The Golden Fleece – Yorks gruseligster Pub

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Als wir einmal zur Mittagszeit ein Bier im Golden Fleece in York (North Yorkshire) tranken, war von einer gruseligen Atmosphäre hier nichts zu spüren. Yorks „most haunted pub“ liegt den Shambles gegenüber, jener kleinen, tagsüber wuseligen, aber abends meist sehr ruhigen Gasse. Wie vieles in York ist auch The Golden Fleece sehr alt, bis auf das Jahr 1503 kann man die Spuren des Hauses zurückverfolgen.

Wenn man den Gasthof betritt, kommt man erst in eine kleine Bar, von der aus ein schmaler, schiefer Korridor in einen weiteren größeren Raum führt. Zu essen gibt es hier vor allem Burgers und Baguettes; der Koch liebt aber auch die Tex-Mex- und die asiatische Küche.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehörte The Golden Fleece dem Bürgermeister von York, einem gewissen John Peckett, und dessen Frau, Lady Alice Peckett, ist eine der vielen Spukgestalten, die hier nachts durch die Gänge und Korridore wandern und den Gästen der vier Zimmer, in denen man übernachten kann, den Schlaf rauben. So mancher Gast soll schon vor den unheimlichen Besuchern, die durchaus auch in die Zimmer kommen, geflohen sein und sich nie mehr im Pub hat blicken lassen.

Diese Berichte über die nächtlichen geisterhaften Aktivitäten lockten natürlich auch das Fernsehteam von „Most Haunted“ des Senders LivingTV nach York, das hier die Nachtstunden verbrachte und so manches Unheimliche erlebte. Hier ist der erste Teil der Sendung zu sehen.

„We hope you will visit us at the Golden Fleece and we’re sure you will enjoy your stay even though we can’t guarantee that things will go bump in the night for you. But when you visit the most haunted pub in one of Britain’s most haunted cities, there’s a frightening chance that something strange just might happen!“ So stand es einmal auf der Homepage des Golden Fleece, eine Einladung, der man doch nun wirklich nicht widerstehen kann!

The Golden Fleece
16 Pavement
York, North Yorkshire
YO1 9UP

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Ein unheimlicher Gast im Golden Fleece.
Foto: benbrown1.
Creative Commons 2.0

Ye Olde Trip to Jerusalem – Englands ältester Pub in Nottingham?

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Wer ist nun wirklich Englands ältester Pub? Es gibt mehrere, die sich um diese Ehre streiten, von denen „The „Ferry Boat Inn“ in Holywell bei St. Ives (Cambridgeshire), „Ye Olde Fighting Cocks“ in St. Albans (Hertfordshire) und „Ye Olde Trip to Jerusalem“ in Nottingham die wahrscheinlichsten Kandidaten sind.

Letzterer (AD 1189) behauptet es jedenfalls steif und fest. Es handelt sich hier nicht nur um einen Pub, „Ye Olde Trip to Jerusalem“ ist mehr ein Happening, denn es ist jede Menge los. In den Kellergewölben, die man in einer 20minütigen Führung besichtigen kann, treiben einige Geister ihr Unwesen, in einem eigenen Souvenirladen kann man sich mit Andenken aus dem „Trip“ eindecken und dann gibt es immer wieder Aktionen wie Bierfestivals etc.

Natürlich gibt es hier auch eine breite Palette an Bieren u.a. ein Ale, das „Olde Trip“ heißt und von der Greene King Brewery in Bury St Edmunds (Suffolk) hergestellt wird.

Der alte Inn liegt zu Füßen des Nottingham Castles und ist in den Berg hineingebaut worden; ein wirklich hübscher Pub, sowohl innen wie außen und auf jeden Fall einen Besuch wert, ob er nun der älteste Pub ist oder nicht.

Hier ist ein Film über die unheimliche Seite des Pubs.

Ye Olde Trip to Jerusalem
Brewhouse Yard
Nottingham England
NG1 6AD


Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)
The Cursed Galleon (siehe obiger Film).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. April 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Flying Childers Inn in Stanton-in-Peak (Derbyshire) – Ein Pub, in dem sich nicht nur Menschen wohlfühlen

Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich ein Hund wäre und Herrchen und Frauchen mich mit auf eine Urlaubsreise nach England nehmen würden, dann würde ich darauf bestehen, in den Peak District in ein Dörfchen namens Stanton-in-Peak zu fahren und dort den Pub The Flying Childers aufzusuchen. Warum? Weil Richard und Sophie, die das Gasthaus leiten, innerhalb der Great British Pub Awards als hundefreundlichster Pub von ganz Großbritannien ausgezeichnet wurde. Menschen mögen dieses Haus aber auch sehr, vor allem diejenigen, die eine Schwäche für ganz ursprüngliche Pubs haben. The Flying Childers Inn hat auch da etwas zu bieten, er wurde 2019 zum Unspoilt Pub of the Year gekürt.

Auf die hier immer willkommenen Vierbeiner warten beispielsweise selbstgemachte Hundekuchen und ein Canine Menu, das sie verspeisen können, während sich die Zweibeiner an einem Toasted Ciabatta und einem Bier aus der Eyam Brewery gütlich tun. Eyam ist ein Dorf in Derbyshire, das während der Schwarzen Pest 1665 stark dezimiert wurde (siehe dazu meinen Blogeintrag). Die Biere aus der Brauerei nehmen darauf Bezug und heißen Black Death, Quarantine, All Fall Down, Eyam Plague und Bubonic Orange. Der Pub hält sogar ein spezielles Bier für Hunde (alkoholfrei!) vorrätig, das passenderweise Bottom Sniffer heißt.
Hier ist ein Film über das Gasthaus.

Noch ein Wort zum Namen des Pubs. The Flying Childers war das berühmteste Rennpferd des 18. Jahrhunderts, das dem zweiten Duke of Devonshire gehörte. Sein Züchter war Colonel Leonard Childers.

The Flying Childers Inn
Main Road
Stanton in Peak
Matlock
DE4 2LW

The Flying Childers. Gemälde von James Seymour (1702-1752).
This work is in the public domain.

The Vicar’s Pele Tower in Corbridge (Northumberland) – Erst Pfarrhaus, heute Mikro-Pub

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns noch einmal nach Northumberland an den River Tyne, wo ich erst kürzlich über den Hexham Salmon Run berichtete. Nur ein kleines Stück weit flussabwärts von Hexham liegt Corbridge, eine kleine Stadt mit rund 4000 Einwohnern. Dort am Marktplatz steht die St Andrew’s Church, eine wunderschöne Kirche, deren älteste Teile bis ins achte Jahrhundert zurückreichen. Doch die Kirche steht nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrags, sondern The Vicar’s Pele Tower, der auf dem Kirchhof von St Andrew’s zu finden ist und an den sich einige Grabsteine anschmiegen. Pele Towers sind Wachtürme, die im englisch-schottischen Grenzbereich dafür vorgesehen waren, vor marodierenden und mordenden Banden, den sogenannten „border reivers„, zu warnen (Näheres über diese Türme sind in einem gesonderten Blogeintrag zu finden).

Dieser Turm hier in Corbridge wurde im Jahr 1318 erbaut und diente dem Pfarrer von St Andrew’s als Pfarrhaus und das bis in das frühe 17. Jahrhundert. Dann stand der Pele Tower leer bis ihn der Duke of Northumberland 1910 wieder aufhübschen ließ. Natürlich diente der Turm nicht mehr als Pfarrhaus, dafür war die Fläche zu klein, in jedem der Stockwerke befindet sich nur ein Raum. Vor sechs Jahren wurde The Vicar’s Pele Tower im Inneren komplett umgestaltet und für Veranstaltungen und Hochzeitsfeiern genutzt. Jetzt ist im Turm ein Mikro-Pub untergebracht, man kann sein Getränk auf einem der Stockwerke genießen oder draußen vor der Tür, wo es nicht so beengt zugeht. Ein sehr stylish eingerichteter Pub mit sehr viel Atmosphäre.

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch Corbridge in Northumberland.

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

The Earl of St Vincent – Der „Uhren-Pub“ in Egloshayle bei Wadebridge in Cornwall

Photo © William Bartlett (cc-by-sa/2.0)

Admiral Sir John Jervis (1735-1823) wurde der erste Earl of St Vincent, weil er als Oberbefehlshaber der britischen Flotte maßgeblich bei der Seeschlacht von St Vincent am 14. Februar 1797 beteiligt war. Nur die wenigsten wissen wohl, wo St Vincent zu finden ist; es handelt sich nicht um die Karibikinsel, sondern um das Kap St Vincent an der portugiesischen Algarveküste. Sir John Jervis war in vielen Kriegen aktiv und erreichte trotzdem das hohe Alter von 88 Jahren. Er soll an Bord seiner Schiffe ein strenges Regiment geführt und seine Untergebenen hart bestraft haben, wenn sie nicht so wollten wie er das für richtig hielt.

Diese Denkweise hat der Wirt des nach dem Admiral benannten Pub The Earl of St Vincent in dem kleinen Dorf Egloshayle vor den Toren der Stadt Wadebridge in Cornwall nicht übernommen und behandelt seine Gäste zuvorkommend und freundlich. Über das Dorf gibt es nicht besonders viel zu berichten; es liegt am Camel River und ist in bestimmten Kreisen bekannt geworden durch das Lied „The Ringers of Egloshayle„, das sich mit den Glöcknern der örtlichen St Petrocs Church beschäftigt.

Zurück zum Pub. Uhrenliebhaber werden in Verzückung geraten, wenn sie den Gasthof betreten, denn wohin man blickt, überall stehen und hängen Uhren. Es sollen weit über 200 Exemplare sein und es heißt, dass der Landlord etwa zwei Tage braucht, um sie alle zu stellen beziehungsweise aufzuziehen. Da die meisten von ihnen zur vollen Stunde schlagen (einige auch mehr als das) ist also in den Gasträumen ganz schön was los, wenn die Uhren alle gleichzeitig oder etwas versetzt „zuschlagen“. Der Bierlieferant ist übrigens die  St. Austell Brewery, auf der südlichen Seite der kornischen Küste (ich stellte sie in meinem Blog einmal vor).

The Earl Of St. Vincent
Egloshayle Village
Wadebridge PL27 6HT

St Petroc’s Church.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Lord Nelson in Burnham Thorpe (Norfolk) – Hier trank schon der berühmte Admiral seine Pints

Hier noch ein Foto aus der Zeit vor der Renovierung des Pubs.
Photo: ell brown.
Creative Commons 2.0

Horatio Nelson, 1. Viscount Nelson (1758-1805) war einer der berühmtesten Admirale der Royal Navy, der bei der Schlacht von Trafalgar 1805 ums Leben kam. Geboren wurde er in dem kleinen Ort Burnham Thorpe in der Grafschaft Norfolk. Sein Vater war damals Pfarrer an der Kirche All Saints, der seinen Sohn in der Kirche auch taufte. Die Kirche verfügt über eine sehr gute Akustik, daher werden hier gern Konzerte aufgeführt, bei denen Joseph Haydns Missa in angustiis, auch Nelson-Messe genannt, nicht fehlen darf.

Neben All Saints ist der 1637 gebaute Dorfpub noch von besonderer Bedeutung. Horatio Nelson soll darin das eine oder andere Bier getrunken haben. Heute heißt der Pub The Lord Nelson, damals noch The Plough. Schon 1798 fand die Namensänderung statt, man war eben sehr stolz auf den berühmten Sohn des Dorfes.

Es hätte nicht viel gefehlt und das Gasthaus hätte vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet, denn die Greene King Brewery, Eigentümer des Pubs, hatte sich mit den Betreibern zerstritten und ihn im September 2016 geschlossen. Vielleicht wäre The Lord Nelson nie wieder geöffnet worden, wenn nicht der Earl of Leicester von der nahe gelegenen Holkham Hall und der Holkham Estate den Pub 2019 gekauft und ihn für mehr als £1 Million komplett renoviert hätten. Wie Phönix aus der Asche erstand The Lord Nelson wieder neu und wurde am 3. Juni 2021 eröffnet. Übernommen wurde eine Bank auf der der Admiral gesessen und der Steinfußboden, auf dem Horatio Nelson gegangen sein soll (sicher mit einem Glas Bier in der Hand). Betrieben wird der Pub jetzt von der Woodforde’s Brewery in Woodbastwick (Norfolk).

The Lord Nelson
Walsingham Road
Burnham Thorpe
PE31 8HL

All Saints in Burnham Thorpe.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)
Schon das Dorfschild weist auf den berühmten Admiral hin.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Februar 2022 at 02:01  Comments (1)  

The Olive Branch in Clipsham (Rutland) – Pub of the Year 2021 des Good Pub Guides

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Das kleine Dorf Clipsham in der Mini-Grafschaft Rutland (ich schrieb einmal in meinem Blog über die dort anzutreffende Yew Tree Avenue) kann stolz sein auf seinen Pub namens The Olive Branch an der Main Street. Das runde Pubschild zeigt einen Olivenzweig und weist darauf hin, dass es sich hier um ein Free House handelt.

The Good Pub Guide hat das Haus erneut zum Pub of the Year gewählt; 2014 war das schon einmal der Fall. Es gibt nicht viele englische Gasthäuser, die schon so viele Auszeichnungen erhalten haben. Einige Beispiele: The Good Hotel Guide 2019’s Editor’s Choice Award, The Times Top 10 Dining Pubs with Rooms​​​​, Muddy Stilettos’ Best Boutique Stay und GQ Food and Drink Awards Winner 2021 Best Pub; die Liste ist aber noch viel länger.

Verantwortlich für die Zubereitung der Speisen ist Nick Evans, der 2018 das Zepter von Sean Hope übernommen hat. Hier gibt es abends zum Dinner ein achtgängiges Tasting Menu mit korrespondierenden Weinen beziehungsweise korrespondierenden Bieren (was eher selten vorkommt), darunter ein Bier aus Hawaii und ein kalifornisches aus San Diego. Das Menü kostet £80, die Weine zusätzlich £45, die Biere £19.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite kann man nach dem üppigen Abendessen im Beech House übernachten; sechs Räumlichkeiten stehen dafür zur Verfügung (ab ca  £185).

The Olive Branch
Main Street
Clipsham

Rutland
LE15 7SH


Published in: on 19. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Ten Bells – Ein Pub im Londoner Stadtteil Spitalfields mit Jack the Ripper-Verbindungen

Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Christ Church Spitalfields ist eine anglikanische Kirche an der Commercial Street im Londoner East End, die Anfang des 18. Jahrhunderts von dem berühmten Architekten Nicholas Hawksmoor erbaut wurde. Die Kirche verfügt über zehn Glocken, und so erklärt sich auch der Name des Pubs, der unmittelbar neben Christ Church liegt: The Ten Bells. Nicht allzu lange nach der Erbauung der Kirche muss dieses alte Gasthaus entstanden sein, das ursprünglich Eight Bells hieß; nachdem der Nachbar aber einen neuen Satz Glocken, jetzt mit zehn Exemplaren, erhielt, benannte sich der Pub entsprechend um.

The Ten Bells hieß von 1976 bis 1988 The Jack the Ripper, wurde dann aber wieder in seinen alten Namen umbenannt. Man versprach sich wahrscheinlich mehr Umsatz mit dem Namen des berüchtigten Serienmörders, der im East End im Jahr 1888 fünf Frauen auf bestialische Weise ermordete. Es gab eine Verbindung zwischen dem Pub und der Mordserie. Damals war The Ten Bells eine berüchtigte Kneipe in einem heruntergekommenen Viertel, wo sich Arbeiter aus der näheren Umgebung trafen, um dort ihre Pints zu trinken. Zwei der Ripper-Opfer sollen angeblich zuletzt in diesem Pub gesehen worden sein, bevor sie in den finsteren Gassen von Whitechapel und Spitalfields ihr Ende fanden. Es waren die 47-jährige Gelegenheits-Prostituierte Annie Chapman und die 25-jährige Mary Jane Kelly, die demselben Gewerbe nachging.

Der Ur-Ur-Großvater des Fernsehkochs Jamie Oliver war zu jener Zeit Wirt der Ten Bells, und er spricht darüber in der ersten Folge seiner TV-Serie „Jamie’s Great Britain“, die den Titel „The East End“ trägt.

Hier ist ein Film über den Pub, der auch „haunted“ sein soll.

The Ten Bells
84 Commercial Street
London E1 6LY

Christ Church Spitalfields, die Kirche mit den zehn Glocken.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Top 5 der britischen Gastropubs des Jahres 2021

Anfang eines jeden Jahres werden die besten Hotels, Restaurants und Pubs des vergangenen Jahres gekürt. Einige der besten Hotels der Sunday Times für das Jahr 2021 habe ich erst kürzlich vorgestellt, heute folgen die „Charts“ der besten Gastropubs, wie immer von der spanischen Brauerei Estrella zusammengestellt. Zum Vergleich: Hier sind die Top 5 von 2020.

Platz 1:  The Unruly Pig in Bromeswell (Suffolk)

Im vorigen Jahr noch auf Platz 10, jetzt schon auf Platz 1! Östlich von Woodbridge liegt dieser ansprechende Pub mit dem ungewöhnlichen Namen an der Orford Road, dessen Küchenchef Dave Wall mit seinen britisch-italienischen Speisen die Juroren dermaßen überzeugt hat, dass The Unruly Pig alle anderen Gastropubs des Königreichs abgehängt hat. In diesem Film kann man sich einen Eindruck von dem Gasthof verschaffen.

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Platz 2: Parkers Arms in Newton-in-Bowland (Lancashire) 

Dieser Pub im hohen Norden Englands ist dem „Unruly Pig“ hart auf den Fersen. Er hat schon so viele Auszeichnungen bekommen, dass es für die beiden Inhaberinnen schon fast nichts Besonderes mehr ist, noch einen weiteren Preis zu bekommen, aber die Nummer 2 in Großbritannien zu sein, ist schon eine tolle Leistung. Verantwortlich für das Geschehen in der Küche ist die im Senegal geborene Stosie Madi.

Hier ist der Gastropub im Film zu sehen.



Photo: Robert Wade.
Creative Commons 2.0

Platz 3: The Star Inn in Harome (North Yorkshire)

Das ist ein guter alter Bekannter, der eigentlich in keiner Auflistung der besten Pubs des Königreichs fehlt. Im Vorjahr stand der Star Inn auf Platz 4, jetzt ist er noch eine Position höher gestiegen. Dieser Pub vereint alles in sich, was man von einem Countrypub erwartet, er sieht wunderschön aus, verfügt über eine tolle Atmosphäre und bietet hervorragendes Essen an. Eigentümer und Koch Andrew Pern hält schon seit vielen Jahren einen Michelinstern und sein Haus ist immer für einen Besuch gut.
ABER: Am 24. November letzten Jahres wurde der Pub von einem verheerenden Feuer heimgesucht, es war wohl Brandstiftung. Andrew Pern setzt alles daran, den wunderschönen Pub bald wieder herzustellen.

Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Platz 4: The Angel at Hetton (North Yorkshire)

Auch dieser tolle Gastropub in North Yorkshire taucht seit Jahren in allen Bestenlisten auf. Ich habe ihn in meinem Blog schon vorgestellt und war von dem Lunch, den ich dort eingenommen habe, sehr angetan. Michael Wignall übernahm den Angel im Jahr 2018, er steht auch selbst in der Küche, und hat sich im  Latymer Restaurant im Pennyhill Park Hotel in Surrey bereits zwei Michelinsterne erkocht. Im Angel hat er auch schon wieder einen der begehrten Michelinsterne erhalten. Hier ist ein Interview mit ihm.

Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Platz 5: Freemasons at Wiswell (Lancashire)

Seit vielen Jahren gehört dieser Gastropub zu den besten im ganzen Land. Steven und Matt Smith stehen am Herd dieses Gasthofs im fernen Lancashire im Ribble Valley, südlich von Clitheroe. Hier ist ein Film über den Pub.

Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lower Peover in Cheshire Teil 1: The Bells of Peover – Ein Country-Pub, in dem sich im Zweiten Weltkrieg zwei amerikanische Generäle trafen

Photo © John Naisbitt (cc-by-sa/2.0)

Am Ende einer Sackgasse in Lower Peover (es gibt auch ein Over Peover) in der Grafschaft Cheshire liegt ein Country-Pub namens The Bells of Peover, vor dessen Eingang zwei Flaggen wehen, der britische Union Jack und die amerikanischen Stars and Stripes. Direkt nebenan liegt die Dorfkirche St Oswald’s, und da geht man davon aus, dass der Name des Pubs sich auf die Glocken der Kirche bezieht, was aber nicht stimmt. Benannt ist das Gasthaus nach den ehemaligen Besitzern, die Bell hießen.

Warum nun hängen die beiden Fahnen an dem Haus? Sie stellen den Bezug her zu einem Treffen in Kriegszeiten zwischen General George Smith Patten jr. (der in der nahe gelegenen Peover Hall sein Hauptquartier hatte) und General Dwight David „Ike“ Eisenhower, das im Pub stattfand. Patten, der hier stationiert war, kehrte häufig in die Bells of Peover ein, und einmal kamen die beiden US-Generäle bei einem Mittagessen zusammen, um sich über die die alliierten Landungen in der Normandie zu beraten.

Auf den Webseiten des Pubs ist davon nichts zu lesen, man weist lieber auf die Vorzüge des Restaurants hin, und dass es sich um ein Gasthaus aus dem Jahr 1839 handelt, das gern „well-behaved dogs“ willkommen heißt.

Es gibt sogar ein Musikstück, das nach dem Pub benannt worden ist: „The Bells of Peover„, komponiert von Philip Doe, eine wunderschöne Melodie.

The Bells of Peover
The Cobbles
Lower Peover
Knutsford
Cheshire WA16 9PZ

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Januar 2022 at 02:01  Comments (1)  

The Black Lion – Ein Pub im Londoner Stadtteil Hammersmith und eine makabere Geschichte aus dem Jahr 1804

Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Red Lion-Pubs gibt es wie Sand am Meer in England; die Gattung der Black Lions ist nicht so stark vertreten, einige davon kann man in London antreffen. Das Gasthaus, um das sich mein heutiger Blogeintrag dreht und das The Black Lion heißt, liegt dicht an der Themse im Londoner Stadtteil Hammersmith, nur wenige hundert Meter von The Dove entfernt, den ich an dieser Stelle schon einmal porträtiert habe.

Passenderweise liegt der Pub in der South Black Lion Lane (Nummer 2), der Thames Path führt direkt daran vorbei. Links neben der Eingangstür trifft man auf eine große schwarze Tafel, auf der die Geschichte, um die es sich heute in meinem Blog dreht, skizziert ist.

Im Jahr 1804 soll der sogenannte Hammersmith Ghost in der Umgebung des Pubs sein Unwesen getrieben und mehrere Anwohner erschreckt und sogar attackiert haben. Man erzählte sich damals, dass es sich bei dem ganz in Weiß gekleideten Geist um einen Mann gehandelt haben soll, der Selbstmord begangen hatte und auf dem nahe gelegenen Friedhof beerdigt worden war. Viele, vor allem Frauen, hatten Angst, sich im Dunklen in der Nähe des Pubs aufzuhalten. Das geht so nicht weiter sagte, sich eine Gruppe junger Männer, darunter ein gewisser Francis Smith, da müssen wir einschreiten. Nach einigen Pints, um sich Mut anzutrinken, machte sich Francis am Abend des 3. Januars auf den Weg, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Und siehe da, er brauchte gar nicht lange warten, da sah er eine weißgekleidete Gestalt, die auf ihn zukam. Francis zögerte nicht lange, legte mit seiner Büchse an und erschoss den Geist. Meines Wissens kann man Geister gar nicht erschießen, und als Francis sich die auf dem Boden liegende Gestalt näher ansah, merkte er, dass er einen schweren Fehler begangen hatte. Der vermeintliche Geist war gar keiner, sondern ein Maurer, der in seiner weißen Arbeitskleidung auf dem Weg nach Hause war. Entsetzt trug Francis den Mann, der James Millwood hieß, in den Black Lion, wo ein herbeigerufener Arzt nur noch dessen Tod feststellen konnte.

Der Schütze wurde zum Tod verurteilt, die Strafe dann aber doch in ein Jahr Zwangsarbeit umgewandelt, weil Francis in gutem Glauben gehandelt und Millwood für einen echten Geist gehalten hatte. Noch heute soll der erschossene Maurer im Black Lion spuken.

The Black Lion
2 South Black Lion Lane
Hammersmith
London W6 9TJ

Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. November 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Dirty Bottles in Alnwick (Northumberland)

Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Über die kleine Stadt Alnwick im hohen Norden Englands, in der Grafschaft Northumberland, habe ich bereits fünf Artikel zu verschiedenen Themen geschrieben; hier ist nun der sechste Beitrag.
Es geht um einen Pub in der Straße Narrowgate mit dem Namen The Dirty Bottles. Das klingt erst einmal nicht so ganz Vertrauen erweckend, aber der Namen täuscht, es handelt sich hier nicht um einen Gasthof der Kategorie „Zum schmutzigen Löffel“. Das Haus ist schon sehr alt, vermutlich wurde es im 17. Jahrhundert erbaut, und es existierte lange unter dem Namen Ye Old Cross Inn. Der jetzige Name wurde übernommen weil in einem Fenster des Pubs wirklich schmutzige Flaschen stehen, die man nicht berühren kann, weil sie zwischen zwei Fensterscheiben isoliert sind, und das ist auch besser so, denn es heißt, wer diese Flaschen anfasst, wird sterben. Warum? Ein früherer Gastwirt soll einmal versucht haben, die schmutzigen Flaschen zu entfernen und bei dem Vorgang tot umgefallen sein, woraufhin seine Witwe jeden davor warnte, die Flaschen anzufassen, weil demjenigen dann dasselbe Schicksal widerfahren würde. So stauben sie denn weiter dahin, die dirty bottles.

Eigentlich war man kurz davor, den Pub abzureißen, um Platz für ein Wohnhaus zu schaffen, doch glücklicherweise konnte das verhindert werden, und mit Hilfe eines namhaften Innenarchitektenbüros entstand aus einem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan. In den Dirty Bottles kann man auch übernachten, ein idealer Standort, um Alnwick, die Burg und die Umgebung zu besuchen.

The Dirty Bottles
32 Narrowgate
Alnwick NE66 1JG

Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Little Prince in Margate (Kent) – Englands kleinster Pub?

In Englands streitet man sich seit Jahren, welches der älteste Pub im Land ist, ohne je zu einem definitiven Ergebnis gekommen zu sein. Welcher ist nun der kleinste Pub? Gibt es da eine klare Entscheidung? Jein, könnte man sagen. Im Guinness Book of Records ist immer noch The Nutshell in Bury St Edmunds (Suffolk) gelistet; The Signal Box Inn in Cleethorpes (Lincolnshire) bezeichnet sich selbst sogar als „The smallest pub of the planet“ (siehe dazu meinen Blogeintrag)
Und dann ist da noch The Little Prince in Margate in Kent, der auch den Anspruch erhebt, Großbritanniens kleinster zu sein. Erst vor fünf Jahren eröffnet, liegt dieser Mini-Pub etwas versteckt im Old Kent Market, einer Markthalle, die auf dem Areal eines ehemaligen Kinos untergebracht ist. In einer ehemaligen Sushi-Bar entstand der Pub, der nach der berühmten Erzählung von Antoine Saint-Exupéry benannt ist, was sich auch auf dem Pubschild manifestiert, auf dem Le Petit Prince zu sehen ist. Die Maße des Pubs betragen 3,35 Meter mal 2,01 Meter, gerade einmal Platz für maximal sechs Personen, was in Coronazeiten, in denen man Abstand halten soll, schon problematisch ist.

The Little Prince
8 Fort Hill
Margate
CT9 1HD

Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0
Published in: on 17. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

East Prawle in Devon und der Pigs Nose Inn

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Es gibt einen Ort namens West Prawle in Devon und ein Dorf namens East Prawle. Der Unterschied? East Prawle ist der am südlichsten gelegene Ort in der ganzen Grafschaft und noch ein Stückchen südlicher liegt Prawle Point, dann kommt nur noch das Meer. Man gelangt auf schmalen Straßen hier herunter, und auch im Dorf selbst geht es sehr eng zu. Von hier aus kann man auf Wanderwegen zum Meer kommen, aber auch ein Fahrweg führt zu einem Parkplatz am Meer. Bei Gegenverkehr wird es etwas problematisch, denn ich schätze die Breite der Straße auf circa zwei Meter.

Was hat East Prawle zu bieten? Nicht allzu viel; es gibt hier einen kleinen Laden namens Piglet Stores and Café am Village Green, der die Einwohner mit dem nötigsten versorgt und auch die Touristen mit ihren Bedürfnissen nicht im Stich lässt. Angeschlossen ist ein Café mit einer Auswahl an Kuchen, Sandwiches und Snacks. Ich stelle mir vor wie das hier wohl im Winter aussehen mag, bei Sturm und Regen.

Das Highlight in East Prawle ist der Dorfpub, der Pigs Nose Inn; „relaxed and quirky three-room 16th century pub, lots of interesting bric-a-brac“, so die Kurzbeschreibung des Good Pub Guides. Die Besitzer sind sehr hundefreundlich, haben selbst welche und heißen „Gasthunde“ willkommen. Außerdem ist man hier sehr umweltbewusst und versucht, auf so viel Plastik wie möglich zu verzichten; die Essenszutaten kommen zum größten Teil aus der Region.
Der Pigs Nose Inn hat einen sehr guten Ruf, was das Unterhaltungsangebot angeht. Es traten schon viele namhafte Bands auf wie Atomic Kitten, die Boomtown Rats oder Wishbone Ash. Im September soll es wieder richtig los gehen.
Seit letztem Montag ist die Außengastronomie wieder geöffnet.

Sehenswert ist übrigens die exzentrische Inneneinrichtung des Pubs!

The Pigs Nose Inn
East Prawle
Kingsbridge
Devon TQ7 2BY

„Relaxed and quirky“: Im Inneren des Pigs Nose Inn
Author: dvcronan
Creative Commons 2.0
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Du kommst hier nicht raus! Am Prawle Point.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

The Malt Shovel in Oswaldkirk (North Yorkshire)

Dort in der Grafschaft North Yorkshire, wo die North York Moors an die Howardian Hills grenzen, findet man das kleine Dorf Oswaldkirk, in dem es, wie es der Name auch verrät, eine dem heiligen Oswald gewidmete Kirche gibt. An derselben Straße liegt, wie sich das für ein englisches Dorf gehört,  der Pub, der hier The Malt Shovel heißt, ein denkmalgeschütztes Haus, das im 17. Jahrhundert erbaut worden ist. Der Pub gehört in das Portfolio der Samuel Smith Brewery, die in Tadcaster, ebenfalls North Yorkshire, ansässig ist. Leider ist The Malt Shovel schon seit geraumer Zeit geschlossen (nicht wegen Corona), weil der Pub in großem Stil umgebaut werden soll.

Das Haus gehört zu den „haunted pubs„, von denen es in England unzählige gibt. Geister scheinen ihre Atmosphäre zu schätzen wissen. In der Malt Shovel soll es sich um den Geist des fünfjährigen Thomas Bamber handeln, der hier vor über hundert Jahren starb. Seine Mutter soll das Kind wochenlang in seinem Sterbezimmer gelassen haben, bevor sie es zur Beerdigung freigab. Sie konnte sich nicht damit abfinden, dass ihr geliebtes Kind nicht mehr lebte.

In Oswaldkirk weiß jeder, dass es in der Malt Shovel spukt, der örtliche Pfarrer hat das Haus sogar schon einmal exorziert. Die Dorfbewohner werden sicher froh sein, wenn ihr Pub wieder geöffnet haben wird; solange müssen sie auf andere Pubs in der Umgebung ausweichen wie den White Swan und den White Horse Inn im nahegelegenen Ampleforth oder The Fairfax Arms in Gilling.

Wenn man schon einmal in Oswaldkirk ist, sollte man der hübschen kleinen Dorfkirche einen Besuch abstatten von deren Kirchhof man einen weiten Blick in das Ryedale hat.

Der Biergarten der Malt Shovel.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die dem heiligen Oswald gewidmete Dorfkirche.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

The Ebrington Arms in Ebrington (Gloucestershire) – Einer der schönsten Pubs in den Cotswolds… und ganz Großbritanniens

Ebrington ist ein hübsches kleines Dorf in den Cotswolds, das nicht so bekannt ist wie die Touristenhochburgen Broadway, Stow-on-the-Wold oder Chipping Camden. Drei Kilometer nordöstlich von letzterem Ort liegt Ebrington in der Grafschaft Gloucestershire und es darf sich zurecht damit schmücken, einen der schönsten Pubs in den Cotswolds zu besitzen; nach Ansicht der Times ist es sogar der schönste im  ganzen Königreich. Der im allgemeinen zuverlässige Good Pub Guide zeichnet The Ebrington Arms gleich mit mehreren Awards aus, mit dem Beer Award, dem Food Award, Wine Award und Stay Award (es stehen hier auch fünf Zimmer zur Verfügung). Da die Besitzer des Pubs auch eine eigene Brauerei haben, die Yubberton Brewery, kann der durstige Pubbesucher Produkte dieser Brauerei probieren, die Yubby, Yawny und Goldie heißen. Nicht-Biertrinker können den Wein des Little Oak Vineyards verkosten, der etwa zwei Kilometer entfernt angebaut wird.

Der Dorfpub soll hier schon seit dem Jahr 1640 stehen und dafür gesorgt haben, dass die Ebringtoner nie durstig zu Bett gehen mussten. Der Pub verfügt über all die Dinge, die man sich von einem englischen Gasthaus wünscht: Offene Kaminfeuer im Winter und eine Terrasse mit Biergarten im Sommer, Hunde sind willkommen, einige Tische in der Bar sind extra für Hunde und deren Begleiter vorgesehen, es gibt eine fantasievolle, bodenständige Küche und auch einige Pubspiele werden bereit gehalten.

Creaking with atmosphere“ schwärmt der Daily Telegraph und spricht von einem „hidden treasure set in a gloriously unspoilt village„.

The Ebrington Arms hat noch einen Schwester-Pub, The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.

Hier ist ein Film über dieses Schmuckstück in den Cotswolds.

The Ebrington Arms
Ebrington
Chipping Campden
Gloucestershire
GL55 6NH

 

Der Schwester-Pub: The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Februar 2021 at 02:00  Comments (5)  
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The Row Barge – Ein Pub in Henley-on-Thames (Oxfordshire), der früher einmal einen berühmten Stammgast hatte

Kann es einen passenderen Namen als The Row Barge für einen Pub in Henley-on-Thames in Oxfordshire geben, der Stadt mit einer der berühmtesten Ruderregatten der Welt? Leider liegt er nicht direkt an der Themse, sondern in der West Street, einige hundert Meter vom Fluss entfernt. Das Pubschild zeigt eine Königsbarke auf der Themse mit acht Ruderern, die offensichtlich einen Royal transportieren..

The Row Barge ist nur einen Katzensprung von Friar Park entfernt, jenem riesigen Gebäude mit 120 Zimmern, in dem einst der Beatle George Harrison mit seiner Frau Olivia wohnte (und in dem sie sicher häufig Schwierigkeiten hatten, einander zu finden). Ich berichtete über Friar Park in meinem Blog. The Row Barge war George Harrisons Stammlokal, das er in wenigen Minuten über den Gravel Hill und die West Street erreichte. Es gibt ein Foto, das George Harrison und Olivia zusammen mit dem damaligen Barmann und dessen Frau zeigt; einmal kam der Ex-Beatle in die Row Barge als Barmann Norman gerade Geburtstag hatte. Spontan schenkte ihm George Harrison einen Abend mit selbst gesungenen Beatlesliedern. Ich wette, dass der Row Barge-Wirt diesen Abend nie vergessen hat.

Noch ein anderer berühmter Musiker ging gern in the Row Barge: Der Gitarrist, Sänger und Komponist Gary Moore (1952-2011), der ebenfalls ganz in der Nähe wohnte und mit George Harrison befreundet war.

Eine weitere Größe der britischen Rock- und Popgeschichte wohnte in Henley-on-Thames, deren Grab auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin zu finden ist: Dusty Springfield (ich berichtete über meinen Besuch an ihrem Grab in meinem Blog)

Ich kann mir vorstellen, dass der Pub von George Harrison- und Beatles-Fans gern aufgesucht wird; sie können dort sogar übernachten (£85 pro Doppelzimmer, wovon es vier gibt). Das Haus selbst ist eine der ältesten Kutschenstationen in Henley-on-Thames, dessen Anfänge bis in das 16. Jahrhundert zurück reichen.

The Row Barge
37 West Street,
Henley-On-Thames,
Oxfordshire
RG9 2ED

Ein Foto aus dem Jahr 1978, als George Harrison gern in The Row Barge zu Gast war.
Photo © Antony Ewart Smith (cc-by-sa/2.0)

The Lion Inn – Einer der abgelegensten Pubs Englands in der Moorlandschaft North Yorkshires

Warum hat man wohl mitten in die landschaftlich großartigen North York Moors, dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, einen Gasthof hingebaut? The Lion Inn in einer Region, die sich Blakey Ridge nennt, hat seine Ursprünge im 16. Jahrhundert, seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als hier oben Eisenerz abgebaut wurde, und die Bergleute natürlich in der Abgeschiedenheit einen Pub brauchten. Heutzutage kann es im Sommer bei schönem Wetter im Lion Inn ganz schön voll werden, wenn durstige Wanderer, Radfahrer und Autofahrer über den Gasthof hereinfallen. The Lion Inn steht in den Charts der höchst gelegenen Pubs Englands mit über 400 Metern an vierter Stelle (die Nummer 1 ist der Tan Hill Inn, ebenfalls in North Yorkshire).

Weil in den Kaminen des Hauses ganzjährig Feuer brennen, ist The Lion schon einmal zum Real Fire Pub of the Year gewählt worden, und so richtig gemütlich wird es hier, wenn draußen ein Sturm ums Haus tobt, und man gemütlich am Kamin sitzt und ein Pint Old Peculier oder Theakston’s Best schlürft. Sollte die Wettervorhersage aber Schnee ankündigen, so ist es angebracht, Blakey Ridge schnell zu verlassen, es sei denn, man legt es darauf an, eingeschneit zu werden, denn das kann hier oben durchaus passieren. 40 Tage ist der bisherige Rekord, das muss man nun wirklich nicht haben.
Am Abend des 26. Novembers 2010 suchte ein Blizzard Blakey Ridge heim, der so viel Schnee mit sich brachte, dass The Lion von der Außenwelt abgeschnitten war, und das für neun Tage. Außer dem Personal waren nur zwei Gäste anwesend, die es sich aber alle gut gehen ließen, denn es war genügend zu essen da und Getränke sowieso. „We ate and drank like kings, feasting on all the finest food from the specials menu – steaks, pies, roasts – washed down with an ale or five„, erzählte eine der Angestellten des Pubs dem Guardian.

Es gibt 13 Gästezimmer im Haus (ein Zimmer mit der Nummer 13 gibt es nicht, auf Zimmer 12 folgt Zimmer 14), deren Übernachtungspreise zwischen £55 und £110 liegen.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über den Pub.

The Lion Inn
Blakey Ridge
Kirkbymoorside
North Yorkshire YO62 7LQ

Cozy?
Photo © Colin Grice (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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The Ritz in Wallsend (Tyne and Wear) – Ein J.D. Wetherspoon-Pub in einem ehemaligen Kino

Wallsend ist eine Stadt im Nordosten Englands in der Grafschaft Tyne and Wear, zwischen Newcastle upon Tyne and South Shields. Welche Mauer endete hier? Natürlich die römische Hadrian’s Wall, die von Kaiser Hadrian, einer Art Donald Trump des 2. Jahrhunderts, angelegt wurde, um unter anderem auch „die unkontrollierte Migration schottischer und irischer Stämme in das Gebiet der Provinz Britannia inferior zu verhindern“ (so die Wikipedia).

In Wallsend stand an der High Street von 2011 bis 2015 eine ehemalige Bingohalle leer, die in einem hübschen Art Déco-Gebäude untergebracht war, bis sich die Pubgruppe J.D. Wetherspoon ihrer erbarmte und einen attraktiven Pub daraus machte, dem der Name The Ritz gegeben wurde. Ursprünglich handelt es sich hier um ein 1939 von Percy L. Browne entworfenes Kino, das 1939 in Betrieb ging und als ersten Film „Gangster’s Boy“ zeigte. Am 8. September 1962 war dann leider Schluss, und das Kino wurde in eine Bingohalle umgewandelt.

J.D. Wetherspoon steckte eine Menge Geld in das Ritz (auch einer der berühmten Wetherspoon-Teppichböden wurde verlegt). Wie bei der Pubkette üblich hängen an den Wänden gerahmte Bilder und Fotos aus der Vergangenheit der jeweiligen Stadt. So findet man im Ritz zum Beispiel ein Foto des Sängers Sting, der am 2. Oktober 1951 in Wallsend geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte. Ein weiteres Foto zeigt die Dreharbeiten des Films „Get Carter“ (in Deutschland:“ Get Carter – Die Wahrheit tut weh“) aus dem Jahr 1970, die in Wallsend stattfanden.

In meinem Blog stellte ich bereits zwei weitere Kinoumbauten vor, die zu einem Wetherspoon-Pub wurden: The Wallaw in Blyth (Northumberland) und The Opera House in Tunbridge Wells (Kent).

Die ehemalige Bingohalle an der High Street von Wallsend.
Photo © Mac McCarron (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Phene – Ein Pub in Chelsea, der nach einem exzentrischen Architekten benannt worden ist

In der Oakley Street im Londoner Stadtteil Chelsea haben einige prominente Leute gewohnt wie der Polarforscher Robert F. Scott und der Reggae-Sänger Bob Marley. Oscar Wildes Mutter Jane hatte sich hier niedergelassen wie auch ein Architekt namens John Samuel Phene (1822-1912), der in der Nummer 32 wohnte. Phene war ein Exzentriker, der durch seine höchst merkwürdige „Lebkuchenburg“, das Gingerbread Castle, damals auf sich aufmerksam machte, ein fünfstöckiges Haus an der Ecke Oakley Street/Upper Cheyne Row, das niemals fertiggestellt worden war, in dem Phene nie wohnte und das im Jahr 1912 wieder abgerissen wurde. Der Architekt legte hier in Chelsea auch die nach ihm benannte Straße Phene Street (die von der Oakley Street abzweigt) und den Pub The Phene an, der in der ruhigen Sackgasse steht und der vor einigen Jahren um ein Haar in eine Luxuswohnung umgewandelt worden wäre, wenn sich nicht erheblicher Widerstand in der Bevölkerung aufgetan hätte. Unterstützt wurde der Widerstand unter anderem auch durch den Schauspieler Hugh Grant und den ehemaligen Fußballspieler Sol Campbell, der einmal für Arsenal und Tottenham im Einsatz war. Sein Kollege, der berühmte, 2005 verstorbene George Best ging im The Phene ein und aus.

The Phene wurde an die City Pub Company verkauft, die im Süden des Landes 48 Pubs ihr eigen nennt, auch ganz in der Nähe in Chelseas King’s Road „The Lost Hours“. The Phene ist glücklicherweise das geblieben, wofür John Samuel Phene ihn in den 1850er Jahren gebaut hatte, als Begegnungsort für die Bewohner der umliegenden Straßen, in dem man in Ruhe sein gepflegtes Pint trinken und dazu etwas Nettes essen kann. Wie dieser Film zeigt, gehört The Phene zu den „posh“ Pubs, in dem man gern auch ein Flasche Champagner ordert.

The Phene
9 Phene Street
Chelsea
London SW3 5NY

Die Oakley Street in Chelsea.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Die Wetherspoon Carpets – Teppichböden der besonderen Art

The Ledger Building, ein Pub in den Londoner Docklands.
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

Es gibt „trainspotters„, die auf Bahnsteigen oder überall da, wo Züge vorbeifahren, fein säuberlich Zugnummern, Standorte und Tageszeiten notieren, „planespotters„, die Ähnliches mit Flugzeugen veranstalten, „Eddie Stobart truckspotters„, die auf der Jagd nach Lastzügen der Speditionsfirma sind und deren weibliche Vornamen in ihr Notizbuch schreiben…und es gibt „Spoon’s carpetspotters„, die landauf, landab Pubs der J.D. Wetherspoon’s-Kette aufsuchen, um deren Teppichböden zu fotografieren. Da Wetherspoon’s um und bei 900 Pubs besitzt, haben diese Menschen ganz schön viel zu tun.

Warum sind die Teppichböden der Pubkette so besonders, dass manche Leute lange Fahrstrecken zurücklegen, um sich diese anzuschauen? Das Besondere ist, dass diese Teppichböden jeweils Unikate sind, die von Designern der Firma entworfen werden. Sie sind in der Regel nicht maschinell angefertigt, so dass so ein Teppichboden, je nach Größe des Pubs, bis zu £30,000 kosten kann. Hergestellt werden sie meist von der renommierten Firma Axminster Carpets, die in Axminster in Devon ansässig ist. Die Muster der Teppichböden stehen jeweils in einer Beziehung zu dem Ort, in dem der Pub steht. Vielleicht dienen der Farbreichtum und die vielen verschlungenen Muster auch dazu, dass man auf dem Teppichboden die Flecken von verschüttetem Bier und anderen mehr oder weniger appetitlichen Dingen nicht so sieht.

Kit Caless ist jemand, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, ein Buch darüber geschrieben hat: „Spoon’s Carpets„, 2006 erschienen, und einen Blog führt. Siehe auch diese Webseite zum Thema.

The Montague Pyke an Londons Charing Cross Road.
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

Midsummer Boulevard in Milton Keynes (Buckinghamshire).
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

The Regal in Cambridge.
Author: Matt From London
Creative Commmons 2.0

Published in: on 12. Oktober 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Gallaghers Traditional Pub in Birkenhead (Merseyside)

In den beinahe elf Jahren meiner Blogarbeit habe ich noch nie über die Halbinsel The Wirral und deren größte Stadt Birkenhead, gegenüber von Liverpool, geschrieben. Das möchte ich heute wenigstens ansatzweise nachholen mit der Vorstellung des ungewöhnlichen Gasthauses Gallaghers Traditional Pub in der Chester Street Nummer 20 in Birkenhead.

Im Fenster des Pubs sind zwei kleine Schilder angebracht mit den Aufschriften „SHAVES BY APPOINTMENT ONLY“ und „WALK IN SERVICE FOR HAIRCUTS„. Was soll das denn bedeuten? Ein Pub, in dem man sich die Haare schneiden lassen kann? Tatsächlich ist das in Gallaghers möglich, denn die Wirte Frank und Suzanne Gallagher sind beide Friseure, die den heruntergekommenen Pub 2010 übernahmen, ihn renovierten und gleichzeitig zwei Friseurstühle im hinteren Bereich installierten. Wer möchte, kann sich also beim Frisieren gleichzeitig ein Pint servieren lassen; das nennt man dann, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen oder, im Englischen, „to kill two birds with one stone“.

Wer etwas für Militaria über hat, kommt in dem Pub voll auf seine Kosten (der Wirt diente bei den Irish Guards). Da hängen unzählige Bilder mit entsprechenden Motiven an den Wänden, Schiffsmodelle stehen in Regalen, Flugzeuge hängen von der Decke usw. usw. Auf der Speisekarte sind Gerichte nach militärischen Dienstgraden benannt wie Corporal, Paratrooper und Chief Petty Officer.

Es ist schon ein recht ungewöhnlicher Pub hier in Birkenhead, von dem man übrigens vor der Tür einen großartigen Blick auf die Skyline von Liverpool hat.

Gallaghers Traditional Pub
20 Chester Street
Birkenhead CH41 5DQ

Published in: on 18. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Crown Inn in Sarre (Kent) – The Cherry Brandy House

Charles Dickens war schon hier zu Gast (wo eigentlich nicht?), ebenso Rudyard Kipling, Ellen Terry und viele andere namhafte Persönlichkeiten. Das steht so geschrieben auf zwei großen Tafeln am The Crown Inn in Sarre in der Grafschaft Kent. Fall jemand nicht weiß, wo dieses Sarre liegt: Auf halbem Weg zwischen Canterbury und Margate, dort, wo die A28 und die A253 zusammenstoßen.

Bevor man den Pub betritt, kann man, neben den beiden genannten Tafeln, noch so einiges an der Außenwand lesen. „Old Established Halfway House – Est. 1500 AD„, „Shepherd Neame 1698“ und „This is The Famous Cherry Brandy House„. Der Gasthof ist also über 500 Jahre alt, gehört zur Shepherd Neame Brauerei (in Faversham ansässig), die 1698 gegründet wurde, und hat eine Besonderheit, die es sonst nirgendwo in der britischen Pubwelt gibt: Hier wird ein ganz besonderer Cherry Brandy angeboten, den man nur in diesem Gasthaus bekommt.

Merkwürdigerweise findet man in der Wikipedia, weder in der englischen noch in der deutschen Ausgabe, einen eigenen Eintrag über Cherry Brandy. Das Getränk ist wohl etwas aus der Mode gekommen. Der Likör besteht aus Weinbrand und Kirschen (die Firma Bols verwendet dafür Maraska-Kirschen und zerdrückte Kirschkerne) und wird gern für Cocktails verwendet (zum Beispiel für Kiss in the Dark).

The Crown Inn stellt seinen Cherry Brandy nach einem Geheimrezept her, das die Hugenotten seinerzeit auf der Flucht von Frankreich nach England mitgebracht haben sollen. Die Kirschen dafür wachsen in der näheren Umgebung; Kent wir gern The Garden of England genannt.

Wer möchte, kann in The Crown auch übernachten, es gibt sogar eine Honeymoon Suite mit Himmelbett.

The Crown Inn
Ramsgate Road
Sarre
Birchington
Kent
CT7 0LF

Published in: on 16. August 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The Wallaw – Ein J.D. Wetherspoon-Pub in Blyth (Northumberland)

Der Name The Wallaw ist in der englischen Publandschaft einmalig. Schaut man in einem Wörterbuch nach, wird man keine Eintragung dafür finden, denn es ist ein Kunstwort, das sich aus dem Namen Walter Lawson zusammensetzt. Dieser Mann eröffnete im November 1937 in Blyth in Northumberland ein Kino mit diesem Namen. Ganz schön mutig, in einer Kleinstadt mit (heute) rund 37 000 Einwohnern ein Kino mit 1400 Sitzen zu betreiben, das sich tatsächlich bis zum Jahr 2004 halten konnte. Der letzte Film der hier gezeigt wurde, war “The Passion of the Christ”.
Danach stand das Art Déco-Gebäude, das vor allem durch seine Innenarchitektur ins Auge sticht, neun Jahre lang leer. Schließlich erbarmte sich die Pubkette J.D. Wetherspoon des Wallaw und baute es entsprechend um, bezog aber große Teile der Kinoeinrichtung mit ein. So ist ein außergewöhnlicher Pub entstanden, in dem noch ein Filmprojektor zu sehen ist, ein großartiges Foyer mit Treppen, die in den ersten Stock führen, ein wunderschöner Bartresen und ein atemberaubender Gastraum. Wie das in vielen anderen Wetherspoon-Pubs auch der Fall ist, hängen an den Wänden Bilder und Tafeln, die auf die Geschichte des Hauses eingehen.
Hier sind einige Bilder vom The Wallaw zu sehen.

Die Pubkette bietet seit einiger Zeit die Wetherspoon-App an, mit der man von seinem Tisch aus Bestellungen aufgeben kann, die dann vom Personal gebracht werden. Egal ob Drinks oder Essen, alles kommt direkt an den Tisch; kein Anstellen am Tresen mehr, kein mühseliges Schleppen von randvollen, überschwappenden Biergläsern. Bezahlt wird nicht bar, sondern mit Apple Pay, Google Pay oder PayPal gleich bei der Bestellung; das hat durchaus seine Vorteile.

Published in: on 13. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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The Ringlestone Inn bei Harrietsham in Kent – Heimgesucht von Straßenräubern, Bikern und Geistern

The Ringlestone Inn ist einer jener entlegenen Pubs, an denen man nicht zufällig vorbeikommt, sondern die man gezielt aufsuchen muss. Erreichbar ist der Inn nur über die einspurige Ringlestone Road, und das Mini-Dörfchen Ringlestone besteht nur aus einer Handvoll Häusern. Wir befinden uns in der Grafschaft Kent, nördlich der A20 und M20, nicht weit vom Leeds Castle entfernt.

Die Anfänge des Gebäudes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, im Inneren hat sich Vieles in den letzten dreihundert Jahren kaum verändert. Über die Geschichte des Hauses könnte man ein ganzes Buch schreiben. Bevor es zum Gasthof wurde, diente es als Hospiz für Mönche, dann siedelte sich ein Küfer hier an und es wurde Bier gebraut. Nachdem The Ringlestone Inn seine Pforten eröffnete, wurde das abgelegene Haus zum Treffpunkt von Straßenräubern und Schmugglern.
Auch im 20. Jahrhundert ging es hier manchmal hoch her, so zum Beispiel an einem Bank Holiday-Abend des Jahres 1963, als sich Dutzende von rauhbeinigen Motorradfahrern einfanden. Damals waren Florence und Dora Gasking, Mutter und Tochter, die Gastwirte des Ringlestones Inns. Als die Bikers es zu toll trieben und eine Fensterscheibe zu Bruch ging, riss Florence Gasking der Geduldsfaden. Sie holte eine Schrotflinte hervor (die allerdings nur mit Platzpatronen geladen war), und schoss über die Köpfe der randalierenden Biker hinweg. Von da ab war Ruhe im Karton. Der Inn blieb trotzdem Treffpunkt für Motorradfahrer, aber die Wirtin hatte sich Respekt verschafft und ähnliche Szenen sollten sich hier nicht mehr abspielen.

In einem so alten Gasthof muss es natürlich spuken und das tut es im Ringlestone Inn auch. Sowohl die Bewohner des Hauses als auch Gäste erzählen immer wieder von merkwürdigen Begebenheiten. Renovierungsarbeiten sind zum Beispiel bei Geistern äußerst unbeliebt, weil sie sich dadurch in ihrer Ruhe gestört fühlen, und das lassen sie die Gastwirte deutlich durch ihre Aktivitäten spüren. Geisterkinder sollen mehrfach gesichtet worden sein, sowie ein älteres Ehepaar, das am Kamin einen Drink zu sich nimmt. In diesem Film wird von einigen dieser Ereignisse erzählt.

Nach einem Umbau ist The Ringlestone Inn im vorigen Jahr wieder neu eröffnet worden, und die Besitzer legen jetzt verstärkt Wert auf ihr Restaurant, in dem man beispielsweise ein siebengängiges Menü zu sich nehmen kann.

The Ringlestone Inn 
Ringlestone Road
Harrietsham
Kent, ME17 1NX

Das Konsulat des Königreichs von Redonda findet man im Pub The Wellington Arms in Southampton

Das Rauchverbot in englischen Pubs traf viele „Regulars“, die gern mal zur Zigarette griffen, schwer. Das Bier so ganz ohne zu trinken, schmeckte ihnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht. Aber was sollten sie schon gegen das Gesetz ausrichten? So mancher Wirt überlegte, ob es nicht vielleicht doch einen Ausweg aus dieser Situation geben könnte und Bob Beech, der Publican des The Wellington Arms in Southampton hatte da eine Idee. Wenn sein Pub nicht auf britischem Boden stehen würde, gälten dann ja auch die britischen Gesetze dort nicht…

Die Idee: Bob Beech erklärte seinen Pub kurzerhand zum Konsulat des Königreichs von Redonda. Nie davon gehört? Es gibt wohl auch nur wenige Menschen auf der Welt, die schon von diesem Königreich gehört haben. Redonda ist eine winzige Insel in der Karibik, nicht weit von Antigua entfernt, auf der kein Mensch wohnt. 1865 soll sich hier ein gewisser Matthew Dowdy Shiell von der nahe gelegenen Insel Montserrat zum König von Redonda ausgerufen haben und dieser Titel wurde bis in die heutige Zeit  immer weitergereicht. Näheres ist auf der Homepage des Pubs nachzulesen. Da ist natürlich viel britischer Humor dabei und dem Konsul Redondas, besagtem Wirt Sir Robert Beech, gelang es auch nicht, die britischen Behörden davon zu überzeugen, dass die Rauchverbotsbestimmungen in seinem Pub nicht gelten, aber einen Versuch war es immerhin wert…

Die Raucher des Wellington Arms müssen sich also weiterhin nach draußen begeben, um sich eine Zigarette zu genehmigen; für sie hat Sir Robert aber eine überdachte Raucherzone gebaut.

Ab heute hat der Pub nach den Corona-Einschränkungen wieder geöffnet. Good luck!

The Wellington Arms
56 Park Road
Southampton SO15 3DE

 

The Kingdom of Redonda.
Author: Invertzoo.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Daddlums – Ein fast ausgestorbenes Pubspiel, das noch heute in The Jolly Drayman in Gravesend (Kent) gespielt wird

The Jolly Drayman in Gravesend (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich immer einmal wieder über Pubspiele geschrieben, zuletzt über Ringing the bull, die nach und nach in Gefahr geraten, auszusterben und auf der „Roten Liste der gefährdeten Pubspiele“ stehen (gibt es nicht in Wirklichkeit, habe ich mir nur ausgedacht).
Eines dieser Spiele, die beinahe ganz verschwunden sind, ist Daddlums, auch Kentish skittles genannt. Das ist ein Kegelspiel, das auch auf kleinstem Raum untergebracht werden kann. Auf einem speziellen Brett sind neun Mini-Kegel rautenförmig aufgestellt, die es gilt umzuwerfen; das muss der Spieler mit drei kleinen hölzernen Würfeln („cheeses“) aus drei Metern Abstand erreichen. In Dorset gibt es ein ähnliches Spiel, das dort Drubbers genannt wird.

In einem der ganz wenigen verbliebenen Pubs, in dem regelmäßig Daddlums gespielt wird, ist The Jolly Drayman in der Wellington Street in  Gravesend in Kent, wo sich die Themse allmählich der Nordsee zuwendet. Jeden Sonntagabend um 21 Uhr trifft sich hier die Daddlums-Fangemeinde zum fröhlichen Tischkegelspielen. Nach Meinung des Jolly Draymans gibt es (wahrscheinlich) im ganzen Königreich keinen weiteren Pub, in dem dieses Spiel gespielt wird. Nach meinen Recherchen kommt höchstens noch The Carpenters Arms in dem winzigen Dorf Coldred, nahe der A2, nördlich von Dover in Kent in Frage, in dem zumindest hin und wieder Daddlums zelebriert wird.

Je mehr Pubs schließen, und das kann durch die Coronakrise noch beschleunigt werden, je mehr geraten auch lieb gewordene Traditionen in Gefahr, für immer zu verschwinden. Hoffen wir, dass dem Einhalt geboten werden kann!

The Carpenters Arms in Coldred (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Ringing the bull – Ein altes Pubspiel, das man noch heute hier und da findet

Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham.
Photo © Roy Hughes (cc-by-sa/2.0)

Die Kreuzritter sollen die Anregung zu dem Spiel „Ringing the bull“ aus Jerusalem mit zurück nach England gebracht haben, und so verwundert es nicht, dass es in einem der ältesten Pubs Englands, dem Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham, noch heute gern gespielt wird (wie man hier sehen kann). Man braucht dazu lediglich einen Strick, der an der Decke eines Raumes befestigt ist, mit einem Ring am Ende und an der Wand einen Haken, der häufig an einem ausgestopften Tierkopf angebracht war, vorzugsweise einem Kopf eines Bullen oder eines Hirschen. Jetzt müssen die Teilnehmer des Spiels nur noch den Ring über den Haken befördern. Klingt simpel, ist es aber nicht. In der TV-Show „Schlag den Raab“ im Jahr 2014 versuchte sich Stefan Raab und sein damaliger Herausforderer an dem Spiel, und beide schafften es nach einer Stunde nicht, den Ring über den Haken zu bekommen (wer die Geduld dazu aufbringt, kann sich hier das quälende Duell in voller Länge ansehen).

In welchen Pubs kann man Ringing the bull heute noch spielen? Neben dem oben erwähnten gibt es noch einige Pubs in England, wo das möglich ist. Drei Beispiele: Im Pilot Inn in Dungeness (Kent), im Murrell Arms in Barnham (West Sussex) und The Blue Ball Inn in Grantchester (Cambridgeshire).

The Pilot Inn in Dungeness (Kent).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Murrell Arms in Barnham (West Sussex).
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

The Blue Ball Inn in Grantchester (Cambridgeshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The Hope and Anchor im Londoner Stadtteil Islington – Hier gingen einmal die späteren Stars der Rockmusik ein und aus

Hope we have as an anchor of the soul“ heißt es in der Bibel und nach diesem Spruch haben sich einige Pubs in England benannt, zum Beispiel in Wokingham (Berkshire) und in den Londoner Stadtteilen Brixton und Islington. Mit letzterem möchte ich mich heute kurz beschäftigen, denn The Hope and Anchor in der Upper Street Nummer 207 (die A1), Ecke Islington Park Street, spielte eine Zeit lang in der Rockgeschichte Englands eine große Rolle. In dem 1880 erbauten Gebäude fanden sich vor allem in den 1970er Jahren in einem kleinen Kellerraum zahllose Rockmusiker ein, die für ein dichtgedrängtes Publikum spielten. Diese Nähe zwischen Zuhörern und Musikern sorgte für eine besondere Atmosphäre, was sich schnell in London herum sprach und die Auftritte immer gut besucht waren.

1977 nahmen die Stanglers hier ihr Album „Live at the Hope and Anchor“ auf, dessen Plattenhülle im Hintergrund den Pub zeigt. Die Band Madness nutzte den Pub für ihr Musikvideo zu „One step beyond„, was auch die Londoner Band The Damned für „New Rose“ tat. Als noch niemand die irische Rockband U2 kannte, spielte sie im Keller vor neun Eintritt zahlenden Gästen, was die jungen Männer derart frustrierte, dass, nachdem Edge eine Seite seiner Gitarre gebrochen war, sie abtraten und das Weite suchten. The Police traten im Februar 1978 mehrer Male auf, und im selben Jahr hatte Joy Division am 27. Dezember ihren ersten Auftritt in London (der Eintritt kostete 75 Pence).

Ende 1977 fand hier das Hope & Anchor Front Row Festival statt, von dem ein Doppel Album veröffentlicht wurde, auf dem u.a. die Bands XTC, Tyla Gang, The Stranglers und Dire Straits (mit „Eastbound train„) zu hören sind.

Im ersten Stock des Hope and Anchor ist ein kleines Theater mit 50 Sitzen untergebracht, das Hope Theatre, das sich innerhalb weniger Jahre einen Namen gemacht und schon mehrere Preise gewonnen hat.

Last Order! – Britische Pubs in Zeiten der Coronakrise

Solche Bilder wollen wir nach dem Ende der Coronakrise nicht sehen (hier ein aufgegebener Pub im Londoner Stadtteil Deptford).
Photo © David Lally (cc-by-sa/2.0)

Premierminister Boris Johnson verhängte in der vorigen Woche die Schließung aller Pubs, was sicherlich richtig war, aber die britischen Gaststätten vor weitere große Probleme stellt. Die Zahl der Pubs ging in den letzten Jahren dramatisch zurück, was an mehreren Faktoren lag, so stiegen zum Beispiel die Bierpreise kontinuierlich, was immer mehr Menschen dazu bewegte, ihr Bier bei Tesco, ASDA oder Aldi zu kaufen.

Wenn jetzt Pubs über einen längeren Zeitraum geschlossen bleiben müssen, wird das viele in den Ruin treiben. Ich kann mir vorstellen, dass, speziell in den Metropolen, hinter den Kulissen schon einige „developer“ wie die Aasgeier darauf warten und dann die Häuser möglichst günstig aufkaufen, gegebenenfalls abreißen, um auf dem Grundstück neue Wohnhäuser zu erbauen bzw. das alte Gebäude in Wohnungen umzugestalten.

Doch jetzt wehren sich noch viele Pubs gegen dieses Szenario, indem sie neue Ideen verwirklichen und ihren bisherigen Kunden Alternativen anbieten. Pubfood zum Mitnehmen ist eine Möglichkeit, einige gehen sogar noch weiter und bringen die Bestellungen ins Haus.

In a bid to provide traditional pub meals for people who are social distancing due to coronavirus, we are bringing the pub to you„, heißt es bei Pubs, die zur Greene King Brewery gehören.

Erfindungsreich sind einige Pubs im Nordosten des Landes, wie der ChronicleLive aus Newcastle berichtet. The Punch Bowl in Jesmond und The Brandling Villa in Gosforth bringen nicht nur Mahlzeiten aus der Pubküche ins Haus, sondern auch Getränke wie Bier, Wein und Spirituosen, weiterhin wollen sie Livestreams aus ihren Bars anbieten, um ein wenig Pubatmosphäre ins Haus zu schicken. Sogar Kondome sind ins Lieferprogramm aufgenommen worden.

The Dorset in Lewes (East Sussex) bietet für £10 fünf Flaschen Budweiser und drei Snacks nach Wahl. Wer einen Container mitbringt, kann sich den auch mit Bier auffüllen lassen.

Bei der Abholung der bestellten Waren kann man ganz vorsichtig sein und jeden Kontakt vermeiden, indem man telefonisch oder online bestellt, auch online bezahlt, zu einer vereinbarten Zeit im Pub erscheint und dort die bereit gestellten Dinge an sich nimmt.

Das sind nur einige wenige Beispiele wie Pubs im Land der Coronakrise trotzen. Drücken wir allen britischen Pubs die Daumen, dass möglichst viele von ihnen überleben und bald wieder ihre Pforten für den Normalbetrieb öffnen können!!

The Dorset in Lewes (East Sussex).
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. März 2020 at 02:00  Comments (4)