Famous Graves – William Blighs Grab im Garden Museum in Lambeth (London)

Das  Museum of Garden History, das jetzt Garden Museum heißt und im Londoner Stadtteil Lambeth liegt, war das einzige Museum der Welt, das sich ausschließlich der Geschichte des Gartens widmete. Nach umfangreichen Umbauten öffnete es 2017 wieder die Tore für die Öffentlichkeit. Untergebracht ist das Museum in der 1972 aufgelassenen Church of St Mary-at-Lambeth, auf deren Kirchhof ein Grab zu finden ist, in dem einer der berühmtesten Seeleute aller Zeiten zu finden ist, der durch eine Meuterei bekannt geworden ist. Es handelt sich dabei um William Bligh (1754-1817), Kapitän auf der „Bounty„, deren Matrosen am 28. April 1789 im Südpazifik die Gewalt über das Schiff übernahmen und Bligh samt 18 seiner Getreuen im offenen Meer in einem Boot aussetzten. Bligh gelang die unglaubliche Leistung, mit diesem Boot etwa 6500 Kilometer zum rettenden Ufer zurückzulegen. Als er wieder in England eintraf, sprach ein Gericht Bligh von jeder Schuld an der Meuterei frei. Er wurde befördert, nahm an den napoleonischen Kriegen teil und schließlich zum Gouverneur der britischen Kolonie New South Wales in Australien ernannt. Seine Karriere endete mit der Beförderung zum Vizeadmiral im Jahr 1814.
Am 7. Dezember 1817 starb der Mann, der bis heute durch die Meuterei auf der Bounty weltberühmt geblieben ist. Seine Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 1984 unter dem Titel „The Bounty“ (dt. „Die Bounty“), mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle; hier ist ein Ausschnitt.

William Blighs Grabmal liegt nur einen Steinwurf von der Themse entfernt. Die Inschrift auf dem Grab lautet:

SACRED

TO THE MEMORY OF
WILLIAM BLIGH ESQUIRE FRS
VICE ADMIRAL OF THE BLUE
THE CELEBRATED NAVIGATOR
WHO FIRST TRANSPLANTED THE BREAD FRUIT TREE
FROM OTAHETTE TO THE WEST INDIES
BRAVELY FOUGHT THE BATTLES OF HIS COUNTRY
AND DIED BELOVED RESPECTED AND LAMENTED
ON THE 7th DAY OF DECEMBER 1817
AGED 64

Das „FRS“ steht für „Fellow of the Royal Society“. Hier ist ein Film über einen Besuch am Grab des Seemannes.

Blighs Londoner Wohnsitz liegt nicht weit entfernt in der Lambeth Road Nummer 100. Das Haus ist mit einer entsprechenden Plakette versehen.

William Blighs Haus in der Lambeth Road Nummer 100.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Chief Long Wolf und das leere Grab eines Sioux-Indianers auf dem Londoner Brompton Cemetery

Der Brompton Cemetery, mitten in London gelegen, gehört zu den sogenannten Magnificent Seven, den sieben schönsten Friedhöfen der Stadt. 1839 wurde er eröffnet, und er soll rund 35 000 Gräber beherbergen. Eines davon ist einem Mann gewidmet, der 1892 in London starb und eigentlich wo ganz anders hingehörte: Es handelt sich um das Grab von Long Wolf, einem Oglala-Sioux-Häuptling, der 1876 bei der Schlacht von Little Bighorn gegen General Custer und seine Truppen kämpfte. Wie kam der Mann vom Schlachtfeld in Montana in die britische Hauptstadt? Long Wolf schloss sich, um Repressalien nach der Schlacht zu entgehen, Buffalo Bill Cody’s Wild West Show an, die durch die USA und Europa tourte. Die Show war auch in Großbritannien zu sehen und erfreute sich großer Beliebtheit. Während des Aufenthaltes in London, wo Buffalo Bill und seine Mannen in Earl’s Court auftraten, starb Long Wolf, wahrscheinlich an den Auswirkungen einer Lungenentzündung. Das Londoner Klima ist seiner Gesundheit wohl nicht bekommen, war er doch die klare Luft der Great Plains in Nordamerika gewöhnt war.

Long Wolf wurde also auf dem Brompton Cemetery beigesetzt. Ein Wolf auf dem Grabstein erinnerte an den einstigen Indianerhäuptling, wofür Buffalo Bill seinerzeit sorgte. Und da würde er wohl noch heute liegen, wenn nicht zufällig Elizabeth Knight, eine Hausfrau aus Worcestershire, ein Buch von  Robert Cunningham Grahame über nordamerikanische Indianer gelesen und darin die Geschichte von Long Wolf gefunden hätte. Sie besuchte das Grab in London und war von dem Schicksal des Indianers so berührt, dass sie seine Enkelin Jessie Black Feather in den USA kontaktierte. Diese setzte sich sofort dafür ein, dass die sterblichen Überreste ihres Großvaters in den Wolf Creek Community Cemetery im Pine Ridge Reservat im Bundesstaat South Dakota überführt wurden, was 1997 geschah. Als man das Grab in London öffnete, fand man über dem Sarg von Long Wolf noch einen weiteren, in dem ein kleines Indianermädchen namens White Star lag, die ebenfalls zu Buffalo Bill’s Wild West Show gehörte und damals vom Pferd gefallen war und starb. Man nahm auch ihre Überreste mit nach South Dakota und setzte sie zusammen mit Long Wolf in dem selben Grab bei.

Long Wolfs leere Grabstätte liegt noch heute auf dem Brompton Cemetery und ist an dem in den Grabstein eingelassenen Wolf zu erkennen.

Hier ist ein Film über die Feierlichkeiten anlässlich von Long Wolfs Überführung, die in der Londoner St Luke’s Church stattfanden.

 

Published in: on 25. März 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Famous Graves – Major General Sir William Casement in Kensal Green Cemetery in London

Der Friedhof von Kensal Green hat viele Ähnlichkeiten mit dem Père Lachaise in Paris, dichtbewachsene Wege ziehen sich durch die riesige Anlage, romantisch-morbide Grabmäler reihen sich aneinander, man trifft auf berühmte Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das Grabmal von Major General Sir William Casement (1778-1844) ist eines jener bombastisch gestalteten Bauwerke, das auf einer Platte aus Portlandstein ruht. Darauf steht der Sarkophag, bedeckt mit dem Mantel des Generals, und darauf sein Schwert und sein Zweispitz. Das Grabmal wird von einem Baldachin überdacht, der auf den Köpfen von vier indischen Säulenträgern steht. Casement war in Indien stationiert und sollte eigentlich in sein Heimatland zurückkehren, als er einen Brief erhielt, der ihn aufforderte in Indien zu bleiben, da es in der Madras Army Unruhen gab. Er erkrankte bald darauf an Cholera und starb 1844 in Cossipore.

Das unter Denkmalschutz stehende Grabmal ist in keiner guten Verfassung mehr und soll möglichst bald restauriert werden.

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Published in: on 17. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Harry Patch (1898-2009) in Monkton Combe (Somerset)

In Monkton Combe, einem Dorf im Dunstkreis von Bath in Somerset, liegt auf dem Kirchhof von St Michael’s das Grab eines außergewöhnlichen Mannes. Henry John Patch, meist Harry Patch genannt, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er am 25. Juli 2009 im Alter von 111 Jahren gestorben war. Sein Geburtshaus in der Nachbargemeinde Combe Down liegt nur wenige hundert Meter entfernt; Harrys Geburtstag war der 17. Juni 1898.

Unter dem Namen „The Last Fighting Tommy“ ist er in Großbritannien eine Legende, denn er war der letzte überlebende Veteran des Ersten Weltkrieges. Harry Patch kannte die Grauen der schrecklichen Grabenkämpfe an der Westfront; im Jahr 1917 wurde er bei der Dritten Flandernschlacht bei Passendale schwer verwundet und zurück nach England gebracht. Der Mann sagte im Rückblick auf den Krieg einige bemerkenswerte Worte, die mich wirklich sehr beeindruckt haben, zum Beispiel: „Why should the British government call me up and take me out to a battlefield to shoot a man I never knew, whose language I couldn’t speak? All those lives lost for a war finished over a table. Now what is the sense in that?“ oder „Give your leaders each a gun and then let them fight it out themselves„.

Wenige Tage nach seinem Tod veröffentlichte die englische Rockband Radiohead einen Song mit dem Titel „Harry Patch (In Memory Of)„, basierend auf einem Interview, das der Veteran der BBC im Jahr 2005 gab und von dem Thom Yorke, Leadsänger und Komponist der Band, schwer beeindruckt war.

Gemeinsam mit Richard van Emden schrieb Harry Patch seine Autobiografie mit dem Titel „The Last Fighting Tommy: The Life of Harry Patch, the Oldest Surviving Veteran of the Trenches„.

Die Trauerfeier für ihn fand in der Kathedrale von Wells in Somerset statt, deren Glocken für jedes seiner Lebensjahre schlugen, also 111 mal. Sein Sarg wurde begleitet von Soldaten der britischen, belgischen, französischen und auch der deutschen Armee, wobei Harrys ausdrücklicher Wunsch war, dass die Soldaten keine Waffen trugen. Die königliche Familie war vertreten durch Camilla, Herzogin von Cornwall.

Von Wells aus wurden die sterblichen Überreste von Harry Patch auf den Friedhof von St Michael’s nach Monkton Combe überführt, einer ruhig gelegenen kleinen Kirche, die gerade einmal 17 Meter lang ist.

Hier ist eine ausführliche Dokumentation der BBC über das Leben des Harry Patch.

Der Trauerzug durch die Straßen von Wells.
Photo © Sharon Loxton (cc-by-sa/2.0)

St Michael’s Church in Monkton Combe (Somerset).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Gedenkstein für Harry Patch vor der Kathedrale von Wells.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 11. November 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The Gherkin in London und das Grab einer jungen Römerin

The Gherkin in London zählt sicher zu den auffälligsten Gebäuden der Stadt (ich berichtete in meinem Blog darüber). Die offizielle Adresse des 180 Meter hohen Bürohauses lautet 30 St Mary Axe; an der Stelle stand vorher The Baltic Exchange, ein Haus, das 1992 bei einem Bombenanschlag der IRA so stark beschädigt worden war, dass es abgerissen werden musste. Drei Jahre später, als das Grundstück frei gemacht wurde, um The Gherkin zu errichten, entdeckte ein Archäologenteam des Museum of London die sterblichen Überreste eines jungen Mädchens, die man vorsichtig von der Baustelle in das Londoner Museum übernahm und dort genauestens untersuchte. Anhand der Untersuchungsergebnisse kamen die Archäologen zu dem Schluss, dass es sich um die Gebeine eines ca 13- bis 17jährigen Mädchens handelte, die etwa um 350 bis 400 in London gelebt haben musste und wahrscheinlich eine Römerin war. Woran die junge Dame gestorben war, ließ sich nicht mehr feststellen.

Nachdem The Gherkin fertiggestellt worden war und die junge Römerin 12 Jahre lang im Museum of London verbracht hatte, sollten ihre Gebeine wieder an die ursprüngliche Fundstelle zurückgebracht werden, an der jetzt das „Gurken-Hochhaus“ stand. Erst wurde eine Andacht für sie in der St Botolphs Church abgehalten, anschließend brachte man sie mit einem Prozessionszug zu ihrem letzten Ruheplatz zurück, der sich an der Bury Street, direkt neben The Gherkin befindet. Die Bürgermeisterin der City of London verstreute Rosenblätter auf eine in den Boden eingelassene Marmorplakette, die mit einem Lorbeerkranz verziert ist. Dahinter hat man in die Marmorbänke die Worte eingraviert “To the spirits of the dead / the unknown young girl / from Roman London / lies buried here„, daneben steht der Satz noch einmal auf Latein.

The Gherkin und die Bury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Dante Gabriel Rossetti, ein Gedichtband, und das Grab seiner Frau Elizabeth Siddal

 

Die Grabstätte der Rossettis. Der in der Mitte des Bildes halb liegende Grabstein ist der von Elizabeth Siddal.
Photo: Robert Freidus
Source: The Victorian Web

Hätte es im 19. Jahrhundert schon Kopiergeräte gegeben, wäre folgende Geschichte nicht passiert.
Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) war ein Maler und Dichter, der zu der Gruppe der Präraffaeliten gehörte. Trotz seines Namens war er ein echter, in London geborener Brite, über dessen Vorliebe für Wombats ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Seit 1852 war eine andere Dichterin und Malerin der Präraffaeliten, Elizabeth Eleanor Siddal, die Geliebte von Rossetti, die er am 23. Mai 1860 in Hastings heiratete. Die Ehe dauerte leider nicht lange, denn Mrs. Rossetti verstarb bereits am 11. Februar 1862 im Alter von nur 32 Jahren. Dante Gabriel war vom Schmerz überwältigt, und als er seine Frau auf dem Londoner Highgate Cemetery zu Grabe trug, legte er ein Manuskript mit seinen unveröffentlichten Gedichten in den Sarg und verbarg es unter der roten Haarpracht der Verblichenen.

Nach sieben Jahren fand der Dichter, dass es doch keine so gute Idee war, seinen Gedichtband in den Sarg zu legen, denn er brauchte dringend Geld, und die Veröffentlichung seiner früher geschriebenen Gedichte hätte seine Geldnot lindern können. Da kam er auf die etwas sonderbare Idee, das Manuskript wieder ans Tageslicht zu holen und das Grab öffnen zu lassen. Das konnte man natürlich nicht so ohne weiteres tun, aber da Dante Gabriel Rossetti mit dem damaligen Innenminister befreundet war, bekam er die Erlaubnis dafür. Am 5. Oktober 1869 war es soweit, das Grab und der Sarg wurden geöffnet und das Manuskript aus den roten Haaren von Elizabeth Siddal entflochten, die sich darum herumgewickelt hatten. Der Zustand des Buches war erschreckend, die Seiten klebten aneinander, mache Textstellen waren kaum noch lesbar, und das verwendete Desinfektionsmittel hatte ein Übriges getan. Eigentlich wollte der Dichter diese Nacht und Nebel-Aktion geheim halten, doch die Buchexhumierung sprach sich schnell herum und Rossetti handelte sich dafür viel Kritik ein. Der Gedichtband wurde veröffentlicht und es hieß, dass er sich gut verkaufte.

Die Familiengrabstätte der Rossettis befindet sich auf dem Westflügel des Highgate Cemeteries und dort steht auch der Grabstein von Elizabeth Eleanor Siddal.

Hier ist die Geschichte ziemlich dramatisch im Film nachgestellt.

Famous Graves – Frederick Stanley Mockford und die Parish Church of St Mary in Selmeston (East Sussex)

Über das Dorf Selmeston in East Sussex gibt es nur wenig zu berichten. Es gibt einen Pub, The Barley Mow, eine Dorfgemeinschaftshalle und die Parish Church of St Mary. Auf dem Kirchhof finden wir eine interessante Grabstätte, die von Frederick Stanley Mockford (1897-1962), dessen Name wohl nur noch wenigen geläufig ist, der aber für eine „Idee“ verantwortlich ist, die noch heute in der Luft- und Schifffahrt sehr wichtig ist.

Frederick Stanley Mockford wurde in Selmeston geboren, er war also ein „Sussex Man“. 1923 arbeitete er als leitender Funkoffizier am Flughafen in Croydon, südlich von London. Von dort aus bestand eine regelmäßige Flugverbindung zum Pariser Flughafen Le Bourget. Mockford wurde beauftragt, sich einen Notruf auszudenken, den Flugzeuge absetzen konnten, die sich in einer akuten Notlage befanden; einen Notruf, den sowohl die französischen als auch die englischen Piloten und auch das Bodenpersonal sofort verstehen konnten. Mockford dachte sich das Wort „Mayday“ aus, das mit dem Maifeiertag nichts zu tun hat. Dahinter stecken die französischen Wörter „venez m’aider“ oder kurz „m’aider„, was „Komm und hilf mir“ bzw. „Hilf mir“ bedeutet. Genial, denn „Mayday“ lässt sich leicht merken, ob nun Brite oder Franzose. 1927 legte die International Radiotelegraph Convention in Washington das Wort als offizielles Notrufsignal fest, das den Morsecode SOS ablöste. Wenn seitdem ein Flugzeug oder ein Schiff einen „Mayday“-Notruf absetzte, wusste jeder, dass sich da jemand in höchster Gefahr befand und dringend Hilfe benötigte. So hat Frederick Stanley Mockford mit dieser „Erfindung“ sicher vielen Menschen das Leben gerettet. Dieser Film erläutert noch einmal das Notrufsignal.

1962 fand er seine letzte Ruhestätte in dem Dorf Selmeston, in dem er auch geboren wurde. Ein kleiner Grabstein auf dem Kirchhof der Dorfkirche erinnert an ihn. Eingemeißelt sind die Worte:

1st March 1962
In Memory Of Our Beloved
Frederick Stanley Mockford
Aged 64
Air Radio Pioneer
And Originator Of
The Distress Call
Mayday

Auf dem selben Grabstein ist auch der Name seiner Frau Winifred eingemeißelt, die ihren Mann 23 Jahre überlebte.

Der Eingang zur Parish Church von Selmeston in East Sussex.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

 

Daniel Defoes Memorial auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields

This Monument is the result of an appeal in the „Christian World“ newspaper to the boys and girls of England for funds to place a suitable memorial upon the grave of Daniel De-Foe. It represents the united contributions of seventeen hundred persons. Septr. 1870„, so steht es zu lesen auf dem Monument, das zu Ehren des Schriftstellers Daniel Defoe (1660-1731) auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields im Stadtteil Islington errichtet wurde. Daniel Defoes berühmtestes Buch „Robinson Crusoe“ erschien 1719 und sein genauer Titel lautet „The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver’d by Pirates. Written by Himself“. Es ist ein Werk der Weltliteratur, das bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist.

In den letzten Jahren seines Lebens war Defoe hoch verschuldet, und er versteckte sich vor den Leuten, deren Kredit er nicht zurückzahlen konnte. Wann genau er in London starb, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, am häufigsten wird das Datum 24. April 1731 genannt. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Bunhill Fields und auf seinem unscheinbaren Grabstein stand der Name „Mr. Dubow“ (wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Schreibfehler). 1853 wurde der Friedhof geschlossen und 1870, nachdem „Robinson Crusoe“ zu einem großen Erfolg geworden war, kam man zu der Ansicht, dass dem Schriftsteller ein größeres Andenken gebührte. In dem Magazin „Christian World“ erfolgte ein Spendenaufruf, durch den £150 gesammelt wurden, was damals sehr viel Geld war. Der Bildhauer Samuel Horner wurde beauftragt, einen Obelisken zu schaffen, der dann am 16. September 1870 in Anwesenheit von drei Urenkelinnen des Schriftstellers eingeweiht wurde.

Das Monument steht übrigens nur drei Schritte von dem Grabstein des ebenfalls berühmten Dichters William Blake entfernt, der 1827 starb.

Bunhill Fields liegt mitten in London zwischen den Straßen Bunhill Row und City Road; der Friedhof ist frei zugänglich und täglich geöffnet.

Wer den Roman „Robinson Crusoe“ gelesen hat und davon angetan war, ist herzlich willkommen, sich bei Daniel Defoe mit einer Blume zu bedanken und diese an seinem Monument zu hinterlegen.

Dieser Film zeigt den Friedhof Bunhill Fields und auch Daniel Defoes Obelisken.

Daniel Defoe und sein direkter Nachbar, William Blake.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Grabsteine auf englischen Landfriedhöfen

Table tombs, Hochgräber, auf dem Friedhof von St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ich besuche sehr gern Kirchhöfe in kleinen Dörfern in England und genieße die ruhige Atmosphäre, die dort meistens herrscht, sehr. Faszinierend unter dem rauschenden Blätterwald der Bäume die uralten Grabsteine zu betrachten, die verwitterten Inschriften zu entziffern und sich vorzustellen, wie diese Menschen, die darunter begraben liegen, einmal gelebt haben. Schon lange kümmert sich niemand mehr um die von Flechten bewohnten, schief stehenden oder sogar schon ganz umgekippten Steine. Ich muss unwillkürlich an Thomas Grays „Elegy Written in a Country Churchyard„ und an Percy Bysshe Shelleys “ „A Summer Evening Churchyard“ denken; beides Gedichte, die die Stimmung wunderbar wiedergeben.

Die wohlhabenden Bewohner, die Lords of the Manor mit ihren Familien oder Adelige wurden in der Regel im Inneren der Kirche unter Steinplatten oder in Sarkophagen beigesetzt, die „normalen“ Dorfbewohner bekamen ihre Grabstätte draußen auf dem Kirchhof.

In meinem Blog schrieb ich wiederholt über dieses Thema, das mich immer von Neuem reizt. Heute möchte ich einmal nur Bilder von Grabsteinen auf den Betrachter wirken lassen.

Flechten und Moose haben die Herrschaft über diese Grabsteine in St George’s in Sutton Mandeville (Wiltshire) übernommen.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Westerham (Kent), auf dem ich immer wieder gern spazieren gehe.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Bank unter dem Baum auf dem Kirchhof von Christ Church in Great Lumley (County Durham) lädt zum Verweilen ein.
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grab in Cholsey (Buckinghamshire) verwittert immer mehr.
Eigenes Foto.

St Thomas‘ in Melbury Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Der Kirchhof von Wisbech St Mary in Cambridgeshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Wessen Gebeine mögen wohl unter diesem verwitterten Stein ruhen? St Mary’s in Compton Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 19. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  

Londoner Kuriositäten Teil 2: Die Einladung zum Tanz auf dem Grab des Clowns Joseph Grimaldi

Joseph Grimaldis Grabmal.
Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)

Joseph Grimaldi (1778-1837), dem Vater aller Clowns, sind wir in meinem Blog schon einmal in meinem Artikel über die Holy Trinity Church, die „Clown’s Church“, im Londoner Stadtteil Dalston begegnet. Am 5. Juni 1837 wurde Grimaldi auf dem St. James’s Churchyard in Pentonville beigesetzt. Die Kirche existiert nicht mehr, sie wurde abgerissen und die Gegend wurde in einen kleinen Park umgewandelt, den man nach dem Clown benannte: Joseph Grimaldi Park. Dort stehen noch ein paar übrig gebliebene Grabsteine und eben das Grabmal des Clowns, dem man im Jahr 2010 bei der Umgestaltung des Parks eine originelle Besonderheit hinzufügte, die Grimaldi sicher gefallen hätte. Die im oberbayerischen Kranzberg ansässige deutsche Landschaftsbaufirma Latz + Partner, die mit den Arbeiten beauftragt war, engagierte den Londoner Künstler Henry Krokatsis, damit er neben Grimaldis Grab ein Kunstwerk anfertigen sollte; daraus wurde eine Installation, die Krokatsis „An Invitation to Dance on the Grave“ nannte. Zwei sargförmige aus einzelnen Bronzeplatten bestehende Gebilde wurden in den Boden eingelassen, eine in Erinnerung an den Clown, eine in Erinnerung an Charles Dibdin (1768-1833), der Grimaldi förderte, und der ebenfalls auf dem St James’s Churchyard neben Grimaldi beerdigt worden war. Krokatsis hat die Bronzeplatten so angefertigt, dass sie beim Betreten einen jeweils anderen Ton von sich geben und man beim „Tanz auf dem Grab“, mit etwas Geschick eine Melodie spielen kann, wie zum Beispiel Grimaldis Lieblingslied „Hot Cudlins„, was sich dann so anhört.

I wanted to create something that is constantly changing, a joyous interlude from the silence of death”, so definierte Henry Krokatsis sein Kunstwerk „An Invitation to Dance on the Grave“.

Den Joseph Grimaldi Park findet man an der Pentonville Road, der A501, im Nord-Londoner Stadtteil Pentonville, nur ein paar Gehminuten vom Sadler’s Wells Theater entfernt, wo der Clown seine größten Erfolge feierte und wo sein letzter Bühnenauftritt stattfand.

 

Famous Graves – Malcolm McLaren auf dem Londoner Highgate Cemetery

Malcolm McLaren (1946-2010) war laut Wikpedia „ein britischer Künstler, Modemacher, Designer, Musikmanager und Musiker“, sicher eine der schillerndsten Figuren im Musikbusiness seines Landes. Er war Manager der New York Dolls, von Adam and the Ants und den Sex Pistols. Er experimentierte mit allen möglichen Musikstilen, die er miteinander verwob und war einer der führenden Musiker der Punkbewegung. McLaren bzw. die von ihm gemanagten Bands provozierten gern und fielen immer wieder durch ihre mit Skandalen verbundenen Auftritte auf. Mein Lieblingssong von ihm: „Waltz Darling“ aus dem Jahr 1989.

Am 8. April 2010 starb Malcom McLaren in der Schweiz an einer seltenen Form von Lungenkrebs. Die Trauerfeier für ihn wurde in der Holy Trinity Church in Marylebone abgehalten, einer ehemaligen anglikanischen Kirche, in Anwesenheit vieler, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet hatten wie seine geschiedene Frau Vivienne Westwood, Bob Geldof, Tracey Emin und Adam Ant. Gespielt wurde dabei „My Way“ in der Interpretation des ehemaligen Sex Pistols-Sängers Sid Vicious, der schon 1979 gestorben war. Auf McLarens Sarg stand geschrieben: „Too fast to live, too young to die„. Hier sind Bilder vom Trauerzug.

Nach der Trauerfeier wurden seine sterblichen Überreste zum Highgate Cemetery überführt, jenem Londoner Gegenstück zum Pariser Père Lachaise. Knapp hundert Meter vom Grab von Karl Marx entfernt, fand Malcolm McLaren seine letzte Ruhe. Sein aus schwarzem Granit geformter Grabstein schmückt seine Totenmaske, die von dem Bildhauer Nick Reynolds geschaffen wurde, dem Sohn des Eisenbahnräubers Bruce Reynolds, der als Mastermind 1963 den Großen Postzugraub beging und dessen Grab ebenfalls auf dem Highgate Cemetery zu finden ist. Nick Reynolds hat sich auf die Anfertigung von Totenmasken spezialisiert, so fertigte er u.a. auch die des berühmt-berüchtigten Einbrechers George „Taters“ Chatham an, der 1997 starb.
Ferner finden wir auf Malcolm McLarens Grabstein die Inschrift „Better a spectacular failure, than a benign success“ und seine Initialen MM.

Übrigens wurde 2016 auch der Sänger George Michael auf dem Highgate Cemetery begraben, aber in einem Bereich, der für Besucher nicht zugänglich ist.

Die Holy Trinity Church in Marylebone, wo die Trauerfeier für Malcolm McLaren stattfand.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Holy Trinity Churchyard in Penn (Buckinghamshire)

   © Copyright Andrew Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Fährt man durch die Region zwischen Amersham und High Wycombe in Buckinghamshire, gerät man schnell in ein Wirrwarr von kleinen Straßen, die zu Ortschaften mit ähnlichen Namen führen wie Knotty Green und Forty Green, Penn und Penn Street, da kann man sich sehr schnell verfahren.

Die Familie Penn war lange Zeit der „Platzhirsch“ in dem Dorf, das nach ihr benannt wurde. William Penn (1644-1718) gab der Kolonie Pennsylvania in Amerika ihren Namen. In der Holy Trinity Church wimmelt es nur so von Denkmälern für die Nachfahren William Penns; doch mit dieser Familie möchte ich mich mit meinem heutigen Blogeintrag nicht weiter beschäftigen, sondern mit einigen Persönlichkeiten, die auf dem Kirchhof beigesetzt sind.

Beginnen wir mit David Blakeley (1929-1955), der in den 1950er Jahren als Rennfahrer von sich reden machte. Doch wäre er heute längst vergessen, wenn er nicht mit 26 Jahren ein frühes Ende gefunden hätte: Er wurde ermordet, und zwar von seiner Geliebten, Ruth Ellis, die wiederum in die Annalen der britischen Kriminalgeschichte eingegangen ist, als die letzte Frau, die im Vereinigten Königreich hingerichtet wurde (am 13. Juli 1955).  „David Moffett Drummond Blakely, 1929-1955. He was great of heart, courtly and courageous“ steht auf dem Grabstein, der auf Parzelle 40 auf dem Holy Trinity Churchyard zu finden ist. Ruth Ellis wurde nur wenige Kilometer entfernt beigesetzt, auf dem Kirchhof von St Mary’s in Old Amersham, und zwar auf dem Teil des Friedhofes, der ein Stück von der Kirche entfernt ist. Besucht ihr Geist hin und wieder das Grab ihres erschossenen Geliebten? Möglicherweise, meint Eddie Brazil (s. meinen Blogeintrag über sein Buch „Bloody British History – Buckinghamshire“) in diesem kurzen Film.

Donald Duarte Maclean (1913-1983) war ein Mann, der in Großbritannien keinen guten Ruf genoss, denn er war ein Spion in Diensten der Sowjetunion. Zusammen mit Guy Burgess, Kim Philby und Anthony Blunt bildete er den Spionagering The Cambridge Four. Kurz bevor Maclean enttarnt wurde, setzte er sich in die Sowjetunion ab, wo er für den KGB arbeitete. Nachdem er am 11. März 1983 in Moskau gestorben war, holte man seine Asche nach England und verstreute sie auf dem Grab seiner Eltern Donald and Gwendolen Maclean auf dem Holy Trinity Churchyard in Penn.

Alison Uttley (1884-1976) war eigentlich Physikerin, ist aber als Autorin von zahlreichen Kinderbüchern in Erinnerung geblieben. Sie lebte im nahegelegenen Beaconsfield und radelte häufig zum Gottesdienst zur Holy Trinity Church in Penn, wo sie auch ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Auf ihrem Grabstein stehen nur die wenigen Worte „A Spinner of Tales“. Alison Uttley erfand Geschichten um Little Grey Rabbit, Little Red Fox und Sam Pig. Einige ihrer Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt, die Titel trugen wie „Sam Schweinchens Abenteuer“, „Häschen auf dem Eis“ oder „Benni Borstel und die Maikönigin“. Hier ist eine ihrer Geschichten als Film zu sehen. Auf Parzelle 69 kann man Alisons Grab besuchen.

Louisa Garrett Anderson, C.B.E., M.D., Chief Surgeon Women’s Hospital Corps 1914-1919. Daughter of James George Skelton Anderson and Elizabeth Garrett Anderson of Aldeburgh, Suffolk. Born 28th. July 1873, died November 15th. 1943. We have been gloriously happy“ , so steht es auf dem Grabstein der Frau, die sich als Ärztin und Frauenrechtlerin einen Ruf erwarb. Das „We“ bezieht sich auf ihre engste Vertraute Flora Murray (1869-1923), ebenfalls Ärztin und Suffragette, die gemeinsam mit ihr hier beerdigt worden ist.

Wichtig: Bitte nicht die Holy Trinity Church in Penn mit der gleichnamigen Kirche in Penn Street verwechseln!!
Hier sind die Glocken von Holy Trinity in Penn zu hören.

Über Penn und Penn Street schrieb ich bereits in Zusammenhang mit der „Inspector Barnaby“-Krimiserie, denn wir befinden uns hier tief im Midsomer County.

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Published in: on 3. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Emmeline Pankhurst auf dem Londoner Brompton Cemetery

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Suffragette: Taten statt Worte“ heißt der Spielfilm, der Anfang des Jahres in die deutschen Kinos kam (hier ist der Trailer dazu) und  der bereits am 7. Oktober 2015 beim Londoner Film Festival in Großbritannien seine Premiere feierte. Mit Meryl Streep, Carey Mulligan und Helena Bonham Carter ist er hochkarätig besetzt. Der Film schildert die wahren Ereignisse Anfang des 20. Jahrhunderts um die Feministin Emmeline Pankhurst (gespielt von Meryl Streep), die das Ziel verfolgte, das Wahlrecht für Frauen in Großbritannien zu erkämpfen.

Emmeline Pankhurst wurde 1858 als Emmeline Goulden in Manchester geboren und starb 1928 im Londoner Stadtteil Hampstead. Ihr Lebenswerk beinhaltete den ständigen Kampf um die Verbesserung der Frauenrechte in Großbritannien. Drei Wochen nach ihrem Tod trat das allgemeine Wahlrecht für Frauen in Kraft.

In diesem Blogeintrag möchte ich aber nicht weiter auf Emmeline Pankhursts Lebenswerk eingehen, sondern in meiner Reihe „Famous Graves“ auf ihr Grab, das auf dem Londoner Brompton Cemetery zu finden ist. Dieser Friedhof gehört zu den sogenannten „Magnificent Seven“ Londons und liegt im Royal Borough of Kensington and Chelsea, direkt neben dem Stadion Stamford Bridge, in dem der Chelsea FC seine Heimspiele austrägt. 1839 wurde er eröffnet und umfasst heute rund 35 000 Gräber.

Die Inschrift auf Emmeline Pankhursts Grab überrascht etwas, denn dort steht „In Loving Memory of Emmeline Pankhurst, Wife of R.M.Pankhurst LLD, At Rest June 14 1928″; eine überaus engagierte Frauenrechtlerin, auf deren Grabstein nur „Frau von…“ eingemeisselt ist? Die Grabstelle, die man am nördlichen Ende des Friedhofs findet, besteht aus einem keltischen Kreuz aus rotem Sandstein, darauf zwei Engel und die ausgestreckte Hand Gottes; darunter sieht man eine Figur mit einem Heiligenschein. Julian Phelps Allan (1892-1996) hat den Grabstein entworfen, eine Künstlerin (!), die eigentlich Eva Dorothy Allan hieß, sich aber einen männlich klingenden Namen zulegte, um in der von Männern dominierten Welt der Bildhauer ernst genommen zu werden.

Dass Emmeline Pankhurst auch heute noch Verehrerinnen hat, zeigen die Blumen, die man immer wieder an ihrem Grab vorfindet.
Geehrt wird die Suffragette auch noch mit einem Denkmal in den Victoria Tower Gardens in Westminster und mit einer blauen Plakette an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Londoner Clarendon Road Nummer 50. Hier ist ein Film über sie.

Die Waliser Band Manic Street Preachers widmete der Frauenrechtlerin den Song „Emily“ auf ihrem Album „Lifeblood“.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.
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Author: Edwardx Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Author: Edwardx
Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road.
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Der Londoner Abney Park Cemetery – Ein verwunschener Friedhof in Stoke Newington

Das Eingangstor zum Abney Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zum Abney Park.
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Der Abney Park Cemetery in Stoke Newington, also im Norden Londons, ist einer der sogenannten Magnificent Seven – das sind sowohl landschaftlich als auch architektonisch besonders schön gestaltete Friedhöfe in der Stadt aus dem 19. Jahrhundert. Der Abney Park Cemetery gehört zu den weniger bekannten dieser Glorreichen Sieben; bekannter sind da der Highgate Cemetery und der Kensal Green Cemetery.

Abney Park liegt inmitten eines dicht besiedelten Wohngebietes und man erreicht den Friedhof durch ein im ägyptischen Revival-Stil erbautes Eingangstor, das der viktorianische Architekt William Hosking entworfen hat, der auch für den Bau der Kapelle im Zentrum des Parks verantwortlich war, eine der ersten nicht konfessionsgebundenen Kirchen Europas. 1840 wurde die Abney Park Chapel eingeweiht. In den 1980er Jahren verursachte ein Feuer schwere Schäden und Vandalismus tat ein übriges, um die Kirche für die Öffentlichkeit zu sperren. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten haben aber mittlerweile stattgefunden, so dass die Kapelle bald wieder zur Verfügung stehen wird.

Über 200 000 Menschen sind auf dem Friedhof beigesetzt worden, dessen Gräber in vielen Fällen von Pflanzen überwuchert worden sind. Manche Grabsteine sind umgekippt, so dass hier eine ziemlich unheimliche Atmosphäre herrscht, ein Paradies für Horrorfilm-Regisseure.

Mehrere Musikvideos haben den Abney Park Cemetery als Hintergrund, darunter Amy Winehouses großartiges „Back to Black„, in dem auch die Kapelle zu sehen ist.
Dr John Cooper Clark & Hugh Cornwells Version des alten John Leyton Songs „Johnny Remember Me“ wurde ebenfalls im nächtlichen unheimlichen Abney Park gedreht wie auch „Celestica“ der kanadischen Band Crystal Castles.

Der Friedhof kam in den letzten Jahren immer wieder in Verruf, weil hier nachts Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll überhand nahmen und sich die Anwohner bei der Polizei beschwerten. Die düstere Atmosphäre zieht leider auch zwielichtige Elemente an. Der Abney Park Trust kümmert sich um den Erhalt dieses außergewöhnlichen Parks.
Dieser eindrucksvolle Film zeigt Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Friedhof verbunden sind (der Film beginnt erst nach 22 Sekunden und dauert 30 Minuten, nicht wie angegeben 55 Minuten).

Der Friedhof ist ganzjährig täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Abney Park
Stoke Newington High Street,
London N16 0LH

Abney Park Chapel.   © Copyright Ian S and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Abney Park Chapel.
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Grabmal für einen im Dienst getöteten Polizisten.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Grabmal für William Tyler, einen im Dienst getöteten Polizisten.
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Published in: on 28. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schiffbruch der „Hera“ am Gull Rock vor der Südküste Cornwalls am 31. Januar 1914

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.
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Der Gull Rock, einige hundert Meter vom Nare Head an der Südküste Cornwalls entfernt, war ein für die Schifffahrt berüchtigter Felsen im Meer. Gerade bei schlechter Sicht kollidierten immer wieder Schiffe an ihm. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1914 kam der deutsche Frachter „Hera“ auf dem Weg von Chile, beladen mit Guano, bei sehr schlechtem Wetter dicht an der Küste vorbei und krachte gegen den Felsen. Die „Hera“ legte sich auf die Seite und die Besatzung versuchte, in die Rettungsboote zu steigen, doch zwei von ihnen drifteten ab und nur eines war einsatzbereit, in das sich einige Männer flüchteten und das bald darauf voll Wasser lief. Signalraketen wurden in der Hoffnung abgeschossen, dass dadurch jemand auf die Notsitaution aufmerksam gemacht würde, was auch der Fall war. Das Seenotrettungsboot in Falmouth wurde alarmiert, das jedoch erst einige Stunden später an der Unglücksstelle eintraf. Nur fünf Männer konnten gerettet werden. Am nächsten Tag spülte das Meer Wrackteile und tote Seeleute an den Strand.

Insgesamt konnte man zwölf Tote bergen, die alle auf dem Kirchhof von St Symphorian in Veryan (Cornwall) beigesetzt wurden und zwar in einem Reihengrab von fast dreißig Meter Länge, was wohl das längste Grab Großbritanniens sein dürfte. Am 4. Februar fand die Beisetzungsfeier statt, die etwa 700 Bewohner aus Veryan und den umliegenden Orten besuchten. Die Namen der toten deutschen Seeleute wurden auf einem Marmorgedenkstein eingraviert. Auch nach mehr als hundert Jahren wird das Veryan Long Grave noch heute gehegt und gepflegt. Anlässlich des 100. Jahrestages des Schiffsunglücks gab es auf dem Kirchhof von St Symphorian noch einmal eine kleine Gedenkfeier, an der eine über hundert Jahre alte Dame teilnahm, die damals als kleines Baby auf dem Arm ihrer Mutter die Beerdigung der Seeleute erlebte.

Veryan liegt an der Roseland Heritage Coast westlich von Portloe.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).   © Copyright Dave Kelly and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).
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Famous Graves – Richard Cabells Grabmal in Buckfastleigh (Devon)

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.
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Im 17. Jahrhundert lebte in Buckfastleigh (Devon) am Rande des Dartmoors ein Mann, den man getrost als Stinkstiefel bezeichnen kann. Squire Richard Cabell quälte und misshandelte jeden, der ihm unter die Finger kam, egal, ob es sich dabei um seine Frau, seine Kinder, seine Diener oder um Tiere handelte. Er war damals der meistgehasste Mann in der Region, dem man nachsagte, dass er seine Seele dem Teufel verschrieben hatte. Es ging sogar das Gerücht um, Squire Cabell hätte seine Frau ermordet.
Ganz plötzlich starb der Mann am 5. Juli 1677 und man kann nicht sagen, dass die Trauer in Buckfastleigh besonders groß war. Ob es bei seinem Tod mit rechten Dingen zuging? Man forschte damals lieber nicht nach, vielleicht hatte ja jemand etwas nachgeholfen, aber das wollte niemand so genau wissen. Richard Cabell wurde auf dem Kirchhof der Holy Trinity Church im Familiengrab beigesetzt und in der Nacht soll eine Meute von riesigen Hunden aus dem Dartmoor gekommen sein, die an seinem Grab heulten und jaulten. Den Dorfbewohnern war das alles zuviel und so verbarrikadierten und vergitterten sie das Grabmal und legten einen großen schweren Stein auf die Grabstelle, um sicherzugehen, dass Cabell nicht daraus entfliehen konnte. Viele Menschen machten einen große Bogen um Cabells letzte Ruhestätte, denn immer wieder hörte man Berichte über unheimliche Vorgänge dort und oft waren die besagten Hunde aus dem Dartmoor involviert.

Sir Arthur Conan Doyle soll von der Geschichte gehört und seinen Roman „The Hound of the Baskervilles“ (dt. „Der Hund von Baskerville“) darauf basiert haben, wobei Richard Cabell als Vorbild für Sir Hugo Baskerville diente.

Holy Trinity Church hat eine lebhafte Vergangenheit. Dadurch, dass die Kirche ziemlich einsam liegt, war ihr Kirchhof ideal für „bodysnatcher„, die Leichen ausgruben, um sie gewinnbringend an medizinische Hochschulen zu verkaufen, die einen ständigen Bedarf für Forschungszwecke hatten. 1849 fielen Teile der Kirche einer Brandstiftung zum Opfer; nachdem auch noch der Kirchturm vom Blitz getroffen worden war, reparierte man das Gotteshaus wieder. Im Zweiten Weltkrieg gingen einige Kirchenfenster zu Bruch, auf Grund von Bombenabwürfen ganz in der Nähe. Doch der Todesstoß für Holy Trinity ereignete sich am 21. Juli 1992, als nachts in die Kirche eingebrochen und unter dem Altar ein Feuer gelegt wurde; das Gebäude brannte vollkommen aus. Wer hatte diese Tat begangen? Man munkelte in Buckfastleigh, dass dieser Brand auf das Konto von Satanisten ging, die seit langer Zeit die Kirche und das Grab von Squire Richard Cabell als Treffpunkt für ihre Rituale auserkoren haben sollen. Hier ist ein Film über die Kirche.

Holy Trinity ist eine Ruine, lediglich der Turm hatte bei dem Brand keine größeren Schäden erlitten, und so kann man hin und wieder die Glocken der Kirche hören.

Über Buckfastleigh habe ich in meinem Blog zweimal geschrieben, einmal über den Buckfast Tonic Wine, der in der Abbey hergestellt wird, und über den Valiant Soldier, „the Pub where time was never called“.

Die Ruinen von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen von Holy Trinity.
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Famous Graves – John Locke in High Laver (Essex)

This work has been released into the public Domain.

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John Locke (1632-1704) gilt als einer der der wichtigsten Philosophen seiner Zeit und wird als Vater des Liberalismus bezeichnet, dessen Theorien die amerikanische Verfassung beeinflussten. Sein wichtigstes Werk war „An Essay Concerning Humane Understanding“ (dt. „Ein Versuch über den menschlichen Verstand“), das 1690 erschien.

John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington, östlich von Weston-super-Mare in Somerset geboren, studierte in Oxford und lebte eine Zeit lang in London; doch wirklich wohl fühlte sich der Philosoph in dem kleinen Dorf High Laver in der Grafschaft Essex, wo er bei seinen Freunden Sir Francis Masham und Lady Damaris Masham in deren Haus wohnte. Speziell zur Dame des Hauses pflegte Locke enge Beziehungen, denn auch sie war Philosophin und schrieb u.a. das Buch „A Discourse Concerning the Love of God“. Oates hieß der Wohnsitz der Mashams, in dem Locke einige seiner berühmten Werke schrieb und wo ihn nicht minder berühmte Zeitgenossen wie Isaac Newton besuchten.

Hier in High Laver starb Locke am 28. Oktober 1704 und begraben wurde er auf dem Kirchhof von All Saints, der hübschen Dorfkirche an der Tilegate Road. Außer den angrenzenden Farmgebäuden gibt es hier nur Wiesen und Weiden, der Philosoph kann also auch in seinem Grab noch die ländliche Ruhe genießen. Das Grabmal ist gleich das zweite rechts von der Kirchentür, wenn man auf All Saints zugeht und ist umgeben von einem Eisengitter, das anlässlich des 300. Todestages neu gestrichen wurde. Eine kleine Randbemerkung: John Locke wurde auch in einer Kirche namens All Saints getauft, in Wrington in Somerset.

Auf einer Plakette oberhalb des Grabes steht geschrieben:
In Grateful Memory of
JOHN LOCKE
1632-1704. Who Lies Buried Here.
His Philosophy Guided
The Founders Of
The United States Of America.
Erected By The American And
British Commonwealth Association
Of The United States. 1957.

Ein kleiner Film über das Leben von John Locke findet sich hier.

Mark Goldie von der University of Cambridge schrieb 2004 ein Buch über die Zeit, die Locke bei den Mashams in High Laver verbrachte: „John Locke and the Mashams of Oates„; veröffentlicht vom Churchill College in Cambridge.

High Laver liegt östlich von Harlow und der Autobahn M1 und nördlich der A414. Die Kirche All Saints findet man an der Kreuzung der Tilegate Road mit der High Laver Road. Das Haus Oates, in dem Locke lebte, existiert nicht mehr.

All Saints in High Laver (Essex).   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in High Laver (Essex).
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All Saints in Wrington (Somerset). Hier wurde John Locke getauft.   © Copyright John Lord and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in Wrington (Somerset). Hier wurde John Locke getauft.
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Published in: on 20. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Benjamin Disraeli in St Michael and All Angels beim Hughenden Manor (Buckinghamshire)

Eigenes Foto

Benjamin Disraeli (1804 – 1881) war ein bedeutender Politiker im 19. Jahrhundert. Der erste Earl of Beaconsfield war zweimal Ministerpräsident seines Landes, einmal für ein knappes Jahr 1868 und einmal von 1874 bis 1880. Davor diente er dem Vereinigten Königreich dreimal als Finanzminister. Disraeli ist bisher der einzige Premierminister mit jüdischen Wurzeln.

Der Earl of Beaconsfield wohnte in London, legte sich aber im Jahr 1848 einen Landsitz zu und zwar Hughenden Manor bei High Wycombe in Buckinghamshire. Er ließ das Ende des 18. Jahrhunderts gebaute Haus durch den Architekten Edward Buckton Lamb, der bereits mehrere Kirchen im Land entworfen hatte, nach seinen Vorstellungen umstrukturieren und wohnte hier bis zu seinem Tod am 19. April 1881.

Eine wichtige Person im Leben des Politikers war eine alte Dame namens Sarah Brydges Willyams, deren Bekanntschaft er 1851 machte und die eine Vertrauensstellung bei ihm einnahm. Er schrieb ihr zahlreiche Briefe, in denen er ihr seine politischen Überzeugungen darlegte. Die Beziehung zwischen den beiden wurde so eng, dass die vermögende Dame Disraeli mehrmals finanziell aus der Patsche half und ihm bei ihrem Tode rund £40 000 hinterließ, damals eine stolze Summe. Mrs Willyams stellte allerdings eine Bedingung: Sie wollte neben Benjamin Disraeli begraben werden, worauf sich der Earl of Beaconsfield auch gern einließ. Mrs Disraeli hatte damit offenbar auch keine Probleme.

So finden wir heute auf dem Kirchhof von St Michael and All Angels, der an der Zufahrt zum Hughenden Manor von der Valley Road aus liegt, eine Grabstelle mit einer Ménage à Trois: Dort liegt der ehemalige Premierminister Großbritanniens neben seiner Frau Mary Anne, die schon am 15. Dezember 1872 gestorben war, und neben seiner Vertrauten Sarah Brydges Willyams, die 1865 das Zeitliche segnete.

Wer den Ex-Premier mit seinen beiden Damen einmal besuchen möchte, der muss auf dem Kirchhof nicht lange suchen, denn das Grab ist direkt an der Westwand von St Michael and All Angels angebaut und mit einem blaugestrichenen Rundumgitter versehen. Es wird auch als „Primrose Tomb“ (Primelgrab) bezeichnet, denn die Primel war Disraelis Lieblingsblume und Queen Victoria, die das wusste, schickte zur Beerdigung einen Kranz, der ganz aus Primeln bestand.

Hughenden Manor gehört seit 1947 dem National Trust und ist ganzjährig zu besichtigen. Es liegt nördlich von High Wycombe und ist vom Zentrum der Stadt aus über die Hughenden Road und Valley Road (die A4128) zu erreichen.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Hughenden Manor.

Hughenden Manor.
Eigenes Foto

Famous Graves – Matthew Grimes, der Mann, der Napoleon bewachte, und sein Grab in Thornton-le-Dale (North Yorkshire)

Thornton-le-Dale in North Yorkshire an der A170 (Scarborough-Thirsk) ist ein Bilderbuchdorf mit wunderschönen, reetgedeckten Cottages, das es problemlos mit den „chocolate box villages“ von Inspector Barnabys Midsomer County aufnehmen kann. Direkt an der High Street steht die schöne All Saints Church, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde und seitdem über Thornton-le-Dale wacht. Auf ihrem Kirchhof ist ein Mann begraben, der im 19. Jahrhundert einmal eine der Berühmtheiten dieser Welt bewacht hat, die Rede ist von Matthew Grimes respektive Napoleon I.

Nach der Niederlage in der Schlacht von Waterloo hatte man ja Napoleon ins Exil geschickt, auf eine der entlegensten Inseln dieser Welt, nach St Helena, weit westlich von der afrikanischen Küste. Dort wohnte der einst so mächtige Herrscher in einem Haus in der Ortschaft Longwood.

Da die britische Regierung fürchtete, dass Napoleon von der Insel fliehen bzw. von dort befreit werden könnte, stellte man den Kaiser unter die Bewachung von Soldaten. Einer dieser Männer war Matthew Grimes, der auf der Fahrt von Indien nach England auf St Helena Station machte und gleich hierblieb, da man Aufsichtspersonal suchte. Die Soldaten schoben auf der Insel eine ruhige Kugel, denn mit dem Bewachen Napoleons hatten sie wirklich nicht viel zu tun, und so kam der Gouverneur auf die Idee, die Männer tagsüber beim Straßenbau einzusetzen (was vielleicht nicht unbedingt im Sinne der Soldaten war). Grimes schien sich aber auf St Helena ganz wohl gefühlt zu haben. Am 5. Mai 1821 starb Napoleon und Matthew Grimes war einer der Sargträger, der den Franzosen zu seiner (vor)letzten Ruhestätte brachte. Fast 20 Jahre später buddelte man den Kaiser wieder aus und brachte seine sterblichen Überreste nach Paris, wo er im Invalidendom beigesetzt wurde.

Ganz so pompös wie Napoleon liegt Matthew Grimes nicht auf dem Kirchhof von All Saints. Nachdem er im Jahre 1830 die Armee verlassen hatte, zog er nach Yorkshire, wo er in einem kleinen Cottage in der Nähe von Thornton-le-Dale wohnte. Im hohen Alter von 96 Jahren starb er am 30. Oktober 1875. Sein Grabstein wurde von „admiring friends of an old veteran“ errichtet, auf dem eingemeisselt ist, dass er zu Napoleons Wächtern auf St Helena gehörte und den Kaiser bis zu seinem Grab begleitete.

Ein Erinnerungsstück von Matthew Grimes findet man im York Castle Museum, nämlich seine Uniform, die man in diesem Jahr, anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Waterloo, ausgestellt hat.

Hier ist ein Film der BBC über M.G. und sein Grab in Thornton-le-Dale und wie es in dem hübschen Dorf in North Yorkshire aussieht, zeigt dieser Film.

Die All Saints Church an der High Street von Thornton-le-Dale.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die All Saints Church an der High Street von Thornton-le-Dale.
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Eines der schönen Cottages in Thornton-le-Dale.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eines der schönen Cottages in Thornton-le-Dale.
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Famous Graves – Robin Hoods Grab auf dem Gelände des Kirklees Estates in West Yorkshire

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Den Namen der fiktiven/realen (?) Figur Robin Hood bringt man eigentlich mit dem Sherwood Forest in Nottinghamshire in Verbindung, wo er mit seinen Spießgesellen sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Sein Ende fand der bis heute populäre Räuber aber in einem anderen Teil Englands, in West Yorkshire. Als sich der Outlaw während eines Aufenthaltes dort krank fühlte, suchte er die Kirklees Priory auf, in der Hoffnung, dass man ihm dort helfen würde. Die Priorin von Kirklees war Robins Cousine (in manchen Quellen steht, er war ihr Neffe) und da fühlte er sich in guten Händen. Aber da täuschte er sich gewaltig, denn sie hegte schon lange einen Groll gegen ihren Cousin. Sie wendete das Allheilmittel in der damaligen Zeit gegen alle möglichen Krankheiten an, den Aderlass. Sir Roger of Doncaster, einer der größten Widersacher Robin Hoods und der Geliebte der Priorin, stachelte die Frau an, den Outlaw verbluten zu lassen, was sie denn auch bereitwillig tat. Doch bevor sein Tod eintrat, nahm Robin noch einmal alle Kräfte zusammen und blies in sein Horn, was seinen engsten Freund Little John auf den Plan rief. Den bat er um Pfeil und Bogen, und seine letzte Tat war, einen Pfeil durch das offenstehende Fenster seines Krankenzimmers zu schießen. Dort, wo der Pfeil auftraf, wollte Robin begraben werden; sein Wunsch wurde von Little John erfüllt.

Robin Hoods Grab findet man ca 500 Meter von dem Torhaus der einstigen Kirklees Priory entfernt, dort, wo sein Krankenzimmer war. Die Priory selbst existiert schon lange nicht mehr. Es ist von Eisenpfählen umgeben, da früher immer mal wieder „Fans“ des Outlaws kleine Stückchen des Steins abmeißelten, die angeblich Zahnschmerzen heilen sollten.

Robin Hoods Grab steht auf privatem Gelände, ist also nicht ohne weiteres zugänglich. Der heutige Kirklees Estate zieht sich an der Wakefield Road entlang, der A644; die Zufahrt erfolgt über eine kleine Straße, die beim The Three Nuns Gasthof, von der Wakefield Road abgeht. Die nächstgelegene Ortschaft ist Mirfield.

Hier ist ein Film von einem Besuch am Grab Robin Hoods. Das seines Freundes Little John liegt übrigens in Hathersage in Derbyshire (ich schrieb in meinem Blog einmal darüber).

Das Kirklees mPriory Gatehouse.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kirklees Priory Gatehouse.
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Published in: on 26. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Sylvia Plath in Heptonstall (West Yorkshire)

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Es waren einmal zwei Dichter, die sich ineinander verliebten: Sylvia Plath, eine Amerikanerin aus Massachusetts (1932-1963) und Ted Hughes, ein Yorkshireman, der 1930 in dem kleinen Ort Mytholmroyd (West Yorkshire) geboren wurde. 1956 heirateten sie und hatten zwei Kinder miteinander: Frieda Rebecca und Nicholas Farrar. Ihr gemeinsamer Weg führte sie in die USA, zurück nach London und schließlich nach Devon. Sehr lang und glücklich sollte ihre Ehe nicht sein, denn auf der einen Seite litt Sylvia unter Depressionen, auf der anderen Seite ging Ted fremd und ging ein Verhältnis mit Assia Wevill ein. Am 11. Februar 1963 nahm sich Sylvia Plath in London das Leben, was ihren Ehemann schwer traf; auch Assia Wevill schied 1969 freiwillig aus dem Leben und nahm dabei ihre gemeinsame vierjährige Tochter mit.

1984 wurde Ted Hughes von der Königin zum Poet Laureate ernannt, was er bis zu seinem Tod am 28. Oktober 1998 blieb.

Der Dichter aus Yorkshire sorgte dafür, dass Sylvia Plaths sterbliche Überreste in die Nähe seines Geburtsortes gebracht wurden; er wählte dafür den Kirchhof von St Thomas the Apostle in dem kleinen Dorf Heptonstall in West Yorkshire aus, ein Nachbarort des bekannteren Hebden Bridge. Auf dem Grabstein findet sich die Inschrift „In Memory of Sylvia Plath Hughes 1932-1963“ mit dem Zusatz „Even amidst fierce flames the golden lotus can be planted„.

Sylvia Plath hatte viele Anhängerinnen, die es ihrem Ehemann nicht verzeihen konnten, dass er sie (angeblich) in den Tod getrieben hatte und so machten sich immer wieder einige von ihnen auf den Weg nach Heptonstall, um den Namenszug „Hughes“ vom Grabstein zu entfernen. Auch waren viele Sylvia Plath-Fans nicht damit einverstanden, dass ihre letzte Ruhestätte so nahe am Geburtsort ihres Ehemannes lag. Das kleine unscheinbare Grab auf dem Kirchhof von St Thomas the Apostle, das viele Besucher häufig vernachlässigt vorfanden, ist nach Meinung der Plath-Freunde ihrer Bedeutung nicht angemessen, und so wurde immer wieder der Ruf laut, ein größeres ansprechenderes Memorial zu errichten. Hier ist ein Film über Sylvias Grab.

Ted Hughes wurde übrigens nicht hier oben im Norden Englands bestattet, dort, wo er seine Kindheit verbracht hatte; seine Asche wurde im Dartmoor verstreut und ihm zu Ehren ein Granitgedenkstein in einer entlegenen Region des Dartmoors aufgestellt.

Über die Beziehung Sylvia Plaths zu Ted Hughes entstand 2003 der Film „Sylvia“ mit Gwynneth Paltrow in der Titelrolle und Daniel Craig als Ted Hughes. Hier ist der Trailer.

St Thomas the Apostle in Heptonstall (West Yorkshire).   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Thomas the Apostle in Heptonstall (West Yorkshire).
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Das Geburtshaus von Ted Hughes in Mytholmroyd (West Yoerkshire).   © Copyright Phil Champion and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Geburtshaus von Ted Hughes in Mytholmroyd (West Yoerkshire).
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Der Ted Hughes Memorial Stone im Dartmoor.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ted Hughes Memorial Stone im Dartmoor.
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Famous Graves – Das „Orgelgrab“ in Kildwick (North Yorkshire)

The Kildwick Organ Grave. With friendly permission of

The Kildwick Organ Grave.
With friendly permission of the Farnhill and Kildwick Local History Group.

„Berühmt“ ist dieses Grab auf dem Kirchhof von St Andrew’s in dem kleinen Ort Kildwick in North Yorkshire vielleicht nicht unbedingt, aber auf jeden Fall außergewöhnlich. Es besteht aus einem Grabstein, auf dem die Namen einiger verstorbener Mitglieder der Familie Laycock eingemeisselt sind, darunter auch der Name John Laycock, der 1809 geboren wurde und der 1898 starb. Das Besondere an dem Grab ist eine steinerne Miniatur-Orgel, die hier ziemlich naturgetreu aufgestellt ist. Auf dem Sockel steht „The above is from the design of the first organ built by the said John Laycock„. Jetzt braucht man nicht mehr lange raten, was besagter John Laycock von Beruf war; ja, er war Orgelbauer. Und seine erste Orgel, deren Abbild auf seinem Grab zu sehen ist, stand in einer Kirche in Cross Hills, also ca ein Kilometer südlich von Kildwick. Das Instrument wurde später in die Bingley Independent Methodist Church gebracht (Bingley liegt an der A650 zwischen Keighley und Bradford), wo sie noch heute zu sehen ist. Hier ist ein historisches Foto.

John Laycock wurde in Glusburn (North Yorkshire) geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Region. Eigentlich war er Weber und Stellmacher, doch als er eines Tages in den Besitz einer alten Orgel kam, sah er sich die genau an und machte sich daran, selbst eine zu bauen, was ihm auch gelang. Laycock hatte also den Beruf des Orgelbauers nie gelernt, er war ein Naturtalent. Von nun an widmete er sich ganz dem Bau von Orgeln und gründete in seinem Geburtsort eine eigene Firma, die dann nach Cross Hills wechselte und den Namen Laycock and Bannister trug. Bis in die 1970er Jahre existierte die Firma. In der Farnhill Methodist Church, an der Straße, die von Kildwick zum Nachbarort Farnhill führt, ist noch eine Laycock and Bannister-Orgel zu sehen, ebenso in der Kirche von Bolton Abbey, einige Kilometer weiter östlich.
Wie eine Orgel klingt, die John Laycock gebaut hat, kann man in diesem kleinen Film hören.

Ein großes Kompliment muss ich der Farnhill and Kildwick Local History Group machen, die mir die Genehmigung für die Verwendung des Orgel-Grab-Fotos gegeben hat. Auf den Webseiten kann man sich ausführlich über alles informieren, was es mit diesen beiden kleinen Orten in North Yorkshire auf sich hat und da gibt es eine Menge zu berichten, z.B. ist dort ein ausgezeichneter Artikel über die Verbindung zwischen Kildwick und den Brontës im nahegelegenen Haworth zu finden. Apropos Haworth: Der Steinmetz, der die Orgel auf dem Grab von John Laycock hergestellt hat und der Joseph Heaton hieß, kam aus dem Brontë-Ort.

Das Buch zum Artikel:
Bryan Hughes: John Laycock – Weaver and Organ Builder. Musical Opinion 2002. 96 Seiten. ISBN 978-0954407407.

Die St Andrew's Church in Kildwick.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Andrew’s Church in Kildwick.
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Die Parson's Bridge überbrückt den Leeds & Liverpool Canal und verbindet die beiden Teil des Friedhofs vo St Andrew's.    © Copyright Ian Murfitt and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Parsons Bridge überbrückt den Leeds & Liverpool Canal und verbindet die beiden Teile des Friedhofs von St Andrew’s.
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Famous Graves – Georgi Markov und sein Grab auf dem Kirchhof von St Candida and Holy Cross in Whitchurch Canonicorum (Dorset)

Whitchurch Canonicorum in Dorset, was für ein Ortsname in einer Grafschaft, in der man viele ähnlich ausgefallene Namen von Dörfern findet. Der im Westen Dorsets gelegene Ort rühmt sich einer Kirche, die ebenfalls einen ungewöhnlichen Namen führt: St Candida and Holy Cross. Die Gebeine der Heiligen Candida ruhen in einem Schrein in der Kirche. Wer das nun genau war, daran scheiden sich die Geister; irgendjemand, der vor weit über 1000 Jahren gelebt hat.

Au dem Kirchhof von St Candida and Holy Cross steht ein Grabstein, der an einen Mann erinnert, der durch seinen außergewöhnlichen Tod in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte eingegangen ist: Georgi Markov, ein 1929 in Sofia in Bulgarien geborener Schriftsteller und Dissident, der offen die kommunistische Führung seines Landes kritisierte und dadurch in Ungnade gefallen war. Seine Romane wie „Das Portrait meines Doppelgängers“ und „Die Frauen von Warschau“ wurden auch ins Deutsche übersetzt. Markov zog nach London, wo er in den 1970er Jahren u.a. für den BBC World Service und die Deutsche Welle arbeitete.
Nachdem der bulgarische Geheimdienst, mit Unterstützung des russischen KGB, bereits zwei erfolglose Mordversuche gegen Markov unternommen hatte, ereilte Markov das Schicksal am 7. September 1978 auf der Londoner Waterloo Bridge. Er spürte plötzlich einen schmerzhaften Stich am Oberschenkel und als er sich umdrehte, sah er wie ein Mann mit einem Regenschirm in der Hand eilig die Straße überquerte, in ein Taxi stieg und davonfuhr. Erst am Abend jenes Tages bekam er starkes Fieber und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er am 11. September starb. Wie sich bei der angeordneten Obduktion herausstellte, wurde Markov vergiftet, mittels einer winzigen Kugel, die der mysteriöse Mann auf der Waterloo Bridge mit Hilfe seines präparierten Regenschirms in den Oberschenkel Markovs geschossen hatte.
Als Hauptverdächtiger des „Regenschirmmords“ gilt ein Däne italienischer Abstammung, Francesco Gullino, der für den bulgarischen Geheimdienst gearbeitet haben soll, aber nie für die Tat belangt werden konnte. Die Dokumentation „The Umbrella Assassin“ aus dem Jahr 2006, hier zu sehen, setzt sich detailliert mit dem Fall auseinander.

Markovs Grabstein auf dem idyllischen Friedhof von Whitchurch Canonicorum trägt die Aufschrift:

IN MEMORY OF
GEORGI IVANOV MARKOV
NOVELIST & PLAYWRIGHT
MOST DEARLY LOVED BY
HIS WIFE ANNABEL
AND DAUGHTER SASHA
HIS FAMILY & HIS FRIENDS
BORN SOFIA 1.3.1929
DIED LONDON 11.9.1978
IN THE CAUSE OF FREEDOM

St  in Whitchurch Canonicorum.    © Copyright Mike Searle and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Candida and Holy Cross in Whitchurch Canonicorum.
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Hier auf der Waterloo Bridge ereignete sich der mysteriöse Regenschirm-Anschlag.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier auf der Waterloo Bridge in London ereignete sich der mysteriöse Regenschirm-Anschlag.
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Famous Graves – John Walker, der Erfinder des Streichholzes in St Mary the Virgin in Stockton-on-Tees (County Durham)

John Walkers Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin. Copyright: Chris. Creative Commons 2.0 Generic.

John Walkers Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.
Copyright: Chris.
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Der Ballungsraum von Middlesbrough, zu dem auch die Stadt Stockton-on-Tees im County Durham zählt, gehört sicher nicht zu den Orten Englands, wo die großen Touristenscharen anzutreffen sind. Stockton hat ca 85 000 Einwohner und liegt am River Tees, dessen langer Mündungstrichter hier beginnt.
Im Ortsteil Norton liegt die Gemeindekirche St Mary the Virgin, auf deren Friedhof man das Grab eines Mannes findet, der einen Gegenstand erfunden hat, der weltweit täglich wohl milliardenfach verwendet wird: Das Streichholz. John Walker heißt er und er lebte von 1781 bis 1859. Er wurde in Stockton-on-Tees geboren, er arbeitete hier und er starb hier. Von Beruf war John Walker Apotheker und Drogist; sein Laden, den er 1819 eröffnete, war in der High Street Nummer 59. Hier erfand er eines Tages durch eine Reihe von Experimenten das Streichholz, das er seinerzeit „Congreve“ nannte, nach den Congreveschen Raketen, deren Treibsatz aus einer schwarzpulverähnlichen Masse bestand.

Der erste Käufer dieser neuen Erfindung war ein örtlicher Rechtsanwalt und der Kauf wurde am 7. April 1827 getätigt.  Aus irgendeinem Grund ließ sich John Walker seine Erfindung nicht patentieren, er experimentierte lieber mit anderen Dingen weiter, sonst hätte er wohl ein reicher Mann werden können. Der Apotheker heiratete nie, sondern lebte mit seiner Nichte zusammen. Ein bisschen exzentrisch war er schon, was sich auch durch seine ungewöhnliche Kleidung manifestierte, die oft aus einem hohen Filzhut, Kniebundhosen und einem Frack bestand.

Da John Walker den größten Teil seines Lebens in Stockton-on-Tees verbracht hatte, war es sehr in seinem Sinne, dass er hier auch seine letzte Ruhestätte fand. Auf seinem Grabstein, dessen Inschrift schon recht verwittert ist, steht „highly respected by all who knew him„. Vielleicht sollten wir, wenn wir demnächst ein Streichholz benutzen, einen kleinen Moment an den Apotheker aus Stockton-on-Tees denken.

Walkers Laden in der High Street 59 steht schon lange nicht mehr, aber eine Plakette erinnert an den Standort; das gilt auch für sein Geburtshaus in der High Street 104. Dort, wo das Haus einmal stand und wo sich jetzt das Castlegate Shopping Centre befindet, hat die Stadt Stockton-on-Tees eine Bronzebüste aufgestellt und eine Stahltafel angebracht.

John Walker (1781-1859). This image is in the public domain because its copyright has expired.

John Walker (1781-1859).
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Published in: on 13. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Coco the Clown in Woodnewton (Northamptonshire)

Cocos Grab in Woodnewton.    © Copyright Kokai and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cocos Grab in Woodnewton.
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Auf dem Kirchhof von St Mary’s in Woodnewton in Northamptonshire steht ein Grab, in dem einer der berühmtesten Clowns des 20. Jahrhunderts beerdigt ist: Nikolai Poliakoff alias Coco the Clown. Am 25. September 1974 starb der Mann, der unzähligen Kindern und Erwachsenen Freude bereitet hat, im Krankenhaus von Peterborough (Cambridgeshire). Ein Jahr zuvor hatte er sich im Alter von 73 Jahren nach Woodnewton zurückgezogen, ein Dorf im Osten der Grafschaft Northamptonshire, ganz in der Nähe des Rockingham Castles. Seine Frau Valentina, die er 1919 geheiratet hatte und die 1983 starb, liegt neben ihm.

Nicolai Poliakoff (es gibt auch andere Schreibweisen) stammt aus dem heutigen Litauen und entdeckte seine Liebe zum Zirkus schon im Alter von acht Jahren, als er sich einem Wanderzirkus anschloss und unter der Ägide des damals berühmten Rudolfo Truzzi das Handwerk des Artisten von der Pike auf lernte. Stationen seines Lebens auf der Wanderschaft waren der Russische Staatszirkus, Circus Busch und der Bertram Mills Circus in Großbritannien, für den Poliakoff viele Jahre arbeitete. Er und seine Frau fühlten sich in England sehr wohl und erhielten 1949 die britische Staatsbürgerschaft.

Poliakoff war damals im ganzen Land als Coco the Clown bekannt, seine Markenzeichen: Übergroße Schuhe und  seine Haare, die er mit einem Trick aufstellen konnte. Der Zirkusmann machte aber noch durch andere Aktionen von sich reden, denn erkümmerte sich um das Thema „Verkehrssicherheit für Kinder“, das im sehr am Herzen lag. Für dieses Engagement wurde Poliakoff 1963 mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet.

Nicolai und Valentina hatten sechs Kinder, von denen mehrere auch den Clownsberuf ausübten; am bekanntesten wurde Michael, der älteste Sohn. Er war es, der für die US-Burgerkette McDonalds die Figur des Ronald McDonald neu gestaltete, in der Form wie wir sie noch heute kennen. Michael starb 2009 im Alter von 86 Jahren in den USA.

Coco the Clown wurde 1991, 17 Jahre nach seinem Tod, in die International Clown Hall of Fame aufgenommen, die ihren Sitz in Baraboo im US-Bundesstaat Wisconsin hat.

Hier ist ein kurzer Film über Nikolai Poliakoff zu sehen, der ihn beim Schminken zeigt..

St Mary's Church in Woodnewton.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Church in Woodnewton.
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Published in: on 10. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Ian Fleming in Sevenhampton (Wiltshire)

Ian Flemings Grabstein auf dem Friedhof von St James in Sevenhampton.    © Copyright Nicholas Mutton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ian Flemings Grabstein auf dem Friedhof von St James in Sevenhampton.
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Über das Mini-Dorf Sevenhampton in Wiltshire, nördlich von Swindon, gibt es wenig zu berichten, außer, dass sich hier einmal einer der berühmtesten Schriftsteller Englands niedergelassen hat, dessen Grabmal auf dem Kirchhof von St James zu finden ist. Ian Fleming, Schöpfer des Geheimagenten 007 James Bond, wohnte die letzten Jahre seines Lebens in Warneford Place, einem Herrenhaus in Sichtweite der Dorfkirche. In meinem gestrigen Blogeintrag erwähnte ich das Haus als Ziel eines Einbruchs der Johnson Gang. Fleming kaufte das heruntergekommene Anwesen Warneford Place im Jahr 1959 und baute es neu als Sevenhampton Place auf. Der Schriftsteller wollte eigentlich auf seinem Landsitz etwas kürzer treten und sich in das bescheidene Gemeindeleben von Sevenhampton einbringen, doch sein frühzeitiger Tod machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Am 12. August 2014 jährte sich Flemings Todestag zum fünfzigsten Male. Am 15. August 1964, drei Tage nach seinem Tod in Canterbury (Kent) wurde er auf dem Friedhof von St James beigesetzt. Den Riesenerfolg des Bond-Films „Goldfinger“, der einen Monat nach seinem Tod in die Kinos kam, sollte er nicht mehr miterleben.

Ian Fleming ist unter einem Obelisken begraben, der die lateinische Inschrift „Omnia perfunctus vitae praemia marces“ trägt, was soviel wie „Du rottest hier vor dich hin, nachdem du ein großartiges Leben gehabt hast“ bedeutet. Der Satz stammt von dem römischen Dichter Lukrez.
Das schon leicht verwitterte Grabmal trägt weiterhin Inschriften, die darauf hinweisen, dass auch Flemings Frau Ann Geraldine Mary Fleming und ihr gemeinsamer Sohn Caspar Robert Fleming hier begraben liegen.
Ann starb 1981; ihre Plakette auf dem Obelisken hat die Inschrift „There is none like her, none„, aus einem Gedicht von Alfred, Lord Tennyson entnommen.
Caspar nahm sich 1975 im Alter von 23 Jahren das Leben; seine Plakette trägt neben seinem Namen und seinen Lebensdaten den Zusatz „to cease upon the midnight with no pain„, ein Zitat aus John Keats‘ „Ode to a Nightingale“.  Für Caspar hatte Ian Fleming das Buch „Chitty Chitty Bang Bang“ geschrieben.

Die Beeerdigungsfeier für Ian Fleming fand im engsten Familien- und Freundeskreis in St James in Sevenhampton statt. Ein Memorial Service wurde in der Londoner Kirche St Bartholomew the Great abgehalten.

Die Dorfkirche steht an der rechten Seite vom Ortsausgang, wenn man in nordöstlicher Richtung zur B4000 fährt. Die private, durch ein Tor geschlossene Zufahrt zu Flemings früherem Haus liegt, ebenfalls an der rechten Seite, ca 200 Meter entfernt.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Lycett: Ian Fleming. St Martin’s Press 2013. 496 Seiten. ISBN 978-1250037985.

St James in Sevenhampton (Wiltshire).    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St James in Sevenhampton (Wiltshire).
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Das einzige „Nazi-Grab“ in London, ein treuer Hund und ein deutscher Botschafter

Über die deutsche Botschaft in London habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Doch das Haus am Belgrave Square 23 war nicht immer der Sitz der deutschen Auslandsvertretung. Vorher lag die Botschaft an der Carlton House Terrace in der City of Westminster, in dem Gebäude, in dem heute die Royal Society ansässig ist.

Von 1932 bis 1936 war hier der Diplomat Leopold von Hoesch Repräsentant des Deutschen Reichs, ein Mann, der in den politischen Zirkeln Englands sehr angesehen war und der über gute Beziehungen zum Königshaus verfügte. Hoesch besass einen Schäferhund namens Giro, den er sehr liebte und der gern im Garten der Botschaft spielte. Eines Tages im Februar 1934 starb der arme Kerl, als er an einer elektrischen Leitung knabberte, die unter Strom stand. Es machte Zisch und Giro war nicht mehr. Der todtraurige Botschafter ließ ihn im Garten beerdigen und einen Grabstein mit der Inschrift „Giro“ – Ein treuer Begleiter“ anfertigen und setzte seinen Nachnamen „Hoesch“ darunter.

Giro the Nazi Dog“ nannte man dieses einzige kleine „Nazi-Denkmal“ in England, obwohl weder Giro noch sein Herrchen der Botschafter Nazis waren. Giros Grabstein steht unter einem kleinen Holzdach hinter einem Gitter direkt zwischen der Duke of York-Säule und dem ehemaligen Botschaftsgebäude.

Der Botschafter Leopold von Hoesch starb am 10. April 1936 in London an einem Herzschlag und wurde unter großen Ehren aus der Stadt verabschiedet und nach Deutschland transportiert. Hier ist ein Film von den Londoner Feierlichkeiten.

Kaum jemand, der heute an der Straße Carlton House Terrace entlang geht, weiß, dass noch immer ein kleines Grabmal an einen treuen Hund erinnert, der vor über 80 Jahren hier in der ehemaligen deutschen Botschaft starb.

Die ehemalige deutsche Botschaft an der Carlton House Terrace. Author: Kaihsu Tai. his file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die ehemalige deutsche Botschaft an der Carlton House Terrace.
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Published in: on 16. Januar 2015 at 02:44  Comments (1)  
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Famous Graves – Lord Byrons Hund Boatswain in der Newstead Abbey

Boatswains letzte Ruhestätte in Newstaed Abbey.    © Copyright Trevor Rickard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Boatswains letzte Ruhestätte in Newstead Abbey.
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Lord George Gordon Noel Byron (1788-1824), Dichter, Freiheitskämpfer und Liebling der Frauen, liebte Tiere; ob es sich nun um Affen, Pferde, Katzen handelte, der Lord besaß mehrere davon. Auch ein Bär, ein Fuchs und ein Papagei waren einmal in seiner Obhut. Aber sein größter Liebling war sein Neufundländer, dem er den Namen Boatswain, also Bootsmann, gab. Der Hund wurde 1803 geboren und er verendete jämmerlich an Tollwut, die damals in England weit verbreitet war und an der zahlreiche Menschen und Tiere starben. Lord Byron war sich wohl nicht bewusst, woran sein Hund erkrankt war, denn es bestand durchaus die Gefahr, dass er von Boatswain gebissen werden und selbst erkranken konnte. Vielleicht war es ihm auch egal, denn er pflegte seinen geliebten Freund bis zum bitteren Ende.

In Gedenken an Boatswain ließ Byron auf dem Familiensitz Newstead Abbey in Nottinghamshire ein Denkmal für den Hund bauen, unter dem er beigesetzt wurde. Der Anfang der Grabinschrift, die von Byrons Freund John Cam Hobhouse entworfen wurde, lautet:

„Near this Spot
are deposited the Remains of one
who possessed Beauty without Vanity,
Strength without Insolence,
Courage without Ferocity,
and all the virtues of Man without his Vices.

This praise, which would be unmeaning Flattery
if inscribed over human Ashes,
is but a just tribute to the Memory of
Boatswain, a Dog
who was born in Newfoundland May 1803
and died at Newstead Nov. 18th, 1808″

Hier ist das komplette Gedicht „Epitaph to a Dog“, vorgelesen.

In seinem Testament legte Byron fest, dass er zusammen mit seinem Hund beerdigt werden wollte. Dazu kam es aber nicht, denn die Abbey gehörte zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 1824 einem neuen Besitzer und so wurde er ganz in der Nähe im Familiengewölbe der Byrons in St. Mary Magdalene in Hucknall (Nottinghamshire) beigesetzt; ich berichtete in meinem Blog darüber.

Eine kleine Kuriosität am Rande: Lord Byron hatte unzählige Geliebte und weibliche Fans, die ihm in ihren Briefen abgeschnittene Locken von sich mitschickten. Der Dichter revanchierte sich und schickte den Damen ebenfalls Locken, nur sagte er nicht, dass es nicht seine, sondern die seines Hundes Boatswain waren…

 

Published in: on 20. Dezember 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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T.S. Eliots und William Dampiers letzte Ruhestätten in St Michael & All Angels in East Coker (Somerset)

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„In my beginning is my end, in my end is my beginning“, so heißt es in dem Gedicht „East Coker„, das T.S. Eliot 1940 als Teil der „Four Quartets“ veröffentlichte. Unter dem Titel „Vier Quartette“ erschien die Gedichtsammlung 1948 auch in deutscher Sprache. Der 1888 in St Louis in Missouri geborene Lyriker und Nobelpreisträger, der 1927 britischer Staatsbürger wurde, hielt sich 1937 in Somerset auf und besuchte dort East Coker, ein 1700-Seelen-Dorf südlich von Yeovil, und die Kirche St Michael & All Angels. Hier hatte im 17. Jahrhundert einer von Eliots Vorfahren gearbeitet, Reverend Andrew Elyot, der 1669 in die Neue Welt auswanderte. Dessen Wirkungsstätte wollte T.S. sehen und ihm gefiel die Kirche so gut, dass er den Wunsch äußerte, hier einmal beigesetzt zu werden. Eliot starb 1965 in seinem Haus in den Kensington Court Gardens in London, wurde im Golders Green Crematorium eingeäschert und seine Asche brachte man wunschgemäß nach East Coker. Eine Plakette an der Wand von St Michael & All Angels erinnert an den großen Lyriker.

Nur ein paar Meter von Eliots Plakette entfernt, findet man eine andere, die einen Mann ehrt, der 1651 in East Coker geboren wurde: William Dampier umrundete dreimal den Globus und unternahm dabei Forschungsarbeiten. Er hatte auch eine dunkle Seite, denn er unternahm zahlreiche Kaperfahrten als Freibeuter, bei denen er es auf spanische und französische Schiffe abgesehen hatte. Bei seiner dritten Erdumrundung nahm er den Seemann Alexander Selkirk an Bord, der über vier Jahre ganz allein auf einer der Juan Fernandez-Inseln westlich von Chile gelebt hatte und der später als Robinson Crusoe in die Weltliteratur Eingang fand. Dampier starb 1715 in London und er wurde auf dem Kirchhof von St Michael & All Angels in einem heute unbekannten Grab beigesetzt. Sein Buch „Voyage Around the World“ erschien 2012 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Neue Reise um die Welt: Ein Pirat erforscht die Erde“ im Berliner Verlag der Pioniere, ein gewaltiges Werk von über 1000 Seiten.

Die Bewohner von East Coker sträuben sich nach wie vor gegen Pläne, direkt vor der Haustür eine riesige Neubausiedlung anzulegen, die den Charakter des Dorfes ihrer Meinung nach stark in Mitleidenschaft ziehen würde. Hier ist ein Film über das (bis jetzt) idyllische Dorf; dieser Film zeigt den Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt.

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Famous Graves – St Mary’s Church in Denham (Buckinghamshire) und Sir James Martin, der Erfinder des Schleudersitzes

St Mary's in Denham (Buckinghamshire). Eigenes Foto.

St Mary’s in Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Von meinem Besuch in Denham (Buckinghamshire) berichtete ich bereits mehfach in meinem Blog. Die Gemeindekirche St Mary’s war schon einige Male in der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ zu sehen; so heiratete Cully ihren Simon in dieser Kirche in Episode 60 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in Rot“) und in der zuletzt im britischen Fernsehen gesendeten Episode 100 „The Killings of Copenhagen“ (dt. „Barnaby muss reisen“) sind Szenen von der Kirche und dem umliegenden Kirchhof zu sehen. Der ehemalige Produzent der Fernsehserie Brian True-May heiratete hier 1969 seine Frau Maureen. Der Schauspieler Sir John Mills, der jahrelang gleich neben der Kirche wohnte, liegt auf dem Friedhof begraben und ebenfalls Sir James Martin, der in die Geschichte der Militärluftfahrt einging als Erfinder des Schleudersitzes und der dadurch zahlreichen Jetpiloten das Leben rettete. Man spricht von über 7000!

In Loving Memory of Sir James Martin CBE Knight Bachelor Engineer and Inventor who devoted his life to Aviation“ steht auf seinem Grabstein zu lesen und eingraviert sind ein Miltärjet und ein Schleudersitz.

Sir James Martin (1893-1981) gründete zusammen mit Captain Valentine Baker in den 1930er Jahren die Firma „Martin-Baker Aircraft Company Ltd„, die ursprünglich Flugzeuge baute. James Martin dachte immer wieder darüber nach wie Piloten in einem Notfall aus einem Flugzeug gerettet werden könnten, bis er schließlich auf die Idee mit dem Schleudersitz kam, der am 24. Juli 1946 erstmals über dem Chalgrove Airfield in Oxfordshire in einer Maschine des Typs Gloster Meteor in einer Höhe von 2400 Metern getestet wurde. Dieser Flugplatz wird noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke genutzt. Der weltgrößte Hersteller von Schleudersitzen hat schon über 70 000 dieser Lebensretter gebaut und in 93 Länder exportiert. Hier ist ein historischer Film aus dem Jahr 1955 vom Chalgrove Airfield, auf dem auch Sir James zu sehen ist.

Sir James Martin gründete 1957 den exklusiven Ejection Tie Club, in den nur Piloten aufgenommen werden, die mit Hilfe eines Martin-Baker Schleudersitzes in einem Notfall aus ihren Flugzeugen katapultiert worden sind. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit über 5800.

Der Firmensitz von Martin-Baker liegt dort, wo ihr Gründer seine letzte Ruhestätte gefunden hat, in Denham, genauer gesagt am Ende der Lower Road in Higher Denham. Hier ist ein Firmenvideo.

Das Chalgrove Airfield in Oxfordshire, das noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke benutzt wird.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Chalgrove Airfield in Oxfordshire, das noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke benutzt wird.
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