Downham in Lancashire, das schilder- und antennenlose Dorf am Rande des Pendle Hill

Wenn man nach Downham, einem kleinen Dorf in Lancashire nördlich des Pendle Hills kommt, fragt man sich : Hier fehlt doch irgendetwas?
Ja, es fehlt vieles, was zum normalen Erscheinungsbild eines Dorfes gehört. Es gibt auf den Dächern weder Antennen noch Satellitenschüsseln, auch Stromleitungen sucht man hier vergebens (die sind unterirdisch verlegt). Straßenschilder? Verkehrsschilder? Gelbe Streifen am Fahrbahnrand? Alles Fehlanzeige.

Downham Village gehört zum Besitz der Assheton Familie und Ralph John Assheton, 2nd Baron Clitheroe, untersagt jegliche Verschandlung der Häuser und der Straßen, so dass das Dorf, wenn man die Autos verschwinden ließe, noch genauso aussieht wie vor 100 oder 200 Jahren.

So ein Dorf ist natürlich der Traum eines jeden Film- oder Fernsehproduzenten. Wenn man hier einen historischen Film dreht, braucht man keine Antennen von den Dächern abmontieren oder die gelben Fahrbahnrandstreifen abkleben: das spart Arbeit und Kosten und so wurden in Downham auch schon Filme und Fernsehserien gedreht.
Schon 1961 produzierte hier Richard Attenborough „Whistle Down the Wind“ mit Hayley Mills in der Hauptrolle. Die BBC-TV-Serie „Born and Bred„, die von 2002 bis 2005 ausgestrahlt wurde, drehte man überwiegend in Downham, in der Serie Ormston genannt.

Der Mittelpunkt des „gesellschaftlichen Lebens“ von Downham ist, wie es auch sein sollte, der Pub, der The Assheton Arms heißt.

Downham Hall ist der Wohnsitz der Assheton Familie, die Kirche des Ortes ist dem Heiligen Leonard geweiht, es gibt ein Postamt und das war’s denn auch schon. Ein unverfälschtes Dorf am Hang des berüchtigten Pendle Hills (siehe dazu auch meinen Blogeintrag).

Hier ist ein Film, der das idyllische Downham zeigt.

The Assheton Arms in Downham.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der Pendle Hill von der St Leonard’s Church aus gesehen.
Photo © Carroll Pierce (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
Tags:

Die englische High Street: Deprimierendes und Positives

Ein Beispiel für eine High Street wie wir sie nicht mögen: Wisbech (Cambridgeshire).
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Über die Problematik der englischen High Street habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben. Es sieht nicht gut aus für sie, weil immer mehr Geschäfte schließen, die entweder leer bleiben oder von Charity Shops oder  Billigstläden eingenommen werden. Kürzlich hat das Unternehmen PricewaterhouseCoopers, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, alarmierende Zahlen für das Jahr 2018 vorgelegt, wonach so viele Geschäftsschließungen stattgefunden haben wie lange nicht mehr: 5833. Rechnet man die Neueröffnungen dagegen (3372), so haben wir ein Minus von fast 2500 Läden. Besonders hart hat es Bankfilialen und Modeläden getroffen, auch Geschäfte, die zu Ketten gehören, verschwinden immer mehr aus dem Straßenbild.

Die Ursachen für das langsame Sterben der High Street sind bekannt: Der zunehmende Onlinehandel, die Zurückhaltung der Menschen beim Geld ausgeben, fehlende Parkplätze in den Städten. Es ist eine Abwärtsspirale: Je unattraktiver die High Streets werden, umso weniger ziehen sie Kunden an und sie bleiben weg. Ein Einkaufsbummel in Straßen, die von Oxfam, Poundstretcher und Kebap-Imbissen dominiert werden, macht einfach keinen Spaß mehr. Auch Restaurants und Pubs leiden unter Kundenmangel; viele essen und trinken lieber zuhause, um Geld zu sparen. Wie das alles nach einem Brexit weiter gehen wird? Kommt dann ein Aufschwung wie Nigel Farage nicht müde wird, es immer wieder zu prophezeien? Oder wird dann alles noch viel schlimmer?

Doch es gibt Bemühungen gegen die desolaten Einkaufsstraßen vorzugehen wie zum Beispiel die alljährliche Verleihung der Great British High Street Awards. Sehen wir uns die Gewinner des letzen Jahres an:

Der Champion Award Winner für England (es gibt die Auszeichnungen auch für Schottland, Wales und Nordirland) war das Town Centre von Altrincham, einer Stadt mit etwa 53 000 Einwohnern im Dunstkreis von Manchester. Der Preis ist verbunden mit einem Scheck über £5,000. Altrincham konnte sich gegen die Konkurrenten St Albans, Royal Tunbridge Wells und Guildford (um nur einige zu nennen) durchsetzen. “Altrincham is a fantastic example of a high street that has made huge strides in transforming itself and significantly improving the environment for locals and visitors alike”, so die Aussage eines der Jurymitglieder.

Der Rising Star Awards Winner 2018 war die Burnley Road in Todmorden (West Yorkshire). Die etwa 16 000 Einwohner beherbergende Stadt setzt sich immer wieder für Umweltschutz ein. “Burnley Road was specifically chosen to represent the town for its diversity, with the market winning a national award, plans on-going for a Community Hub from the old Community College, and improvements to public transport. New shops are opening along this road and some existing shops are giving themselves a make-over, it was the perfect combination to for the rising star category“, so hieß es bei der Bewerbung der Stadt um den begehrten Preis.

Die Auszeichnung High Street Hero 2018 schließlich wurde Jennifer Crowther zugesprochen, die sich um die Küstenstadt Scarborough in North Yorkshire verdient gemacht hat und zwar durch die beiden Kampagnen Totally Locally und  Love Local, die dazu dienten die Geschäftswelt der Stadt näher zusammenzubringen und durch gemeinsames Marketing Kunden in die High Street zu bringen.

Siehe zum Thema auch meinen früheren Blogeintrag über die High Street Awards.

Altrincham Town Centre.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Die Burnley Road in Todmorden (West Yorkshire).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Scarborough Town Centre.
Photo © Christopher Hall (cc-by-sa/2.0)

 

Lacock in Wiltshire – Ein National Trust Bilderbuchdorf und die hier gedrehten Filme

Die High Street mit dem Red Lion.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Bei vielen Busrundreisen durch Südengland ist das Dorf Lacock in Wiltshire ein fester Bestandteil wie Stonehenge und Avebury. Kein Wunder, denn hier sieht es genauso aus wie man sich ein typisch englisches Dorf vorstellt. Es gibt eine hübsch anzuschauende Parish Church, die dem Heiligen Cyriacus gewidmet ist, einige Pubs wie den Red Lion an der High Street, einen Dorfladen mit Postamt, ebenfalls an der High Street, und jede Menge fotogener Häuser. Dieser Film vermittelt einen ersten Eindruck.

Bekannt war Lacock ursprünglich  durch seine Abtei, die unter Heinrich VIII. aufgelöst wurde, und später durch den berühmten Fotopionier William Henry Fox Talbot (1800-1877), der in dem Dorf wirkte und auch starb (sein Grab findet man auf dem Kirchhof des Ortes). 1944 ging Lacock in den Besitz des National Trust über. Ein N.T. Shop liegt gleich gegenüber vom Red Lion.

Der Name Lacock ist in den Gehirnwindungen wohl aller britischen Location Manager fest verankert, die dafür verantwortlich sind, Orte auszukundschaften, in denen Filme gedreht werden sollen. Werden für Straßenszenen historischer Filme entsprechende Plätze gesucht, so bieten sich die High Street, die West Street und die Church Street an, die ihren Charakter erhalten haben. Hier habe ich einmal einige (wenige) Filme zusammengestellt, die zum Teil in Lacock gedreht wurden.

Die „Harry Potter„-Filmcrews waren mehrfach in dem Dorf zu Gast, um hier zu drehen, für den „Stein der Weisen“, die „Kammer des Schreckens“ und den „Halbblutprinz“ wie in diesem Clip zu sehen ist.

Für die Verfilmungen von Janes Austens Romanen drängt sich Lacock förmlich auf, und so drehte die BBC hier 1995 „Pride and Prejudice“ (alle Drehorte zeigt dieser Film).

Für die TV-Serie „Wolf Hall“ (2015), nach dem gleichnamigen Roman von Hilary Mantel, wurde die Abtei des Ortes für Aufnahmen verwendet.

Im vorigen Jahr kam der Fantasyfilm „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald„, in Deutschland „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“, in die Kinos und da mussten die Location Manager nicht lange suchen…

Die populäre und mit mehreren BAFTA-Preisen ausgezeichnete BBC-TV-Serie „Cranford“ (2007) wurde zu großen Teilen in der High Street und in der Church Street von Lacock gedreht. Für die dreiteilige Fernsehserie „Doctor Thorne“ aus dem Jahr 2016 (ich berichtete in meinem Blog darüber) kamen Filmcrews hierher wie auch für die 2. Episode der 6. Staffel von „Downton Abbey“ (2015).

Den National Trust freut es, dass an ihrem Dorf so großes Interesse von Seiten der Filmindustrie besteht, denn es bringt Geld in seine Kasse… und die Besucherströme reißen nicht ab.

Dorfladen und Postamt in der High Street.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Die Church Street.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Lacock Abbey.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. April 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Oldbury-on-Severn (South Gloucestershire) – Ein Dorf mit einer schönen und mit einer hässlichen Seite

St Arilda’s Church in Oldbury-on-Severn. – Eigenes Foto

Nur wenige Kilometer hinter meinem englischen Lieblingshotel, dem Thornbury Castle in South Gloucestershire, schlängeln sich kleine Straßen zur Mündung des Severn. Hier liegt ein kleiner Ort namens Oldbury-on-Severn, der Heimat eines großen Atomkraftwerks ist/war, der Oldbury Nuclear Power Station. 1967 ging der erste der beiden Reaktoren ans Netz, der zweite folgte ein Jahr später. Vor einigen Jahren ist es dem Kraftwerk an den Kragen gegangen, denn ein Reaktor wurde am 30. Juni 2011 abgeschaltet, der zweite folgte am 29.02.2012. Der wenig schöne Anblick des Kraftwerks wird aber noch viele Jahr erhalten bleiben, denn es dauert sehr lange, bis so eine Power Station komplett abgetragen ist. Die Energieriesen E.ON und RWE wollten zwar ein neues Atomkraftwerk, nur ein kleines Stück weiter nördlich von der alten Anlage entfernt, bauen, gaben ihre Pläne aber glücklicherweise auf.

Oldbury hat auch seine schönen Seiten, zum Beispiel die Kirche St Arilda’s, die oberhalb des Ortes liegt und von der aus man einen wunderschönen Blick auf die umliegende Landschaft, die Severnmündung und die Waliser Berge hat. Die Heilige Arilda soll im 5. Jahrhundert gelebt haben und ist eine örtliche Heilige, die sonst im Land unbekannt ist. Es gibt ganz in der Nähe, in Oldbury-on-the-Hill, noch eine weitere Kirche, die ebenfalls dieser Heiligen gewidmet ist, St Arild’s Church, die aber nicht mehr „in Betrieb“ ist. Achtung Verwechslungsgefahr!!

Ich kann diesen kleinen Ausflug zu St Arilda’s sehr empfehlen. Ein kleiner Friedhof umgibt die Kirche, es sind Bänke aufgestellt und es ist sehr ruhig hier oben. Wunderschön!!

Das Buch zum Artikel:
The Churchyard Book of Oldbury-on-Severn – A survey of the memorials with their inscriptions, situated in the upper churchyard and Church of St Arilda, Oldbury-on-Severn, South Gloucestershire. Oldbury-on-Severn Village History Group 2009. 350 Seiten. ISBN 978-0956286000.

Oldbury Power Station, die hässliche Seite…
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

…und die schöne Seite von Oldbury. Blick von St Arilda’s auf den Severn und die Waliser Berge. Eigenes Foto.

Reiter am Kriegerdenkmal, eine idyllische Szene im Dorf.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Winchester in Hampshire – Die glücklichste Stadt Englands

Winchester Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ende März wurde er wieder einmal veröffentlicht, der Happiness Index, von der Royal Mail erstellt. Dieser Index listet die Städte und Regionen in England, Schottland, Wales und Nordirland auf, in der sich die Menschen am wohlsten fühlen. Folgende Faktoren wurden in die Untersuchung einbezogen:

  • reported personal well-being
  •  life expectancy
  •  earnings
  •  inequality
  •  carbon emissions
  •  crime
  •  deprivation
  •  access to health services

And the winner is…Winchester in der Grafschaft Hampshire. Hier leben also die glücklichsten Menschen in England. Die Kathedralenstadt schneidet bei ihren Bewohnern hervorragend ab, sie haben ein relativ hohes Einkommen, es gibt nur wenig Armut und sie fühlen sich rundum wohl, trotz des innerstädtischen starken Verkehrsaufkommens. Winchester wurde schon mehrmals als ein besonders empfehlenswerter Wohnort ausgewiesen. So war die Stadt schon 2016 in der Channel 4 Sendereihe „The Best And Worst Places To Live In The UK“ Spitzenreiter, zehn Jahre später stand Winchester auf Platz 1 in der „Sunday Times Best Places To Live“-Liste.

1966 machte die New Vaudeville Band die Stadt auch außerhalb Großbritanniens mit ihrem Song „Winchester Cathedral“ bekannt. Auch in Frank TurnersWessex Boy“ steht die Stadt im Hampshire im Mittelpunkt. In diesem Film wird sie vom Tourist Information Centre vorgestellt.

Winchester hat rund 45 000 Einwohner, ist nur etwa hundert Kilometer von London entfernt und erfreut sich einer Partnerschaft mit der deutschen Stadt Gießen. Ein Besuch in der glücklichsten Stadt Englands ist also sehr zu empfehlen!

Auf Platz 2 des Happiness Index steht die Region Babergh in Suffolk, Platz 3 nimmt Rushcliffe in Nottinghamshire ein, der Chiltern District in Buckinghamshire ist auf Platz 4 zu finden und der fünfte Platz gehört dem Ribble Valley in Lancashire.

Impression aus der Altstadt.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

Das Butter Cross in der High Street.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Grantchester – Ein Bilderbuchdorf bei Cambridge, das schon viele berühmte Leute aufgesucht haben

St Andrew & St Mary.
Eigenes Foto.

Viele Einwohner gibt es in dem kleinen Dorf Grantchester, im Dunstkreis der Universitätsstadt Cambridge gelegen, nicht; es mögen so um die 500 sein. Dafür gibt es keinen Ort in der ganzen Welt, in dem so viele Nobelpreisträger gewohnt haben bzw. noch wohnen, wie in diesem Dorf am River Cam. Kein Wunder, denn die vielen berühmten Colleges von Cambridge liegen fast in Sichtweite.

Ich habe in meinem Blog schon einmal über die TV-Serie „Grantchester“ geschrieben, die zum Teil hier gedreht wurde, und da ich die ersten drei Staffeln auf DVD besitze, habe ich mir das Bilderbuchdorf letzte Woche angesehen. Im Mittelpunkt steht die anglikanische Kirche St Andrew & St Mary, in der ein großes Foto von den Hauptakteuren der Fernsehserie aufgestellt war. Um die Kirche herum fand ich jede Menge uralte Grabsteine, deren Inschriften schon vor langer Zeit verblichen sind. Auf einem Gedenkstein vor der Kirche, auf dem die im Ersten Weltkrieg Gefallenen vermerkt sind, steht der Name Rupert Brooke (1887-1915), dem man im Ort noch mehrfach begegnet. Das war ein Dichter, der mit dem Gedicht „Old Vicarage, Grantchester“ bekannt geworden ist. Diese Old Vicarage steht noch immer und wird von dem Schriftsteller Jeffery Archer und seiner Frau, der Wissenschaftlerin Mary Archer bewohnt. Im nicht zugänglichen Innenhof sieht man eine Statue von Rupert Brooke, die im Jahr 2006 von Margaret Thatcher eingeweiht wurde.

Wir tranken eine Tasse Kaffee in dem Restaurant The Rupert Brooke am Broadway, da an diesem Tag leider kein Afternoon Tea angeboten wurde. Der berühmte Orchard Tea Garden am River Cam hatte an diesem Montag leider Ruhetag. Hier trafen sich schon unzählige Berühmtheiten wie besagter Rupert Brooke, Virgina Woolf, Ludwig Wittgenstein, D.H. Lawrence, Bertrand Russell, Henry James, Salman Rushdie, Stephen Hawking, Stephen Fry, Emma Thompson, um nur einige zu nennen.

Wir gingen an diesem sonnigen Montagnachmittag einige hundert Meter aus Grantchester hinaus und besuchten den Byron’s Pool, einen kleinen Teich am Wehr, in dem der Dichter Lord Byron (1788-1824) häufig geschwommen hat. Das Gewässer ist heute ein Local Nature Reserve.

Über die Grantchester Meadows, häufig in der TV-Serie zu sehen, gingen wir wieder zu unserem Auto zurück. Grantchester ist ein sehr hübsches Dorf, ein Besuch lohnt sich!

Hier ist ein Film über das Dorf.

Im Inneren von St Andrew & St Mary.
Eigenes Foto.

Im Kirchenraum aufgestellt.
Eigenes Foto.

Hier tranken wir einen Kaffee.
Eigenes Foto.

Rupert Brookes Statue im Innenhof der Old Vicarage.
Eigenes Foto.

Byron’s Pool.
Eigenes Foto.

Goodbye Grantchester.
Eigenes Foto.

Newmarket, die Stadt der Pferde in Suffolk – Einige persönliche Eindrücke

Eigenes Foto.

In der letzten Woche verbrachte ich einen Vormittag in Newmarket (Suffolk), eine Stadt die für ihre Pferderennen und die Pferdezucht in der ganzen Welt bekannt ist. Es war ein richtig kalter Tag, ein eisiger Wind wehte durch die Stadt und ich war froh, irgendwo Unterschlupf zu finden wie in der kleinen überdachten Einkaufszone im Zentrum. Mein Eindruck von Newmarket ist zwiespältig. Da sind zum einen die riesigen, um den ganzen Ort verteilten Grünflächen, auf denen die Rennpferde trainiert werden. Es sind wunderschöne, edle Tiere, die von ihren Jockeys bei meinem Besuch einen Hügel hinauf geritten und dann hügelabwärts geführt wurden. Auch in der Stadt selbst traf ich auf Pferde, ein vertrautes Bild in Newmarket. In der Palace Street findet man im Palace House das National Horse Racing Museum, das ich nicht besuchte, und in dem einmal Charles II. wohnte. Direkt gegenüber liegt das Haus seiner damaligen Geliebten, Nell Gwynne, heute mit einer blauen Plakette versehen, aber nicht zu besichtigen.

Das kleine Einkaufszentrum ist mit einem hübschen lebensgroßen Pferd verziert, auch vor dem Eingang zum Jockey Club in der High Street wird man von einem Pferd begrüßt. Leider spiegelt sich der Reichtum, der doch eigentlich in Newmarket vorhanden sein müsste, in der High Street nicht wider. Je mehr man die Strasse stadtauswärts geht, umso heruntergekommener werden die Häuser, einige sind verlassen, andere befinden sich in schlechtem Zustand. Der Pub The White Lion neben der Shell-Tankstelle ist dauerhaft geschlossen und bietet ein erbärmliches Bild. Die Tourist Information, die bis vor einiger Zeit ihre Räume im Zentrum hatte, ist jetzt kaum zu finden und versteckt in der Palace Street untergebracht. Hat man sie dann endlich gefunden, stößt man auf ein kleines Regal mit Broschüren, das ist die zentrale Anlaufstelle für Touristen in einem der bedeutendsten Pferdezuchtzentren der Welt.
Schön ist der Jubilee Clock Tower am Kreisverkehr in der Mitte von Newmarket, über den ich in meinem Blog früher einmal berichtete.

Vielleicht lag es ja auch an dem schlechten Wetter, dass die Stadt in Suffolk keinen besonders starken Eindruck bei mir hinterließ.

Nell Gwynnes Cottage in der Palace Street.
Eigenes Foto.

Das hübsche Pferd in dem kleinen Einkaufszentrum von Newmarket.
Eigenes Foto.

Newmarket Tourist Information.
Eigenes Foto.

Published in: on 18. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Richmondshire – Englands Wohngebiet mit der höchsten Lebensqualität

Blick auf Richmond von der Burgruine aus.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)

Alle zwei Jahre werden in der Halifax Quality of Life Survey die Regionen Großbritanniens gelistet, die die höchste Lebensqualität bieten. Die aktuelle Liste verzeichnet Erstaunliches. Auf Platz 1 liegen die Orkney Inseln, die u.a. mit einer niedrigen Arbeitslosenquote und einer geringen Kriminalitätsrate punkten konnten. Die Menschen, die dort draußen auf den Inseln im Atlantik leben, fühlen sich wohl und sind glücklich.

Da die Orkney Inseln nicht zu meinem Berichtsgebiet gehören, beschäftige ich mit Platz 2, und das ist kein wohlhabendes Wohngebiet im Dunstkreis der Hauptstadt, sondern das ist Richmondshire, hoch oben im Norden, in der Grafschaft North Yorkshire (im Jahr 2017 noch auf Platz 9). Auch hier gibt es eine geringe Kriminalitätsrate, relativ wenig Verkehr auf den Straßen, eine geringe Bevölkerungsdichte und ein weit verbreitetes Gefühl der Zufriedenheit der rund 50 000 Menschen, die hier wohnen.

Was bietet Richmondshire für den Touristen, der sich in der Region einmal umschauen möchte? Sehr viel Natur, denn ein großer Teil der Yorkshire Dales befindet sich hier wie das Swaledale und das für seinen Käse bekannte Wensleydale. Es gibt viele hübsche Dörfer in Richmondshire wie Askrigg, wo die beliebte TV-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ gedreht wurde, Hawes mit seiner Wensleydale Creamery, Middleham mit der Burgruine aus der Zeit Richards III. und Leyburn, wo jedes Jahr im Juni das  Dales Festival of Food and Drink stattfindet.

Mittelpunkt ist die kleine Marktstadt Richmond, die ich einmal besuchte, und die mir sehr gefallen hat. Beherrscht wird sie von den Ruinen des Richmond Castles oberhalb der Stadt. An einem der größten Marktplätze des Landes lieht eines der ältesten Theater Englands, das Georgian Theatre Royal, das Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde und dessen Präsident zurzeit die Schauspielerin Judi Dench ist. Auch Richmond diente viele Male als Drehort für Filme und TV-Serien.

Ein Besuch Richmonds und seiner sehenswerten Umgebung, die ich mehrfach bereist habe, ist sehr zu empfehlen!

Muker im Swaledale.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Askrigg
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)

Hawes
Photo © Malcolm Neal (cc-by-sa/2.0)

 

Little Germany – Ein Stück Deutschland in Bradford (West Yorkshire)

Die Burnett Street.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Bradford in West Yorkshire, eine Stadt mit einer halben Million Einwohner, verbindet man heute mit seinem hohen Anteil an asiatischer Bevölkerung, der knapp unter 30% beträgt. Vor allem Einwanderer aus Pakistan haben sich die Stadt als Wohnsitz ausgesucht. Außer Englisch sind hier Panjabi und Urdu die meist gesprochenen Sprachen.
Umso erstaunlicher, dass es mitten in Bradford ein Viertel gibt, das Little Germany heißt. Zurückzuführen ist der Name auf die vielen aus Deutschland stammenden Händler, viele jüdischen Ursprungs, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts wegen der boomenden Textilindustrie in Bradford niederließen. Sie bauten große Lagerhäuser, in denen sie die in der Stadt produzierten Textilwaren unterbrachten, bevor diese exportiert wurden. Auch der Textilwarenhändler Julius Delius und seine Frau Elise siedelten sich hier an, die Eltern des berühmten Komponisten Frederick Delius, der hier am 29. Januar 1862 das Licht der Welt erblickte.

Susan Duxbury-Neumann hat zu dem Thema ein Buch geschrieben „Little Germany: A History of Bradford’s Germans„, erschienen 2015 im Verlag Amberley Publishing. Hier ist ein Film über das Viertel.

In der Zeit von 1855 bis 1890 entstanden 85 Gebäude von denen heute 55 unter Denkmalschutz stehen. Man ist dabei, einige dieser imposanten viktorianischen Häuser in Hotels, Büros und Wohnungen umzugestalten, die spezielle Architektur aber zu erhalten.
Hier sind einige Beispiele aus Little Germany in Bradford:

Die Cater Street.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Das Devere House.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Die Mill Street.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

East Parade. In dem Gebäude war einmal die Firma Delius & Co. untergebracht.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Villages in the snow

Grantchester in Cambridgeshire.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Die Wettervorhersage für Weihnachten sieht in England etwa so aus wie hier in Deutschland: regnerisch und mild, von Schnee ist weit und breit nichts zu sehen. Die einen freut’s, weil sie keinen Schnee wegschieben müssen, die anderen sind traurig, weil dann keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommt.
Englische Dörfer sehen schneebedeckt besonders schön aus wie ich das einige wenige Male selbst erleben konnte. Dieser Film zeigt winterliche Szenen aus West Sussex.

Hier sind einige stimmungsvolle „Villages in the snow“ zu sehen:

Snowshill in Gloucestershire.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Old Bolingbroke in Lincolnshire.
Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)

Boldron (County Durham).
Photo © Andy Waddington (cc-by-sa/2.0)

Ledgemoor (Herefordshire).
Photo © Philip Pankhurst (cc-by-sa/2.0)

The Merry Harriers in den Blackdown Hills (Somerset)
Photo © Noel Jenkins (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grabstein auf dem Kirchhof von St Mary’s in Cholsey in Oxfordshire.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Dezember 2018 at 02:00  Comments (5)  

Hambleden in Buckinghamshire – Ein Dorf im Besitz eines Schweizer Milliardärs

Das Manor House wird für eine „Miss Marple“-Folge vorbereitet.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Wenn man ein Musterbeispiel für ein englisches Bilderbuchdorf sucht, dann eignet sich Hambleden in Buckinghamshire dafür hervorragend. Ich habe das Dorf in meinem Blog schon zweimal im Zuge meiner „Inspector Barnaby“-Spurensuche vorgestellt (hier und hier). Es ist ein Paradies für Location Manager, darum wurden hier schon viele Filme gedreht.

Viele, die Hambleden besuchen, wissen sicher nicht, dass der Ort in Privatbesitz ist und dem Schweizer Milliardär Urs Schwarzenbach gehört, der das komplette Dorf mit 44 Häusern, einem Pub und einem Dorfladen 2007 für £38 Millionen dem W.H. Smith-Erben Henry Smith, 5th Viscount Hambleden, abgekauft hatte, dessen Familie hier lange ansässig war. Schwarzenbach hat noch zwei weitere Besitztümer nicht weit von Hambleden entfernt: Thames Side Court in Shiplake in Berkshire, das dem Bahnhof von St Moritz nachempfunden sein soll, und Culham Court in Berkshire, in der Nähe von Henley-on-Thames.

Jedesmal wenn ein historischer Film hier in Hambleden gedreht wird, werden die Bewohner der Cottages gebeten, ihre Fernsehantennen vorübergehend abzubauen; man hat sich wohl inzwischen daran gewöhnt, dass Filmcrews den Ort für eine gewisse Zeit übernehmen und man sich eine Zeit lang nicht frei bewegen kann. „Chitty Chitty Bang Bang“ und „101 Dalmatiner„, um nur zwei Beispiele zu nennen, wurden in den Straßen von Hambleden gedreht.

Auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin finden wir die Gräber von Jon Lord (1941-2012), Gründungsmitglied der Rockband Deep Purple, und William Henry Smith (1825-1891), der das Unternehmen W.H. Smith bekannt machte.

Hier ist ein Film über den hübschen kleinen Ort.

St Mary the Virgin.
Eigenes Foto.

Culham Court in Berkshire.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Dezember 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Conisbrough (South Yorkshire) und Sir Walter Scotts Roman „Ivanhoe“

Blick auf Conisbrough von der Burgruine aus.
Photo © Bob Pearce (cc-by-sa/2.0)

Die Romane von Sir Walter Scott (1771-1832) werden heute wohl nur noch wenig gelesen. In Deutschland wurde der schottische Schriftsteller vor allem durch „Ivanhoe“ bekannt, einem Roman, der 1820 veröffentlicht wurde und erstaunlicherweise noch heute in deutscher Übersetzung bei mehreren Verlagen im Programm ist. 1958 startete die britische ITV eine Fernsehserie über den Ritter, der von dem damals noch nicht so bekannten Roger Moore gespielt wurde (ich berichtete in meinem Blog über die Serie).

Der Roman Sir Walter Scotts spielt im Conisbrough Castle, einer alten Burg aus dem 11. Jahrhundert, deren Ruinen in dem gleichnamigen Ort in der Nähe von Doncaster in South Yorkshire zu finden sind. Die Burgruine auf dem Castle Hill ist noch heute beeindruckend und dominiert die Kleinstadt, die sich die Erinnerung an den Roman „Ivanhoe“ auf ihre Fahnen geschrieben hat, denn man begegnet dem Namen des Ritters und einigen seiner Zeitgenossen im Ort immer wieder.

Da gibt es zum Beispiel die Conisbrough Ivanhoe Primary Academy in der Old Road, eine Schule, die auf ihren Webseiten stolz über ihre herausragenden Leistungen berichtet und auf deren Homepage der Ritter in voller Aktion zu sehen ist. Angeschlossen an die Schule ist die Conisbrough Ivanhoe Nursery.

The Ivanhoe Centre am Gardens Lane ist eine Art Gemeindehaus, in dem Veranstaltungen stattfinden und deren Räume zu mieten sind, die nach Figuren aus dem Roman benannt sind wie Rowena Room und Locksley Hall.

Der Name von Rowena, Ivanhoes Geliebter, taucht noch einmal in der Schule Rowena Academy auf, ebenfalls am Gardens Lane gelegen. Nach Locksley, dem Robin Hood im Roman, wurde eine Straße benannt, die Locksley Avenue, von der die Cedric Avenue abgeht, die den Namen von Ivanhoes Vater Cedric of Rotherwood trägt. Ein Stückchen weiter zweigt die Scott Avenue ab. Es gibt natürlich auch eine Ivanhoe Road, an der der Conisbrough Ivanhoe Working Mens Club liegt, und eine Rowena Road, gleich daneben, die in die Athelstane Road übergeht, benannt nach Lord Athelstane in Scotts Roman.

Es gibt noch ein paar weitere Assoziationen zwischen Conisbrough und dem Scott-Roman, aber damit möchte ich es jetzt gut sein lassen.

Conisbrough Castle.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Die Meavy Oak – Eine uralte Eiche in Devon

Die Meavy Oak, davor das Village Cross, dahinter die „Tochter“ der Eiche.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz meines heutigen Blogeintrags ist das kleine Dorf Meavy in der Grafschaft Devon, nördlich von Plymouth und im südlichen Dartmoor gelegen. Auf dem Village Green stehen zwei Eichen, von denen die eine zu den ältesten Bäumen in England zählt und zur Zeit von King John (1167-1216) angepflanzt worden sein könnte. Ein weiterer König wird mit dem Baum in Zusammenhang gebracht: König Charles II soll sich auf der Flucht vor den Gefolgsleuten von Oliver Cromwell in der Eiche versteckt haben. Er hat offensichtlich das dichte Laub von Eichen gern als Versteck gewählt, denn zuvor entzog er sich schon nach der Schlacht von Worcester im Jahr 1651 den Schergen Cromwells in der Eiche von Boscobel. Die Meavy Oak wird daher auch Royal Oak genannt.

Bei den früheren Dorffesten kam man auf eine witzige Idee: Die Eiche wurde oben ganz plan geschnitten und darauf eine große Plattform angebracht; man schleppte Tische und Stühle nach oben, machte es sich dort in luftiger Höhe bequem, aß und trank und ließ es sich gut gehen. Dieser Brauch wird heute nicht mehr praktiziert. Die zweite Eiche auf dem Village Green ist übrigens ein Ableger der Royal Oak, die aus einer Eichel des Mutterbaumes entstanden ist. Die Meavy Oak ist von einem Eisengitter umfasst, unter ihr lädt eine Bank zum Pausieren ein und davor steht das Village Cross, das aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Das Dorffest, die Meavy Oak Fair, wird noch immer gefeiert und zwar auf dem Village Green am dritten Samstag des Monats Juni. Neben den üblichen Vergnügungen bei einem Dorffest wie Hundeshow, Hüpfburgen, Gesichterbemalen etc. wird jedes Jahr der Burrator Horseshoe Run ausgetragen, der zehn Kilometer über Stock und Stein des Dartmoors führt; der Rekord steht bei 37 Minuten und 47 Sekunden.

Gleich neben der alten Eiche steht der Dorfpub von Meavy und wie sollte der anders heißen als The Royal Oak? In diesem Jahr wurde er als Country Pub of the Year 2018  von der Plymouth-Sektion der CAMRA ausgezeichnet. Sehr schön finde ich folgenden Satz auf der Homepage der Royal Oak: „Whether you have 4 paws, hoofs or muddy boots you are always welcome.“ Das Gebäude ist im Besitz des Burrator Parish Councils, und damit ist The Royal Oak wohl der einzige Pub in England, der einem Kirchengemeinderat gehört.

The Royal Oak am Village Green.
Photo © Phil Gaskin (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Die Aldbourne Dabchicks – Spitzname für die Bewohner eines Dorfes in Wiltshire

Der Dorfteich von Aldbourne (leider ohne Zwergtaucher)
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Nordöstlich von Marlborough in der Grafschaft Wiltshire liegt das Dorf Aldbourne, dessen Bewohner mit dem merkwürdigen Spitznamen Dabchicks belegt worden sind. Wie kam es dazu?

Man erzählt sich die Geschichte in Aldbourne folgendermaßen: Eines Tages soll auf dem Dorfteich ein Vogel gesichtet worden sein, den man bisher in dem Dorf noch nie gesehen hatte. Keiner der gerade anwesenden Männer konnte das Federtier identifizieren, bis man auf die Idee kam, Thomas Moore zu befragen, den ältesten Mann im Dorf, nur leider konnte der nicht mehr richtig laufen, weil er so dick geworden war; also schickte man jemanden mit einer Schubkarre los, der Thomas da hinein verfrachtete und zum Teich brachte. Nach längerem Überlegen konnte der alte Herr das Rätsel lösen. „Das ist ein Dabchick“ rief er, und alle freuten sich, so einen klugen Mann in ihren Reihen zu haben. Die Geschichte von dem seltenen Teichbesucher machte die Runde, und der Name Dabchick blieb von nun an an den Dorfbewohnern von Aldbourne hängen, wohl auch weil die Leute aus dem benachbarten Ort Ramsbourne sich gern über die Aldbourner lustig machten und ihnen „Dabchick“ hinterher riefen.

Lösen wir das Rätsel um den mysteriösen Vogel auf: Ein Dabchick, auch Little Grebe genannt, ist ein Zwergtaucher, der zur Familie der Lappentaucher gehört und vorwiegend in Asien und Afrika heimisch, aber auch in Europa anzutreffen ist.

In Aldbourne findet der Name Dabchick noch heute vielfache Verwendung: Der örtliche Cricket Club nennt sich Albourne Dabchicks, ebenso die Golfer, die sich in der Dabchick Golf Society zusammengefunden haben. In der Methodistenkirche treffen sich regelmäßig die Little Dabchchicks, die dort ihre Freizeit verbringen. Die 1860 gegründete Aldbourne Band nennt sich ebenfalls The Dabchicks. Am Square lädt ein indisches Restaurant namens Dabchchicks Delight die Gäste zu asiatischen Genüssen ein, und das Parish Magazine nennt sich The Dabchick.

Der Dorfteich, auf dem der Zwergtaucher seinerzeit in Erscheinung trat, existiert noch immer am Ende der South Street, der B4192.
Gwen Ellis, eine Dichterin aus Wiltshire, die die Mundart der Grafschaft pflegt, hat ein Gedicht mit dem Titel „Aldbourne Dabchicks“ geschrieben, das in der Sammlung „All my Moonshine“ (2003) enthalten ist.

Dieser Film zeigt Aldbourne vom Turm der St Michael’s Church.

Ein Dabchick.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Blick auf das Dorf mit der Kirche St Mary’s im Hintergrund und einige Nicht-Dabchicks im Vordergrund.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Nomansland – Ein Dorf im New Forest in Wiltshire

Der Dorfpub.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Nomansland als Name eines Dorfes klingt nicht sehr vielversprechend. Es gibt eines in der Grafschaft Wiltshire im nördlichen New Forest und da das Dorf recht abgelegen an der Grenze zu Hampshire liegt, hat man ihm wohl diesen seltsamen Namen gegeben.
Was erwartet nun den Besucher von Nomansland?

Da gibt es erst einmal einen Pub an der Forest Road, The Lamb Inn, was schon einmal für die Bewohner des Ortes von großer Bedeutung ist. Der Pub liegt genau auf der Grenze von Wiltshire und Hampshire, was früher zu der kuriosen Situation führte, dass die Trinker abends, wenn es auf der Hampshireseite „Last orders, please“ hieß, alle auf die andere, die Wiltshirseite der Bar zogen, wo sie eine Stunde länger trinken konnten. Heute gibt es das nicht mehr, um 23 Uhr ist Schluss, dann schließt der Pub seine Pforten.

Gegenüber vom The Lamb ist das Village Green mit dem Well of Sacrifice, ein hübsches kleines Gebäude, das wohl über einer Quelle errichtet worden ist, und als Gedenkstätte für die Soldaten aus dem Dorf fungiert, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind bzw für ihr Land gedient haben. Die Familien Hood und Judd tauchen darauf jeweils fünf- bzw. viermal auf und beide hatten einen Gefallenen zu beklagen.

Direkt neben dem Dorfpub steht die einzige Kirche des Ortes; sie gehört nicht zur Church of England, sondern ist eine Methodistenkirche mit der Inschrift 1901, in diesem Jahr wurde sie neu erbaut.

Ein kleines Stück den North Lane hinunter finden wir eine weitere „Attraktion“ von Nomansland, den Reading Room, der laut einer an der Wand angebrachten blauen Plakette auf einem Grundstück errichtet wurde, das ein gewisser Reverend H. M. Livens 1910 zur Verfügung gestellt hat.

Es gibt auch noch eine Zwergschule in der School Lane, die New Forest Church of England Primary School, die anglikanische Kirche ist wenigstens auf diese Weise in Nomansland vertreten.

Da wir uns hier in einem Grenzgebiet zweier Grafschaften bewegen, weiß man nie so genau, ob man nun in Wiltshire oder in Hampshire ist, aber ich vermute, dass die Dorfbewohner wissen, zu welchem County sie gehören.

Das Village Green von Nomansland.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

The Well of Sacrifice auf dem Village Green.
Photo © Brendan and Ruth McCartney (cc-by-sa/2.0)

Der Reading Room am North Lane.
Photo © Brendan and Ruth McCartney (cc-by-sa/2.0)

Die Dorfschule.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Little Berkhamsted in Hertfordshire

St Andrew’s.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Little Berkhamsted in Hertfordshire ist ein richtig hübsches kleines Dorf. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die Bewohner anglikanischen Glaubens können sonntags die St Andrew’s Church aufsuchen, in der aber zur Zeit nur jeden zweiten Sonntag ein Gottesdienst abgehalten wird, denn die Stelle des Pfarrers ist momentan nicht besetzt, so dass ein Gastgeistlicher Little Berkhamsted einen Besuch abstattet. Für diejenigen, die eher weltlichen Genüssen zugeneigt sind, gibt es auf der Church Road die Five Horseshoes, einen Pub, der zu der Gruppe Chef & Brewer gehört. Der Pub ist täglich durchgängig vom mittags bis spätabends geöffnet, wer also im Ort durstig oder hungrig ist, findet in den Five Horseshoes immer eine offene Tür bzw. kann bei schönem Wetter im Biergarten sitzen.

Direkt gegenüber vom Pub steht der Dorfladen Emmie Murphy’s Village Store, in dem es nicht nur Lebensmittel zu kaufen gibt, hier werden auch Snacks angeboten wie Suppen, Scotch Eggs und Quiches (alles selbst gemacht).

Ebenfalls an der Church Road findet man das große Village Green und die Village Hall, die für Veranstaltungen zur Verfügung steht.

Über die Sicherheit des kleinen rund 550 Einwohner zählenden Dorfes wacht die Neighbourhood Watch.

Die Church Road stößt auf eine Straße, die den schönen Namen Robins Nest Hill trägt und an der steht ein merkwürdiger Turm, Stratton’s Tower. Dieses sich in Privatbesitz befindende, zu einem Wohnturm umgebaute Gebäude, wurde um das Jahr 1789 von einem gewissen John Stratton errichtet. Um bis zum obersten Stockwerk, der Aussichtsplattform, zu gelangen, muss man 147 Stufen erklimmen. Warum damals John Stratton den Turm gebaut hat, darüber gibt es unterschiedliche Vermutungen. Die weit verbreitete Ansicht, dass Stratton ein Admiral war, der von der Spitze seines Turmes die Themse sehen wollte, ist offenkundig falsch, denn der Mann war erstens kein hochrangiger Befehlshaber der Marine und zweitens hätte man die Themse von dort oben niemals sehen können. Um die 100 Jahre stand der Turm unbenutzt am Robins Nest Hill herum und drohte zu zerfallen, doch dann kam 1971 der Architekt William Tatton Brown und richtete ihn wieder her.

Wer dem kleinen Ort einen Besuch abstatten möchte: Little Berkhamsted liegt nur ein paar Kilometer östlich von Hatfield, sicher vielen durch das Hatfield House bekannt.

Der Dorfpub Five Horseshoes.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)

Das Village Green.
Photo © Talisman (cc-by-sa/2.0)

Stratton’s Tower am Robins Nest Hill.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Ist Aldeburgh in Suffolk eine „Crap Town“?

In „The Idler Book of Crap Towns: the 50 Worst Places to Live in the UK“ (2003 erschienen; siehe hierzu meinen Blogeintrag) nimmt der knapp 3000 Einwohner große, direkt am Meer in der Grafschaft Suffolk gelegene Ort den Platz 23 ein.
Hier ist absolut nichts los, meinen die Autoren. Niemand hat jemals guten Sex in Aldeburgh gehabt.Viele alte Menschen, deren Sexleben vorbei ist, ziehen hierher und die jungen Menschen des Ortes müssen schon die Ortsgrenze verlassen, damit ihr Sexdrive in Wallung kommt. So steht es jedenfalls in dem Buch.

Diese Dinge konnte und wollte ich bei meinem Besuch in Aldeburgh nicht nachprüfen. Ich habe den Ort an einem trüben Spätnachmittag im November besucht und fand die Atmosphäre hier eigentlich ganz angenehm. Man muss natürlich für die etwas melancholische Stimmung eines englischen Küstenstädtchens im Herbst etwas übrig haben.

Der Komponist Benjamin Britten lebte eine Zeit lang hier und starb 1976 in Aldeburgh. Er ist auf dem Friedhof der St Peter and St Paul’s Church begraben. Hier ist ein Film über den Komponisten zu sehen.

Jedes Jahr im Juni wird in den außerhalb des Ortes gelegenen Snape Maltings das Aldeburgh Festival abgehalten, ein Musikfestival, das 1948 von Benjamin Britten gegründet wurde und das sich überwiegend der klassischen Musik widmet. Siehe hierzu meinen Blogeintrag.

Wer einmal in Aldeburgh übernachten möchte, kann das auf besondere Weise in einem Martello Tower tun.

Ist Aldeburgh also eine Crap Town? Ich kann dem nicht zustimmen!

St Peter and St Paul in Aldeburgh.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Die Snape Maltings bei Aldeburgh.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. September 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Trowell in Nottinghamshire – Ein Ort, der 1951 in ganz Großbritannien von sich reden machte

Trowell in Nottinghamshire heute.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Wer die M1 schon einmal gefahren ist, kennt vielleicht die Autobahnraststätte Trowell Services in der Nähe von Nottingham. Sie ist nach dem nahe gelegenenen Ort Trowell benannt, ein Dorf mit etwas über 2000 Einwohnern. Hier standen einmal die Stanton Ironworks, eine riesige hässliche Industrielandschaft, die in den frühen 1980er Jahren abgerissen wurde. Trowell war in den 1950er Jahren ein Arbeiterdorf, in dem die meisten in dem Hüttenwerk beschäftigt waren, beileibe nicht sehr hübsch anzusehen, und so konnten es die Dorfbewohner erst gar nicht glauben, dass Trowell 1951 zum Festival Village während des Festivals ob Britain auserkoren wurde. Das war ein großes Ereignis, das an die erste Weltausstellung von 1851 erinnern sollte und von der Regierung organisiert wurde.  Der zentrale Veranstaltungsort war die Londoner Southbank.

Warum wählte man ausgerechnet dieses hässliche Entlein in Nottinghamshire zum Festival Village und keines der schönen „chocolate box villages“, die es doch zuhauf gab? Der Labour Politiker Herbert Stanley Morrison, der für das Festival verantwortlich war, hatte diese Wahl getroffen, weil er der Meinung war, dass Trowell ein typisches Beispiel für britisches Landleben war. Viele waren da ganz anderer Ansicht, gab es doch in Trowell weder ein Village Green, auf dem man Veranstaltungen durchführen könnte, noch einen einzigen Pub, denn die waren alle geschlossen worden, dafür dominierten die tristen Hüttenwerke mit ihren Abgasen.

Die Bürger von Trowell wollten aber dem ganzen Land zeigen, dass auch sie in der Lage waren, etwas für das mehrere Wochen dauernde Festival auf die Beine stellen zu können. Da wurden Cricketmatches organisiert, Theaterstücke aufgeführt, Chöre traten auf, Volkstänze waren zu sehen, eine Blumenshow zog Gäste an; man tat, was man konnte, und die Einwohner von Trowell waren stolz auf ihr Festival Village. Einige Zeitungen machten sich etwas lustig über den kleinen Ort, was natürlich gar nicht gut ankam.

Was ist übrig geblieben von damals? Es gibt wieder einen Pub, der sich Festival Inn nennt, und an der Ilkeston Road zu finden ist, und auf der Homepage des Parish Councils kann man immer noch den stolzen Schriftzug lesen „Festival of Britain Village 1951“.

Der Festival Inn.
Photo © Garth Newton (cc-by-sa/2.0)

Die Trowell Services an der M1.
Photo © Peter Mackenzie (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Bramber – Ein hübsches Dorf in West Sussex

Die Hauptstraße von Bramber.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Nordwestlich von Brighton, an der A283, liegt das hübsche und sehenswerte Dorf Bramber in West Sussex. Am Rande des Ortes stehen die wenigen Überbleibsel des Bramber Castles, darunter die rund zehn Meter hohe Ruine des ehemaligen Torhauses. Die normannische Burg wurde im 11. Jahrhundert erbaut; gleich daneben die normannische Kirche St Nicholas, die etwa aus der selben Zeit wie die Burg stammt und die älteste normannische Kirche von Sussex ist (täglich geöffnet!).

Das Sahnestück des Dorfes Bramber ist aber die Hauptstraße, einfach nur The Street genannt. Im Sommer sind viele Häuser und die Straßenlaternen mit Blumen dekoriert, selbst die sonst eher schmucklosen indischen und chinesischen Restaurants, in diesem Fall das Maharajah und The New Bramber Dragon, sind mit Blumenampeln und Blumenkästen bunt herausgeputzt.

Großartig sieht auch die Front des Castle Inn Hotels aus, regelrecht in ein Blumenmeer gehüllt. Das 3*-Hotel rühmt sich seines „Old Worlde“-Charmes, „with nooks, crannies and probably not a right angle in the entire place“.

Der Star von Bramber ist zweifellos ein uraltes, grandios aussehende Fachwerkhaus an der Hauptstraße namens St Mary’s, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde und dessen Fundamente sogar noch älter sind. Hier war schon Königin Elizabeth I. zu Gast und König Charles II. soll auf seiner Flucht nach Frankreich in dem Haus übernachtet haben.

Die Kellerräume von St Mary’s sollen Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes Geschichte „The Musgrave Ritual“ (dt. „Das Musgrave Ritual“) inspiriert haben (Alfred Musgarve war der Besitzer des Hauses Anfang des 20.Jahrhunderts).

St Mary’s stand sogar einmal kurz davor, abgerissen zu werden, doch es fanden sich glücklicherweise immer wieder Menschen, die sich in St Mary’s verliebten und das Gebäude hegten und pflegten. Auch die verschiedenen Gärten sind sehenswert wie der Secret Garden, der Topiary Garden und der Terrace Garden.

Das ganze Jahr über finden Veranstaltungen und Konzerte im St Mary’s House statt, so wird es am 6. Oktober einen Abend mit dem Pianisten Phillip Dyson und am 3. November einen Operngala-Abend geben.

St Mary’s ist von April bis Ende September geöffnet, für Einzelpersonen nur zu bestimmten Zeiten, sonst nur für Gruppen. Hier sind die exakten Öffnungszeiten.

Hier ist ein stimmungsvoller Film über das Haus in West Sussex.

Die Ruinen des Bramber Castles.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

St Nicholas.
Photo © Ian Cunliffe (cc-by-sa/2.0)

The Castle Inn Hotel.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Gärten von St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Brightwell-cum-Sotwell – Das Doppeldorf in Oxfordshire, das durch die Bachblüten berühmt wurde

Mount Vernon.
Author: HennyGieles.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Als ich einmal auf der A4130 in Oxfordshire von Didcot nach Wallingford fuhr, kam ich auch durch den Ort Brightwell-cum-Sotwell, ein hübsches Dorf mit einem netten Pub, dem Red Lion„, und zwei Kirchen, St. Agatha’s in Brightwell und St. James’s in Sotwell.
Früher waren das einmal zwei separate Dörfer, aber 1946 entschied man sich, beide zusammenzuführen, da die Grenzen der Orte sowieso kaum noch auszumachen waren, so dicht waren sie zusammengewachsen.

Heute sind Häuser in Brightwell-cum-Sotwell gesucht und entsprechend hochpreisig. Viele der Bewohner des Ortes haben ihre Arbeitsplätze in Didcot, Wallingford und Oxford, die alle in kurzer Zeit erreichbar sind.

Das Doppeldorf ist über die Grenzen Oxfordshires und auch Großbritanniens hinweg bekannt geworden, weil hier ein gewisser Edward Bach wohnte, arbeitete und auch starb. Dr. Edward Bach (1886-1936) ist der,  der die nach ihm benannte Bach-Blütentherapie entwickelte. 1934 zog Dr. Bach nach Sotwell in ein Haus namens Mount Vernon, in dem sich noch heute das Dr Edward Bach Centre befindet.  Bis vor wenigen Jahren hat das Bach Centre in Mount Vernon nicht nur die Urtinkturen zubereitet, sondern diese auch für die Vorratsflaschen verdünnt und abgefüllt, die dann zum Verkauf verschickt wurden. Die Nachfrage wurde aber immer größer, so dass man den Vertrieb einer Firma überlassen hat. Das Bach Centre überwacht aber weiterhin die Herstellung der Urtinkturen, um zu gewährleisten, daß alles so ist, wie es sein soll.

Dr. Bach wurde nur 50 Jahre alt und liegt auf dem Friedhof von Sotwell begraben.

The Red Lion.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

St James‘ Church.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

St Agatha’s.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Penelope Keiths TV-Serie „Hidden Villages“

Milford in Surrey: Wohnort von Penelope Keith.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, die englische Schauspielerin Penelope Anne Constance Keith, Dame Commander of the Most Excellent Order of the British Empire, ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt. In England wurde sie durch zwei Sitcoms sehr populär, die im deutschen Fernsehen nie gezeigt worden sind: „The Good Life“ (1975-1978) und „To the Manor Born“ (1979-1981). Sie spielte aber auch auf Theaterbühnen die Klassiker wie William Shakespeare, Bernard Shaw und Oscar Wilde.

Auf Channel 4 wurden von 2014 bis 2016 drei Staffeln von „Penelope Keith’s Hidden Villages“ ausgestrahlt, eine Doku-Serie, die das Herz eines jeden höher schlagen lässt, der sich für die Idylle britischer Dörfer interessiert. In jeder Staffel nimmt sich Penelope Keith einer bestimmten Region Großbritanniens an und bereist die „versteckten Dörfer“, die sie dann im Film vorstellt. Ständige Begleiter ihrer Reisen sind die Batsford Travel Guides, jene wunderschön gestalteten Reiseführer aus den 1930er Jahren.

In der ersten Staffel stehen East Anglia,  Nordwest-England und Nord-Wales und die Grafschaften Dorset, Somerset und Wiltshire im Mittelpunkt.
Gestern habe ich mir noch einmal die Episode „The Cotswolds“ aus der dritten Staffel angesehen, in der sie u.a. Bibury, Slad, Blockley, Hook Norton, Kelmscott und Down Ampney besucht.
Ideal ist diese TV-Serie, um sich vor einer Englandreise Tipps und Anregungen zu holen. „Penelope Keith’s Hidden Villages“ gibt es auf DVDaber auch auf Youtube bzw. Dailymotion sind einige Folgen zu sehen. Ein Begleitbuch zu der Serie erschien 2017 unter dem Titel „Hidden Villages of Britain„, das ich gerade lese und demnächst in meinem Blog separat vorstellen werde.

Da die Channel 4-Serie so erfolgreich war, setzte Penelope Keith sie mit einem anderen Schwerpunkt fort. 2017 war sie unter dem Titel „Penelope Keith’s Coastal Villages“ zu sehen und in diesem Jahr wurde in „Village of the Year with Penelope Keith“ Großbritanniens schönstes Dorf gesucht, das Broughshane im County Antrim in Nordirland wurde.

Penelope Keith lebt übrigens selbst auch in einem hübschen Dorf, in Milford in Surrey.

Bibury in Gloucestershire, vorgestellt in der „Cotswolds“-Episode von „Penelope Keith’s Hidden Villages“.
Photo © Alan Hughes (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Juli 2018 at 02:00  Comments (6)  
Tags:

Charles Darwin (1809-1882) – Einer der berühmtesten englischen Naturforscher und seine Erinnerungsstätten in Shrewsbury (Shropshire)

This work is in the public domain.

Charles Darwins Evolutionstheorie gehört zu den wichtigsten Beiträgen, die England zur Naturforschung beigetragen hat. Noch heute finden wir in seiner Geburtsstadt Shrewsbury (Shropshire) Erinnerungsstätten an den berühmten Forscher, die ich in diesem Beitrag im Bild vorstellen möchte.

Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in The Mount geboren, einem Haus, das seinem Vater, ein wohlhabender Arzt, gehörte. Das Haus existiert noch heute und liegt an der Straße, die ebenfalls The Mount heißt. Es bestand einmal die Gefahr, dass das Gebäude abgerissen werden sollte, um Platz für eine neue Wohnanlage zu schaffen, doch auf Druck der Anwohner der Straße wurde das Projekt beerdigt. In Darwins Geburtshaus ist die Valuation Office Agency von Shrewsbury untergebracht, eine Behörde, die sich mit der Wertermittlung von Gebäuden und Grundstücken befasst.

The Mount.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Charles Darwin besuchte von 1818 bis 1825 die Shrewsbury School, die er hasste und in der er auch wohnen musste. Heute findet sich in dem Gebäude  an der Castle Street die Shrewsbury Library und direkt davor hat man dem großen Sohn der Stadt ein Bronzedenkmal gesetzt, das 1897 eingeweiht wurde. Geschaffen hat es der Bildhauer Horace Montford, der auch in Shrewsbury geboren wurde. Eine Plakette an der Castle Gates Bibliothek erinnert u.a. auch an Charles Darwin.

Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

Getauft wurde Charles Darwin am 15. November 1809 in der St Chad’s Church an der St Chad’s Terrace in Shrewsbury.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Naturforschers im Jahr 2009 erhielt Darwin eine weitere Ehrung in Form der Skupltur The Quantum Leap. die am Ufer des Flusses Severn aufgestellt wurde. Der Architekt Ranbir Lal hat das 113 Tonnen schwere Kunstwerk entworfen. Es wird häufig The Slinky genannt, weil es doch sehr an das Kinderspielzeug erinnert, das Treppen heruntergehen kann.

Natürlich hat man in Shrewsbury auch eine Straße nach dem Forscher benannt. Die Darwin Street ist allerdings recht klein und unscheinbar für einen so bedeutenden Mann.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Shrewsbury auf Darwins Spuren.

Published in: on 27. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Mein Kurzbesuch in Uckfield in East Sussex

Uckfield High Street.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Neulich war ich gezwungen, eine Autowerkstatt aufzusuchen, und da lag die nächstgelegene in Uckfield (East Sussex), das ist eine Kleinstadt mit rund 15 000 Einwohnern. Während sich Craig und seine Leute in der Uckfield Garage um mein Auto kümmerten, hatte ich Zeit, mich in dem Ort umzuschauen, und so schlenderte ich die High Street vom Anfang bis zum Ende hinunter.

Leider begann es zu regnen, deshalb wirkte die Hauptstraße von Uckfield langweiliger und trister als bei Sonnenschein. Es muss unzählige High Streets in englischen Kleinstädten wie diese geben, dominiert von Fast Food-Läden, Charity Shops, Immobilienagenturen, Billig-Textilwarengeschäften und Banken. Ein Schaufensterbummel ist hier kaum möglich.
Die ersten Geschäfte auf die ich traf, waren ein Döner und Pizza-Imbiss, gleich daneben ein winziger indischer Takeaway-Laden, ein paar Schritte weiter konnte man Burger essen und gleich dahinter chinesisches Essen mitnehmen oder dort verzehren; aber in den winzigen Buden ist das mit Sicherheit ziemlich ungemütlich.
Die Fortune Fish Bar, ein Stück weiter die High Street hinunter, sah auch nicht einladender aus; der benachbarte chinesische Takeaway hatte seine Pforten für immer geschlossen. Es folgten noch weitere Imbisse (die Bewohner von Uckfield müssen einen unersättlichen Appetit auf Pizza, Döner, Burger und Fish & Chips haben), und auch die Schaufenster des Bestattungsunternehmens The Co-operative Funeralcare und des Charity-Shops der British Heart Foundation mit ausgestellter Gebrauchtkleidung luden nicht wirklich zum Verweilen ein. Als ich am Ende der High Street angekommen war, mochte ich nicht mehr. Ich wurde aber doch noch positiv von einem sehr schönen Fachwerkhaus überrascht, das zwischen all den gesichtslosen Geschäften stand: Das Bridge Cottage aus dem Jahr 1436. Auch diesem ansprechendsten Haus der gesamten High Street sollte einmal der Garaus gemacht und auf dem freiwerdenden Gelände wohl weitere Imbisse gebaut werden (nur eine Vermutung von mir), doch glücklicherweise gab es in Uckfield genügend Menschen, die sich für den Erhalt des Cottages eingesetzt haben. Der Dank geht an die Uckfield & District Preservation Society.

Der Wikipediaeintrag von Uckfield führt in der Rubrik „Notable People“ den 1985 in der Stadt geborenen Sänger Rory Charles Graham auf, der sich als Rag’n’Bone Man mit dem Hit „Human“ einen Namen gemacht hat, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass der das Image von Uckfield auch nicht wesentlich aufpoliert hat.

Eigentlich war ich ganz froh, als ich mein Auto wieder übernehmen und Uckfield verlassen konnte.

Einige Läden an der High Street.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Bridge Cottage – Das Highstreet-Highlight.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. April 2018 at 02:00  Comments (9)  
Tags:

Farmington in Gloucestershire – Ein kleines Dorf mit einer hübschen Kirche und einem interessanten Gebäude auf dem Village Green

St Peter in Farmington.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Farmington ist ein Mini-Dorf in der Grafschaft Gloucestershire mit gerade einmal knapp über 100 Einwohnern. Die A40 (Cheltenham-Oxford) führt in der Nähe vorbei und am Village Green steht ein Wegweiser, der über die Entfernung zu den nächstgelegenen Orten Auskunft gibt: Bourton-on-the-Water 4 Meilen, Stow-on-the-Wold 8 Meilen, Windrush 4 Meilen. In dem kleinen Weiler gibt es eine Kirche, St Peter, die sich über ein besonders schönes Kirchenfenster freuen kann, das „Candles of Life“ genannt wird, und das in Erinnerung an den anglikanischen Bischof Michael Ashley Mann hier installiert wurde. Prinzessin Anne war im Jahr 2014 anwesend, als das Fenster an die Kirchengemeinde übergeben wurde. Sie wohnt nicht allzu weit weg von hier auf ihrem Landsitz Gatcombe Park.

Eine Besonderheit ist auf dem dreieckigen Village Green, dem Dorfanger, von Farmington zu sehen. Dort steht ein Brunnen, der von einem recht prunkvollen Bauwerk geschützt wird. Auch das ist ein Memorial und wurde zum Gedenken an Edmund Waller gebaut, den Lord of the Manor im 19. Jahrhundert, der 1898 starb (in St Peter wird an ihn mit einer Messingplakette gedacht). Die Wallers waren lange in Farmington ansässig und hatten nicht viel Phantasie, was die Vergabe der Vornamen ihrer männlichen Nachkommen anbelangte, denn die meisten von ihnen bekamen den Vornamen Edmund verpasst.
Also, den Brunnen auf dem Village Green errichtete man kurz nach Edmund Wallers Tod und versah das Gebäude mit einem Reetdach. Dieses wurde 1935 durch ein steinernes ersetzt; dafür mussten aber die Dorfbewohner nicht in ihre Taschen greifen, um es zu bezahlen, weil nämlich die Bürger von Farmington im US-Bundesstaat Connecticut dafür aufkamen. Der Grund: Farmington wurde vor 300 Jahren als englische Kolonie an der Ostküste des amerikanischen Kontinents gegründet. Daher wollte man dem Namensvetter im fernen England etwas Gutes tun. Mit rund 25 000 Einwohnern ist Farmington/USA deutlich größer als das kleine verschlafene Farmington/UK und auch da gibt es ein Village Green wie dieser Film zeigt.

Der Brunnen auf dem Village Green.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

…und so sieht St Peter’s Gegenstück in Farmington/Connecticut aus: The 1st Church of Christ.
This work is in the public domain.

Willie Rushton und seine satirische, musikalische Hommage an den Londoner Stadtteil Neasden

Der Londoner Ortsteil Neasden, nicht weit weg vom berühmten Wembley Stadion, liegt im Nordwesten der Stadt und wird von der North Circular Road durchschnitten. Früher nannte man Neasden „the loneliest village in London„; es hat nicht besonders viel an Attraktionen zu bieten, die die Touristen in Massen anziehen. Da steht allerdings ein Gebäude, das man in London nicht unbedingt vermutet, der Neasden-Tempel, die größte hinduistische Tempelanlage in ganz Großbritannien (s. hierzu meinen Blogartikel).

Was gibt es sonst noch über Neasden zu berichten? Das Model Twiggy, bekannt aus den Swinging Sixties, wurde 1949 hier geboren und lebte mit ihren Eltern am St Raphael’s Way 93, der Drummer und Gründer der Band Cream Ginger Baker wohnte früher in der Braemar Avenue 154, Sir John Betjeman besucht in seiner  Dokumentation auch „Metro-land“ Neasden („home of the gnome and the average citizen“), und das Satiremagazin Private Eye, das eine Zeit lang hier gedruckt wurde, nutzt den Stadtteil als Prototyp für „suburbia“. Einer der Mitbegründer des Magazins war Willie Rushton (1937-1996), der sich auch als Zeichner und Comedian einen Namen gemacht hatte und der in unzähligen Fernsehsendungen zu sehen war.

Für Private Eye schrieb Rushton 1972 ein Lied, dem er den Titel „Neasden“ gab und in dem er auf seine unnachahmliche Weise stadtführerartig, humorvoll und satirisch auf die Vorzüge des Londoner Stadtteils hinweist. Er schlägt in dem Lied einen Besuch der Öffentlichen Bibliothek, des preisgünstigen Waschsalons Launderama und eines indischen Restaurants namens Rann of Kutch vor. Der vollständige Songtext ist hier nachzulesen und das Lied hier zu hören.

Die North Circular Road in Neasden.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Der Neasden Temple.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die übelsten Pubs, die abschreckendsten Dörfer, die schlimmsten Städte, und Seebäder, die man meiden sollte

Portsmouth in Hampshire.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Als Besucher Englands fährt man in der Regel dorthin, wo es besonders schön und besonders interessant ist. Auch in meinem Blog befasse ich mich schwerpunktmäßig mit der angenehmen Seite Englands. Doch das Land besteht natürlich nicht nur aus Bilderbuchdörfern, pittoresken Pubs und heimeligen Kleinstädten. Es gibt da auch die dunklen Seiten, mit denen der Tourist möglichst nicht konfrontiert werden möchte.

In meinem heutigen Blogbeitrag stelle ich zur Abwechslung einmal einige dieser negativen Dinge im Film vor.

Über „Crap Towns“ habe ich schon dreimal geschrieben. Portsmouth an der Südküste in der Grafschaft Hampshire gilt als eine der „toughest towns“ Großbritanniens, besonders die Hooligans des örtlichen Fußballvereins gelten als sehr gewalttätig. Dieser Film zeigt Bilder, die die Besucher der Mary Rose und der HMS Victory hoffentlich nicht zu sehen bekommen. Teil 1 und Teil 2.

Auch Dörfer können ziemlich schlimm sein, vor allem im Norden des Landes, dort, wo früher einmal Bergbau betrieben wurde und deren einzige Einnahmequelle nicht mehr existiert. Eines dieser „toughest villages“ ist Skinningrove an der Küste von North Yorkshire wie dieser Film zeigt.

Viele englische „seaside resorts“ genießen keinen sehr guten Ruf. Amüsierbetriebe, Fast Food Imbisse und Kneipen beherrschen das Stadtbild. Am Beispiel von Margate in Kent kann man in diesem Film sehen, dass es hier schon in den 1960er Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockern gekommen ist. Auch Hastings in East Sussex gehört, wie obiger Film zeigt, zu den „toughest seaside resorts„.

Ich glaube jeder Englandbesucher hat eine Schwäche für Country Pubs, in denen man in Ruhe sein Pint trinken und dazu vielleicht noch einen Ploughman’s Lunch essen kann. Leider gibt es auch Pubs, von deren Besuch dringend abzuraten ist. Wenn genug Alkohol geflossen ist, kommt es hier oft zu blutigen Auseinandersetzungen, denen man lieber nicht beiwohnen möchte. Am Beispiel der Tavern on the Hill im Londoner Stadtteil Walthamstow kann man in diesem Film sehen wie es in den „toughest pubs“ zugeht. Sollte sich jemand trotzdem zur Tavern hingezogen fühlen, sorry, die gibt es nicht mehr. Dort in der Higham Hill Road 318 steht jetzt ein Gastro-Pub namens The Warrant Officer.

Ich hoffe, dass diese Bilder in meinem heutigen Blogeintrag nicht zu abschreckend waren!

Skinningrove in North Yorkshire.
Photo © Anne Burgess (cc-by-sa/2.0)

Margate in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Buckinghamshires Best Kept Villages 2017

Die Dorfkirche St Nicholas in dem preisgekrönten Dorf Cuddington.
Eigenes Foto.

Über die Auszeichnungen „Best Kept Villages“ in meiner Lieblings-Grafschaft Buckinghamshire des Jahres 2015 habe ich in meinem Blog bereits einmal geschrieben. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Sieger des Jahres 2017. Im Vergleich 2015 – 2017 fällt auf, dass es einigen Dörfern immer wieder gelingt, die begehrten Trophäen nach Hause bringen können.

Das hübsche Dorf Cuddington, in dem ich kürzlich wieder einmal war, erhielt wie schon 2015 den Morris Cup (Dörfer mit 500 – 1500 Einwohnern). Darüberhinaus auch noch den begehrten Sword of Excellence Award, das ist der Sieger aller Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl. Cuddington wurde mehrfach für Dreharbeiten der „Inspector Barnaby“-TV-Serie verwendet. Ich mag den kleinen Ort mit seinem hübschen Pub The Crown sehr. Hier geht es zu meinem Blogartikel.

Auch der De Fraine Cup für Dörfer mit 1501–3000 Einwohner scheint in festen Händen zu sein. Stewkley, westlich von Leighton Buzzard gelegen,  gewann ihn schon mehrere Male, so auch 2017.

Den Pushman Cup (Dörfer über 3000 Einwohner) erhielt 2017 Chalfont St Peter und konnte damit Haddenham überholen, das zweiter wurde. Haddenham wäre mein Favorit gewesen; ich war neulich dort und ärgerte mich aber etwas über die grässlichen Karussells und Jahrmarktsbuden, die den wunderschönen Kirchenvorplatz und das Village Green vollgestellt hatten.

Den Gurney Cup für Dörfer unter 500 Einwohnern  erhielt dieses Mal Oving (2015 war es Stoke Goldington). Das Dörfchen liegt zwischen Waddesdon und Winslow, hat eine Kirche namens All Saints, einen Pub, The Black Boy, und ein Village Green, also alles, was ein englisches Dorf benötigt, um als „best kept village“ ausgezeichnet werden zu können. Oving erhielt darüberhinaus auch noch die Community Trophy.

Für Kleinstädte ist der Michaelis Cup gedacht, den 2017 Winslow erhielt, ein Ort mit rund 4500 Einwohnern, der zwischen Buckingham und Aylesbury liegt.

Die High Street von Stewkley.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Chalfont St Peter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

So sah es leider bei meinem letzten Besuch vor der Kirche von Haddenham aus.
Eigenes Foto.

The Black Boy in Oving.
Photo © Virginia Knight (cc-by-sa/2.0)

Die Sheep Street in Winslow.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. März 2018 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Seer Green in Buckinghamshire – Ein Dorf im Speckgürtel Londons

Holy Trinity Church.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Zwischen Beaconsfield und Chalfont St Giles im Süden der Grafschaft Buckinghamshire, also mitten im Speckgürtel Londons, liegt das kleine Dorf Seer Green. Den Mittelpunkt bildet die Holy Trinity Church, eine anglikanische Kirche, die auch den Nachbarort Jordans mitbedient. Eingerahmt wird sie von den beiden Dorfpubs Jolly Cricketers an der Chalfont Road und The Three Horseshoes an der Orchard Road. Der Name Orchard Road weist darauf hin, dass in Seer Green früher einmal große Obstplantagen ansässig waren und zwar wurden Kirschbäume angepflanzt, deren Erträge man überwiegend nach London zum Covent Garden Markt brachte. An der Ecke Orchard Road und Wynnswick Road gab es eine Bäckerei, deren Spezialität Kirschpasteten waren und darum nannte man Seer Green eine Zeit lang auch Cherry Pie Village. Die Plantagen sind bis auf wenige Bäume leider alle verschwunden, aber die jährlich stattfindende Cherry Pie Fair erinnert noch an diese Zeiten.

Eine interessante Geschichte ist auf der Webseite http://www.lifeinseergreen.org nachzulesen. Der Schriftsteller Sir Herbert Edward Read (1893-1968) wohnte einmal im Broom House am Longbottom Lane, wo er auch von T.S. Eliot besucht wurde. Eliot schrieb in den 1930er Jahren seine Gedichtsammlung „Old Possum’s Book of Practical Cats“ (dt. „Old Possums Katzenbuch“), das er einer Einwohnerin von Seer Green widmete, Miss Susanna Morley. Diese Katzengedichte bildeten die Vorlage für Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats„.

Das hübsche kleine Dorf ist zu einem bevorzugten Wohnort von Prominenten geworden, vor allem die Straße Long Grove, ein schmaler heckengesäumter Weg, an dem hübsche Häuser liegen, zum Beispiel das große Anwesen Weavers, in dem bis vor kurzem der berühmte Schriftsteller Frederick Forsyth lebte, bekannt geworden durch seinen Roman „The Day Of The Jackal“ (dt. „Der Schakal“) aus dem Jahr 1971. In Seer Green schrieb Forsyth seinen Roman „The Kill List“ (dt. „Die Todesliste“) und seine Autobiografie „The Outsider“ (dt. „Outsider: Die Autobiografie“). Der jetzt 79jährige Autor zog kürzlich mit seiner Frau in ein kleineres Haus ganz in der Nähe.

Ebenfalls am Long Grove wohnte der Sänger und Entertainer Val Doonican (1927-2015), in einem Haus mit sieben Schlafzimmern und einem Swimming Pool, das er von Jon Anderson kaufte, dem ehemaligen Sänger der Rockgruppe Yes. Anderson nahm hier sein erstes Soloalbum “ Olias of Sunhillow“ auf, das 1976 veröffentlicht wurde.

Hier ist ein kurzer Film über Seer Green.

Jolly Cricketers.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

The Three Horseshoes.
Photo © Robert Eva (cc-by-sa/2.0)

In diesem Haus am Long Grove in Seer Green wohnten einmal Jon Anderson und Val Doonican.
Photo © Ajay Tegala (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – William Parker: Amersham At Work – People and Industries Through the Years

Foto meines Exemplares.

Über Old Amersham in der Grafschaft Buckinghamshire, einem meiner Lieblingsorte im Königreich, habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, so u.a.  über meine Aufenthalte im The Kings Head Hotel und über die Drehorte für einige „Inspector Barnaby„-Episoden.

Der zweigeteilte Ort gliedert sich in das bei Touristen beliebte sehenswerte Old Amersham und in das größere modernere Amersham-on-the-Hill, wo es nicht allzu viel zu sehen gibt. Die beiden Amershams liegen mitten im Speckgürtel Londons, das mit der Bahn schnell zu erreichen ist.

Ich freute mich, als am 15. November ein Buch über Amersham erschien, das ich natürlich sofort kaufen musste. Es heißt „Amersham At Work – People and Industries Through the Years“ und wurde von William Parker geschrieben, einem Autor aus Buckinghamshire, der in Great Kimble, südlich von Aylesbury, lebt. Illustriert mit zahlreichen historischen Fotografien, die das Amersham Museum in der High Street zur Verfügung gestellt hat, informiert das Buch über die Entwicklung Amershams im Lauf der Jahrhunderte. Wir erfahren zum Beispiel, dass dort, wo heute der Tesco Superstore steht (einer der ersten dieser Art in Großbritannien) früher einmal eine Produktionsstätte für Fleischverarbeitung war, wo der Familienbetrieb Brazil’s sich zu einem der größten „pie-maker“ entwickelte und im Zweiten Weltkrieg das Militär belieferte. Weiterhin ist es interessant zu zu wissen, dass in The Maltings (ein „Barnaby“-Drehort) ebenfalls im Zweiten Weltkrieg sogenannte „barrage balloons“ hergestellt wurden.  Diese „Sperrballone sollten durch ihre Anwesenheit feindlichen Piloten den Anflug auf Bodenziele erschweren oder unmöglich machen, da die angreifenden Flugzeuge durch die Seile der Ballons zum Absturz gebracht werden konnten“ (so die Wikipedia). Von 1946 bis 1985 war im Badminton Court in der Church Street die Firma Goya ansässig, die Kosmetikartikel und Parfüms herstellte. Sehr schön angelegt sind die Amersham Memorial Gardens am Broadway.

Das ist nur eine kleine Auswahl an Informationen, die wir über die hübsche Kleinstadt am River Misbourne von William Parker mitgeteilt bekommen. Ich kann sowohl das Buch als natürlich auch einen Aufenthalt in Amersham sehr empfehlen!

William Parker: Amersham At Work – People and Industries Through the Years. Amberley Publishing 2017. 95 Seiten. ISBN 978-1445674827.

Das Amersham Museum in der High Street.
Photo © Christina Burford (cc-by-sa/2.0)

The Maltings.
Eigenes Foto.

Amersham Memorial Gardens.
Eigenes Foto.

Der River Misbourne in Amersham Old Town.
Photo © John Lord (cc-by-sa/2.0)

 

Swanage in Dorset – „London by the Sea“

Die Fassade der Town Hall von Swanage.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Swanage in Dorset ist eine kleine, bei Touristen sehr beliebte Küstenstadt in Dorset. Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Ort, der überwiegend vom Fischfang lebte, ein Verschiffungshafen für den Purbeck-Stone, der ganz in der Nähe auf der Isle of Purbeck abgebaut wurde. London war der Hauptabnehmer dieses beliebten Baumaterials, und die beiden Einheimischen John Mowlem und sein Neffe George Burt waren sowohl Bauunternehmer als auch Spediteure, die die Steine in die Hauptstadt transportierten. Mowlem arbeitete u.a. im Somerset House, in der St Paul’s Cathedral und an den Royal Mews. Damit die Schiffe nicht mit leeren Bäuchen nach Swanage zurückfuhren mussten. um Nachschub zu holen, verstauten die beiden Unternehmer alle möglichen Dinge in ihnen, die sie in London ab- und in ihrem Heimatort wieder aufbauten. Hier sind einige Beispiele davon, die noch heute in Swanage zu finden sind, von vielen Touristen aber nicht als „Made in London“ erkannt werden.

Gußeiserne Straßenpoller gehören mit dazu, die früher einmal an Londons Straßenrändern standen. Der Schriftzug „City of London“ weist auf den Ursprungsort hin.
In der High Street von Swanage finden wir die Town Hall, deren Fassade einmal die Mercers‘ Hall in London verzierte. Der Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1670 und wurde 1883 nach Swanage gebracht.

1854 errichtete man an einem Ende der London Bridge einen Uhrenturm, der dem Duke of Wellington gewidmet war. Das war keine gute Idee, denn der Turm stand dem immer stärker werdenden Verkehr so sehr im Wege, dass er abgebaut und nach Swanage transportiert wurde. Seinen neuen Standort fand der Wellington Clock Tower am Peveril Point, einer ins Meer herausragenden Halbinsel. Allerdings beherbergt der Turm weder ein Standbild des Dukes noch eine Uhr. Von dem Standbild hatte man damals in London aus Kostengründen Abstand genommen, und die Uhr soll sich nicht gerade durch ihre Präzision ausgezeichnet haben. Man wollte den Turm in London also  nicht mehr und so war er ein gefundenes Fressen für George Burt, der damit seine Heimatstadt noch mehr aufhübschen konnte.

Der Bauunternehmer, von Thomas Hardy „The King of Swanage“ genannt, hatte in der High Street für sich ein Haus erbaut, Purbeck House, in dem er ebenfalls Material aus London verwendete wie Bodenfliesen aus dem Palace of Westminster, einen Torbogen vom Hyde Park, Steinreste vom Albert Memorial und eine Balustrade und Säulen vom Billingsgate Markt. Burts Haus ist heute das 3*-Sterne Purbeck House Hotel.

Meine Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig; wer das nächste Mal durch Swanage spazierengeht, sieht die Stadt vielleicht mit anderen Augen.

Ein ehemaliger Londoner Straßenpoller.
Photo © Phil Champion (cc-by-sa/2.0)

Der Wellington Clock Tower.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Das Purbeck House Hotel.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 30. November 2017 at 02:00  Comments (1)  
Tags: