„Slow Train“ (1963) – Ein Lied, das den Verlust zahlreicher Eisenbahnlinien in Großbritannien beklagt

Tumby Woodside Sation in Lincolnshire. Einder der in "Slow train" erwähnten Bahnhöfe, der der Beecham Axe zum Opfer fiel-   © Copyright Dave Hitchborne

Tumby Woodside Station in Lincolnshire. Einer der in „Slow train“ erwähnten Bahnhöfe, der der Beeching Axe zum Opfer fiel.
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Einer der unbeliebtesten Männer der letzten Jahrzehnte in ganz Großbritannien war zweifelsohne Richard Beeching (1913-1985), einst Chef der British Railways und verantwortlich für die 1963 erschienene Schrift „The Reshaping of British Railways„. Darin stellte er einen Modernisierungsplan des Eisenbahnnetzes vor, dem schließlich mehrere tausend Kilometer Schienen, die Schließung von rund 2000 Bahnhöfen und etwa 100 000 Jobs zum Opfer fielen. In seinem Buch „50 people who buggered up Britain“ (das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe) charakterisiert Quentin Letts den Mann folgendermaßen: „Just typing that name fills one’s fingertips with rage. Dr. Beeching – later, inevitably, Lord Beeching – was a short-termist dunderhead, a bean-counter to beat all bean-counters, a figures man disinclined to think beyond the end of a balance sheet“.

Duch die sogenannte „Beeching axe“ wurden zahllose Orte im ganzen Land vom Eisenbahnnetz abgeschnitten; die Pendler mussten mit dem Auto zur Arbeit fahre, was zunehmende Staus und Luftverschmutzung zur Folge hatte. Auswirkungen, die heute noch zu spüren sind.

Das Gesangsduo Flanders and Swann, bestehend aus Michael Flanders (1922–1975) und Donald Swann (1923–1994), schrieb 1963 ein Lied mit dem Namen „Slow train„, in dem sie auf den Beeching Report Bezug nahmen und darüber lamentieren, dass so viele Eisenbahnlinien stillgelegt werden. Darin heißt es u.a.:
No more will I go to Blandford Forum and Mortiehow,
On the slow train from Midsummer Norton and Mumby Row,
No churns, no porter,
No cat on a seat,
At Chorlton-cum-Hardy and Chester-le-Street
We won’t be meeting again on the slow train.

Einige der genannten Bahnhöfe sind allerdings der Beeching Axe nicht zum Opfer gefallen. Das Lied erschien auf Flanders and Swanns LP „At the drop of another hat„, wurde aber auch von anderen Interpreten ins Repertoire aufgenommen wie z.B. von den King’s Singers und Frank Turner.

Hier ist eine Version von „Slow train“, interpretiert von Wendy Weatherby und Roger Lang.

Das Buch zum Artikel:
Julian Holland: Dr Beeching’s Axe 50 Years On – Memories of Britain’s Lost Railways. David & Charles 2013. 192 Seiten. ISBN 978-1446302675.

Published in: on 3. März 2013 at 02:00  Comments (4)  

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Es macht mir immer wieder Freude, deinem Blog zu folgen. Immer ist es interessant, abwechslungsreich, voller Überraschungen und informativ. Einfach mal Danke!

    • Ganz herzlichen Dank für Deine lobenden Worte!!!
      Ingo

  2. Hallo Ingo, ich hatte letztes Jahr das Vergnügen, mit der
    „Ravenglass & Eskdale Railway“ zu fahren. Eine Dampf-Modellbahn, die Passagiere mit einem regulären Fahrplan transportiert. Ich glaube, sowas kann es nur in England geben. Das Bähnchen, von den Einheimischen liebevoll „Ratty“ genannt, fährt auf einer Spur von 15“ (318 mm) über eine Strecke von etwa 12 km von Ravenglass nach Dalegarth durch das liebliche Eskdale im Lake District in Cumbria mit einer Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h. Ich glaube, typisch englischer als dieses Bähnchen geht fast nicht mehr, einen Eintrag in deinem Blog hätte es sicher verdient 😉

    • Hallo Peter,
      vielen Dank für den Kommentar! Ich habe von der Bahn schon gehört, bin mit ihr aber noch nicht gefahren.
      Viele Grüße
      Ingo


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