Die Top Five der beliebtesten britischen Seebäder

Salcombe in Devon.
Photo © Shaun Ferguson (cc-by-sa/2.0)

Die Firma McCarthy & Stone in Bournemouth hat kürzlich eine Umfrage nach den beliebtesten Seebädern Großbritanniens durchgeführt; hier sind die Ergebnisse (die ersten zehn liegen alle in England):

Platz 1: Salcombe im Süden der Grafschaft Devon. Die knapp 2000 Einwohner große Stadt hat eine idyllische Lage am Kingsbridge Estuary. Die beliebtesten Strände heißen hier Sunny Cove, South Sands und North Sands. In der Saison kann es in den engen Straßen sehr voll werden und einen Parklplatz zu finden, ist ein Glücksspiel. Viele Prominente haben sich in Salcombe niedergelassen und erfreuen sich der Annehmlichkeiten, die die kleine Stadt zu bieten hat. Die Modemarke Jack Wills wurde hier 1999 in der Fore Street gegründet.

Platz 2: Weymouth in Dorset. Der Weymouth Beach wurde vom Trip Advisor als bester Strand Großbritanniens gekürt; auch der Hafen ist bei Touristen sehr beliebt. Eine Attraktion ist der 53m hohe Jurassic Skyline Tower am Festival Pier. Der Schriftsteller John Cowper Powys schrieb einen Roman über die Stadt, der 1934 veröffentlicht wurde und den Titel „Weymouth Sands“ trug (dt. „Der Strand von Weymouth“).

Platz 3: Whitby in North Yorkshire. Mein persönlicher Favorit (über den ich in meinem Blog schon mehrfach schrieb). Die kleine Hafenstadt unterhalb der Ruinen der Whitby Abbey ist absolut empfehlenswert, und die 199 Stufen zur Abtei und zur St Mary’s Church sollte man auf jeden Fall in Angriff nehmen. Whitby diente als Inspiration für Bram Stokers Vampirroman „Dracula“ und die Karriere des Seefahrers James Cook nahm hier seinen Anfang.

Top 4: St Ives in Cornwall. Die Stadt mit dem besonderen Licht lockte und lockt noch immer Künstler an (sofern sie es sich leisten können, hier ein Haus zu kaufen oder zu mieten, denn die Preise sind exorbitant). Strände gibt es in St Ives in Hülle und Fülle. Für an Kunst interessierte Besucher empfehlen sich Tate St Ives und das Barbara Hepworth Museum and Sculpture Garden.

Platz 5: Bamburgh in Northumberland. Hoch im Norden liegt das kleine Dorf Bamburgh, das von der gleichnamigen Burg beherrscht wird. Lange Strände und die Bamburgh Dunes locken im Sommer viele Touristen an. Grace Horsley Darling ist eine im Ort noch heute verehrte Heldin, die 1838 Schiffbrüchigen das Leben rettete und deren Erinnerung u.a. durch ein ihr gewidmetes Museum wachgehalten wird (ich berichtete in meinem Blog über sie).

Der Hafen von Weymouth.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die 199 Stufen hinauf zu den Ruinen der Whity Abbey.
Eigenes Foto.

St Ives in Cornwall.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Bamburgh in Northumberland und seine Burg.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. September 2017 at 02:00  Comments (1)  

Appleton Roebuck in North Yorkshire – Eines meiner Lieblingsdörfer im Norden Englands

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Wir wohnten einmal für einige Zeit in dem kleinen hübschen Dorf  Bolton Percy, einige Kilometer von der Brauereistadt Tadcaster in North Yorkshire entfernt. Nur einige Fahrminuten von Bolton Percy findet sich ein weiteres idyllisches Dorf, namens Appleton Roebuck, in das wir häufig fuhren, um dort in The Shoulder of Mutton zu Abend zu essen. Ich habe mich sofort in den Ort verliebt, der besonders bei unseren Abendspaziergängen sehr anheimelnd wirkte, wenn kaum jemand auf der Straße anzutreffen war und überall in den Häusern die Fenster beleuchtet waren. Hier hätte ich auch gern gewohnt!

Appleton Roebuck liegt ca 15 km von York entfernt. Dort und wohl auch in Tadcaster arbeiten die meisten Bewohner, denn im Ort selbst gibt es nur wenig Arbeitsmöglichkeiten.

Der merkwürdige Name Appleton Roebuck stammt aus der Zeit der Angelsachsen, als hier eine Apfelplantage betrieben wurde. Diese gehörte im 14. Jahrhundert einem Mann namens Rabuk.

Der bereits erwähnte Pub The Shoulder of Mutton (es gibt noch einen weiteren Pub The Roebuck Inn in der Main Street) in der Chapel Green Lane am Village Green gelegen, ist einer meiner Lieblings-Pubs. Er verfügt über ein sehr gemütliches und ansprechendes Interieur und hat ein kleines Restaurant mit einer guten Küche, wo wir häufig gegessen haben. Ein richtiger Wohlfühl-Pub!

Vor vielen Jahren kauften wir einmal ein Bild eines Malers aus Appleton Roebuck namens Brian Cotterill, das eine Landschaftsszene vor der Kulisse der Stadt York zeigt. Leider habe ich von diesem Maler nie wieder etwas gehört.

The Green in Appleton Roebuck. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Hatton

Vor den Toren der Stadt York; ein Bild des Malers Brian Cotterill aus Appleton Roebuck. – Eigenes Foto.

Published in: on 3. September 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Stoke Poges (Buckinghamshire)- Von James Bond und Thomas Gray

Stoke Park.   © Copyright Stuart Cann and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Stoke Park.
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An der nördlichen Peripherie der Stadt Slough liegt ein Dörfchen namens Stoke Poges in Buckinghamshire, dessen Namen viele Menschen nie gehört, aber viele schon einmal im Film gesehen haben. Die berühmten Pinewood-Filmstudios liegen ganz in der Nähe und dort wurden die James Bond-Filme gedreht. Wenn man einmal ein typisch englisches Dorf als Hintergrund für die Dreharbeiten brauchte, bot sich Stoke Poges immer an. Wer sich noch an den Film „For your eyes only“ (deutscher Titel: „In tödlicher Mission“) erinnern kann, weiß sicher, dass James Bond, alias Roger Moore, zu Beginn das Grab seiner Frau besucht und die ist auf dem Kirchhof von Stoke Poges begraben. Hier ist die Szene zu sehen.

Nicht weit entfernt liegt Stoke Park, ein Hotel und Country Club mit exklusivem Golfclub.  Hier wurde die berühmte Szene gedreht, in der James Bond „Goldfinger“ beim Golfspielen überlistet und das Spiel gewinnt. Hier ein Filmausschnitt.

Stoke Park gehört zu den besten Hotels Englands mit einem exzellenten Restaurant, Humphry’s, für das Küchenchef Chris Wheeler verantwortlich ist, der sich hier bereits drei AA-Rosetten erkocht hat

Der Friedhof von Stoke Poges ist aber schon seit dem 18. Jahrhundert in der englischen Literatur verankert. Hier schrieb Thomas Gray 1751 sein berühmtes Gedicht „Elegy written in a country church-yard„, das zu den populärsten und am häufigsten zitierten Gedichten der englischen Sprache gehört. Thomas Gray ist auch auf dem Friedhof von St. Giles beerdigt und ein Monument erinnert an den Dichter, das allerdings nicht direkt auf dem Friedhofsgelände, sondern außerhalb über einen  kleinen Trampelpfad zu erreichen ist.

 

Thomas Grays Monument. Eigenes Foto.

Thomas Grays Monument.
Eigenes Foto.

St Giles in Stoke Poges. Eigenes Foto.

St Giles in Stoke Poges.
Eigenes Foto.

Der Torbogen (lych gate), durch den der Vikar zu Beginn des James Bond-Films „For Your Eyes Only“ tritt.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. August 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Peter Cushing (1913-1994), der Horrorfilmschauspieler, und Whitstable in Kent

Peter Cushings Wohnhaus, Seaway Cottage, in Whitstable.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Der 1913 in London geborene Schauspieler Peter Cushing ist vor allem durch seine Auftritte in zahlreichen Horrorfilmen in Erinnerung geblieben. 1939 war er erstmals in einer kleinen Rolle in dem Film „The Man in the Iron Mask“ zu sehen, letztmals 1984 in „Sword of the Valiant„. Dazwischen erlebte man Peter Cushing als Dr Van Helsing in Dracula (1958), als Victor Frankenstein in mehreren Frankenstein-Filmen, als Sherlock Holmes in „The Hound of the Baskervilles“ (1959) usw. usw.

Als Wohnort hatte sich Peter Cushing schon früh für den kleinen für seine Austern berühmten Küstenort Whistable im Norden Kents entschieden, in den er 1959 zog und in dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1994 wohnte. Cushing und seine Frau Helen erwarben in unmittelbarer Nähe zum Meer das Haus 3 Seaway Cottage und sie fühlten sich hier zeitlebens wohl, geachtet und in Ruhe gelassen von den Bürgern Whitstables. Das Haus ist heute mit einer blauen Plakette verziert, die die Aufschrift „Peter Cushing O.B.E. 1913-1994  Actor lived here 1959-1994“ trägt.

Auch heute noch, 23 Jahre nach seinem Tod, sind Spuren Peter Cushings in Whitstable zu finden; so gibt es am Ende der High Street einen kleinen Aussichtspunkt, der sich Cushing’s View nennt und der zu seinen Lieblingsplätzen im Ort gehörte. An einer Sitzbank ist eine Plakette montiert, die darauf hinweist, dass die Bank von Helen und Peter Cushing gestiftet wurde. Gleich um die Ecke liegt eine kleine Straße namens Cushing’s Walk und in der Oxford Street  befindet sich ein Pub, der nach dem Schauspieler benannt wurde: The Peter Cushing.

In der Oxford Street liegt auch das Whitstable Museum & Gallery, in dem Erinnerungsstücke an Peter Cushing ausgestellt sind.

Die Band The Jellybottys nahmen einmal einen Tributsong auf mit dem Titel „Peter Cushing Lives in Whitstable“, hier zu hören.

Dieser Film zeigt Peter Cushings Spuren in der Küstenstadt in Kent.

Cushing’s Walk.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

The Peter Cushing Pub.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Jaywick Sands in Essex – Einer der problematischsten Orte des Königreichs

Die Strandstraße Brooklands in Jaywick Sands.
Photo © Hamish Griffin (cc-by-sa/2.0)

„Nur ein paar Schritte von Clacton-on-Sea entfernt liegt eine weitere UKIP-Hochburg, Jaywick, ein Ort, der zu den heruntergekommendsten des Landes gehört (hier ist eine Fotoserie). Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, geringe Lebensqualität, leerstehende Häuser sind die Merkmale dieser Bungalow-Siedlung, die vom Staat offensichtlich vergessen worden ist; hier liebt man das politische Programm der UKIP, die vehement für eine Änderung des derzeitigen Wahlrechts kämpft. Wer könnte ihr das verdenken?“

Diese Worte schrieb ich vor einiger Zeit in meinem Blog, als es um das Thema Clacton-on-Sea und den einzigen Parlamentsabgeordneten der UKIP-Partei ging. Jaywick Sands liegt in den Statistiken der ärmsten Regionen des Landes immer ganz vorn und hat es (noch) nicht geschafft, aus dieser Abwärtsspirale wieder herauszukommen. Dabei fing eigentlich alles ganz gut an, als in den 1930er Jahren hier direkt am Strand von Essex Ferienhaussiedlungen gebaut wurden, die hauptsächlich die Londoner Bevölkerung nutzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wohnungsmangel herrschte, verwendete man die Ferienhäuser immer häufiger als Dauerwohnsitze, wofür sie aber nicht gedacht bzw. gebaut worden waren. Es gab sogar Bestrebungen, den ganzen Ort platt zu machen, aber die Bewohner wehrten sich dagegen, mit Erfolg.

Erst in den 1970er Jahren installierte man ein Abwassersystem in Jaywick Sands. Viele Häuser wurden immer unansehnlicher, es fehlte an Geld, diese wieder herzurichten, und auch Geschäfte und Pubs schlossen ihre Pforten. Die Arbeitslosigkeit kletterte in Rekordhöhen, damit verbunden die Zunahme an Drogenmissbrauch und Kriminalität.
Besonders schlimm sieht es auf der Strandstraße Brooklands und auf den umliegenden Straßen aus.

Gibt es Hoffnung auf eine Veränderung? Vielleicht. Private Investoren wollen neue Häuser errichten lassen, der Essex County Council hat über £5 Millionen zur Verfügung gestellt, um Brooklands und die anderen maroden Straßen zu sanieren, der lange geschlossene Pub Never Say Die am Broadway wurde im letzten Jahr renoviert und wieder geöffnet. Die vom Essex County Council geschlossene Bibliothek hat man mit vielen Freiwilligen wieder ins Leben gerufen und sie mit Buchspenden bestückt. Also, es scheint sich etwas zu tun in Jaywick Sands.

Zur Klarstellung: Jaywick Sands ist nur ein Teil des Ortes Jaywick und es sieht hier nicht überall so schlimm aus.

Hier ist ein Film der BBC aus dem Jahr 2010.

Der ehemalige Mermaid Inn in Jaywick Sands.
Photo © Phil Gaskin (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Juni 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Hull – UK City of Culture 2017

Hull begrüßt das Jahr 2017.
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Kingston upon Hull oder kurz Hull im East Riding of Yorkshire ist eine Stadt, die immer wieder versucht, ihren nicht besonders guten Ruf zu verbessern. Ihr scheint das mittlerweile auch zu gelingen, denn in diesem Jahr wurde die 260 000-Einwohner beherbergende Stadt zur UK City of Culture ausgerufen. Die Region Derry/Londonderry in Nordirland war 2013 die erste City of Culture, nach vier Jahren folgt nun Hull. Die Städte, die diese Ehrung erfahren, dürfen den Titel jeweils ein Jahr lang tragen. Hull konnte sich gegen die Mitbewerber Dundee in Schottland, Swansea Bay in Wales und Leicester in England durchsetzen. Durch diese Auszeichnung erhofft man sich, dass die Städte und die Regionen einen wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Anschub bekommen.

Die Verantwortlichen in der Stadt Hull haben sich für dieses Jahr einiges ausgedacht. Schon der Jahresbeginn wurde in großem Stil mit einem Feuerwerk und einer Lightshow begonnen. Jedes Quartal steht unter einem anderen Motto. Von Januar bis März hieß es „Made in Hull“ mit dem Schwerpunkt „to show people what Hull is really made of and the many incredible things Hull has made for the world“. In dem künstlerischen Projekt „Hullywood Icons“ von Quentin Budworth stellen Bewohner der Stadt Filmszenen nach wie dieser Film zeigt.

Die zweite Saison von April bis Juni nennt sich „Roots and Routes“ und stellt Hull als Stadt des Wandels vor, als Einfallstor für Europa und als Stadt mit internationalem Flair.

Die Zeit von Juli bis September steht unter dem Motto „Freedom“ und stellt die Themen Emanzipation und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Höhepunkt in diesem Quartal dürfte das dreitägige Freedom Feastival sein, das vom 3. bis zum 5. September stattfindet.

Tell the World“ heißt es von Oktober bis Dezember und in diesen Monaten geht es um die Zukunft der Stadt Hull. „We’ll look at how Hull is redefining itself as a key city within the North; a place reborn, with the voice and confidence of a city on the up.“

Das Angebot an kulturellen Veranstaltungen ist riesig; allein für heute, den 16. Mai, habe ich 27 Aktionen gezählt. Ich hoffe, dass Hull durch die Ernennung zur UK City of Culture endgültig das Image des Schmuddelkindes hinter sich gelassen hat. Unter den Top 50 der „Crap Towns“ ist die Stadt  schon nicht mehr zu finden.

Die Bewerber für die UK City of Culture 2021 stehen schon in den Startlöchern; dazu gehören u.a. Coventry, Hereford, Sunderland und Wells.

Hull City Hall illuminiert.
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Das City of Culture Logo in den Queens Gardens.
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Eine Kunstinstallation im Rahmen des Kulturprogramms.
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Published in: on 16. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Willenhall (West Midlands) – Englands „City of Locks“

 

The Locksmith’s House.
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Willenhall ist eine 40 000 Einwohner zählende Stadt in den West Midlands zwischen Wolverhampton und Walsall. Der Ort im Black Country ist dadurch bekannt, dass hier ein großer Teil aller englischen Schlösser hergestellt werden (wie „Türschlösser“ nicht wie „Burgen“) und das schon seit der Zeit Elizabeth I, die der Stadt die Genehmigung erteilte, Royal Locks herzustellen.
Ursprünglich wurden die Schlösser in Heimarbeit von Familien hergestellt und da man sich bei dieser Arbeit ständig in gebückter Haltung befand, entwickelten sich bei vielen dieser Arbeiter Buckel (humps), so dass Willenhall auch als „humpshire“ bezeichnet wurde. Früher sollen sogar einige Pubs in der Wand Ausbuchtungen gehabt haben, damit die Buckel der Männer dort hereinpassten und sie bequem sitzen konnten.

Heute gibt es hier natürlich keine Heimarbeit mehr und die in Willenhall angesiedelten Firmen stellen die Schlösser maschinell her.
Guardian Lock & Engineering Co, Worrall Locks Ltd, B&G Lock & Tool Co. oder ERA sind einige Firmen, die noch hier in den West Midlands produzieren. Leider ist ein großer Teil der Industrie nach China abgewandert.

Wie Schlösser früher in Handarbeit hergestellt wurden, kann man sich im Locksmith’s House in der New Road ansehen. Leider ist das Haus nicht so ohne weiteres zugänglich und nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet.

Jim Carter, der Butler Carson aus „Downton Abbey“, und seine Beziehung zu Harrogate in West Yorkshire

The Stray.
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Der Kurort Harrogate in West Yorkshire ist vielen Deutschen vor allem dadurch bekannt, dass hier die Sängerin Nicole beim 27. Eurovision Song Contest am 24. April 1982 im Conference Centre mit „Ein bisschen Frieden“ den Sieg für Deutschland holte.

Am 19. August 1948 wurde in diesem hübschen, angenehmen Kurort Jim Carter geboren, dessen spätere Schauspielerkarriere durch seine Rolle als Butler Carson in der Erfolgs-TV-Serie „Downton Abbey“ einen steilen Knick nach oben machte. Der Mann mit der sonoren Stimme verbrachte seine Kindheit und Jugend in Harrogate, wo er mit seinen Eltern in einem viktorianischen Haus am The Stray wohnte, einem Parkgebiet am südöstlichen Stadtrand, das sicher jeder kennt, der schon einmal in Harrogate weilte. Carter besuchte das Ashville College am Green Lane, rund zwei Kilometer vom Wohnhaus seiner Eltern entfernt. Hier wurde er in seinem letzten Schuljahr zum „head boy“, also zum Schulsprecher gewählt. Einer seiner Vorgänger als „head boy“ im Ashville College war übrigens Tony Richardson (1928-1991), ein weiterer Mann aus der Filmbranche, der als Regisseur und Produzent erfolgreich war und für seinen Film „Tom Jones“ 1964 einen Oscar als bester Regisseur erhielt.

Jim Carter ist seiner Heimatstadt in West Yorkshire treu geblieben und kommt immer mal wieder hierher zu Besuch. Auch weil seine 98jährige Mutter Molly im Pflegeheim The Granby an der Granby Road untergebracht ist. Erst im Februar eröffnete er einen neuen Fernsehraum in dem Heim, das gerade umgebaut wird. The Granby war einmal eines der besten Hotels in Harrogate.

Auch ins Ashville College zog es Jim Carter zurück, wo er im März 2014 das renovierte Soothill Auditorium eröffnete. Das College hat das Studio für seine Schauspielschüler nach ihm benannt. Eine Tafel an der Außenwand weist darauf hin: „The CARTER STUDIO Dedicated by Jim Carter (OA) on 16th March 2014“. Hier an der Schule hat Jim Carter auch seine ersten zaghaften Versuche auf der Bühne unternommen.

Ein weiterer Besuch Carters in seiner Geburtsstadt galt im Dezember 2013 dem Royal Pump Room Museum, wo eine Ausstellung mit dem Titel „Age of Elegance: Costumes from Downton Abbey“ stattfand. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung standen die Original-Kostüme, die die Damen in der TV-Serie in der ersten Staffel getragen hatten. Das Royal Pump Room Museum ist an der Royal Parade in Harrogate zu finden.

Vielleicht sehen wir Jim Carter als Butler Carson ja bald wieder, denn möglicherweise wird nach dem Ende der TV-Serie ein Spielfilm „Downton Abbey“ gedreht.

Das Ashville College.
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The Granby.
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The Royal Pump Room Museum.
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The Black and White Village Trail in Herefordshire

Leominster – Hier beginnt der Black and White Village Trail.
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Herefordshire im Westen Englands ist eines der ländlichsten und am wenigsten besiedelten Counties, in dem die Landwirtschaft im Mittelpunkt steht. Das berühmte Hereford-Rind stammt von hier. Da die Verstädterung also noch nicht so weit vorgedrungen ist, gibt es in Herefordshire noch viele idyllische Dörfer und Kleinstädte. Die Firma Lilliput Lane (s. dazu meinen Blogeintrag) würde hier jede Menge Anregungen bekommen.

Der Black and White Village Trail , der 1987 angelegt wurde, verbindet einige besonders schöne Dörfer miteinander und umfasst 64 Kilometer. „Black and White“ wurde die Rundstrecke genannt, weil man hier zahlreiche Fachwerkhäuser sehen kann, die besonders gut erhalten sind. Viele von ihnen stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Die gut ausgeschilderte Tour beginnt in Leominster, wo man sich in der Touristeninformation am Corn Square eine Karte besorgen kann, und führt durch eine sehr reizvolle Landschaft mit Obstgärten und Rinderweiden. Hier wird Cider produziert, den man z.B. in Pembridge bei Dunkerton’s probieren kann. Viele gemütliche Pubs und Tearooms stehen am Wegesrand und die Dörfer Eardisland und Weobley zählen zu den schönsten des Landes.
Hier ist England noch so wie man es sich vorstellt und wie es hoffentlich noch lange bleiben wird.

Dieser Film zeigt einige besonders schöne Beispiele von Dörfern auf dem Trail.

Pembridge.
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Eardisland.
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Weobley.
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Published in: on 20. April 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Die Lord Street in Southport (Merseyside)- Eine der schönsten Einkaufsstraßen Englands und Vorbild für die Pariser Champs Elysées (?)

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Southport liegt weniger als dreißig Kilometer von Liverpool entfernt an der Irischen See und hat etwas mehr als 90 000 Einwohner. Quer durch die Stadt zieht sich die eine Meile lange Lord Street (gleichzeitig die A565), die zu den schönsten Einkaufs- und Bummelstraßen Englands gehört. Sie ist sehr breit und die beiden Fahrbahnen werden durch einen attraktiven Grünstreifen getrennt; auch architektonisch ist die Lord Street interessant. Da sind zum Beispiel die hübschen Gebäude, in denen das Scarisbrick Hotel und das Prince of Wales Hotel untergebracht sind, oder die im viktorianischen Stil erbaute Wayfarers Arcade, die Cambridge und die Royal Arcade und The Monument, das pompöse Kriegerdenkmal. Es gibt eine Fülle von Restaurants und Bars wie die Tony McGee Bar und das V-Café, beide im Vincent Hotel, sowie das Casa Italia und Salvatores Ristorante, in denen man bei schönem Wetter draußen speisen kann. Wer sich mehr für Kirchen interessiert, der kann sich in der Lord Street die Christ Church ansehen, die 1821 gegründet wurde. Auf dem breiten Grünstreifen in der Mitte der Straße findet man die Town Hall Gardens mit dem Princess Diana-Brunnen. Die Lord Street lädt zum Bummeln ein und bei schlechtem Wetter kann man sich in eine der Einkaufsarkaden zurückziehen.

Ja, die Lord Street ähnelt den Pariser Avenue de Champs-Elysées sehr, und es heißt, dass die französische Prachtstraße ihr Vorbild in der Hauptstraße von Southport haben soll. Wie das?
1846 verbrachte Louis-Napoléon Bonaparte, der spätere Napoleon III., einen Urlaub in Southport und wohnte in einer Nebenstraße der Lord Street. Er soll von der baumbestandenen Hauptstraße so begeistert gewesen sei, dass er später, als er Kaiser von Frankreich war und Paris komplett umbaute, die Champs-Elysées nach dem Vorbild der Lord Street habe umgestalten lassen.

Ich glaube nicht, dass die stolzen Pariser sich dessen bewusst sind und wenn, das nicht wahrhaben wollen. Southport in Merseyside hat sicher überhaupt nichts dagegen, als Paris in Englands Nordwesten bezeichnet zu werden, aber Paris als Southport des Südens…

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The Monument, das Kriegerdenkmal.
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Christ Church.
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Die Town Hall Gardens.
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…und die Avenue des Champs-Elysées in Paris.
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Coxwold in North Yorkshire – Ein Dichter der Weltliteratur, eine Kirche und ein schöner Pub

Coxwold in North Yorkshire.
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Ich mag Coxwold! Viele Male bin ich in dem Bilderbuchdorf in North Yorkshire gewesen, das ca 27 km nördlich von York liegt, und in dem drei Gebäude besonders sehenswert sind.

Da ist zum einen Shandy Hall, ein sehr hübsches altes Haus, das Mitte des 14. Jahrhunderts gebaut worden ist, und in dem von 1760 bis 1768 einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur lebte: Laurence Sterne, der vor allem durch seinen umfangreichen Roman “ The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman (dt. „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“), berühmt wurde. Sterne, der in Coxwold eine Pfarrstelle inne hatte,  schrieb in Shandy Hall den größten Teil dieses Buches. Heute ist hier The Laurence Sterne Trust untergebracht, dessen Aufgabe es ist, das Andenken an den Schriftsteller wachzuhalten, indem man sich einmal um den Erhalt des Gebäudes kümmert und weiterhin hier alles an Dokumenten, Büchern und Bildern zusammenträgt, die in irgendeiner Form mit Sterne zusammenhängen. Shandy Hall berbergt die größte Sammlung von Laurence Sternes Werken weltweit. Von Mai bis September kann man sich das Haus und die Gärten ansehen. Das Grab von Laurence Sterne findet sich übrigens auf dem Kirchhof.

Coxwold verfügt über eine recht große Kirche, St Michael’s, die Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut wurde. Bemerkenswert ist hier der Westturm, der eine achteckige Form hat.

Eine wichtige Funktion in Coxwold nimmt natürlich der örtliche Pub ein, und die Dorfbewohner können sich über einen besonders schönen Gasthof freuen, The Fauconberg Arms, eine Kutschenstation aus dem 17. Jahrhundert, in dem auch einige Gästezimmer bereit stehen.
Ich kann einen Besuch in diesem hübschen Dorf  in North Yorkshire sehr empfehlen!

Hier ist ein Film über Shandy Hall und hier ein Film über Coxwolds Gärten und St Michael’s.

Das Buch zum Artikel:
Thomas Keymer: The Cambridge Companion to Laurence Sterne. Cambridge University Press 2009. 224 Seiten. ISBN 978-0521614948.

Shandy Hall.
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The Fauconberg Arms.
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St Michael’s Parish Church.
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Lawrence Sternes Grab in Coxwold.
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Stony Stratford in Buckinghamshire und die Cock and Bull Stories

The Cock in Stony Stratford.
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Am Ortsrand von Milton Keynes in Buckinghamshire liegt die Kleinstadt Stony Stratford, die früher einmal als Zwischenstopp für den Kutschenverkehr zwischen London und Nordengland diente. Von hier soll der Begriff „Cock and Bull Story“ stammen, was in England soviel wie Lügengeschichte oder Ammenmärchen bedeutet.

The Cock und The Bull waren und sind noch immer zwei Gasthäuser in Stony Stratford, in denen seinerzeit die Kutschengäste übernachteten. Die Reisenden sollen sich auf den langen Überlandfahrten Lügengeschichten erzählt haben, um sich die Zeit zu vertreiben.
Das ist aber nur eine Lesart. Eine andere: Die beiden Coaching Inns traten in einen Wettstreit ein, wessen Gäste die skurrilsten und verrücktesten Geschichten erzählten.
Oder: „Chinese Whispers“ ist das, was man in Deutschland „Stille Post“ nennt, also eine Geschichte wird immer weitererzählt, bis sie völlig verändert am Ende der Erzählerkette ankommt. So kann das damals auch in Stony Stratford gewesen sein: Eine Geschichte, die im Cock erzählt wird, wandert durch die Stadt und kommt im Bull in ganz anderer Form an, oder auch andersherum.

Es gibt in Stony Stratford auch eine Cock & Bull Society: “ The Cock & Bull Society celebrates humour in its various forms. It provides a newsletter, a forum for exchange of ideas and information of a humorous nature, and will be organising festivals and events in and around Stony Stratford in celebration of the witty, the absurd, the freaky, the satirically erudite, and even the plain funny“.

Es existieren aber auch ganz andere Versionen wie die Cock & Bull Stories entstanden sein könnten, aber lassen wir doch den Bewohnern Stony Stratfords den Spaß, dass die Lügengeschichten hier ihren Ursprung hatten.

Keine Cock and Bull Story ist, dass die beiden Gasthöfe an der High Street noch immer existieren. Beweis: Hier sind die Links zu den Webseiten des Bull und des Cock Hotels und hier ist ein Film über die Geschichte der Stadt.

The Bull in Stony Stratford.
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Bucklebury in Berkshire – Einige Anmerkungen

Bucklebury und St Mary the Virgin.
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Das kleine Dörfchen Bucklebury in Berkshire, rund zwei Kilometer südlich der Autobahn M4 gelegen, geriet erst in den letzten Jahren in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, als eine junge Frau aus dem Ort den (wahrscheinlich) zukünftigen König des Landes heiratete. Prince William hatte sich in Kate Middleton aus Bucklebury verliebt und plötzlich war der Name des Dorfes weltweit bekannt. Die Eltern der jungen Frau wohnen seit dem Jahr 2012 im Manor House an der Pease Hill Road, in das sie gezogen sind, weil ihr bisheriges Haus im Dorf nicht mehr ihren Bedürfnissen entsprach. Sie betreiben ihren Versandhandel „Party Pieces“ von dem wenige Kilometer nördlich gelegenen Ashampstead aus.

Ein weiterer prominenter Bewohner von Bucklebury ist Chris Tarrant, der von 1998 bis 2014 die auch im Königreich sehr populäre TV-Sendung „Who Wants to Be a Millionaire?“ moderierte und der sich im Dorf im letzten Jahr unbeliebt machte, weil er sein Anwesen zum wiederholten Male vergrößern wollte.

Bucklebury ist Teil einer Gemeinde, die auch noch aus den Orten Bucklebury Common, Upper Bucklebury und Chapel Row besteht. Bei Chapel Row befindet sich die über eine Meile lange Avenue of Oaks, eine eichenbestandene Allee, deren älteste Bäume gepflanzt wurden, um an einen Besuch von Königin Elizabeth I. zu erinnern. Später kamen weitere Eichen dazu, in Erinnerung an Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington und seinen Sieg gegen Napoleon bei Waterloo. Und es ging weiter mit dem Eichenpflanzen: Am 26. Mai 1972 besuchte Queen Elizabeth II. Bucklebury, Grund genug, weitere Bäume der Allee hinzuzufügen und schließlich kamen aus Anlass der Eheschließung von Catherine Middleton und Prince William noch einige Eichen hinzu.

In Chapel Row steht der Bladebone Inn, über den ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe und der zu den besten Berkshires gehört.

Dieser Film zeigt eine Autofahrt durch die Region.

Die Avenue of Oaks bei Chapel Row.
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Published in: on 18. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Epworth in Lincolnshire und der Gründer der Methodistenkirche John Wesley (1703-1791)

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Die St Andrew’s Church.
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Es gibt Städte, die können sich glücklich schätzen, dass früher einmal eine bedeutende Persönlichkeit in ihren Mauern geboren wurde bzw. gelebt hat. Dann kann man auch noch viele Jahre später davon profitieren, weil Touristen aus aller Welt hierher kommen, um auf den Spuren dieser Person zu wandern. Einer dieser Orte ist die Kleinstadt Epworth im Norden der Grafschaft Lincolnshire; hier erblickte im Jahr 1703 der Pfarrerssohn John Wesley das Licht der Welt, der in die Geschichte eingehen sollte als einer der Mitbegründer (zusammen mit seinem Bruder Charles) der methodistischen Kirche. Sein Vater, Samuel Wesley, war ein außerordentlich fruchtbarer Mann, der zusammen mit seiner Gattin Susanna 19 Kinder in die Welt setzte, von denen allerdings 9 schon sehr früh starben. Samuel war Rektor an der Kirche St Andrew’s in Epworth, und er lebte mit seiner Familie in der Old Rectory, ein Stück weit von der Kirche entfernt.

Ich möchte in meinem Blog nicht weiter auf das Leben des Charles Wesley eingehen, sondern darauf wie Epworth heute mit seinem großen Sohn umgeht. Da viele Besucher, darunter verständlicherweise auch Methodisten aus aller Welt, hierher kommen, hat man einen „Wesley Trail“ angelegt, der an allen Stätten vorbeiführt, die mit den Wesleys zu tun haben. Ein wichtiger Ort ist natürlich die St Andrew’s Church, in der Samuel Wesley der Rektor war und auf deren Kirchhof er auch begraben ist. Die Wesley Memorial Church wurde 1889 in Gedenken an die beiden Brüder John und Charles Wesley gebaut und liegt an der High Street. Ein ganz besonders wichtiger Ort ist die Old Rectory an der Rectory Street, in der die beiden Wesley-Söhne zur Welt kamen. Das Haus ist zu besichtigen und auf einer einstündigen geführten Tour kann man sich über die berühmten ehemaligen Bewohner informieren.

Dort wo die High Street und die Queen Street aufeinandertreffen, steht ein Marktkreuz, vor dem John Wesley so manche Predigt gehalten hat. Seine Statue hat man etwas versteckt und nicht im Zentrum von Epworth aufgestellt. Man findet sie in einem Wohnviertel, wenn man die Straße Albion Hill ein ganzes Stück hinuntergeht. Begraben wurde John Wesley nicht in Epworth, sondern in London, wo er auch starb.

Über Epworth und die Wesley-Familie informiert dieser Film.

Im Jahr 2009 kam ein Spielfilm in die Kinos, der das Leben von John und Charles Wesley zum Inhalt hat und einfach nur „Wesley“ heißt. Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Tomkins: John Wesley – A Biography. Lion Books 2003. 208 Seiten. ISBN 978-0745950785.

Die Wesley Memorial Church.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Wesley Memorial Church.
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The Old Rectory.   © Copyright Chris Morgan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Marktkreuz, von dem aus John Wesley predigte.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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John Wesleys Statue am Albion Hill.   © Copyright Tim Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Uley in Gloucestershire – Ein idyllisches Dorf, Stephen Fry und ein Gorilla namens John Daniel

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Nachdem ich mit Begeisterung Stephen Frys Autobiografie „Moab is my washpot“ (deutsch: „Columbus war ein Engländer“) gelesen hatte, in der er von seiner Internatszeit in der Stouts Hill Preparatory School in Uley erzählte, musste ich diesen Ort unbedingt einmal aufsuchen.
Das kleine idyllische Dorf Uley liegt an der B4066, etwa 2-3 Kilometer östlich von Dursley in Gloucestershire. Hier soll es einmal 14 (!) Pubs gegeben haben; heute ist nur noch „The Old Crown“ übrig geblieben, gegenüber der St Giles Church.
Ein ganz enger Weg führt zum Owlpen Manor, einem Tudor Manor House, in dem es in spuken soll. Ich berichtete in meinem Blog darüber.

Stephen Frys Stouts Hill Preparatory School, die übrigens auch Mark Phillips, der ersten Ehemann von Prinzessin Anne besuchte, schloss 1979 und wurde von einer kanadischen Firma übernommen, die das eindrucksvolle Gebäude umbaute und 1982 als Holiday Resort mit neun Appartements eröffnete.  Wer möchte, kann also heute im Stouts Hill Cotswold Holiday Resort da wohnen, wo der kleine Stephen einen Teil seiner Jugend verbrachte.

Im Januar erschien ein Buch mit dem Titel „Notes from the Uley Archives„, in dem die Dorfarchivarin Margaret Groom eine fast vergessene Geschichte ausgegraben hat, in der ein Gorilla namens John Daniel einmal eine Rolle spielte. Das Gorillakind, dessen Eltern 1918 im Dschungel von Gabun erschossen worden waren, fand den Weg in das Dörfchen in Gloucestershire über ein Londoner Kaufhaus, in dem es zum Verkauf angeboten wurde. Ein Major Rupert Penny kaufte das Tier für eine sehr hohe Summe und gab es seiner Schwester Alyce Cunningham, die in Uley lebte. Dort wurde der kleine Gorilla großgezogen und bald liebte ihn die ganze Dorfgemeinschaft. Er war ein sehr intelligentes Tier, das sogar sein eigenes Bett machen konnte, die Toilette benutzte und beim Abwaschen half. Uleys Kinder nahmen ihn mit zur Schule und spielten mit ihm;  John Daniel war ein glücklicher Gorilla. Leider sollte das schöne Leben für ihn nicht allzu lange dauern, denn er wuchs und wuchs und schließlich konnte ihn seine Pflegemutter nicht länger behalten. Schweren Herzens verkaufte sie ihn im Jahre 1921 nach Amerika, in der Hoffnung, dass es ihm dort gut gehen würde. Doch das Tier landete in einem Wanderzirkus und dieses Leben konnte es überhaupt nicht vertragen; es war an das Dorfleben in Uley gewöhnt und nicht an ein Dasein hinter Gittern. John Daniel wurde krank, er sehnte sich nach seiner Ziehmutter zurück und sicher auch nach seinen früheren Spielgefährten. Alyce Cunningham erreichte aus Amerika die dringende Bitte, so schnell wie möglich zu ihm zu kommen, was sie auch sofort tat, doch es war zu spät, der Gorilla war bereits gestorben. Eine traurige Geschichte! Im Laufe des Jahres soll dem Gorilla eine Ausstellung gewidmet werden, die im örtlichen Prema Arts Centre in der South Street stattfinden wird.

Über das Dorf im Süden Gloucestershires berichtete ich schon einmal in Zusammenhang mit der Uley Brewery.

Das Souts Hill Holiday Centre in der Mitte des Bildes, dahinter liegt Uley.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Stouts Hill Holiday Centre in der Mitte des Bildes, dahinter liegt Uley.
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The Old Crown am Village Green.   © Copyright Alan Hughes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Crown am Village Green.
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Die St Giles Church.   © Copyright Philip Pankhurst and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Uleys Prema Arts Centre.   © Copyright Clint Mann and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 6. Februar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Ditchling in East Sussex – Ein attraktives Dorf mit prominenten Einwohnern

Das Postamt und The Bull.   © Copyright Malc McDonald and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Postamt und The Bull.
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Etwas über 2000 Einwohner zählt Ditchling in East Sussex, nördlich von Brighton gelegen, dort, wo sich die Straßen B2112 und B2116 kreuzen. Es ist eines jener hübschen Dörfer, die im Laufe der Zeit einige Prominente angezogen haben, die sich hier offensichtlich wohlfühlten bzw. das immer noch tun.

In der Mitte von Ditchling, am Kreisverkehr, steht ein kleines Ziegelsteingebäude, in dem das Postamt untergebracht ist (ja, so etwas gibt es tatsächlich noch!). Seitlich davon steht eine rote Telefonzelle und direkt Rücken an Rücken einer der beiden örtlichen Pubs, The Bull, der gerade erst im Oktober 2016 mit dem Great British Pub of the Year Award ausgezeichnet worden ist. Dieser Gasthof hat eigentlich alles, was man sich von einem englischen Dorfpub wünscht: Gemütlichkeit, gepflegte Biere und gutes Essen. An Bieren werden u.a. mehrere Sorten der Bedlam Brewery ausgeschenkt, die zum Haus gehört und ein paar Kilometer westlich bei Albourne liegt. In diesem Film stellt Dominic Worrall, der Eigentümer, The Bull vor.

Nur wenige Gehminuten vom Pub entfernt, findet man ein weiteres Highlight von Ditchling, das Museum of Art + Craft, seit 1985 in einem ehemaligen Schulgebäude untergebracht. Im Jahr 2013 wurde es für £2.3 Millionen komplett umgestaltet und erhielt seitdem mehrere Auszeichnungen, u.a. den National Award des Royal Institute of British Architects des Jahres 2014. Das Museum beinhaltet die Werke einer Künstlergruppe, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Dorf niedergelassen hatte, unter Führung des berühmten Bildhauers Eric Gill (1882-1940). Hier ist ein Film über das Museum.

Und da sind wir auch schon bei den prominenten Bewohnern von Ditchling. Neben Eric Gill wohnten in der Künstlerkolonie, die den Namen The Guild of St Joseph and St Dominic trug, zum Beispiel noch der Kalligraph Edward Johnston, der Schriftsteller und Drucker Hilary Pepler und der Bildhauer Joseph Cribb.

Der Maler Sir Frank William Brangwyn lebte in Ditchling bis zu seinem Tod im Jahr 1956, und der Schauspieler Sir Donald Sinden wuchs in dem Dorf auf.

Aber die berühmteste Einwohnerin von Ditchling ist sicher Dame Vera Lynn, die seit fast einem halben Jahrhundert hier wohnt und am 20. März ihren 100. Geburtstag feiern wird. Die Sängerin war vor allem für ihre Songs berühmt geworden, die sie während des Zweiten Weltkriegs veröffentlichte und die als The Forces Sweetheart in die britische Musikgeschichte einging.

Das Ditchling Museum of Art + Craft.    © Copyright Michael Garlick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die High Street von Ditchling.   © Copyright Malc McDonald and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 7. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Haltwhistle in Northumberland – Der geografische Mittelpunkt Großbritanniens

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Über Ortschaften, die von sich behaupten, das geografische Zentrum Englands zu sein bzw. im absoluten Mittelpunkt des Landes zu liegen, habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben. Da ist Meriden in den West Midlands und die Lindley Hall Farm bei Fanny Drayton in Leicestershire, Coton in the Elms in Derbyshire ist der Ort, der am weitesten von den die Insel umgebenden Meeren entfernt liegt. Dunsop Bridge in Lancashire soll der geografische Mittelpunkt ganz Großbritanniens sein, was die Bewohner von Haltwhistle in Northumberland aber entschieden bestreiten. Die rund 4000 Einwohner zählende Kleinstadt am River Tyne, unweit vom Hadrians Wall gelegen, ist felsenfest davon überzeugt, selbst direkt im Zentrum des Vereinigten Königreichs zu liegen. Um diesen Anspruch zu untermauern, wird man bereits am Ortseingang von einem Schild begrüßt, auf dem „Welcome to Haltwhistle – Centre of Britain“ zu lesen ist.

An der Main Street findet man das Centre of Britain Hotel, drei Häuser weiter die Centre of Britain Launderette und dann gab es direkt daneben auch einmal eine Centre of Britain Gallery. Die Erklärung, warum die Stadt am Tyne nun exakt im Mittelpunkt Großbritanniens liegt, klingt einleuchtend: Zieht man eine Linie vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt, dann liegt Haltwhistle genau auf der Hälfte der Strecke. Von hier aus sind die geografischen Mittelpunkte der vier einzelnen Teile Großbritanniens alle gleich weit entfernt, als da sind:
Meriden in England – der Forest of Atholl in Schottland – Carno in Wales – Pomeroy in Nord-Irland.

Ein Wegweiser in Haltwhistle bestätigt noch einmal die Entfernungen zum nördlichsten Punkt „North Orkney“ = 290 Meilen und „Portland Bill“ in Dorset = 290 Meilen -> Quod erat demonstrandum.

Was aber nun, wenn sich Schottland eines Tages doch vom Vereinigten Königreich trennen sollte? Würden dann in Haltwhistle das Hotel, die Reinigung und die Galerie alle umbenannt werden, denn dann stimmt das mit dem Mittelpunkt ja nicht mehr? Das Ortsschild müsste dann auch erneuert werden, ja, da zeichnen sich Probleme am Horizont ab.

Wer Haltwhistle einmal besuchen möchte: Der Ort liegt an der A69, die von Carlisle nach Newcastle-upon-Tyne führt.

In diesem Film stellt David Taylor sein Centre of Britain Hotel vor.

Das zentralst gelegene Hotel Großbritanniens.   © Copyright Graham Robson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das zentralst gelegene Hotel Großbritanniens.
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   © Copyright hayley green and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Diese Plakette ist auf dem Marktplatz eingelassen.   © Copyright Bob Embleton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese Plakette ist auf dem Marktplatz eingelassen.
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Published in: on 2. Dezember 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Tanworth-in-Arden (Warwickshire) – Hier ruhen auf dem Kirchhof von St Mary Magdalene drei bekannte Persönlichkeiten

Tanworth-in-Arden. Links The Bell Inn, rechts St Mary Magdalene.   © Copyright David Stowell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tanworth-in-Arden. Links The Bell Inn, rechts St Mary Magdalene.
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Tanworth-in-Arden ist ein Dorf nördlich der Shakespeare-Stadt Straford-Upon-Avon und südlich der Autobahn M42 in der Grafschaft Warwickshire. In der Mitte des Ortes liegt sein Pub The Bell Inn, davor ein winziges Village Green mit Kriegerdenkmal und gegenüber die Kirche St Mary Magdalene – ein richtig hübsches Dorf.

Auf dem Friedhof der Parish Church ruhen seit einigen Jahrzehnten drei prominente Männer, die einst in Tanworth-in-Arden wohnten.
Da ist zuerst Nick Drake, ein Musiker und Songwriter, der zu seinen Lebzeiten keine großen Erfolge feiern konnte, dessen Werk nach seinem Tode aber größere Anerkennung fand. Der 1948 geborene Drake hatte sein Leben lang mit schweren Depressionen zu kämpfen, er lebte zuletzt zurückgezogen in seinem Elternhaus am Bates Lane in Tanworth-in-Arden, wo er am 25. November 1974 an einer Überdosis Depressiva im Alter von nur 26 Jahren starb. Er veröffentlichte drei Studioalben in den Jahren 1969, 1971 und 1972 und nur eine Handvoll Singles, von denen ich als Beispiel „Northern Sky“ nennen möchte, das der New Musical Express einmal als „Der größte englische Lovesong der Moderne“ bezeichnete, hier zu hören.
Auf Nick Drakes Grabstein stehen die Worte „‚Now we rise/And we are everywhere„, entnommen aus seinem Song „From the Morning“ aus seinem letzten Album „Pink Moon“. Dieser Film zeigt Drakes Wohnhaus Far Leys und dieser Film seine bescheidene Grabstelle.

Ein weiterer prominenter „Bewohner“ des Friedhofs von St Mary Magdalene ist der Motorradrennfahrer Mike Hailwood. „Mike the Bike“ war neunmaliger Weltmeister, errang 76 Siege bei Grand-Prix-Rennen und gewann die berühmte Tourist Trophy auf der Isle of Man vierzehnmal. Der 1940 in Oxford geborene Hailwood führte als Rennfahrer ein gefährliches Leben und so ist es umso absurder, dass er unverschuldet bei einem Autounfall am 23. März 1981 ums Leben kam, als er auf der Alcester Road in Portway auf dem Heimweg nach Tanworth-in-Arden gegen einen Lastwagen prallte, der verbotenerweise ein Wendemanöver durchführte. Mike Hailwood und seine ihn begleitende Tochter Michelle überlebten den Unfall nicht; sein Sohn David, der ebenfalls mit im Auto saß, kam mit leichten Verletzungen davon. Vater und Tochter wurden nebeneinander auf dem Friedhof von St Mary Magdalene beigesetzt. Hier ist ein Film über seine Beerdigung, bei der viele namhafte Motorradrennfahrer teilnahmen und hier ist seine Grabstelle zu sehen.

Das Grab eines berühmten Boxers ist ebenfalls auf dem Dorffriedhof zu finden: Jack Hood (1902-1992). Von seinen 85 ausgetragenen Kämpfen gewann er 67, und nachdem er sich vom Boxsport zurückgezogen hatte, war er von 1939 bis 1972 der Inhaber des Bell Inn, in dem noch heute einige Erinnerungsstücke an ihn, wie seine Boxhandschuhe, zu sehen sind.

Tanworth-in-Arden wurde einmal als Drehort der Seifenoper „Crossroads“ benutzt, die von 1964 bis 1988 produziert wurde. Darin sind häufig The Bell Inn und St Mary Magdalene zu sehen, die in der Serie aber andere Namen tragen. Hier ist eine Episode zu sehen. Meines Wissens wurde die Soap Opera nicht im deutschen Fernsehen gezeigt.

Nick Drakes Grab. This work has been released into the public domain

Nick Drakes Grab.
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Much Wenlock (Shropshire) – Der Geburtsort der modernen Olympischen Spiele

Die High Street von Much Wenlock.   © Copyright richard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Much Wenlock.
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Als ich einmal durch den idyllischen Ort Much Wenlock in Shropshire fuhr, wusste ich noch nicht, dass die modernen Olympischen Spiele hier ihren Ursprung hatten.  Wie kam das?

Der Arzt und Botaniker William Penny Brookes (1809 – 1895) gründete 1860 die Wenlock Olympian Society und organisierte bereits seit 1850 jährlich in Much Wenlock statt findende Olympische Spiele. Baron Pierre de Coubertin besuchte 1890 diese Spiele und war davon so beeindruckt, dass er 1894 das Internationale Olympische Kommitee gründete und 1896 die ersten modernen Olympischen Spiele in Athen ins Leben rief.

Much Wenlock ist dieser Tradition verbunden geblieben und so werden die Wenlock Olympian Society Annual Games auch heute noch jährlich ausgetragen, zuletzt die 130. Spiele vom 02. – 16. Juli 2016. Dieser Film zeigt wie es dabei zugeht.

Wer sich für dieses Thema interessiert findet im Much Wenlock Museum in der Memorial Hall jede Menge Ausstellungsstücke und hier beginnt und endet auch der Wenlock Olympian Trail.
Sehenswert sind noch die Ruinen der Wenlock Priory, die heute dem English Heritage gehören und natürlich die in Geologenkreisen berühmte Wenlock Edge, eine besondere geologische Sandstein-Formation außerhalb des Städtchens.

Einige Szenen des Films Clockwise„, in dem John Cleese (Monty Python, Fawlty Towers) einen Lehrer spielt, wurden in Much Wenlock gedreht.

Der englische Dichter Alfred Edward Houseman widmete der Stadt in seinem berühmten Werk “ A Shropshire Lad“ einige Gedichte, wie „On Wenlock Edge“, die von Vaughan Williams (s. dazu meinen früheren Blogeintrag) vertont wurden.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch den Ort Much Wenlock.

Das Much Wenlock Museum.   © Copyright Eirian Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Much Wenlock Museum.
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Wenlock Edge.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenlock Edge.
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Stalybridge (Greater Manchester) – Einige Anmerkungen

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„Q“ in der Market Street.
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Auf die Fragen „Wer hat den längsten… kürzesten… ältesten… einzigen…?“ würden die Bewohner von Stalybridge in der Region Greater Manchester viermal die Arme heben und „Wir!“ rufen.

Stalybridge ist eine Kleinstadt mit knapp 25 000 Einwohnern rund 10 Kilometer östlich von Manchester, die früher einmal komplett von der Textilindustrie geprägt war. Es gibt einige Besonderheiten in Stalybridge, über die ich an dieser Stelle berichten möchte.

Die Stadt hat zwei Pubs, die sowohl den längsten als auch den kürzesten Namen in ganz Großbritannien führen und damit in das Guinness Book of Records aufgenommen wuurden. „The Old Thirteenth Cheshire Astley Volunteer Rifleman Corps Inn“ liegt in der Astley Street und der Tameside Metropolitan Borough hat am 30. Mai 1995 eine blaue Plakette am Haus angebracht, deren Inschrift noch einmal bestätigt, dass wir es hier mit dem längsten Pubnamen im Königreich zu tun haben. Die Einheimischen nennen ihn der Einfachheit halber kurz „The Rifleman“. Eigentlich müsste ich sagen „nannten“, denn Mitte des Jahres wurde der Gasthof dauerhaft geschlossen; wahrscheinlich wird man an der Stelle ein Wohnhaus errichten. Wieder ein Pub, der den Bach heruntergegangen ist.

In der Market Street von Staybridge steht der Pub mit dem kürzesten Namen: The Q Inn, kurz „Q„. Mitte im Zentrum der Stadt steht er, verfügt ebenfalls über eine blaue Plakette und erfreut sich hoffentlich noch eines langen Lebens.

Neben dem längsten und kürzesten Pubnamen rühmt sich Stalybridge auch der ältesten Blaskapelle der Welt, der Stalybridge Old Band, die bereits 1809 gegründet wurde. In der „Judge’s Bar“ in der Corporation Street hat sie ihr Hauptquartier. Die Brass Band ist noch heute aktiv und nimmt zum Beispiel an Wettbewerben teil wie dem Rochdale Brass Band Contest (gestern am 23. Oktober) und dem Yorkshire Contest in Holmfirth (West Yorkshire) am 6. November. Hier ist eine Hörprobe.

Um noch einmal auf die Judge’s Bar zurückzukommen; sie wurde nach Jack Judge (1878-1938) benannt, einem ehemaligen Fischhändler aus Oldbury (West Midlands), der später statt Fische zu verkaufen lieber eine Bühne bestieg und seine Sangeskunst zur Schau stellte. Dieser Jack Jones soll am 30. Januar 1912 hier in Stalybridge binnen einer Stunde in der Newmarket Tavern das berühmte Lied „It’s a Long Way to Tipperary“ geschrieben haben, das am nächsten Tag im Grand Theatre seine Uraufführung erlebte. Dafür wurde er mit einer Skulptur am Lord Pendry Square geehrt, die ihn zusammen mit einem Soldaten zeigt. Allerdings gibt es auch Leute, die behaupten, das Lied wäre gar nicht in Stalybridge, sondern in Judges Geburtsstadt Oldbury geschrieben worden.

Nun zum Abschluss noch zum „einzigen„; dabei handelt es sich um den einzigen noch verbliebenen Laden in der Region, der Kutteln (tripe) verkauft: The Tripe and Sandwich Shop in der Melbourne Street. Es gibt wohl nicht allzuviele Menschen, die Genuss am Verzehr von Rinderpansen haben, aber hier kann man sie noch kaufen. Es gibt in Großbritannien sogar The Tripe Marketing Board, die sich „Kutteln-Promotion“ auf seine Fahnen geschrieben hat. Sollte sich tatsächlich jemand für Pansen interessieren (mein Pudel aß die früher für sein Leben gern), Dr Derek J. Ripley hat ein Buch darüber geschrieben „A Brief History of Tripe“ (TMB Books 2015).

Der berühmte Hollywoodschauspieler Richard Gere, der 1978 in Stalybridge Szenen für seinen Film „Yanks“ (dt. „Yanks – Gestern waren wir noch Fremde“) gedreht hatte, soll einmal gesagt haben, dies wäre eine der schlimmsten Städte, die er je gesehen hätte. In einem Interview, das Gere in diesem Jahr gab, bestritt er das und behauptete („tongue-in-cheek“?), Stalybridge wäre eines der schönsten Dörfer, in dem er je gewesen wäre.

Die Jack Judge Statue.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Jack Judge Statue am Lord Pendry Square.
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Published in: on 24. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hallsands in Devon – Das Dorf, das vom Meer verschlungen wurde

Hallsands im Jahr 2016.   © Copyright David Martin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hallsands im Jahr 2016.
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In dem kleinen Dörfchen Hallsands an der Südküste der Grafschaft Devon, östlich von Kingsbridge, lebten jahrhundertelang Fischer. Es gab hier alles, was man so brauchte wie einen Pub und einen kleinen Laden. Der Ort, der zwischen den steil abfallenden Klippen und dem Meer angesiedelt war, überlebte viele Stürme, die immer mal wieder über ihn hinwegfegten…bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits 1896 entstand der Plan, die Royal Dockyards in Devonport, einem Ortsteil von Plymouth, zu erweitern. Der Marinehafen war von großer Bedeutung für ganz Großbritannien, und so bekam John Jackson den Auftrag, sich um die Arbeiten zu kümmern. Er benötigte dafür jede Menge Sand und Kies, was in Hülle und Fülle direkt vor Hallsands im Meer zu finden war. Die entstehenden Hohlräume würden von selbst wieder durch Kiesel aufgefüllt, die das Meer herantransportiert, so die Aussage der Techniker. Über 650 000 Tonnen Sand und Kies wurden in den nächsten Jahren von Hallsands nach Devonport gebracht, mit dem Resultat, dass der Strand an der Entnahmestelle langsam absackte. Die Bewohner von Hallsands schlugen Alarm, woraufhin die Behörden die Sachlage untersuchte. Alles kein Problem, beruhigten sie die Menschen, die dort wohnten, und es wurde weiter in großem Stil Baumaterial aus dem Meer geholt. Von wegen „kein Problem“, als nächstes fielen die Wellenbrecher um, die Straße, die nach Hallsands führte, war nicht mehr passierbar und die ersten Häuser wurden instabil. Eine erneute Untersuchung ergab, dass das Dorf Gefahr lief, bei schweren Stürmen erhebliche Probleme zu bekommen, und so wurden die Baggerarbeiten vor Hallsands eingestellt. Aber der angerichtete Schaden war nicht mehr rückgängig zu machen. Am 26. Januar 1917 zog ein ungewöhnlich heftiger Sturm auf und die aufgewühlten Wellen zerstörten den größten Teil des Dorfes. Die Fischer und ihre Familien hatten keine Wahl, sie mussten Hallsands verlassen, das Dorf existierte nicht mehr, bis auf ganz wenige unbewohnbare Häuser. Jahrelang kämpften die ehemaligen Bewohner darum, Entschädigungen zu erhalten und was sie dann bekamen, war eine lächerliche Summe.

Heute kann man sich das, was einmal Hallsands war von einer Aussichtsplattform aus ansehen. Über dem abhandengekommenen Dorf steht ein kleiner Apartmentkomplex, dort wo früher einmal ein von den drei Trout-Schwestern geführtes Hotel war.

Im Januar diesen Jahres richtete ein Sturm weiteren Schaden in Hallsands an, in dem der gesamte Strand weggespült wurde. Die ganze Küste in dieser Region erodiert so langsam vor sich hin, und so mancher Hausbesitzer dort muss sich Sorgen um seine Zukunft machen.

Dieser Film zeigt wie Hallsands heute aussieht.

Was vom Dorfe übrigblieb.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was vom Dorfe übrigblieb.
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Langsam bröckelt hier alles weg.   © Copyright David Martin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Langsam bröckelt hier alles weg.
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Published in: on 14. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Crap Towns…zum dritten

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Schon zweimal habe ich in den letzten Jahren in meinem Blog die britischen Crap Towns vorgestellt, einmal 2011 und einmal 2013. Die Hitliste der Top 50 dieser „Sch…städte“ wurde jeweils von Sam Jordison und Dan Kieran zusammengestellt und in einem Buch veröffentlicht. Man muss aber dazu sagen, dass es sich hier um keine wissenschaftliche Untersuchung handelt, sondern um rein subjektive Meinungsäußerungen, die sehr witzig formuliert sind (die betroffenen Städte finden das wahrscheinlich nicht witzig).

Mit dem Buch „Crap Towns Returns“ (Quercus Editions) aus dem Jahr 2013 werden die Crap Town Charts von den beiden Herausgebern auf den neuesten Stand gebracht und siehe da…es hat sich vieles verändert. Hier sind die aktuellen Top Ten.

Platz 1: London
Platz 2: Bradford
Platz 3: Chipping Norton
Platz 4: Southampton
Platz 5: York
Platz 6: Gibraltar (!)
Platz 7: Coventry
Platz 8: Nuneaton
Platz 9: High Wycombe
Platz 10: Stoke-on-Trent

Gegenüber den letzten Top Ten ist lediglich Coventry übriggeblieben. Die üblichen Verdächtigen wie Slough, Hull, Bedford oder Morecambe sind komplett aus den Top 50 verschwunden, dafür sind einige Orte weit oben angesiedelt, die man dort überhaupt nicht vermuten würde.

Beispiel: Chipping Norton in den Cotswolds, eine hübsche kleine Stadt, die so schlecht abschneidet, weil sich dort sehr viel Prominenz und sehr viel Neureiche niedergelassen haben, so auch der sogenannte Chipping Norton Set, über den ich in meinem Blog schon einmal berichtet habe; und diese Leute kommen in den Augen der Bewerter außerordentlich schlecht weg. Ich wiederhole noch einmal: Es sind sehr subjektive Bewertungen! Die Stadt Chipping Norton selbst steht gar nicht in der Kritik…zumal die kritisierten Leute fast alle in den Dörfern drumherum wohnen.

York befindet sich auf Platz 5, und was steht da auf der Negativseite einer meiner Lieblingsstädte? Es ist zu „touristy“ (o.k., da ist was dran), es ist dauernd überschwemmt (ja, das kommt leider hin und wieder vor) und die Bewohner sind den „Southerners“ gegenüber nicht sehr freundlich (damit kann ich leben; die „Southerners“ betrachten die „Northerners“ ja auch etwas von oben herab). Die schlechte Bewertung der Stadt York kann ich also nicht nachvollziehen.

Über London auf Platz 1 kann man geteilter Meinung sein, Bradford, Coventry und Nuneaton haben schon immer keinen besonders guten Ruf gehabt und High Wycombe in Buckinghamshire ist in der letzten Zeit immer mehr „den Bach heruntergegangen“ („derelict town centre, failed local industry, racial tension and absurd house prices“).

Die letzten Seiten von „Crap Town Returns“ machen aber Hoffnung, denn dort werden die Städte aufgelistet, die offensichtlich einen Aufschwung erlebt haben und nicht mehr in der Top 50-Liste auftauchen wie schon oben erwähnt.

Das zentrum von Chipping Norton.   © Copyright roger geach and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Zentrum von Chipping Norton.
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Das überflutete York.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 10. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  

West Wittering (West Sussex) und der Rolling Stones-Gitarrist Keith Richards

Die Memorial Hall in West Wittering.   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Wie lebt es sich eigentlich als Berühmtheit in einem kleinen englischen Dorf? Ist man da in das Dorfleben integriert oder lebt man zurückgezogen hinter den Mauern seines großen Anwesens?

West Wittering im äußersten Westen der Grafschaft West Sussex ist ein Küstenort, in dem sich einige Prominente niedergelassen haben wie die Schauspieler Michael Ball, Nicholas Lyndhurst und Kate Winslet. Mrs Winslet geriet im vorigen Jahr in die Schlagzeilen der Regionalpresse, da sie vor ihrem Grundstück einen Schutzwall errichten lassen wollte, der ihr Haus langfristig vor der Küstenerosion bewahren sollte. Nachdem dieser Plan heftigen Widerstand durch Naturschützer hervorgerufen hatte, zog die Schauspielerin den Antrag für die Umsetzung der Bauarbeiten wieder zurück.

Wesentlich länger als Kate Winslet wohnt schon der Rolling Stones-Gitarrist Keith Richards in West Wittering. Bereits 1966 kaufte er das Haus Redlands und gleich ein Jahr später gab es dort ein Problem, weil die Polizei im Haus eine Razzia unternahm, bei der der Hausherr, Mick Jagger, Marianne Faithful und andere Gäste wegen des Verdachts auf Drogenkonsum verhaftet wurden. Keiner von ihnen musste ins Gefängnis, Keith Richards wurde vom Crown Court im nahegelegenen Chichester freigesprochen.

Dann ging es hier lange ruhig zu; Richards lebte einen großen Teil seiner Zeit in seinem anderen Haus in Connecticut in den USA.  2002 gab es noch einmal ein kleines Problem mit Redlands, denn der Rolling Stone fühlte sich durch einen dicht an seinem Haus vorbeiführenden öffentlichen Weg in seiner Privatheit gestört und in seiner Sicherheit beeinträchtigt, und so beantragte er, diesen Weg zu verlegen. Fans hatten Löcher in die Hecke geschnitten, um einen freien Blick auf das nur wenige Meter dahinter liegende Haus zu bekommen. Der Ortsrat gab dem Antrag aus Sicherheitsgründen statt. Richards bot stattdessen an, dass ein Radfahrweg an einer anderen Stelle seines Anwesens angelegt werden könne.

Der Musiker brachte sich aber auch ins Gemeindeleben ein, indem er 30 000 Pfund spendete, weil das Dach der örtlichen Memorial Hall neu gedeckt werden musste.

Keith Richards hat neben Redlands noch einen weiteren Besitz in West Wittering und zwar eine Strandhütte. Über 150 dieser verhältnismäßig primitiven Hütten stehen dort am Strand, aber sie sind außerordentlich begehrt, schwer zu bekommen und sehr teuer. Als vor einigen Jahren wieder einmal eine zum Verkauf stand, wurden wie üblich verdeckte Angebote eingereicht. £25 000 bis £40 000 kosten diese Hütten im allgemeinen, aber Keith Richards Gebot war £60 000 und da konnten die anderen Interessenten nicht mithalten.

Im vorigen Jahr ging Richards, gemeinsam mit anderen Bewohnern von West Wittering, auf die Barrikaden, als am Strand ein neues Café errichtet werden sollte, weil das alte abgebrannt war. Das neue Gebäude war deutlich größer und zweistöckig geplant. Nach Meinung von Keith Richards und weiterer Anwohner würde das Café die Natur und die Schönheit des Strandes verschandeln. Das Beach Café wurde trotzdem gebaut, allerdings mit einigen Abänderungen.

Der bibliophile Keith Richards wäre übrigens gern Bibliothekar geworden; in seinen Häusern finden sich denn auch große Büchersammlungen, die er mit viel Liebe hegt und pflegt.

Die begehrten Sztrandhütten in West Wittering.   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die begehrten Strandhütten in West Wittering.
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Das Beach Café in West Wittering.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Beach Café in West Wittering.
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Newhaven in East Sussex und der vietnamesische Revolutionär Hồ Chí Minh

Die Fähre nach Dieppe im Hafen von Newhaven.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Fähre nach Dieppe im Hafen von Newhaven.
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Newhaven an der Küste von East Sussex hat keinen besonders guten Ruf. Ich bin einige Male durch die kleine Stadt gefahren; auffällig waren die vielen Leerstände im Zentrum. Newhaven erweckt im Allgemeinen einen Eindruck von Trostlosigkeit und darum rangiert sie auch in der Liste der 50 „Crap Towns“ Großbritanniens auf Platz 24 (das Buch mit dem Titel „Crap Towns Returns“ werde ich in meinem Blog demnächst vorstellen).

Was gibt es über die Stadt zu sagen? Es existiert eine Fährverbindung nach Dieppe in Frankreich. 1974 wurde das Auto von Lord Lucan hier in Newhaven aufgefunden. Richard John Bingham, 7. Earl of Lucan, war ein Adeliger, der angeblich 1974 in London sein Kindermädchen Sandra Rivett ermordet haben soll, daraufhin die Hauptstadt verließ und nie mehr gesichtet wurde. Erst Anfang diesen Jahres stellten die Behörden die offizielle Sterbeurkunde aus. Man vermutet, dass Lord Lucan sich auf der Fähre von Newhaven nach Dieppe das Leben genommen hat, indem er ins Meer sprang.

Das ist natürlich recht wenig für eine Stadt, um über ihre Grenzen hinaus für Aufmerksamkeit zu sorgen. Es gibt aber noch eine Persönlichkeit, die immer wieder mit Newhaven in Verbindung gebracht wird: Der vietnamesische Revolutionär und spätere Präsident der Demokratischen Republik Vietnam Hồ Chí Minh. Wie kommt denn das, fragt man sich?

An zwei Stellen in der Stadt wird an den Vietnamesen erinnert: Im Museum und am West Quay im Hafen. Im Newhaven Museum an der Avis Road wurde im Mai 2013 in Anwesenheit des vietnamesischen Botschafters eine Bronzestatue enthüllt, die Hồ auf einem Stuhl sitzend zeigt mit einem Federhalter in der Hand und einem Schriftstück auf dem Schoß. Es gab damals erregte Debatten in Newhaven, ob es wirklich angebracht war, dieser umstrittenen Person hier die Ehre zu erweisen. Für die einen war er ein Kriegsverbrecher und Massenmörder, für die anderen ein Freiheitsheld. Die Bürgermeisterin der Stadt erhoffte sich bei einer Ansprache anlässlich der Feierlichkeiten eine lange und fruchtbare Freundschaft zwischen Newhaven und Vietnam. Ob da wohl schon etwas Fruchtbares in der Stadt angekommen ist?

Am West Quay im Hafen steht ein schwarzer Hồ Chí Minh-Gedenkstein mit einer Inschrift, die dieses Foto zeigt.

Jetzt bleibt natürlich noch die Frage offen, was denn nun Hồ Chí Minh eigentlich in Newhaven gemacht hat. Als junger Mann soll er nach 1913 als Konditor auf der Fähre zwischen Dieppe und Newhaven gearbeitet haben und dadurch häufig in der Stadt in East Sussex gewesen sein. That’s it!

2012 wurde ein Gebäude in Betrieb genommen, das nicht wirklich zu einer Belebung der Attraktivität von Newhaven beigetragen hat: Eine Müllverbrennungsanlage.
„Crap Town Returns“ empfiehlt „The best thing any visitor can do is pass right through and visit nearby Lewes or Brighton“. Armes Newhaven!

Das Museum von Newhaven.   © Copyright Kevin Gordon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Museum von Newhaven.
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Newhaven High Street.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 18. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Torquay (Devon), die Palmenstadt an der Englischen Riviera

Palmen an der Shiphay Avenue.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Palmen an der Shiphay Avenue.
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Torquay in Devon ist die größte Stadt an der sogenannten Englischen Riviera, ausgestattet mit einem milden Klima. Was erwartet man von einer Stadt mit mediterraner Atmosphäre? Richtig, Palmen…und die gibt es hier an der Lyme Bay in Hülle und Fülle. Torquay ist stolz auf seine Palmen, obwohl viele streng genommen gar keine sind. „Cordyline australis“ lautet der botanische Name, in Deutschland sagt man Keulenlilie zu ihr und in England gern „Torquay palm“. Seit der Zeit Queen Victorias stehen diese schönen Pflanzen hier an der Riviera von Devon, die ihren Ursprung in Neuseeland haben. Diese Palmen (ich bleibe bei der Bezeichnung) können auch tiefere Temperaturen gut vertragen, bis zu 10 Grad Minus, aber die wurden in Torquay noch nie gemessen. Man findet in der Stadt aber auch andere (richtige) Palmen wie Phoenix dactylifera oder Jubea chiliensis.

Zoff gab es vor einigen Jahren, als die Stadtverwaltung von Torquay eine Kanarische Dattelpalme im Wert von £7000 plus Transportkosten von £13 000 aus Spanien kommen ließ, um damit einen Kreisverkehr an der A380 zu schmücken. Doch da blieb die Palme nicht lange stehen, denn sie wurde an einen neuen Standort gebracht, zur Kreuzung von Riviera Way und Browns Bridge Road, eine Art Niemandsland, wo sie nun ihr Dasein fristet. Die Bürger von Torquay waren angesichts der leeren Kassen der Stadt nicht glücklich mit diesem Ankauf.

Den Namen „Palme“ tragen viele Etablissements in Torquay; da gibt es u.a. Hotels wie das Palm Grove, das The Palms oder das Sherwood Palm Hotel und bis vor kurzem hieß die örtliche Radiostation Palm FM, bevor der neue Eigentümer den Sender im September 2015 in The Breeze umtaufte. Die Station sendet auf der Frequenz 105.5 und ist live hier zu hören.

Cordyline australis in einem Vorgarten an der Barton Road.    © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cordyline australis in einem Vorgarten an der Barton Road.
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Die umstrittene Palme aus Spanien, die für kurze Zeit diesen Kreisverkehr verzierte.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die umstrittene Palme aus Spanien, die für kurze Zeit diesen Kreisverkehr verzierte.
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Published in: on 10. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Stowmarket Gun Cotton Explosion am 11. August 1871 – Eine Tragödie in Suffolk

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Die Arbeit in Munitions- und Pulverfabriken war schon immer ziemlich gefährlich. In meinem Blog berichtete ich früher einmal über die gewaltige Explosion, die sich am 2. April 1916 in einer dieser Fabriken in Uplees bei Faversham in Kent ereignete, bei der 109 Menschen ums Leben kamen. 45 Jahre früher, am 11. August 1871 spielte sich eine ähnliche Tragödie in Stowmarket in der Grafschaft Suffolk ab.

Die Stowmarket Gun Cotton Works wurden 1863 gebaut, um durch chemische Prozesse Treibmittel für Feuerwaffen herzustellen. Am frühen Nachmittag kam es an jenem Augusttag zu zwei gewaltigen Explosionen, die den ganzen Ort Stowmarket erschütterten und einen Krater in den Boden rissen, der 30 Meter im Durchmesser maß und drei Meter tief war. Noch in fünfzig Kilometern Entfernung war die Explosion zu hören, die in einem Umkreis von sechs Kilometern Fensterscheiben zu Bruch gehen ließ und zahlreiche Häuser schwer beschädigte.
Doch viel schlimmer als die Sachschäden waren die zu beklagenden Opfer. 28 Menschen wurden getötet und 75 verletzt, unter den Opfern waren auch zwei Mitglieder der Familie, die die Fabrik besaß.

Was war die Ursache der Explosion, fragte man sich damals? Konnte es sein, dass die an diesem Tag recht hohen Temperaturen dazu beigetragen haben? Oder war vielleicht Sabotage im Spiel? Auch diese Möglichkeit wurde in Betracht gezogen. Aber auch die ausgesetzte Belohnung von 100 Pfund zur Ermittlung der Ursache des Unglücks trug nicht dazu bei, das bis heute ungeklärte Rätsel zu lösen.

Auf dem Gelände der Stowmarket Gun Cotton Works an der Needham Road, das mehrfach den Besitzer wechselte, wurden bis zum Ersten Weltkrieg weiterhin Explosivstoffe hergestellt, anschließend Industrielacke und Farben. Der heutige Besitzer ist die US-amerikanische Firma PPG Industries, die hier Autolacke produziert.

Erst im Jahr 2014 wurden die Opfer der Katastrophe mit einer Gedenkplakette auf dem Old Cemetery von Stowmarket geehrt, auf der die Namen von 23 Opfern eingraviert sind; die fünf weiteren sind auf anderen Friedhöfen beigesetzt worden.

Birstall in West Yorkshire – Einige Anmerkungen

Der Ort des Attentats auf Jo Cox, die Öffentliche Bibliothek von Birstall.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ort des Attentats auf Jo Cox, die Öffentliche Bibliothek von Birstall.
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Nachdem ich gestern in meinem Blog über den Wainhouse Tower in Halifax berichtet habe, bleibe ich heute noch einmal in West Yorkshire und zwar in Birstall. Bis zum 16. Juni diesen Jahres war die Kleinstadt kaum über die Grenzen Yorkshires bekannt, doch plötzlich tauchte der Name in den Medien der ganzen Welt auf. In Birstall wurde die Unterhausabgeordnete Helen Joanne „Jo“ Cox, sechs Tage vor ihrem 42. Geburtstag, Opfer eines Attentats. Als sie die Öffentliche Bibliothek in der Market Street verließ, stach der 52jährige ortsansässige Thomas Mair auf sie ein und schoss auf sie. Wenige Stunden später starb Jo Cox an ihren Verletzungen. Der Attentäter wurde festgenommen und scheint geistig verwirrt zu sein. Er wohnte am Lowood Lane im Norden von Birstall im “ Brontë-Viertel“, wo die Straßen Namen tragen, die an die Brontë-Schwestern erinnern wie Rochester Road, Heathcliffe Close, Branwell Avenue und Haworth Road. Lowood war der Name einer Schule in Charlotte Brontës Roman „Jane Eyre“.

Was gibt es über Birstall zu sagen? Die Stadt wäre sicher lieber durch erfreulichere Schlagzeilen in das Licht der Öffentlichkeit getreten. Hier leben etwas weniger als 20 000 Menschen und die Stadt dient vielen, die im Großraum Bradford, Leeds und Huddersfield arbeiten als Wohnort. Es geht in Birstall ruhiger zu als in den Großstädten, die schnell über die Autobahnen M62, M606 und M621 zu erreichen sind.

Die bedeutendste und bekannteste Person, die hier geboren wurde, war Joseph Priestley (1733-1804), der im Norden der Stadt, im Ortsteil Fieldhead, das Licht der Welt erblickte. Sein Geburtshaus existiert nicht mehr, aber eine Plakette dort erinnert an ihn. Joseph Priestley (nicht zu verwechseln mit dem Schriftsteller John Boynton Priestley, der aus dem nahegelegenen Bradford stammt) war Theologe, Philosoph und Naturforscher. Weltweit berühmt wurde er als Entdecker des chemischen Elements Sauerstoff im Jahr 1774. Für diese Leistung errichtete man ihm 1912 ein Denkmal auf dem Market Place, das von der aus Harrogate stammenden Bildhauerin Frances Darlington angefertigt wurde. Es trägt die Inschrift:

Joseph Priestley
Discoverer of Oxygen
Born at Fieldhead Birstall 1733

Zu Füßen des Priestley-Denkmals wurden in den letzten Tagen viele Blumen zum Andenken an die ermordete Jo Cox niedergelegt, u.a. auch von Premierminister David Cameron. Der Ort des Attentats, das Library & Information Centre, liegt gleich um die Ecke.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 1998, der Birstall ausführlich porträtiert.

Es gibt übrigens noch einen weiteren Ort in England mit dem Namen Birstall, der in Leicestershire liegt.

Hier am Lowood Lane wohnte der Attentäter.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Lowood Lane wohnte der Attentäter.
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Joseph Priestleys Denkmal auf dem Markptlatz der Stadt.   © Copyright Stanley Walker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Joseph Priestleys Denkmal auf dem Markplatz der Stadt.
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Wie Slough in Berkshire seinen berühmten Sohn Sir William Herschel ehrt

This work is in the public domain.

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Geboren wurde Wilhelm Herschel 1738 in Hannover, 1757 ging er nach England, wo er in Leeds und Halifax als Musiklehrer bzw. als Organist arbeitete. Seine nächste Station war Bath; dort erwachte sein Interesse an der Astronomie. Er baute eigene Spiegelteleskope mit denen er weit den Weltraum blicken konnte. Gekrönt wurden seine  astronomischen Forschungen mit der Entdeckung des Planeten Uranus im Jahr 1781. Von Bath zog Herschel nach Slough, westlich von London, wo er bis zu seinem Tod am 25. August 1822 bleiben sollte.

Herschel war zu seiner Zeit nicht nur einer der bedeutendsten Astronomen, er machte sich auch einen Namen als Musiker und Komponist (hier ist ein Beispiel).
Seine Heimatstadt Slough, die noch immer mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen hat (s. dazu meinen Blogeintrag), freut sich auch heute noch darüber, dass einmal ein so berühmter Mann in ihren Mauern gelebt hat und ehrt Sir William Herschel auf unterschiedliche Weise:

Der im Mai 2011 eröffnete Busbahnhof ist ein außergewöhnliches Gebäude, über das das mit dem Entwurf beauftragte Architektenbüro bblr sagt: “ The form of the building derives from the idea of different wavelengths of light inspired by Astronomer Royal, William Herschel’s discovery of infra-red waves in 1800 while a resident of Slough.”

Das dicht an der Autobahn M4 gelegene Parkgelände wurde nach dem Astronomen Herschel Park genannt und hat übrigens den Green Flag Award bekommen (ich berichtete vorgestern in meinem Blog darüber).

Das Observatory House an der Herschel Street erinnert mit seinem Namen an den Wissenschaftler, der exakt an dieser Stelle gewohnt hatte und wo sein Telekop aufgestellt war. Herschels Haus, in dem sein Sohn John geboren wurde und in dem er starb, wurde abgerissen und auf dem Gelände dieses Bürogebäude errichtet. Gleich dahinter steht der Herschel Multi-Story Car Park.

Gleich neben dem Observatory House befindet sich ein Denkmal, das Herschels 40-Fuß-Teleskop repräsentiert, damals das größte der Welt. Der tschechische, nach England emigrierte Bildhauer Franta Belsky (1921-2000) hat das Denkmal entworfen.

Nach dem Astronomen wurde auch die Herschel Grammar School an der Northampton Avenue benannt; ebenfalls das Herschel Medical Centre an der Osborne Street.

Wie es sich gehört, gibt es in Slough selbstverständlich auch einen Pub, der The Herschel Arms heißt und ideal an der Herschel Street platziert ist.

Seine letzte Ruhestätte fand Sir William Herschel in der Kirche St Laurence in dem Vorort Upton-cum-Chalvey, wo er in der Familiengruft beigesetzt ist. Eine Plakette ist dort angebracht und Kirchenfenster erinnern an den großen Mann und seine Forschungsarbeiten.

Der Busbahnhof von Slough.   © Copyright Stephen McKay and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Busbahnhof von Slough.
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Herschel Park in Slough.   © Copyright Shazz and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Herschel Park in Slough.
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Das Observartoy House in der Herschel Street.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Observatory House in der Herschel Street.
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Die St Laurence Church in Upton-cum-   © Copyright Ian Baker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Laurence Church in Upton-cum-Chalvey
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Clovelly in North Devon – Von Eseln, Schlitten und einem Land-Rover

Die Hauptstraße von Clovelly mit dem New Inn.   © Copyright Tony Atkin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Hauptstraße von Clovelly mit dem New Inn.
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Ich bin auf meinen Reisen durch England nur einmal in Clovelly gewesen, jenem kleinen idyllischen Küstenörtchen im Norden der Grafschaft Devon. Wobei das Wort „idyllisch“ relativ zu sehen ist, denn in der Hauptsaison im Sommer ziehen Menschenmassen durch das Dorf, und erst nachdem die Tagestouristen verschwunden sind, kehrt etwas mehr Ruhe in den Ort ein.

Clovelly hat einige Besonderheiten, die sonst kaum noch irgendwo anders in England zu finden sind. Um in das Dorf zu gelangen, muss man eine Eintrittsgebühr bezahlen, die zurzeit £7 kostet. Darin enthalten sind der Parkplatz und der Zugang zum Fisherman’s Cottage, zum Charles Kingsley Museum und zum Clovelly Court Garden.

Wer gehbehindert, Rollstuhlfahrer oder auf einen Rollator angewesen ist, hat schlechte Karten in Clovelly, denn vom Parkplatz aus führt nur eine steile kopfsteingepflasterte Straße zum kleinen Hafen hinunter. Autos sind auf dieser Straße tabu; Anlieferungen für die Geschäfte, Hotels und Restaurants erfolgen auf Schlitten. Esel waren wichtige Lastenträger, die den Transport bergaufwärts übernahmen und noch heute spielen die Grautiere hier eine Rolle, allerdings überwiegend zur Kinderbelustigung, indem sie die lieben Kleinen zu Ausritten mitnehmen. Natürlich stehen sie auch für Fotos zur Verfügung. 12 Esel und 2 Maultiere sind gegenwärtig in Clovelly im Einsatz; zu Transportzwecken werden sie nur noch gelegentlich eingesetzt.

Wer sich die Mühe die Abstiegs und Wiederaufstiegs der Hauptstraße entziehen möchte oder eben gehbehindert ist, der kann auf einen Landrover-Service zurückgreifen, der die Passagiere auf Nebenstraßen zum Hafen bringt.

Eine Übernachtung im Dorf kann sicher sehr interessant sein und dafür stehen zwei Hotels zur Verfügung: The New Inn an der Hauptstraße und der Red Lion direkt am Hafen. Wer dort nächtigt, braucht die Eintrittsgebühren für den Ort nicht bezahlen. Man stellt sein Auto auf dem Parkplatz ab, schnappt sich einen Schlitten, um das Gepäck zu transportieren, und macht sich damit auf den steilen Abstieg zur Unterkunft.  Auf Wunsch sind die Hotels aber auch beim Transport des Gepäcks behilflich.

Es gibt auch Tricks wie man kostenlos zum Hafen kommt und die Eintrittsgebühren sparen kann wie dieser Film zeigt. Das wird natürlich von den „Clovelly-Betreibern“ gar nicht gern gesehen.

Menschenleer ist die steile Dorfstraße wenn wieder einmal eine „Flash Flood“ Clovelly heimsucht, dann stehen auch schon einmal einige Wohnungen unter Wasser, in diesem Film zu sehen.

Machen wir doch einmal einen Rundgang durch den attraktiven Ort mit einem offiziellen Tour Guide.

Die Transportschlitten auf der Hauptstraße. This work has been released into the public Domain.

Transportschlitten auf der Hauptstraße.
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Die Clovelly-Esel auf dem Weg zur Arbeit.   © Copyright Pauline E and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 Clovelly-Esel auf dem Weg zur Arbeit.
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The Red Lion Hotel am Hafen.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Red Lion Hotel am Hafen.
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Published in: on 23. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hingham (Norfolk) – Von hier kamen die Vorfahren eines berühmten amerikanischen Präsidenten

   © Copyright Craig Tuck and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Dorfschild von Hingham in Norfolk, westlich von Norwich gelegen, zeigt einen wesentlichen Moment der Geschichte des Ortes: Die Abreise der Pilgrim Fathers mit Segelschiffen in Richtung Amerika. Im 17. Jahrhundert machten sich auch einige Bewohner aus Hingham auf den weiten Weg über den Ozean, um in der Neuen Welt ein neues Leben zu beginnen; unter ihnen ein gewisser Samuel Lincoln, der 1637 England verließ. Samuel war in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und hatte das Weberhandwerk gelernt. Er sah für sich aber keine Zukunft in seinem Heimatland und hoffte in Amerika glücklicher zu werden. Dort hatte sich bereits sein älterer Bruder Thomas niedergelassen, in einem Ort im heutigen Massachusetts, der nach dem Heimatdorf Hingham benannt war.

Samuel Lincoln konnte in Amerika Fuß fassen, er heiratete und hatte elf Kinder. Aus dieser Linie stammte ein berühmter Nachkomme, der Abraham Lincoln hieß, am 12. Februar 1809 zur Welt kam und der zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden sollte. Nach etwas über vier Jahren Präsidentschaft, in der er die Sklaverei abschaffte, wurde er am 15. April 1865 im Ford’s Theatre in Washington D.C. von John Wilkes Booth erschossen.

Wahrscheinlich wäre die Geschichte der Vereinigten Staaten anders verlaufen, wenn es vor der Abreise des jungen Samuel Lincoln nicht zu Erbschaftsstreitigkeiten gekommen wäre, in die sein Vater verwickelt war. Samuels Großvater Richard Lincoln, ein wohlhabender Mann, hatte aus vier Ehen mehrere Kinder. Als Richard starb, vererbte er sein gesamtes Vermögen an seinen jüngsten Sohn Henry, Samuels Vater ging leer aus. Hätte er geerbt, wäre Samuel wahrscheinlich nie nach Amerika ausgewandert und es hätte nie einen Abraham Lincoln gegeben…

Noch heute hält man die Erinnerung an die Lincoln-Familie in Hingham aufrecht. In der Dorfkirche St Andrew’s ist in einer Wandnische die Büste von Abraham Lincoln eingelassen, die im Jahre 1919 vom US-Botschafter John W. Davis enthüllt wurde. Nicht weit von der Kirche entfernt, steht die 1977 erbaute Village Hall von Hingham, die nach Abraham Lincoln benannt wurde. Am Fairland Court hat sich Lincoln’s Tea and Coffee Shoppe etabliert; der Schriftzug über dem Laden ist sowohl von der britischen als auch von der amerikanischen Fahne eingerahmt. Das kleine Lokal hat sich allerdings nicht auf amerikanische Speisen spezialisiert.

Das amerikanische Gegenstück zu dem Dorf in Norfolk liegt direkt am Meer, südlich von Boston. In der Nähe der Kleinstadt Hingham, Massachusetts, findet man mehrere Orte, deren Namen ebenfalls an England erinnern wie Braintree, Weymouth und Dedham.

Abraham Lincolns Büste in der Kirche St Andrews.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Abraham Lincolns Büste in der Kirche St Andrew’s.
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Die Lincoln Village Hall in Hingham.   © Copyright Charles Greenhough and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Lincoln Village Hall in Hingham.
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