East Prawle in Devon und der Pigs Nose Inn

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Es gibt einen Ort namens West Prawle in Devon und ein Dorf namens East Prawle. Der Unterschied? East Prawle ist der am südlichsten gelegene Ort in der ganzen Grafschaft und noch ein Stückchen südlicher liegt Prawle Point, dann kommt nur noch das Meer. Man gelangt auf schmalen Straßen hier herunter, und auch im Dorf selbst geht es sehr eng zu. Von hier aus kann man auf Wanderwegen zum Meer kommen, aber auch ein Fahrweg führt zu einem Parkplatz am Meer. Bei Gegenverkehr wird es etwas problematisch, denn ich schätze die Breite der Straße auf circa zwei Meter.

Was hat East Prawle zu bieten? Nicht allzu viel; es gibt hier einen kleinen Laden namens Piglet Stores and Café am Village Green, der die Einwohner mit dem nötigsten versorgt und auch die Touristen mit ihren Bedürfnissen nicht im Stich lässt. Angeschlossen ist ein Café mit einer Auswahl an Kuchen, Sandwiches und Snacks. Ich stelle mir vor wie das hier wohl im Winter aussehen mag, bei Sturm und Regen.

Das Highlight in East Prawle ist der Dorfpub, der Pigs Nose Inn; „relaxed and quirky three-room 16th century pub, lots of interesting bric-a-brac“, so die Kurzbeschreibung des Good Pub Guides. Die Besitzer sind sehr hundefreundlich, haben selbst welche und heißen „Gasthunde“ willkommen. Außerdem ist man hier sehr umweltbewusst und versucht, auf so viel Plastik wie möglich zu verzichten; die Essenszutaten kommen zum größten Teil aus der Region.
Der Pigs Nose Inn hat einen sehr guten Ruf, was das Unterhaltungsangebot angeht. Es traten schon viele namhafte Bands auf wie Atomic Kitten, die Boomtown Rats oder Wishbone Ash. Im September soll es wieder richtig los gehen.
Seit letztem Montag ist die Außengastronomie wieder geöffnet.

Sehenswert ist übrigens die exzentrische Inneneinrichtung des Pubs!

The Pigs Nose Inn
East Prawle
Kingsbridge
Devon TQ7 2BY

„Relaxed and quirky“: Im Inneren des Pigs Nose Inn
Author: dvcronan
Creative Commons 2.0
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Du kommst hier nicht raus! Am Prawle Point.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

The Malt Shovel in Oswaldkirk (North Yorkshire)

Dort in der Grafschaft North Yorkshire, wo die North York Moors an die Howardian Hills grenzen, findet man das kleine Dorf Oswaldkirk, in dem es, wie es der Name auch verrät, eine dem heiligen Oswald gewidmete Kirche gibt. An derselben Straße liegt, wie sich das für ein englisches Dorf gehört,  der Pub, der hier The Malt Shovel heißt, ein denkmalgeschütztes Haus, das im 17. Jahrhundert erbaut worden ist. Der Pub gehört in das Portfolio der Samuel Smith Brewery, die in Tadcaster, ebenfalls North Yorkshire, ansässig ist. Leider ist The Malt Shovel schon seit geraumer Zeit geschlossen (nicht wegen Corona), weil der Pub in großem Stil umgebaut werden soll.

Das Haus gehört zu den „haunted pubs„, von denen es in England unzählige gibt. Geister scheinen ihre Atmosphäre zu schätzen wissen. In der Malt Shovel soll es sich um den Geist des fünfjährigen Thomas Bamber handeln, der hier vor über hundert Jahren starb. Seine Mutter soll das Kind wochenlang in seinem Sterbezimmer gelassen haben, bevor sie es zur Beerdigung freigab. Sie konnte sich nicht damit abfinden, dass ihr geliebtes Kind nicht mehr lebte.

In Oswaldkirk weiß jeder, dass es in der Malt Shovel spukt, der örtliche Pfarrer hat das Haus sogar schon einmal exorziert. Die Dorfbewohner werden sicher froh sein, wenn ihr Pub wieder geöffnet haben wird; solange müssen sie auf andere Pubs in der Umgebung ausweichen wie den White Swan und den White Horse Inn im nahegelegenen Ampleforth oder The Fairfax Arms in Gilling.

Wenn man schon einmal in Oswaldkirk ist, sollte man der hübschen kleinen Dorfkirche einen Besuch abstatten von deren Kirchhof man einen weiten Blick in das Ryedale hat.

Der Biergarten der Malt Shovel.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die dem heiligen Oswald gewidmete Dorfkirche.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

The Ebrington Arms in Ebrington (Gloucestershire) – Einer der schönsten Pubs in den Cotswolds… und ganz Großbritanniens

Ebrington ist ein hübsches kleines Dorf in den Cotswolds, das nicht so bekannt ist wie die Touristenhochburgen Broadway, Stow-on-the-Wold oder Chipping Camden. Drei Kilometer nordöstlich von letzterem Ort liegt Ebrington in der Grafschaft Gloucestershire und es darf sich zurecht damit schmücken, einen der schönsten Pubs in den Cotswolds zu besitzen; nach Ansicht der Times ist es sogar der schönste im  ganzen Königreich. Der im allgemeinen zuverlässige Good Pub Guide zeichnet The Ebrington Arms gleich mit mehreren Awards aus, mit dem Beer Award, dem Food Award, Wine Award und Stay Award (es stehen hier auch fünf Zimmer zur Verfügung). Da die Besitzer des Pubs auch eine eigene Brauerei haben, die Yubberton Brewery, kann der durstige Pubbesucher Produkte dieser Brauerei probieren, die Yubby, Yawny und Goldie heißen. Nicht-Biertrinker können den Wein des Little Oak Vineyards verkosten, der etwa zwei Kilometer entfernt angebaut wird.

Der Dorfpub soll hier schon seit dem Jahr 1640 stehen und dafür gesorgt haben, dass die Ebringtoner nie durstig zu Bett gehen mussten. Der Pub verfügt über all die Dinge, die man sich von einem englischen Gasthaus wünscht: Offene Kaminfeuer im Winter und eine Terrasse mit Biergarten im Sommer, Hunde sind willkommen, einige Tische in der Bar sind extra für Hunde und deren Begleiter vorgesehen, es gibt eine fantasievolle, bodenständige Küche und auch einige Pubspiele werden bereit gehalten.

Creaking with atmosphere“ schwärmt der Daily Telegraph und spricht von einem „hidden treasure set in a gloriously unspoilt village„.

The Ebrington Arms hat noch einen Schwester-Pub, The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.

Hier ist ein Film über dieses Schmuckstück in den Cotswolds.

The Ebrington Arms
Ebrington
Chipping Campden
Gloucestershire
GL55 6NH

 

Der Schwester-Pub: The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Februar 2021 at 02:00  Comments (5)  
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The Row Barge – Ein Pub in Henley-on-Thames (Oxfordshire), der früher einmal einen berühmten Stammgast hatte

Kann es einen passenderen Namen als The Row Barge für einen Pub in Henley-on-Thames in Oxfordshire geben, der Stadt mit einer der berühmtesten Ruderregatten der Welt? Leider liegt er nicht direkt an der Themse, sondern in der West Street, einige hundert Meter vom Fluss entfernt. Das Pubschild zeigt eine Königsbarke auf der Themse mit acht Ruderern, die offensichtlich einen Royal transportieren..

The Row Barge ist nur einen Katzensprung von Friar Park entfernt, jenem riesigen Gebäude mit 120 Zimmern, in dem einst der Beatle George Harrison mit seiner Frau Olivia wohnte (und in dem sie sicher häufig Schwierigkeiten hatten, einander zu finden). Ich berichtete über Friar Park in meinem Blog. The Row Barge war George Harrisons Stammlokal, das er in wenigen Minuten über den Gravel Hill und die West Street erreichte. Es gibt ein Foto, das George Harrison und Olivia zusammen mit dem damaligen Barmann und dessen Frau zeigt; einmal kam der Ex-Beatle in die Row Barge als Barmann Norman gerade Geburtstag hatte. Spontan schenkte ihm George Harrison einen Abend mit selbst gesungenen Beatlesliedern. Ich wette, dass der Row Barge-Wirt diesen Abend nie vergessen hat.

Noch ein anderer berühmter Musiker ging gern in the Row Barge: Der Gitarrist, Sänger und Komponist Gary Moore (1952-2011), der ebenfalls ganz in der Nähe wohnte und mit George Harrison befreundet war.

Eine weitere Größe der britischen Rock- und Popgeschichte wohnte in Henley-on-Thames, deren Grab auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin zu finden ist: Dusty Springfield (ich berichtete über meinen Besuch an ihrem Grab in meinem Blog)

Ich kann mir vorstellen, dass der Pub von George Harrison- und Beatles-Fans gern aufgesucht wird; sie können dort sogar übernachten (£85 pro Doppelzimmer, wovon es vier gibt). Das Haus selbst ist eine der ältesten Kutschenstationen in Henley-on-Thames, dessen Anfänge bis in das 16. Jahrhundert zurück reichen.

The Row Barge
37 West Street,
Henley-On-Thames,
Oxfordshire
RG9 2ED

Ein Foto aus dem Jahr 1978, als George Harrison gern in The Row Barge zu Gast war.
Photo © Antony Ewart Smith (cc-by-sa/2.0)

The Lion Inn – Einer der abgelegensten Pubs Englands in der Moorlandschaft North Yorkshires

Warum hat man wohl mitten in die landschaftlich großartigen North York Moors, dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, einen Gasthof hingebaut? The Lion Inn in einer Region, die sich Blakey Ridge nennt, hat seine Ursprünge im 16. Jahrhundert, seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als hier oben Eisenerz abgebaut wurde, und die Bergleute natürlich in der Abgeschiedenheit einen Pub brauchten. Heutzutage kann es im Sommer bei schönem Wetter im Lion Inn ganz schön voll werden, wenn durstige Wanderer, Radfahrer und Autofahrer über den Gasthof hereinfallen. The Lion Inn steht in den Charts der höchst gelegenen Pubs Englands mit über 400 Metern an vierter Stelle (die Nummer 1 ist der Tan Hill Inn, ebenfalls in North Yorkshire).

Weil in den Kaminen des Hauses ganzjährig Feuer brennen, ist The Lion schon einmal zum Real Fire Pub of the Year gewählt worden, und so richtig gemütlich wird es hier, wenn draußen ein Sturm ums Haus tobt, und man gemütlich am Kamin sitzt und ein Pint Old Peculier oder Theakston’s Best schlürft. Sollte die Wettervorhersage aber Schnee ankündigen, so ist es angebracht, Blakey Ridge schnell zu verlassen, es sei denn, man legt es darauf an, eingeschneit zu werden, denn das kann hier oben durchaus passieren. 40 Tage ist der bisherige Rekord, das muss man nun wirklich nicht haben.
Am Abend des 26. Novembers 2010 suchte ein Blizzard Blakey Ridge heim, der so viel Schnee mit sich brachte, dass The Lion von der Außenwelt abgeschnitten war, und das für neun Tage. Außer dem Personal waren nur zwei Gäste anwesend, die es sich aber alle gut gehen ließen, denn es war genügend zu essen da und Getränke sowieso. „We ate and drank like kings, feasting on all the finest food from the specials menu – steaks, pies, roasts – washed down with an ale or five„, erzählte eine der Angestellten des Pubs dem Guardian.

Es gibt 13 Gästezimmer im Haus (ein Zimmer mit der Nummer 13 gibt es nicht, auf Zimmer 12 folgt Zimmer 14), deren Übernachtungspreise zwischen £55 und £110 liegen.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über den Pub.

The Lion Inn
Blakey Ridge
Kirkbymoorside
North Yorkshire YO62 7LQ

Cozy?
Photo © Colin Grice (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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The Ritz in Wallsend (Tyne and Wear) – Ein J.D. Wetherspoon-Pub in einem ehemaligen Kino

Wallsend ist eine Stadt im Nordosten Englands in der Grafschaft Tyne and Wear, zwischen Newcastle upon Tyne and South Shields. Welche Mauer endete hier? Natürlich die römische Hadrian’s Wall, die von Kaiser Hadrian, einer Art Donald Trump des 2. Jahrhunderts, angelegt wurde, um unter anderem auch „die unkontrollierte Migration schottischer und irischer Stämme in das Gebiet der Provinz Britannia inferior zu verhindern“ (so die Wikipedia).

In Wallsend stand an der High Street von 2011 bis 2015 eine ehemalige Bingohalle leer, die in einem hübschen Art Déco-Gebäude untergebracht war, bis sich die Pubgruppe J.D. Wetherspoon ihrer erbarmte und einen attraktiven Pub daraus machte, dem der Name The Ritz gegeben wurde. Ursprünglich handelt es sich hier um ein 1939 von Percy L. Browne entworfenes Kino, das 1939 in Betrieb ging und als ersten Film „Gangster’s Boy“ zeigte. Am 8. September 1962 war dann leider Schluss, und das Kino wurde in eine Bingohalle umgewandelt.

J.D. Wetherspoon steckte eine Menge Geld in das Ritz (auch einer der berühmten Wetherspoon-Teppichböden wurde verlegt). Wie bei der Pubkette üblich hängen an den Wänden gerahmte Bilder und Fotos aus der Vergangenheit der jeweiligen Stadt. So findet man im Ritz zum Beispiel ein Foto des Sängers Sting, der am 2. Oktober 1951 in Wallsend geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte. Ein weiteres Foto zeigt die Dreharbeiten des Films „Get Carter“ (in Deutschland:“ Get Carter – Die Wahrheit tut weh“) aus dem Jahr 1970, die in Wallsend stattfanden.

In meinem Blog stellte ich bereits zwei weitere Kinoumbauten vor, die zu einem Wetherspoon-Pub wurden: The Wallaw in Blyth (Northumberland) und The Opera House in Tunbridge Wells (Kent).

Die ehemalige Bingohalle an der High Street von Wallsend.
Photo © Mac McCarron (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Phene – Ein Pub in Chelsea, der nach einem exzentrischen Architekten benannt worden ist

In der Oakley Street im Londoner Stadtteil Chelsea haben einige prominente Leute gewohnt wie der Polarforscher Robert F. Scott und der Reggae-Sänger Bob Marley. Oscar Wildes Mutter Jane hatte sich hier niedergelassen wie auch ein Architekt namens John Samuel Phene (1822-1912), der in der Nummer 32 wohnte. Phene war ein Exzentriker, der durch seine höchst merkwürdige „Lebkuchenburg“, das Gingerbread Castle, damals auf sich aufmerksam machte, ein fünfstöckiges Haus an der Ecke Oakley Street/Upper Cheyne Row, das niemals fertiggestellt worden war, in dem Phene nie wohnte und das im Jahr 1912 wieder abgerissen wurde. Der Architekt legte hier in Chelsea auch die nach ihm benannte Straße Phene Street (die von der Oakley Street abzweigt) und den Pub The Phene an, der in der ruhigen Sackgasse steht und der vor einigen Jahren um ein Haar in eine Luxuswohnung umgewandelt worden wäre, wenn sich nicht erheblicher Widerstand in der Bevölkerung aufgetan hätte. Unterstützt wurde der Widerstand unter anderem auch durch den Schauspieler Hugh Grant und den ehemaligen Fußballspieler Sol Campbell, der einmal für Arsenal und Tottenham im Einsatz war. Sein Kollege, der berühmte, 2005 verstorbene George Best ging im The Phene ein und aus.

The Phene wurde an die City Pub Company verkauft, die im Süden des Landes 48 Pubs ihr eigen nennt, auch ganz in der Nähe in Chelseas King’s Road „The Lost Hours“. The Phene ist glücklicherweise das geblieben, wofür John Samuel Phene ihn in den 1850er Jahren gebaut hatte, als Begegnungsort für die Bewohner der umliegenden Straßen, in dem man in Ruhe sein gepflegtes Pint trinken und dazu etwas Nettes essen kann. Wie dieser Film zeigt, gehört The Phene zu den „posh“ Pubs, in dem man gern auch ein Flasche Champagner ordert.

The Phene
9 Phene Street
Chelsea
London SW3 5NY

Die Oakley Street in Chelsea.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Die Wetherspoon Carpets – Teppichböden der besonderen Art

The Ledger Building, ein Pub in den Londoner Docklands.
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

Es gibt „trainspotters„, die auf Bahnsteigen oder überall da, wo Züge vorbeifahren, fein säuberlich Zugnummern, Standorte und Tageszeiten notieren, „planespotters„, die Ähnliches mit Flugzeugen veranstalten, „Eddie Stobart truckspotters„, die auf der Jagd nach Lastzügen der Speditionsfirma sind und deren weibliche Vornamen in ihr Notizbuch schreiben…und es gibt „Spoon’s carpetspotters„, die landauf, landab Pubs der J.D. Wetherspoon’s-Kette aufsuchen, um deren Teppichböden zu fotografieren. Da Wetherspoon’s um und bei 900 Pubs besitzt, haben diese Menschen ganz schön viel zu tun.

Warum sind die Teppichböden der Pubkette so besonders, dass manche Leute lange Fahrstrecken zurücklegen, um sich diese anzuschauen? Das Besondere ist, dass diese Teppichböden jeweils Unikate sind, die von Designern der Firma entworfen werden. Sie sind in der Regel nicht maschinell angefertigt, so dass so ein Teppichboden, je nach Größe des Pubs, bis zu £30,000 kosten kann. Hergestellt werden sie meist von der renommierten Firma Axminster Carpets, die in Axminster in Devon ansässig ist. Die Muster der Teppichböden stehen jeweils in einer Beziehung zu dem Ort, in dem der Pub steht. Vielleicht dienen der Farbreichtum und die vielen verschlungenen Muster auch dazu, dass man auf dem Teppichboden die Flecken von verschüttetem Bier und anderen mehr oder weniger appetitlichen Dingen nicht so sieht.

Kit Caless ist jemand, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, ein Buch darüber geschrieben hat: „Spoon’s Carpets„, 2006 erschienen, und einen Blog führt. Siehe auch diese Webseite zum Thema.

The Montague Pyke an Londons Charing Cross Road.
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

Midsummer Boulevard in Milton Keynes (Buckinghamshire).
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

The Regal in Cambridge.
Author: Matt From London
Creative Commmons 2.0

Published in: on 12. Oktober 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Gallaghers Traditional Pub in Birkenhead (Merseyside)

In den beinahe elf Jahren meiner Blogarbeit habe ich noch nie über die Halbinsel The Wirral und deren größte Stadt Birkenhead, gegenüber von Liverpool, geschrieben. Das möchte ich heute wenigstens ansatzweise nachholen mit der Vorstellung des ungewöhnlichen Gasthauses Gallaghers Traditional Pub in der Chester Street Nummer 20 in Birkenhead.

Im Fenster des Pubs sind zwei kleine Schilder angebracht mit den Aufschriften „SHAVES BY APPOINTMENT ONLY“ und „WALK IN SERVICE FOR HAIRCUTS„. Was soll das denn bedeuten? Ein Pub, in dem man sich die Haare schneiden lassen kann? Tatsächlich ist das in Gallaghers möglich, denn die Wirte Frank und Suzanne Gallagher sind beide Friseure, die den heruntergekommenen Pub 2010 übernahmen, ihn renovierten und gleichzeitig zwei Friseurstühle im hinteren Bereich installierten. Wer möchte, kann sich also beim Frisieren gleichzeitig ein Pint servieren lassen; das nennt man dann, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen oder, im Englischen, „to kill two birds with one stone“.

Wer etwas für Militaria über hat, kommt in dem Pub voll auf seine Kosten (der Wirt diente bei den Irish Guards). Da hängen unzählige Bilder mit entsprechenden Motiven an den Wänden, Schiffsmodelle stehen in Regalen, Flugzeuge hängen von der Decke usw. usw. Auf der Speisekarte sind Gerichte nach militärischen Dienstgraden benannt wie Corporal, Paratrooper und Chief Petty Officer.

Es ist schon ein recht ungewöhnlicher Pub hier in Birkenhead, von dem man übrigens vor der Tür einen großartigen Blick auf die Skyline von Liverpool hat.

Gallaghers Traditional Pub
20 Chester Street
Birkenhead CH41 5DQ

Published in: on 18. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Crown Inn in Sarre (Kent) – The Cherry Brandy House

Charles Dickens war schon hier zu Gast (wo eigentlich nicht?), ebenso Rudyard Kipling, Ellen Terry und viele andere namhafte Persönlichkeiten. Das steht so geschrieben auf zwei großen Tafeln am The Crown Inn in Sarre in der Grafschaft Kent. Fall jemand nicht weiß, wo dieses Sarre liegt: Auf halbem Weg zwischen Canterbury und Margate, dort, wo die A28 und die A253 zusammenstoßen.

Bevor man den Pub betritt, kann man, neben den beiden genannten Tafeln, noch so einiges an der Außenwand lesen. „Old Established Halfway House – Est. 1500 AD„, „Shepherd Neame 1698“ und „This is The Famous Cherry Brandy House„. Der Gasthof ist also über 500 Jahre alt, gehört zur Shepherd Neame Brauerei (in Faversham ansässig), die 1698 gegründet wurde, und hat eine Besonderheit, die es sonst nirgendwo in der britischen Pubwelt gibt: Hier wird ein ganz besonderer Cherry Brandy angeboten, den man nur in diesem Gasthaus bekommt.

Merkwürdigerweise findet man in der Wikipedia, weder in der englischen noch in der deutschen Ausgabe, einen eigenen Eintrag über Cherry Brandy. Das Getränk ist wohl etwas aus der Mode gekommen. Der Likör besteht aus Weinbrand und Kirschen (die Firma Bols verwendet dafür Maraska-Kirschen und zerdrückte Kirschkerne) und wird gern für Cocktails verwendet (zum Beispiel für Kiss in the Dark).

The Crown Inn stellt seinen Cherry Brandy nach einem Geheimrezept her, das die Hugenotten seinerzeit auf der Flucht von Frankreich nach England mitgebracht haben sollen. Die Kirschen dafür wachsen in der näheren Umgebung; Kent wir gern The Garden of England genannt.

Wer möchte, kann in The Crown auch übernachten, es gibt sogar eine Honeymoon Suite mit Himmelbett.

The Crown Inn
Ramsgate Road
Sarre
Birchington
Kent
CT7 0LF

Published in: on 16. August 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The Wallaw – Ein J.D. Wetherspoon-Pub in Blyth (Northumberland)

Der Name The Wallaw ist in der englischen Publandschaft einmalig. Schaut man in einem Wörterbuch nach, wird man keine Eintragung dafür finden, denn es ist ein Kunstwort, das sich aus dem Namen Walter Lawson zusammensetzt. Dieser Mann eröffnete im November 1937 in Blyth in Northumberland ein Kino mit diesem Namen. Ganz schön mutig, in einer Kleinstadt mit (heute) rund 37 000 Einwohnern ein Kino mit 1400 Sitzen zu betreiben, das sich tatsächlich bis zum Jahr 2004 halten konnte. Der letzte Film der hier gezeigt wurde, war “The Passion of the Christ”.
Danach stand das Art Déco-Gebäude, das vor allem durch seine Innenarchitektur ins Auge sticht, neun Jahre lang leer. Schließlich erbarmte sich die Pubkette J.D. Wetherspoon des Wallaw und baute es entsprechend um, bezog aber große Teile der Kinoeinrichtung mit ein. So ist ein außergewöhnlicher Pub entstanden, in dem noch ein Filmprojektor zu sehen ist, ein großartiges Foyer mit Treppen, die in den ersten Stock führen, ein wunderschöner Bartresen und ein atemberaubender Gastraum. Wie das in vielen anderen Wetherspoon-Pubs auch der Fall ist, hängen an den Wänden Bilder und Tafeln, die auf die Geschichte des Hauses eingehen.
Hier sind einige Bilder vom The Wallaw zu sehen.

Die Pubkette bietet seit einiger Zeit die Wetherspoon-App an, mit der man von seinem Tisch aus Bestellungen aufgeben kann, die dann vom Personal gebracht werden. Egal ob Drinks oder Essen, alles kommt direkt an den Tisch; kein Anstellen am Tresen mehr, kein mühseliges Schleppen von randvollen, überschwappenden Biergläsern. Bezahlt wird nicht bar, sondern mit Apple Pay, Google Pay oder PayPal gleich bei der Bestellung; das hat durchaus seine Vorteile.

Published in: on 13. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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The Ringlestone Inn bei Harrietsham in Kent – Heimgesucht von Straßenräubern, Bikern und Geistern

The Ringlestone Inn ist einer jener entlegenen Pubs, an denen man nicht zufällig vorbeikommt, sondern die man gezielt aufsuchen muss. Erreichbar ist der Inn nur über die einspurige Ringlestone Road, und das Mini-Dörfchen Ringlestone besteht nur aus einer Handvoll Häusern. Wir befinden uns in der Grafschaft Kent, nördlich der A20 und M20, nicht weit vom Leeds Castle entfernt.

Die Anfänge des Gebäudes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, im Inneren hat sich Vieles in den letzten dreihundert Jahren kaum verändert. Über die Geschichte des Hauses könnte man ein ganzes Buch schreiben. Bevor es zum Gasthof wurde, diente es als Hospiz für Mönche, dann siedelte sich ein Küfer hier an und es wurde Bier gebraut. Nachdem The Ringlestone Inn seine Pforten eröffnete, wurde das abgelegene Haus zum Treffpunkt von Straßenräubern und Schmugglern.
Auch im 20. Jahrhundert ging es hier manchmal hoch her, so zum Beispiel an einem Bank Holiday-Abend des Jahres 1963, als sich Dutzende von rauhbeinigen Motorradfahrern einfanden. Damals waren Florence und Dora Gasking, Mutter und Tochter, die Gastwirte des Ringlestones Inns. Als die Bikers es zu toll trieben und eine Fensterscheibe zu Bruch ging, riss Florence Gasking der Geduldsfaden. Sie holte eine Schrotflinte hervor (die allerdings nur mit Platzpatronen geladen war), und schoss über die Köpfe der randalierenden Biker hinweg. Von da ab war Ruhe im Karton. Der Inn blieb trotzdem Treffpunkt für Motorradfahrer, aber die Wirtin hatte sich Respekt verschafft und ähnliche Szenen sollten sich hier nicht mehr abspielen.

In einem so alten Gasthof muss es natürlich spuken und das tut es im Ringlestone Inn auch. Sowohl die Bewohner des Hauses als auch Gäste erzählen immer wieder von merkwürdigen Begebenheiten. Renovierungsarbeiten sind zum Beispiel bei Geistern äußerst unbeliebt, weil sie sich dadurch in ihrer Ruhe gestört fühlen, und das lassen sie die Gastwirte deutlich durch ihre Aktivitäten spüren. Geisterkinder sollen mehrfach gesichtet worden sein, sowie ein älteres Ehepaar, das am Kamin einen Drink zu sich nimmt. In diesem Film wird von einigen dieser Ereignisse erzählt.

Nach einem Umbau ist The Ringlestone Inn im vorigen Jahr wieder neu eröffnet worden, und die Besitzer legen jetzt verstärkt Wert auf ihr Restaurant, in dem man beispielsweise ein siebengängiges Menü zu sich nehmen kann.

The Ringlestone Inn 
Ringlestone Road
Harrietsham
Kent, ME17 1NX

Das Konsulat des Königreichs von Redonda findet man im Pub The Wellington Arms in Southampton

Das Rauchverbot in englischen Pubs traf viele „Regulars“, die gern mal zur Zigarette griffen, schwer. Das Bier so ganz ohne zu trinken, schmeckte ihnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht. Aber was sollten sie schon gegen das Gesetz ausrichten? So mancher Wirt überlegte, ob es nicht vielleicht doch einen Ausweg aus dieser Situation geben könnte und Bob Beech, der Publican des The Wellington Arms in Southampton hatte da eine Idee. Wenn sein Pub nicht auf britischem Boden stehen würde, gälten dann ja auch die britischen Gesetze dort nicht…

Die Idee: Bob Beech erklärte seinen Pub kurzerhand zum Konsulat des Königreichs von Redonda. Nie davon gehört? Es gibt wohl auch nur wenige Menschen auf der Welt, die schon von diesem Königreich gehört haben. Redonda ist eine winzige Insel in der Karibik, nicht weit von Antigua entfernt, auf der kein Mensch wohnt. 1865 soll sich hier ein gewisser Matthew Dowdy Shiell von der nahe gelegenen Insel Montserrat zum König von Redonda ausgerufen haben und dieser Titel wurde bis in die heutige Zeit  immer weitergereicht. Näheres ist auf der Homepage des Pubs nachzulesen. Da ist natürlich viel britischer Humor dabei und dem Konsul Redondas, besagtem Wirt Sir Robert Beech, gelang es auch nicht, die britischen Behörden davon zu überzeugen, dass die Rauchverbotsbestimmungen in seinem Pub nicht gelten, aber einen Versuch war es immerhin wert…

Die Raucher des Wellington Arms müssen sich also weiterhin nach draußen begeben, um sich eine Zigarette zu genehmigen; für sie hat Sir Robert aber eine überdachte Raucherzone gebaut.

Ab heute hat der Pub nach den Corona-Einschränkungen wieder geöffnet. Good luck!

The Wellington Arms
56 Park Road
Southampton SO15 3DE

 

The Kingdom of Redonda.
Author: Invertzoo.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Daddlums – Ein fast ausgestorbenes Pubspiel, das noch heute in The Jolly Drayman in Gravesend (Kent) gespielt wird

The Jolly Drayman in Gravesend (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich immer einmal wieder über Pubspiele geschrieben, zuletzt über Ringing the bull, die nach und nach in Gefahr geraten, auszusterben und auf der „Roten Liste der gefährdeten Pubspiele“ stehen (gibt es nicht in Wirklichkeit, habe ich mir nur ausgedacht).
Eines dieser Spiele, die beinahe ganz verschwunden sind, ist Daddlums, auch Kentish skittles genannt. Das ist ein Kegelspiel, das auch auf kleinstem Raum untergebracht werden kann. Auf einem speziellen Brett sind neun Mini-Kegel rautenförmig aufgestellt, die es gilt umzuwerfen; das muss der Spieler mit drei kleinen hölzernen Würfeln („cheeses“) aus drei Metern Abstand erreichen. In Dorset gibt es ein ähnliches Spiel, das dort Drubbers genannt wird.

In einem der ganz wenigen verbliebenen Pubs, in dem regelmäßig Daddlums gespielt wird, ist The Jolly Drayman in der Wellington Street in  Gravesend in Kent, wo sich die Themse allmählich der Nordsee zuwendet. Jeden Sonntagabend um 21 Uhr trifft sich hier die Daddlums-Fangemeinde zum fröhlichen Tischkegelspielen. Nach Meinung des Jolly Draymans gibt es (wahrscheinlich) im ganzen Königreich keinen weiteren Pub, in dem dieses Spiel gespielt wird. Nach meinen Recherchen kommt höchstens noch The Carpenters Arms in dem winzigen Dorf Coldred, nahe der A2, nördlich von Dover in Kent in Frage, in dem zumindest hin und wieder Daddlums zelebriert wird.

Je mehr Pubs schließen, und das kann durch die Coronakrise noch beschleunigt werden, je mehr geraten auch lieb gewordene Traditionen in Gefahr, für immer zu verschwinden. Hoffen wir, dass dem Einhalt geboten werden kann!

The Carpenters Arms in Coldred (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Ringing the bull – Ein altes Pubspiel, das man noch heute hier und da findet

Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham.
Photo © Roy Hughes (cc-by-sa/2.0)

Die Kreuzritter sollen die Anregung zu dem Spiel „Ringing the bull“ aus Jerusalem mit zurück nach England gebracht haben, und so verwundert es nicht, dass es in einem der ältesten Pubs Englands, dem Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham, noch heute gern gespielt wird (wie man hier sehen kann). Man braucht dazu lediglich einen Strick, der an der Decke eines Raumes befestigt ist, mit einem Ring am Ende und an der Wand einen Haken, der häufig an einem ausgestopften Tierkopf angebracht war, vorzugsweise einem Kopf eines Bullen oder eines Hirschen. Jetzt müssen die Teilnehmer des Spiels nur noch den Ring über den Haken befördern. Klingt simpel, ist es aber nicht. In der TV-Show „Schlag den Raab“ im Jahr 2014 versuchte sich Stefan Raab und sein damaliger Herausforderer an dem Spiel, und beide schafften es nach einer Stunde nicht, den Ring über den Haken zu bekommen (wer die Geduld dazu aufbringt, kann sich hier das quälende Duell in voller Länge ansehen).

In welchen Pubs kann man Ringing the bull heute noch spielen? Neben dem oben erwähnten gibt es noch einige Pubs in England, wo das möglich ist. Drei Beispiele: Im Pilot Inn in Dungeness (Kent), im Murrell Arms in Barnham (West Sussex) und The Blue Ball Inn in Grantchester (Cambridgeshire).

The Pilot Inn in Dungeness (Kent).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Murrell Arms in Barnham (West Sussex).
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

The Blue Ball Inn in Grantchester (Cambridgeshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The Hope and Anchor im Londoner Stadtteil Islington – Hier gingen einmal die späteren Stars der Rockmusik ein und aus

Hope we have as an anchor of the soul“ heißt es in der Bibel und nach diesem Spruch haben sich einige Pubs in England benannt, zum Beispiel in Wokingham (Berkshire) und in den Londoner Stadtteilen Brixton und Islington. Mit letzterem möchte ich mich heute kurz beschäftigen, denn The Hope and Anchor in der Upper Street Nummer 207 (die A1), Ecke Islington Park Street, spielte eine Zeit lang in der Rockgeschichte Englands eine große Rolle. In dem 1880 erbauten Gebäude fanden sich vor allem in den 1970er Jahren in einem kleinen Kellerraum zahllose Rockmusiker ein, die für ein dichtgedrängtes Publikum spielten. Diese Nähe zwischen Zuhörern und Musikern sorgte für eine besondere Atmosphäre, was sich schnell in London herum sprach und die Auftritte immer gut besucht waren.

1977 nahmen die Stanglers hier ihr Album „Live at the Hope and Anchor“ auf, dessen Plattenhülle im Hintergrund den Pub zeigt. Die Band Madness nutzte den Pub für ihr Musikvideo zu „One step beyond„, was auch die Londoner Band The Damned für „New Rose“ tat. Als noch niemand die irische Rockband U2 kannte, spielte sie im Keller vor neun Eintritt zahlenden Gästen, was die jungen Männer derart frustrierte, dass, nachdem Edge eine Seite seiner Gitarre gebrochen war, sie abtraten und das Weite suchten. The Police traten im Februar 1978 mehrer Male auf, und im selben Jahr hatte Joy Division am 27. Dezember ihren ersten Auftritt in London (der Eintritt kostete 75 Pence).

Ende 1977 fand hier das Hope & Anchor Front Row Festival statt, von dem ein Doppel Album veröffentlicht wurde, auf dem u.a. die Bands XTC, Tyla Gang, The Stranglers und Dire Straits (mit „Eastbound train„) zu hören sind.

Im ersten Stock des Hope and Anchor ist ein kleines Theater mit 50 Sitzen untergebracht, das Hope Theatre, das sich innerhalb weniger Jahre einen Namen gemacht und schon mehrere Preise gewonnen hat.

Last Order! – Britische Pubs in Zeiten der Coronakrise

Solche Bilder wollen wir nach dem Ende der Coronakrise nicht sehen (hier ein aufgegebener Pub im Londoner Stadtteil Deptford).
Photo © David Lally (cc-by-sa/2.0)

Premierminister Boris Johnson verhängte in der vorigen Woche die Schließung aller Pubs, was sicherlich richtig war, aber die britischen Gaststätten vor weitere große Probleme stellt. Die Zahl der Pubs ging in den letzten Jahren dramatisch zurück, was an mehreren Faktoren lag, so stiegen zum Beispiel die Bierpreise kontinuierlich, was immer mehr Menschen dazu bewegte, ihr Bier bei Tesco, ASDA oder Aldi zu kaufen.

Wenn jetzt Pubs über einen längeren Zeitraum geschlossen bleiben müssen, wird das viele in den Ruin treiben. Ich kann mir vorstellen, dass, speziell in den Metropolen, hinter den Kulissen schon einige „developer“ wie die Aasgeier darauf warten und dann die Häuser möglichst günstig aufkaufen, gegebenenfalls abreißen, um auf dem Grundstück neue Wohnhäuser zu erbauen bzw. das alte Gebäude in Wohnungen umzugestalten.

Doch jetzt wehren sich noch viele Pubs gegen dieses Szenario, indem sie neue Ideen verwirklichen und ihren bisherigen Kunden Alternativen anbieten. Pubfood zum Mitnehmen ist eine Möglichkeit, einige gehen sogar noch weiter und bringen die Bestellungen ins Haus.

In a bid to provide traditional pub meals for people who are social distancing due to coronavirus, we are bringing the pub to you„, heißt es bei Pubs, die zur Greene King Brewery gehören.

Erfindungsreich sind einige Pubs im Nordosten des Landes, wie der ChronicleLive aus Newcastle berichtet. The Punch Bowl in Jesmond und The Brandling Villa in Gosforth bringen nicht nur Mahlzeiten aus der Pubküche ins Haus, sondern auch Getränke wie Bier, Wein und Spirituosen, weiterhin wollen sie Livestreams aus ihren Bars anbieten, um ein wenig Pubatmosphäre ins Haus zu schicken. Sogar Kondome sind ins Lieferprogramm aufgenommen worden.

The Dorset in Lewes (East Sussex) bietet für £10 fünf Flaschen Budweiser und drei Snacks nach Wahl. Wer einen Container mitbringt, kann sich den auch mit Bier auffüllen lassen.

Bei der Abholung der bestellten Waren kann man ganz vorsichtig sein und jeden Kontakt vermeiden, indem man telefonisch oder online bestellt, auch online bezahlt, zu einer vereinbarten Zeit im Pub erscheint und dort die bereit gestellten Dinge an sich nimmt.

Das sind nur einige wenige Beispiele wie Pubs im Land der Coronakrise trotzen. Drücken wir allen britischen Pubs die Daumen, dass möglichst viele von ihnen überleben und bald wieder ihre Pforten für den Normalbetrieb öffnen können!!

The Dorset in Lewes (East Sussex).
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. März 2020 at 02:00  Comments (4)  

The Philharmonic Dining Rooms – Ein außergewöhnlicher Pub in Liverpool

Wenn man einmal Liverpool besucht, sollte man auf jeden Fall auch in die Hope Street gehen. Dort steht gegenüber der Liverpool Philharmonic Hall einer der außergewöhnlichsten Pubs in ganz England mit dem Namen Philharmonic Dining Rooms, der sich selbst als „one of the most lavish and ornate pubs in the country“ bezeichnet. Durch die Nähe zur Konzerthalle ist dieser Pub natürlich besonders bei Konzertbesuchern und den Mitgliedern des Royal Liverpool Philharmonic Orchestras sehr beliebt.

Erbaut wurde „The Phil“, wie es von Einheimischen kurz genannt wird, um das Jahr 1900 herum von dem Bierbrauer Robert Cain, einem der damals reichsten Männer im Königreich, dem über 200 Pubs in Liverpool gehörten.

Das Gebäude ist architektonisch bemerkenswert und steht schon seit langem unter Denkmalschutz. Beeindruckend ist der Haupteingang, der im Art Nouveau-Stil gestaltet wurde.
Das nicht minder beeindruckende Interieur des Pubs ist ganz dem Thema „Musik“ gewidmet; das ist man der Konzerthalle gegenüber natürlich schuldig. So sind zwei besonders schöne Räume nach den Komponisten Brahms und Liszt benannt. Man wird hier überall mit holzvertäfelten Wänden, Buntglasfenstern und Mosaikfußböden konfrontiert; kein Wunder, dass sich ständig Besucher aus aller Welt einfinden.

Eine weitere Besonderheit haben die Philharmonic Dining Rooms zu bieten: Die Herrentoiletten, die aus rosafarbenem Marmor und Mosaiken bestehen. Sie sind so spektakulär, dass auch Frauen einen Blick hineinwerfen dürfen (wenn sie gerade nicht benutzt werden).

The price of fame is not being able to go to the Phil for a quiet pint„, soll John Lennon einmal traurig gesagt haben.

„The Phil“  gehört zu den Nicholson’s Pubs, einer Kette von historisch besonders interessanten Gasthäusern.

Hier ist ein Rundgang durch das Haus im Film zu sehen.

The Philharmonic Dining Rooms
36 Hope Street
Liverpool
Lancashire
L1 9BX
 

Das Buch zum Artikel:
Christopher Routledge: Cains – The Story of Liverpool in a Pint. Liverpool University Press 2008. 160 Seiten. ISBN 978-1846311505.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

… und hier sind sie zu sehen.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die Top 5 Gastropubs des Jahres 2020

Im Januar 2016 stellte ich schon einmal die besten Gastropubs des Jahres vor, die die spanische Brauerei Estrella Damm jedes Jahr neu zusammenstellt. Viel hat sich eigentlich in diesen vier Jahren ganz oben an der Spitze nicht getan, denn drei dieser auf hervorragendes Essen spezialisierten Pubs finde wir in der aktuellen Liste 2020 wieder.

Auf Platz 1 finden wir, und das ist neu: The Harwood Arms im Londoner Stadtteil Fulham.
Dies ist der einzige Pub in der Hauptstadt, der sich eines Michelinsternes rühmen kann. Sally Abé steht am Herd, die auch zum Chef of the Year 2020 auserkoren wurde. Sie hat ihr Handwerk im Claridge’s in London bei Gordon Ramsey erlernt. Hier ist ein Film.

Seit Jahren hält sich The Sportsman bei Seasalter (Kent) unter den besten Restaurants des Landes; 2018 und 2019 auf Platz 1 der Top Gastropubs, in diesem Jahr nimmt er Platz 2 ein. Stephen Harris, der sich das Kochen selbst beigebracht, ist für den Erfolg dieses an der Nord-Küste Kents gelegenen Pub verantwortlich. Hier ist ein Film.

Auf Platz 3 finden wir in diesem Jahr Freemanson’s at Wiswell bei Clitheroe im fernen Lancashire. Auch Steven Smiths Pub ist ein alter Bekannter, seit mehreren auf der Liste zu finden. Auch der Good Food Guide hat den Gastropub im Ribble Valley als einen der besten im Land ausgezeichnet.

Platz 4 nimmt The Star Inn in Harome (North Yorkshire) ein, seit ewigen Zeiten einer besten Pubs Englands. Andrew Pern steht seit über 20 Jahren in diesem hübschen, reetgedeckten Haus aus dem 14. Jahrhundert am Herd. Er besitzt noch drei weitere Pubs, zwei in York und einen in Whitby. Hier ist ein Film.

Und auf Platz 5 steht The Coach in Marlow, Tom Kerridges zweiter Pub in Marlow (Buckinghamshire), der einen Michelinstern besitzt; sein anderer, The Hand and Flowers in Marlow, hat sogar zwei, der steht aber auf der Liste auf Platz 12. Ich kam kürzlich am The Coach vorbei, er sah von außen nicht besonders aus, aber die Werte liegen hier wohl eher innen.

 

 

 

Published in: on 5. Februar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Britain First – Die Devise der britischen Pubkette J.D. Wetherspoon

The Bell in Aylesbury (Buckinghamshire) – Ein Pub der Wetherspoon-Kette.
Eigenes Foto.

Bottoms Up – Wetherspoons is ditching German beers and Champagne for British brands ahead of Brexit“ titelte The Sun am 13. Juni 2018. Donald Trump lässt grüßen…
Erst einmal einige zu Worte zu der Pubgruppe mit dem Namen J.D. Wetherspoon, die 1979 gegründet wurde. Deren Pubs sind häufig in sehr schönen Häusern untergebracht, die früher einmal einem anderen Zweck dienten. Einen J.D. Wetherspoon hat es übrigens nie gegeben, es ist ein Kunstname, der sich aus dem Namen des Sheriffs J.D. ‘Boss’ Hogg der TV-Serie „The Dukes of Hazzard“ und dem Namen des früheren Erdkundelehrers des Firmengründers Tim Martin, der Wetherspoon hieß, zusammensetzt.

Tim Martin ist glühender Verfechter des Brexits und damit der Unabhängigkeit Großbritanniens von der EU; daher hat er 2018 Produkte der EU aus dem Angebot seiner rund 900 Pubs umfassenden Kette herausgenommen und durch britische bzw. Nicht-EU-Produkte ersetzt. Wie schon oben gesagt, werden deutsche Biere nicht mehr angeboten; auch Jägermeister, ein Getränk, das die Briten lieben, findet man nicht mehr im Sortiment, und das heißt damit auch, dass Jägerbombs, ein beliebter Drink, der aus Jägermeister und dem Energy Drink Red Bull besteht, nicht mehr bei Wetherspoons zu haben ist. Das gilt natürlich auch für die bei Stag und Hen Parties beliebten Jäger-trains (hier ist ein Videoclip wie dieser zelebriert wird). Wer trotzdem nicht auf diesen Drink verzichten möchte, kann als Ersatz für den deutschen Jägermeister den englischen Kräuterlikör Strika verwenden und Strikabombs bestellen. Angeblich soll der Likör sogar besser schmecken.

Auch französische und italienische Getränke sind vom Bann Tim Martins betroffen. So wird Champagner und Prosecco durch englische und australische Sekte ersetzt wie Produkte aus Denbies Wine Estate in Dorking (Surrey).

Wer nach wie vor Getränke aus dem EU-Bereich trinken möchte, muss dann eben die Wetherspoons meiden, denn andere Pubs haben kein Problem damit, Biere aus Deutschland und Wein aus Frankreich oder Italien anzubieten.

Ersetzt Champagner und Prosecco: Sekt aus dem Denbies Wine Estate.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 3. Januar 2020 at 00:00  Comments (4)  
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The Jolly Postie – Ein Themen-Pub in Royston (Hertfordshire)

Ein ungewöhnliches „Pubschild“ ziert The Jolly Postie in Hertfordshires Royston. Es zeigt einen Postboten in seiner blauen Uniform auf einem (echten) Fahrrad, geschmückt mit Briefen und Ansichtskarten. Der Zusammenhang: Das Gebäude, in dem der Pub untergebracht ist, war ursprünglich das Postamt von Royston, wurde dann in den Pub The Old Crown umgewandelt, der Ende 2013 seine Pforten schloss. Die Brauerei  McMullen & Sons in Hertford übernahm den Pub und eröffnete ihn erneut im April 2015 unter dem Namen The Jolly Postie. Es ist ein Themen-Pub entstanden, der in vielerlei Form auf das ehemalige Postamt Bezug nimmt. Neben dem oben beschriebenen Postboten vor der Tür hängt im Inneren ein Kollege von ihm von der Decke herunter, und das Highlight ist ein ehemaliges, rotes Postauto der Royal Mail im Eingangsbereich, das man in den Pub hineinbugsiert hat und in dem bis zu acht Gäste Platz nehmen können, um dort ihren Lunch oder ihr Dinner einzunehmen. Ich glaube, das ist einzigartig in ganz Großbritannien. Das Thema „Post“ zieht sich weiterhin durch den ganzen Pub, überall sieht man Gegenstände wie Fahrräder, an Tischen befestigte Sackkarren, eine rote Telefonzelle mitten auf einem Tisch und an den Wänden jede Menge Bilder.

The Jolly Postie
2 Baldock Street
Royston
Hertfordshire, SG8 5AY

Published in: on 15. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Cricketers in Clavering (Essex) – Hier erlernte The Naked Chef schon als Kind sein Handwerk

Jamie Oliver, auch als The Naked Chef bekannt, gehört zu den bekanntesten Köchen in Großbritannien, bekannt durch seine Fernsehshows, seine Kochbücher und seine vielen Restaurants. Im Augenblick läuft es nicht rund bei Jamie Oliver, denn seine Restaurantkette „Jamie’s Italian“ musste kürzlich Insolvenz anmelden. Doch das soll nicht Inhalt meines heutigen Blogthemas sein, sondern seine Anfänge als „Mini-Koch“ im Pub seiner Eltern, in dem er im Alter von sieben Jahren schon ein ansehnliches Brathähnchen zubereiten konnte (wie er das heute macht, zeigt dieser Film).

Trevor und Sally Oliver hatten im Jahr 1976 den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Pub The Cricketers in Clavering in Essex übernommen, einem kleinen Dorf in ländlicher Umgebung ein paar Kilometer nördlich vom Flughafen Stansted entfernt. Diesen inzwischen zum Gastropub gewordenen Gasthof mit angeschlossenem Hotel betreiben Jamie Olivers Eltern noch heute. Trevor Oliver bzw. sein Executive Chef Justin Greig stehen in der Küche und bieten eine anspruchsvolle Speisenkarte an, auf der u.a. auch ein vegetarisches Gericht namens „Jamie’s Crispy Cauliflower Katsu Curry“ steht. Hin und wieder bringt Jamie Oliver auch schon einmal organisch angebautes Gemüse und Salate vorbei, die dann in der Küche Verwendung finden.

Im Juli 2000 heiratete Jamie Oliver seine Freundin Juliette Norton ganz in der Nähe des elterlichen Pubs in der Kirche All Saints in Rickling (Essex). Am Hochzeitstag soll er ganz früh aufgestanden sein, um Vorbereitungen für das Hochzeitsessen zu treffen. Zu der Feier waren viele Gäste eingeladen, zu der der Bräutigam die Chemical Brothers einfliegen ließ. Er hatte mit Tom Rowlands von der Band eine Abmachung getroffen: Tom und Ed Simons, die beiden Chemical Brothers, sorgen für die Unterhaltung bei Jamies Hochzeit, dafür kocht Jamie bei Toms Hochzeit.

Hier ist das Dörfchen Clavering von einer Drohne aus zu sehen.

The Cricketers
Clavering
Saffron Walden
CB11 4QT

All Saints in Rickling (Essex).
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Marsden Grotto (Tyne and Wear) – Ein außergewöhnlicher Pub im Nordosten Englands

An der A183, südlich der Stadt South Shields in Tyne and Wear, liegt ein außergewöhnlicher Pub: The Marsden Grotto. Er vereint eigentlich alles, was einen tollen Pub ausmacht, eine wunderschöne Lage, direkt am Meer, ansprechende Gasträume, hier in eine Höhle hineingebaut, eine interessante Historie …und (mindestens) einen Geist.

Der Gast hat zwei Möglichkeiten von dem Parkplatz oben an der Klippe zu dem darunter gelegenen Pub zu gelangen: Über einen  steilen Zickzackweg, nicht zu empfehlen für Menschen mit Gehproblemen, oder, bequemer, mittels eines 1952 installierten Fahrstuhls, dessen Schacht über den Parkplatz hinausragt. Unten angelangt, hat man Zugang zu dem Privatstrand und genießt einen schönen Blick auf den im Meer gelegenen Marsden Rock, der sich im Besitz des National Trusts befindet. Bei Niedrigwasser kann man ihn zu Fuß erreichen.

Im Jahr 1782 baute sich ein gewisser Jack Bates hier unter den Klippen eine Wohnung, indem er mit Sprengstoff eine Höhle in das Gestein sprengte, dadurch erhielt er den Spitznamen Jack the Blaster. Da seinerzeit der Schmuggel in der Region blühte, bot sich Jacks Höhle an, um die Konterbande zwischenzulagern. Einer der Schmuggler namens John the Jibber wurde hier ermordet, weil er seine Kumpanen verraten haben soll; sein Geist wird immer mal wieder gesichtet. Geisterjäger wollen sogar noch einige weitere Geister im Marsden Grotto ausgemacht haben.

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand der Pub, der im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neue Besitzer hatte, fast verfiel, wiederaufgebaut wurde und sich heute großer Beliebtheit erfreut. Den Besucher erwartet eine Strandbar, ein Café, ein Restaurant mit dem Schwerpunkt auf Meeresfrüchten, und seit dem vorigen Jahr ein Hotel. Die Zimmerpreise bewegen sich in etwa zwischen  £100 und  £145.

Dieser kurze Film zeigt The Marsden Grotto aus der Luft.

Das Buch zum Artikel:
Michael J. Hallowell: The House That Jack Built – The True Story Behind the Marsden Grotto and the Search for Roman Treasure. Amberley Publishing 2008. 240 Seiten. ISBN 9781848680678.

Marsden Rock.
Photo © hayley green (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Bob Barton: Unusual Pubs By Boot, Bike and Boat

Foto meines Exemplares.

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog eine Fülle von Pubs vorgestellt, die auf die eine oder andere Weise ungewöhnlich sind. Bob Barton hat in seinem Buch 150 dieser Gasthäuser zusammengefasst. Es heißt „Unusual Pubs By Boot, Bike And Boat: 150 extraordinary licensed premises to visit around Britain„. Barton hat sie alle aufgesucht, vorzugsweise, wie es im Untertitel lautet, zu Fuß, per Rad oder per Boot; das Auto blieb also in den meisten Fällen zu Hause, was natürlich sehr gut in die heutige Zeit passt. Zu jedem der 150 Artikel werden die Anfahrtswege beschrieben, gegebenenfalls die Nummern der Wege des National Cycle Networks angegeben und, falls der Pub per Boot erreichbar ist, weist Bob Barton daraufhin, ob es dort eine Anlegestelle gibt. Sehr schöne Farbfotos von jedem einzelnen Pub ergänzen die Beschreibungen.

Hier sind einige Beispiele:
The Fleece Inn in Bretforton bei Evesham in Worcestershire – Ein uralter Pub, der dem National Trust gehört und den ich schon mehrfach aufgesucht habe. Es lohnt sich…wenn man denn einen Parkplatz in der Nähe findet.

The Yew Tree Inn in Cauldon (Staffordshire) – Ein Pub, den ich in guter Erinnerung habe und der vollgestopft ist mit Kirchenbänken, Polyphonen, alten Fahrrädern, einem Paar Seidenstrümpfen, die einst Königin Victoria gehörten usw. usw.

The Pack o‘ Cards in Combe Martin (Devon) – Ein sehr exzentrisches Gebäude, das wie ein Kartenspiel gebaut worden ist.

The Castle Inn in Edgehill (Warwickshire) – Der Pub steht am Rand des Schlachtfelds von Edgehill (1642) und ist in einem burgartigen Gebäude untergebracht mit achteckigem Turm und Zugbrücke.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Pub-Liebhaber!

Bob Barton: „Unusual Pubs By Boot, Bike And Boat: 150 extraordinary licensed premises to visit around Britain. Halsgrove 2017. 144 Seiten. ISBN 978-0-85704-305-4.

The Fleece Inn in Bretforton (Worcestershire).
Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)

The Yew Tree Inn in Cauldon (Staffordshire).
Photo © Jonathan Clitheroe (cc-by-sa/2.0)

The Pack o‘ Cards in Combe Martin (Devon).
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

The Castle Inn in Edgehill (Warwickshire).
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

 

 

The Opera House in Tunbridge Wells (Kent) – Einer der ungewöhnlichsten und schönsten Pubs Englands

An der Mount Pleasant Road in Tunbridge Wells (Kent) findet man einen der außergewöhnlichsten Pubs in ganz England, The Opera House, der zu der J. D. Wetherspoon-Kette gehört, unter deren Dach sich viele Pubs versammelt haben, die über ein besonderes Ambiente verfügen.

Das imposante Gebäude wurde im Jahr 1902 als Opernhaus erbaut, in dem bis 1931 Aufführungen stattfanden (die erste war Gilbert and Sullivans „Mikado“). Eine Kuppel krönt das Gebäude, auf der einmal eine Statue des nackten Götterboten Merkur stand, die aber in den 1920er Jahren abgenommen wurde. Vielleicht erschien sie den Bewohnern der Stadt zu anstößig? Das Innere des Opernhauses hatte man pompös in neo-barockem Stil gestaltet, mit Logen rechts und links von der Bühne, Kronleuchtern und reichen Verzierungen. Leider hielt sich die Oper nicht allzu lange in der Bäderstadt, denn bereits 1931 wurden statt Gilbert and Sullivan-Aufführungen Spielfilme gezeigt, ein Kino hatte das Haus übernommen. Nach Beschädigungen und Bränden im Zweiten Weltkrieg, deutsche Flugzeuge hatten, aus welchen Gründen auch immer, Tunbridge Wells bombardiert, wurde The Opera House wieder hergestellt. In den 1960er Jahren hatten die Bewohner der Stadt nicht mehr so richtig Lust ins Kino zu gehen, so dass sich hier stattdessen eine Bingohalle etablierte. 1996 übernahm schließlich die Wetherspoon-Pubgruppe das wunderschöne Haus und machte daraus einen Pub.

Heute kann man in dem außergewöhnlichen Ambiente genüsslich seine Pints trinken, zu Mittag oder zu Abend essen und sich die Bilder an den Wänden ansehen, die, wie so oft in Wetherspoon-Pubs, die Geschichte der Häuser näherbringen.

Einmal im Jahr geschieht etwas Besonderes im Opera House, wenn der Name des Etablissements erneut zu seinen Ehren kommt. Dann wird hier wieder eine Oper aufgeführt. Die Tische werden von der Bühne entfernt, und die Merry Opera Company bestimmt das Geschehen im Pub. Das nächste mal am 16. Februar 2020, wenn Mozarts Don Giovanni auf dem Programm steht.

Dieser sehr interessante Film zeichnet die Geschichte des Opera House nach.

The Opera House
88 Mount Pleasant Road
Royal Tunbridge Wells
Kent
TN1 1RT 

The Blue Lias Inn in Stockton (Warwickshire) – Der Brontosaurus-Pub

Einen Gasthof mit einem Brontosaurus auf dem Pubschild gibt es sicher kein zweites Mal in England. Der Name des Pubs, The Blue Lias Inn, ergibt zusammen mit dem Schild Sinn, denn die sogenannte Blue-Lias-Formation ist eine sedimentäre Ablagerung, die in vielen Teilen Englands anzutreffen ist und die zu einer Zeit entstand, als Saurier durch die Lande zogen. In den nahe gelegenen Steinbrüchen von Stockton in der Grafschaft Warwickshire fand man einen Ichthyosaurus, der sein neues Zuhause im Londoner Natural History Museum gefunden hat, und der auf dem Geschwindigkeitsbegrenzungsschild am Ortseingang von Stockton abgebildet ist.

Das Dorf Stockton liegt östlich von Leamington Spa, der Blue Lias Inn etwas außerhalb am Union Canal, so dass Narrowboater direkt am Pub anlegen können, wenn sie denn noch einen Platz ergattern. Der Biergarten ist ebenfalls nur wenige Schritte vom Kanal entfernt. Das Gebäude war ursprünglich ein Bauernhaus, das im 18. Jahrhundert erbaut und später in ein Gasthaus umgewandelt wurde.

Der Kanalpub ist nicht nur im Sommer dank seiner schönen Lage sehr beliebt, auch um die Weihnachtszeit herum, zieht The Blue Lias Inn viele Menschen an, denn dann erstrahlt er sowohl außen wie auch innen, von unzähligen bunten Lämpchen erleuchtet wie dieser Photostream zeigt.

Blue Lias Inn
Stockton Road
Stockton
Southam
CV47 8LD

Published in: on 5. Juli 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Bear Inn in Oxford – Der „Krawatten-Pub“

Colin Dexters Romanfigur Inspector Morse ist meistens durstig, und er hat kein Problem damit, im Dienst das eine oder andere Pint zu trinken. So geht er auch in dem Roman „Death is now my neighbour“ (in meinem Exemplar auf den Seiten 77 bis 79), dessen deutscher Übersetzungstitel „Der Tod ist mein Nachbar“ lautet, zu dem Oxforder Pub The Bear, Ecke Alfred Street/Blue Boar Street, um seinen Durst zu löschen und um Ermittlungen anzustellen. Morse sucht nämlich einen Spezialisten für Krawatten auf, Steven Lowbridge im Roman, der ihm bei der Suche nach einem ganz besonderen Schlips helfen soll.

Wie so vieles in den Oxford-Krimis von Colin Dexter, der leider am 21. März 2017 verstorben ist, existiert der Pub auch in Wirklichkeit, und es gibt dort die größte „Gasthaus-Krawattensammlung“ der Welt. The Bear Inn gehört zu den ältesten Pubs des Landes, dessen Ursprünge bis in das Jahr 1242 zurückreicht. Die Idee mit dem Krawattensammeln hatte 1952 der damalige Landlord Alan Course; er schnitt mit einer Schere einen Teil der Krawatte seiner Gäste ab, wenn sie es denn zuließen, und sie bekamen dafür einen Drink auf Kosten des Hauses. So sind mittlerweile rund 4500 „Schlipsabschnitte“ zusammengekommen, die in 24 Glaskästen an den Wänden und an der Decke zur Schau gestellt werden. Morse sieht da zum Beispiel eine Krawatte des Yale University Fencing Clubs, eine der Welsh Schoolboys‘ Hockey Association und eine der Kenya Police. Es sind schon besondere Exemplare, die im Bear Inn gesammelt worden sind.

Alan Course war ein sehr vielseitiger Mensch. Bekannt wurde er vor allem durch seine Karikaturen in der Oxford Mail; er war aber auch 12 Jahre lang Polizist in Oxford, Feuerlöscher-Verkäufer, Entertainer und eben Landlord, nicht nur vom The Bear, sondern auch noch vom White Hart in Wytham (hier wurde für die TV-Serie „Inspector Morse“ die Episode „The Way Through the Woods“ gedreht) und The Star in Woodstock. Er starb 1975 im Alter von 62 Jahren.

Der Pub an der Albert Street gehört zu der Brauerei Fuller’s, und so bekommt man hier selbstverständlich auch deren berühmtes London Pride vom Fass zu trinken.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 1955, der Alan Course bei der Arbeit zeigt.

The Bear Inn
6 Alfred Street
Oxford
Oxfordshire OX1 4EH

Die Krawattensammlung im Bear Inn.
Author: Jorge Royan
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 20. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Temple of Convenience – Eine Szenekneipe in Manchester

In meinem Blog-Beitrag vor mehr als zwei Jahren über „Loo Tours“ in London erwähnte ich einige Lokale, die sich in der Hauptstadt in ehemaligen Toiletten installiert haben wie das Attendant Café, WC Wine & Charcuterie und die Cellar Door Bar.
Auch Manchester kann so etwas vorweisen, eine Szenekneipe mit dem wohlklingenden Namen The Temple of Convenience oder auch nur kurz The Temple genannt. Man findet den Eingang, der eine Treppe hinunterführt, mitten auf der Great Bridgewater Street. Dort, wo früher Menschen ihre Notdurft verrichteten, stehen heute dicht gedrängt Besucher dieses Etablissements, um ihr Bier zu trinken und der Musik zu lauschen, die aus der Music Box dröhnt, die überwiegend mit Songs von Manchester-basierten Bands bestückt ist. Es ist gar nicht selten, dass man einige der Mitglieder dieser Bands im Temple trifft, die sich in der Kneipe ebenfalls wohlfühlen, beispielweise die Band Elbow wie dieses Interview zeigt. Im Text ihres Songs „Grounds for Divorce“ heißt es „There’s a hole in my neighborhood Down which of late I cannot help but fall“ und mit diesem „Loch in meiner Nachbarschaft“ soll The Temple of Convenience gemeint sein.

The Temple of Convenience
100 Great Bridgwater Street
Manchester M1 5JW

 

 

 

The Churchill Arms in Kensington (London) – Einer der ungewöhnlichsten Pubs Englands

Truly British Eccentricity“ – Diese Worte prangen auf der Homepage des The Churchill Arms im Londoner Stadtteil Kensington, an der Ecke Kensington Church Street/Campden Street gelegen. Wenn man den Pub zum ersten Mal sieht, sei es im Sommer, sei es im Winter, reibt man sich die Augen und mag es kaum glauben: Im Sommer ist das Eckhaus über und über mit blühenden Pflanzen geschmückt, so dass die Hausmauern kaum noch zu erkennen sind, dazu wehen mehrere Union Jacks im Winde. Schon mehrere Male war The Churchill Arms Sieger im Wettbewerb London in Bloom. Zur Weihnachtszeit sieht der Pub nicht weniger überwältigend aus: Fast 100 Weihnachtsbäume und über 20 000 Lämpchen zieren ihn und machen ihn zu einem echten Hingucker. Das Pubschild zeigt Sir Winston Churchill mit seinem für ihn typischen Siegerzeichen und im Inneren des Hauses wird dem Staatsmann mit zahllosen Memorabilien gehuldigt. Seine Großeltern waren Stammgäste.

Hinter all dieser Exzentrität steckt Gerry O’Brien, der nach über 32 Jahren Landlord-Tätigkeit 2017 in den Ruhestand ging. Er machte The Churchill Arms zu dem, was er heute ist, zu einem der ungewöhnlichsten Pub des Landes. Gerry O’Brien fiel ständig etwas Neues ein, mit dem er seine Stammgäste bei der Stange hielt bzw. neue Gäste anlockte; so veranstaltete er am Geburtstag des Pub-Namensgebers Churchill Nights mit Live-Musik aus der Kriegszeit; viele Gäste kamen entsprechend uniformiert und es herrschte eine „Bombenstimmung“.

Im Laufe seiner Zeit als Gastwirt will Gerry O’Brien über zwei Millionen Pints von Fuller’s London Pride ausgeschenkt haben, das immer vorrätig ist, doch auch andere Biersorten der Brauerei Fuller’s sind an der Bar zu haben.

The Churchill Arms war der erste Londoner Pub, der in seinem Restaurant Thaispezialitäten anbot, serviert im nicht minder exzentrisch eingerichteten Butterfly Conservatory mit Mini-Wasserfall und lebenden Fischen.

Pubs wie dieser machen das Leben bunter, fröhlicher und genussreicher! Dieser Film zeigt mehr.

The Churchill Arms
119 Kensington Church Street
London W8 7LN

Christmas time is coming…
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

 

CAMRA’s National Inventory of Historic Pub Interiors

Für mich der Prototyp eines urigen englischen Pubs: The Fleece Inn in Bretforton (Worcestershire), den ich in meinem Blog bereits vorstellte.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Die Campaign for Real Ale, kurz CAMRA, habe ich in meinem Blog schon mehrfach erwähnt. Die Organisation setzt sich für das Fortbestehen der britischen Institution „Pub“ ein und darüberhinaus auch für die Qualität des Ales.

Auf dem National Inventory of Historic Pub Interiors listet die CAMRA Gasthäuser in ganz Großbritannien, die über ein historisches Interieur verfügen, das sich seit dem Zweiten Weltkrieg möglichst wenig verändert hat. 265 Pubs stehen derzeit auf der Liste, die von der Pub Heritage Group gepflegt und aktualisiert wird. Dort, wo historische Gasthäuser Gefahr laufen, geschlossen oder modernisiert zu werden, greift die Gruppe ein und unterstützt lokale Kampagnen, die für den Erhalt der Pubs kämpfen.

Neben dem National Register gibt es noch das Regional Inventory of Historic Pub Interiors, in dem Gasthäuser verzeichnet werden, die zwar schon umgestaltet worden sind, aber trotzdem noch historisches Interesse haben.

Trotz der Arbeit und des Einsatzes der CAMRA kommt es leider immer wieder vor, dass schöne alte Pubs geschlossen und anderen Zwecken zugeführt werden oder es kommen die Abrissbagger.

Hier sind einige Beispiele aus dem National Inventory of Historic Pub Interiors:

The Barton Arms in Newtown (Birmingham).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The Argyll Arms in Soho (London).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Lion Tavern in Liverpool.
Photo © Glyn Baker (cc-by-sa/2.0)

The White Horse in Beverley (East Yorkshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Britons Protection in Manchester.
Photo © Bob Harvey (cc-by-sa/2.0)