Mein Buchtipp – Bob Barton: Unusual Pubs By Boot, Bike and Boat

Foto meines Exemplares.

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog eine Fülle von Pubs vorgestellt, die auf die eine oder andere Weise ungewöhnlich sind. Bob Barton hat in seinem Buch 150 dieser Gasthäuser zusammengefasst. Es heißt „Unusual Pubs By Boot, Bike And Boat: 150 extraordinary licensed premises to visit around Britain„. Barton hat sie alle aufgesucht, vorzugsweise, wie es im Untertitel lautet, zu Fuß, per Rad oder per Boot; das Auto blieb also in den meisten Fällen zu Hause, was natürlich sehr gut in die heutige Zeit passt. Zu jedem der 150 Artikel werden die Anfahrtswege beschrieben, gegebenenfalls die Nummern der Wege des National Cycle Networks angegeben und, falls der Pub per Boot erreichbar ist, weist Bob Barton daraufhin, ob es dort eine Anlegestelle gibt. Sehr schöne Farbfotos von jedem einzelnen Pub ergänzen die Beschreibungen.

Hier sind einige Beispiele:
The Fleece Inn in Bretforton bei Evesham in Worcestershire – Ein uralter Pub, der dem National Trust gehört und den ich schon mehrfach aufgesucht habe. Es lohnt sich…wenn man denn einen Parkplatz in der Nähe findet.

The Yew Tree Inn in Cauldon (Staffordshire) – Ein Pub, den ich in guter Erinnerung habe und der vollgestopft ist mit Kirchenbänken, Polyphonen, alten Fahrrädern, einem Paar Seidenstrümpfen, die einst Königin Victoria gehörten usw. usw.

The Pack o‘ Cards in Combe Martin (Devon) – Ein sehr exzentrisches Gebäude, das wie ein Kartenspiel gebaut worden ist.

The Castle Inn in Edgehill (Warwickshire) – Der Pub steht am Rand des Schlachtfelds von Edgehill (1642) und ist in einem burgartigen Gebäude untergebracht mit achteckigem Turm und Zugbrücke.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Pub-Liebhaber!

Bob Barton: „Unusual Pubs By Boot, Bike And Boat: 150 extraordinary licensed premises to visit around Britain. Halsgrove 2017. 144 Seiten. ISBN 978-0-85704-305-4.

The Fleece Inn in Bretforton (Worcestershire).
Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)

The Yew Tree Inn in Cauldon (Staffordshire).
Photo © Jonathan Clitheroe (cc-by-sa/2.0)

The Pack o‘ Cards in Combe Martin (Devon).
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

The Castle Inn in Edgehill (Warwickshire).
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

 

 

The Opera House in Tunbridge Wells (Kent) – Einer der ungewöhnlichsten und schönsten Pubs Englands

An der Mount Pleasant Road in Tunbridge Wells (Kent) findet man einen der außergewöhnlichsten Pubs in ganz England, The Opera House, der zu der J. D Wetherspoon-Kette gehört, unter deren Dach sich viele Pubs versammelt haben, die über ein besonderes Ambiente verfügen.

Das imposante Gebäude wurde im Jahr 1902 als Opernhaus erbaut, in dem bis 1931 Aufführungen stattfanden (die erste war Gilbert and Sullivans „Mikado“). Eine Kuppel krönt das Gebäude, auf der einmal eine Statue des nackten Götterboten Merkur stand, die aber in den 1920er Jahren abgenommen wurde. Vielleicht erschien sie den Bewohnern der Stadt zu anstößig? Das Innere des Opernhauses hatte man pompös in neo-barockem Stil gestaltet, mit Logen rechts und links von der Bühne, Kronleuchtern und reichen Verzierungen. Leider hielt sich die Oper nicht allzu lange in der Bäderstadt, denn bereits 1931 wurden statt Gilbert and Sullivan-Aufführungen Spielfilme gezeigt, ein Kino hatte das Haus übernommen. Nach Beschädigungen und Bränden im Zweiten Weltkrieg, deutsche Flugzeuge hatten, aus welchen Gründen auch immer, Tunbridge Wells bombardiert, wurde The Opera House wieder hergestellt. In den 1960er Jahren hatten die Bewohner der Stadt nicht mehr so richtig Lust ins Kino zu gehen, so dass sich hier stattdessen eine Bingohalle etablierte. 1996 übernahm schließlich die Wetherspoon-Pubgruppe das wunderschöne Haus und machte daraus einen Pub.

Heute kann man in dem außergewöhnlichen Ambiente genüsslich seine Pints trinken, zu Mittag oder zu Abend essen und sich die Bilder an den Wänden ansehen, die, wie so oft in Wetherspoon-Pubs, die Geschichte der Häuser näherbringen.

Einmal im Jahr geschieht etwas Besonderes im Opera House, wenn der Name des Etablissements erneut zu seinen Ehren kommt. Dann wird hier wieder eine Oper aufgeführt. Die Tische werden von der Bühne entfernt, und die Merry Opera Company bestimmt das Geschehen im Pub. Das nächste mal am 16. Februar 2020, wenn Mozarts Don Giovanni auf dem Programm steht.

Dieser sehr interessante Film zeichnet die Geschichte des Opera House nach.

The Opera House
88 Mount Pleasant Road
Royal Tunbridge Wells
Kent
TN1 1RT 

The Blue Lias Inn in Stockton (Warwickshire) – Der Brontosaurus-Pub

Einen Gasthof mit einem Brontosaurus auf dem Pubschild gibt es sicher kein zweites Mal in England. Der Name des Pubs, The Blue Lias Inn, ergibt zusammen mit dem Schild Sinn, denn die sogenannte Blue-Lias-Formation ist eine sedimentäre Ablagerung, die in vielen Teilen Englands anzutreffen ist und die zu einer Zeit entstand, als Saurier durch die Lande zogen. In den nahe gelegenen Steinbrüchen von Stockton in der Grafschaft Warwickshire fand man einen Ichthyosaurus, der sein neues Zuhause im Londoner Natural History Museum gefunden hat, und der auf dem Geschwindigkeitsbegrenzungsschild am Ortseingang von Stockton abgebildet ist.

Das Dorf Stockton liegt östlich von Leamington Spa, der Blue Lias Inn etwas außerhalb am Union Canal, so dass Narrowboater direkt am Pub anlegen können, wenn sie denn noch einen Platz ergattern. Der Biergarten ist ebenfalls nur wenige Schritte vom Kanal entfernt. Das Gebäude war ursprünglich ein Bauernhaus, das im 18. Jahrhundert erbaut und später in ein Gasthaus umgewandelt wurde.

Der Kanalpub ist nicht nur im Sommer dank seiner schönen Lage sehr beliebt, auch um die Weihnachtszeit herum, zieht The Blue Lias Inn viele Menschen an, denn dann erstrahlt er sowohl außen wie auch innen, von unzähligen bunten Lämpchen erleuchtet wie dieser Photostream zeigt.

Blue Lias Inn
Stockton Road
Stockton
Southam
CV47 8LD

Published in: on 5. Juli 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Bear Inn in Oxford – Der „Krawatten-Pub“

Colin Dexters Romanfigur Inspector Morse ist meistens durstig, und er hat kein Problem damit, im Dienst das eine oder andere Pint zu trinken. So geht er auch in dem Roman „Death is now my neighbour“ (in meinem Exemplar auf den Seiten 77 bis 79), dessen deutscher Übersetzungstitel „Der Tod ist mein Nachbar“ lautet, zu dem Oxforder Pub The Bear, Ecke Alfred Street/Blue Boar Street, um seinen Durst zu löschen und um Ermittlungen anzustellen. Morse sucht nämlich einen Spezialisten für Krawatten auf, Steven Lowbridge im Roman, der ihm bei der Suche nach einem ganz besonderen Schlips helfen soll.

Wie so vieles in den Oxford-Krimis von Colin Dexter, der leider am 21. März 2017 verstorben ist, existiert der Pub auch in Wirklichkeit, und es gibt dort die größte „Gasthaus-Krawattensammlung“ der Welt. The Bear Inn gehört zu den ältesten Pubs des Landes, dessen Ursprünge bis in das Jahr 1242 zurückreicht. Die Idee mit dem Krawattensammeln hatte 1952 der damalige Landlord Alan Course; er schnitt mit einer Schere einen Teil der Krawatte seiner Gäste ab, wenn sie es denn zuließen, und sie bekamen dafür einen Drink auf Kosten des Hauses. So sind mittlerweile rund 4500 „Schlipsabschnitte“ zusammengekommen, die in 24 Glaskästen an den Wänden und an der Decke zur Schau gestellt werden. Morse sieht da zum Beispiel eine Krawatte des Yale University Fencing Clubs, eine der Welsh Schoolboys‘ Hockey Association und eine der Kenya Police. Es sind schon besondere Exemplare, die im Bear Inn gesammelt worden sind.

Alan Course war ein sehr vielseitiger Mensch. Bekannt wurde er vor allem durch seine Karikaturen in der Oxford Mail; er war aber auch 12 Jahre lang Polizist in Oxford, Feuerlöscher-Verkäufer, Entertainer und eben Landlord, nicht nur vom The Bear, sondern auch noch vom White Hart in Wytham (hier wurde für die TV-Serie „Inspector Morse“ die Episode „The Way Through the Woods“ gedreht) und The Star in Woodstock. Er starb 1975 im Alter von 62 Jahren.

Der Pub an der Albert Street gehört zu der Brauerei Fuller’s, und so bekommt man hier selbstverständlich auch deren berühmtes London Pride vom Fass zu trinken.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 1955, der Alan Course bei der Arbeit zeigt.

The Bear Inn
6 Alfred Street
Oxford
Oxfordshire OX1 4EH

Die Krawattensammlung im Bear Inn.
Author: Jorge Royan
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Published in: on 20. Juni 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Temple of Convenience – Eine Szenekneipe in Manchester

In meinem Blog-Beitrag vor mehr als zwei Jahren über „Loo Tours“ in London erwähnte ich einige Lokale, die sich in der Hauptstadt in ehemaligen Toiletten installiert haben wie das Attendant Café, WC Wine & Charcuterie und die Cellar Door Bar.
Auch Manchester kann so etwas vorweisen, eine Szenekneipe mit dem wohlklingenden Namen The Temple of Convenience oder auch nur kurz The Temple genannt. Man findet den Eingang, der eine Treppe hinunterführt, mitten auf der Great Bridgewater Street. Dort, wo früher Menschen ihre Notdurft verrichteten, stehen heute dicht gedrängt Besucher dieses Etablissements, um ihr Bier zu trinken und der Musik zu lauschen, die aus der Music Box dröhnt, die überwiegend mit Songs von Manchester-basierten Bands bestückt ist. Es ist gar nicht selten, dass man einige der Mitglieder dieser Bands im Temple trifft, die sich in der Kneipe ebenfalls wohlfühlen, beispielweise die Band Elbow wie dieses Interview zeigt. Im Text ihres Songs „Grounds for Divorce“ heißt es „There’s a hole in my neighborhood Down which of late I cannot help but fall“ und mit diesem „Loch in meiner Nachbarschaft“ soll The Temple of Convenience gemeint sein.

The Temple of Convenience
100 Great Bridgwater Street
Manchester M1 5JW

 

 

 

The Churchill Arms in Kensington (London) – Einer der ungewöhnlichsten Pubs Englands

Truly British Eccentricity“ – Diese Worte prangen auf der Homepage des The Churchill Arms im Londoner Stadtteil Kensington, an der Ecke Kensington Church Street/Campden Street gelegen. Wenn man den Pub zum ersten Mal sieht, sei es im Sommer, sei es im Winter, reibt man sich die Augen und mag es kaum glauben: Im Sommer ist das Eckhaus über und über mit blühenden Pflanzen geschmückt, so dass die Hausmauern kaum noch zu erkennen sind, dazu wehen mehrere Union Jacks im Winde. Schon mehrere Male war The Churchill Arms Sieger im Wettbewerb London in Bloom. Zur Weihnachtszeit sieht der Pub nicht weniger überwältigend aus: Fast 100 Weihnachtsbäume und über 20 000 Lämpchen zieren ihn und machen ihn zu einem echten Hingucker. Das Pubschild zeigt Sir Winston Churchill mit seinem für ihn typischen Siegerzeichen und im Inneren des Hauses wird dem Staatsmann mit zahllosen Memorabilien gehuldigt. Seine Großeltern waren Stammgäste.

Hinter all dieser Exzentrität steckt Gerry O’Brien, der nach über 32 Jahren Landlord-Tätigkeit 2017 in den Ruhestand ging. Er machte The Churchill Arms zu dem, was er heute ist, zu einem der ungewöhnlichsten Pub des Landes. Gerry O’Brien fiel ständig etwas Neues ein, mit dem er seine Stammgäste bei der Stange hielt bzw. neue Gäste anlockte; so veranstaltete er am Geburtstag des Pub-Namensgebers Churchill Nights mit Live-Musik aus der Kriegszeit; viele Gäste kamen entsprechend uniformiert und es herrschte eine „Bombenstimmung“.

Im Laufe seiner Zeit als Gastwirt will Gerry O’Brien über zwei Millionen Pints von Fuller’s London Pride ausgeschenkt haben, das immer vorrätig ist, doch auch andere Biersorten der Brauerei Fuller’s sind an der Bar zu haben.

The Churchill Arms war der erste Londoner Pub, der in seinem Restaurant Thaispezialitäten anbot, serviert im nicht minder exzentrisch eingerichteten Butterfly Conservatory mit Mini-Wasserfall und lebenden Fischen.

Pubs wie dieser machen das Leben bunter, fröhlicher und genussreicher! Dieser Film zeigt mehr.

The Churchill Arms
119 Kensington Church Street
London W8 7LN

Christmas time is coming…
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

 

CAMRA’s National Inventory of Historic Pub Interiors

Für mich der Prototyp eines urigen englischen Pubs: The Fleece Inn in Bretforton (Worcestershire), den ich in meinem Blog bereits vorstellte.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Die Campaign for Real Ale, kurz CAMRA, habe ich in meinem Blog schon mehrfach erwähnt. Die Organisation setzt sich für das Fortbestehen der britischen Institution „Pub“ ein und darüberhinaus auch für die Qualität des Ales.

Auf dem National Inventory of Historic Pub Interiors listet die CAMRA Gasthäuser in ganz Großbritannien, die über ein historisches Interieur verfügen, das sich seit dem Zweiten Weltkrieg möglichst wenig verändert hat. 265 Pubs stehen derzeit auf der Liste, die von der Pub Heritage Group gepflegt und aktualisiert wird. Dort, wo historische Gasthäuser Gefahr laufen, geschlossen oder modernisiert zu werden, greift die Gruppe ein und unterstützt lokale Kampagnen, die für den Erhalt der Pubs kämpfen.

Neben dem National Register gibt es noch das Regional Inventory of Historic Pub Interiors, in dem Gasthäuser verzeichnet werden, die zwar schon umgestaltet worden sind, aber trotzdem noch historisches Interesse haben.

Trotz der Arbeit und des Einsatzes der CAMRA kommt es leider immer wieder vor, dass schöne alte Pubs geschlossen und anderen Zwecken zugeführt werden oder es kommen die Abrissbagger.

Hier sind einige Beispiele aus dem National Inventory of Historic Pub Interiors:

The Barton Arms in Newtown (Birmingham).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The Argyll Arms in Soho (London).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Lion Tavern in Liverpool.
Photo © Glyn Baker (cc-by-sa/2.0)

The White Horse in Beverley (East Yorkshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Britons Protection in Manchester.
Photo © Bob Harvey (cc-by-sa/2.0)

The Ring o’Bells – Ein Pub in Kendal (Cumbria), der auf geweihtem Boden steht

Dass alte Pubs oft ganz in der Nähe von Kirchen stehen, liegt mit daran, dass früher beim Bau der Gotteshäuser die Handwerker dort untergebracht waren, wo sie auch aßen und tranken. Es gibt allerdings nur ganz wenige Pubs in England, die direkt auf geweihtem Boden stehen. Einen von ihnen, The Mug House in Claines in Worcestershire stellte ich in meinem Blog einmal vor. Ein anderer ist The Ring o’Bells, der dicht an der Holy Trinity Parish Church von Kendal in Cumbria errichtet wurde, der größten Kirche der Grafschaft.

Es gibt unterschiedliche Meinungen, wann der Pub gebaut worden ist, wahrscheinlich in den 1740er Jahren. Stammgäste waren neben dem Küster, dem Gemeindevorsteher auch die bell-ringer, denn das anstrengende Glockenläuten machte durstig, so dass anschließend einige Pints erforderlich waren. Das Pubschild zeigt denn auch die Glockenläuter bei der Arbeit, mit einem Bierkrug vor ihnen. Das alte Schild wird in der Kirche aufbewahrt, ein neues, modernisiertes Schild schmückt heute The Ring o’Bells. Im Bellringer’s Snug sollen früher einmal die Leichen aufgebahrt worden sein, bevor sie nebenan beigesetzt wurden. Von einen Geheimgang vom Pubkeller in die Kirche ist auch die Rede, aber gesehen bzw. begangen hat ihn wohl in der letzten Zeit niemand (wenn es ihn denn je gegeben hat).

Ich habe mal eine kurze Zeit in der Nähe von Kendal verbracht und bin oft zum Abendessen in die Stadt gefahren. Es ist ein hübscher Ort am River Kent, Pub und Kirche stehen ganz nahe am Fluss.

The Ring o’Bells
39 Kirkland
Kendal
Cumbria LA9 5AF 

Holy Trinity Parish Church in Kendal, die größte Kirche in Cumbria.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

The Leopard in Burslem (Staffordshire) – Pub, Spukort und ehemaliges Hotel

Leerstehende, verlassene Hotels haben immer etwas Unheimliches an sich. Ich denke da zum Beispiel an das Overlook Hotel in Stephen Kings Roman „The Shining“ bzw. an den gleichnamigen Film von Stanley Kubrick oder an das seit Jahren verlassene Hotel Schneeweiss am Ortsrand von Seefeld in Tirol, das jedesmal, wenn ich dort vorbeigehe, ein Stückchen mehr verfallen ist.

In Burslem, einer Kleinstadt in der Grafschaft Staffordshire, gibt es auch so ein Hotel, das schon in den 1950er Jahren geschlossen wurde, aber als Pub überlebt hat: The Leopard, ein etwas ungewöhnlicher Name für einen Pub, doch es gibt noch mehrere in England, die so heißen, beispielsweise in Nantwich (Cheshire) und in Doncaster (South Yorkshire).
Die 65 Hotelzimmer stehen also schon lange leer und gammeln vor sich hin. In dem Haus haben sich früher berühmte Leute eingefunden wie die Schauspielerin Ava Gardner und die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy. Der Naturforscher Erasmus Darwin (Großvater von Charles Darwin) war im Leopard zu Gast wie auch der im Ort geborene Tonwarenfabrikant Josiah Wedgwood. Es sollen sich auch Morde in dem Hotel ereignet haben, also alles beste Voraussetzungen dafür, dass es hier angeblich spukt. Ghost Tours können nach Vereinbarung vorgenommen werden. Der an übernatürlichen Dingen interessierte und in Burslem aufgewachsene Robbie Williams war schon hier (er nahm einmal den Song „Burslem normals“ auf), und das Team der TV-Serie „Most Haunted“ filmte im Leopard. Hier ist eine Ghost Tour im Hotel zu sehen.

Eine kleine Notiz am Rande: Nur ein paar Schritte vom Pub entfernt, verläuft die Waterloo Road, die in den 1960er Jahren im Mittelpunkt des gleichnamigen Songs der Band Jason Crest (hier zu hören) stand. Dieser Song wurde 1969 weltberühmt in der französischen Version von Joe Dassin unter dem Titel „Les Champs-Élysées„.

The Leopard
21 Market Place
Burslem
Stoke-on-Trent  ST6 3AA

Die Waterloo Road.
Photo © David Weston (cc-by-sa/2.0)

The Coach & Horses – Ein Pub in Soho und Londons unhöflichster Gastwirt

The West End’s Best known Pub“ heißt es an der Fassade des Gebäudes an der Greek Street 29 im Londoner Stadtteil Soho, wo seit 1847 The Coach & Horses untergebracht ist; „a proper pub, real London, real people, proper conversation”, so kann man es auf der Webseite des Pubs lesen, der sich seit einiger Zeit Norman’s Coach & Horses nennt und Londons erster vegetarischer und veganer Pub ist. Warum „Norman’s“?

Norman Balon war jahrzehntelang Gastwirt hier an der Greek Street, genauer gesagt 63 Jahre lang. Im Alter von 16 Jahren begann er am 1. Februar 1943 im Coach & Horses, dem Gasthof seiner Eltern, zu arbeiten und erst am 22. Mai 2006 zog er sich in den Ruhestand zurück. Norman Balon war eine Institution in Soho, auch auf unrühmliche Weise, denn er war der unhöflichste Gastwirt der Stadt, der seine Gäste manchmal auf rüde Art seines Hauses verwies. „You’re barred, you bastards!“ war ein Spruch, den sich so einige anhören mussten, mit deren Verhalten Balon nicht einverstanden war, zum Beispiel wenn sie in kurzen Hosen sein Etablissement betraten oder in anderer Kleidung, die ihm nicht passte. Es gab viele Gründe, um von Balon hinausgeworfen zu werden. Doch viele der brüskierten „regulars“ kamen immer wieder, auch viele Prominente aus der Kulturszene der Stadt, darunter die Journalisten des „Private Eye“ Satiremagazins, dessen Redaktionsräume ebenfalls in Soho liegen.

1991 schrieb Norman Balon seine Autobiografie, die natürlich „You’re barred, you bastards: The memoirs of a Soho publican“ hieß (bei Sidgwick & Jackson erschienen).

Nach der Übernahme des Pubs hat sich nur wenig geändert, ein Klavier wurde installiert, um Sing-a-Longs zu veranstalten, und der Umgangston ist deutlich zivilisierter geworden.

Hier ist Norman Balon im Film zu sehen (wo er eigentlich sehr freundlich wirkt).

The Coach & Horses
29 Greek Street
Soho
London W1D 5DH

Namensänderungen mit veganem Hintergrund Teil 1: Wie aus dem Shoulder of Mutton in York The Heworth Inn wurde

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Das Pubschild des Shoulder of Mutton in York im Norden Englands zeigte wie ein Mann gerade ansetzt, eine Hammelschulter zu tranchieren, einige Gäste im Hintergrund warten darauf, dass der Schmaus beginnt. Eine Horrorvorstellung für Vegetarier und Veganer, die so ein Etablissement wohl eher nicht betreten würden. Seit dem letzten Jahr, als ein Besitzerwechsel erfolgte, ist Schluss mit dem Namen Shoulder of Mutton und das Pubschild wurde eingemottet. Dafür heißt der Pub, der auch Zimmer anbietet, jetzt The Heworth Inn, benannt nach der Straße an der er liegt, Heworth Green.

Die Stammgäste waren von dem Namenswechsel nicht angetan, denn man ist in England in dieser Beziehung sehr konservativ. Pubnamen sollen immer so bleiben, auch über Jahrhunderte hinweg. Wenigstens hat man hier in York an einem Galgen ein kleines Schild befestigt, auf dem zu lesen steht: „Formerly Shoulder of Mutton“. Die neuen Besitzer wollten mit dem Namenswechsel die Gemeinde der Vegetarier und Veganer ansprechen, die der „Hammelschulter“ bisher die kalte Schulter gezeigt hatten. Die Zahl der Veganer in England ist in den letzten Jahren rasant gestiegen und so finden sich auf der Karte des Heworth Inns jetzt auch einige Gerichte, die dieser neuen Klientel zusagen werden wie zum Beispiel „Slow cooked vegetable tagine“, „Homemade sweet potato, pepper and cannellini bran chili“ und „Homemade vegan/veggie pie“. ABER: Die Fleischfans kommen nach wie vor auf ihre Kosten, denn Steaks und Burger stehen noch immer zur Verfügung.

Ein weiterer Grund, Pub bzw. Hotel umzubenennen, war auch, dass man in diesem Jahr hier Hochzeiten ausrichten will und da klingt es natürlich besser, wenn das Brautpaar sagt „Wir heiraten im Heworth Inn“ als „Unsere Hochzeitsfeier findet im Shoulder of Mutton statt“.

The Heworth Inn
64 Heworth Green
York
North Yorkshire YO31 7TQ

Um dieses frühere Pubschild machten bisher Veganer einen großen Bogen.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Januar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Pack o’Cards in Combe Martin (Devon)

 
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Combe Martin ist ein hübsches Dorf an der Nordküste von Devon, am Rand des Exmoor-Nationalparks. Hier steht ein äußerst seltsamer Pub namens „The Pack o‘ Cards„, auf Deutsch „Das Kartenspiel“. Dieses verschachtelte Gebäude ist nach dem Nummernsystem eines Kartenspiels gebaut worden und zwar gibt es hier:
– 4 Stockwerke = Zahl der Spielkartenfarben
– 13 Zimmer, 13 Türen auf jedem Stockwerk, 13 Kamine = Zahl der Karten einer Farbe
– 52 Fenster, 52 Treppen, 52 x 52 Fuß Grundfläche = Zahl der Spielkarten

Der ganze Pub sieht auch wie ein Kartenhaus aus. Wie kam es dazu?
Ein gewisser George Ley aus Combe Martin spielte gerne einmal eine Runde Karten mit seinen Freunden und eines Tages, das war im Jahr 1690, konnte er einen großen Gewinn einstreichen. Ihm fiel nichts Besseres ein, als ein Haus zu bauen, das ihn immer an diesen großen Gewinn erinnern würde, indem das Gebäude wie ein Kartenhaus gestaltet wurde. Erst im frühen 19. Jahrhundert machte man daraus einen Gasthof, den  King’s Arms Inn. Den heutigen Namen, „Pack o‘ Cards“, erhielt der Pub aber erst 1933.

Wer hier einmal an der Nordküste Devons unterwegs ist, sollte es auf keinen Fall verpassen, diesem „Folly Gasthof“ einen Besuch abzustatten.
In Paul Moodys und Robin Turners „Rough Pub Guide“ („A countdown of the fifty most unforgettable drinking experiences in the UK“) nimmt „The Pack o‘ Cards“ Platz 40 ein. Die Autoren beschreiben den Pub folgendermaßen: „The Pack o’Cards looks less like the pristine pack your grandmother keeps for the odd hand of bridge and more like some kind of booze-fuelled ziggurat erected to the specifications of a pissed-up seventeenth-century Omar Sharif“ (ziggurat = mesopotamischer Tempelturm).

Zu Combe Martin siehe auch einen weiteren Blogeintrag.

The Pack o’Cards
High Street
Combe Martin
EX34 0ET
 

Dwyle Flunking – Ein Pubspiel, bei dem es schwer ist, trocken und nüchtern zu bleiben

Dwyle Flunking vor dem Lewes Arms in Lewes (East Sussex).
Photo © Roz South (cc-by-sa/2.0)

Ein Pubspiel der besonderen Art, das im Freien zelebriert werden sollte, ist das Dwyle Flunking, ein feuchtes Spiel, in dem ein Eimer Bier im Mittelpunkt steht. Die Regeln sind einfach: Zwei Teams spielen gegeneinander, wobei jedes Team aus 12 Spielern besteht. Team 1 bildet einen Kreis und tanzt um einen in der Mitte stehenden Eimer mit Bier. Ein Teilnehmer von Team 2 steht in der Mitte des Kreises mit einer Art Besenstiel in der Hand, an dessen Ende ein Lappen oder Schwamm hängt (natürlich mit Bier vollgesogen). Der außerhalb des Kreises stehende Schiedsrichter pfeift und in diesem Moment klatscht der Mann oder die Frau mit dem Besenstiel (der Flonker) irgendeinem der im Kreis Tanzenden den Bierlappen ins Gesicht oder an den Körper. Ein Gesichtstreffer zählt 3 Punkte, ein Körpertreffer 2 Punkte und ein Beintreffer 1 Punkt. Wenn der Flonker keinen Treffer erzielt, muss er schnell ein Pint Bier trinken.
Jeder im Team ist einmal als Flonker dran, danach wechseln die Teams. Am Ende werden die Punkte zusammengerechnet. Das Siegerteam erhält als Preis einen Nachttopf aus Zinn.
Oft soll das Dwyle Flunking aber enden, ohne dass jemand weiß, wer wieviel Punkte erreicht hat und dass es eigentlich auch allen Beteiligten egal ist. Der Spaß an dem Pubgame ist wichtiger.

Wie man Dwyle Flunking vor dem Lewes Arms in Lewes (East Sussex) spielt, ist hier zu sehen.

Published in: on 30. Dezember 2018 at 02:00  Comments (3)  
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The Rose & Crown in Bainbridge (North Yorkshire)

AD 1445 steht über der Eingangstür des Rose & Crown Hotels und Pubs am Ortseingang von Bainbridge in North Yorkshire. Bainbridge liegt an der A684, mitten im Yorkshire Dales National Park. Das hübsche Haus, „The Pride of Wensleydale“, gehört mit zu den ältesten Hotels/Pubs in der Grafschaft und war früher einmal eine Kutschenstation. Dass wir uns hier in einem Country Pub befinden, sagt schon das vor dem Haus aufgestellte Schild „Dirty boots and muddy paws very welcome any time“. In den drei Bars kann man u.a. Biere der Black Sheep Brewery in Masham probieren; es ist aber ein Free House, also an keine Brauerei gebunden. Es gibt ein hübsch eingerichtetes Restaurant und einige Zimmer mit Übernachtungspreisen von ca £70 bis £80.

Über eine Besonderheit verfügt The Rose & Crown, das Bainbridge Forest Horn, das in einer Glasvitrine untergebracht ist. Leider wird die Tradition des „hornblowing“ zur Zeit nicht weitergeführt. Vor sehr langer Zeit war Bainbridge vom Forest of Wensleydale umgeben, einem weitläufigen dichten Waldgebiet. Jeden Abend vom 27. September bis zum Shrove Tuesday, also dem Faschingsdienstag, war der Hornblower tätig, der kräftig ins Horn blies, um Reisenden und Arbeitern, die sich im Wald befanden, den Weg zurück in die Zivilisation zu weisen, wo sie im Rose & Crown eine Mahlzeit und etliche Pints Bier erwarteten.

The Rose and Crown Hotel
Bainbridge
Wensleydale, North Yorkshire, DL8 3EE 

Bainbridge und The Rose & Crown.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

The Carnarvon Arms – Ein Pub mit Hotelbetrieb vor den Toren des Highclere Castles in Berkshire

Am 13. September 2019 kommt in Großbritannien ein Film in die Kinos, der für hohe Besucherzahlen prädestiniert ist: Die Fortsetzung der TV-Serie „Downton Abbey„, eine der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Wieder haben sich all die bekannten Schauspieler im Highclere Castle zusammengefunden, um der eigentlich schon tot gesagten Serie neues Leben in Form eines abendfüllenden Spielfilms einzuhauchen. Und alle freut’s, die Seriendarsteller, die Zuschauer und natürlich auch die Carnarvons, die Besitzer des Schlosses, in deren Kasse wieder neues Geld klingelt, denn die Besucherströme ins Highclere Castle werden nach der Premiere des Films wieder stark zunehmen.

Nicht weit von der Zufahrt zum Schloss entfernt liegt The Carnarvon Arms, ein Pub mit Hotelbetrieb, der nach der Besitzerfamilie des Castles benannt ist und der auch durch seine ideale Lage von „Downton Abbey“ profitiert hat. Die ehemalige Kutschenstation wurde im Jahr 2015 von Marco Pierre White übernommen und komplett renoviert, was sich ausgezahlt hat, denn ein Jahr später wurde der Gasthof mit der Auszeichnung Historic Luxury Hotel of the Year versehen, „providing exemplary hospitality and service, innovative design and excellent food“. Hier ist ein Film über das Haus.

The Carnarvon Arms hat schon viele prominente Gäste willkommen geheißen wie zum Beispiel den Dichter Alfred, Lord Tennyson, General Dwight D. Eisenhower, den 34. Präsidenten der USA, und natürlich auch die Filmcrew von Downton Abbey.
Dame Maggie Smith wohnte während der Dreharbeiten vorzugsweise in dem edlen The Vineyard Hotel, nicht weit entfernt In Newbury, das für seinen großartigen Weinkeller im ganzen Land bekannt ist.

The Carnarvon Arms
Winchester Road
Newbury
RG20 9LE

The Dog in Grundisburgh (Suffolk) – Englands hundefreundlichster Pub

Für viele Hundebesitzer in England ist es wichtig, wenn sie einen Pub aufsuchen wie ihre geliebten Vierbeiner dort aufgenommen werden. Nicht umsonst gibt es mehrere „dogfriendly pubguides“ auf dem Buchmarkt.; siehe dazu meinen früheren Blogeintrag.

Die Webseite“www.dogbuddypubs.com“ zeichnet jedes Jahr landesweit die besten hundefreundlichsten Pubs aus; da gibt es den National Winner und die Regionalsieger. Der Gesamtsieger in diesem Jahr ist: The Dog in Grundisburgh in der Grafschaft Suffolk, einen passenderen Namen kann es wohl nicht geben.

Erst einmal zur Orientierung, wo wir hier eigentlich sind: Grundisburgh ist ein kleiner Ort rund zehn Kilometer nordöstlich von der Grafschaftshauptstadt Ipswich entfernt. The Dog liegt mitten im Ort an der Woodbridge Road neben dem Dorfladen The Old Forge Stores.

Hier also fühlen sich Hundebesitzer und Hunde gleichermaßen wohl, denn Zweibeiner und Vierbeiner sind sowohl in der Bar als auch im Restaurant und im Biergarten willkommen. „Happy dogs, happy owners“ ist das Motto des Pubs, der bei den Hunden des Dorfes so beliebt ist, dass sogar manche dort ohne ihre Herrchen oder Frauchen erscheinen und sich ein Leckerli abholen. Bereitgestellt werden im Pub immer Schalen mit frischem Wasser, Hundebetten für den kleinen Schlaf zwischendurch und eine große Kiste mit Spielzeug. Langeweile kommt für die Vierbeiner nicht auf und während sie schlafen oder spielen, können ihre Besitzer in Ruhe ihre Pints schlürfen.

Der National Winner erhält übrigens eine Plakette für die Außenwand, einen Pokal und einen Einjahresvorrat an Hundeleckerlis.

The Dog
The Green
Grundisburgh
Suffolk IP13 6TA

Published in: on 18. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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In welcher englischen Stadt gibt es die meisten Pubs? – Eine kleine Übersicht

The George & Dragon in Belper (Derbyshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Die Diskussion über das Thema „Welches ist der älteste Pub Englands“ wird wohl nie zu einem befriedigenden Ende kommen, da es eine ganze Menge Gasthäuser gibt, die diese Ehre für sich beanspruchen.

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, in welcher englischen Stadt bzw. in welchem Dorf es die meisten Pubs gibt, umgerechnet auf die Bevölkerungsgröße. Auch da gibt es viele unterschiedliche Hitlisten und Übersichten, auf denen jeweils immer wieder andere Orte genannt werden. Einige dieser trinkfreudigen Städte/Dörfer tauchen aber häufig auf und von denen möchte ich heute einige nennen.

Belper in Derbyshire hat etwas über 20 000 Einwohner und beansprucht den Titel, die meisten Pubs in ganz Großbritannien zu haben, in Bezug auf seine Größe (vielleicht ein Grund, dass die Monster Raving Loony Party ihre diesjährige Konferenz hier im September abgehalten hat, übrigens im George & Dragon in der Bridge Street). Die Webseite „Beer in the Evening“ listet 20 Pubs für Belper auf.

Ein Name, der in den Pubcharts immer wieder auftaucht, ist Manningtree in Essex, ein Ort ebenfalls der Ansicht ist, die kleinste Stadt Englands zu sein. Im Jahr 2008 gab es für die rund 900 Einwohner fünf Pubs, leider ist die Zahl mittlerweile auf drei gesunken; übrig geblieben sind The Red Lion, The Skinners Arms und The Crown.

St Albans in Hertfordshire, wo Ye Olde Fighting Cocks sich rühmt, der älteste Pub Englands zu sein, beherbergt die meisten Pubs pro Quadratkilometer im ganzen Land (jedenfalls nach Aussage der dort Ansässigen). Das verwundert eigentlich nicht, schließlich liegt das Hauptquartier der Campaign for Real Ale (CAMRA) in der Stadt, in der Hatfield Road 230 um genau zu sein.

Norwich, die Grafschaftshauptstadt von Norfolk, soll angeblich für jeden Tag des Jahres einen Pub haben, nämlich 365, aber so richtig verlässlich durchgezählt hat das wohl noch niemand. Beim jährlichen Norwich City of Ale Festival nahmen zuletzt 48 Pubs teil, das ist ja auch schon eine ganze Menge.

Beenden möchte ich meine kleine Übersicht mit Otley in West Yorkshire, einer Stadt mit etwa 13 000 Einwohnern, die schon immer als trinkfest galten, denn vor mehr als hundert Jahren soll es hier einen Pub an jeder Ecke gegeben haben. 21 Gasthäuser stehen in der Stadt, so heißt es auf der Webseite des Otley Pub Clubs, und der muss es ja eigentlich wissen. Der Ale Trail führt an vielen der Pubs, auch an den nicht mehr existierenden, vorbei.

The Red Lion in Manningtree (Esex).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Ye Olde Fighting Cocks in St Albans (Hertfordshire).
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

The Adam and Eve in Norwich (Norfolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

The Bowling Green in Otley (West Yorkshire).
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. November 2018 at 02:00  Comments (4)  

The Ostrich Inn in Colnbrook (Berkshire) – Einer der „most haunted“ Pubs in England

An- und abfliegende Flugzeuge vom nahegelegenen Flughafen Heathrow sind mehr als deutlich in Colnbrook in Berkshire zu hören und der Lärm der viel befahrenen Autobahnen M25 und M4 ist auch nicht weit. Man erwartet in so einem verkehrstechnisch ungünstig gelegenen Ort  nicht unbedingt den drittältesten Pub Englands, aber hier ist er, der Ostrich Inn.  Der „Straußengasthof“ ist auch ein gruseliges Anwesen, denn hier sollen sich unheimliche Dinge abspielen.

Der Hintergrund: Im 17. Jahrhundert war Thomas Jarman der Inhaber des Gasthofs. Im besten Zimmer des Hauses, dem Blue Room, hatte Jarman unter dem Bett eine Falltür angebracht, die direkt über der Küche lag. Kam jetzt ein wohlhabender Gast, so öffnete  Jarman in den frühen Morgenstunden die Falltür, der arme Schlafende stürzte in die Küche und mitten in einen großen Behälter mit kochendem Wasser. Der Gast überlebte dieses „Bad“ nicht und wurde in einem nahegelegenen Fluss entsorgt. Die Wertsachen und das Pferd des (ehemaligen) Gastes wurden umgehend veräußert.
Etwa 60 Menschen kamen auf diese Weise ums Leben, bis man schließlich Jarman und seiner Frau, die an dem bösen Spiel beteiligt war, auf die Schliche kam und beide aufhängte.
Es ist also kein Wunder, dass es in einem Pub, der so viel Blutvergießen miterlebt hat, spukt. „Strange noises, ghostly figures and objects moving by themselves are all in a days work if you‘ re employed at the Ostrich Inn„, so die Aussage eines Pubmanagers.
Das Team von LivingTVs „Most Haunted“ besuchte den Inn natürlich auch und hier sind seine Erlebnisse in Colnbrook.

The Ostrich Inn
High Street, 
Colnbrook, 
Slough, Berkshire 
SL3 0JZ 

 

The George & Dragon – Ein Country Pub in Dragon’s Green (West Sussex)

Drachen spielen bei diesem Country Pub eine wichtige Rolle: Er heißt The George & Dragon, liegt in einem winzigen Dorf namens Dragons’s Green, in einer Straße, die den Namen Dragon’s Lane trägt. Zur Orientierung, wir befinden uns hier dicht an der A272, etwa auf halbem Weg zwischen Billingshurst und Bolney in der Grafschaft West Sussex. Das Pubschild zeigt wie der Heilige Georg den Drachen erschlägt, doch besonders ins Auge fällt, wenn man den vorderen Teil des Biergartens betritt, ein Grabstein mit einem weißen Steinkreuz und der Inschrift:

In loving Memory of Walter, the Albino, son of Alfred and Charlotte Budd.
Born February 12th 1867. Died February 19th 1893.
May God forgive those who forgot their duty to him who was just and afflicted.

Da verbirgt sich wohl eine tragische Geschichte hinter der Inschrift. Walter war der Sohn von Alfred und Charlotte Budd, die den George & Dragon damals betrieben. Der Junge wurde als Albino geboren und litt zeitlebens unter epileptischen Anfällen. Darüber hinaus kannte man in dem Dorf kein Mitleid mit ihm, im Gegenteil, man machte sich über ihn lustig, worunter Walter schwer zu leiden hatte. Als man ihn eines Tages, Walter war inzwischen 26 Jahre alt, des Diebstahls bezichtigte, konnte er sein Leben nicht länger ertragen und ertränkte sich in einem nahe gelegenen Fluss.

Walters Eltern begruben ihren Sohn auf dem Friedhof von St Mary’s im benachbarten Shipley, wo der amtierende Vikar Anstoß an dem letzten Satz auf dem Grabstein nahm und anordnete, dass der Stein sofort entfernt werden sollte. Schweren Herzens, aber auch voller Zorn, kamen Alfred and Charlotte Budd der Anordnung nach und platzierten den Stein direkt neben dem Eingang ihres Pubs, wo er noch heute steht.

The George & Dragon hat auf der Rückseite noch einen weit größeren Biergarten und bietet in einem umgebauten Stall zwei Zimmer zur Übernachtung an (£75 bis £90, Frühstück inklusive).

The George & Dragon
Dragons Lane
Dragons Green,
Shipley,
Horsham,
West Sussex
RH13 8GE

St Mary’s in Shipley, wo Walters Grabstein nicht geduldet wurde.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

The Fighting Cocks in Stottesdon (Shropshire) – Ein Musterbeispiel für The Pub is the Hub

Prince Charles‘ Organisation The Pub is the Hub (ich berichtete in meinem Blog darüber) half kräftig mit The Fighting Cocks in dem 800-Seelen-Dorf Stottesdon in der Grafschaft Shropshire nicht nur am Leben zu halten, sondern den Pub auch zum echten Dorfmittelpunkt zu entwickeln. Ein anderer Pub im Ort, The Fox and Hound, hatte schon das Zeitliche gesegnet und die Gefahr bestand, dass auch noch Stottesdons letzter Pub geschlossen wurde, als Sandra Jefferies das Haus übernahm und es zur Freude der Bewohner unter ihrer Führung in die Erfolgsspur brachte. The Fighting Cocks ist ein Free House, also von keiner Brauerei abhängig. Hier werden immer fünf Real Ales ausgeschenkt und in der Küche beschränkt man sich so weit möglich auf Produkte aus der nächsten Umgebung.

Da es im Ort keinen Dorfladen mehr gab, integrierte man einen solchen im Pub und nannte ihn Shop at the Cock; auch hier werden vorwiegend lokale Produkte verkauft.

Weiterhin treten regelmäßig Bands in The Fighting Cocks auf (hier ist ein Beispiel). Es läuft also alles so wie man es in einem englischen ländlichen Pub erwartet bzw. erhofft.

Vor drei Jahren unternahm PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), die Tierrechtsorganisation, einen landesweiten Vorstoß und schrieb Pubs an, die ihrer Meinung nach einen Namen tragen, der Grausamkeit Tieren gegenüber zum Ausdruck bringt, und wollte diese veranlassen, den Namen zu ändern; dazu gehörte auch The Fighting Cocks in Stottesdon. Dort war man aber gänzlich anderer Meinung, und Sandra Jennings sagte, dass der Name einfach zu dem historischen Gebäude gehört und so blieb es auch dabei.

The Fighting Cocks
High Street
Stottesdon, Nr Bridgnorth
Shropshire
DY14 8TZ

Mister Fitzpatrick’s Temperance Bar in Rawtenstall (Lancashire) – Die letzte alkoholfreie Bar Englands

Eine Bar in England, die keinen Alkohol ausschenkt? Gibt es so etwas? Ja, gibt es, aber nur noch eine und zwar in Rawtenstall in Lancashire.

Während der Industriellen Revolution erlebte der Nordwesten Englands eine starken Bevölkerungszuwachs und damit verbunden eine Zunahme an Alkoholismus, da man an jeder Straßenecke Bier oder Gin kaufen konnte. Als Gegenbewegung entstand die Temperance Movement (Abstinenzbewegung), die einen totalen Verzicht auf Alkohol predigte. Es entstanden sogenannte Temperance Bars, in denen man beispielsweise Ingwerbier, Vimto (Saft von Weintrauben, Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren) oder Sarsaparilla (ein Getränk aus Stechwinden) kaufen konnte.

Eine letzte dieser Bars ist übriggeblieben, Mister Fitzpatrick’s Temperance Bar in Rawtenstall in Lancashire. Hier wird nach wie vor kein Alkohol ausgeschenkt, dafür aber die oben erwähnten, exotisch klingenden Getränke.
Malachi Fitzpatrick war der letzte aus der Familie, der die Bar über 50 Jahre lang betrieb, bis ins hohe Alter von 90 Jahren. Danach folgte ein Besitzerwechsel, doch die Bar behielt ihren Namen.

Heute kann man Mister Fitzpatrick’s Produkte auch online kaufen. Wie wäre es einmal mit dem Kräuterlikör Lemon & Ginger Cordial oder mit dem nicht so appetitlich klingenden Blood Tonic oder mit Dandelion & Burdock (ein Mix aus Löwenzahn und Klette)?
Hier ist das alles noch einmal im Film zu sehen.

Mr Fitzpatrick’s
Number 1
Fallbarn Road
Rawtenstall
Rossendale
Lancashire
BB4 7NT

 

 

Published in: on 28. April 2018 at 02:00  Comments (1)  

The Crooked Billet in Stoke Row (Oxfordshire)

Über meinen Besuch in Stoke Row (Oxfordshire), in Zusammenhang mit dem Maharajah’s Well, berichtete ich in meinem Blog vor einigen Jahren. Auch einen der beiden örtlichen Pubs, The Cherry Tree Inn, erwähnte ich in meinem Blogartikel über die englische Band T’Pau, deren Sängerin Carol Decker ihn eine Zeit lang besaß. Nun gibt es in Stoke Row noch einen weiteren Pub, der etwas versteckt am Ortsrand am Newlands Lane liegt und der The Crooked Billet heißt. In dem 1642 erbauten Gasthaus soll der berüchtigte Straßenräuber Dick Turpin früher ein und ausgegangen sein, denn er hatte sich in die hübsche Tochter des Wirts verliebt. Dann gab es einmal einen Landlord, der häufig abends vor dem Kamin im Gastraum einschlief, so dass sich die Gäste ihr Bier selbst zapfen mussten und das entsprechende Geld dafür auf dem Tresen liegen ließen, was offensichtlich gut klappte, weil die Einwohner von Stoke Row ehrliche Leute waren.

1989 wurde The Crooked Billet, der ziemlich heruntergekommen war, von Paul Clerehugh übernommen, der aus dem hässlichen Entlein einen schönen Schwan machte. Im Handumdrehen entwickelte sich der Pub zu einem Treffpunkt für Feinschmecker, und es heißt, dass der Begriff Gastropub erstmals für dieses Gasthaus in Stoke Row verwendet wurde. Aus diesem Grund sind hier auch schon namhafte Sterneköche gesichtet worden.

Als die Schauspielerin Kate Winslet am 22. November 1998 in Reading (Berkshire), wo sie auch geboren wurde, Jim Threapleton heiratete, fuhr die Hochzeitsgesellschaft anschließend nach Stoke Row, wo alle im The Crooked Billet… Bangers and Mash vorgesetzt bekamen, jenes traditionelle britische Essen, das aus Würstchen und Kartoffelmus besteht. Dass die Ehe nur drei Jahre Bestand hatte, ist sicher nicht auf Paul Clerehughs Essen zurückzuführen.

Doch nicht nur Prominente, die in der Region wohnen, sind gern in dem Pub zu Gast, auch Filmcrews haben schon mehrere Male The Crooked Billet als Drehort aufgesucht, zum Beispiel für die TV-Serien „Jeeves&Wooster“, „Land Girls“ und „Midsomer Murders“ (in Episode 12 „Judgement Day“, die in Deutschland als „Der Mistgabelmörder“ gezeigt wurde).

The Crooked Billet
Newlands Lane
Stoke Row
Henley On Thames
RG9 5PU

The Morpeth Arms im Londoner Stadtteil Pimlico – Von Spionen und gruseligen Gewölben

The Morpeth Arms ist ein Pub im Londoner Bezirk Pimlico, und er liegt an der Ecke Millbank/Ponsonby Place. Die direkten Nachbarn sind das Chelsea College of Arts und dahinter Tate Britain. Vom an der Themse gelegenen Pub aus hat man einen direkten Blick auf das auf der anderen Seite des Flusses gelegene Gebäude des MI6, in dem der britische Auslandsgeheimdienst untergebracht ist, James Bond-Fans u.a. aus „Skyfall“ bekannt.

Die unmittelbare Nähe zu diesem Gebäude, in dem Agenten ein und ausgehen, hat die  Pubbetreiber veranlasst, im zweiten Stock den „Spying Room“ einzurichten, einen Raum, der für private Feiern gemietet werden kann und dessen Wände mit Fotos von berühmten Spionen dekoriert sind. Es liegen Ferngläser bereit, mit denen man sich das MI6 Building näher heranholen und „ausspionieren“ kann.

The Morpeth Arms steht auf einem Gelände, das früher einmal das berüchtigte Millbank Prison beherbergte. In diesem Gefängnis wurden u.a. auch die zur Deportation nach Australien verurteilten Häftlinge untergebracht. Ein Poller an der Themse erinnert daran und trägt die Inschrift: “ „Near this site stood Millbank Prison which was opened in 1816 and closed in 1890. This buttress stood at the head of the river steps from which, until 1867, prisoners sentenced to transportation embarked on their journey to Australia.“

Unterhalb des Pubs sind noch einige Gewölbe mit Gefangenenzellen vorhanden, in denen es spuken soll und in denen schon Ghost Hunts stattfanden. Dort unten ist eine CCTV-Kamera aufgestellt, die Live-Bilder nach oben in die Bar überträgt.

The Morpeth Arms ist täglich von 10 Uhr bis 23 Uhr geöffnet, nur sonntags von 12 Uhr bis 21 Uhr.

58 Millbank
Pimlico
London
SW1P 4RW

Dieser Poller erinnert an die nach Australien deportierten Häftlinge. Im Hintergrund links das MI6-Gebäude.
Author: Tarquin Binary
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Published in: on 20. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Nathaniel Bentley (1749-1809) alias Dirty Dick – Ein Mann, der alle Höhen und Tiefen des Lebens kennengelernt hat

Der Dirty Dicks Pub an der Ecke Bishopsgate/Middlesex Street in der Londoner City.
Photo © Oxfordian Kissuth (cc-by-sa/2.0)

Der 1749 geborene Nathaniel Bentley (sein Geburtsdatum wird in manchen Quellen auch mit 1735 angegeben) wurde in seinen besten Zeiten der „Beau of Leadenhall Street“ genannt, denn er pflegte sich sehr gut zu kleiden und kaufte gern in Paris ein. Der Mann entstammte einer wohlhabenden Familie und führte ein Geschäft in der Londoner City, in der Leadenhall Street, namens „Golden Lyon & Case of Knives„, in dem er Eisenwaren jeglicher Art verkaufte. Alles schien bisher gut für Nathaniel zu laufen, er verliebte sich in eine junge Frau und die beiden wollten heiraten. Dann schlug das Schicksal zu: Am Vorabend der Hochzeit starb die Braut…und das warf den armen Bräutigam für den Rest seines Lebens komplett aus der Spur. Das Zimmer, in dem das Hochzeitsfrühstück angerichtet war, schloss er ab und wurde nie wieder betreten. Er selbst ließ sich völlig gehen, wusch sich und seine Kleider nicht mehr – aus dem Beau of Leadenhall Street wurde im Handumdrehen Dirty Dick. Warum soll ich mir die Hände waschen, soll er einmal gesagt haben, morgen sind sie sowieso wieder dreckig. Seine Katzen, die eine nach der anderen starben, ließ er einfach liegen und sie rotteten vor sich hin. Auch Nathaniels einst gut gehende Eisenwarenhandlung verkam, Staub legte sich auf die Waren, und er zeigte kein Interesse mehr an dem Geschäft.

1804 setzte sich der frühere Beau zur Ruhe und schloss seinen Laden, fünf Jahre später war er tot. Der Inhaber eines Pubs an der Ecke Bishopsgate/Middlesex Street, The Old Jerusalem, übernahm einige von Bentleys Hinterlassenschaften wie das bis dato  verschlossene Hochzeitsfrühstückzimmer und die toten Katzen und stellte alle diese kuriosen Dinge in seinem Pub aus, den er  in Dirty Dicks umbenannte und der noch heute existiert und der Londoner Brauerei Young’s gehört.

Charles Dickens soll die Figur der Miss Havisham in seinem Roman „Great Expectations“ (dt. „Große Erwartungen“) nach Nathaniel Bentley gestaltet haben. Auch sie erlitt an ihrem geplanten Hochzeitstag einen Schock als sie erfuhr, dass ihr Bräutigam sie sitzen gelassen hatte und nur an ihrem Geld interessiert war. So wie Bentley ließ sie das Hochzeitsfrühstück unangerührt auf dem Tisch stehen. In ihrem Haus lief sie von nun an nur noch ihrem Hochzeitskleid herum.

Mr Bentley würde seine Leadenhall Street, wie sie heute aussieht, nicht mehr wiedererkennen. Im Hintergrund das Lloyd’s Building.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Martyn Cornell: Strange Tales of Ale

Foto meines Exemplars.

Martyn Cornell ist Mitglied der British Guild of Beer Writers, der sich in seinen Büchern und Fachartikeln intensiv mit dem Thema „Geschichte des Biers“ auseinandersetzt. So hat er zum Beispiel die Bücher „Beer: The Story of the Pint“ und „Amber, Gold and Black: The History of Britain’s Great Beers“ verfasst. In seinem Blog „Zythophile“ schreibt er regelmäßig über sein Lieblingsthema. Ich habe gerade sein letztes Buch „Strange Tales of Ale“ gelesen, in dem er sich mit Kuriositäten rund um Bier und Pubs beschäftigt und für das der Autor tief in Archive und Bibliotheken eingedrungen ist, um dort für sein Werk zu recherchieren.

Hier sind einige Beispiele für diese „Strange Tales“:

Gleich in der ersten Geschichte „The Great London Beer Flood“ hören wir von dem verheerenden Unglück in der Londoner Meux Brewery in der Tottenham Court Road am 17. Oktober 1814, als ein riesiges Bierfass in sich zusammenfiel und sich daraus über 570 Tonnen Gerstensaft in die umliegenden Straßen ergossen, wobei acht Menschen ertranken. Über diesen Vorfall berichtete ich früher schon einmal in meinem Blog.

Der zweite Artikel in Martyn Cornells Buch beschäftigt sich mit der Geschichte des Ploughman’s Lunch, einem beliebten Gericht, das in vielen Pubs erhältlich ist und das man gern zu einem Pint Bier zu sich nimmt.

Auch der dritte Beitrag in dem Buch ist sehr interessant. „In „Putting Beer in Spitfire Fuel Tanks“ geht es um die Bierversorgung britischer und alliierter Soldaten nach dem D-Day in der Normandie im Jahr 1944, als man sehr erfindungsreich war und das Bier aus der Heimat in den Tanks von Spitfire-Jagdflugzeugen an die Front brachte.

Weitere Themen sind „The British National Dinner – Roast Beef, Plum Pudding and Ale„, „The Potboy in History, Literature and Art“ (potboy = „A boy or young man employed in a public house, etc., to serve drinks or collect glasses“, so die Definition der Oxford Living Dictionaries) und „The True Story Behind Britain’s Most Popular Pub Name„, in dem es um den Pubnamen „The Red Lion“ geht. Siehe dazu meinen Blogeintrag über Cathy Price, die jeden einzelnen Red Lion im Land aufgesucht hat.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Biertrinker!

Martyn Cornell: Strange Tales of Ale. Amberley Publishing 2015. 224 Seiten. ISBN 978-1-4456-4797-5

 

Noniks und Conicals – Die typischen englischen Pub-Biergläser

Beispiele für Nonik-Gläser mit Wulst.
Author: GeoTrinity
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Bestellt man in einem englischen Pub ein Bier an der Theke, so erhält man sein Pint oder halbes Pint mit ziemlicher Sicherheit in einem Nonik oder einem Conical serviert. Die beiden Gläser unterscheiden sich in der Form. Während das Conical wie es der Name schon sagt, konisch geformt ist, hat das Nonik die Besonderheit, dass das Glas einige Zentimeter unterhalb des Randes eine kleine Wulst aufweist, was mehrere Vorteile hat. Es liegt besser in der Hand, wenn man es vom Bartresen zum Tisch jongliert (die Gläser werden in Pubs bis zum Rand gefüllt und es gehört ein wenig Geschick dazu, das zu bewerkstelligen, ohne etwas zu verschütten), man kann die Noniks besser ineinander stapeln, so dass sie nicht festkleben, und die Glasränder werden nicht so schnell zerstoßen („nicked“, daher der Name „no nicked“ soviel wie „nicht angestoßen“).

Die Firma Ravenhead Glass in Lancashire stellte die Noniks erstmals im Jahr 1947 her, nach einer Idee von Alexander Hardie Williamson (1907–1994), einem ihrer Glasdesigner. Noch heute produziert diese Firma die Gläser in gr0ßen Stückzahlen.

Betrachtet man sich ein Pint-Glas bzw. Half-Pint-Glas einmal genauer, so sieht man darauf einige Buchstaben und Zahlen. Da ist einmal das „CE„-Zeichen, das besagt, dass das Produkt den Anforderungen einer EU-Verordnung entspricht. Die vierstellige Nummer gibt die Identifikationsnummer der staatlich überwachten zuständigen Prüfstelle an. Und dann kann man noch das Produktionsjahr des Glases sehen, dessen letzte beiden Ziffern aufgedruckt sind. Bei meinem Beispiel unten steht „M 14“, also M für „Manufactured“ und „14“ für das Herstellungsjahr 2014.

In Pubs findet man meistens Gläser, die keinen schmückenden Aufdruck haben; die gibt es natürlich auch, und eine Firma, die sich auf das Bedrucken von Gläsern spezialisiert hat, ist Festival Glass, in Ovenden (West Yorkshire) ansässig. Die Firma wurde 2002 gegründet, auf dem Gelände einer ehemaligen Keksfabrik nördlich von Halifax.

Mein von der Firma Festival bedrucktes Glas, ein Conical, das ich im The Martyrs Inn in Tolpuddle (Dorset) gekauft habe.
Eigenes Foto.

Die Kennzeichnung auf der Rückseite meines Glases: CE M 14 0846. Dieses Glas wurde also 2014 hergestellt.
Eigenes Foto.

Published in: on 1. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Carlton Tavern in Kilburn (London) – Abgerissen und wiederauferstanden

So sah der Pub einmal aus und so wird er bald wieder aussehen.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Die Straße Carlton Vale zieht sich durch den nördlichen Londoner Stadtteil Kilburn. Es ist eine baumbestandene Wohnstraße, an deren östlichen Ende die Ausläufer des Paddington Recreation Grounds reichen, eine Freizeit- und Sportanlage und der größte Park der City of Westminster. In der Carlton Tavern in der Hausnummer 33 trafen sich seit den 1920er Jahren die Bewohner der umliegenden Gegend, um hier in Ruhe ein Bier zu trinken. Neben dem Pub wuchsen Palmen, so dass so etwas wie ein mediterranes Flair entstanden war.

Am 8. April 2015 trauten die Stammgäste der Carlton Tavern ihren Augen nicht, als sie sahen wie Abbruchmaschinen ihrem Lieblingspub zu Leibe rückten und ihn gnadenlos dem Erdboden gleich machten. Die Verantwortlichen hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, Einrichtungsgegenstände herauszuholen; Biergläser standen noch auf den Tischen. Es gab einen Grund für diese Nacht und Nebel-Aktion: Die Carlton Tavern sollte unter Denkmalschutz gestellt werden und die positive Entscheidung dafür stand kurz davor. Da wollten die israelischen Eigentümer des Gebäudes Fakten schaffen, denn sie planten auf dem Grundstück ein mehrstöckiges Wohnhaus zu bauen. Hier ist ein Film über den Abbruch des Pubs.

Nicht nur die Stammgäste des Pubs waren wütend über diese illegale Aktion, auch der zuständige Westminster City Council war empört und ließ sich das nicht gefallen. Die Friends of the Carlton Tavern gingen auf die Straße, um ihren Unmut freien Lauf zu lassen und forderten den Wiederaufbau ihres Pubs. Die israelischen Unternehmer hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die örtliche Verwaltung stoppte die geplanten Maßnahmen und forderte die Firma auf, den Pub genauso wieder aufzubauen wie er einmal war, „brick by brick„. Ein Einspruch gegen diese Anordnung misslang, und so wird voraussichtlich im August diesen Jahres die Carlton Tavern erneut ihre Pforten öffnen. Ich könnte mir denken, dass der Eröffnungstag zu einem großen Freudenfest hier in Kilburn werden wird.

Carlton Vale in Kilburn.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Londoner Kuriositäten Teil 3: Ben, der „Roof dog“ in Brixton

The Windmill in Brixton.
Author: Ewan Munro.
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Der Pub „The Windmill“ an der Straße Blenheim Gardens im Londoner Stadtteil Brixton sieht von außen nicht sehr einladend aus; er ist nicht das, was man einen „cozy pub“ nennen könnte, dafür ist er für Musikbegeisterte eine Art Mekka geworden. Live Music ist hier angesagt und die zieht auch Leute aus anderen Teilen Londons an. Der Name „The Windmill“ kommt von der rund 200 Meter entfernten letzten Windmühle der Hauptstadt, deren Mehl man in einigen Läden in Brixton kaufen kann.

Ein lebendes Wahrzeichen des Pubs war bis zum August 2015 Ben, ein Rottweiler, der acht Jahre seines Lebens auf dem Dach des Lokals verbrachte, wo seine Besitzer auf einem aufgepfropften Bungalow wohnten. Ben wurde von den Pubbesuchern geliebt, obwohl er den einen oder anderen durch sein Gebell wohl auch etwas nervte. Im August 2015 starb der arme Kerl an Prostatakrebs, und er wurde  in den Blenheim Gardens sehr vermisst. Doch der Platz auf dem Dach des Pubs blieb nicht lange leer, denn auf Ben folgte Lucky, ein Schäferhund. Auch gab es einige Ben-Vorgänger wie den Dobermann Brandy und Di, eine Schäferhund-Rottweiler-Mischung. Aber Ben bleibt bis heute unvergessen, so kann man in „The Windmill“ T-Shirts mit der Aufschrift „I Believe in Roof Dog“ kaufen und es wurde noch zu Lebzeiten Bens ein Bier gebraut, das Roof Dog Beer hieß und das die Pitfield Brewery produzierte. Das Bier wurde mit großem Tamtam, das heißt mit viel Musik, in „The Windmill“ erstmals am 25. Mai 2014 ausgeschenkt. Ob Ben auch etwas von dem  4.5% starken Bier, das nach ihm benannt wurde, abbekam, konnte ich leider nicht feststellen.

 

The Dove in Hammersmith – Einer der schönst gelegenen Themse-Pubs in London

The Dove, ein Pub, der seit Ende des 19. Jahrhunderts zur Fuller’s Brewery gehört, liegt an der Straße Upper Mall im Londoner Bezirk Hammersmith direkt am Nordufer der Themse. Viele prominente Besucher hat der Pub erlebt, so sollen Ernest Hemingway, Alec Guinness und Dylan Thomas häufige Gäste in The Dove gewesen sein. Auf den Webseiten des Pubs steht zu lesen, dass König Charles II sich hier mit seiner Geliebten Nell Gwyn getroffen haben soll, und dass der Dichter James Thomson die Melodie zu „Rule Britannia“ geschrieben hat.

„Einspruch!“ sagt da Martyn Cornell in seinem Buch „Strange Tales of Ale„. The Dove wurde erst sechzig Jahre nach dem Tod Charles II erbaut, und die Geschichte mit „Rule Britannia“ stimmt auch nicht, denn der Komponist hieß Thomas Arne. Der Texter war James Thomson, doch der soll ihn nicht im Pub, sondern in seinem Haus in Kew geschrieben haben. Eine andere Behauptung stimmt aber, nämlich die, dass  der Pub in Sir Alan Patrick Herberts 1930 erschienenem Roman „The Water Gipsies“ (dt. „Wasserzigeuner“) unter dem Namen The Pigeons eine Rolle spielt.

Einer der früheren Publicans, George Izzard, der The Dove von 1931 bis 1965 leitete, hat 1959 seine Memoiren geschrieben, die er unter dem Titel „One for the Road“ veröffentlichte und darin kann man dann erfahren wie es in dem Themse-Pub zuging.

Eine Besonderheit hat The Dove vorzuweisen, der sich kein anderer Pub in der Welt rühmen kann: Hier gibt es den kleinsten Barraum weltweit, was zu einer Eintragung ins Guinness Book of Records geführt hat. Ganze drei Quadratmeter groß ist dieser kleine Raum, der klammheimlich über Nacht angebaut worden sein soll, weil ein Pub zwei Räume haben musste, um nicht nur Bier, sondern auch andere Alkoholika ausschenken zu dürfen. Da The Dove aber nur über einen Raum verfügte und ein Anbau genehmigt werden musste, griff man zu dieser nicht ganz legalen Lösung. Aber auch da erhebt Martyn Cornell Einspruch und legt in seinem Buch detailliert dar, warum das nicht stimmen kann. Es ranken sich also viele falsche Behauptungen und Halbwahrheiten um die Geschichte des hübschen Themse-Pubs.

An der Bar gibt es die ganze Palette der Fuller’s-Biere wie zum Beispiel das London Pride, das Black Cab Stout und Oliver’s Island Golden Ale.
Geöffnet hat The Dove jeden Tag von 11 Uhr bis 23 Uhr, lediglich am Sonntag nur von 12 Uhr bis 22.30 Uhr.

Hier ist ein kurzer Film über den Pub zu sehen.

The Dove
19 Upper Mall,
Hammersmith, London, W6 9TA

This work is released into the public domain.

Oakman Inns & Restaurants – Eine mehrfach ausgezeichnete Gruppe von Pubs

The Betsey Wynne in Swanbourne (Buckinghamshire).
Photo © Cameraman (cc-by-sa/2.0)

Seit nunmehr zehn Jahren gibt es die Pubgruppe Oakman Inns & Restaurants, die 2007 von Peter Borg-Neal gegründet wurde. Firmensitz ist in der Akeman Street in Tring (Hertfordshire). Anders als die meisten CEOs von Pubcos hat Borg-Neal im Laufe seines Lebens so ziemlich alle Arbeiten verrichtet, die in Pubs, Hotels und Restaurants anfallen, kann also über alles mitreden. Für den Manager stehen neben den Gästen seine Angestellten im Mittelpunkt, die gut bezahlt werden und deren Arbeit auch anerkannt wird. So wurde er 2015 mit dem Publican Award als Best Employer ausgezeichnet. Dreimal wurde die Pubgruppe zum Best Community Pub Operator und Borg-Neal zum Business Leader of the Year 2017 ernannt. Aus der Hand von HRH The Princess Royal erhielt er kürzlich den Princess Royal Training Award für seine Online-Akademie Oakmanology, in der seine Angestellten aus- und weitergebildet werden.

Bisher gehören 21 Pubs zu  den Oakman Inns, ein weiterer, The Royal Foresters in der London Road in Ascot, der seit April 2015 geschlossen ist, soll voraussichtlich im Frühjahr 2018 neu eröffnet werden. Sehen wir uns doch einmal einige der Oakman Inns an:

The Betsey Wynne in der Mursley Road in Swanbourne (Buckinghamshire). Dieser Pub wurde erst 2016 neu eröffnet und hat sich nicht zuletzt durch sein Restaurant einen guten Ruf erworben. Allein schon das Frühstücksangebot ist sehens- bzw. schmeckenswert.

The Blue Boar am Market Place in Witney (Oxfordshire) war vorher das Marlborough Hotel, bis es von den Oakman Inns übernommen und umgebaut wurde. Das denkmalgeschützte Gebäude war früher einmal eine Kutschenstation.

The Dog and Badger  in der Henley Road in Medmenham (Buckinghamshire) zählt seit seinem Umbau und der Neueröffnung im Jahr 2014 zu den Oakman Inns. Auch dieses Haus ist „Grade II listed“. Medmenham ist ein netter kleiner Ort an der Themse, den ich erst vor kurzem besuchte.

The Four Alls an der Binton Bridge in Welford-on-Avon (Warwickshire). Das ist einer meiner Lieblingsorte in England (über meinen Besuch in einem anderen Pub des Dorfes, The Bell, habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben). Der Biergarten des Pubs liegt direkt am River Avon.

The Blue Boar in Witney (Oxfordshire).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Dog and Badger in Medmenham (Buckinghamshire).
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

The Four Alls in Welford-on-Avon (Warwickshire).
Photo © Jonathan Thacker (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. Dezember 2017 at 02:00  Comments (2)  
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