Sedbergh – Englands Bücherstadt in Cumbria

Photo © ALAN SOUTHWORTH (cc-by-sa/2.0)

Wales hat sein Hay-on-Wye, Schottland sein Wigtown und England sein Sedbergh, die offiziellen „booktowns“ des Vereinigten Königreichs. Was alle drei gemeinsam haben, sie liegen ziemlich abgelegen, fern von größeren Städten. Die Definition einer Bücherstadt laut der International Organisation of Book Towns: „A Book Town is a small rural town or village in which second‑hand and antiquarian bookshops are concentrated. Most Book Towns have developed in villages of historic interest or of scenic beauty„.

Sedbergh hat knapp 3000 Einwohner, liegt in der Grafschaft Cumbria am Rand des Yorkshire Dales Nationalparks und wird sehr gern von Bücherfreunden aufgesucht, die sich hier mit neuem, aber vor allem gebrauchtem Lesestoff eindecken. Seit dem Jahr 2003 gehört Sedbergh zu den offiziellen Bücherstädten. Das Bücherangebot ist nicht so riesig wie in Hay-on-Wye, aber wir finden einige größere und kleinere Läden mit einem entsprechenden Angebot. Da ist zum Beispiel Westwood Books, die größte Buchhandlung des Ortes, die in einem ehemaligen Kino etwa 70 000 Bücher auf Lager hat. Das Dales and Lakes Book Centre and Howgills Bookshop fungiert gleichzeitig als Touristenbüro der Stadt. Clutterbooks ist ein Second-Hand-Buchladen, dessen Erlöse für wohltätige Zwecke verwendet werden.

Viele andere Geschäfte in Sedbergh bieten Bücher zusätzlich zu ihren eigentlichen Waren an wie der Sleepy Elephant, der in erster Linie Ausrüstung für Wanderer im Angebot hat. Im italienischen Restaurant Al Forno kann man nicht nur Pizza und Pasta essen, sondern auch Bücher über Italien und die Küche des Landes kaufen. Das Haddock Paddock Fish & Chips Cafe and Takeaway bietet neben F&C passenderweise Literatur zum Thema Fischfang, Meer und Fischkochbücher an.

Die Besucher von Sedbergh haben im Ort also die Gelegenheit, Bücher einzukaufen und dabei gleichzeitig zu essen, zu trinken und zu shoppen.

Dieser Film stellt Sedbergh inmitten einer grandiosen Landschaft vor, wobei allerdings das Thema „Bücherstadt“ zu kurz kommt.

Westwood Books
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Das Dales and Lakes Book Centre.
Photo © John Lucas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Parsley, sage, rosemary and thyme“ – Scarborough in North Yorkshire und seine weltbekannte Hymne

Photo © habiloid (cc-by-sa/2.0)

Scarborough ist ein schön gelegener Badeort an der Ostküste von Yorkshire. Besonders schön ist der Blick auf den Ort und das Meer von den Burgruinen, die hoch über der Stadt liegen.
Weltbekannt wurde der Name Scarborough durch das Lied „Scarborough Fair„, dessen Urheber unbekannt sind und das es in unzähligen Versionen gibt. Am bekanntesten ist die Version von Simon & Garfunkel aus dem Spielfilm „The Graduate“ (1967, deutscher Titel „Die Reifeprüfung“) mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft. Hier der Trailer und die Musik mit S&G.

Eine Scarborough Fair, also eine Handelsmesse, gab es tatsächlich in dem Küstenort. Im Mittelalter wurde hier jährlich am 15. August eine 45 Tage dauernde Messe abgehalten, zu der Kaufleute aus ganz England und den skandinavischen Ländern kamen, um Waren zu kaufen und zu verkaufen. 1788 wurde die Fair zum letzten Mal veranstaltet, weil es so viele konkurrierende Messen im ganzen Land gab, dass sie nicht mehr rentabel war.

Was hat es mit dem Lied nun auf sich? Die Wikipedia erklärt es sehr schön:

„Das Lied handelt von einem jungen Mann, der von seiner Freundin verlassen wurde und nun den Hörer auffordert, sie dazu zu bringen, eine ganze Reihe von unmöglichen Dingen zu tun. Zum Beispiel soll sie ihm ein Hemd aus Batist anfertigen, ohne Saum und Näherei, und es dann in einem trockenen Brunnen waschen. Danach wird er sie wieder als seine feste Freundin annehmen“.

Der Refrain „Parsley, sage, rosemary and thyme“ ist symbolisch zu interpretieren. Wort für Wort übersetzt heißt dieser Satz „Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian“ – also eine Liste von Pflanzen, die für den Hörer zunächst keinen Sinn ergiebt. Jedoch hat diese Zeile einen symbolischen Wert. Petersilie wurde früher als Verdauungsmittel gegessen und sollte gleichzeitig die Bitterkeit in der Nahrung entfernen. Mittelalterliche Ärzte benutzten diese Pflanze auch zu einem spirituellen Zweck. Salbei galt schon lange als ein Symbol für Kraft. Rosmarin stellt Treue, Liebe und Erinnerung dar. Heute gibt es in England bei vielen Frauen immer noch den Brauch, Rosmarinzweige in den Haaren zu tragen. Thymian symbolisiert in erster Linie Mut. Zur Zeit, als das Lied geschrieben wurde, trugen Ritter oft Schilde mit einer aufgemalten Thymianpflanze, wenn sie in den Kampf gingen.“

Von den zahlreichen Versionen von „Scarborough Fair“ hier die von Hayley Westenra.

Published in: on 14. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Heydon in Norfolk – Ein Dorf und viele Filmdreharbeiten

St Peter and St Paul.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Location Manager, die für Filmproduktionsfirmen arbeiten, lieben das kleine Dorf Heydon in Norfolk, da es all das bietet, was für Dreharbeiten wichtig ist: Abgeschiedenheit und keine Durchgangsstraßen, so dass die möglichen Störfaktoren überschaubar sind.

Heydon ist eines der Dörfer in England, die sich in Privatbesitz befinden; zwei davon habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie Hambleden in Buckinghamshire und Linkenholt in Hampshire. Es gehört der Familie  Bulwer Long, deren bekanntestes Familienmitglied der Schriftsteller Edward Bulwer Lytton („The last Days of Pompeii“, 1834) war.

Heydon bietet auf engstem Raum ein großes Village Green, neben dem eine sehr schöne Kirche, St Peter and St Paul, umgeben von alten Grabsteinen, steht, einen Dorfpub, den Earle Arms Inn, hübsche Häuser und dann das Manor House, Heydon Hall. Perfekt!

Welche Filme sind nun hier in Norfolk gedreht worden? Die International Movie Database listet neun auf. Da ist zum Beispiel „A Cock and Bull Story“ aus dem Jahr 2005, in dem der Regisseur Michael Winterbottom den Roman „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Lawrence Sterne verfilmt, beziehungsweise sich weitgehend an dem Inhalt des Buches orientiert.

Für die BBC wurde 1996 in Heydon der Wilkie Collins-Roman „The Moonstone“ verfilmt, wobei man auch Heydon Hall mit einbezog. Eine weitere Romanverfilmung war „Riders“ (dt. „Vom Hass getrieben“) aus dem Jahr 1993, da stand Jilly Coopers gleichnamiges Buch Pate. Bereits 1971 hatten die Location Manager Heydon für den Film „The Go Between“ (dt. „Der Mittler“) entdeckt, dessen Drehbuch Harold Pinter geschrieben hatte und in dem Julie Christie und Alana Bates die Hauptrollen spielten.

Das war jetzt nur eine kleine Auswahl an „Heydon-Filmen“, bestimmt werden auch in Zukunft Dreharbeiten hier stattfinden. Hier ist ein Rundgang durch das Dorf im Film.

Das Village Green.
Photo © Jurek and Trish Sienkiewicz (cc-by-sa/2.0)
Earle Arms Inn.
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Heydon Hall.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alconbury Weald in Cambridgeshire – Großbritanniens größte geplante Wohnsiedlung

Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Der Luftwaffenstützpunkt RAF Alconbury in der Grafschaft Cambridgeshire wurde kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen und diente sowohl dem britischen als auch dem US-amerikanischen Militär, um von hier aus Einsätze von Bomberflugzeugen zu starten. Auch viele Jahre nach dem Krieg wurde RAF Alconbury noch genutzt, bis schließlich der größte Teil des Geländes verkauft wurde, auf dem eine riesige Wohnsiedlung entstehen sollte beziehungsweise schon entstanden ist, die den Namen Alconbury Weald trägt. Es ist zur Zeit Großbritanniens größtes Bauvorhaben, was Wohnhäuser betrifft. Große Werbeplakate der Baugesellschaften Morris, Hopkins, Crest Nicholson und Redrow preisen ihre Wohnprojekte an der Ermine Street an, die sich an Alconbury Weald entlangzieht.

5000 Häuser sind in der ersten Bauphase geplant, doch es sollen noch weit mehr werden. Es wird geschätzt, dass die komplette Fertigstellung etwa 20 Jahren dauern wird. Es entsteht hier auch ein Gewerbegebiet; die Nord-Süd-Trasse A1 liegt in unmittelbarer Nähe, ebenso die A14, Eisenbahnverbindungen sind in Planung und ein Anschluss an den Cambridge Guided Busway soll ebenfalls erfolgen. Also ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von Firmen.

Eine Grundschule ist bereits eröffnet worden, zwei weitere sollen folgen. Parks und andere Grünflächen, sowie Spielplätze werden in Alconbury Weald integriert. Und wer wieder einmal eine „gewachsene“ Stadt aufsuchen möchte, Oliver Cromwells Geburtsort Huntingdon ist nur wenige Kilometer entfernt und nach Cambridge sind es auch nur rund 35 Kilometer.

Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Village Signs – Histon in Cambridgeshire

Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Histon und Impington sind Doppeldörfer in der Grafschaft Cambridgeshire, die ineinander übergehen, so dass es Bewohner gibt, die sich nicht so ganz sicher sind, ob sie nun Bürger von Histon oder von Impington sind. Beide Orte haben aber ihre eigenen Village Signs, darauf legt man offensichtlich Wert. Wir sehen uns heute das Dorfschild von Histon einmal genauer an, das durch seine besondere Machart ins Auge fällt. Mehrere Handwerker fügten ihre jeweiligen Fähigkeiten zusammen, so dass ein wirkliches bemerkenswertes Schild entstand, das am 2. Februar 1990 feierlich eingeweiht wurde.

Was gibt es nun auf dem Schild alles zu sehen? Da ist eine Erdbeere und ein Erdbeerblatt, die an die Marmeladenproduktion der weltberühmten Firma Chivers erinnern, die in Hinton ansässig war, bis sie in den 1980er Jahren ihren Betrieb einstellte.
Dann sehen wir einen Pferdekopf, der auch mit dem Namen Chivers zusammenhängt. Nach dem Ersten Weltkrieg holte J. Stanley Chivers Percheron-Pferde nach England, eine Pferderasse aus dem Norden Frankreichs, aus einer Region namens La Perche. Die Tiere wurden früher überwiegend als Arbeitspferde eingesetzt, heute mehr und mehr als Dressurpferde.
Weiterhin zeigt das Dorfschild eine stilisierte Kirche, ein Hinweis auf die St Andrew’s Church, und dann kommt die Besonderheit: Ein Mann mit einem Zylinderhut, der einen großen Stein über seinen Kopf hält. Dabei handelt es sich um Moses Carter, The Histon Giant (1801-1860), einen Mann, der über 2,10 Meter groß war und etwa drei Zentner wog. Das Bild nimmt Bezug auf seine größte Tat, Moses trug einmal einen schweren Felsblock durch das halbe Dorf und setzte ihn an der High Street ab, wo der Pub The Boot steht. Der Fels ist noch heute im Garten des Pubs zu sehen. Im Kirchhof von St Andrew’s, in dem Moses Carter beerdigt wurde, errichtete man für ihn 1998 ein Denkmal.

Dann zieren das Village Sign noch einige Enten, die vom örtlichen Duck Pond The Brook, und ganz oben thront noch eine Straßenlaterne. Ein richtig schönes Dorfschild!

Ach so: Histon liegt nördlich von Cambridge, jenseits der A14.

St Andrew’s.
Photo © Kim Fyson (cc-by-sa/2.0)
Hierhin schleppte Moses Carter den schweren Felsbrocken.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)
Der Ententeich The Brook.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Dörfer in Cambridgeshire und ein ehemaliger US-Präsident

St Mary the Virgin in Great Shelford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Great Shelford (über dessen DNA Path ich gestern berichtete) und Stapleford sind zwei Gemeinden in Cambridgeshire, die praktisch ineinander übergehen, so dicht liegen sie beieinander. Im Jahr 2009 haben sich die beiden Dörfer etwas in die Haare gekriegt. Anlass war die Amtsübernahme des US-Präsidenten Barack Obama. Fleißige amerikanische Genealogen haben sich sofort auf familiäre Spurensuche gemacht und sind fündig geworden. Ein Zweig der Obama-Vorfahren kam aus England und zwar aus der Grafschaft Cambridgeshire. Thomas und Ann Blossom hießen diese Ur-Ur….Großeltern, die sich 1629 auf den Weg in die Neue Welt machten und sich in Salem in Massachusetts angesiedelt haben sollen.

Wo kamen die Blossoms denn nun her? Aus Great Shelford meinten die einen, aus Stapleford die anderen. Sie luden Barack Obama sogar ein, bei seinem ersten Besuch in Großbritannien doch einmal bei ihnen vorbeizuschauen. Great Shelford machte einen konkreten Vorschlag: Bei ihrem jährlichen Shelford Feast, das immer im Juli stattfindet, wäre ein Platz für ihn reserviert. Stapleford hingegen schlug vor, dass er an einem Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin teilnehmen sollte. In beiden Dörfern machte man sich auch Gedanken wie der Präsident kulinarisch verwöhnt werden könnte, zum Beispiel mit einem „Yes We Can Flan“ oder einem Currygericht namens „Barack O’Bhuna“ oder einer Käseplatte, die in Form der Stars and Stripes angerichtet war. Great Shelford und Stapleford überboten sich gegenseitig mit fantastischen Ideen…doch Barack Obama kam nicht. Entweder hatte der Präsident keine Zeit oder es interessierte ihn nicht wirklich, ob nun seine Vorfahren aus dem einen oder dem anderen Dorf kamen. Spuren in Form von Grabsteinen der Blossoms sind auf den beiden Kirchhöfen von St Mary the Virgin und St Andrew’s nicht mehr zu finden.

Doch die Bewohner der beiden Dörfer in Cambridgeshire können sich trösten, auch Barack Obamas Nachfolger Donald Trump besuchte nie Kallstadt in der Pfalz, wo dessen Vorfahren herstammen.

St Andrew’s Church in Stapleford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Market Drayton (Shropshire) – Home of the Gingerbread

The Gingerbread Man in Market Drayton.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Was in Deutschland Nürnberg für den Lebkuchen bedeutet, so ist das Market Drayton in der Grafschaft Shropshire in England. Schon im Jahr 1793 soll es hier einen Lebkuchenbäcker gegeben haben, so geht aus Urkunden hervor, doch wahrscheinlich gehen die Ursprünge noch wesentlich weiter zurück. Heute gibt es allerdings nur noch einen Produzenten, Billington’s, der schon seit 1817 existiert.

„Once tasted it is never forgotten!“, so steht es auf der Homepage von Billington’s zu lesen und natürlich wird der süße Kuchen nach einem Geheimrezept hergestellt. In Market Drayton genießt man den Lebkuchen, indem man ihn in eine Tasse Tee oder Kaffee oder in ein Glas Portwein eintunkt. Die Familie Billington besitzt die Firma nicht mehr; sie hat sie mitsamt dem Namen verkauft. Seit 30 Jahren werden deren Lebkuchen von der Firma Image on Food hergestellt, die pro Jahr über 80 Tonnen produziert.

Mitte der 1980er Jahre erschien ein Buch, das dem Lebkuchenverkauf noch einmal einen Schub gab: „Under the Buttercross: Market Drayton a town of good food“ von Meg Pybus.

Das Ginger and Spice Festival wird seit 2017 jedes Jahr in Market Drayton zelebriert, das nächste Mal am 24. September. Market Drayton steht übrigens im Guinness Book of Records und zwar mit der Eintragung „the most people decorating gingerbread men simultaneously„; aufgestellt im vorigen Jahr während des Ginger and Spice Festivals von mehr als 300 Schülerinnen und Schülern zweier Schulen der Stadt.

Selbstverständlich gibt es in der Stadt in Shropshire auch einen Pub, der den Namen der Spezialität trägt: The Gingerbread Man in der Adderley Road, ein Greene King-Pub.

Eine Notiz am Rande: Market Drayton ist das englische Hauptquartier der deutschen Firma Müller Milch, ein riesiges Gebäude, an dem ich einmal zufällig vorbeifuhr.

Zum Thema „Lebkuchen“ siehe auch diesen Blogeintrag.

This work has been released into the public domain.

Published in: on 14. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alderley Edge – Eine kleine Stadt in Cheshire, die bei Fußballspielern aus Manchester sehr beliebt ist

Die London Road.
Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Über Alderley Edge schrieb ich in meinem ersten Blogeintrag im Oktober 2009, den ich allerdings vor längerer Zeit wieder löschte, weil er mir nicht mehr gefiel. Heute nehme ich das Thema noch einmal auf.

Die Kleinstadt liegt rund zwanzig Kilometer südlich von Manchester, wo zwei der besten Fußballvereine des Landes beheimatet sind: Manchester City und Manchester United. Die hochbezahlten Spieler der beiden Clubs suchen sich natürlich in der Stadt selbst oder in der näheren Umgebung ihre Wohnungen/Häuser und Geld spielt dabei keine große Rolle. Besonders beliebt sind die hübschen Dörfer und Kleinstädte in der Grafschaft Cheshire, die sich an Manchester anschmiegt, und hier besonders die Orte Prestbury (siehe dazu meinen entsprechenden Blogeintrag), Wilmslow und eben Alderley Edge, die das Goldene Dreieck bilden.

Seitdem in den 1990er Jahren die Beckhams nach Alderley Edge gezogen waren, wurde der Ort richtig „posh“. David Beckham, der von 1992 bis 2003 bei Manchester United spielte, war damals der Superstar im englischen Fußball und da, wo er wohnte, wollten auch viele andere Spieler wohnen, also kletterten die Hauspreise in ungeahnte Höhen. Der Portugiese Ronaldo zog in ein riesiges Haus in Alderley Edge, als er von 2006 bis 2009 bei Manchester United spielte. Vorher hatte er ein Haus in Woodford in Cheshire bezogen, etwas näher an Manchester dran.

Auf der London Road von Alderley Edge dreht sich kaum noch jemand um, wenn dort ein Lamborghini oder ein Aston Martin entlang fährt. dort ist man an Supercars gewöhnt. Hier reihen sich schicke Boutiquen, Restaurants und Weinbars aneinander, die von den reichen Bewohnern und ihren attraktiven Frauen gern aufgesucht werden. Piccolino war eines der beliebtesten Restaurants in Alderley Edge, bis es vor wenigen Tagen schloss und nach Knutsford umzog. Ich bin sicher, dass dort schnell wieder ein neues Restaurant eröffnet wird. Man kann seinen Champagner auch im Bubble Room an der London Road trinken. Apropos Champagner: Es gibt wohl nur wenige Orte im Königreich, wo so viel Champagner verkauft wird wie in Alderley Edge, zum Beispiel im Corks Out in der Hausnummer 73.

Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. Januar 2022 at 02:00  Comments (2)  

Stadtführungen durch Marlow in Buckinghamshire…mit Mary Shelley

Die Stadtführerin Mary Shelley.

Marlow in Buckinghamshire gehört zu meinen englischen Lieblingsstädten, darum habe ich schon viele Blogeinträge über sie verfasst. Die Stadt an der Themse hat eben einiges zu bieten, und seit dem letzten Jahr werden hier auch Stadtführungen angeboten… mit Mary Shelley als Stadtführerin. „Mary Does Marlow“ heißen diese Touren und warum gerade Mary Shelley? Die weltbekannte Autorin hat in der Stadt einen der berühmtesten Schauerromane der Literaturgeschichte verfasst: „Frankenstein or The Modern Prometheus“, viele Male mehr oder weniger gut verfilmt. So führt die Stadttour natürlich auch am Albion House in der West Street vorbei, wo Mary mit ihrem Mann Percy Bysshe Shelley wohnte.

Die Touren beginnen im Higginson Park an der Themse an der Statue von Sir Steve Redgrave (mehrfacher olympischer Goldmedaillengewinner im Rudern). An dieser Stelle soll angeblich König Heinrich VIII. um die Hand von Jane Seymour angehalten haben.

Es gibt eine Sommerführung und eine Winterführung („Mary Does Marlow After Dark!“) ; letztere ist „creepier“ als die erste, da geht es auch um Geister und Mörder und um den wohl berühmtesten Highwayman aller Zeiten, Dick Turpin. Er und andere Wegelagerer legten sich in der Umgebung von Marlow gern auf die Lauer.

Wer verbirgt sich nun hinter der kostümierten Stadtführerin? Es ist niemand anderes als meine gute Freundin Nicola Metcalfe, die ich in meinem Blog schon mehrfach vorgestellt habe. Leider habe ich noch an keiner ihrer Führungen teilnehmen können, Corona war dagegen, aber ich bin mir sicher, dass sie das auf ihre freundliche und humorvolle Art wunderbar in Szene setzen kann. Freundlicherweise hat sie mir für meinen Blog einige Fotos zur Verfügung gestellt, deren Rechte selbstverständlich bei ihr liegen.

Bei Facebook und bei Instagram auf dem Laufenden halten, wann in diesem Jahr wieder Stadtführungen angeboten werden.

Vor Mary Shelleys ehemaligem Haus in der West Street.
Vor Marlows wunderschöner Church of All Saints.
Creepy…
Startpunkt der Marlow-Führung: Sir Steve Redgraves Statue im Higginson Park.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Ein Tea Towel aus Nicola Metcalfes Produktion mit Motiven aus Marlow.
Eigenes Foto.
Published in: on 10. Januar 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Marple – Eine Stadt in der Region Greater Manchester und eine weltberühmte Spürnase

Auf einem Bahnsteig im Bahnhof von Marple.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Ebenfalls auf dem Bahnsteig von Marple zu finden…
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Kommt der Reisende auf dem Bahnhof der Stadt Marple im Großraum Greater Manchester an, mag es sein, dass er sich fragt „Marple? Woran erinnert mich der Name?“, der Groschen fällt spätestens dann, wenn er auf dem Bahnsteig die riesigen Poster von Agatha Christie-Romanen sieht und eine blaue Plakette mit der Aufschrift:


Dame
Agatha Christie DBE
1890-1976
MISS MARPLE
Character name inspired by Marple
Unveiled by Mathew Prichard,

grandson of
Agatha Christie

Wie ist nun die Verbindung von Agatha Christie in diese Region von England? Man verbindet sie ja eher mit Devon und Buckinghamshire. Agathas ältere Schwester Margaret (1879-1950), meist Madge genannt, war mit dem Industriellen James Watts (1878-1957) verheiratet und lebte mit ihm auf Abney Hall in Cheadle (jetzt Greater Manchester). Agatha besuchte ihre Schwester häufig in Abney Hall und bei einem dieser Besuche gingen beide zu einer Auktion in die Marple Hall, einem riesigen wunderbaren Haus in der Stadt gleichen Namens, das leider abgerissen worden ist. Dort kaufte sie zwei jakobinische Eichenstühle; doch wesentlicher war, dass der Name Marple bei Agatha Christie hängen blieb, und so schlug dort die Geburtsstunde einer der berühmtesten Spürnasen in der Geschichte der Kriminalliteratur. Miss Jane Marple betrat die Bühne und machte den Verbrechern und Mördern ihrer Zeit das Leben schwer.

Abney Hall in Cheadle.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Auf den Spuren von Brother Cadfael in Shrewsbury (Shropshire)

Shrewsbury Abbey.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Ich komme heute noch einmal auf die Stadt Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire zurück, über die ich kürzlich in Zusammenhang mit den Ghost Tours per Schiff schrieb. Ich wandelte dort einmal auf den Spuren der fiktiven Romanfigur Brother Cadfael, die die Krimiautorin Ellis Peters (1913-1995) erschuf, die unter diesem Pseudonym schrieb und eigentlich Edith Pargeter hieß.

Da sie in Shropshire geboren wurde (sie starb auch dort) ließ sie die Handlung rund um den Benediktinermönch auch in Shrewsbury und Umgebung spielen. Die historischen Kriminalromane erwiesen sich als sehr erfolgreich; als sie auch noch für das Fernsehen verfilmt wurden, mit Derek Jacobi in der Titelrolle, pilgerten die Fans des Mönchs zu den Handlungsorten in Shropshire (die TV-Serie wurde allerdings nicht in der Heimat Bruder Cadfaels gedreht, sondern in…Budapest in Ungarn).

Die Stadt Shrewsbury sprang natürlich sehr gern auf den „Cadfael-Zug“ auf und bot beziehungsweise bietet den angereisten Freunden des Mönchs einiges an wie Brother Cadfael self-guided walks, die auf unterschiedlichen Wegen durch die Stadt führen und durch in den Boden eingelassene Metallplatten in Form eines Fußes markiert sind. Im Shrewsbury Visitor Information Centre kann man den Führer erwerben; selbstverständlich sind dort auch sämtliche Brother Cadfael-Romane erhältlich.

Wer alles, aber auch wirklich alles über die Romanschauplätze wissen möchte, für den gibt es die Brother Cadfael-Tours, die bis nach Wales hinein führen.

Ich hatte mich bei einem meiner Besuche in Shrewsbury für einen der „self-guides walks“ entschieden, in dessen Mittelpunkt die Abbey stand.

Ein empfehlenswertes Buch für jeden, der sich für die Romanschauplätze interessiert, ist „Cadfael Country: Shropshire & The Welsh Border“ von Rob Talbot und Robin Whiteman, das schon 1990 erschienen und reichlich bebildert ist.

Die TV-Serie wurde in 13 Episoden von 1994 bis 1998 ausgestrahlt. Das ZDF sendete die ersten drei Staffeln in den Jahren 1995 und 1997. Eine Collector’s Box mit sechs DVDs ist von EDEL MOTION veröffentlicht worden, sie enthält die Staffeln 1-3 in deutscher Synchronisation und die vierte Staffel im englischen Originalton.
Hier ist ein kurzer Trailer zu sehen.

Die Stadt Shrewsbury hat eine ihrer Straßen nach dem Mönch benannt, den Cadfael Way. Im Portfolio des berühmten Rosenzüchters David Austin gibt es eine Rose namens Brother Cadfael.

Foto meines Exemplares.
Der Cadfael Way in Shrewsbury.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Die Brother Cadfael-Rose.
Photo © Philip Platt (cc-by-sa/2.0)

Winsford (Somerset) im Exmoor und The Royal Oak

The Royal Oak in seiner ganzen Schönheit.
Photo © Jeff Gogarty (cc-by-sa/2.0)

Winsford in der Grafschaft Somerset, mitten im Exmoor gelegen, ist ein Bilderbuchdorf, das ich mir unbedingt einmal ansehen wollte. Es ist leicht von der A396 aus zu erreichen, hat nur wenige hundert Einwohner und ist in der Hauptreisezeit manchmal ganz schön überlaufen (ein kleines Touristenbüro ist vorhanden). Der berühmteste Sohn von Winsford ist Ernest Bevin (1881 – 1951), der hier geboren wurde. Bevin war ein Politiker der Labour-Partei, Gewerkschaftsführer, Außenminister und Arbeitsminister und Parlamentsmitglied für zwei Londoner Wahlkreise. Ernest Bevin verbrachte seine Kindheit in Winsford, sein Geburtshaus steht noch immer an der Edbrooke Road; eine Gedenktafel ist an der Hauswand angebracht.

Das Herz des Dorfes ist der Pub The Royal Oak, ein wunderschönes reetgedecktes Haus am Halse Lane, der kleine Bach Winn Brook schlängelt sich an ihm vorbei. Der Gasthof ist schon sehr alt, ursprünglich war er ein Bauernhof, und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder umgebaut und erweitert.

Mark und Sally Bradley sind die Gastgeber des Pubs, in dem man auch wohnen kann. Zwölf Doppelzimmer stehen zur Verfügung (£130 pro Nacht inklusive Frühstück), und die Bradleys sind stolz darauf, ausschließlich Superior Rooms anzubieten und keine Standardzimmer. Die Automobile Association (AA) hat das Haus mit vier Sternen versehen.

The Royal Oak bietet sich als Standort an, um von hier aus die nähere Umgebung zu erkunden. Winsford ist nicht weit entfernt von der Küste, wo sich Porlock Weir für einen Besuch empfiehlt. Der hübsche Ort Dunster mit seiner Burg lohnt sich immer, und die Tarr Steps sind nur fünf Kilometer entfernt, eine Steinplattenbrücke über den River Barle.

Das Dorfzentrum.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Der Winn Brook.
Photo © Jeff Gogarty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. August 2021 at 02:00  Comments (2)  

Chipping Sodbury in South Gloucestershire

Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Weg zum Thornbury Castle Hotel in South Gloucestershire bin ich viele Male durch Chipping Sodbury und den direkt angrenzenden Nachbarort Yate gefahren. Auf den erstgenannten Ort habe ich mich immer gefreut, denn er bietet, wenn man von den Cotswolds hinunterfährt, einen besonders schönen Anblick. An der breiten Hauptstraße, der B4060, ziehen sich hübsche Häuser entlang. Neben der Town Hall steht das im gleichen Stil erbaute George Hotel aus dem 15. Jahrhundert, wo man in der 1439 Lounge einen Drink zu sich nehmen kann. Im Jahr 1439 wurde The George erstmals als Gasthaus erwähnt.

An der Broad Street warten mehrere attraktive Pubs auf Gäste wie The Squire und gegenüber die Beaufort Hunt. An der anschließenden High Street finden wir die Hobbs House Bakery der aus dem Fernsehen bekannten Fabulous Baker Brothers, über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Schräg gegenüber ist das Tourist Information Centre im Clock Tower untergebracht, einem sehenswerten Gebäude.

Aber auch in Chipping Sodbury haben sich die in englischen High Streets unvermeidlichen Charity Shops ausgebreitet, einer im Prinzip nützlichen Sache, aber wenn diese sich krakenartig ausbreiten, schadet das der Atmosphäre einer Kleinstadt.

Chipping Sodbury gilt als Geburtsort der Harry Potter-Schöpferin J.K. Rowling, oft wird aber auch Yate angegeben. Zur Welt kam sie im am 31. Juli 1965 im Chipping Sodbury Cottage Hospital, das heute kein Krankenhaus mehr ist, aber zu Yate gehört. Yate ist nicht so sehenswert wie Chipping Sodbury, geprägt wird es von Häusern, die zum großen Teil in den 1960er Jahren entstanden sind.

Neben Chipping Sodbury gibt es noch die Schwestergemeinden Old Sodbury und Little Sodbury. Wer sich einmal in dieser Region von South Gloucestershire aufhält, dem kann ich einen Besuch hier sehr empfehlen.

Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)
Die Hobbs House Bakery auf der linken Seite.
Photo © Wayland Smith (cc-by-sa/2.0)
The Clock Tower mit dem Tourist Information Centre.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Das ehemalige Chipping Sodbury Cottage Hospital.
Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. August 2021 at 02:00  Comments (6)  

West Kington – Ein Dorf in Witshire und sein „claim to fame“ vor fast 40 Jahren

West Kington in Wiltshire.
Photo © Maurice Pullin (cc-by-sa/2.0)

Vor 30 Jahren nahm die kanadische Band Men Without Hats einen Song auf, den sie „The Safety Dance“ nannte und der ihr für kurze Zeit zu Ruhm verhalf; danach wurde es wieder ruhiger um die Mannen um Sänger Ivan Doroschuk.
Das zum Song gehörende Musikvideo wurde unter der Regie von Tim Pope gedreht, der schon für viele andere sehenswerte Videos hergestellt hat (The Cure, Talk Talk, Siouxsie and the Banshees usw.). Auf der Suche nach einem geeigneten Drehort stieß man auf ein kleines malerisches Dörfchen in Wiltshire namens West Kington, für das man sich dann entschied. Der Ort liegt ziemlich einsam südlich der Autobahn M40 und ist nur auf schmalen Wegen zu erreichen.

Das Video beginnt mit Ivan Doroschuk und Mike Edmonds, einem zwergwüchsigen Schauspieler, der durch die TV-Serie „Maid Marian and her Merry Men“ bekannt geworden ist. Beide laufen durch ein Getreidefeld auf das Dorf zu, wo sie auf eine Gruppe von Morris Dancers treffen. Engagiert dafür wurden die Chippenham Town Morris Men, eine umtriebige Truppe, die schon international aufgetreten ist, in dem Film „Savage Hearts“ mitgespielt hat und in dem Automagazin „Top Gear“ der BBC zu sehen war. Das muntere, mittelalterlich anmutende Treiben zieht über die Brücke des Dorfes, die über den Broadmead Brook führt, an den wenigen Häusern  vorbei und endet auf einem Hof, wo dann der Jahrmarkt stattfindet, mit Punch and Judy Show usw. Für diese Szenen stellte ein örtlicher Bauer den Innenhof seiner Farm zur Verfügung.

Nach den Dreharbeiten wurde es wieder ruhig in West Kington und es hat sich hier in den dreißig Jahren seither auch nur wenig verändert. Zu sehen gibt es außer der Kirche St Mary the Virgin nichts; zu erwähnen ist vielleicht noch, dass die Naturfilmerin und Ornithologin Dilys Breese in West Kington wohnte und auf dem Kirchhof von St Mary beigesetzt ist.

Hier ist das Musikvideo zu sehen.

Die Broadmead Bridge in West Kington.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)
St Mary the Virgin in West Kington.
Photo © Colin Bates (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Village Pond – Ein hübsches Attribut in englischen Bilderbuchdörfern

St Mary’s in Haddenham (Buckinghamshire) mit Dorfteich auf dem sich Aylesbury ducks tummeln.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Was gehört zu einem typisch englischen Bilderbuchdorf, einem chocolate box village? Natürlich die parish church, die Dorfkirche, umstanden mit alten, verwitterten Grabsteinen. Dann, oft in unmittelbarer Nähe, der Dorfpub, gern reetgedeckt und mit einem Biergarten, und der Dorfanger, the village green, auf dem hin und wieder Feste gefeiert werden. Nicht zu vergessen die ebenfalls reetgedeckten Cottages, mit üppig wuchernden Vorgärten versehen. Woran denken wir bei dieser Zusammenstellung? Ja, an die Inspector Barnaby-Krimis, die meistens in solch hübschen Dörfern angesiedelt sind. Ein Attribut habe ich jetzt noch nicht angesprochen, das aber auch dazu beiträgt, den Charakter eines englischen Dorfes zu prägen: Der village pond, der Dorfteich.

Ein Dorf fällt mir da spontan ein, das auf engstem Raum alle die oben genannten Charakteristika aufweisen kann, und das ist Haddenham in Buckinghamshire, eines meiner Lieblingsdörfer im Königreich. Da ist die Kirche St Mary’s, gegenüber der Dorfanger mit dem Kriegerdenkmal und dem Village Sign, daneben der entenbesetzte Dorfteich, gesäumt von wunderschönen Cottages. Schade, dass der Red Lion, der auch zu dem Ensemble gehörte, im Jahr 2012 geschlossen wurde.

Ein weiteres Dorf fällt mir spontan ein, das ebenfalls alle Attribute eines Bilderbuchdorfes besitzt: Goudhurst in Kent. Neben einer wunderschönen Kirche und dem sehr ansprechenden Hotel The Star and Eagle verfügt auch Goudhurst, etwas weiter die Hauptstraße hinunter, über einen idyllischen Dorfteich mit einem Miniatur Village Green.

Haddenham und Goudhurst sind unbedingt einen Abstecher wert!

Hier sind noch einige andere Dorfteiche im Bild zu sehen.

Der Village Pond von Goudhurst (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Leighterton in Gloucestershire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Alderton in Wiltshire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Comberton in Cambridgeshire.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)
Lindfield (West Sussex).
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Juni 2021 at 02:00  Comments (3)  

Shingle Street – Ein einsames Dorf in Suffolk mit mysteriöser Vergangenheit

Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

An der Suffolk Heritage Coast liegt ein winziges Dorf, das einen stetigen Kampf gegen das Meer führt. Shingle Street besteht nur aus ein paar Häusern, mit einem Kiesstrand zwischen dem nahen Meer. Nach Expertenmeinung dauert es maximal 20 Jahre bis die See den Kampf gewonnen hat.

Shingle Street ist ein Ort mit mysteriöser Vergangenheit. 1940 wurde der Ort binnen weniger Tage evakuiert, damit man den Strand gegen eine feindliche Invasion verminen konnte. Vandalen suchten die Häuser auf und verwüsteten sie; die Royal Air Force nutzte das Gelände für geheime Bombentests, wobei der Lifeboat Inn schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Das Gerücht verbreitete sich, dass eine deutsche Invasion vor Shingle Street verhindert werden konnte. Noch heute gibt es geheime Akten darüber, was wirklich an der abgelegenen Küste von Suffolk passierte. Spekulationen in Form von Büchern und Fernsehsendungen entstanden.
Die Bewohner von Shingle Street durften 5 Jahre nach Kriegsende wieder in ihre Häuser zurück, die fast unbewohnbar waren und neu aufgebaut werden mussten. Die Entschädigung für die entstandenen Verluste war gering.

In Shingle Street steht einer von mehreren Martello Towers, die an der Küste aufgestellt wurden, um im frühen 19. Jahrhundert eine napoleonische Invasion zu verhindern. Diese Forts finden sich auch an der englischen Südküste und einige davon kann man als Holiday Home mieten.
Hier ist ein Drohnenflug über Shingle Street zu sehen.

Shingle Street könnte also eines Tages im Meer versinken, so wie die einstige Hafenstadt Dunwich, ebenfalls in Suffolk, die mitsamt ihrer 8 Kirchen von der Nordsee verschlungen wurde. Noch heute herrscht in Dunwich eine eigenartige Atmosphäre, von der ich mich einmal selbst überzeugen konnte.

Der englische Sänger Thomas Dolby hat dem mysteriösen Ort in seinem Song „Cloudburst at Shingle Street“ ein Denkmal gesetzt.

Der Martello Tower.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Grantham in Lincolnshire Teil 1: Langweiligste Stadt Englands?

The Angel and Royal.
Photo © Jo Turner (cc-by-sa/2.0)

Immer wenn man von der Stadt Grantham in Lincolnshire hört, wird diese in Verbindung gebracht mit der langweiligsten Stadt Englands. Das ergab einmal vor vielen Jahren eine Umfrage des Senders BBC 1.

Meine persönliche Einschätzung ist eine andere. Wir aßen zu Mittag im Angel and Royal Hotel, einem eindrucksvollen Gebäude im Zentrum der Stadt: Ein Muss für meine Frau als Ricardianerin, da in diesem Haus Richard III 1483 Hof hielt und zwar dort, wo heute das King’s Room Restaurant ist. Dort erfuhr er, dass sein treuester Verbündeter, der Duke of Buckingham, sich gegen ihn gestellt hatte. Hier schrieb er einen Brief an den Großkanzler, in dem er ihm den Verrat mitteilte, worauf das Todesurteil für den Duke unterschrieben wurde. Der Originalbrief ist im Britischen Museum aufbewahrt; eine Kopie des Briefes hängt im Restaurant, die wir uns natürlich ansahen.

Grantham ist auch der Geburtsort der Eisernen Lady, Margaret Thatcher, die hier am 13. Oktober 1925 geboren wurde und wo sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens verbrachte. Wenig erinnert heute an die frühere Premier Ministerin in Grantham; es gibt keine geführten Touren auf den Spuren von ihr, lediglich eine Plakette an ihrem Geburtshaus ist ihr zu Ehren angebracht worden. ABER: In diesem Jahr noch soll eine drei Meter hohe Statue von ihr in Grantham aufgestellt werden, auf einem ebenfalls drei Meter hohen Sockel, so dass es Vandalen schwerer haben, das Kunstwerk zu beschädigen oder zu beschmieren.

Der berühmte Isaac Newton besuchte im Alter von 12 bis 17 in Grantham die King’s School, die es noch heute gibt. In der Bibliothek der Schule hatte er seinen Namen auf einem Fensterbrett eingeritzt, was noch zu sehen ist. Eine Statue von ihm wurde im Stadtzentrum am St Peter’s Hill errichtet.

Langweilig fand ich die Stadt wirklich nicht, und es gäbe noch so einiges mehr über sie zu berichten.

Hier ist eine  kleine Stadtrundfahrt.

Margaret Thatchers Geburtshaus.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Sir Isaac Newton.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Slad in Gloucestershire – Ein Dorf, ein Schriftsteller und ein berühmtes Buch

Rosebank in Slad, wo Laurie Lee aufwuchs.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Nur wenige Fahrminuten von Stroud im Süden Gloucestershires entfernt, liegt an der B4040 das kleine Dorf Slad, in dem ein Mann aufwuchs, der in der neueren englischen Literaturgeschichte eine große Rolle gespielt hat: Laurie Lee (1914-1997). Wohl jeder in dessen Heimatland, kennt das Buch „Cider with Rosie„, das 1959 erschien und dessen deutscher Titel „Des Sommers ganze Fülle“ heißt. Darin schreibt Laurie Lee von seiner Kindheit und Jugend, die er in Slad verbrachte. Die Bände zwei und drei seiner autobiografischen Trilogie handeln von seinem späteren Lebensweg in London und in Spanien. In den 1960er Jahren kehrte Laurie Lee nach Slad zurück, wo er bis zu seinem Tod wohnte.

„Cider with Rosie“ wurde mehrfach verfilmt; ich kenne nur die BBC-Fernsehversion von 2015, die an den Originalschauplätzen gedreht wurde. Ich finde diese Verfilmung sehr gelungen mit hervorragenden Kinderschauspielern. Hier ist der komplette Film zu sehen.

Das Haus, in dem Laurie Lee aufwuchs, hieß damals Rose Cottages, heute heißt es Rosebank. Kürzlich stand es für £475 000 zum Verkauf. Als der Autor später wieder nach Slad zurückzog, wohnte er im Rose Cottage in der Nähe vom Woolpack Inn, wo er gern das eine oder andere Pint trank.

Lee starb am 13. Mai 1997, begraben wurde er auf dem Kirchhof der Holy Trinity Church in Slad, gegenüber vom Pub, wo seine Verehrer seinen Grabstein besuchen können. In der Kirche erinnert ein Glasfenster an den großen Sohn des Dorfes.
Aus Anlass seines hundertsten Geburtstags wurde im Jahr 2014 ein Wanderweg angelegt, der seinen Namen trägt: Der Laurie Lee Wildlife Way, der acht Kilometer durch das Slad Valley führt. Entlang der Strecke findet man zehn „poetry posts“, Stationen mit Gedichten Laurie Lees.

The Woolpack.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Auf dem Kirchhof von Holy Trinity
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Das Laurie Lee Memorial Window in Holy Trinity.
Author: Paul Stephenson
Creative Commons 2.0
Der Laurie Lee Wildlife Way.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Haworth in West Yorkshire – Das erste Fairtrade-Dorf der Welt und sein Kontakt zu Machu Picchu in Peru

Haworths Main Street.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Haworth in West Yorkshire verbindet man natürlich in erster Linie mit den Brontëschwestern Charlotte, Emily und Anne, die im 19. Jahrhundert mit ihren Romanen für Aufsehen sorgten. Im 21. Jahrhundert sind sie offensichtlich noch immer populär, wenn man sich die vielen Touristen ansieht, die nach Haworth fahren. Bei meinen Besuchen war es dort immer rappelvoll. Der Ort profitiert auf jeden Fall noch immer von dem Nachruhm der drei Schwestern.

Es gibt aber noch ein weiteres Ereignis der jüngeren Vergangenheit, das Haworth bekannt machte und das nichts mit Literatur zu tun hat: Haworth das weltweit erste „fairtrade village„. Am 22. November 2002 erhielt es diesen Status von der Fairtrade Foundation, „a charity based in the United Kingdom that works to empower disadvantaged producers in developing countries by tackling injustice in conventional trade“, so die Definition der Wikipedia. Die Teilnehmer möchten also, dass die Bauern in anderen Erdteilen für ihre Produkte angemessene Preise bekommen, von denen sie auch vernünftig leben können, und nicht von großen Konzernen ausgebeutet werden.

Haworth hat auch einen direkten Kontakt nach Südamerika und zwar zu der Ruinenstadt Machu Picchu in Peru. Bei der Einfahrt nach Haworth werden die Besucher von einem großen Schild begrüßt, auf dem zu lesen steht: „Welcome to HAWORTH – The World’s First Fairtrade Village – Twinned with Machu Picchu, Peru„.

Die Idee, mit dem Ort in Peru Kontakt aufzunehmen, entstand kurz nachdem Haworth zu einem „fairtrade village“ geworden war, und es dauerte noch einige Jahre bis es 2009 zu dem „twinning“ kam. Seitdem haben die Bewohner von Haworth viele Dinge in die Wege geleitet, um den Partner im fernen Peru zu helfen. So haben sie Bücher geschickt, um den Bestand der Bibliothek aufzustocken und Geld gesammelt, um damit die Errichtung von einfachen Küchen zu ermöglichen, so dass Kinder in abgelegenen Dörfern warme Mahlzeiten erhalten können.

Man ist stolz in dem Bronte-Dorf auf das, was man hier bisher erreicht hat und wird den Fairtrade-Gedanken auch in Zukunft hoch halten.

Zum Thema Haworth siehe auch meine Blogeinträge über die Ballonfahrerin Lily Cove, den Pub The Black Bull und über die Vermarktung der Brontë-Familie.

Published in: on 10. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

East Prawle in Devon und der Pigs Nose Inn

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Es gibt einen Ort namens West Prawle in Devon und ein Dorf namens East Prawle. Der Unterschied? East Prawle ist der am südlichsten gelegene Ort in der ganzen Grafschaft und noch ein Stückchen südlicher liegt Prawle Point, dann kommt nur noch das Meer. Man gelangt auf schmalen Straßen hier herunter, und auch im Dorf selbst geht es sehr eng zu. Von hier aus kann man auf Wanderwegen zum Meer kommen, aber auch ein Fahrweg führt zu einem Parkplatz am Meer. Bei Gegenverkehr wird es etwas problematisch, denn ich schätze die Breite der Straße auf circa zwei Meter.

Was hat East Prawle zu bieten? Nicht allzu viel; es gibt hier einen kleinen Laden namens Piglet Stores and Café am Village Green, der die Einwohner mit dem nötigsten versorgt und auch die Touristen mit ihren Bedürfnissen nicht im Stich lässt. Angeschlossen ist ein Café mit einer Auswahl an Kuchen, Sandwiches und Snacks. Ich stelle mir vor wie das hier wohl im Winter aussehen mag, bei Sturm und Regen.

Das Highlight in East Prawle ist der Dorfpub, der Pigs Nose Inn; „relaxed and quirky three-room 16th century pub, lots of interesting bric-a-brac“, so die Kurzbeschreibung des Good Pub Guides. Die Besitzer sind sehr hundefreundlich, haben selbst welche und heißen „Gasthunde“ willkommen. Außerdem ist man hier sehr umweltbewusst und versucht, auf so viel Plastik wie möglich zu verzichten; die Essenszutaten kommen zum größten Teil aus der Region.
Der Pigs Nose Inn hat einen sehr guten Ruf, was das Unterhaltungsangebot angeht. Es traten schon viele namhafte Bands auf wie Atomic Kitten, die Boomtown Rats oder Wishbone Ash. Im September soll es wieder richtig los gehen.
Seit letztem Montag ist die Außengastronomie wieder geöffnet.

Sehenswert ist übrigens die exzentrische Inneneinrichtung des Pubs!

The Pigs Nose Inn
East Prawle
Kingsbridge
Devon TQ7 2BY

„Relaxed and quirky“: Im Inneren des Pigs Nose Inn
Author: dvcronan
Creative Commons 2.0
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Du kommst hier nicht raus! Am Prawle Point.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Malton in North Yorkshire – Yorkshire’s Food Capital

Beim Food Lovers Festival auf dem Market Place.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Die Marktstadt Malton in North Yorkshire liegt an der vielbefahrenen A64, die von Leeds zur Küste führt. Ich erinnere mich noch an einen gewaltigen Stau in der Innenstadt auf der B2157, einer Art „Business Loop“, während dem ich Zeit hatte, mir den Ort vom mehr oder weniger stehenden Auto anzusehen.
Der italienische, in London lebende Starkoch Antonio Carluccio (1937-2017) war bei einem Besuch in Malton im Jahr 2011 von dem kulinarischen Angebot der Stadt dermaßen angetan, dass er Malton als „Yorkshire’s food capital“ bezeichnete, worauf man hier natürlich sehr stolz war. Nicht die großen Metropolen Yorkshires wie Leeds, Sheffield oder York, sondern das kleine Malton wurde von Carluccio so ausgezeichnet.

Was hat Malton denn nun in kulinarischer Hinsicht zu bieten? Es gibt einen monatlich stattfindenden „Food Market“ auf dem Marktplatz vor der St Michael’s Church, wo Händler aus der Region ihre Waren anbieten. Hier findet man alles, was das Herz eines Gourmets höher schlagen lässt. Einmal im Jahr findet das dreitägige Malton Food Lovers Festival statt, in diesem Jahr geplant für den 28. bis 30. August, auch  „Yorkshire Foodie Glastonbury“ genannt. Dann gibt es den Marathon du Malton, eine zehn Kilometer lange Strecke auf der die Teilnehmer alle möglichen Köstlichkeiten probieren können wie Hummer, Roastbeef, Bier und Gin aus der Region usw.
Die gastronomische Malton Food Tour (£45) führt durch Geschäfte und Läden der Stadt, auf der man hinter die Kulissen der Erzeuger blicken und natürlich auch alles probieren kann.

Und dann gibt es noch zahlreiche Restaurants in der Stadt wie das The New Malton, das Chapter One Bistro und das Stew & Oyster am Market Place, um nur einige zu nennen. Die Brass Castle Brewery stellt veganes und glutenfreies Bier her, die Rare Bird Distillery produziert Gin (darunter auch einen Rhabarber-Gin). Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen kulinarischen Angebot der Stadt.

Einer, der maßgeblich an dem guten Ruf von Malton beteiligt ist, ist Tom Naylor-Leyland, der im Hintergrund die Strippen zieht. Er hat im Jahr 2018 das „Malton in Mayfair“ initialisiert, ein Abendessen im Londoner Luxushotel Claridge’s, bei dem Spezialitäten aus Malton und Umgebung zelebriert und kräftig die Werbetrommel für die Stadt gerührt wurden.

Ganz in der Nähe von Malton liegen die nördlichsten Weingüter Englands, der Malton Vineyard, der erst im vorigen Jahr gegründet wurde, und die Ryedale Vineyards (2006 gegründet). Die Weinanbaugrenze verschiebt sich allmählich immer mehr gen Norden.

Hier ist ein Film über Yorkshire’s Food Capital.

Rare Bird Gin.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Auch in Yorkshire wird Cider produziert und in Malton angeboten.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Published in: on 28. März 2021 at 03:00  Comments (1)  
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Blandford Forum in Dorset und die Bastard Brothers

Blandford Forum Town Hal..
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Blandford Forum ist eine Kleinstadt in der Grafschaft Dorset, ganz in der Nähe, in dem Dörfchen Pimperne, habe ich einmal eine kurze Zeit gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag). Ich fand die Stadt damals tatsächlich ein wenig „bland“, also etwas langweilig, und daher orientierte ich mich mehr nach Salisbury und Dorchester, die nicht weit entfernt liegen. Vielleicht tat ich aber auch Blandford Forum unrecht, so dass ich es wieder gut machen will und heute über den Ort berichte.

Was für London der Große Brand von 1666 war, der Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, war für Blandford Forum der Große Brand vom 4. Juni 1731, der die kleine Marktstadt fast völlig zerstörte. Kaum jemand von den Bewohnern kam ungeschoren davon, auch die Kirche St Peter and St Paul erlitt große Schäden. Also machte man sich an den Wiederaufbau der Stadt, unterstützt durch staatliche Mittel und auch der König, Georg II., gab sein Scherflein mit dazu.

Geleitet wurden die Arbeiten durch zwei örtliche Architekten, die den unglücklichen Nachnamen Bastard trugen, John und William. Als erstes nahmen sich die Brüder die Town Hall vor, die sie binnen drei Jahren hochzogen. Die Kirche St Peter and St Paul wurde nach den Plänen der Bastard Brothers von 1732 bis 1739 neu erbaut. Der Marktplatz entstand in neuem Glanz mit seinen umliegenden Privathäusern. Auch das abgebrannte Haus der Bastard-Brüder in der East Street, gegenüber der Kirche, wurde neu gebaut; es trägt eine blaue Plakette, die daran erinnert, wer hier einmal gewohnt hat. Heute ist im Erdgeschoss einer der vielen Charity Shops der Stadt untergebracht.

Als im Jahr 1760 die Bauarbeiten überwiegend abgeschlossen waren, errichteten John und William Bastard zur Erinnerung an den Großen Brand noch das Pump House Fire Monument, direkt neben der Kirche. Es trägt die Inschrift „In grateful Acknowledgement of the DIVINE MERCY which has since raised this Town, like the Phoenix from its Ashes, to its present beautiful and flourishing State“.

Dieser Film zeigt Bilder aus Blandford Forum.

St Peter and St Paul.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Das ehemalige Haus der Bastard Brothers.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das Fire Monument
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Crazies Hill in Berkshire – Ein Gastropub, ein ehemaliges Rathaus und ein berühmter Schauspieler

The Horns.
Photo © Oswald Bertram (cc-by-sa/2.0)

Nicht weit von Henley-on-Thames entfernt, liegt in der Grafschaft Berkshire ein kleines Dorf namens Crazies Hill, was keine Rückschlüsse auf den geistigen Zustand der Einwohner zulassen sollte. Es gibt einiges über den Ort zu berichten, was ich hiermit tun möchte.

The Horns heißt der Dorfpub, den ich bereits einmal, wenn auch nur kurz, in meinem Blogeintrag über empfehlenswerte Restaurants in Berkshire erwähnte. Es handelt sich hier um ein ehemaliges Jagdhaus aus dem 17. Jahrhundert, das zur Gruppe der Brakspear Pubs gehört.

Nur wenige Schritte vom Pub entfernt, steht ein imposantes Gebäude, das früher einmal ganz wo anders war, nämlich in Henley-on-Thames, wo es als Rathaus diente. Summerfield House oder Crazies Hall heißt das Haus, das ursprünglich 1790 in Henley erbaut worden war, Als man dort am Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Town Hall errichtete, ließ Charles Clements, der mehrfach der Stadt als  Bürgermeister gedient hatte, das alte Gebäude Stück für Stück auseinandernehmen und in Crazies Hill wieder aufbauen. Als Summerfield House zuletzt auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde (2011) lag der Verkaufspreis bei £18 Millionen. Vorbesitzer war der Boss des Reading Football Clubs.

In Crazies Hill wohnte für einen großen Teil seines Lebens ein berühmter englischer Schauspieler, der in zahllosen Spielfilmen mitwirkte: Robert Morley (1908-1992). Morley kaufte sein Haus Fairmans im Jahr 1940 und fühlte sich darin so wohl, dass er bis zu seinem Tod darin residierte. Fairmans liegt außerhalb des eigentlichen Dorfes Crazies Hill, an der Straße mit dem selben Namen, auf dem Gelände des  Hennerton Golf Clubs. Morley war mit den Besitzern des Golfclubs eng befreundet, und so wurde nach seinem Tod zu seinen Ehren dort eine Plakette angebracht, enthüllt von Morleys Witwe Joan. Ihr gemeinsamer Sohn Sheridan Morley (1941-2007) machte sich übrigens als Autor viele Schauspielerbiografien einen Namen (darunter Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Judy Garland und John Gielgud). Hier sind Bilder von Robert Morleys Beerdigung. Er liegt auf dem St Mary’s Churchyard im benachbarten Wargrave (Berkshire) begraben.

Gegenüber vom Golfplatz liegt auf dem Gelände der Gibstroude Farm eine winzige Kunstgalerie, die Barn Art Gallery.

Der Hennerton Golfplatz.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Robert Morley.
Author: Allan warren
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Die Village Hall in Crazies Hill.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Lyme Regis in Dorset Teil 2: The Pilot Boat und ein Hund, dessen Name einmal weltberühmt werden sollte

In der Bridge Street von Lyme Regis findet man einen Pub, der über die Grenzen der Stadt hinaus kaum bekannt sein dürfte, der vor fast hundert Jahren aber einen vierbeinigen Bewohner hatte, dessen Namen heute so gut wie jedes Kind auf der Welt kennt. Der Name des Pubs: The Pilot Boat, der Name des Hundes: Lassie. Hier ist die Geschichte dazu:

Am 1. Januar des Jahres 1915 wurde das britische Kriegsschiff HMS Formidable vor der Küste Südenglands von einem deutschen U-Boot torpediert und sank in den ersten Stunden des neuen Jahres. Viele der über 700 Seeleute an Bord kamen ums Leben, einige wurden von Begleitschiffen gerettet und einige retteten sich auf Beiboote, die es in der rauen See schwer hatten, nicht zu kentern. Eines dieser Boote schaffte es bis zur Küste von Lyme Regis, und 48 Männer atmeten erleichtert auf, als sie total erschöpft in der Hafenstadt ankamen, neun ihrer Kameraden hatten es nicht geschafft. Die Toten wurden an Land gebracht und erst einmal im Keller des Pilot Boat Pubs gelagert. Im Pub gab es einen Hund, einen Collie namens Lassie, der sich durch seine Intelligenz schon mehrfach ausgezeichnet hatte. Lassie begab sich in den Keller und steuerte auf einen der für tot gehaltenen Männer zu, es war der Vollmatrose John Cowan. Lassie begann, ihm das Gesicht abzulecken, wieder und immer wieder, bis der Mann plötzlich ein Lebenszeichen von sich gab. Lassie rief durch ihr Bellen mehrere Männer in den Keller, die bemerkten, dass John Cowan atmete. Schnell holten sie medizinische Hilfe herbei, die ihn ins nächst gelegene Krankenhaus brachte. Der Seemann war gerettet und während seiner Genesungsphase wich ihm Lassie nicht von der Seite. Dass sich zwischen den beiden eine ganz besondere Freundschaft entwickelte, liegt auf der Hand. Lassie bekam von der Stadt Lyme Regis eine Medaille verliehen, und der Name des Hundes wurde durch Pressemeldungen weltweit bekannt.

Der 1897 in Yorkshire geborene und in den USA lebende Eric Knight veröffentlichte am 17. Dezember 1938 in der Saturday Evening Post eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Lassie Come Home„, die er zwei Jahre später zu einem Roman erweiterte. Man ist sich ziemlich sicher, dass Knight von der heroischen Tat des Hundes in Lyme Regis gehört hatte und sich dadurch inspirieren ließ. Kurzgeschichte und Roman fanden nicht nur bei der amerikanischen Leserschaft Anklang, der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und ein internationaler Bestseller. 1943 drehte Hollywood einen Film, der ebenfalls „Lassie Come Home“ („dt. „Heimweh“) hieß und Vorreiter für zahllose Fernsehserien und weitere Spielfilme war. Lassies Rolle übernahm ein Langhaarcollie namens Pal, ein waschechter Hollywood-Hund, der in der Filmstadt geboren worden war und dort auch im Alter von 18 Jahren starb. Hier ist der Trailer zum Originalfilm, hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie und hier der Trailer des aktuellen deutschen Films „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ aus dem Jahr 2020.

Die HMS Formidable.
This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

 

 

Pangbourne in Berkshire – Einige Anmerkungen

Wie Perlen an einer Schnur aufgereiht, liegen die Autohändler von Nobelmarken wie Lamborghini, Bentley und Aston Martin an der Station Road in Pangbourne in der Grafschaft Berkshire. Ein Zeichen, dass in dieser Region westlich von London einige wohlhabende Menschen wohnen. Die A329 führt durch den hübschen Ort an der Themse hindurch. Gegenüber von dem Lamborghini-Händler an der Station Road steht das Village Sign von Pangbourne, das wie immer Aufschluss darüber gibt, was es mit dem Ort auf sich hat. Es zeigt, das Schild beherrschend, einen König mit Krone auf dem Haupt und Schwert in der Hand. Es handelt sich dabei um Paega, einen sächsischen Stammesfürsten aus dem 9. Jahrhundert, von dem sich der Name Pangbourne ableitet (= „Paega’s People’s Stream“). Über dem Ortsnamen zeigt das Dorfschild ein Wikingerschiff, darunter ist ein aufgeschlagenes Buch zu sehen, „The Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame (1859-1932), das diesem Autor Tribut zollt, der von 1924 bis zu seinem Tod im Jahr 1932 im Church Cottage in Pangbourne wohnte. „The Wind in the Willows“ ist ein absoluter Kinderbuchklassiker, der in deutscher Übersetzung „Der Wind in den Weiden“ heißt und der im englischen Original 1908 erschienen ist. Das Restaurant des George Hotels in Pangbourne ist nach der Überschrift des fünften Kapitels des Buches benannt: Dulce Domum („Sweetly at home“).

Wer Jerome K. Jeromes wunderbares Buch „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot“) gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass die Themsefahrt für die drei Männer und ihrem Hund hier in Pangbourne ein Ende genommen hat und zwar am The Swan, den ich in meinem Blog schon in einem separaten Artikel beschrieben habe.

The Boathouse an der Themse spielt in der britischen Rockgeschichte eine Rolle, denn in diesem Haus, das ein gewisser Jimmy Page 1967 für £6,000 gekauft hatte, wurde die Geburtsstunde der legendären Rockband Led Zeppelin eingeläutet, als Robert Plant dazu stieß und die beiden Musiker sich bei Tee und Schallplattenhören anfreundeten. The Boathouse liegt an der Straße Shooters Hill (Nummer 4).

Auf der anderen Seite des Flusses liegt schon die Grafschaft Oxfordshire und der Ort Whitchurch-on-Thames, verbunden durch die gebürenpflichtige Whitchurch Bridge (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Themse bei Pangbourne.
Photo © Ruth Sharville (cc-by-sa/2.0)

Die Eisenbahnbrücke über die Station Road.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Happy at Home Index der Internetplattform „Rightmove“

St Ives in Cornwall.
Photo © Kurseong Carl (cc-by-sa/2.0)

In welchen Orten war man im Jahr 2020 in Großbritannien am glücklichsten? Dieser Frage geht der sogenannte „Happy at Home Index“ der Immobilien-Internetplattform Rightmove nach. Anhand von zehn Kriterien wird dieser Index jetzt bereits seit neun Jahren erstellt, darunter zählen beispielsweise:

– Wie stark ist der Gemeinschaftssinn in der Kommune ausgeprägt?

– Wie freundlich und höflich sind meine Mitbürger?

– Gibt es genügend kulturelle Angebote?

– Wie sieht es mit der Natur und den Grünflächen aus?

– Wie ist die Infrastruktur? Gibt es genügend Schulen, Ärzte, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte?

In diesem Jahr nimmt St Ives in Cornwall den Spitzenplatz ein, eigentlich keine große Überraschung, denn schon seit vielen Jahrzehnten zieht es Menschen an diesen Ort an der Nordküste Cornwalls. Künstler behaupten, dass es hier, wie an der Côte d’Azur in Frankreich, ein ganz besonderes Licht gibt. Mittlerweile sind die Immobilienpreise in St Ives derart gestiegen, dass es nicht mehr allzu viele Künstler gibt, die es sich leisten können, in der Stadt ein Atelier zu unterhalten. Über £400 000 liegt der Durchschnittspreis einer Immobilie.

Deutlich niedriger liegen da die Preise in Skipton in North Yorkshire, einer Kleinstadt im Norden des Landes, die den zweiten Platz einnimmt, nämlich bei £226 000. Die „Stadt der Schafe“ am River Aire mit seiner alten Burganlage habe ich immer als sehr angenehm empfunden, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es sich gut leben lässt.

Auf Platz 3 in diesem Jahr liegt Leamington Spa (oder auch Royal Leamington Spa genannt) in Warwickshire. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um einen Kurort am River Leam, der durch einen Besuch von Queen Victoria im Jahr 1838 mit dem Zusatz „Royal“ geadelt wurde. Nach und nach wächst Leamington Spa mit der Nachbarstadt Warwick zusammen, die auch einiges zu bieten hat wie das Warwick Castle.

Auf den folgenden Plätzen des „Happy at Home Inex“ stehen:

Platz 4: Llandrindod Wells in Wales

Platz 5: Perth in Schottland

Platz 6: Kendal in Cumbria

Platz 7: Stratford-upon-Avon in Warwickshire

Platz 8: Dorchester in Dorset

Platz 9: Harrogate in North Yorkshire

Platz 10: Richmond-upon-Thames in London

Skipton in North Yorkshire.
Photo © Lakeland Ramblers (cc-by-sa/2.0)

Die Royal Pump Rooms in Leamington Spa in Warwickshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Luton in Bedfordshire – Die Stadt der Hüte

Es gibt Städte, die man sofort mit einem bestimmten Begriff verbindet. Bei der Stadt Luton in Bedfordshire sind es automatisch die Hüte, vielleicht auch noch der Entlastungsflughafen London Luton Airport. Heutzutage spielt die Hutindustrie nicht mehr die Rolle wie es früher einmal der Fall war.

Eigentlich hat Luton den Aufstieg der Hutproduktion Napoleon zu verdanken, der Anfang des 19. Jahrhunderts durch seine Blockade die Lieferung französischer Hüte nach Großbritannien unterbunden hatte. Da keine Hüte mehr für die Damenwelt und auch für die Herren ins Land kamen, baute man in der Stadt in Bedfordshire die bereits vorhandene eigene Industrie aus, und das in einem Maße, dass Luton davon gewaltig profitierte, expandierte und die Bevölkerungszahl zunahm, eine Entwicklung, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts anhielt. Waren es anfangs die Strohhüte, die im Mittelpunkt standen, waren es später, nach dem Ersten Weltkrieg, die Filzhüte, die besonders gefragt waren. Auch heute werden in Luton noch Hüte angefertigt wie die der Firma Olney Headware, die seit über hundert Jahren hier ansässig ist.

Wer sich für das Thema interessiert, der kann in Luton auf zwei Hat Trails die wichtigsten Stationen der ansässigen Hutindustrie besuchen. Beide führen an den ehemaligen Fabriken und Werkstätten entlang und sind zu Fuß in kurzer Zeit zu absolvieren. Trail 1 ist circa 600 Meter lang, Trail 2 ist doppelt so lang. Beide Wege beginnen und enden in der Bute Street an der Hat Factory, einem 2004 eröffneten Kulturzentrum. Man kann sich ein Trail Leaflet herunterladen und damit die beiden Touren unternehmen.

Es versteht sich von selbst, dass die örtliche Fußballmannschaft Luton Town F.C. einen Spitznamen trägt, der auf die stolze Vergangenheit verweist: The Hatters.

Das Buch zum Thema:
Alex Askaroff: The Luton Hat Trade, a Brief History. Independently published 2019. 52 Seiten. ISBN  978-1677086986.

Beispiele für in Luton angefertigte Hüte im Wardown Park Museum.
Author: diamond geezer
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 12. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Westward Ho! – Ein Ort an der Nordküste von Devon mit einem ganz besonderen Namen

Wandmalerei an einem Parkplatz.
Author: Chris Dymond
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Wie kommt wohl der Badeort an der Küste Nord-Devons zu dem merkwürdigen Namen? „Schuld“ daran ist der auch aus Devon stammende Schriftsteller Charles Kingsley (1819-1875), der schrieb nämlich 1855 den historischen Roman „Westward Ho!“, der zur Zeit Elizabeth I spielt und der von den Abenteuern des jungen Amyas Leigh erzählt. Kingsleys Roman beginnt in dem fiktiven Hafenstädtchen Bideford Quay, das etwa da angesiedelt ist, wo das heutige Westward Ho! liegt.

Der Ort ist der einzige in ganz Großbritannien, der nach einem Roman benannt ist und der ein Ausrufezeichen in seinem Namen trägt, und darauf ist man sicher in Westward Ho! auch sehr stolz. 1865, also 10 Jahre nachdem der Roman veröffentlicht wurde, begann man den Badeort zu erbauen. Damals hatten die Viktorianer ein ausgeprägtes Bedürfnis, ihre Ferien an der See zu verbringen.

Heute ist Westward Ho! vor allem durch seine langen Sandstrände bekannt und beliebt und britische Golfer kennen alle den ältesten Golfplatz der Insel, der 1864 errichtet wurde und dem Royal North Devon Golf Club gehört. Man nennt ihn auch „St. Andrews des Südens„. Für Nicht-Golfer: St. Andrews ist der berühmte Golfplatz in Schottland.

Hier ist ein Film über den Ort.

Published in: on 4. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Ansdell in Lancashire – Der einzige Ort in England, der nach einem Künstler benannt ist

Lytham St Annes ist eine Stadt an der Küste von Lancashire, nur durch den Blackpool Airport von der Stadt des Vergnügens getrennt. Sie besteht aus mehreren Ortsteilen, von denen einer Ansdell heißt, der nach dem Maler Richard Ansdell (1815-1885) benannt ist. Und das ist einmalig in England, dass ein Ort den Namen eines Künstlers trägt.

Richard Ansdell ist vor allem durch seine Tierbilder bekannt geworden, die mich an die Gemälde von Sir Edwin Landseer erinnern. Der Künstler besaß ein Sommerhaus in Lytham St Annes namens Starr Hills und hatte eine enge Beziehung zu diesem Landstrich, oder besser Küstenstrich, von Lancashire. Dieses Haus an der heutigen Ansdell Road South beherbergt jetzt ein Seniorenheim, das Starr Hills Care Home (hier ist ein Film darüber). Aus Verbundenheit zu Richard Ansdell wurde dieser Teil von Lytham St Annes später nach ihm benannt.

Richard Ansdell stammt aus Lancashire, er wurde in Liverpool geboren, wo er auch seine erste Ausstellung hatte. Im Alter von 37 Jahren verließ er mit seiner Familie seine Heimatstadt und ließ sich in London nieder. Elf Kinder zeugte er mit seiner Frau Maria Romer. In seinen Gemälden ging es oft beschaulich zu („A Spanish Shepherd„), manchmal waren aber auch dramatische Szenen zu sehen („The Hunted Slaves„). Ansdell starb 1885, beerdigt wurde er auf dem riesigen Brookwood Cemetery in Surrey.

Der Ortsteil Ansdell ist vor allem durch die Lytham St Annes High School bekannt geworden, die einen sehr guten Ruf in der Grafschaft besitzt.

Die Woodlands Road in Ansdell.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Spanish Shepherd (1863).
This work is in the public domain.

The Hunted Slaves (1861).
This work is in the public domain.

Richard Ansdells Grab auf dem Brookwood Cemetery in Surrey.
Author: Jack1956
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Leicester – Ein Hotspot der Corona-Pandemie

Leicester im Lockdown.
Author: Chris Hoare
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In den letzten Jahren ist die Stadt Leicester in Leicestershire vor allem durch zwei Ereignisse in den Vordergrund getreten: Durch das Auffinden der Gebeine König Richards III. unter einem Parkplatz in der Innenstadt und durch den unerwarteten Gewinn der Meisterschaft in der Premier League in der Saison 2015/16 durch den örtlichen Fußballverein Leicester City.

Leider kommt in diesem Jahr eine weitere Besonderheit hinzu, die man sich in der Stadt gern erspart hätte: Leicester ist einer der Hotspots in der Corona-Pandemie. Vor einigen Tagen lag die Zahl der Gesamtinfektionen bei 5329 bei einer Einwohnerzahl von etwa 355 000. Auch im Umland von Leicester in den Orten Charnwood, Blaby und Hinckley lagen die Infektionszahlen vergleichsweise hoch.

Warum hat es nun Leicester so schwer getroffen? Während in Deutschland es in einigen Regionen die fleischverarbeitende Industrie war, die für viele Infektionen sorgte, ist es in Leicester die Textilindustrie (ja, die gibt es dort noch, nicht alles ist nach Fernost verlagert worden), die zu einem beträchtlichen Teil für positive Tests verantwortlich war. Die Arbeitsverhältnisse sind in diesem Wirtschaftszweig skandalös; beschäftigt sind meist Menschen aus Osteuropa und Asien, darunter viele illegal. Gearbeitet wurde ohne Mindestabstand, ohne Masken in schlecht belüfteten Räumen. Trotz des Lockdowns wurde in einigen Betrieben weiter gearbeitet, auch mit Mitarbeitern, die positiv getestet worden waren. Ein Skandal, der nun durch Corona ans Tageslicht gekommen ist; hoffentlich sorgt die britische Regierung dafür, dass die Zustände wesentlich verbessert werden. Hier ist ein Film zum Thema.

Neben Leicester hat die Corona-Pandemie besonders in den Midlands zugeschlagen. Die Stadt Oldham beispielsweise weist mehr als 100 Fälle pro 100 000 Einwohner auf, in Blackpool haben die positiv Getesteten stark zugenommen. Die Region Greater Manchester ist mindestens noch bis zum 2. September im Lockdown. Im Süden ist es zur Zeit die Stadt Swindon in Wiltshire, die die größten Probleme mit Neuinfektionen hat. Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis in England Entwarnung gegeben werden kann.

 

Published in: on 30. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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