Exzentriker – Kim Joseph Hollick De La Taste Tickell (1917-1990) – Gastwirt im The Tickell Arms in Whittlesford (Cambridgeshire)

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Wenige Kilometer südlich der Universitätsstadt Cambridge liegt das Dorf Whittlesford, das über zwei Pubs verfügt. Einer heißt Bees in the Wall (was auch stimmt, denn in einer der Mauern des Hauses wohnen schon seit Jahrzehnten Bienen), der andere The Tickell Arms, benannt nach der Familie Tickell, die einst den Lord of the Manor stellte.

Gastwirt im letztgenannten Pub war in den 1970er und 1980er Jahre ein Nachkomme dieser Familie, Kim Joseph Hollick De La Taste Tickell (1917-1990). Sein Pub war im Großraum Cambridge berühmt-berüchtigt, denn Mr Tickell hatte genaue Vorstellungen, wen er als Gäste haben wollte und vor allem, welche nicht. An der Eingangstür hatte er angeschlagen, wer im Pub nicht willkommen war und dazu gehörten beispielsweise Jeansträger, Menschen mit linksgerichteten, politischen Ansichten, Ohrringe tragende Männer, hippieartige Individuen und unbegleitete Frauen. Einen „vernünftigen“ Haarschnitt sollte man auch haben, um im Pub bedient zu werden.
Hatte man alle diese Bedingungen erfüllt, betrat man den Schankraum, in dem oft ohrenbetäubend laut Wagnermusik gespielt wurde, die unser Gastwirt über alles liebte. Wenn an manchen Abenden die Gäste zur Schließungszeit nicht rechtzeitig den Pub verlassen hatten, schickte er auch schon mal seine Hunde hinein. Einmal legte sich der Wirt mit Arbeiterinnen der örtlichen Firma Phoenix Tinsel Products an, die Weihnachtsdekorationen herstellten, und warf ihnen vor, vulgäre Sprache zu benutzen und bediente sie nicht, woraufhin sie ihm die Hose herunterzogen. Es ging also hoch her im The Tickell Arms.

Kim Joseph Hollick De La Taste Tickell, der mit einem Deutschen namens Siegfried liiert war, pflegte morgens im Fischteich seines Gartens nackt zu baden, was ihm dann wohl den richtigen Schwung verlieh, seine Exzentrik den ganzen Tag über auszuüben.

Der heutige Pub ist im Good Pub Guide erwähnt, in meiner etwas älteren Ausgabe steht „Staff are neatly dressed and friendly“; es sind also wieder ruhige Zeiten eingekehrt in Whittlefords Pub.

The Tickell Arms
North Road, Whittlesford,
Cambridge, CB22 4NZ

Siehe auch meinen Blogeintrag über einen anderen „rude landlord“, Norman Balon vom The Coach & Horses in London.

Published in: on 26. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Fox and Hounds in Caversham bei Reading in Berkshire – Schauplatz eines Auftritts der Nerk Twins im Jahr 1960

Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

Am 23. April 1960, es war der Ostersamstag, besuchten zwei junge Männer aus Liverpool den Pub The Fox and Hounds in der Gosport Road Nummer 51 in Caversham, einem Vorort der Stadt Reading in Berkshire. Sie arbeiteten einige Stunden hinter dem Bartresen, zapften Bier für die durstigen Pubbesucher und bereiteten sich mental für ihren Auftritt am Abend vor, denn sie sollten im Fox and Hounds Musik machen. The Nerk Twins, wie sich die beiden Männer nannten, waren in Caversham unbekannt, aber das störte niemanden der Anwesenden, die sich am Samstag vor Ostern einfach nur amüsieren wollten. Die Nerk Twins begannen mit einem Song von Les Paul und Mary Ford, „The World is Waiting for the Sunrise„, den das Duo aus den USA zu einem Welterfolg gemacht hatte. Die weiteren Songs des Abends hatte ihnen der Gastwirt des Fox & Hounds vorgeschlagen. Übrigens: Die richtigen Namen der beiden Vortragenden waren John Lennon und Paul McCartney; die Wirtin war Pauls Cousine Betty.
Hätte man John und Paul damals gesagt, das viele Jahrzehnte später einmal eine blaue Plakette die Außenwand des Pubs verzieren würde, die auf ihren Kurzauftritt in Caversham hinweist, sie hätten es nie geglaubt. BBC Radio Berkshire hat im Jahr 2017 für die Erinnerungsplakette gesorgt. Die Handzettel, die John und Paul damals selbst für ihren Auftritt angefertigt hatten, existieren wohl nicht mehr. Sollte jemals einer von ihnen wieder auftauchen, hätte er in Sammlerkreisen einen geschätzten Wert von rund £100,000.

Aus dem Pool Room des Pubs haben die Besitzer einen Beatles Room gemacht mit Memorabilien des weltberühmten Quartetts, die sie unter anderem vom Cavern Club in Liverpool und der Beatles Society erhalten haben.
Hier ist ein kurzer Film über den Auftritt der Nerk Twins.

The Fox and Hounds
51 Gosbrook Road
Caversham RG4 8BS

Photo: Peter Olding.
Creative Commons 4.0

Published in: on 15. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Pub Saving Award der CAMRA

The Plough Inn in Longparish (Hampshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

The Pub Saving Award recognises people that have come together to save a pub that would have otherwise been demolished or converted to another use. It aims to secure publicity for pub-saving campaigns to encourage others to save their local„.

So steht es auf den Webseiten der CAMRA, der Campaign for Real Ale, zu lesen. Immer wieder habe ich in meinem Blog über die Initiativen geschrieben, die in England unternommen werden, um Pubs am Leben zu erhalten beziehungsweise, sie wieder ins Leben zurückzuholen, zuletzt war es The Brewers Arms in West Malvern in Worcestershire.

Die einflussreiche CAMRA unterstützt diese Initiativen, zum Beispiel durch die Vergabe des Pub Saving Awards, der für das Jahr 2022 dem The Plough Inn in Longparish in der Grafschaft Hampshire zugesprochen worden ist. Das Dorf am River Test rettete seinen Pub, der im Jahr 1721 erbaut und im Dezember 2015 geschlossen worden ist, vor dem endgültigen Ende. Eigentlich sollte der Gasthof in ein Wohnhaus umgebaut werden, doch jetzt fließen aus den Zapfhähnen des Pubs wieder Ale und andere Getränke, und das Dorf kann stolz auf sich sein.

Auf dem zweiten Platz landete ein Pub, der schon im Mai 2014 geschlossen worden war, und der durch die hartnäckigen Bemühungen der Bewohner des 500-Einwohner Ortes mit dem schönen Namen Helions Bumpsteads in Essex gerettet wurde: The Three Horseshoes. Im Dezember 2021 konnte er nach umfangreichen Umbaumaßnahmen seinen vollen Betrieb wieder aufnehmen; die CAMRA würdigte das.

The Three Horseshoes in Helions Bumpstead (Essex).
Photo © Robert Edwards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Pubs in the snow

Ich liebe die verschneiten englischen Landschaften; ich liebe verschneite Pubs. Was für eine wunderschöne Stimmung! Ich habe heute einmal einige, wie ich finde, besonders ansprechende Fotos zusammengestellt, die Pubs in the snow zeigen. Ich hoffe, sie gefallen.

The Ypres Castle Inn in Rye (East Sussex.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Zwei Pubs in der George Street in Hastings (East Sussex). Links The Anchor, rechts Ye Olde Pumphouse.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

The Newbold Crown in Newbold on Avon (Warwickshire).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Von Schneemassen begraben: The Lion Inn im North York Moors National Park (North Yorkshire).
Photo © Colin Grice (cc-by-sa/2.0)

The Plough in Cuddy Hill (Lancashire).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The Snowshill Arms in Snowshill (Gloucestershire).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The George and Dragon in Shutford (Oxfordshire).
Photo © G Olsson (cc-by-sa/2.0)

The Crown in Badshot Lea (Surrey).
Photo © Tim Wilcock (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Dezember 2022 at 02:00  Comments (3)  

The Brewers Arms – Ein wiederauferstandener Pub in West Malvern (Worcestershire)

Photo © Dave Croker (cc-by-sa/2.0)

Wenn man die ganzen Negativmeldungen über geschlossene Pubs hört, so freut es besonders, wenn eigentlich schon totgesagte Gasthäuser durch Reanimation doch wieder ins Leben zurückgeführt werden. So gerade eben geschehen in dem 1385 Einwohner zählenden Dorf West Malvern in der Grafschaft Worcestershire. Dort wurde im Juni der 190 Jahre alte Pub The Brewers Arms geschlossen, Zukunft ungewiss. Damit wollten sich die Bewohner von West Malvern auf keinen Fall zufrieden geben. Sie setzten sich vehement für den Erhalt ihres Dorfpubs ein, sammelten £400,000 und kauften ihn. Ein Heer von freiwilligen Helfern, inklusive der Pfarrerin der örtlichen Gemeinde St James, brachten The Brewers Arms wieder auf Vordermann und eröffneten ihn am letzten Samstag, dem 10. Dezember. Da noch kein neuer Wirt gefunden werden konnte, stellen sich einige Dorfbewohner eben selbst hinter den Tresen und zapfen Bier, wiederum inklusive der Pfarrerin.

In der Vergangenheit ist The Brewers Arms schon mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem als Best Village Pub durch die CAMRA ( Campaign for Real Ale) im Jahr 2008 und Pub of the Year in Worcestershire im Jahr 2010, ebenfalls durch die CAMRA. Da der Pub eine außergewöhnlich schöne Lage mit Blick auf die Malvern Hills hat, erhielt er auch einmal die Auszeichnung Best Pub View der Regionalzeitung Morning Advertiser. Da der Gasthof nicht direkt an der Hauptdurchfahrtsstraße, der B4232, der West Malvern Road, liegt, muss man schon darauf achten, dass man nicht an ihm vorbei fährt, wenn man dort ein Pint trinken möchte.

The Brewers Arms ist der einzige noch verbliebene Pub in West Malvern, nachdem The Lamb vor zehn Jahren geschlossen worden ist.

The Brewers Arms
Lower Dingle
Malvern WR14 4BQ

St James in West Malvern. Wenn die Pfarrerin etwas Zeit erübrigen kann, hilft sie im The Brewers Arms aus.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

Die Energiekrise in Großbritannien und das fortschreitende Pubsterben

The Red White And Blue in Featherstone (Staffordshire) wurde in diesem Jahr geschlossen.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Die Energiekrise hat Großbritannien fest im Griff. Menschen mit niedrigem Einkommen wissen nicht mehr wie sie ihre Strom- und Gasrechnungen bezahlen sollen. Immer mehr müssen die Tafeln aufsuchen, wo sie Unterstützung bei der Essensbeschaffung erhalten. Woran kann diese Personengruppe noch sparen? Am Pubbesuch zum Beispiel.

Nachdem die Coronakrise und die damit verbundenen Lockdowns das sowieso schon alarmierende Pubsterben beschleunigt hatte, schlittern die Pubs nun in die nächste, wohl noch größere Krise. Die Energiekosten sind explodiert; wie soll man die auffangen? Erhöht man die Preise für Getränke und Essen kommen noch weniger Leute in die Pubs, also bleiben nur wenige Optionen: Reduzierung der Öffnungsstunden, Reduzierung der Öffnungstage, Personalentlassungen oder, als letzte Lösung, die komplette Schließung des Pubs.

Düstere Schlagzeilen sorgen für Entsetzen; da ist die Rede davon, dass 70% der britischen Pubs den Winter nicht überstehen werden, wenn keine finanzielle Unterstützung von Seiten der Regierung kommt. Schon im vorigen Jahren haben mehr als 400 Pubs ihre Pforten für immer geschlossen. Etwa 80% aller Pubbetreiber sagen, dass sie die hohen Energiekosten ohne Hilfe nicht mehr schultern können. Dazu kommt die hohe Inflation, die zur Zeit über 10% liegt.

Kurzfristig liegt die Hoffnung bei einigen Pubs auf dem Weihnachtsgeschäft und auf der Fußball-WM in Katar, die möglicherwiese vermehrt Leute in die Gaststuben zieht.

Hier ist ein Film über die Energiekrise der Pubs.

Published in: on 21. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Clissold Arms – Ein Londoner Pub und eine weltberühmte Rockgruppe

Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Frederick George Davies (1902–1975) arbeitete in einem Londoner Schlachthaus, eine Arbeit, die offenbar sehr durstig machte. Wie gut, dass direkt gegenüber von seinem Wohnhaus Denmark Terrace Nummer 6 in der Straße Fortis Green (gleichzeitig die A504) im Londoner Stadtteil Muswell Hill der Pub The Clissold Arms auf Gäste wartete, und so wurde Frederick dort ein „Regular“. Zwei seiner Kinder, Raymond Douglas und David Russell Gordon erblickten in dem Reihenhaus das Licht der Welt; beide sollten als The Kinks zu Superstars in der Welt des Rock und Pop werden.

The Clissold Arms, der noch heute seine Pforten geöffnet hat, sollte für jeden Fan der Kinks ein Wallfahrtsort sein, denn der Pub beherbergt jede Menge Memorabilien von Ray und Dave. Da sind die Wände mit Fotos voll gehängt, Textzeilen von vielen berühmten Songs sind an den Wänden zu finden, es gibt eine Plakette mit der Aufschrift „Site of the 1957 performing debut of Ray and Dave Davies“, die erste mit Unterschriften versehene Single der beiden, eine Coverversion von Little Richards „Long Tall Sally“ (hier zu hören), und jede Menge Albumcover. Am 21. Dezember 2010 wurde der Kinks Room im Pub in Anwesenheit von Ray Davies feierlich eröffnet, wo alle diese Dinge zu bewundern sind.

Ray und Dave Davies sind dem Clissold Arms und der Straße Fortis Green immer treu geblieben; in dem Song „Fortis Green“ singt Dave „“Mum would shout and scream when dad would come home drunk, When she’d ask him where he’d been, he said Up The Clissold Arms, Chattin‘ up some hussy, but he didn’t mean no harm“. 

Heute ist The Clissold Arms ein stylish eingerichteter Pub mit Restaurant und Cocktailbar, in dem regelmäßig Bands auftreten und Veranstaltungen stattfinden wie Backgammon- und Schachabende.

The Clissold Arms
105 Fortis Green
Muswell Hill
London N2 9HR

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

6 Denmark Terrace, Fortis Green. Geburtshaus der beiden Davies-Brüder.
Photo: I.M.S.
Creative Commons 3.0

Published in: on 7. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Drei Pubs in Northumberland und wie sie frierenden Menschen in diesem Winter helfen wollen

The Anglers Arms in Longframlington.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die derzeitige britische Regierung unter Noch-Premierministerin Liz Truss erweckt den Eindruck, dass sie nicht so recht weiß wie sie die Probleme des Landes in den Griff bekommen kann. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nehmen zu (auch auf Grund des Brexits?), immer mehr Menschen wissen nicht wie sie in den kommenden Wintermonaten über die Runden kommen sollen, die Energiepreise sind in ungeahnte Höhen geklettert, so dass manche fürchten, es sich nicht mehr leisten zu können, die Heizung anzustellen.

In Englands nördlichster Grafschaft Northumberland, dort wo es kälter werden kann als im Süden, haben sich drei Pubs dazu entschlossen, für diese Menschen aktiv zu werden und ihnen zu helfen: The Anglers Arms in Longframlington, The Percy Arms in Chatton und The Olde Ship in Seahouses. Sie gehören alle drei zu der Inn Hospitality Group, die in der Coronazeit gegründet wurde und zu der auch noch The Derwent Arms in Edmundbyers gehört. Die Pubs halten ihre Türen für jedermann offen, der/die zu Hause friert, einsam ist und Gesellschaft sucht, wobei diese Menschen nicht unbedingt etwas trinken oder verzehren müssen. Das den ganzen Tag über prasselnde Kaminfeuer sorgt für Wärme und jeder kann solange bleiben wie er/sie möchte. Die drei Pubs haben sogar jeweils eine Mini-Bibliothek aus Buchspenden eingerichtet, zu der beitragen kann wer möchte und dafür ein kostenloses heißes Getränk erhält. Auch Thermosflaschen werden kostenlos mit heißem Wasser aufgefüllt. Im Anglers Arms gibt es mittags zusätzlich für alle, die über sechzig Jahre alt sind, eine Suppe, auch das ohne Berechnung.

Eine großartige Idee!!

The Percy Arms in Chatton.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)
The Olde Ship in Seahouses.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Community Pub Hero Awards

The Portsmouth Arms in Hatch Warren (Hampshire), Empfänger des Community Pub Hero Awards 2021.
Photo: Mike Cattell.
Creative Commons 2.0

Über die Rolle, die Pubs in der englischen Gesellschaft spielen, habe ich in meinem Blog schon mehrfach hingewiesen. Umso schlimmer, wenn immer mehr von ihnen ihre Pforten für immer schließen müssen. Immer wieder gibt es in den Pubs Initiativen wie sie in ihren Dörfern beziehungsweise Städten Wohltätigkeitsorganisationen unter die Arme greifen können. Rund £100 Millionen kommen auf diese Weise Jahr für Jahr zusammen.

Seit einigen Jahren werden die Community Pub Hero Awards verliehen, an die Pubs, die sich in dieser Beziehung besonders hervorgetan haben. Die 2009 gegründete Organisation PubAid führt diesen Wettbewerb durch, an dem jeder Pub im ganzen Land teilnehmen kann. In diesem Jahr werden die Preise in den Kategorien Community Support Pub Hero, Charity Fundraising Pub Hero und Community Regular Hero verliehen. Nach Teilnahmeschluss erstellt eine Jury in allen Kategorien eine Shortlist, deren Finalisten, zusammen mit ihren jeweiligen Parlamentsabgeordneten, nach London eingeladen werden, wo der Gesamtsieger gekürt wird. Gesponsert werden die Awards auch von der All-Party Parliamentary Beer Group, einer parteiübergreifenden Gruppe von Parlamentariern, deren Aufgabe es ist „to promote the wholesomeness and enjoyment of beer and the unique role of the pub in UK society“.

Im letzten Jahr, als es erst einen einzigen Pub Hero Award gab, war der Gewinner The Portsmouth Arms in Hatch Warren, einem Stadtteil von Basingstoke (Hampshire). Dort hatte der General Manager Rich Curtis während der Coronazeit ein virtuelles Pubquiz über Facebook ins Leben gerufen, das in kurzer Zeit £9,000 für wohltätige Zwecke eingebracht hatte. Im Jahr 2020 kam Rich Curtis sogar ins Guinness Buch der Rekorde mit der längsten Quizmaster Session aller Zeiten, die 34 Stunden und 11 Minuten dauerte und £21 000 für die ortsansässige Pink Place Cancer Charity einbrachte. Ein wahrer Pub Hero!

Published in: on 29. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Beerwolf Books – Ein Pub in Falmouth (Cornwall) für lesefreudige Biertrinker

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Dass es Buchhandlungen gibt, in denen man einen Kaffee trinken kann, ist nicht ganz so ungewöhnlich, aber dass dort Bier ausgeschenkt wird schon. Beerwolf Books in der Stadt Falmouth an der Südküste der Grafschaft Cornwall ist ein Zwitter: Eine Buchhandlung mit angeschlossenem Pub beziehungsweise ein Pub mit angeschlossener Buchhandlung. Auf jeden Fall kommen hier sowohl Biertrinker als auch Lesefreudige auf ihre Kosten.

Im Dezember 2012 öffnete Beerwolf Books erstmals seine Pforten in den ehemaligen Räumlichkeiten des Falmouth Working Men’s Club. Es war ein Versuch, diese Kombination Bier + Buch, die aber viele Freunde gefunden hat. Bei den Büchern handelt es sich nicht um Neuware, sondern um Second Hand Books beziehungsweise Remittenden. In der Buchabteilung sind Tische und Stühle aufgestellt, so dass man sich in das Buch seiner Wahl schon einmal vertiefen kann; in der Abteilung Bier bekommt man sieben Biere vom Fass, darunter immer wieder wechselnde „Gastbiere“ von Mikrobrauereien der Region. Da Beerwolf Books keine Küche hat, kann sich jeder sein Essen selbst mitbringen. Der Name „Beerwolf“ ist möglicherweise ein Wortspiel mit „Beowulf„, dem altenglischen, epischen Heldengedicht.

Beerwolf Books
3 Bells Court
Falmouth
TR11 3AZ

Published in: on 2. September 2022 at 02:00  Comments (4)  

Helen Browning’s Royal Oak in Bishopstone (Wiltshire) – Inn of the Year 2022 des Good Hotel Guides

Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Helen Browning betreibt seit 1986 eine Farm in Bishopstone (Wiltshire), ein paar Kilometer östlich von Swindon gelegen. Auf der Eastbrook Farm wird alles organisch angebaut. Helen plante schon als Kind den Bauernhof ihres Vaters zu übernehmen, und sie hat ihn zu einem erfolgreichen Unternehmen ausgebaut. Sie war Chief Executive der Soil Association, einer Organisation, die sich gegen Intensivlandwirtschaft wendet und sich für die Zertifizierung von Bio-Lebensmitteln einsetzt. Dieser Film zeigt eine Tour durch die Farm.

Am Cues Lane in Bishopstone betreibt Helen Browning auch einen Pub, The Royal Oak, einen Dining Pub, der ebenfalls zwölf Zimmer zur Übernachtung anbietet. Die Tester vom The Good Hotel Guide waren von The Royal Oak dermaßen begeistert, dass sie ihn in diesem Jahr zum Inn of the Year kürten. Im Mittelpunkt des Speiseangebots stehen selbstverständlich Produkte von der Eastbrook Farm, also Schweine- und Rindfleisch, Eier, beziehungsweise von Farmen aus der näheren Umgebung. Das im Pub servierte Eis stammt von den Milchkühen der Farm, zusätzlich wird auch veganes Eis angeboten.
Die Biere, die im Pub ausgeschenkt werden, kommen von der Arkell’s Brewery im benachbarten Swindon.

Helen Browning’s Royal Oak
Cues Lane, Bishopstone
Nr Swindon
SN6 8PP

Hier geht’s lang zur Royal Oak.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

The Flask im Londoner Bezirk Highgate – Ein Pub, in dem es nicht immer mit rechten Dingen zugeht und in dem ein kurioser Brauch ausgeübt wird

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

77 Highgate West Hill, so lautet die Adresse des Londoner Pubs The Flask, nur ein paar Schritte vom Highgate Cemetery entfernt. Ein idealer Ort, wie sich erwies, als die im 19. Jahrhundert aktiven Grabräuber, gerade erst verstorbene und beerdigte Menschen wieder ausbuddelten, und die Leichen experimentierfreudigen Ärzten anboten, damit diese dort ihre Sezierarbeiten durchführen konnten. In dem dafür verwendeten Raum ist heute das Restaurant, The Committee Room, untergebracht.

The Flask beherbergt auch einige Geister, die hier umgehen sollen. Da ist einmal ein spanisches Barmädchen, das sich unsterblich in den Besitzer des Pubs verliebt hatte, und die sich, als die Liebe nicht erwidert wurde, im Keller aufhängte. Ein weiterer „ghostly guest“ ist ein Cavalier, wie die Unterstützer Charles I. im Civil War genannt wurden, der hin und wieder durch den Hauptgastraum stolziert und in einer Säule verschwindet.

Berühmte Literaten gingen im The Flask aus und ein, als da wären Lord Byron, Percy B. Shelley, John Keats und Samuel Taylor Coleridge; auch der Maler William Hogarth war hier häufig anzutreffen.

Das Gasthaus in Highgate ist schon sehr alt; bis ins 17. Jahrhundert reichen einige Gebäudeteile zurück. Sehr alt ist auch ein Brauch, der in einigen Highgate Pubs, auch im The Flask, noch immer ausgeübt wird: The Swearing on the Horns. Dabei schwören die dazu bereiten Gäste, dass sie, wenn immer möglich weißes statt braunes Brot essen werden, dass sie auf alkoholarmes Bier verzichten und dafür starkes Bier trinken, dass sie nicht das Barmädchen küssen dürfen, wenn sie stattdessen auch die Hausherrin küssen könnten, es sei denn, ihnen gefällt das Barmädchen besser (oder man küsst beide). Wenn man den Schwur geleistet hat, wird man zum Freeman of Highgate und genießt einige Privilegien, dazu gehört unter anderem, dass man sofort das hübscheste Mädchen im Pub küssen darf.
Der Eid wird im The Flask vor einem 200 Jahre alten Widderhorn geleistet; bei anderen Pubs in Highgate variiert die Zeremonie etwas. Da ich keinen Film über The Swearing on the Horns im The Flask gefunden habe, ist hier stattdessen die Zeremonie im The Wrestlers Pub zu sehen.

The Flask
77 Highgate West Hill
London N6 6BU

Photo: cohodas280c.
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Photo: Images George Rex.
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Die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy und The Bull Inn in Bottesford (Leicestershire)

Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Mit dem Filmkomiker Stan Laurel (1890-1965) und seinem Kompagnon Oliver Hardy (1892-1957) habe ich mich in meinem Blog schon zweimal beschäftigt, einmal mit Laurels Statue in North Shields (Tyne and Wear) und einmal mit Stans Geburtsort Ulverston in Cumbria.

In meinem heutigen Blogeintrag laufen uns „Dick und Doof„, wie sie in Deutschland genannt werden, noch einmal über den Weg und zwar in dem Ort Bottesford in Leicestershire, genauer gesagt im The Bull Inn. Nachdem sie im April 1952 im Empire Theatre in Nottingham bei einer Comedyshowshow aufgetreten waren, machten sie einen Abstecher in den Pub, den damals Stans Schwester Olga Healey zusammen mit ihrem Mann Bill betrieb. Zu Weihnachten kamen die beiden wieder und halfen Olga hinter der Theke beim Bierzapfen, was natürlich bei den Dorfbewohnern für Aufregung sorgte. Eine bessere Werbung hätte The Bull Inn kaum haben können.

Noch heute zehrt der Pub von den Besuchen der beiden Comedians, denn an den Wänden sind Fotos aufgehängt und man findet weitere Memorabilia in den Räumen. Eine Tafel außen am Pub weist auf die illustren Gäste hin.

The Bull Inn verspürte nach der Veröffentlichung des Kinofilms „Stan & Ollie“ (in Deutschland lief der Film unter demselben Titel) im Jahr 2018 Zuwachs bei den Gästen. Der Film spielt in den frühen 1950er Jahren, und da wollten so manche Kinobesucher den Pub einmal in Augenschein nehmen. Gedreht worden ist im Pub nicht, auch nicht in Bottesford.

Da wir gerade in Bottesford sind: Hier lohnt sich ein Besuch der Dorfkirche St Mary’s, wo die Dukes of Rutland vom Belvoir Castle ihre Familiengruft haben. Mehr dazu siehe in meinem Blogeintrag „Die Hexen vom Belvoir Castle„.

The Bull In
5 Market Street
Bottesford
NG13 0BW

Memorabilia im Pub.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0
…und weitere Erinnerungsstücke.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0
Tafel außen am Pub.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0

The Admiral Wells – Großbritanniens tiefstgelegener Pub in Holme (Cambridgeshire)

Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Am 12. August 2012 schrieb ich in meinem Blog über Großbritanniens höchstgelegenen Pub, den Tan Hill Inn, der nach eigenen Angaben 1732 Fuß, entsprechend 527 Meter, in North Yorkshire liegt. Wo findet man aber sein Gegenstück, das tiefstgelegene Gasthaus im Land? Da tippt man doch automatisch auf die Region East Anglia…und das ist auch richtig. Das riesige Feuchtgebiet der Fens, das trockengelegt worden ist und als Weide- und Ackerland verwendet wird, liegt teilweise unter dem Meeresspiegel, und da finden wir unseren Pub The Admiral Wells in Holme in Cambridgeshire, der etwa drei Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Wer auf der A1 (M) nordwärts oder südwärts fährt, kann bei Junction 15 respektive Junction 16 abfahren und dem Admiral Wells einen Besuch abstatten, denn der Pub liegt nur wenige Fahrminuten entfernt. Das Free House, das schon einmal einen Gold Award der Campaign For Real Ale erhalten hat, wurde nach Vice Admiral Thomas Wells (1759 – 1811) benannt, dessen Familie in der Region ansässig war. Thomas Wells diente als Kommandeur mehrerer Schiffe der Royal Navy und war 1805 einer der Sargträger bei Lord Nelsons Beerdigung in London.

Im Pub haben die Gäste die Auswahl unter mehreren Real Ales, darunter die von der Adnam’s Brewery aus Southwold in Suffolk, und sehr schön fand ich den Hinweis, dass die Speisekarte für Kinder auch von Kindern zusammengestellt worden ist.

The Admiral Wells
41 Station Road
Holme
Peterborough

PE7 3PH

Published in: on 28. Juni 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Golden Fleece – Yorks gruseligster Pub

Eigenes Foto

Als wir einmal zur Mittagszeit ein Bier im Golden Fleece in York (North Yorkshire) tranken, war von einer gruseligen Atmosphäre hier nichts zu spüren. Yorks „most haunted pub“ liegt den Shambles gegenüber, jener kleinen, tagsüber wuseligen, aber abends meist sehr ruhigen Gasse. Wie vieles in York ist auch The Golden Fleece sehr alt, bis auf das Jahr 1503 kann man die Spuren des Hauses zurückverfolgen.

Wenn man den Gasthof betritt, kommt man erst in eine kleine Bar, von der aus ein schmaler, schiefer Korridor in einen weiteren größeren Raum führt. Zu essen gibt es hier vor allem Burgers und Baguettes; der Koch liebt aber auch die Tex-Mex- und die asiatische Küche.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehörte The Golden Fleece dem Bürgermeister von York, einem gewissen John Peckett, und dessen Frau, Lady Alice Peckett, ist eine der vielen Spukgestalten, die hier nachts durch die Gänge und Korridore wandern und den Gästen der vier Zimmer, in denen man übernachten kann, den Schlaf rauben. So mancher Gast soll schon vor den unheimlichen Besuchern, die durchaus auch in die Zimmer kommen, geflohen sein und sich nie mehr im Pub hat blicken lassen.

Diese Berichte über die nächtlichen geisterhaften Aktivitäten lockten natürlich auch das Fernsehteam von „Most Haunted“ des Senders LivingTV nach York, das hier die Nachtstunden verbrachte und so manches Unheimliche erlebte. Hier ist der erste Teil der Sendung zu sehen.

„We hope you will visit us at the Golden Fleece and we’re sure you will enjoy your stay even though we can’t guarantee that things will go bump in the night for you. But when you visit the most haunted pub in one of Britain’s most haunted cities, there’s a frightening chance that something strange just might happen!“ So stand es einmal auf der Homepage des Golden Fleece, eine Einladung, der man doch nun wirklich nicht widerstehen kann!

The Golden Fleece
16 Pavement
York, North Yorkshire
YO1 9UP

Eigenes Foto
Ein unheimlicher Gast im Golden Fleece.
Foto: benbrown1.
Creative Commons 2.0

Ye Olde Trip to Jerusalem – Englands ältester Pub in Nottingham?

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Wer ist nun wirklich Englands ältester Pub? Es gibt mehrere, die sich um diese Ehre streiten, von denen „The „Ferry Boat Inn“ in Holywell bei St. Ives (Cambridgeshire), „Ye Olde Fighting Cocks“ in St. Albans (Hertfordshire) und „Ye Olde Trip to Jerusalem“ in Nottingham die wahrscheinlichsten Kandidaten sind.

Letzterer (AD 1189) behauptet es jedenfalls steif und fest. Es handelt sich hier nicht nur um einen Pub, „Ye Olde Trip to Jerusalem“ ist mehr ein Happening, denn es ist jede Menge los. In den Kellergewölben, die man in einer 20minütigen Führung besichtigen kann, treiben einige Geister ihr Unwesen, in einem eigenen Souvenirladen kann man sich mit Andenken aus dem „Trip“ eindecken und dann gibt es immer wieder Aktionen wie Bierfestivals etc.

Natürlich gibt es hier auch eine breite Palette an Bieren u.a. ein Ale, das „Olde Trip“ heißt und von der Greene King Brewery in Bury St Edmunds (Suffolk) hergestellt wird.

Der alte Inn liegt zu Füßen des Nottingham Castles und ist in den Berg hineingebaut worden; ein wirklich hübscher Pub, sowohl innen wie außen und auf jeden Fall einen Besuch wert, ob er nun der älteste Pub ist oder nicht.

Hier ist ein Film über die unheimliche Seite des Pubs.

Ye Olde Trip to Jerusalem
Brewhouse Yard
Nottingham England
NG1 6AD


Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)
The Cursed Galleon (siehe obiger Film).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. April 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Flying Childers Inn in Stanton-in-Peak (Derbyshire) – Ein Pub, in dem sich nicht nur Menschen wohlfühlen

Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich ein Hund wäre und Herrchen und Frauchen mich mit auf eine Urlaubsreise nach England nehmen würden, dann würde ich darauf bestehen, in den Peak District in ein Dörfchen namens Stanton-in-Peak zu fahren und dort den Pub The Flying Childers aufzusuchen. Warum? Weil Richard und Sophie, die das Gasthaus leiten, innerhalb der Great British Pub Awards als hundefreundlichster Pub von ganz Großbritannien ausgezeichnet wurde. Menschen mögen dieses Haus aber auch sehr, vor allem diejenigen, die eine Schwäche für ganz ursprüngliche Pubs haben. The Flying Childers Inn hat auch da etwas zu bieten, er wurde 2019 zum Unspoilt Pub of the Year gekürt.

Auf die hier immer willkommenen Vierbeiner warten beispielsweise selbstgemachte Hundekuchen und ein Canine Menu, das sie verspeisen können, während sich die Zweibeiner an einem Toasted Ciabatta und einem Bier aus der Eyam Brewery gütlich tun. Eyam ist ein Dorf in Derbyshire, das während der Schwarzen Pest 1665 stark dezimiert wurde (siehe dazu meinen Blogeintrag). Die Biere aus der Brauerei nehmen darauf Bezug und heißen Black Death, Quarantine, All Fall Down, Eyam Plague und Bubonic Orange. Der Pub hält sogar ein spezielles Bier für Hunde (alkoholfrei!) vorrätig, das passenderweise Bottom Sniffer heißt.
Hier ist ein Film über das Gasthaus.

Noch ein Wort zum Namen des Pubs. The Flying Childers war das berühmteste Rennpferd des 18. Jahrhunderts, das dem zweiten Duke of Devonshire gehörte. Sein Züchter war Colonel Leonard Childers.

The Flying Childers Inn
Main Road
Stanton in Peak
Matlock
DE4 2LW

The Flying Childers. Gemälde von James Seymour (1702-1752).
This work is in the public domain.

The Vicar’s Pele Tower in Corbridge (Northumberland) – Erst Pfarrhaus, heute Mikro-Pub

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns noch einmal nach Northumberland an den River Tyne, wo ich erst kürzlich über den Hexham Salmon Run berichtete. Nur ein kleines Stück weit flussabwärts von Hexham liegt Corbridge, eine kleine Stadt mit rund 4000 Einwohnern. Dort am Marktplatz steht die St Andrew’s Church, eine wunderschöne Kirche, deren älteste Teile bis ins achte Jahrhundert zurückreichen. Doch die Kirche steht nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrags, sondern The Vicar’s Pele Tower, der auf dem Kirchhof von St Andrew’s zu finden ist und an den sich einige Grabsteine anschmiegen. Pele Towers sind Wachtürme, die im englisch-schottischen Grenzbereich dafür vorgesehen waren, vor marodierenden und mordenden Banden, den sogenannten „border reivers„, zu warnen (Näheres über diese Türme sind in einem gesonderten Blogeintrag zu finden).

Dieser Turm hier in Corbridge wurde im Jahr 1318 erbaut und diente dem Pfarrer von St Andrew’s als Pfarrhaus und das bis in das frühe 17. Jahrhundert. Dann stand der Pele Tower leer bis ihn der Duke of Northumberland 1910 wieder aufhübschen ließ. Natürlich diente der Turm nicht mehr als Pfarrhaus, dafür war die Fläche zu klein, in jedem der Stockwerke befindet sich nur ein Raum. Vor sechs Jahren wurde The Vicar’s Pele Tower im Inneren komplett umgestaltet und für Veranstaltungen und Hochzeitsfeiern genutzt. Jetzt ist im Turm ein Mikro-Pub untergebracht, man kann sein Getränk auf einem der Stockwerke genießen oder draußen vor der Tür, wo es nicht so beengt zugeht. Ein sehr stylish eingerichteter Pub mit sehr viel Atmosphäre.

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch Corbridge in Northumberland.

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

The Earl of St Vincent – Der „Uhren-Pub“ in Egloshayle bei Wadebridge in Cornwall

Photo © William Bartlett (cc-by-sa/2.0)

Admiral Sir John Jervis (1735-1823) wurde der erste Earl of St Vincent, weil er als Oberbefehlshaber der britischen Flotte maßgeblich bei der Seeschlacht von St Vincent am 14. Februar 1797 beteiligt war. Nur die wenigsten wissen wohl, wo St Vincent zu finden ist; es handelt sich nicht um die Karibikinsel, sondern um das Kap St Vincent an der portugiesischen Algarveküste. Sir John Jervis war in vielen Kriegen aktiv und erreichte trotzdem das hohe Alter von 88 Jahren. Er soll an Bord seiner Schiffe ein strenges Regiment geführt und seine Untergebenen hart bestraft haben, wenn sie nicht so wollten wie er das für richtig hielt.

Diese Denkweise hat der Wirt des nach dem Admiral benannten Pub The Earl of St Vincent in dem kleinen Dorf Egloshayle vor den Toren der Stadt Wadebridge in Cornwall nicht übernommen und behandelt seine Gäste zuvorkommend und freundlich. Über das Dorf gibt es nicht besonders viel zu berichten; es liegt am Camel River und ist in bestimmten Kreisen bekannt geworden durch das Lied „The Ringers of Egloshayle„, das sich mit den Glöcknern der örtlichen St Petrocs Church beschäftigt.

Zurück zum Pub. Uhrenliebhaber werden in Verzückung geraten, wenn sie den Gasthof betreten, denn wohin man blickt, überall stehen und hängen Uhren. Es sollen weit über 200 Exemplare sein und es heißt, dass der Landlord etwa zwei Tage braucht, um sie alle zu stellen beziehungsweise aufzuziehen. Da die meisten von ihnen zur vollen Stunde schlagen (einige auch mehr als das) ist also in den Gasträumen ganz schön was los, wenn die Uhren alle gleichzeitig oder etwas versetzt „zuschlagen“. Der Bierlieferant ist übrigens die  St. Austell Brewery, auf der südlichen Seite der kornischen Küste (ich stellte sie in meinem Blog einmal vor).

The Earl Of St. Vincent
Egloshayle Village
Wadebridge PL27 6HT

St Petroc’s Church.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Lord Nelson in Burnham Thorpe (Norfolk) – Hier trank schon der berühmte Admiral seine Pints

Hier noch ein Foto aus der Zeit vor der Renovierung des Pubs.
Photo: ell brown.
Creative Commons 2.0

Horatio Nelson, 1. Viscount Nelson (1758-1805) war einer der berühmtesten Admirale der Royal Navy, der bei der Schlacht von Trafalgar 1805 ums Leben kam. Geboren wurde er in dem kleinen Ort Burnham Thorpe in der Grafschaft Norfolk. Sein Vater war damals Pfarrer an der Kirche All Saints, der seinen Sohn in der Kirche auch taufte. Die Kirche verfügt über eine sehr gute Akustik, daher werden hier gern Konzerte aufgeführt, bei denen Joseph Haydns Missa in angustiis, auch Nelson-Messe genannt, nicht fehlen darf.

Neben All Saints ist der 1637 gebaute Dorfpub noch von besonderer Bedeutung. Horatio Nelson soll darin das eine oder andere Bier getrunken haben. Heute heißt der Pub The Lord Nelson, damals noch The Plough. Schon 1798 fand die Namensänderung statt, man war eben sehr stolz auf den berühmten Sohn des Dorfes.

Es hätte nicht viel gefehlt und das Gasthaus hätte vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet, denn die Greene King Brewery, Eigentümer des Pubs, hatte sich mit den Betreibern zerstritten und ihn im September 2016 geschlossen. Vielleicht wäre The Lord Nelson nie wieder geöffnet worden, wenn nicht der Earl of Leicester von der nahe gelegenen Holkham Hall und der Holkham Estate den Pub 2019 gekauft und ihn für mehr als £1 Million komplett renoviert hätten. Wie Phönix aus der Asche erstand The Lord Nelson wieder neu und wurde am 3. Juni 2021 eröffnet. Übernommen wurde eine Bank auf der der Admiral gesessen und der Steinfußboden, auf dem Horatio Nelson gegangen sein soll (sicher mit einem Glas Bier in der Hand). Betrieben wird der Pub jetzt von der Woodforde’s Brewery in Woodbastwick (Norfolk).

The Lord Nelson
Walsingham Road
Burnham Thorpe
PE31 8HL

All Saints in Burnham Thorpe.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)
Schon das Dorfschild weist auf den berühmten Admiral hin.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Februar 2022 at 02:01  Comments (1)  

The Olive Branch in Clipsham (Rutland) – Pub of the Year 2021 des Good Pub Guides

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Das kleine Dorf Clipsham in der Mini-Grafschaft Rutland (ich schrieb einmal in meinem Blog über die dort anzutreffende Yew Tree Avenue) kann stolz sein auf seinen Pub namens The Olive Branch an der Main Street. Das runde Pubschild zeigt einen Olivenzweig und weist darauf hin, dass es sich hier um ein Free House handelt.

The Good Pub Guide hat das Haus erneut zum Pub of the Year gewählt; 2014 war das schon einmal der Fall. Es gibt nicht viele englische Gasthäuser, die schon so viele Auszeichnungen erhalten haben. Einige Beispiele: The Good Hotel Guide 2019’s Editor’s Choice Award, The Times Top 10 Dining Pubs with Rooms​​​​, Muddy Stilettos’ Best Boutique Stay und GQ Food and Drink Awards Winner 2021 Best Pub; die Liste ist aber noch viel länger.

Verantwortlich für die Zubereitung der Speisen ist Nick Evans, der 2018 das Zepter von Sean Hope übernommen hat. Hier gibt es abends zum Dinner ein achtgängiges Tasting Menu mit korrespondierenden Weinen beziehungsweise korrespondierenden Bieren (was eher selten vorkommt), darunter ein Bier aus Hawaii und ein kalifornisches aus San Diego. Das Menü kostet £80, die Weine zusätzlich £45, die Biere £19.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite kann man nach dem üppigen Abendessen im Beech House übernachten; sechs Räumlichkeiten stehen dafür zur Verfügung (ab ca  £185).

The Olive Branch
Main Street
Clipsham

Rutland
LE15 7SH


Published in: on 19. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Ten Bells – Ein Pub im Londoner Stadtteil Spitalfields mit Jack the Ripper-Verbindungen

Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Christ Church Spitalfields ist eine anglikanische Kirche an der Commercial Street im Londoner East End, die Anfang des 18. Jahrhunderts von dem berühmten Architekten Nicholas Hawksmoor erbaut wurde. Die Kirche verfügt über zehn Glocken, und so erklärt sich auch der Name des Pubs, der unmittelbar neben Christ Church liegt: The Ten Bells. Nicht allzu lange nach der Erbauung der Kirche muss dieses alte Gasthaus entstanden sein, das ursprünglich Eight Bells hieß; nachdem der Nachbar aber einen neuen Satz Glocken, jetzt mit zehn Exemplaren, erhielt, benannte sich der Pub entsprechend um.

The Ten Bells hieß von 1976 bis 1988 The Jack the Ripper, wurde dann aber wieder in seinen alten Namen umbenannt. Man versprach sich wahrscheinlich mehr Umsatz mit dem Namen des berüchtigten Serienmörders, der im East End im Jahr 1888 fünf Frauen auf bestialische Weise ermordete. Es gab eine Verbindung zwischen dem Pub und der Mordserie. Damals war The Ten Bells eine berüchtigte Kneipe in einem heruntergekommenen Viertel, wo sich Arbeiter aus der näheren Umgebung trafen, um dort ihre Pints zu trinken. Zwei der Ripper-Opfer sollen angeblich zuletzt in diesem Pub gesehen worden sein, bevor sie in den finsteren Gassen von Whitechapel und Spitalfields ihr Ende fanden. Es waren die 47-jährige Gelegenheits-Prostituierte Annie Chapman und die 25-jährige Mary Jane Kelly, die demselben Gewerbe nachging.

Der Ur-Ur-Großvater des Fernsehkochs Jamie Oliver war zu jener Zeit Wirt der Ten Bells, und er spricht darüber in der ersten Folge seiner TV-Serie „Jamie’s Great Britain“, die den Titel „The East End“ trägt.

Hier ist ein Film über den Pub, der auch „haunted“ sein soll.

The Ten Bells
84 Commercial Street
London E1 6LY

Christ Church Spitalfields, die Kirche mit den zehn Glocken.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Top 5 der britischen Gastropubs des Jahres 2021

Anfang eines jeden Jahres werden die besten Hotels, Restaurants und Pubs des vergangenen Jahres gekürt. Einige der besten Hotels der Sunday Times für das Jahr 2021 habe ich erst kürzlich vorgestellt, heute folgen die „Charts“ der besten Gastropubs, wie immer von der spanischen Brauerei Estrella zusammengestellt. Zum Vergleich: Hier sind die Top 5 von 2020.

Platz 1:  The Unruly Pig in Bromeswell (Suffolk)

Im vorigen Jahr noch auf Platz 10, jetzt schon auf Platz 1! Östlich von Woodbridge liegt dieser ansprechende Pub mit dem ungewöhnlichen Namen an der Orford Road, dessen Küchenchef Dave Wall mit seinen britisch-italienischen Speisen die Juroren dermaßen überzeugt hat, dass The Unruly Pig alle anderen Gastropubs des Königreichs abgehängt hat. In diesem Film kann man sich einen Eindruck von dem Gasthof verschaffen.

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Platz 2: Parkers Arms in Newton-in-Bowland (Lancashire) 

Dieser Pub im hohen Norden Englands ist dem „Unruly Pig“ hart auf den Fersen. Er hat schon so viele Auszeichnungen bekommen, dass es für die beiden Inhaberinnen schon fast nichts Besonderes mehr ist, noch einen weiteren Preis zu bekommen, aber die Nummer 2 in Großbritannien zu sein, ist schon eine tolle Leistung. Verantwortlich für das Geschehen in der Küche ist die im Senegal geborene Stosie Madi.

Hier ist der Gastropub im Film zu sehen.



Photo: Robert Wade.
Creative Commons 2.0

Platz 3: The Star Inn in Harome (North Yorkshire)

Das ist ein guter alter Bekannter, der eigentlich in keiner Auflistung der besten Pubs des Königreichs fehlt. Im Vorjahr stand der Star Inn auf Platz 4, jetzt ist er noch eine Position höher gestiegen. Dieser Pub vereint alles in sich, was man von einem Countrypub erwartet, er sieht wunderschön aus, verfügt über eine tolle Atmosphäre und bietet hervorragendes Essen an. Eigentümer und Koch Andrew Pern hält schon seit vielen Jahren einen Michelinstern und sein Haus ist immer für einen Besuch gut.
ABER: Am 24. November letzten Jahres wurde der Pub von einem verheerenden Feuer heimgesucht, es war wohl Brandstiftung. Andrew Pern setzt alles daran, den wunderschönen Pub bald wieder herzustellen.

Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Platz 4: The Angel at Hetton (North Yorkshire)

Auch dieser tolle Gastropub in North Yorkshire taucht seit Jahren in allen Bestenlisten auf. Ich habe ihn in meinem Blog schon vorgestellt und war von dem Lunch, den ich dort eingenommen habe, sehr angetan. Michael Wignall übernahm den Angel im Jahr 2018, er steht auch selbst in der Küche, und hat sich im  Latymer Restaurant im Pennyhill Park Hotel in Surrey bereits zwei Michelinsterne erkocht. Im Angel hat er auch schon wieder einen der begehrten Michelinsterne erhalten. Hier ist ein Interview mit ihm.

Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Platz 5: Freemasons at Wiswell (Lancashire)

Seit vielen Jahren gehört dieser Gastropub zu den besten im ganzen Land. Steven und Matt Smith stehen am Herd dieses Gasthofs im fernen Lancashire im Ribble Valley, südlich von Clitheroe. Hier ist ein Film über den Pub.

Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lower Peover in Cheshire Teil 1: The Bells of Peover – Ein Country-Pub, in dem sich im Zweiten Weltkrieg zwei amerikanische Generäle trafen

Photo © John Naisbitt (cc-by-sa/2.0)

Am Ende einer Sackgasse in Lower Peover (es gibt auch ein Over Peover) in der Grafschaft Cheshire liegt ein Country-Pub namens The Bells of Peover, vor dessen Eingang zwei Flaggen wehen, der britische Union Jack und die amerikanischen Stars and Stripes. Direkt nebenan liegt die Dorfkirche St Oswald’s, und da geht man davon aus, dass der Name des Pubs sich auf die Glocken der Kirche bezieht, was aber nicht stimmt. Benannt ist das Gasthaus nach den ehemaligen Besitzern, die Bell hießen.

Warum nun hängen die beiden Fahnen an dem Haus? Sie stellen den Bezug her zu einem Treffen in Kriegszeiten zwischen General George Smith Patten jr. (der in der nahe gelegenen Peover Hall sein Hauptquartier hatte) und General Dwight David „Ike“ Eisenhower, das im Pub stattfand. Patten, der hier stationiert war, kehrte häufig in die Bells of Peover ein, und einmal kamen die beiden US-Generäle bei einem Mittagessen zusammen, um sich über die die alliierten Landungen in der Normandie zu beraten.

Auf den Webseiten des Pubs ist davon nichts zu lesen, man weist lieber auf die Vorzüge des Restaurants hin, und dass es sich um ein Gasthaus aus dem Jahr 1839 handelt, das gern „well-behaved dogs“ willkommen heißt.

Es gibt sogar ein Musikstück, das nach dem Pub benannt worden ist: „The Bells of Peover„, komponiert von Philip Doe, eine wunderschöne Melodie.

The Bells of Peover
The Cobbles
Lower Peover
Knutsford
Cheshire WA16 9PZ

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Januar 2022 at 02:01  Comments (1)  

The Black Lion – Ein Pub im Londoner Stadtteil Hammersmith und eine makabere Geschichte aus dem Jahr 1804

Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Red Lion-Pubs gibt es wie Sand am Meer in England; die Gattung der Black Lions ist nicht so stark vertreten, einige davon kann man in London antreffen. Das Gasthaus, um das sich mein heutiger Blogeintrag dreht und das The Black Lion heißt, liegt dicht an der Themse im Londoner Stadtteil Hammersmith, nur wenige hundert Meter von The Dove entfernt, den ich an dieser Stelle schon einmal porträtiert habe.

Passenderweise liegt der Pub in der South Black Lion Lane (Nummer 2), der Thames Path führt direkt daran vorbei. Links neben der Eingangstür trifft man auf eine große schwarze Tafel, auf der die Geschichte, um die es sich heute in meinem Blog dreht, skizziert ist.

Im Jahr 1804 soll der sogenannte Hammersmith Ghost in der Umgebung des Pubs sein Unwesen getrieben und mehrere Anwohner erschreckt und sogar attackiert haben. Man erzählte sich damals, dass es sich bei dem ganz in Weiß gekleideten Geist um einen Mann gehandelt haben soll, der Selbstmord begangen hatte und auf dem nahe gelegenen Friedhof beerdigt worden war. Viele, vor allem Frauen, hatten Angst, sich im Dunklen in der Nähe des Pubs aufzuhalten. Das geht so nicht weiter sagte, sich eine Gruppe junger Männer, darunter ein gewisser Francis Smith, da müssen wir einschreiten. Nach einigen Pints, um sich Mut anzutrinken, machte sich Francis am Abend des 3. Januars auf den Weg, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Und siehe da, er brauchte gar nicht lange warten, da sah er eine weißgekleidete Gestalt, die auf ihn zukam. Francis zögerte nicht lange, legte mit seiner Büchse an und erschoss den Geist. Meines Wissens kann man Geister gar nicht erschießen, und als Francis sich die auf dem Boden liegende Gestalt näher ansah, merkte er, dass er einen schweren Fehler begangen hatte. Der vermeintliche Geist war gar keiner, sondern ein Maurer, der in seiner weißen Arbeitskleidung auf dem Weg nach Hause war. Entsetzt trug Francis den Mann, der James Millwood hieß, in den Black Lion, wo ein herbeigerufener Arzt nur noch dessen Tod feststellen konnte.

Der Schütze wurde zum Tod verurteilt, die Strafe dann aber doch in ein Jahr Zwangsarbeit umgewandelt, weil Francis in gutem Glauben gehandelt und Millwood für einen echten Geist gehalten hatte. Noch heute soll der erschossene Maurer im Black Lion spuken.

The Black Lion
2 South Black Lion Lane
Hammersmith
London W6 9TJ

Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. November 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Dirty Bottles in Alnwick (Northumberland)

Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Über die kleine Stadt Alnwick im hohen Norden Englands, in der Grafschaft Northumberland, habe ich bereits fünf Artikel zu verschiedenen Themen geschrieben; hier ist nun der sechste Beitrag.
Es geht um einen Pub in der Straße Narrowgate mit dem Namen The Dirty Bottles. Das klingt erst einmal nicht so ganz Vertrauen erweckend, aber der Namen täuscht, es handelt sich hier nicht um einen Gasthof der Kategorie „Zum schmutzigen Löffel“. Das Haus ist schon sehr alt, vermutlich wurde es im 17. Jahrhundert erbaut, und es existierte lange unter dem Namen Ye Old Cross Inn. Der jetzige Name wurde übernommen weil in einem Fenster des Pubs wirklich schmutzige Flaschen stehen, die man nicht berühren kann, weil sie zwischen zwei Fensterscheiben isoliert sind, und das ist auch besser so, denn es heißt, wer diese Flaschen anfasst, wird sterben. Warum? Ein früherer Gastwirt soll einmal versucht haben, die schmutzigen Flaschen zu entfernen und bei dem Vorgang tot umgefallen sein, woraufhin seine Witwe jeden davor warnte, die Flaschen anzufassen, weil demjenigen dann dasselbe Schicksal widerfahren würde. So stauben sie denn weiter dahin, die dirty bottles.

Eigentlich war man kurz davor, den Pub abzureißen, um Platz für ein Wohnhaus zu schaffen, doch glücklicherweise konnte das verhindert werden, und mit Hilfe eines namhaften Innenarchitektenbüros entstand aus einem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan. In den Dirty Bottles kann man auch übernachten, ein idealer Standort, um Alnwick, die Burg und die Umgebung zu besuchen.

The Dirty Bottles
32 Narrowgate
Alnwick NE66 1JG

Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Little Prince in Margate (Kent) – Englands kleinster Pub?

In Englands streitet man sich seit Jahren, welches der älteste Pub im Land ist, ohne je zu einem definitiven Ergebnis gekommen zu sein. Welcher ist nun der kleinste Pub? Gibt es da eine klare Entscheidung? Jein, könnte man sagen. Im Guinness Book of Records ist immer noch The Nutshell in Bury St Edmunds (Suffolk) gelistet; The Signal Box Inn in Cleethorpes (Lincolnshire) bezeichnet sich selbst sogar als „The smallest pub of the planet“ (siehe dazu meinen Blogeintrag)
Und dann ist da noch The Little Prince in Margate in Kent, der auch den Anspruch erhebt, Großbritanniens kleinster zu sein. Erst vor fünf Jahren eröffnet, liegt dieser Mini-Pub etwas versteckt im Old Kent Market, einer Markthalle, die auf dem Areal eines ehemaligen Kinos untergebracht ist. In einer ehemaligen Sushi-Bar entstand der Pub, der nach der berühmten Erzählung von Antoine Saint-Exupéry benannt ist, was sich auch auf dem Pubschild manifestiert, auf dem Le Petit Prince zu sehen ist. Die Maße des Pubs betragen 3,35 Meter mal 2,01 Meter, gerade einmal Platz für maximal sechs Personen, was in Coronazeiten, in denen man Abstand halten soll, schon problematisch ist.

The Little Prince
8 Fort Hill
Margate
CT9 1HD

Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0
Published in: on 17. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

East Prawle in Devon und der Pigs Nose Inn

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Es gibt einen Ort namens West Prawle in Devon und ein Dorf namens East Prawle. Der Unterschied? East Prawle ist der am südlichsten gelegene Ort in der ganzen Grafschaft und noch ein Stückchen südlicher liegt Prawle Point, dann kommt nur noch das Meer. Man gelangt auf schmalen Straßen hier herunter, und auch im Dorf selbst geht es sehr eng zu. Von hier aus kann man auf Wanderwegen zum Meer kommen, aber auch ein Fahrweg führt zu einem Parkplatz am Meer. Bei Gegenverkehr wird es etwas problematisch, denn ich schätze die Breite der Straße auf circa zwei Meter.

Was hat East Prawle zu bieten? Nicht allzu viel; es gibt hier einen kleinen Laden namens Piglet Stores and Café am Village Green, der die Einwohner mit dem nötigsten versorgt und auch die Touristen mit ihren Bedürfnissen nicht im Stich lässt. Angeschlossen ist ein Café mit einer Auswahl an Kuchen, Sandwiches und Snacks. Ich stelle mir vor wie das hier wohl im Winter aussehen mag, bei Sturm und Regen.

Das Highlight in East Prawle ist der Dorfpub, der Pigs Nose Inn; „relaxed and quirky three-room 16th century pub, lots of interesting bric-a-brac“, so die Kurzbeschreibung des Good Pub Guides. Die Besitzer sind sehr hundefreundlich, haben selbst welche und heißen „Gasthunde“ willkommen. Außerdem ist man hier sehr umweltbewusst und versucht, auf so viel Plastik wie möglich zu verzichten; die Essenszutaten kommen zum größten Teil aus der Region.
Der Pigs Nose Inn hat einen sehr guten Ruf, was das Unterhaltungsangebot angeht. Es traten schon viele namhafte Bands auf wie Atomic Kitten, die Boomtown Rats oder Wishbone Ash. Im September soll es wieder richtig los gehen.
Seit letztem Montag ist die Außengastronomie wieder geöffnet.

Sehenswert ist übrigens die exzentrische Inneneinrichtung des Pubs!

The Pigs Nose Inn
East Prawle
Kingsbridge
Devon TQ7 2BY

„Relaxed and quirky“: Im Inneren des Pigs Nose Inn
Author: dvcronan
Creative Commons 2.0
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Du kommst hier nicht raus! Am Prawle Point.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

The Malt Shovel in Oswaldkirk (North Yorkshire)

Dort in der Grafschaft North Yorkshire, wo die North York Moors an die Howardian Hills grenzen, findet man das kleine Dorf Oswaldkirk, in dem es, wie es der Name auch verrät, eine dem heiligen Oswald gewidmete Kirche gibt. An derselben Straße liegt, wie sich das für ein englisches Dorf gehört,  der Pub, der hier The Malt Shovel heißt, ein denkmalgeschütztes Haus, das im 17. Jahrhundert erbaut worden ist. Der Pub gehört in das Portfolio der Samuel Smith Brewery, die in Tadcaster, ebenfalls North Yorkshire, ansässig ist. Leider ist The Malt Shovel schon seit geraumer Zeit geschlossen (nicht wegen Corona), weil der Pub in großem Stil umgebaut werden soll.

Das Haus gehört zu den „haunted pubs„, von denen es in England unzählige gibt. Geister scheinen ihre Atmosphäre zu schätzen wissen. In der Malt Shovel soll es sich um den Geist des fünfjährigen Thomas Bamber handeln, der hier vor über hundert Jahren starb. Seine Mutter soll das Kind wochenlang in seinem Sterbezimmer gelassen haben, bevor sie es zur Beerdigung freigab. Sie konnte sich nicht damit abfinden, dass ihr geliebtes Kind nicht mehr lebte.

In Oswaldkirk weiß jeder, dass es in der Malt Shovel spukt, der örtliche Pfarrer hat das Haus sogar schon einmal exorziert. Die Dorfbewohner werden sicher froh sein, wenn ihr Pub wieder geöffnet haben wird; solange müssen sie auf andere Pubs in der Umgebung ausweichen wie den White Swan und den White Horse Inn im nahegelegenen Ampleforth oder The Fairfax Arms in Gilling.

Wenn man schon einmal in Oswaldkirk ist, sollte man der hübschen kleinen Dorfkirche einen Besuch abstatten von deren Kirchhof man einen weiten Blick in das Ryedale hat.

Der Biergarten der Malt Shovel.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die dem heiligen Oswald gewidmete Dorfkirche.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

The Ebrington Arms in Ebrington (Gloucestershire) – Einer der schönsten Pubs in den Cotswolds… und ganz Großbritanniens

Ebrington ist ein hübsches kleines Dorf in den Cotswolds, das nicht so bekannt ist wie die Touristenhochburgen Broadway, Stow-on-the-Wold oder Chipping Camden. Drei Kilometer nordöstlich von letzterem Ort liegt Ebrington in der Grafschaft Gloucestershire und es darf sich zurecht damit schmücken, einen der schönsten Pubs in den Cotswolds zu besitzen; nach Ansicht der Times ist es sogar der schönste im  ganzen Königreich. Der im allgemeinen zuverlässige Good Pub Guide zeichnet The Ebrington Arms gleich mit mehreren Awards aus, mit dem Beer Award, dem Food Award, Wine Award und Stay Award (es stehen hier auch fünf Zimmer zur Verfügung). Da die Besitzer des Pubs auch eine eigene Brauerei haben, die Yubberton Brewery, kann der durstige Pubbesucher Produkte dieser Brauerei probieren, die Yubby, Yawny und Goldie heißen. Nicht-Biertrinker können den Wein des Little Oak Vineyards verkosten, der etwa zwei Kilometer entfernt angebaut wird.

Der Dorfpub soll hier schon seit dem Jahr 1640 stehen und dafür gesorgt haben, dass die Ebringtoner nie durstig zu Bett gehen mussten. Der Pub verfügt über all die Dinge, die man sich von einem englischen Gasthaus wünscht: Offene Kaminfeuer im Winter und eine Terrasse mit Biergarten im Sommer, Hunde sind willkommen, einige Tische in der Bar sind extra für Hunde und deren Begleiter vorgesehen, es gibt eine fantasievolle, bodenständige Küche und auch einige Pubspiele werden bereit gehalten.

Creaking with atmosphere“ schwärmt der Daily Telegraph und spricht von einem „hidden treasure set in a gloriously unspoilt village„.

The Ebrington Arms hat noch einen Schwester-Pub, The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.

Hier ist ein Film über dieses Schmuckstück in den Cotswolds.

The Ebrington Arms
Ebrington
Chipping Campden
Gloucestershire
GL55 6NH

 

Der Schwester-Pub: The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Februar 2021 at 02:00  Comments (5)  
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