Foundation, „a charity based in the United Kingdom that works to empower disadvantaged producers in developing countries by tackling injustice in conventional trade“, so die Definition der Wikipedia. Die Teilnehmer möchten also, dass die Bauern in anderen Erdteilen für ihre Produkte angemessene Preise bekommen, von denen sie auch vernünftig leben können, und nicht von großen Konzernen ausgebeutet werden.

Haworth hat auch einen direkten Kontakt nach Südamerika und zwar zu der Ruinenstadt Machu Picchu in Peru. Bei der Einfahrt nach Haworth werden die Besucher von einem großen Schild begrüßt, auf dem zu lesen steht: „Welcome to HAWORTH – The World’s First Fairtrade Village – Twinned with Machu Picchu, Peru„.

Die Idee, mit dem Ort in Peru Kontakt aufzunehmen, entstand kurz nachdem Haworth zu einem „fairtrade village“ geworden war, und es dauerte noch einige Jahre bis es 2009 zu dem „twinning“ kam. Seitdem haben die Bewohner von Haworth viele Dinge in die Wege geleitet, um den Partner im fernen Peru zu helfen. So haben sie Bücher geschickt, um den Bestand der Bibliothek aufzustocken und Geld gesammelt, um damit die Errichtung von einfachen Küchen zu ermöglichen, so dass Kinder in abgelegenen Dörfern warme Mahlzeiten erhalten können.

Man ist stolz in dem Bronte-Dorf auf das, was man hier bisher erreicht hat und wird den Fairtrade-Gedanken auch in Zukunft hoch halten.

Zum Thema Haworth siehe auch meine Blogeinträge über die Ballonfahrerin Lily Cove, den Pub The Black Bull und über die Vermarktung der Brontë-Familie.

Published in: on 10. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

East Prawle in Devon und der Pigs Nose Inn

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Es gibt einen Ort namens West Prawle in Devon und ein Dorf namens East Prawle. Der Unterschied? East Prawle ist der am südlichsten gelegene Ort in der ganzen Grafschaft und noch ein Stückchen südlicher liegt Prawle Point, dann kommt nur noch das Meer. Man gelangt auf schmalen Straßen hier herunter, und auch im Dorf selbst geht es sehr eng zu. Von hier aus kann man auf Wanderwegen zum Meer kommen, aber auch ein Fahrweg führt zu einem Parkplatz am Meer. Bei Gegenverkehr wird es etwas problematisch, denn ich schätze die Breite der Straße auf circa zwei Meter.

Was hat East Prawle zu bieten? Nicht allzu viel; es gibt hier einen kleinen Laden namens Piglet Stores and Café am Village Green, der die Einwohner mit dem nötigsten versorgt und auch die Touristen mit ihren Bedürfnissen nicht im Stich lässt. Angeschlossen ist ein Café mit einer Auswahl an Kuchen, Sandwiches und Snacks. Ich stelle mir vor wie das hier wohl im Winter aussehen mag, bei Sturm und Regen.

Das Highlight in East Prawle ist der Dorfpub, der Pigs Nose Inn; „relaxed and quirky three-room 16th century pub, lots of interesting bric-a-brac“, so die Kurzbeschreibung des Good Pub Guides. Die Besitzer sind sehr hundefreundlich, haben selbst welche und heißen „Gasthunde“ willkommen. Außerdem ist man hier sehr umweltbewusst und versucht, auf so viel Plastik wie möglich zu verzichten; die Essenszutaten kommen zum größten Teil aus der Region.
Der Pigs Nose Inn hat einen sehr guten Ruf, was das Unterhaltungsangebot angeht. Es traten schon viele namhafte Bands auf wie Atomic Kitten, die Boomtown Rats oder Wishbone Ash. Im September soll es wieder richtig los gehen.
Seit letztem Montag ist die Außengastronomie wieder geöffnet.

Sehenswert ist übrigens die exzentrische Inneneinrichtung des Pubs!

The Pigs Nose Inn
East Prawle
Kingsbridge
Devon TQ7 2BY

„Relaxed and quirky“: Im Inneren des Pigs Nose Inn
Author: dvcronan
Creative Commons 2.0
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Du kommst hier nicht raus! Am Prawle Point.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Malton in North Yorkshire – Yorkshire’s Food Capital

Beim Food Lovers Festival auf dem Market Place.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Die Marktstadt Malton in North Yorkshire liegt an der vielbefahrenen A64, die von Leeds zur Küste führt. Ich erinnere mich noch an einen gewaltigen Stau in der Innenstadt auf der B2157, einer Art „Business Loop“, während dem ich Zeit hatte, mir den Ort vom mehr oder weniger stehenden Auto anzusehen.
Der italienische, in London lebende Starkoch Antonio Carluccio (1937-2017) war bei einem Besuch in Malton im Jahr 2011 von dem kulinarischen Angebot der Stadt dermaßen angetan, dass er Malton als „Yorkshire’s food capital“ bezeichnete, worauf man hier natürlich sehr stolz war. Nicht die großen Metropolen Yorkshires wie Leeds, Sheffield oder York, sondern das kleine Malton wurde von Carluccio so ausgezeichnet.

Was hat Malton denn nun in kulinarischer Hinsicht zu bieten? Es gibt einen monatlich stattfindenden „Food Market“ auf dem Marktplatz vor der St Michael’s Church, wo Händler aus der Region ihre Waren anbieten. Hier findet man alles, was das Herz eines Gourmets höher schlagen lässt. Einmal im Jahr findet das dreitägige Malton Food Lovers Festival statt, in diesem Jahr geplant für den 28. bis 30. August, auch  „Yorkshire Foodie Glastonbury“ genannt. Dann gibt es den Marathon du Malton, eine zehn Kilometer lange Strecke auf der die Teilnehmer alle möglichen Köstlichkeiten probieren können wie Hummer, Roastbeef, Bier und Gin aus der Region usw.
Die gastronomische Malton Food Tour (£45) führt durch Geschäfte und Läden der Stadt, auf der man hinter die Kulissen der Erzeuger blicken und natürlich auch alles probieren kann.

Und dann gibt es noch zahlreiche Restaurants in der Stadt wie das The New Malton, das Chapter One Bistro und das Stew & Oyster am Market Place, um nur einige zu nennen. Die Brass Castle Brewery stellt veganes und glutenfreies Bier her, die Rare Bird Distillery produziert Gin (darunter auch einen Rhabarber-Gin). Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen kulinarischen Angebot der Stadt.

Einer, der maßgeblich an dem guten Ruf von Malton beteiligt ist, ist Tom Naylor-Leyland, der im Hintergrund die Strippen zieht. Er hat im Jahr 2018 das „Malton in Mayfair“ initialisiert, ein Abendessen im Londoner Luxushotel Claridge’s, bei dem Spezialitäten aus Malton und Umgebung zelebriert und kräftig die Werbetrommel für die Stadt gerührt wurden.

Ganz in der Nähe von Malton liegen die nördlichsten Weingüter Englands, der Malton Vineyard, der erst im vorigen Jahr gegründet wurde, und die Ryedale Vineyards (2006 gegründet). Die Weinanbaugrenze verschiebt sich allmählich immer mehr gen Norden.

Hier ist ein Film über Yorkshire’s Food Capital.

Rare Bird Gin.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Auch in Yorkshire wird Cider produziert und in Malton angeboten.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Published in: on 28. März 2021 at 03:00  Comments (1)  
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Blandford Forum in Dorset und die Bastard Brothers

Blandford Forum Town Hal..
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Blandford Forum ist eine Kleinstadt in der Grafschaft Dorset, ganz in der Nähe, in dem Dörfchen Pimperne, habe ich einmal eine kurze Zeit gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag). Ich fand die Stadt damals tatsächlich ein wenig „bland“, also etwas langweilig, und daher orientierte ich mich mehr nach Salisbury und Dorchester, die nicht weit entfernt liegen. Vielleicht tat ich aber auch Blandford Forum unrecht, so dass ich es wieder gut machen will und heute über den Ort berichte.

Was für London der Große Brand von 1666 war, der Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, war für Blandford Forum der Große Brand vom 4. Juni 1731, der die kleine Marktstadt fast völlig zerstörte. Kaum jemand von den Bewohnern kam ungeschoren davon, auch die Kirche St Peter and St Paul erlitt große Schäden. Also machte man sich an den Wiederaufbau der Stadt, unterstützt durch staatliche Mittel und auch der König, Georg II., gab sein Scherflein mit dazu.

Geleitet wurden die Arbeiten durch zwei örtliche Architekten, die den unglücklichen Nachnamen Bastard trugen, John und William. Als erstes nahmen sich die Brüder die Town Hall vor, die sie binnen drei Jahren hochzogen. Die Kirche St Peter and St Paul wurde nach den Plänen der Bastard Brothers von 1732 bis 1739 neu erbaut. Der Marktplatz entstand in neuem Glanz mit seinen umliegenden Privathäusern. Auch das abgebrannte Haus der Bastard-Brüder in der East Street, gegenüber der Kirche, wurde neu gebaut; es trägt eine blaue Plakette, die daran erinnert, wer hier einmal gewohnt hat. Heute ist im Erdgeschoss einer der vielen Charity Shops der Stadt untergebracht.

Als im Jahr 1760 die Bauarbeiten überwiegend abgeschlossen waren, errichteten John und William Bastard zur Erinnerung an den Großen Brand noch das Pump House Fire Monument, direkt neben der Kirche. Es trägt die Inschrift „In grateful Acknowledgement of the DIVINE MERCY which has since raised this Town, like the Phoenix from its Ashes, to its present beautiful and flourishing State“.

Dieser Film zeigt Bilder aus Blandford Forum.

St Peter and St Paul.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Das ehemalige Haus der Bastard Brothers.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das Fire Monument
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Crazies Hill in Berkshire – Ein Gastropub, ein ehemaliges Rathaus und ein berühmter Schauspieler

The Horns.
Photo © Oswald Bertram (cc-by-sa/2.0)

Nicht weit von Henley-on-Thames entfernt, liegt in der Grafschaft Berkshire ein kleines Dorf namens Crazies Hill, was keine Rückschlüsse auf den geistigen Zustand der Einwohner zulassen sollte. Es gibt einiges über den Ort zu berichten, was ich hiermit tun möchte.

The Horns heißt der Dorfpub, den ich bereits einmal, wenn auch nur kurz, in meinem Blogeintrag über empfehlenswerte Restaurants in Berkshire erwähnte. Es handelt sich hier um ein ehemaliges Jagdhaus aus dem 17. Jahrhundert, das zur Gruppe der Brakspear Pubs gehört.

Nur wenige Schritte vom Pub entfernt, steht ein imposantes Gebäude, das früher einmal ganz wo anders war, nämlich in Henley-on-Thames, wo es als Rathaus diente. Summerfield House oder Crazies Hall heißt das Haus, das ursprünglich 1790 in Henley erbaut worden war, Als man dort am Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Town Hall errichtete, ließ Charles Clements, der mehrfach der Stadt als  Bürgermeister gedient hatte, das alte Gebäude Stück für Stück auseinandernehmen und in Crazies Hill wieder aufbauen. Als Summerfield House zuletzt auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde (2011) lag der Verkaufspreis bei £18 Millionen. Vorbesitzer war der Boss des Reading Football Clubs.

In Crazies Hill wohnte für einen großen Teil seines Lebens ein berühmter englischer Schauspieler, der in zahllosen Spielfilmen mitwirkte: Robert Morley (1908-1992). Morley kaufte sein Haus Fairmans im Jahr 1940 und fühlte sich darin so wohl, dass er bis zu seinem Tod darin residierte. Fairmans liegt außerhalb des eigentlichen Dorfes Crazies Hill, an der Straße mit dem selben Namen, auf dem Gelände des  Hennerton Golf Clubs. Morley war mit den Besitzern des Golfclubs eng befreundet, und so wurde nach seinem Tod zu seinen Ehren dort eine Plakette angebracht, enthüllt von Morleys Witwe Joan. Ihr gemeinsamer Sohn Sheridan Morley (1941-2007) machte sich übrigens als Autor viele Schauspielerbiografien einen Namen (darunter Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Judy Garland und John Gielgud). Hier sind Bilder von Robert Morleys Beerdigung. Er liegt auf dem St Mary’s Churchyard im benachbarten Wargrave (Berkshire) begraben.

Gegenüber vom Golfplatz liegt auf dem Gelände der Gibstroude Farm eine winzige Kunstgalerie, die Barn Art Gallery.

Der Hennerton Golfplatz.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Robert Morley.
Author: Allan warren
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Die Village Hall in Crazies Hill.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Lyme Regis in Dorset Teil 2: The Pilot Boat und ein Hund, dessen Name einmal weltberühmt werden sollte

In der Bridge Street von Lyme Regis findet man einen Pub, der über die Grenzen der Stadt hinaus kaum bekannt sein dürfte, der vor fast hundert Jahren aber einen vierbeinigen Bewohner hatte, dessen Namen heute so gut wie jedes Kind auf der Welt kennt. Der Name des Pubs: The Pilot Boat, der Name des Hundes: Lassie. Hier ist die Geschichte dazu:

Am 1. Januar des Jahres 1915 wurde das britische Kriegsschiff HMS Formidable vor der Küste Südenglands von einem deutschen U-Boot torpediert und sank in den ersten Stunden des neuen Jahres. Viele der über 700 Seeleute an Bord kamen ums Leben, einige wurden von Begleitschiffen gerettet und einige retteten sich auf Beiboote, die es in der rauen See schwer hatten, nicht zu kentern. Eines dieser Boote schaffte es bis zur Küste von Lyme Regis, und 48 Männer atmeten erleichtert auf, als sie total erschöpft in der Hafenstadt ankamen, neun ihrer Kameraden hatten es nicht geschafft. Die Toten wurden an Land gebracht und erst einmal im Keller des Pilot Boat Pubs gelagert. Im Pub gab es einen Hund, einen Collie namens Lassie, der sich durch seine Intelligenz schon mehrfach ausgezeichnet hatte. Lassie begab sich in den Keller und steuerte auf einen der für tot gehaltenen Männer zu, es war der Vollmatrose John Cowan. Lassie begann, ihm das Gesicht abzulecken, wieder und immer wieder, bis der Mann plötzlich ein Lebenszeichen von sich gab. Lassie rief durch ihr Bellen mehrere Männer in den Keller, die bemerkten, dass John Cowan atmete. Schnell holten sie medizinische Hilfe herbei, die ihn ins nächst gelegene Krankenhaus brachte. Der Seemann war gerettet und während seiner Genesungsphase wich ihm Lassie nicht von der Seite. Dass sich zwischen den beiden eine ganz besondere Freundschaft entwickelte, liegt auf der Hand. Lassie bekam von der Stadt Lyme Regis eine Medaille verliehen, und der Name des Hundes wurde durch Pressemeldungen weltweit bekannt.

Der 1897 in Yorkshire geborene und in den USA lebende Eric Knight veröffentlichte am 17. Dezember 1938 in der Saturday Evening Post eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Lassie Come Home„, die er zwei Jahre später zu einem Roman erweiterte. Man ist sich ziemlich sicher, dass Knight von der heroischen Tat des Hundes in Lyme Regis gehört hatte und sich dadurch inspirieren ließ. Kurzgeschichte und Roman fanden nicht nur bei der amerikanischen Leserschaft Anklang, der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und ein internationaler Bestseller. 1943 drehte Hollywood einen Film, der ebenfalls „Lassie Come Home“ („dt. „Heimweh“) hieß und Vorreiter für zahllose Fernsehserien und weitere Spielfilme war. Lassies Rolle übernahm ein Langhaarcollie namens Pal, ein waschechter Hollywood-Hund, der in der Filmstadt geboren worden war und dort auch im Alter von 18 Jahren starb. Hier ist der Trailer zum Originalfilm, hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie und hier der Trailer des aktuellen deutschen Films „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ aus dem Jahr 2020.

Die HMS Formidable.
This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

 

 

Pangbourne in Berkshire – Einige Anmerkungen

Wie Perlen an einer Schnur aufgereiht, liegen die Autohändler von Nobelmarken wie Lamborghini, Bentley und Aston Martin an der Station Road in Pangbourne in der Grafschaft Berkshire. Ein Zeichen, dass in dieser Region westlich von London einige wohlhabende Menschen wohnen. Die A329 führt durch den hübschen Ort an der Themse hindurch. Gegenüber von dem Lamborghini-Händler an der Station Road steht das Village Sign von Pangbourne, das wie immer Aufschluss darüber gibt, was es mit dem Ort auf sich hat. Es zeigt, das Schild beherrschend, einen König mit Krone auf dem Haupt und Schwert in der Hand. Es handelt sich dabei um Paega, einen sächsischen Stammesfürsten aus dem 9. Jahrhundert, von dem sich der Name Pangbourne ableitet (= „Paega’s People’s Stream“). Über dem Ortsnamen zeigt das Dorfschild ein Wikingerschiff, darunter ist ein aufgeschlagenes Buch zu sehen, „The Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame (1859-1932), das diesem Autor Tribut zollt, der von 1924 bis zu seinem Tod im Jahr 1932 im Church Cottage in Pangbourne wohnte. „The Wind in the Willows“ ist ein absoluter Kinderbuchklassiker, der in deutscher Übersetzung „Der Wind in den Weiden“ heißt und der im englischen Original 1908 erschienen ist. Das Restaurant des George Hotels in Pangbourne ist nach der Überschrift des fünften Kapitels des Buches benannt: Dulce Domum („Sweetly at home“).

Wer Jerome K. Jeromes wunderbares Buch „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot“) gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass die Themsefahrt für die drei Männer und ihrem Hund hier in Pangbourne ein Ende genommen hat und zwar am The Swan, den ich in meinem Blog schon in einem separaten Artikel beschrieben habe.

The Boathouse an der Themse spielt in der britischen Rockgeschichte eine Rolle, denn in diesem Haus, das ein gewisser Jimmy Page 1967 für £6,000 gekauft hatte, wurde die Geburtsstunde der legendären Rockband Led Zeppelin eingeläutet, als Robert Plant dazu stieß und die beiden Musiker sich bei Tee und Schallplattenhören anfreundeten. The Boathouse liegt an der Straße Shooters Hill (Nummer 4).

Auf der anderen Seite des Flusses liegt schon die Grafschaft Oxfordshire und der Ort Whitchurch-on-Thames, verbunden durch die gebürenpflichtige Whitchurch Bridge (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Themse bei Pangbourne.
Photo © Ruth Sharville (cc-by-sa/2.0)

Die Eisenbahnbrücke über die Station Road.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Happy at Home Index der Internetplattform „Rightmove“

St Ives in Cornwall.
Photo © Kurseong Carl (cc-by-sa/2.0)

In welchen Orten war man im Jahr 2020 in Großbritannien am glücklichsten? Dieser Frage geht der sogenannte „Happy at Home Index“ der Immobilien-Internetplattform Rightmove nach. Anhand von zehn Kriterien wird dieser Index jetzt bereits seit neun Jahren erstellt, darunter zählen beispielsweise:

– Wie stark ist der Gemeinschaftssinn in der Kommune ausgeprägt?

– Wie freundlich und höflich sind meine Mitbürger?

– Gibt es genügend kulturelle Angebote?

– Wie sieht es mit der Natur und den Grünflächen aus?

– Wie ist die Infrastruktur? Gibt es genügend Schulen, Ärzte, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte?

In diesem Jahr nimmt St Ives in Cornwall den Spitzenplatz ein, eigentlich keine große Überraschung, denn schon seit vielen Jahrzehnten zieht es Menschen an diesen Ort an der Nordküste Cornwalls. Künstler behaupten, dass es hier, wie an der Côte d’Azur in Frankreich, ein ganz besonderes Licht gibt. Mittlerweile sind die Immobilienpreise in St Ives derart gestiegen, dass es nicht mehr allzu viele Künstler gibt, die es sich leisten können, in der Stadt ein Atelier zu unterhalten. Über £400 000 liegt der Durchschnittspreis einer Immobilie.

Deutlich niedriger liegen da die Preise in Skipton in North Yorkshire, einer Kleinstadt im Norden des Landes, die den zweiten Platz einnimmt, nämlich bei £226 000. Die „Stadt der Schafe“ am River Aire mit seiner alten Burganlage habe ich immer als sehr angenehm empfunden, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es sich gut leben lässt.

Auf Platz 3 in diesem Jahr liegt Leamington Spa (oder auch Royal Leamington Spa genannt) in Warwickshire. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um einen Kurort am River Leam, der durch einen Besuch von Queen Victoria im Jahr 1838 mit dem Zusatz „Royal“ geadelt wurde. Nach und nach wächst Leamington Spa mit der Nachbarstadt Warwick zusammen, die auch einiges zu bieten hat wie das Warwick Castle.

Auf den folgenden Plätzen des „Happy at Home Inex“ stehen:

Platz 4: Llandrindod Wells in Wales

Platz 5: Perth in Schottland

Platz 6: Kendal in Cumbria

Platz 7: Stratford-upon-Avon in Warwickshire

Platz 8: Dorchester in Dorset

Platz 9: Harrogate in North Yorkshire

Platz 10: Richmond-upon-Thames in London

Skipton in North Yorkshire.
Photo © Lakeland Ramblers (cc-by-sa/2.0)

Die Royal Pump Rooms in Leamington Spa in Warwickshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Luton in Bedfordshire – Die Stadt der Hüte

Es gibt Städte, die man sofort mit einem bestimmten Begriff verbindet. Bei der Stadt Luton in Bedfordshire sind es automatisch die Hüte, vielleicht auch noch der Entlastungsflughafen London Luton Airport. Heutzutage spielt die Hutindustrie nicht mehr die Rolle wie es früher einmal der Fall war.

Eigentlich hat Luton den Aufstieg der Hutproduktion Napoleon zu verdanken, der Anfang des 19. Jahrhunderts durch seine Blockade die Lieferung französischer Hüte nach Großbritannien unterbunden hatte. Da keine Hüte mehr für die Damenwelt und auch für die Herren ins Land kamen, baute man in der Stadt in Bedfordshire die bereits vorhandene eigene Industrie aus, und das in einem Maße, dass Luton davon gewaltig profitierte, expandierte und die Bevölkerungszahl zunahm, eine Entwicklung, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts anhielt. Waren es anfangs die Strohhüte, die im Mittelpunkt standen, waren es später, nach dem Ersten Weltkrieg, die Filzhüte, die besonders gefragt waren. Auch heute werden in Luton noch Hüte angefertigt wie die der Firma Olney Headware, die seit über hundert Jahren hier ansässig ist.

Wer sich für das Thema interessiert, der kann in Luton auf zwei Hat Trails die wichtigsten Stationen der ansässigen Hutindustrie besuchen. Beide führen an den ehemaligen Fabriken und Werkstätten entlang und sind zu Fuß in kurzer Zeit zu absolvieren. Trail 1 ist circa 600 Meter lang, Trail 2 ist doppelt so lang. Beide Wege beginnen und enden in der Bute Street an der Hat Factory, einem 2004 eröffneten Kulturzentrum. Man kann sich ein Trail Leaflet herunterladen und damit die beiden Touren unternehmen.

Es versteht sich von selbst, dass die örtliche Fußballmannschaft Luton Town F.C. einen Spitznamen trägt, der auf die stolze Vergangenheit verweist: The Hatters.

Das Buch zum Thema:
Alex Askaroff: The Luton Hat Trade, a Brief History. Independently published 2019. 52 Seiten. ISBN  978-1677086986.

Beispiele für in Luton angefertigte Hüte im Wardown Park Museum.
Author: diamond geezer
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 12. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Westward Ho! – Ein Ort an der Nordküste von Devon mit einem ganz besonderen Namen

Wandmalerei an einem Parkplatz.
Author: Chris Dymond
Creative Commons 2.0

Wie kommt wohl der Badeort an der Küste Nord-Devons zu dem merkwürdigen Namen? „Schuld“ daran ist der auch aus Devon stammende Schriftsteller Charles Kingsley (1819-1875), der schrieb nämlich 1855 den historischen Roman „Westward Ho!“, der zur Zeit Elizabeth I spielt und der von den Abenteuern des jungen Amyas Leigh erzählt. Kingsleys Roman beginnt in dem fiktiven Hafenstädtchen Bideford Quay, das etwa da angesiedelt ist, wo das heutige Westward Ho! liegt.

Der Ort ist der einzige in ganz Großbritannien, der nach einem Roman benannt ist und der ein Ausrufezeichen in seinem Namen trägt, und darauf ist man sicher in Westward Ho! auch sehr stolz. 1865, also 10 Jahre nachdem der Roman veröffentlicht wurde, begann man den Badeort zu erbauen. Damals hatten die Viktorianer ein ausgeprägtes Bedürfnis, ihre Ferien an der See zu verbringen.

Heute ist Westward Ho! vor allem durch seine langen Sandstrände bekannt und beliebt und britische Golfer kennen alle den ältesten Golfplatz der Insel, der 1864 errichtet wurde und dem Royal North Devon Golf Club gehört. Man nennt ihn auch „St. Andrews des Südens„. Für Nicht-Golfer: St. Andrews ist der berühmte Golfplatz in Schottland.

Hier ist ein Film über den Ort.

Published in: on 4. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Ansdell in Lancashire – Der einzige Ort in England, der nach einem Künstler benannt ist

Lytham St Annes ist eine Stadt an der Küste von Lancashire, nur durch den Blackpool Airport von der Stadt des Vergnügens getrennt. Sie besteht aus mehreren Ortsteilen, von denen einer Ansdell heißt, der nach dem Maler Richard Ansdell (1815-1885) benannt ist. Und das ist einmalig in England, dass ein Ort den Namen eines Künstlers trägt.

Richard Ansdell ist vor allem durch seine Tierbilder bekannt geworden, die mich an die Gemälde von Sir Edwin Landseer erinnern. Der Künstler besaß ein Sommerhaus in Lytham St Annes namens Starr Hills und hatte eine enge Beziehung zu diesem Landstrich, oder besser Küstenstrich, von Lancashire. Dieses Haus an der heutigen Ansdell Road South beherbergt jetzt ein Seniorenheim, das Starr Hills Care Home (hier ist ein Film darüber). Aus Verbundenheit zu Richard Ansdell wurde dieser Teil von Lytham St Annes später nach ihm benannt.

Richard Ansdell stammt aus Lancashire, er wurde in Liverpool geboren, wo er auch seine erste Ausstellung hatte. Im Alter von 37 Jahren verließ er mit seiner Familie seine Heimatstadt und ließ sich in London nieder. Elf Kinder zeugte er mit seiner Frau Maria Romer. In seinen Gemälden ging es oft beschaulich zu („A Spanish Shepherd„), manchmal waren aber auch dramatische Szenen zu sehen („The Hunted Slaves„). Ansdell starb 1885, beerdigt wurde er auf dem riesigen Brookwood Cemetery in Surrey.

Der Ortsteil Ansdell ist vor allem durch die Lytham St Annes High School bekannt geworden, die einen sehr guten Ruf in der Grafschaft besitzt.

Die Woodlands Road in Ansdell.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Spanish Shepherd (1863).
This work is in the public domain.

The Hunted Slaves (1861).
This work is in the public domain.

Richard Ansdells Grab auf dem Brookwood Cemetery in Surrey.
Author: Jack1956
This work is in the public domain.

 

Leicester – Ein Hotspot der Corona-Pandemie

Leicester im Lockdown.
Author: Chris Hoare
Creative Commons 2.0

In den letzten Jahren ist die Stadt Leicester in Leicestershire vor allem durch zwei Ereignisse in den Vordergrund getreten: Durch das Auffinden der Gebeine König Richards III. unter einem Parkplatz in der Innenstadt und durch den unerwarteten Gewinn der Meisterschaft in der Premier League in der Saison 2015/16 durch den örtlichen Fußballverein Leicester City.

Leider kommt in diesem Jahr eine weitere Besonderheit hinzu, die man sich in der Stadt gern erspart hätte: Leicester ist einer der Hotspots in der Corona-Pandemie. Vor einigen Tagen lag die Zahl der Gesamtinfektionen bei 5329 bei einer Einwohnerzahl von etwa 355 000. Auch im Umland von Leicester in den Orten Charnwood, Blaby und Hinckley lagen die Infektionszahlen vergleichsweise hoch.

Warum hat es nun Leicester so schwer getroffen? Während in Deutschland es in einigen Regionen die fleischverarbeitende Industrie war, die für viele Infektionen sorgte, ist es in Leicester die Textilindustrie (ja, die gibt es dort noch, nicht alles ist nach Fernost verlagert worden), die zu einem beträchtlichen Teil für positive Tests verantwortlich war. Die Arbeitsverhältnisse sind in diesem Wirtschaftszweig skandalös; beschäftigt sind meist Menschen aus Osteuropa und Asien, darunter viele illegal. Gearbeitet wurde ohne Mindestabstand, ohne Masken in schlecht belüfteten Räumen. Trotz des Lockdowns wurde in einigen Betrieben weiter gearbeitet, auch mit Mitarbeitern, die positiv getestet worden waren. Ein Skandal, der nun durch Corona ans Tageslicht gekommen ist; hoffentlich sorgt die britische Regierung dafür, dass die Zustände wesentlich verbessert werden. Hier ist ein Film zum Thema.

Neben Leicester hat die Corona-Pandemie besonders in den Midlands zugeschlagen. Die Stadt Oldham beispielsweise weist mehr als 100 Fälle pro 100 000 Einwohner auf, in Blackpool haben die positiv Getesteten stark zugenommen. Die Region Greater Manchester ist mindestens noch bis zum 2. September im Lockdown. Im Süden ist es zur Zeit die Stadt Swindon in Wiltshire, die die größten Probleme mit Neuinfektionen hat. Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis in England Entwarnung gegeben werden kann.

 

Published in: on 30. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Ein kleiner Spaziergang durch Thame in Oxfordshire

Die Town Hall.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Wer sich regelmäßig die Episoden der TV-Serie „Inspector Barnaby“ angeschaut hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit, bewusst oder unbewusst, die Marktstadt Thame in der Grafschaft Oxfordshire gesehen haben, denn sehr viele Folgen sind hier gedreht worden. Ich bin einige Male in Thame gewesen und fand die Stadt sehr schön. Ein Problem stellt sich dem Besucher gleich, nämlich einen Parkplatz zu finden. Die zentralen Parkplätze an der High Street sind meistens überfüllt, man muss also etwas Geduld aufbringen, bis man sein Auto irgendwo abgestellt hat.

Es gibt einiges in dem Ort zu sehen und ein Spaziergang lohnt sich. Nur rund 12 000 Einwohner zählt Thame, das Verkehrsaufkommen spiegelt das nicht wider. Mitten im Zentrum liegt die Town Hall, die 1887 zu Ehren Königin Victorias goldenem Thronjubiläum erbaut wurde. Nur ein paar Schritte entfernt, ist das Hampden House zu finden, in dem der Politiker John Hampden 1643 starb. Das Market House aus dem 18. Jahrhundert wurde schon als Bäckerei, als Pub und als methodistische Kapelle verwendet. Sehr schön anzusehen, ist The Birdcage, ein uralter Pub aus dem 14. Jahrhundert. Gegenüber liegt das Hotel The Spread Eagle, das mit einem riesigen Schild auf sich aufmerksam macht. Weiter die High Street entlang, finden wir ein sehr schönes Fachwerkhaus, in dem ein Restaurant und Pub untergebracht ist: The Thatch. Im November 2007 eröffnete das Restaurant, das der Hauptpreis in der TV-Serie „The Restaurant“ war und das von dem berühmten Raymond Blanc vom nahe gelegenen Le Manoir aux Quat‘ Saisons finanziell gefördert wurde.

Neben The Thatch steht das Cuttle Brook House, in dem der irische Dichter und Nobelpreisträger William Butler Yeats lebte und in dem sein Sohn Michael Butler Yeats 1921 geboren wurde. Eine blaue Plakette am Haus erinnert daran; eine weitere blaue Plaketten ist am Pub The James Figg angebracht, den der gleichnamige Preisboxer frequentierte und der 1684 in Thame geboren wurde. Auch den Geiger Alfredo Campoli hat man in der North Street 39 mit so einer Plakette geehrt, der die letzten zehn Jahre seines Lebens bis 1991 hier gelebt hatte.

Musikfans werden bei einem Besuch in Thame auf gar keinen Fall das Grab Robin Gibbs von den Bee Gees auslassen, das auf dem Kirchhof von St Mary’s zu finden ist. Gegenüber im Prebendal House hatte er viele Jahre bis zu seinem Tod am 20. Mai 2012 gewohnt.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was es in Thame zu sehen gibt. Ein Besuch in der Stadt, rund 20 Kilometer östlich von Oxford,  lohnt sich auf jeden Fall. Hier sind noch einige weitere Bilder im Film.

The Birdcage.
Eigenes Foto.

The Spread Eagle.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

The Prebendal, wo Robin Gibb wohnte.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Tony Cherry & Meg Wise: Thornbury Through Time

Foto meines Exemplares.

Über 500 000 Exemplare hat der Verlag Amberley Publishing in Stroud (Gloucestershire) bereits von seiner historischen „Through Time„-Serie verkauft, eine Buchreihe, die einzelne Städte Großbritanniens porträtiert, indem sie historische Fotos neben heutige stellt.

Tony Cherry und Meg Wise habe ich erst kürzlich in meinem Blog mit ihrem gemeinsamen Buch über das Thornbury Castle vorgestellt. Beide haben auch schon in der „Through Time“-Serie die Stadt Thornbury in South Gloucestershire selbst porträtiert. Die Kleinstadt hat rund 12 000 Einwohner und liegt 12 Kilometer nördlich von Bristol. Ich bin ein paar dutzend Mal durch den Ort gelaufen, und ich mag ihn sehr. Das Zenrum ist dort, wo die High Street, die Castle Street und die Straße The Plain aufeinander treffen; dort steht eine alte Wasserpumpe, The Pump, hübsch bepflanzt und mit einem Gitter umgeben.

Die Fotos des Buches zeigen markante Stellen des Ortes in historischen Fotos aus den letzten 130 Jahren, viele gegenübergestellt mit Fotos von heute, aus der gleichen Perspektive aufgenommen, so dass man sehr schön erkennen kann, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Gebäude auf der High Street, wo die meisten Geschäfte und Pubs des Ortes zu finden sind.

Ein sehr interessantes Buch für diejenigen, die schon einmal in der Stadt gewesen sind.

Tony Cherry & Meg Wise: Thornbury Through Time. Amberley Publishing 2015. 94 Seiten. ISBN 978-1-4456-5247-4.

The Pump.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The White Lion auf der High Street.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Die High Street.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

 

 

St Margaret’s Bay und The Duck Inn in Pett Bottom (Kent), James Bond und Ian Fleming

Ian Flemings Haus in St Margaret’s Bay „Summer’s Lease“.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Ian Fleming (1908-1964) hatte Zeit seines Lebens eine besondere Schwäche für die Grafschaft Kent. 1952 kaufte er sich dort sogar ein Haus, in St Margaret’s Bay bei Dover, das er Summer’s Lease nannte und in dem vorher ein anderer Thrillerautor wohnte, nämlich Eric Ambler. In seinem Roman „Moonraker“ (dt. „Mondblitz“, später auch „Moonraker“), in dem viele Passagen in dem nördlich gelegenen Deal spielen, erwähnt Fleming mehrere Male St Margaret’s Bay.

Damals gab es eine Buslinie in Kent, die Canterbury mit den Küstenorten verband und die Bezeichnung 007 hatte. Diese Zahlenkombination soll sich so in Flemings Hirn eingebrannt haben, dass er seinem späteren Serienheld James Bond diese Agentennummer verpasste. Heute bedient die Linie 007 der Firma National Express die Linie Dover – London Victoria, über Folkestone und Canterbury, und benötigt dafür drei Stunden und zwanzig Minuten.

Wie in einem fiktiven Nachruf auf James Bond in der Times zu lesen war, lebte James Bond, nachdem seine Eltern in den französischen Alpen beim Bergsteigen ums Leben gekommen waren, als Zwölfjähriger eine Zeit lang bei seiner Tante Charmian Bond in einem Cottage in dem winzigen Dorf Pett Bottom. Auch James Bonds Schöpfer Ian Fleming hatte eine Beziehung zu dem kleinen Dorf, denn er wohnte einmal im Gasthof The Duck Inn und schrieb dort große Teile seines 007-Romans „You only live twice„, der 1964 erschien (und zwei Jahre später unter dem Titel „James Bond reitet den Tiger“ in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde). An dem Pub ist eine blaue Plakette angebracht, die darauf hinweist.
Wer hätte das gedacht, dass man in diesem entlegenen Teil von Kent auf den weltberühmten Agenten und seinen geistigen Vater trifft?

The Duck Inn in Pett Bottom (Kent).
Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)

 

Iggy der Saurier und das Stadtwappen von Maidstone in Kent

This picture is in the public domain.

Wappentiere sind meistens Löwen, Adler, Bären, Pferde, Einhörner, Hirsche usw. Auf dem Wappen der Stadt Maidstone finden wir auch zwei Bären, einen Pferdekopf und…einen Saurier, was meiner Meinung nach weltweit einmalig ist. Dieser Saurier hat sogar einen Namen, er heißt Iggy, denn er gehört zur Gattung der Iguanodons, die vor langer, langer Zeit hier in Kent durch die Gegend gestapft sind. Fünf Meter hoch und acht Meter lang konnten diese Tierchen werden, die aber anderen Zeitgenossen nichts taten, denn sie waren Vegetarier.

Iggy wurde im Jahr 1834 bei Sprengarbeiten in einem Kalksteinbruch an der heutigen Queen Street bei Maidstone gefunden. Der Eigentümer des Steinbruchs bemerkte einen merkwürdigen Steinbrocken, auf dem sich Skelettteile befanden. Vorsichtig legte er die gefundenen Teile beiseite und kontaktierte Gideon Mantell, der damals als Autorität in Sachen Saurier galt. Schnell machte sich Mr. Mantell auf den Weg nach Maidstone und war hocherfreut, nachdem er die Knochen sorgfältig begutachtet hatte, einen Iguanodon vor sich zu haben. Durch den Fund in Maidstone machte die Paläontologie wieder einen Schritt vorwärts, denn es ergaben sich neue Erkenntnisse. Das Originalskelett brachte man nach London in das National History Museum, machte aber einen Abdruck davon, der im Maidstone Museum zu sehen ist, so dass die Einwohner der Stadt auch etwas von dem denkwürdigen Fund haben.

1946 beantragte der Maidstone Borough Council die Aufnahme des liebevoll Iggy genannten Sauriers in das Stadtwappen, was von dem zuständigen Wappenamt auch genehmigt wurde.

In diesem Jahr erfuhr Iggy noch eine weitere Ehre, denn er wurde von der Royal Mint auf der Rückseite einer 50 Pence-Münze porträtiert.

Der Gesteinsbrocken, der in Maidstone gefunden wurde.
 This work is in the public domain.

Ein Iguanodon im Londoner Natural History Museum.
Author: Ballista.
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Published in: on 28. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„The Curious World of Frinton-on-Sea“ – Das etwas andere Seebad an der Küste von Essex

The Curious World of Frinton-on-Sea“ hieß eine Dokumentation der BBC aus dem Jahr 2008 (hier sind Teil 1 und Teil 2), in der das kleine Seebad an der Küste von Essex und seine Bewohner porträtiert wurden. Hier in Frinton-on-Sea war alles ein wenig anders als in anderen Seebädern wie zum Beispiel in dem benachbarten Clacton-on-Sea. Dort wimmelte es immer nur so von Menschen, die die Pubs, Spielhallen und anderen Vergnügungsmöglichkeiten aufsuchten, während es in Frinton sehr viel ruhiger zuging. Bis heute gibt es an der Esplanade, die an der Küste entlangführt keine Spielhallen, und bis zum Jahr 2000 war in ganz Frinton kein einziger Pub und Fish and Chip-Laden zu finden.

The Lock & Barrel war der erste Pub der Stadt, gelegen an der Connaught Avenue, gern als  „Bond Street of the East Coast“ bezeichnet. Auch Chippies, wie die Fish and Chip-Shops liebevoll genannt werden, gibt es mittlerweile.

Wie sehr die Bewohner der Kleinstadt an Traditionellem und Liebgewonnenem festhielten, zeigte sich anhand des Bahnüberganges mitten im Ort. Dort führt eine Bahnlinie über die Connaught Avenue, die B1033, die bis zum Jahr 2009 noch auf altmodische Weise mit Toren abgesperrt wurde, wenn sich ein Zug näherte. Natürlich geschah das nicht automatisch sondern per (menschlicher) Hand. Der Betreibergesellschaft, Network Rail, war das schon lange ein Dorn im Auge, und sie wollte an dieser Stelle eine moderne automatische Schrankenanlage errichten, doch die Bürger von Frinton-on-Sea wollten davon nichts wissen und an ihren „level crossing gates“ festhalten. Als die Frintonianer am Morgen des 18. Aprils 2009 die Connaught Avenue entlang fuhren oder gingen, trauten sie ihren Augen nicht: Mitten in der Nacht hatten die Betreiber der Eisenbahnlinie die heiß geliebten „gates“ entfernt und durch Schranken ersetzt. Hunderte versammelten sich an der Stelle und protestierten lautstark, doch es nützte nichts, das neue Zeitalter der automatischen Bahnschranken war auch in Frinton-on-Sea angebrochen und daran konnte niemand mehr etwas ändern. Noch heute soll es Menschen dort geben, die den  „level crossing gates“ nachtrauern.

Frintons erster Pub: The Lock&Barrel.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

The Bond Street of the East Coast – Die Connaught Avenue.
Photo © Roger A Smith (cc-by-sa/2.0)

Die neue Schrankenanlage in Frinton-on-Sea.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Von Schinkenbroten und brennenden Eseln

Nach dem gestrigen Besuch in der hübschen Stadt Sandwich im Osten der Grafschaft Kent, bleiben wir heute noch einmal in der Region. Etwa fünf Kilometer südlich liegt ein winziges Dorf, das den Namen Ham (=Schinken) trägt. Winzige Dörfer nennt man in England „hamlet„, was dem deutschen Wort „Weiler“ entspricht. Ham ist also ein hamlet, klingt schon witzig, aber es geht noch besser, denn ein paar hundert Meter von Ham entfernt, gibt es ein Straßenschild, auf dem der Weg sowohl nach Ham als auch nach Sandwich gewiesen wird; da haben wir also unser mit Schinken belegtes Brot. Kein Wunder, dass das Schild zu den meist fotografierten in Kent gehört.

Über den kentischen Weiler gibt es nicht viel zu sagen; wo er genau anfängt und wo er wieder aufhört, ist nicht so leicht herauszufinden. Die Zufahrt erfolgt über schmale Landstraßen, an denen Autos nur an Ausbuchtungen aneinander vorbeifahren können, aber das kennt man ja aus allen Teilen Englands. Die wenigen Häuser an der Updown Road, der West Street und dem Hay Hill liegen weit auseinander, und dann kommt man plötzlich an einem Country House Hotel vorbei. Bin ich jetzt überhaupt noch in Ham? Ja, denn die Adresse des The Blazing Donkey lautet „Hay Hill, Ham, Sandwich“. Das Hotel ist gleichzeitig auch ein Pub und verfügt über ein Restaurant, in dem typisch britische Speisen angeboten werden. Sehr beliebt ist The Blazing Donkey bei Hochzeitspaaren; das Haus gehört zu den Top 10 Wedding Venues in Kent. Wer hier nicht heiraten, sondern einfach nur ein Glas Bier trinken möchte, kann an der Bar beispielsweise ein Pint von der lokalen Time & Tide Brewery in Eastry bestellen.

The Blazing Donkey ist einer jener Pubs, die sehr einsam liegen, und ich mir immer denke, wer findet denn eigentlich hier hin. Kommt man dann an, ist der Parkplatz rappelvoll und im Pub ist kaum noch ein Platz zu bekommen. Das ist mir in England schon viele Male passiert.

The Blazing Donkey in Ham.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Sandwich in Kent – Die Abhängigkeit eines Ortes von einem Großunternehmen

Das Gateway Building im Discovery Park von Sandwich.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Sandwich ist eine Kleinstadt im Osten der Grafschaft Kent, ein früher strukturschwaches Gebiet, und man kann sich vorstellen wie erfreut man dort war, als der große US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer sich 1954 entschloss, in Sandwich Produktionsanlagen und Forschungslabore zu errichten. Das brachte jede Menge Arbeitsplätze und viele Menschen zogen aus anderen Teilen Großbritanniens nach Kent. Es handelte sich auch um hoch dotierte Arbeitsplätze und davon profitierte die Geschäftswelt des Ortes, in Pubs und Restaurants wurde gefeiert, es lief alles sehr gut. In den Forschungslaboren entstanden weltweit bekannte Produkte wie Viagra, Revatio und Celsentri. In Spitzenzeiten arbeiteten 2400 Menschen im Bereich “ Research and Development“.

Dann kam 2007 der erste Schlag, als die Firma ankündigte, den Produktionsbereich in Sandwich einzustellen, was bedeutete, dass viele ihren Arbeitsplatz verloren oder in andere Regionen des Landes zogen. Der zweite Schicksalsschlag kam drei Jahre später, als Pfizer ankündigte, im Zuge globaler Umstrukturierungen, auch die Forschungsabteilungen in Sandwich stark zu reduzieren. Die Folge war, dass dem überwiegenden Teil der Belegschaft gekündigt wurde, und viele von ihnen aus Sandwich wegzogen, um anderswo Arbeit zu finden. Diese neue Situation hatte gravierende Auswirkungen auf die Kleinstadt, und so gut wie alle Geschäfte waren davon betroffen.

Es dauerte einige Jahre bis sich Sandwich von dem Pfizer-Rückzug erholen konnte. Das Firmenareal wurde erweitert, und es entstand der Discovery Park, ein riesiger „science park“, in dem sich zahlreiche Firmen niedergelassen haben, auch Pfizer ist noch mit einer Forschungseinrichtung vertreten. Mittlerweile geht es dem hübschen Ort in Kent wieder gut, und es bleibt zu hoffen, dass der Discovery Park auch weiterhin blühen und gedeihen wird.

Die High Street von Sandwich.
Photo © Cameraman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. April 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Little Korea in New Malden (Greater London)

Die High Street von New Malden.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Wenn man durch manche Straßenzüge Londons oder auch anderer Städte fährt, meint man, in einem anderen Erdteil zu sein. Mir ging es so, als ich einmal durch Nuneaton in der Grafschaft Warwickshire fuhr. Ich fühlte mich nach Indien versetzt; auf der Straße waren überwiegend Männer mit Turbanen zu sehen, die Geschäfte waren fast alle in der Hand von Indern und trugen entsprechende Schriftzüge.

In dem Londoner Stadtteil New Malden im Südwesten der Stadt, der zum Royal Borough of Kingston upon Thames gehört, prägen Koreaner das Stadtbild. Hier sollen etwa 8000 Süd-Koreaner leben, im gesamten Borough sogar 20 000. Damit stellt dieser Teil Londons die größte koreanische Gemeinde in ganz Europa dar.
New Malden dient als kulturelles und als Einkaufszentrum der in London lebenden Koreaner; so findet man hier zahlreiche Cafés und Restaurants und kleine von Koreanern geführte Supermärkte. Korea Foods ist wohl der größte auf koreanische Waren spezialisierte Supermarkt. Viele Läden sind in Englisch und Hangeul, der koreanischen Buchstabenschrift, beschriftet. Mehrere Festivals werden jedes Jahr in New Malden und in Kingston upon Thames veranstaltet, zum Beispiel Chuseok, Koreas Herbstfestival, das London Korean Festival und am 15. August wird der Korea Independence Day gefeiert.

Es gibt auch Integrationsprobleme in New Malden. Die Kulturen der Engländer und der Koreaner sind doch sehr unterschiedlich; so gehen die Asiaten gern abends in ihre Karaoke-Bars, während die Engländer sich in ihre Pubs zurückziehen. Die Korean Residents’ Society versucht, Hilfestellung zu leisten bei der gesellschaftlichen Integration und beim Erlernen der englischen Sprache.

Ein koreanischer Supermarkt in New Malden.
Author: tawalker
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Published in: on 25. April 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Sellindge in Kent – Ein Dorf, das am 1. Juni 1938 nur knapp einer Katastrophe entging

Die A20, die Ashford Road, in Sellindge.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Als ich einmal meinen Englandaufenthalt beendete und auf der M20 in Richtung Eurotunnel fuhr, musste ich südlich von Ashford in Kent auf die A20 ausweichen, da die Autobahn gesperrt war. Diese Umleitung führte auch durch Sellindge an der Ashford Road, wie die A20 im Dorf heißt, und dort liegt an der rechten Seite die Methodist Church, wo am 1. Juni 1938 ein Flugzeug abstürzte. Doch der Reihe nach:

An diesem Tag muss wohl die British Guardian Angel Association (BGAA) ihre jährliche Mitarbeiterversammlung in Sellindge abgehalten haben, denn anders ist es nicht zu erklären, dass bei dem Absturz niemand zu Schaden kam. Eine Fokker der belgischen Fluglinie Sabena war in Brüssel gestartet, mit dem Ziel Lympne in Kent, wo sie auf dem dortigen Flugplatz landen sollte. Der Pilot bekam beim Landeanflug auf Grund eines Sturms Schwierigkeiten mit seinem Flugzeug und konnte es nicht mehr beherrschen. Er war schon sehr tief und streifte als erstes das Dach eines Hauses an der Ashford Road, stürzte dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf das Gelände der Methodist Church, streifte die Kirche und blieb als Totalschaden liegen. Wie durch ein Wunder (bzw. durch den Einsatz der Schutzengel) wurde weder ein Bewohner des Hauses, in dem heute die Katzenpension Purrs Mews untergebracht ist, noch die beiden Insassen des Flugzeugs verletzt. Die beiden Belgier stiegen mit weichen Knien aus den Trümmern ihrer Maschine aus…und schlossen sich einer etwa hundertköpfigen Gruppe von Damen an, die an der Methodist Chapel ihren Anniversary Tea zu sich nahmen und natürlich auch Tee angeboten bekamen, den sie gern akzeptierten (vielleicht hätten sie in diesem Falle lieber etwas Stärkeres getrunken als Tee). Coole Typen, diese beiden Belgier!

Thank you BGAA!!

Hier ist ein Film der British Pathé.  Die kleine Kapelle der Methodist Church steht noch heute an der Ashford Road, und das Dach des Hauses auf der anderen Straßenseite ist längst wieder neu gedeckt.

Eine Fokker VIIb/3m. Ein Flugzeug diesen Typs stürzte in Sellindge ab.
This work is in the public domain.

Hier auf dem Lympne Airfield sollte die Fokker eigentlich landen.
Photo © Peter Jeffery (cc-by-sa/2.0)

Congleton in Cheshire – Die Stadt der Bären

Über die Stadt Congleton in der Grafschaft Cheshire habe ich in meinem Blog noch nichts geschrieben, was sich heute aber ändern soll. Die rund 26 000 Einwohner zählende Stadt liegt etwas westlich vom Peak District und wird Beartown genannt.

Wie es zu dem Namen kam, ist schnell erzählt: Im 17. Jahrhundert waren Tanzbären sehr beliebt, die bei Volksfesten ihre Künste zeigen mussten. Der Tanzbär von Congleton siechte damals bei einem anstehenden Fest vor sich hin und starb schließlich, ein Desaster für die Veranstalter, denn viele Besucher kamen extra wegen des Bären…und ohne Bär keine Umsätze. Also musste ein neuer her, aber es war kein Geld dafür in der Stadtkasse. Da kam einer der Stadtoberen auf die Idee, das Geld, das eigentlich für den Ankauf einer neuen Bibel gedacht war, für den Bärenkauf zu verwenden und anschließend, wenn der Bär bei dem Fest genügend Geld eingebracht hatte, es wieder für den eigentlichen Zweck zu verwenden. Diese Geschichte, ob sie nun stimmt oder nicht, ist so eng mit Congleton verwoben, dass die Stadt bis heute Beartown genannt wird. Es gibt auch ein Lied, das die Geschichte beinhaltet, „Congleton Bear„, hier zu hören.

Nach wie vor hat man in Congleton ein Herz für Bären, denn vor einigen Jahren hatte man in der Stadt Geld für eines dieser Tiere gesammelt, das in Ostasien in einer „bear bile farm“ gefangen gehalten war. In diesen „Farmen“ wird Bären Gallenflüssigkeit entnommen, die in der Medizin Verwendung findet, eine sehr schmerzhafte und grausame Prozedur. Bosley hieß das Tier, das durch die Spenden aus der Stadt in Cheshire wieder aufgepäppelt werden und ein zufriedenes Leben führen konnte.

Im Jahr 2011 feierte man in Congleton The Year of the Bear und stellte 76 1,50 hohe Bären im ganzen Stadtgebiet auf (hier ist ein Film darüber).

Es gibt hier eine Beartown Brewery, deren Biere Namen tragen wie Bluebeary, Peach Melbear und Kodiak, ferner Pubs, die Beartown Tap und Beartown Cock heißen und in der Market Street wartet das Bear Grills Café auf Gäste.

Der Spitzname des Congleton Football Clubs ist The Bears und im Logo des Vereins findet man einen Tanzbären.

The Beartown Cock.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Am Astbury Mere Country Park.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

…und noch ein Bär, im Ortsteil Buglawton.
Photo © Brian Deegan (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Dunsop Bridge in Lancashire – Großbritanniens geographischer Mittelpunkt

Der Forest of Bowland in Lancashire ist schon eine recht einsame Gegend im Nordwesten Englands und auch sehr wenig bekannt. Ziemlich in der Mitte des Forests und nur auf kleinen Straßen erreichbar (noch nicht einmal auf B-Straßen) liegt das Dorf Dunsop Bridge. Hier soll der geographische Mittelpunkt Großbritanniens liegen. Wer es bis auf den Meter genau haben möchte: Whitendale Hanging Stones, bei Brennands Farm, ist das absolute Zentrum des Königreichs.

Welches Dorf Englands darf sich damit brüsten, schon zweimal von der Queen besucht worden zu sein? Dunsop Bridge kann es; zuletzt war die Monarchin im Sommer 2006 hier, denn sie soll eine Schwäche für den Forest of Bowland haben.

1992 gab es im Dorf ein großes Ereignis. British Telecom (BT) errichtete hier ihre 100 000. Telefonzelle, deren Einweihung niemand geringerer als der berühmte Abenteuerer Sir Ranulph Fiennes vornahm. Die Plakette, die man an der Telefonzelle anbrachte, trägt die Zeilen „You are calling from the BT payphone that marks the centre of Great Britain„. Ob heute im Zeitalters des Handys von dort noch viel telefoniert wird? Vielleicht bekommen Handys im abgelegenen Forest of Bowland ja auch keinen Empfang? Vor zwei Jahren wollte BT im Zuge einer großen Aktion in dieser Region überflüssige Telefonzellen abbauen, auch die in Dunsop Bridge, aber der Widerstand war dann doch zu groß, so dass diese besondere Telefonzelle stehen blieb.

Wer Enten mag, kann diese netten Vögel in größeren Mengen im Ort finden und Puddleducks Post Office and Tea Rooms‘ Verkaufsrenner ist…Entenfutter. Glücklich, eine Ente in Dunsop Bridge zu sein.

Die berühmte Telefonzelle.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Puddleduck’s Post Office and Tea Rooms.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

Die  Whitendale Hanging Stones, etwas nördlich von Dunsop Bridge.
Photo © Tom Howard (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 31. März 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Stoke Mandeville in Buckinghamshire – Teil 1: Das Village Sign

Stoke Mandeville in Buckinghamshire ist ein großes Dorf mit rund 6000 Einwohnern vor den Toren der Grafschaftshauptstadt Aylesbury, über das es einiges zu sagen gibt, daher mein heute beginnender Dreiteiler.

An der Lower Road, der B4443, findet man das Village Sign des Ortes, auf dem es eine Menge zu sehen gibt. Ganz oben thront eine Krähe, ein Hinweis auf den alten Spruch „Stoke, where there are more crows than folk“. Unter dem Ortsnamen Stoke Mandeville ist die 1866 erbaute St. Mary’s Church abgebildet, die schräg gegenüber vom Dorfschild steht. Links neben der Kirche ist die Figur einer jungen Frau zu sehen, bei der es sich um Dorathye Brudenell handelt, ein Spross der wohlhabenden Familie Brudenell, die vom 15. bis zum 17. Jahrhundert über sehr viel Grundbesitz verfügte. Rechts neben der Kirche steht ein keltisches Kreuz und davor watscheln drei Enten durch das Bild, die die berühmten Aylesbury Ducks repräsentieren, die lange in Stoke Mandeville gezüchtet wurden.
Unterhalb der Kirche sind drei Panele; das linke zeigt einen Bogenschützen in einem Rollstuhl, ein Hinweis auf das Stoke Mandeville Hospital, das National Spinal Injuries Centre und die Paralympics (darüber in meinem morgigen Blog mehr). Das mittlere Panel zeigt die Zahl 2000, das Jahr in dem das Millennium Village Sign aufgestellt wurde, und das Wappen der Brudenell-Familie. Unten rechts ist eine Frau mit Spitzenklöppelei beschäftigt, womit sich Frauen Anfang des 19. Jahrhunderts in Stoke Mandeville etwas Geld verdienten.

Geschaffen hat das Dorfschild Brian Gaze aus Ixworth in Suffolk, über den ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit dem Village Sign von Boxford (Suffolk) berichtete.

Published in: on 11. März 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Terry Pratchett und sein Geburtsort Forty Green in Buckinghamshire

Haus an der Forty Green Road und dem Holtspur Lane.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Über das winzige Dorf Forty Green in der Grafschaft Buckinghamshire schrieb ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit dem Pub The Royal Standard of England, einem richtig schönen Country Pub, den ich sehr empfehlen kann! Forty Green liegt im Dunstkreis des Städtchens Beaconsfield; wir befinden uns hier in einer Region, in der sehr viele Episoden der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ gedreht wurden.

Ende der 1940er Jahre arbeitete eine Eileen Pratchett im Postamt von Forty Green, das es natürlich schon lange nicht mehr gibt. Sie war verheiratet mit dem Kraftfahrzeugmechaniker David Pratchett und am 28. April 1948 wurde ihnen ein Sohn geboren, den sie Terence David John nannten und der später als Terry Pratchett (1948-2015) durch seine Fantasy-Romane Weltruhm erlangen sollte. Er blieb das einzige Kind von Eileen und David.

Terry besuchte die Holtspur Primary School, wo es nicht so richtig lief, und er Probleme hatte, mit den anderen Schülern mitzukommen. Der Durchbruch kam, als Terry das Buch „The Wind in the Willows“ (dt. „Der Wind in den Weiden“) von Kenneth Grahame geschenkt bekam, das ihn dermaßen faszinierte, dass seine Schulleistungen deutlich besser wurden und er Stammkunde in der Beaconsfield Public Library wurde, in die er im Juli 2013 auf seinen Wunsch hin noch einmal zurückkehrte und dort vor begeisterten Fans sprach.

Die Holtspur Primary School in der Cherry Tree Road liegt in Holtspur, einem weiteren Vorort von Beaconsfield. Als die 1951 gegründete Schule ihr 60-jähriges Bestehen feierte, gratulierte auch Terry Pratchett und erinnerte sich in einem Schreiben an seine Schulzeit damals, die er als nicht besonders angenehm empfand, was aber nicht an der Schule, sondern mehr an ihm selbst lag, denn er war als Kind ein ausgemachter Tagträumer. Terry Lieblingsspielplatz war das Wäldchen Roundhead Wood am Rand von Forty Green, zwischen der Forty Green Road und dem Holtspur Lane, wo er viele Stunden mit seinen Freunden verbrachte. Hier wurden schon die ersten Bausteine für seine späteren Scheibenwelt-Romane gelegt.

Hier ist eine Dokumentation über Terry Pratchetts Leben. Siehe auch meinen Blogeintrag über meine „Begegnung“ mit Terry Pratchett in Wincanton (Somerset).

Holtspur in Buckinghamshire.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)