Der Holy Trinity Churchyard in Penn (Buckinghamshire)

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Fährt man durch die Region zwischen Amersham und High Wycombe in Buckinghamshire, gerät man schnell in ein Wirrwarr von kleinen Straßen, die zu Ortschaften mit ähnlichen Namen führen wie Knotty Green und Forty Green, Penn und Penn Street, da kann man sich sehr schnell verfahren.

Die Familie Penn war lange Zeit der „Platzhirsch“ in dem Dorf, das nach ihr benannt wurde. William Penn (1644-1718) gab der Kolonie Pennsylvania in Amerika ihren Namen. In der Holy Trinity Church wimmelt es nur so von Denkmälern für die Nachfahren William Penns; doch mit dieser Familie möchte ich mich mit meinem heutigen Blogeintrag nicht weiter beschäftigen, sondern mit einigen Persönlichkeiten, die auf dem Kirchhof beigesetzt sind.

Beginnen wir mit David Blakeley (1929-1955), der in den 1950er Jahren als Rennfahrer von sich reden machte. Doch wäre er heute längst vergessen, wenn er nicht mit 26 Jahren ein frühes Ende gefunden hätte: Er wurde ermordet, und zwar von seiner Geliebten, Ruth Ellis, die wiederum in die Annalen der britischen Kriminalgeschichte eingegangen ist, als die letzte Frau, die im Vereinigten Königreich hingerichtet wurde (am 13. Juli 1955).  „David Moffett Drummond Blakely, 1929-1955. He was great of heart, courtly and courageous“ steht auf dem Grabstein, der auf Parzelle 40 auf dem Holy Trinity Churchyard zu finden ist. Ruth Ellis wurde nur wenige Kilometer entfernt beigesetzt, auf dem Kirchhof von St Mary’s in Old Amersham, und zwar auf dem Teil des Friedhofes, der ein Stück von der Kirche entfernt ist. Besucht ihr Geist hin und wieder das Grab ihres erschossenen Geliebten? Möglicherweise, meint Eddie Brazil (s. meinen Blogeintrag über sein Buch „Bloody British History – Buckinghamshire“) in diesem kurzen Film.

Donald Duarte Maclean (1913-1983) war ein Mann, der in Großbritannien keinen guten Ruf genoss, denn er war ein Spion in Diensten der Sowjetunion. Zusammen mit Guy Burgess, Kim Philby und Anthony Blunt bildete er den Spionagering The Cambridge Four. Kurz bevor Maclean enttarnt wurde, setzte er sich in die Sowjetunion ab, wo er für den KGB arbeitete. Nachdem er am 11. März 1983 in Moskau gestorben war, holte man seine Asche nach England und verstreute sie auf dem Grab seiner Eltern Donald and Gwendolen Maclean auf dem Holy Trinity Churchyard in Penn.

Alison Uttley (1884-1976) war eigentlich Physikerin, ist aber als Autorin von zahlreichen Kinderbüchern in Erinnerung geblieben. Sie lebte im nahegelegenen Beaconsfield und radelte häufig zum Gottesdienst zur Holy Trinity Church in Penn, wo sie auch ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Auf ihrem Grabstein stehen nur die wenigen Worte „A Spinner of Tales“. Alison Uttley erfand Geschichten um Little Grey Rabbit, Little Red Fox und Sam Pig. Einige ihrer Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt, die Titel trugen wie „Sam Schweinchens Abenteuer“, „Häschen auf dem Eis“ oder „Benni Borstel und die Maikönigin“. Hier ist eine ihrer Geschichten als Film zu sehen. Auf Parzelle 69 kann man Alisons Grab besuchen.

Louisa Garrett Anderson, C.B.E., M.D., Chief Surgeon Women’s Hospital Corps 1914-1919. Daughter of James George Skelton Anderson and Elizabeth Garrett Anderson of Aldeburgh, Suffolk. Born 28th. July 1873, died November 15th. 1943. We have been gloriously happy“ , so steht es auf dem Grabstein der Frau, die sich als Ärztin und Frauenrechtlerin einen Ruf erwarb. Das „We“ bezieht sich auf ihre engste Vertraute Flora Murray (1869-1923), ebenfalls Ärztin und Suffragette, die gemeinsam mit ihr hier beerdigt worden ist.

Wichtig: Bitte nicht die Holy Trinity Church in Penn mit der gleichnamigen Kirche in Penn Street verwechseln!!
Hier sind die Glocken von Holy Trinity in Penn zu hören.

Über Penn und Penn Street schrieb ich bereits in Zusammenhang mit der „Inspector Barnaby“-Krimiserie, denn wir befinden uns hier tief im Midsomer County.

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Published in: on 3. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Emmeline Pankhurst auf dem Londoner Brompton Cemetery

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Suffragette: Taten statt Worte“ heißt der Spielfilm, der Anfang des Jahres in die deutschen Kinos kam (hier ist der Trailer dazu) und  der bereits am 7. Oktober 2015 beim Londoner Film Festival in Großbritannien seine Premiere feierte. Mit Meryl Streep, Carey Mulligan und Helena Bonham Carter ist er hochkarätig besetzt. Der Film schildert die wahren Ereignisse Anfang des 20. Jahrhunderts um die Feministin Emmeline Pankhurst (gespielt von Meryl Streep), die das Ziel verfolgte, das Wahlrecht für Frauen in Großbritannien zu erkämpfen.

Emmeline Pankhurst wurde 1858 als Emmeline Goulden in Manchester geboren und starb 1928 im Londoner Stadtteil Hampstead. Ihr Lebenswerk beinhaltete den ständigen Kampf um die Verbesserung der Frauenrechte in Großbritannien. Drei Wochen nach ihrem Tod trat das allgemeine Wahlrecht für Frauen in Kraft.

In diesem Blogeintrag möchte ich aber nicht weiter auf Emmeline Pankhursts Lebenswerk eingehen, sondern in meiner Reihe „Famous Graves“ auf ihr Grab, das auf dem Londoner Brompton Cemetery zu finden ist. Dieser Friedhof gehört zu den sogenannten „Magnificent Seven“ Londons und liegt im Royal Borough of Kensington and Chelsea, direkt neben dem Stadion Stamford Bridge, in dem der Chelsea FC seine Heimspiele austrägt. 1839 wurde er eröffnet und umfasst heute rund 35 000 Gräber.

Die Inschrift auf Emmeline Pankhursts Grab überrascht etwas, denn dort steht „In Loving Memory of Emmeline Pankhurst, Wife of R.M.Pankhurst LLD, At Rest June 14 1928″; eine überaus engagierte Frauenrechtlerin, auf deren Grabstein nur „Frau von…“ eingemeisselt ist? Die Grabstelle, die man am nördlichen Ende des Friedhofs findet, besteht aus einem keltischen Kreuz aus rotem Sandstein, darauf zwei Engel und die ausgestreckte Hand Gottes; darunter sieht man eine Figur mit einem Heiligenschein. Julian Phelps Allan (1892-1996) hat den Grabstein entworfen, eine Künstlerin (!), die eigentlich Eva Dorothy Allan hieß, sich aber einen männlich klingenden Namen zulegte, um in der von Männern dominierten Welt der Bildhauer ernst genommen zu werden.

Dass Emmeline Pankhurst auch heute noch Verehrerinnen hat, zeigen die Blumen, die man immer wieder an ihrem Grab vorfindet.
Geehrt wird die Suffragette auch noch mit einem Denkmal in den Victoria Tower Gardens in Westminster und mit einer blauen Plakette an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Londoner Clarendon Road Nummer 50. Hier ist ein Film über sie.

Die Waliser Band Manic Street Preachers widmete der Frauenrechtlerin den Song „Emily“ auf ihrem Album „Lifeblood“.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.
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Author: Edwardx Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Author: Edwardx
Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road.
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Der Londoner Abney Park Cemetery – Ein verwunschener Friedhof in Stoke Newington

Das Eingangstor zum Abney Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zum Abney Park.
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Der Abney Park Cemetery in Stoke Newington, also im Norden Londons, ist einer der sogenannten Magnificent Seven – das sind sowohl landschaftlich als auch architektonisch besonders schön gestaltete Friedhöfe in der Stadt aus dem 19. Jahrhundert. Der Abney Park Cemetery gehört zu den weniger bekannten dieser Glorreichen Sieben; bekannter sind da der Highgate Cemetery und der Kensal Green Cemetery.

Abney Park liegt inmitten eines dicht besiedelten Wohngebietes und man erreicht den Friedhof durch ein im ägyptischen Revival-Stil erbautes Eingangstor, das der viktorianische Architekt William Hosking entworfen hat, der auch für den Bau der Kapelle im Zentrum des Parks verantwortlich war, eine der ersten nicht konfessionsgebundenen Kirchen Europas. 1840 wurde die Abney Park Chapel eingeweiht. In den 1980er Jahren verursachte ein Feuer schwere Schäden und Vandalismus tat ein übriges, um die Kirche für die Öffentlichkeit zu sperren. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten haben aber mittlerweile stattgefunden, so dass die Kapelle bald wieder zur Verfügung stehen wird.

Über 200 000 Menschen sind auf dem Friedhof beigesetzt worden, dessen Gräber in vielen Fällen von Pflanzen überwuchert worden sind. Manche Grabsteine sind umgekippt, so dass hier eine ziemlich unheimliche Atmosphäre herrscht, ein Paradies für Horrorfilm-Regisseure.

Mehrere Musikvideos haben den Abney Park Cemetery als Hintergrund, darunter Amy Winehouses großartiges „Back to Black„, in dem auch die Kapelle zu sehen ist.
Dr John Cooper Clark & Hugh Cornwells Version des alten John Leyton Songs „Johnny Remember Me“ wurde ebenfalls im nächtlichen unheimlichen Abney Park gedreht wie auch „Celestica“ der kanadischen Band Crystal Castles.

Der Friedhof kam in den letzten Jahren immer wieder in Verruf, weil hier nachts Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll überhand nahmen und sich die Anwohner bei der Polizei beschwerten. Die düstere Atmosphäre zieht leider auch zwielichtige Elemente an. Der Abney Park Trust kümmert sich um den Erhalt dieses außergewöhnlichen Parks.
Dieser eindrucksvolle Film zeigt Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Friedhof verbunden sind (der Film beginnt erst nach 22 Sekunden und dauert 30 Minuten, nicht wie angegeben 55 Minuten).

Der Friedhof ist ganzjährig täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Abney Park
Stoke Newington High Street,
London N16 0LH

Abney Park Chapel.   © Copyright Ian S and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Abney Park Chapel.
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Grabmal für einen im Dienst getöteten Polizisten.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Grabmal für William Tyler, einen im Dienst getöteten Polizisten.
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Published in: on 28. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schiffbruch der „Hera“ am Gull Rock vor der Südküste Cornwalls am 31. Januar 1914

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.
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Der Gull Rock, einige hundert Meter vom Nare Head an der Südküste Cornwalls entfernt, war ein für die Schifffahrt berüchtigter Felsen im Meer. Gerade bei schlechter Sicht kollidierten immer wieder Schiffe an ihm. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1914 kam der deutsche Frachter „Hera“ auf dem Weg von Chile, beladen mit Guano, bei sehr schlechtem Wetter dicht an der Küste vorbei und krachte gegen den Felsen. Die „Hera“ legte sich auf die Seite und die Besatzung versuchte, in die Rettungsboote zu steigen, doch zwei von ihnen drifteten ab und nur eines war einsatzbereit, in das sich einige Männer flüchteten und das bald darauf voll Wasser lief. Signalraketen wurden in der Hoffnung abgeschossen, dass dadurch jemand auf die Notsitaution aufmerksam gemacht würde, was auch der Fall war. Das Seenotrettungsboot in Falmouth wurde alarmiert, das jedoch erst einige Stunden später an der Unglücksstelle eintraf. Nur fünf Männer konnten gerettet werden. Am nächsten Tag spülte das Meer Wrackteile und tote Seeleute an den Strand.

Insgesamt konnte man zwölf Tote bergen, die alle auf dem Kirchhof von St Symphorian in Veryan (Cornwall) beigesetzt wurden und zwar in einem Reihengrab von fast dreißig Meter Länge, was wohl das längste Grab Großbritanniens sein dürfte. Am 4. Februar fand die Beisetzungsfeier statt, die etwa 700 Bewohner aus Veryan und den umliegenden Orten besuchten. Die Namen der toten deutschen Seeleute wurden auf einem Marmorgedenkstein eingraviert. Auch nach mehr als hundert Jahren wird das Veryan Long Grave noch heute gehegt und gepflegt. Anlässlich des 100. Jahrestages des Schiffsunglücks gab es auf dem Kirchhof von St Symphorian noch einmal eine kleine Gedenkfeier, an der eine über hundert Jahre alte Dame teilnahm, die damals als kleines Baby auf dem Arm ihrer Mutter die Beerdigung der Seeleute erlebte.

Veryan liegt an der Roseland Heritage Coast westlich von Portloe.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).   © Copyright Dave Kelly and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).
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Famous Graves – Richard Cabells Grabmal in Buckfastleigh (Devon)

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.
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Im 17. Jahrhundert lebte in Buckfastleigh (Devon) am Rande des Dartmoors ein Mann, den man getrost als Stinkstiefel bezeichnen kann. Squire Richard Cabell quälte und misshandelte jeden, der ihm unter die Finger kam, egal, ob es sich dabei um seine Frau, seine Kinder, seine Diener oder um Tiere handelte. Er war damals der meistgehasste Mann in der Region, dem man nachsagte, dass er seine Seele dem Teufel verschrieben hatte. Es ging sogar das Gerücht um, Squire Cabell hätte seine Frau ermordet.
Ganz plötzlich starb der Mann am 5. Juli 1677 und man kann nicht sagen, dass die Trauer in Buckfastleigh besonders groß war. Ob es bei seinem Tod mit rechten Dingen zuging? Man forschte damals lieber nicht nach, vielleicht hatte ja jemand etwas nachgeholfen, aber das wollte niemand so genau wissen. Richard Cabell wurde auf dem Kirchhof der Holy Trinity Church im Familiengrab beigesetzt und in der Nacht soll eine Meute von riesigen Hunden aus dem Dartmoor gekommen sein, die an seinem Grab heulten und jaulten. Den Dorfbewohnern war das alles zuviel und so verbarrikadierten und vergitterten sie das Grabmal und legten einen großen schweren Stein auf die Grabstelle, um sicherzugehen, dass Cabell nicht daraus entfliehen konnte. Viele Menschen machten einen große Bogen um Cabells letzte Ruhestätte, denn immer wieder hörte man Berichte über unheimliche Vorgänge dort und oft waren die besagten Hunde aus dem Dartmoor involviert.

Sir Arthur Conan Doyle soll von der Geschichte gehört und seinen Roman „The Hound of the Baskervilles“ (dt. „Der Hund von Baskerville“) darauf basiert haben, wobei Richard Cabell als Vorbild für Sir Hugo Baskerville diente.

Holy Trinity Church hat eine lebhafte Vergangenheit. Dadurch, dass die Kirche ziemlich einsam liegt, war ihr Kirchhof ideal für „bodysnatcher„, die Leichen ausgruben, um sie gewinnbringend an medizinische Hochschulen zu verkaufen, die einen ständigen Bedarf für Forschungszwecke hatten. 1849 fielen Teile der Kirche einer Brandstiftung zum Opfer; nachdem auch noch der Kirchturm vom Blitz getroffen worden war, reparierte man das Gotteshaus wieder. Im Zweiten Weltkrieg gingen einige Kirchenfenster zu Bruch, auf Grund von Bombenabwürfen ganz in der Nähe. Doch der Todesstoß für Holy Trinity ereignete sich am 21. Juli 1992, als nachts in die Kirche eingebrochen und unter dem Altar ein Feuer gelegt wurde; das Gebäude brannte vollkommen aus. Wer hatte diese Tat begangen? Man munkelte in Buckfastleigh, dass dieser Brand auf das Konto von Satanisten ging, die seit langer Zeit die Kirche und das Grab von Squire Richard Cabell als Treffpunkt für ihre Rituale auserkoren haben sollen. Hier ist ein Film über die Kirche.

Holy Trinity ist eine Ruine, lediglich der Turm hatte bei dem Brand keine größeren Schäden erlitten, und so kann man hin und wieder die Glocken der Kirche hören.

Über Buckfastleigh habe ich in meinem Blog zweimal geschrieben, einmal über den Buckfast Tonic Wine, der in der Abbey hergestellt wird, und über den Valiant Soldier, „the Pub where time was never called“.

Die Ruinen von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen von Holy Trinity.
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Famous Graves – John Locke in High Laver (Essex)

This work has been released into the public Domain.

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John Locke (1632-1704) gilt als einer der der wichtigsten Philosophen seiner Zeit und wird als Vater des Liberalismus bezeichnet, dessen Theorien die amerikanische Verfassung beeinflussten. Sein wichtigstes Werk war „An Essay Concerning Humane Understanding“ (dt. „Ein Versuch über den menschlichen Verstand“), das 1690 erschien.

John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington, östlich von Weston-super-Mare in Somerset geboren, studierte in Oxford und lebte eine Zeit lang in London; doch wirklich wohl fühlte sich der Philosoph in dem kleinen Dorf High Laver in der Grafschaft Essex, wo er bei seinen Freunden Sir Francis Masham und Lady Damaris Masham in deren Haus wohnte. Speziell zur Dame des Hauses pflegte Locke enge Beziehungen, denn auch sie war Philosophin und schrieb u.a. das Buch „A Discourse Concerning the Love of God“. Oates hieß der Wohnsitz der Mashams, in dem Locke einige seiner berühmten Werke schrieb und wo ihn nicht minder berühmte Zeitgenossen wie Isaac Newton besuchten.

Hier in High Laver starb Locke am 28. Oktober 1704 und begraben wurde er auf dem Kirchhof von All Saints, der hübschen Dorfkirche an der Tilegate Road. Außer den angrenzenden Farmgebäuden gibt es hier nur Wiesen und Weiden, der Philosoph kann also auch in seinem Grab noch die ländliche Ruhe genießen. Das Grabmal ist gleich das zweite rechts von der Kirchentür, wenn man auf All Saints zugeht und ist umgeben von einem Eisengitter, das anlässlich des 300. Todestages neu gestrichen wurde. Eine kleine Randbemerkung: John Locke wurde auch in einer Kirche namens All Saints getauft, in Wrington in Somerset.

Auf einer Plakette oberhalb des Grabes steht geschrieben:
In Grateful Memory of
JOHN LOCKE
1632-1704. Who Lies Buried Here.
His Philosophy Guided
The Founders Of
The United States Of America.
Erected By The American And
British Commonwealth Association
Of The United States. 1957.

Ein kleiner Film über das Leben von John Locke findet sich hier.

Mark Goldie von der University of Cambridge schrieb 2004 ein Buch über die Zeit, die Locke bei den Mashams in High Laver verbrachte: „John Locke and the Mashams of Oates„; veröffentlicht vom Churchill College in Cambridge.

High Laver liegt östlich von Harlow und der Autobahn M1 und nördlich der A414. Die Kirche All Saints findet man an der Kreuzung der Tilegate Road mit der High Laver Road. Das Haus Oates, in dem Locke lebte, existiert nicht mehr.

All Saints in High Laver (Essex).   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in High Laver (Essex).
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All Saints in Wrington (Somerset). Hier wurde John Locke getauft.   © Copyright John Lord and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in Wrington (Somerset). Hier wurde John Locke getauft.
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Published in: on 20. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Benjamin Disraeli in St Michael and All Angels beim Hughenden Manor (Buckinghamshire)

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Benjamin Disraeli (1804 – 1881) war ein bedeutender Politiker im 19. Jahrhundert. Der erste Earl of Beaconsfield war zweimal Ministerpräsident seines Landes, einmal für ein knappes Jahr 1868 und einmal von 1874 bis 1880. Davor diente er dem Vereinigten Königreich dreimal als Finanzminister. Disraeli ist bisher der einzige Premierminister mit jüdischen Wurzeln.

Der Earl of Beaconsfield wohnte in London, legte sich aber im Jahr 1848 einen Landsitz zu und zwar Hughenden Manor bei High Wycombe in Buckinghamshire. Er ließ das Ende des 18. Jahrhunderts gebaute Haus durch den Architekten Edward Buckton Lamb, der bereits mehrere Kirchen im Land entworfen hatte, nach seinen Vorstellungen umstrukturieren und wohnte hier bis zu seinem Tod am 19. April 1881.

Eine wichtige Person im Leben des Politikers war eine alte Dame namens Sarah Brydges Willyams, deren Bekanntschaft er 1851 machte und die eine Vertrauensstellung bei ihm einnahm. Er schrieb ihr zahlreiche Briefe, in denen er ihr seine politischen Überzeugungen darlegte. Die Beziehung zwischen den beiden wurde so eng, dass die vermögende Dame Disraeli mehrmals finanziell aus der Patsche half und ihm bei ihrem Tode rund £40 000 hinterließ, damals eine stolze Summe. Mrs Willyams stellte allerdings eine Bedingung: Sie wollte neben Benjamin Disraeli begraben werden, worauf sich der Earl of Beaconsfield auch gern einließ. Mrs Disraeli hatte damit offenbar auch keine Probleme.

So finden wir heute auf dem Kirchhof von St Michael and All Angels, der an der Zufahrt zum Hughenden Manor von der Valley Road aus liegt, eine Grabstelle mit einer Ménage à Trois: Dort liegt der ehemalige Premierminister Großbritanniens neben seiner Frau Mary Anne, die schon am 15. Dezember 1872 gestorben war, und neben seiner Vertrauten Sarah Brydges Willyams, die 1865 das Zeitliche segnete.

Wer den Ex-Premier mit seinen beiden Damen einmal besuchen möchte, der muss auf dem Kirchhof nicht lange suchen, denn das Grab ist direkt an der Westwand von St Michael and All Angels angebaut und mit einem blaugestrichenen Rundumgitter versehen. Es wird auch als „Primrose Tomb“ (Primelgrab) bezeichnet, denn die Primel war Disraelis Lieblingsblume und Queen Victoria, die das wusste, schickte zur Beerdigung einen Kranz, der ganz aus Primeln bestand.

Hughenden Manor gehört seit 1947 dem National Trust und ist ganzjährig zu besichtigen. Es liegt nördlich von High Wycombe und ist vom Zentrum der Stadt aus über die Hughenden Road und Valley Road (die A4128) zu erreichen.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Hughenden Manor.

Hughenden Manor.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hughenden Manor.
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Famous Graves – Matthew Grimes, der Mann, der Napoleon bewachte, und sein Grab in Thornton-le-Dale (North Yorkshire)

Thornton-le-Dale in North Yorkshire an der A170 (Scarborough-Thirsk) ist ein Bilderbuchdorf mit wunderschönen, reetgedeckten Cottages, das es problemlos mit den „chocolate box villages“ von Inspector Barnabys Midsomer County aufnehmen kann. Direkt an der High Street steht die schöne All Saints Church, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde und seitdem über Thornton-le-Dale wacht. Auf ihrem Kirchhof ist ein Mann begraben, der im 19. Jahrhundert einmal eine der Berühmtheiten dieser Welt bewacht hat, die Rede ist von Matthew Grimes respektive Napoleon I.

Nach der Niederlage in der Schlacht von Waterloo hatte man ja Napoleon ins Exil geschickt, auf eine der entlegensten Inseln dieser Welt, nach St Helena, weit westlich von der afrikanischen Küste. Dort wohnte der einst so mächtige Herrscher in einem Haus in der Ortschaft Longwood.

Da die britische Regierung fürchtete, dass Napoleon von der Insel fliehen bzw. von dort befreit werden könnte, stellte man den Kaiser unter die Bewachung von Soldaten. Einer dieser Männer war Matthew Grimes, der auf der Fahrt von Indien nach England auf St Helena Station machte und gleich hierblieb, da man Aufsichtspersonal suchte. Die Soldaten schoben auf der Insel eine ruhige Kugel, denn mit dem Bewachen Napoleons hatten sie wirklich nicht viel zu tun, und so kam der Gouverneur auf die Idee, die Männer tagsüber beim Straßenbau einzusetzen (was vielleicht nicht unbedingt im Sinne der Soldaten war). Grimes schien sich aber auf St Helena ganz wohl gefühlt zu haben. Am 5. Mai 1821 starb Napoleon und Matthew Grimes war einer der Sargträger, der den Franzosen zu seiner (vor)letzten Ruhestätte brachte. Fast 20 Jahre später buddelte man den Kaiser wieder aus und brachte seine sterblichen Überreste nach Paris, wo er im Invalidendom beigesetzt wurde.

Ganz so pompös wie Napoleon liegt Matthew Grimes nicht auf dem Kirchhof von All Saints. Nachdem er im Jahre 1830 die Armee verlassen hatte, zog er nach Yorkshire, wo er in einem kleinen Cottage in der Nähe von Thornton-le-Dale wohnte. Im hohen Alter von 96 Jahren starb er am 30. Oktober 1875. Sein Grabstein wurde von „admiring friends of an old veteran“ errichtet, auf dem eingemeisselt ist, dass er zu Napoleons Wächtern auf St Helena gehörte und den Kaiser bis zu seinem Grab begleitete.

Ein Erinnerungsstück von Matthew Grimes findet man im York Castle Museum, nämlich seine Uniform, die man in diesem Jahr, anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Waterloo, ausgestellt hat.

Hier ist ein Film der BBC über M.G. und sein Grab in Thornton-le-Dale und wie es in dem hübschen Dorf in North Yorkshire aussieht, zeigt dieser Film.

Die All Saints Church an der High Street von Thornton-le-Dale.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Eines der schönen Cottages in Thornton-le-Dale.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Famous Graves – Robin Hoods Grab auf dem Gelände des Kirklees Estates in West Yorkshire

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Den Namen der fiktiven/realen (?) Figur Robin Hood bringt man eigentlich mit dem Sherwood Forest in Nottinghamshire in Verbindung, wo er mit seinen Spießgesellen sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Sein Ende fand der bis heute populäre Räuber aber in einem anderen Teil Englands, in West Yorkshire. Als sich der Outlaw während eines Aufenthaltes dort krank fühlte, suchte er die Kirklees Priory auf, in der Hoffnung, dass man ihm dort helfen würde. Die Priorin von Kirklees war Robins Cousine (in manchen Quellen steht, er war ihr Neffe) und da fühlte er sich in guten Händen. Aber da täuschte er sich gewaltig, denn sie hegte schon lange einen Groll gegen ihren Cousin. Sie wendete das Allheilmittel in der damaligen Zeit gegen alle möglichen Krankheiten an, den Aderlass. Sir Roger of Doncaster, einer der größten Widersacher Robin Hoods und der Geliebte der Priorin, stachelte die Frau an, den Outlaw verbluten zu lassen, was sie denn auch bereitwillig tat. Doch bevor sein Tod eintrat, nahm Robin noch einmal alle Kräfte zusammen und blies in sein Horn, was seinen engsten Freund Little John auf den Plan rief. Den bat er um Pfeil und Bogen, und seine letzte Tat war, einen Pfeil durch das offenstehende Fenster seines Krankenzimmers zu schießen. Dort, wo der Pfeil auftraf, wollte Robin begraben werden; sein Wunsch wurde von Little John erfüllt.

Robin Hoods Grab findet man ca 500 Meter von dem Torhaus der einstigen Kirklees Priory entfernt, dort, wo sein Krankenzimmer war. Die Priory selbst existiert schon lange nicht mehr. Es ist von Eisenpfählen umgeben, da früher immer mal wieder „Fans“ des Outlaws kleine Stückchen des Steins abmeißelten, die angeblich Zahnschmerzen heilen sollten.

Robin Hoods Grab steht auf privatem Gelände, ist also nicht ohne weiteres zugänglich. Der heutige Kirklees Estate zieht sich an der Wakefield Road entlang, der A644; die Zufahrt erfolgt über eine kleine Straße, die beim The Three Nuns Gasthof, von der Wakefield Road abgeht. Die nächstgelegene Ortschaft ist Mirfield.

Hier ist ein Film von einem Besuch am Grab Robin Hoods. Das seines Freundes Little John liegt übrigens in Hathersage in Derbyshire (ich schrieb in meinem Blog einmal darüber).

Das Kirklees mPriory Gatehouse.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 26. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Sylvia Plath in Heptonstall (West Yorkshire)

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Es waren einmal zwei Dichter, die sich ineinander verliebten: Sylvia Plath, eine Amerikanerin aus Massachusetts (1932-1963) und Ted Hughes, ein Yorkshireman, der 1930 in dem kleinen Ort Mytholmroyd (West Yorkshire) geboren wurde. 1956 heirateten sie und hatten zwei Kinder miteinander: Frieda Rebecca und Nicholas Farrar. Ihr gemeinsamer Weg führte sie in die USA, zurück nach London und schließlich nach Devon. Sehr lang und glücklich sollte ihre Ehe nicht sein, denn auf der einen Seite litt Sylvia unter Depressionen, auf der anderen Seite ging Ted fremd und ging ein Verhältnis mit Assia Wevill ein. Am 11. Februar 1963 nahm sich Sylvia Plath in London das Leben, was ihren Ehemann schwer traf; auch Assia Wevill schied 1969 freiwillig aus dem Leben und nahm dabei ihre gemeinsame vierjährige Tochter mit.

1984 wurde Ted Hughes von der Königin zum Poet Laureate ernannt, was er bis zu seinem Tod am 28. Oktober 1998 blieb.

Der Dichter aus Yorkshire sorgte dafür, dass Sylvia Plaths sterbliche Überreste in die Nähe seines Geburtsortes gebracht wurden; er wählte dafür den Kirchhof von St Thomas the Apostle in dem kleinen Dorf Heptonstall in West Yorkshire aus, ein Nachbarort des bekannteren Hebden Bridge. Auf dem Grabstein findet sich die Inschrift „In Memory of Sylvia Plath Hughes 1932-1963“ mit dem Zusatz „Even amidst fierce flames the golden lotus can be planted„.

Sylvia Plath hatte viele Anhängerinnen, die es ihrem Ehemann nicht verzeihen konnten, dass er sie (angeblich) in den Tod getrieben hatte und so machten sich immer wieder einige von ihnen auf den Weg nach Heptonstall, um den Namenszug „Hughes“ vom Grabstein zu entfernen. Auch waren viele Sylvia Plath-Fans nicht damit einverstanden, dass ihre letzte Ruhestätte so nahe am Geburtsort ihres Ehemannes lag. Das kleine unscheinbare Grab auf dem Kirchhof von St Thomas the Apostle, das viele Besucher häufig vernachlässigt vorfanden, ist nach Meinung der Plath-Freunde ihrer Bedeutung nicht angemessen, und so wurde immer wieder der Ruf laut, ein größeres ansprechenderes Memorial zu errichten. Hier ist ein Film über Sylvias Grab.

Ted Hughes wurde übrigens nicht hier oben im Norden Englands bestattet, dort, wo er seine Kindheit verbracht hatte; seine Asche wurde im Dartmoor verstreut und ihm zu Ehren ein Granitgedenkstein in einer entlegenen Region des Dartmoors aufgestellt.

Über die Beziehung Sylvia Plaths zu Ted Hughes entstand 2003 der Film „Sylvia“ mit Gwynneth Paltrow in der Titelrolle und Daniel Craig als Ted Hughes. Hier ist der Trailer.

St Thomas the Apostle in Heptonstall (West Yorkshire).   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Geburtshaus von Ted Hughes in Mytholmroyd (West Yoerkshire).   © Copyright Phil Champion and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Der Ted Hughes Memorial Stone im Dartmoor.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ted Hughes Memorial Stone im Dartmoor.
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Famous Graves – Das „Orgelgrab“ in Kildwick (North Yorkshire)

The Kildwick Organ Grave. With friendly permission of

The Kildwick Organ Grave.
With friendly permission of the Farnhill and Kildwick Local History Group.

„Berühmt“ ist dieses Grab auf dem Kirchhof von St Andrew’s in dem kleinen Ort Kildwick in North Yorkshire vielleicht nicht unbedingt, aber auf jeden Fall außergewöhnlich. Es besteht aus einem Grabstein, auf dem die Namen einiger verstorbener Mitglieder der Familie Laycock eingemeisselt sind, darunter auch der Name John Laycock, der 1809 geboren wurde und der 1898 starb. Das Besondere an dem Grab ist eine steinerne Miniatur-Orgel, die hier ziemlich naturgetreu aufgestellt ist. Auf dem Sockel steht „The above is from the design of the first organ built by the said John Laycock„. Jetzt braucht man nicht mehr lange raten, was besagter John Laycock von Beruf war; ja, er war Orgelbauer. Und seine erste Orgel, deren Abbild auf seinem Grab zu sehen ist, stand in einer Kirche in Cross Hills, also ca ein Kilometer südlich von Kildwick. Das Instrument wurde später in die Bingley Independent Methodist Church gebracht (Bingley liegt an der A650 zwischen Keighley und Bradford), wo sie noch heute zu sehen ist. Hier ist ein historisches Foto.

John Laycock wurde in Glusburn (North Yorkshire) geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Region. Eigentlich war er Weber und Stellmacher, doch als er eines Tages in den Besitz einer alten Orgel kam, sah er sich die genau an und machte sich daran, selbst eine zu bauen, was ihm auch gelang. Laycock hatte also den Beruf des Orgelbauers nie gelernt, er war ein Naturtalent. Von nun an widmete er sich ganz dem Bau von Orgeln und gründete in seinem Geburtsort eine eigene Firma, die dann nach Cross Hills wechselte und den Namen Laycock and Bannister trug. Bis in die 1970er Jahre existierte die Firma. In der Farnhill Methodist Church, an der Straße, die von Kildwick zum Nachbarort Farnhill führt, ist noch eine Laycock and Bannister-Orgel zu sehen, ebenso in der Kirche von Bolton Abbey, einige Kilometer weiter östlich.
Wie eine Orgel klingt, die John Laycock gebaut hat, kann man in diesem kleinen Film hören.

Ein großes Kompliment muss ich der Farnhill and Kildwick Local History Group machen, die mir die Genehmigung für die Verwendung des Orgel-Grab-Fotos gegeben hat. Auf den Webseiten kann man sich ausführlich über alles informieren, was es mit diesen beiden kleinen Orten in North Yorkshire auf sich hat und da gibt es eine Menge zu berichten, z.B. ist dort ein ausgezeichneter Artikel über die Verbindung zwischen Kildwick und den Brontës im nahegelegenen Haworth zu finden. Apropos Haworth: Der Steinmetz, der die Orgel auf dem Grab von John Laycock hergestellt hat und der Joseph Heaton hieß, kam aus dem Brontë-Ort.

Das Buch zum Artikel:
Bryan Hughes: John Laycock – Weaver and Organ Builder. Musical Opinion 2002. 96 Seiten. ISBN 978-0954407407.

Die St Andrew's Church in Kildwick.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Andrew’s Church in Kildwick.
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Die Parson's Bridge überbrückt den Leeds & Liverpool Canal und verbindet die beiden Teil des Friedhofs vo St Andrew's.    © Copyright Ian Murfitt and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Parsons Bridge überbrückt den Leeds & Liverpool Canal und verbindet die beiden Teile des Friedhofs von St Andrew’s.
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Famous Graves – Georgi Markov und sein Grab auf dem Kirchhof von St Candida and Holy Cross in Whitchurch Canonicorum (Dorset)

Whitchurch Canonicorum in Dorset, was für ein Ortsname in einer Grafschaft, in der man viele ähnlich ausgefallene Namen von Dörfern findet. Der im Westen Dorsets gelegene Ort rühmt sich einer Kirche, die ebenfalls einen ungewöhnlichen Namen führt: St Candida and Holy Cross. Die Gebeine der Heiligen Candida ruhen in einem Schrein in der Kirche. Wer das nun genau war, daran scheiden sich die Geister; irgendjemand, der vor weit über 1000 Jahren gelebt hat.

Au dem Kirchhof von St Candida and Holy Cross steht ein Grabstein, der an einen Mann erinnert, der durch seinen außergewöhnlichen Tod in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte eingegangen ist: Georgi Markov, ein 1929 in Sofia in Bulgarien geborener Schriftsteller und Dissident, der offen die kommunistische Führung seines Landes kritisierte und dadurch in Ungnade gefallen war. Seine Romane wie „Das Portrait meines Doppelgängers“ und „Die Frauen von Warschau“ wurden auch ins Deutsche übersetzt. Markov zog nach London, wo er in den 1970er Jahren u.a. für den BBC World Service und die Deutsche Welle arbeitete.
Nachdem der bulgarische Geheimdienst, mit Unterstützung des russischen KGB, bereits zwei erfolglose Mordversuche gegen Markov unternommen hatte, ereilte Markov das Schicksal am 7. September 1978 auf der Londoner Waterloo Bridge. Er spürte plötzlich einen schmerzhaften Stich am Oberschenkel und als er sich umdrehte, sah er wie ein Mann mit einem Regenschirm in der Hand eilig die Straße überquerte, in ein Taxi stieg und davonfuhr. Erst am Abend jenes Tages bekam er starkes Fieber und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er am 11. September starb. Wie sich bei der angeordneten Obduktion herausstellte, wurde Markov vergiftet, mittels einer winzigen Kugel, die der mysteriöse Mann auf der Waterloo Bridge mit Hilfe seines präparierten Regenschirms in den Oberschenkel Markovs geschossen hatte.
Als Hauptverdächtiger des „Regenschirmmords“ gilt ein Däne italienischer Abstammung, Francesco Gullino, der für den bulgarischen Geheimdienst gearbeitet haben soll, aber nie für die Tat belangt werden konnte. Die Dokumentation „The Umbrella Assassin“ aus dem Jahr 2006, hier zu sehen, setzt sich detailliert mit dem Fall auseinander.

Markovs Grabstein auf dem idyllischen Friedhof von Whitchurch Canonicorum trägt die Aufschrift:

IN MEMORY OF
GEORGI IVANOV MARKOV
NOVELIST & PLAYWRIGHT
MOST DEARLY LOVED BY
HIS WIFE ANNABEL
AND DAUGHTER SASHA
HIS FAMILY & HIS FRIENDS
BORN SOFIA 1.3.1929
DIED LONDON 11.9.1978
IN THE CAUSE OF FREEDOM

St  in Whitchurch Canonicorum.    © Copyright Mike Searle and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Candida and Holy Cross in Whitchurch Canonicorum.
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Hier auf der Waterloo Bridge ereignete sich der mysteriöse Regenschirm-Anschlag.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier auf der Waterloo Bridge in London ereignete sich der mysteriöse Regenschirm-Anschlag.
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Famous Graves – John Walker, der Erfinder des Streichholzes in St Mary the Virgin in Stockton-on-Tees (County Durham)

John Walkers Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin. Copyright: Chris. Creative Commons 2.0 Generic.

John Walkers Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.
Copyright: Chris.
Creative Commons 2.0 Generic.

Der Ballungsraum von Middlesbrough, zu dem auch die Stadt Stockton-on-Tees im County Durham zählt, gehört sicher nicht zu den Orten Englands, wo die großen Touristenscharen anzutreffen sind. Stockton hat ca 85 000 Einwohner und liegt am River Tees, dessen langer Mündungstrichter hier beginnt.
Im Ortsteil Norton liegt die Gemeindekirche St Mary the Virgin, auf deren Friedhof man das Grab eines Mannes findet, der einen Gegenstand erfunden hat, der weltweit täglich wohl milliardenfach verwendet wird: Das Streichholz. John Walker heißt er und er lebte von 1781 bis 1859. Er wurde in Stockton-on-Tees geboren, er arbeitete hier und er starb hier. Von Beruf war John Walker Apotheker und Drogist; sein Laden, den er 1819 eröffnete, war in der High Street Nummer 59. Hier erfand er eines Tages durch eine Reihe von Experimenten das Streichholz, das er seinerzeit „Congreve“ nannte, nach den Congreveschen Raketen, deren Treibsatz aus einer schwarzpulverähnlichen Masse bestand.

Der erste Käufer dieser neuen Erfindung war ein örtlicher Rechtsanwalt und der Kauf wurde am 7. April 1827 getätigt.  Aus irgendeinem Grund ließ sich John Walker seine Erfindung nicht patentieren, er experimentierte lieber mit anderen Dingen weiter, sonst hätte er wohl ein reicher Mann werden können. Der Apotheker heiratete nie, sondern lebte mit seiner Nichte zusammen. Ein bisschen exzentrisch war er schon, was sich auch durch seine ungewöhnliche Kleidung manifestierte, die oft aus einem hohen Filzhut, Kniebundhosen und einem Frack bestand.

Da John Walker den größten Teil seines Lebens in Stockton-on-Tees verbracht hatte, war es sehr in seinem Sinne, dass er hier auch seine letzte Ruhestätte fand. Auf seinem Grabstein, dessen Inschrift schon recht verwittert ist, steht „highly respected by all who knew him„. Vielleicht sollten wir, wenn wir demnächst ein Streichholz benutzen, einen kleinen Moment an den Apotheker aus Stockton-on-Tees denken.

Walkers Laden in der High Street 59 steht schon lange nicht mehr, aber eine Plakette erinnert an den Standort; das gilt auch für sein Geburtshaus in der High Street 104. Dort, wo das Haus einmal stand und wo sich jetzt das Castlegate Shopping Centre befindet, hat die Stadt Stockton-on-Tees eine Bronzebüste aufgestellt und eine Stahltafel angebracht.

John Walker (1781-1859). This image is in the public domain because its copyright has expired.

John Walker (1781-1859).
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Published in: on 13. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Coco the Clown in Woodnewton (Northamptonshire)

Cocos Grab in Woodnewton.    © Copyright Kokai and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cocos Grab in Woodnewton.
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Auf dem Kirchhof von St Mary’s in Woodnewton in Northamptonshire steht ein Grab, in dem einer der berühmtesten Clowns des 20. Jahrhunderts beerdigt ist: Nikolai Poliakoff alias Coco the Clown. Am 25. September 1974 starb der Mann, der unzähligen Kindern und Erwachsenen Freude bereitet hat, im Krankenhaus von Peterborough (Cambridgeshire). Ein Jahr zuvor hatte er sich im Alter von 73 Jahren nach Woodnewton zurückgezogen, ein Dorf im Osten der Grafschaft Northamptonshire, ganz in der Nähe des Rockingham Castles. Seine Frau Valentina, die er 1919 geheiratet hatte und die 1983 starb, liegt neben ihm.

Nicolai Poliakoff (es gibt auch andere Schreibweisen) stammt aus dem heutigen Litauen und entdeckte seine Liebe zum Zirkus schon im Alter von acht Jahren, als er sich einem Wanderzirkus anschloss und unter der Ägide des damals berühmten Rudolfo Truzzi das Handwerk des Artisten von der Pike auf lernte. Stationen seines Lebens auf der Wanderschaft waren der Russische Staatszirkus, Circus Busch und der Bertram Mills Circus in Großbritannien, für den Poliakoff viele Jahre arbeitete. Er und seine Frau fühlten sich in England sehr wohl und erhielten 1949 die britische Staatsbürgerschaft.

Poliakoff war damals im ganzen Land als Coco the Clown bekannt, seine Markenzeichen: Übergroße Schuhe und  seine Haare, die er mit einem Trick aufstellen konnte. Der Zirkusmann machte aber noch durch andere Aktionen von sich reden, denn erkümmerte sich um das Thema „Verkehrssicherheit für Kinder“, das im sehr am Herzen lag. Für dieses Engagement wurde Poliakoff 1963 mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet.

Nicolai und Valentina hatten sechs Kinder, von denen mehrere auch den Clownsberuf ausübten; am bekanntesten wurde Michael, der älteste Sohn. Er war es, der für die US-Burgerkette McDonalds die Figur des Ronald McDonald neu gestaltete, in der Form wie wir sie noch heute kennen. Michael starb 2009 im Alter von 86 Jahren in den USA.

Coco the Clown wurde 1991, 17 Jahre nach seinem Tod, in die International Clown Hall of Fame aufgenommen, die ihren Sitz in Baraboo im US-Bundesstaat Wisconsin hat.

Hier ist ein kurzer Film über Nikolai Poliakoff zu sehen, der ihn beim Schminken zeigt..

St Mary's Church in Woodnewton.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Church in Woodnewton.
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Published in: on 10. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Ian Fleming in Sevenhampton (Wiltshire)

Ian Flemings Grabstein auf dem Friedhof von St James in Sevenhampton.    © Copyright Nicholas Mutton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ian Flemings Grabstein auf dem Friedhof von St James in Sevenhampton.
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Über das Mini-Dorf Sevenhampton in Wiltshire, nördlich von Swindon, gibt es wenig zu berichten, außer, dass sich hier einmal einer der berühmtesten Schriftsteller Englands niedergelassen hat, dessen Grabmal auf dem Kirchhof von St James zu finden ist. Ian Fleming, Schöpfer des Geheimagenten 007 James Bond, wohnte die letzten Jahre seines Lebens in Warneford Place, einem Herrenhaus in Sichtweite der Dorfkirche. In meinem gestrigen Blogeintrag erwähnte ich das Haus als Ziel eines Einbruchs der Johnson Gang. Fleming kaufte das heruntergekommene Anwesen Warneford Place im Jahr 1959 und baute es neu als Sevenhampton Place auf. Der Schriftsteller wollte eigentlich auf seinem Landsitz etwas kürzer treten und sich in das bescheidene Gemeindeleben von Sevenhampton einbringen, doch sein frühzeitiger Tod machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Am 12. August 2014 jährte sich Flemings Todestag zum fünfzigsten Male. Am 15. August 1964, drei Tage nach seinem Tod in Canterbury (Kent) wurde er auf dem Friedhof von St James beigesetzt. Den Riesenerfolg des Bond-Films „Goldfinger“, der einen Monat nach seinem Tod in die Kinos kam, sollte er nicht mehr miterleben.

Ian Fleming ist unter einem Obelisken begraben, der die lateinische Inschrift „Omnia perfunctus vitae praemia marces“ trägt, was soviel wie „Du rottest hier vor dich hin, nachdem du ein großartiges Leben gehabt hast“ bedeutet. Der Satz stammt von dem römischen Dichter Lukrez.
Das schon leicht verwitterte Grabmal trägt weiterhin Inschriften, die darauf hinweisen, dass auch Flemings Frau Ann Geraldine Mary Fleming und ihr gemeinsamer Sohn Caspar Robert Fleming hier begraben liegen.
Ann starb 1981; ihre Plakette auf dem Obelisken hat die Inschrift „There is none like her, none„, aus einem Gedicht von Alfred, Lord Tennyson entnommen.
Caspar nahm sich 1975 im Alter von 23 Jahren das Leben; seine Plakette trägt neben seinem Namen und seinen Lebensdaten den Zusatz „to cease upon the midnight with no pain„, ein Zitat aus John Keats‘ „Ode to a Nightingale“.  Für Caspar hatte Ian Fleming das Buch „Chitty Chitty Bang Bang“ geschrieben.

Die Beeerdigungsfeier für Ian Fleming fand im engsten Familien- und Freundeskreis in St James in Sevenhampton statt. Ein Memorial Service wurde in der Londoner Kirche St Bartholomew the Great abgehalten.

Die Dorfkirche steht an der rechten Seite vom Ortsausgang, wenn man in nordöstlicher Richtung zur B4000 fährt. Die private, durch ein Tor geschlossene Zufahrt zu Flemings früherem Haus liegt, ebenfalls an der rechten Seite, ca 200 Meter entfernt.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Lycett: Ian Fleming. St Martin’s Press 2013. 496 Seiten. ISBN 978-1250037985.

St James in Sevenhampton (Wiltshire).    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St James in Sevenhampton (Wiltshire).
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Das einzige „Nazi-Grab“ in London, ein treuer Hund und ein deutscher Botschafter

Über die deutsche Botschaft in London habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Doch das Haus am Belgrave Square 23 war nicht immer der Sitz der deutschen Auslandsvertretung. Vorher lag die Botschaft an der Carlton House Terrace in der City of Westminster, in dem Gebäude, in dem heute die Royal Society ansässig ist.

Von 1932 bis 1936 war hier der Diplomat Leopold von Hoesch Repräsentant des Deutschen Reichs, ein Mann, der in den politischen Zirkeln Englands sehr angesehen war und der über gute Beziehungen zum Königshaus verfügte. Hoesch besass einen Schäferhund namens Giro, den er sehr liebte und der gern im Garten der Botschaft spielte. Eines Tages im Februar 1934 starb der arme Kerl, als er an einer elektrischen Leitung knabberte, die unter Strom stand. Es machte Zisch und Giro war nicht mehr. Der todtraurige Botschafter ließ ihn im Garten beerdigen und einen Grabstein mit der Inschrift „Giro“ – Ein treuer Begleiter“ anfertigen und setzte seinen Nachnamen „Hoesch“ darunter.

Giro the Nazi Dog“ nannte man dieses einzige kleine „Nazi-Denkmal“ in England, obwohl weder Giro noch sein Herrchen der Botschafter Nazis waren. Giros Grabstein steht unter einem kleinen Holzdach hinter einem Gitter direkt zwischen der Duke of York-Säule und dem ehemaligen Botschaftsgebäude.

Der Botschafter Leopold von Hoesch starb am 10. April 1936 in London an einem Herzschlag und wurde unter großen Ehren aus der Stadt verabschiedet und nach Deutschland transportiert. Hier ist ein Film von den Londoner Feierlichkeiten.

Kaum jemand, der heute an der Straße Carlton House Terrace entlang geht, weiß, dass noch immer ein kleines Grabmal an einen treuen Hund erinnert, der vor über 80 Jahren hier in der ehemaligen deutschen Botschaft starb.

Die ehemalige deutsche Botschaft an der Carlton House Terrace. Author: Kaihsu Tai. his file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die ehemalige deutsche Botschaft an der Carlton House Terrace.
Author: Kaihsu Tai.
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Published in: on 16. Januar 2015 at 02:44  Comments (1)  
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Famous Graves – Lord Byrons Hund Boatswain in der Newstead Abbey

Boatswains letzte Ruhestätte in Newstaed Abbey.    © Copyright Trevor Rickard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Boatswains letzte Ruhestätte in Newstead Abbey.
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Lord George Gordon Noel Byron (1788-1824), Dichter, Freiheitskämpfer und Liebling der Frauen, liebte Tiere; ob es sich nun um Affen, Pferde, Katzen handelte, der Lord besaß mehrere davon. Auch ein Bär, ein Fuchs und ein Papagei waren einmal in seiner Obhut. Aber sein größter Liebling war sein Neufundländer, dem er den Namen Boatswain, also Bootsmann, gab. Der Hund wurde 1803 geboren und er verendete jämmerlich an Tollwut, die damals in England weit verbreitet war und an der zahlreiche Menschen und Tiere starben. Lord Byron war sich wohl nicht bewusst, woran sein Hund erkrankt war, denn es bestand durchaus die Gefahr, dass er von Boatswain gebissen werden und selbst erkranken konnte. Vielleicht war es ihm auch egal, denn er pflegte seinen geliebten Freund bis zum bitteren Ende.

In Gedenken an Boatswain ließ Byron auf dem Familiensitz Newstead Abbey in Nottinghamshire ein Denkmal für den Hund bauen, unter dem er beigesetzt wurde. Der Anfang der Grabinschrift, die von Byrons Freund John Cam Hobhouse entworfen wurde, lautet:

„Near this Spot
are deposited the Remains of one
who possessed Beauty without Vanity,
Strength without Insolence,
Courage without Ferocity,
and all the virtues of Man without his Vices.

This praise, which would be unmeaning Flattery
if inscribed over human Ashes,
is but a just tribute to the Memory of
Boatswain, a Dog
who was born in Newfoundland May 1803
and died at Newstead Nov. 18th, 1808″

Hier ist das komplette Gedicht „Epitaph to a Dog“, vorgelesen.

In seinem Testament legte Byron fest, dass er zusammen mit seinem Hund beerdigt werden wollte. Dazu kam es aber nicht, denn die Abbey gehörte zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 1824 einem neuen Besitzer und so wurde er ganz in der Nähe im Familiengewölbe der Byrons in St. Mary Magdalene in Hucknall (Nottinghamshire) beigesetzt; ich berichtete in meinem Blog darüber.

Eine kleine Kuriosität am Rande: Lord Byron hatte unzählige Geliebte und weibliche Fans, die ihm in ihren Briefen abgeschnittene Locken von sich mitschickten. Der Dichter revanchierte sich und schickte den Damen ebenfalls Locken, nur sagte er nicht, dass es nicht seine, sondern die seines Hundes Boatswain waren…

 

Published in: on 20. Dezember 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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T.S. Eliots und William Dampiers letzte Ruhestätten in St Michael & All Angels in East Coker (Somerset)

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„In my beginning is my end, in my end is my beginning“, so heißt es in dem Gedicht „East Coker„, das T.S. Eliot 1940 als Teil der „Four Quartets“ veröffentlichte. Unter dem Titel „Vier Quartette“ erschien die Gedichtsammlung 1948 auch in deutscher Sprache. Der 1888 in St Louis in Missouri geborene Lyriker und Nobelpreisträger, der 1927 britischer Staatsbürger wurde, hielt sich 1937 in Somerset auf und besuchte dort East Coker, ein 1700-Seelen-Dorf südlich von Yeovil, und die Kirche St Michael & All Angels. Hier hatte im 17. Jahrhundert einer von Eliots Vorfahren gearbeitet, Reverend Andrew Elyot, der 1669 in die Neue Welt auswanderte. Dessen Wirkungsstätte wollte T.S. sehen und ihm gefiel die Kirche so gut, dass er den Wunsch äußerte, hier einmal beigesetzt zu werden. Eliot starb 1965 in seinem Haus in den Kensington Court Gardens in London, wurde im Golders Green Crematorium eingeäschert und seine Asche brachte man wunschgemäß nach East Coker. Eine Plakette an der Wand von St Michael & All Angels erinnert an den großen Lyriker.

Nur ein paar Meter von Eliots Plakette entfernt, findet man eine andere, die einen Mann ehrt, der 1651 in East Coker geboren wurde: William Dampier umrundete dreimal den Globus und unternahm dabei Forschungsarbeiten. Er hatte auch eine dunkle Seite, denn er unternahm zahlreiche Kaperfahrten als Freibeuter, bei denen er es auf spanische und französische Schiffe abgesehen hatte. Bei seiner dritten Erdumrundung nahm er den Seemann Alexander Selkirk an Bord, der über vier Jahre ganz allein auf einer der Juan Fernandez-Inseln westlich von Chile gelebt hatte und der später als Robinson Crusoe in die Weltliteratur Eingang fand. Dampier starb 1715 in London und er wurde auf dem Kirchhof von St Michael & All Angels in einem heute unbekannten Grab beigesetzt. Sein Buch „Voyage Around the World“ erschien 2012 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Neue Reise um die Welt: Ein Pirat erforscht die Erde“ im Berliner Verlag der Pioniere, ein gewaltiges Werk von über 1000 Seiten.

Die Bewohner von East Coker sträuben sich nach wie vor gegen Pläne, direkt vor der Haustür eine riesige Neubausiedlung anzulegen, die den Charakter des Dorfes ihrer Meinung nach stark in Mitleidenschaft ziehen würde. Hier ist ein Film über das (bis jetzt) idyllische Dorf; dieser Film zeigt den Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt.

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Famous Graves – St Mary’s Church in Denham (Buckinghamshire) und Sir James Martin, der Erfinder des Schleudersitzes

St Mary's in Denham (Buckinghamshire). Eigenes Foto.

St Mary’s in Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Von meinem Besuch in Denham (Buckinghamshire) berichtete ich bereits mehfach in meinem Blog. Die Gemeindekirche St Mary’s war schon einige Male in der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ zu sehen; so heiratete Cully ihren Simon in dieser Kirche in Episode 60 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in Rot“) und in der zuletzt im britischen Fernsehen gesendeten Episode 100 „The Killings of Copenhagen“ (dt. „Barnaby muss reisen“) sind Szenen von der Kirche und dem umliegenden Kirchhof zu sehen. Der ehemalige Produzent der Fernsehserie Brian True-May heiratete hier 1969 seine Frau Maureen. Der Schauspieler Sir John Mills, der jahrelang gleich neben der Kirche wohnte, liegt auf dem Friedhof begraben und ebenfalls Sir James Martin, der in die Geschichte der Militärluftfahrt einging als Erfinder des Schleudersitzes und der dadurch zahlreichen Jetpiloten das Leben rettete. Man spricht von über 7000!

In Loving Memory of Sir James Martin CBE Knight Bachelor Engineer and Inventor who devoted his life to Aviation“ steht auf seinem Grabstein zu lesen und eingraviert sind ein Miltärjet und ein Schleudersitz.

Sir James Martin (1893-1981) gründete zusammen mit Captain Valentine Baker in den 1930er Jahren die Firma „Martin-Baker Aircraft Company Ltd„, die ursprünglich Flugzeuge baute. James Martin dachte immer wieder darüber nach wie Piloten in einem Notfall aus einem Flugzeug gerettet werden könnten, bis er schließlich auf die Idee mit dem Schleudersitz kam, der am 24. Juli 1946 erstmals über dem Chalgrove Airfield in Oxfordshire in einer Maschine des Typs Gloster Meteor in einer Höhe von 2400 Metern getestet wurde. Dieser Flugplatz wird noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke genutzt. Der weltgrößte Hersteller von Schleudersitzen hat schon über 70 000 dieser Lebensretter gebaut und in 93 Länder exportiert. Hier ist ein historischer Film aus dem Jahr 1955 vom Chalgrove Airfield, auf dem auch Sir James zu sehen ist.

Sir James Martin gründete 1957 den exklusiven Ejection Tie Club, in den nur Piloten aufgenommen werden, die mit Hilfe eines Martin-Baker Schleudersitzes in einem Notfall aus ihren Flugzeugen katapultiert worden sind. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit über 5800.

Der Firmensitz von Martin-Baker liegt dort, wo ihr Gründer seine letzte Ruhestätte gefunden hat, in Denham, genauer gesagt am Ende der Lower Road in Higher Denham. Hier ist ein Firmenvideo.

Das Chalgrove Airfield in Oxfordshire, das noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke benutzt wird.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Chalgrove Airfield in Oxfordshire, das noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke benutzt wird.
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Famous Graves – Catherine Parr und ihr Grabmal im Sudeley Castle (Gloucestershire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Über meinen Besuch im Sudeley Castle bei Winchcombe in Gloucestershire berichtete ich in meinem Blog schon vor einigen Jahren. Es ist ein sehr sehenswertes Schloss mit großartigen Parkanlagen, Gärten und romantischen Ruinen. Die Kirche St Mary’s steht dem Schloss gegenüber und sie beherbergt das Grabmal von Catherine Parr, der letzten Frau Heinrichs VIII, die ihren Mann um ein Jahr überlebte (eine tolle Leistung, wenn man an das Schicksal ihrer Vorgängerinnen denkt).

Am 5. September 1548 starb Catherine Parr im Alter von 36 Jahren auf Sudeley Castle, nachdem sie wenige Tage zuvor  ihre Tochter Mary Seymour geboren hatte. Man beerdigte sie in der St Mary’s Chapel, ohne dass ihr Mann, Thomas Seymour, anwesend war, denn der hatte sich schon auf den Weg nach London gemacht, um dort der damaligen Prinzessin Elizabeth den Hof zu machen (was ihm aber nicht gelang; er wurde ein Jahr später wegen Hochverrats hingerichtet).

Im Laufe der Jahre vergaß man Catherine Parrs Grab in St Mary’s; das Sudeley Castle wurde in den Wirren des Bürgerkriegs von den parlamentarischen Truppen in Teilen zerstört, auch die Kirche wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Erst 1782 entdeckte eine Gruppe von Frauen, die sich das Innere der Kirche ansahen, den Sarg der ehemaligen Königsgattin. Eine Inschrift ließ keinen Zweifel daran, wer darin lag. Als man den Sarg öffnete, fand man Catherine Parr fast genauso vor wie vor 230 Jahren: Ihr Körper war noch sehr gut erhalten. Das sollte sich aber in den folgenden Jahren ändern, als der Sarg immer mal wieder geöffnet wurde; am Ende blieb nur noch ein kleiner Haufen Staub übrig. 1861 verbrachte man den Sarg in die neu restaurierte Kirche, dort, wo er auch heute noch zu sehen ist. Der berühmte Sir George Gilbert Scott entwarf die liegende Statue von Catherine Parr, die dann von dem Bildhauer John Birnie Philip angefertigt wurde.

Im Sudeley Castle bewahrt man Memorabilia von Catherine Parr auf wie ihre Liebesbriefe an Thomas Seymour oder Bücher, die sie damals geschrieben hatte. Sehen kann man das alles in einer der vielen Ausstellungen im Schloss.

Verwundert es, dass Catherine Parr noch heute im Sudeley Castle als Geist umgehen soll (wie dieser Film zeigt)? Nein, wir sind ja schließlich in England…

Das Buch zum Artikel:
Lady Ashcombe: Behind Castle Walls At Sudeley Past and Present. Amberley Publishing 2009. 128 Seiten. ISBN 978-1848688018.

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St Mary’s.
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Sudeley Castle. Eigenes Foto.

Sudeley Castle.
Eigenes Foto.

Published in: on 19. Juli 2014 at 02:00  Comments (4)  
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Famous Graves – Henry Moore und St Thomas in Perry Green (Hertfordshire)

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Henry Moore (1898 – 1986) gehört in die erste Liga der Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Der in Yorkshire geborene Künstler verbrachte die größte Zeit seines Lebens in Hertfordshire, in dem kleinen Dorf Perry Green bei Much Hadham, südwestlich von Bishop’s Stortford. Hier, auf einem ehemaligen Bauernhof namens Hoglands, richtete sich Moore sein Studio ein, das bis heute besteht und von der Henry Moore Foundation betrieben wird. Auf dem zu bestimmten Zeiten (meist von Mai bis Oktober)  zugänglichen Gelände kann man in dem Skulpturengarten viele der Kunstwerke Moores bewundern.

Als weltberühmter Künstler empfing Henry Moore in Hoglands viele Prominente, die ihm in seinem Studio einen Besuch abstatteten, z.B. die Schauspielerinnen Julie Andrews und Lauren Bacall, die Schriftsteller W.H. Auden und Somerset Maugham und die Politiker Helmut Kohl und Francois Mitterand. Moore und seine Gäste waren häufig im Dorfpub, The Hoops Inn, zu finden, der nur ein paar Schritte vom Studio entfernt liegt.

Ende 2005 geriet Perry Green in die Schlagzeilen der Weltpresse, als dort nachts vom Hoglands-Gelände eine der berühmtesten Plastiken Moores, eine seiner Reclining Figures, gestohlen wurde, ein Koloss von über zwei Tonnen Gewicht, das nie wieder aufgetaucht ist und wahrscheinlich eingeschmolzen wurde. Noch einmal, im Jahr 2012, war das Gelände der Henry Moore Foundation das Ziel von Dieben, dieses Mal stahlen sie eine Skulptur namens Sundial.

Henry Moores Grab findet sich ebenfalls in Perry Green, auf dem kleinen Friedhof der Kirche St Thomas, etwas nördlich vom Dorf gelegen. Hier steht sein recht unscheinbarer Grabstein, direkt neben dem seiner Frau Irina, die drei Jahre nach ihrem Mann, im Jahr 1989 starb.

Hier ist ein Film über einen Rundgang durch das Gelände der Henry Moore Foundation.

Die St Thomas Church in Perry Green.    © Copyright Robert Edwards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Thomas Church in Perry Green.
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Henry Moores Studio Hoglands in Perry Green.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Henry Moores Studio Hoglands in Perry Green.
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Eine der Plastiken Henry Moores im Skulpturengarten von Perry Green.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine der Plastiken Henry Moores im Skulpturengarten von Perry Green.
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Der deutsche Soldatenfriedhof Cannock Chase in Staffordshire

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Broadhurst Green heißt die Straße, die die kleine Stadt Cannock in Staffordshire in nördlicher Richtung verlässt und zum deutschen Soldatenfriedhof im Wald von Cannock Chase führt. Hier hat man die sterblichen Überreste aller deutschen Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zusammengeführt, die auf englischem Boden gestorben sind. Das sind in erster Linie die in Kriegsgefangenschaft und in Internierungslagern gestorbenen Deutschen, aber auch die Besatzungen der Zeppeline, die im Ersten Weltkrieg über England abgeschossen wurden, sowie die Crews von abgestürzten Kampfflugzeugen und Seeleute, die an den Küsten angeschwemmt wurden.

1959 einigten sich die Regierungen Großbritanniens und der Bundesrepublik Deutschland darauf, diesen Zentralfriedhof anzulegen auf dem 2143 Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und 2786 Soldaten aus dem Zweiten Weltkieg beerdigt sind. Der Grund und Boden des Cannock Chase Friedhofs wurde vom Staffordshire County Council auf die Bundesrepublik Deutschland überschrieben. Der Volksbund Deutsche Kriegsgraberfürsorge beauftragte den Göttinger Architekten Diez Brandi mit der Anlage des Friedhofs, der die Arbeiten zusammen mit den beiden englischen Architekten Harold Doffman und Peter Leach aus Stafford durchführte. Am 10. Juni 1967 wurde der Cannock Chase Cemetery der Öffentlickeit übergeben.

Die meisten Grabsteine aus Granit sind so gestaltet, dass auf jeder Seite die Namen, Geburts- und Sterbetage (so weit bekannt) von zwei Soldaten eingraviert sind. Es liegen auch einige hochrangige deutsche Militärs auf dem Friedhof wie General Maximilian von Herff und Feldmarschall Ernst Bernhard Wilhelm Busch.

Der Soldatenfriedhof ist sehr ruhig gelegen und sehr schön in die Landschaft eingebettet, was dieser Film auf eindrucksvolle Weise zeigt.

German Military Cemetery
Broadhurst Green, Cannock Chase, WS12 4PT
Staffordshire

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Das Zigeunergrab auf dem Friedhof von St Mary’s in Odstock (Wiltshire)

 

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Nur ein paar Kilometer südlich von Salisbury liegt das kleine Dorf Odstock in Wiltshire, dessen Kirche St Mary’s, deren älteste Teile aus dem 12. Jahrhundert stammen, etwas außerhalb des Ortes in Richtung Nunton liegt. Auf dem Kirchhof findet sich ein Grabstein aus dem Jahr 1801 mit dem es eine besondere Bewandtnis hat. Am 1. April 1801 wurde der Zigeuner Joshua Scamp erhängt, weil er angeblich ein Pferd gestohlen haben soll, damals war das ein Kapitalverbrechen. Scamp beteuerte bis zuletzt seine Unschuld, wurde aber trotzdem hingerichtet. Nach seinem Tod stellte sich heraus, dass nicht er, sondern sein Schwiegersohn der Übeltäter war. Joshua Scamp wusste das, opferte aber sein Leben, um seinen Schwiegersohn zu schützen. Man beerdigte Scamp auf dem Kirchhof der kleinen Gemeinde Odstock und pflanzte einen Rosenstrauch auf sein Grab.

Jedes Jahr kam zu Scamps Todestag eine große Gruppe von Zigeunern nach Odstock, die sich erst im Pub des Dorfes, dem Yew Tree Inn, den es noch heute gibt, einige Pints gönnten und sich dann am Grab des Märtyrers versammelten, um seiner zu Gedenken. Dabei ging es offenbar recht turbulent zu, schließlich hatte man ja genügend viele Biere intus, denn nach ein paar Jahren mochten sich das der Pfarrer und sein Kirchenvorsteher nicht länger ansehen, denn sie schlossen die Kirche ab und entfernten den Rosenstrauch von Scamps Grab. Diese unfreundliche Aktion ärgerte die Zigeuner natürlich über die Maßen, so dass die Gypsy Queen einen Todesfluch aussprach, der jeden betraf, der in Zukunft die Kirchentür abschließen würde.

Die Tür blieb aber zu und…zwei Kirchenvorsteher starben tatsächlich vorzeitig. Der Pfarrer wollte nicht noch mehr seiner Leute verlieren und warf den Schlüssel zur Kirchentür in den River Ebble (natürlich nachdem er die Tür erst aufgeschlossen hatte!). Auch ein neuer Rosenstrauch wurde am Grabstein gepflanzt. Die Kirchentür blieb offen und niemand kam mehr zu Schaden (obwohl man sich erzählte, dass auch der Pfarrer eines unnatürlichen Todes starb).

Der Grabstein und der Rosenstrauch sind noch heute zu sehen. Auf dem Stein findet sich die Inschrift:

In memory of Joshua Scamp
Who died April 1st 1801
May his brave deed be remembered
To his credit here and hereafter

Die problematische Eingangstür zu St Mary's in Odstock.    © Copyright David Roberts and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 St Mary’s in Odstock.
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Hier im Yew Tree Inn stärkten sich die Zigeuner, bevor sie Joshua Scamps Grab aufsuchten.    © Copyright Jim Goldsmith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Yew Tree Inn stärkten sich die Zigeuner, bevor sie Joshua Scamps Grab aufsuchten.
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Der River Ebble, in dem der Schlüssel zur Tür von St Mary's liegt.    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der River Ebble, in dem der Schlüssel zur Tür von St Mary’s liegt.
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Published in: on 1. Mai 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Famous Graves – Kathleen Agnes Cavendish, Marchioness of Hartington, auf dem Kirchhof von St Peter’s in Edensor (Derbyshire)

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Das kleine Dorf Edensor in Derbyshire stand ursprünglich woanders, aber da der Anblick den 6. Duke of Devonshire von seinem Anwesen Chatsworth House aus störte, ließ er es zwischen 1838 und 1842 einfach abreißen und da wieder aufbauen, wo es seinem Blickfeld entzogen war. So einfach war das damals. Auch die Kirche St Peter’s wurde im neuen Dorf Edensor nach Plänen von Sir George Gilbert Scott neu gebaut, wobei Teile der alten Kirche integriert wurden.

Viele der Dukes of Devonshire liegen auf dem Kirchhof von St Peter’s begraben, auch eine Angeheiratete der Familie Cavendish, die US-Amerikanerin Kathleen Agnes Cavendish, Marchioness of Hartington, die zu ihrem Titel kam, weil sie den ältesten Sohn des 10. Dukes of Devonshire geheiratet hatte, William Cavendish, Marquess of Hartington. Kathleen war niemand anderes als die Schwester des späteren US-Präsidenten John F. Kennedy. Die beiden hatten 1944 geheiratet, was auf nicht allzuviel Begeisterung bei der Kennedy-Familie (die Cavendishs waren protestantisch, die Kennedys katholisch) hervorrief und so war bei der Hochzeit auch nur Kathleens ältester Bruder Joe anwesend, der nur wenige Monate später im Krieg fiel. Auch Kathleens Ehemann kam noch im gleichen Jahr in Belgien bei einer miltärischen Aktion ums Leben.

Am 13. Mai 1948 traf es auch die Marchioness of Hartington, als sie, zusammen mit ihrem neuen Freund, Peter Wentworth-Fitzwilliam, bei einem Flugzeugunglück in der Ardèche in Frankreich ums Leben kam. Sie wurde nur 28 Jahre alt. War das auf den sogenannten „Kennedy-Fluch“ zurückzuführen?

John F. Kennedys Schwester wurde auf dem Kirchhof von St Peter’s in Edensor begraben. Ihr Bruder besuchte das Grab einige Monate, bevor er selbst bei einem Attentat getötet wurde.

Die Grabinschrift lautet:
In Loving Memory of KATHLEEN (1920 – 1948)
Widow of Major The Marquess of Hartington Killed in Action & Daughter of The Hon. Joseph Kennedy Sometime Ambassador of the United States to Great Britain. Joy She Gave Joy She Has Found.

Hier ist eine kleine Hommage an Kathleen Kennedy.

Kathleen Kennedy. This work is in the public domain i

Kathleen Agnes Cavendish, Marchioness of Hartington.
This work is in the public domain.

Edensor in Derbyshire mit St Peter's.     © Copyright Russel Wills and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Edensor in Derbyshire mit St Peter’s.
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Limpsfield (Surrey): St Peter’s Churchyard und die Musikergräber

St Peter's Church in Limpsfield (Surrey).    © Copyright b davies

St Peter’s Church in Limpsfield (Surrey).
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An der A25, einer meiner Lieblingsstraßen in England, liegt zwischen Westerham und Godstone in Surrey der kleine hübsche Ort Limpsfield. Auf dem Kirchhof von St Peter’s findet sich eine regelrechte „Zusammenballung“ von Musikergräbern, die es in dieser Form vielleicht auf keinem anderen Friedhof in England gibt (vielleicht mit Ausnahme der großen Londoner „Konkurrenten“).

Da haben wir einmal das Grab des englischen Komponisten Frederick Delius (1862-1934), der in Frankreich starb und dort auch vorübergehend beigesetzt wurde, aber er wollte seine letzte Ruhestätte imme schon gern im Süden Englands haben und so suchte und fand seine Frau Jelka schließlich diesen Platz in Limpsfield, zu dem seine sterblichen Überreste ein Jahr nach seinem Tod gebracht wurden. Jelka Delius, eine deutsche Malerin, starb 1935 und wurde an der Seite ihres Mannes begraben.

Der große Dirigent Sir Thomas Beecham (1879-1961), ein großer Verehrer von Frederick Delius, hielt die Grabrede und auch er liegt hier in Limpsfield begraben, nachdem er 30 Jahre lang auf dem Brookwood Cemetery in Woking gelegen hatte. 1991 wurde Sir Thomas hierher überführt.

Direkt neben ihm wurde ein anderer Dirigent beigesetzt: Norman Del Mar (1919-1994). Er leitete von 1951 bis 1954 das London Philharmonic Orchestra und von 1960 bis 1965 das BBC Scottish Symphony Orchestra.

Auf der anderen Seite von Sir Thomas Beecham finden wir das Grab der australischen Konzertpianisten Eileen Joyce (1912-1991). Sie hatte im Laufe ihrer langen Karriere sowohl mit Beecham als auch mit Del Mar zusammengearbeitet. Sie wohnte ganz in der Nähe auf der Chartwell Farm, die sie Sir Winston Churchill abgekauft hatte.

Weiter geht es mit Beatrice Harrison (1892-1965), eine Cellistin, die Werke von Frederick Delius gespielt hatte und für die Delius auch ein Konzert schrieb. Bei der Beerdigung des Komponisten spielte sie ebenfalls. Harrison wohnte im Nachbarort Oxted. In ihrem Garten spielte sie einmall Cello und wurde dabei von Nachtigallen begleitet (hier zu hören). Neben Beatrice liegen hier auch ihre Schwestern May, eine Violonistin, und Monica, eine Sängerin, begraben.

So haben sich hier auf dem ruhigen Friedhof rund um die Kirche von St Peter viele Musiker wiedervereinigt, die auch im Leben miteinander zu tun gehabt haben.

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Published in: on 22. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Peter the Wild Boy

Peters Grab auf dem Friedhof von St Mary's in Northchurch (Hertfordshire).    © Copyright Martin

Peters Grab auf dem Friedhof von St Mary’s in Northchurch (Hertfordshire).
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Auf dem Friedhof der Kirche St Mary’s in Northchurch (Hertfordshire) bei Berkhamsted steht ein einfacher Grabstein mit der Inschrift „Peter the Wild Boy 1785„. Im Februar 1785 starb jener Peter im Alter von möglicherweise 74 Jahren hier in Hertfordshire und sogar heute noch werden hin und wieder Blumen vor seinem Grabstein abgelegt.

Der „wilde Peter“ wurde 1724 in der Nähe von Hameln aufgefunden, wo er wie ein wildes Tier lebte. Sein Alter schätzte man damals auf ca 12-13 Jahre. König Georg I. wurde auf den Jungen aufmerksam, und er brachte ihn mit an den Hof nach London, wo er im Kensington Palace wie ein menschliches Haustier gehalten wurde. Sprechen konnte Peter so gut wie gar nicht und am liebsten bewegte er sich auf allen vieren vorwärts. Der bekannte Arzt John Arbuthnot nahm sich seiner an, aber auch seine Erziehungsversuche scheiterten.

Peter war seinerzeit eine Mediensensation und man schrieb von ihm als „The Most Wonderful Wonder that ever appeared to the Wonder of the British Nation“. Aber auch dieses Interesse nahm langsam ab und man schickte ihn schließlich auf eine Farm in Hertfordshire, die einem ehemaligen Hofbeamten gehörte. Dort lebte Peter bis zu seinem Tode. Er trug stets eine Art Halsband auf dem eingraviert war: „Peter the Wild Man of Hanover. Whoever will bring him to Mr Fenn at Berkhamsted shall be paid for their trouble„, denn hin und wieder verließ Peter den Hof und wanderte durch die Gegend. Der Mann mit der mysteriösen Vergangenheit soll ein friedlicher Mensch gewesen sein, der nie Ärger machte und wohl mit seinem Leben zufrieden war. 1785 starb Peter the Wild Boy auf der Broadway Farm (die heute B&B und Cottageaufenthalte anbietet) an der London Road, der A4251.
Spätere Untersuchungen haben ergeben, dass er wahrscheinlich an einer genetischen Erkrankung, dem Pitt-Hopkins-Syndrom, litt.

In Norwich in Norfolk gibt es einen Pub, „The Wildman„, der mit seinem Namen an Peter erinnert. Er soll hier im Jahr 1751 plötzlich aufgetaucht sein. Man sperrte ihn für kurze Zeit ein, brachte ihn dann aber wieder auf die Farm zurück. Auf einer blauen Plakette am Pub in der Bedford Street in Norwich wird das Geschehen noch einmal kurz geschildert.

Der alte Grabstein auf dem Friedhof von St Mary’s steht seit kurzem unter Denkmalschutz.

Die Historikerin Lucy Worsley hat sich eingehend mit Peter the Wild Boy beschäftigt. Hier ist ein Film von ihr, in dem sie die mysteriöse Figur porträtiert.

Anne Brontë und ihr Grab auf dem Friedhof von St Mary’s in Scarborough (East Yorkshire)

Der alte Grabstein und die neue Plakette auf dem Friedhof von St Mary's in Scarborough.    © Copyright Christopher Hilton

Der alte Grabstein und die neue Plakette auf dem Friedhof von St Mary’s in Scarborough.
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Anne Brontë ist wohl die unbekanntere der drei Schwestern aus Haworth (West Yorkshire). Die 1820 geborene Anne schrieb nur zwei Romane: „Agnes Grey“ (1847) und „The Tenant of Wildfell Hall“ (1848). Schon früh erkrankte sie an Tuberkulose, was sicher auch auf die Lebensumstände in dem alten Pfarrhaus in Haworth zurückzuführen ist.
1849 begab sie sich mit ihrer Schwester Charlotte und Ellen Nussey, einer Freundin der Familie, nach Scarborough an die Ostküste Yorkshires, weil man hoffte, dass das Klima dort eine positive Wirkung auf den Gesundheitszustand Annes bringen würde. Sie  bezogen ihr Quartier in dem Haus No.2 the Cliff, das es heute nicht mehr gibt. An dieser Stelle steht heute das riesige The Grand Hotel (ich berichtete in meinem Blog darüber). Eine blaue Plakette erinnert an den Ort, an dem die Schriftstellerin am 28. Mai 1949 im Alter von nur 29 Jahren starb.

Der Trauergottesdienst fand in der Kirche Christ Church statt; anschließend brachte man die sterblichen Überreste Annes zum Kirchhof von St Mary’s, wo sie ihre letzte Ruhestätte finden sollte. Die Kirche liegt auf dem Castle Hill, von wo man einen sehr schönen Blick auf die Stadt Scarborough und das Meer hat. Als Annes Schwester Charlotte das Grab besuchte, musste sie zu ihrem Ärger feststellen, dass die Inschrift auf dem Grabstein fünf Fehler aufwies, die bis auf einen dann auch korrigiert wurden. Falsch ist die Angabe „She died, Aged 28“, denn Anne starb mit 29 Jahren.

Im Laufe der Jahre nagte der Zahn der Zeit an dem Grabstein und die Inschrift ist teilweise kaum noch zu lesen. Die BrontëSociety ließ daraufhin 2011 eine neue Plakette anfertigen, die vor dem alten Grabstein platziert wurde. Darauf steht noch einmal die Originalinschrift und ein Hinweis auf den Fehler mit Annes Sterbealter. Im Mai diesen Jahres wurde der Gedenkstein offiziell eingeweiht, wobei Mitglieder der Brontë-Society einige Gedichte von Anne vortrugen und die Vorsitzende der Gesellschaft, Sally McDonald, eine Rede über die Entstehung der neuen Plakette hielt.
Die letzte Ruhestätte Anne Brontës ist in guten Händen, denn die Gesellschaft kümmert sich liebevoll um das Grab. Charlotte und Emily, die beiden älteren Schwestern, und auch die anderen Familienmitglieder wurden in der Kirche St Michael and All Angels in Haworth beigesetzt.

Hier ist ein Film über St Mary’s und Annes Grab.

Das Buch zum Artikel:
Edward Chitham: Life of Anne Brontë. Wiley-Blackwell 1993. 236 Seiten. ISBN 978-0631189442.

George Orwell und sein Grab auf dem Friedhof von All Saints in Sutton Courtenay (Oxfordshire)

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George Orwell, sein richtiger Name war Eric Arthur Blair, ist einer der ganz Großen der Weltliteratur, dessen Roman „1984„, den er 1949 schrieb und der eine Schreckensvision für die Zukunft beinhaltet, mittlerweile von der Realität des 21. Jahrhunderts eingeholt bzw. überholt worden ist.

Orwell starb am 21. Januar 1950 in London im Alter von 46 Jahren an Tuberkulose. Er wollte gern nach den Riten der Anglikanischen Kirche beigesetzt werden; da er keiner Kirchengemeinde angehörte, arrangierten Freunde des Schriftstellers einen Gottesdienst in der Londoner Christ Church. Orwells Wunsch nach einem letzten Ruheplatz auf einem Friedhof auf dem Lande konnte ihm sein Freund, der Zeitungsverleger David Astor erfüllen. Astor, der in Sutton Courtenay in Oxfordshire lebte, sprach mit dem Vikar des Dorfes, der einwilligte, den großen Schriftsteller auf seinem Friedhof zu beerdigen.

So ist nun The Church of All Saints, nur wenige hundert Meter von der Themse entfernt, zu einem Wallfahrtsort für alle Anhänger des Autors von „1984“ geworden. Auf dem einfachen Grabstein steht lediglich „Here lies Eric Arthur Blair, Born June 25th 1903 – Died January 21st 1950„. Da es hin und wieder zu Irritationen bei Besuchern des Friedhofs führt, die nach einem Grab mit der Aufschrift „George Orwell“ suchen, hat man an der Kirchentür einen kleinen Wegweiser zu der Grabstelle angebracht.
Direkt neben Blair/Orwell findet man auch das Grab David Astors, der am 7. Dezember 2001 starb und frühzeitig diesen Platz neben seinem Freund für sich reserviert hatte.

Ist es ein Zufall, dass direkt vor der Kirche ein Pub namens „George & Dragon“ steht?

Sutton Courtenay liegt südlich von Abingdon an der B4016.

Hier ist ein Film über einen Besuch auf dem Friedhof von Sutton Courtenay.

Die All Saints Church in Sutton Courtenay.   © Copyright Bill Nicholls

Die Church of All Saints in Sutton Courtenay.
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Richard Burton und seine seltsame letzte Ruhestätte in Mortlake (Greater London)

Mit freundlicher Genehmigung von Tom Holland.

Um es gleich vorweg zu sagen, dieser Richard Burton ist nicht der Schauspieler und ehemalige Ehemann von Elizabeth Taylor, sondern der Afrikaforscher, Orientalist und Übersetzer aus dem 19. Jahrhundert.

Sir Richard Francis Burton (1821 – 1890) gehört zu den großen britischen Forscherpersönlichkeiten jener Zeit, der viel Zeit in Afrika auf der Suche nach den Nilquellen verbrachte, gemeinsam mit John Hanning Speke den Tanganjikasee entdeckte und als Erster, zusammen mit dem Deutschen Gustav Mann, den Kamerunberg erstieg.
Burton war ein Sprachgenie und lernte auf seinen Reisen durch Afrika und Asien zahlreiche Sprachen, darunter Arabisch,  Swahili, Hindustani und Persisch.

Diese Fähigkeit nutzte er auch als Übersetzer, z.B. des Kama Sutra“ und der Erzählungssammlung „Tausendundeinenacht“.

Am 20. Oktober 1890 starb Richard Burton an den Folgen eines Herzinfarkts in Triest. Beigesetzt wurde er in Mortlake, im Südwesten Londons, auf dem Kirchhof der St Mary Magdalen’s Roman Catholic Church am North Worple Way. Sein Grabmal in Form eines Beduinenzeltes ist leicht auszumachen und wurde von seiner Frau Isabel Arundell entworfen, die dort an der Seite ihres Mannes ruht. Durch ein Fenster auf der Rückseite des Mausoleums kann man über eine kleine Leiter die Särge der beiden sehen.

Burton äußerte vor seinem Tod den Wunsch, einmal zusammen mit seiner Frau bis in alle Ewigkeit Seite an Seite in einem Zelt zu liegen. Am 15. Februar 1891 fand die Beerdigung statt; seine Frau folgte ihm fünf Jahre später ins Grab.

Das Mausoleum wurde im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder renoviert, denn sowohl Vandalismus als auch der Zahn der Zeit fügten dem steinernen Beduinenzelt Schäden zu. Für die dazu erforderlichen Arbeiten fanden sich glücklicherweise Geldgeber wie die Royal Geographical Society.

In Deutschland wurde der Name Richard Burton durch zwei Bücher von Ilija Trojanow wieder bekannt: „Nomade auf vier Kontinenten“ und „Der Weltensammler“, beide zeichnen das Leben des britischen Forschers nach.

1990 entstand ein US-amerikanischer Abenteuerfilm über die Entdeckungsreisen Burtons in Afrika mit dem Titel „Mountains of the Moon“ (dt. „Land der schwarzen Sonne“) unter der Regie von Bob Rafelson. Hier ist der Trailer zum Film.

Hier ist ein kleiner Film über das Grabmal.

In Brightling in East Sussex ließ sich John „Mad Jack“ Fuller in ähnlicher Form bestatten. Er wählte eine Pyramide als letzte Ruhestätte (s. dazu meinen Blogeintrag).

Das Buch zum Artikel:
Mary S. Lovell: A Rage To Live – A Biography of Richard and Isabel Burton. Abacus 1999. 928 Seiten. ISBN 978-0349110165.

Author: Svarochek. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der Kensal Green Cemetery – Eine grüne Oase im Westen Londons

Der Haupteingang zum Kensal Green Cemetery an der Harrow Road.
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Als die hygienischen Zustände auf den Londoner Friedhöfen im 19. Jahrhundert immer schlimmer wurden, entschied man sich dafür, neue große Anlagen dafür vorzusehen. Bisher bestattete man die Toten auf kleinen Kirchhöfen, die schnell überfüllt waren. 1832 wurde ein Gesetz erlassen, das private Friedhöfe zuließ und der erste der sogenannten „Magnificent Seven„, der Kensal Green Cemetery, wurde am 24. Januar 1833 vom Bischof von London geweiht und in diesem Monat fand auch die erste Beerdigung statt.

Vorbild für den Kensal Green Cemetery war der Pariser Friedhof Père Lachaise und so pflanzte man gleich zu Beginn 800 Bäume, um der Anlage einen parkähnlichen Charakter zu geben. Wie in Paris findet man auch auf dem Londoner Pendant zahlreiche große Mausoleen, in denen die Reichen und Berühmten beigesetzt wurden.
Betrieben wird Kensal Green seit Beginn bis heute von der General Cemetery Company, die auch für das West London Crematorium zuständig ist, das auf dem gleichen Gelände liegt.

Über 65 000 Grabstellen findet man hier und es sollen 550 Berühmtheiten in Kensal Green beerdigt worden sein, deren Namen im Dictionary of National Biography stehen. Hier einige Beispiele:

– Die beiden Ingenieure Sir Marc Isambard Brunel und sein Sohn Isambard Kingdom Brunel
– Der Schriftsteller William Makepeace Thackeray
– Der Schriftsteller Wilkie Collins
– Der Mathematiker und Erfinder Charles Babbage
– Der österreichische Lyriker Erich Fried
– Der Nobelpreisträger Harold Pinter
– Der Erfinder und Industrielle Carl Wilhelm Siemens

Im West London Crematorium wurden seinerzeit die Schauspielerin Ingrid Bergman und der Queen-Sänger Freddie Mercury verbrannt.

Die Friends of Kensal Green Cemetery bieten im Sommerhalbjahr jeden Sonntag um 14 Uhr eine geführte Tour durch den Friedhof an, die zeitweise auch die Katakomben einschließt, die unter der Anglican Chapel liegen. Im Winterhalbjahr finden diese Touren nur an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat statt.

Hier sind einige stimmungsvolle Bilder vom Kensal Green Cemetery zu sehen.

Kensal Green Cemetery
Harrow Road
London
W10 4RA

Das Buch zum Artikel:
James Stevens Curl: Kensal Green Cemetery. Phillimore 2001. 448 Seiten. ISBN 978-1860771941.

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