Oxbridge – Auf der Suche nach den besten Colleges

Die Nummer 1 in Cambridge im Jahr 2019 nach The Tompkins Table: Christ’s College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Nachdem ich im März eine ausgiebige Tour durch acht Colleges in Cambridge gemacht habe, dank meines Freundes, eines ehemaligen Juraprofessors, konnte ich mir ein besseres Bild davon machen, wie es hinter den Kulissen in den Universitätsgebäuden zugeht. Leider konnte ich etwas Vergleichbares in Oxford noch nicht tun.

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob nun Oxford oder Cambridge die bessere Adresse für eine Hochschulausbildung ist, eine Frage, die man pauschal sicher nicht beantworten kann. Es gibt aber Rankings, innerhalb der beiden Universitätsstädte, aber auch für beide zusammen, die einen Überblick geben, welche Colleges die besten der besten sind.

Für Cambridge gibt es The Tompkins Table, 1981 von Peter Tompkins, einem Studenten vom Trinity College, aufgestellt, ein Ranking, das bis heute jährlich veröffentlicht wird. Im Jahr 2019 liegt das Christ’s College zum zweiten Mal hintereinander auf Platz 1, das den Endlos-Spitzenreiter Trinity College vom seinem Podest gestoßen hat. Im Christ’s College haben 44% aller Studenten einen „first-class degree“ erhalten. Auf Platz 2 und 3 des Tompkins Tables liegen das Trinity College und das Pembroke College.

Was für Cambridge der Tompkins Table ist für Oxford der Norrington Table, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten des Trinity College  Sir Arthur Lionel Pugh Norrington. Die besten Abschlüsse für dieses Jahr machten nach diesem Ranking die Studenten des Merton College (Platz 1), des New College (Platz 2) und des Magdalen College (Platz 3).

Es gibt aber auch noch weitere Rankings, die zu anderen Ergebnissen kommen, so zum Beispiel das des Daily Telegraphs, der beide Universitätsstädte zum Vergleich heranzog. Vor wenigen Tagen veröffentlicht, stellte der Telegraph St John’s (Oxford) auf Platz 1, Trinity (Cambridge) auf Platz 2 und Magdalen (Oxford) auf Platz 3.

Man sieht, dass es unterschiedliche Ergebnisse dieser Rankings gibt; das definitiv beste Oxbridge-College ist also nicht auszumachen.

Oxfords Nummer 1 nach der Norrington Table: Merton College.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Für den Daily Telegraph Oxbridges Nummer 1: St John’s in Oxford.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Britische Premierminister und ihre Oxford Colleges

Christ Church College.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Christ Church College.
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Wer in Großbritannien Ambitionen hat, einmal Premierminister zu werden, der sollte unbedingt in Oxford studieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, diese politische Spitzenposition zu bekommen, als bei einem Studium in irgendeiner anderen Universitätsstadt. 25 Männer und eine Frau, die ein Studium in Oxford absolviert haben, schafften es, zumindest für ein paar Jahre in die Downing Street 10 einzuziehen.

Das Christ Church College kann sich stolz als Rekordinhaber bezeichnen, denn exakt die Hälfte aller P.M.s hat an dieser 1524 von Thomas Wolsey gegründeten Anstalt studiert. Aber in den letzten Jahrzehnten scheint das College in dieser Hinsicht etwas zu schwächeln, denn der letzte Premierminister, der hier seinen Abschluss gemacht hat, war Sir Alec Douglas-Home und der „regierte“ vom Oktober 1963 bis zum Oktober 1964. Weitere Christ Church-Absolventen waren u.a. Sir Anthony Eden, Premierminister von 1955-1957, der Marquess of Salisbury, der diese Position von 1885 bis 1902 dreimal bekleidete und William Ewart Gladstone, der im Zeitraum von 1868 bis 1894 gleich viermal P.M. war.

Die anderen Colleges wollten Christ Church natürlich nicht nachstehen und produzierten ebenfalls Spitzenpolitiker. Der gegenwärtige Premierminister David Cameron studierte am Brasenose College Philosophie, Politikwissenschaft und Ökonomie und zählte auf Grund seiner Fähigkeiten zu den Ausnahmestudenten dieser Ausbildungsstätte.

Camerons Vorgänger Tony Blair, der die Schicksale Großbritanniens von 1997 bis 2007 lenkte, hatte sein Studium im St John’s College absolviert. Die 1555 gegründete Universität an der St Giles Road zählt zu den wohlhabendsten der Stadt, an der auch schon bedeutende Schriftsteller wie Kingsley Amis, Robert Graves und Philip Larkin ihre Ausbildung absolvierten.

Die Eiserne Lady Margaret Thatcher (Premierministerin von 1979 bis 1990) studierte am Somerville College, das erst 1879 gegründet wurde und an dem ursprünglich nur Frauen zugelassen waren; erst seit 1994 dürfen hier auch Männer hinein. Das nach einer schottischen Mathematikerin und Astronomin benannte College ist an der Woodstock Road angesiedelt.

Der zweimalige Premierminister Harold Wilson (1964-1970 und 1974-1976) genoss seine Ausbildung im Jesus College an der Turl Street, 1571 von Elizabeth I. gegründet. Wilson studierte erst Neuere Geschichte, bis er dann, wie auch David Cameron, auf Philosophie, Politikwissenschaft und Ökonomie umschwenkte. Er bestand sämtliche Prüfungen mit Auszeichnung und soll einer der besten Studenten an St. John’s gewesen sein.

Wer wird nach David Cameron in Downing Street 10 einziehen? Der Oppositionsführer Ed Miliband? Der studierte übrigens auch in Oxford, am Corpus Christi College in der Merton Street, 1517 gegründet.

David Camerons Brasenose College.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

David Camerons Brasenose College.
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Tony Blairs St John's College.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tony Blairs St John’s College.
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Margaret Thatchers Somerville College. Author: Philip Allfrey. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Author: Philip Allfrey.
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Harold Wilsons Jesus College. Author: John Ward. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Harold Wilsons Jesus College.
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Ed Milibands Corpus Christi College.    © Copyright Marathon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 14. April 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Inspector Morse und Oxford – Geführte Touren durch die „City of Dreaming Spires“

Eigenes Foto.

Colin Dexter hat mit Inspector Morse eine der großen Figuren der englischen Kriminalliteratur geschaffen. Sowohl die Bücher als auch die TV-Serie mit dem großartigen John Thaw in der Titelrolle gehören zu meinen absoluten Favoriten. Die Stadt Oxford, in der alle Bücher bzw. Filme spielen, bildet jeweils den attraktiven Hintergrund.

1999 ließ Colin Dexter in dem Buch „The Remorseful Day“ (dt. „Und kurz ist unser Leben“) seinen Serienhelden sterben und seitdem hat der auch in Oxford lebende Schriftsteller kein Buch mehr veröffentlicht. John Thaw, der Inspector Morse in der TV-Serie verkörperte, starb im Jahr 2002.

In Deutschland ging man etwas lieblos mit dem Werk Colin Dexters um. Die Romane wurden zwar übersetzt und erschienen im Rowohlt-Taschenbuchverlag, verdient hätte er aber durchaus einige Hardcover-Ausgaben. Neu aufgelegt wurden die Krimis auch nicht und sind im Buchhandel nicht mehr lieferbar.
Nicht viel anders erging es der Fernsehserie. Einige Episoden wurden synchronisiert und im DDR-Fernsehen ausgestrahlt und das war’s dann auch.

So wie man in Edinburgh geführte Touren auf den Spuren von Ian Rankins Serienhelden Inspector Rebus mitmachen kann, so gibt es das gleiche auch in Oxford für Inspector Morse. Die Oxford Official Guided Walking Tours bieten diese Rundgänge jeden Samstag um 13.30 Uhr an, zeitweise zusätzlich noch montags und freitags. In zwei Stunden wird man auf diesen Touren (Kosten: £8.50 ) zu vielen wichtigen Stationen geführt, die in den Romanen bzw. Filmen eine Rolle gespielt haben.
Hier einige Beispiele:
– The Randolph Hotel mit seiner „Morse Bar„, in der man gelegentlich Colin Dexter antreffen soll (ich habe ihn bei meinem Aufenthalt dort leider nicht getroffen).
– Das dem Hotel direkt gegenüberliegende Ashmolean Museum of Art and Archaeology; spielt eine Rolle in „The Jewel That Was Ours“ (dt. „Tod für Don Juan“), verfilmt als „The Wolvercote Tongue“.
The Eagle and Child, eines der „Watering Holes“ des trinkfreudigen Inspectors, wo schon J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis zahlreiche Pints zu sich genommen haben.
The Sheldonian Theatre; Schauplatz für einen Mord in „The Twilight of the Gods“ (gibt es nur als Film, nicht als Buch).

Die Touren beginnen jeweils am Tourist Information Centre, 16 Broad Street.

Hier ein kleiner Appetithappen auf Morses Oxford.

Das Buch zum Artikel:
Bill Leonard: The Oxford of Inspector Morse and Lewis. The History Press 2008. 192 Seiten. ISBN 978-0752446219.

The Randolph Hotel in Oxford. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Darch

The Ashmolean Museum. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright R Sones

Published in: on 29. Juni 2012 at 02:00  Comments (3)  
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