Famous Graves – John Osborne und sein Grab auf dem Kirchhof von St George in Clun (Shropshire)

Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

Nachdem wir uns gestern in der Grafschaft Shropshire aufgehalten haben, bleiben wir heute noch einmal hier. Westlich von Craven Arms fließt der River Clun, an dessen Ufer die Ortschaften Clun, Clunton und Clunbury liegen. In dem kleinen Dorf Clun finden wir auf dem Kirchhof von St George das Grab eines der berühmtesten Dramatiker des 20. Jahrhunderts, das von John Osborne (1929-1994). Der gebürtige Londoner verbrachte seine letzten Lebensjahre im Nachbarort Clunton, wo er am 24. Dezember 1994 verstarb. Direkt neben ihm steht der Grabstein seiner fünften Frau Helen, die ihn zehn Jahre überlebte. John Osbornes Grabstein trägt die Inschrift „Playwright, Actor and Friend“, auf dem seiner Frau steht zu lesen „Journalist, Wife and Friend“.

Die Begräbnisfeier für John Osborne fand am Neujahrstag 1995 statt, in Anwesenheit von Freunden aus der Umgebung und aus London. Ein Trompeter spielte The Last Post und bei Schneefall wurde der berühmte Mann in sein Grab gesenkt.

John Osborne, der weltweit bekannt wurde durch sein Theaterstück „Look Back in Anger“ (dt. „Blick zurück im Zorn“), das 1959 mit Richard Burton in der Hauptrolle verfilmt wurde (hier ist ein Ausschnitt zu sehen), wohnte in seinem Haus in Clunton, das den Namen The Hurst trägt. Dort hat sich seit einigen Jahren, nach einer gründlichen Renovierung, die 1968 gegründete Arvon Foundation („UK’s home of creative writing“) angesiedelt, die mehrtägige Kurse im kreativen Schreiben durchführt. Neben The Hurst hat die Arvon Foundation noch zwei weitere Standorte: In Lumb Bank bei Hebden Bridge in West Yorkshire, dem früheren Wohnhaus des Dichters Ted Hughes (siehe dazu auch diesen Blogeintrag), und in Totleigh Barton in Devon, einem Manor House aus dem 16. Jahrhundert.

St George in Clun.
Photo © Philip Pankhurst (cc-by-sa/2.0)
Clunton und der River Clun.
Photo © Jonathan Wilkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

William MacKenzies Pyramidengrab in Liverpool

Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)

Warum soll ich mich eigentlich in einem ganz normalen Grab wie alle anderen begraben lassen, das fragten sich einige Herren im 19. Jahrhundert und dachten sich für ihre letzte Ruhestätte etwas Außergewöhnliches aus. John „Mad Jack“ Fuller zum Beispiel baute sich schon 23 Jahre vor seinem Tod in Brightling in East Sussex ein Mausoleum in Form einer Pyramide (siehe dazu meinen Blogeintrag), während Sir Richard Francis Burton seine Verbundenheit mit allem Orientalischen zeigte, indem er sich sein Grabmal in Form eines steinernen Beduinenzeltes in Mortlake (Greater London) bauen ließ (siehe auch dazu meinen Blogeintrag).

Der Unternehmer William MacKenzie (1794-1851) dachte ähnlich und ruht in einer 4,57 Meter hohen Pyramide auf dem Kirchhof der ehemaligen Kirche St Andrew’s an der Rodney Street in Liverpool. Der Legende nach soll es sein Wunsch gewesen sein, in der Pyramide an einem Tisch sitzend bestattet zu werden, mit Spielkarten in der Hand, denn MacKenzie war leidenschaftlicher Spieler. Er wollte nicht in der Erde beigesetzt werden, um dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen, denn er hatte bei einem Spiel Poker mit dem Leibhaftigen seine Seele verspielt. Wenn er also über der Erde bliebe, könne der Teufel seine Seele nicht einfordern, so angeblich die Denkweise MacKenzies.

Wie gesagt, es handelt sich bei der Geschichte um eine Legende. Die Fakten sehen anders aus. Die Pyramide wurde erst 1868, also 17 Jahre nach seinem Tod von seinem Bruder Edward erbaut. William MacKenzie sitzt darin auch nicht an einem Spieltisch, sondern ist richtig begraben worden (was ist jetzt mit seiner Seele und dem Teufel?). Die Inschrift an der Pyramide lautet:
In the vault beneath lie the remains of William Mackenzie Esquire who died 29th October 1851 aged 57 years. Also, Mary his wife, who died 19th December 1838 aged 48 years and Sarah, his second wife who died 9th December 1867 aged 60 years. This monument was erected by his Brother Edward as a token of love and affection A.D. 1868. The memory of the just is blessed”.

Schade, wieder wurde ein schöne Legende zerstört! Stimmt es etwa auch nicht, dass MacKenzies Geist hin und wieder die Rodney Street heimsucht?
Hier ist ein Film über die „Story of William MacKenzie“.

Die St Andrew’s Church wurde bereits 1975 geschlossen. Heute befinden sich darin Studentenunterkünfte.

Die St Andrew’s Church in Liverpool, rechts die Pyramide.
Author: Rodhullandemu
Attribution: By Phil Nash from Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0 & GFDL

Hucknall in Nottinghamshire – Hier befindet sich die letzte Ruhestätte von Lord Byron

St Mary Magdalene in Hucknall.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

Lord Byron, Englands großer Dichter, der für die damalige Zeit einen skandalösen Lebensstil pflegte, wohnte eine Zeit lang in Newstead Abbey im Südwesten der Grafschaft Nottinghamshire, dem Familiensitz der Byrons. Nicht weit davon entfernt, in Hucknall,  liegt die letzte Ruhestätte von George Gordon Byron, 6th Baron Byron, so sein vollständiger Name, der schon im Alter von 36 Jahren in Messolongi in Griechenland starb, wo er am griechischen Freiheitskampf teilgenommen hatte.

Byrons Leichnam wurde einbalsamiert (es hieß, dass sein Herz in Griechenland geblieben ist,  nach anderen Quellen sollen es seine Lungen gewesen sein, die die Griechen gern behalten wollten) und nach England gebracht. Da die Westminster Abbey ihn auf Grund seiner „fragwürdigen Moralvorstellungen“ nicht in ihren Mauern haben wollte, wurde er im Familiengewölbe der Byrons in der Kirche St. Mary Magdalene in Hucknall beerdigt.

An seiner Seite liegt auch seine Tochter Augusta Ada, Countess of Lovelace, die mit dem Computerpionier Charles Babbage arbeitete und nach der die Programmiersprache Ada benannt ist.
Der König von Griechenland schickte 1881 eine  Marmorplatte nach Hucknall, die direkt über Byrons Grab angebracht wurde. Ein Gedenkstein findet sich außerhalb der Kirche mit der Inschrift „But there is that within me which shall tire Torture and Time, and breathe when I expire

St. Mary Magdalene in Hucknall ist zu einer Pilgerstätte für Byron-Freunde aus der ganzen Welt geworden.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Gedenkstätte für Lord Byrons Hund Boatswain.

Das Buch zum Artikel:
Fiona MacCarthy: Byron – Life and Legend. Faber and Faber 2003. 688 Seiten. ISBN 978-0571179978.

Photo © Phil Evans (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Famous Graves – Edith Nesbits Grab auf dem Kirchhof von Saint Mary the Virgin in Saint Mary-in-the Marsh (Kent)

Author: barry.marsh1944
This work is marked as being in the public domain.

Die Schriftstellerin Edith Nesbit (1858-1924), deren Romane und Kinderbücher zum großen Teil auch ins Deutsche übersetzt worden sind, ist heute hauptsächlich noch durch ihre rührende Geschichte „The Railway Children“ (dt. „Die Eisenbahnkinder“) bekannt, und das wohl überwiegend durch die Verfilmungen des Stoffes. Ich besitze die BBC-Verfilmung mit Jenny Agutter in der Hauptrolle auf DVD und sehe sie mir immer wieder gern einmal an.

Edith Nesbit lebte viel Jahre am Stadtrand von London, in Eltham, zog aber nach dem Tod ihres Mannes in die Romney Marsh in Kent, für mich eine der eigenartigsten und faszinierendsten Landschaften Großbritanniens. Sie ließ sich in dem kleinen Ort St Mary’s Bay nieder, zusammen mit ihrem zweiten Mann, Tommy Tucker, wo beide zwei nebeneinander liegende Bungalows kauften und diese zu einem Haus zusammenfügten. Das Haus steht heute noch in einer schmalen Sackgasse, die nach der Schriftstellerin Nesbit Road genannt wurde.

Edith Nesbit starb am 4 Mai 1924 und wurde auf dem Kirchhof von Saint Mary the Virgin in dem Nachbarort von St Mary’s Bay, in Saint Mary-in-the-Marsh beigesetzt. Ihre Grabstelle ist leicht zu finden, denn hier steht kein Grabstein, sondern ein kleines Holzgestell, auf dem ihr Name E. Nesbit, und daneben die Nachnamen ihrer beiden Männer, Bland und Tucker, eingeritzt sind. „Poet Author“ steht darunter. Tommy Tucker hat diese ungewöhnliche Grabstelle selbst angefertigt; bei der heutigen handelt es sich um eine Replik, denn das Original war durch Wind und Wetter schon sehr stark mitgenommen worden.

In der Kirche Saint Mary the Virgin ist an einer Wand eine Gedenkplakette für die Schriftstellerin angebracht, auf der unter anderem steht „I will dwell among my children„, denn vor allem ihre Kinderbücher machten sie sehr beliebt.

Um das Andenken an die Schriftstellerin kümmert sich seit 1996 die Edith Nesbit Society.

Das Buch zum Artikel:
Eleanor Fitzsimons: The Life and Loves of E. Nesbit – Author of The Railway Children. Duckworth 2019. 352 Seiten. 978-0715651469.

Saint Mary the Virgin in Saint Mary-in-the-Marsh (Kent)
Author: barry.marsh1944
This work is marked as being in the public domain.

Famous Graves – Alexander Walterowitsch Litwinenko auf dem Londoner Highgate Cemetery

Als der russische Oppositionelle Alexei Anatoljewitsch Nawalny am 20. August diesen Jahres Ziel eines Giftanschlages wurde, kamen Erinnerungen hoch an ähnliche gelagerte Fälle in England; in Salisbury am 4. März 2018 und am 1. November 2006 in London. In Salisbury waren der russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Ziele des Giftanschlags (siehe dazu meinen Blogeintrag) und in London der ehemalige russische Geheimdienstler und Putinkritiker Alexander Walterowitsch Litwinenko. War in den Fällen Nawalny und Skripal der Chemiekampfstoff Nowitschok im Spiel, so war es  im Fall Litwinenko der radioaktive Stoff Polonium. Rücksichtslos hinterließen die Attentäter Spuren der Gifte in der unbeteiligten Öffentlichkeit.

Litwinenko wurde am 1. November 2006 in der Pine Bar des Londoner Millennium-Hotels in Mayfair vergiftet, als ihm zwei russische Geheimdienstagenten Polonium in seinen Tee taten. Am 23. November erlag er dem Giftanschlag. Im Millennium Hotel wurden sieben Hotelangestellte durch das Gift in Mitleidenschaft gezogen, was allerdings glimpflich ausging.

Alexander Walterowitsch Litwinenko war kurz vor seinem Tod zum islamischen Glauben übergetreten. So fand auch seine Beisetzung am 7. Dezember auf dem Londoner Friedhof Highgate nach muslimischen Ritualen statt. Es nahmen einige Exil-Russen wie der Milliardär Boris Beresowski an der Feier teil (letzterer starb unter mysteriösen Umständen am 23. März 2013 in seinem Haus in Ascot).

Litwinenko wurde in einem strahlensicheren Spezialsarg beigesetzt, denn die in seinem Körper enthaltene Strahlung wird noch mehr als zwanzig Jahre lang vorhalten. Nicht weit von der Grabstelle entfernt, befindet sich das meistbesuchte Grab auf dem Highgate Cemetery, das von Karl Marx.

P.S. Das Londoner Millennium Hotel am Grosvenor Square heißt jetzt, nach einer kompletten Renovierung, The Biltmore Mayfair.

Hier ist eine Dokumentation des Falles Litwinenko:

Schauplatz des Anschlags: Das Millennium Hotel , jetzt The Biltmore Mayfair.
Photo © P Fletcher (cc-by-sa/2.0)

 

Famous Graves – Bruce Reynolds‘ Grab auf dem Londoner Highgate Cemetery

In den 1960er Jahren gab  es im deutschen Fernsehen immer wieder sogenannte Straßenfeger, meist mehrteilige Fernsehspiele, bei denen so viele Zuschauer abends vor ihren TV-Geräten saßen, dass die Straßen Deutschlands wie leer gefegt wirkten. Das gibt es heute alles nicht mehr. Einer dieser Straßenfeger war „Die Gentlemen bitten zur Kasse„, in dem der berühmte Überfall auf den Postzug von Glasgow nach London am 8. August 1963 nachgespielt wurde. Mehr als £2.6 Millionen erbeuteten die Täter, die unter dem Kommando des „Superhirns“ Bruce Reynolds standen, damals sehr gut von Horst Tappert verkörpert, der im Film allerdings Michael Donegan hieß. Reynolds floh für einige Jahre ins Ausland, wurde aber am 9. November 1968 in Torquay in Devon festgenommen, wo er sich unter einem falschen Namen angesiedelt hatte. Reynolds wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt, kam aber schon zehn Jahre später wieder auf freien Fuß. 1995 erschien sein Buch „The Autobiography of a Thief„, am 28. Februar 2013 starb er im Alter von 81 Jahren.

Seine letzte Ruhestätte bezog Bruce Reynolds am 8. August 2013 auf dem Londoner Highgate Cemetery, auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Postzugraub, in Anwesenheit seines Ex-Räuberkollegen Ronnie Biggs. Für das Grabmal sorgte Bruce Reynolds‘ Sohn Nick Reynolds, ein Musiker und Bildhauer, der sofort nach dem Tod seines Vaters ihm seine Totenmaske abnahm. Diese Totenmaskenskulptur, umgeben von einem torartigen Stein, bildet den Mittelpunkt des Grabsteins. Auf der einen Seite des Steins sind die Worte “This is it” eingemeißelt, die Reynolds am 8. August 1963 aussprach als sich der Postzug näherte, auf der anderen Seite „C’est la vie„, was er schicksalsergeben bei seiner Verhaftung sagte.

Nick Reynolds hat sich auf die Anfertigung von Totenmasken spezialisiert. Auf dem Highgate Cemetery finden wir auch seine Bronzeskulpturen von Malcolm McLaren (siehe dazu meinen Blogeintrag), auch diese kurz nach dessen Tod erstellt, und die des iranischen Oppositionellen und Arztes Dr Manuchehr Sabetian.

 

Published in: on 3. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – Hannah Twynnoys Grabstein auf dem Malmesbury Abbey Churchyard in Wiltshire

Heute begeben wir uns wieder einmal nach Malmesbury in Wiltshire, eine nette Kleinstadt, über deren Abbey House Gardens und ihre früheren nackten Gärtner ich in meinem Blog einmal berichtete. Malmesbury ist auch Großbritanniens erste Stadt der Philosophie (s. auch dazu meinen Blogeintrag).

Im  Malmesbury Abbey Churchyard treffen wir auf einen sehr alten Grabstein, der über den sterblichen Überresten einer jungen Frau steht, die Anfang des 18. Jahrhunderts auf tragische und sehr ungewöhnliche Weise ums Leben kam. Was war geschehen?

Im Oktober 1703 zog ein Wanderzirkus durch Wiltshire und machte auch in Malmesbury halt. Die Zirkusmitarbeiter wohnten im Gasthof The Old White Lion (irgendwie passend, oder?) in der Gloucester Street und ihre Tiere waren im Innenhof in Käfigen untergebracht. Star der Truppe war ein Tiger. Eines der Barmädchen namens Hannah Twynnoy ging häufig an seinem Käfig vorbei, um ihn zu necken und zu ärgern, was dem Tiger tierisch auf den Keks ging. Als Hannah sich wieder einmal, trotz der Warnung seines Besitzers, dem Tier näherte, platzte dem der Kragen. Er warf sich gegen die Käfigtür, deren Schloss sich öffnete, und stürzte sich auf das Barmädchen, das natürlich keine Chance gegen die rohen Kräfte des Tigers hatte. Er zerfetzte sie, und was von Hannah übrigblieb, wurde auf dem Kirchhof der Abbey begraben.

Hannah Twynnoy war damit die erste Frau in der Geschichte Großbritanniens, die von einem Tiger getötet wurde. Sie starb mit 33 Jahren; genauso alt wurde die Tierpflegerin Rosa King, die am 29. Mai 2017 im Hamerton Zoo bei Huntingdon in Cambridgeshire von dem Malaysia-Tiger Cicip angefallen und ebenfalls getötet wurde.

Hannah Twinnoys Grabstein ist zwar schon recht verwittert, die Inschrift ist aber noch lesbar. Sie lautet:

In Memory of Hannah Twynnoy

Who died October 23rd 1703
Aged 33 years
In bloom of life
She’s snatch’d from hence
She had not room to make defence;
For Tyger fierce
took life away.
And here she lies in a bed of Clay
Until the resurrection Day

Den Gasthof The Old White Lion in der Nummer 8 in der Gloucester Street gibt es nicht mehr. 1967 wurde der Pub geschlossen und in ein Wohnhaus umgebaut.

Hier ist Hannahs Geschichte noch einmal in einem kurzen Film zu sehen.

 

Published in: on 22. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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John „Mad Jack“ Fullers Pyramide in Brightling (East Sussex)

John „Mad Jack“ Fuller (1757-1834) war einer jener englischen Exzentriker, die sich auch auf dem Gebiet der „Follies“ hervortaten. Dazu erwählte er den Ort Brightling in East Sussex, südlich der A 265 gelegen, nordwestlich von Battle. Mit nur 23 Jahren wurde er schon für Southampton ins Parlament gewählt und war später MP für Sussex. Er legte sich mit dem Speaker des Parlaments an und machte sich in dem hohen Hause unbeliebt. Als Befürworter der Sklaverei war er auch nicht überall gern gesehen.

Aber zurück zu seinen Follies. Mehrere davon stehen in Brightling unter anderem ein 14 Meter hoher Obelisk, ein griechischer Tempel und ein Observatorium. Ich schrieb in meinem Blog darüber.

23 Jahre vor seinem Tod baute er sich ein Mausoleum in Form einer Pyramide auf dem Friedhof der Kirche St. Thomas à Becket in Brightling. Fast 8 Meter hoch ist die Pyramide und die Legende sagt, daß Mad Jack darin an einem Tisch sitzt, in voller Montur mit einem Zylinder auf dem Kopf, vor sich auf dem Tisch ein gegrilltes Hähnchen und eine Flasche Portwein. So soll er auf den Tag der Auferstehung warten.
1982 fand man bei Renovierungsarbeiten heraus, dass diese Legende eben nur eine Legende war. Mad Jack Fuller ist in der Pyramide auf herkömmliche Weise beigesetzt. Schade!

Ein Pub in Oxley’s Green (East Sussex), nur ein Stückchen von Brightling entfernt, ist einmal nach dem Exzentriker benannt worden; aber den gibt es nicht mehr.

Die Church St. Thomas à Becket in Brightling.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der einstige Jack Fuller, in Oxley’s Green, leider gibt es den Pub nicht mehr.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Famous Graves – Edward White Bensons Hochgrab in der Kathedrale von Canterbury

Es macht schon was her, das Hochgrab von Edward White Benson (1829-1896) in der Kathedrale von Canterbury, deren Chef er von 1883 bis 1896 war. Entworfen hat das Grab der namhafte Architekt Sir Thomas Graham Jackson, die liegende Statue wurde von Sir Thomas Brock angefertigt, also alles vom Feinsten. Die Grabinschrift lautet übersetzt (sie ist im Original lateinisch) „Have mercy on me O Christ our God, Through Thy Cross and Passion, deliver thou me“. Das Antlitz des Erzbischofs von Canterbury soll nach seiner Totenmaske gestaltet worden sein.

Wer war nun dieser Edward White Bensons? Er hatte am Trinity College in Cambridge studiert, war Lehrer an der Rugby School und am Wellington College, das er auch leitete (Benson soll bei seinen Schülern sehr unbeliebt gewesen sein, weil er sehr schnell mit dem Rohrstock bei der Hand war). Später war er Chancellor an der Kathedrale von Lincoln, Bischof von Truro in Cornwall, bis er sich dann zum Erzbischof von Canterbury hocharbeitete.

Verheiratet war er mit Mary Sidgwick, der er schon, als sie noch 12 Jahre alt war, mitteilte, dass er sie einmal heiraten würde (Benson war damals 24 Jahre alt). Als Mary 18 Jahre alt geworden war, ging er tatsächlich mit ihr vor den Traualtar; als sehr glücklich erwies sich die Ehe nicht, denn Edward White war und blieb ein nicht sehr liebenswerter Mensch. Das Paar hatte (trotzdem) sechs Kinder, von denen Edward Frederic Bekanntheit als Schriftsteller erlangte und Arthur Christopher als Verfasser des Textes von Elgins „Land of Hope and Glory“.

Edward White Benson starb am 11. Oktober 1896 während eines Gottesdienstes in der St Deiniol’s Church in Hawarden, einem Dorf an der englisch-walisischen Grenze, heute in Flintshire, wo er den ehemaligen Premierminister William Gladstone besucht hatte.

Zu Bensons Beerdigung kam alles was Rang und Namen in der anglikanischen Kirche hatte; beigesetzt wurde er in der St Augustines Chapel in der Kathedrale von Canterbury.

Der ehemalige Erzbischof von Canterbury. Porträt von Hubert von Herkomer.
This work is in the public domain.

St Deiniol’s in Hawarden (Flintshire), wo Benson während des Gottesdienstes verstarb.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)

 

Famous Graves – J.R.R. Tolkiens Grab auf dem Wolvercote Cemetery in Oxford

Das erste Mal, dass ich mit dem Ort Wolvercote bei Oxford in Berührung kam, war durch Colin Dexters Kriminalroman „The Jewel That Was Ours“ (dt. „Der Wolvercote Dorn“), in dem ein Schmuckstück namens Wolvercote Tongue im Mittelpunkt steht. Der Friedhof dieses Stadtteils von Oxford liegt an der Banbury Road und beherbergt das Grab eines weltberühmten Schriftstellers: J.R.R. Tolkien (1892–1973). Der Mann, der sich den Roman „Herr der Ringe“ ausdachte, wurde hier 1973 begraben, im selben Grab wie seine zwei Jahre zuvor verstorbene Frau Edith Mary Tolkien. Unter dem Namen seiner Frau ist das Wort „Lúthien“ eingraviert, unter seinem eigenen Namen das Wort „Beren„, so wie sich beide gegenseitig genannt hatten. Lúthien und Beren fanden als Liebespaar auch Eingang in Tolkiens Romanwelten; sie war eine Elbin, er ein Mensch.

Tolkiens Grabstelle ist zu einem Pilgerort für seine Fans aus der ganzen Welt geworden; kleine diskrete Schilder führen die Besucher schon vom Friedhofseingang aus an sein Grab.

Am 6. September 1973 wurde ein Requiem für den verstorbenen Schriftsteller in der katholischen Kirche St Anthony of Padua gehalten, die am Headley Way im Ortsteil Headington liegt, wo Tolkien in den 1950er und 1960er Jahren wohnte.

Dieser Film führt über den Wolvercote Cemetery zu Tolkiens Grab.

Siehe auch diesen Blogeintrag über den Tolkien Trail in Lancashire.

St Anthony of Padua Catholic Church in Headington.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – Cilla Blacks Grab auf dem Allerton Cemetery in Liverpool

Cilla Black (1943-2015) war in den 1960er Jahren eine der erfolgreichsten Sängerinnen in Großbritannien. Mit „Anyone who had a heart“ und „You’re my world“ hatte sie 1964 zwei Hits, die die Spitze der britischen Charts erreichten. Bis Anfang der 1970er Jahre hielt ihr Ruhm als Sängerin an, dann verblasste er allmählich. Cilla Black begann ihre zweite Karriere im Fernsehen, wo sie in zahllosen Shows zu sehen war.

Priscilla Maria Veronica White, so der richtige und vollständige Name, wurde in Liverpool geboren, starb zwar in ihrem Ferienhaus im spanischen Estepona, fand aber ihre letzte Ruhestätte wieder in Liverpool, wo sie auf dem Allerton Cemetery am 20. August 2015 beigesetzt wurde. Auf diesem Friedhof an der Springwood Avenue liegen auch John Lennons Mutter Julia und der Comedian Ken Dodd.

Nur zwei Meter von dem Grab ihrer Eltern entfernt, findet man Cillas Blacks Grabstein, der erst acht Monate nach ihrem Tod errichtet wurde; die vorherige bronzene, mit ihrem Namen versehene Grabsteinplatte hatte jemand (ein Fan?) gestohlen. Auf dem Grabstein gibt es eine Menge zu lesen. Unter ihrem Künstlernamen steht einfach nur „Singer“, dann folgen ihre Lebensdaten und „Beloved wife of Bobby“, das ist ihr Ehemann und Manager Bobby Willis (dessen Beerdigungsfeier am 1. November 1999 in der Kirche St Mary the Virgin in Denham in Buckinghamshire stattfand, dort, wo Cilla Black viele Jahre gewohnt hatte; in der Kirche wurden auch mehrere Folgen der „Inspector Barnaby“-Serie gedreht). Weiterhin finden wir auf dem Marmor-Grabstein Cilla Blacks vier Strophen aus ihren Songs „Step inside love„, „Alfie„, „You’re my world“ und „Just for you„.

Hier ist ein Film über die Grabstätte.

In Liverpool wird Cilla Black mit einer Statue vor dem legendären Cavern Club geehrt, die im Januar 2017 aufgestellt wurde.

Cilla Blacks Statue vor dem Cavern Club in Liverpool.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Der Architekt George Basevi und sein Grab in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire)

George Basevi (1794-1845) war ein Architekt, der bei dem berühmten Sir John Soane in die Lehre gegangen war. Seine wohl berühmtesten Werke sind der Belgrave Square in London, der zwischen 1825 und 1841 entstand, und in Cambridge das Founder’s Building des Fitzwilliam Museums, das zwischen 1837–1843 gebaut wurde. George Basevi war im ganzen Land unterwegs und erwarb sich einen hervorragenden Ruf.

Am 16. Oktober 1845 starb der Architekt im Alter von nur 51 Jahren auf ungewöhnliche Weise. Basevi überwachte Bauarbeiten in der Kathedrale von Ely in Cambridgeshire, darunter auch Restaurationsarbeiten auf dem 66 Meter hohen West Tower. Er muss für einen kleinen Moment unachtsam gewesen sein, denn er übersah ein Loch im Boden der Glockenstube und stürzte in die Tiefe. Eine andere Variante sagt, dass er von einem Baugerüst auf dem Westturm herabgestürzt sei.

Basevi fand seine letzte Ruhestätte in der riesigen Kathedrale im nördlichen Chorgang, bedeckt von einer in den Boden eingelassenen Messingplatte. Die schöne farbige Platte zeigt den Architekten, der in der rechten Hand die Baupläne für das Fitzwilliam Museum hält. Der Schriftzug, der Basevi einrahmt, beschreibt wie er in der Kathedrale zu Tode kam. Angefertigt hat die Grabplatte John Green Waller, der sich auf Glasmalerei und die Gravierung von Messingplatten spezialisiert hatte.

Für einen Architekten ist die Kathedrale von Ely sicher nicht der schlechteste Platz, um auf seine Wiederauferstehung zu warten.

Man kann im Rahmen einer der Tower Tours (£16.50) in die luftige Höhe der Kathedrale hinaufsteigen, sollte aber auch in der Lage sein, sehr viele Stufen zu erklimmen.

Der Westturm der Kathedrale von Ely.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Famous Graves – Jeremy Beadle auf dem Londoner Highgate Cemetery

London, Highgate Cemetery East, so lautet die letzte Adresse von Jeremy Beadle (1948-2008), einem beliebten Fernsehmoderator und Buchautor. Seine Grabstätte ist ungewöhnlich: Sie besteht aus vier steinernen, großformatigen Büchern, die darauf hinweisen, dass Beadle ein Buchliebhaber war. Auf dem Grabstein steht geschrieben:
Jeremy Beadle April 12th 1948 – January 30th 2008 – Writer. Presenter. Curator of Oddities – Ask My Friends

Geschaffen wurde die Grabstätte von Neil Luxton, einem Steinmetz, der sein Atelier im Stour Valley Business Centre in Sudbury (Suffolk) hat, und dessen Spezialität das Kreieren von kunstvollen Memorials ist. Jeremy Beadles unmittelbare Nachbarn auf dem Highgate Cemetery sind der Punkrocker Malcolm McLaren und die Schriftstellerin George Elliot.

Jeremy Beadle dürfte in Deutschland kaum bekannt sein, in Großbritannien war er vor allem in den 1990er Jahren ein sehr populärer Fernsehmoderator, der vor allem für ITV leichte TV-Unterhaltung präsentierte wie die Serien „Game for a Laugh„, „Beadle’s About“ und „You’ve Been Framed!

Als Autor trat Beadle in Erscheinung durch seine Bücher „Today’s the Day: A Chronicle of the Curious„, „Firsts, Lasts and Onlys: Crime„, in denen er „Oddities„, Kuriositäten, zusammengestellt hatte, so wie es auch auf seinem Grabstein zu lesen ist. 1998 erschien seine Autobiografie „Watch Out!

Published in: on 26. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – William Blighs Grab im Garden Museum in Lambeth (London)

Das  Museum of Garden History, das jetzt Garden Museum heißt und im Londoner Stadtteil Lambeth liegt, war das einzige Museum der Welt, das sich ausschließlich der Geschichte des Gartens widmete. Nach umfangreichen Umbauten öffnete es 2017 wieder die Tore für die Öffentlichkeit. Untergebracht ist das Museum in der 1972 aufgelassenen Church of St Mary-at-Lambeth, auf deren Kirchhof ein Grab zu finden ist, in dem einer der berühmtesten Seeleute aller Zeiten zu finden ist, der durch eine Meuterei bekannt geworden ist. Es handelt sich dabei um William Bligh (1754-1817), Kapitän auf der „Bounty„, deren Matrosen am 28. April 1789 im Südpazifik die Gewalt über das Schiff übernahmen und Bligh samt 18 seiner Getreuen im offenen Meer in einem Boot aussetzten. Bligh gelang die unglaubliche Leistung, mit diesem Boot etwa 6500 Kilometer zum rettenden Ufer zurückzulegen. Als er wieder in England eintraf, sprach ein Gericht Bligh von jeder Schuld an der Meuterei frei. Er wurde befördert, nahm an den napoleonischen Kriegen teil und schließlich zum Gouverneur der britischen Kolonie New South Wales in Australien ernannt. Seine Karriere endete mit der Beförderung zum Vizeadmiral im Jahr 1814.
Am 7. Dezember 1817 starb der Mann, der bis heute durch die Meuterei auf der Bounty weltberühmt geblieben ist. Seine Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 1984 unter dem Titel „The Bounty“ (dt. „Die Bounty“), mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle; hier ist ein Ausschnitt.

William Blighs Grabmal liegt nur einen Steinwurf von der Themse entfernt. Die Inschrift auf dem Grab lautet:

SACRED

TO THE MEMORY OF
WILLIAM BLIGH ESQUIRE FRS
VICE ADMIRAL OF THE BLUE
THE CELEBRATED NAVIGATOR
WHO FIRST TRANSPLANTED THE BREAD FRUIT TREE
FROM OTAHETTE TO THE WEST INDIES
BRAVELY FOUGHT THE BATTLES OF HIS COUNTRY
AND DIED BELOVED RESPECTED AND LAMENTED
ON THE 7th DAY OF DECEMBER 1817
AGED 64

Das „FRS“ steht für „Fellow of the Royal Society“. Hier ist ein Film über einen Besuch am Grab des Seemannes.

Blighs Londoner Wohnsitz liegt nicht weit entfernt in der Lambeth Road Nummer 100. Das Haus ist mit einer entsprechenden Plakette versehen.

William Blighs Haus in der Lambeth Road Nummer 100.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Mai 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Chief Long Wolf und das leere Grab eines Sioux-Indianers auf dem Londoner Brompton Cemetery

Der Brompton Cemetery, mitten in London gelegen, gehört zu den sogenannten Magnificent Seven, den sieben schönsten Friedhöfen der Stadt. 1839 wurde er eröffnet, und er soll rund 35 000 Gräber beherbergen. Eines davon ist einem Mann gewidmet, der 1892 in London starb und eigentlich wo ganz anders hingehörte: Es handelt sich um das Grab von Long Wolf, einem Oglala-Sioux-Häuptling, der 1876 bei der Schlacht von Little Bighorn gegen General Custer und seine Truppen kämpfte. Wie kam der Mann vom Schlachtfeld in Montana in die britische Hauptstadt? Long Wolf schloss sich, um Repressalien nach der Schlacht zu entgehen, Buffalo Bill Cody’s Wild West Show an, die durch die USA und Europa tourte. Die Show war auch in Großbritannien zu sehen und erfreute sich großer Beliebtheit. Während des Aufenthaltes in London, wo Buffalo Bill und seine Mannen in Earl’s Court auftraten, starb Long Wolf, wahrscheinlich an den Auswirkungen einer Lungenentzündung. Das Londoner Klima ist seiner Gesundheit wohl nicht bekommen, war er doch die klare Luft der Great Plains in Nordamerika gewöhnt war.

Long Wolf wurde also auf dem Brompton Cemetery beigesetzt. Ein Wolf auf dem Grabstein erinnerte an den einstigen Indianerhäuptling, wofür Buffalo Bill seinerzeit sorgte. Und da würde er wohl noch heute liegen, wenn nicht zufällig Elizabeth Knight, eine Hausfrau aus Worcestershire, ein Buch von  Robert Cunningham Grahame über nordamerikanische Indianer gelesen und darin die Geschichte von Long Wolf gefunden hätte. Sie besuchte das Grab in London und war von dem Schicksal des Indianers so berührt, dass sie seine Enkelin Jessie Black Feather in den USA kontaktierte. Diese setzte sich sofort dafür ein, dass die sterblichen Überreste ihres Großvaters in den Wolf Creek Community Cemetery im Pine Ridge Reservat im Bundesstaat South Dakota überführt wurden, was 1997 geschah. Als man das Grab in London öffnete, fand man über dem Sarg von Long Wolf noch einen weiteren, in dem ein kleines Indianermädchen namens White Star lag, die ebenfalls zu Buffalo Bill’s Wild West Show gehörte und damals vom Pferd gefallen war und starb. Man nahm auch ihre Überreste mit nach South Dakota und setzte sie zusammen mit Long Wolf in dem selben Grab bei.

Long Wolfs leere Grabstätte liegt noch heute auf dem Brompton Cemetery und ist an dem in den Grabstein eingelassenen Wolf zu erkennen.

Hier ist ein Film über die Feierlichkeiten anlässlich von Long Wolfs Überführung, die in der Londoner St Luke’s Church stattfanden.

 

Published in: on 25. März 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Famous Graves – Major General Sir William Casement in Kensal Green Cemetery in London

Der Friedhof von Kensal Green hat viele Ähnlichkeiten mit dem Père Lachaise in Paris, dichtbewachsene Wege ziehen sich durch die riesige Anlage, romantisch-morbide Grabmäler reihen sich aneinander, man trifft auf berühmte Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das Grabmal von Major General Sir William Casement (1778-1844) ist eines jener bombastisch gestalteten Bauwerke, das auf einer Platte aus Portlandstein ruht. Darauf steht der Sarkophag, bedeckt mit dem Mantel des Generals, und darauf sein Schwert und sein Zweispitz. Das Grabmal wird von einem Baldachin überdacht, der auf den Köpfen von vier indischen Säulenträgern steht. Casement war in Indien stationiert und sollte eigentlich in sein Heimatland zurückkehren, als er einen Brief erhielt, der ihn aufforderte in Indien zu bleiben, da es in der Madras Army Unruhen gab. Er erkrankte bald darauf an Cholera und starb 1844 in Cossipore.

Das unter Denkmalschutz stehende Grabmal ist in keiner guten Verfassung mehr und soll möglichst bald restauriert werden.

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Published in: on 17. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – Harry Patch (1898-2009) in Monkton Combe (Somerset)

In Monkton Combe, einem Dorf im Dunstkreis von Bath in Somerset, liegt auf dem Kirchhof von St Michael’s das Grab eines außergewöhnlichen Mannes. Henry John Patch, meist Harry Patch genannt, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er am 25. Juli 2009 im Alter von 111 Jahren gestorben war. Sein Geburtshaus in der Nachbargemeinde Combe Down liegt nur wenige hundert Meter entfernt; Harrys Geburtstag war der 17. Juni 1898.

Unter dem Namen „The Last Fighting Tommy“ ist er in Großbritannien eine Legende, denn er war der letzte überlebende Veteran des Ersten Weltkrieges. Harry Patch kannte die Grauen der schrecklichen Grabenkämpfe an der Westfront; im Jahr 1917 wurde er bei der Dritten Flandernschlacht bei Passendale schwer verwundet und zurück nach England gebracht. Der Mann sagte im Rückblick auf den Krieg einige bemerkenswerte Worte, die mich wirklich sehr beeindruckt haben, zum Beispiel: „Why should the British government call me up and take me out to a battlefield to shoot a man I never knew, whose language I couldn’t speak? All those lives lost for a war finished over a table. Now what is the sense in that?“ oder „Give your leaders each a gun and then let them fight it out themselves„.

Wenige Tage nach seinem Tod veröffentlichte die englische Rockband Radiohead einen Song mit dem Titel „Harry Patch (In Memory Of)„, basierend auf einem Interview, das der Veteran der BBC im Jahr 2005 gab und von dem Thom Yorke, Leadsänger und Komponist der Band, schwer beeindruckt war.

Gemeinsam mit Richard van Emden schrieb Harry Patch seine Autobiografie mit dem Titel „The Last Fighting Tommy: The Life of Harry Patch, the Oldest Surviving Veteran of the Trenches„.

Die Trauerfeier für ihn fand in der Kathedrale von Wells in Somerset statt, deren Glocken für jedes seiner Lebensjahre schlugen, also 111 mal. Sein Sarg wurde begleitet von Soldaten der britischen, belgischen, französischen und auch der deutschen Armee, wobei Harrys ausdrücklicher Wunsch war, dass die Soldaten keine Waffen trugen. Die königliche Familie war vertreten durch Camilla, Herzogin von Cornwall.

Von Wells aus wurden die sterblichen Überreste von Harry Patch auf den Friedhof von St Michael’s nach Monkton Combe überführt, einer ruhig gelegenen kleinen Kirche, die gerade einmal 17 Meter lang ist.

Hier ist eine ausführliche Dokumentation der BBC über das Leben des Harry Patch.

Der Trauerzug durch die Straßen von Wells.
Photo © Sharon Loxton (cc-by-sa/2.0)

St Michael’s Church in Monkton Combe (Somerset).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Gedenkstein für Harry Patch vor der Kathedrale von Wells.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 11. November 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The Gherkin in London und das Grab einer jungen Römerin

The Gherkin in London zählt sicher zu den auffälligsten Gebäuden der Stadt (ich berichtete in meinem Blog darüber). Die offizielle Adresse des 180 Meter hohen Bürohauses lautet 30 St Mary Axe; an der Stelle stand vorher The Baltic Exchange, ein Haus, das 1992 bei einem Bombenanschlag der IRA so stark beschädigt worden war, dass es abgerissen werden musste. Drei Jahre später, als das Grundstück frei gemacht wurde, um The Gherkin zu errichten, entdeckte ein Archäologenteam des Museum of London die sterblichen Überreste eines jungen Mädchens, die man vorsichtig von der Baustelle in das Londoner Museum übernahm und dort genauestens untersuchte. Anhand der Untersuchungsergebnisse kamen die Archäologen zu dem Schluss, dass es sich um die Gebeine eines ca 13- bis 17jährigen Mädchens handelte, die etwa um 350 bis 400 in London gelebt haben musste und wahrscheinlich eine Römerin war. Woran die junge Dame gestorben war, ließ sich nicht mehr feststellen.

Nachdem The Gherkin fertiggestellt worden war und die junge Römerin 12 Jahre lang im Museum of London verbracht hatte, sollten ihre Gebeine wieder an die ursprüngliche Fundstelle zurückgebracht werden, an der jetzt das „Gurken-Hochhaus“ stand. Erst wurde eine Andacht für sie in der St Botolphs Church abgehalten, anschließend brachte man sie mit einem Prozessionszug zu ihrem letzten Ruheplatz zurück, der sich an der Bury Street, direkt neben The Gherkin befindet. Die Bürgermeisterin der City of London verstreute Rosenblätter auf eine in den Boden eingelassene Marmorplakette, die mit einem Lorbeerkranz verziert ist. Dahinter hat man in die Marmorbänke die Worte eingraviert “To the spirits of the dead / the unknown young girl / from Roman London / lies buried here„, daneben steht der Satz noch einmal auf Latein.

The Gherkin und die Bury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Dante Gabriel Rossetti, ein Gedichtband, und das Grab seiner Frau Elizabeth Siddal

 

Die Grabstätte der Rossettis. Der in der Mitte des Bildes halb liegende Grabstein ist der von Elizabeth Siddal.
Photo: Robert Freidus
Source: The Victorian Web

Hätte es im 19. Jahrhundert schon Kopiergeräte gegeben, wäre folgende Geschichte nicht passiert.
Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) war ein Maler und Dichter, der zu der Gruppe der Präraffaeliten gehörte. Trotz seines Namens war er ein echter, in London geborener Brite, über dessen Vorliebe für Wombats ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Seit 1852 war eine andere Dichterin und Malerin der Präraffaeliten, Elizabeth Eleanor Siddal, die Geliebte von Rossetti, die er am 23. Mai 1860 in Hastings heiratete. Die Ehe dauerte leider nicht lange, denn Mrs. Rossetti verstarb bereits am 11. Februar 1862 im Alter von nur 32 Jahren. Dante Gabriel war vom Schmerz überwältigt, und als er seine Frau auf dem Londoner Highgate Cemetery zu Grabe trug, legte er ein Manuskript mit seinen unveröffentlichten Gedichten in den Sarg und verbarg es unter der roten Haarpracht der Verblichenen.

Nach sieben Jahren fand der Dichter, dass es doch keine so gute Idee war, seinen Gedichtband in den Sarg zu legen, denn er brauchte dringend Geld, und die Veröffentlichung seiner früher geschriebenen Gedichte hätte seine Geldnot lindern können. Da kam er auf die etwas sonderbare Idee, das Manuskript wieder ans Tageslicht zu holen und das Grab öffnen zu lassen. Das konnte man natürlich nicht so ohne weiteres tun, aber da Dante Gabriel Rossetti mit dem damaligen Innenminister befreundet war, bekam er die Erlaubnis dafür. Am 5. Oktober 1869 war es soweit, das Grab und der Sarg wurden geöffnet und das Manuskript aus den roten Haaren von Elizabeth Siddal entflochten, die sich darum herumgewickelt hatten. Der Zustand des Buches war erschreckend, die Seiten klebten aneinander, mache Textstellen waren kaum noch lesbar, und das verwendete Desinfektionsmittel hatte ein Übriges getan. Eigentlich wollte der Dichter diese Nacht und Nebel-Aktion geheim halten, doch die Buchexhumierung sprach sich schnell herum und Rossetti handelte sich dafür viel Kritik ein. Der Gedichtband wurde veröffentlicht und es hieß, dass er sich gut verkaufte.

Die Familiengrabstätte der Rossettis befindet sich auf dem Westflügel des Highgate Cemeteries und dort steht auch der Grabstein von Elizabeth Eleanor Siddal.

Hier ist die Geschichte ziemlich dramatisch im Film nachgestellt.

Famous Graves – Frederick Stanley Mockford und die Parish Church of St Mary in Selmeston (East Sussex)

Über das Dorf Selmeston in East Sussex gibt es nur wenig zu berichten. Es gibt einen Pub, The Barley Mow, eine Dorfgemeinschaftshalle und die Parish Church of St Mary. Auf dem Kirchhof finden wir eine interessante Grabstätte, die von Frederick Stanley Mockford (1897-1962), dessen Name wohl nur noch wenigen geläufig ist, der aber für eine „Idee“ verantwortlich ist, die noch heute in der Luft- und Schifffahrt sehr wichtig ist.

Frederick Stanley Mockford wurde in Selmeston geboren, er war also ein „Sussex Man“. 1923 arbeitete er als leitender Funkoffizier am Flughafen in Croydon, südlich von London. Von dort aus bestand eine regelmäßige Flugverbindung zum Pariser Flughafen Le Bourget. Mockford wurde beauftragt, sich einen Notruf auszudenken, den Flugzeuge absetzen konnten, die sich in einer akuten Notlage befanden; einen Notruf, den sowohl die französischen als auch die englischen Piloten und auch das Bodenpersonal sofort verstehen konnten. Mockford dachte sich das Wort „Mayday“ aus, das mit dem Maifeiertag nichts zu tun hat. Dahinter stecken die französischen Wörter „venez m’aider“ oder kurz „m’aider„, was „Komm und hilf mir“ bzw. „Hilf mir“ bedeutet. Genial, denn „Mayday“ lässt sich leicht merken, ob nun Brite oder Franzose. 1927 legte die International Radiotelegraph Convention in Washington das Wort als offizielles Notrufsignal fest, das den Morsecode SOS ablöste. Wenn seitdem ein Flugzeug oder ein Schiff einen „Mayday“-Notruf absetzte, wusste jeder, dass sich da jemand in höchster Gefahr befand und dringend Hilfe benötigte. So hat Frederick Stanley Mockford mit dieser „Erfindung“ sicher vielen Menschen das Leben gerettet. Dieser Film erläutert noch einmal das Notrufsignal.

1962 fand er seine letzte Ruhestätte in dem Dorf Selmeston, in dem er auch geboren wurde. Ein kleiner Grabstein auf dem Kirchhof der Dorfkirche erinnert an ihn. Eingemeißelt sind die Worte:

1st March 1962
In Memory Of Our Beloved
Frederick Stanley Mockford
Aged 64
Air Radio Pioneer
And Originator Of
The Distress Call
Mayday

Auf dem selben Grabstein ist auch der Name seiner Frau Winifred eingemeißelt, die ihren Mann 23 Jahre überlebte.

Der Eingang zur Parish Church von Selmeston in East Sussex.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Daniel Defoes Memorial auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields

This Monument is the result of an appeal in the „Christian World“ newspaper to the boys and girls of England for funds to place a suitable memorial upon the grave of Daniel De-Foe. It represents the united contributions of seventeen hundred persons. Septr. 1870„, so steht es zu lesen auf dem Monument, das zu Ehren des Schriftstellers Daniel Defoe (1660-1731) auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields im Stadtteil Islington errichtet wurde. Daniel Defoes berühmtestes Buch „Robinson Crusoe“ erschien 1719 und sein genauer Titel lautet „The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver’d by Pirates. Written by Himself“. Es ist ein Werk der Weltliteratur, das bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist.

In den letzten Jahren seines Lebens war Defoe hoch verschuldet, und er versteckte sich vor den Leuten, deren Kredit er nicht zurückzahlen konnte. Wann genau er in London starb, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, am häufigsten wird das Datum 24. April 1731 genannt. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Bunhill Fields und auf seinem unscheinbaren Grabstein stand der Name „Mr. Dubow“ (wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Schreibfehler). 1853 wurde der Friedhof geschlossen und 1870, nachdem „Robinson Crusoe“ zu einem großen Erfolg geworden war, kam man zu der Ansicht, dass dem Schriftsteller ein größeres Andenken gebührte. In dem Magazin „Christian World“ erfolgte ein Spendenaufruf, durch den £150 gesammelt wurden, was damals sehr viel Geld war. Der Bildhauer Samuel Horner wurde beauftragt, einen Obelisken zu schaffen, der dann am 16. September 1870 in Anwesenheit von drei Urenkelinnen des Schriftstellers eingeweiht wurde.

Das Monument steht übrigens nur drei Schritte von dem Grabstein des ebenfalls berühmten Dichters William Blake entfernt, der 1827 starb.

Bunhill Fields liegt mitten in London zwischen den Straßen Bunhill Row und City Road; der Friedhof ist frei zugänglich und täglich geöffnet.

Wer den Roman „Robinson Crusoe“ gelesen hat und davon angetan war, ist herzlich willkommen, sich bei Daniel Defoe mit einer Blume zu bedanken und diese an seinem Monument zu hinterlegen.

Dieser Film zeigt den Friedhof Bunhill Fields und auch Daniel Defoes Obelisken.

Daniel Defoe und sein direkter Nachbar, William Blake.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Juli 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Grabsteine auf englischen Landfriedhöfen

Table tombs, Hochgräber, auf dem Friedhof von St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ich besuche sehr gern Kirchhöfe in kleinen Dörfern in England und genieße die ruhige Atmosphäre, die dort meistens herrscht, sehr. Faszinierend unter dem rauschenden Blätterwald der Bäume die uralten Grabsteine zu betrachten, die verwitterten Inschriften zu entziffern und sich vorzustellen, wie diese Menschen, die darunter begraben liegen, einmal gelebt haben. Schon lange kümmert sich niemand mehr um die von Flechten bewohnten, schief stehenden oder sogar schon ganz umgekippten Steine. Ich muss unwillkürlich an Thomas Grays „Elegy Written in a Country Churchyard„ und an Percy Bysshe Shelleys “ „A Summer Evening Churchyard“ denken; beides Gedichte, die die Stimmung wunderbar wiedergeben.

Die wohlhabenden Bewohner, die Lords of the Manor mit ihren Familien oder Adelige wurden in der Regel im Inneren der Kirche unter Steinplatten oder in Sarkophagen beigesetzt, die „normalen“ Dorfbewohner bekamen ihre Grabstätte draußen auf dem Kirchhof.

In meinem Blog schrieb ich wiederholt über dieses Thema, das mich immer von Neuem reizt. Heute möchte ich einmal nur Bilder von Grabsteinen auf den Betrachter wirken lassen.

Flechten und Moose haben die Herrschaft über diese Grabsteine in St George’s in Sutton Mandeville (Wiltshire) übernommen.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Westerham (Kent), auf dem ich immer wieder gern spazieren gehe.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Bank unter dem Baum auf dem Kirchhof von Christ Church in Great Lumley (County Durham) lädt zum Verweilen ein.
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grab in Cholsey (Buckinghamshire) verwittert immer mehr.
Eigenes Foto.

St Thomas‘ in Melbury Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Der Kirchhof von Wisbech St Mary in Cambridgeshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Wessen Gebeine mögen wohl unter diesem verwitterten Stein ruhen? St Mary’s in Compton Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 19. Juni 2018 at 02:00  Comments (5)  

Londoner Kuriositäten Teil 2: Die Einladung zum Tanz auf dem Grab des Clowns Joseph Grimaldi

Joseph Grimaldis Grabmal.
Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)

Joseph Grimaldi (1778-1837), dem Vater aller Clowns, sind wir in meinem Blog schon einmal in meinem Artikel über die Holy Trinity Church, die „Clown’s Church“, im Londoner Stadtteil Dalston begegnet. Am 5. Juni 1837 wurde Grimaldi auf dem St. James’s Churchyard in Pentonville beigesetzt. Die Kirche existiert nicht mehr, sie wurde abgerissen und die Gegend wurde in einen kleinen Park umgewandelt, den man nach dem Clown benannte: Joseph Grimaldi Park. Dort stehen noch ein paar übrig gebliebene Grabsteine und eben das Grabmal des Clowns, dem man im Jahr 2010 bei der Umgestaltung des Parks eine originelle Besonderheit hinzufügte, die Grimaldi sicher gefallen hätte. Die im oberbayerischen Kranzberg ansässige deutsche Landschaftsbaufirma Latz + Partner, die mit den Arbeiten beauftragt war, engagierte den Londoner Künstler Henry Krokatsis, damit er neben Grimaldis Grab ein Kunstwerk anfertigen sollte; daraus wurde eine Installation, die Krokatsis „An Invitation to Dance on the Grave“ nannte. Zwei sargförmige aus einzelnen Bronzeplatten bestehende Gebilde wurden in den Boden eingelassen, eine in Erinnerung an den Clown, eine in Erinnerung an Charles Dibdin (1768-1833), der Grimaldi förderte, und der ebenfalls auf dem St James’s Churchyard neben Grimaldi beerdigt worden war. Krokatsis hat die Bronzeplatten so angefertigt, dass sie beim Betreten einen jeweils anderen Ton von sich geben und man beim „Tanz auf dem Grab“, mit etwas Geschick eine Melodie spielen kann, wie zum Beispiel Grimaldis Lieblingslied „Hot Cudlins„, was sich dann so anhört.

I wanted to create something that is constantly changing, a joyous interlude from the silence of death”, so definierte Henry Krokatsis sein Kunstwerk „An Invitation to Dance on the Grave“.

Den Joseph Grimaldi Park findet man an der Pentonville Road, der A501, im Nord-Londoner Stadtteil Pentonville, nur ein paar Gehminuten vom Sadler’s Wells Theater entfernt, wo der Clown seine größten Erfolge feierte und wo sein letzter Bühnenauftritt stattfand.

 

Famous Graves – Malcolm McLaren auf dem Londoner Highgate Cemetery

Malcolm McLaren (1946-2010) war laut Wikpedia „ein britischer Künstler, Modemacher, Designer, Musikmanager und Musiker“, sicher eine der schillerndsten Figuren im Musikbusiness seines Landes. Er war Manager der New York Dolls, von Adam and the Ants und den Sex Pistols. Er experimentierte mit allen möglichen Musikstilen, die er miteinander verwob und war einer der führenden Musiker der Punkbewegung. McLaren bzw. die von ihm gemanagten Bands provozierten gern und fielen immer wieder durch ihre mit Skandalen verbundenen Auftritte auf. Mein Lieblingssong von ihm: „Waltz Darling“ aus dem Jahr 1989.

Am 8. April 2010 starb Malcom McLaren in der Schweiz an einer seltenen Form von Lungenkrebs. Die Trauerfeier für ihn wurde in der Holy Trinity Church in Marylebone abgehalten, einer ehemaligen anglikanischen Kirche, in Anwesenheit vieler, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet hatten wie seine geschiedene Frau Vivienne Westwood, Bob Geldof, Tracey Emin und Adam Ant. Gespielt wurde dabei „My Way“ in der Interpretation des ehemaligen Sex Pistols-Sängers Sid Vicious, der schon 1979 gestorben war. Auf McLarens Sarg stand geschrieben: „Too fast to live, too young to die„. Hier sind Bilder vom Trauerzug.

Nach der Trauerfeier wurden seine sterblichen Überreste zum Highgate Cemetery überführt, jenem Londoner Gegenstück zum Pariser Père Lachaise. Knapp hundert Meter vom Grab von Karl Marx entfernt, fand Malcolm McLaren seine letzte Ruhe. Sein aus schwarzem Granit geformter Grabstein schmückt seine Totenmaske, die von dem Bildhauer Nick Reynolds geschaffen wurde, dem Sohn des Eisenbahnräubers Bruce Reynolds, der als Mastermind 1963 den Großen Postzugraub beging und dessen Grab ebenfalls auf dem Highgate Cemetery zu finden ist. Nick Reynolds hat sich auf die Anfertigung von Totenmasken spezialisiert, so fertigte er u.a. auch die des berühmt-berüchtigten Einbrechers George „Taters“ Chatham an, der 1997 starb.
Ferner finden wir auf Malcolm McLarens Grabstein die Inschrift „Better a spectacular failure, than a benign success“ und seine Initialen MM.

Übrigens wurde 2016 auch der Sänger George Michael auf dem Highgate Cemetery begraben, aber in einem Bereich, der für Besucher nicht zugänglich ist.

Die Holy Trinity Church in Marylebone, wo die Trauerfeier für Malcolm McLaren stattfand.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. September 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Der Holy Trinity Churchyard in Penn (Buckinghamshire)

   © Copyright Andrew Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Fährt man durch die Region zwischen Amersham und High Wycombe in Buckinghamshire, gerät man schnell in ein Wirrwarr von kleinen Straßen, die zu Ortschaften mit ähnlichen Namen führen wie Knotty Green und Forty Green, Penn und Penn Street, da kann man sich sehr schnell verfahren.

Die Familie Penn war lange Zeit der „Platzhirsch“ in dem Dorf, das nach ihr benannt wurde. William Penn (1644-1718) gab der Kolonie Pennsylvania in Amerika ihren Namen. In der Holy Trinity Church wimmelt es nur so von Denkmälern für die Nachfahren William Penns; doch mit dieser Familie möchte ich mich mit meinem heutigen Blogeintrag nicht weiter beschäftigen, sondern mit einigen Persönlichkeiten, die auf dem Kirchhof beigesetzt sind.

Beginnen wir mit David Blakeley (1929-1955), der in den 1950er Jahren als Rennfahrer von sich reden machte. Doch wäre er heute längst vergessen, wenn er nicht mit 26 Jahren ein frühes Ende gefunden hätte: Er wurde ermordet, und zwar von seiner Geliebten, Ruth Ellis, die wiederum in die Annalen der britischen Kriminalgeschichte eingegangen ist, als die letzte Frau, die im Vereinigten Königreich hingerichtet wurde (am 13. Juli 1955).  „David Moffett Drummond Blakely, 1929-1955. He was great of heart, courtly and courageous“ steht auf dem Grabstein, der auf Parzelle 40 auf dem Holy Trinity Churchyard zu finden ist. Ruth Ellis wurde nur wenige Kilometer entfernt beigesetzt, auf dem Kirchhof von St Mary’s in Old Amersham, und zwar auf dem Teil des Friedhofes, der ein Stück von der Kirche entfernt ist. Besucht ihr Geist hin und wieder das Grab ihres erschossenen Geliebten? Möglicherweise, meint Eddie Brazil (s. meinen Blogeintrag über sein Buch „Bloody British History – Buckinghamshire“) in diesem kurzen Film.

Donald Duarte Maclean (1913-1983) war ein Mann, der in Großbritannien keinen guten Ruf genoss, denn er war ein Spion in Diensten der Sowjetunion. Zusammen mit Guy Burgess, Kim Philby und Anthony Blunt bildete er den Spionagering The Cambridge Four. Kurz bevor Maclean enttarnt wurde, setzte er sich in die Sowjetunion ab, wo er für den KGB arbeitete. Nachdem er am 11. März 1983 in Moskau gestorben war, holte man seine Asche nach England und verstreute sie auf dem Grab seiner Eltern Donald and Gwendolen Maclean auf dem Holy Trinity Churchyard in Penn.

Alison Uttley (1884-1976) war eigentlich Physikerin, ist aber als Autorin von zahlreichen Kinderbüchern in Erinnerung geblieben. Sie lebte im nahegelegenen Beaconsfield und radelte häufig zum Gottesdienst zur Holy Trinity Church in Penn, wo sie auch ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Auf ihrem Grabstein stehen nur die wenigen Worte „A Spinner of Tales“. Alison Uttley erfand Geschichten um Little Grey Rabbit, Little Red Fox und Sam Pig. Einige ihrer Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt, die Titel trugen wie „Sam Schweinchens Abenteuer“, „Häschen auf dem Eis“ oder „Benni Borstel und die Maikönigin“. Hier ist eine ihrer Geschichten als Film zu sehen. Auf Parzelle 69 kann man Alisons Grab besuchen.

Louisa Garrett Anderson, C.B.E., M.D., Chief Surgeon Women’s Hospital Corps 1914-1919. Daughter of James George Skelton Anderson and Elizabeth Garrett Anderson of Aldeburgh, Suffolk. Born 28th. July 1873, died November 15th. 1943. We have been gloriously happy“ , so steht es auf dem Grabstein der Frau, die sich als Ärztin und Frauenrechtlerin einen Ruf erwarb. Das „We“ bezieht sich auf ihre engste Vertraute Flora Murray (1869-1923), ebenfalls Ärztin und Suffragette, die gemeinsam mit ihr hier beerdigt worden ist.

Wichtig: Bitte nicht die Holy Trinity Church in Penn mit der gleichnamigen Kirche in Penn Street verwechseln!!
Hier sind die Glocken von Holy Trinity in Penn zu hören.

Über Penn und Penn Street schrieb ich bereits in Zusammenhang mit der „Inspector Barnaby“-Krimiserie, denn wir befinden uns hier tief im Midsomer County.

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Published in: on 3. März 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Emmeline Pankhurst auf dem Londoner Brompton Cemetery

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Suffragette: Taten statt Worte“ heißt der Spielfilm, der Anfang des Jahres in die deutschen Kinos kam (hier ist der Trailer dazu) und  der bereits am 7. Oktober 2015 beim Londoner Film Festival in Großbritannien seine Premiere feierte. Mit Meryl Streep, Carey Mulligan und Helena Bonham Carter ist er hochkarätig besetzt. Der Film schildert die wahren Ereignisse Anfang des 20. Jahrhunderts um die Feministin Emmeline Pankhurst (gespielt von Meryl Streep), die das Ziel verfolgte, das Wahlrecht für Frauen in Großbritannien zu erkämpfen.

Emmeline Pankhurst wurde 1858 als Emmeline Goulden in Manchester geboren und starb 1928 im Londoner Stadtteil Hampstead. Ihr Lebenswerk beinhaltete den ständigen Kampf um die Verbesserung der Frauenrechte in Großbritannien. Drei Wochen nach ihrem Tod trat das allgemeine Wahlrecht für Frauen in Kraft.

In diesem Blogeintrag möchte ich aber nicht weiter auf Emmeline Pankhursts Lebenswerk eingehen, sondern in meiner Reihe „Famous Graves“ auf ihr Grab, das auf dem Londoner Brompton Cemetery zu finden ist. Dieser Friedhof gehört zu den sogenannten „Magnificent Seven“ Londons und liegt im Royal Borough of Kensington and Chelsea, direkt neben dem Stadion Stamford Bridge, in dem der Chelsea FC seine Heimspiele austrägt. 1839 wurde er eröffnet und umfasst heute rund 35 000 Gräber.

Die Inschrift auf Emmeline Pankhursts Grab überrascht etwas, denn dort steht „In Loving Memory of Emmeline Pankhurst, Wife of R.M.Pankhurst LLD, At Rest June 14 1928″; eine überaus engagierte Frauenrechtlerin, auf deren Grabstein nur „Frau von…“ eingemeisselt ist? Die Grabstelle, die man am nördlichen Ende des Friedhofs findet, besteht aus einem keltischen Kreuz aus rotem Sandstein, darauf zwei Engel und die ausgestreckte Hand Gottes; darunter sieht man eine Figur mit einem Heiligenschein. Julian Phelps Allan (1892-1996) hat den Grabstein entworfen, eine Künstlerin (!), die eigentlich Eva Dorothy Allan hieß, sich aber einen männlich klingenden Namen zulegte, um in der von Männern dominierten Welt der Bildhauer ernst genommen zu werden.

Dass Emmeline Pankhurst auch heute noch Verehrerinnen hat, zeigen die Blumen, die man immer wieder an ihrem Grab vorfindet.
Geehrt wird die Suffragette auch noch mit einem Denkmal in den Victoria Tower Gardens in Westminster und mit einer blauen Plakette an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Londoner Clarendon Road Nummer 50. Hier ist ein Film über sie.

Die Waliser Band Manic Street Preachers widmete der Frauenrechtlerin den Song „Emily“ auf ihrem Album „Lifeblood“.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.
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Author: Edwardx Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Author: Edwardx
Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road.
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Published in: on 15. Dezember 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Londoner Abney Park Cemetery – Ein verwunschener Friedhof in Stoke Newington

Das Eingangstor zum Abney Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zum Abney Park.
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Der Abney Park Cemetery in Stoke Newington, also im Norden Londons, ist einer der sogenannten Magnificent Seven – das sind sowohl landschaftlich als auch architektonisch besonders schön gestaltete Friedhöfe in der Stadt aus dem 19. Jahrhundert. Der Abney Park Cemetery gehört zu den weniger bekannten dieser Glorreichen Sieben; bekannter sind da der Highgate Cemetery und der Kensal Green Cemetery.

Abney Park liegt inmitten eines dicht besiedelten Wohngebietes und man erreicht den Friedhof durch ein im ägyptischen Revival-Stil erbautes Eingangstor, das der viktorianische Architekt William Hosking entworfen hat, der auch für den Bau der Kapelle im Zentrum des Parks verantwortlich war, eine der ersten nicht konfessionsgebundenen Kirchen Europas. 1840 wurde die Abney Park Chapel eingeweiht. In den 1980er Jahren verursachte ein Feuer schwere Schäden und Vandalismus tat ein übriges, um die Kirche für die Öffentlichkeit zu sperren. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten haben aber mittlerweile stattgefunden, so dass die Kapelle bald wieder zur Verfügung stehen wird.

Über 200 000 Menschen sind auf dem Friedhof beigesetzt worden, dessen Gräber in vielen Fällen von Pflanzen überwuchert worden sind. Manche Grabsteine sind umgekippt, so dass hier eine ziemlich unheimliche Atmosphäre herrscht, ein Paradies für Horrorfilm-Regisseure.

Mehrere Musikvideos haben den Abney Park Cemetery als Hintergrund, darunter Amy Winehouses großartiges „Back to Black„, in dem auch die Kapelle zu sehen ist.
Dr John Cooper Clark & Hugh Cornwells Version des alten John Leyton Songs „Johnny Remember Me“ wurde ebenfalls im nächtlichen unheimlichen Abney Park gedreht wie auch „Celestica“ der kanadischen Band Crystal Castles.

Der Friedhof kam in den letzten Jahren immer wieder in Verruf, weil hier nachts Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll überhand nahmen und sich die Anwohner bei der Polizei beschwerten. Die düstere Atmosphäre zieht leider auch zwielichtige Elemente an. Der Abney Park Trust kümmert sich um den Erhalt dieses außergewöhnlichen Parks.
Dieser eindrucksvolle Film zeigt Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Friedhof verbunden sind (der Film beginnt erst nach 22 Sekunden und dauert 30 Minuten, nicht wie angegeben 55 Minuten).

Der Friedhof ist ganzjährig täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Abney Park
Stoke Newington High Street,
London N16 0LH

Abney Park Chapel.   © Copyright Ian S and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Abney Park Chapel.
  © Copyright Ian S and
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   © Copyright Dave Pickersgill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Grabmal für einen im Dienst getöteten Polizisten.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Grabmal für William Tyler, einen im Dienst getöteten Polizisten.
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Published in: on 28. November 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Schiffbruch der „Hera“ am Gull Rock vor der Südküste Cornwalls am 31. Januar 1914

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.
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Der Gull Rock, einige hundert Meter vom Nare Head an der Südküste Cornwalls entfernt, war ein für die Schifffahrt berüchtigter Felsen im Meer. Gerade bei schlechter Sicht kollidierten immer wieder Schiffe an ihm. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1914 kam der deutsche Frachter „Hera“ auf dem Weg von Chile, beladen mit Guano, bei sehr schlechtem Wetter dicht an der Küste vorbei und krachte gegen den Felsen. Die „Hera“ legte sich auf die Seite und die Besatzung versuchte, in die Rettungsboote zu steigen, doch zwei von ihnen drifteten ab und nur eines war einsatzbereit, in das sich einige Männer flüchteten und das bald darauf voll Wasser lief. Signalraketen wurden in der Hoffnung abgeschossen, dass dadurch jemand auf die Notsitaution aufmerksam gemacht würde, was auch der Fall war. Das Seenotrettungsboot in Falmouth wurde alarmiert, das jedoch erst einige Stunden später an der Unglücksstelle eintraf. Nur fünf Männer konnten gerettet werden. Am nächsten Tag spülte das Meer Wrackteile und tote Seeleute an den Strand.

Insgesamt konnte man zwölf Tote bergen, die alle auf dem Kirchhof von St Symphorian in Veryan (Cornwall) beigesetzt wurden und zwar in einem Reihengrab von fast dreißig Meter Länge, was wohl das längste Grab Großbritanniens sein dürfte. Am 4. Februar fand die Beisetzungsfeier statt, die etwa 700 Bewohner aus Veryan und den umliegenden Orten besuchten. Die Namen der toten deutschen Seeleute wurden auf einem Marmorgedenkstein eingraviert. Auch nach mehr als hundert Jahren wird das Veryan Long Grave noch heute gehegt und gepflegt. Anlässlich des 100. Jahrestages des Schiffsunglücks gab es auf dem Kirchhof von St Symphorian noch einmal eine kleine Gedenkfeier, an der eine über hundert Jahre alte Dame teilnahm, die damals als kleines Baby auf dem Arm ihrer Mutter die Beerdigung der Seeleute erlebte.

Veryan liegt an der Roseland Heritage Coast westlich von Portloe.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).   © Copyright Dave Kelly and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).
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Published in: on 19. Oktober 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Famous Graves – Richard Cabells Grabmal in Buckfastleigh (Devon)

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.
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Im 17. Jahrhundert lebte in Buckfastleigh (Devon) am Rande des Dartmoors ein Mann, den man getrost als Stinkstiefel bezeichnen kann. Squire Richard Cabell quälte und misshandelte jeden, der ihm unter die Finger kam, egal, ob es sich dabei um seine Frau, seine Kinder, seine Diener oder um Tiere handelte. Er war damals der meistgehasste Mann in der Region, dem man nachsagte, dass er seine Seele dem Teufel verschrieben hatte. Es ging sogar das Gerücht um, Squire Cabell hätte seine Frau ermordet.
Ganz plötzlich starb der Mann am 5. Juli 1677 und man kann nicht sagen, dass die Trauer in Buckfastleigh besonders groß war. Ob es bei seinem Tod mit rechten Dingen zuging? Man forschte damals lieber nicht nach, vielleicht hatte ja jemand etwas nachgeholfen, aber das wollte niemand so genau wissen. Richard Cabell wurde auf dem Kirchhof der Holy Trinity Church im Familiengrab beigesetzt und in der Nacht soll eine Meute von riesigen Hunden aus dem Dartmoor gekommen sein, die an seinem Grab heulten und jaulten. Den Dorfbewohnern war das alles zuviel und so verbarrikadierten und vergitterten sie das Grabmal und legten einen großen schweren Stein auf die Grabstelle, um sicherzugehen, dass Cabell nicht daraus entfliehen konnte. Viele Menschen machten einen große Bogen um Cabells letzte Ruhestätte, denn immer wieder hörte man Berichte über unheimliche Vorgänge dort und oft waren die besagten Hunde aus dem Dartmoor involviert.

Sir Arthur Conan Doyle soll von der Geschichte gehört und seinen Roman „The Hound of the Baskervilles“ (dt. „Der Hund von Baskerville“) darauf basiert haben, wobei Richard Cabell als Vorbild für Sir Hugo Baskerville diente.

Holy Trinity Church hat eine lebhafte Vergangenheit. Dadurch, dass die Kirche ziemlich einsam liegt, war ihr Kirchhof ideal für „bodysnatcher„, die Leichen ausgruben, um sie gewinnbringend an medizinische Hochschulen zu verkaufen, die einen ständigen Bedarf für Forschungszwecke hatten. 1849 fielen Teile der Kirche einer Brandstiftung zum Opfer; nachdem auch noch der Kirchturm vom Blitz getroffen worden war, reparierte man das Gotteshaus wieder. Im Zweiten Weltkrieg gingen einige Kirchenfenster zu Bruch, auf Grund von Bombenabwürfen ganz in der Nähe. Doch der Todesstoß für Holy Trinity ereignete sich am 21. Juli 1992, als nachts in die Kirche eingebrochen und unter dem Altar ein Feuer gelegt wurde; das Gebäude brannte vollkommen aus. Wer hatte diese Tat begangen? Man munkelte in Buckfastleigh, dass dieser Brand auf das Konto von Satanisten ging, die seit langer Zeit die Kirche und das Grab von Squire Richard Cabell als Treffpunkt für ihre Rituale auserkoren haben sollen. Hier ist ein Film über die Kirche.

Holy Trinity ist eine Ruine, lediglich der Turm hatte bei dem Brand keine größeren Schäden erlitten, und so kann man hin und wieder die Glocken der Kirche hören.

Über Buckfastleigh habe ich in meinem Blog zweimal geschrieben, einmal über den Buckfast Tonic Wine, der in der Abbey hergestellt wird, und über den Valiant Soldier, „the Pub where time was never called“.

Die Ruinen von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen von Holy Trinity.
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Famous Graves – John Locke in High Laver (Essex)

This work has been released into the public Domain.

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John Locke (1632-1704) gilt als einer der der wichtigsten Philosophen seiner Zeit und wird als Vater des Liberalismus bezeichnet, dessen Theorien die amerikanische Verfassung beeinflussten. Sein wichtigstes Werk war „An Essay Concerning Humane Understanding“ (dt. „Ein Versuch über den menschlichen Verstand“), das 1690 erschien.

John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington, östlich von Weston-super-Mare in Somerset geboren, studierte in Oxford und lebte eine Zeit lang in London; doch wirklich wohl fühlte sich der Philosoph in dem kleinen Dorf High Laver in der Grafschaft Essex, wo er bei seinen Freunden Sir Francis Masham und Lady Damaris Masham in deren Haus wohnte. Speziell zur Dame des Hauses pflegte Locke enge Beziehungen, denn auch sie war Philosophin und schrieb u.a. das Buch „A Discourse Concerning the Love of God“. Oates hieß der Wohnsitz der Mashams, in dem Locke einige seiner berühmten Werke schrieb und wo ihn nicht minder berühmte Zeitgenossen wie Isaac Newton besuchten.

Hier in High Laver starb Locke am 28. Oktober 1704 und begraben wurde er auf dem Kirchhof von All Saints, der hübschen Dorfkirche an der Tilegate Road. Außer den angrenzenden Farmgebäuden gibt es hier nur Wiesen und Weiden, der Philosoph kann also auch in seinem Grab noch die ländliche Ruhe genießen. Das Grabmal ist gleich das zweite rechts von der Kirchentür, wenn man auf All Saints zugeht und ist umgeben von einem Eisengitter, das anlässlich des 300. Todestages neu gestrichen wurde. Eine kleine Randbemerkung: John Locke wurde auch in einer Kirche namens All Saints getauft, in Wrington in Somerset.

Auf einer Plakette oberhalb des Grabes steht geschrieben:
In Grateful Memory of
JOHN LOCKE
1632-1704. Who Lies Buried Here.
His Philosophy Guided
The Founders Of
The United States Of America.
Erected By The American And
British Commonwealth Association
Of The United States. 1957.

Ein kleiner Film über das Leben von John Locke findet sich hier.

Mark Goldie von der University of Cambridge schrieb 2004 ein Buch über die Zeit, die Locke bei den Mashams in High Laver verbrachte: „John Locke and the Mashams of Oates„; veröffentlicht vom Churchill College in Cambridge.

High Laver liegt östlich von Harlow und der Autobahn M1 und nördlich der A414. Die Kirche All Saints findet man an der Kreuzung der Tilegate Road mit der High Laver Road. Das Haus Oates, in dem Locke lebte, existiert nicht mehr.

All Saints in High Laver (Essex).   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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All Saints in Wrington (Somerset). Hier wurde John Locke getauft.   © Copyright John Lord and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in Wrington (Somerset). Hier wurde John Locke getauft.
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Published in: on 20. März 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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