Mein Buchtipp – Julie Ann Godson: On this day in Oxfordshire Vol. 1

Foto meines Exemplares

Julie Ann Godson ist eine Schriftstellerin und Lokalhistorikerin aus Northmoor in Oxfordshire, die sich schon seit Jahren mit ihrer Heimatgrafschaft beschäftigt und mehrere Bücher darüber geschrieben hat wie zum Beispiel „Northmoor Through the Years“, „Scandal in High Society Oxfordshire“ und „Our Boys 1914-1918: Who Were the Fallen of the Lower Windrush Valley?“.
Heute möchte ich ihr Buch „On this day in Oxfordshire Vol. 1“ vorstellen (es gibt auch einen Volume 2, den ich aber nicht besitze), in dem Julie Ann Godson jeden Tag des Jahres mit irgendeinem mehr oder weniger wichtigen Ereignis verknüpft, das in Oxford oder in Oxfordshire stattgefunden hat. Es war sicher keine einfache Aufgabe, für jeden Tag etwas Berichtenswertes zu finden. Vieles davon war seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten in den Archiven der Grafschaft verschwunden, doch die Autorin hat sie wieder ausgegraben und ihrer heutigen Leserschaft erneut zur Verfügung gestellt.

Eine wichtige Quelle für Julie Anns Recherchen war das Magazin „Jackson’s Oxford Journal„, das im frühen 18. Jahrhundert von einem William Jackson als Samstagsjournal gegründet wurde und das 1928 eingestellt worden ist. Die Ausgaben sind online im British Newspaper Archive zu finden.

Zwei Beispiele was man in „On this day in Oxfordshire“ finden kann: Am 1. Januar finden wir den Eintrag über einen Raubüberfall, der sich am ersten Tag des Jahres 1863 in Cropredy ereignet hat, bei dem der körperlich und geistig behinderte Henry Burnham von drei Männern aus London attackiert worden ist, die gefasst und vor Gericht gestellt, aber freigesprochen worden sind. Der letzte Eintrag des Buches, der 31. Dezember 1999, handelt von einem Einbruch in das Ashmolean Museum in Oxford, bei dem Cézannes Gemälde „Blick auf Auvers-sur-Oise“ aus dem Jahr 1879 gestohlen wurde und das nie wieder aufgetaucht ist. Da es das einzige gestohlene Bild war, vermutet die Polizei, dass es sich hier um einen Auftragsraub handelte.

Julie Ann Godson: On this day in Oxfordshire Vol. 1. AlleyCat Books 2019. 277 Seiten. ISBN 978-1704582245.

Published in: on 31. Januar 2026 at 02:00  Comments (5)  

Ozzy Osbourne (1948-2025) und seine letzte Ruhestätte in Jordans in Buckinghamshire

Ozzy und Sharon Osbourne.
As a work of the U.S. federal government, it is in the public domain.

Am 22. Juli letzten Jahres starb John Michael Osbourne, besser bekannt als Ozzy Osbourne, in seinem Haus bei Jordans, einem kleinen Dorf in der Nähe von Gerrards Cross in der Grafschaft Buckinghamshire. Der Heavy Metal Rocker und Frontmann der Band Black Sabbath erlag einem Herzinfarkt; auch ein herbeigerufener Notarzt der Thames Valley Air Ambulance konnte ihm nicht mehr helfen.

Der am 3. Dezember 1948 in Birmingham geborene Sänger, der später auch durch seine Realityshows international bekannt wurde, sorgte vor allem durch seine skurrilen Bühnenauftritte immer wieder für Schlagzeilen. Als sein Tod bekannt wurde, versammelten sich seine zahlreichen Fans in seiner Geburtsstadt an der nach seiner Band benannten Black Sabbath Brücke und legten an der Black Sabbath Bank Blumen nieder. Die „Heavy Metal Bench“ aus rostfreiem Edelstahl zeigt die Konterfeis der Bandmitglieder und wurde von Black Sabbath-Gitarrist Tony Iommi im Januar 2019 in einer Zeremonie enthüllt. Die Trauerfeier in Birmingham und der Korso mit dem Leichenwagen und mehreren schwarzen Limousinen ist von Tausenden von Menschen am Straßenrand verfolgt worden.

Doch Ozzy Osbourne ist nicht in Birmingham begraben worden, sondern auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin auf dem Gelände seines Hauses, dem Welders House am Welders Lane, in Jordans im ländlichen Buckinghamshire. Ozzy und seine Frau Sharon hatten das unter Denkmalschutz stehende Haus 1993 gekauft, in dem vorher John Stears (1934-1999) wohnte, der sich in der Filmbranche durch seine Arbeit mit Spezialeffekten einen Namen gemacht und dafür zwei Oscars erhalten hatte.

Ozzy Osbourne liebte das Welders House, und hier fand dann auch eine weitere Trauerfeier statt, zu der wieder, wie schon in Birmingham, prominente Persönlichkeiten aus seinem persönlichen Umfeld eingeladen waren wie Sir Elton John und Marilyn Manson. Die Grabstätte des Black Sabbath-Sängers befindet sich am Ufer eines kleinen Sees auf dem Grundstück des Welders House, also sehr ruhig gelegen, ganz im Gegensatz zu dem turbulenten Leben Ozzy Osbournes und den lauten Auftritten seiner Heavy Metal Band.

Hier ist Ozzy Osbourne mit dem wunderschönen „Dreamer“ zu hören.

Dieser Film zeigt Ozzy Osbournes „last resting place“ in Jordans.

Siehe auch diesen Blogeintrag über Jordans.

Ein Blumenmeer an der Black Sabbath Bridge in Birmingham.
Photo: Tony Hisgett.
Creative Commons 4.0

Der Welders Lane in Jordans mit der Mauer, die das Welders House begrenzt.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Spukorte – Sally in the Wood, ein Abschnitt der A363 zwischen Bathford (Somerset) und Bradford-on-Avon (Wiltshire)

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Welches ist der unheimlichste Wald Englands? Ist es vielleicht der Rendlesham Forest in Suffolk? Oder ist es der Clapham Wood in West Sussex? Oder ist es der Home Wood, durch den die A363 führt, zwischen Bathford in Somerset und Bradford-on-Avon in Wiltshire? Dieser Straßenabschnitt heißt Sally in the Wood, von dem manche Autofahrer behaupten, er sei „haunted“, denn sie meinen, mehrfach ein junges, weiß gekleidetes Mädchen (Sally?) gesehen zu haben, das die Straße überquert. Es kursiert die Geschichte von einem Paar, das meint, dieses Mädchen mit ihrem Auto überfahren zu haben, und sie nicht mehr rechtzeitig haben bremsen können, doch als sie ausstiegen, war das Mädchen verschwunden. Es soll auch mehrere mysteriöse Autounfälle hier auf der A363 gegeben haben.

Wer war denn nun diese unheimliche Sally in the Wood? Angeblich soll es sich um dabei um eine gewisse Sarah Gibson handeln, die in einer Hütte hier im Wald lebte. Eine andere Version lautet, diese Sally wäre in einem Turm im Wald gefangengehalten und ermordet worden. Dieser zwölf Meter hohe Turm wäre dann Browne’s Folly, nach seinem Erbauer, Colonel Wade Browne, benannt, der ohne besonderen Grund diesen Turm mitten in den Wald setzte, möglicherweise, um in einer wirtschaftlich schweren Zeit im Jahr 1845 den Menschen in der Umgebung Arbeit zu verschaffen.

Ein Stückchen weiter die Straße Sally in the Wood hinunter in Richtung Bradford-on-Avon befindet sich ein Wolfsgehege, The Little Zoo, und wenn diese Tiere des Nachts heulen, könnte ich mir vorstellen, dass es hier an der A363 noch unheimlicher werden könnte…

Die Band Littlemen aus Wiltshire hat einen Song in ihrem Repertoire, der „Hey Sally (Sally in the Woods)“ heißt.

Dieser Film zeigt den Wald und Browne’s Folly.

Browne’s Folly.
Photo © Doug Lee (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Januar 2026 at 02:00  Comments (2)  

Der Mercery Lane in Canterbury (Kent) – Eine der ältesten Straßen der Stadt

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Canterbury in Kent hat gewisse Ähnlichkeiten mit York. Die Stadt wird von der Kathedrale beherrscht und drum herum wimmelt es von kleinen altertümlichen Gassen. Was für York die Shambles sind, ist für Canterbury der Mercery Lane, eine kleine schmale Straße, die von der High Street zur Sun Street und zur Kathedrale führt. Der Name der Straße leitet sich von dem französischen Wort „mercerie“ ab, was soviel wie „Kramware“ bedeutet; hier haben sich seit Jahrhunderten kleine Läden niedergelassen, die alle möglichen Waren und Dienstleistungen feilhielten wie zum Beispiel Schuhmacher in der Nummer 4, Friseure in der Nummer 12 und Metzger in der Nummer 14.

Die Häuser wurden seinerzeit so gebaut, dass die oberen Stockwerke über die unteren herausragen, so dass man fast den Eindruck gewinnt, wenn man die Straße hinabblickt, als ob sie sich berühren. Der von Geoffrey Chaucer in seinen „Canterbury Tales“ erwähnte Chequers Inn stand an der Ecke Mercery Lane/High Street und wurde 1865 von einem Feuer zerstört.

In der altertümlichen Gasse finden sich auch heute noch eine Vielzahl von Geschäften wie in der Nummer 15, ein Laden, der Harry Potter-Fans aus aller Welt anzieht, House of Secrets, wo man Devotionalien aller Art von dem Popkultur-Phänomen kaufen kann oder in der Nummer, die das Canterbury Tails Cat Café beherbergt, das einzige Katzencafé der Stadt, oder in der Nummer 11, wo es bei Embassy London elegante Schuhe zu kaufen gibt.

Von den etwas verdriesslich schauenden hölzernen „Gargoyles“ an den Hauswänden sollte man sich nicht abschrecken lassen. Das Ende der Straße bildet das großartige Christ Church Gate, das Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet wurde.

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)


Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Cromwell’s Bridge, die bei Hurst Green (Lancashire) über den River Hodder führt

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Über den River Hodder, einen etwa vierzig Kilometer langen Fluss, der in den River Ribble mündet und mit ihm gemeinsam in die Irische See fließt, führen bei Hurst Green in Lancashire zwei Brücken: Die New Lower Hodder Bridge, die 1819 erbaut worden ist, und die wesentlich ältere Old Lower Hodder Bridge, die bereits 1562 den Verkehr über den Fluss lenkte. Letzere führt auch die Namen The Devil’s Bridge und Cromwell’s Bridge. Sir Richard Shireburn, der im nahe gelegenen Stonyhurst residierte, war der Bauherr, der dadurch dafür sorgte, dass Fußgänger und Packpferde sicher den Fluss passieren konnten. Den Namen Cromwell’s Bridge erhielt die Brücke, weil Oliver Cromwell’s New Model Army im August 1648 hier den River Hodder überquerte. Die achttausend Mann zählende Armee war auf dem Weg, um gegen die königlichen Truppen bei Preston ins Feld zu ziehen. Dieser Battle of Preston wurde von Oliver Cromwell gewonnen. Damit seine Soldaten ihre Geschütze über die Brücke transportieren konnten, entfernte man ihre Brüstung, die niemals erneuert worden ist und noch heute auf der baufällig gewordenen Brücke (sie steht im Heritage at Risk Register) fehlt. Wer darüber ging (sie ist heute gesperrt), hatte sicher ein mulmiges Gefühl, vor allem wenn der River Hodder Hochwasser führte wie dieser Film zeigt.

Cromwell’s Bridge soll als Vorbild für die Brandywine Bridge in J.R.R. Tolkiens Roman „The Lord of the Rings“ (dt. „Der Herr der Ringe“) gedient haben und befindet sich auf dem Tolkien Trail, der hier entlang führt. Der Romanautor verbrachte einige Zeit im Stonyhurst College, wo er an seinem berühmten Werk schrieb. Siehe auch meinen Blogeintrag über den Tolkien Trail.

Hier ist ein Film über die Brücke.

Im Vordergrund die Cromwell’s Bridge, im Hintergrund die New Lower Hodder Bridge.
Photo © Nick Harling (cc-by-sa/2.0)

Stonyhurst College.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Foulridge Tunnel am Leeds and Liverpool Canal in Lancashire und eine Kuh, die ihn einmal in voller Länge durchschwamm

Das Südportal des Foulridge Tunnels, wo Buttercups lange Reise begann.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

Seit einigen Tagen geht eine Meldung um die Welt, dass es in Kärnten in Österreich eine intelligente Kuh namens Veronika gibt, die in der Lage ist, sich mit einem Besenstil an mehreren Stellen am Körper zu kratzen wie dieses Video zeigt.
Im Jahr 1912 gab es ebenfalls eine Kuh mit einem erhöhten Intelligenzquotienten, die Buttercup hieß und auf der Blue Slate Farm bei einem Ort namens Foulridge in Lancashire zu Hause war. Die Wiesen der Farm zogen sich bis zum Leeds and Liverpool Canal hinunter, einem Kanal, der in den 1770er Jahren erbaut worden ist und die beiden Städte verbindet.
Buttercup weidete gern am Kanal, vielleicht war dort das Gras saftiger als an anderen Stellen der Farm. Eines Tages wagte sie sich etwas zu dicht an das Kanalufer…und sie plumpste hinein. Oh je, wie sollte sie da wohl wieder zurück an Land kommen? Sie konnte keinen Halt am Ufer finden und paddelte weiter, auf der Suche nach einer seichten Stelle, die aber nicht zu finden war. Also schwimme ich weiter, dachte sich Buttercup, und bewegte sich in Richtung eines Kanaltunnels, dem Foulridge Tunnel. Er wurde damals von Lastkähnen benutzt, und da es darin keinen Treidelpfad gab, mussten sich die Leute im Kahn auf den Rücken legen und mit ihren Füßen an der Tunneldecke das Boot vorwärts bewegen (der Vorgang wird „Legging“ genannt); eine mühsame Angelegenheit, denn der Tunnel ist etwa 1500 Meter lang.

Buttercup fasste sich ein Herz und schwamm in den stockdunklen Tunnel hinein und schwamm und schwamm…bis sie schließlich nach zwei Stunden am anderen Ende des Tunnels wieder herauskam (glücklicherweise hatte sie keinen Gegenverkehr). Das vollkommen erschöpfte und unterkühlte Tier wurde von hilfreichen Menschen an Land gezogen. Jemand kam auf die geniale Idee, aus dem nahe gelegenen Pub „Hole in the Wall“ Brandy zu holen, den man der Kuh einflößte und die das Getränk wahrscheinlich gern geschluckt hat, denn es wärmte sie wieder auf. Noch nie zuvor hatte irgendjemand den Foulridge Tunnel durchschwommen, den man auf Grund seiner Länge auch den „Mile Tunnel“ nannte.

Es ist nicht überliefert, ob Buttercup diesen Schwimmausflug noch einmal wiederholt hat, weil ihr der Brandy so gut geschmeckt hat.

Dieser Film zeichnet diesen für Buttercup ereignisreichen Tag noch einmal nach.

Es gab kein Licht im Foulridge Tunnel.
Photo © Stephen Keenan (cc-by-sa/2.0)

The Hole in the Wall in Foulridge. Leider wurde der Pub im Jahr 2007 geschlossen und anschließend abgerissen.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Moulton Windmill – Die höchste Windmühle Großbritanniens in Lincolnshire

Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)

Es gibt wohl keine Region Englands, die besser für Windmühlen geeignet war, als die Grafschaft Lincolnshire. Hier weht häufig ein kräftiger Wind, dem sich in der platten Landschaft nichts entgegenstellt. Darum sind hier viele Windmühlen gebaut worden, von denen allerdings einige durch starke Stürme in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

Die höchste Windmühle Großbritanniens (und eine der höchsten weltweit) ist hier in dem Dorf Moulton zu finden, zwischen Spalding und Holbeach an der A151. Die Moulton Windmill misst vom Boden bis zur Spitze etwa dreißig Meter und ist im Jahr 1822 erbaut worden. Die neunstöckige Mühle hat in ihrer Geschichte schon einige heftige Stürme erlebt, die sie arg zerzaust haben, doch sie wurde bis heute immer wieder repariert beziehungsweise restauriert. The Friends of Moulton Mill haben sich besonders für das Überleben der Windmühle eingesetzt, die einen kräftigen Zuschuss vom Heritage Lottery Fund erhalten hat, so dass sie nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten im Jahr 2013 erstmals nach langer Zeit wieder Mehl produzieren konnte.

Die Mühle ist samstags und sonntags von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet, man kann gegen eine Gebühr von £6 eine geführte Tour bis zur obersten Etage unternehmen, sich im Tea Room erfrischen, im Shop lokale Spezialitäten und von der Mühle gemahlenes Mehl kaufen. Erhältlich ist hier auch das Buch „The Story of Moulton Windmill„, das Peter Hall mit Unterstützung von John Biggadike, dem letzten Müller, geschrieben hat.

Die Maud Foster Windmill in der Willoughby Road in Boston, ebenfalls in Lincolnshire, ist mit ihren sieben Stockwerken nur etwas kleiner als die in Moulton, mahlt auch noch Mehl und ist für Besucher geöffnet (mittwochs und samstags von 10 Uhr bis 17 Uhr).

In diesem Film ist die Mühle aus der Luft zu sehen, und dieser Film zeigt eine Rundfahrt durch Moulton.

Moulton Windmill
High Street

Moulton, Lincolnshire, PE12 6QB

Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Januar 2026 at 02:00  Comments (1)  

Der Ullswater in Cumbria – Der zweitgrößte See im Lake District und The Lady of the Lake, eines der ältesten Passagierschiffe der Welt

Photo: GSH1970.
Creative Commons 2.0

Am 26. Juni 1877 wurde die alte Dame in Betrieb genommen und sie ist eines der ältesten, noch fahrbereiten Passagierschiffe der Welt: The Lady of the Lake. Einsatzort ist der Ullswater-See im Nordwesten Englands in der Grafschaft Cumbria; es ist der zweitgrößte See im Lake District. Zusammen mit der Raven (Baujahr 1889), der Western Belle (Baujahr 1935), der Lady Dorothy (Baujahr 1967) und der Lady Wakefield (Baujahr 1949) fährt die Lady of the Lake mit Touristen an Bord den See auf und ab mit den Anlegestellen Anlegestellen Glenridding, Howtown und Pooley Bridge.

Douglas Hebson aus Penrith konstruierte das Schiff, das dann in der Werft von Joseph Seath & Company in Glasgow gebaut wurde. In drei Teile zerlegt, transportierte man die Lady von Glasgow nach Penrith, von wo aus sie dann von Pferden gezogen bis zum See geschleppt wurde. Hier baute man sie dann wieder zusammen.

Bereits vier Jahre nach Inbetriebnahme sank die Lady aufgrund hohen Wellengangs, als sie am Pier von Pooley Bridge vertäut war. Einige Wochen später konnten Spezialisten aus Liverpool sie wieder flottmachen, so dass sie ihren Dienst erneut aufnehmen konnte. 1933/34 ersetzte man die Dampfmaschine durch modernere Dieselmotoren.

1958 schlug das Schicksal wieder zu, und das Schiff sank während eines heftigen Sturms. Als die Lady auch dieses Unglück überwunden hatte, brach 1965 ein Feuer auf ihr aus. 14 Jahre lang war sie außer Gefecht gesetzt, doch sie ist hart im Nehmen, und so konnte sie 1979 wie gehabt die Strecke von Pooley Bridge nach Glenridding bedienen.

Wer möchte, kann Schiffe aus der Flotte der Ullswater Steamers auch komplett chartern, zum Beispiel für Hochzeiten, Meetings oder Geburtstagsparties.

Hier ist die Lady of the Lake im Film zu sehen.

Photo © Brian Deegan (cc-by-sa/2.0)


Der wunderschöne Ullswater-See.
Photo © Karl and Ali (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Januar 2026 at 02:00  Comments (1)  

„The Bricklayer’s Lament“ – Eine wunderschöne Geschichte von Gerard Hoffnung (1925-1959)

Ich habe noch ein 3-LP-Set von Gerard Hoffnungs. Eigenes Foto.
Ich habe noch ein 3-LP-Set von Gerard Hoffnungs Musicfestivals.
Eigenes Foto.

Gerard Hoffnung (1925-1959) war eines jener jüdischen Kinder, die 1938 über die Kindertransporte nach England in Sicherheit gebracht wurden, über die ich gestern in meinem Blog schrieb. In diesem Fall konnten sich auch seine Eltern ein Jahr später gerade noch rechtzeitig vor den Nazis retten. Gerard zog mit seiner Mutter in den Norden Londons, wo er dann bis zu seinem sehr frühen Tod 1959 lebte.

Berühmt wurde Gerard Hoffnung einerseits durch seine Karikaturen, in denen er sich hauptsächlich mit Themen aus der Musik beschäftigte, und durch seine Musikfestivals in der Londoner Royal Festival Hall, in denen er „originelle Musik …mit clownesken Einlagen der Musiker“ (so die Wikipedia) aufführte. Nach seinem frühen Tod führte der englische Komponist Malcom Arnold (1921-2006) die Veranstaltungsreihe fort; siehe auch meine beiden Blogeinträge über ihn.

Heute möchte ich auf sein herrlich komisches „The Bricklayer’s Lament“ aufmerksam machen, eine wunderschön erzählte Geschichte von einem Maurer, der sich recht tolpatschig anstellt und dafür gleich mehrfach bestraft wird. Hoffnung trug diese Geschichte am 4. Dezember 1958 vor der Oxford Union Society vor, und die Anwesenden konnten sich vor Lachen kaum halten. Er las die Story von den Missgeschicken eines Maurers ein Jahr zuvor im „Manchester Guardian“ und fand sie so schön, dass sie Bestandteil seines Repertoires wurde.

Wer „The Bricklayer’s Lament“ noch nicht kennt, sollte sich die Geschichte unbedingt hier einmal anhören.

Das Buch zum Artikel:
Annetta Hoffnung: Gerard Hoffnung – His Biography. Gordon Fraser 1988. 176 Seiten. ISBN 978-0860921103.

Die Londoner Royal Festival Hall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Denkmäler in Harwich (Essex) und London, die an den Kindertransport 1938/39 jüdischer Kinder nach England erinnern

Die Bronzeskulptur in Harwich.
Photo: kitmasterbloke.
Creative Commons 2.0

In den Jahren 1938 und 1939 sind Tausende von jüdischen Kindern aus Deutschland nach England in Sicherheit gebracht worden, die in vielen Fällen ihre Eltern nie wiedergesehen haben, weil diese in den Konzentrationslagern des deutschen Nazi-Regimes umgebracht worden sind. Wahrscheinlich hätten die Kinder das gleiche Schicksal erlitten. Mit Zügen wurden sie zu den Fährhäfen gebracht, von wo aus sie dann nach England verschifft worden sind.

Refugee Children’s Movement“ wird diese groß angelegte Aktion in England genannt, aber auch Kindertransport, und daran erinnern zwei Denkmäler, eines in Harwich in Essex und eines in London.

Safe Haven heißt das Monument in der Hafenstadt Harwich, eine Bronzeskulptur, die fünf Kinder zeigt, die eine Gangway heruntersteigen, und die alle im sicheren Hafen auf englischem Boden angekommen sind. Der Bildhauer Ian Wolter hat dieses Werk geschaffen, der auch durch die Bronzeskulptur Children of Calais in Saffron Walden (Essex) bekannt geworden ist, eine Figurengruppe, die auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise aufmerksam machen soll. Am 1. September 2022 ist das Denkmal Safe Haven feierlich von Dame Stephanie Shirley an der Harwich Quayside enthüllt worden, die selbst als Fünfjährige an dem Kindertransport teilgenommen hat. Hier sind einige Bilder von der Einweihung des Denkmals.

Kindertransport – The Arrival nennt sich die Bronzeskulptur, die in London vor dem Bahnhof Liverpool Street Station zu finden ist. Im September 2006 ist dieses Denkmal eingeweiht worden, das auf Initiative von Prince Charles entstanden ist. Die Skulptur zeigt fünf Kinder bei der Ankunft auf dem Bahnhof in London, jedes mit einem Koffer in der Hand oder darauf sitzend. Geschaffen hat es Frank Meisler (1925-2018), ein Architekt und Bildhauer, der 1939 selbst durch einen Kindertransport aus seiner Heimatstadt Danzig über Hoek van Holland nach England kam und in London auf dem Bahnhof Liverpool Street Station ankam. Frank Meislers Eltern sind im KZ Auschwitz ermordet worden. Was für fürchterliche Schicksale!

Die Bronzeskulptur vor dem Londoner Bahnhof Liverpool Street Station.
Photo: Loco Steve.
Creative Commons SA 2.0

Plakette am Denkmal in London.
Photo: wirewiper.
Creative Commons NC-ND 2.0

Published in: on 22. Januar 2026 at 02:00  Comments (1)  

Romi Topi und sein Top Shine-Schuhputzerstand in Londons Burlington Arcade

Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Dick der Schuhputzer aus dem Film „Der kleine Lord“ hätte wohl große Augen bekommen, wenn er den Schuhputzerstand Top Shine seines Kollegen Romi Topi in der vornehmen Londoner Burlington Arcade hätte sehen können.
Wie man dem Namen nach unschwer erkennen kann, handelt es sich bei Romi Topi um keinen waschechten Engländer, sondern um einen albanischstämmigen Einwanderer, der 2001 nach London kam und jetzt seit 24 Jahren seinem Schuhputzgeschäft in der britischen Hauptstadt nachgeht. Erst war er in der Jermyn Street tätig, dann machte er seine Touren durch die Büros der Londoner City, bevor er sich in der Burlington Arcade niederließ, wo er täglich etwa vierzig Paar Schuhe reinigt und poliert. Überwiegend sind es Geschäftsleute aus den Büros der näheren Umgebung, die sich den Luxus einer Schuhreinigung gönnen.

Romi Topi ist so erfolgreich geworden, dass er inzwischen die Firma Shoe Shine Service LTD mit mehreren Mitarbeitern gegründet hat, er arbeitet mit renommierten Firmen wie Fortnum & Mason, Louis Vuitton, Gucci und Bally zusammen und über seinen Online-Shop verkauft er Produkte wie Schuhputzbürsten, Schuhcreme, Lederreiniger und Schnürsenkel.

Aus einem einfachen Einwanderer ist Romi Topi zu einem in der City of London geachteten und erfolgreichen Kleinunternehmer geworden. Anzutreffen ist er in der Burlington Arcade in der Straße Piccadilly Nummer 51 in Mayfair. Über die Einkaufspassage schrieb ich vor einigen Jahren schon einmal in meinem Blog.
Dieser Film zeigt den Schuhputzer bei der Arbeit.

Vorsicht: Wer es sich mit den uniformierten, Beadles genannten Aufsehern in der Arcade nicht verscherzen will, der sollte unbedingt das Verbot des Pfeifens in der Einkaufspassage beachten, das ist dort nämlich verboten.

Photo: D G Butcher.
Creative Commons NC-ND 2.0

Der Eingang zur Burlington Arcade. Auf dem Dach ist eine der von Antony Gormley geschaffenen Figuren zu sehen.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die merkwürdigen Namen der Felskletterwände im Cathedral Quarry in Little Langdale in Cumbria

Photo: Amateur with a Camera.
Creative Commons NC-ND 2.0

Little Langdale, ein kleines Dorf in der Grafschaft Cumbria, liegt westlich der Nordspitze des Lake Windermere und ist bekannt geworden, speziell in der Welt der Felskletterer, durch den Cathedral Quarry, auch Cathedral Cave genannten, ehemaligen Schiefersteinbruch. Die „normalen“ Besucher kommen vor allem hierher, um sich die gewaltige, zwölf Meter hohe, kathedralenartige Haupthöhle anzusehen, die vom National Trust gemanagt wird und die dem Trust von der weltberühmten Schriftstellerin Beatrix Potter (1866-1943) übergeben worden ist. Sie hatte den Steinbruch 1929 gekauft, der noch bis in die 1950er Jahre betrieben wurde.

Wie ich eingangs schon sagte, ist der Cathedral Quarry ein Lieblingsziel von Felskletterern und Abseilern. Letztere lassen sich mit einem Seil von einer großen Höhe hinab, hier also von Felswänden. Das deutsche Wort „abseilen“ ist übrigens in die englische Sprache als „abseiling“ übernommen worden. Wer sich die Namen dieser Kletterwände ausgedacht hat, muss schon ein gehöriges Mass an Humor besessen haben, denn viele von ihnen tragen witzige Namen. Eine von ihnen nennt sich beispielsweise „I Got Horribly Drunk“ (kein empfehlenswerter Zustand, um die Wand zu bezwingen), eine andere heißt dagegen „I Got Horribly Sober“ (was auch irgendwie nicht richtig gut klingt). Wer weder das eine noch das andere ist, bevorzugt vielleicht die Kletterwand namens „Night of the Hot Pies“ oder „More Banana Related Japery„. Ich finde, dass auch „The Bishop and the Actress“ interessant klingt und wie wäre es mit dem etwas vulgären „Ringpiece Activist„? Bedrohlicher klingen da schon „Murder in the Cathedral„, „China Crisis“ und „Diet of Worms„. Da hat man als Felsenkletterer wirklich die Qual der Wahl.

Der National Trust überprüft die Felswände zwar regelmäßig auf ihre Sicherheit, das Risiko tragen natürlich die „rock climber“ selbst.
Hier ist ein Film über den Cathedral Quarry.

Photo: Amateur with a Camera.
Creative Commons NC-ND 2.0

Ein Abseiler im Cathedral Quarry.
Photo: Andrew Stelmach.
Creative Commons NC-ND 2.0

Famous Graves – Sambos Grab in Sunderland Point in Lancashire

Photo: bulldozia.
Creative Commons NC-SA 2.0

Sunderland Point in der Grafschaft Lancashire war einmal der Hafen der Stadt Lancaster, von dem aus der Triangular Trade betrieben wurde, der Sklavendreieckshandel. Waren aus Großbritannien wurden nach Afrika verschifft, dort nahm man Sklaven an Bord, die in die Karibik „verfrachtet“ wurden, und Waren aus der Karibik kamen wieder nach Großbritannien zurück.
Auf einem dieser Schiffe aus der Karibik war ein Sklavenjunge namens Sambo an Bord, der als Diener des Kapitäns fungiert hatte. Der Kapitän ließ ihn im Jahr 1736 in Sunderland Point zurück, wo Sambo eine kurze Zeit im heute Upsteps Cottage genannten Haus lebte, und wo er auch bald starb; man vermutet an irgendeiner Krankheit, gegen die er keine Immunität besaß.

Beerdigt wurde er nicht auf einem Kirchhof, da er kein Christ war, so hob man ein unmarkiertes Grab für ihn auf einem Feld nahe der Küste aus. Erst sechzig Jahre später erinnerte sich ein pensionierter Lehrer, James Watson, an das einsame Grab des Sklavenjungen und sammelte Geld für eine Grabplatte, die an sein trauriges Schicksal erinnern sollte. Sie trägt die Inschrift:

Here lies
Poor Samboo
A faithfull Negro
Who
(Attending his Maſter from the Weſt Indies)
Died on his Arrival at Sunderland

Full sixty Years the angry Winter’s Wave
  Has thundering daſhd this bleak & barren Shore
Since Sambo’s Head laid in this lonely Grave
  Lies still & ne’er will hear their turmoil more.

Full many a Sandbird chirps upon the Sod
  And many a Moonlight Elfin round him trips
Full many a Summer’s Sunbeam warms the Clod
  And many a teeming Cloud upon him drips.

But still he sleeps _ till the awakening Sounds
  Of the Archangel’s Trump new Life impart
Then the Great Judge his Approbation founds
  Not on Man’s Color but his_Worth of Heart

Ist es nicht schön, dass auch heute noch an Sambo gedacht wird? Auf seinem Grab finden sich immer wieder Blumen und bemalte Steine, die oft von Schulkindern niedergelegt werden. Leider wurde die Original-Grabplatte gestohlen, so dass jetzt eine Replika hier liegt. Damit Sambos Grab gegen die zunehmende Küstenerosion und den steigenden Meeresspiegel geschützt ist, hat man es mit einer Steinmauer umfasst.

Ich habe diesen Blogeintrag in meine Rubrik „Famous Graves“ aufgenommen; das Grab ist vielleicht nicht „famous“, aber trotzdem auf seine Art beeindruckend.
Dieser Film zeigt Sambos Grab und das einsam gelegene Sunderland Point.

Photo © michael ely (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Das einsam gelegene, winzige Dorf Sunderland Point in Lancashire.
Photo: Nigel Shuttleworth.
Creative Commons ND 2.0

Published in: on 19. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Boardman Tasker Award for Mountain Literature und das Kendal Mountain Festival in Cumbria

Das Brewery Arts Centre in Kendal, wo viele Veranstaltungen des Festivals stattfinden.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Im Oktober 1980 wurde erstmals das Kendal Mountain Festival veranstaltet, am Rande des Lake Districts in der Stadt Kendal in der Grafschaft Cumbria. An vier Tagen im November kommen Filmemacher, Schriftsteller, Sportler und Outdoor-Fans aus dem ganzen Land und aus dem Ausland zusammen, um sich ihrem gemeinsamen Hobby „The Great Outdoors“ zu widmen. Beim International Film Competition werden über hundert Filme gezeigt, in zahlreichen Vortragsveranstaltungen kommen bekannte Persönlichkeiten aus der Welt der Bergsteiger und Abenteurer zu Wort, die von ihren Erfahrungen berichten (Reinhold Messner war auch schon einmal hier) …und es wird alljährlich der Boardman Tasker Award for Literature vergeben, an Autoren, die einen besonderen literarischen Beitrag zum Thema Bergwelt geleistet haben, sei es in Form von Belletristik, Sachbüchern, Lyrik oder Dramen. 
Benannt wurde der Literaturpreis nach den beiden englischen Bergsteigern Peter Boardman (1950-1982) und Joe Tasker (1948-1982), die am 17. Mai 1982 auf dem North East Ridge des Mount Everests ums Leben gekommen sind. Beide hatten in ihren Büchern von ihren Bergsteigerabenteuern geschrieben. Peter Boardman war der Autor von „The Shining Mountain“ und „Sacred Summits“ („Auf den Zinnen der Götter“), Joe Tasker schrieb „Everest – The Cruel Way“ (dt. „Eishölle am Everest“) und „Savage Arena„.

Der Boardman Tasker Award for Literature beinhaltet ein Preisgeld von £3,000, das zuletzt im November 2025 Iain Peters für sein Buch „The Corridor“ erhielt („a gripping story of how mountains, climbing and secret shame can shape a life“). Im Jahr davor waren die Preisträger Nandini Purandare & Deepa Balsavar, die das Buch „Headstrap: Legends and Lore from the Climbing Sherpas of Darjeeling“ geschrieben haben.

Die Bücher, die für den Preis in Frage kommen, müssen in englischer Sprache verfasst oder ins Englische übersetzt worden sein.

Das Kendal Mountain Festival findet hauptsächlich im Brewery Arts Center von Kendal statt, in diesem Jahr vom 19. bis zum 22. November. Hier ist ein Film über das Festival vom letzten Jahr.

Meine Lieblings-Pubs – The Gregory Arms in Harlaxton (Lincolnshire)

Photo: Russ Hamer.
Creative Commons 3.0

Es tut einem Pub meistens nicht gut, wenn seine Besitzer häufig wechseln; so war es leider in den letzten Jahren um The Gregory Arms in Harlaxton in Lincolnshire nicht so gut bestellt. Am 24. November letzten Jahres wurde der Pub glücklicherweise wieder neu eröffnet, nachdem er im Herbst geschlossen worden war. Erst Anfang 2025 hatte das Harlaxton College der University of Evansville in Indiana, das im gegenüberliegenden Harlaxton Manor residiert, den Pub übernommen, was offensichtlich keine so gute Idee war, sonst hätte das Experiment wohl funktioniert.

Ich hatte im The Gregory Arms einmal einen Lunch zu mir genommen und habe den Pub noch in guter Erinnerung. Ich hatte mich für das Gasthaus, das auch einige Zimmer vermietet, entschieden, weil ich mich sehr für das Harlaxton Manor interessiere, über das ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe. Die Zufahrt zum Manor mit seinem großen Tor liegt direkt gegenüber vom The Gregory Arms. das 1841 erstmals seine Pforten geöffnet hat und nach dem Erbauer des Harlaxton Manors, Gregory Gregory, benannt worden ist. Der Mann mit dem merkwürdigen Namen lebte von 1786 bis 1854 und stammte aus einer wohlhabenden Familie, die unter anderem durch Kohlebergwerke reich geworden war. Bevor er sein prachtvolles Haus in Harlaxton baute, wohnte er nicht weit entfernt in Hungerton Hall, ebenfalls in Lincolnshire.

Bleibt zu hoffen, dass The Gregory Arms unter seinem neuen Besitzer viel Erfolg hat und lange bestehen bleibt!

The Gregory Arms
The Drift
Harlaxton
Grantham NG32 1AD

Die Zufahrt zum Harlaxton Manor, gegenüber vom The Gregory.
Photo © Kate Jewell (cc-by-sa/2.0)

Hungerton Hall in Lincolnshire; hier residierte der Namensgeber des Pubs, Gregory Gregory, bevor er ins Harlaxton Manor zog.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Januar 2026 at 02:00  Comments (1)  

Das Jodrell Bank Observatory in Lower Withington (Cheshire) und sein Discovery Centre

Das Lovell-Teleskop.
Photo © habiloid (cc-by-sa/2.0)

Das Jodrell Bank Observatory ist seit 2019 UNESCO-Welterbe und das Zentrum für Radioastronomie in England. Schon von weitem sind die Teleskope bei dem Ort Lower Withington in Cheshire zu sehen, vor allem das berühmte, 1957 erbaute Lovell-Teleskop (benannt nach dem Radioastronomen Bernard Lovell, der es auch entworfen hat), das einen Durchmesser von 76 Metern hat. Jodrell Bank ist im Besitz der Universität Manchester und wird auch von ihr betrieben. Es ist ein weltweit führendes Forschungsinstitut für Astrophysik, in dem zahlreiche Entdeckungen stattgefunden haben wie die der Quasare und Pulsare.

Wer sich für dieses Thema interessiert, dem ist ein Besuch hier in Cheshire sehr zu empfehlen, denn man kann sich im Jodrell Bank Discovery Centre über die Forschungsarbeiten informieren, die hier unternommen worden sind und noch immer unternommen werden. Der erst 2022 in Betrieb genommene First Light Pavilion zeigt die Geschichte von Jodrell Bank, von seinen Anfängen nach dem Krieg über das Weltraumrennen zwischen den USA und Russland bis hin zu den heutigen Entdeckungen. Im Space Dome-Planetarium erhalten die Besucher faszinierende Einblicke in das Weltall. Das Besondere am First Light Pavilion ist seine Architektur, eine grasbewachsene Kuppel mit 76 Metern Durchmesser, deren Form und Größe an das Lovell-Teleskop erinnern soll.

Die im Freien installierten Whispering Dishes machen physikalische Phänomene erlebbar, indem mit Schallwellen experimentiert wird wie dieser kurze Film zeigt. Einer der Höhepunkte des Besuchs auf dem Gelände ist natürlich das Lovell-Teleskop selbst, das man sich aus der Nähe ansehen kann.
Auch in diesem Jahr finden wieder die „Lovell Lectures“ statt, in denen führende Wissenschaftler über aktuelle Entdeckungen berichten.

Das war jetzt nur ein sehr kurzer Einblick in das, was die Besucher hier erwartet, mehr ist in diesem Film zu sehen.

Die Öffnungszeiten des Discovery Centres: Täglich, außer montags, von 10 Uhr bis 16 Uhr. Der Eintrittspreis: £14.85.

Jodrell Bank
Bomish Lane,
Lower Withington
Cheshire
SK11 9DL

Der Eingang zum Discovery Centre.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

The Whispering Dishes.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Januar 2026 at 02:00  Comments (3)  

Das Pretoria Pit Disaster – Ein schweres Bergwerksunglück am 21. Dezember 1910 in Over Hulton (Greater Manchester)

Das Pit Memorial auf dem Westhoughton Cemetery
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Bergwerksunglücke gab es im Norden Englands immer wieder, und es muss schrecklich gewesen sein, tief unter der Erden ohne besondere Sicherheitsmaßmahmen zu arbeiten. Von einem dieser Unglücke schrieb ich schon einmal in meinem Blog, dem Huskar Pit Desaster am 4. Juli 1838 in Silkstone in South Yorkshire.

72 Jahre später ereignete sich kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 1910, in Over Hulton (Greater Manchester), das damals noch zu Lancashire gehörte, das sogenannte Pretoria Pit Disaster in der Hulton Colliery, einem Kohlebergwerk, bei dem 344 Männer ihr Leben verloren. Lediglich die beiden Bergmänner Joseph Staveley und William Davenport überlebten die Explosion in der Pretoria Pit genannten Kohlegrube; eine Explosion, die durch eine Gasansammlung infolge eines Deckeneinsturzes am Vortag verursacht worden sein könnte, womöglich durch eine defekte Grubenlampe entzündet.
Viele Familien in dem Bergwerksort waren betroffen, manche verloren gleich mehrere Mitglieder. Noch heute gedenkt man der Toten am 21. Dezember an mehreren Gedenkstätten in der Region.
Da ist das Pit Memorial auf dem Westhoughton Cemetery, auf dem 229 Bergleute beigesetzt worden sind, die knieende Bronzefigur eines Bergmanns (von der Bildhauerin Jane Robbins geschaffen) vor einer Wand mit den Namen der Opfern in den Ditchfield Gardens von Westhoughton, und das Pretoria Pit Memorial am Rand des Hulton Parks am Broadway in Atherton, auf dem ebenfalls die Namen der toten Bergleute aufgeführt sind.

In diesem Film sind einige historische Aufnahmen zu sehen.

Die Houghton Weavers haben die Ereignisse vom 21. Dezember 1910 in dem Lied „The Pretoria Pit Disaster“ vertont.

Die Gedenkstätte in den Ditchfield Gardens von Westhoughton.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Das Pretoria Pit Memorial in Atherton.
Photo © Kevin Waterhouse (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Morbid Pop Songs“ in den 1960er Jahren

Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

In den 1960er Jahren schwappte eine Welle von sogenannten „morbid pop songs“ aus den USA nach Großbritannien, die auf beiden Seiten des Atlantiks für eine gewisse Zeit sehr populär waren und in den Charts der beiden Länder auftauchten. Die BBC mochte viele der Songs mit den traurigen Inhalten nicht, in denen es meist um tragische Auto- und Motorradunfälle ging, und verbannte sie aus ihrem Programm. Auch in der populären TV-Show Top of the Pops waren die meisten dieser auch „death discs“ genannten Songs nicht zu sehen und zu hören.

Zu den ganz großen Erfolgen in den USA, und dann auch in Großbritannien, gehörten beispielsweise „The Leader of the Pack“ der Girl Group The Shangri-Las, in dem der Anführer einer Motorradgang bei einem Motorradunfall uns Leben kommt. Bei „Dead Man’s Curve“ von Jan and Dean geht es um ein spektakuläres Autorennen in den Straßen von Los Angeles zwischen einem Stingray und einem Jaguar XKE, das böse endet. Um ein riskantes Autorennen geht es auch in Ray PetersonsTell Laura I Love Her„, bei dem Lauras Freund Tommy ums Leben kommt. Das britische Plattenlabel Decca ließ 25 000 bereits gepresste Kopien des Songs wieder vernichten, weil sie ihn für geschmacklos hielten. Dennoch erreichte der walisische Sänger Ricky Valence mit einer Coverversion von „Tell Laura I Love Her Platz 1 der britischen Charts. Ja, es gab nicht nur US-Produktionen dieser „morbid pop songs“. Neben Ricky Valence war da zum Beispiel John Leyton mit seinem „Johnny Remember Me„, in dem ein junger Mann von der Stimme seiner verstorbenen Geliebten heimgesucht wird. Und dann war da noch Twinkle, eine junge Sängerin, die in „Terry“ von dem Tod ihres Freundes singt, der bei einem Motorradunfall ums Leben kommt.

Ich muss zugeben, ich habe eine Schwäche für diese „death discs“. Hier zwei meiner Favoriten, die vielleicht nicht ganz so bekannt sind: Del Shannon mit „The Prom“ und The Shangri-Las mit „Give Us Your Blessings„.

Dieser Film fasst den Musiktrend in den 1960er Jahren noch einmal zusammen.

Published in: on 14. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Schriftstellerin Elizabeth Cleghorn Gaskell (1810-1865) und der Lindeth Tower in Silverdale (Lancashire)

Photo © Karl and Ali (cc-by-sa/2.0)

Wenn es der Schriftstellerin Elizabeth Cleghorn Gaskell, die von 1810 bis 1865 lebte, in ihrem Wohnort Manchester zu turbulent wurde, zog sie sich gern an die Morecambe Bay, und da speziell in das Dorf Silverdale in Lancashire, zurück. Die Romanautorin, sie schrieb 1857 auch die Biografie „The Life of Charlotte Brontë“ (dt. „Das Leben der Charlotte Brontë“), war zu ihrer Zeit sehr populär; noch heute ist sie durch ihren Roman „Cranford“ (dt. „Cranford“) bekannt oder besser durch die Verfilmung des Romans durch die BBC-Serie gleichen Namens (7 Episoden in 2 Staffeln, in deutscher Synchronisation ab 2010), die ab 2007 gezeigt wurde. In dem Buch beziehungsweise Film stehen die sozialen Veränderungen des 19. Jahrhunderts in England im Mittelpunkt. Gedreht wurde die TV-Serie nicht in Lancashire, sondern überwiegend in Lacock in Wiltshire.

Mrs Gaskell, wie sie meist nur genannt wurde, bewohnte gern in Silverdale den Lindeth Tower, ein dreistöckiges Gebäude, das 1842 von dem Bankier Henry Paul Fleetwood als Sommerhaus erbaut worden war. Fleetwood war ein entfernter Verwandter von Sir Peter Hesketh-Fleetwood (1801-1866), der die nach ihm benannte Stadt Fleetwood in Lancashire gegründet hatte. Mrs Gaskell benutzte das obere Stockwerk des burgartigen Turms als Arbeitszimmer, und hier sollen Teile des Romans „Cranford“ entstanden sein, sowie ihr Roman „Ruth“ (dt. „Ruth: Eine Erzählung“). In dem Gesellschaftsroman geht es um das 15-jährige Waisenmädchen Ruth, das sich in den aristokratischen Lebemann Henry Bellingham verliebt.

Mrs Gaskell hatte von ihrem Arbeitszimmer aus einen sehr schönen Blick auf die Morecambe Bay (siehe dazu meine Blogeinträge). In Silverdale, einem Ort mit etwa 1500 Einwohnern, hat man das Andenken an die Romanschriftstellerin hoch gehalten, indem man die Village Hall nach ihr benannt hat, die Gaskell Memorial Hall.

Eine kleine Notiz am Rand: Die Gesangsgruppe Aquilo, 2013 gegründet, die aus Tom Higham und Ben Fletcher besteht, die beide aus Silverdale stammen, hatte 2021 für ihr Album „A Safe Place To Be“ ein detailreiches Modell-Dorf von Silverdale anfertigen lassen, das sie als Albumcover verwendeten und auch für ihr Musikvideo zu „Out in L.A.“ Darin nehmen sie das Modell der Gaskell Memorial Hall heraus und ersetzen es durch einen amerikanischen Diner, was in der Bevölkerung von Silverdale nicht allzu gut ankam. Hier ist das Video zu sehen.

Photo © Mary and Angus Hogg (cc-by-sa/2.0)

Die Gaskell Memorial Hall.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die Claughton Aerial Ropeway in Lancashire – Die letzte industrielle Luftseilbahn, die in Großbritannien noch in Betrieb ist

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Bei Claughton in der Grafschaft Lancashire befindet sich die letzte industriell genutzte Luftseilbahn Großbritanniens, die Claughton Aerial Ropeway, die vor etwas mehr als hundert Jahren 1924 in Betrieb genommen worden ist, die zuverlässig tagaus, tagein ihren Dienst versieht, an der kaum etwa verändert worden ist…und die ohne Energiezufuhr auskommt. Energiekosten sind ein Fremdwort hier in Claughton, denn die Luftseilbahn funktioniert ausschließlich durch Schwerkraft. Das Gewicht der vollen Gondeln zieht die leeren Gondeln zurück zum Beladepunkt. Ein Bremssystem sorgt für die korrekte Geschwindigkeit und ermöglicht es, das Seil abzubremsen.

Gebaut wurde die Claughton Aerial Ropeway, um Schiefer aus einem Steinbruch im Claughton Moor zu den Hanson Brick Works  (jetzt Forterra plc) zu befördern, wo der zerkleinerte Schiefer zu Ziegeln verarbeitet wird. Durch diese umweltfreundliche Transportart, die weder Treibstoff noch Strom benötigt, können täglich zwischen 250 und 300 Tonnen Schiefer auf einer Strecke von zwei Kilometern befördert werden. 40 bis 46 Gondeln sind im Einsatz und jede benötigt etwa 45 Minuten für einen vollen Umlauf. Den Ablauf dieser Prozedur zeigt dieser Film.

Pro Woche werden in der Fabrik um die eine Million Ziegel hergestellt, die zum großen Teil für den Bau von Häusern in Nordengland und Schottland verwendet werden.
Die Betriebserlaubnis für den Steinbruch durch den Lancaster City Council wird voraussichtlich 2036 ablaufen, und das könnte dann das Ende des Claughton Aerial Ropeways sein.
Wer einmal mit einer dieser Gondeln mitfahren möchte, dieser Film macht es möglich.

Zur Orientierung: Claughton liegt an der A683 nordöstlich der Grafschaftshauptstadt Lancaster.

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Spukorte – Das Dunster Castle in Dunster in Somerset

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Als ich vor einigen Jahren für ein paar Tage auf dem Gelände des Ellicombe Manor vor den Toren von Minehead in Somerset wohnte (siehe dazu meinen Blogeintrag), stattete ich auch dem hübschen Ort Dunster einen Besuch ab. Das Dorf mit etwas weniger als tausend Einwohnern hat ein imposantes Marktkreuz auf der High Street vorzuweisen, wird aber beherrscht von dem über ihm liegenden Dunster Castle. Die Burg war über Jahrhunderte Familiensitz der Luttrells, die es erst im Jahr 1976 dem National Trust überschrieben, der sich seitdem um das alte Gemäuer kümmert. Ich möchte mich an dieser Stelle aber nicht über die lange Geschichte der Burg auslassen, sondern den Aspekt „Spukort“ in den Vordergrund stellen. Das Dunster Castle gilt als eines der „most haunted castles“ des National Trusts, so dass hin und wieder für Interessierte Ghost Tours angeboten werden.

Schon das zum Eingang der Burg führende schmiedeeiserne Tor aus dem 13. Jahrhundert mit seinen steinernen Stufen wirkt recht gruselig, und Hunde sollen diese Treppenstufen mit aller Macht meiden und sich weigern, diese hinaufzugehen. Unter dem Gatehouse befindet sich das Oubliette, der Kerker, in den Gefangene geworfen wurden, die man dann einfach vergaß und die auf grausame Weise langsam dort unten starben (siehe zum Thema „Oubliette“ meinen Blogeintrag). Bei Bauarbeiten fand man ein Skelett, das noch die Hand- und Fußfesseln trug.

Das Dunster Castle hat auch eine Grey Lady, die sich hin und wieder auf dem Grand Oak and Elm Staircase und in der Bibliothek zeigt. Der King Charles Room (Charles II. nächtigte hier einmal im Jahr 1645) hat für einige Besucher eine besonders unheimliche Atmosphäre, und manche weigern sich, hier einzutreten. Weiterhin zählen die Library Passage und die Leather Gallery zu den Orten in der Burg, die ängstliche Gemüter lieber meiden sollten. In den ehemaligen Ställen, in denen jetzt der National Trust Shop untergebracht ist, will man mehrmals einen Man in Green gesehen haben. Auch das Personal des Dunster Castle fühlt sich in der dunklen Jahreszeit, wenn die Touristen gegangen sind und die Tore abgeschlossen werden, nicht immer ganz wohl in der Burg…

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Burg auf den Spuren ihrer unheimlichen Bewohnern.

Das alte Tor und die unheimlichen Treppenstufen.
Photo © Malcolm Neal (cc-by-sa/2.0)

The Gatehouse.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Die Bibliothek.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Grand Oak and Elm Staircase.
Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)


Der King Charles Room.
Photo: ell brown.
Creative Commons NC-SA 2.0

Die ehemaligen Stallungen.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – J. Gordon Kingsley: „Blessed Harlaxton, My Home“

Foto meines Exemplares.

Über das wunderschöne Harlaxton Manor, nahe Grantham in der Grafschaft Lincolnshire, habe ich in meinem Blog bereits zweimal geschrieben, zuletzt am 23. Dezember letzten Jahres über den Cedar Staircase. Das Haus gehört seit den 1970er Jahren der University of Evansville in Indiana und dient als Harlaxton College den Studierenden dieser Universität als ganz besonderer Ort, um hier für eine gewisse Zeit ihre Studien zu betreiben, aber auch um Land und Leute kennen lernen zu können.

Wie es hinter den Kulissen des Harlaxton Manors zugeht, schildert J. Gordon Kingsley, der eine Zeit lang Principal des Colleges war, in seinem Buch „„Blessed Harlaxton, My Home“„, das bereits im Jahr 2015 erschienen ist. Er bringt darin seine tiefe Verbundenheit mit dem Manor House und den Studierenden zum Ausdruck. Unter ihm hat sich hier sehr viel getan, Teile des Gebäudes sind vor dem Verfall gerettet worden, er hat die Räumlichkeiten im Gatehouse und im Pegasus Tower restaurieren lassen, und eine Fachfirma hat die seit langem nicht mehr funktionierende Uhr über dem Haupteingang wieder repariert.

J. Gordon Kingsley lässt uns daran teilhaben wie im Manor House Weihnachten gefeiert wird, wir erfahren, was es mit dem Naked Mile Lane auf sich hat, warum der Schwan Bob so „grumpy“ war, und was das erste Wort ist, wenn die neuen amerikanischen Studenten das Harlaxton Manor zum ersten Mal vor Augen haben, nämlich „Wow!„.

Dem Principal sind die Menschen in Erinnerung geblieben, die dem Manor House durch ihre Arbeit einen eigenen Stempel aufgedrückt haben wie zum Beispiel Billy James, der Dudelsackspieler, Doug Mitchell, der für die Security zuständig war, und Mrs Culpin, Head Housekeeper, Mädchen für alles und bis ins hohe Alter für das College unverzichtbar.

Es gibt nur wenig Literatur über das Harlaxton Manor beziehungsweise über das Leben in diesem „outpost“ der University of Evansville in Lincolnshire, und ich habe die Lektüre sehr genossen.

J. Gordon Kingsley: „Blessed Harlaxton, My Home“. Turtle Creek Publications 2015. 181 Seiten. ISBN 978-0692398005.

Das Manor House.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

The Great Hall.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Das Gatehouse.
Photo © Jonathan Clitheroe (cc-by-sa/2.0)

Bunbury in Cheshire und die erfolgreiche TV-Serie „Home Fires“ des Senders ITV

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Den Namen „Bunbury“ kennt man in erster Linie als Figur aus Oscar Wildes Theaterstück „The Importance of Being Earnest“, das in deutscher Übersetzung „Bunbury oder Ernst sein ist alles“ heißt. Es gibt aber auch einen Ort in England, der Bunbury heißt (nicht zu verwechseln mit dem wesentlich größeren Banbury in Oxfordshire), ein Dorf mit rund 1500 Einwohnern, das in den Jahren 2014 und 2015 für einige Monate in Great Paxford umbenannt worden ist, denn der Sender ITV drehte hier seine sehr erfolgreiche TV-Serie „Home Fires„, die nicht in den deutschsprachigen Ländern in synchronisierter Form gezeigt worden ist.

Das beschauliche Dorf Bunbury in der Grafschaft Cheshire eignete sich gut als Drehort; es ist über die A49 leicht zu erreichen, liegt aber trotzdem relativ abgeschieden und ist kein Ort mit starkem Durchgangsverkehr, der die Dreharbeiten hätte stören können.
Das Drama erzählt die Geschichte einer Gruppe von Frauen in einer ländlichen Gemeinde in Cheshire, Great Paxford, deren Leben vom Zweiten Weltkrieg überschattet wird. Die Frauen, die von ihren Ehemännern, Vätern, Söhnen und Brüdern getrennt sind, die an der Front kämpfen müssen, schließen sich im Great Paxford Women’s Institute zusammen, um mit den Problemen mit denen sie konfrontiert sind, gemeinsam besser fertig zu werden. Die TV-Serie basiert auf dem Buch „Jambusters: The Story of the Women’s Institute in the Second World War “ von Julie Summers, das nicht ins Deutsche übersetzt worden ist.

Zu den Hauptdarstellerinnen der ITV-Serie gehören zum Beispiel Samantha Bond, die man als Rosamund Painswick in „Downton Abbey“ kennt und die bisher dreimal bei „Inspector Barnaby“ mitgewirkt hat, und Clare Calbraith, die in der Krimiserie „Grace“, die Sandy Grace spielt.

Gedreht wurde in Bunbury vorwiegend im Vicarage Lane und dort beispielsweise in der Metzgerei R.F. Burrows & Sons, die im Film Brindsley’s Butchers heißt. Leider ist diese Metzgerei kürzlich nach fast genau 100 Jahren geschlossen worden. Weitere Drehorte waren der Dorfchippy, der in eine Tankstelle umgewandelt wurde, die Dorfkirche St Boniface, der Pub The Nag’s Head und die Village Hall.

Zur großen Enttäuschung der Serienfans wurde „Home Fires“ nach zwei Staffeln und zwölf Folgen überraschenderweise abgesetzt. Wer sich einmal ein Bild von der TV-Serie machen möchte, hier ist die erste Folge der ersten Staffel zu sehen.

Der Vicarage Lane mit The Nag’s Head.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)


Die Village Hall.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

St Boniface.
Photo © John Lord (cc-by-sa/2.0)

The Shanklin Chine – Eine Touristenattraktion auf der Isle of Wight

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Jane Austen war schon hier, und auch John Keats, Charles Dickens, George Eliot und viele andere Schrifsteller suchten den Shanklin Chine auf der Isle of Wight auf, einen „beauty spot“, der auch heute noch bei den Besuchern der Insel vor der englischen Südküste zu den Attraktionen zählt.
Kürzlich schrieb ich in meinem Blog über den Blackgang Chine auf der Insel, den ältesten Freizeitpark Großbritanniens, in dessen Namen das Wort „chine“ ebenfalls auftaucht, was soviel wie steiles Erosionstal bedeutet. The Shanklin Chine ist eine bewaldete Schlucht, durch die ein Spazierweg vom Shanklin Old Village bis zu den Sandstränden hinunterführt.

„Carved by Mother Nature“ heißt es auf den Webseiten des Shanklin Chines, der 1817 von William Colenutt angelegt worden ist. Diese Gegend war früher auf Grund ihrer Abgeschiedenheit bei Schmugglern sehr beliebt, jetzt kommen die Touristenscharen und bevölkern den nicht mehr so abgeschiedenen Shanklin Chine. Noch sehr viel früher tummelten sich hier Dinosaurier, wovon man sich im Dinosaur Isle Museum im benachbarten Sandown selbst ein Bild machen kann. Beim Abstieg des Shanklin Chines trifft man auf einige dieser prähistorischen Tiere, die furchterregend am Wegesrand stehen.

Besonders großartig wirkt die Schlucht im Dunklen, wenn sie von zahlreichen Lichtern farbig beleuchtet wird, dann sehen die beiden Wasserfälle noch beeindruckender aus. Acht Kilometer Kabel sind verlegt worden, um diese Illuminationen zu schaffen.

In der Schlucht sind noch einige Reste einer Pipeline zu finden, die im Rahmen der sogenannten Operation PLUTO im Zweiten Weltkrieg Treibstoff unter dem Ärmelkanal nach Frankreich transportierte, um dort die Alliierten zu versorgen.
Wenn man Glück hat, trifft man im Shanklin Chine auf eines der roten Eichhörnchen, die in England immer seltener geworden sind, weil ihre grauen Kollegen sie weitgehend verdrängt haben.

Ein Ticket für die Begehung der Schlucht kostet £12.95 (Bargeld wird übrigens nicht mehr akzeptiert).
In diesem Jahr ist der Shanklin Chine vom 18. März bis zum 1. November täglich ab 10 Uhr geöffnet.
Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch die Schlucht.

Photo © John Webber (cc-by-sa/2.0)

Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Eines der selten gewordenen roten Eichhörnchen, die sich hier auf der Isle of Wight wohlfühlen.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Die Isthmian League – Eine untere Fußball-Liga im Südosten Englands

Das Alcaline Stadium an der Cheriton Road in Folkestone, Heimat der Folkestone Invicta, dem derzeitigen Tabellenführer der Premier Division der Isthmian League.
Photo © Nick Smith (cc-by-sa/2.0)

Im antiken Griechenland gab es einmal die sogenannten Isthmischen Spiele, sportliche Wettkämpfe, die nach dem Isthmus von Korinth benannt worden sind. 1905 wurde im Großraum London die nach diesen Spielen genannte Fußball-Liga Isthmian League gegründet, die zu den ältesten, noch heute existierenden Ligen der Welt gehört. In der Liga sind Amateur- und halbprofessionelle Vereine aus den Regionen London, Südostengland und East Anglia zusammengeschlossen, insgesamt 88 Fußballclubs in vier Divisionen; das sind die Premier Division, die North Division, die South Central Division und die South East Division. In dem gesamten Gefüge des englischen Fußballsystems steht die Isthmian League an den Stellen 7 (Premier Division) und 8 (die drei anderen Divisionen). Ziel dieser Mannschaften ist es, in die nächst höhere Stufe, die National League South, aufzusteigen.

Schauen wir uns einmal einige der Vereine an, die in der Premier Division der Isthmian League spielen. Da ist der momentane Tabellenführer, mit ziemlich großem Abstand auf Platz 2, Folkestone Invicta („The Seasiders“), ein 1936 gegründeter Club, der in der Küstenstadt in Kent beheimatet ist. Die beiden direkten Verfolger sind Brentwood Town („The Blues“) aus Essex und Chatham Town („The Chats“) aus Kent.
Zu den abstiegsgefährdeten Vereinen zählen derzeit Potters Bar Town („The Scholars“) aus Hertfordshire und Welling United („The Wings“), ein Club aus dem London Borough of Bexley

Einmal im Jahr wird der Isthmian League Cup ausgespielt, jetzt Alan Turvey Trophy genannt, an dem alle 88 Vereine teilnehmen können, und der Isthmian Charity Cup, dessen Einnahmen für wohltätige Zwecke gespendet werden.
In diesem Film sind einige Szenen aus Spielen der Isthmian League zu sehen.

Published in: on 7. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

North Leverton with Habblesthorpe in Nottinghamshire – Das Dorf mit dem längsten Ortsnamen Englands

Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Noch immer kann sich die walisische Gemeinde Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch damit brüsten, den längsten Ortsnamen Europas zu haben und viele Touristen fahren nur dorthin, um das Schild mit dem Namen am Bahnhof zu fotografieren. Nur wenige wissen hingegen wie der Ort mit dem längsten Namen in England heißt: North Leverton with Habblesthorpe. Zugegeben, so spektakulär wie der walisische Rekordinhaber ist das nicht, aber immerhin besteht er auch aus dreißig Buchstaben.

Übrigens: Der Weltrekordhalter ist der eigentliche Name der Stadt Bangkok in Thailand: Krung-thep-maha-nakorn-boworn-ratana-kosin-mahintar-ayudhya-amaha-dilok-pop-nopa-ratana-rajthani-burirom-udom-rajniwes-mahasat-arn-amorn-pimarn-avatar-satit-sakattiya-visanukam.

Was gibt es nun über North Leverton with Habblesthorpe zu sagen? Das Dorf liegt in Nottinghamshire, westlich der A156, die von Gainsborough in Richtung Lincoln führt. An der Main Street liegt der Pub des Ortes The Royal Oak. Die Parish Church St Martin’s wurde im 12. Jahrhundert erbaut, und ebenfalls an der Main Street liegt die Grundschule North Leverton Church of England Primary School.

Über eine Sehenswürdigkeit verfügt North Leverton with Habblesthorpe aber doch, über die North Leverton Windmill, die schon seit 1813 an dieser Stelle steht.. Die Windmühle ist samstags geöffnet, und hier kann man Mehl kaufen, das in und mit der Mühle produziert worden ist.

Eine kleine Anekdote am Rande: Die nicht mehr vorhandene St Peter’s Church am östlichen Ortsrand, die zu der früheren Gemeinde Apethorpe gehörte, war die Kirche mit den meisten „runaway brides“ im ganzen Land, das heißt, Bräute, die kurz vor der Trauung kalte Füße bekommen und die Hochzeit „geschmissen“ haben.
In diesem Film stellt The Village Idiot North Leverton with Habblesthorpe vor.

Das Village Sign des Dorfes.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

The Royal Oak.
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

The Parish Church of St Martin.
Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)

North Leverton Windmill.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Dr. John Radcliffe (1650–1714) – Arzt, Politiker, Wohltäter…und sein Vermächtnis in der Universitätsstadt Oxford

Statue John Radcliffes im Green Templeton College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Am 1. Dezember veabschiedete sich Oxford von Dr. John Radcliffe (1650–1714) in Form eines Gottesdienstes in der University Church of St Mary. Radcliffe war Arzt, Politiker (er war viele Jahre lang Parlamentsabgeordneter) und vor allem ein Wohltäter für die Stadt Oxford, die mehrere Orte nach ihm benannt hat, die wir uns heute einmal ansehen wollen.

Der Radcliffe Trust, der im Todesjahr John Radcliffes durch sein Testament gegründet worden ist, sollte sein wohltätiges Vermächtnis durch die Förderung von Musik, sowie Kulturerbe und Kunsthandwerk fortsetzen, was der Trust bis heute tut. So entstand zum Beispiel die berühmte Bibliothek namens Radcliffe Camera, für die aus dem Nachlass 40.000 englische Pfund zur Verfügung gestellt wurden. Der Kuppelbau gehört mit den zu den Wahrzeichen Oxfords. Auch eine zweite Bibliothek, die Radcliffe Science Library in der Parks Road, ist nach ihm benannt worden. Sie ist berechtigt, ein Pflichtexemplar aller britischen wissenschaftlichen Publikationen zu erhalten.
Das Radcliffe Observatory diente  von 1773 bis 1934 als Sternwarte der Universität Oxford. Sie wurde auf Grund der Lichtverschmutzung der Stadt vom Radcliffe Trust nach Südafrika verlegt. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört heute zum Green Templeton College, wo auch eine am 25. September 2018 enthüllte Statue des Wohltäters zu finden ist.

Weiterhin sind zwei Krankenhäuser nach dem Wohltäter benannt worden: The Radcliffe Infirmary, das allerdings im Jahr 2007 geschlossen wurde (hier zogen später die Philosophische Fakultät und die Bibliotheken für Philosophie und Theologe der Universität Oxford ein), und das John Radcliffe Hospital, die größte Notaufnahme in der Grafschaft Oxfordshire und das wichtigste Lehrkrankenhaus der Universität.

The Radcliffe Quadrangle ist ein Innenhof des University Colleges, der mit Geldern Dr John Radcliffes gebaut wurde, der an dem College studiert hatte.

Der Radcliffe Square ist ein Platz im Zentrum der Stadt, in dessen Mittelpunkt das Gebäude der Radcliffe Camera steht. Die Radcliffe Road ist eine kleine, ruhige Straße in einem reinen Wohngebiet, die von der Iffley Road, der A4158, abzweigt.

Radcliffe Camera.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Radcliffe Science Library.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Radcliffe Observatory.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

John Radcliffe Hospital.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)


Radcliffe Quad des University Colleges.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Radcliffe Road.
Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

Hambledon in Hampshire und The Bat and Ball Inn, die Wiege des Cricketspiels

The Bat and Ball.
Photo: Anguskirk.
Creative Commons NC-ND 2.0

Über Cricket habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, ein Spiel, dessen Regeln ich bis heute nicht verstanden habe, das in Deutschland wenig gespielt wird, in England dagegen sehr beliebt ist. Die Wiege des Cricket steht in dem Dorf Hambledon in der Grafschaft Hampshire (nicht zu verwechseln mit Hambleden in Buckinghamshire), wo im Jahr 1750 der Hambledon Club gegründet worden ist, dessen Spielführer, Richard Nyren, gleichzeitig der Gastwirt des The Bat and Ball Inns war. In den 1770er Jahren stellte der Hambledon Club die beste Mannschaft ganz Englands, die ein Spiel nach dem anderen gewann.

Austragungsort der Heimpiele war Broadhalfpenny Down, eine Wiese direkt gegenüber vom The Bat and Ball Inn; der heutige Hambledon Cricket Club spielt hier nicht mehr, sondern auf der Ridge Meadow, einige hundert Meter entfernt. Der Platz wird heute von den Broadhalfpenny Brigands benutzt; das Clubhaus kann man für Feste und Feierlichkeiten mieten.
Ein 1908 von dem berühmten schottischen Spieler Edward Mark Sprot errichtestes steinernes Denkmal aus Granit aus Cornwall erinnert an die Gründung des Cricket Clubs. Es trägt die Inschrift: „This Stone Marks the Site of the Ground of the Hambledon Cricket Club circa 1750–1787„. Wesentliche Regeln des Spiels, die noch heute gelten, sind von dem Club entwickelt worden.

The Bat and Ball Inn diente damals als Clubhaus, bevor ein eigenes auf Broadhalfpenny Down errichtet wurde. Der hübsche Pub gehört zur Fuller’s Gruppe, und sein Pubschild zeigt natürlich ein Cricketmatch.

Dieser Film zeigt den Cricketplatz von einer Drohne aus gesehen.

The Bat & Ball
Hyden Farm Lane

Hambledon, Hampshire, PO8 0UB

Das Clubhaus auf Broadhalfpenny Down.
Photo © Margaret Sutton (cc-by-sa/2.0)

Das Denkmal auf Broadhalfpenny Down.
Photo © Martyn Pattison (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Famous Graves – Das Grab der Alice Chaucer (1404-1475) in der Kirche St Mary’s in Ewelme (Oxfordshire)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Auf meinen Reisen durch England auf den Spuren von Inspector Barnaby kam ich auch nach Ewelme, einem hübschen Dorf in der Grafschaft Oxfordshire (ich berichtete darüber in meinem Blog) und besuchte dort unter anderem die Dorfkirche St Mary’s. Hier ist auf dem Kirchhof das Grab des Schriftstellers Jerome K. Jerome („Drei Mann in einem Boot“) zu finden, und das Grabmal einer Frau, die einige Jahrhunderte vor ihm gelebt und Ewelme bis heute geprägt hat: Alice (oder auch Alyce) Chaucer. Wem der Nachname bekannt vorkommt, sie war die Enkelin des Dichters Geoffrey Chaucer (1343-1400), der mit seinen „Canterbury Tales“ (dt. „Canterbury- Erzählungen“) in die Weltliteratur eingegangen ist.

Alice Chaucer, die von 1404-1475 lebte, war eine Adelige, die dreimal verheiratet war, und sich jedesmal in ihrem Adelsstand verbesserte. Ihr erster Mann war Sir John Phelip, dann kam Thomas Montagu, der 4. Earl of Salisbury, und schließlich William de la Pole, der 1. Duke of Suffolk. Mit letzterem wohnte sie in Ewelme, und beide machten sich um das Dorf verdient.
Die Pfarrkirche St Mary’s wurde von ihnen wieder aufgebaut, sie schufen die Armenhäuser, in denen Bedürftige aus dem Ort wohnen konnten, und gründeten die Dorfschule, eines der ältesten Grundschulgebäude Englands, in der noch heute unterrichtet wird.

So ist es natürlich auch angebracht, dass Alice Chaucer ihre letzte Ruhestätte in St Mary’s erhalten hat. Es handelt sich um ein sogenanntes Transigrab, bei dem die Verstorbene auf dem Rücken liegend dargestellt wird, während unter ihr ihr verwesender Leichnam noch einmal zu sehen ist. Alices Alabasterfigur trägt am linken Arm den Hosenbandorden, eine damals außerordentlich hohe Würdigung für eine Frau, den sie im Windsor Castle verliehen bekommen hat. Das Grabmal wird von sechzehn eingravierten Wappen verschönert. Königin Victoria soll sich an dem Grabmal Alice Chaucers orientiert haben wie eine Dame den Orden zu tragen hat, den sie dann bei ihrer Krönung auch trug.

Anlässlich ihres 550. Todestages fand im Mai 2025 in Ewelme das Alyce Chaucer Festival statt mit Vorträgen (unter anderem: „Alyce’s tomb: a masterpiece with many different messages“) und einem Konzert mit mittelalterlicher Musik. Das Andenken an die Dame wird auch noch nach so langer Zeit in Ewelme hoch gehalten.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Kirche St Mary’s in dem auch das Grabmal Alice Chaucers zu sehen ist.

Photo: cons. maximus.
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St Mary’s in Ewelme.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Die von Alice und ihrem Mann geschaffenen Armenhäuser.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Die Grundschule von Ewelme.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Cathedral of the Sea in Portsmouth (Hampshire) und The Golden Barque

Photo: The wub.
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Die Kirche mit dem etwas sperrigen Namen The Cathedral Church of St Thomas of Canterbury wird in Portsmouth in der Grafschaft Hampshire meist nur Portsmouth Cathedral oder Cathedral of the Sea genannt, denn die Stadt im Süden Englands liegt direkt am Meer und ist eine der wichtigsten Hafenstädte Großbritanniens.

Am südlichen Haupteingang ist eine Besonderheit der Kirche aufgestellt, The Golden Barque, ein Schiff, das früher einmal die Kirchturmspitze zierte und Seeleuten den Weg in den Hafen von Portsmouth wies. Im Jahr 1710 ist die „Wetterfahne“ auf den Turm gehievt worden, wo sie bis zum Dezember 1954 ihren Dienst versah und den mit gutem Sehvermögen ausgestatteten Bürgern der Stadt zeigte, von wo der Wind wehte. An einem Dezembertag im Jahr 1954 zog ein Sturm vom Meeer über Portsmouth herein, der so stark war, dass die goldene Barke sich nicht mehr auf der Turmspitze halten konnte und von der Höhe herabstürzte. Glücklicherweise kam dabei niemand zu Schaden.

Das Besondere an der Dreimastbarke ist, dass für sie Eichenholz und Kupfer verwendet worden ist, dass man von Lord Horatio Nelsons Schiff HMS Victory entnommen hat, das 1805 an der Schlacht von Trafalgar teilnahm und auf dessen Deck Nelson starb. Das Schiff liegt ganz in der Nähe im Portsmouth Historic Dockyard. Der hölzerne Sockel auf dem die Golden Barque ruht, ist aus diesem Eichenholz angefertigt worden, die Gedenktafeln stammen von ehemaligen kupfernen Kielbolzen der HMS Victory. 1958 ist die bei dem Sturz beschädigte Barke komplett restauriert worden und braucht jetzt nicht mehr in schwindelerregender Höhe die Windrichtung anzeigen, sondern steht windgeschützt innerhalb der sicheren Kathedralenmauern.
Eine Replika der Golden Barque hat die Aufgabe des Windanzeigers auf dem Kirchturm übernommen, die aus wetterbeständigem Fiberglas besteht.

Hier ist ein Film über die Goldene Barke.

Eine weitere ungewöhnliche Wetterfahne zeigt dieser Blogeintrag und über Wetterfahnen und Wetterhähne im allgemeinen berichtete ich hier.

Die Replika-Barke.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Cathedral of the Sea.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Januar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen