The Grimsby Fishing Heritage Centre in Grimsby in Lincolnshire

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Mitte des 20. Jahrhunderts war die Stadt Grimsby an der Küste der Grafschaft Lincolnshire einmal der größte Fischereihafen der Welt, doch das änderte sich durch die Kabeljaukriege, Streit um Fischereirechte mit Island, und die Fischereipolitik der EU. Heute gibt es nur noch wenige Fischer in der Stadt, dafür hat sich die fischverarbeitende Industrie in Grimsby niedergelassen, mit einem Anteil von circa 70% von ganz Großbritannien.

An die große Zeit des Fischfangs erinnert das Grimsby Fishing Heritage Centre am Alexandra Dock, das 1991 eröffnet worden ist und das im Laufe seines Bestehens schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Das Museum veranschaulicht die Blütezeit der Fischereiflotte in den 1950er Jahren anhand von Ausstellungsstücken, Sammlungen maritimer Kunst und Schiffsmodellen. Szenen aus dem harten Leben der Fischer werden durch lebensgroße Figuren dargestellt.

Neben dem Fishing Heritage Centre am Alexandra Dock ist der Trawler „Ross Tiger“ festgemacht, ein Schiff, das in den 1950er Jahren für den Fischfang eingesetzt worden ist. Es ist täglich, außer montags, zu besichtigen; einige der Guides sind ehemalige Fischer, die für Fragen zur Verfügung stehen. Im Atrium des Heritage Centres ist noch ein weiteres Schiff zu sehen, die „Perseverance„, die 1914 gebaut wurde.

Grimsby hat passenderweise eine Städtepartnerschaft mit Bremerhaven, beide Orte haben ja einige Gemeinsamkeiten.

Das Grimsby Fishing Heritage Centre hat dienstags bis sonntags jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (im Winterhalbjahr bis 16 Uhr). Der Eintritt kostet £8.50 plus £3, wenn man die Ross Tiger-Tour mitmachen möchte.

Dieser Film zeigt einen Streifzug durch das Museum.

Hier sind weitere Blogeinträge mit Bezug zu der Stadt Grimsby.

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Der Trawler „Ross Tiger“.
Photo: Reading Tom.
Creative Commons 2.0

Published in: on 30. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Laxton in Nottinghamshire – Das letzte Dorf Englands, in dem in der Landwirtschaft noch nach der Open Fields-Methode gearbeitet wird

Photo: Phil Beard.
Creative Commons NC-ND 2.0

Fährt man in das kleine Dorf Laxton in der Grafschaft Nottinghamshire hinein, so wird man von einem Schild begrüßt, auf dem „Laxton – England’s Last Open Field Village“ zu lesen steht. Hier ist also vom landwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus gesehen, die Zeit stehen geblieben. Der sogenannte Enclosures Act aus dem Jahr 1845 hatte die Umwandlung von bisher gemeinschaftlich genutzten offenen Feldern („open field farming“) in eingezäunte Parzellen ermöglicht, was eine effizientere Landwirtschaft begünstigte, wodurch aber auch viele Kleinbauern, die auf das gemeinschaftliche Land angewiesen waren, vertrieben wurden.

In Laxton dagegen hielt man an der alten Anbaumethode fest, das heißt, dass drei große Felder, Millfield, South Field und West Field, in lange, schmale Streifen aufgeteilt sind („strip farming“), die von den Bauern des Dorfes gemeinschaftlich bearbeitet werden. Durch die „crop rotation“ werden verschiedene Kulturpflanzen auf demselben Feld angebaut, das sind in Laxton Weizen und Frühlingsmais, und ein Jahr lang liegt das Feld aus regenerativen Gründen brach.

Von 1981 bis 2020 gehörte das Dorf Laxton und die umliegenden Felder der Krone, die es dann an das Thoresby Estate verkaufte, das im Eigentum der Pierrepont Familie liegt.

Auf dem Gelände des Dorfpubs, dem The Dovecote Inn, befindet sich das Laxton Open Fields Visitor Centre, wo man sich weiter informieren kann.

Laxton liegt nahe der A1, etwa auf halbem Wege zwischen Mansfield und Lincoln.

Dieser Film zeigt Laxton und seine Open Fields.

Luftbildaufnahme von Laxton und seinen Feldern.
Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

The Dovecote Inn.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Das Visitor Centre.
Photo © Jo and Steve Turner (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Watford Gap – Die älteste Autobahnraststätte Großbritanniens an der M1

Watford Gap gilt auch als Scheidelinie zwischen dem Norden und dem Süden Englands.
Photo: Pete Reed.
Creative Commons NC 2.0

Am 2. November 1959 wurden an der Autobahn M1 die ersten beiden Raststätten namens Watford Gap Services errichtet, am selben Tag, an dem auch die Autobahn in Betrieb genommen worden ist. Die M1 ist mit rund 310 Kilometern die wichtigste Nord-Süd-Trasse in England und entsprechend viel Verkehr herrscht auch auf dieser Straße. Die beiden sich gegenüber liegenden Raststätten sind nach dem Dorf Watford in Northamptonshire (nicht zu verwechseln mit dem Watford in Hertfordshire, das ebenfalls nahe der M1 liegt) beziehungsweise nach der Senke zwischen zwei Hügeln, der Watford Gap, benannt worden.

Ursprünglich wurden die Raststätten von der lokalen Firma Blue Boar betrieben. 1995 übernahm dann Roadchef Motorways Ltd, ein Unternehmen, das viele weitere Autobahnraststätten im Land unterhält.
In den 1960er Jahren waren die beiden „service stations“ sehr beliebt bei Rockstars, die im Zuge ihrer Tourneen gern hier anhielten, da sie rund um die Uhr geöffnet waren. Die Rolling Stones, die Beatles, die  Hollies, die Kinks, Jimi Hendrix, Dusty Springfield, Cilla Black, sie und viele andere sind damals auf den beiden Rasthöfen gesichtet worden, wo sie sich erfrischten und ihre Fahrzeuge auftankten.

Roadchef ist noch immer der Betreiber von Watford Gap. Hier gibt es einen McDonald’s, einen KFC, einen Costa Coffee Shop, und W.H. Smith ist auch vertreten. BP liefert den Treibstoff auf beiden Seiten der Autobahn, es gibt Schnellladestationen für E-Autos, und wer hier übernchten möchte, kann das in einem Days Inn tun, allerdings nur auf der nach Süden führenden Autobahnseite. Etwa vier Millionen Besucher wurden im letzten Jahr gezählt.

Seit einiger Zeit ist die Rede davon, die alten Gebäude abzureißen und durch neue zu ersetzen, aber bis jetzt hat sich noch nichts getan.

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Autobahnraststätten produzierte BBC Northampton ein Mini-Musical, das hier zu sehen ist. Roy Harper zollte Watford Gap Tribut in seinem gleichnamigen Song, mit dem Refrain „Watford Gap, Watford Gap A plate of grease and a load of crap“; hier ist er zu hören.

Dieser Film beschäftigt sich mit der Raststätte und mit der Namensgebung.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Sir Frank Whittle Roundabout in Lutterworth (Leicestershire)

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Ein Kreisverkehr mit einem ganz besonderen „Innenleben“ ist in Lutterworth in der Grafschaft Leicestershire zu finden, der Sir Frank Whittle Roundabout. Ein Düsenjäger, der gerade zum Start anzusetzen scheint, ist dort installiert worden, wo die Straßen A426 und A4303 aufeinandertreffen. Es handelt sich bei dem Flugzeug um eine Replika der Gloster E28/39, die 1941 ihren Erstflug absolvierte und deren Strahltriebwerk von Sir Frank Whittle (1907-1996), konstruiert worden war. Whittle hatte dieses Triebwerk erfunden, und seine Firma Power Jets war 1938 nach Lutterworth gezogen, wo Großbritannien am 1.Mai 1941 in das Jetzeitalter eintrat, als das Flugzeug erstmals startete. Es hatte eine Maximalgeschwindigkeit von 544 km/h und eine Reichweite von 660 km. Der Hersteller des Flugzeugs, die Gloster Aircraft Company Limited, hatte damals ihren Hauptsitz in Hucclecote, einem Vorort von Gloucester.

Verständlicherweise ist man in Lutterworth stolz darauf, dass in der Stadt das Strahltriebwerk entwickelt worden ist und auf Sir Frank Whittle, daher der Roundabout mit dem Flugzeug in der Mitte. Weiterhin ehrte man den Ingenieur mit einer Büste in den Memorial Gardens in der Church Street.

Auch in seiner Geburtsstadt Coventry in Warwickshire ist anlässlich seines 100. Geburtstages am 1. Juni 2007 ein Denkmal aufgestellt worden, aber einen Kreisverkehr zu seinen Ehren gibt es nur in Lutterworth.

Zu Sir Frank Whittle siehe auch diesen Blogeintrag.

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die Büste in den Memorial Gardens in Lutterworth.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Sir Frank Whittles Statue in seiner Geburtsstadt Coventry.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Blackgang Chine – Der älteste Freizeitpark Großbritanniens auf der Isle of Wight

Photo: diamond geezer.
Creative Commons NC-ND 2.0

Bereits 1843 gründete Alexander Dabell nahe der Stadt Ventnor auf der Isle of Wight Großbritanniens ersten Vergnügungspark namens Blackgang Chine (ein Chine ist ein steiles Erosionstal). Das Besondere daran ist seine Lage an der erodierenden Steilküste, die zur Folge hat, dass die Anlage immer mal wieder verschoben werden musste. Der Freizeitpark ist noch heute in derselben Familie; Simon Dabell ist der momentane Eigner.

Blackgang Chine bietet eine Mischung aus Erlebniswelten und Fahrgeschäften. So findet man hier bewegliche Dinosaurier, eine Piratenbucht mit Schiffen, wo interaktive Seeschlachten ausgetragen werden, eine Westernstadt und das „Underwater Kingdom“, wo ein riesiges Walkskelett gezeigt wird.

Auch für die Unterhaltung von „Adrenalin Junkies“ ist gesorgt. Da gibt es zum Beispiel das „Extinction“ genannte Fahrgeschäft am Klippenrand, von dem aus man eine grandiose Aussicht auf das Meer hat. Die Kids sind da aber eher mit sich selbst und mit Kreischen beschäftigt. Dann ist da noch der Freifallturm „Evolution“ und die Wasserrutsche „Waterforce„.

Dieser Film nimmt uns mit auf einen Bummel durch den Park.

Im Winterhalbjahr ist der Freizeitpark geschlossen. Die Saisonkarte für 2026 wird £49 kosten, damit kann man den Park beliebig oft besuchen.

Blackgang Chine
Ventnor
Isle of Wight
PO38 2HN

Die Westernstadt.
Photo: diamond geezer.
Creative Commons NC-ND 2.0

Die Piratenbucht.
Photo © Gareth James (cc-by-sa/2.0)

Einer der Dinosaurier des Themenparks.
Photo © Gareth James (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Cardinal’s Hat – Ein historischer Pub in Lincoln (Lincolnshire)

Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Am Ende der High Street von Lincoln in Lincolnshire findet sich ein besonders sehenswertes Gebäude in dieser historischen Stadt, ein Fachwerkhaus namens The Cardinal’s Hat, in dem seit 2015 ein Pub untergebracht ist. Bei dem im Namen genannten Kardinal soll es sich um Thomas Wolsey (1475-1530) handeln, der einmal Bischof von Lincoln war und unter Heinrich VIII. zu einem der mächtigsten Männer im Königreich wurde.

Das Fachwerkhaus ist viele hundert Jahre alt und soll im 15. Jahrhundert entstanden sein. Es war das Stadthaus der Grantham-Familie, die durch den Handel mit Wolle wohlhabend geworden war. Die angrenzende Grantham Street erinnert an die Familie. Nachdem die Granthams ausgezogen waren, ist schon einmal ein Pub in dem Haus gewesen.
Während des Bürgerkriegs, als abwechselnd die Royalisten und die Parlamentarier Lincoln besetzt hatten, nahm das denkmalgeschützte Haus enormen Schaden, wurde wieder repariert und diente ab 1801 nicht mehr als Pub, dafür fungierte es unter anderem als Laden für einen Geflügelhändler, war ein Gemischtwarenladen, eine Bäckerei und ein Möbelgeschäft. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die St. John Ambulance Brigade und Banken ein, bis schließlich der Geschäftsmann Rupert Abbott das Haus erwarb und nach umfangreichen Bauarbeiten den heutigen Pub darin unterbrachte.

The Cardinal’s Hat
268 High Street
Lincoln LN2 1HW

Photo: James E. Petts.
Creative Commons SA 2.0

Photo: TonyMo22.
Creative Commons NC-SA 2.0

Published in: on 25. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Warminster Thing Mural – Eine Wandmalerei von Paul Boswell im Zentrum der Stadt Warminster in Wiltshire

Photo: The Spodel.
This work has been marked as dedicated to the public domain.

Ich nehme heute noch einmal auf das Thema Bezug, das ich gestern in meinem Buchtipp angerissen habe, die UFO-Sichtungen in den 1960er Jahren in der Stadt Warminster in der Grafschaft Wiltshire. Das mit „Warminster Thing“ bezeichnete Phänomen hat seinen Niederschlag in einem neuen, zwanzig Meter langen Wandgemälde gefunden, das der Künstler Paul Boswell aus dem benachbarten Somerset entworfen hat. Am 9. August diesen Jahres ist das Kunstwerk enthüllt worden, an einer Wand auf dem Zentralparkplatz der Stadt. Das neue „mural“ ist über das vorherige, zehn Jahre alte Kunstwerk gemalt worden. Durch eine Crowdfunding-Kampagne der Bürgerinitiative „Heart of Warminster“ hat man es finanziert. Im Zentrum des eindrucksvollen Wandgemäldes ist das Porträt von Arthur Shuttlewood (1920-1996) zu sehen, der als Lokaljournalist sieben Bücher über UFOs in Warminster geschrieben hat. Links und rechts von dem Porträt hat Paul Boswell mysteriöse Himmelserscheinungen, UFOs und außerirdische Lebewesen gemalt.

Anlass für das Wandgemälde war das sechzigjährige Jubiläum des „Warminster Thing“, das 1965 für internationales Aufsehen gesorgt hat. Am 24. August fand im Athenaeum in der Stadt eine große UFO-Konferenz statt, zu der Interessierte aus dem ganzen Land strömten, und die sich sicher auch Paul Boswells Kunstwerk angesehen haben.
Dieser Film zeigt das Kunstwerk.

Mein Buchtipp – Steve Higgins: My UFO Youth

Foto meines Exemplares.

In den 1960er und 1970er Jahren gab es in England erstaunlich viele Berichte von angeblichen UFO-Sichtungen, die sich speziell in der Stadt Warminster am Rande der Salisbury Plain in der Grafschaft Wiltshire ereignet haben sollen. Als Teenager war der Schriftsteller Steve Higgins in den 1990er Jahren stark an diesem Thema interessiert und suchte die Orte auf, an denen sich die Außerirdischen mit ihren Luftfahrzeugen besonders oft gezeigt haben. Jetzt hat sich Steve Higgins noch einmal auf den Weg gemacht, um zu sehen, wie es heute dort aussieht und hat ein Buch darüber geschrieben: „My UFO Youth: A Road Trip Through Britain’s UFO History„, das gerade jetzt im November erschienen ist.

Zu den bevorzugten Beobachtungspunkten um Warminster herum gehörten der Cley Hill und der Cradle Hill (ich schrieb darüber schon einmal in meinem Blog), wo sich auch heute noch UFO-Begeisterte treffen, um nächtliche Skywatches abzuhalten. Allerdings hat deren Zahl im Vergleich zu früher deutlich abgenommen. Besonders Spektakuläres hat sich dort auch schon seit längerem nicht mehr zugetragen. Steve Higgins besucht auch eine UFO-Konferenz in Warminster, ist davon aber ziemlich enttäuscht, da sie kaum neue Erkenntnisse für ihn bringt.

Mit dem Thema UFOs eng verbunden sind die Kornkreise, die ebenfalls in Wiltshire immer wieder anzutreffen sind und auf die Spuren der „crop circles“ macht sich Steve Higgins auch. Sie tauchen jedes Jahr wieder auf, viele sind offensichtlich künstlich von Menschenhand angelegt, bei einigen ist man im Zweifel. Steve sucht den Treffpunkt vieler Kornkreis-Fans auf, den The Barge Inn in Honeystreet in Wiltshire, dem ich vor einigen Jahren einen Besuch abgestattet habe (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Doch nicht nur in Wiltshire soll es UFO-Sichtungen gegeben haben. Eine besonders spektakuläre Geschichte wird vom Rendlesham Forest bei Woodbridge in Suffolk erzählt, wo zu Weihnachten 1980 am Rande einer US-amerikanischen Air Force Base mysteriöse Flugobjekte gesichtet worden sind (siehe auch dazu meinen früheren Blogeintrag). Steve Higgins hat auch dieses Waldgebiet bei Woodbridge aufgesucht.

Steve Higgins: My UFO Youth – A Road Trip Through Britain’s UFO History. Project Weird 2025. 188 Seiten. ISBN 979-8-270-64218-1.

Die Cradle Rocking Ceremony in der Kirche St Mary of the Purification in Blidworth in der Grafschaft Nottinghamshire

Die Wiege in der Kirche von Blidworth.
With friendly permission of Averil from Calendar Customs.

Wenn ich als Baby in der Gemeinde Blidworth in der Grafschaft Nottinghamshire kurz vor Weihnachten geboren werde, dann habe ich die Chance, einige Woche später der Star einer ganz besonderen Zeremonie zu werden, die sich in der Kirche St Mary of the Purification abspielt, der Cradle Rocking Ceremony. Das Kind, das in der Gemeinde am dichtesten zum Weihnachtstag geboren wird, wird während des Morgengottesdienstes am ersten Sonntag im Februar getauft und am Nachmittag in eine reich mit Blumen geschmückte Wiege gelegt, die der Pfarrer sanft schaukelt, wobei wahrscheinlich alle hoffen, dass das Kind das auch genießt und nicht in einen Schreikrampf ausbricht. Die Wiege ist rund hundert Jahre alt und wurde der Kirche einmal gespendet. Die Zeremonie soll an die Darbringung des Jesuskindes im Tempel von Jerusalem erinnern, wobei das Blidworth-Baby das Jesuskind symbolisieren soll. Alle diese „Wiegenkinder“ bekommen ihren Namen auf einer Tafel an der Kirchenwand eingraviert. Eine metallene Replika der Wiege findet sich auch im Zentrum des Dorfes, auf einem Backsteinsockel aufgestellt.

Die Cradle Rocking Ceremony ist schon sehr alt und soll bereits im 13. Jahrhundert ihre Anfänge haben. Um das Jahr 1600 herum wurde sie jedoch verboten, es heißt wegen übermäßigen Alkoholgenusses einiger der Beteiligten; einmal kam sogar jemand bei einem Duell ums Leben, wobei sich die Duellanten um die Tochter des örtlichen Wirts gestritten hatten. Das Baby in der Wiege hatte da offensichtlich nicht mehr die erste Rolle gespielt. Seit 1922 ist die Cradle Rocking Ceremony jedenfalls wieder ein fester Bestandteil des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde von Blidworth geworden.

Hier sind einige Bilder von der Zeremonie im Jahr 1952, wobei das süße Baby einen hervorragenden Eindruck hinterlässt.

St Mary of the Purification in Blidworth.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Oare Pavilion bei Oare in Wiltshire – Ein Folly des 21. Jahrhunderts

Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

Was haben die Stadt Paris und das Dörfchen Oare in der Grafschaft Wiltshire gemein? Beide haben Bauwerke, die von dem chinesisch-amerikanischen Stararchitekten Ieoh Ming Pei  (1917-2019) entworfen worden sind. In Paris ist es die Glaspyramide über dem Eingang zum Louvre, in Oare ist es der nach dem Dorf benannte Pavilion auf dem Gelände des Oare House. Der Ort in Wiltshire kann sich auch rühmen, dass nirgendwo sonst in ganz Großbritannien ein weiteres Gebäude aus der Ideenschmiede von Ieoh Ming Pei steht.

Im Jahr 2003 ist der Oare Pavilion fertiggestellt worden; eine Auftragsarbeit für den Geschäftsmann Sir Henry Neville Lindley Keswick (1938-2024) und für seine Frau Annabel Thérèse Keswick, Lady Keswick (1942-2022), einer Politikerin und von 2014 bis 2020 Kanzlerin der Universität von Buckinghamshire. Sir Henry ist in China geboren worden und hatte Zeit seines Lebens immer wieder Beziehungen zu dem Land, außerdem kannten Keswicks Vorfahren den Vater des Architekten, sonst wäre es wohl nicht möglich gewesen sein, so einen berühmten Mann für das geplante Bauvorhaben zu gewinnen.

Der 270 qm große Oare Pavilion, der am Ende einer Lindenallee steht und als Sommerhaus fungiert, ist eine Art Folly des 21. Jahrhunderts auf dem weitläufigen Gelände des Oare House, in dem die Keswicks wohnten. Es ist eine achteckige Glasstruktur mit einem pagodenartigen Dach. Für die Inneneinrichtung konnten die Keswicks eine weitere renommierte Persönlickeit engagieren, den Londoner Innenarchitekten John Stefanidis, der weltweit tätig ist und unter anderem durch seine Arbeit im Auftrag von großen Luxushotels bekannt geworden ist.

In Fachkreisen ist der Oare Pavilion sehr positiv bewertet worden. Pei erhielt im Jahr 2010 den vielleicht wichtigsten internationalen Architekturpreis des Royal Institute of British Architects (RIBA), die Royal Gold Medal.

Das Bauwerk ist ein privates Gebäude und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Photo: Anguskirk.
Creative Commons NC-ND 2.0

Oare House, in dem die Keswicks wohnten.
Photo: Anguskirk.
Creative Commons NC-ND 2.0

Published in: on 21. November 2025 at 02:00  Comments (2)  

Mein DVD-Tipp – Der junge Inspektor Morse – Die komplette Serie

Weihnachten ist nicht mehr weit weg, und so machen sich sicher schon viele Gedanken, was man wem schenken könnte. Mein Vorschlag als Geschenk für Fans von britischen Krimiserien ist die heute bei EDEL MOTION erscheinende DVD-Box „Der junge Inspektor Morse“ mit allen Folgen der beliebten TV-Serie mit Shaun Evans und Roger Allam in den Hauptrollen. In Großbritannien ist die TV-Serie von 2012 bis 2023 ausgestrahlt worden, in Deutschland von 2017 bis 2024. 36 Episoden in 9 Staffeln umfasste das Prequel zur Krimiserie „Inspektor Morse, Mordkommission Oxford„, mit John Thaw, der den etwas schrulligen Kriminalbeamten spielte. Diese ganz hervorragende Fernsehserie wurde leider von den deutschen TV-Sendern sträflich vernachlässigt, es wurden nur die ersten beiden Staffeln 1989 im DDR-Fernsehen gezeigt.

Die Komplettbox von „Der junge Inspektor Morse“ beinhaltet 22 DVDs und hat eine Spielzeit von 3276 Minuten, das sind über 54 Stunden. Neben den vollständigen Episoden (man kann sie sich übrigens auch auf Englisch ansehen) findet man in der Box noch über drei Stunden Interviews mit Cast und Crew sowie Einblicke hinter die Kulissen, eine Dokumentation über die TV-Serie, die Pilotfolge der Ursprungsserie „Inspektor Morse“, die den Titel „Die Toten von Jericho“ hatte, und, als Krönung, ein Booklet mit ausführlichen Informationen zur Serie, den Hauptdarstellern und dem Serienschöpfer Colin Dexter. Die Box kostet zum Beispiel bei Amazon €149,99.

Hier ist der Link zu meinem Blog, in dem ich bereits die Staffeln 5 bis 8 vorgestellt habe und hier geht es zu meinem Blogeintrag, in dem ich darüber geschrieben habe wie ich einmal in die Dreharbeiten zu der Episode „Wolfskopf“ (im Original „Zenana“) in Hambleden in Buckinghamshire geriet.

Published in: on 20. November 2025 at 02:00  Comments (2)  

The Fairy Investigation Society – Auf der Suche nach den scheuen, kleinen Wesen, die man Feen nennt

Photo: Veronica Bautista.
Creative Commons NC-ND 2.0

Um es gleich von Anfang an klarzustellen: Die Fairy Investigation Society beschäftigt sich nicht mit dem Geschirrspülmittel namens Fairy, sondern sie ist eine Vereingung von Männern und Frauen, die auf der Suche nach Feenwesen sind, die Wälder, Wiesen und Auen bevölkern sollen. Sie sind kleine geflügelte Naturgeister mit magischen Kräften, sie sind launenhaft und lieben es, den Menschen Streiche zu spielen.

Wenn man jetzt meint, die Gesellschaft besteht nur aus Spinnern, so stimmt das nicht. Gegründet wurde sie 1927 von Sir Quentin Craufurd, M.B.E., einem Marineoffizier, der sich auch wissenschaftlich mit den ersten Radioübertragungen befasste. Sir Quentin sammelte Belege für die Existenz von Feenwesen und legte ein Archiv an, in dem Feensichtungen festgehalten wurden. Während des Zweiten Weltkriegs ruhten die Aktivitäten der Gesellschaft, doch in den 1950er Jahren nahm sie ihre Arbeit wieder auf und es traten prominente Menschen bei wie zum Beispiel Walt Disney, der RAF-Offizier Hugh Dowding, Kommandeur bei der Luftschlacht von England im Zweiten Weltkrieg, und der schottische Schriftsteller Alasdair Alpin MacGregor. In der ursprünglichen Gesellschaft durften nur „believer“ Mitglied werden, heute können auch Skeptiker eintreten. Im Laufe der Zeit war die Fairy Investigation Society dem Spott vieler augesetzt, die das alles als Unsinn abtaten, mit was sich die Mitglieder der Gesellschaft da beschäftigten.

In meinem Blog habe ich mich schon einmal mit den Cottingley Fairies auseinandergesetzt, die 1917 in West Yorkshire für landesweite Aufmerksamkeit sorgten; hier nachzulesen.

Hier ist eine Dokumentation zum Thema „Feen“.

Nelson Keene – Ein fast vergessener englischer Sänger mit einer nur kurzen Karriere

Die heute kaum noch bekannte kalifornische Doo-wop-Band The Safaris hatte im Jahr 1960 einen einzigen Hit, der in den US-Charts damals Platz 6 erreichte: „Image of a Girl„. 1963 löste sich die Formation auf. Wie häufig in der Zeit fanden US-Hits Nachahmer in Großbritannien, und so wurde auch dieser Song gecovert, zum Beispiel von Mark Wynter (hier zu hören; siehe auch meinen Blogeintrag über den Sänger) und von einem jungen Mann namens Nelson Keene, der aus Farnborough in Hamphire stammte und eigentlich Malcolm Holland hieß. Sein Manager Larry Parnes war der Meinung, dass der Name nicht so richtig zugkräftig war und „taufte“ ihn in Nelson Keene um.

Nelson war eines von zehn Kindern und wuchs in Farnborough in der Straße Oaken Copse Crescent mit der Nummer 49 auf. Mit Freunden nahm er einige Songs auf, die dem bereits genannten Musikmanager Larry Parnes zu Ohren kamen und der daraufhin dem Sänger einen Plattenvertrag bei HMV verschaffte. „Image of a Girl“ war Nelson Keenes erste Single, die im Jahr 1960 in den UK Charts bis auf Platz 37 kletterte; Mark Wynters Version schaffte es sogar bis auf Platz 11. Die B-Seite der Single hieß „Ocean of Love„.
Die beiden folgenden Singles, die Nelson Keene aufnahm, kamen nicht mehr unter die Top 100, sie wurden kaum noch beachtet: „Keep Loving Me/Teenage Troubles„, noch einmal im Jahr 1960, und „Miracles Are Happening To Me/Poor Little Rich Boy„, ein Jahr später.

Er tourte noch eine Zeit lang mit anderen Kolleginnen und Kollegen durch Großbritannien, doch seine Karriere als Popsänger war leider schon abgelaufen. Hin und wieder werden seine wenigen Songs noch von britischen Oldiesendern gespielt.

Einer meiner Lieblings-Oldiesender, der rund um die Uhr zu hören ist, heißt übrigens Dreamboats and Petticoats und sendet aus Mansfield in Nottinghamshire.

Published in: on 18. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

New Scotland Yard’s Crime Museum – Ein Horrorkabinett des britischen Verbrechens

Das aktuelle New Scotland Yard-Gebäude am Victoria Embankment.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Vor einigen Jahren besuchte ich einmal in Paris das Musée de la Préfecture de Police, ein Museum in der Rue de la Montagne Sainte-Geneviève im 5. Arrondissement, das sich mit der Geschichte des Verbrechens der Stadt beschäftigt.

Etwas Vergleichbares gibt es auch in London: New Scotland Yard’s Crime Museum, das früher Black Museum hieß, und, im Gegensatz zu dem Pariser Gegenstück, leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Die Ursprünge dieser Sammlung von Gegenständen, die mit spektakulären Verbrechen zu tun haben, geht bis in das Jahr 1874 zurück. Das Crime Museum ist im Gebäude von New Scotland Yard, dem ehemaligen Curtis Green Building, in Westminster untergebracht. Es dient ausschließlich zu Anschauungszwecken für Polizeibeamte, und nur die haben hier Zutritt.

Das Crime Museum beherbergt Gegenstände, die aus berühmt-berüchtigten Verbrechen stammen, zum Beispiel:
– Die Briefe, die Jack the Ripper an Scotland Yard schickte
– Der Herd auf dem der Serienmörder Dennis Nilsen seine Opfer kochte.
– Fundstücke von der Leatherslade Farm, auf der sich die Männer, die den Postzugraub von 1963 begingen, versteckten.
-Die Schaufel mit der Dr. Crippen 1910 seine Frau unter den Fliesen im Keller seines Hauses vergrub.
– Der sogenannte Bulgarische Regenschirm, durch den der Dissident Georgi Markow am 7. September 1978 in London ermordet wurde.

Es gab einige berühmte Besucher des Museums wie Sir Arthur Conan Doyle, Harry Houdini, Jerome K. Jerome und Mitglieder des Königshauses (wie die es wohl geschafft haben, Eintritt zu bekommen?)

Basierend auf der Idee eines „Mörder-Museums“ wurde 1959 der Spielfilm „Horrors of the Black Museum“ veröffentlicht (hier ist der Trailer).

Photo: we-make-money-not-art.
Creative Commons 2.0

Published in: on 17. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Long Live the Local“- Eine Kampagne der British Beer & Pub Association

So, oder ähnlich, lieben wir die britischen Pubs, am Beispiel des Falkland Arms in Great Tew in Oxfordshire.
Photo © Norm Butler (cc-by-sa/2.0)

The heart of the town – The soul of the country„, das sind die britischen Pubs, in denen sich nach Angabe der Kampagne „Long Live the Local“ der British Beer & Pub Association (BBPA) 25% der Briten schon einmal verliebt haben und von denen traurigerweise etwa drei pro Tag schließen müssen. Dieses Pubsterben kann und das darf nicht sein, sagten sich die Mitglieder der BBPA und gründeten 2018 die Initiative „Long Live the Local“. Was sind die Forderungen der BBPA?

Eine allgemeine Senkung der Biersteuer und Reformen der Alkoholsteuer.
Niedrigere Gewerbesteuersätze für Pubs, wie sie schon in anderen ähnlichen Unternehmensbereichen gelten.
Wiedereinführung des niedrigeren Mehrwertsteuersatzes für in Gaststätten verkauften Speisen und Getränken. 

Über 900 000 Jobs hängen derzeit an dem Sektor Bier, Brauereien und Pubs, angefangen von dem Bauern, der Hopfen und Gerste anbaut, über die Menschen, die Bier brauen bis zu den Leuten, die in Pubs arbeiten. Die 46 000 Pubs, die es derzeit noch gibt und die 2000 Brauereien schaffen Arbeitsplätze; 80% des konsummierten Biers stammt aus dem eigenen Land und eine Milliarde Pints jährlich wird in mehr als hundert Länder exportiert. £15,1 Milliarden werden pro Jahr an Steuern generiert.

Pubs sind für die Briten sehr wichtig, sie sind gesellschaftlich unverzichtbar, nicht zuletzt dadurch, dass sie auch Anlaufstelle für Menschen sind, die sich einsam fühlen und in ihrem „local“ Anschluss finden.
Die BBPA hat diese ganzen Fakten im vorigen Jahr in ihrem Manifesto for Brewers and Pubs zusammengetragen. In diesem Manifest ist auch aufgeschlüsselt, was einem Pub beim Verkauf von einem Pint mit dem Durchschnittspreis von £4.80 übrig bleibt, nämlich lediglich £0,12; der Rest sind Steuern und andere Abgaben sowie Materialkosten, Löhne und so weiter.

Möge die Kampagne von „Long Live the Local“ von Erfolg gekrönt sein und das Pubsterben ein Ende finden!!
Hier ist ein unterstützender Werbefilm der Kampagne.

…und solche Bilder, wie hier in Carlisle in Cumbria, möchten wir nicht sehen.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Park Tunnel in Nottingham – Eindrucksvoll bei Tag, gruselig in der Nacht

Photo: veggiesosage.
Creative Commons NC-ND 2.0

Mitten in der Stadt Nottingham verbindet ein Tunnel die Derby Road auf der einen Seite mit dem Park Estate, einer großen Wohnanlage, auf der anderen Seite. Warum nun mitten in der Stadt ein Tunnel? Den sogenannten Park Tunnel ließ 1855 der Duke of Newcastle, der damals im Nottingham Castle wohnte, anlegen, damit die Bewohner des vornehmen Park Estate ihre Häuser mit Kutschen erreichen konnten. Gute Idee…aber nicht optimal ausgeführt. Es war zwar für die damalige Zeit schon eine Leistung diesen höhlenartigen Tunnel aus dem Sandstein zu brechen, doch leider hatte der mit dem Bau beauftragte Architekt Thomas Chambers Hine aus den Augen verloren, dass die Steigung der geplanten Tunnelstraße statt mit 1:14 mit 1:12 ausgeführt worden war, also zu steil war, dass pferdegezogene Kutschen diese benutzen konnten. Als man den Fehler bemerkte, war es schon zu spät, um ihn auszubügeln. Also diente fortan der Park Tunnel nur Fußgängern, um von A nach B zu kommen.

Der Park Tunnel ist 125 Meter lang und rund um die Uhr zugänglich. Zwischen den beiden Tunnelbögen sorgt ein offener Schacht für Licht und Belüftung. Der Zugang von der Upper College Street erfolgt über Treppen mit neunzig Stufen, was die Benutzung für gehbehinderte Menschen ausschließt. Der Zugang von der Derby Road aus erfolgt über einen Parkplatz der darüberliegenden Gebäude.

Bei Nacht dürfte es etwas gruselig sein, den Park Tunnel zu benutzen, im Hellen dagegen sieht er sehr imposant aus. Hier ist ein Film, der sich ausführlich mit dem Park Tunnel von Nottingham beschäftigt.

Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Castle Goring bei Worthing (West Sussex) – Eine Burg mit zwei Gesichtern und eine Society-Lady

Castle Gorings Nordfassade.
Photo: Peetred of English Wikipedia.
Creative Commons 3.0

Castle Goring, nahe der Stadt Worthing in der Grafschaft West Sussex, wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Sir Bysshe Shelley, 1st Baronet (1731-1815) erbaut, und es ist ein bemerkenswerter Bau mit zwei Gesichtern, denn die Nordfassade ist im gotischen Stil gehalten und erinnert an das nahegelegene Arundel Castle, während die Südfassade im klassischen Stil gebaut ist und als Vorbild die Villa Lante al Gianicolo in Rom hat. Der Architekt war John Biagio Rebecca, der auch die Fassade vom Knebworth House in Hertfordshire entworfen und Penshurst Place in Kent restauriert hatte.

Sir Bysshe Shelley hatte beim Bau der Burg seinen Enkel, den Dichter der Romantik Percy Bysshe Shelley, im Auge, dem er die Burg einmal vererben wollte. Doch leider starb Percy schon sehr jung im Alter von fast dreißig Jahren, so erbte seine Witwe, die Schriftstellerin und „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley, die Burg, die sie schließlich 1845 verkaufte, an den Parlamentsabgeordneten von Brighton Sir George Richard Brooke-Pechell, 4th Baronet, der dort schon als Mieter gewohnt hatte. Castle Goring kam später in die Hände des berühmten Cricketspielers Arthur William FitzRoy Somerset (1855-1937), der in der Burg auch starb. Im Zweiten Weltkrieg waren hier kanadische Soldaten stationiert, die die Burg ziemlich herunterwirtschafteten, und davon erholte sie sich nicht so richtig…bis eines Tages Lady Colin Campbell sich in Castle Goring verliebte und sie im Jahr 2013 kaufte. Sie ist eine Society-Lady und Schriftstellerin mit besten Beziehungen zum britischen Königshaus (sie schrieb mehrere Bücher über die Royals, speziell über Diana, Prinzessin von Wales). Lady Colin Campbell musste sehr viel Geld in die Burg stecken, die in einem erbärmlichen Zustand war; vor allem das Dach musste komplett erneuert werden. Damit Geld in ihre Kasse gespült werden konnte, nahm sie 2015 an der Reality Show „I’m a Celebrity…Get Me Out of Here!“ teil (an der zufälligerweise ein junger Sänger namens George Shelley ein Mitstreiter war, vielleicht ein entfernter Verwandter der Shelleys vom Castle Goring?). Aus gesundheitlichen Gründen musste sie allerdings die Show frühzeitig verlassen.

Goring Castle steht heute für Hochzeiten, Tagungen, Filmaufnahmen und ähnliche Events zur Verfügung und kann dafür gemietet werden.
In diesem Film führt Lady Campbell durch ihre Burg und hier ist Castle Goring von einer Drohne aus zu sehen.

Kupferstich der Südfassade.
This work is in the public domain.

Published in: on 14. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Wer war eigentlich…Elias Ashmole (1617-1692), nach dem das Ashmolean Museum in Oxford benannt worden ist?

Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Das berühmte Ashmolean Museum in Oxford gilt als das älteste öffentliche Museum Großbritanniens. Es liegt in der Beaumont Street, direkt gegenüber eines meiner Lieblingshotels, dem Randolph (siehe hierzu meinen Blogeintrag), und ist nicht zuletzt bei Touristen so beliebt, weil der Besuch der Dauerausstellungen kostenlos ist. In dem großen Museum sind die Kunst- und Archäologiesammlungen der Universität zusammengetragen.

Benannt wurde das Museum nach Elias Ashmole, der von 1617 bis 1692 lebte, und der eine schillernde Persönlichkeit war. Er war eigentlich Rechtsanwalt, aber seine Interessen sind vielfältig gewesen, so beschäftigte er sich sehr gern mit Alchemie und Astrologie, gehörte einer Freimaurerloge an und war begeisterter Sammler von antiquarischen Gegenständen.

Geboren wurde Elias Ashmole in Lichfield in der Grafschaft Staffordshire, in der heutigen Priests‘ Hall in der Breadmarket Street Nummer 5; eine Plakette über dem Eingang informiert darüber. Er besuchte die örtliche Grundschule, die heute King Edward VI School heißt, und betätigte sich als Chorknabe in der Kathedrale von Lichfield. Zeit seines Lebens ist er seiner Geburtsstadt treu geblieben und besuchte sie häufig; so setzte er sich für die Restaurierung der Kathedrale ein, die damals in einem sehr schlechten Zustand war.

Um das Jahr 1650 herum lernte Elias Ashmole den Botaniker und Weltreisenden John Tradescant the Younger (1608-1662) kennen, der, wie schon sein Vater zuvor, eine riesige Sammlung von exotischen Pflanzen, Mineralien und Kuriositäten aus aller Welt zusammengetragen hatte. In seinem Testament vermachte er alles Elias Ashmole, der darauf in seinem Londoner Haus Platzprobleme bekam, denn er verfügte ja auch noch über seine eigene umfangreiche Sammlung.
1677 schließlich übergab er fast alles von seinem Besitz an die Universität von Oxford, er hatte selbst am Brasenose College studiert, mit der Auflage, dafür ein eigenes Gebäude zur Verfügung zu stellen, was die Universität dann auch gern tat. 1683 ist das Ashmolean Museum eröffnet worden. Nachdem die Räumlichkeiten zu eng geworden waren, zog das Museum in ein Gebäude an der heutigen Stelle in der Beaumont Street um, und 1894 konnte das Ashmolean Museum seine Schätze der Öffentlichkeit erneut zur Besichtigung anbieten.

Elias Ashmole starb am 18. Mai 1692 in seinem Haus im Londoner Stadtteil Lambeth und wurde dort in der St Mary’s Church beigesetzt, die 1972 außer Betrieb genommen worden und in der jetzt das Garden Museum untergebracht ist (und wo auch das Grab des „Bounty“-Kapitäns William Bligh zu finden ist; siehe dazu meinen Blogeintrag).

Hier ist ein Werbefilm für das Museum zu sehen.

Elias Ashmoles Geburtshaus in der Breadmarket Street in Lichfield in Staffordshire.
Photo © David Rogers (cc-by-sa/2.0)

Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

King Edward VI School in Lichfield.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Die ehemalige Kirche St Mary’s im Londoner Stadtteil Lambeth.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bangers and Mash – Das Lieblingsgericht vieler Engländer

Eigenes Foto.

Für die einen ist Bangers and Mash ein Gericht, von dem sie gar nicht genug bekommen können und das zu den traditionellen „Pub Grubs“ gehört, also zu dem, was in vielen Pubs angeboten wird; für die anderen ist es etwas, auf das sie verächtlich hinabblicken und nie essen würden. Bangers and Mash galt lange als typisches Essen der Arbeiterklasse. Wie man das Gericht zubereitet, zeigt hier der Backyard Chef.

Was ist nun Bangers and Mash? Nichts anderes als Bratwurst mit Kartoffelbrei. Das Wort „bangers“ soll darauf zurückzuführen sein, dass die Bratwürste in den schlechten Zeiten vor und im 2. Weltkrieg in England dazu tendierten, unter großer Hitze zu platzen (to bang), und so hat sich dieser Begriff bis heute gehalten.

Bangers and Mash“ war auch der Titel einer 24teiligen Cartoonserie, die 1989 im englischen Fernsehen lief, und deren Titelhelden zwei Schimpansen waren.

1961 nahmen sich Peter Sellers und Sophia Loren des Themas „Bratwurst mit Kartoffelbrei“ musikalisch an; hier zu hören.

Published in: on 12. November 2025 at 02:00  Comments (3)  

Das REME Museum – Ein Militärmuseum in Wiltshire

Ein Churchill Armoured Recovery Vehicle.
Photo: Eddiereme.
Creative Commons 4.0

In Wolfsburg gibt es in der Autostadt ein Straße, die den Namen Major-Hirst-Straße trägt. Ohne diesen Major Hirst gäbe es vielleicht heute in der niedersächsischen Stadt kein VW Werk und Wolfsburg wäre ein bedeutungsloser Ort. Wer war dieser Mann, dem Wolfsburg so viel zu verdanken hat? Major Ivan Hirst wurde kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs von der britischen Militärregierung nach Wolfsburg entsandt, wo das VW-Werk eigentlich demontiert werden sollte; doch Hirst setzte sich dafür ein, dass das Werk erhalten blieb und sogar noch ausgebaut wurde, und er somit die Grundlagen für eine florierende Autoindustrie in der Stadt sorgte.
Ivan Hirst, der 1916 in North Yorkshire im Saddleworth Moor geboren wurde (und im Jahr 2000 starb), gehörte der Abteilung Royal Electrical and Mechanical Engineers, kurz REME genannt, an, die 1942 gegründet worden war und deren Aufgabe es noch heute ist, für die Wartung und Reparatur militärischer Ausrüstung wie Panzern, Flugzeugen und Waffen zu sorgen.

Diesem Zweig der britischen Armee ist das REME Museum auf dem Gelände des MOD Lyneham, das dem Verteidigungsministerium unterstellt ist, gewidmet. MOD Lyneham liegt in der Grafschaft Wiltshire, südwestlich von Swindon. Im Jahr 2017 ist das Museum hier eröffnet worden, nachdem es schon seit 1958 in Berkshire ansässig war. Ausgestellt sind in dem Museum unter anderem Panzer und andere militärisch genutzte Fahrzeuge, eine umfangreiche Waffensammlung, Uniformen und Orden; insgesamt beherbergt das REME Museum rund 130 000 Objekte. Für Forschungszwecke steht ein umfangreiches Archiv zur Verfügung.

Eine Kuriosität sei noch genannt: Im Museum findet man die Stiefel einer ehemaligen Bronzestatue Benito Mussolinis, die einmal in der libyschen Stadt Tripolis stand und die 1943 von Soldaten einer REME-Einheit eingeschmolzen werden sollte. Die Stiefel blieben über und landeten letztendlich in Wiltshire.

Das Museum ist täglich, außer montags, von 10 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet, der Eintrittspreis beträgt £10. Das Crown Café und ein Andenkenladen vervollständigen das Angebot.

Dieser Film gibt einen Einblick in das, was das Museum zu bieten hat.

REME Museum
Calne Road, Lyneham
Chippenham, SN15 4XX

Ein Beach Armoured Recovery Vehicle.
Photo: Hammerhead27.
Creative Commons NC-SA 2.0

Published in: on 11. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Tavistock Square im Londoner Stadtteil Bloomsbury

Das Gebäude der British Medical Association am Tavistock Square.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Der schwärzeste Tag in der Geschichte des Londoner Tavistock Squares im Stadtteil Bloomsbury war der 7. Juli 2005. Um 9.47 Uhr detonierte in einem roten Doppeldeckerbus der Linie 30 Marble Arch – Hackney Wick eine Bombe, die von einem Terroristen gezündet wurde. Nachdem schon etwa eine Stunde vorher drei Bomben in U-Bahnzügen explodiert waren, die vielen Menschen das Leben kosteten, endete die Anschlagserie hier am Tavistock Square in Höhe des BMA Buildings, der Zentrale der British Medical Association (BMA), blutig. 14 Menschen kamen in dem Bus ums Leben, darunter auch der Attentäter, der erst 18jährige Hasib Hussain.
Nach der Explosion leisteten Ärzte, die sich im BMA Building aufhielten, erste Hilfe und konnten so noch Menschenleben retten.
Ob wohl die Fahrer der Linienbusse, die heute den Tavistock Square passieren, noch immer ein mulmiges Gefühl haben und unwillkürlich an den Anschlag denken?

Im September 2018 wurde auf dem Platz eine eiserne Gedenktafel aufgestellt, die an die Opfer des Anschlags erinnern soll. Sie ist so ausgerichtet, dass sie direkt auf die Stelle zeigt, an der die Tragödie stattgefunden hat.

Benannt wurde der Tavistock Square nicht nach der Kleinstadt in Devon, sondern nach dem Marquess of Tavistock, der gleichzeitig auch der Duke of Bedford war. Der Architekt des 1826 fertig gestellten Platzes war Thomas Cubitt.

Neben dem BMA Building gibt es noch einige weitere erwähnenswerte Gebäude an dem Platz wie das Woburn House, Sitz von Universities UK, eine Interessengemeinschaft britischer Universitäten und Connaught Hall, in dem Studenten der Universität von London untergebracht sind.
In der Hausnummer 52 (dort, wo jetzt das Tavistock Hotel steht) wohnte von 1924 bis 1939 die Schriftstellerin Virgina Woolf mit ihrem Mann Leonard, die hier auch ihren Verlag Hogarth Press untergebracht hatten. Virginia Woolf wurde auch mit einer Büste in den Parkanlagen verewigt.

In den Parkanlagen des Tavistock Squares finden sich einige interessante Denkmäler, die unter dem Motto Frieden und Pazifismus stehen. Mahatma Gandhi sitzt seit 1968 auf einem Sockel im Zentrum des Platzes und einige Meter weiter steht seit 1994 ein Memorial für Kriegsdienstverweigerer, das von dem Komponisten Michael Tippett eingeweiht wurde, der für seine pazifistische Haltung bekannt war.

1953 pflanzte der damalige indische Ministerpräsident Nehru im Tavistock Square eine Rotbuche und ein 1967 hier ebenfalls gepflanzter Kirschbaum soll an die Opfer des Atombombenabwurfs von Hiroshima erinnern.

Der Park des Tavistock Squares: Ein Ort der Ruhe und Besinnung mitten im trubeligen London, hier in einem Film vorgestellt.

Siehe auch diesen Blogeintrag über die Gedenkstätte im Londoner Hydepark.

Die Gedenktafel für die Opfer des Terroranschlags.
Photo: Ethan Doyle White.
Creative Commons 4.0

Die Gandhi-Statue auf dem Platz.
Photo: UCL Institute of Education.
Creative Commons NC 2.0

Das Memorial to conscientious objectors, das Denkmal für Kriegsdienstverweigerer.
Photo © Roger Davies (cc-by-sa/2.0)

Virginia Woolfs Büste.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Haunted Preston Manor in Brighton (East Sussex)

Photo: Dominic’s pics.
Creative Commons 2.0

Wann immer die TV-Crew der Realityshow „Most Haunted“ mit Yvette Fielding anrückt, dann kann dort etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Teammitglieder haben wohl schon so alle Spukorte aufgesucht, die es in Großbritannien gibt; dazu zählt auch das Preston Manor in der Küstenstadt Brighton in East Sussex. Besonders gruselig sieht das Haus von außen eigentlich gar nicht aus, doch es zählt zu den „most haunted“ im ganzen Land.
Die Anfänge des Preston Manor gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück, aber es wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut und gehört heute dem Brighton & Hove City Council, der es als Museum betreibt, in dem die Lebenumstände einer wohlhabenden Familie und ihrer Dienerschaft Anfang des 20. Jahrhunderts gezeigt werden.

Wer treibt denn nun sein Unwesen im Preston Manor? Da ist zum Beispiel der Geist einer ermordeten Nonne, Sister Agnes, dann wurde im Manor House mehrfach eine White Lady gesichtet, die offenbar durch Wände schweben kann und eine Grey Lady, die ihrer Kollegin da nicht nachsteht. Eine Geisterhand lässt Übernachtungsgäste in einem bestimmten Himmelbettzimmer nachts nicht schlafen. Es sind viele Séancen abgehalten worden, um die Geister vom Preston Manor zur Ruhe zu bringen, aber sie haben wohl nicht richtig funktionert, denn die weiblichen Geister (oder heißt es jetzt Geisterinnen?) sind auch heute noch anzutreffen, wovon Karl Beattie von „Most Haunted“ ein Lied singen kann, denn er behauptet die White Lady gesehen zu haben. Hier ist die vollständige Episode zu sehen.

Natürlich lassen es die Betreiber des Preston Manors sich nicht entgehen, in ihrem Haus Ghost Tours anzubieten, was auch immer dankbar angenommen wird.

Preston Manor & Gardens
Preston Drove
Brighton
BN1 6SD

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Eric „The Silent Watcher“ Ashby (1918-2003) – Ein Naturfilmer aus dem New Forest in Hampshire

Der Eric Ashby Memorial Seat im Alderhill Inclosure im New Forest.
Photo © Clive Perrin (cc-by-sa/2.0)

Eric Ashby, nicht zu verwechseln mit dem englischen Botaniker gleichen Namens, lebte den größten Teil seines Lebens im New Forest in der Grafschaft Hampshire; genauer gesagt im Badger Cottage in dem kleinen Ort Linwood. Der Name von Ashbys Wohnhaus deutet schon darauf hin, dass er ein Freund der Tiere im New Forest war, vor allem jener „badger“, der Dachse, und auch der Füchse.
Eric Ashby, der von 1918 bis 2003 lebte, fühlte sich unter diesen Wildtieren eigentlich wohler als in menschlicher Gesellschaft; glücklicherweise hatte er eine Ehefrau, die genauso dachte wie er und es ebenfalls liebte, in den Wäldern des New Forests unterwegs zu sein.
Schon als Jugendlicher war Eric mit einer Kamera unterwegs gewesen und hatte die Tierwelt Hampshires fotografiert. Diese Leidenschaft sollte sich im Laufe seines Lebens noch verfestigen, denn er verbrachte einen großen Teil seiner Zeit damit, Filme über Wildtiere herzustellen. Manchmal benötigte er viele Stunden, um eine kleine Filmsequenz von wenigen Sekunden zu erstellen. Neunzigmal soll er einen Dachsbau aufgesucht haben, das Resultat – eine Minute Film („At Home With Badgers„). Für den BBC-Film „The Unknown Forest„, 45 Minuten lang, benötigte er vier Jahre. Was für ein geduldiger Mensch!
Ein weiterer bemerkenswerter Film war „The Major: Life and Death of a Village Oak Tree „, in dem Eric Ashby die Tierwelt auf einer Dorfeiche, die gefällt werden musste, beobachtete. Der Ornithologe und Naturschützer Sir Peter Scott, Sohn des Antarktisforschers Robert Falcon Scott, nannte Ashby einmal „The Silent Watcher„.

Was Eric Ashby überhaupt nicht mochte, waren die Jäger im New Forest, die auf seine geliebten Dachse und Füchse Jagd machten; mit ihnen stand er auf Kriegsfuß.

Außer seinen Filmen erinnert heute nicht mehr viel an den Naturfilmer. Eine Bank ist ihm zu Ehren im Alderhill Inclosure im New Forest in der Nähe von Fritham aufgestellt worden mit der Inschrift:
In memory of Eric Ashby MBE 1918 to 2003 Naturalist, pioneer wildlife film maker and President of the New Forest Badger Group„. Zwei Dachse sind in die Rückenlehne der Bank eingeschnitzt.

Published in: on 8. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Musikvideos – „Young at Heart“ von The Bluebells

Einer der Drehorte für das Musikvideo.
Photo © David Williams (cc-by-sa/2.0)

Glück muss man haben, hat sich die Popgruppe The Bluebells sicher gesagt, als VW 1993 deren bereits 1984 veröffentlichten Song „Young at Heart“ (hier zu hören) für einen Werbespot für den neuen Golf aussuchte. Ergebnis: Platz 1 der britischen Charts (1984 erreichten sie damit immerhin schon Platz 8). Die Band gab es schon gar nicht mehr, sie fand sich aber noch einmal kurz zusammen, um ihren Überraschungserfolg bei der BBC in Top of the Pops spielen zu können.

Die Bluebells fertigten von „Young at Heart“ auch ein Musikvideo an, in dem mehrere Bekannte Gesichter auftraten. Gedreht wurde auf Canvey Island in der Themsemündung, die zur Grafschaft Essex gehört. Als Drehort für die Cafészenen wählte man das Labworth Café und Restaurant, das 1932/33 erbaut worden ist und unter Denkmalschutz steht. Unten ist heute das Café, darüber das Savor Restaurant.

In dem Video spielt Stratford Johns (1925-2002) den schmuddeligen Koch. Ich kenne den Schauspieler noch aus der TV-Serie „Z Cars“ und Spin-Offs der Serie, in denen er den Polizeibeamten Charlie Barlow verkörperte (siehe hierzu meinen Blogeintrag). Clare Grogan spielt das junge Mädchen. Clare war selbst Sängerin und war Mitglied der New Wave-Band Altered Images („Happy Birthday“ war deren größter Erfolg), arbeitete aber auch als Schauspielerin und Kinderbuchautorin.

Geschrieben hat den Song „Young at Heart“ der The Bluebells-Gründer Robert Anthony Hodgens, ursprünglich für die Girlgroup Bananarama (er war mit Siobhan Fahey von der Band liiert), deren Version auf ihrem Debutalbum „Deep Sea Skiving“ veröffentlicht worden ist; hier ist es zu hören.

Published in: on 7. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Bahnhöfe mit den längsten Bahnsteigen Englands: Gloucester in Gloucestershire und Colchester in Essex

Der Bahnsteig in Gloucester.
Photo © Rod Grealish (cc-by-sa/2.0)

Am 23. Februar diesen Jahres stellte ich in meinem Blog die mit 139 Metern längste Bahnhofsbank der Welt vor, die in Scarborough in der Grafschaft North Yorkshire zu finden ist. Stellt man diese Bank auf einen der beiden längsten Bahnsteige Großbritanniens, so würde sie gar nicht weiter auffallen. Die Bahnhöfe in Gloucester in Gloucestershire und Colchester in Essex rühmen sich nämlich, über die längsten Bahnsteige Großbritanniens zu verfügen.

Mindestens sechs Minuten benötigen die Zugpassagiere auf dem Bahnhof von Gloucester, um den kompletten Bahnsteig in einer Länge von 602,69 Metern zu bewältigen; ganz schön lang, um im ungünstigsten Fall einen Anschlusszug zu erreichen. Die beiden Bahnsteige 1 und 2 sind 1977 verlängert worden, damit zwei Inter-City-Züge gleichzeitig abgefertigt werden konnten.

Einige Meter länger sind nur noch die Bahnsteige 3 und 4 auf dem Bahnhof von Colchester North, nämlich 620 Meter, allerdings sind diese beiden in zwei Abschnitte aufgeteilt, so geht die Ehre, den längsten, durchgehenden Bahnsteig Großbritanniens zu besitzen, an die Gloucester Railway Station.

Wen es jetzt gelüstet, die beiden Bahnsteige einmal abzulaufen…kein Problem: Hier ist ein Video über den Bahnsteig von Gloucester und hier eines über den Bahnsteig von Colchester North. Viel Vergnügen!

Der Bahnsteig in Colchester.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Cardington in Bedfordshire, die Kirche St Mary the Virgin und der verhängnisvolle Absturz eines Luftschiffs

This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

Am 5. Oktober 1930 ereignete sich bei Beauvais, nördlich von Paris, ein Unglück, das 48 Menschenleben kostete. Das riesige Luftschiff R-101, das in Cardington in Bedfordshire, wo es auch gebaut worden ist, gestartet war, um seine Jungfernreise nach Karachi in Pakistan anzutreten, geriet in Brand und stürzte ab; nur sechs Menschen überlebten. Die Toten wurden nach England zurückgebracht, wo für sie am 10. Oktober ein Trauergottesdienst in der Londoner St Paul’s Kathedrale abgehalten wurde. Anschließend wurden sie zum Startort ihrer verhängnisvollen Reise, nach Cardington, überführt, wo sie in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin beigesetzt wurden. Noch heute erinnert dort ein Denkmal an die Opfer des Luftschiffabsturzes, auf dem ihre Namen festgehalten sind, und noch heute werden in der Kirche Gedenkgottesdienste durchgeführt. Im Inneren von St Mary’s ist auch eine Gedenktafel angebracht worden.

In Frankreich sind ebenfalls zwei Denkmäler aufgestellt worden, eines direkt an der Absturzstelle und eines an der Route Nationale 1 bei Allonne.

Die britische Rockband Iron Maiden veröffentlichte im Jahr 2016 einen achtzehnminütigen Song mit dem Titel „Empire of the Clouds“ , geschrieben von dem Bandmitglied Bruce Dickenson, in dem der Absturz von R-101 im Mittelpunkt steht. Die Lektüre eines Buches über die Katastrophe hatte ihn so beeindruckt, dass er diesen Song schrieb. Hier ist das entspechende Musikvideo in voller Länge zu sehen und zu hören.

Siehe auch meinen früheren Blogeintrag über die Cardington Sheds, in denen damals die Luftschiffe gebaut worden sind.

Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

St Mary the Virgin in Cardington.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Das Memorial auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Cardington.
Photo: Snapshooter46.
Creative Commons NC-SA 2.0.

Das Massengrab auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin.
Photo: mark’s vintage topographical postcards.
This work is marked as being in the public domain.

Published in: on 5. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Valley of Rocks an der Nordküste von Devon und eine Komposition der Australierin Miriam Hyde (1913-2005)

The Devil’s Cheesewring.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1974 besuchte die australische Komponistin und Pianistin Miriam Hyde (1913-2005), gemeinsam mit ihrem Ehemann Marcus Edwards, Großbritannien und im Zuge ihrer Reise auch das Valley of Rocks an der Nordküste der Grafschaft Devon. Hier finden sich bizarre Felsformationen, die schon die Schriftsteller William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge und Robert Southey Ende des 18. Jahrhunderts fasziniert hatten. Ihr Zeitgenosse Richard Doddridge Blackmore hatte Teile seines berühmten Romans „Lorna Doone“ (dt. „Lorna Doone“) im Valley of Rocks angesiedelt.

Auch Miriam Hyde und ihr Mann waren von den Felsen, die Namen tragen wie Castle Rock und Rugged Jack, begeistert. Nachdem sie wieder nach Australien zurückgekehrt war, beschloss die Komponistin ihre Eindrücke vom Valley of Rocks musikalisch umzusetzen, und so schrieb sie ein fünfminütiges Klavierstück, das sie auch „Valley of Rocks“ nannte und das zu ihrer erfolgreichsten und bekanntesten Komposition wurde; hier ist es zu hören.

Das Valley of Rocks liegt gleich westlich des kleinen Ortes Lynton im Exmoor National Park. Dieser Film zeigt die faszinierende Felslandschaft.

Als Ausgangspunkt für Besichtigungen des Felstals bietet sich das Valley of Rocks Hotel in Lynton an.

Castle Rock.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Das Valley of Rocks Hotel in Lynton.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. November 2025 at 02:00  Comments (1)  

Das Busfest in Malvern (Worcestershire) – Das weltweit größte Treffen von VW Bus-Fans

Blick auf den Three Counties Showground in Malvern und ein früheres Busfest.
Photo © Bob Embleton (cc-by-sa/2.0)

Alte VW-Busse haben in England Kultstatus und erfreuen sich großer Beliebtheit. Es gibt Firmen, die sich auf die Vermietung von alten, hergerichteten Campingbussen spezialisiert haben, aber viele befinden sich auch in Privathand.

Die Firma Snail Trail in Biggleswade (Bedfordshire) verkauft die umgebauten VW-Camper, denen man liebevoll Namen gegeben hat wie Elsie, Betty und Prudence. Auch bei der Firma O’Connors Campers in Okehampton in Devon kann man die nostalgischen Fahrzeuge mieten.

Einmal im Jahr treffen sich die VW-Bus-Fans Europas auf dem Three Counties Showground in Malvern in Worcestershire zum sogenannten Busfest (früher Vanfest), das größte seiner Art weltweit. Hier präsentiert man stolz seine gehegten und gepflegten Fahrzeuge. Das letzte Busfest fand in diesem Jahr zum einunddreißigsten Mal vom 12. bis zum 14. September statt. Über 8000 Fahrzeuge und 25 000 Besucher kommen in der Regel nach Malvernund Verkaufsstände bieten alles an, was die Herzen der Busbesitzer höher schlagen lassen. Es gibt immer eine breite Angebotspalette an Beiprogrammen wie die Show and Shine Competition, bei der der schönste Bus prämiert wird, Spiele rund um den VW Bus wie „hubcap hurling“ oder „bus push“ standen schon auf dem Programm und jede Menge Musikgruppen sind immer anwesend.

Dieser Film zeigt Impressionen vom diesjährigen Busfest.

Photo: Karen Roe.
Creative Commons 2.0

Photo: Karen Roe.
Creative Commons 2.0

Photo: Karen Roe.
Creative Commons 2.0

Published in: on 3. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Restauranttipp – La Campania in Arundel (West Sussex)

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Kürzlich suchten wir in der Kleinstadt Arundel in West Sussex ein Restaurant zum Mittagessen. Arundel ist ein hübscher Ort, aber auch ein Touristen-Hotspot durch das großartige Arundel Castle. An der High Street sind mehrere Restaurants zu finden, und wir schwankten zwischen dem Hotelrestaurant des Norfolk Arms (wo wir früher schon einmal übernachtet haben), dem Red Lion schräg gegenüber und dem italienischen Restaurant La Campania, direkt gegenüber. Uns war mehr nach italienischem Essen zumute, so entschieden wir uns für das grün gestrichene La Campania.

Es war eine gute Wahl wie sich herausstellte. Für mich ist es immer sehr wichtig wie die Gäste in einem Restaurant empfangen werden und das war hier vorbildlich. Das Personal des familiengeführten Ristorante war ausgesprochen freundlich und aufmerksam. Seit fünfzehn Jahren gibt es das La Campania schon in Arundel, und wenn man sich die Tripadvisor-Beurteilungen ansieht, kommt es sehr gut an, sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Gästen von auswärts.

Es gibt hier ein sehr interessantes Angebot an Vorspeisen, die man nicht so oft in italienischen Restaurants findet wie Jakobsmuscheln mit Pancetta, geräucherten Schellfisch und „Nonna’s Meatballs“. Neben den üblichen Pizza- und Pastagerichten stehen vier Fischgerichte, vier Geflügelgerichte und drei verschiedene Steaks, darunter auch ein T-Bone Steak, auf der Karte. Die Preise sind angemessen.
Man sitzt in La Campania sehr angenehm und kann dem Treiben auf der High Street zusehen.Das Restaurant ist täglich geöffnet, am Samstag und Sonntag auch durchgehend.

La Campania
51 High Street
Arundel BN18 9AJ

Photo: jeffdjevdet.
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Published in: on 2. November 2025 at 02:00  Kommentar verfassen  

William Booth (1829-1912), die Heilsarmee und der Notintone Place in Nottingham

William Booth vor seinem Geburtshaus und seinem Museum am Notintone Place.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1829 wurde in Nottingham im Haus Nummer 12 am Notintone Place William Booth geboren, der in die Geschichte als Gründer der Salvation Army, der Heilsarmee, eingegangen ist. Die Heilsarmee ist eine evangelische Freikirche und Hilfsorganisation, die sich weltweit für Menschen in Not einsetzt. Ihre Struktur ist militärisch ausgeprägt und an ihrer Spitze steht ein General; William Booth war der erste, der sich so bezeichnen konnte.

Booths Zentrum seines Wirkens war allerdings nicht Nottingham, sondern überwiegend London. Doch in seiner Geburtsstadt hat man ihn in Erinnerung gehalten, indem man in seinem Geburtshaus am Notintone Place im Stadtteil Sneinton ein Museum eingerichtet hat. Das 1820 errichtete, denkmalgeschützte und in georgianischem Stil errichtete Haus dokumentiert die Geschichte des William Booth, seiner Frau Catherine und seiner Kinder, die alle wichtige Funktionen in der Heilsarmee eingenommen haben.

Der Zugang zu dem Museum erfolgt über eine schmale, leicht zu übersehende Gasse zu dem kleinen. hübschen Notintone Place; ein Schild am Beginn der Gasse weist aber darauf hin mit dem Worten „Welcome to The Salvation Army Community Centre – Notintone Place home of the William Booth Birthplace Museum„. Das Museum ist nur nach vorheriger Anmeldung zugänglich (und derzeit vorübergehend geschlossen). Vor dem Gebäude ist eine Statue von William Booth aufgestellt worden, die ihn zeigt wie er mit einem Finger in Richtung Himmel weist.

In der King Edward Street in Nottingham stehen die William Booth Memorial Halls, die das Zentrum der Heilsarmee in der Stadt bilden.

William Booth starb am 20. August 1912 in London und ist dort, zusammen mit seiner Frau, in einem Grab auf dem Abney Park Cemetery im Stadtteil Stoke Newington beigesetzt worden.

Hier ist eine Dokumentation über William Booth aus dem Jahr 1953.

Die kleine Gasse, die zum Notintone Place führt.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Die William Booth Memorial Halls.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die Grabstätte auf dem Abney Park Cemetery in London.
Photo: nicksarebi.
Creative Commons NC-ND 2.0