Mein Kurzbesuch in Uckfield in East Sussex

Uckfield High Street.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Neulich war ich gezwungen, eine Autowerkstatt aufzusuchen, und da lag die nächstgelegene in Uckfield (East Sussex), das ist eine Kleinstadt mit rund 15 000 Einwohnern. Während sich Craig und seine Leute in der Uckfield Garage um mein Auto kümmerten, hatte ich Zeit, mich in dem Ort umzuschauen, und so schlenderte ich die High Street vom Anfang bis zum Ende hinunter.

Leider begann es zu regnen, deshalb wirkte die Hauptstraße von Uckfield langweiliger und trister als bei Sonnenschein. Es muss unzählige High Streets in englischen Kleinstädten wie diese geben, dominiert von Fast Food-Läden, Charity Shops, Immobilienagenturen, Billig-Textilwarengeschäften und Banken. Ein Schaufensterbummel ist hier kaum möglich.
Die ersten Geschäfte auf die ich traf, waren ein Döner und Pizza-Imbiss, gleich daneben ein winziger indischer Takeaway-Laden, ein paar Schritte weiter konnte man Burger essen und gleich dahinter chinesisches Essen mitnehmen oder dort verzehren; aber in den winzigen Buden ist das mit Sicherheit ziemlich ungemütlich.
Die Fortune Fish Bar, ein Stück weiter die High Street hinunter, sah auch nicht einladender aus; der benachbarte chinesische Takeaway hatte seine Pforten für immer geschlossen. Es folgten noch weitere Imbisse (die Bewohner von Uckfield müssen einen unersättlichen Appetit auf Pizza, Döner, Burger und Fish & Chips haben), und auch die Schaufenster des Bestattungsunternehmens The Co-operative Funeralcare und des Charity-Shops der British Heart Foundation mit ausgestellter Gebrauchtkleidung luden nicht wirklich zum Verweilen ein. Als ich am Ende der High Street angekommen war, mochte ich nicht mehr. Ich wurde aber doch noch positiv von einem sehr schönen Fachwerkhaus überrascht, das zwischen all den gesichtslosen Geschäften stand: Das Bridge Cottage aus dem Jahr 1436. Auch diesem ansprechendsten Haus der gesamten High Street sollte einmal der Garaus gemacht und auf dem freiwerdenden Gelände wohl weitere Imbisse gebaut werden (nur eine Vermutung von mir), doch glücklicherweise gab es in Uckfield genügend Menschen, die sich für den Erhalt des Cottages eingesetzt haben. Der Dank geht an die Uckfield & District Preservation Society.

Der Wikipediaeintrag von Uckfield führt in der Rubrik „Notable People“ den 1985 in der Stadt geborenen Sänger Rory Charles Graham auf, der sich als Rag’n’Bone Man mit dem Hit „Human“ einen Namen gemacht hat, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass der das Image von Uckfield auch nicht wesentlich aufpoliert hat.

Eigentlich war ich ganz froh, als ich mein Auto wieder übernehmen und Uckfield verlassen konnte.

Einige Läden an der High Street.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Bridge Cottage – Das Highstreet-Highlight.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. April 2018 at 02:00  Comments (10)  
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10 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Ingo,
    da beschreibst Du sehr anschaulich das Schicksal vieler Innenstaedte: in Grossbritannien ebenso wie in Deutschland – und auch hier in den USA zu beobachten. Leider!
    Hab‘ einen feinen Sonntag,
    Pit

    • Hallo Pit,
      ja, diese Verödung von Dörfern und Kleinstädten ist nicht auf England beschränkt, auch in Deutschland werden die „High Streets“ immer mehr von Kettenläden geprägt.
      Auch Dir einen schönen Sonntag!
      Ingo

      • Mir kommt dabei immer die Sternstrasse in Bonn in den Sinn: frueher eine wunderschoene Einkaufsstrasse, mit altetablierten Einzelhandelsgeschaeften und antike Fassaden. Und heute: ein seelenloser und unansehnlicher „Shop“ neben dem naechsten. 😦

      • Nachtrag zu „Veroedung“ von Doerfern: man koennte auch „Verbloedung“ sagen. 😉

  2. Jammerschade und wahrscheinlich ziemlich typisch. Vor allem, wenn man es mit dem Bild vor vielleicht 60 Jahren kontrastiert, als es dort statt Döner und chinesischem Fastfood noch Bäcker, Metzger und sonstige sinnvolle Geschäfte gab. Dazu paßt irgendwie auch das Buch „The Village News“ von Tom Fort, das ich auch gelesen habe. Der Wert kleinräumiger Lebens- und Wirtschaftszusammenhänge wird einem erst bewußt, wenn sie nicht mehr vorhanden sind.

  3. Sie haben mit diesem „alternativen“ Beitrag voll ins Schwarze getroffen, weil wir das sehr oft auch so empfinden! Wie Sie bereits vor einem Monat auf ähnliche Weise richtig bemerkt haben, gibt es in England nicht nur die scheinbar schöne Welt der Country Houses, Dorfkirchen und idyllischen Dörfer, sondern manchmal auch richtig viel Hässliches, wie diese unsäglichen Fressbuden, seelenlosen Supermarktketten, Handy-Läden, Bankfilialen, etc.!
    Immerhin gibt es in England immer noch sehr viele Secondhand-Bookshops…! Das wiegt dann bei mir wieder einiges auf!

    • Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich schreibe auch lieber über schöne und erfreuliche Dinge und werde auch in Zukunft meinen Schwerpunkt darauf legen, aber manchmal muss diese Seite des englischen Lebens auch erwähnt werden. Mögen die Second Hand Bookshops noch lange überleben!

  4. […] 15. April diesen Jahres schrieb ich in meinem Blog über meinen Kurzbesuch in der Kleinstadt Uckfield in East Sussex, ein Beispiel für den Niedergang […]

  5. So schrecklich ist Uckfield nun auch wieder nicht.
    Die High Street bietet schon etwas mehr, als in Ihrem Beitrag beschrieben. Mal abgesehen von den „Fressbuden“ lohnt es sich, in die Geschäfte zu gehen und sich auf die Menschen einzulassen. Es gibt bspw einen ausgesprochen guten Metzger, einen gut sortierten Herrenausstatter, Schmuckateliers. Samstags gibt es einen kleinen Bauernmarkt mit regionalen Produkten.
    Uckfield hat einige gute Pubs mit regionalem Bier und englischem Pub Food zu bieten.
    Außerdem ist die Landschaft um Uckfield herum bezaubernd. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade hat Uckfield einen eigenen Charme.
    Es gibt mehr zu entdecken, als es auf den ersten Blick scheint.


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