„Lucy Worsley’s Victorian Murder Club“ – Eine dreiteilige TV-Dokumentation der BBC aus diesem Jahr, in der der Fall des Thames Torso Murderers neu aufgerollt wird 

Die Themse, das damalige „Arbeitsgebiet“ des Thames Torso-Killers.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Im Oktober 2024 erschien im Verlag The History Press ein Buch mit dem Titel „Arm of Eve:
Investigating the Thames Torso Killer
“ der Autorin Sarah Bax Horton, in dem sie sich mit einer Mordserie in London beschäftigt, die sich zeitgleich mit den Jack the Ripper-Fällen zugetragen hat. Der sogenannte Thames Torso-Killer konnte nie überführt werden. Auch über den Serienmörder Jack the Ripper hat Sarah Bax Horton eine Vermutung, die sie in dem Buch „One-Armed Jack: Uncovering the Real Jack the Ripper“ (2023 erschienen) niedergeschrieben hat.

Auf der Basis des Buches über den Thames Torso Killer hat die BBC eine dreiteilige, dreistündige Dokumentation erstellt, die im Januar diesen Jahres gesendet worden ist und die ich mir gestern angesehen habe. Der Titel lautet „Lucy Worsley’s Victorian Murder Club„. Lucy Worsley ist eine Historikerin, die bereits mehrere, wie ich finde sehr interessante TV-Dokumentationen erstellt hat und die ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe.

Der Victorian Murder Club besteht neben Lucy Worsley aus Kate Lister, Spezialistin für das Thema Geschichte der Sexualität, Rose Wallis, Professorin an der University of West England in Bristol mit dem Schwerpunkt Britische Sozialgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert, und Nadifa Mohamed, britisch-somalische Romanautorin. Die vier Frauen betreiben umfangreiche Recherchen und diskutieren darüber, wer wohl der Thames Torso Killer gewesen sein könnte, der in den Jahre 1887-1889 vier Frauen zerstückelte und deren Überreste in die Themse warf beziehungsweise im Stadtgebiet verteilte. Nur eine der Frauen konnte damals identifiziert werden; mehrere Männer gerieten in den Fokus der Ermittlungen, keiner konnte überführt werden. Kommen die vier Victorian Murder Club-Teilnehmer weiter und können sie den Cold Case aufklären? Mit Unterstützung der forensischen Pathologin Marie Cassidy und der renommierten Professorin für Kriminalpsychologie Sam Lundrigan, die ein Profil des Serienmörders erstellt, kommen Lucy Worsley und ihr Team zu dem Ergebnis, dass es ein Bootsführer auf der Themse namens James Crick gewesen sein muss, der schon früher durch Gewalt gegenüber Frauen aufgefallen ist. Case closed? Möglicherweise.

Die dreiteilige Dokumentation ist hier in voller Länge zu sehen. Der Youtube Channel The House of Lechmere ist mit dem Ergebnis der Recherchen von Lucy Worsley nicht ganz einverstanden. Hier ist das entsprechende Video zu sehen.

Das ehemalige New Scotland Yard-Gebäude an der Themse, wo der Thames Torso Killer damals auch Körperteile ablegte.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Clarion House bei Roughlee (Lancashire) – Das letzte der Clarion-Häuser in Großbritannien

Photo: ukdamian.
Creative Commons NC 2.0

1891 gründete Robert Blatchford (1851-1943) in Manchester eine Wochenzeitung, die er The Clarion nannte und die sich vorwiegend mit sozialistisch geprägten Themen in Großbritannien beschäftigte. Im Jahr 1934 ist sie eingestellt worden. Aus ihr entwickelte sich The Clarion Movement, eine sozialistische Freizeit- und Kulturorganisation, die Wert auf gemeinsame Freizeitbeschäftigungen und Kameradschaft legte. Zu diesem Zweck wurden hauptsächlich im Norden Englands Clarion-Häuser gebaut, die als Treffpunkt für die Anhänger der Bewegung dienten. In diesen Vereinshäusern konnten Menschen aus den industriellen Ballungsgebieten auch für wenig Geld übernachten. Der National Clarion Cycling Club unternahm Radtouren durch das Land, die Clarion Ramblers wanderten gemeinsam und die Clarion Vocal Unions waren Chorgemeinschaften, die sich der Musik widmeten.

Ganz wichtig aber waren eben die Clarion-Häuser von denen heute nur noch eines existiert, ein im Jahr 1912 erbautes in Lancashire, am Jinny Lane, einer Straße, die von Roughlee nach Newchurch-in-Pendle führt. Hier treffen sich heute Menschen, die noch immer mit der Clarion-Bewegung sympathisieren, man erhält Tee und Snacks, und jeder kann gern sein Picknick mitbringen. Das Haus ist allerdings nur sonntags zwischen 10.30 Uhr und 16 Uhr geöffnet. Es liegt nicht weit vom Pendle Hill entfernt, dem unheimlichen Berg der Hexen, über den ich in meinem Blog schon einmal schrieb.
Hier ist ein Film über das letzte Clarion-Haus.

Der Clarion House Way ist ein etwa vierzig Kilometer langer Rundwanderweg, der hier an dem Haus beginnt und zu zwei ehemaligen Clarion-Häusern in Burnley und in Colne führt.

Photo: ukdamian.
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Photo: ukdamian.
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Published in: on 5. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Alport Castles im Peak District National Park in Derbyshire

Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

Besucher des Peak District National Parks in der Grafschaft Derbyshire, die sich etwas weiter in die rauhe Landschaft hineinwagen, werden nördlich des Snake Pass mit einer eigenartigen Felsgruppe konfrontiert, die wie eine Ansammlung von Burgen aussieht, und die daher auch den Namen Alport Castles trägt, benannt nach dem recht kurzen, nur neun Kilometer langen River Alport. Die „mittelalterlichen Burgen“ sind das Ergebnis eines gewaltigen Erdrutsches, der sich vor etwa 8000 Jahren auf einer Länge von 800 Metern ereignete; der größte Erdrutsch, den es je in Großbritannien gegeben hat. Schichten aus Schiefergestein hatten dem Gewicht des über ihnen lagerndem Sandstein nicht mehr standgehalten und waren zusammengestürzt. Ähnliches, aber nicht ganz so Spektakuläres, hatte sich im Peak District am Mam Tor ereignet; siehe dazu meinen Blogeintrag.

Wer diese Region einmal besuchen möchte, kann sein Auto beispielsweise an der A57 an einem der Parkplätze am Snake Pass abstellen und von dort in circa zwei Stunden zu den Alport Castles gelangen.

Auf der Alport Castle Farm, etwas unterhalb der Felsformationen gelegen, wurde die Frauenrechtlerin Hannah Mitchell (1872-1956) geboren und verbrachte hier ihre Kindheit. Mit vierzehn Jahren verließ sie im Streit ihr Elternhaus und zog zu ihrem Bruder nach Glossop, einer Stadt, die ebenfalls im Peak District in Derbyshire liegt. Sie engagierte sich sehr für das Frauenwahlrecht, war im Stadtrat von Manchester tätig und arbeitete viele Jahre als Friedensrichterin. In ihrem Buch „The Hard Way Up, the Autobiography of Hannah Mitchell, Suffragette and Rebel“ schreibt sie auch von ihrer nicht ganz leichten Kindheit am Fuße der Alport Castles.

Dieser Film zeigt die Alport Castles von einer Drohne aus.

Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

Alport Castle Farm.
Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Oswaldtwistle in Lancashire und der größte Birnenbonbon der Welt

Photo: tubblesnap.
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Pear drops“, also Birnenbonbons, gehören zu den populären Süßigkeiten im Königreich. Zu den Inhaltsstoffen gehören, laut Wikipedia, die wenig appetitlich klingenden chemischen Verbindungen Essigsäureisopentylester und Essigsäureethylester. Okay, wenn man das nicht weiß, schmecken die „pear drops“ wahrscheinlich gut; ich habe sie noch nie probiert.
In dem Einkaufszentrum Oswaldtwistle Mills in der Stadt Oswaldtwistle in Lancashire finden wir den größten Birnenbonbon der Welt, der jemals hergestellt worden ist. Er ist 1,70 Meter groß und hat einen Umfang von 2,40 Meter. Sein Gewicht beträgt 585 Kilogramm und für die Herstellung benötigten im Jahr 1995 zwei Arbeiter zehn Tage. Damit niemand dem Riesenbonbon zu nahe tritt, wird er sicher in einem Glaskasten aufbewahrt und von den Besuchern des Einkaufszentrum bestaunt.

Die Firma Stockley’s Sweets, die schon seit 1918 im Geschäft ist und alles herstellt, was speziell Kinderherzen höher schlagen lässt, hat dieses Monstrum geschaffen. Zu den weiteren Produkten aus dem Hause Stockley’s Sweets zählen unter anderem Lakritzstangen, Fudges, Toffees und jede Menge anderer Bonbons, beispielsweise mit den Geschmacksrichtungen Zitronensorbet und Rhabarber und Vanillepudding. Stockley’s, nach dem Firmengründer Malcolm Stockley benannt, produzierte früher hier in Oswaldtwistle ihre Süßigkeiten, zog dann aber aus Platzgründen erst nach Blackburn und dann nach Burnley (Lancashire), wo sie heute ansässig ist.

Hier ist ein Film über den weltgrößten „pear drop“, dieser Film zeigt wie diese Süßigkeit hergestellt wird und hier ist das Oswaldtwistle Mills Shopping Village zu sehen.

Sie sehen ganz appetitlich aus, diese „pear drops“.
Photo: Kate C. Hopkins.
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Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Kurioses und Merkwürdiges aus dem britischen Parlament in London

Photo: UK Parliament.
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Ich habe mich immer gefragt, warum eigentlich die Abgeordneten im britischen Parlament häufig aufstehen und sich gleich wieder hinsetzen, und warum so oft einige von ihnen nicht auf den Bänken Platz nehmen, sondern während der Sitzungen stehen. Und wofür sind eigentlich die beiden roten Streifen auf dem Fußboden vor den Sitzreihen gut. Es gibt schon einige Merkwürdigkeiten im House of Commons.

Das Unterhaus verfügt über 427 Plätze, es gibt aber 650 Abgeordnete; also: Es müssen immer einige stehen. Die meisten Stehenden sind im Eingangsbereich zu finden oder sitzen auf den Treppen. Wie gut haben es da doch die deutschen Volksvertreter im Bundestag, wo jede beziehungsweise jeder einen eigenen Platz hat.

Klatschen nach einer Rede ist ein absolutes No-Go, dafür gibt es ein zustimmendes „Yeah! Yeah!“ oder ein „Hear! Hear!„. Ist man mit einer Rede unzufrieden, so hört man Zwischenrufe, es wird gebuht oder gejohlt, so dass oft der Speaker eingreifen muss, um die Ordnung wieder herzustellen (zum aktuellen Speaker, Sir Lindsay Hoyle, siehe diesen Blogeintrag).

Um auf die eingangs erwähnten Fragen zurückzukommen. Der Grund, warum manche Parlamentarier kurz aufstehen und sich gleich wieder hinsetzen, ist der, dass sie damit dem Speaker signalisieren wollen, dass sie eine Frage zu der vorangegangenen Rede haben, sich bei Debatten zu Wort melden wollen oder bei den regelmäßigen Prime Minister’s Questions eine Zusatzfrage haben. Es ist die Aufgabe des Speakers, diese Fragen zuzulassen oder sie einfach zu ignorieren. Manche stehen auch auf, um ihr Missfallen zu einem Punkt einer Rede zum Ausdruck zu bringen. Dieser Film bringt diesen Sachverhalt noch einmal auf den Punkt.

Die beiden roten Linien auf dem Teppich, jeweils vor den Sitzreihen der Regierung und der Opposition, heißen Bianca Lines und dienen dazu, Abstand voneinender zu halten, und sie sind exakt zwei Degenlängen entfernt. Ein Brauch, der noch aus dem Mittelalter stammt, als manche Parlamentarier ihre Degen mit ins House of Commons brachten. Damit es nicht zu blutigen Auseinandersetzungen kam, durften diese roten Linien nicht überschritten werden. Heute kommen die MPs eher nicht mehr mit Degen ins Unterhaus; doch die Regel besteht weiterhin, die Linie darf während einer Sitzung nicht überschritten werden.

Dieser Film von einer  Prime Minister’s Question Time zeigt beispielhaft wie es da im Parlament zugeht.

Was es mit den „despatch boxes“ auf sich hat, die bei Reden im Unterhaus als Pult dienen, habe ich in diesem Blogeintrag geschrieben.

Published in: on 2. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Jeremy Bamber und die White House Farm-Morde am 7. August 1985

Die White House Farm in Essex
Photo: Glyn Baker.
Creative Commons 2.0

Die White House Farm in Essex
Photo: Glyn Baker
Creative Commons 2.0

In der Nacht vom 6. auf den 7. April wurden auf der White House Farm in Essex fünf Menschen erschossen. Die Farm am Pages Lane zwischen den Ortschaften Goldhanger und Tolleshunt d’Arcy gehörte dem Ehepaar Nevill und June Bamber, die neben dem landwirtschaftlichen Betrieb auch noch einen Campingplatz auf dem Gelände betrieben. Die Opfer der nächtlichen Morde waren neben dem Ehepaar noch ihre Adoptivtochter Sheila Caffell und deren sechsjährige Zwillingssöhne Daniel und Nicholas. Zu der Familie gehörte noch der Sohn Jeremy Bamber, ebenfalls adoptiert, der nicht auf der Farm wohnte.
Nach einem angeblichen Anruf von Nevill Bamber bei seinem Sohn, in dem er ihm mitteilte, dass seine an Schizophrenie leidende Schwester Sheila durchgedreht sei und mit einem geladenen Gewehr durch das Haus liefe, verständigte Jeremy die Polizei, die wenig später auf der Farm eintraf, wo auch der Sohn mit dazu stieß. Die Polizisten fanden im Farmhaus die Leichen der erschossenen Familienmtglieder. Schnell war den Behörden klar, dass Sheila die Mörderin war, die sich anschließend selbst mit dem Gewehr tötete.
Doch schnell kamen Zweifel an dem Ablauf des schrecklichen Verbrechens auf, und Jeremy geriet in den Fokus der Ermittler. Seine ehemalige Freundin Julie Mugford belastetete ihn schwer, und ein mit Blut beschmierter Schalldämpfer, der in einem Schrank gefunden wurde und den Sheila nicht dorthin hätte platzieren können, nachdem sie sich selbst erschossen hatte. Das Tatmotiv soll Geldgier gewesen sein; Jeremy wollte das Erbe seines Adoptivvaters für sich ganz allein.

Jeremy Bamber wurde vor dem Chelmsford Crown Court vor Gericht gestellt, für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Er hat bis heute seine Unschuld beteuert und mit seiner Verteidigung immer wieder Versuche unternommen, den Fall erneut aufzurollen, aber vergeblich. Es gibt auch heute noch Menschen, die nicht von Jeremys Schuld überzeugt sind.

Nevill und June Bamber sind auf dem Kirchhof von St Nicholas in Tolleshunt d’Arcy begraben. Sheila, Daniel und Nicholas haben ihre letzte Ruhestätte auf Londons Highgate Cemetery East gefunden (Square 136, Grave 51461).

Der White House Farm Murder-Fall sorgte natürlich in ganz Großbritannien für Aufsehen; es gibt viele True Crime-Dokumentationen darüber, ITV produzierte die sechsteilige Fernsehserie „White House Farm“ und Bücher sind geschrieben worden wie beispielsweise „The Murders at White House Farm: Jeremy Bamber and the killing of his family. The definitive investigation“ von Carol Ann Lee.

In diesem Film wird der Mordfall noch einmal rekonstruiert.

Die Zufahrt zur Farm.
Photo © Robert Edwards (cc-by-sa/2.0)

Die Head Street in Goldhanger in der Jeremy Bamber wohnte.
Photo © Glyn Baker (cc-by-sa/2.0)

Tafel in der St Nicholas Church in Tolleshunt d’Arcy.
Photo © William Metcalfe (cc-by-sa/2.0)

Die auf der Tafel erwähnte Laterne vor der St Nicholas Church.
Photo © William Metcalfe (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Februar 2026 at 02:00  Comments (1)